9 minute read

SONNE, STROM, SPEICHER

Next Article
TREPPEN

TREPPEN

NUTZENSonneDIE

SONNE AUF VORRAT Der Batteriespeicher „sonnenBatterie 10“ kann mehr als nur Strom speichern, er denkt auch mit. Das intelligente, notstromfähige Speichersystem sorgt dafür, dass sein Besitzer möglichst viel eigenen Solarstrom zuhause nutzen kann. sonnen

Wer eine Photovoltaik-Anlagen besitzt, kann entspannt bleiben, wenn er die aktuell immensen Preissteigerungen an Strombörse oder Zapfsäulen verfolgt. Dank Sonnenstrom entgehen Sie den hohen Kosten und können Ihr Geld für die schönen Dinge des Lebens ausgeben.

Warum Sie so entspannt bleiben können? Weil Sie wissen, dass Sie pro selbst produzierter und verbrauchter Kilowattstunde Strom nur rund zehn Cent bezahlen. Zum Vergleich: Netzstrom kostet (Stand April 2022) rund 40 Cent. Die zehn Cent errechnen sich aus dem Anschaffungspreis der PhotovoltaikAnlage. Damit sind besonders große Anlagen ökonomisch sinnvoll, da hier der Preis pro Quadratmeter Photovoltaik-Anlage geringer ist. Wenn Sie sich für Sonnenstrom vom eigenen Dach interessieren, stolpern Sie unweigerlich über die Einheit Kilowatt-Peak (kWp). Ein Kilowatt-Peak entspricht einer jährlichen Stromproduktion von ungefähr 1.000 Kilowattstunden. Sie sollten die Anlage also so dimensionieren, dass sie mindestens Ihren jährlichen Stromverbrauch abdeckt. Pro Kilowatt-Peak sind in Deutschland rund sechs Quadratmeter mit Paneelen bedeckte Fläche notwendig. Diese können sowohl auf dem Dach, als auch auf Garage oder Gartenhäuschen montiert werden. Auch an der Fassade macht eine Photovoltaik-Anlage oftmals Sinn. Wem das Aussehen der klassischen Module nicht gefällt, der setzt auf Solardachziegel oder Indach-Anlagen. Erstere sind kleine Module, die aussehen wie gewöhnliche Dachziegel oder Dachsteine. Der Fachmann verbindet die einzelnen Ziegel Stück für Stück miteinander. Das ist sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Bei den Indach-Anlagen handelt es sich um eine Kompromisslösung. Die Module komplementieren den Stil des Daches und ersetzen dabei einen Teil der Dacheindeckung. Allein mit den Photovoltaik-Modulen decken Sie rund 30 Prozent Ihres Strombedarfs ab. Der meiste Sonnenstrom entsteht mittags, wenn Sie im Büro und die Kinder in der Schule sind. Den Sonnenstrom, den Sie nicht selbst nutzen können, müssen Sie in das öffentliche Netz einspeisen. Dafür bekommen Sie (Stand April 2022) etwas mehr als sechs Cent pro Kilowattstunde. Deshalb ist es sinnvoll, einen möglichst großen

UNTERSTÜTZT Der Stromspeicher „Element Backup 12” bietet 11,7 kWh nutzbare Speicherkapazität und eine Notstromfunktion. Nachträglich kann die Speicherkapazität auf bis zu 17,7 kWh erweitert werden. Varta

NEUE GENERATION Der laut Hersteller branchenweit größte Heimspeicher, der „Resu16H Prime“, weist genügend Kapazität Strom zu versorgen. Er bietet 16 kWh nutzbare Energie, die sich auf 32 kWh skalieren lässt. LG Energy

FLEXIBEL Die Ladestation „witty start“ kann das E-Mobil mit bis zu 22 kW laden. Auf Grund der hohen Schutzart hält die Wallbox Dauerregen und Hagel stand, ist also überall einsetzbar. Hager

Teil des selbst produzierten Stroms selbst zu verbrauchen. Schließlich sparen Sie pro Kilowattstunde bis zu 30 Cent. Wenn Sie in die passende Haustechnik investieren, können Sie Ihren Eigenverbrauch auf bis zu 90 Prozent erhöhen.

STROM ZWISCHENLAGERN Erhöhen können Sie Ihren Eigenverbrauch mit Stromspeichern. Dabei handelt es sich um einen großen Akku, der den Sonnenstrom in Ihrem Keller zwischenlagert und Ihnen erlaubt, diesen jederzeit zu verbrauchen. Dadurch steigt der Eigenverbrauch auf rund 60 Prozent. Ein solcher Speicher ist dann ökonomisch sinnvoll, wenn die Kosten für eine selbst produzierte und gespeicherte Kilowattstunde unter dem Preis für den Strom aus dem Netz liegen. Die Kosten lassen sich über die voraussichtliche Lebensdauer, die maximale Zyklenzahl und den Anschaffungspreis des Gerätes berechnen. Sie sollten den Speicher so dimensionieren, dass er zu Ihrer Photovoltaik-Anlage passt. Dafür gilt folgende Faustformel: Pro Kilowatt-Peak auf dem Dach brauchen Sie ungefähr eine Kilowattstunde Speicherkapazität in Ihrem Stromspeicher. Ein Stromspeicher sollte möglichst langlebig sein, da

WOHLTUEND Die Wärmestrahlung einer Infrarotheizung wirkt ähnlich angenehm wie Sonnenstrahlung. Dank der Photovoltaik-Anlage ist der Stromverbrauch kein Problem. Kermi

1

2

3

1 | AUSGEZEICHNET Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hat das 10 kWp

Speichersystem bestehend aus „Power Storage DC 10.0” und „Power Battery 11.5” als RCT Power

2 | BESTES TIMING Auch alte Spülmaschinen lassen sich dank Erinnerungsfunktion und smarter

Steckdosen in den „Sunny Home Manager 2.0“ einbinden. So nutzt das Gerät Sonnenenergie.

SMA

3 | FÜR PRIVATANWENDER Der Stromspeicher „GC PowerNest“ hat eine Kapazität von fünf kWh. Wem das nicht reicht, der kann sieben weitere Stromspeicher hinzuschalten.

Green Cell es einige Jahre dauert, bis sich die Investition von mehreren tausend Euro amortisiert. Dabei sollte der Speicher mindestens zehn Jahre in Betrieb sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Geräte zwischen 15 und 20 Jahre halten. Wenn Sie über einen Stromspeicher nachdenken, behalten Sie die Zukunft im Blick: Ist (weiterer) Nachwuchs geplant? Wollen Sie eine Wärmepumpe oder eine andere Stromheizung installieren? Möchten Sie den Benziner gegen ein E-Auto tauschen? Glücklicherweise können Sie die meisten Stromspeicher modular erweitern. Damit der Speicher möglichst lange gute Dienste leistet, sollten Sie ihn nie komplett auf- oder entladen und in einem Raum unterbringen, in dem die Temperatur immer zwischen 15 und 20 Grad liegt. Batterien auf Basis von Lithium sind aktuell am beliebtesten. Allerdings gibt es bereits effi zientere Lösungen, etwa auf der Basis von Salzwasser oder der Redox-Flow-Technologie. Erstere speichert Energie in Salzwasser, letztere in chemischen Verbindungen.

HEIZEN GEHT AUCH Die Sonne unterstützt auch Ihre Heizung. Besonders aktuell lässt sich damit Geld sparen, da der Gaspreis pro Kilowattstunde bei rund zwölf Cent (Stand April 2022) liegt. Damit ist Gas teurer als selbst produzierter und verbrauchter Photovoltaik-Strom. Besonders im Fokus steht aktuell die Wärmepumpe. (Mehr dazu ab Seite 106.) Die Betriebskosten des Heizgerätes reduzieren sich durch die Photovoltaik-Anlage deutlich. Wie sehr, hängt von mehreren Faktoren ab. Da wären der eigene Wärmebedarf, die Dämmung des Hauses und Größe sowie Ertrag der Photovoltaik-Anlage. Diese Faktoren bestimmen

FÜR DIE GROSSEN Das Hauskraftwerk „S10 E Pro“ ist für Haushalte mit einem Jahresstrombedarf von 6.500 Kilowattstunden und mehr gedacht. Auf diese Weise können Sie das E-Auto laden und die Wärmepumpe betreiben. E3DC

NUR FÜR BEFUGTE Die Wallbox „Technivolt 100” ist mit einer „RIFD“-Karte geschützt. So können nur diejenigen das Elektroauto laden, die auch wirklich befugt sind. TechniVolt WARMES WASSER Der Durchlauferhitzer nutzt den Sonnenstrom direkt für warmes Wasser. Ein Warmwasserspeicher ist dafür nicht notwendig. Wärme+ / Clage

sich stark über die Gegebenheiten vor Ort. Zum anderen ist da die Kommunikation zwischen Wärmepumpe, Stromspeicher und Photovoltaik-Anlage. Eine Möglichkeit bietet die Schnittstelle „SGReady”. Immer, wenn mehr Solarstrom vorhanden ist als verbraucht wird, bekommt die Wärmepumpe ein Signal und kann damit beginnen, den Warmwasserspeicher aufzuheizen. Es lohnt sich, die Wärmepumpe zusammen mit anderen Verbrauchern wie der Waschmaschine oder dem Geschirrspüler in ein intelligentes Energiemanagement-System einzubinden. Diese Lösung verlangt allerdings die passende Infrastruktur. Hier sorgt das Energiemanagement-System für eine gezieltere Ansteuerung der Verbraucher im Haus, was den Eigenverbrauch erhöht. Das kann beispielsweise so aussehen: Sie haben den Geschirrspüler eingeräumt und machen sich auf den Weg ins Büro. In der Bahn stellen Sie per App ein, dass das Geschirr spätestens um 19 Uhr fertig sein soll. Das Energiemanagement-System berechnet dann von diesem Zeitpunkt ausgehend, wann der meiste Sonnenstrom vorhanden ist. Bei der Berechnung bezieht es auch Wetterdaten mit ein. Zur optimalen Zeit schaltet es die Spülmaschine an. So trägt sie zum Ziel „Eigenverbrauchsmaximierung“ bei. Wenn Sie eine Wärmepumpe zusammen mit einer PV-Anlage, einem Speicher und einer intelligenten Steuerung nutzen, können Sie einen Eigenverbrauch von bis zu 80 Prozent erreichen.

MIT SONNE FAHREN Ein E-Mobil ist ein fahrender zweiter Stromspeicher, der den Eigenverbrauch nochmals erhöht. Wenn Sie ein E-Auto möchten, lohnt es sich, jetzt schon zu überlegen, wie viel der Wagen ungefähr verbrauchen und wie viel Kilometer er im Jahr zurücklegen wird. Dann rentiert es sich – auch wenn das Elektroauto erst in ein paar Jahren kommt – schon jetzt, die PV-Anlage etwas größer zu dimensionieren. Dadurch sparen

BESONDERE ÄSTHETIK Den Dachstein „Planum“ gibt es in einer Solarvariante. Eine laut Hersteller ideale Lösung für Bauherren, die Ästhetik und Leistungsausbeute vereinen möchten. Nelskamp

SCHUTZ UND NUTZEN Das Photovoltaik-Indach- System „PV Premium“ hebt sich nicht vom Dach ab. Die Module werden anstelle von Dachpfannen in das Dach integriert und sorgen für ein geradliniges Design und günstigen Sonnenstrom. Braas

FLEXIBEL Der Batteriespeicher „Battery-Box-Premium HVM / HVS“ ist modular erweiterbar und mit den Wechselrichtern führender Hersteller kompatibel. Damit ist der Speicher für jeden Anwendungsfall gerüstet. BYD

IN DIE CLOUD?

Viele Hersteller bieten eine Stromcloud an. Das Prinzip dahinter: Die Menge des überschüssigen Photovoltaik-Stroms wird gespeichert und dem Nutzer für spätere Zeiten gutgeschrieben. Dabei handelt es sich um keine Speicherung im eigentlichen Sinn. Der Strom, den Sie aus der Cloud beziehen, kommt beispielsweise von einer anderen Solaranlage. Laut Verbraucherzentrale sind Stromclouds leider oft kostenintensiv und haben komplizierte und unübersichtliche Vertragsmodelle. Wenn Sie sich für eine Stromcloud interessieren, sollten Sie den Vertrag gut lesen und genau durchrechnen, ob das Angebot für Sie sinnvoll ist. Sie zusätzliche Installationskosten. Damit Sie möglichst viele Kilometer auf Kosten der Sonne zurücklegen können, brauchen Sie die passende Ladestation. Viele Hersteller bieten diese direkt mit dem Batteriespeicher an. Der Vorteil: Die Wallbox ist auf den Speicher angepasst und sorgt dafür, dass die Sonnenenergie in das Auto fl ießt. Von der Wallbox ausgehend gibt es drei Möglichkeiten, um das Auto mit Sonnenstrom zu laden. Da wäre zum einen die Wallbox ohne Ansteuerung. Die nutzt den Strom im Hausnetz. Es spielt keine Rolle, ob das Sonnenstrom oder Strom vom Stromversorger ist. Wallboxen, die ab einem Startsignal funktionieren, laden das Auto erst, wenn eine gewisse Menge Strom im Netz vorhanden ist. Dadurch nutzen die Ladestationen mehr überschüssigen Photovoltaik-Strom. Wallboxen mit einer dynamischen Ansteuerung schauen immer, wie viel Sonnenstrom gerade überschüssig ist und nutzen diesen. Aber auch über den Wechselrichter oder ein Energiemanagement-System können Sie einstellen, wie viel Sonnenstrom im E-Auto landet.

LANGFRISTIG DENKEN Viele Bundesländer haben schon jetzt eine Solarpfl icht beschlossen oder denken darüber nach. Auch bundesweit scheint das möglich zu werden. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Alle geeigneten Dachfl ächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden.“ Nicht nur deshalb lohnt es sich, die Solarenergie schon jetzt in den Fokus zu rücken. Schließlich ist es unwahrscheinlich, dass die Politik in den kommenden Jahrzehnten wieder auf fossile Energien setzen wird. Da mit Stromspeicher und Photovoltaik-Anlage nicht nur etwas für den eigenen Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt getan wird, gibt es dafür eine Förderung. Viele deutsche Bundesländer reduzieren die Anschaffungskosten eines Stromspeichers durch Fördergelder. Auch zahlreiche Städte und Kommunen unterstützen Sie beim Kauf von PhotovoltaikAnlage und Speicher. (alj)

This article is from: