Man behind the Mirror Glen Ballard: eine Gabe für die Musik
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Fotograf BERT SPANGEMACHER Interview JUSTIN ROSS
Glen Ballard ist einer der begehrtesten Producer in Los Angeles’ Musikindustrie, denn sein Name steht für Talent und Hits. Seit Jahrzehnten katapultiert seine Genialität im Songwriting Künstler an die Spitze des Business’ und verhilft ihnen zu Ruhm und Erfolg. Einige der größten Namen der Branche verdanken ihm ihre Karrieren. Etliche seiner meisterhaft komponierten Songs haben sich generationenübergreifend in die Herzen unzähliger Fans gebrannt. Ausgezeichnet mit sechs Grammys und einer Academy-Award-Nominierung ist Glen Ballard für sein Mitwirken an einigen der einflussreichsten Liedern und Alben unserer Zeit bekannt – unter anderem für Alanis Morissettes „Jagged Little Pill“ von 1995. Oder für den während seiner Zusammenarbeit mit Michael Jacksons entstandenen Song „Man in the Mirror“. In jüngerer Zeit verhalf er Katy Perry mit dem nach ihr benannten Debütalbum zum Durchbruch. Bei unserem Besuch in seinem L.A.-Studio kamen wir in den seltenen Genuss, den talentierten Musiker einige seiner besten Kompositionen spielen zu hören. In unserem Interview verrät er mehr über sein Erfolgsrezept und die Highlights seiner schillernden Karriere. Was hat Sie dazu gebracht, Songwriting zu Ihrem Beruf zu machen? Wie sind Sie in das Business eingestiegen, wie haben Sie Ihre ersten Schritte zum Erfolg erlebt? Von dem Moment an, als ich das erste Mal mit fünf Jahren am Klavier saß, war meine Leidenschaft für die Musik geweckt. Weil ich schon immer lieber meine eigenen Melodien und Texte geschrieben habe, kenne ich gar nicht so viele Stücke von anderen Musikern! Ich selbst habe abertausende Songs geschrieben, um diese Neugierde zu befriedigen – manchmal gelingt es mir, dieses Verlangen mit einem richtigen guten zu stillen! Ich habe mit 22 Jahren in dieser Industrie angefangen, als Management-Assistent für Elton Johns Band. Es hat etwa drei Jahre gebraucht, bevor es richtig losging. Davey Johnstone (Eltons Gitarrist) bot Kiki Dee einen Song an, den ich mitgeschrieben hatte. Sie nahm ihn auf und bald darauf musste ich nicht mehr im Management den Telefondienst machen, sondern bekam einen Job als Songwriter bei MCA Music (heute Universal Music).
Das ist jetzt sehr vage gefragt, aber woher kommt die Inspiration für Ihre Musik? Verstecken sich all diese Songs irgendwo in Ihrem Inneren und warten bloß darauf, endlich an die Oberfläche zu sprudeln, oder ändert sich der Arbeitsprozess je nachdem mit welchem Künstler Sie gerade zusammenarbeiten? Ich komponiere einer einfachen Idee folgend, sei es musikalisch oder textlich. Es braucht diesen ersten Satz, der das Thema bestimmt. Das setzt dann das Schreiben für mich in Gang. Wenn ich mit Sängern zusammenarbeite, beeinflusst zusätzlich ihre Stimme entscheidend den Schreibprozess. Das gibt dem Ganzen einen besonderen Kick. So eine Kollaboration setzt enorme kreative Kräfte frei, weil man gemeinsam nach dem ganz Großen sucht. Sie haben mal geäußert, dass eine wirklich virtuose Stimme ein sehr seltenes Geschenk sei. Wie selten sind diese Ausnahmetalente? Können Sie uns einige nennen?
Eine wirklich großartige Singstimme transportiert Gefühl, aber letztlich müssen auch der Klang und die Textur der Stimme zum Inhalt, zur Intention passen. Die besten unter ihnen treffen Dich unerwartet ins Herz. Sie singen zu deiner Seele. Barbara Streisand eignet sich jeden Song an wie sonst niemand. Annie Lennox verfügt über Kraft, Anmut und einer besonderen Dringlichkeit, gepaart mit einem enormen Tonumfang. Aretha Franklin raubt einem mit der völligen Beherrschung ihrer Stimmwucht den Atem. Nat Cole hat eine Stimme so reich, warm und zart wie Gold. Frank Sinatra lässt jede Zeile wie eine Offenbarung klingen, eine Ode an die Lebensfreude. Auch Amy Winehouse hat sich in ihrer viel zu kurzen Karriere einen Platz unter den ganz Großen ersungen. Sie war Feuer und hatte Haltung. Céline Dion vollbringt wahre Wunder in unmöglichen Höhen. Diese Stimmen sind unverfälschte, standhafte Persönlichkeiten. Sie sind gleichermaßen markant und melodisch. Man erkennt sie nach dem ersten Ton. Sie sind unverwechselbar.
Glen Ballard mit DOLCE & GABBANA DG2168 12 - INTERVIEW - GLEN BALLARD