Adventist World German - May 2021

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P Zeit für eine Geschichte VON DICK DUERKSEN

astor Ken saß am Telefon und blätterte in seinem Terminkalender. Der Anrufer war ein sehr guter Freund von ihm, und es wäre schön, eine Woche mit ihm an der Schule zu verbringen, deren Direktor er war. Aber der Kalender war bereits voll – zu voll, um noch eine Gebetswoche an einer weit entfernten Internatsschule hinzuzufügen. „Ken, ich weiß, dass du viel zu tun hast, aber Gott lenkt meine Gedanken immer wieder auf dich. Ich spüre, dass er möchte, dass du der Sprecher für unsere Gebetswoche im Frühjahr bist. Unsere Kinder müssen direkt aus deinem Herzen von Gott hören.“ Die Bitte war eindringlich, und durch die Verschiebung von drei Ausschusssitzungen konnte er die Einladung annehmen. Obwohl er wusste, dass andere Dinge dazwischenkommen würden, trug er den Termin mit Tinte ein und sagte seinem Freund, dass er ihn einplanen könne. Nun musste er es noch seiner Frau sagen und zwölf neue Predigten vorbereiten. Die Gebetswochen in Internatsschulen waren für ihn die schwierigsten Einsätze. Es war immer, als würde man zum ersten Mal auf einem bockenden Pferd sitzen. Es konnte alles passieren. Er entschied sich, über den Charakter Gottes zu sprechen. „Gott liebt dich“, notierte er auf der ersten Seite. „Alles andere ist zweitrangig.“ Langsam nahmen die Predigten Gestalt an, meist waren es biblische Geschichten, nacherzählt, um Gott kennenzulernen.

Einige Geschichten handelten von Mädchen und Frauen, andere von Männern. Priester, Soldaten, Richter, Gewinner und Verlierer. Echte Menschen, die strauchelten und fielen. Versager, die spürten, wie Gott sie liebevoll in seine Arme nahm. Sünder, die hörten, wie Gott ihnen Vergebung zusprach. Beispiele dafür, was Gott gerne auch für die Schüler tun würde, die in der Kapelle sitzen und zuhören würden. Er betete viel über die Gebetswoche. Während Ausschusssitzungen; beim Mittagessen; mit seiner Frau; oft. *** Der erste Abend war der schwierigste. Es ist gut, mit dem Direktor befreundet zu sein, aber allzu eng sollte die Freundschaft wiederum nicht sein, wenn er wollte, dass die Schüler ihm vertrauten. Er war zu alt, um mit ihnen gemeinsam Sport zu machen, also musste er sich auf Gespräche bei den Mahlzeiten, auf dem Campus, in den Wohnheimlobbys und nach dem Unterricht verlassen. Er betete ständig und sprach mit Bedacht. Sie hörten zu, entspannten sich und reagierten positiv. Am Donnerstagabend machte er einen Aufruf. Er lud die Schüler ein, ihr „Herz Jesus zu schenken, seine Liebe anzunehmen und sich an seiner Vergebung zu freuen“. Bei den anschließenden persönlichen Gesprächen wurde eine ganze Schachtel Taschentücher verbraucht. Er war in der Lobby des Jungenwohnheims und wollte sich gerade in sein Gästezimmer zurückziehen, als Mike kam und ihn fragte, ob

Der LKW-Fahrer Foto: Nick Brookenheimer


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