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Bübülük – oder das marokkanische Abenteuer
from Mensch, Sylt! 3
Beauk und Melf gehören zu der Generation junger Sylter, die ihre Werte schon längst von „Big Business“ auf „bewusst“ und „im Einklang mit der Welt“ umgestellt haben. Die beiden erwarten im Mai ihr zweites Inselkind, und das hat oberste Priorität. Zusammen mit dem bald großen Bruder Arved (5) kann die Familie die Ankunft der*s neue*n, kleine*n Sylters*in kaum erwarten. Ob es ein Mädchen oder Junge wird? Wollen sie gar nicht wissen. Eventuell warten sie sogar mit der Namensgebung noch, bis sie umfänglich erfahren können, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. „Denn das weiß man ja erst, wenn man das Baby zum ersten Mal im Arm halten durfte“, meint der engagierte junge Vater.
Und damit sind wir mitten in unserer Geschichte. Als Beauk nämlich vor 31 Jahren noch im Bauch ihrer Mama strampelte, da lebten die damals werdenden Eltern zwar ganz anders, aber mit Sicherheit ebenso unkonventionell wie die junge Familie es heute tut. In Bezug auf den Namen ihrer Tochter planten sie allerdings ganz anders. „Die beiden haben sich ein Namensbuch geschnappt und sich das Exotischte ausgesucht, was sie finden konnten – und, was nach deutschem Namensrecht möglich war.“
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Die kleine Beauk Bübülük zuBeginn der 90er Jahre mit Papa Kim in Marokko.
Dabei heraus kam Beauk, sprich: Bo. Aber in der Schreibweise ging nicht einfach B und O, weil das ein dänischer Jungsname ist und der damalige Westerländer Standesbeamte sehr streng sein konnte, explizit mit den manchmal schrägen Wünschen der posthippesken Sylter Surferszene der 90er Jahre.
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Zudem bestand Beauks inzwischen verstorbener Vater Kim noch auf den Zweitnamen „Bübülük“, was wohl irgendwo im weiten, orientalischen Raum „aufgehende Sonne“ heißt. Keiner weiß bis heute jedoch so genau in welcher Sprache. (Sachdienliche Hinweise über die Herkunft des Namens werden von den Ipsen- Harders gerne entgegengenommen…) So kam die Friesin jedenfalls zu ihrem Namen, nannte sich zwar eigentlich nie Bübülük, hatte aber trotzdem ein inniges Verhältnis zu diesem lautmalerischen Konstrukt.
Wie viele Sylter damals verbrachte auch Tiffany Harder, Beauks Mama, die Winter oft in Taghazout, nördlich von Agadir. Marokko mit dem Wohnmobil verhieß unkompliziertes und günstiges Leben, gute Wellen, ein Hauch Abenteuer. Die Sylter besiedelten eine Bucht, in der man jahrelang immer eine Kolonie Insulaner antreffen konnte.
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„Heute ist es dort allerdings kaum wiederzukennen“, berichtet Beauk. Begeistert war sie auch von der Ursprünglichkeit und Qualität des marokkanischen Kunsthandwerks, der Keramik, den Flechtwaren, der Mode und vor allem von den schweren Wollteppichen mit den geheimnisvollen Mustern. Sie entdeckte Manufakturen, die traditionelles Handwerk und moderne Formen miteinander verknüpften – im wahrsten Sinne des Wortes.
So war es vielleicht kein Zufall, dass in Keitum ein kleines Ladenlokal frei wurde, das Melfs Eltern neu vermieten wollten. „Wir haben gedacht, das ist es doch. Hochwertiges Kunsthandwerk passt zu Keitum wie nichts Gutes. Die Liebe zu Marokko hat für Sylter eine große Tradition. Exotik, Qualität und Individualität tun Sylt zudem ganz gut“, bringt Melf die Idee auf den Punkt. Er selbst hat gerade die Metamorphose vom Immobilienfachwirt mit eigenen Geschäftsanteilen zum alternativen Familienunternehmer gewagt.
So heckten die beiden einen Plan aus für ein Familienbusiness. Es war ihnen sofort klar, dass das Geschäft „Bübülük“ heißen müsste. Die kleine Familie reiste mehrmals nach Marokko, fand wunderbare Händler im Atlasgebirge und stellte die neuen Geschäftsverbindungen auf eine erste Grundlage. „Das ist für uns natürlich alles neu und sehr aufregend gewesen – auch wie das alles rechtlich geht, wie man verhandelt, wie die Transportwege funktionieren und wieviel wir überhaupt bestellen wollten. Irgendwann möchten wir vor Ort Initiativen unterstützen, die einen sozialen Ansatz verfolgen und dabei helfen, die handwerklichen Traditionen weiter zu beleben. Aber eins nach dem anderen.“
Beauk und Melf machen sich aber um die Zukunft gar keine Sorgen. Die Dynamik und die Energie für dieses Projekt stimmten von Anfang an. Ein Keitumer Freund, Morten Marmulla, entwickelte das Logo. Im frühen Herbst 2020 konnten die beiden ihr erstes eigenes Geschäft eröffnen. „Kaum zu glauben: Wir hatten in den Herbstferien genau eine Woche auf und dann blieb bis zum Lockdown nur minimal Zeit – aber ,Bübülük’ lief vom ersten Tag an wunderbar.“
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Etliche Kunden waren von dem Laden und seiner Ware gleich so begeistert, dass sie sich mit mehreren der Teppicheinzelstücke eindeckten und auch im Lockdown noch bestellten.
erzählt Beauk lachend.
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Dass sie weitermachen mit „Bübülük Rugs“, steht für Beauk und Melf außer Frage. Gerade ordern sie – unter coronabedingten Komplikationen – neue Ware. Das alles bringt die beiden aber nicht aus der Ruhe. Trotz der abenteuerlichen Umstände ihres Geschäftsstarts so guter Dinge zu sein, ist eine Gabe. Wenn sie etwas machen, dann frohen Mutes. „Das wird toll. Im Laden gibt es oben einen schönen Lagerraum, da können wir mal einen Tee kochen und die Kinder können dort spielen.“
Sicher wären die Berber aus dem Atlasgebirge begeistert, wie mit ihrer Ware auf einer kleinen Insel im Norden gehandelt wird. Vielleicht weil es so anders ist als das Klischee vom klassischen Teppichhandel, wenn auch ähnlich familiär.
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