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Autokino Gravenbruch
60 JAHRE „LOVE LANE“ Wir schreiben den 31. Mai 1960. In Gravenbruch nahe Neu-Isenburg startete das erste Autokino Deutschlands und mit ihm zog die Hamburgerkultur ins Land. Ein cineastisches Abenteuer, dem nicht nur Familien begeistert folgten, sondern vor allem Liebespaare, die in den (noch) spießigen 1950er und 1960ern ein Plätzchen zum Kuscheln fanden. ›› Interview: Heidi Zehentner 60 Jahre Autokino Gravenbruch. Der Runde sollte natürlich ausgiebig gefeiert werden, fiel aber der Corona-Krise zum Opfer. „Ob wir noch eine Feier in diesem Jahr nachholen können, ist fraglich“, so Kinoleiter Heiko Desch. Vielleicht werde erst zum 65. richtig gefeiert. Er ist froh, dass das Autokino aktuell wieder Filme zeigen darf, weiß auch, dass die Voraussetzungen eines Autokinos ideal sind, die Kontaktsperre aufrechtzuhalten. Platzierte man früher zwei Autos zwischen die Infosäulen auf dem Gelände, so parkt nun nur eines dort und hält damit automatisch die Abstandsregel von 1,5 Metern zwischen Fahrzeugen ein. Zudem werden viel mehr Ordner*innen als gewöhnlich bei den Vorstellungen anwesend sein. 15 Leute werden aufpassen, dass sich die Besucher*innen an die Regeln halten: Geraucht werden darf nur im Auto. Eintrittskarten gibt es nur online, diese werden bei geschlossenem Autofenster gescannt. „Der Kontakt zu den Menschen fehlt mir schon“, gesteht Heiko Desch.
DAMALS Noch mal zurück auf Start. In den USA boomten in den 50er und 60 Jahren die Autokinos, die ein neues Stück Freiheit versprachen. Im Bundesstaat New Jersey wurde im Sommer 1933 das erste Autokino eröffnet, 27 Jahre später erreichte die Idee dann auch Deutschland. In Neu-Isenburg waren damals
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noch amerikanische Soldaten stationiert, die diese Kinokultur sehr zu schätzen wussten. Als Premierenfilm flimmerte im „Knutschkino“ der oscargekrönte Streifen „Der König und ich“ mit Yul Brynner und Deborah Kerr über die riesige Leinwand, vor dem sich eine Vielzahl Autos breit gemacht hatten. Der Erfolg war großartig und hielt an. Deutschlandweit eröffneten viele weitere Autokinos und boten diesen ganz speziellen Kinoerlebnis für jedermann. Auch und vor allem Pärchen nutzen das Angebot gerne für die damals selten möglichen intimen Momente, sie bevorzugten die letzte Reihe, die sogenannte „Love Lane“. So wie die Kinos generell bekam mit netflix und Co. auch das Autokino scharfe Konkurrenz, viele mussten aufgeben. Gravenbruch zum Glück nicht.
HEUTE 2002 übernahm Heiko Desch die Kinoleitung und das sehr gerne. „Ich liebe meine Arbeit und das Autokino …“ Die Wochen der Kinoschließung hat der Betrieb gut überstanden. Er wäre sich sicher gewesen, dass Gravenbruch bald wieder öffnen dürfe, zumal andere Autokinos z.B. in Düsseldorf die Genehmigung hierfür längst bekommen haben. Seit dem 20. April hat das Autokino Gravenbruch nun schon wieder auf und bietet nun 280
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