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LEISTUNGSSCHAU: VOLKSWAGEN REISEMOBILKOMPETENZ

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Gewinnspiel

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Wahlverwandtschaften

Campingfahrzeuge von Volkswagen sind enorm beliebt, die Vielfalt ist enorm. Das liegt auch daran, dass sich vier höchst unterschiedliche VW-Basisfahrzeuge für den Camper-Ausbau anbieten: Caddy, Bulli, Crafter und Amarok. Die wecken die Kreativität pfiffiger mittelständischer Ausbauer. Einige versammelten sich im schwäbischen Vaihingen/Enz. Zu sehen waren Aus- und Umbauten, die zwischen 1.800 und 140.000 Euro kosten. Wir stellen einige spannende Ausbauten in verschiedenen Kategorien vor.

TEXT: Martin Häußermann FOTOS: Häußermann, Hersteller

Volkswagen-Camper haben eine lange Tradition. Schon der erste Bulli mit dem Kürzel T1 wurde mit einer so genannten Campingbox freizeittauglich gemacht. In der Folge wurde erst Westfalia und später das Volkswagenwerk selbst der größte VW-Ausbauer. Der Klassiker California auf dem T6.1 ist nach wie vor der Bestseller, doch mit dem Grand California auf VW Crafter und dem Caddy California haben die Niedersachsen ihr Angebot nach oben und unten abgerundet. Mit dem Caddy California waren wir übrigens schon auf einem Kurztrip durch die Rhön unterwegs – was sie auch in dieser Ausgabe lesen können. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine große Zahl an unabhängigen VW-Ausbauern, zum großen Teil mittelständische Unternehmen. Die lud Volkswagen im Sommer ins schwäbische Vaihingen an der Enz ein, um ihre Produkte der Fachpresse zu präsentieren, während die VW-eigen California-Familie Pause hatte. Zu sehen waren viele clevere, eigenständige Aus- und Umbaulösungen, von rudimentär über geländetauglich bis hin zu luxuriös. Einige Hersteller und Fahrzeuge stellen wir im Folgenden vor.

Luxus-Bullis

Spacecamper Classic Open: Spacecamper ist, mit gebührendem Abstand zu VW zwar, aber immerhin, zweitgrößter BulliAusbauer. Seit 15 Jahre ist das Darmstädter Unternehmen am Markt und beschäftigt heute immerhin rund 50 Mitarbeiter. Erfolgreich wurde Spacecamper, das von den beiden aktiven Campern Ben Wawra und Markus Riese geleitet wird, durch vie orama-Aufstelldach, dessen Stoffbalg sich aufzippen lässt, verwenden heute viele Wettbewerber. Nach Vaihingen brachten die Hessen einen Classic Open mit zwei Schiebetüren, der neuen herausnehmbaren Küche und absoluter Vollausstattung mit. Zu einem satten Preis von fast 130.000

SPACECAMPER CLASSIC OPEN

Euro. Weil wir genau wissen wollen, was hinter diesem Wagen steckt, haben wir ihn zu einem Test eingeladen. Fischer Octo-Bus XL: Fischer Wohnmobile hat mehr als 40 Jahre Erfahrung beim Ausbau von VW-Bussen und buchstäblich alle Bulli-Generationen schon mal campingtauglich gemacht. Der ausgestellte OctoBus ist ein T6.1 mit langem Radstand (auch kurzer Radstand möglich), auf den ein Polyroof-Hochdach aufgesetzt wurde. Eine Besonderheit bei Fischer ist der SchnierleFußboden, der mit integrierten Schienen eine variable Sitzgestaltung ermöglicht. Ferner verfügt dieser Boden über Hohlräume, durch die durch die Standheizung erwärmte Luft durchgeblasen wird – eine veritable Fußbodenheizung. Die Passagiere in der zweiten Reihe schätzen die individuell einstellbaren Einzelsitze. Für Schlafkomfort sorgen oben wie unten Roll-Lattenroste und Dreischicht-Schaumstoffmatratzen. Der Grundpreis für den Octo-Bus liegt bei 69.900 Euro, das ausgestellte Fahrzeug kostet 83.500 Euro. Reimo Multistyle: Reimo aus Egelsbach hat unter VW-Bus-Fans fast schon Legen-

REIMO MULTISTYLE

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EINFACH. RELAXEN.

Einfach mal entspannen, die Probleme hinter sich lassen und unterwegs zu sich selbst finden – dabei hilft Forster auch in der neuen Reisemobil Saison. Einfach geht´s schon bei der Auswahl: Schon die Travel Line hat so manche Annehmlichkeit an Bord, die das Reisen erst zum Vergnügen macht und in der Comfort-Line hast Du mit induktivem Ladegerät fürs Smartphone und Rückfahrkamera auch das gewisse Extra an Bord! Schau doch mal rein auf den Forster-Stand auf dem Caravan Salon in Halle 10, Stand A21 oder auf www.forster-reisemobile.de

ECHT PRAKTISCH

denstatus. Das liegt daran, dass die Hessen sich seit mehr als 40 Jahren um den Bulli kümmern und dabei nicht nur schlüsselfertige Busse, sondern auch Bausätze und Zubehör zum Selbstausbau im Programm haben. Der Autor hat dies vor gut 30 Jahren selbst schon praktiziert. Der ausgestellt Multi-Style ist aber alles andere als eine Bastellösung, sondern ein hochwertiger Ausbau mit einem besonderen Grundriss mit einer Heckküche und besonderer Ausstattung wie die fest eingebaute Toilette, die im Bulli eine Besonderheit ist. Im Reimo reist die Besatzung auf vier Einzelsitzen, schläft unten auf zwei Einzelbetten und unter dem Hubdach auf einem Doppelbett. Der Grundpreis des Multi-Style liegt bei 58.400 Euro, das gezeigte Fahrzeug kostet 77.900 Euro. vor.

Öko-Bulli

Flowcamper Frieda: Die Vanufaktur in Hagen ist bereits das zweite Unternehmen von Martin Hemp, der sich in der Szene durch die expeditionstauglichen Busse von Terracamper einen Namen gemacht hat. Terracamper hat er inzwischen verkauft und geht mit seiner Vanufaktur den Weg zurück zum ursprünglichen BulliAusbau. Der ist sehr gradlinig, oft minimalistisch, aber immer hochwertig gemacht. Martin Hempp steckt nicht nur viel Herzblut in seine Camper, sondern versucht, sie auch möglichst nachhaltig zu bauen. Das in Vaihingen gezeigte Modell Flowcamper Frieda ist mit Echtholzmöbeln sind. Dazu verwendet der Erbauer Stoffe mit Öko-Tex-Label und einen Boden aus Natur-Linoleum. Die Technik mit kleiner Kühlbox ist minimalistisch, aber komplett. Der Grundpreis liegt bei 46.900 Euro, die ausgestellte Frieda kostet 52.500 Euro.

FLOWCAMPER FRIEDA Gebrauchtausbau

Köhler Sunvan T42: Peter Köhler betreibt einen kleinen Familienbetrieb im schwäbischen Illingen, gelegen zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Er begann im Jahr 1986 damit, VW-Busse zu Reisemobilen umzubauen. Köhler ist der derzeit einzige uns bekannte VW-Bus-Ausbauer, der auch Gebrauchtwagen als Ausbaubasis einsetzt. So kann der Kunde wahlweise einen gebrauchten T5 oder t6 anliefern oder ein solches Fahrzeug von Peter Köhler besorgen lassen. Der ausgestellte Sunvan T42 allerdings wurde auf einem neuen T6.1 aufgebaut. Eine Besonderheit ist das untere Bett mit Schiebelattenrost und rollbarer Schaumstoffmatratze, das für aufteilung sorgt. Dazu tragen die beiden auf Schienen verschiebbaren Einzelsitze im Fond bei. Der Grundpreis liegt bei rund 54.000 Euro, der ausgestellte Sunvan kostet rund 90.000 Euro.

KÖHLER SUNVAN T42

Camping-Module

Detail³ Osccar: Detail³ ist kein klassischer Ausbauer, sondern ein Ingenieur- und Konstruktionsbüro, das Martina Dekomien im Jahr 2011 gründete. Weil sie und ihre Partnerin gerne und oft – auch geschäftlich – mit dem Bulli reisen, musste ein Organisationssystem her, mit dem sie Campingutensilien, kleines und großes Gepäck

DETAIL³ OSCCAR

QUQUQ BUSBOX

PLUGVAN WOHNMODUL LIFE

nen. Dazu war die Anforderung, dass dieses System leicht genug ist, damit die beiden Frauen dies auch alleine handhaben und ein- und ausladen können. Weil ein solches am Markt nicht Ingenieurinnen Osccar, ein Modulsystem, das im wesentlichen aus leichten DibondPlatten besteht und ein frei kombinierbares und schön anzusehendes Ordnungssystem für Camping und Alltag ist. Es ist sehr dünn, federleicht und trotzdem stabil und kann ohne Werkzeug in den Kofferraum eines VW Busses eingebaut werden. Der Grundpreis liegt bei 1.800 Euro Ququq Busbox: Auch Ulrich Vielmetter len Campingausbau verschrieben. Seit 2010 betreibt er in Hattingen die Ququq vertreibt. Sein Konzept ist es, durch den aus einem Transporter einen einfachen Campingbus mit kleiner Küche und einem werden aus hochwertigen Materialien in Handarbeit in Deutschland gefertigt. Der Grundpreis liegt bei rund 3.000 Euro. PlugVan Wohnmodul Life: Plug Van ist ein 2017 gegründetes Unternehmen aus Berlin, das sich auf Wohnmodule spezialisiert hat. Unter der Leitung des leidenschaftlichen Campers Jörg Kortmann bauen die Berliner wohnliche Kabinen, die in große Kastenwagen wie den VW Crafter geladen werden können und so die gewerblich genutzten Transporter ruckzuck zum Camper machen. Der Hersteller gibt fünf Minuten Umrüstzeit an. Das erscheint uns inklusive Verzurren der Campingkiste im Laderaum etwas sportlich, doch ist das wohl eine Frage der Übung. Die LifeKabine bietet zwei Personen Wohn- und Schlafraum. Ab ca. 16.000 Euro.

Offroad

Terranger DC-34: Das 2009 gegründete Unternehmen Terranger ist Spezialist für Komponenten und Umbauten, die VWTransporter noch geländetauglicher machen. Mit dem DC-34 haben die Badener aus Neidenstein einen echten Hingucker ins schwäbische Vaihingen/Enz gebracht. Basis für wohnlichen Offroad ist eine vierradgetriebene VW T 6.1 Doppelkabine mit langem Radstand, dessen Fahrwerk um eine dritte Achse ergänzt wurde. Die ellen Aufwand auch elektrisch angetrieben werden. Dieses Fahrzeug ist wahlweise auch als Einzelkabiner mit langem und kurzem Radstand erhältlich. Die Wohnkabine ist stets von der Fahrerkabine abgetrennt. Ab 69.000 Euro. Terracamper Terock: Kanittha und Lars ler und Bulli-Nutzer, bevor sie selbst zu Bulli-Ausbauern wurden. Das IngenieursEhepaar kaufte bei Martin Hempp ihren ersten Terracamper – und als sich Hempp entschloss, sich künftig auf seine zweite Marke Flowcamper zu konzentrieren, kauften sie ihm das gesamte Unternehmen ab. Nun bauen sie Hempps Konzept eines pistentauglichen und modular ausgestatteten VW-Busses systematisch aus – mit Ingenieur-Know-how und der Erfahrung vieler tausend selbst gefahrenen Pistenkilometern. Der offroadtaugliche Bulli mit Open-Sky-Aufstelldach ist ab 77.400 Euro zu haben. Tischer Trail 230 S: Peter Tischer ist ein alter Hase in der Reisemobilbranche. Seit über 45 Jahren baut er in seinem mittelständischen Betrieb in Kreuzwertheim wohnlich ausgebaute Absetzkabinen für Pick-up-Trucks. In Vaihingen zeigte Tischer die Kabine Trail 230 S, die von einem VW Amarok geschultert wird. Am Urlaubsort kann die Wohnkabine auf den integrierten Stelzen abgestellt werden, der werden. Die ausgestellte Kombination hat einen Grundpreis von rund 99.000 Euro.

TERRACAMPER TEROCK TERRANGER DC-34

TISCHER TRAIL 230 S

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