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BASISFAHRZEUGE
Das Einmaleins der Basisfahrzeuge
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Keiner reist gerne mit Fremden. Deshalb empfiehlt es sich, etwas über das Grundgerüst der Reisefahrzeuge in Erfahrung zu bringen. Ein Wohnmobil legt weite Strecken zurück, ist Wind und Wetter ausgesetzt und wird nun mal bewohnt – Dinge, die Hersteller bei der Wahl und dem Ausbau ihrer bestellten Chassis berücksichtigen. Wir zeigen Ihnen die beliebtesten Basis-Fahrzeuge.
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TEXT: Francesco Ferro FOTOS: Hersteller
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Der Platzhirsch: Ducato & Co.
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TECHNIKTELEGRAMM
Fiat Ducato/Citroën Jumper/Peugeot Boxer
Varianten: Kastenwagen, Leiterrahmenchassis, Triebkopf mit Tiefrahmenchassis, Windlauf Maße: Länge 4,96 m-8,99 m, Breite 2,05m-2,50 m; max. Gesamtgewicht 2,8 t bis 5,4 t Motoren: 4-Zylinder-Turbodieselmotoren: 2,0-Liter mit 85 kW/115 PS; 2,3-Liter mit 96 kW/130 PS bis 130 kW/178 PS
Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe, wahlweise 9-Gang-Wandlerautomatik Antriebe: Frontantrieb, Allrad-Nachrüstung bei Kastenwagen-Neufahrzeug möglich Elektro-Variante „E-Ducato“: Automatik, 90 kW/122 PS, Verbrauch: 21,7-26,5 (kW/100 km), lokal emissionsfrei, Reichweite bis zu 370 km (fünf Batteriemodule)
Die neuen E-Plattformen werden derzeit noch hauptsächlich als Nutzfahrzeuge gebraucht. Eine herstellerübergreifende Verwendung als ReisemobilBasis steht noch aus.
Es kann kein Zufall sein, dass gefühlt jedes dritte Reisemobil das bekannte Gesicht des Ducato trägt. Tatsächlich ist das italienische Transporter-Wunder mit 60 bis 70 Prozent Marktanteil der unumstrittene Platzhirsch unter den Basisfahrzeugen. Seinen Erfolg hat er mitunter seinem kompakten Triebkopfkonzept zu verdanken: Weil der Großteil der Fahrzeugtechnik im vorderen Teil des Fahrzeugs untergebracht ist, haben nicht wenige Hersteller die Gunst des Raumes genutzt und hatten freiere Hand bei der Realisierung der eigenen Wohnkonzepte auf dem Fiat-Chassis. Zählen wir die baugleichen Citroën Jumper und Peugeot Boxer hinzu, die zum selben Konzern „ Stellantis“ gehören, steigt der Marktanteil sogar noch weiter. sich auch physische Veränderungen: Aus dem Rückspiegel wird Geschehen hinter dem Fahrzeug als weitwinkliges Echtzeitbild wiedergibt. Die hintere Querbewegungserkennung erkennt seitlich annähernde Fahrzeuge, was beim Rangieren des Reisemobils sehr nützlich sein kann. Wer besonders große Reisemobile wie Alkoven fährt, dem ist mit dem Seitenwindassistenten und der Überschlags vermeidung geholfen. Mehr Informationen unter
Alt, aber nicht eingesessen
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Seine Konkurrenten waren ihm lange in Sachen Fahrassistenzsysteme voraus, doch nicht zuletzt gesetzliche EU-Vorgaben bringen uns in den Genuss moderner Technologie im bewährten Ducato. Zum einen ergänzen die Turiner den Notbremsassistenten um eine nach vorne gerichtete Kamera, die nun auch Fußgänger und Radfahrer erkennt. Die erweiterte Bremsautomatik verhindert nach einem Unfall mögliche Folgekollisionen. Dazu kommen Totwinkel-, Aufmerksamkeits-, Spurhalte- und der intelligente Geschwindigkeitsassistent, die über LED-Lämpchen in den Seitenspiegeln, Meldungen im Borddisplay, Korrekturen in den Lenkbewegungen bei Nichtblinken und Verkehrs-
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Das beste Reisemobil oder nichts – dem Motto gehen immer mehr Camper nach. So erfreuen sich Sprinter, Citan und Vito immer größerer Beliebtheit. Während der Sprinter bis vor wenigen Jahren „nur“ ein Produkt aus der Partnerschaft mit VW war (Crafter und Sprinter liefen vom selben Band), steht er heute auf einer eigenständigen Mercedes-Basis. Besonders Käufer von Oberklasse-Reisemobilen liebäugeln oft mit dem Sprinter.
Gewohnte Gehobenheit
Mit der mittlerweile dritten Generation des Sprinters rüstete sich Mercedes für die Gegenwart und stellt Ansprüche in Sachen Marktanteile. Denn wer ihn einmal gefahren ist, will so schnell nicht mehr auf den Mercedes-Komfort verzichten. In Zukunft entfällt beim Sprinter jedoch der Sechszylinder. Stattdessen wird er mit neuem Zweiliter-Vierzylinder-Einheitsmotor bestückt (von 114 bis 190 PS). Auch der alte Zuschalt-Allradantrieb, der gut ein Drittel der Kraft an die Vorderachse verteilt, verabschiedet sich.
Mobil mit Stern: Mercedes-Benz Sprinter
TECHNIKTELEGRAMM
Mercedes-Benz Sprinter
Varianten: Kastenwagen, Leiterrahmenchassis, Triebkopf mit Tiefrahmenchassis, Windlauf Maße: Länge 5,25 m-8,99 m, Breite 1,99 m- 2,50 m; max. Gesamtgewicht 3,0 t bis 5,5 t Motoren: 4-Zylinder-Turbodieselmotoren: 2,1-Liter mit 84 kW/114 PS, bis 130 kW/177 PS; 3,0-Liter mit 140 kW/190 PS
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Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe, wahlweise mit Automatikgetriebe 7G-matic oder 9G-matic (nur Fronttriebler)
Antriebe: Front-, Heck- oder Allradantrieb
Keine Sorge, ein neuer 4x4-Antrieb erhält Einzug: Dieser wird geschmeidiger, angenehmer für die Ohren und auch sicherer sein. Die Siebengang-Automatik weicht der optionalen 9G-Tronic. Aber Mercedes-Benz besteht in der Camping-Welt nicht nur aus Sprintern. Der neue Citan (unten rechts, unteres Cockpit) mit Renault Kangoo Genen ist das kleinste Nutzfahrzeug mit Stern und eignet sich als Micro-Camper, das sich ungemein gern um ein Dachzelt erweitern lassen möchte. Wem modernes Infotainment beim Reisen wichtig ist, dem ist mit einem schwäbischen Basisfahrzeug am besten geholfen.
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Fords Lösungsansatz:
Wer auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, ist mit einem Ford als Basis gut bedient. Nicht selten sind Reisemobile, die es wahlweise auf Ducato- oder Transit-Basis gibt, in der Ford-Variante einen Hauch günstiger. Trotzdem dürfen sich Kunden aktueller technologischer Standards erfreuen. Ford stellt seine Nutzfahrzeuge nicht nur diversen Herstellern zur Verfügung, sondern baut sie gleichzeitig auch selber in Reisemobile um – wie den Transit Custom Nugget. Mit allem, was man als Camper braucht, erhält man vom Werk aus das FordGesamtpaket. Auch als Hochdachversion „Nugget-Plus“ verfügbar. Mehr Infos unter www.ford.de. TECHNIKTELEGRAMM
Ford Transit
Varianten: Kastenwagen, Leiterrahmenchassis Maße: 5,53 m-6,70 m, Breite 1,99 m; max. Gesamtgewicht 2,0 t bis 5,0 t; Motoren: 4-Zylinder-Turbodieselmotoren: 2,0-Liter mit 77 kW/105 PS bis 136 kW/185 PS
Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe, 6-Gang-Automatikgetriebe (in Kombination mit Frontantrieb), 10-GangAutomatikgetriebe (in Kombination mit Heckantrieb) Antriebe: wahlweise Front-, Heck- oder Allradantrieb
Elektro-Variante „E-Transit“: Automatik, 198 kW/269 PS, Verbrauch: ca. 20 (kW/100 km), lokal emissionsfrei, Reichweite bis zu 350 km
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Campen nach Wolfsburger Art:
Die einstige Partnerschaft zwischen Mercedes-Benz und Volkswagen endete und die Wolfsburger entwickelten einen komplett neuen Crafter, der auch von der Konzernschwester MAN als TGE angeboten wird. Auf die Crafter-Basis greifen einige Wohnmobilhersteller zurück, doch auch VW bietet einen eigenen Umbau an, der auf die Bezeichnung „Grand California“ lautet. Der MAN wird von Westfalia zum Sven Hedin weiterverarbeitet.
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Großer Kasten, kleiner Kasten
Die Fahrwerke von T6.1 und Crafter bieten den Komfort, den man bei den Pkws gewohnt ist – sowohl im Innenraum als auch auf der Straße. Im Maschinenraum des Crafter arbeitet der 2,0-TDI aus dem VW T6. Der Vierzylinder-Turbodiesel wird in drei Leistungsvarianten angeboten: 75 kW/102 PS, 103 kW/140 PS und 130 kW/177 PS. Im T6.1 ist er auf noch mehr Dynamik getrimmt. Für den künftigen T7 ist zumindest eine Hybrid-Version vorgesehen. TECHNIKTELEGRAMM
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Volkswagen Crafter/MAN TGE
Varianten: Kastenwagen, Leiterrahmenchassis Maße: Länge 5,99 m-7,39 m, Breite 2,04 m- 2,20 m; max. Gesamtgewicht 3,0 t bis 5,5 t Motoren: 4-Zylinder-Turbodieselmotoren: 2,0-Liter mit 75 kW/102 PS bis 130 kW/177 PS
Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe, wahlweise mit 8-Gang-Wandlerautomatik Antriebe: Front-, Heck- oder Allradantrieb
Elektro-Variante „E-Crafter“: Automatik, 100 kW/136 PS, Verbrauch: 21,54 (kW/100 km), lokal emissionsfrei, Reichweite bis zu 173 km
TECHNIKTELEGRAMM
Volkswagen T6.1 California
Varianten: Kastenwagen Maße: Länge 4,90 m, Breite 1,90 m- 2,29 m Motoren: 4-Zylinder-Turbodieselmotoren: 2,0-Liter mit 81 kW/110 PS bis 150 kW/204 PS
Getriebe: 5-/6-Gang-Schaltgetriebe, wahlweise mit 7-Gang-DSG-Getriebe Antriebe: Front- oder Allradantrieb
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