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Ratgeber Für Umwelt und Geldbeutel
Für Umwelt
und Geldbeutel
GÜNTHER OHLAND
Vorstandsvorsitzender der SmartHome Initiative Deutschland e.V. und Fachjournalist.
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Günther Ohland schreibt für Print- und OnlineMedien. Er ist Autor der Bücher „Der neue SmartHome Bauherrenratgeber“, „Jetzt mache ich mein Heim selber smart“, „keine Angst vorm smarten Heim“ und „Smart Living“.
Als die Jugendlichen auf den Freitagsdemonstrationen ihre Vorwürfe gegen die ältere Generation formulierten, hat mancher spätestens auf dem zweiten Blick erkannt, dass sie eigentlich Recht haben: Ja, unser Klima ist durch zu viel CO2 bedroht. Smarte Produkte können helfen.
Forscher haben uns genau erklärt, was die Ursachen des Klimawandels sind und was wir dagegen tun können und müssen. Wir Bürger haben auf die Politik vertraut und unsere Verantwortung an die gewählten Politiker delegiert. Im täglichen Leben haben wir weitergemacht wie bisher. Die Politik hat sich bemüht und macht auch Fortschritte, allerdings sehr langsam, zu langsam. Politiker befürchten, dass im internationalen Wettbewerb derjenige verliert, der als erster Einschränkungen beim (CO2-fördernden) Lebensstil vornimmt, und wer will das schon. Doch jeder Bürger kann sofort etwas tun, ohne Politik, ohne neue Gesetze und ohne Einschränkungen beim Komfort.
Das Bürger CO2 Projekt
Die Mitglieder der SmartHome Initiative Deutschland haben sich überlegt, was intelligente Technik ohne Komforteinschränkungen für die Nutzer leisten kann. Tatsache ist, dass gut ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland von Wohngebäuden erzeugt werden. Wichtigste Ursache ist trotz umfangreicher Dämmmaßnahmen der Bereich Heizen. Beispiele zeigen, dass sich mit smarter Technik 20 bis 35 Prozent der Heizenergie einsparen lässt. Jeder Bürger, ob Eigenheimbesitzer oder Mieter, kann hier selbst aktiv werden. Natürlich möchte es jeder im Winter warm haben, doch wir vergeuden trotz guter Dämmung dabei enorme Mengen Heizenergie, von der wir nichts haben.
Enormes Einsparpotenzial beim Heizen
Eine Smart-Home-Technik vermeidet das „Heizen zum Fenster hinaus“ und sorgt dafür, dass ein Raum immer dann – und nur dann – warm ist, wenn dort auch jemand ist. Wenn niemand zuhause ist, muss ein Raum oder eine Wohnung auch nicht vollständig geheizt werden. Smarte Technik übernimmt durch automatische Regelung diese Aufgabe. Sensoren erkennen, te Heizkörperventile reagieren auf Funkbefehle und „drehen“ den Heizkörper oder den Handtuchwärmer zu, wenn agenda bestimmt, wann ein Wohnraum Wohlfühltemperatur aufweisen soll, und wann die Temperatur keine Rolle spielt. Das Smart-Home-System sorgt automatisch dafür, dass die
Bewohner dabei keinerlei Komforteinbußen erleiden und trotzdem der Heizenergieverbrauch reduziert wird. Das hilft sowohl der Umwelt, als auch dem Geldbeutel.
„Best-practice“-Produkte
Die SmartHome Initiative Deutschland hat das Bürger CO2 Programm ins Leben gerufen und dazu einen Hersteller- und Technologie-neutralen Kriterienkatalog erstellt. Hersteller und Anbieter smarter Technik sind aufgefordert, geeignete Produkte und Systeme zu benennen. Die Initiative prüft als neutrale Institution die Angaben und listet die geprüften Systeme auf ihrer Website (www.smarthome-deutschland.de/ buerger-co2-projekt/empfohlene-produkte.html) auf. Diese Systeme sind alle zur Selbstinstallation geeignet, das heißt die Verbraucher benötigen grundsätzlich keinen Handwerker. Für die Installation müssen weder neue Kabel verlegt werden, noch entsteht Schmutz und Lärm. Die Produkte lassen sich in der Regel bei einem Umzug problemlos mitnehmen, in die nächste Wohnung oder das neue Haus. Die Liste der Hersteller und Produkte wird in den nächsten Wochen erweitert.
Was können Sie jetzt tun?
Als Eigenheimbesitzer mit einem Smart-Home-System sollten Sie prüfen, ob die Funktion „Fenster auf – Heizung im Raum aus“ vorhanden ist. Wenn nicht: Rüsten sie die Funktion nach. Dazu benötigen Sie einen Fensterkontakt, der dem System Kipp ist. Und Sie benötigen elektrische Heizkörper-Stellventile an Heizkörper, Handtuchwärmer, aber auch dem Ventil der Fußbodenheizung. Die Fußbodenheizung ist zwar sehr träge und reagiert nur sehr langsam, wenn allerdings im Winter dann vergessen wird, heizt auch die Fußbodenheizung zum Fenster hinaus. Prüfen Sie, ob Ihr Haus oder Ihre Wohnung über eine Einzelraumregelung für die Heizung verfügt und ob ne Nachtabsenkung gemeint, sondern Zeitfenster am Tage, in denen es warm sein soll, oder die Wärme keine Rolle spielt. Legen Sie fest, zu welchen Zeiten es wie warm sein soll und wann die Raumtemperatur Ihnen gleichgültig ist, weil Sie gar nicht da sind, beispielsweise auf Reisen oder im Büro. Bäder und Kinderzimmer sind solche Räume. Ein Bad soll morgens und abends warm sein, dazwischen ist es meistens egal. Kinderzimmer sollen nachts nicht zu warm sein und Wohlfühltemperatur erst dann aufweisen, wenn die Kinder aus der Schule zurück sind. Der Vormittag ist also keine Heizzeit. Als Eigentümer ohne Smart-Home-System ist es jetzt genau die richtige Zeit, risikolos und ohne große Investitionen in das intelligente Wohnen einzusteigen. Schauen Sie sich die Liste der von der SmartHome Initiative empfohlenen Anbieter und Systeme an. Sie sind alle ohne besondere Fähigkeiten zu installieren. Handwerker werden dazu keine benötigt, da nicht an 230 Volt gearbeitet und auch in die Heizungsanlage selbst nicht einge nach verwendetem System. Die Ausgaben für die „Versmartung“ müssen Sie als Investition verstehen, denn sie zahlen sich ab sofort und in den kommenden Jahren durch geringere Heizkosten zurück. Und Sie haben vom ersten Moment an etwas Gutes für das Klima getan. Für Mieter gilt das Gleiche, wie für Eigentümer. Die vorgeschlagene Technik lässt sich einfach und komplett wieder entfernen. Die „Mietsache“, wie die Juristen sagen, wird durch die smarte Technik nicht beeinträchtigt. Bei einem Auszug entfernen Sie einfach die geklebten Fensterkontakte und schrauben die alten „unsmarten“ Heizkörperventile wieder an. Dazu ist es natürlich sinnvoll, die abgeschraubten einfachen Ventile nicht zu entsorgen, sondern aufzubewahren. Sie sparen mit der smarten Technik ab sofort bei den Nebenkosten. CO2-SCHLEUDER Gut ein Drittel der CO2-Emissionen, die in Deutschland von Wohngebäuden stammen, werden durch das Heizen erzeugt. Smarte FunkHeizkörperventile helfen, Energie zu sparen. eQ-3
Basis für ein komplettes SmartHome
Natürlich hängt die Einsparung auch mit der Bausubstanz zusammen. Je besser gedämmt ein Haus ist, desto weniger lässt sich theoretisch einsparen. Ein wichtiger und oft unterschätzter Faktor bleibt allerdings der Mensch. Wird häu ßen oder werden Fenster längere Zeit auf Kipp gestellt, spart die Technik auch im energetisch guten Neubau eine Menge Energie. Dr. Severin Beucker, Geschäftsführung des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit sagt: „Der Gebäudesektor ist ein schlafender Riese für den Klimaschutz. Die Technik ist neben den baulichen Maßnahmen und einer erneuerbaren Energieversorgung der Schlüssel zu einem klimaneutralen Gebäudebestand.“ WebTipp!
Paradebeispiel
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Wie viel sich mit smarten Thermostaten einsparen lässt, zeigt ein Projekt in Leer / Ostfriesland. Dort wurden Wohnungen entsprechend ausgestattet und die Verbräuche mit dem Vorjahr verglichen. Im Schnitt wurden 35 Prozent der Heizkosten gespart. Über den QR-Code gelangen Sie zum Video.