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17,5 Minuten
from Mensch, Sylt! 3
MINI-INTERVIEW MIT MORITZ LUFT
Montag, 8. März, 8 Uhr. Weltfrauentag und der Tag nach der Bürgermeisterwahl der Gemeinde Sylt. Aber Moritz Luft steht aus vielen anderen Gründen ein Zoom-Gesprächsmarathon bevor. Corona, die schrittweise Öffnung und die Strategien dazu, aber auch weitere Gespräche mit den DB-Regio-Verantwortlichen und dem Landrat über den Einsatz von entsprechendem Wagenmaterial für den sicheren Transport der Sylter Pendlerströme stehen an. Um nur mal zwei Beispiele aus der bunten Themenpalette zu nennen. Trotzdem nahm sich Moritz Luft 17,5 Minuten Zeit für 6 Fragen:
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1. Kurz zur Bürgermeisterwahl: vier Kandidaten, keiner mit absoluter Mehrheit. Stichwahl Ende März. Was sind Deine Gedanken heute morgen?
MORITZ LUFT: Die Gemeinde Sylt sucht eine Führungspersönlichkeit für ein Amt mit zweifelsfrei großer Strahlkraft, aber eben für eine Verwaltungstätigkeit, nicht für ein politisches Amt. Ich finde, das muss man sich immer mal vor Augen führen. In den letzten Wochen erinnerte das Ganze manchmal eher an den Wahlkampf in den USA. Möge bei der Stichwahl der Bessere gewinnen. Etwas traurig fand ich die Wahlbeteiligung: Von den 13.100 Wahlberechtigten haben nur 52 Prozent ihr Votum abgegeben. Damit liegen wir zwar nur knapp hinter der Wahlbeteiligung auf Fehmarn, die auch ihren Bürgermeister*in wählte, aber das tröstet nicht. Auf Sylt ist gerade viel in Bewegung, aber gestalten geht nur mit Engagement und Beteiligung.
2. Nach dem vehementen Protest aus der Bevölkerung über den Verlauf der Saison 2020, hat die SMG die Sorgen der Bürger*innen sehr ernst genommen und den Schwung des Moments im Herbst genutzt für die Befragung und eben den grandiosen OnlineZukunfts-Workshop. Ist entsprechend viel passiert über den Winter auf Sylt?
MORITZ LUFT: Eine bereits sichtbare und zielführende Veränderungsdynamik konnte sich leider noch nicht entwickeln, da alle seit Dezember vornehmlich mit der Coronabewältigung und dem Exit aus dem Lockdown beschäftigt sind. Großartig fand ich übrigens die Initiative von Hotelier Dirk Erdmann, mit etlichen Gastgebern und Unternehmern für die Entwicklung von Öffnungsstrategien. Das war für mich sehr wertvoll, um damit auf allen regionalen und überregionalen Ebenen weiterarbeiten zu können.
3. Was meinst Du, wie wird die Saison 2021 verlaufen?
MORITZ LUFT: Wahrscheinlich genauso anspruchsvoll wie die letzte. Die Sehnsucht der Menschen nach Meer, nach Weite, nach Sylt ist einfach riesig… Das Gute: Wir wissen vom letzten Jahr, wie sich das anfühlt und wieviel Kraft die Bewältigung der aktuellen Aufgaben erfordert.
4. Du bist ein großer Befürworter der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung und wirbst dafür mit großer Energie. 200 Unternehmen sind auf Sylt da jetzt (stand Anfang März) registriert. Für Gastgeber ohne Smartphone gibt es sogar eine analoge Alternative. Reicht das schon für mehr Sicherheit?
MORITZ LUFT: 200 Betriebe im Boot zu haben ist ein guter Anfang. Ich halte die Luca-App tatsächlich in der Kontaktnachverfolgung derzeit für alternativlos. Sie müsste flächendeckend eingesetzt werden wie in Mecklenburg-Vorpommern.
5. Du leistest Großes im Krisenmanagement. Die originäre Aufgabe, strategisches Marketing für Sylt zu machen, ist dagegen gerade wohl etwas schwierig. Wie bewirbt man eine Zukunft und eine Saison, von der man vieles ahnt, aber noch nicht viel weiß, außer, dass es wahrscheinlich sehr voll werden wird, wenn die Menschen dann kommen dürfen.
MORITZ LUFT: Das stimmt. Jetzt tun wir erst einmal, was wir können, um uns für die Zeit nach dem Lockdown zu positionieren und möglichst gute Gastgeber zu sein. Dann müssen wir aber wirklich ran, um die grundsätzliche Frage zu beantworten: „Quo vadis, Sylt?“ Ein erster Impuls dafür ist gegeben. Es kommt auf die Politik und das Engagement jedes Einzelnen an, um eine gemeinsame insulare Strategie entwickeln zu können. Mein Team und ich – wir sind jedenfalls zu allem bereit.
6. Wird es im Sommer 2021 Veranstaltungen geben?
MORITZ LUFT: Für die großen Konzerte ist noch nichts entschieden, auch das Meerkabarett und Elke Wenning im kursaal³ stehen in den Startlöchern und haben ihr Programm geplant. Kampen hat sich z.B. aber – aufgrund der unsicheren Ausgangslage – schon entschieden, alle Events abzusagen.
MORITZ LUFT
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Foto © Michael Magulski
SELBST NENNT sich der unprätentiöse Macher gerne „Reklameronkel“: Mit seinem Team realisiert er den insularen Außenauftritt, versorgt alle Presseanfragen, betreibt Markenpflege und Qualitätsentwicklung auf der Insel. In Corona-Times managte er zudem die Krise exzellent.
Auf Anregung des interdisziplinären Sylter Strategiekreises brachte Luft im Herbst eine Befragung aller Sylter Bürger*innen auf den Weg, sodass man jetzt auf einer empirisch gesicherten Basis Aussagen darüber treffen kann, wo die Sylter*innen der Schuh drückt und welche Strategien für die Zukunft der Insel daraus entwickelt werden könnten. Flankiert wurde die Befragung von einem Web-Symposium mit hochspannenden Vorträgen zum Tourismus der Zukunft. Um Sylter und alle an den großen Themen interessierte Menschen auf einen aktuellen Stand zu bringen, publiziert die Sylt Marketing neben allerbestem Image-Stoff seit neuestem die „Kurs Sylt“.
GEBOREN wurde Luft in Kiel. Jedoch hat er Sylter Wurzeln: Sein Ur-UrGroßvater war Thomas Selmer, der 1866 als erster die Rechte erwarb, Post und Passagiere von Dänemark nach Munkmarsch auf Sylt zu befördern. Ein Pionier des Sylter Tourismus-Verkehrs also. UrUr-Enkel Luft beschäftigt sich mit demselben Thema – nur in einer anderen Dimension.
SYLT
ist eine Jahrhundertmarke. Der knapp 100 Quadratkilometer große „Sandknust“ gehört per Siegel als einzige Urlaubsdestination zum Zirkel der 200 renommiertesten deutschen Marken. Haribo, Tesa, BMW – Sylt reiht sich genau in der Liga ein. Um die Insel mit ihren Facetten und Qualitäten in der Welt strahlen zu lassen, bedarf es eines ausgeklügelten Marketings. Darum kümmert sich seit 15 Jahren Moritz Luft als Geschäftsführer der „Sylt Marketing GmbH“. Alle fünf Inselgemeinden und etliche Institutionen wie die „Sylter Unternehmer“ und die „DB“ sind Gesellschafter dieser GmbH.
AKTUELLE BÜRGERBEFRAGUNG
Wie ticken die Sylter*innen?
Knapp 18.000
verschickte Einladungen
29
Fragen
4.484
ausgefüllte Fragebögen
25%
Response = empirische Gültigkeit
Durchschnittsalter der Bevölkerung:
55,5 Jahre
2%
mehr Frauen als Männer
80%
leben länger als zehn Jahre hier
Auf Sylt leben
mehr
Zugezogene als gebürtige Insulaner
50%
leben in 1-Personen-Haushalten
Nur 20%
leben in einer Gemeinschaft mit 1 oder 2 Kindern.
Großfamilien sind
Einzelfälle
2/3
der Befragten leben in unmittelbarer Abhängigkeit vom Tourismus
72%
mögen ihren Lebensraum
Eine Mehrzahl
findet die Entwicklung der Insel als „überwiegend negativ“
98%
empfinden die Insel als zeitweise zu voll
Für mehr als die Hälfte
ihrer täglichen Wege nutzen Sylter ihr Auto
9%
haben 3 oder mehr private Autos
Nur 43%
beteiligen sich an Entscheidungsprozessen
Ehrenamtlich engagiert sich fast jeder Fünfte
Wichtigste Kritikpunkte
der Sylter an ihrem Lebensraum (offene Frage): *die Verkehrsproblematik *der Overtourism *die Wohnsituation der Einheimischen *die Bahn-Verbindungen *die Erreichbarkeit der Insel
Die detaillierte Auswertung der Bürgerbefragung findet Ihr bald in der neuesten Ausgabe der „Kurs Sylt“