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Kurz geschnackt...

MIT SONNI HÖNSCHEID

Sonni, wo steckst Du gerade?

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Ich bin gerade in Frankreich, am Mittelmeer. Von hier aus habe ich jetzt auch an einem Rennen teilgenommen. Es war das dritte seit März. Die allermeisten Events weltweit sind natürlich abgesagt bzw. verlegt worden. Um fit zu bleiben, fahre ich jetzt dort mit, wo es sinnvoll und machbar erscheint. Ob sich alles im nächsten Jahr schon wieder normalisieren kann, ist ja jetzt noch gar nicht absehbar.

Du bist ja normalerweise immer überall auf der Welt tätig, eben da, wo die großen Contests für das Standup-Paddling und das Wellenreiten stattfinden. Wo hast Du Die Zeit des ersten Lockdowns verbracht?

Ich war auf Fuerteventura. Eine verrückte Zeit. Ich kann von meinen Appartement aus das Meer sehen, konnte meinen Sport aber nicht ausüben. Zum Glück hatte ich so ein Fitness-Fahrrad, das mir ein Freund noch vorbeigebracht hatte, der sein Fitness-Studio schließen musste. So konnte ich wenigstens körperlich in einer guten Verfassung bleiben. Auf dem Wasser war ich während der Wochen aber kein einziges Mal.

Du konntest sicher die Zeit in Spanien gut nutzen, um zu malen, so ganz zurückgezogen, oder? So viel Muße hast du ja sonst nie.

Verrückt, das haben ganz viele vermutet. Aber in Wirklichkeit empfand ich die Situation als so skurril und teilweise in Spanien auch absurd, dass ich nicht die Ruhe fand, um zu malen. Ich habe die Pinsel nicht einmal angerührt.

© Thomas Burblies / Mercedes Benz

Wie hast du Sylt erlebt in der stillen Zeit und jetzt im Sommer?

Ich bin nach dem Lockdown auf Fuerteventura nach Sylt gekommen und musste dort nochmal zwei Wochen in Quarantäne, was eigentlich sehr heilsam war, um die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Als die Insel sich wieder öffnete, ist meine jüngere Schwester Janni auch mit ihrer Familie nach Sylt gekommen – und so war die ganze Familie komplett. Wir haben uns immer nur am Strand getroffen und unvergessliche Tage verbracht. Da wir alle sehr viel unterwegs sind, ist das etwas ganz Besonderes, Zeit miteinander zu verbringen – ein unbezahlbares Geschenk! Ich habe in dieser Zeit wieder angefangen zu malen und habe auf Sylt mein Training weitergeführt. Auf der Nordsee zu paddeln, ist spannend. Jeder Tag ist anders – eine neue Herausforderung, das motiviert total. Die Insel war durch die ganze Situation natürlich sehr voll, aber ich habe immer eine ruhige Ecke gefunden und auf dem Wasser ja sowieso.

Was ich im Lockdown auf Sylt genossen habe? Mit meiner Familie Zeit am Strand zu verbringen. Das war Der größte Luxus, weil wir sonst alle so viel in der Welt unterwegs sind!

Hast du ein Beispiel dafür, was in diesem Jahr so ganz anders und trotzdem irgendwie perfekt war?

Dafür gibt es etliche Beispiele. Ich finde die Erfahrung großartig, mehr im Moment zu leben, jeden Augenblick zu schätzen und nicht so verplant zu sein. Auf der Ebene der Ereignisse, fand ich das toll: Die Weltmeisterschaft „Molokai2Oahu“. Das findet auf Hawaii statt. Ich habe dort in den letzten drei Jahren gewonnen. 2020 wären dort meine Bilder ganz stark präsentiert worden. Eine Riesenehre. Der Wettbewerb konnte dieses Jahr aber nicht in gewohnter Form stattfinden, darum hat man weltweit Paddler dazu eingeladen, eine etwas kleinere Distanz zu fahren und darüber zu berichten, zu filmen, Fotos zu machen. Das war ein weltumspannendes Ereignis und hat gezeigt, wie verbunden wir in diesem Sport alle sind. Es kamen auch Menschen zum Zuge, für die die 52 offiziellen Kilometer auf offener See einfach zu hart sind. Es ging nicht ums Gewinnen, sondern darum, dabei zu sein. Ach ja, und meine Kunst ist so auch gewürdigt worden und hat vielleicht ein noch größeres Publikum gefunden. Das war insgesamt ein tolles Erlebnis.

© Fred Balmens

© Fred Balmens

© Fred Balmens

Wie kommst du finanziell über die Runden, wenn du gerade gar keine Preisgelder ergattern kannst?

Das geht sehr gut, weil ich Sponsoren habe, die auch in dieser Situation zu mir stehen: Das ist vor allem „Mercedes Benz“, von denen ich auch ein so schönes Auto habe, wo ganz viel Ausrüstung und auch das Mal-Equipment locker reinpassen. Ich werde außerdem noch gesponsert von „Starboard“ und von kleineren Firmen wie dem Wasser-Airbag-Produzenten „Res-Tube“ und dem Energy-Drink-Hersteller „Nova Energy“.

Na, das ist ja schon mal nicht ganz blöd. Wie würdest du deinen Plan für die nächste Zeit beschreiben?

Ich möchte jedem Tag Schönes abgewinnen, dankbar sein für die Menschen, die man liebt und mit einem guten Spirit anderen Mut machen. Und viel trainieren werde ich natürlich, überall dort bei Rennen mitfahren, wo es geht und auch reichlich malen. Denn nächsten Sommer stelle ich dann zum vierten Mal in Kampen aus. Darauf freue ich mich richtig.

Glänzende Familystory

Hönscheid ist ein klangvoller Name auf Sylt und weit über die Inselgrenzen hinaus. Das Familienoberhaupt, Hannchen Hönscheid, gilt als eine Art Westerländer Legende: Sie zog ihren Sohn Jürgen in den 50er und 60er Jahren alleinerziehend und im Rollstuhl sitzend auf. Eine unglaublich mutige und originelle Frau, was auch in ihrer Malerei zum Ausdruck kam. Jürgen Hönscheid wurde der Impulsgeber des Windsurfens in Deutschland. Er gründete am Brandenburger Strand seine eigene Surfschule, die es heute immer noch gibt. 1982 wurde er zum ersten Profi-Surfer Deutschlands und prägte fortan mit seinem Lifestyle das Leben von Generationen von Syltern und surfbegeisterten Menschen weltweit. Der Sylter Surfcup wurde nicht zuletzt durch ihn populär.

Mit seiner Frau Ute und der immer größer werdenden Familie (Bitsy, Sonni, Janni & Dennis, der nur drei Jahre alt wurde) waren die Hönscheids lange Jahre oft da auf der Welt zuhause, wo das Meer die besten Konditionen für den Sport lieferte. In den 90er Jahren wurde die Familie auf Fuerteventura sesshaft und eröffnete im zauberhaften Lajares den Surf-Shop „Northshore“. Jürgen und Ute leben inzwischen wieder vermehrt auf Sylt – Ute unterrichtet auch Wohfühlfitness beim Tourismus Service der Gemeinde Sylt (ISTS), ist Personaltrainerin und tritt damit sozusagen in die Fußstapfen ihrer Tochter Bitsy, Mama von vier Kindern und Fitnessmeisterin beim ISTS.

Janni ist nicht nur durch ihr Weltklasse-Surfen eine bekannte Erscheinung, sondern auch durch ihre Arbeit als Model und die Verbindung zu Ihrem Mann Peer Kusmagk, die bei einer TV-Soap begann. Schwester Janni lebt in Potsdam und hat inzwischen zwei Kinder. Janni und Sonni traten schon mehrfach gegeneinander bei Wettkämpfen auf dem Wasser an. Wobei der ganze Clan im „wirklichen“ Leben überhaupt nicht im Wettkampfmodus zueinander steht, sondern – trotz manchmal riesiger geografischer Distanzen – sehr eng miteinander verbunden ist. Sonni Hönscheid ist mehrfache Deutsche Meisterin im Wellenreiten, 7-fache Weltmeisterin im StandupPaddling (SUP) und erfolgreiche Pop-Art-Künstlerin. Zwischen all den Wettkämpfen und Verpflichtungen als Profi-Sportlerin entdeckte sie irgendwann auf Hawaii die Malerei als Ausgleich zu ihrem Sport. „Beim Paddeln möchte ich immer die schnellste sein, beim Malen kann ich mir Zeit lassen.“ Heute zieren ihre sehr lebensfrohen Werke auch viele Lifestyle-Produkte. „Ich verarbeite darin auch meine Reiseerfahrungen – meine größte Inspiration ist das Meer.“ Es ist wie ein Tagebuch. Die Malerei ist Ausdruck eines Lebensgefühls“, sagt Sonni Hönscheid über ihre fröhlichen, lebendigen Bilder.

Cover Photo: © Sven Erberich / Meerlicht Photography

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