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NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Ausgabe April 2014 > Jahrgang 2 > Nummer 04 > EUR 3.50 > www.npz-online.eu

Politik

wirtschaft

Nachbarn

Kultur

freizeit

„Geschichte lebt!“

Die Alte Brücke wird neu

Als Slowakin in Hainburg

Schriftsteller Josef Winkler

Golfen in der Slowakei

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NPZ Das deutschsprachige Magazin

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

10 Jahre EU-Mitgliedschaft: Was bringt sie der Slowakei? Die großen NPZ-Politik-Interviews: Andrea Elscheková-Matisová Präsident Ivan Gašparovič Bundestagspräsident Norbert Lammert


TECHNOLOGIEN UNTER KONTROLLE Versorgung und Beleuchtung von Anlagen mithilfe elektrischer Energien Industrieautomatisierung Mess- und Regeltechnik

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INHALT

!

NPZ Das deutschsprachige Magazin

Inhalt

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

impressum

titelthema

NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 2, Nummer 4 - April 2014

NPZ-Interview Andrea Elscheková-Matisová Was bringt die EU der Slowakei? Europaregion Centrope Kommentar Gabriele Matzner

Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376

POLITIK & Gesellschaft Seite 22 „Geschichte lebt!“

Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, zum Jahreswechsel und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708 Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.

Sekretariat: Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260

Die Alte Brücke wird neu Ärztemangel droht Strafrechtliche Verantwortung für Firmen Seite 24 Die Alte Brücke wird neu

Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik

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Nachbarn Hainburg lockt mit Familienfreundlichkeit

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Service & Experten Lebensmittelgesetz: Hohe Strafen Mantelkollektivverträge und Personalagenturen

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partner Seite 32 Als Slowakin in Hainburg

Ständige Mitarbeiterinnen der Redaktion: Dr. Gabriele Matzner-Holzer, Mgr. Katarína Kironská, Mgr. Katarína Šujanová, Katrin Litschko M.A. Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei.

NPZ-Interview Ivan Gašparovič Bundestagspräsident Norbert Lammert „Geschichte lebt!“

wirtschaft

Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759 Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464

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Seite 42 Schriftsteller Josef Winkler

Grafik: Tomáš Kostka

Konjunkturumfrage Slowakei 2014 (DSIHK und Advantage Austria) SOHK: Speed Business Meeting

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kultur Josef Winkler im Österreichischen Kulturforum Adolf Frankl - Kunst gegen das Vergessen Miroslav Knap im Slowakischen Institut in Wien Theater öffnet Akten der Stasi Spuren deutscher Kultur in Bratislava Slowakische A-capella-Gruppe Fragile Die Slowakische Nationalgalerie wird renoviert Youri Vámos: Ballett muss anspruchsvoll sein Jozef Dolinský: Die Grenzen des Balletts versetzen GuTGuT - Mehr als gute Architektur Feuilleton - Schreibwerkstatt Veranstaltungen: Tipps & Termine

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freizeit

Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 €

Wohin zum Golfen in der Slowakei?

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Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa Umschlagbild: Präsidentschaftskanzlei der SR / Tomáš Kostka

Seite 64 Golfen in der Slowakei

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Foto des Monats Duell um das höchste Amt im Staat Die Präsidentschaftskandidaten Robert Fico (links) und Andrej Kiska (rechts) vor Beginn der TV-Debatte am 22. März in RTVS (Foto: SITA/Ján Slovák)



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Genau zehn Jahre ist die Slowakei Mitglied der Europäischen Union. Für die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ die richtige Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Als ideale Gesprächspartnerin wählten wir die langjährige Leiterin der Vertretung der EU-Kommission in Bratislava und jetzt EU-Expertin des slowakischen Außenministeriums, Andrea Elscheková-Matisová. Text: Martina Vlkovičová und Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka

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„Die EU-Mitgliedschaft ist für uns die Erfüllung eines Traums“ NPZ: Umfragen der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen regelmäßig, dass in der Slowakei die Sympathien für die Europäische Union und die EU-Institutionen inklusive der Euro-Währung höher sind als in fast allen anderen EULändern. Warum ist das so? Elscheková-Matisová: Sie haben Recht. Die EU als ganzes Projekt und auch die EUInstitutionen erfreuen sich in der Slowakei großer Beliebtheit und die Menschen vertrauen ihnen. Eine Erklärung dafür ist, dass die überwiegende Mehrheit unserer Bürger die EU-Mitgliedschaft als Erfolgsgeschichte sieht. Schon der Beitrittsprozess und erst recht die Mitgliedschaft haben der Slowakei außerordentlich geholfen. Die Slowakei hat sich politisch und

ökonomisch stabilisiert und für viele Menschen ist es die Erfüllung eines Traums, dass die Slowakei Mitglied eines Klubs ist, der den höchsten Lebensstandard der Welt hat und überall geachtet wird. Die EU-Mitgliedschaft bringt aber auch ganz praktische Vorteile mit sich wie zum Beispiel Reisefreiheit und die Möglichkeit, überall in der EU zu studieren und zu arbeiten. Trotz aller Probleme, die die Eurozone zuletzt hatte, stimmen die Slowaken erfreulicherweise auch der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu und unterstützen die gemeinsame Währung Euro. Die Zustimmung unserer Bürger ist weit über dem EU-Durchschnitt. Acht von zehn Bürgern sind für die Währungsunion, im EUSchnitt ist das nur jeder zweite.

Zum Positiv-Image der EU tragen sicher auch die Strukturfonds bei. Im letzten Programmzeitraum konnte die Slowakei 6,7 Milliarden Euro aus dem EU-Budget schöpfen, das ist wirklich keine geringe Summe für die Entwicklung der Slowakei. Im gegenwärtigen Programmzeitraum 2014-2020 hat die Slowakei die Chance, bis zu 13 Milliarden Euro zu bekommen, das entspricht einem ganzen Jahresbudget des Staates. Das sind wirklich große finanzielle Mittel, die der Slowakei in mehreren Bereichen enorm helfen. Auch das Faktum, dass 80% aller öffentlichen Investitionen in der Slowakei aus EU-Fonds finanziert werden, spricht für sich. Natürlich hat die EU auch Schwächen, aber allein die Frage, wo die Slowakei ohne EU wäre, zeigt sehr klar, wie deutlich die Vorteile für uns überwiegen.

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Aber trotz dieser großen Sympathien für die EU war die Wahlbeteiligung an beiden EU-Parlamentswahlen, an denen Slowaken bisher teilnehmen konnten, so niedrig wie in keinem anderen Mitgliedsland. Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Die Slowakei hatte tatsächlich beide Male die niedrigste Beteiligung. 2004 waren es knapp 17% der Wahlberechtigten und 2009 stieg die Beteiligung nur leicht auf knapp 20%. Das ist wirklich ein slowakisches Paradoxon: Auf der einen Seite das hohe Vertrauen in EU und insbesondere das EU-Parlament und auf der anderen Seite die niedrigste Wahlbeteiligung bei den Wahlen gerade in diese Institution. Das lässt sich nicht einfach in einem Satz erklären. Möglicherweise haben die Leute kein Bedürfnis, zur Wahl zu gehen, solange sie im Prinzip sowieso zufrieden sind. Mir scheint, dass die Slowakinnen und Slowaken dann zu Wahlen gehen, wenn es einen politischen Konflikt gibt, der bei nationalen Wahlen mehr zu spüren ist. Die EU-Wahlen schafften bisher nicht, mit so

einer Konfliktmunition anzukommen, die unsere Wähler genug für eine größere Wahlteilnahme aufrütteln würde. Wenn wir jetzt im Mai zum dritten Mal unsere Vertreter ins EU-Parlament wählen können, hoffe ich, dass wir diesmal eine höhere Beteiligung erreichen. Wir müssen den Bürgern erklären können, dass die Anteilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten Europas wichtig ist, weil diese Themen uns alle wesentlich berühren. Die Entscheidungen des EU-Parlaments werden schließlich auch in jeder Stadt und jedem Dorf der Slowakei wirksam. Ist nicht einfach der Kontakt der EU-Parlamentarier zu den Bürgern und ihren alltäglichen Problemen verloren gegangen? Auch das ist sicher ein Teil der Antwort: Die EU-Parlamentarier selbst haben Nachholbedarf darin, wie sie die EU-Themen auch ihren Bürgern zu Hause vermitteln und kommunizieren. Man muss aber auch sagen, dass das keine einfache Aufgabe ist. Denn dafür würde es die Beteiligung der Medien brauchen und wir wissen, dass sich positive

Nachrichten schlecht verkaufen. Die Medien müssten sicher auch mehr über die Tätigkeit der EU-Abgeordneten berichten. Was unternehmen Sie konkret, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen? Jetzt wird es ja besonders schwierig, weil gerade zwei Durchgänge der Präsidentenwahlen die Bürger „wahlmüde“ gemacht haben könnten. Auch das ist eine häufig zu hörende Begründung für die niedrige Wahlbeteiligung bei uns. Wenn es in einem Jahr mehrere Wahlen gibt, gehen die Leute nur zu den für sie wichtigsten. Auch in der Vergangenheit haben wir gesehen, dass die Bürger in solchen Fällen die nationalen Wahlen wichtiger nehmen und sich weniger verantwortungsvoll gegenüber den EU-Wahlen verhalten. Da sind vor allem die kandidierenden Parteien aufgerufen die Wähler zu mobilisieren. In der Slowakei sehen wir auch schon eine Verbesserung dahingehend, dass die Parteien attraktivere Kandidaten aufzustellen beginnen. Natürlich leistet auch das Außenministerium seinen Beitrag zur Informationskampagne. Gemeinsam mit EU-Kommission und EU-Parlament organisieren wir in vier Regionshauptstädten Informationstage. Weil die Slowakei gerade 10 Jahre EU-Mitgliedschaft feiert, wollen wir auch darüber reden, was in diesen zehn Jahren für das Land erreicht wurde und was der Beitrag der EU dazu war. Zugleich aber wollen wir damit auch die Rückkoppelung erreichen, dass wir die Fragen der Bürger hören und ihre Meinung zur EU, damit es auch ein wirklicher Dialog wird. Vertreter des Außenministeriums werden an Diskussionsforen und Vorträgen in Bratislava und der ganzen Slowakei teilnehmen. Ziel ist es, die Bedeutung der Wahlen zum Eu-

Die ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Homepage

www.npz-online.eu unter „Zum Nachlesen“

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Mag. Andrea Elscheková-Matisová, geboren 1968, studierte an der naturwissenschaftlichen und dann an der juridischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava, derzeit noch weiterhin an der Fakultät für Politikwissenschaften und internationale Angelegenheiten der Matej-Bel-Universität Banská Bystrica (für den Abschluss PhD.) Verschiedene Tätigkeiten im diplomatischen Dienst und Außenministerium der Slowakischen Republik, unter anderem in der UNO-Abteilung (1993), 1994-96 stellvertretende Direktorin der Abteilung für Auslandshilfen (OECD, Phare-Programm, ...), 1996-2000 Vertretung der Slowakei bei der Europäischen Union in Brüssel, 2000-2003 Vizedirektorin und dann Direktorin in der Abteilung des Chefverhandlers für den EUBeitritt. 2003-05 stellvertretende Leiterin der Ständigen Vertretung der Slowakei bei OECD, UNO und internationalen Organisationen in Wien. 2005-2011 Leiterin der Ständigen Vertretung der Europäischen Kommission in Bratislava, seit 2012 Generaldirektorin für Europäische Angelegenheiten im slowakischen Außenministerium. Sie spricht Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch. Verheiratet, eine Tochter Sylvia.

ropäischen Parlament zu erklären und die Wichtigkeit jeder einzelnen Stimme. Unsere Aufgabe sehen wir vor allem darin, den Informationsstand über die EU und damit die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Trauen Sie sich eine Prognose zu, wie hoch die Wahlbeteiligung diesmal sein wird? Das ist nicht so einfach. Auch für den ersten Durchgang der Präsidentenwahl wurde eine Beteiligung von rund 60% erwartet, aber zum Schluss betrug sie nur 43,4%. Das ist für nationale Wahlen sehr niedrig. Ich werde zufrieden sein, wenn die Prozentzahl der Wahlbeteiligung am 24. Mai mit zwei beginnt - und je höher die zweite Ziffer, desto besser. Eine niedrigere Beteiligung als zuletzt 2009 wäre eine Enttäuschung. Wie sind Sie selbst zu Ihrer Beschäftigung mit EU-Themen gekommen? Vieles im Leben ist Zufall. Nach meinem Studium am Institut für Internationale Beziehungen an der Juridischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava habe ich das Angebot bekommen, in der damaligen Abteilung für „Auslandshilfe“ des Außenministeriums mitzuarbeiten. Zu den Aufgaben dieser Abteilung gehörte auch

das Programm PHARE, sozusagen der Vorläufer unserer jetztigen EU-Strukturfonds, konzipiert als „Vorbeitrittshilfe“ zur Förderung der EU-Beitrittsvorbereitungen. Das war meine erste berufliche Berührung mit „Brüssel“. Anschließend habe ich in Brüssel selbst in der ständigen Vertretung der Slowakei bei den Europäischen Gemeinschaften (EG) gearbeitet und war für den Bereich Erweiterung und Zusammenarbeit zwischen slowakischem und EU-Parlament zuständig. Nach meiner Rückkehr in die Slowakei begannen die EU-Beitrittsverhandlungen und ich wurde Mitglied des Verhandlungsteams. Im Prinzip habe ich meine gesamte Berufslaufbahn dem EU-Thema gewidmet. Im Jahr 2005 wurde ich Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in der Slowakei und 2012 bin ich wieder ins Außenministerium zurückgekehrt, in meine jetzige Position. In meinem Arbeitsleben ging es also immer um europäische Themen, schon 20 Jahre widme ich mich ihnen. Die EU ist für mich tatsächlich Teil meines Lebens. Ich gehöre zur Generation der heutigen Vierziger, für die die EU-Mitgliedschaft die Erfüllung eines Traums bedeutet. Wir sind gerade die Generation, die schon alt genug war, um die Limits des alten Regimes zu spüren und die Chancen zu verstehen, die uns

Demokratie und erst recht EU-Mitgliedschaft bieten. Wir können uns angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine noch gut vorstellen, was es bedeuten würde, auf der anderen Seite der Grenze zu sein. Ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit bekam, die Slowakei auf ihrem Weg in die EU zu begleiten. So eine historische Gelegenheit wird sich nicht mehr wiederholen. Erlauben Sie eine persönlichere Frage: Was tun Sie, wenn Sie doch einmal Freizeit haben? Meine große persönliche Herausforderung ist es, Privatleben und Arbeit miteinander in Einklang zu bringen. Ich muss gestehen, dass mir das nicht zu 100 Prozent gelingt. Dennoch gibt mir das EU-Thema sehr viel, ich war an entscheidenden Wendepunkten für die Slowakei dabei, als es um den EU-Beitritt ging, das hat mir viel bedeutet. Solche Beitrittsverhandlungen sind etwas, das es für ein Land nur einmal gibt. Andererseits ist das mit sehr viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden - und gerade für eine Frau und Mutter ist es schwierig, das Familien- und Arbeitsleben aufeinander abzustimmen. Wenn ich dennoch Zeit habe, nütze ich sie gerne für Yoga, Tennis und Skifahren. Meine Tochter wird jetzt gerade sieben Jahre alt, das werden wir natürlich feiern.

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Was bringt die EU der Slowakei? Allen ihren Mitgliedstaaten, nicht nur der Slowakei, bringt die EU nicht nur etwas, sondern eine ganze Menge. Um dies zu erkennen, muss man nur die nationalen Scheuklappen ablegen.Wie umfangreich diese Menge ausfällt, hängt direkt mit den nationalen Gesetzen und Regeln des jeweiligen Staates zusammen. Eine Reihe entscheidender Bereiche, wie Finanzen, Soziales, Justiz, Bildungswesen, Verteidigung u.v.a. sind noch nicht vergemeinschaftet. Von Helmut Wessely, 2006 – 2010, österreichischer Botschafter in der Slowakei, Foto: Shutterstock

Wir erinnern uns an die sogenannte Eurokrise, als mit Recht kritisiert wurde, dass die EU über keine gemeinschaftliche Wirtschaftpolitk verfügt. Es hängt aber auch davon ab, ob und wie die Bürger eines Staates und ihre Regierung den Mehrwert der großen EU-Gemeinschaft in den für sie maßgebenden Bereichen nützen und an der ständigen Weiterentwicklung der EU teilnehmen. Der angestrebte Wohlstand, der auch heute noch eine Reihe von Staaten die EU-Mitgliedschaft beantragen lässt, ergibt sich aus den Möglichkeiten der Größe einer Gemeinschaft, wodurch Risiko vermindert und Solidaritätsleistungen erhöht werden können. Das kann aber nur durch aktive Mitarbeit der verantwortlichen Akteure mit entsprechenden Fähigkeiten gelingen. Wie wollen z.B. Regierungsmitglieder bei Ratstagungen verhandeln, wenn sie keine Fremdsprache sprechen? Wie wollen Experten Resultate erzielen, wenn sie die Situation in einzelnen Mitgliedstaaten nicht kennen? Der EU die Schuld an nicht erfüllten Erwartungen zu geben, ist eine billige Form der Verantwortungslosigkeit. Selbst wenn die EU zu Recht kritisierte Regeln erarbeiten sollte, ist dies nicht so sehr die Folge der Aktion unfähiger Bürokraten, sondern das Ergebnis eines zwischen 28 Mitgliedstaaten mühsam zustandegekommen Kompromisses zur Überwindung nationalistischer Egoismen, ein Kompromiss, der nicht nur von den nationalen Regierungen, sondern auch von der Kommission und dem Europäischen Parlament beeinflusst wurde. Auch kann es sein, dass EU-Regeln nichts anderes sind, als das Resultat besonders erfolgreichen natio-

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nalistischen Lobbyings, das deshalb erfolgreich war, weil andere Mitgliedstaaten im Entscheidungsprozess geschlafen haben. Die EU bringt jedenfalls allen ihren Bürgern die Beseitigung von Diskriminierung. Diese wirkt sich aus als Freizügigkeit für Personen, Kapital, Waren und Dienstleistungen. Der große Binnenmarkt von ca 520 Millionen Menschen bietet die Chance für zusätzliches Wirtschaftswachstum. In der Slowakei wurden deshalb zehntausende Arbeitsplätze geschaffen und viele Slowaken konnten schon vor dem Beitritt zum Schengen-Abkommen in der EU gut bezahlte Arbeit finden. Leider ist der Wohlstand im Lande ungleich verteilt. Dies ist aber nicht Schuld der EU, sondern u.a.a.der slowakischen Politik, welche die enormen Mittel der EU-Regionalförderung nicht optimal zu nutzen wusste. Verbraucher- und Umweltschutz nach EU-Regeln kann hässliche Nebeneffekte vermeiden. Kosten und Bürokratie bei grenzüberschreitenden Aktivitäten sind beseitigt und Ausschreibungsregeln vermindern die Korruptionsanfälligkeit

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bei öffentlichen Aufträgen. Und nicht zuletzt bietet die EU einen institutionalisierten Rahmen für die Austragung von Meinungsverschiedenheiten. Das ist das Friedensprojekt EU. Die enorme finanzielle Solidarität innerhalb der EU half bei der Bewältigung der Finanzkrise, aber auch ein Katastrophenfonds, ein Sozialfonds und ein Globalisierungsfonds stehen zur Verfügung. EU Bürger profitieren direkt vom gemeinsamen Vorgehen in den Bereichen Inneres und Justiz (Stichworte: Fahndung, europäischer Haftbefehl, Familien- und Erbrecht). Gemeinsam über die EU werden Landwirtschaft und Regionalpolitik gefördert. Das bietet den Slowaken auf dem Land eine langfristige Perspektive! Die Slowakei allein hätte kaum einen vergleichbaren Einfluss in internationalen Foren als gemeinsam mit dem EU-Migliedstaaten. Wie ein erfahrener Mann schon vor Jahren zu sagen pflegte: In Brüssel fressen nicht die großen Fische die kleinen, sondern die schnellen die langsamen. Hoffen wir, dass die Slowakei immer schnell genug ist.


Unternehmer befürchten

vor allem Betriebsausfälle und den Ausfall von Lieferanten Eine Befürchtung eint alle Unternehmer weltweit – dass ihr Unternehmen durch höhere Gewalt in die Enge getrieben wird. Ein Betriebsausfall oder die Unterbrechung von Lieferungen, Naturkatastrophen und Brände sind laut einer Studie von Allianz die größten Risiken, denen sich ein Unternehmen stellen muss. Allianz – Slovenská poisťovňa bietet auch Versicherungsprodukte für Groß- und Industrieunternehmen in den verschiedensten Branchen an. VARIABLER VERSIchERUNGSSchUtz Allianz - SP hat im Segment Versicherung von Geschäftsklienten die längste Tradition. Jedes Unternehmen wird auf der Basis individueller Bedingungen versichert, wobei der Versicherungsschutz für jeden Klienten variabel ist. • Eigentumsversicherung – breite Deckung im Rahmen der Versicherung von Immobilien und Mobilien. Eine Eigentumsversicherung sichert Ihnen Liquidität für nötige Rekonstruktionen, den Ersatz oder die Reparatur von Gebäuden, Maschinen und Lagerbeständen. • Versicherung für den Fall der Eigentumsverletzung des Betriebs – Eigentumsschäden haben oft eine Einschränkung oder die vollständige Unterbrechung der Betriebsprozesse zur Folge. Durch eine Versicherung gegen Betriebsausfall erlangt das Unternehmen Geldmittel für die Deckung von Festkosten und für entgangene Gewinne. • Versicherung von Maschinen und Elektronik – sichert den zuverlässigen Versicherungsschutz für den Fall der Beschädigung von Maschinen durch Konstruktionsmängel oder menschliches Versagen. • Bau- und Montageversicherung – gewährt Versicherungsdeckung gegen die Risiken der Eigentumsschädigung in der Bauoder Montagephase des Werks durch zufällige Elementarereignisse, fehlerhafte Arbeiten oder Materialien. • Versicherung von Transportrisiken – gewährt eine breite Versicherungsdeckung für den Fall der Beschädigung, der Vernichtung oder des Verlusts von Zusendungen wie auch bei der Entstehung von durch Dritte verursachten Schäden. • Haftpflichtversicherung – für den Fall von Anspruchserhebungen durch Dritte leistet sie finanzielle Hilfe für die Entschädigung der geschädigten Personen. Falls Ihr Produkt infolge eines Material- oder Konstruktionsfehlers Sach- oder Personenschäden verursacht, dient Ihnen darüber hinaus eine Produkthaftpflichtversicherung zur Deckung. • Umwelthaftpflichtversicherung – gewährt die vollständige Deckung im Zusammenhang mit den Anforderungen der geltenden Gesetzgebung über die Verantwortung gegenüber der Umwelt bei der Prävention und Behebung von Umweltschäden.

„Die Krise sollte nicht als Grund für Einsparungen bei der Versicherung angeführt werden“, sagt Branislav Martinka von der Allianz - SP. „2013 inspizierten wir dutzende von Fällen mit umfangreichen Schäden, auch bei Unternehmen, deren Finanzen in Schuss waren, die ohne hochwertige Versicherungsdeckung in existenzielle Schwierigkeiten geraten wären“, ergänzt er. Nutzen Sie deshalb diese breite Angebotspalette an Versicherungsprodukten für Unternehmen und verlassen Sie sich wie die Mehrzahl der erfolgreichen Unternehmen in der Slowakei auf die Versicherung von Geschäftsklienten bei Allianz - Slovenská poisťovňa.


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Centrope - grenzüberschreitende Region im Herzen Europas Innerhalb der Europäischen Union gibt es vielfältigste Varianten vertiefter Zusammenarbeit über alte staatliche Grenzen hinweg. Über die für unseren geografischen Raum wichtigste dieser regionalen Initiativen sprach die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ mit der auf der Seite von Bratislava dafür zuständigen Expertin Tatiana Mikušová. Text: Peter Stossier, Fotos: Slowakisches Centrope-Haus und Tatiana Mikušová privat

NPZ: Frau Mikušová, was ist eigentlich Centrope? Tatiana Mikušová: Centrope ist eine grenzüberschreitende regionale Initiative von vier Ländern. Slowakei, Österreich, Tschechische Republik und Ungarn. Die mitteleuropäische Region Centrope bilden acht Bundesländer, Städte und Komitate auf dem Gebiet Österreichs, Ungarns, der Slowakei und der Tschechischen Republik. In dieser Region leben etwa sechseinhalb Millionen Einwohner.

ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde aus verschiedenen Studien klar, dass der Raum zwischen Bratislava, Wien, Győr und Brno eine sehr zukunftsträchtige Region ist, mit großem Potenzial für wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit. Aus diesem

Das klingt sehr offiziell, können Sie unseren Lesern den Sinn dieser Initiative näher bringen? Da müssen wir ein wenig in die Vergangenheit gehen. Schon seit den neun-

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Grunde wurde im Jahr 2003 die Initiative Centrope ins Leben gerufen, um den Nachteil dieser Region, der durch den Eisernen Vorhang entstanden war, in eine Entwicklung umzuwandeln, die das große gemeinsame Potenzial nützen würde. Das passierte noch vor der EU Erweiterung durch die neuen Länder, aber schon mit dem Ausblick darauf. Was ist seither durch die CentropeInitiative geschehen? Seit seiner Gründung hat die Initiative einen langen Weg absolviert. An der ehemaligen Außengrenze der Europäischen Gemeinschaft mit autarken Arbeitsmärkten, wenig unternehmerischen Gelegenheiten, überfüllten Straßen und


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Passkontrollen, ... - besteht heute ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit neuer Infrastruktur und unbegrenzter Mobilität der Arbeitskräfte. Die Bewohner dieser Region betrachten den einfachen alltäglichen Zugang zur Kultur, Erholung und zum Einkaufen jenseits der Grenzen schon als ganz natürlich.

und unterstützt haben, wie zum Beispiel die gemeinsamen Veranstaltungen der slowakischen und österreichischen Weinbauern. Wichtig waren auch die regelmäßigen politischen Konferenzen, bei denen jedes halbe Jahr die zuständigen Politiker über die Herausforderungen der Zukunft diskutierten.

Ja gut, aber das ist nicht alles nur das Ergebnis der CentropeInitiative? Natürlich nicht, aber Centrope hat wesentlich dazu beigetragen. Erlauben Sie mir ein paar Beispiele, wie das geschehen ist. Centrope hat mehrere Studien erarbeitet, die die notwendigen Wege, Projekte und Maßnahmen klar identifiziert haben. Solche Studien wurden für Bereiche wie Humankapital, Erziehung und Arbeitsmarkt oder Kultur und Tourismus sowie Entwicklung der Infrastruktur und vieles mehr erarbeitet. Die Grundlage für diese Studien waren von Centrope organisierte Expertendialoge, Konferenzen, Monitorings der regionalen Entwicklung und Analysen der Infrastruktur. Diese Studien waren ein Leitbild für viele Projekte, von denen heute schon mehrere realisiert wurden: hier könnte ich zum Beispiel die Brücke zwischen Devínska Nová Ves und Schlosshof nennen oder das touristische Internetportal www.tourcentrope.eu. Centrope hat auch viele Workshops organisiert, die lokale Initiativen erweckt

Bedeutet das, dass Centrope seine Rolle erfüllt hat und jetzt andere Initiativen und Strategien die Aufgabe übernehmen? Ja und nein. Gewiss hat Centrope wesentlich dazu beigetragen, dass auch die EU sich dieser zentraleuropäischen Region besser widmen kann. Das widerspiegelt sich zum Beispiel in der Donauraumstrategie der EU, die natürlich viel breitere Aufgaben hat. Centrope hat eine Etappe erfolgreich abgeschlossen und eine neue steht vor uns. Meiner Meinung nach müssen hauptsächlich die Slowakei, Ungarn und Tschechien in ihren Eigeninitiativen, auf den Ergebnissen von Centrope aufbauend, die Region und regionale Zusammenarbeit und das regionale Zusammenwachsen weiter fördern. Österreich war ein unumstrittener Leader in der Centrope-Initiative, heute müssen die anderen Länder selbst die Zusammenarbeit weiter ausbauen und mit allen koordinieren. Und das Gelernte vieleicht an weitere Länder, eben im Rahmen der Donaustrategie, weitergeben.

Zur Person: DI Tatiana Mikušová war 2002-2006 Vizebürgermeisterin von Bratislava. Sie ist für die Stadt und Region Bratislava seit mehreren Jahren in wechselnden Funktionen für das Projekt Centrope zuständig. derzeit als Abgeordnete der regionalen Selbstverwaltung und Vorsitzende der Kommission für grenzüberschreitende Kooperationen. Absolventin der Fakultät für Bauwesen der Hochschule für Technik, (heute Slowakische Technische Universität STU) in Bratislava. Verheiratet, Mutter von fünf Kindern.

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Homo Sapiens?

Der Fall Ukraine und die Gemeinsame EU-Außenund Sicherheitspolitik Nun ist es also passiert: Die Krim wird wieder Teil Russlands, das damit eindeutig und unverfroren Völkerrecht, nämlich die territoriale Souveränität der Ukraine verletzt. Das Selbstbestimmungsrecht, das die Betreiber dieses „Beitritts“ ins Treffen führen, gelte, so wie das gelaufen ist, nicht, sagen überdies die interimistischen Herrscher in Kiew und die so genannte internationale Gemeinschaft, alias der Westen. Sanktionen und Isolierung (!) sollen Moskau an den Verhandlungstisch bringen und von weiteren Eskalationen abhalten. Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei, Symbolfoto: EC

Eskalation ist nach gängigem Verständnis eine „Beziehungsentwicklung mit sich steigerndem Intensitätsverlauf“. Es gehören also zwei dazu. Die jetzige Entwicklung rund um die Ukraine hat überdies einen langen Vorlauf, eine Vorgeschichte, deren Anfänge bis in die Zeit des Falls der Berliner Mauer reichen. Ungeachtet der Zusammenarbeit, die zwischen dem Westen und Russland in einigen globalen Fragen und regionalen Krisen besteht, sind die „Narrative“, Darstellungen, Sichtweisen und Interpretationen der weltpolitischen Ereignisse seit 1989 und der „Beziehungsentwicklung“ beider Seiten ganz offensichtlich nicht erst seit dem Gezerre um die bekanntlich tief gespaltene Ukraine immer wieder höchst unterschiedlich. Es mangelt wohl auch an Verständnis, Respekt, ja sogar Kenntnis der jeweiligen unterschiedlichen Standpunkte. Die meisten Medien tragen zu diesem Unverständnis wesentlich bei, auf beiden Seiten. Es fehlt an Informationen und an glaubhaften Beweisen für viele Behauptungen und Anschuldigungen. Auf die Argumente der jeweiligen „Gegenseite“, wenn sie überhaupt erwähnt werden, wird nicht wirklich eingegangen, Behauptungen, zumeist aus nicht unparteiischen Quellen, bleiben unbewiesen und unwidersprochen im Raum stehen. Für Interessierte ohne Insider-Kenntnisse, also die

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große Mehrheit, ist es folglich, von wenigen Fakten abgesehen, kaum möglich zu wissen, was da wirklich „gelaufen“ ist und „läuft“. Für die Bevölkerung eines autoritär regierten Landes wie Russland mag man dies als beabsichtigte Verschleierung bedauernd abhaken. Ich behaupte aber, dass die Menschen im Westen nicht besser, vollständiger, umfassender informiert werden, und dass auch sie in ihrer Meinungsbildung manipuliert werden. Worüber soll nun am Verhandlungstisch überhaupt gesprochen werden? Welche Vorschläge will der Westen einem Land unterbreiten, dessen Präsidenten die deutsche Kanzlerin angeblich für einen Traumtänzer hält, dem der US-Präsident ständig Strafen androht und Kampfflugzeuge an die Grenzen schickt und der gezielt isoliert, ins Strafwinkerl gestellt wird? Selbstkritik ist überhaupt kaum zu hören, jedenfalls nicht von handelnden Politikern. Jeder ist buchstäblich im Recht und die jeweiligen Medien und Experten bestätigen das und schmücken es mit starken, beleidigenden Qualifikationen. „Faschist, Du, Recht brechender Gewalttäter, Möchtegern-Imperator“, tönt es von einer Seite, „Selber Faschist, Rechtsbrecher, Imperator“, von der anderen. Mit wenigen Ausnahmen. Nicht gleichgeschaltete russische Medien (es gibt sie!) tadeln Putins Vorgangsweise, gelegentlich

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findet sich Kritik an westlicher Politik auch in westlichen Medien. Normalerweise gehen diese mit westlichen Politikern und westlicher (EU)Politik weniger schonend um. Vereinzelt findet sich ein westlicher Ex-Politiker, der diese Kritik präzisiert. Günter Verheugen, einst als EU-Kommissar für die große Ost-Erweiterung zuständig, meint, es wäre besser gewesen, rechtzeitig (also vor Ausbruch der Krise) das Gespräch mit Russland zu suchen und dessen Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen, wie das die EU vor der Aufnahme der baltischen Staaten getan habe. Erstaunlich finde ich die Berufung auf Völkerrecht, welches auch westlicherseits in den letzten Jahrzehnten wiederholt mit Füßen getreten wurde. Stichworte: Balkan, Weltkrieg gegen „Terrorismus“, Irak, Libyen, ... Freilich legitimieren Völkerrechtsverletzungen einer Seite noch nicht die anderer. Die Verletzung von Rechten und Prinzipien sieht man jeweils aber nur beim Anderen. Sprichwörter, wie die vom Glashaus oder vom Balken im eigenen Auge, fallen einem ein. Oder auch: was Jupiter erlaubt ist, ist es einem Ochsen noch lange nicht. Aber ein bisschen Einsicht anstelle von Selbstgerechtigkeit könnte nicht schaden und vielleicht so nebenbei dazu beitragen, dass (Völker)recht wieder jenen Stellenwert gewinnt, den es verdient. Vernünftige Vorschläge, auch zur Deeskalation, kommen bisher fast nur von


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einigen ehemaligen Politikern. Von Henry Kissinger beispielsweise, für den die gängige Dämonisierung Putins ein Alibi für die Absenz genuiner Politik ist und der der Ukraine empfiehlt, statt der Rolle eines „outpost“ eines der beiden Lager die einer Brücke wahr zu nehmen. Wie der betagte deutsche Politiker Erhard Eppler warnt er vor einem Beitritt der Ukraine zur NATO. Methoden zur Konfliktbearbeitung, wie sie in der OSZE und im Europarat entwickelt sind, darunter „Vertrauen bildende Maßnahmen“, könnten bei gutem Willen eingesetzt werden, sofern sie nicht dem Sparstift zum Opfer gefallen sind. Die EU hat nun schrittweise Sanktionen beschlossen, gegen Potentaten des

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gestürzten ukrainischen Regimes und einzelne Politiker der Krim und Russlands, und droht weitere „Strafmaßnahmen“ an. Deren Schmerzhaftigkeit wird in Grenzen gehalten, mit Bedacht auf Eigeninteressen, wie beispielsweise des Finanzplatzes „City of London“, an dem ukrainische und russische Oligarchen „investieren“, geplante französische Waffenlieferungen an Russland oder insgesamt die intensiven Geschäftsbeziehungen (österreichische Banken!) und wechselseitigen Abhängigkeiten aller Art, Stichwort Gas. Da tun sich die USA wohl leichter, ihre „Interdependenz“ mit Russland beträgt kaum ein Zehntel der zwischen EU-Ländern und Russland.

Erleben wir nun in der EU am „Fall“ Ukraine – endlich – die Anfänge einer längst postulierten gemeinsamen Außenund Sicherheitspolitik? Für eine solche ist ja immer ein gemeinsames Ziel, besser noch ein gemeinsamer „Feind“, ein nützlicher Katalysator. Ich bezweifle es. Zu sehr scheint mir europäische Politik jener der USA zu folgen. Und ich hielte es für verheerend, selbstbeschädigend, wenn eine solche Politik sich dauerhaft gegen Russland bildet und ausrichtet. Putins kommen und gehen, Russland bleibt. Ist hier der „homo sapiens“, also der über Jahrhunderttausende angeblich weise gewordene Mensch, am Werk? Zweifel sind angebracht.

Die NPZ erreicht neben den deutschsprachigen Bewohnern und Expats in der ganzen Slowakei auch die angrenzende österreichische Nachbarregion und Wien sowie Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Sie geht an die wichtigsten im Raum Bratislava und der Slowakei ansässigen Firmen mit deutschsprachigem Hintergrund, an Manager und Unternehmer, Diplomaten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen sowie an Veranstalter von Seminaren, Messen, Ausstellungen und Konferenzen, ausgewählte Hotels und andere Tourismuseinrichtungen.

Leserbriefe sind uns willkommen an die Adresse redaktion@npz-online.eu

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Politik & GESELLSCHAFT

Präsident Gašparovič im Gespräch mit der NPZ

Präsident Gašparovič:

Unsere Erfolge verdanken wir der EU-Mitgliedschaft Die Präsidentschaft von Ivan Gašparovič begann 2004 fast zeitgleich mit dem EU-Beitritt der Slowakei und dauert noch bis zum 15. Juni. Sein im März gewählter Nachfolger wird also in den Monaten bis dahin noch viel Zeit haben, nach den Erfahrungen des trotz aller zuletzt in den Medien zu vernehmenden Kritik bisher ohne Zweifel populärsten slowakischen Präsidenten zu fragen. Die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ traf sich mit dem Präsidenten zwischen einer Reise nach Deutschland und einer nach Wien. Text: Christoph Thanei, Fotos: Marián Garaj / Slowakische Präsidentschaftskanzlei

NPZ: Herr Präsident, gerade waren Sie zu einem offiziellen Besuch in Berlin, gleich danach kam der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Besuch in die Slowakei und jetzt fahren Sie zu Ihrem

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Abschiedsbesuch nach Wien. Die bilateralen Beziehungen der Slowakei zu Deutschland und Österreich sind ohne Zweifel sehr gut? Ivan Gašparovič: Die Zusammenarbeit zwischen der Slowakei und Deutschland

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ist die wichtigste Grundlage für Stabilität in unserer Region. Deutschland als herausragender Investor ist außerordentlich wichtig für die Slowakei, wir können durchaus von einer „Strategischen Partnerschaft“ zwischen unseren Ländern sprechen.


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Und wenn Sie jetzt nach Wien fahren: Wie sehen Sie die bilateralen slowakisch-österreichischen Beziehungen? Wir haben eine weit in die Vergangenheit der österreichisch-ungarischen Monarchie zurück reichende gemeinsame Geschichte, das lässt sich nicht mehr auslöschen. Aber inzwischen sind unsere Beziehungen überhaupt die besten, die wir je hatten. Das hat mit der österreichischen Unterstützung in den ersten Jahren unserer Unabhängigkeit zu tun, vor allem aber mit den vergangenen zehn Jahren, die wir nun beide Mitglieder der Europäischen Union sind. Der EU-Beitritt war unsere wichtigste Priorität nach der Unabhängigkeit. Denn dass wir jetzt so ein erfolgreiches Land sind, das haben wir der EU-Mitgliedschaft zu verdanken. Und es hat uns außerordentlich viel bedeutet, dass Österreich uns beim Beitritt so viel geholfen hat. Bald sind wieder EU-Wahlen. Die EU-Institutionen und auch der Euro haben in kaum einem anderen Mitgliedsland so hohe Sympathiewerte wie in der Slowakei. Und trotzdem war die Wahlbeteiligung bei beiden Wahlen zum EU-Parlament, an denen die Slowaken bisher teilnehmen konnten, in keinem Mitgliedsland so niedrig wie gerade in der Slowakei. Wie ist dieses Paradox zu erklären? Es ist ein interessantes Paradox. Die Slowakei musste schwere Hürden überwinden, nicht nur durch die Wende, sondern auch zu Beginn der Unabhängigkeit. Das alles wäre nicht so gut gelungen ohne EUMitgliedschaft. Sie hat uns wirtschaftlichen Aufschwung, Reisefreiheit gebracht. Ohne EU wären all die erfolgreichen Reformen nicht gelungen. Dessen sind sich die Slowaken bewusst und darum hat die EU hier so einen guten Ruf. EU, Euro und Schengen haben uns unheimlich viel gebracht. Aber warum dann dieses Desinteresse an den EU-Wahlen? Ich bin überzeugt, dass daran vor allem die Parteien und Politiker schuld sind. Die slowakischen EU-Parlamentarier selbst scheinen nach der Wahl auf ihre Wähler zu vergessen. Sie diskutieren nicht mit den

Bürgern über ihre tatsächlichen Probleme. Deshalb kennt sie dann auch kaum jemand. Nach Umfragen kann kaum ein Bürger mehr als bestenfalls zwei slowakische EU-Abgeordnete namentlich nennen. Deshalb erwarten sie von diesen Politikern auch nichts, sie kennen sie ja gar nicht einmal. Sie sehen keinen Sinn darin, Kandidaten zu wählen, die ihnen völlig unbekannt sind. Es ist Aufgabe von uns allen Politikern, die Bürger darauf aufmerksam zu machen, welche wichtige

verstehen. Eine Warnung, um zu zeigen, dass die Parteien sich der Probleme der Bürger ernsthaft annehmen müssen. Dieser Erfolg für diesen Mann wird ein Einzelfall bleiben. Er war vorher nicht mehr als ein protestierender Bürger, aber er war für nichts verantwortlich. Jetzt muss er plötzlich reale Probleme hunderttausender Bürger lösen wie die hohe Arbeitslosigkeit in der Region, soziale Probleme, das Schulwesen, ... - Das wird für ihn nicht so einfach. Er ist ja ganz allein und

„Sehr gute persönliche Beziehungen“: Ivan Gašparovič mit dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer Rolle das EU-Parlament inzwischen spielt. Das EU-Parlament hat ja sehr viel an Verantwortung dazu bekommen. Diese Situation nützen jetzt nicht nur in der Slowakei populistische bis extremistische Gruppierungen. In der mittelslowakischen Region Banska Bystrica gewann der Rechtsextremist Marian Kotleba sogar die Direktwahl zum Regionspräsidenten (Landeshauptmann). Wie konnte das geschehen? Das liegt in der Verantwortung aller traditionellen Parteien, ob links oder rechts. Sie alle haben Kotleba unterschätzt und gemeint, von starken Parteien nominierte Kandidaten würden automatisch gewinnen. Doch die Bürger hatten schon die Nase voll von ihnen. Seinen Sieg könnte man als Rache der Bürger an den etablierten Parteien

hat im Regionalparlament keinen einzigen Abgeordneten hinter sich. Zurück zu den bilateralen Beziehungen: Nicht zu allen Nachbarn hatte die Slowakei nach ihrer Unabhängigkeit so unkomplizierte Beziehungen wie zu Österreich. Ich denke da vor allem an Ungarn. Das ideale Instrument, dass wir gute Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn haben, ist die Visegrad-Gruppe. Die V4-Gruppe (Anmerkung: Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) ist Garant für Ruhe und Stabilität in der Region, das ist sowohl politisch wie auch wirtschaftlich zum Nutzen von uns allen. Die speziellen bilateralen Probleme, die wir zeitweise mit Ungarn hatten, reichen auch in die Geschichte zurück, als die Slowakei jahrhundertelang ein Teil Ungarns war.

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wenn Ungarn sein Gesetz aufheben würde, dann würde man unseres gar nicht mehr brauchen.

Der oberste Eishockey-Fan der Nation: Selbst die britische Königin konnte sich der Faszination des slowakischen Staatsoberhaupts für den Nationalsport nicht entziehen.

Manche slowakisch-ungarischen Probleme haben aber auch in den allerletzten Jahren international für Aufsehen gesorgt. Auch wenn internationale Medien die Probleme manchmal aufbauschten, versuchen wir stets, alle diese Probleme mit Ungarn auf bilateraler Ebene in direkten Gesprächen zu lösen. Es scheint uns nicht sinnvoll, sie zu internationalisieren. Für die Lösung von Problemen haben wir eine bilaterale Kommission der beiden Regierungen und Expertengespräche. Die Slowakei betreibt gerade gegenüber der ungarischen Minderheit eine sehr verantwortungsvolle Politik. Die Slowakei ist das einzige Land mit einer staatlichen Universität, an der in der Sprache der ungarischen Minderheit und nicht in der Staatssprache gelehrt wird. Damit bieten wir der Minderheit vom Kindergarten bis zur Universität alle Ebenen der Bildung in ihrer Sprache in staatlichen Einrichtungen an. Sie wurden aber auch selbst kritisiert, weil sie sich bei ihrer Wiederwahl 2009 nicht davon distanziert hatten, dass die Slowakische Nationalpartei die sogenannte „Ungari-

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sche Karte“ ausspielte, indem sie Sie mit Plakaten unterstützte, die man als antiungarisch interpretieren konnte. Und es gab auch den heftigen diplomatischen Streit zwischen beiden Ländern, als vor einigen Jahren der ungarische Präsident Solyom zu einer so genannten „Privatreise“ zu einer ungarischen Nationalfeier in die Südslowakei fuhr, ohne Sie treffen zu wollen. Und den Streit um die ungarische Doppelstaatsbürgerschaft, ... Gerade der Konflikt um den Besuch des damaligen ungarischen Präsidenten war ein völlig unnützer Konflikt. Es ist für uns aber auch wichtig, dass nicht Politiker eines Landes Wahlkampf im anderen Land betreiben. Besonders schädlich für unsere Beziehungen war das ungarische Gesetz, das slowakischen Staatsbürgern die ungarische Staatsbürgerschaft zuerkannte, ohne dass sie in Ungarn leben mussten. Da hatte die Slowakei keine andere Wahl, als mit einem eigenen Gesetz zu reagieren (das vorsah, dass Bürger, die eine ausländische Staatsbürgerschaft annehmen, dafür die slowakische verlieren). Auch dieses slowakische Gegengesetz ist schlecht, sage ich offen. Gelöst wäre das ganze Problem,

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Aber wie war das damals mit dem Ausspielen der „Ungarischen Karte“ in der Wahlkampagne der Nationalisten zugunsten Ihrer Wiederwahl? Die Nationalpartei hatte damals als Angriff auf Ihre Gegenkandidatin Iveta Radičová suggeriert, wer von der ungarischen Minderheit unterstützt werde, könne nicht gut für die Slowaken sein. Sie haben sich davon nicht distanziert, wollen aber trotzdem ein „Präsident aller slowakischen Staatsbürger“ sein. Ich war immer ein Präsident, der Wege gesucht hat, Probleme zwischen Slowaken und Ungarn in unserem Land zu beseitigen. Ich war es, der in einer bilateral angespannten Situation vorschlug, dass der ungarische Präsident und ich gemeinsame Vortragsreisen an Universitäten beider Länder unternahmen. Diese gemeinsamen Diskussionen beider Präsidenten mit jungen Menschen auf Universitätsebene sind bei den Studenten sehr gut angekommen und waren eine sehr erfolgreiche Aktion. Oft heißt es, slowakische Politiker würden die „Ungarische Karte“ ausspielen. Aber in Wirklichkeit ist es eher so, dass Vertreter der Ungarnparteien diese ethnische Karte ausspielen und damit Slowaken und Ungarn nach ethnischen Kriterien trennen wollen. Wie zufrieden sind Sie mit den grenzüberschreitenden Beziehungen insbesonders zu Österreich auf regionaler Ebene? Sehr gute Beziehungen haben wir auch mit anderen Nachbarn. Zum Beispiel ist noch immer der Plan einer gemeinsamen Bewerbung mit Polen um die Austragung von Olympischen Winterspiele aktuell. Aber mit Österreich sind die Beziehungen besonders gut. Da hat sich viel getan: Die rund 2000 österreichischen Firmen in der Slowakei werden immer wieder erwähnt. Inzwischen werden aber auch die Verkehrsverbindungen immer besser, es sind zusätzliche Straßen, Eisenbahnverbindungen und Brücken entstanden, zuletzt eine Radfahrerbrücke über


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den Fluss March zwischen Devínska Nová Ves und Marchegg. Sehr gut sind aber vor allem die Beziehungen auch auf persönlicher Ebene zwischen Bundespräsident Fischer und mir. Wir haben uns oft in internationalen Fragen gegenseitig beraten. Sie sind der bisher einzige slowakische Präsident, der für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. Alle Ihre Vorgänger sind rasch unbeliebt geworden. Aber Sie waren lange der populärste Politiker außer Premier Robert Fico. Zuletzt sind aber auch Sie immer öfter kritisiert worden und hatten manche Konflikte mit den Medien. Unbeliebt geworden bin ich nur bei einem Teil der Medien, Politologen und manchen Politikern. Das hat damit begonnen, dass ich mich weigerte, den von den damals (bis 2012) regierenden, jetzt wieder oppositionellen Parteien nominierten Generalstaatsanwalt zu ernennen. Und warum haben Sie ihn nicht ernannt? Er wurde regulär vom Parlament gewählt. Eine Journalistin, die das nicht akzeptieren wollte, haben Sie vor laufender Kamera gefragt: „Sind Sie Analphabet?“ Das fand auch ich eine für ein Staatsoberhaupt unwürdige Ausdrucksweise. Und ich verstehe auch nicht, warum Sie einen regulär gewählten Generalstaatsanwalt nicht ernennen wollten. Die Wahl war eindeutig manipuliert, es gab nachweislich Stimmenkauf und gegenseitige Kontrollen der Stimmabgabe bei einer geheimen Wahl. Der Wahlmodus wurde mehrfach geändert, bis der „richtige“ Kandidat gewann. Auch das Verfassungsgericht hat später bestätigt, dass die Wahl nicht korrekt war. In der Bevölkerung habe ich die Zustimmung nicht verloren. Ich bin der Politiker im Land, der am meisten auf die gewöhnlichen Bürger zugegangen ist, um mit ihnen zu reden. Bei meinen zahlreichen Begegnungen mit Bürgern wurde mir immer wieder gesagt: „Geben Sie nicht nach!“ Ich bin stolz darauf, dass ich dem politischen und medialen Druck nicht nachgegeben habe.

Zur Person: Ivan Gašparovič Geboren am 27. März 1941 in der südslowakischen Bezirksstadt Poltár. Der Universitätsdozent für Rechtswissenschaften war 1990 bis 1992 Generalstaatsanwalt der Tschechoslowakei und begründete dann an der Seite des damaligen Ministerpräsidenten (der slowakischen Teilrepublik) Vladimír Mečiar die unabhängige Slowakei. Bis zur Wahlniederlage der Mečiar-Koalition 1998 bekleidete er als Parlamentspräsident eines der höchsten Ämter im Staat. Im Jahr 2002 trennten sich die Wege der beiden Politiker. 2004 kam Gašparovič eher überraschend in die Stichwahl um das Präsidentenamt und gewann gegen Mečiar. 2009 schaffte er als bisher einziger Präsident (in einer Stichwahl gegen die spätere Regierungschefin Iveta Radičová) die Wiederwahl für eine zweite Amtsperiode, für eine dritte darf er gemäß Verfassung nicht kandidieren. Ivan Gašparovič ist mit der Bauingenieurin Silvia Gašparovičová verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Weitere Informationen aus dem Amt des Präsidenten: http://www.prezident.sk/

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„Diese für uns selbstverständlich gewordene Zusammenarbeit in Europa ist historisch spektakulär.“ Norbert Lammert leitet als Präsident des Deutschen Bundestages das mächtigste nationale Parlament innerhalb der Europäischen Union. Auf Einladung des slowakischen Parlamentspräsidenten Pavol Paška besuchte er im März die Slowakei und sprach mit der „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ über Parlamentarismus im Allgemeinen und über die bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Benedikovič

NPZ: Herr Bundestagspräsident, relativ kurz vor den im Mai anstehenden Wahlen für das Europäische Parlament hat das deutsche Verfassungsgericht in Karlsruhe die bisher in Deutschland für EUWahlen geltende Dreiprozenthürde für verfassungswidrig erklärt. Das erleichtert die Chancen von kleinen Parteien - auch zum

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Beispiel für die rechtsextreme NPD. Welches Risiko kann daraus entstehen? Droht mehr Instabilität im EU-Parlament? Norbert Lammert: Ich persönlich bedauere ebenso wie wohl die überwiegende Mehrheit des Deutschen Bundestages die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. In der Tat führt das Streichen der Dreiprozentklausel zu einer sehr viel grö-

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ßeren Erfolgswahrscheinlichkeit auch sehr kleiner politischer Gruppierungen. Wie viele dann am Ende über die mindestens ein oder eineinhalb Prozentpunkte verfügen werden, die ihnen einen Sitz im Europäischen Parlament bringen, muss man abwarten. Aber eine besonders günstige Rahmenbedingung für die stärkere Handlungsfähigkeit des Europäischen Parlaments stellt diese Entscheidung sicher nicht dar.


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Viele dieser Kleinparteien, die jetzt ihre Chance wittern, aus Deutschland leichter ins EU-Parlament zu kommen, treten ja sehr populistisch auf. Sie werden aber nicht nur deshalb stärker, weil jetzt ihre gesetzliche Hürde niedriger geworden ist, sondern weil die Wähler immer unzufriedener mit den etablierten Parteien sind. Was machen die falsch? Ich finde es nicht weiter erstaunlich, dass in komplizierten Situationen sowohl im nationalen wie auch im europäischen Rahmen die in Verantwortung befindlichen Parteien an Zustimmung verlieren. In Deutschland sind wir übrigens in wesentlich geringerem Maß als in vielen anderen Ländern von dem Problem betroffen, dass sich das in einer Zersplitterung des Parteiensystems und in der Stärkung von radikalen und fundamental euroskeptischen Gruppierungen niederschlägt. Ein Patentrezept gibt es dagegen nicht. Aber solange sich alternative Gruppierungen an die jeweiligen Verfassungsregeln halten, sind sie auch zu respektieren. Ein Grund für die Unzufriedenheit vieler Wähler mit den traditionellen Parteien ist doch sicher auch, dass die wichtigen Entscheidungen in Ländern wie Deutschland oder der Slowakei gar nicht wirklich im Parlament fallen. Das wird doch alles vorher in Parteigremien abgesprochen und das Parlament ist dann nur so eine Art Abstimmungsautomat, in dem die Abgeordneten blind für das stimmen, was ihre Parteien schon vorher beschlossen haben. Frustriert das nicht gerade Sie als Parlamentsvorsitzenden? Das ist als Pauschalierung einfach falsch. Bei Wahlen treten in der Regel Parteien und deren Kandidaten an und werben für ihr Konzept und ihre Vorstellungen um Zustimmung. Über die Wahlen schlägt sich das dann darin nieder, wie viele Abgeordnete die jeweiligen Parteien haben. Nirgendwo in Europa werden in freien Wahlen Solisten gewählt, sondern

immer politische Gruppierungen und deren Repräsentanten. Deshalb ist es nicht weiter erläuterungsbedürftig, dass sich dann im parlamentarischen Diskussionsprozess in der Regel die Auffassungen niederschlagen, die diese Parteien schon vorher in Wahlkämpfen vertreten haben. Das schließt aber nicht aus, dass es in der konkreten gesetzlichen Ausgestaltung von angekündigten Absichten einen erheblichen Diskussionsprozess gibt. In Deutschland führen wir zum Beispiel gerade so eine Diskussion über das Rentenrecht. Noch eine bilaterale Frage zum Verhältnis Deutschland-Slowakei: Herr Bundestagspräsident, Sie haben erst gerade den slowakischen Präsidenten Ivan Gasparovic in Berlin getroffen und besuchen jetzt die Slowakei. Ist das nur eine zufällige Terminabfolge oder lässt sich das auch so interpretieren, dass die Slowakei für Deutschland ein immer wichtigerer Partner ist? Ich habe heute bei meinem Besuch im slowakischen Präsidentenamt auch gesagt, wie eng und komplikationslos unsere Beziehungen geworden sind, zeigt sich auch daran, dass ich den deutschen Bundespräsidenten seit drei oder vier Wochen nicht mehr gesehen habe, aber den slowakischen Staatspräsidenten schon

zum zweiten Mal innerhalb einer Woche treffe. Niemand käme auf die Idee, daraus etwas Besonderes abzuleiten. Es ergibt sich einfach aus der Selbstverständlichkeit einer Zusammenarbeit innerhalb Europas, die wir als selbstverständlich empfinden, obwohl sie historisch betrachtet natürlich spektakulär ist. Das hätten sich frühere Generationen so gar nicht vorstellen können! Gilt das auch für die Bevölkerung in Deutschland? Wie wird von ihr die Slowakei wahr genommen? Wie selbstverständlich ist es schon, sie überhaupt zu kennen? Was kennen Durchschnittsbürger wohl am ehesten von der Slowakei? Das ist natürlich sehr unterschiedlich, gerade auch regional: Die Hamburger oder Schleswig-Holsteiner haben naturgemäß viel weniger Bezug zu Österreich als die Bayern. Und während die BadenWürttemberger in der Regel eine natürliche Affinität zur Schweiz haben, haben die Nordrhein-Westfalener sie eher zu den Niederlanden. Die Intensität der Kontakte und die Kenntnisse voneinander sind natürlich von der Geografie abhängig. Dennoch bleibt aber der Befund richtig: Wir haben die Slowakei in den vergangen zehn Jahren seit dem Beitritt als verlässlichen Partner kennen gelernt und setzen diese Zusammenarbeit gerne fort.

Norbert Lammert, geboren am 16. November 1948 in Bochum, ist seit 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. Dass der Christdemokrat auch über Parteigrenzen hinweg Anerkennung findet, zeigt sich unter anderem daran, dass er in diese Funktion alle bisher drei Male (2005, 2009, 2013) mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde, zuletzt sogar mit fast 95 Prozent der Abgeordnetenstimmen.

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"Geschichte lebt!" Der österreichische Parade-Historiker Stefan Karner präsentierte im Österreichischen Kulturforum sein neuestes Buch: "Halt! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakten". Text: Christoph Thanei, Fotos: Marek Chalany für das Österreichische Kulturforum in Bratislava

"Es wurde eine Grenze gezogen, die einen waren auf dieser Seite, die anderen auf jener. Wir alle hätten auf der anderen Seite sein können." Stefan Karner verstand es gleich zu Beginn, sein Publikum persönlich betroffen zu machen und für das Thema zu begeistern. Das Interesse für Zuhörerfragen war größer als der verbleibenden Zeit in einer von der NPZ mit moderierten Diskussion im Anschluss an seinen Vortrag entsprach. Unter den Gästen im vollbesetzten Veranstaltungssaal des Kulturforums waren neben Vertretern der Botschaften Österreichs und Deutschlands sowie des slowakischen Instituts für das Nationale Gedenken ÚPN und anderer wissenschaftlicher Institutionen auch mehrere prominente Zeitzeugen. Einer von ihnen war der durch seinen unbeugsamen Einsatz für Verfolgte und Außenseiter schon zu Lebzeiten zu einer Legende gewordene katholische Priester Anton Srholec (in der zweiten Bildreihe im Gespräch mit Stefan Karner). Der an der Universität Graz lehrende Universitätsprofessor Stefan Karner, in Österreich auch bekannt durch das von ihm gegründete Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung und durch die Leitung mehrerer HistorikerKommissionen, wies auch auf unterschätzte Fakten hin: Am Eisernen Vorhang zwischen Österreich und der Slowakei starben 127 Menschen bei Fluchtversuchen, das sind fast so viele wie an der Berliner Mauer und mehr als an der Grenze zwischen DDR und BRD, berichtete er. Dabei nicht eingerechnet sei die weitaus höhere Zahl von rund 800 Menschen, die als Grenzsoldaten durch Unfälle, Minen oder Selbstmord ums Leben kamen: "Stellen Sie sich diese psychische Belastung vor, dass Sie stundenlang einen jungen Menschen beobachten - und dann sollen Sie ihn erschießen." Aus der Verlagsbeschreibung zum Buch: Der Eiserne Vorhang zwischen Österreich und der Tschechoslowakei gehörte zu den härtesten Sperrzonen im Kalten Krieg. Spionage, Verrat, Verschleppung oder Flucht standen hinter den tödlichen Tragödien. Die Fäden im Hintergrund zogen die tschechoslowakischen Geheimdienste – über ihr dicht verwobenes Netz in ganz Österreich. Stefan Karner: Halt! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakten. Salzburg (Verlag Ecowin)

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public relations

Die Qualität unserer Arbeit steht bei uns an erster Stelle Die historischen Wurzeln der österreichischen Gesellschaft Pittel + Brausewetter reichen weit in die slowakische Vergangenheit zurück, denn sie wirkt hier bereits seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Zu ihren wichtigsten Aktivitäten gehören vor allem der Bau und die Sanierung von Verkehrsbauten, Ingenieurbauten und ökologischen Bauten, sowie Vorhaben des Hoch- und Tiefbaus. Mit dem Direktor Ján Melúch sprachen wir über die gegenwärtige Lage im slowakischen Bauwesen und über die Prognosen für das Jahr 2014.

Ján Melúch

Sicher freuen sich die Leute vom Bau über die Tatsache, das dieser Winter relativ mild verlaufen ist und die Bauarbeiten ohne die übliche winterliche Zwangspause fortgesetzt werden konnten, auch bei der Straßeninstandhaltung zeigt sich, dass nicht so viele Schäden wie in anderen Jahren entstanden sind… Ja, das passt uns sehr, dass der milde Winter die Straßen nicht in dem Maße verwüstet hat, wie man es üblicherweise erwartet, denn viele waren bereits im Havariezustand. Der Stadt blieben mehr Finanzen übrig, die jetzt in Reparaturen gesteckt werden können. Es freut uns sehr, dass gerade wir, die Gesellschaft Pittel + Brausewetter, die öffentliche Ausschreibung gewonnen haben und somit für die Stadt Bratislava in den nächsten vier Jahren als Auftragnehmer für Straßenrepa-

raturen zur Verfügung stehen werden. Zwar haben wir den Auftrag zu einem niedrigeren Preis als in anderen Jahren gewonnen, aber für Bratislava ist das natürlich günstig, denn zu gleichen Kosten können größeren Flächen als in den vergangenen Jahren saniert werden. Einige Kommunikationen sind tatsächlich schon in einem sehr schlechten Zustand, und eine weitere Saison des Wechselns zwischen Frost in der Nacht und Tauwetter am Tage hätten sie wohl nicht überstanden. Wir wollen uns nicht mit dem Flicken der Schlaglöcher begnügen, sondern es sollen auch umfangreichere Reparaturen ganzer Abschnitte erfolgen, damit die motorisierte Öffentlichkeit endlich eine Wende zum Besseren verspürt. Neben der Sanierung von Fahrbahnen haben Sie noch einen anderen großen und ständigen Abnehmer. Bleibt Volkswagen auch in Zukunft Ihr Kunde? Für die Gesellschaft Volkswagen sind wir bereits viele Jahre ein verlässlicher Partner, wir können uns den schwierigen Anforderungen dieses Konzerns anpassen, Arbeit höchster Qualität abliefern. Aufträge führen wir auch in der Nacht oder während der Produktionsabstellungen durch, so dass wir das Zeitlimit auf die Stunde genau einhalten. Die Produktion bei VW kann dann wieder pünktlich beginnen. Wir sind bereit, auch auf außergewöhnliche Wünsche von VW einzugehen, z.B. Wartungsarbeiten oder neue Aufträge während des Werksurlaubs zügig auszuführen.

Obwohl sich dieses Jahr als erfolgreich zeigt, werden Sie wohl nicht auf Ihren Lorbeeren ausruhen? Nach erfolgreichen Verhandlungen wurde uns der Auftrag für die Wartung des Straßennetzes im Stadtteil Petržalka für 2014 und für die Reparatur konkreter Straßen im Stadtbezirk Ružinov erteilt. Für dieses Jahr haben wir Verträge abgeschlossen, die den größten Teil unserer Kapazitäten abdecken. Deswegen müssen wir nicht so viel Mühe auf die Suche neuer Partner aufwenden, wir können es uns erlauben, mehr Zeit in die Qualitätskontrolle und Arbeitseffizienz zu stecken. Auch die Weiterbildung unserer Mitarbeiter, der Einkauf bzw. die Erneuerung unseres Maschinenparks erfordern unsere Aufmerksamkeit, denn hiervon hängen die Arbeitsqualität und die Qualität unserer Umwelt in großem Maße ab. Außerdem bemühen wir uns, im Rahmen caritativer Aktivitäten unseren Beitrag zu leisten. So haben wir für die Volkswagenstiftung an einem Kindergarten in Devínska Nová Ves die neuen Zufahrtswege errichtet. Gern würden wir unser Potential auch in den Segmenten Sportstätten und Golfplätze sowie Mülldeponien nutzen, denn wir können auf reiche Erfahrungen in diesen Bereichen, vor allem im Ausland, verweisen. Allerdings ist zu sagen, dass es nicht immer der Preis ist, der über unseren Erfolg bei Vergabeverfahren entscheidet. Oft gibt gerade dieser Mehrwert, den die Firma Pittel + Brausewetter bieten kann, den Ausschlag: gut ausgebildetes, qualifiziertes Personal, Arbeitsqualität, ein moderner Maschinenpark, Verantwortungsbewusstsein und Termintreue – all das ist bei uns eine Selbstverständlichkeit.

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WIRTSCHAFT

Die Alte ist bald die Jüngste

Die älteste Donaubrücke Bratislavas verschwindet langsam, kehrt aber bald in neuem Glanz zurück. Ein Trauerkranz fliegt über das Brückengeländer und landet in der Donau. Dutzende Menschen mit Grabkerzen in der Hand blicken ihm hinterher, als er in den Abendstunden den Fluss hinunter treibt. Ende November letzten Jahres organisierte der Petržalkaer Verschönerungsverein (POS) eine Abschiedsfeier für die Alte Brücke (Starý most). Sie wird demontiert und an ihrer Stelle entsteht die neue Alte Brücke. Diese soll mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer bieten und nach langer Zeit wieder eine Straßenbahnverbindung in den südlichen Stadtteil Petržalka schaffen. Text: Katrin Litschko Foto: Katrin Litschko (2), Sammlung Ladislav Szojka (2), Stadt Bratislava (4)

Der Entwurf für die neue Brücke stammt von Miroslav Maťaščík, der zum Beispiel auch die Apollo- oder die Hafenbrücke in Bratislava plante. Ausgeführt wird der Bau von dem Konsortium MHD – Starý most, das aus den Firmen Eurovia SK, Eurovia CS und SMP CZ besteht. Bei einer so großen Investition wird normalerweise in einer internationalen öffentlichen Ausschreibung entschieden, wer den Auftrag bekommt. Die fehlte in Bratislava. Denn wie die Stadt erklärte: Das hätte zu lange gedauert und dann wären EU-Gelder gefährdet gewesen. Die Erneuerung der Brücke soll rund 60 Millionen Euro kosten. Davon bezahlt 85 Prozent die Europäische Union, 10 Prozent der Staat und 5 Prozent die Stadt. Eine Bedingung für den Erhalt der Gelder aus dem europäischen Kohäsionsfonds ist allerdings, dass die Straßenbahnstrecke bis Ende 2015 fertig sein muss. Sonst könnte es teuer wer-

den. Im Dezember des Vorjahres ging es los mit den Bauarbeiten. Der EU-Kommissar für Regionalpolitik Johannes Hahn, Verkehrsminister Ján Počiatek und Oberbürgermeister Milan Ftáčnik lösten symbolisch die ersten drei Schrauben der Stahlkonstruktion und gaben somit den Startschuss für die Demontage der ältesten Donaubrücke in Bratislava. Von der fliegenden Brücke zu Franz Joseph Sie war die erste Eisenbahnbrücke der Stadt. Bevor sie entstand, wurde neben Bootsbrücken auch eine so genannte fliegende Brücke – eine Pontonbrücke - verwendet, um von einem Ufer zum anderen zu kommen. Der Entscheidung, eine feste Donaubrücke zu bauen, gingen Vereinbarungen zwischen der königlichen Freistadt, dem Staat und dem Eisenbahnunternehmen, das für den Bau der Bahnstrecke von Pressburg nach Parndorf gegründet wurde, voraus. Die

Der Eisenbahnteil der Brücke

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Stadt erklärte sich unter einer Bedingung bereit: Das Mautrecht bleibt bei ihr. Der Plan für die Brücke stammt von dem Ingenieur Cathry, der sie für 1 780 000 Goldtaler bauen ließ. Im April 1889 ging es los mit den Bauarbeiten. Es entstanden vier Doppelpfeiler im Wasser und zwei außerhalb. Der Stein für die Pfeiler stammt aus dem Steinbruch in Devínska Nová Ves. Auf den Grund der Donau wurde er mit Hilfe von Druckluft in einer Taucherglocke gebracht. Die 460 Meter-Eisenkonstruktion stellten die Maschinenfabriken der ungarischen königlichen Eisenbahnen für die Brücke her. Genaugenommen besteht die Brücke aus zwei Teilen: einer Straßenbrücke und der ein Jahr jüngeren Eisenbahnbrücke. Am vorletzten Tag des Jahres 1890 wurde die Straßenbrücke feierlich der Stadt übergeben – und zwar von keinem Geringeren als dem Kaiser und König

Die Franz Josefs-Brücke 1914


WIRTSCHAFT

Bis 2015 soll die neue Alte Brücke stehen.

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren.

Die Demontage der Alten Brücke ist in vollem Gange.

Zwei Kräne sind bei der Demontage im Einsatz. selbst. Franz Joseph I. war es auch, der der Brücke ihren ersten Namen lieh. Stahl treibt den Fluss hinab An beiden Enden der Brücke stehen noch heute kleine Häuschen. Wenn nicht gerade rundherum Baustelle ist, findet man in einem ein kleines Zollmuseum, das andere beherbergt ein Restaurant. Einst wurde in diesen Häuschen aber Brückenmaut eingetrieben. Einen Kreuzer musste man auf den Tisch legen, wenn man über die Donau marschieren wollte. Wer eine zweirädrige Karre mit Ladung dabei hatte, musste das Doppelte bezahlen. Als 1918 die Monarchie zerfiel, wurde die Brücke nach dem General und Gründungsvater der Ersten Tschechoslowakischen Republik Milan Rastislav Štefánik benannt. 1938 wurde das heutige Petržalka am südlichen Donauufer dem Deutschen Reich angeschlossen und so-

mit wurde der Straßenbahnverkehr über die Brücke eingestellt, Eisenbahnen fuhren auch während des Zweiten Weltkrieges. In ihrer Mitte befand sich die Staatsgrenze und so marschierte dort die Staatspolizei auf und ab. Im April 1945 wurde die Brücke von den deutschen Truppen in die Luft gesprengt und über 300 Meter Stahlstreben landeten im Fluss.

Geschraubt, genietet, abmontiert Nach dem Krieg wurde die Straßenbrücke von Mitgliedern der Roten Armee und deutschen Kriegsgefangenen provisorisch erneuert. Für den Bau wurden 115 000 Schrauben verwendet und 2 000 Tonnen Stahl. Die Arbeiten begannen an dem Ufer der Altstadt und wurden schrittweise ans rechte Donau-

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WIRTSCHAFT

der Donau zusammengesetzt werden. Die neue Alte Brücke erhält einen erhöhten Pfeiler und wird daher leicht gebogen sein. Auf beiden Seiten der Straßenbahnstrecke sollen Wege mit einer Breite von 4,5 Metern angebracht werden. Davon sind 1,5 Meter für Radfahrer reserviert und 3 Meter für Fußgänger. Außerdem sind Aussichtsplattformen mit Sitzmöglichkeiten vorgesehen. Bis ins letzte Detail ist aber noch nicht geklärt, wie die neue Alte Brücke aussehen soll. Beim Thema Farbgebung stellte die Stadt ihre Bürger in einer öffentlichen Umfrage vor die Wahl und die fiel eindeutig auf „grün-grau“, auch wenn manche die Brücke gerne in rot, blau oder Regenbogenfarben sehen würden. So könnte die Alte Brücke bald aussehen. Die Bürger wählten diese Farbgebung für ihre neue Brücke. ufer fortgesetzt. Im Januar 1946 testeten die Soldaten die Brücke mithilfe eines Panzers auf eine Last von 50 Tonnen. Sie hielt und so erklang einen Monat später die sowjetische Hymne, eine rote Schleife wurde durchschnitten und eine Gedenktafel enthüllt. Die Brücke der Roten Armee war eröffnet. Der Eisenbahnteil wurde erst 1951 wieder erneuert, daher ist er im Unterschied zu der geschraubten Straßenbrücke bereits genietet. Bis zum Jahre 1972 war die Brücke der Roten Armee die einzige Donaubrücke in Bratislava. Dann wurde die Neue Brücke gebaut, die heute wieder Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes (SNP) heißt. Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde die Brücke der Roten Armee wieder einmal umgetauft. Dieses Mal erhielt sie aufgrund ihres damals bereits stolzen Alters den Namen, den sie bis heute trägt. Die neue Alte Brücke Lange Zeit wurde auf den schlechten Zustand der Alten Brücke hingewiesen und dass sie ungünstig für die Schifffahrt sei. In den letzten fünfzehn Jahren wurde immer wieder davon gesprochen, die Brücke zu erneuern oder an ihrer Stelle eine neue

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zu bauen. Seit vier Jahren fahren bereits aus Sicherheitsgründen keine Autobusse mehr über die Brücke. Straßenbahn wurde seit 1961 dort keine mehr gesehen. Dieses Jahr noch soll die gesamte Stahlkonstruktion abmontiert werden. Bis August sollen mindestens zwei von drei Pfeilern verschwinden. Dabei könnte es zu Problemen kommen, denn die Pfeiler stammen noch aus dem 19. Jahrhundert und die Bauarbeiter wissen nicht genau, woraus sie eigentlich bestehen. Die Brückenelemente werden nach und nach mit der Hilfe von zwei Kränen abgetragen. Einer befindet sich auf der Brücke, der andere auf einem Ponton unter ihr. Um ein Zusammenbrechen zu vermeiden, wird die Brücke vom Wasser aus gestützt. Die abmontierten Elemente werden in Booten unter der Brücke abgelegt und ans südliche Ufer transportiert. Dort entstehen unterdessen die neuen Brückenteile, die dann nach und nach über

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Das letzte Wort haben aber die Abgeordneten der Stadt, die in einer Abstimmung sowohl über die Farbe als auch über das endgültige Aussehen der Brücke entscheiden. Zerstückelt und als Souvenir verkauft Was mit den alten Brückenteilen passiert, die nicht mehr gebraucht werden, ist noch ungewiss. An Ideen mangelt es nicht. Einige ostslowakische Gemeinden baten Oberbürgermeister Milan Ftáčnik um die Fragmente, um daraus kleinere Brücken in ihren Orten zu bauen oder sie zum Schutz gegen Hochwasser einzusetzen. Andere würden gerne aus den Stahlelementen ein Denkmal am Donauufer entstehen lassen. Ein Plan ließ sich von der Berliner Mauer inspirieren. Er sieht vor, die Eisenkonstruktion in kleine Stücke zu zersägen und Stück für Stück als Souvenirs zu verkaufen.


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WIRTSCHAFT

Vor allem am Land droht Ärztemangel Die Allgemeinmediziner operieren nicht und bei größeren Problemen müssen sie ihre Patienten sowieso zu Spezialisten schicken. Dementsprechend unattraktiv sieht dann auch ihre Wahrnehmung durch Patienten und Öffentlichkeit aus: Viele sehen in ihnen nur diejenigen, die Medikamente verschreiben und Krankenstandsbestätigungen für den Arbeitgeber ausstellen. Praktischer Arzt in der Slowakei zu sein, ist keineswegs verlockend. Kein Wunder also, dass es an Nachwuchs fehlt, weil die meisten Universitätsabsolventen wenig Interesse an einer Arztpraxis haben - schon gar nicht in ländlichen Regionen. Text: Veronika Folentová (Redakteurin der Tageszeitung „Sme“), Fotos: Shutterstock

Allgemeinärzte stellen unterschiedliche Gesundheitsbestätigungen aus - etwa über Fahrtauglichkeit oder Eignung für die Arbeit mit Lebensmitteln - und verschreiben bei leichten Erkrankungen Medikamente. Bei schwereren Krankheiten dürfen diese dagegen nur von Spezialisten verschrieben werden, auch wenn es um die langfristige Einnahme des immer gleichen Medikaments geht.

Die größte slowakische Krankenkasse, die staatliche „Všeobecná zdravotná poisťovňa“, spricht von 55 Jahren als derzeitigem Durchschnittsalter der Hausärzte für Erwachsene in der Slowakei. Auch die Ärzte selbst warnen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden laut der Assoziation der Privatärzte siebenhundert neue Hausärzte benötigt, um so ein Viertel der heute praktizierenden Mediziner zu ersetzen. Die von ihr zitierten Zahlen sprechen davon, dass die Altersgruppe von 50 bis 60 Jahren in Bratislava die größte Zahl an Allgemeinmedizinern stellt, gefolgt von den 60- bis

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70-Jährigen. Es gibt auch niedergelassene Ärzte zwischen 80 und 90 Jahren. In der Alterskategorie bis 30 gibt es jedoch laut ihrer eigenen Erhebung in der Hauptstadt ganze zwei. Kaum Interesse Innerhalb der letzten fünf Jahre haben sich nur rund zehn frische Hochschulabsolventen als Hausärzte niedergelassen. Der Grund? Der 77-jährige in Žilina praktizierende Ján Košturiak nennt die mangelnde Attraktivität – wenige Kompetenzen, viel Bürokratie und geringe Bezahlung. Die

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Der Anteil der vom Hausarzt zu Fachärzten überwiesenen Patienten ist daher in der Slowakei laut der Weltgesundheitsorganisation mit rund 24,5 Prozent der Hausarztbesuche auch extrem hoch. Dušan Zachar, Analyst des INEKO-Instituts, meint dazu: „Die Rolle des Hausarztes als eines gewissen Schleusenwärters, der mehr behandelt und weniger Patienten zu teureren Fachärzten überweist, muss gestärkt werden.“ Die geringen Möglichkeiten, sich als Arzt zu verwirklichen, sind es daher, warum frischgebackene Mediziner lieber in Krankenhäusern eine Anstellung suchen. Nicht nur die Arbeit hier ist vielseitiger und interessanter, sondern auch die Bezahlung meist besser. „Ein erster Schritt wäre die allmähliche Ausweitung der Kompetenzen, also künftige, aber natürlich auch bereits praktizierende Hausärzte, darin zu unterrichten, wie Kardiogramme ausgewertet werden, kleinere Wunden oder Verbrennungen zu behandeln, Ohrenspülungen vorzunehmen, einige Laboruntersuchun-


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des Brustkorbs oder im Bedarfsfalle eine Geburt außerhalb von ärztlichen Einrichtungen bewältigen.

gen in der eigenen Praxis durchzuführen“, sagt Ladislav Pásztor, Vorsitzender der Assoziation der Privatärzte. Gegensteuern Das Gesundheitsministerium lehnt solche Neuerungen nicht ab und hat erklärt, dass es derzeit Pläne ausarbeitet, wie die Kompetenzen der Hausärzte gestärkt werden können. Einen Plan, um junge Ärzte für die Hausarztpraxen zu gewinnen, hat es bereits veröffentlicht. Dieser spricht davon, Medizinstudenten im letzten Studienjahr den praktischen Teil auch in Hausarztpraxen absolvieren zu lassen statt wie bisher nur in Krankenhäusern.

Das Programm soll in den ersten zwei Jahren zwei Millionen Euro kosten und von Brüssel bezahlt werden. Aus diesem Topf sollen die Lohnkosten der künftigen Ärzte bezahlt werden, heißt es seitens der Privatärzte: „Die Allgemeinärzte für Erwachsene haben nämlich während der letzten 36 Monate der Ausbildung bis zur Approbation kein Einkommen, niemand will sie einstellen.“ Darüber hinaus will die Assoziation der Privatärzte, dass die Hausärzte sich öfter weiterbilden. Ab September soll daher ein Programm laufen, in dem sie ihr Wissen in Neurologie, Gynäkologie, Chirurgie und Erster Hilfe vertiefen können und danach beispielsweise die manuelle Untersuchung

Widerstand der Fachärzte Welche Kompetenzen am Ende auf die Hausärzte übertragen werden, ist bisher jedoch nicht klar. „Der Entwurf betrifft nur die Ausbildung im Fachbereich Allgemeinmedizin. Über eine Erweiterung des Kompetenzrahmens im Bereich der ärztlichen Leistungen reden wir derzeit noch nicht“, verrät die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Martina Lidinská. Und die Fachärzte, die um einen Teil ihrer Zuständigkeiten und vielleicht ihrer Einkünfte gebracht würden, stellen sich quer. Sie weisen darauf hin, dass selbst banale Eingriffe wie eine Ohrenspülung zu Komplikationen führen können, wenn der Patient zum Beispiel eine nicht diagnostizierte Trommelfellverletzung hat. Laut der Union der Fachärzte sollten Hausärzte, die mehr und speziellere Behandlungen übernehmen wollen, deshalb eine Praxis in Krankenhäusern absolvieren.

Einnahmenstruktur Die Privatärzte beklagen, dass die Hausarztpraxen nicht genügend Einkünfte hätten. Die Kartei des durchschnittlichen Hausarztes enthält die Krankenakte von 1200 Patienten, von denen er pro Monat fast ein Drittel behandelt. Monatlich bezieht er weniger als 3000 Euro von den Krankenkassen. Fast 2500 Euro davon allein aufgrund der Zahl der bei ihm registrierten Patienten, die weiteren Gelder fließen z.B. für Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen. Von diesem Geld müssen u.a. die Ausgaben für die Schwestern, die Miete samt Strom und Wasser bestritten werden. Aus der Einnahmenstruktur folgt einerseits, dass die Hausärzte nicht allzu motiviert sind, mehr Patienten tatsächlich zu behandeln, da vor allem zählt, wie viele Patienten bei ihnen registriert sind. Ein besonderes Problem entsteht für Allgemeinmediziner in Dörfern und kleineren Städten. Ihr Patientenstamm ist naturgemäß meist deutlich kleiner - und damit wird auch ihr Einkommen geringer. Ladislav Pásztor, Vorsitzender der Assoziation der Privatärzte, sagt: „Wenn ein Arzt im Krankenhaus mehr verdient als ein Hausarzt, dann lässt sich verständlicherweise niemand auf dem Lande nieder.“ Seiner Meinung nach müssen hierfür Anreize geschaffen werden, sie könnten z.B. von der Gemeinde oder von der Region Zahlungen erhalten.

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Firmen in der Slowakei erwartet die strafrechtliche Verantwortung Ab Anfang 2015 wird der Staat gegen juristische Personen auch dann ein Strafverfahren führen können, wenn keine einzige Person aus der betreffenden Firma strafrechtlich verfolgt wird. Die höchstmögliche Sanktion in derartigen Verfahren wird die „Todesstrafe“ für die betreffende Firma sein, also ihr juristisches Aus. Das geht aus dem Gesetzentwurf über die strafrechtliche Verantwortung juristischer Personen hervor, wie er vom Justizministerium der SR vorgelegt worden ist. Die Einführung dieser neuen Maßnahmen ergibt sich für die Slowakei aus ihren internationalen Verpflichtungen gegenüber der OECD und der Europäischen Union. Text: Ivan Trávniček, Chefredakteur des Unternehmerportals Podnikam.SK, Symbolfoto: Shutterstock

Strenge Strafen Die strafrechtliche Verantwortung der juristischen Person entsteht, wenn eine Straftat in deren Interesse oder im Rahmen ihrer Tätigkeit oder durch ihre Vermittlung begangen worden ist. Neben dem Erlöschen der Firma kann das Gericht laut Gesetzesvorlage zum Beispiel auch die Einziehung des Vermögens, Geldstrafen oder Tätigkeitsverbot anordnen. In der Slowakei ist jedoch bereits 2010 ein Gesetz in Kraft getreten, wonach die so genannte „unechte“ strafrechtliche Verantwortung juristischer Personen eingeführt worden ist. Dieses ermöglicht die Konfiszierung von Geldbeträgen bzw. Vermögenswerten. Bestimmungen dieses Gesetzes sind jedoch bis heute nur selten zur Anwendung gekommen. Die neue Rechtsvorschrift definiert auch Befreiungsgründe für die juristischen Personen. Diese werden dann herangezogen, wenn von den durch das Gesetz definierten Personen weder Aufsicht, Kontrolle noch die Leitungstätigkeit in der Körperschaft vernachlässigt worden ist. Ferner dann, wenn die erforderlichen und angemessenen Maßnahmen zur Verhinderung oder Bekämpfung des Begehens von Straftaten ergriffen worden sind, und wenn keine Informationen übersehen worden sind, aus denen hervorging, dass die Begehung einer Straftat drohe.

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Der Gesetzentwurf bezieht sich nicht auf die Slowakische Republik und ihre Organe, auf andere Staaten und deren Organe, auf Gebietskörperschaften und internationale Organisationen, die auf der Grundlage des internationalen öffentlichen Rechts errichtet worden sind und deren Organe usw. „Andererseits können wir als positiv vermerken, dass das Gesetz auch politische Parteien betrifft, also auch diese können z.B. für die Straftat Extremismus geahndet werden,“ meint Erika Bodáková, Senior Associate der Gesellschaft Accace Legal. Auf ausländische Gesellschaften, ob nun als ganze Gesellschaft oder deren Niederlassungen oder auf Gesellschaften, in denen als Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder ausländische Personen wirken, wird dieses Gesetz die gleiche Wirkung haben wie auf slowakische Gesellschaften. „Der Gesetzentwurf legt für ausländische - ob nun natürliche oder juristische – Personen keine zusätzlichen Pflichten oder Rechte fest,“ führte Frau Brodáková für die NPZ aus. Sie fügte hinzu, dass das Interessante an dem Gesetz sei, dass in seinem Rahmen mehr als siebzig Gesetze novelliert werden müssen, in denen der Nachweis der Unbescholtenheit der juristischen Person nach dem Vorbild des Unbescholtenheitsnachweises der natürlichen Person eingeführt werden wird. In die-

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ser Weise wird man z.B. aus Vergabeverfahren diejenigen Firmen ausschließen können, mit deren Hilfe Straftaten begangen wurden. Hunderte Kommentare Das Gesetz hat in Unternehmerkreisen großes Aufsehen erregt. Im Verfahren der Begutachtung durch die einzelnen Ressorts sind beim Justizministerium der SR insgesamt 496 Anmerkungen eingegangen, davon haben 70 prinzipiellen Charakter. Auf mögliche Mängel wies auch die Republiks-Arbeitgeberunion (RÚZ) hin, welche Firmen mit insgesamt fast 240 Tausend Arbeitnehmern vertritt. Zum Beispiel lehnen die Arbeitgeber die Bestimmung über die gerichtliche Aufsicht ab, denn es ist nicht festgelegt, über welche Tätigkeit und in welcher Weise diese ausgeübt werden


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soll. RÙZ fordert auch die genauere Definition der Personen, welche Leitungstätigkeiten ausüben, denn es könnte sich z.B. auch um den Chef einer einzigen Person handeln. Der Klub der 500 – die Vereinigung von Arbeitgebern mit mehr als fünfhundert Arbeitnehmern - lehnt das Gesetz als Ganzes

verfahren. Auch die Slowakische Rechtanwaltskammer sträubt sich gegen das Gesetz. Das Gesetz soll das unternehmerische Umfeld reinigen Der ehemalige Justizminister und heutige Abgeordnete der Opposition Daniel

te, werden jedoch von juristischen Personen begangen, und oft war es nicht möglich eine konkrete Person zu belangen, bzw. das genügte nicht. Es wäre absurd, wenn sie keine strafrechtliche Verantwortung tragen sollten. Jede Firma muss – hat sie das Gesetz verletzt – auch die strafrechtliche Verantwortung übernehmen,“ sagte Lipšic für die NPZ. Der jetzige Justizminister Tomás Borec erwartet, dass das Gesetz das unternehmerische Umfeld säubern und eine allgemein-präventive Wirkung entfalten wird, denn es werde auf unehrliche Firmen eine abschreckende Wirkung haben. „Sobald einer juristischen Person eine Strafe auferlegt wird, gerät sie auf die Schwarze Liste, das heißt, sie wird sich nicht mehr um die verschiedensten Subventionen, um öffentliche Aufträge oder Lizenzen u.ä. bewerben können,“ betonte Borec

ab. „Das vorgeschlagene Verfahren geht über den Rahmen hinaus, der sich für die Slowakische Republik aus den Richtlinien der Europäischen Union und aus der Mitgliedschaft in internationalen Strukturen ergibt. Außerdem ist das vom Ministerium vorgeschlagene Verfahren unserer Meinung nach konzeptionslos. Wir schlagen vor, dass die strafrechtliche Verantwortung juristischer Personen in analoger Weise wie z.B. in Deutschland gestaltet wird, also in Form der Ahndung rechtswidrigen Verhaltens durch Normen des Verwaltungsstrafrechts, auch unter Berücksichtigung dessen, dass eine neue Zivilprozessordnung in Vorbereitung ist, in der dem Verwaltungsverfahren ein separater Teil gewidmet sein wird,“ so die Vertreter des Klubs 500 im Begutachtungs-

Lipšic dagegen verteidigt das Gesetz. „Jede Straftat sollte ordentlich untersucht und deren Täter bestraft werden. Einige Arten von Straftaten, vor allem Wirtschaftsdelik-

• Audit • Buchhaltungsdienstleistungen • Wirtschafts- und Finanzberatung • Lohnbuchhaltung

Nach Äußerung der Presseabteilung des Ministeriums gegenüber der NPZ wehre sich das Justizministerium nicht gegen einen konstruktiven Dialog zur Verbesserung der Gesetzesvorlage. „Das Begutachtungsverfahren zu diesem Entwurf wurde im Jänner abgeschlossen. Im Anschluss an die durchgeführten Widerspruchsverfahren werden die einzelnen Kommentare ausgewertet. Dann wird der Gesetzentwurf den beratenden Organen der Regierung der SR vorgelegt und anschließend wird der Gesetzgebungsprozess auf der Ebene von Regierung und Nationalrat fortgeführt,“ bemerkte das Ministerium. Bis das Gesetz Eingang in das Wirtschaftsleben finden wird, bleibt nicht mehr ganz ein Jahr Zeit.

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Hainburg lockt mit Idylle und Familienfreundlichkeit – Eine Slowakin berichtet Hainburg, die östlichste mittelalterliche Stadt Österreichs, ist für viele junge Familien mit Kindern ein begehrter Wohnort. Es lockt das Leben in einer idyllischen Stadt an der Donau im Einklang mit der Natur. Dank der gut ausgebauten Radwege und vielen Sportmöglichkeiten ist Hainburg auch Ziel für viele Radwanderer und Sportler. Text und Fotos: Lucia Škrovinová Die Autorin stammt aus Veľká Lomnica in der Hohen Tatra. Sie arbeitet als Finanzmanagerin beim Regierungsamt der Slowakischen Republik. Seit März 2012 lebt sie in Hainburg.

Die Stadtentwicklung ist derzeit recht ausgedehnt. Hinter dem Schlossberg wachsen in einem sehr dynamischen Tempo neue Wohnhäuser empor. Vor dem mittelalterlichen Ungartor wird ein neues Fachmarktzentrum gebaut. Dort sollen nach Fertigstellung etwa 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Stadtgemeinde schafft durch ein umfangreiches Angebot an Baugründen und den Bau von Mietwohnungen verlockende Bedingungen zum Wohnen. In der Stadt haben viele Familien aus der Slowakei, aus Ungarn und aus der Türkei ihren Wohnsitz gefunden. Touristisch dominiert die Stadt unumstritten die Burgruine auf dem Schlossberg. Bekannt und beliebt, auch über die Grenzen der Stadt hinaus, ist das Bergbad. Vor allem ist Hainburg sehr stolz auf seinen Golfplatz. Er liegt an den Hängen des Braunsberges und bietet einen herrlichen Ausblick auf die Donauauen, das Marchfeld und bis nach Bratislava. Kinderfreundlichkeit und Sprachkurse Die hier ansässigen Slowaken loben die Lebensqualität. Sie integrieren sich schnell und verfolgen mit Begeisterung die erstaunlichen Fortschritte ihrer Kinder beim Lernen der deutschen Sprache. Gerade die Sprache ist die wichtigste Voraussetzung für die Entstehung neuer Freundschaften. Der Sprachunterricht, der von der Gemeinde in den Räumlichkeiten der Schule organisiert wird, ist für die Stadt Hainburg eine Priorität. Jedes Jahr werden im September die allgemein beliebten Deutsch-

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und Slowakisch-Kurse für Anfänger neu angeboten. Jeden ersten Donnerstag im Monat findet in der Stadtbibliothek im Hotel Altes Kloster der Englisch-Konversationskurs „Chatter and natter“ statt. Jeden zweiten Donnerstag im Monat wird der Deutsch-Konversationskurs „Deutsch um 7“ angeboten. Diese Stunden organisiert die Leiterin der Bibliothek Frau Glaw in Eigeninitiative. Sie wünscht sich, dass sich alle Einwohner Hainburgs miteinander unterhalten können. Ich schätze und ehre ihre außergewöhnliche Ansicht, die dem

Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist dient. Für die Kinder wird in der Stadt hervorragend gesorgt. Es gibt hier drei Kindergärten, eine Volksschule, eine Volkshochschule, eine Mittelschule, eine Musikschule und drei Schulhorte für die Zeit nach Schulschluss. Die Kapazität dieser Einrichtungen ist voll ausgelastet. Für die Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, wird im Rahmen des Schulunterrichts eine Weiterentwicklung der deutschen Sprache gefördert. Slowakische Kinder haben einmal wöchentlich eine Stun-

An der Donau findet man nicht nur Erholung nach dem Laufen, sondern auch Rad- und Wanderwege

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de Slowakisch. Die gemeinsam verbrachte Zeit in der Turnhalle der Schule sowie die Teilnahme an verschiedenen Freizeitaktivitäten, wie z.B. Sportspiele, Karate und Ballett, helfen neue Freundschaften und Beziehungen aufzubauen. In der Stadt gibt es auch einen PfadfinderInnen-Club für Kinder ab 6 Jahren. In der Bibliothek werden für Kinder regelmäßig Kindernachmittage mit abwechslungsreichem Programm organisiert. Dort finden etwa Märchenlesungen, Theatervorstellungen sowie Bildungsaktivitäten statt. Die Bibliothek besitzt eine große Zahl an Publikationen für Kinder und Erwachsene. Regelmäßig werden neue Titel hinzugefügt.

Der 6-jährige Sohn von Lucia Škrovinová an seinem letzten Tag im Kindergarten Landstraße in Hainburg. Eine Erholungszone mit Wegen aus Naturmaterialien (Holz, Stein, Sand). Die ruhige Umgebung ist ideal für ein Picknick mit der Familie. Das Wienertor – ein Teil der Stadtbefestigung von Hainburg (Foto: Archiv der Stadtgemeinde Hainburg)

Freizeitgestaltung in der mittelalterlichen Stadt an der Donau Frauen können ihre Gesangsfähigkeiten im Chor, der jeden Dienstag um 19 Uhr stattfindet, weiterentwickeln. Männer haben z. B. die Möglichkeit der Freiwilligen Feuerwehr Hainburg beizutreten. Bibliothek und Kulturhaus organisieren Konzerte und Ausstellungen. Die Räumlichkeiten dafür stellen die Stadtverwaltung sowie verschiedenen Organisationen und Unternehmen zur Verfügung. Jeden Monat wird die Zeitung „Hainburg im Bild“ herausgegeben. Sie beinhaltet wichtige Informationen und den aktuellen Veranstaltungskalender. Die vielfältigen Sportmöglichkeiten am Donauufer haben wahrscheinlich viele Leute bei der Entscheidung nach Hainburg zu ziehen, beeinflusst. Mir persönlich fehlt jedoch die Möglichkeit für „outdoor Fitness“ auf den Rasenflächen. Dank der Aussicht auf die Donau hätte dies eine einzigartige Atmosphäre. Die Leute finden hier Ruhe und Entspannung, die sie in Bratislava nicht

haben. Es wird doch nicht um sonst gesagt, dass man die schönste Musik im Wald hört. Am Donauufer steht auch eine Tafel, auf der man eine Landkarte mit der Laufstrecke rund um Hainburg findet. In Bad Deutsch Altenburg, nur zwei Minuten von Hainburg entfernt, befindet sich eine Erholungszone mit Wegen aus Naturmaterialien, die zum Barfußlaufen einladen. In Hainburg könnte am Donauufer auch so ein Rundgang aus Naturmaterialien entstehen. Der könnte zum Trainieren einladen und Kinder verschiedener Altersklassen könnten sich dort sportlich betätigen. Auf dem Weg zur Burg könnte man einen Lehrpfad schaffen, auf dem man etwas über die Geschichte der Stadt lernt, zum Beispiel in Comic-Form. Dann wäre die Geschichte der Stadt und der Burg auch für Kinder und Jugendliche ansprechend.

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public relations

Foto: Wien Tourismus/Karl Thomas

Alles für eine lebenswerte Stadt Wiens Lebensqualität ist einzigartig

Gratiskindergärten Seit 2009 gibt es in Wien den Gratiskindergarten. 2014 investiert die Stadt dafür 677 Mio Euro und schafft 3500 neue Betreuungsplätze. In Wien wird der Kindergarten als erste wichtige Bildungseinrichtung verstanden. KindergartenpädagogInnen erhalten eine Top-Ausbildung und gute Jobaussichten in den Kindergärten der Stadt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird damit wesentlich erleichtert. Kultur Die Stadt Wien förderte alle Kulturbereiche. Besonderes Anliegen ist es aber auch allen Menschen einen niederschwelligen Zugang zu Kultur zu ermöglichen. Kunst im Öffentlichen Raum, gratis Eintritt für Jugendliche in allen Stadt Wien Museen, Musikfestivals, Gratis Open Air und Kulturevents in den Bezirken locken jedes Jahr Tausende WienerInnen, um Kultur vor der Haustür – auch bei freiem Eintritt - erleben zu können.

Wiens Lebensqualität ist top. Die Menschen leben und arbeiten gerne in dieser Stadt. Das Angebot der Stadtverwaltung ist breit: Gratiskindergärten, geförderte Wohnungen, Ausbau von Schulen, gut funktionierende Öffis, ein Gesundheitssystem auf hohem Niveau, saubere Straßen und Sicherheit in der Stadt tragen zu diesem guten Lebensgefühl bei. Die Stadt Wien investiert laufend in Infrastruktur, Forschung, Entwicklung und Wirtschaft. Wien wird auch in Zukunft eine attraktive Stadt sein und den Menschen ein gutes Leben in einer gut verwalteten Stadt ermöglichen. Tausende MitarbeiterInnen tragen 365 Tage im Jahr dazu bei.

Wiener Stadtgärten Wiens Lebensqualität zählt zu den besten weltweit. Das große Angebot an Grünraum und Parks ist ideal für die perfekte Freizeitgestaltung. Die MitarbeiterInnen der Stadt kümmern sich mit viel Engagement um Blumenbeete und Baumpflege, um Wiesen und Wälder. Auch das macht Wien zur Stadt fürs Leben. Wohnen Durch die Wohnbauförderung ist Wohnen in Wien zu fairen Preisen möglich. Die Unternehmung „Stadt Wien - Wiener Wohnen“ verwaltet, saniert und bewirtschaftet die städtischen Wohnhausanlagen. Dazu gehören rund 220.000 Gemeindewohnungen, 6.000 Lokale und über 47.000 Garagen- und Abstellplätze. Wien wächst und die Stadt investiert laufend in neue Wohnanlagen, die modern, familienfreundlich und ökonomisch sind. Damit bleibt die Stadt auch in Zukunft lebenswert. Gut funktionierende Öffis Der Trend zur umweltfreundlichen urbanen Mobilität hält an. Ende Jänner 2014 lag die

Zahl der Jahreskarten-BesitzerInnen nur noch knapp unter der 600.000er-Marke. Die Verkaufszahlen nähern sich einem neuen Allzeithoch. Mit 900 Millionen Fahrgästen im Jahr 2013 verzeichneten die Wiener Linien darüber hinaus den zweithöchsten Wert in der Geschichte. Im laufenden Jahr stehen zahlreiche Projekte an, die das Angebot der Wiener Öffis weiter verbessern werden: Neue Fahrzeuge, ein größeres U-Bahn-Netz und moderne Infrastruktur stehen dabei im Mittelpunkt. Knapp 460 Millionen Euro nehmen die Wiener Linien und die Stadt Wien 2014 in die Hand, um das Angebot noch attraktiver zu machen. Mit dem Rad durch die Stadt Wien ist eine der wenigen Millionenstädte weltweit, in der viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können. Diese einzigartige Chance nützt Wien um die Bedingungen für die FußgängerInnen, aber auch für die RadfahrerInnen, weiter zu verbessern. Bequem, sicher und barrierefrei unterwegs zu sein ist das Ziel. Infos: www.wien.at

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Foto: Heinz Angermayr

Foto: Wien Tourismus/Karl Thomas

Die Wiener Donauinsel ist ein beliebtes Freizeitparadies

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SLOVAK RETAIL SUMMIT 2014 18. Jahrgang der Konferenz über Handel und Marketing 29. – 30. 4. 2014, Hotel DOUBLETREE BY HILTON, Bratislava

HEUTE ZUKUNFT SCHAFFEN Auch wenn es jedem einleuchtet, dass die Zukunft in der Gegenwart geschaffen wird, ist uns dies nicht immer vollständig bewusst. Da die Konferenz Slovak Retail Summit die Volljährigkeit erreicht hat, wird es unser Bestreben und Ziel sein, Teil und Antrieb des Prozesses der Ausformung des Handels in der Slowakei zu sein. DISKUSSIONSFORUM Heute Zukunft schaffen Verstehen wir die Stimme des Kunden? Weiß der Kunde, was er will? Wie können wir den Ruf des Handels verbessern? Neue Herausforderungen für Händler und Hersteller Bedeutet loyal auch gewinnträchtig?

Strategie der Neuen Welt: Begreifen – Sich anpassen – Gelegenheit ergreifen Milan Zelený, Professor of Management Systems, Fordham University New York

VORTRAGS-ZYKLEN

Neues am Einzelhandelshimmel In Zeiten, in denen alles exponentiell beschleunigt, sind aktuelle Informationen von führenden Persönlichkeiten, die die einzelnen Marktteilnehmer vertreten, die Pflastersteine des Wegs zum Erfolg. Hat Zusammenarbeit Potential oder wird sie überbewertet? Zusammenarbeit wird auf allen Ebenen des Marktumfelds in zunehmendem Maß als Erfolgsgrund herausgestrichen. Wo gibt es Reserven oder wo können wir auf gute Erfahrungen mit verschiedenen Kooperationsmodellen verweisen: Staat – Unternehmer, Händler – Lieferanten, Arbeitgeber – Arbeitnehmer, Unternehmer – Unternehmer, Unternehmer – Konsumenten, ECR… Innovation als treibende Kraft des Fortschritts Wo überall können Neuerungen vorgenommen werden, um Einsparungen zu erzielen? Wo überall können und müssen wir Innovationen vornehmen, um erfolgreich zu sein? Müssen wir die Initiative ergreifen, um im Konsumentenverhalten Trends zu generieren, und wie kann dies genutzt werden? Welche technologischen Trends sind zu erwarten, die auf unserem Markt erfolgreich Fuß fassen können? Weshalb ist es wichtig, sich in mobiler Technologie zurechtzufinden und sie zur Erhöhung von Verkäufen und der Kundenloyalität zu nutzen? Was erwartet uns in diesem dynamischen Segment und wie können die gewonnenen anonymen Daten in ein Instrument für Wohlstand und Wettbewerbsvorteile umgemünzt werden?

Marketing und Kommunikationstrends Erfolgreiches Einkaufsmarketing ist eine Kunst. In den letzten Jahren bewährte sich ein integriertes Vorgehen von Händlern und ihren Lieferanten gegenüber den Verbrauchern. So wurden diese von passiven Empfängern zu aktiven Teilnehmern, die die Entwicklung von Trends und neuen Marketing- und Kommunikationsformen bestimmen. Effektives Unternehmertum – Fiktion oder Wirklichkeit Wie ist und bleibt man erfolgreich? ist kurz gefasst der Inhalt dieses interaktiven Workshops, der sich auf die Ergebnisse erfolgreicher Lösungen auf verschiedenen Gebieten der Geschäftsführung stützt. Wie kann man die Effektivität eines Unternehmens messen? Neue Trends in der Betrachtung von Unternehmenseffektivität.

GALA-ABEND

Neues am Einzelhandelshimmel Die Konferenz Slovak Retail Summit bietet nicht nur Gelegenheit, sich die Meinungen von Experten anzuhören und ihnen Fragen zu stellen, sondern auch den Charme des persönlichen Kontakts mit interessanten Mitmenschen und die Teilnahme an einem wundervollen Abend mit ihnen. Der Gala-Abend „Neues am Einzelhandelshimmel“ bietet dieses Jahr neue Werte auf dem Gebiet der Unterstützung der Stiftung Memory und die Würdigung der Arbeit der Einzelhändler in Form der Bekanntgabe der Ergebnisse in den einzelnen Preiskategorien. Preisverleihung: Merkur-Preis – 8. Jahrgang MasterCard Händler des Jahres – 1. Jahrgang Die Muse des Merkur – 4. Jahrgang Ausstellung künstlerischer Fotografien – Neuro Akte Caritative Unterstützung der Stiftung Memory Moderatoren des Gala-Abends sind Adela Banášová und Roman Bomboš.

Ausführlichere Informationen zur Konferenz finden Sie auf www.retailsummit.sk Schirmherrschaft:

Veranstalter:

Goldpartner und Partner des Gala-Abends:

Mitveranstalter:

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Generalpartner:

Medienpartner:

Hauptpartner:

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Service & Expertenkommentare

Hohe Strafen für Händler bei einer Verletzung des Lebensmittelgesetzes Auch nach der letzten Novelle des Lebensmittelgesetzes, die am 1. April in Kraft treten wird, bleiben die „drakonischen“ Geldbußen zwischen 1 Mio. EUR und 5 Mio. EUR für Händler, die wiederholt Lebensmittel nach Ablauf des Verbrauchsdatums verkaufen, aufrecht. Obwohl das Ziel dieser Regelung für alle Betroffenen verständlich ist, stehen die gewählten Mittel im Widerspruch zum EU-Recht. Es besteht auch das Risiko der Verfassungswidrigkeit. Investitionsschiedsverfahren können nicht ausgeschlossen werden.

Von Andrej Leontiev (li.) und Ján Lazur, Partner bei TaylorWessing enwc Rechtsanwälte in Bratislava, www.taylorwessing.com

Die EU-Verordnung über Lebensmittelhygiene und die EU-Verordnung über amtliche Kontrollen legen beide fest, dass die in diesem Fall angewendeten Sanktionen verhältnismäßig sein müssen. Die Unverhältnismäßigkeit der geltenden slowakischen Regelung zeigt sich vor allem im Lichte der folgenden Tatsachen. Im Gesetz besteht die wesentliche Beschränkung des sgn. Verwaltungsermessens bei der Feststellung der Geldbuße für wiederholte Verletzung. D.h., das Verwaltungsorgan muss bei wiederholter Verletzung eine Geldbuße von mind. 1 Mio. EUR verhängen. Die Maximalgrenze liegt dabei bei 5 Mio. EUR (in der Tschechischen Republik sind es „nur“ 1,85 Mio. EUR). Bei der dritten Verletzung erhöht sich die untere Grenze der Geldbuße um 100000%

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(hunderttausend Prozent (!)) im Vergleich zu der ersten Verletzung. D.h.: Wird das erste Mal ein Joghurt nach Ablauf des Verfallsdatums bei einem Händler entdeckt, beträgt die Mindestgeldbuße 1000 EUR. Wird innerhalb von 12 Monaten ein drittes Mal ein Joghurt nach Ablauf des Verfallsdatums entdeckt, muss die Behörde eine Geldbuße von mind. 1 Mio. EUR verhängen. Bei der Bestimmung der Höhe der Geldbuße wird der Umsatz des Händlers nicht in Betracht gezogen. Es wäre hier zumindest eine Analogie mit den EU-Wettbewerbsvorschriften angebracht. Hiernach wird die Sanktionsobergrenze, die dem Unternehmer für den Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht auferlegt werden kann, als ein bestimmter Prozentsatz des Umsatzes festgelegt, wobei bei jeder Verhängung der Geldbuße die Art und die Dauer des Verstoßes berücksichtigt werden muss. In dem Zusammenhang hat die Europäischen Kommission formuliert: „Die Verhältnismäßigkeit erfordert es, dass jeder an der Rechtsverletzung Beteiligte in Abhängigkeit von seiner Zahlungsfähigkeit mit der zu verhängenden Geldbuße bestraft wird, und dass die

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verhängte Geldbuße die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit des Bestraften nicht gefährdet, da dies zu negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen führen würde…“.

auch in dem Fall, dass er beweisen kann, dass er alle Anstrengungen unternommen hat, die gefordert werden konnten, um die Verletzung der Rechtspflicht zu verhindern.

Die Nichtberücksichtigung der möglichen Liquidationsfolgen der verhängten Geldbuße im geltenden Lebensmittelgesetz steht auch im Widerspruch zur neuerlichen Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der Slowakischen Republik, der im Rahmen des Verwaltungsermessens einer Verwaltungsbehörde vorschreibt, die möglichen Liquidationsfolgen einer Geldbuße für den Bestraften zu prüfen.

Neben der beschriebenen EURechtswidrigkeit steht die Regelung zugleich potenziell auch im Widerspruch zur Verfassung der Slowakischen Republik.

Es wird auch die Nichtexistenz eines Liberalisierungsgrundes im slowakischen Gesetz bemängelt. Im Gegensatz zur tschechischen Regelung, haftet der Händler Symbolfoto: Shutterstock

Die offenbar nicht verhältnismäßigen Sanktionen könnten die Merkmale der sgn. regulatorischen Enteignung erfüllen. Für Händler aus den Staaten, mit denen die Slowakische Republik bilaterale Verträge über gegenseitige Unterstützung und Investitionsschutz abgeschlossen hat, ist es daher theoretisch möglich ein Investitionsschiedsverfahren gegen die Slowakische Republik in Erwägung zu ziehen.


Service & Expertenkommentare

Betrifft die Ausdehnung des Geltungsbereichs von Mantelkollektivverträgen auch Personalagenturen? In unserer letzten Ausgabe informierten wir Sie zum Thema Mantelkollektivverträge. Hier möchten wir die Debatte erläutern, ob diese Ausweitung auch Personalagenturen (im Weiteren nur „Agenturen“) betrifft, deren Tätigkeit darin besteht, Mitarbeiter zu vermitteln, also Leiharbeiter zu stellen. JUDr. Gabriela Semančíková, LL.M. MBA www.aks.sk

Der Kreis der Arbeitgeber, die von der Ausdehnung der Verbindlichkeit von Kollektivverträgen betroffen sind, ist in § 7 Abs. 1 des Gesetzes über Kollektivvertragsverhandlungen festgelegt. Dieser spricht ausdrücklich von Arbeitgebern in einer Branche oder dem Teil einer Branche, für die der betreffende Mantelkollektivvertrag abgeschlossen wurde, die im Rahmen der Klassifizierung der wirtschaftlichen Tätigkeiten unter SK NACE fallen. Unserem Ermessen nach fallen in den Kreis der betroffenen Personen keine Arbeitgeber, die Personalagenturen betreiben und deren Tätigkeit daher keine Produktionstätigkeit ist, sondern deren ökonomische Aktivität in der Dienstleistung an andere Arbeitgeber besteht. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass das Gesetz Agenturen nicht ausdrücklich von

der Ausdehnung des Geltungsbereichs von Mantelkollektivverträgen ausschließt, die oben angeführte Argumentation ist jedoch unserer Meinung nach Basis genug für die Schlussfolgerung, dass Agenturen von diesem Gesetz ausgeschlossen sind. Diese Tatsache kann vor allem für Betriebe mit einem kleinen Mitarbeiterstamm von Vorteil sein, da in der Slowakei, beispielsweise im Gegensatz zur Rechtslage in Deutschland, keine gesetzlichen Einschränkungen hinsichtlich der zulässigen Höchstzahl von so genannten Leiharbeitern bestehen. In diesem Zusammenhang muss jedoch auch § 58 Abs. 5 des Arbeitsgesetzbuches erwähnt werden, in dem festgelegt ist, dass die Arbeitsbedingungen einschließlich der Entlohnung und der Einstellungsbedingungen von zeitlich begrenzt vermittelten Arbeitnehmern

mindestens gleich vorteilhaft sein müssen wie bei einem vergleichbaren Arbeitnehmer des die Dienstleistung in Anspruch nehmenden Arbeitgebers.

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Die Vorteile von Personalagenturen Zeitarbeit, so genannt Leiharbeit, ist gegenwärtig in der Slowakei eine der verbreitetsten Formen von Beschäftigungsverhältnissen. Es handelt sich um eine sehr effektive und flexible Lösung der wirtschaftlichen Seite bei der Personalgewinnung, vor allem wenn ein Unternehmen für einen befristeten Zeitraum die Zahl der Beschäftigten aufstocken muss. Beáta Markovičová, www.runtimegroup.com

Zu den wichtigsten Vorteilen von Leiharbeitern zählen die Entlastung des Arbeitgebers von administrativem Aufwand im Zusammenhang mit arbeitsrechtlichen Verhältnissen sowie die Flexibilität bei der Anhebung und Senkung der Mitarbeiterzahlen. Die Verantwortung als Arbeitgeber liegt fast ausschließlich auf den Schultern der Personalagentur und das Verhältnis zwischen Dienstleister und Kunde wird im Vermittlungsvertrag geregelt. Für das produzierende Unternehmen stellt dies eine

Zeit- und Kosteneinsparung beim Einstellungsprozess und der Personalverwaltung dar. In der Praxis erfolgt die Vermittlung in den meisten Fällen auf Basis eines so genannten Rahmenvertrags über die zeitweilige Zuteilung von Arbeitnehmern, in der die Bezahlung der Personalagentur pro Arbeitsstunde, ein Fixbetrag pro Arbeitnehmer oder ein Pauschalbetrag für eine bestimmte Zahl von Arbeitnehmern vereinbart ist.

Runtime BP Slovak s.r.o. Personal Services Hviezdoslavovo nám. 7 811 02 Bratislava Tel.:+421 (2) 44680244 mobil: +421 (907 949911 email: beata.markovicova@runtime.sk www.runtimegroup.com, www.runtime.sk

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Konjunkturumfrage Slowakei 2014:

Ausländische Investoren rechnen mit steigenden Umsätzen / Aufschwung bleibt trotzdem aus 2014 lässt der Aufschwung noch auf sich warten – das glauben zumindest die ausländischen Investoren in der Slowakei. Laut einer Stimmungsumfrage unter 196 Firmen aus dem europäischen Ausland schätzt die Mehrheit der Teilnehmer die wirtschaftliche Entwicklung nicht besser ein als im Vorjahr – ganz im Gegensatz zur eigenen Geschäftserwartung. Im mittel- und osteuropäischen Vergleich schneidet das Land als attraktivster Investitions­standort ab. Text: Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer und AußenwirtschaftsCenter Bratislava

Die gegenwärtige Wirtschaftslage in der Slowakei befinden gerade einmal elf Prozent der befragten Unternehmen für gut, knapp 30 Prozent werten sie sogar als schlecht. Von einer Verbesserung im weiteren Jahresverlauf geht etwas mehr als jeder vierte Betrieb aus, mit einem Anteil von 57 Prozent glaubt die klare Mehrheit an eine Stagnation. Die Erwartungen an das eigene Unternehmen fallen dagegen deutlich zuversichtlicher aus. Über die Hälfte der Firmen rechnet mit steigenden Umsätzen in diesem Jahr, während sich nur 11 Prozent auf eine schlechtere Geschäftslage gefasst machen. Rund jeder vierte Betrieb möchte Investitionen und Mitarbeiterzahl ausweiten. „Die Konjunkturaussichten und die Wirtschaftspolitik liefern derzeit nicht ausreichend Impulse, um die Unternehmen zu stärkeren Investitionen zu bewegen“, nimmt Vladimír

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Slezák, Präsident der DeutschSlowakischen Industrie- und Handelskammer (DSIHK) sowie Siemens-Generaldirektor, zu den Ergebnissen Stellung. Immerhin wirke sich die fehlende Zuversicht nicht negativ auf die Beschäftigung aus. Die Mehrheit der Unternehmen wolle trotz der schwierigen Lage ihre Belegschaft konstant halten oder gar ausweiten. „Auf die hervorragenden Geschäftszahlen von 2008 müssen wir uns allerdings noch gedulden“, so Slezák. Den Standort Slowakei zeichnen nach Meinung der befragten Investoren vor allem die Mitgliedschaft in der EU, die leistungsbereiten und produktiven Arbeitskräfte zu relativ moderaten Kosten sowie die Verfügbarkeit und Qualität lokaler Zulieferer aus. „Zehn Jahre nach dem EU-Beitritt stellen die Investoren der Slowakei ein exzellentes Zeugnis über ihre Einbindung in den europäischen

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Binnenmarkt aus“, erläutert Vladimír Slezák. Patrick Sagmeister, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in der Slowakei, unterstreicht ebenfalls die starke Integration der Slowakei in die EU und die Eurozone: „Als kleine und offene Volkswirtschaft ist es für die Slowakei besonders wichtig, perfekt in die europäische Staatengemeinschaft integriert zu sein.“ Auffallend bei den diesjährigen Ergebnissen ist, dass die Investoren die Standortbedingungen fast durchweg konstant beurteilen wie im Vorjahr. Am stärksten nachgegeben hat noch die Bewertung des Berufsbildungssystems. „Auf der einen Seite haben wir in der Slowakei zahlreiche Unternehmen, die Hände ringend nach Fachkräften suchen, auf der anderen Seite gibt es viel zu viele junge Menschen, die trotz abgeschlossener Ausbildung keine Arbeit finden können,“ schildert Slezák das grundsätzliche Problem.

„Dies zeigt, wie wenig die Berufsbildung hierzulande auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist.“ Eine positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr wurde bei der Einschätzung der Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer beobachtet. „Unternehmen sehen die im Vergleich zu anderen Ländern der Region niedrigen Lohnstückkosten und die hohe Arbeitsproduktivität positiv“, ergänzt Sagmeister. Großen Verbesserungsbedarf sehen die Investoren darüber hinaus bei der Rechtssicherheit, der Bekämpfung von Korruption sowie der Transparenz der öffentlichen Vergabe. Gerade das Vergaberecht sei im Moment ein sehr sensibles Thema, weist Vladimír Slezák hin. Das öffentliche Beschaffungsgesetz erfuhr unlängst die tiefgreifendste Reform seit 2006. „Die Investoren verfolgen sehr konsequent die Umsetzung der neuen Richtlinien in die Praxis und erhoffen


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sich hiervon in naher Zukunft eine deutliche Verbesserung der Transparenz bei Vergabeverfahren“, fährt der DSIHK-Präsident fort. Alles in allem bewerten die Teilnehmer die Slowakische Republik wieder als den attraktivsten Investitionsstandort in Mittel- und Osteuropa. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde Tschechien zurück auf den zweiten Platz verdrängt. Polen und Estland teilen sich weiterhin die Ränge drei und vier. Für Patrick Sagmeister ist die positive Beur-

teilung des Investitionsstandortes ein deutliches Signal: „Auch wenn manche Unternehmen die Bedingungen für Forschung und Entwicklung oder das Berufsbildungssystem kritischer als in den Vorjahren betrachten, überwiegt dennoch ein grundsätzlicher Optimismus unter den Teilnehmern der Umfrage.“ Entsprechend würde die klare Mehrheit der ausländischen Unternehmen (84 Prozent) ihre Investition in der Slowakei auch unter heutigen Bedingungen wiederholen.

Technische Parameter zur Umfrage • Befragungszeitraum: Februar 2014 • Anzahl Teilnehmer: 196 lokale Unternehmen • Beteiligung nach Sektoren: Industrie (43,3%), Handel (19,4%), Dienstleistungen (37,2%) • Organisatoren: AußenwirtschaftsCenter Bratislava Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer Französisch-Slowakische Handelskammer Niederländische Handelskammer in der Slowakischen Republik Schwedische Handelskammer in der Slowakischen Republik Slowakisch-Österreichische Handelskammer

Grafik: Erwartete Entwicklung der Gesamtwirtschaft/Geschäftslage in den Unternehmen besser

unverändert

schlechter

Geschäftslage

Wirtschaftslage

Grafik: Die am besten/schlechtesten bewerteten Standortfaktoren (1=sehr gut/5=mangelhaft) Mitgliedschaft in der EU Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer Qualifikation der Arbeitnehmer Zugang zu öffentlichen und EU-Fördermitteln Transparenz der öffentlichen Vergabe Bekämpfung von Korruption, Kriminalität

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Speed Business Meeting – 22.APRIL 2014 Die Slowakisch-österreichische Handelskammer, die Britische Handelskammer in der Slowakischen Republik, die Französisch-slowakische Handelskammer, die Hispanisch-slowakische Handelskammer, die Holländische Handelskammer in der Slowakischen Republik, die Deutsch-slowakische Industrie- und Handelskammer, die Schwedische Handelskammer in der Slowakei, die Italienisch-slowakische Handelskammer, die Handelskammer Schweiz – Slowakische Republik und die Amerikanische Handelskammer in der Slowakischen Republik erlauben sich Sie herzlich zum Speed Business Meeting einzuladen. Werden Sie effektiv und nehmen Sie an unserer interessanten NETWORKING Veranstaltung teil!

22. April 2014, 16:00 – 19:00 Hotel Park Inn Danube Rybné nám. 1, Bratislava

Program: 16:00 - 16:30 16:30 16:40 – 18:00 18:00 – 19:00

Registration Eröffnung und Erklärung der Instruktionen 8 Sitzungen Business Cocktail

Sprache: ENGLISCH( oder nach Absprache)

Registration: Wir bitten Sie um die Übersendung der ausgefüllten Rückmeldung an: sohk@sohk.sk Deadline für die Registration: 18. April, 2014 Stornierung der Teilnahme nach dem 18.April 2014 ist nicht mehr möglich. Bestätigte Teilnehmer, die nicht eintreten, werden nach der Veranstaltung aufgefordert die volle Summe für die Veranstaltung zu erstatten. Die Teilnahme der Firmen, die in selben Bereich tätig sind, ist begrenzt. Falls Sie interessiert sind, melden Sie sich bitte so bald wie möglich an. Teilnahmegebühr: 20 € für Mitglieder , 35 € für Nichtmitglieder. Die Teilnahmegebühr wird erst nach der Veranstaltung verrechnet. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. SLOWAKISCH – ÖSTERREICHISCHE HANDELSKAMMER E-mail: sohk@sohk.sk Tel.: +421 2 6353 6787


KULTUR

„Nur was man sich erkämpft, gehört einem auch.“ Josef Winkler schreibt an gegen die Gewalt des Vaters, gegen das Rohe im bäuerlichen Dorfleben, das Verlogene in der katholischen Kirche, gegen den Tod, das Verdrängte und Vergessene in der Sprache und nun auch gegen das Schweigen der Mutter. Aus einem seiner neueren widerständigen Werke, „Mutter und der Bleistift“, las der Autor im Österreichischen Kulturforum in Bratislava. Text: Ingrid Blasge, Fotos: Bohumil Chúťka für das Österreichische Kulturforum in Bratislava

„Josef Winkler ist nicht nur einer der bedeutendsten österreichischen, sondern überhaupt deutschsprachigen Autoren“, hob die Leiterin des Österreichischen Kulturforums, Brigitte Trinkl, die Leistungen und den Rang des Büchner-Preisträgers zum Auftakt seiner Slowakei-Lesereise hervor. „Er schreibt in unglaublicher Intensität und ebensolchem Umfang“. Seine Art vor Publikum zu lesen ist nicht weniger eindringlich. Winklers kraftvolle, kantige Stimme ließ den Zuhörenden im vollbesetzten Kulturforum wenig Raum zum Abdriften. „...in meinem Kopf immer und immer wieder die umstürzenden und auf den Kopf gestellten katholischen Kirchtürme, die mit ihren Spitzen aufstampfen auf diesem gottlosen und blutverschmierten Boden, ..., als kreisend schwarze Schallplatte in hundert verschiedenartigen Stimmen...“. Und immer und immer wieder in neuen Variationen erzählt der 60-Jährige die Geschichte seiner katholischen, bäuerlichen Herkunft. Zwar beginnen beide Erzählungen, die im 2013 erschienenen Buch Mutter und der Bleistift vereint sind, auf Reisen des Autors in Indien und Frankreich, aber es braucht nur ein paar Sätze und beiläufige Auslöser, einen Bund Petersilie oder ein paar Kalkflecken am Weihwasserbecken, bis der Erzähler erneut dem Sog seiner Kinder- und Jugendjahre erliegt. Mit seiner kreisenden Sprache schraubt sich Winkler gleichzeitig hinein und wieder heraus aus seiner Familiengeschichte, zertrümmert und erbaut sie im gleichen Zug. Arbeitete er sich in den vergangenen Wer-

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ken vor allem an der väterlichen Gewalt ab, so schreibt er in Mutter und der Bleistift gegen das Schweigen der mütterlichen Familienseite an. „Nach dem Tod der drei Söhne also war die Familie vollkommen verstummt, mein Elternhaus mütterlicherseits war eines der stillsten Bauernhäuser im ganzen Kärnter Drautal geworden, niemand mehr sprach ein Wort, zwei Jahrzehnte lang nicht, man erzählte sich keine Geschichten mehr, es gab nichts mehr zu erzählen, denn auch diese meine Großmutter … hat nicht nur die drei erwachsenen Söhne im Krieg verloren, auch zwei Kleinkinder starben ihr unter den Händen weg.“ Wiederholt greift eine Erzählung den Moment auf, in dem der jüngste der drei Söhne als einziger aus dem Krieg zurückkommt, „aber anders“, wie Winklers Urgroßmutter zu sagen pflegte. „...unweit vom Gravensteinerapfelbaum im Garten meines Großvaters Johann Winkler..., unter dessen blühenden Ästen der einst gesessen, gewartet, geweint und gebetet hatte..., als er auf die Ankunft des Heuleiterwagens aus Villach wartete, auf dem kein Gras und kein Heu, keine Türkenkolben und keine Erdäpfel, keine Krautköpfe und auch nicht die großen weißen Rettiche lagen, sondern der Sarg seines dritten gefallenen Sohnes stand, den die überlebenden Kameraden in Jugoslawien eingesargt, dessen einen abgerissenen Fuß sie in eine frisch gebügelte Kluft der Wehrmachtsuniform gesteckt, die beiden abgerissenen Arme ebenfalls, und dem sie den abgerissenen Kopf über die Schärpe des Rockes gelegt, und das

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Innere des Sarges hatten sie ausgestopft mit Feldblumen, mit Margeriten und Sauerampfer, mit Löwenzahn und Butterblumen, mit Vierklee und Fünfklee, mit Glücks- und Unglücksklee, damit die losen Körperteile des leblosen Hampelmannes, dem auch keine Schnüre mehr in den Himmel hinaufhalfen, im Inneren des Sarges nicht verrutschen...“ Er habe sich von Anfang an mehr für die Form interessiert, erklärte er im anschließenden Publikumsgespräch. Er habe weder Abitur noch Studium absolviert, habe immer nur gelesen und schon sehr früh damit begonnen darauf zu achten, wie andere schreiben – mehr als darauf, was sie schreiben. So entwickelte er seinen markanten Stil, „verwinklerte“ Schachtelsätze, die einer aus dem anderen haltlos, scheinbar ohne Ende herausstürzen, würde er ihnen nicht irgendwo einen künstlichen Punkt setzen. Außerdem das penetrante, unerbittliche Zurückkehren zu den Steinen des Anstoßes, zum Schweigen und zum Tod. „Am meisten lerne ich durch die Varianten des Immergleichen“, lässt er Handke sagen. Winkler ist ein Bildwirker. Mit seiner Füllfeder, die er immer bei sich trage, habe er tausende von Seiten mit minutiösen Beobachtungen gefüllt, die ihm als Material für seine Texte dienen. „Sich das Tranchiermesser des Bilderdenkens durch das geredeverwucherte Gehirn schieben.“, zitiert er Handke an einer anderen Stelle. Dem Publikum bot er für Mutter und der Bleistift das Bild eines gestickten Wandteppichs (passend zum


KULTUR

mütterlich-weiblichen Thema des Buches), auf dem die Elemente seiner Geschichte symmetrisch eingestickt sind – wahrscheinlich im Kreuzstich: links der Nussbaum, rechts der Gravensteinerapfelbaum, die Großeltern väterlicherseits, die Großeltern mütterlicherseits, zwei Geschenkkisten an den Großvater, eine mit einem Pfau und eine mit einem Fernseher, Winkler als Mädchenname der Mutter sowie Familienname des Vaters usw.; alle Teile vielfach gespiegelt und verzerrt, gestaucht und gestreckt, ornamental verschlungen, in die Vergangenheit und Zukunft gedreht. Ilse Aichinger und Peter Handke, die er immer wieder zu Wort

kommen lässt, krönen den Stammbaum als seine literarischen Eltern. Als Kind, berichtete Winkler, wurde er, wie alle anderen Bauernkinder, vom Dorflehrer in der achtjährigen Volksschule gehalten, nur dessen eigene Söhne durften das Gymnasium in der Stadt besuchen. Er wollte in Kamering aber nicht „verrecken“. „Ich wollte heruntersteigen vom elterlichen Misthaufen meines katholischen Dorfes.“ So nutzte er die Unachtsamkeit des Vaters und die Nachsicht der Mutter, um ihnen kleine Geldsummen zu stehlen, mit denen er sich dann Bücher leisten konnte. Heute, meinte der Vater zweier Kin-

der, würden die Kinder die Stapel an Büchern, die man vor sie hinstellt, mit den Füßen wegschieben. „Aber nur was man sich erkämpfen muss, gehört einem dann auch.“, gab er den zahlreichen Studierenden im Publikum als pädagogischen Rat mit auf den Weg.

Alle Zitate stammen aus dem Buch: Josef Winkler: Mutter und der Bleistift. Berlin: Suhrkamp 2013. ISBN: 978-3-518-42358-5

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KULTUR

„Das ist Frankl – nicht Chagall!“ Vor zwei Jahren wurde im Museum der Stadt Bratislava, seiner geliebten Heimatstadt, zum ersten Mal die Ausstellung „Visionen aus dem Inferno“ von Adolf Frankl präsentiert. Eine authentische und atemberaubende Erfahrung eines Mannes, der den Holocaust überlebte. Bilder, die die Grausamkeit einer europäischen Epoche in Farben kleideten. Text: Jana Kočišová, Fotos: Art Forum Judenplatz, Wien

Adolf Frankl wurde am 12. Februar 1903 in Bratislava geboren. Nach dem Gymnasium studierte er u. a. auch Kunst und zwar bei Malern wie Gustav Mallý, František Reichentál, Ľudovít Fulla und Josef Vydra. Künstlerisch orientiert, beschäftigte er sich auch mit der Illustration und Karikatur. Später wurde er im Geschäft seines Vaters tätig, bis er selbst zu einem Geschäftsmann in Bratislava wurde. Ein Geschäft für Raumausstattung gehörte ihm bis zu dem Moment, als an seine Tür die personifizierte Ideologie des slowakischen faschistischen Staates anklopfte und den Besitz von Adolf Frankl arisierte. In dieser September-Nacht 1944 wurde die Familie mit zwei Kindern im Alter von acht und zehn Jahren auf die Straße gejagt. Verraten wurden sie von ihrem Hausmeister, der die jüdische Familie denunzierte. Derselbe Mann kam später auf den Knien zu Adolf Frankl zurück, mit der Bitte um Verzeihung - und es wurde ihm verziehen.

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Frankl stellte ihn erneut als Hausmeister ein. Das Haus, in dem Adolf Frankl in Bratislava lebte, finden wir heute in der Ventúrgasse 16, in der eine Gedenktafel an ihn erinnert. Adolf Frankl wurde zuerst nach Sereď deportiert, danach in das Todeslager Auschwitz abtransAdolf Frankl portiert. Seine Familie blieb wie durch ein Wunder in Bratislava zurück. Frankls Ehefrau Renée rettete sich und die Kinder vor der Deportation durch eine direkte Konfrontation mit Alois Brunner, der rechten Hand von Adolf Eichmann. Adolf Frankls Sohn, Thomas Frankl, erinnerte sich im Interview für die Tageszeitung SME, wie seine Mutter zu diesem Mann

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sagte, dass sie und ihre Kinder keine Juden seien. Der Versuch, auch ihren Mann zu retten, blieb aber erfolglos. Als Brunner sie und die Kinder aus dem Güterbahnhof schickte, bat sie ihn sogar um eine Begleitung hinaus. So wurden sie von der Deportation verschont. Danach blieben sie zusammen, aber lebten auch getrennt an mehreren Orten, versteckt bei verschiedenen nichtjüdischen Bekannten, den sogenannten „Gerechten unter den Völkern“. Als die Kinder und die Mutter nach der Befreiung in die alte Wohnung, in das „Zuhause“ in der Ventúrgasse kamen, fanden sie die Wohnung ausgeraubt. Glücklicherweise überlebte Adolf Frankl das Lager in Auschwitz. Er kehrte um den 4. April 1945 nach Bratislava zurück. Den langen Weg beschrieb sein Sohn Thomas für SME folgendermaßen: „Die Häftlingsgruppe, in der mein Vater war, ging in Richtung Westen, ins Nebenlager Stara Kuźnia. Da kamen sie zu einer Baracke, in der nur Typhuskranke und Tote lagen. Mein Vater legte sich zu diesen Menschen hin. Nach ungefähr zehn oder fünfzehn Minuten kamen deutsche Soldaten. Wegen der Kranken wollten sie nicht in die Baracke hineingehen und riefen „Alle raus!“ Mein Vater lag unter einem Bettgestell versteckt, bewegte sich kaum und blieb dort liegen. Nach einiger Zeit kamen die Soldaten der Roten Armee, um sie zu befreien. Zum Teil zu Fuß kehrten die Überlebenden zurück, durch den Osten, der zuerst befreit wurde, durch Michalovce, Užhorod bis


KULTUR

Ungarn. Und von dort langsam zurück in die Slowakei“. Die Freude über die Wiedervereinigung der Familie war unbeschreiblich groß, aber gleichzeitig wurde der Familie Frankls zum ersten Mal bewusst, dass sie nicht nur den größten Teil ihrer nächsten Verwandten, sondern auch alle Güter verloren hatten. Trotzdem blieb die Familie nach dem Willen des Vaters noch einige Zeit in Bratislava. Im Jahr 1948 kam es nach der Wende des Regimes, zur erneuten Enteignung des wieder erworbenen Besitzes. Nach diesem Ereignis traf die Familie eine schwere Entscheidung und emigrierte Ende 1949 über Petržalka nach Österreich. Die Nachkriegszeit in Österreich war aber keine leichte Zeit, die ökonomische Situation war nicht gerade ideal. Da die Familie aus der Slowakei geflohen war, blieb sie praktisch ohne Geld.

Adolf Frankl wachte nachts oft schreiend auf, das Trauma aus dem Konzentrationslager ließ ihn nicht los. Damals gab ihm jemand den Rat, bunte Blumen zu malen, um aus der Trauer heraus zu finden. Aus Blumen wurden Gesichter, Figuren, ganz verkümmerte Körper. Die Farben blieben. Adolf Frankl äußerte sich einmal so: „Ein Kritiker sagte zu mir, er sähe in meinen Bildern eine Ähnlichkeit mit Motiven von Marc Chagall. Meine Bilder sind jedoch meine eigenen Erleb-

nisse, mein eigenes Grauen! Das ist Frankl – nicht Chagall!“ Viel Zeit verbrachte er damals auch im Wiener Café Hawelka, er beobachtete das Geschehen um sich herum. Die Atmosphäre, die für die Cafés dieser Zeit so typisch war, tauchte beim Malen neben den grausamen Erlebnissen immer öfter auf. An den Gemälden Adolf Frankls erstaunt ihre Authentizität. Leuchtende Farben, konkrete Gestalten, starke Linien tanzen zusammen wie in einem Traum, um genauer zu sein: wie in einem Albtraum, um einen herum. Viele Augen sehen einen direkt an, zu viele Leben fanden ihr Ende an diesem Platz. Der Zyklus „Visionen aus dem Inferno“ trägt den Untertitel „Kunst gegen das Vergessen“. Die Wirkung ist umso stärker, als der Maler den Betrachtern in seinen Gemälden einen Teil seiner inneren Welt präsentiert. Der visuelle Effekt der Gemälde wirkt stark auf unsere Sinne. Und die Welt Adolf Frankls auf den Bildern ist schockierend und grausam, aber gleichzeitig sehr human und menschenorientiert. „Mit meinen Werken habe ich allen Völkern dieser Welt ein Mahnmal gesetzt. Es soll niemandem, egal welcher Religion, Rasse oder politischen Anschauung, dieses oder Ähnliches widerfahren.“ Der Zyklus „Visionen aus dem Inferno“ begann im Jahre 1975 in Form einer Ausstellung und wurde auch vom Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte durch dessen Schirmherrschaft unterstützt. Heutzutage dienen die Bilder oft als erster Schritt zur Diskussion, nicht nur über die Geschichte, sondern auch über die Menschenrechte in der heutigen Welt. Der ehemalige österreichische Präsident Thomas Klestil unterstrich die Funktion der Visionen mit diesen Worten: „Wenn die letzten Zeitzeugen, die authentisch vom Schrecken jener Zeit berichten können, nicht mehr unter uns sein werden, dann werden Bilder wie Adolf Frankls „Visionen aus dem Inferno“ die letzten großen Mahner sein, die gegen das Verblassen der Erinnerung stehen.“ Adolf Frankl blieb die meiste Zeit seines Lebens in Wien, wo er auch im Jahr 1983 verstarb.

Die Dauer- und Verkaufsausstellung der Kunstwerke Adolf Frankls ist im Art Forum am Judenplatz 2 in 1010 Wien zu finden. Bereits vor dem Zyklus „Visionen aus dem Inferno – Kunst gegen das Vergessen” entstehen zwischen den Jahren 1930 und 1982 unzählige Zeichnungen, Aquarelle und Karikaturen. Die Motive für seine Arbeiten wählte Frankl aus dem jüdischen Alltag, aus Kaffeehäusern in Bratislava, New York, Frankfurt und z. B. dem Café Hawelka und Espresso l´Europe in Wien, er suchte auf Bahnhöfen, Gerichtssälen und im bekannten Wiener Auktionshaus Dorotheum seine Motive. Informationen und Bilder wurden uns von Herrn Thomas Frankl zur Verfügung gestellt. © Thomas Frankl Art Forum, Judenplatz 2, 1010 Wien Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr Sonn-und Feiertage 13-18 Uhr Freier Eintritt (bis auf Widerruf) Führungen nach Vereinbarung Eine Dissertation über Adolf Frankl liegt hier auf: Österreichische Nationalbibliothek, Wien Universität für angewandte Kunst, Wien Österreich-Bibliotheken ( bald auch in Bratislava) Spendenkonto: Frankl-Ausstellungsprojekt Bankverbindung: BAWAG IBAN: AT351400010010572679, BIC: BAWAATWW

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KULTUR

Kunst, die gute Laune macht Kunst, die gute Laune macht. So lässt sich die Kunst von Miroslav Knap beschreiben, dem slowakischen Maler, Illustrator und Graphiker. Das Slowakische Institut würdigte ihn nun mit einer ersten eigenen Ausstellung in Wien. Dort zeigte er eine Auswahl seiner in den letzten zwei Jahren enstandenen malerische Werke unter dem Titel „Eine Imaginations- und Traumwelt“. Text: Katarína Šujanová, Fotos: Slowakisches Institut in Wien

Der Kurator der Ausstellung, PhDr. Ľubomír Podušel, CSc., definierte die Kunst von Miroslav Knap bei der feierlichen Vernissage Mitte März so: „Es gibt zwei Arten von Künstlern. Die, die die das darstellen, was real existiert, und die, die zeigen, was sie fühlen. Meiner Meinung nach sollte es noch eine dritte Kategorie geben. Dazu gehörten die Künstler, die diese beiden Arten verbinden. Das Objektive und Subjektive auf einem Bild zusammen. Und so sind die Bilder von Miroslav Knap.“ „Mit seinen Werken, die nicht nur imaginär, sondern poetisch imaginär sind, knüpft er an die längere Tradition des Magischen Realismus in der Slowakei an: Albín Brunovský, Viera Žilinčanová oder Vladimír Gažovič, der in Wien an der Wiener Akademie fűr Bildende Kűnste bei dem Professor Melcher studierte. Und selbst wenn Miroslav Knap nicht in Wien studierte, das Magische in seinen Bildern spricht mit einer universellen Sprache,“ ergänzte Podušel. „Meine Absicht ist, dass Sie die Ausstellung mit positiver Laune verlassen. Ich bin noch jung und ich möchte noch viel schaffen. Wir sehen uns nicht zum letzten Mal in Wien“, hofft der Preisträger von Auszeichnungen wie dem Salvador-Dalí- oder Franz-Kafka-Preis, Miroslav Knap.

Miroslav Knap bei der Vernissage - in der Bildmitte neben Alena Heribanová, Direktorin des Slowakischen Instituts in Wien.

Mehr über den Künstler:

www.knap.sk

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KULTUR

Theater öffnet Akten der Staatssicherheit Das internationale Theaterfestival Divadelná Nitra überraschte letztes Jahr mit einem ausgefallenen Projekt, das im April nach Bratislava kommt. Sechs Künstlergruppen zeigen Stücke, die auf der Grundlage von Geheimdienst-Akten entstanden. Text: Katrin Litschko, Fotos: Ctibor Bachratý, Divadelná Nitra

Ungarn, Rumänien, Polen, Tschechien, Deutschland und die Slowakei beteiligten sich an „Parallel Lives - das 20. Jahrhundert durch die Augen der Geheimdienste“. Künstler aus ehemals sozialistischen Ländern schufen sechs dokumentarische Theaterstücke, die auf Materialien aus den Archiven der Geheimpolizei des jeweiligen Landes basieren. Ihre Premiere hatten Sie letztes Jahr auf dem internationalen Theaterfestival Divadelná Nitra. Diesen April sind alle Inszenierungen in der slowakischen Hauptstadt zu sehen. In authentischen Geschichten trifft der Zuschauer auf Zeitzeugen, Agenten sowie Opfer. Das slowakische Theater SkRAT bringt zum Beispiel „Vnútro vnútra“ (Innerhalb des Inneren) von den Regisseuren Ľubomír Burgr und Dušan Vicen auf die Bühne. Das Stück erzählt von einem Doppelagenten, der auf mysteriöse Weise ums Leben kommt. Als ein Journalist in den 1990er Jahren versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, wird klar, dass die Staatssicherheit weiter existiert, obwohl es sie eigentlich nicht mehr gibt. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Aus Deutschland beteiligt sich das Staatsschauspiel Dresden mit „Meine Akte und ich“. Regisseur Clemens Bechtel hat bereits 2009 mit dem Stück „Staatssicherheiten“ den FriedrichLuft-Preis als beste Inszenierung in Berlin und Brandenburg erhalten. Bei „Meine Akte und ich“ zeigt er die Geschichten von neun Menschen, die allesamt keine professionellen Schauspieler sind. Die Mitglieder der Bürgerbühne erzählen aus ihrer persönlichen DDR-Vergangenheit und lassen die Zuschauer an ihren Erfahrungen mit dem Geheimdienst teilhaben. Acht von ihnen wurden bespitzelt, einer arbeitete selbst für die Staatssicherheit. Die Menschen erinnern sich an ihre Vergangenheit, es wird aus Akten gelesen, die über die anwesenden Schauspieler geführt wurden. Anhand von persönlichen Schicksalen entführt „Meine Akte und ich“ den Zuschauer in die Zeitgeschichte. Vom 8. bis 13. April werden alle Stücke des Projektes „Parallel Lives - das 20. Jahrhundert durch die Augen der Geheimdienste“ im Rahmen des Festivals "PRO-TÉZA" im Theater A4 in Bratislava aufgeführt. Die In-

Das slowakische Stück beim Projekt „Parallel lives“ ließ sich von dem Fall eines Doppelagenten inspirieren

„Vnútro vnútra“ stellt in Frage, inwiefern die Staatssicherheit noch heute funktioniert.

Mitglieder der Bürgerbühne Dresden in „Meine Akte und ich“

szenierungen werden in der Originalsprache mit englischen Übertiteln gezeigt. Wer sich nach den Vorführungen nach näher mit der Geheimdienst-Thematik auseinandersetzen will, kann an einer der vielen Diskussionen mit den Theatermachern teilnehmen.

NPZ-Gewinnspiel

Die Schauspieler von „Meine Akte und ich“ erzählen ihre persönliche Erfahrung mit der Stasi.

Die "NPZ - Neue Pressburger Zeitung" und das Goethe Institut Bratislava verlosen drei Mal zwei Karten für die Aufführung „Meine Akte und ich“ am 13. April um 20 Uhr im Theater A4. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff Geheimdienst an: martina.vlkovicova@npz-online.eu Die ersten Einsendungen gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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KULTUR

Auf den Spuren deutscher Kultur in Bratislava Wo findet man in Bratislava einen Lehrer von Johann Wolfgang von Goethe? Was verschlug die Schokoladenfabrik Stollwerck aus Köln in die Stadt? Und warum findet man im Innenhof des Rathauses deutsche Inschriften, die auf die Vergänglichkeit der Zeit anspielen? Von Katrin Litschko in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Bratislava

Das Goethe Institut Bratislava hat eine mobile App entwickelt, die Sie auf Entdeckungsreise in die slowakische Hauptstadt entführt. Sie begleitet Sie an Orte, die mit der deutschen Kultur zusammenhängen und bringt Ihnen die Geschichte hinter den Plätzen, Gebäuden und Persönlichkeiten näher. Auf einem Internetstadtplan, der auch offline und von der ganzen Welt aus abrufbar ist, sind die rund dreißig Spuren hinterlegt. Per Klick öffnen sich dann Texte, Fotos und Filmaufnahmen. So lassen sich direkt vor Ort Vergangenheit und Gegenwart miteinander vergleichen. Durch die kostenlose App soll die Mulitkulturalität der Stadt offenbart werden. Sie ist außerdem ein Beitrag zur Diskussion über nationale, aber auch europäische Identität. „Spuren deutscher Kultur“ steht auch auf Slowakisch unter „Stopy nemeckej kultúry“ zur Verfügung. Und wer Gefallen an der Bratislavaer App gefunden hat, der kann sich ebenfalls in Brasilien, Israel oder Stockholm auf Spurensuche begeben. Denn auch dort gibt es eine entsprechende Smartphone-App. Die NPZ stellt Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Bratislava in den folgenden Ausgaben jeweils eine ausgewählte Station der Spuren-App vor.

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Die ApolloRaffinerie 1895 wurde die Apollo Mineralöl Raffinerie AG gegründet und ein Jahr später am nördlichen Donauufer an der Stelle der heutigen Apollo-Brücke in Betrieb genommen. Nach der Annexion Tschechiens und der Gründung des ersten Slowakischen Staates als nationalsozialistischem Satellitenstaat Deutschlands, erwarb 1939 der deutsche Konzern I.G. Farben einen größeren Teil der Aktien der Ölraffinerie. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk kriegswichtig. Etwa 813 Menschen arbeiteten hier. Am 16. Juni 1944 wurde die Raffinerie bei einem amerikanischen Luftangriff fast vollkommen zerstört. 133 Menschen kamen dabei ums Leben. Apollo ist ein Beispiel dafür, wie deutsche Konzerne, hier die I.G. Farben, Industrie im deutschen Einflussgebiet genutzt und in die Kriegswirtschaft eingegliedert haben.

Hier finden Sie nähere Informationen über die App und den Weg zum Download:

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KULTUR

Fragile erobert die Spitze Die slowakische A-cappella-Gruppe Fragile hat ihr erfolgreichstes Jahr seit ihrer Entstehung 2004 hinter sich und ist auch 2014 wieder sehr gefragt. Für die gemeinsamen Konzerte HLASY (die Stimmen) mit dem Sänger Richard Müller in der Slowakei und der Tschechischen Republik, die innerhalb weniger Tage vollkommen ausverkauft waren, erhielten sie im Jänner gemeinsam den bedeutenden Preis Krištáľové krídlo 2013 in der Kategorie Rock Pop Jazz. Text: Katarína Šujanová, Fotos: Slowakisches Institut in Wien, Fragile

NPZ: Das Jahr 2013 war sehr erfolgreich für Fragile. Was bedeutet für Sie der Preis Krištálové krídlo? Jana Golisová, Fragile: Der Preis ist für uns eine sehr schmeichelhafte Form der gesellschaftlichen Anerkennung und zugleich eine Belohnung für die langjährige Arbeit. Es bedeutet viel für uns, dass die Ansprüche und Qualität unseres musikalischen Bemühens gewürdigt wurden. Zusammen mit Richard Müller sind wir sehr dankbar für diesen Preis. Er hat uns motiviert, immer noch besser zu werden.

NPZ: Planen Sie noch eine weitere Tournee gemeinsam mit Richard Müller? JG: Schon die Tournee HLASY im Herbst 2013 hat gezeigt, dass die Kapazität der Konzertsäle, in denen wir gesungen haben, nicht ausreichend für das große Publikumsinteresse waren, das hat uns sehr gefreut. In großen Städten wie Bratislava, Košice, Nitra, Prag und Brünn haben wir einfach spontan am Tag des ersten Konzertes jeweils noch ein zweites dazu gegeben. Auch diese zusätzlichen Konzerte waren zum Glück gleich aus-

verkauft. Die Zugabe eines zusätzlichen Konzerts in jeder Stadt wäre für uns alle doch ziemlich anstrengend gewesen, also haben wir uns geeinigt, dass wir auch die Tournee HLASY 2 machen. Wir planen sie für Herbst 2014. Alle sind herzlich eingeladen, zu kommen. NPZ: Im Dezember vergangenen Jahres hatten Sie ein wunderschönes Weihnachtskonzert in der Hofburgkapelle in Wien, das vom Slowakischen Institut in Wien organisiert wurde. Wie hat Ihnen der Auftritt in einer Kapelle gefallen? JG: Wir singen sehr gern in Kirchen. Die Kirchen und Kapellen sind mit ihrer Akustik wie geschaffen für A-cappella-Konzerte. Wir haben die vorweihnachtliche Stimmung in Wien damals sehr genossen. Umso angenehmer war dann auch das Weihnachtskonzert. Die A cappella-Gruppe Fragile bilden populäre Persönlichkeiten der slowakischen Kunstwelt, die durch TV Sendereihen, Theatervorstellungen und Musicals berühmt wurden. Zu Fragile gehören Braňo Kostka, Soňa Norisová, Jana Golisová, Helena Krajčiová, Svetlana Rymarenko, Slavo Košecký, Vilo Csontos und Kamil Mikulčík. In 2004 feiert Fragile 10 Jahre ihrer Existenz. Auf dem Konto hat sie 7 Alben und mehr als tausend Auftritte.

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KULTUR

Die Slowakische Nationalgalerie wird renoviert und ist im Jahr 2014 für alle kostenlos Ein Kultursponsoring, das auch auf Kritik stößt. Im Januar begann die öffentliche Ausschreibung für die Renovierung der Slowakischen Nationalgalerie (SNG). Die Schätzung des Auftragswertes beläuft sich auf 48 Millionen Euro und die Renovierung sollte in drei Jahren realisiert werden. Das Kulturministerium soll mehr als 13 Millionen beisteuern, der Rest der Summe wird laut der Planung aus EU-Förderungen und dem Norwegischen Finanzmechanismus abgedeckt werden. Nach einer langen Verzögerung kritisierte Alexandra Kusá, die Direktorin der Galerie, in einer Pressemitteilung, dass sie „auf diesen Moment 14 Jahre gewartet“ habe. Renoviert werden außer der so genannten Wasserkaserne, die zu den nationalen Kulturdenkmälern gehört, auch vier andere Gebäude, die zum Museenverbund SNG gehören, auch der Innenhof der Galerie wird revitalisiert. Text und Foto (Außenaufnahme): Jana Kočišová

Trotz der Schließung der permanenten Ausstellung und dem Umzug des administrativen Teils der SNG in die Hurban-Kaserne (auf dem Kollár-Platz in Bratislava) wurden die Besucherzahlen im Jahr 2013 im Vergleich zu 2012 kaum niedriger. Einer der Gründe dafür könnte der neu eingeführte kostenlose erste Sonntag im Monat sein, der neue Besucher in die Galerie lockte. An diesen Trend will jetzt die Galerie damit anknüpfen, dass es überhaupt für das ganze Jahr 2014 kostenlosen Eintritt für alle Besucher gibt. So ganz umsonst geht das aber nicht. Es handelt sich nämlich um ein Sponsoring seitens der

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J&T Bank, die sich damit ein positiveres, kulturbewusstes Image schaffen will. Laut Vereinbarung bezahlte die Bank der Galerie die Kosten in der Höhe von 60 000 Euro, die ungefähr den Einnahmen aus den Eintrittskarten im Jahr 2012 entsprechen. „Es steckt da nichts mehr dahinter, keine anderen Verpflichtungen. Die J&T Bank hat keine Ambitionen, sich in unsere Projekte oder Dramaturgie einzumischen“, beteuerte Alexandra Kusá, die Direktorin der Galerie, gegenüber der Tageszeitung SME. Die Geste der Bank wurde aber trotzdem mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits weil es bisher in der Slowakei kaum eine vergleichbare Tradition solchen Sponsorings für kulturelle Institutionen gibt. Und andererseits auch wegen des Rufs der Finanzgruppe J&T, kompromisslos zu agieren. Laut Kusá überlegte man sich in der Galerie sehr gründlich, ob die Spende angenommen werden sollte. Aber die öffentlich-rechtliche Aufgabe wird in der SNG sehr ernst genommen und dieses Sponsoring betrachtet Kusá als eine Chance, die Kunst einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

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Die Innenräume der Gallerie

(Foto: https://www.facebook.com/ SlovenskaNarodnaGaleria

Dennoch melden sich viele Gegner der Spende zu Wort und sprechen von einem niedrigen moralischen Kredit der J&T Gruppe, die unter anderem rasant die Natur in der Hohen Tatra verändere und zum Beispiel auch hinter dem architektonisch umstrittenen River Park steht. Gegen dieses „Geschenk“ äußerten sich in den Medien sowie in Form eines offenen Briefes und einer Petition mehrere Persönlichkeiten des slowakischen Kulturlebens, unter anderen die Schriftstellerin Veronika Šikulová, die Direktorin des Theaterfestivals „Divadelná Nitra“ Darina Kárová oder die Aktivistin Hana Fábry. Die letztgennante unterschrieb auch den offenen Brief an die Direktorin der Galerie, in dem sich die Gegner des Sponsorings äußerten, dass es es sich ihrer Meinung nach in Wirklichkeit um ein Danaergeschenk handle, das der Öffentlichkeit nur die Augen verschliessen solle.


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Youri Vámos: Das zeitgenössische Ballett muss anspruchsvoll sein Die Bratislavaer Theaterszene hat wieder einen Grund mehr zum Stolz. Auf Einladung des Ballettdirektors des Slowakischen Nationaltheaters (SND) Jozef Dolinský kam Youri Vámos, einer der kreativsten Choreografen der europäischen und weltweiten Ballettszene, um beim Einstudieren von Shakespeares Sommernachtstraum mitzuarbeiten. Text: BH, Foto: archiv SND

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Einladung nach Bratislava angenommen, was waren Ihre Erwartungen? Dieses interessante Kooperationsangebot erreichte mich in Düsseldorf, wo ich auch erfuhr, um welche Vorführung es geht. Den Mittsommernachtstraum habe ich bereits mehrmals einstudiert, Mendelssohns Musik kenne ich daher schon länger, aber je mehr ich sie höre, umso mehr Möglichkeiten finde ich, sie darzustellen. Es ist eine romantische Musik, im völligen Gegensatz mit der Geschichte von Shakespeare, die von Liebenden auf der Flucht handelt, die sich in einem Wald voller übernatürlicher Wesen verirren. Entgegen der scheinbaren Märchenhaftigkeit enthält das Stück jede Menge Satire, Humor und den Schluss, dass es die vollkommene Liebe nicht gibt, was Spannungen und eine kreative Atmosphäre erzeugt. Als aktiver Tänzer, bald darauf Leiter bedeutender Bühnen und nun Choreograf hatten Sie Gelegenheit zur Arbeit in vielen Ländern, vor allem in Westeuropa. Sehen Sie Unterschiede beispielsweise zwischen den deutschsprachigen Ländern und den Ländern in Osteuropa? Unterschiede finde ich nicht so sehr bei der Arbeit mit den Künstlern selbst, die Theaterwelt ist sehr kosmopolitisch. Die Unterschiede sind eher bei den Ansprüchen des Publikums und der Theaterkritik zu suchen, in der gigantischen Konkurrenz, die daraus folgt, dass es zum Beispiel in Deutschland eine um Vieles größere Zahl an Bühnen gibt, die jährlich mehrere Dutzend Inszenierungen anbieten. Das Publikum ist gebildet, an Qua-

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lität und an Neuerungen gewöhnt, verlangt ständig neue und neue kreative Ideen. Einerseits ist das gut, weil es einen ständige voran treibt, darüber hinaus hat man sehr viele Möglichkeiten Neues zu schaffen, aber wenn es einem nicht gelingt, die Erwartungen zu erfüllen, sind die Publikumsresonanz und die Kritik unerbittlich. Ist die heutige Zeit dem klassischen Ballett gewogen? Wie sehen Sie die Zukunft der Ballettszene für die nächsten Jahre? Das Ballett entwickelt sich wie jede Kunstform weiter, die Ästhetik der Bewegung ist ein Phänomen, das die Menschen seit Urzeiten in seinen Bann schlägt. Die klassische Ballettschule ist äußerst schwierig, sie ist die höchste Form der Bewegung, und kein Tänzer, der sich auf höchstem Niveau durchsetzen möchte, sei es im Ballett oder seine modernen Spielformen, kann ohne deren Fundament nicht weiterbauen. Die Forderungen der Zeit ändern sich und deshalb bemühe ich mich, klassische Werke etwas anders, zeitgenössischer, anspruchsvoller einzustudieren. Von den Tänzern verlange ich, auch ein bisschen Schauspieler zu sein, und gerade bei einer so schwierigen Produktion wie dem Mittsommernachtstraum mit einer Menge Charaktere und auch komischer Figuren ist diese Herangehensweise sehr wichtig. Bei meiner Arbeit denke ich nicht allein an die eigentliche technische und ästhetische Darstellung der Bewegung, sondern vor allem an die Zuschauer, die bei der Vorstellung das fühlen sollen, was zu fühlen sie ins Theater gekommen sind: Freude an der Kunst, der Leidenschaft, der Schönheit des Tanzes und

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Youri Vámos wurde in Budapest geboren und absolvierte Tanzausbildung an der Staatlichen Ballettschule. Nach seinem ersten Engagement als Solist der Ungarischen Staatsoper wurde er 1972 als Erster Solist an die Bayerische Staatsoper München verpflichtet. Nach München folgten Stationen als Ballettdirektor in Dortmund, Bonn und Basel. An allen Theatern brillierte er mit seinen Neufassungen klassischer Werke, denen er phantasievoll neue Handlungen unterlegte. Sein künstlerisches Credo, traditionelle Themen in zeitadäquater Sicht erscheinen zu lassen, verschaffte ihm an der Deutschen Oper am Rhein den bislang nachhaltigsten Erfolg. Im Jahr 2001 wurde Youri Vámos zum Ehrenprofessor der Tanzkunst-Hochschule Budapest ernannt, im August 2007 wurde er für sein Werk von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit dem Landesverdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet. Seit 2009 ist Vámos freischaffender Choreograf.2013 präsentierte er am Badischen Staatstheater Karlsruhe sein Ballett »Dornröschen« und am ungarischen Nationaltheater Györ seinen Sommernachtstraum. dem Ausdruck und seiner Verbindung mit der Bühne, der Musik und der Erregung der nicht eindeutigen, aber dramatisch berauschenden Geschichte aus Shakespeares Feder.


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Jozef Dolinský:

Wir versetzen die Grenzen des Balletts Während der Zeit des Wirkens von Jozef Dolinský, dem gegenwärtigen Direktor des Balletts am Slowakischen Nationaltheater (SND), konnten sich die Zuschauer bereits einer Reihe außerordentlich gelungener Aufführungen erfreuen, sei es im klassischen Ballett oder anderen Tanzformen, was ein neues Publikum zum Theater geführt hat. Gegenwärtig laufen die letzten Vorbereitungen für die Premiere des Sommernachtstraums, zu dessen Inszenierung Jozef Dolinský den international anerkannten, innovativen Choreografen Youri Vámos einlud.

Jozef Dolinský junior

Text: BH, Foto: archiv SND

Weshalb haben Sie sich gerade für die Kombination der Aufführung des Mittsommernachttraums und Youri Vámos entschieden? Das ist ganz und gar kein Zufall, den Sommernachtstraum habe ich in seiner Einstudierung schon gesehen, er hat mir sehr gefallen. Als ich daher über das Programm für die nächste Saison nachdachte, fiel die Wahl eindeutig auch auf diese Vorstellung. Wir wollten Shakespeare auch deshalb aufführen, weil gerade 450 Jahre seit seiner Geburt verstrichen sind. Das Schaffen Youri Vámos‘ kenne ich schon länger, es gefällt mir, wie es ihm gelingt, die Ästhetik der Bewegung mit Humor, einer anderen Sichtweise auf den Tanz, einer neuen Regiekommunikation nicht nur mit dem Zuschauer, sondern auch mit den Künstlern selbst zu verbinden. Noch dazu bietet diese Vorstellung, in der eine große Zahl an Figuren auftritt, auch jungen Künstlern die Möglichkeit sich vorzustellen, und andersherum, den Solisten, ihre Qualitäten zu bestätigen, und alles in einem für die Zuschauer visuell reichen Erlebnis.

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Wenn wir uns das Repertoire des Balletts des SND anschauen, sehen wir, dass auch jener Teil des Publikums auf seine Kosten kommt, der kein klassisches Ballett bevorzugt… Das Slowakische Nationaltheater ist die erste slowakische Bühne, womit schon alles gesagt wäre. Trotzdem, oder gerade deshalb, bemühen wir uns, zeitgenössisch zu bleiben und nicht eine Art kunsthistorisches Museum zu werden, wir wollen flexibel auf Veränderungen reagieren, die in der Gesellschaft und in ihrem Verhältnis zur Kultur vonstattengehen. Selbstverständlich müssen wir dabei nicht nur Trends verfolgen, sondern auch die Qualität dessen im Auge behalten, was wir unseren Zuschauern bieten. Und wir versuchen dabei natürlich nicht, die Tradition zu umgehen, sondern das Beste aus

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Jozef Dolinský junior (geboren 1970) absolvierte das Tanz-Konservatorium Eva Jaczová in Bratislava. Zur Erweiterung seiner Ausbildung absolvierte er das Fach Kulturologie an der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava und des Fachs Theaterdramaturgie und Regie an der Kunstakademie Banská Bystrica. Ab 1990 war er Mitglied und schließlich erster Solist des Balletts am Slowakischen Nationaltheater. Er gastierte am Inoue Ballet Tokyo und am Fukuoka International Ballet Theatre. Nach Ende seiner aktiven Tanzkarriere war er 2010/11 für eine Theatersaison Produzent beim SND-Ballett. 2005-2010 war Jozef Dolinský junior künstlerischer Leiter des Balletts der Staatsoper Banská Bystrica, derzeit ist er Direktor des SND-Balletts und Träger der Auszeichnung The Philip Morris Award und Blume des Balletts. Die AnnaPawlowowa-Stiftung (Russland) zeichnete ihn 2006 mit der Medaille für die Unterstützung von Kultur und Kunst aus. ihr zu schöpfen, um so das breitestmögliche Publikum anzusprechen. Die Kulturwelt durchläuft ja, ähnlich wie die Gesellschaft auch, gewisse Sinuskurven, und wir versuchen alle unsere Möglichkeiten zu nutzen, um ihre Entwicklung in der Aufwärtsbewegung zu halten. Gerade von der Aufführung des Sommernachttraums und vom kreativen Youri Vámos erwarten wir, dass ein auf den ersten Blick klassisches Stück auch ein junges Publikum für sich einnehmen kann, zu diesem Zweck haben wir auch frech träumerische visuelle Plakate und Werbeträger herausgebracht, die wenig traditionell im Bratislavaer Botanischen Garten entstanden.

Das Ballett des SND kann gegenwärtig nicht nur auf ein hervorragendes Repertoire verweisen, sondern auch auf ein hochkarätig besetztes Künstlerensemble. Davon zeugt auch der außerordentliche Anklang beim italienischen Publikum, das zu Beginn dieses Jahres in den Genuss von Gastspielen gekommen ist.

Die Darbietung vor einem anderen Publikum ist für ein Ballettensemble sehr wichtig, sei es vom Aspekt der Vorstellung des Theaters und seiner Künstler her, sei es für die Beziehungen im Kollektiv selbst. Wir können mit Freude feststellen, dass unser Ballett im vergangenen Jahr in Rom, also in einem Land mit einer reichen Kulturgeschichte, wo man fast überall auf Kunst trifft, mit der Aufführung von Romeo und Julia einen tollen Erfolg feiern konnte. Anfang dieses Jahres hatten wir Gastspiele in den Städten L‘Aquila, Pisa, Rovigo, Pavia und Udine, wo wir Romeo und Julia, Eugen Onegin und einen Gala-Abend unserer Solisten aufführten und auf hervorragenden Zuspruch stießen.


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KULTUR

GuTGuT Mehr als gute Architektur Die slowakische Architekturszene hat im Verlauf der letzten zwanzig Jahren eine stürmische Entwicklung durchlaufen, und bis heute wächst die Zahl der Architekten und Ateliers, die ihre eigenen innovativen Wege zu gehen versuchen. Das ist nicht immer leicht und ihre Rolle bei der Suche spielen nicht allein die Kreativität, sondern auch die Investoren, der gesetzliche Rahmen und schließlich die Ansichten und Meinungen der Fachwelt und der breiteren Öffentlichkeit. Darüber, wie wichtig es ist, dass die Öffentlichkeit die Rolle der Architektur richtig versteht, sowie über die Möglichkeiten, die das gegenwärtige Schaffen in der Slowakei bietet, sprachen wir mit Ing. arch. Štefan Polakovič. Text: Barbora Hrvolová, Foto: Archiv DAAD

NPZ: Sie gehören nicht nur zum Organisatorenteam des Projekts Architekturtage DAAD, sondern entwerfen im Architektenbüro GutGut selbst und sind daneben noch Hochschullehrer – das derzeitige architektonische Schaffen können Sie also unter den verschiedensten Gesichtspunkten beurteilen… Polakovič: Ich bin froh konstatieren zu können, dass sich im Verlaufe der relativ langen Zeit, seit GutGut besteht, die Szene und das Investitionsklima sehr verändert haben, wie auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit jungen talentierten Autoren. Sobald sich die Türen für Auslandsstudien und die Konfrontation mit nahen und fernen Kulturen öffnen, erhält die Welt der jungen Architekten eine völlig neue Dimension und ihr neuer Schaffensgeist eröffnet neue Möglichkeiten für ihre und unsere Arbeit. Obwohl unser Büro seit langem funktioniert und unsere Bauwerke alternativ wirken, verlieren wir nie aus den Augen, dass alles im Alltag funktionieren und vor allem verkaufbar sein muss. Dabei muss auch festgehalten werden, dass, was vor einigen Jahren noch als Ausgefallenheit galt, heute schon weitaus verbreiteter ist. Die Kunden und Investoren sind gebildeter und hatten auf ihren Reisen ins Ausland auch bereits die Möglichkeit, sich mit der modernen Architektur und den dazugehörigen neuen Technologien vertraut zu machen. Das erweitert auch die Möglichkeiten für unsere Arbeit und die charakteristische Typologie unseres Schaffens, um die wir bemüht sind

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– uns selbst treu zu bleiben und jene Dinge zu benennen, die für uns von grundlegender Bedeutung sind, und dabei ständig nach neuen kreativen Lösungen zu suchen. Von Ihnen stammt die Idee und Sie sind Mitorganisator des Projekts Architektur- und Designtage – DAAD. Was war das Motiv für ein solch aufwendiges Unterfangen? Die Idee, der Öffentlichkeit die zeitgenössische slowakische Architektur- und Designszene vorzustellen, entstand 2010 in Reaktion darauf, dass bis dahin unter dem Begriff „Architektur“ eher ihr historischer Wert verstanden wurde als der gegenwärtige progressive Nutzen und das tagtägliche Schaffen. Daneben wollten wir jungen und beginnenden Autoren eine Plattform für den Dialog mit dem Publikum und untereinander bieten.

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Auf den DAAD können Architekten und Büros ihre Werke vorstellen, es findet Kommunikation mit dem Publikum statt und wir bemühen uns, Architektur als Phänomen vorzustellen, dessen Mission die Bereicherung der Landschaft ist, nicht deren Verwüstung durch Projekte großer Immobilienunternehmen. Ein wichtiger Bestandteil der DAAD sind neben den Ausstellungen auch Workshops und Vorträge – meistens von ausländischen Architekten, die sich nicht nur kommerziell vorstellen, sondern auch unter gesellschaftlichem Aspekt. Ich wage zu behaupten, dass alle bisher geladenen Vortragenden exzellent waren. Es handelte sich um Autoren, die bereits bedeutende Architektur geschaffen haben, die gern auftreten, und für die es ihrerseits eine exotische Erfahrung war, in ein ihnen bis dato unbekanntes Land zu reisen und dessen derzeitiges Geschehen kennenzulernen.


KULTUR

Das Wort Krise ist noch immer in aller Munde – fühlen Sie deren Folgen im Bau- und Architektursektor? Paradoxerweise haben wir ja durch das Sinken der Auftragszahlen Zeit gefunden, uns intensiver mit Projekten zu befassen, die uns lieb sind. In unserem Schaffen bemühen wir uns, die „bis auf den Knochen abgenagte“ Substanz der Architektur zu finden. Unsere Bauten sind derart gestaltet, dass Möbel und Inneneinrichtung nur mehr das i-Tüpfelchen darstellen. Wir wollen die Architektur nicht billig hinter einer Hülle verstecken, deshalb greifen wir nach langerprobten grundlegenden Baumaterialien. Obwohl also beispielsweise unsere Holzhäuser alternativ anmuten, so muss die Qualität des eingesetzten Materials und der technischen Verarbeitung herausragend sein. Die visuelle Kultur unserer Architektur findet nicht im teuren Mobiliar statt – sie ist an den Bau gebunden. Deshalb ist es für uns von Vorteil, kleinere Investoren zu haben und das Projekt den örtlichen Möglichkeiten und Materialien anzupassen. Wenn wir einen Bau abschließen, braucht der Klient nicht viele Möbel, um sich einzurichten, und er muss sich nicht an einen bestimmten Stil halten –

er kann alles mitbringen, was ihm lieb ist oder an was er sich gebunden fühlt, ästhetisch oder persönlich – verderben kann er dadurch nichts, ganz im Gegenteil. Auch hier handelt es sich also auf gewisse Weise um eine Reaktion auf die niedrigeren Etats der Investoren. Was kann die Slowakei Ihrer Ansicht nach potentiellen Investoren auf dem Feld der Architektur bieten? Ich denke, dass nicht allein Bratislava für Zukunftsprojekte interessant ist, obwohl es gerade die städtische Hauptarchitektin Bratislavas Ing. arch. Ingrid Konrad ist, die ein junges Team und gute Berater um sich geschart hat und vor allem die Verbindung der Mentalität der Stadt mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes ins Bewusstsein gerückt hat und das Bestreben nach Menschlichkeit und Verständnis. Aber die Slowakei ist eben nicht nur Bratislava, obwohl das Gros unserer Projekte im Dunstkreis der Hauptstadt läuft. Die Slowakei ist ein Land mit vielen Gesichtern, das nach guter Architektur geradezu lechzt. Glücklicherweise gibt es bereits viele kreative Ateliers z.B. in der Umgebung Nitras oder in der Ostslowakei, die mit vielen neuen Ideen und Enthusiasmus bei der Arbeit sind. Ich denke,

auch deshalb ist es wichtig, den Dialog weiterzuführen, den die Architektur- und Designtage DAAD bieten und in dem beispielsweise neben den Architekten gerade auch die Investoren ihren stabilen Platz finden können. Ich glaube, dass es auch deshalb wichtig ist, den Dialog fortzusetzen, den auch im Jahr 2014 wieder von 20. Mai bis 1. Juni in Bratislava und Košice die Tage der Architektur und des Designs ermöglichen. Dabei könnten neben Architekten auch Investoren ihren fixen Platz finden. Man sollte sich bewusst sein, dass die Architektur nicht zum Selbstzweck existieren, sondern einen inspirativen Raum für Leben, Gefühle, Arbeit, für unsere Schicksale bieten sollte. Deshalb ist es nicht von Bedeutung, ob dieser Event quantitativ wächst, gerade umgekehrt, seine Aufgabe ist es, das Beste vorzustellen, was die gegenwärtige slowakische Architekturszene zu bieten hat, Autoren, die ihren Standpunkt zu verteidigen wissen und sich auch im rauen Konkurrenzkampf nicht scheuen, ihre Haut zu Markte zu tragen und nützliche, ästhetische, originelle, aber vor allem zuhöchst menschliche Architektur zu schaffen. Weitere Informationen: www.daad.sk

Werben Sie in der NPZ! Das Monatsmagazin Neue Pressburger Zeitung NPZ knüpft an die Tradition der deutschsprachigen Medien an, die in dieser einst dreisprachigen Stadt erschienen. Diese Tradition lebt heute wieder auf, weil Bratislava in Handel, Industrie und Tourismus wieder einen mehr und mehr kosmopolitischen Charakter annimmt. Die NPZ bietet aber nicht nur den deutschsprachigen Bewohnern Bratislavas aktuelle Informationen, sondern wendet sich auch an die angrenzende Nachbarregion in Österreich sowie an ein Publikum in Wien wie auch an Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Die NPZ bringt von professionellen Journalisten und Experten fundiert ausgearbeitete Informationen, Kommentare, Feuilletons, Reportagen und Interviews. Die Beiträge betreffen Wirtschaft, Poli­tik und Finanzen, aber auch Fremdenverkehr, Gesundheits­ wesen, Schulwesen und Sport. Nicht vergessen werden die Non-Profit-Organisationen, das Gesellschaftsleben, Freizeit und Kultur in dieser Region. Der Inhalt jeder Nummer wird in interessanter und einfalls­reicher Grafik präsentiert, damit unsere Geschäftspartner, die sich über unsere Zeitschrift der Öffentlichkeit vorstellen wollen, einen großzügigen, eleganten Raum für ihre Präsentation.

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KULTUR

Feuilleton

Geschichten aus der Schreibwerkstatt Texte von Deutsch-Studierenden der Pädagogischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava

Was ist los? von Linda Tóthová Morgen sechs Uhr. Der Wecker schreit wie die besoffenen Fußballfans bei der Weltmeisterschaft nach dem Sieg. Die Sonne brennt in meinen Augen durch das schmutzige Fenster und ich kann mich nicht konzentrieren. Auf dem Boden liegen die Blätter von Bäumen und in meinem Teppich von Mama wachsen die Pilze mit den Blumen. Im Dach ist ein großes Loch. Jetzt kann ich ruhig die Palmen mit Kokosnüssen betrachten und den frischen Duft des Windes riechen, sag ich mir leise bei dem Blick nach oben und ich gehe ohne Nachdenken weiter. Auuu. Und was ist das hier?, frage ich mich schon wieder, während ich auf etwas trete. Ist das aber eine Überraschung. Meine alte Brille, die noch meine Oma Berta trug. Hmm. Die alte Mode ist zurück, interessant, dass ich die Brille seit Jahren suche und bis jetzt nicht gefunden habe. Jetzt habe ich die Brille auf und ich denke an die Modeschau, die ich gestern im Fernseher sah. Wobei ich mich bemühe, mich wie ein Popstar zu bewegen und zu singen. Ganz witzig. Aber jetzt ernst. Wo bin ich? Und warum sehe ich jetzt einen Bären beim Nachbarn? Wo war ich letzte Nacht?, frage ich mich still in meinem Kopf, der noch ein bisschen leer ist. Auf den Fingern habe ich solche braune Flecken, vielleicht Schokolade oder? Hmmm... Schmeckt gut, ja das ist sicher Schokolade. Was soll das alles sein? Ich gehe langsam mit kleinen Schritten in die Küche. Im Flur liegen Klamotten und Federn. Aber niemand ist da. Auf dem Herd steht ein Topf mit Rotwein mit Himbeeren und neben dem Tisch, unter dem Stuhl liegt eine Butte belgischer

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Schokolade. Jetzt ist klar, woher die braunen Flecken waren. Aber es ist mir immer noch nicht klar, warum hier solche Ruhe ist. Keine Geräusche von der Straße. Ich schreite weiter durch das Haus zum Garten. Etwas stimmt hier nicht. Im Gras liegen Bananen und zwischen den Bäumen hängt ein Schiff. Von diesem Schiff wachsen Bäume mit Fischen aus dem Meer. Ich gehe ein bisschen näher und plötzlich fällt von diesem Schiff ein Meermann. Hey Lady, sagt er mir mit lasziver Stimme und wirft mir einen Goldfisch in die Brille von Oma Berta, die ich auf dem Kopf trage. Ich frage mich, ob das wirklich als Flirt gedacht ist. Blödmann. Was ist los? Ich sehe jetzt nichts mehr. Meine Hände sind nass und meine Beine sind zu einem Bein ver-

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bunden. Na super. Was soll ich jetzt tun als Meerfrau? Das war sicher der Wunsch des Meermanns mit seinem Goldfisch. Warten. Ich höre etwas. Eine Melodie. Sie geht von meinem Bett aus, ich muss die Melodie finden. Woher kommt sie? Ich schwimme durch die Luft in das Zimmer, plötzlich trete ich fehl und falle ins Bett. Meine Augen sind zu, aber ich höre die Melodie immer lauter. Jetzt öffne ich langsam die Augen, im Dach ist kein Loch, keine Kokosnüsse und Palmen, kein lasziver Meermann weit und breit und keine verbundenen Beine. Nur ich, mein Wecker und mein verrückter Traum. Dieser Text hat den 2. Platz beim Prešover Kurzgeschichtenwettbewerb 2014 belegt. Symbolfoto: Shutterstock


Wir laden Sie ein, mit uns zu reisen und den mitteleuropäischen Raum zwischen Donau und den Bergkämmen der westlichen Karpaten kennenzulernen, diesen Kreuzungspunkt der besten europäischen Kunststile.

Wir garantieren Ihnen, dass wir alle, auch die weniger bekannten Kulturschätze für Sie zugänglich machen.

Führungen mit überprüften fachlichen Informationen, fachliche Erläuterungen mit aktuellen Erkenntnissen aus den neuesten archäologischen und kunsthistorischen Forschungen.

Erschauen Sie mit uns die Slowakei. Entdecken wir zusammen ihre Kulturschätze, Dörfer mit altertümlichem Zauber, Städte in den Bergen, sakrale Orte und die wunderschöne Natur. Klariská 10 SK-811 03 Bratislava 1 Slowakei

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KULTUR

Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská

Osterveranstaltungen Osterjahrmarkt in Stupava 5.4., 6:00-14:00, Stupava – „Sedliacky dvor“ beim Kulturhaus Der alljährliche traditionelle Osterjahrmarkt mit buntem Kulturprogramm für Erwachsene und Kinder. Ein spezielles Programm - das Puppentheater und Osterwerkstätten wird für Kinder ab 10 Uhr bereit stehen. In den Räumlichkeiten der kleinen Halle wird außerdem eine Börse für Kinderbekleidung stattfinden. Information: www.stupava.sk, www.mkic.sk Ostermarkt in Bratislava 14.4.-17.4., Bratislava - Hauptplatz und Hviezdoslav-Platz Die Ostermärkte der Hauptstadt werden im Geist der Volkskunst und Handwerkstradition vom Stadtteil Bratislava-Altstadt organisiert. Den Hauptplatz und Hviezdoslav-Platz füllen in diesen Tagen Verkaufsstände mit einer bunten Auswahl an Osterwaren. Besucher können sich auf verschieden verzierte Ostereier, typische Holz- Textil- und Honigprodukte, so wie auch auf ein echtes Oster-Nascherlebnis freuen. Information: www.bratislava.sk http://www.bratislava.sk/kalendar/vismo/akce.asp?id_org=700021&id=10286&p1=11049950

Neben der Möglichkeit, hochwertige Lebensmittel und Produkte einzukaufen, erwarten Kinder märchenhafte Puppentheatervorführungen und Erwachsene verschiedene Spiele und eine Reihe von Vorträgen über gesunde Ernährung und Lebensweise. Information: www.stupava.sk, www.mkic.sk Tag der Keller von Modra 12.4., 13:00-22:00, Modra Die Winzer von Modra begrüßen am 12. April alle Weinliebhaber in ihren Kellern und bieten beste Weine direkt aus ihren Fässern. Information: www.modranskepivnice.sk http://modranskepivnice.sk/img/gallery/large_2013_10.jpg

Musikfrühling in Malacky 6.4, 13.4, 16:00, Malacky - Städtisches Kulturzentrum Der Musikfrühling in Malacky ist eine musikalische Veranstaltung, die jedes Jahr im März und April stattfindet. Zum Hauptprogramm gehört eine Reihe von vor allem klassischen Konzerten. Information: www.malacky.sk http://www.malacky.sk/index.php?page=navstevnik&menuid=315

Ostermarkt am Schloss Hof 31.3.–1.4., Schloss Hof Im neu erblühenden Meierhof lassen sich neben regionalen Köstlichkeiten aus Küche und Keller zauberhafte österliche Geschenkideen aus dem vielseitigen Angebot des Ostermarktes finden. Für Kinder wird ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten. Österliche Konzerte stimmen auf den Frühling ein. Information: www.schlosshof.at Feste und Festivals Weinschmaus in Svätý Jur 25.4.-27.4., Svätý Jur – Weinberghaus des Dr. Kautz Eine internationale Ausstellung der Rieslingweine mit Verkostung. Information: www.svatyjur.sk http://www.svatyjur.sk/data/MediaLibrary/213/vinice3.jpg

Bauernmarkt der „Unersättlichen Ziege“ 13.4., 14:00 - 18:00, Stupava – „Sedliacky dvor“ beim Kulturhaus Den originellen Bauernmarkt, der in der Zukunft zur Tradition werden soll, bereitet der Verein der „Unersättlichen Ziege“ vor.

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[Fjúžn] – Woche der neuen Minderheiten 2014 10.-16.4., 10:00, Bratislava Zum neunten Mal organisiert die Milan-ŠimečkaStiftung das bunteste Fest der Slowakei – die Woche der neuen Minderheiten mit dem Titel [Fjúžn]. Thema des Festivals ist „Nachbarschaft“. Die Ziele des Festivals sind es, Menschen verschiedener Kulturen zusammen zu bringen, das Bewusstsein für neue Minderheiten in der Slowakei zu erhöhen, das alltägliche Leben der Ausländer zu präsentieren und für die Themen Migration und Multikulturalismus zu sensibilisieren. [Fjúžn] ist eine Multi-Genre-Festival-Woche, in der jährlich eine Reihe von bunten Veranstaltungen - Konzerte, Tanzund Theateraufführungen, Filmvorführungen, Diskussionen, Workshops und informelle Treffen stattfinden. Information: www.fjuzn.sk https://www.facebook.com/festival.fjuzn/photos/pb.122460711164758.-2207520000.139 5315055./451132284964264/?type=3&theater


KULTUR

Musik Trio Carbonare Papandrea Braconi 1.4., 18:00, Bratislava – Primatialpalais Konzert zu Ehren des kürzlich verstorbenen italienischen Dirigenten Claudio Abbado mit einer Ansprache des Musikwissenschaftlers Adrián Rajter. Claudio Abbado hatte zur Slowakei eine sehr enge Beziehung. 1965 leitete er in Italien zum ersten Mal das Orchester und den Chor der Slowakischen Philharmonie. Dabei machte er auch die Bekanntschaft des slowakischen Komponisten und Dirigenten Ľudovít Rajter. Mit dem Chor der Slowakischen Philharmonie arbeitete Abbado an vielen Projekten zusammen, z. B. einem Konzert in La Scala oder bei den Salzburger Festspielen, wo er sich mit Verdis Othello vorstellte. Information: www.bratislava.sk http://www.bratislava.sk/kalendar/vismo/akce.asp?id_org=700021&id=11430&p1=27543

Haydn, Rossini 10.4., 18.00, Bratislava - Comenius Universität Slowakische Philharmonie: Dirigent - Christoph Campestrini (Österreich), Chor der Slowakischen Philharmonie: Jozef Chabroň Chorleiter, Eva Hornyáková - Sopran, Eva Garajová - Alt, Otokar Klein - Tenor, Gustav Beláček - Bass. Information: www.christophcampestrini.com, www.filharmonia.sk, www.rakuskekulturneforum.sk/program/ Opern und Operetten Das Metropolitan Orchester Bratislava: Operettengruß... 13.4., 17:00, Bratislava - DPOH Stadttheater Einen Operettengruß aus der Mittelslowakei bereiten die Solisten der Staatsoper in Banská Bystrica: Oľga Hromadová und Dušan Šimo. Das Konzert wird von Pavol Tužinský dirigiert. Die Sopranistin Oľga Hromadová debutierte in der Rolle der Lauretta in Puccinis Gianni Schicchi. Bisher spielte sie mehr als 70 Rollen in Oper-, Operetten- und Musical-Produktionen und absolvierte viele Auslandstourneen wie z.B. nach Österreich, Zypern, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Japan. Information: www.mob.sk Oper: Piotr Beczala 25.4., 19:30, Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Piotr Beczala ist als einer der beeindruckendsten lyrischen Tenöre anerkannt. Sein Publikum und die Kritiker schätzen ihn nicht nur für die Schönheit seiner Stimme, sondern auch für die innige Wiedergabe einzelner Rollen. Im Konzert in Bratislava singt er beliebte Opernarien aus der Opern-Weltliteratur, sowie Arien aus Opern slawischer Komponisten. Information: www.snd.sk http://www.snd.sk/?cinohra&predstavenie=piotr-beczala

Konzerte Jozef Bednáriks Chanson Abend 15.4., 19:30, Bratislava – Theater Nová scéna Einen Abend voller Poesie, Musik und starker Emotionen verspricht Jozef Bednáriks ChansonAbend mit Andrea Zimányiová und ihren Gästen – Lukáš Pišta und Pavel Plevčík. Information: www.nova-scena.sk/program. php?work=performance http://www.nova-scena.sk/podujatia/detail/sansonovy-vecer-jozefa-bednarika-s-andreou-zimanyiovou-a-jej-hostami-100.html

Anthony Strong 17.4., 20:00, Bratislava Konzertsaal des Slowakischen Rundfunks Der englische Sänger, Pianist und Komponist Anthony Strong steht erst am Anfang seiner Karriere, alles deutet jedoch darauf hin, dass ihn eine spannende Zukunft erwartet. Der legendäre BB King sagte über ihn, dass er wirklich gute Musik mache, und Rod Stewart bestätigte, dass seine Arbeit erstaunlich sei. In der slowakischen Hauptstadt präsentiert sich das junge Talent in Begleitung von Gustav Broms Big Band unter der Leitung des Dirigenten Vlado Valovič. Information: www.anthonystrong.co.uk/live-dates.html http://www.anthonystrong.co.uk/

La Gioia 29.4., 19:00, Bratislava – Kulturhaus „Zrkadlový háj“ La Gioia ist eine Gruppe von drei Sängern, die beliebte Songs im Stil des Belcanto interpretieren. Sie präsentieren die Musikart Pop-Oper, die Pop-Musik und Operngesang kombiniert. Das Repertoire des Trios besteht nicht nur aus der Weltmusikszene, sondern auch aus Modifikationen der berühmtesten slowakischen und tschechischen Hitparaden. Aus dem Italienischen übersetzt bedeutet La Gioia Freude – gerade die verteilt das Trio mit seinem unverwechselbaren spanisch-italienischen Temperament und der für die slowakische Musikszene einzigartigen musikalischen Vorstellung. Information: www.lagioia.sk/sk/live http://www.lagioia.sk/sk/foto/zlata-platna-pre-la-gioia

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KULTUR

chen ihm vollkommen aus, um die Welt und seine Sicht darauf zu beschreiben. „Ich glaube, dass man mit sehr wenigen Mitteln ganz grundlegende Aussagen schaffen kann.“ Stanzels Bilder entstehen zuerst im Kopf – Gefühle und Befindlichkeiten haben im Bild nichts verloren, sondern weichen einem eigenen Vokabular. Von Anfang an geht es ihm um Materialien und Texturen sowie deren Komposition in einem vorgegebenen Bezugsrahmen. So entstehen Bildskulpturen, die die Malerei hinter sich lassen, doch nie die horizontalen und vertikalen Grenzen. Sein Minimalismus ist dabei nicht hart und geometrisch. Im Gegenteil, höchste Lebendigkeit drückt sich durch Falten, Risse, Schnitte etc. aus. Information: www.rakuskekulturneforum.sk/program/ Ballett Felix Mendelssohn-Bartholdy, Youri Vámos: Ein Sommernachtstraum 11.4., 12.4., 14.4., 19:00, Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Die ursprüngliche Geschichte des Theaterstücks von William Shakespeare erzählt die Abenteuer vier Verliebter aus Athen, einer Gruppe von Amateurschauspielern, Elfen und Feen, in einem dunklen Wald am Rande der Stadt. Youri Vámos stellt in seiner Ballettkomödie den Einklang als auch das Chaos zweier Welten vor – der Geister und der Menschen. Die Antike und die imaginäre Welt der Phantasie verschiebt er in die Gegenwart, in die Welt der heutigen jungen Leute und ihrer Alpträume. Information: www. snd.sk Vorträge Poetische Landschaften bei Georg Trakl 10.4., 18:00, Bratislava - Comenius Universität Prof. Dr. Rüdiger Görner (Salzburg) Der Vortrag findet anlässlich des 100. Todestages von Georg Trakl, des österreichischen Dichters des Expressionismus mit starken Einflüssen des Symbolismus, statt. Prof. Rüdiger Görner (Queen Mary University of London, Universität Salzburg) ist ein international bekannter Trakl-Spezialist, Autor von zahlreichen Studien zur österreichischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und Träger des Deutschen Sprachpreises (2012). Der Vortrag gehört zur Reihe der kultur- und medienwissenschaftlichen Vorträge „Pressburger Akzente“, die vom Institut für Germanistik, Niederlandistik und Skandinavistik der Comenius-Universität organisiert werden. In deutscher Sprache. Information: www.rakuskekulturneforum. sk/program/ Ausstellungen Rudi Stanzel 8.4., 18.00, Bratislava - Österreichisches Kulturforum Rudi Stanzel entschied sich schon während des Studiums, innerhalb der Malerei eine klare Grenze zu ziehen. Schwarz, Weiß, Horizontal und Vertikal: Diese Mittel, ohne Pinsel eingesetzt, rei-

http://www.landesmuseum.at/uploads/tx_templavoila/Portraet_Rudi_Stanzel.jpg

Messen Autosalon 8.-13.4., Bratislava – Incheba Besucher des Autosalons Bratislava können sich auf Neuigkeiten slowakischer Automobilhersteller sowie auch auf exklusive Modelle vom Genfer Autosalon freuen. Die Ausstellung bietet ein buntes Rahmenprogramm, z.B. eine Crash-Test-Vorführung, die zeigt, wie sich Autos bei einem Unfall verhalten. Beliebige Modelle kann man natürlich auch selber ausprobieren, womöglich können Autokäufer in diesen Tagen auch interessante Angebote bekommen. Information: www.incheba.sk http://www.skoda-auto.sk/SiteCollectionImages/eventy/bratislava-2013/autosalon-ba02.jpg

Freizeit und Sport Nationallauf Devin – Bratislava 13.4., 10:00, Bratislava - Burg Devin oder Lafranconi-Brücke Eine Laufveranstaltung für alle Altersgruppen und Leistungsklassen mit internationaler Beteiligung, an der traditionell über fünftausend Läufer teilnehmen. Information: www.bratislava.sk/kalendar/vismo/akce.asp?id_org= 700021&id=11428&p1=27484 Start: unter der Burg Devin oder unter der Brücke Lafranconi Ziel: Bratislava – Altstadt (Am Zielort werden auch Ergebnisse bekannt gegeben). Strecke: Erwachsene - 11625 m, Kinder - etwa 2600 m http://www.bratislava.sk/kalendar/vismo/akce.asp?id_org=700021&id=11428&p1=27484


Die Location für Konferenzen, Events, Hochzeiten, Teambuildings und Weinverkostungen. Auf Ihren Besuch freut sich Thomas Lechner, Hoteldirektor director@chateau-bela.com.

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Golf am Fuße der Hohen Tatra – Black Stork

Wohin zum Golfen in der Slowakei? Die gigantische Popularität solcher Golfstars wie Tiger Woods hat weltweit das Interesse an diesem Sport gefördert. Gegenwärtig bringt die Golfbranche jährliche Einkünfte von mehr als 70 Milliarden Dollar – mehr als Film- und Musikbusiness zusammen. In der ganzen Welt werden neue Golfplätze gebaut. Text und Foto Miroslava Dulová www.mdgolfphoto.com

Auch in der Slowakei gibt es hervorragende natürliche Bedingungen für das Golfspiel, also könnte dieser Sport der Entfaltung des Fremdenverkehrs förderlich sein. Das größte und meistbesuchte Golfressort ist das Penati bei Senica, mit zwei 18Loch-Plätzen. Außerdem kann man in 3 Ressorts mit je 27 Loch spielen – in Black Ri-

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ver Bernolakovo, Black Stork Veľká Lomnica und im Eurovalley Golf Park Malacky. Vier Clubs bieten das Spiel auf 18-Loch-Plätzen – Tále, Skalica, Welten und Hron sowie acht weitere Golf auf 9-Loch-Plätzen. Die besten und beliebtesten Plätze sind Legend und Heritage im Golfclub Penati. Black River in Bernolakovo gehört zu den

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schwierigsten überhaupt. In Tále und Veľká Lomnica spielt man am Fuße der majestätischen Gipfel der Hohen Tatra. Das größte slowakische Golfressort mit 2 x 18 Loch: • PENATI GOLF RESORT Platz LEGEND, 18 Loch, eröffnet 2012 Platz HERITAGE, 18 Loch, eröffnet 2013 Šajdíkove Humence 443, 905 01 Senica Tel.: +421 917 907 777 E-Mail: reception@penatigolfresort.sk www.penatigolfresort.sk Penati Golf Resort wird zu den besten europäischen Golfplätzen gerechnet, es gehört zu „The Leading Golf Courses Europe“. Der Platz Nicklaus Design Legend Course hat die anspruchsvollen Kriterien bereits 2012 erfüllt, und im Jahr 2013 kam der zweite Achtzehner hinzu – der HERITAGE. Das Penati Golf Resort wurde zugleich zum Vertreter dieser Organisation für Tschechien und die Slowakei. www.leading-golf-europe.com


Zum ersten Mal in der Geschichte des slowakischen Golfes befindet sich auch ein Platz der Slowakei unter den Top 100 Golf Courses of Continental Europe 2014, und zwar der Platz LEGEND (www.top100golfcourses.co.uk) Greenfee von Mo bis Fr 70, Weekend 90 Euro. Drei 27-Loch-Ressorts • BLACK STORK Tatranská 754, 059 52 Veľká Lomnica Tel.: +421 52/ 466 18 06 E-Mail: golf@golfinter.sk www.golftatry.sk Eröffnet 1999, seit 2011 PGA Golf Course. Greenfee von Mo bis Do 60, Weekend 75 Euro.

Penati Golf Resort

• EUROVALLEY GOLF PARK

9 Loch-Golfplatz WHITE, Greenfee von Mo bis Fr auf 18 Loch 30, am Wochenende 40 Euro. Golfplatz SAND und PINE, 18 Loch, Greenfee von Mo bis FR 40, am Wochenende 50 Euro. Továrenská ulica, 901 01 Malacky Tel.: +421 911 243 101 E-Mail: club.malacky@golf.sk www.golf.sk • GOLF AND COUNTRY CLUB Bratislava

- Bernolákovo 9 Loch-Golfplatz PARK, Greenfee von Mo bis Fr auf 18 Loch 35, am Wochenende 55 Euro. Golfplatz BLACK RIVER, 18 Loch, Greenfee von Mo bis Fr 45, am Wochenende 65 Euro. Kaštielska 4, 900 27 Bernolákovo Tel.: +421 2/ 4599 42 21 E-Mail: club.bernolakovo@golf.sk www.golf.sk

Golfplatz Hrubá Borša

Vier 18 Loch-Golfclubs • GOLF AND COUNTRY CLUB HRON

18 Loch-Platz MHC HRON, 976 32 Badín 692 Tel.: +421 918 683 252 E-Mail: golf-hron@golf-hron.sk www.golf-hron.sk Greenfee von Mo bis Do 18/8, FR-SO 28/15 Euro.

Penati Golf Resort


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• GREEN RESORT HRUBÁ BORŠA

Golfclub Borša, 925 23 Hrubá Borša 35 Tel.: +421 911 744 711, +421 911 788 744, +421 902 602 737 E-Mail: info@golfborsa.sk, recepcia@golfborsa.sk www.golfborsa.sk Eröffnet im Juni 2013, Greenfee 24 Euro • RED FOX GOLF CLUB MALÁ IDA

044 20 Malá Ida Tel.: +421 902 634 235, +421 904 970 358 E-Mail: info@malaidagolf.sk www.malaidagolf.sk Penati Golf Resort

• GOLF CLUB SKALICA

Potočná 40/260, 909 01 Skalica Tel.: +421 34/ 698 39 01 E-Mail: club@golfskalica.sk, petrikova@ golfskalica.sk www.golfskalica.sk Greenfee Mo-Fr 40, Weekend 49 Euro.

Tel.: +421 911 824 781, +421 918 383 718 E-Mail: recepcia@golfpiestany.sk, manager@spagolf.sk www.golfpiestany.sk www.spagolf.sk Eröffnet 2004, Greenfee Mo-Fr 17, Weekend 23 Euro.

Platz GRAY BEAR, eröffnet 2002 976 51 Horná Lehota - Tále 100 Tel.: +421 48/ 671 25 11, +421 903 720 887 E-Mail: graybear@tale.sk, stefik@tale.sk, www.golftale.sk • WELTEN 930 30 Báč 113 Tel.: +421 31/ 591 11 11 E-Mail: golf@welten.sk www.welten.sk Der Platz wurde 2007 eröffnet, Greenfee Mo-Do 45, Fr-So 60 Euro

Poľný mlyn, 831 01 Bratislava - Záhorská Bystrica Tel.: +421 948 344 425 E-Mail: golfcarpatia@gmail.com www.golf-carpatia.sk Tageskarte 18 Euro

• GOLF AND COUNTRY CLUB

Kúpeľný ostrov 3612, 921 01 Piešťany

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• GOLFOVÝ KLUB MEANDER

Na stanicu 28, 951 12 Ivanka pri Nitre Tel.: +421 905 200 142 www.golfnitra.sk Gebühr für unbeschränktes Spiel ab 11 Euro

• GOLF CLUB PEGAS LOZORNO

• GOLF TRNAVA

Potočná 942, 900 55 Lozorno Tel.: +421 905 299 396 E-Mail: michaloravec@yahoo.com www.golflozorno.sk www.gcpegas.sk Eröffnet 1998, Greenfee für 18 Loch MoFr 20, Weekend 25 Euro.

Kamenný Mlyn 11, 917 08 Trnava Tel.: +421 917 717 172 E-Mail: info@golftrnava.sk www.golftrnava.sk

J. Milca 6, 010 01 Žilina Tel.: +421 917 477 235 E-Mail: info@golfparkrajec.sk www.golfparkrajec.sk • GOLFOVÝ KLUB ALPINKA

Františkánska 5, 040 01 Košice Tel.: +421 55/ 633 14 71, 918 803 241 E-Mail: ihrisko@golf-alpinka.sk www.golf-alpinka.sk Greenfee für 18 Loch 26.50 Euro

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• KLUB GOLF JELKA

925 23 Jelka www.golf-jelka.sk

• GOLF PARK RAJEC

Acht 9-Loch-Golfclubs • Golfclub AGAMA Nová 774/15, Koš 972 41 Tel.: +421 46/ 5427725 65 20 E-Mail: sekretariat@agamagolf.sk www.agamagolf.sk Der Platz wurde 2012 eröffnet, Greenfee Mo-Do 9-Loch 17, 18 Loch 29 Euro

• GOLF CLUB SCOTLAND

Veľkonecpalská 17, 971 01 Prievidza www.gcscotland.sk

• GOLF CLUB CARPATIA • GOLFCLUB TÁLE

Weitere Golfclubs: • AIRPORT GOLF CLUB Štefánikova 100, 941 11 Palárikovo Tel.:+421 918 555 550 E-Mail: info@airportgolf.sk www.airportgolf.sk

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Oft und gern vergleichen wir uns mit der Tschechischen Republik – dort kann man gegenwärtig in zwei Ressorts mit 36 Loch, in acht mit 27-Loch, auf 39 18-LochPlätzen und sogar 45 9-Loch-Plätzen Golf spielen, insgesamt gibt es also 1395 Loch. In der Slowakischen Republik haben wir viel weniger Golfmöglichkeiten, es gibt nur 261 Loch, aber es bleibt zu hoffen, dass uns der große Aufschwung des Golfsports noch bevorsteht.


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