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WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFT

5 Jahre Euro in der Slowakei Nach Meinung slowakischer und ausländischer Ökonomen überwiegen nach fünfjähriger Erfahrung mit dem Euro in der Slowakei die Positiva über die Negativa. Autor: Ivo Trávniček, Chefredakteur des Unternehmerportals Podnikam.SK, Foto: NBS

Anfangs gab es insbesondere Befürchtungen, es käme zu Preiserhöhungen, zu Spekulationen im Handel und zum Betrug am Kunden. Mittelgroße oder große Angst vor Preissteigerungen in Zusammenhang mit dem Übergang zum Euro hatten 87 Prozent der Befragten in einer Umfrage, die im Jahr 2008, also ein Jahr vor Einführung des Euro, vom Amt für Statistik der SR durchgeführt worden ist. „Gerüchte und Skepsis, dass die Slowakei den Übergang zum Euro nicht bewältigen werde, oder dass der Euro eine Teuerung mit sich bringe, haben sich nicht bestätigt“, stellt Igor Barát, der ehemalige Bevollmächtigte der Regierung für die Einführung der Eurozonen-Währung, nach fünf Jahren fest. Seiner Meinung stimmen 37 % der Slowaken nicht zu, die nach einer exklusiven Umfrage der Agentur Focus für die Teuerung von Waren und Dienstleistungen gerade die neue Währung verantwortlich machen. Nach Meinung der Analysten ist es jedoch umgekehrt: der Euro trug zur Stabilität bei, und die Teuerung ist anderen Faktoren zuzuschreiben. Überwiegend eine Erfolgsstory Mit der Billigung der Strategie zur Euroeinführung in der SR wurde der Umstellungsprozess am 16. Juli 2003, beim Beitritt zur Eurozone, eingeleitet. Am 1. Januar 2009 erlangte der Euro in der Slowakei Gültigkeit, und der Wechselkurs gegenüber der Slowakischen Krone wurde auf 30,126 SK pro Euro festgelegt. Die Slowakei wurde zum genannten Datum das 16. Land, in dem die gemeinsame Währung gilt. Aktuell gibt es 18 Länder in der Eurozone, da nach der Slowakei im Jahr 2011 noch Estland und am 1.1.2014 auch Lettland hinzugekommen sind.

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„Nicht eine Sekunde lang bereue ich, dass wir im Jahr 2009 und auch vorher schon so viel Arbeit investiert haben, damit die Slowakei Mitglied der Eurozone wird“, sagte Premierminister Robert Fico beim Diskussionsforum HNClub zum fünften Jahrestag des Euro in der Slowakei. Nach fünf Jahren Euro nehmen 56 % der Slowaken den Euro als gut für ihr Land wahr, und 21 % fühlen sich dank Euro mehr als Europäer als vorher. Die gesamteuropäische Umfrage Eurobarometer hat darüber hinaus gezeigt, dass nach Meinung von 51 % der Slowaken der Euro mitgeholfen hat, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu mildern, vom Gegenteil sind 38 % überzeugt. Zehn Meinungen zum Euro Dabei beherrschen die Slowaken das Bezahlen mit Euromünzen und -Banknoten gut, und bei üblichen Einkäufen rech-

nen nur 40 % der Befragten den Euro in die alte Währung um. Für die Zufriedenheit mit der neuen Währung spielen das günstigere Reisen und der Preisvergleich in anderen Euroländern eine große Rolle. Die Eurointegration hat nicht nur Befürworter Heftige Debatten über die neue Währung, aber auch über die Mitgliedschaft in der EU, erlebte die Slowakei, als die Rettungspakete für Griechenland geschnürt wurden und der Europäische Stabilitätsmechanismus – European Financial Stability Facility – EFSF - eingeführt wurde. Diese Debatte ging vor allem vom damaligen Parlamentspräsidenten und Chef der Partei Freiheit und Solidarität (SAS) Richard Sulík aus. Die Slowakei hat als einziges Mitglied der Eurozone bei der ersten Abstimmung im Parlament im Jahr 2011 die Billigung von Änderungen im EFSF mit dem

Euro und Identität 1) Als gut für ihr Land halten den Euro 56 % der Slowaken 2) Als gut für die EU halten den Euro 69 % der Slowaken 3) Dank Euro fühlen sich mehr als Europäer 21 % der Slowaken Der Euro und seine Anwendung in der Praxis 4) Mit Euromünzen bar zu zahlen ist kein Problem für 68 % der Slowaken 5) Mit Euro-Banknoten bar zu zahlen ist kein Problem für 86 % der Slowaken Der Euro und sein Umrechnen in die alte Währung 6) Bei größeren Einkäufen (Auto oder Haus) rechnen den Euro in die alte Währung um 57 % der Slowaken 7) Bei üblichen Einkäufen rechnen den Euro in die alte Währung um 40 % der Slowaken Der Euro und das Reisen 8) Auslandsreisen sind dank Euro leichter und weniger teuer meinen 47 % der Slowaken 9) Dank Euro ist der Preisvergleich in anderen EU-Ländern leichter meinen 65 % der Slowaken 10) Der Euro führte zu einer Kostensenkung für Bankleistungen beim Besuch anderer EU-Länder meinen 30 % der Slowaken Quelle: Postbank laut Eurobarometer, Oktober 2013

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Ziel, nicht nur einzelne europäische Staaten, sondern auch Banken unterstützen zu können, abgelehnt. Da die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verbunden war, stürzte die Regierung, und der Stabilitätsmechanismus wurde schließlich erst mit Unterstützung der Abgeordneten aus der Partei Smer-SD gebilligt. In der öffentlichen Diskussion in der Slowakei spielen Kapitalinjektionen zur Stützung europäischer Banken oder Staaten auch heute noch eine große Rolle. Die Debatte wird auch geführt über das Ausmaß der Einflussnahme Brüsseler Regulierungen auf die verschiedenen Lebensbereiche, ob nun des Staates oder der Bürger; die Währung Euro selbst ist jedoch bereits stark im Leben der Bürger und der Unternehmer verankert. Zufriedene Unternehmer Gerade die Unternehmer hatten mit der Euro-Einführung die größten Sorgen: beginnend bei der Änderung von Buchungsstandards, über die duale Preisanzeige bis zur Angst vor den Auswirkungen der neuen Währung selbst. Ihr Verhalten wurde im ersten Jahr nach der Euro-Einführung von einer speziellen Behörde – dem von der Regierung eingesetzten Preis-Beirat – beobachtet, damit es nicht zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen kommt. Es wurden jedoch keine ernsteren Unzulänglichkeiten festgestellt. Wie der Euro wahrgenommen wird, zeigt eine Enquete der Nationalen Agentur für die Entfaltung kleiner und mittlerer Unternehmen, wonach 2008 nur 18 % der befragten KMU in der Euro-Einführung einen Vorteil oder eine Chance für ihre Unternehmungen sahen. Ein Jahr nach der Einführung drückten jedoch in der gleichen Enquete bereits 84,3 % der Befragten ihre Zufriedenheit mit dem Euro aus. Die Unternehmerschaft weiß vor allem die Eliminierung des Kursrisikos bzw. die Verringerung der Transaktionskosten zu schätzen. Da die Ausfuhr in die Länder, die mit Euro bezahlen, fast die Hälfte des slowakischen Gesamtexports ausmacht, spielte die neue Währung vor allem den großen Exporteuren in die Karten. Dank Euro ist die Slowakei auch für einige ausländische Investoren interessanter ge-

worden. Im Rahmen der Visegrader Vier sind wir nämlich das einzige Land, das mit der gemeinsamen europäischen Währung zahlt. Paradox ist, dass der Euro gerade wegen des hohen Exports in die benachbarten V4-Länder – Tschechien, Ungarn und Polen – für einige Unternehmen, die sich auf diese Länder orientieren, wegen der Kursbewegungen bei den Nachbarn ein Nachteil sein kann. Bei der gemeinsamen Diskussion waren sich die Ökonomen und Analysten aus den V4-Ländern einig, dass sie die Annahme des Euro auch anderen postkommunistischen Ländern empfehlen würden. Nach Informationen des Instituts für wirtschaftliche und soziale Reformen (INEKO), welches die

Diskussion zum Jahresende 2013 organisiert hatte, kamen die Teilnehmer nicht zu einem Konsens, was den Zeitrahmen ihres potentiellen Beitritts zum Euroklub betrifft. Während einige den postkommunistischen Staaten raten, mit dem Beitritt noch einige Jahre zu warten, bis sich der institutionelle Rahmen der Eurozone klärt, meinen andere, es sei besser, möglichst bald beizutreten, um eine aktive Mitwirkung an dessen Neugestaltung zu ermöglichen. Eine einheitliche Meinung hatten die Beteiligten jedoch bezüglich der fünfjährigen Erfahrung der Slowakei mit dem Euro: der Wechsel von der Krone zum Euro brachte dem Land eindeutig mehr Vorteile als Nachteile.

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