NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Ausgabe Juni 2014 > Jahrgang 2 > Nummer 06 > EUR 3.50 > www.npz-online.eu
Wer bringt uns den Strom?
Pro & Contra Atomenergie
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NPZ Das deutschsprachige Magazin
Slowaken erobern Österreichs Dörfer
Investoren treffen Andrej Kiska
Wohin für Kultur und Unterhaltung?
Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei
Sauberer Strom für die Slowakei Výbrané články aj po slovensky
Das große NPZ-Interview mit Anton Srholec, Dissident und „Vater der Obdachlosen“
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INHALT
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NPZ Das deutschsprachige Magazin
Inhalt
Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei
IMPRESSUM
TITELTHEMA
NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 2, Nummer 6 - Juni 2014 Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376
SEITE 6 Slowakische Energiepolitik
Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, zum Jahreswechsel und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708 Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.
Sekretariat: DI Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260
NPZ-Interview mit Anton Srholec SEITE 26 Interview mit Anton Srholec
Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik
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WIRTSCHAFT Wirtschaftskriminalität - Hospodárska kriminalita (aj v slovenskom jazyku)
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NACHBARN Slowaken zieht es nach Österreich Interview mit Kittsees Bürgermeisterin SEITE 30 Wirtschaftskriminalität
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SERVICE & ExPERTEN Internationale Schiedsgerichtsverfahren Vergütung von Gesellschaftsorganen
Ständige Mitarbeiterinnen der Redaktion: Mag. Ingrid Blasge, DI Jana Hrbeková, Mgr. Katarína Kironská, Katrin Litschko M.A., Dr. Gabriele Matzner-Holzer, Mgr. Katarína Šujanová Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei.
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POLITIK & GESELLSCHAFT
Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759 Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464
Slowakische Energiepolitik NPZ-Interview Jochen Kley, ZSE (aj v slovenskom jazyku) Slovenské elektrárne Wirtschaftsministerium zur Energiepolitik Gabriele Matzner: Dauerbrenner Energie Greenpeace Slowakei Atomaufsichtsbehörde Von Castor zu Pollux - wirklich sicher? Energiewende in Deutschland (k)ein Vorbild? Fernwärme und Energieeffizienz in der Praxis
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PARTNER SEITE 44 SOHK: Mit Andrej Kiska in Poprad
Advantage Austria: Maschinenbaumesse Nitra DSIHK: Das Fest SOHK: Mit Andrej Kiska in Poprad
KULTUR Kultur auf neuen Wegen: Die Ruhrtriennale Deutsches Sprachdiplom an slowakischen Schulen Spuren deutscher Kultur Veranstaltungen: Tipps & Termine
Grafik: Tomáš Kostka Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 €
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48 52 54 55
Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa Umschlagbild: Shutterstock, Tomáš Kostka
SEITE 48 Die Ruhrtriennale
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Foto des Monats Mikado-Spiel der unerfreulichen Art. Blick auf ein zerstörtes Waldstück in der Hohen Tatra nach dem verheerenden Unwetter Ende Mai. (Foto: SITA/Radoslav Maťaš)
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Slowakische Energiepolitik im Banne der leistbaren Versorgungssicherheit Die Slowakei ist Energieimporteur. Dies gilt für Strom und Energieträger. Mit dem Ausbau der Kernkraft, Nutzung der Potentiale der erneuerbaren Energieträger und Steigerung der Energieeffizienz soll das geändert werden. Ziel ist eine höchstmögliche Versorgungssicherheit zu für die Bevölkerung vertretbaren Preisen. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin nicht. Dazu gibt es zu viele Unsicherheitsfaktoren wie Gaslieferungen durch die Ukraine und generelle Umbrüche im Energiemarkt (Stichwort „Energiewende“). Die Folge sind unzählige Gesetzesänderungen und eine Vielzahl von „Strategien“ und „Plänen“, die sich oft als kurzlebig und widersprüchlich erweisen. Text und Fotos: Bernhard Hager (Dvořák Hager & Partners, advokátska kancelária, s.r.o.)
Energiemix Im Jahr 2011 wurde der Gesamtenergieverbrauch zu 26% aus Erdgas, 22% aus Kohle, zu 22% aus Kernenergie, zu 21% aus Rohöl und zu 9% aus Alternativenergie (einschließlich Wasserkraft) sichergestellt. Insgesamt wurden im Jahr 2012 28.393 GWh Elektrizität erzeugt. 53,8% davon stammen aus Kernkraftwerken, 18,1% aus kalorischen Kraftwerken, 15,5% aus Wasserkraft, 2,0% aus Solarenergie, 9,6% aus sonstigen Quellen und 1,4% wurden importiert.
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Versorgungssicherheit Die Slowakei ist zu 90% auf den Import von Energieträgern angewiesen. Die Versorgungssicherheit soll durch eine Verbesserung der Versorgungswege und Erschließung neuer – lokaler – Energiequellen – gesteigert werden. Neben der Pflege der traditionell guten Beziehungen zu Russland und der Ukraine soll die Infrastruktur für Gas- und Ölpipelines nach Ungarn, Österreich und Tschechien verbessert werden. Seit November 2011 ist es beispielsweise möglich, Gas in der „Gegenrichtung“ von Tschechien in die Slowakei zu leiten. Ähnlich die Pläne für die noch zu er-
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richtende Ölpipeline zwischen der Slowakei und der Raffinerie Schwechat in Österreich. Die Versorgungssicherheit soll auch durch lokale alternative Energieträger gestärkt werden. Allerdings wurden Sonne und Wind als unsichere, wetterabhängige Energieträger, und somit als Gefahr für die Netzstabilität qualifiziert. Somit bleiben nur noch lokale Abfälle und Biomasse als alternative Energieträger. Energieeffizienz Die Steigerung der Energieeffizienz bietet in der Slowakei noch enorme Einsparpotenziale. Derzeit ist die Mehrheit der Gebäude noch nicht isoliert. Hält der in den letzten Jahren eingeleitete Trend an, so werden im Jahr 2020 ca. die Hälfte, und 2030 die Mehrheit der Gebäude isoliert sein. Umstellung der Beleuchtung auf LED, „smart metres“ und Aufklärungskampagnen sollen die Energieeffizienz insgesamt steigern. Nachhaltigkeit Schlagwörter wie „Nachhaltigkeit“ und „low carbon industry“ finden sich auch in den slowakischen Energieprogrammen. Die Ziele einer nachhaltigen Energieentwicklung sollen über eine Steigerung emissionsarmer bzw.
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emissionsfreier Technologien für die Stromerzeugung, wie insbesondere die Kern- und Wasserkraft bzw. sonstige alternative Energieträger, Einsatz von Erdgas und Unterstützung der lokalen Fernheizwerke erreicht werden. Zur Nachhaltigkeit sollen auch der für die Industrie verpflichtende Emissionshandel und die Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie beitragen. Kernenergie Kernenergie wird in den verschiedenen Regierungsprogrammen als wesentlicher Pfeiler für die Umsetzung einer emissionsfreien Energieerzeugung betrachtet. Bis zur Schließung der zwei Blöcke im Kernkraftwerk Jaslovské Bohunice (2x440 MW) in den Jahren 2006 und 2008 hatte die Slowakei einen Stromüberschuss und exportierte sogar Strom. Mit der Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 in Mochovce Ende 2014 bzw. 2015 soll die Stromversorgung wieder ohne Importe gesichert sein. Die Regierung favorisiert weiter die Errichtung eines Kernkraftwerks am – teilweise stillgelegten – Standort Jaslovské Bohunice, allerdings sind viele Fragen bzgl. Investor, Bedarf, Finanzierung etc. unbeantwortet und somit noch unklar, ob und wann das Projekt tatsächlich umgesetzt wird. Alternativenergie Die Slowakei hat sich gegenüber der EU verpflichtet, bis 2020 14% des slowakischen Energiebedarfs durch Alternativenergie zu decken. Im September 2009 ist das Gesetz 309/2009 in Kraft getreten, das einen 15jährigen Einspeisetarif für Ökostromanlagen vorsieht. Das Gesetz und die vom Regulator bestimmten Einspeisetarife machten aus der Slowakei kurzzeitig ein Eldorado für Fotovoltaikanlagen. Aus Angst vor hohen Strompreisen und Instabilität des Netzes hat der Gesetzgeber kurzerhand per 1.7.2011 die Förderung von Fotovoltaikanlagen abgeschafft. Nicht betroffen davon sind Anlagen, die vor dem 1.7.2011 an das Netz gingen und Dachanlagen. Letztere werden mittlerweile aber auch nur mehr bis zu einer Kapazität von 10kW gefördert. Da der Übertragungsnetzbetreiber SEPS bisher aus Angst vor Spannungsschwankungen im Netz keine Zustimmung zu Windkraftanlagen erteilt hat, spielt die Windenergie bis
dato keine Rolle in der slowakischen Energiewirtschaft. Geplant ist, künftig – irgendwann - Lizenzen für Windkraftanlagen im Rahmen einer „Rückwärtsauktion“ („holländische Auktion“) zu versteigern. Im Jahr 2011 hat die Regierung das „Konzept für die Nutzung des hydroenergetischen Potentials“ beschlossen, das eine Vielzahl möglicher Standorte für Kleinwasserkraftwerk definierte. Bis 2020 sollen Wasserkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 850 MW errichtet werden. Aufgrund der komplizierten Genehmigungsverfahren, Einsprüche der Fischer und der fraglichen Wirtschaftlichkeit ist der vorausgesagte Wasserkraftboom bis heute allerdings ausgeblieben. Die Gegenwart und Zukunft der Alternativenergie liegt somit in der Biomasse und Abfallverwertung. Nach dem aktuellen Abfallwirtschaftsplan soll 2015 das Deponierungsverbot für unbehandelten Hausmüll eingeführt werden. Allerdings gibt es bis heute kaum Verbrennungskapazitäten und aufgrund der langwierigen Genehmigungsverfahren und hohen Kosten ist anzunehmen, dass auch in der nahen Zukunft die notwendigen Kapazitäten fehlen werden. Mit dem im Juli 2013 von der Regierung verabschiedeten „Konzept für die Entwicklung von kleinen Alternativenergieanlagen“ wurde allgemein der Ausbau der Alternativenergie gestoppt. Ohne umfassenden Netzausbau wäre es nicht möglich, weitere Anlagen an das Netz zu nehmen. Insbesondere bis 2016 bzw. bis zum Ausbau neuer Netzkapazitäten
auf der Achse Slowakei-Ungarn können laut Regierung keine neuen Anlagen an das Netz angeschlossen werden. Demzufolge sollen künftig nur noch Anlagen bis einer Kapazität von 10kW durch Netzanschluss und Einspeisetarife gefördert werden. In der Folge haben alle drei regionalen Energieversorger im Dezember 2013 angekündigt, bis auf Widerruf keine Anträge auf Netzanschluss von Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 10kW anzunehmen. Die Vorgangsweise der Energieversorger hat allerdings keine gesetzliche Deckung und wäre gegebenenfalls bekämpfbar. Fernwärme Insbesondere in den 1970ern und 1980ern Jahren wurden in der Slowakei die Fernwärmenetze massiv ausgebaut. Heute sind die Netze vielfach veraltet. Zwar ist der Großteil der Heizkessel weniger als 15 Jahre alt, der Großteil der installierten Kapazität ist allerdings bereits älter als 20 Jahre und es sind große Investitionen erforderlich, um ab 2016 (bzw. 2022 bei Ausschöpfung aller Ausnahmen aus der Industrieemissionsrichtlinie) die Emissionsvorschriften zu erfüllen. Gerade in den letzten 10 Jahren haben viele Haushalte auf alternative Energieträger wie Gas oder Kohle umgestellt, wodurch die Kapazitäten der Fernwärmenetze nicht ausgenützt werden. Nach Ansicht der Regierung sollen der Einsatz von Alternativbrennstoffen und Nutzung von Industrieabgasen sowie die Beseitigung von administrativen Bürden die Fernwärme für den Bürger weiter attraktiv halten.
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"Die Ausbildung der Fachkräfte ist das große Manko der Slowakei" NPZ: Herr Kley, wie sind Sie in die Slowakei gekommen? Jochen Kley: Wenn man Teil einer großen Firmengruppe wie E.ON ist, wird von einem erwartet, dass man nach ein paar Jahren die Position wechselt. Ich arbeite seit über 20 Jahren bei E.ON. Die letzten 7 Jahre war ich verantwortlich für das Konzern-Controlling und Konzern-Planning in Düsseldorf. Davor war ich 7 Jahre Managing Direktor der E.ON Netzgesellschaft mit Sitz in Bayreuth. Die Slowakei war eine Option, die aufgrund der geographischen Lage attraktiv war. Bratislava liegt in einem Vierländer-Eck, man erreicht viele Großstädte, sogar die deutsche Grenze, relativ schnell. Wie geht es Ihnen mit der Sprache und dem Leben in Bratislava? Meine Frau und ich wohnen jetzt seit knapp zwei Jahren in Bratislava. Der Anfang, bis wir erste Kontakte knüpften, war für uns beide nicht ganz einfach. Die Sprache ist nicht leicht zu lernen. Aber das liegt nicht so sehr an der Sprache, sondern mehr an mir. Ich bin ein eher mathematisch, nicht sprachlich orientierter Mensch. Auf der anderen Seite bin ich überrascht, wie stark hier die deutsche und englische Sprache vertreten ist. Das ist ein großer Vorteil, trägt aber wenig zur Motivation bei, Slowakisch zu lernen. Mittlerweile haben wir uns aber sehr gut eingelebt.
Die "NPZ - Neue Pressburger Zeitung" sprach mit dem aus Deutschland stammenden Generaldirektor der ZSE, Jochen Kley, über den slowakischen Strommarkt, das wirtschaftliche Umfeld für ausländische Investoren in der Slowakei und seinen persönlichen Weg an die Spitze des führenden slowakischen Stromanbieters im Land. Text: Katarína Kironská und Christoph Thanei, Fotos: ZSE
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Wie nützen Sie Ihre Freizeit hier? Ich bin auch sehr positiv überrascht, wie sicher und freundlich Bratislava ist. Meine Frau geht sogar abends alleine in die Stadt, das könnte sie zum Beispiel in Berlin nicht überall machen. Mein letzter Urlaub war vor einem Jahr. Wir
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waren Wandern in der Hohen Tatra. Ich muss sagen, die Slowakei ist zwar ein kleines Land, hat aber touristisch außer einer Meeresküste unheimlich viel zu bieten! Und wenn man noch dazu den ganzen Raum, also nicht nur Bratislava, sondern auch die Länder und Städte, die die Hauptstadt umgeben, nutzen lernt, dann kann man sich wirklich nicht beklagen. Wir haben auch schon überlegt, ob wir je wieder nach Deutschland zurückziehen. Dieses 4-Länder-Eck bietet schon einen ziemlich großen Reiz. Die ZSE ist ursprünglich aus einem regionalen staatlichen Monopol entstanden. Ist davon noch etwas zu merken? ZSE ist als Netzverteiler nach wie vor eine Monopolfirma. Das Netz steht unter der Kontrolle der staatlichen Regulierung, ob staatlich oder nicht, macht dafür nicht so einen großen Unterschied. Die Rahmenbedingungen für das Netz sind mehr oder weniger die gleichen. Zu Veränderungen kam es jedoch im Vertrieb aufgrund des Unbundling, was bedeutet, dass gemäß EU-Regeln und staatlichen Gesetzen Netz und Vertrieb getrennt werden mussten. In der Slowakei können die Kunden heute zwischen 20 unterschiedlichen Anbietern wählen. Wie kommen Sie mit diesem Konkurrenzumfeld der Anbieter zurecht? Das Konkurrenzumfeld als Anbieter ist für uns ein ganz anderes als im Netz. Im Netz ist es wichtig, mit dem Regulierer, der die Vorgaben macht, ein Einvernehmen zu erzielen. Im Vertrieb muss man schauen, wie man die Kunden hält. Dafür muss man interessante und günstige Angebote erstellen. Um dem Konkurrenzdruck beim Strom etwas entgegenzuwirken, sind wir vor zwei Jahren auch ins Gasgeschäft eingestiegen. Da haben wir zur Zeit einen Marktanteil von zwei Prozent. Ähnlich wie andere ins Stromgeschäft einsteigen, versuchen wir als Gasanbieter mit dem Schwerpunkt Westslowakei, unseren Kunden attraktive Angebote anzubieten.
Wird die Auswahlmöglichkeit bei den Strom-Anbietern in erster Linie von großen Firmen genützt? Dies ist auch durch das Unbundling bedingt, das ja ein stufenweiser Prozess war. Zuerst durften die großen Firmen wählen. Sie haben einerseits die entsprechenden Kapazitäten und andererseits sind sie im ständigen Konkurrenzkampf. Mit der Zeit wächst aber auch die Zahl der Haushaltskunden, die bewusst wählen. Unsere Wechselrate liegt bei bis zu 5 Prozent pro Jahr. Ich vermute, sie wird sich mit der Zeit dem europäischen Durschnitt anpassen. Die Leute merken immer mehr, dass es Wettbewerb gibt und dass ein Wechsel relativ einfach ist. Sie können den Wechsel unkompliziert im Internet vollziehen, indem Sie einen Wettbewerber auswählen und Ihre Zählerkundennummer angeben.
Das geht in der Slowakei nicht so schnell wie z.B. in Österreich oder in Deutschland. Grüner Strom ist nicht billig und deshalb müssen sich das Land und die Bevölkerung die Schritte bewusst überlegen. Der heutige Strompreis bewegt sich zwischen 35 und 36 Euro pro Megawattstunde. Nehmen wir zum Vergleich die Solarenergie, die in der Slowakei stark vertreten ist. Wenn man der Photovoltaik einen Preis bis zu 430 Euro pro Megawattstunde garantiert, was denken Sie, wer die Differenz bezahlt? Natürlich Sie als Kunde. Außerdem ist für die Slowakei wichtig, dass Arbeitsplätze, soweit es geht, erhalten bleiben. Bei einer Arbeitslosenquote von 14 Prozent ist sehr zu überlegen, ob man große Investoren mit hohen Energiepreisen vertreiben will. Es ist wichtig, eine Balance zu finden.
Ist für einen Wechsel der Preis der entscheidende Faktor? Bei Großkunden, die relativ selbständig sind und all die anderen Services selber haben, geht es schon hauptsächlich um den Preis. Bei kleineren Firmen und Haushaltskunden ist das Gesamtpaket entscheidend. Das bedeutet, wir bieten jetzt auch Zusatzleistungen an. Die zurzeit aktuellste, die man auch überall auf den Billboards sehen kann, sind verschiedene Versicherungsleistungen. Wir bieten unseren Kunden unter anderem die Garantie, dass sie im Falle eines Unfalls Hilfe bekommen. Diese Zusatzleistung ist für den Kunden freiwillig, bedeutet aber eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Für den Kunden lohnt es sich und wir behalten ihn damit weiterhin bei uns. Wir sind also schon ständig am Überlegen: Was kann ich anbieten, um das Angebot noch attraktiver zu gestalten? Denn nur der Kampf um den Preis alleine genügt nicht. Der wird in der Slowakei sowieso vom Regulierer begrenzt. Die Strom- und Gaspreise für Haushaltskunden und kleine Gewerbebetreibende werden in der Slowakei durch den Regulierer festgelegt.
Warum ist in der Slowakei der Strom so teuer? Wir produzieren den Strom ja nicht selbst, sondern kaufen ihn auf Strombörsen ein. Unser Einfluss auf den Preis ist damit beschränkt, wir können aber frei entscheiden, wo wir welchen Strom kaufen. Die Stromnetze sind ja grenzüberschreitend verbunden. Nun aber zu Ihrer Frage. Die müssen wir differenziert betrachten. Bei den Haushaltskunden liegt die Slowakei nach den neuesten Aussagen von Eurostat unter dem europäischen Durchschnitt. Bei den Industriestrompreisen sieht es allerdings anders aus. Hier gehört die Slowakei mit zu den teuersten Ländern in Europa. Dies liegt hauptsächlich an den Subventionen für erneuerbare Energien, Kohle und Atomenergie, die im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern auch in den Industriestrompreisen enthalten sind.
In Deutschland ist die Energiewende ein großes Thema. Wie läuft es in der Slowakei mit dem Umstieg auf grünen Strom?
Versucht E.ON als Gesellschafter der ZSE nicht auch die deutsche Energiewende in die Slowakei zu bringen? E.ON ist in der ZSE Minderheitsgesellschafter mit operativer Führung. Wir sind in einer sehr engen Zusammenarbeit mit der Staatsvertretung, die 51 Prozent der Aktien besitzt. Ich kann mich an keine wichtige Entscheidung erinnern, die
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Dipl.-Kfm. Jochen Kley (7.10.1959) studierte Wirtschaft in Mannheim. Nach ersten Erfahrungen in verschiedenen Firmen wie PreussenElektra in Hannover kam er im Jahr 2000 zu E.ON, zunächst in Bayreuth (Managing Director), dann Düsseldorf (Senior Vice President Corporate Planning and Controlling). Seit 2012 Vorstandsmitglied bei Západoslovenská energetika, a.s. (ZSE) in Bratislava, seit Dezember 2013 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor. Hobbys: Reisen, Golf, Politik
nicht im Konsens getroffen wurde. E.ON als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen ist nicht in der Position des Botschafters der deutschen Energiepolitik. Wir versuchen aber schon, in die Richtung der Energieeffizienz zu gehen. Im Herbst soll ein Gesetzesentwurf kommen, wodurch es für die Slowakei Förderungen aus der EU geben soll. Das heißt, wenn jemand z.B. sein Haus isoliert und damit zur Energieeinsparung beiträgt, kann er einen Zuschuss bekommen. Damit ergeben sich attraktive Möglichkeiten für unsere Kunden. Nach den EU-Direktiven können in der Slowakei bis zu 14% an erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist werden. Welchen Energiemix bietet ZSE? Wir kaufen unseren Strom wie gesagt an den Strombörsen. Trotzdem erhält auch unser Strom im Durchschnitt den 14-prozentigen Anteil an erneuerbaren Energien erzeugt in der Slowakei. Es ist schwer zu sagen, welcher Kunde welchen Teil des Stroms bekommt, der Strom hat ja kein Etikett. Neben der erneuerbaren Energie inklusive Wasserkraft wird der Strom aus Gas, Kohle und zu einem Großteil aus Nuklearenergie erzeugt. Ein breiter Energiemix ist sicher von Vorteil, um einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren.
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Wie sind Sie mit der Zahlungsmoral der slowakischen Kunden zufrieden? Eigentlich sehr. Natürlich kommt es vor, dass Kunden, oft auch aus Versehen, nicht bezahlen. Bis jetzt haben wir jedoch immer eine Lösung gefunden. Was wir etwas störend finden, ist die Zahlungsmoral einiger staatlichen Institutionen, z. B. der Krankenhäuser. Es ist sicher nachvollziehbar, dass wir einem Krankenhaus nicht einfach den Strom abstellen können. Denn das geschieht, wenn jemand trotz Mahnung nicht bezahlt. Ob es um eine Firma oder einen Haushalt geht, alle werden gleich behandelt. Bei den Krankenhäusern brauchen wir eine etwas größere Überzeugungskraft. Haben sie auch Erfahrungen mit illegalen Stromabnahmen gemacht? Wenn man eine Million Kunden am Stromnetz hat, kann auch so etwas passieren. Es gibt aber Länder, in denen die Netzverluste zweimal so hoch sind wie in der Slowakei. Hier sind es 7 Prozent. Das ist nicht schlecht, denn das meiste davon machen die technischen Verluste aus. Die physischen Verluste beim Transport des Stromes kann man nicht vermeiden. Der Rest sind ökonomische Verluste, darunter auch die illegalen Stromabnahmen. Sie engagieren sich zunehmend im Bereich der E-Mobilität. Welche Zukunft hat die für Sie?
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Die ZSE beteiligt sich an mehreren, länderübergreifenden Programmen zu E-Mobilität. Derzeit wäre ein groß angelegter Umstieg aber für die Konsumenten noch zu teuer. Für wenige Kunden lohnt es sich aber noch nicht, ein großflächiges Netz an Versorgungsstellen aufzubauen. Es muss erst ein zusätzlicher Anreiz kommen, E-Mobile müssen ausreichend attraktiv für die Kunden werden. Wenn es einmal so weit ist, wird die Entwicklung dann sehr schnell gehen. Und auf diesen Zeitpunkt müssen wir vorbereitet sein. Wie sind Sie in der Slowakei mit dem Umfeld zufrieden, das hier für ein Unternehmen wie Ihres geschaffen wird? Ich nehme natürlich schon wahr, dass sich einige über die Bedingungen hier beschweren, aber ich kann mich zum Glück nicht beklagen. Es gibt jedoch einen Punkt, in dem ich mittelfristig Schwierigkeiten sehe, und das ist die Ausbildung. Früher gab es hier das Konzept der Schulausbildung kombiniert mit einer Ausbildung im Betrieb. Das war vergleichbar mit der dualen Ausbildung in Deutschland. Wahrscheinlich hat man dies im Zug der rapiden Entwicklung des Staates aus den Augen verloren. Gerade im technischen Bereich ist es sehr ambitioniert, ausreichend qualifizierte Personen zu bekommen. Heute gibt es eine Menge studierter Leute, die auch motiviert sind, die aber nie eine Schraube in der Hand gehalten haben, und das ist gerade im technischen Bereich ein Problem. Die Mitarbeiter, die wir neu einstellen, müssen wir zum Teil selbst ausbilden. Dabei bietet die Slowakei inmitten Europas einen guten Standort um erfolgreich Geschäfte zu machen.
Das Unternehmen: Západoslovenská energetika, a.s. (ZSE) gehört seit 2002 zu 49 Prozent der deutschen E.ON-Gruppe, zu 51 Prozent der Slowakischen Republik (Nationalvermögensfonds FNM). Die Tochterunternehmen ZSE Energia, a.s., und Západoslovenská distribučná, a.s., sind für den Strom- und Gasvertrieb und das Stromnetz zuständig.
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„Chýbajúce praktické vzdelanie odborných síl je veľkým nedostatkom Slovenska“ Mesačník “NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ sa zhováral s generálnym riaditeľom ZSE, Jochenom Kleyom, o témach ako je slovenský trh s elektrickou energiou, podnikateľské prostredie, ktoré pre zahraničných investorov Slovensko vytvára a jeho osobná cesta na vrchol popredného slovenského poskytovateľa elektrickej energie. Text: Katarína Kironská a Christoph Thanei, Fotografie: Tomáš Kostka
NPZ: Pán Kley, ako ste sa dostali na Slovensko? Jochen Kley: Keď ste súčasťou veľkej firemnej spoločnosti, akou je E.ON, očakáva sa, že po niekoľkých rokoch zmeníte pracovnú pozíciu. Ja pracujem pre E.ON vyše 20 rokov. Posledných 7 rokov som mal na starosti kontrolu a plánovanie v Düssel-
dorfe. Počas siedmych rokov pred tým som bol v pozícii výkonného riaditeľa spoločnosti E.ON so sídlom v Bayreuthe. Slovensko bolo jednou z možností, ktoré sa mi otvorili a ktorú som z hľadiska geografickej polohy považoval za vcelku výhodnú. Bratislava sa nachádza na rozhraní štyroch krajín, v tesnej blízkosti mnohých európ-
skych veľkomiest, dokonca aj nemeckej hranice. Ako ste si poradili s jazykom a životom v Bratislave? S manželkou bývame v Bratislave takmer dva roky. Začiatky neboli jednoduché, najmä kým sme nenadviazali prvé kontak-
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je nič, čo by svojím návštevníkom nemohla ponúknuť! A keď sa k tomu naučíte využívať celý priestor, teda nielen Bratislavu, ale aj krajiny a mestá, ktoré ju obklopujú, potom naozaj nie je dôvod na sťažnosti. Je otázne, či sa vôbec niekedy budeme chcieť vrátiť do Nemecka. Skutočnosť, že sa tu stretávajú hranice hneď niekoľkých štátov, je pre nás veľmi lákavá.
Dipl.-Kfm. Jochen Kley (7.10.1959) vyštudoval ekonómiu v Mannheime. Po prvých skúsenostiach z rôznych firiem ako napr. PreussenElektra v Hannoveri, sa v roku 2000 dostal do spoločnosti E.ON, pre ktorú pôsobil najprv v Bayreuthe (Managing Director), neskôr v Düsseldorfe (Senior Vice President Corporate Planning and Controlling). Od roku 2012 je členom predstavenstva Západoslovenskej energetiky, a.s. (ZSE) v Bratislave a od roku 2013 pôsobí na poste predsedu predstavenstva a generálneho riaditeľa. Záľuby: cestovanie, golf, politika.
ty. Ani jazyk sa neučí ľahko, ale to nie je chyba jazyka, skôr moja. Myslím, že som človek orientovaný viac na počty, ako na reči. Musím však povedať, že som prekvapený, ako silno sú tu nemčina a angličtina zastúpené. Je to obrovská výhoda, avšak k motivácii naučiť sa slovenčinu vôbec neprispieva. Medzičasom sme sa so Slovenskom dobre zžili. Ako využívate svoj voľný čas? Tiež som príjemne prekvapený, aká bezpečná je Bratislava. Moja žena napr. chodí večer sama do mesta. To by v Berlíne mohla len málokde. Poslednú dovolenku som mal asi pred rokom. Boli sme na turistike vo Vysokých Tatrách. Slovensko je síce malá krajina, mimo morskej pláže však nie
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ZSE pôvodne vzniklo z regionálneho štátneho monopolu. Je z toho ešte niečo badať? ZSE je v oblasti dodávania elektrickej energie stále monopolom. Sieť je pod dozorom štátnej regulácie, preto nevzniká žiaden významný rozdiel medzi spoločnosťou, ktorá je štátna a takou, ktorá nie je. Všeobecné podmienky pre rozvodovú sieť sú viac-menej rovnaké. Zmeny však nastali v oblasti distribúcie a to v dôsledku tzv. unbundlingu, čo znamená, že sa v súlade s pravidlami EÚ a štátnymi zákonmi sieť oddelila od predaja. Na slovenskom trhu si tak zákazník môže vybrať z vyše 20 rôznych poskytovateľov. Aké je spomínané konkurenčné prostredie poskytovateľov elektrickej energie? Konkurenčné prostredie poskytovateľa je pre nás úplne odlišné od toho v sieti. V sieti je dôležité dôjsť k zhode s regulátorom, ktorý vytvára pravidlá. V oblasti distribúcie je prvoradé udržať si zákazníka. Nato je potrebné vytvárať zaujímavé a výhodné ponuky. Pre vyrovnanie konkurenčného tlaku v oblasti elektriny, sme sa pred dvomi rokmi rozhodli vstúpiť do obchodu s plynom. Na danom trhu máme momentálne dvojpercentný podiel. Podobne, ako iní vstupujú do obchodu s elektrinou, tak sa teraz my, ako jeden z dodávateľov plynu so zameraním na západné Slovensko, snažíme pre klientov vytvárať atraktívne ponuky. Kto prioritne využíva možnosť voľby medzi poskytovateľmi elektrickej energie? Toto je tiež podmienené procesom postupného oddeľovania siete od obchodu. Keďže veľké spoločnosti disponujú po-
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trebnými kapacitami a sú tiež v neustálom konkurenčnom boji, mohli si vyberať ako prvé. Pomaly však rastie aj počet domácností, ktoré využívajú možnosť výberu. Naša percentuálna medziročná zmena sa pohybuje vo výške do 5 percent. Predpokladám, že postupom času bude rásť a prispôsobí sa európskemu priemeru. Napokon, ľudia si konkurenčný boj i fakt, že zmena je pomerne jednoduchá, stále viac uvedomujú. Zmenu je možné vykonať celkom jednoducho cez internet. Len zaškrtnete jedného z poskytovateľov a zadáte svoje zákaznícke číslo uvedené na elektromere. Je v prípade zmeny rozhodujúcim faktorom cena? V prípade veľkých, pomerne samostatných spoločností, väčšinou áno. Ak je zákazníkom menšia firma alebo domácnosť, rozhodujúci je balíček služieb. Najnovšie sa zameriavame na ponuku dodatkových služieb. Našou najaktuálnejšou službou je poistenie, čo si možno všimnúť aj na plochách okolitej veľkoplošnej reklamy. Svojim klientom ponúkame záruku, že v prípade nehody bude o nich náležite postarané. Táto dodatková služba je dobrovoľná, ale výhodná pre obe strany. Zákazníkovi sa oplatí z hľadiska ceny i ponúkanej služby a my si ho tak aj naďalej udržíme. Ako popredný dodávateľ elektriny neustále uvažujeme, čo môžeme ešte ponúknuť, aby bola ponuka čo najatraktívnejšia? Samotný boj o cenu nemá zmysel. O tej na Slovensku rozhoduje regulátor. Ceny elektriny a zemného plynu pre domácnosti a drobných podnikateľov sú na Slovensku definované regulátorom. Nemecko sa vo veľkom zaoberá tematikou prechodu na obnoviteľné zdroje. Ako sa v tomto smere vyvíja Slovensko? Postup nie je taký rýchly ako napr. v Rakúsku alebo Nemecku. Takýto druh elektriny nie je lacný. Krajina i obyvateľstvo si prípadné vyradenie jadrovej energie musí dobre zvážiť. Aktuálna cena elektrickej energie sa pohybuje medzi 35 a 36 euro za jednu megawatthodinu. Pre porovnanie si vezmite slnečnú energiu, ktorá má na Slovensku silné zastúpenie.
HLAVNÁ TÉMA
Ak podporíte jednu mehawatthodinu fotovoltaiky sumou do 430 euro, čo si myslíte, kto zaplatí zvyšok? Samozrejme, že Vy, ako zákazník. Okrem toho je pre Slovensko, pri súčasnej 14-percentnej miere nezamestnanosti, dôležité, aby pracovné miesta zostali zachované. Odohnanie veľkých investorov s vysokými cenami energií je preto hodné zváženia. Dôležité je nájsť rovnováhu. Prečo je na Slovensku cena elektriny taká vysoká? My sami elektrinu nevyrábame, kupujeme ju na burzách. Náš vplyv na ceny je z tohto dôvodu obmedzený. Môžeme sa však slobodne rozhodnúť, kde si aký druh elektrickej energie zakúpime. Napokon, sieť je v okolitých krajinách prepojená. Ale teraz k Vašej otázke. Odpoveď na ňu nie je jednotná: Keď ako zákazníkov berieme do úvahy domácnosti, je Slovensko v súlade s najnovšími vyhláseniami Eurostatu pod európskym priemerom. Ak však ide o priemyselných odberateľov, situácia naberá celkom odlišný rozmer. V tejto oblasti patrí Slovensko k najdrahším krajinám v Európe, čo je spôsobené hlavne dotáciami na obnoviteľné zdroje, uhlie a jadrovú energiu, ktoré sú v porovnaní s inými európskymi krajinami obsiahnuté v cene za elektrinu. Pokúša sa E.ON, ako jeden z akcionárov ZSE, naviesť Slovensko na spôsob, akým Nemecko prešlo na obnoviteľné zdroje energie? E.ON je v ZSE menšinovým akcionárom s operatívnym vedením. Veľmi úzko spolupracujeme so štátom, ktorý vlastní 51 percent akcií. Nemôžem si spomenúť na jediné rozhodnutie, ktoré by sme neboli prijali na základe vzájomného konsenzu. E.ON, ako súkromne organizovaná spoločnosť, nie je v pozícii vyslanca za nemeckú energiu. I keď je pravda, že sa snažíme posúvať v smere energetickej hospodárnosti. Na jeseň by sa mal objaviť návrh zákona, na základe ktorého by Slovensko malo získať nárok na podporu z Európskej únie. Znamená to, že ak si niekto dá napr. zatepliť dom, čím prispeje k úspore energií, môže získať príspevok. Týmto sa pre na-
šich zákazníkov otvoria mnohé zaujímavé možnosti. Podľa smerníc EU môže v rámci Slovenska 14 percent elektrickej energie pochádzať z obnoviteľných zdrojov. Akú zmes energií ponúka ZSE? Ako som už spomenul, elektrinu kupujeme na burzách. Napriek tomu dosahuje priemerný 14 percentný podiel energie vyrobene z obnoviteľných zdrojov na Slovensku, aj naša zmes. Je ťažké povedať, ktorý zákazník dostáva ktorú časť elektrickej energie, napokon prúd nemá žiaden štítok, kde by to bolo rozpísané. Zvyšok prúdu pochádza z uhlia a plynu, pričom väčšina sa vyrába z jadrovej energie. Široká zmes energie je, aj v prípade súčasných problémov s dodávkou plynu, určite výhodou. Ako ste spokojný s platobnou morálkou slovenských zákazníkov? V podstate som veľmi spokojný. Samozrejme sa z času na čas stane, že zákazník akýmsi nedopatrením nezaplatí. Napriek tomu sme doteraz vždy našli riešenie. Znepokojujúca je platobná morálka niektorých štátnych inštitúcií, napr. nemocníc. Je iste pochopiteľné, že nemocnici nemôžeme len tak vypnúť prúd. Pretože aj to sa stáva ak zákazník, napriek upomienke, nezaplatí. Či už ide o firmu alebo domácnosť, ku každému pristupujeme rovnako. V prípade nemocníc si to vyžaduje trochu väčšie presvedčovacie schopnosti. Máte skúsenosti s nelegálnym odberom prúdu? Pri počte milión pripojených zákazníkov sa to stane. Avšak sú krajiny, ktorých energetické straty sú dvakrát také vysoké, ako naše. Slovensko má stratu 7 percent. To nie je zlé, pretože väčšinou ide o technické straty. Sú to prirodzené fyzikálne straty, ktorým pri preprave prúdu nemožno uniknúť. Zvyšok tvoria ekonomické straty a medzi tie patrí aj nelegálny odber prúdu. Čoraz viac sa zaoberáte oblasťou elektromobility. Akú budúcnosť v nej vidíte?
ZSE sa zapája do viacerých cezhraničných projektov v oblasti elektromobility. V súčasnosti je masový prechod na e-mobilitu pre spotrebiteľov finančne nezaujímavý. A nám sa zatiaľ pre tých pár zákazníkov, ktorí vlastnia elektromobil, neoplatí vybudovať rozsiahlu sieť odberných miest. Myslíme si, že si to vyžaduje dodatočný stimul. Je potrebné zvýšiť atraktivitu elektromobilov tak, aby po nich siahlo čoraz viac zákazníkov. Keď sa toto stane, rozvoj bude veľmi rýchly. A na ten okamih sa chceme dôkladne pripraviť. Ako ste spokojný s prostredím, ktoré Slovensko vytvára pre spoločnosť ako je tá Vaša? Uvedomujem si, že sa mnohí na dané podmienky sťažujú. Našťastie, nie je to môj prípad. Napriek tomu vidím jeden nedostatok, ktorý môže v budúcnosti Slovensku priniesť nemalé problémy, a tým je vzdelanie. Kedysi sa tu využíval kombinovaný koncept vzdelávania, učila sa teda teória aj prax. Tento systém bol porovnateľný s duálnym systémom vzdelávania v Nemecku. Predpokladám, že v dôsledku rýchleho rozvoja štátu, sa na túto oblasť pozabudlo. Práve v technickej oblasti je veľmi ťažké nájsť dostatočne kvalifikovaných ľudí. Dnes má Slovensko množstvo študovaných a najmä motivovaných ľudí, ktorí však nikdy nedržali ani len skrutku v rukách. A to je práve v tejto oblasti veľký problém. Ľudí, ktorých zamestnáme, si musíme z časti sami zaučiť. Pritom má Slovensko v srdci Európy ideálnu polohu pre úspešné podnikanie.
Spoločnosť: Od roku 2002 vlastní 49 percent podielu Západoslovenskej energetiky, a.s. (ZSE) nemecká spoločnosť E.ON a zvyšných 51 percent Slovenská republika (Fond národného majetku, FNM). Dcérske spoločnosti ZSE Energia, a.s. a Západoslovenská distribučná, a.s. sú zodpovedné za prevádzku distribučnej siete a dodávku elektrickej energie a zemného plynu.
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Der führende Energieversorger der Slowakei: Slovenské elektrárne Die Energieversorgung gehört in den letzten Jahren zu den politisch meistdiskutierten Themen. Diese Schlüsselbranche jeder Wirtschaft verzeichnet turbulente Veränderungen. Debattiert werden nicht nur die jetzigen und künftigen Energiequellen, sondern auch die staatliche Regulierung. Der größte Energieerzeuger slowakeiweit mit einem 82-prozentigen Marktanteil ist der Energiekonzern Slovenské elektrárne. Mit einer installierten Leistung von 5 739 MW gehört die Firma zugleich zu den größten in Mittelund Osteuropa. Als Energiequellen werden in der Slowakei Atomkraft, Wasser, fossile Brennstoffe und erneuerbare Quellen verwendet, die Energie in 35 Wasser-, 2 Atom-, 2 Wärme- und 2 Photovoltaik-Kraftwerken produzieren. Die jetzige Aktiengesellschaft Slovenské elektrárne (SE) entstand am 21. Januar 2002 aus seinem rein staatlichen Vorgänger gleichen Namens. Seit April 2006 gehören 66 Prozent der Aktien dem italienischen Energiekonzern Enel Group, 34 Prozent besitzt der Staat. SE ist der Hauptversorger für die drei größten Distributionsfirmen sowie für große Industrieabnehmer. Mehr über die Firma und ihre Ziele verrät der Direktor für externe Beziehungen Michele Bologna. Text: Jana Hrbeková, Fotos: Slovenské elektrárne, a.s.
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Michele Bologna Was gehört neben der Stromherstellung zu den Aufgaben ihrer Firma? Hauptsächlich befassen wir uns mit der Produktion und dem Verkauf von Strom und Wärme sowie Unterstützungsdienstleistungen für das Elektrizitätsversorgungssystem. Unser Ziel ist es, sicher, zuverlässig, effektiv und konkurrenzfähig zu produzieren, mit dem abgebrannten Kernbrennstoff gefahrlos umzugehen und negative Einflüsse der Produktion auf die Umwelt nachhaltig zu senken. Zugleich unterstützen wir die Wissenschaft und Technik in unserem Bereich und arbeiten intensiv mit Universitäten zusammen. So werden neue Materialien und Methoden entwickelt, die wir dann im Rahmen unserer Investitionsprojekte in die Praxis umsetzen. An diesem Prozess beteiligen sich vor allem slowakische technische Universitäten, die Slowakische Akademie der Wissenschaften und mehrere Fachinstitutionen im Bereich Energetik.
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Was sind die Spezifika der Slowakei, was die Stromherstellung betrifft? Welche Energiequellen sind bei uns am günstigsten? Der Energiemix wird durch vorhandene natürliche Energiequellen und geografische Bedingungen des Landes bestimmt. Aus Sicht der Betriebskosten und der europäischen Ziele im Rahmen der Initiative 2020 sind bei uns am günstigsten die Atomkraftwerke, die keine CO2-Emmissionen produzieren. Eine bedeutende Rolle spielt auch das Netz der Wasserkraftwerke, die jedoch durch hydrologische Bedingungen beeinflusst werden. Nach den trockenen Jahren 2011 und 2012 waren diese im Vorjahr wieder besser, vor allem an der Donau. In vier Kraftwerken dort wurden etwa 2 600 GWh pro Jahr produziert. Die fossilen Brennstoffe in den Wärmekraftwerken Vojany und Nováky wurden teilweise durch Biomasse ersetzt, dieser Prozess wird fortgesetzt. Im Jahre 2013 wurden in Vojany 13,8 Prozent des Stromes aus Holzresten hergestellt, in
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Wird für die Zukunft ein größerer Anteil der erneuerbaren Energiequellen geplant? Bereits heute werden 90 Prozent der Energie ohne Treibhausgasemissionen hergestellt. Im Jahre 2006 haben wir bedeutend in die Modernisierung der Wärmekraftwerke investiert, die heute Biomasse verbrennen. Die gesamte Senkung der CO2-Emissionen im Jahre 2013 beläuft sich auf 71 kt. Ab dem Jahr 2016 werden hier nur modernisierte ökologische Blöcke in Betrieb sein, die strenge EU-Limits erfüllen. Modernisiert werden auch Wasser- und Atomkraftwerke. Die slowakischen Atomkraftwerke Jaslovské Bohunice und Mochovce erreichten im Jahre 2013 die historisch besten Betriebsund Sicherheitsergebnisse. Laut dem Index des Institute of Nuclear Power Operations INPO gehören die vier von SE betriebenen Reaktoren zu den fünf besten Reaktoren des Typs WWER 440 und 1000 weltweit.
neue Blöcke fertiggebaut, ein weiterer wird in Jaslovské Bohunice geplant. In Mochovce kam es jedoch zu einer Verspätung der Bauarbeiten. Was ist der Grund dafür und wann sollten die Blöcke fertig sein? Die Änderungen im Ablaufplan haben mehrere Gründe. Die ursprüngliche Projektdokumentation musste überarbeitet werden, da die industrielle Infrastruktur im Laufe von 10 Jahren nach dem Fertigbau der ersten zwei Blöcke veraltet ist. Ein weiterer bedeutender Eingriff in die Pläne war die Einführung von neuen Sicherheitsmaßnahmen gemäß den Anforderungen der so genannten EU-Stresstests. Als Beispiel kann ich eine höhere Widerstandsfähigkeit im Fall eines Erdbebens anführen. Eine Gesamtauswirkung der neuen Maßnahmen wird analysiert, und der Bericht dazu soll Ende des Sommers besprochen werden. Die Kernenergie ist der Schlüsselpfeiler unserer Strategie, darum gehört der Fertigbau des dritten und vierten Blocks im Atomkraftwerk Mochovce zu unseren bedeutendsten Projekten. So bemühen wir uns, die Energiesicherheit in der Slowakei weiter zu verbessern.
Mit einem weiteren Ausbau der Atomenergie wird in der Slowakei ebenso gerechnet. In Mochovce werden zwei
Seit 2006 stehen 66 Prozent der Firma unter der Kontrolle des italienischen Konzerns Enel. Welche
Nováky waren es 10 Prozent der produzierten Wärme. Die Photovoltaikkraftwerke in Mochovce und Vojany trugen zur Stromproduktion 1 957 MWh bei.
Änderungen brachte der neue Hauptaktionär? Trotz ungünstiger Wirtschaftsbedingungen erreichte SE ausgezeichnete Finanz- und Betriebsergebnisse. Seit der Privatisierung im Jahre 2006 wurden mehrere bedeutende Verbesserungen durchgeführt sowie Modernisierungs- und Investitionsprojekte in der ganzen Slowakei umgesetzt. Eingeführt wurde das Prinzip „Sicherheit an erster Stelle“. Von Vorteil sind das internationale Know-how von Enel und die Teilnahme am internationalen Energienetz. Zu den neuen Aktivitäten zähle ich zum Beispiel Elektromobilität, intelligente Netze, das Projekt „Energiedienstleistungen mit Garantie“, die Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung mit LED-Technologien. Aus finanzieller Sicht ist das Projekt des Fertigbaus des Atomkraftwerkes Mochovce ein Gewinn für die ganze Slowakei. Es bringt beinahe 10 000 Arbeitsplätze und 550 Millionen Euro in die Staatskasse. So ein Projekt kann nur eine starke Firma realisieren. SE gewann schon mehrere internationale Auszeichnungen. Welche schätzen Sie am meisten und was bedeuten sie für Ihre Firma? Uns freut besonders die Bewertung des amerikanischen Instituts INPO, laut der
Wasserkraftwerk Čierny Váh
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unsere Betriebs-, Sicherheits- und Zuverlässigkeitskennziffern zur Weltspitze in ihrer Kategorie gehören. Unsere technischen Parameter bewertete auch das Magazin Nuclear Engineering International als ausgezeichnet. In diesem Jahr gewannen wir die Auszeichnung VIA BONA für unser Programm „Energie für das Land“. Im Rahmen des Programms finanzieren wir seit 2008 karitative Projekte in den Bereichen Bildung, Sport, Kultur und Umwelt. Wir wollen auch zur Lösung von sozialen Problemen wie etwa Obdachlosigkeit beitragen. Was sind Ihre Pläne für die nächste Zukunft?
In unserem Investitionsplan für die Jahre 2014-2018 rechnen wir mit Investitionen in einer Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Neben dem Fertigbau des dritten und vierten Blocks im AKW Mochovce werden wir uns auf die Erhöhung der Sicherheit in den schon in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken konzentrieren. In den klassischen Kraftwerken planen wir eine Modernisierung und die Erfüllung von weiteren Umweltkriterien. Wir wollen Aktivitäten auch auf den umliegenden europäischen Märkten entwickeln und unsere Projekte im Bereich Elektromobilität, „Energiedienstleistungen mit Garantie“ sowie „Energie für das Land“ fortsetzen.
Atomkraftwerk Jaslovské Bohunice
Stellungnahme des slowakischen Wirtschaftsministeriums zu aktuellen Fragen im Bereich Energetik Foto: MH SR
Ressortsprecher Stanislav Jurikovič antwortet.
Wie ist die Einstellung der Slowakei zu der deutschen Energiewende, also einem Übergang zur nachhaltigeren Energieversorgung? Die Slowakei will eine konkurrenzfähige Energieversorgung auf Niedrigemissionsbasis aufbauen. Das heißt, den Anteil der erneuerbaren Energiequellen bei einer gleichzeitigen Nutzung der Atomenergie stufenweise zu erhöhen. Die ambitiösen Ziele Deutschlands in diesem Bereich sind für die Slowakei bei den heutigen Preisen der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Energie inakzeptabel. Unser Ziel ist es, eine Senkung der Treibhausgasemissionen zu erreichen und zugleich die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie zu erhalten. Eines der ernsten Probleme der Atomenergie ist die Lagerung des abgebrannten Kernbrennstoffs. Wie
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soll diese Problematik in Zukunft gelöst werden? Die Regierung der SR hat am 15. Januar 2014 auf Vorschlag des Wirtschaftsministeriums die Strategie der friedlichen Nutzung der Kernenergie in der Slowakei gebilligt. Das Dokument legt Ziele und Verfahren für die Stilllegung von Nuklearanlagen fest und regelt, was mit ausgebrannten Brennelementen und radioaktivem Abfall passiert. Die Strategie respektiert die internationale Entwicklung. Zurzeit wird in internationalen Diskussionen die Variante der Endlagerung des Brennstoffes in den sogenannten Tieflagerstätten bevorzugt. Dazu müssen noch mehrere Fragen analysiert werden, vor allem die Wahl der geeigneten Lagerstätten und die Modelle der geologischen Entwicklung. Das Wirtschaftsministerium bereitet in Zusammenarbeit mit dem
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Nationalen Atomfonds einen Entwurf der innenstaatlichen Politik zu diesem Thema und eines Programms für die Umsetzung dieser Politik vor. Wie sehen Sie die Entwicklung der slowakischen Energieversorgung in den nächsten 20 Jahren? Auf die slowakische Energetik warten in den nächsten Jahren mehrere Herausforderungen. Zu den bedeutendsten Tragpfeilern werden Energiesicherheit, Effektivität, Konkurrenzfähigkeit und Nachhaltigkeit gehören, die auf einem ausgewogenen Energiemix basieren. Unsere Prioritäten sind die Entwicklung der Energieinfrastruktur, Diversifikation der Energiequellen, Sicherheit der Lieferungen, Senkung des Energieverbrauchs und Unterstützung von energetisch effektiven Technologien.
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Dauerbrenner Energie Schon die alten griechischen Philosophen beschäftigte sie als das Materie potentiell innewohnende bewegende „Wirken“. Spätere Weise stellten fest, dass sie wandelbar ist und selbst verwandelt, letztlich aber in Summe „global“ konstant bleibt.
Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei
Erst mit der Industrialisierung und dem Lebensstil der Moderne gewann Energie den Stellenwert, den sie heute in Wirtschaft und Politik hat, und damit die andauernde Suche nach immer weiteren ihrer Quellen. Seit einiger Zeit auch „sauberen“, die weniger die Natur, inklusive Menschen, schädigen. Die Sehnsucht nach ihrer Unerschöpflichkeit bleibt ungebrochen, wie der Ausdruck „erneuerbar“ suggeriert. Also Wind, Wasser, Sonne, Erde, nachwachsende Rohstoffe - statt oder zusätzlich zu irgendwann, vielleicht bald, schwindenden „fossilen“ Quellen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas.
Doch zurück in die Gegenwart: Kernkraftwerke (das Wort „Atom“ wird als emotionalisierend längst gemieden) gibt es seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Derzeit erzeugen 435 Reaktorblöcke in 31 Ländern 11% des Stroms (vor 20 Jahren waren es noch rund 17%). Die Hoch-Zeit dieser Technologie scheint überschritten: einerseits beunruhigen Unfälle (Three-Mile-Island 1979, Tschernobyl 1986, Fukushima 2011) und andererseits bleibt die Frage einer sicheren Verbringung der Abfälle ungeklärt. Auch ökonomisches Kalkül, sprich Kosten-Nutzen-Rechnung, machen den Betreibern und Staaten zu schaffen.
Irgendwo dazwischen liegt die Kernenergie, die vielfach besonders emotionalisiert. Wie die Gentechnik erscheint sie unheimlich, dem menschlichen Maß unangemessen, etwas, das den Zorn der Götter heraufbeschwören könnte, wie einstmals nach der griechischen Sage der Feuer-Dieb, Kultur-Bringer und Titan Prometheus. Ob seines ehrfurchtslosen Fortschrittsstrebens entließen die Götter die Übel aus Pandoras Büchse über die Menschheit – nur die Hoffnung blieb zurück - und isolierten ihn schließlich auf einem einsamen Felsen, einer Art antiken Guantanamo einschließlich Folter. Versuchung, Beherrschung und Gefahren von Technik sind Wegbegleiter der Menschheit. Nicht zufällig bezeichnete Mary Shelley ihre Schöpfung Frankenstein Anfang des 19. Jahrhunderts als modernen Prometheus.
Die Kernenergie-Phobie Österreichs ist zu einem sogar verfassungsmäßig verankerten Identität stiftenden Markenzeichen des Landes geworden, vergleichbar nur mit der immerwährenden österreichischen Liebe zur Neutralität. Das mag erstaunen, wurde doch die Inbetriebnahme des fertig gestellten ersten AKWs auf österreichischem Boden in Zwentendorf bei einer Volksabstimmung 1978 mit einer Mehrheit von lediglich rund 30.000 Stimmen und nur deshalb abgelehnt, weil die Gegner, die an sich dafür waren, hofften, damit den damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky loszuwerden.
sowjetischen Plänen errichtet worden waren – mit Ausnahme des ungarischen in Paks. Während meiner Zeit als österreichischer Botschafterin in Bratislava war das das einzige Thema, zu dem es fundamental unterschiedliche Ansichten und mediale Aufregungen gab. Zumindest was letztere betrifft, scheint Beruhigung eingekehrt. Geht es um Energie, ist Politik - und bisweilen Populismus - nie fern. Global gesehen geht es dabei selten um Sicherheit, Gesundheit und Wohlergehen von Menschen in Förderung, Verarbeitung, Vertrieb oder im Umfeld der Produktionsstätten. Zumeist geht es erklärtermaßen um die Sicherheit der Quellen und Transportwege von den Quellen zu den Hauptverbrauchern in den hoch industrialisierten Staaten. Ein Sicherheitserfordernis, das längst in den militärisch-politischen Strategien von USA, NATO, EU, Chinas und Russlands undsoweiter hochrangig rangiert und in Konflikten wie dem um die Positionierung der Ukraine eine wichtige Rolle spielt. Energie ein Dauer-Brenner, kann man sagen. Und nicht unbedingt ein Friedensstifter. Pandoras Büchse enthielt auch Krankheit und Tod. Das Match mit Prometheus geht weiter.
Der passionierten Anti-Atom-Außenpolitik Österreichs waren nach dem Ende des Kalten Kriegs bald jene AKWs ein Dorn im Auge, die in der Nachbarschaft nach
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„Die Slowakei könnte in zwanzig Jahren aus der Atomenergie aussteigen“ Atomkraft ist in der Slowakei schon langfristig die meist genutzte Energiequelle. Doch sie birgt einige Gefahren für die Umwelt. Die „NPZ – Neue Pressburger Zeitung“ sprach mit Pavol Široký. Er ist Experte für Atomenergie und Klimawandel bei Greenpeace Slovensko. Text: Katrin Litschko Fotos: Tomáš Halász/Greenpeace
NPZ: Die Atomenergie macht 55 Prozent des slowakischen Energiemixes aus. Warum hat die Kernkraft in der Slowakei so eine starke Position? Pavol Široký: Das ist vor allem Entscheidungen der Vergangenheit zu verdanken. Wir als Greenpeace denken, dass sie unglücklich waren. Denn die Atomkraft erhöht unsere Abhängigkeit von Russland, wo unser ganzer Brennstoff herkommt. Schaut man sich den Energiemix an, dann erkennt man auch, dass die Atomkraft nicht sicher ist. Wenn ein Reaktor ausfällt, können wir sehr viel elektrische Energie verlieren. Rechnet man dies auf ein Atomkraftwerk um, so sind es über 20, beziehungsweise 25 Prozent, je nachdem ob es sich um Mochovce oder Jaslovské Bohunice handelt. Außerdem erhöht sich so der Strompreis. Derzeit zahlen wir 7 bis 10 Prozent für Verluste bei der Netzeinspeisung drauf. Das hängt gerade damit zusammen, dass die Stromquellen so zentralisiert sind. Warum stammt der ganze Brennstoff aus Russland? Bei uns wurde der sowjetische ReaktorenTyp gebaut und in Mochovce wird er ja noch immer gebaut. Die Technologie ist über 40 Jahre alt. Das sind Kraftwerke die Anfang der 1970er Jahre ihren Betrieb aufnahmen. Die Technologie wurde damals an die Brennstoffe von russischen Firmen angepasst. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine andere Firma, die Brennstoffe herstellt, ihre Produktion so umstellt, dass sie Brennstoffe für Kraftwerke herstellen, die in Zukunft keine Perspektive mehr haben. Wäre es eine Alternative, Brennstoffe zu verwenden, die in der Slowakei selbst vorkommen?
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Es würde schwerwiegendes Umweltproblem entstehen, wenn wir uns entscheiden würden, in der Ostslowakei Uran abzubauen. Sowieso wäre durch den Abbau nicht sichergestellt, dass das Uran auch wirklich in unseren Kraftwerken landet. Denn das Uran müsste erst ins Ausland gebracht werden wahrscheinlich nach Russland - wo andere Firmen dann die Brennstoffe daraus herstellen würden. Die Lager in der Slowakei verfügen auch über einen sehr geringen Urananteil. Das wäre also sicherlich keine Lösung für die Slowakei. „Endlager – Fehlanzeige“ Was passiert in der Slowakei mit dem nuklearen Müll? Das kritisieren wir schon länger. Das Problem Atommüll ist in der Slowakei nicht gelöst. Besonders der stark radioaktive Müll und die verbrannten nuklearen Brennstäbe sind problematisch. Der gefährliche Müll befindet sich im Zwischenlager in Jaslovské Bohunice. Derzeit läuft auch ein Verfahren über den Bau eines weiteren Zwischenlagers in Mochovce. Dabei handelt es sich aber um eine Lagerperiode von 60, höchstens 100 Jahren. Das ist also keine langfristige Lösung. Wir hinterlassen so unseren Kindern und Enkelkindern ein sehr unglückliches Erbe. Für ein Endlager gibt es derzeit in der Slowakei keine Pläne. Das ist also ein ungelöstes Problem, für das wir alle früher oder später bezahlen. Welche Bedeutung haben erneuerbare Energien in der Slowakei? Derzeit machen erneuerbare Energien etwa elf bis zwölf Prozent des Energie-End-
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“In zwanzig Jahren wäre ein Atomausstieg für die Slowakei durchaus möglich.”
verbrauches aus. Wenn man große Wasserkraftwerke miteinrechnet, sind es achtzehn bis zwanzig Prozent. Wir sind also nicht gerade die Besten, was die Nutzung der erneuerbaren Energiequellen anbelangt. Leider ist deren Rolle schwächer. Wir versuchen Druck auf die Regierung und die verantwortlichen Organe auszuüben. Sie sollen eine neue Richtung einschlagen, erneuerbare Energiequellen unterstützen und gleichzeitig Energie sparen. Derzeit ist es leider so, dass die Regierung erneuerbare Energiequellen eher einschränkt und die Atomkraft stärker unterstützt. „Bis 2040 könnte die Slowakei frei von nuklearer Energie sein“ Deutschland hat den Ausstieg aus der Erzeugung von Atomenergie bis 2020 erklärt. Wie wahrscheinlich wäre dies für die Slowakei? Es wäre möglich. Uns ist natürlich klar, dass so etwas nicht in fünf oder zehn Jahren getan werden kann, da unsere Abhängigkeit von der Atomenergie sehr hoch ist. Aber es reicht, einen Blick auf andere Länder der Europäischen Union zu werfen. Mehr als elf Länder haben derzeit keine Atomkraftwerke in Betrieb und
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planen es auch nicht. Weitere fünf oder sechs sind in der Phase des „Phase out“, das heißt sie steigen aus der Atomenergie aus. Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch Belgien, die Schweiz, Schweden oder Spanien. Die Atomenergie macht beim Energieverbrauch der Europäischen Union weniger als ein Drittel des Strombedarfs aus. Bei den primären Energiequellen - was alles zusammen ist, also auch Verkehr, Wärme und Strom – ist es noch weniger: um die 13 Prozent. Die Atomenergie ist also sicherlich keine unersetzbare Quelle. Auch wenn man den Uranvorrat anschaut: Wenn weiterhin so viel wie heute verwendet wird, reicht das Uran noch etwa 40, 60, allerhöchstens aber 80 Jahre. Die Atomenergie in der Form, wie wir sie kennen, ist also keine unerschöpfbare Quelle. In welchem Zeithorizont wäre es für die Slowakei möglich aus der Atomenergie auszusteigen? Wir denken, dass die existierenden Atomquellen schrittweise bis 2030/2040 ersetzt werden könnten. Das ist realistisch hinsichtlich der Energieeinsparungen und der Förderung der erneuerbaren Quellen. Da ist keine Spinnerei. Es reicht einen Blick auf andere Länder zu werfen, die diesen Weg gehen. Es
Das slowakische Wirtschaftsministerium - ein Ministerium der Atomenergie? wäre also durchaus möglich in 20 Jahren die Atomenergie zu ersetzen. „Atomenergie kennt keine Landesgrenzen“ Österreich kritisiert viele Jahre bereits die Slowakei für ihr Festhalten an der Atomenergie. Wie arbeitet Greenpeace Slovakia denn mit dem westlichen Nachbarland zusammen? Wir arbeiten natürlich mit Greenpeace Österreich zusammen. Dann hatten wir auch Kooperationen mit mehreren Nichtregierungsorganisationen, die sich gerade dem Umweltschutz widmen. Die Zusammenarbeit
läuft und wir hoffen, dass das weiter so bleibt, auch wenn diese Frage in der Slowakei sehr emotional wahrgenommen wird. Denn bei uns gibt es so einen seltsamen Nationalismus. Nur „wir“ Slowaken haben das Recht über „unsere“ Energieprojekte zu entscheiden – ohne Rücksicht darauf, ob diese Probleme die Umwelt oder die Gesundheit der Menschen in anderen Ländern schädigen können. Es ist also wichtig, den Slowaken zu erklären, dass bei einem atomaren Versagen, die Auswirkungen nicht an der Grenze unseres Landes stehen bleiben. Und somit haben auch andere Länder das Recht, sich solchen Projekten anzuschließen.
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Atomaufsichtsbehörde: „Unsere Kernkraftwerke erfüllen die international festgelegten Kriterien“ Angesichts der näher rückenden Inbetriebnahme der beiden neuen Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks in Mochovce erkundigte sich die NPZ bei der Leiterin des Amts für Nuklearsicherheit (ÚJD), Ing. Marta Žiaková, CSc., nach deren aktuellen Sicherheitsstandards. Text: Katarína Kironská, Foto: UJD
NPZ: Warum glauben Sie, dass unsere Atomkraftwerke sicher sind? Marta Žiaková: Sicherheit im Bezug auf die Kernkraft ist kein subjektives Attribut. Sie wird auf einer analytischexperimentellen Basis demonstriert. Zur Bestätigung der Sicherheit nutzt man international anerkannte Instrumente und Methoden. Ein Kernkraftwerk muss international festgelegte Kriterien erfüllen - und nach allen Bewertungsergebnissen tun das unsere Kraftwerke. Es gibt keine absolute Sicherheit, doch angesichts des aktuellen Wissensstands sind die europäischen Kernkraftwerke sicher. Dies wird auf einer nationalen wie auch einer internationalen Ebene, regelmäßig überprüft. Was wird anders im Bezug auf die neuen Reaktorblöcke des Kernkraftwerks in Mochovce?
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Die neuen Kraftwerksblöcke sollten im Falle von Unfällen, deren Eintrittswahrscheinlichkeit nur sehr gering, sozusagen hypothetisch ist, in der Lage sein, die Freisetzungen von radioaktiven Stoffen in die Umgebung der Kernkraftwerke auf einer noch niedrigeren Ebene zu erhalten. Dies wird durch die Anwendung der neuesten Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik so wie auch durch die einwandfreien Projekte der Kernkraftwerke erreicht. In der Zukunft werden für die Sicherheit der Kernkraftwerke wahrscheinlich passive Sicherheitssysteme eine große Rolle spielen. Werden die neuen Blöcke ein Schutzcontainment beinhalten? Die Konstruktion und der Betrieb von Kernkraftwerken basieren auf einem mehrstufigen Arbeits- und Umweltschutz vor den Schäden ionisierender Strahlung. Eine der physischen Schutzbarrieren ist der
Sicherheitsbehälter, also das Containment, der gleichzeitig eine wichtige Funktion im Bezug auf die Sicherheit der wichtigsten Geräte des Kernkraftwerks vor äußeren Einflüssen erfüllt. Die Tatsache, dass man im Rahmen der Sicherheitserhöhung von Kernkraftwerken einzelne Schutzniveaus verstärkt, gehört zum allgemeinen Trend. Es gibt keinen Grund, warum die neuen Kernkraftwerke mit einer niedrigeren Anzahl von Schutzniveaus, wie die schon existierenden, ausgestattet sein sollten.
Die NPZ erreicht neben den deutschsprachigen Bewohnern und Expats in der ganzen Slowakei auch die angrenzende österreichische Nachbarregion und Wien sowie Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Sie geht an die wichtigsten im Raum Bratislava und der Slowakei ansässigen Firmen mit deutschsprachigem Hintergrund, an Manager und Unternehmer, Diplomaten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen sowie an Veranstalter von Seminaren, Messen, Ausstellungen und Konferenzen, ausgewählte Hotels und andere Tourismuseinrichtungen.
Leserbriefe sind uns willkommen an die Adresse redaktion@npz-online.eu
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Von Castor zu Pollux Atomkraftwerke überzeugen durch ihre hohe Energieproduktion sowie das geringe Eingreifen in Ökosysteme. Ungelöst bleibt neben dem Betriebsrisiko vor allem die Frage einer sicheren Endlagerung des Atommülls. - Gedankenprotokoll einer Führung durch das AKW Mochovce für Teilnehmer eines österreichisch-slowakischen Sommerkollegs. Text und Fotos: Ingrid Blasge
Die Rückstände aus den mittel und leicht verseuchten radioaktiven Flüssigkeiten, die unter anderem bei der Kühlung der Brennstäbe anfallen, werden komprimiert und in einen Behälter aus Stahl gelehrt. Der Stahlbehälter wird anschließend mit einem Betonmantel überzogen und gemeinsam mit sechs bis sieben anderen seiner Art in einem hochsicheren Spezialtank platziert. Nachdem der Spezialtank bis oben hin mit Zement aufgefüllt worden ist, kommt er in einen Container, der neben anderen Containern an einem besonders geschützten Ort deponiert wird. Die Entscheidung für die Endlagerstätte wurde erst nach jahrelangen Sondierungsarbeiten getroffen, nachdem ihre hervorragende Eignung für mittel und leicht radioaktiv verseuchte Rückstände erwiesen war. Die Lokalität ist erdbebenfrei und eine Lehmschicht kann gegebenenfalls das Einsickern von radioaktiven Flüssigkeiten in den Boden verhindern. Zusätzlich wurde eine Stahlplatte auf die Lehmschicht gelegt und diese vorsorglich mit einem Zementbelag überzogen. Eine österreichische Delegation von Wissenschaftern befand die Anlage jedoch als nicht ausreichend abgeschlossen und verlangte zusätzliche Baumaßnahmen: Die Container sollten in einen unterirdischen Schacht eingelassen und mit einem hausförmigen Mantel vor von oben eindringender Nässe abgeschirmt werden. Außerdem sollte jeder Container einzeln zugänglich und gesondert an eine Messstation angeschlossen sein, sodass im Falle eines Austritts von radioaktivem Material das Leck direkt an einem bestimmten Con-
tainer geortet werden könnte. Die deutsche Herstellerfirma der Spezialbehälter garantiert eine austrittsfreie Lebensdauer von 300 Jahren. Soweit die Informationen bei der Führung von Seiten der Betreiberfirma. Laut der Veröffentlichung von Germany Trade and Invest (www.gtai.de) vom Februar dieses Jahres stehen aber bereits Sanierungsarbeiten an: Risse in den Schächten sowie die Isolationsschicht auf den verstauten Boxen müssen ausgebessert, eine Betonkonstruktion sowie die Krananlage überholt werden. Aktives lässt sich nicht so ohne Weiteres ins Passiv setzen. Was mit dem hochradioaktiven Material geschieht, wurde den Studierenden bei der Führung vorenthalten, ein Endlager dafür fehlt bislang in der Slowakei. Zur Zeit werden die ausgedienten Brennstäbe ins Zwischenlager am AKW Jaslovske Bohunice gebracht. Zum sicheren Transport
des Atommülls verwendet man Spezialbehälter, sogenannte Castoren. Sie kennt man aus den deutschen Schlagzeilen: „Blockade von Castor-Transporten“. Castor und Pollux sind ursprünglich Schutzgottheiten der Seefahrer, wobei Castor den sterblichen, Pollux den unsterblichen Teil des antiken Zwillingspaares verkörpert. An den Pollux-Behältern zur sicheren Endlagerung wird gebaut und geforscht - ob sie wirklich unsterblich sind, kann wohl nur die Zeit weisen.
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„Die Slowakei ist direkt betroffen von der Energiewende in Deutschland“ In Deutschland wird im Laufe der nächsten Jahre auch das letzte Atomkraftwerk abgestellt werden. Die Slowakei schlägt eine andere Richtung ein. Derzeit hat das Land zwei Kernkraftwerke im Betrieb, eines soll sogar noch weiter ausgebaut werden. Die „NPZ – Neue Pressburger Zeitung“ traf den deutschen Energieexperten Felix Matthes zu einem Gespräch über die Energiewende, die Lage in der Slowakei und die Zukunft der erneuerbaren Energiequellen. Text: Katrin Litschko, Foto und Grafiken: Öko-Institut
NPZ: Während Deutschland sich entschlossen hat, bis 2020 aus der Atomenergie auszusteigen, hält die Slowakei weiter an der Kernkraft fest und investiert sogar in den Ausbau eines Atomkraftwerkes. Welche Auswirkungen könnte die Energiewende in Deutschland für die Slowakei haben? Felix Matthes: Die Slowakei ist angebunden an den mitteleuropäischen Strommarkt. Das heißt, die Veränderungen auf dem Strommarkt, der im Moment Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten und Österreich umfasst, wirken sich indirekt auch auf Tschechien und die Slowakei aus. Diese Preissignale werden in der Slowakei ankommen. Wir werden es mit einer zunehmenden Zahl von Stunden im Jahr zu tun bekommen, in denen der Strompreis wegen des hohen Angebots von Sonnen- und Windstrom in Deutschland auch in der Slowakei Null sein wird. Deswegen werden die slowakischen Kraftwerke weniger Geld verdienen, beziehungsweise über weniger Stunden
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im Jahr betrieben werden. Von daher ist die Slowakei über die Kopplung des Strommarktes sehr direkt betroffen von den massiven Änderungen im deutschen Stromsystem. Auf welche alternativen Energiequellen sollte man gerade in der Slowakei setzen? Wir sehen in Mitteleuropa, dass wir sehr attraktive Stromproduktionskosten bei der Windenergie an Land haben und dass die Kostenreduktion im Bereich der solaren Stromerzeugung über alle
Erwartungen hinausgegangen ist. Das heißt, dass Solarstrom inzwischen so billig verfügbar ist, dass die Kosten unterhalb der deutschen privaten Strompreise liegen und demnächst auch unterhalb der slowakischen privaten Strompreise. Das wird eine Dynamik auslösen, die den Strommarkt stark verändert, in Deutschland sehr stark verändert hat und auch in der Slowakei in der Perspektive sehr stark verändern wird. Denn die Leute können entscheiden, ob sie zu einem geringeren Preis selbst Strom erzeugen.
Dr. Felix Matthes studierte an der Technischen Hochschule in Leipzig Elektrotechnik. Seit 1990 ist er Mitarbeiter des deutschen Öko-Instituts und baute unter anderem dessen Berliner Büro auf. Nebenberuflich studierte er politische Wissenschaften an der FU Berlin und promovierte 1999. Im Jahr 2009 wurde er Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut. Im Jahr 2011 war er Mitglied der Beratergruppe für die Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission zur „Energy Roadmap 2050“.
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„Billiger wird der Strom durch die Kernenergie nicht.“ Deutschland hat sich Jahre lang auf die Energiewende vorbereitet, was könnte man in dieser Hinsicht in der Slowakei jetzt schon tun? Ich denke, es gibt zwei Dinge, die man tun muss. Erstens: Man muss versuchen, langfristige Energieplanung zu machen. Langfristige Fragen sind immer mit hohen Unsicherhei-
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erneuerbaren Energien. Dieser Herausforderung wird man sich stellen müssen. Wenn man beides tut, ist man flexibel genug und auch vorausschauend genug, um der erdenklichen Bandbreite von Herausforderungen zu genügen. Welche Herausforderungen bringt die Energiewende sonst noch mit sich? Wir haben eine ganz große Herausforderung im Bereich der Energieeffizienz, gerade die Entwicklungen zwischen Russland und der Ukraine haben ja gezeigt, wie verletzbar wir sind. Das ist für Deutschland nicht so sehr ein Thema der Stromversorgung, weil Erdgas ja nur eine geringe Rolle spielt. Wir müssen uns aber klar machen, dass die wirkliche Versorgungssicherheit entschieden im Bereich der Gebäudeheizung sowie im Bereich des industriellen Gasverbrauchs wird. Im Bereich der Energieeffizienz liegen eigentlich die großen Potenziale zur Verringerung unserer Verletzbarkeit in Bezug auf Versorgungssicherheitsprobleme beim Erdgas.
„Eine engere Kooperation zwischen den EU-Mitgliedsstaaten wäre notwendig“
ten verbunden, aber man kann Varianten entwickeln und damit identifizieren, welche Herausforderungen auf einen zukommen. Denn eines ist klar: Der Status Quo ist nicht die Situation, mit der wir es in der Zukunft zu tun haben, sondern es müssen in je-
dem Fall Investitionen erfolgen und da muss man langfristige Planungen machen. Das zweite wesentliche Element ist, dass wir nicht wissen, wie die Zukunft aussieht. Wir müssen aber diese zukünftigen Stromsysteme über Märkte organisieren. Wir brau-
chen also ein neues Marktdesign, das sich flexibel genug an die neuen Herausforderungen und an die neuen Entwicklungen anpassen kann. Das ist mehr als die heutige Strombörse und das ist mehr als die heutigen Subventionierungssysteme für die
Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass aus Brüssel Vorschriften kommen, die die Energieregulation stärker kontrollieren? Wir haben zunächst einmal eine klare rechtliche Situation. Wir haben den Strommarkt wie er heute ist: ein Binnenmarkt,
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der von Brüssel aus geregelt wird. Wir haben aber auch zwei andere Regelungen und die sind in den europäischen Verträgen festgelegt: dass der Energiemix und die Versorgungssicherheit Sache der Mitgliedsstaaten sind. So lange die Verträge nicht geändert werden – und dafür spricht im Moment vieles – bleibt es auch so. Wir sind also in einer Situation, wo wir einen rechtlichen Rahmen haben, der die Kompetenzübertragung von den Hauptstädten der Mitgliedsstaaten nach Brüssel schwierig oder unmöglich macht. Diese Kooperation wird aber notwendig. In der Slowakei ist ein Argument für das Festhalten an der Atomenergie, dass der Strompreis ohne sie nach oben geht. Wie haltbar ist dieses Argument? Man muss sich die Situation sehr sorgfältig anschauen. Wir bezahlen in Deutschland heute für Windenergie an Land zwischen 6 und 9 Eurocents für die Kilowattstunde, für Solarstrom weniger als 10 Cents. In Großbritannien wird im Moment mit einem ähnlichen Finanzierungsinstrument ein großes neues Kernkraftwerk geplant. Dort wird über einen Zeitraum von 35 Jahren ein Betrag von 11 Eurocent pro Kilowattstunde bezahlt und dieser wird dann auch noch bereinigt um die Inflation, was in Deutschland nicht passiert. Selbst wenn man berücksichtigt, dass man für die erneuerbaren Energien ein bisschen mehr Infrastruktur und ein paar zusätzliche Speicher braucht, zeigt dieser Vergleich, dass die Investitionen in die Kernkraftwerke in jedem Fall teurer werden. Billiger wird der Strom durch die Kernenergie nicht.
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„Fernwärmeleitungen, an denen man Frühstückseier kochen konnte“ Energie-Effizienz als zentrale Herausforderung der Fernwärmewirtschaft in der Slowakei Die Plattenbauten von Petržalka: Sie sind sehr oft das erste, was ein Besucher, aus Österreich kommend, in der Slowakei sieht. Man findet sie etwa auch in Banská Bystrica (Sásová), Martin (Ľadoveň) oder Zvolen (Západ). Wie für viele ehemals kommunistische Länder in Mittel- und Osteuropa, sind sie für die Slowakei typisch. Text und Foto: Stefe
Insbesondere in den 70er und 80er Jahren wurden allerorts im sowjetischen Einflussbereich Großwohnsiedlungen gebaut. Ideologisch passten sie gut ins Konzept: Sie entsprachen der favorisierten Ästhetik, machten nach Meinung der Herrschenden die Frage nach Grundeigentum überflüssig und waren außerdem günstig in der Errichtung. Durch ihre Charakteristik – viele Wohnungen auf verhältnismäßig kleinem Raum – waren sie von Beginn an wie geschaffen für Fernwärme, die meistens bereits mitgeplant wurde. Nach 1989 machten insbesondere diese Plattenbausiedlungen die Slowakei zu einem äußerst interessanten Fernwärmemarkt. Allerdings hatte die Fernwärme zu dieser Zeit einen schlechten Ruf: Die Heizungsanlagen, oft alte Kohlekessel, galten als Dreckschleudern, die Netze als desolat. Netzverluste von bis zu 40 Prozent der eingespeisten Energie waren normal. Fallweise kursierten Geschichten von Frühstückseiern, die längs des Netzes gekocht werden konnten, der Verlauf der Leitungen war im Winter deutlich erkennbar – hier lag kein Schnee. Fernwärmenetze und Erzeugungsanlagen wurden von den Städten nach 1989
oft ausgegliedert. Oftmals österreichische Investoren, etwa die Wien Energie, die Energie AG oder auch die Energie Steiermark mit ihrer Tochter STEFE SK strömten ins Land, erwarben Beteiligungen und investierten teils massiv in die Erneuerung von Netz und Erzeugungsanlagen. Allein im Fall der in Banská Bystrica beheimateten STEFE SK, die in mehr als 10 Städten aktiv und heute zweitgrößte Fernwärmegesellschaft der Slowakei ist, spricht man von rund 100 Millionen Euro, die in den vergangenen 10 Jahren investiert wurden. Dank dieser Investitionen konnten die Netzverluste auf weniger als 10 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig wurden die Erzeugungsanlagen modernisiert: Anstelle alter Kohlekessel wurden emissionsarme Gaskessel angeschafft. Basierend auf österreichischem Know-How hat man, überall wo es sinnvoll war, Biomasseanlagen gebaut. Auf Kundenseite wurden Übergabestationen errichtet, so dass jeder
Fernwärmekunde selbst entscheiden kann, wieviel Wärme er benötigt. Die verbrauchte Wärmemenge wird erst hier ermittelt. Fallweise werden auch Kraft-WärmeKopplungen eingesetzt. Diese sogenannten „Gasmotoren“ gelten - weil Strom und Wärme produziert werden - als hocheffizient. Dreckschleudern sind die Erzeugungsanlagen heute allesamt nicht mehr. Nicht zuletzt moderne Filtertechnik verhindert das. Also alles Friede – Freude – Eierkuchen? Nein, es wird immer Möglichkeiten geben, die Effizienz zu erhöhen. Doch sind in nächster Zeit wohl vor allem Wärmekunden und Bauträger gefordert: Grund ist eine EU-Richtlinie zur Energieeffizienz, die auch die Slowakei umsetzen muss. Zentrale Anforderung dieser Richtlinie: Ein Energieausweis für alle Gebäude. Das wird in vielen Fällen weitere Isolierungsmaßnahmen notwendig machen. Hierbei will die Wärmewirtschaft die Haus- und Wohnungseigentümer beratend und begleitend unterstützen.
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Jahrelang saß Anton Srholec für seine Überzeugung in kommunistischen Gefängnissen und Arbeitslagern (unter schwersten Bedingungen in einem Bergwerk), während sich viele offizielle Vertreter der katholischen Kirche mit dem Regime arrangierten. Der Gründer und Leiter des Obdachlosenzentrums RESOTY am Stadtrand von Bratislava gilt Vielen als Vorbild für christliche Nächstenliebe und als eine Art slowakischer „Vater der Armen“. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka
NPZ - Neue Pressburger Zeitung: Wie viele Menschen betreuen Sie in Ihrem Zentrum? Anton Srholec: Wir sind hier jetzt ungefähr 40 Leute. Wir achten zum Beispiel auch sehr streng auf Sauberkeit und solche Dinge wie eine strikte Mülltrennung, die funktioniert bei uns vorbildlich. Darum kümmert sich ganz besonders einer unserer Bewohner, der halb blind ist, aber die Mülltrennung ausgezeichnet im Blick hat. Damit hat er eine schöne Aufgabe für sich und kann sich auch für die Gemeinschaft nützlich machen. Es kann jeder eine Aufgabe übernehmen, wenn er will. Wie beteiligen sich die Bewohner selbst an der Finanzierung des Zentrums?
„Den Menschen ihre Würde wiedergeben“ Anton Srholec: Vom politischen Häftling zum Helfer der Obdachlosen 26
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Wir verlangen fünf Euro von jedem Bewohner pro Tag mitsamt Verpflegung. Ich lege Wert darauf, dass die Bezahlung nicht mehr als zwei Packungen Zigaretten ausmacht. Wer sich die leisten kann, kann auch die Miete hier bezahlen. So funktionieren wir nach dem Prinzip einer Einrichtung, die sich selbst erhalten kann. Wir haben ja keine großen Ausgaben, unsere Verpflegung ist bescheiden. Wenn einer vorübergehend finanzielle Schwierigkeiten hat, helfen wir ihm zwischendurch aus. Aber wenn sich jemand nicht einfügen will und auch längerfristig nicht seinen Beitrag bezahlt, dann schicken wir ihn notfalls nach einiger Zeit wieder weg. Anton Srholec: Wohin gehen die Leute, die Sie wegschicken. Sie gehen in Einrichtungen niedrigerer Kategorie. In Bratislava gibt es auch Einrichtungen, in denen man um einen halben Euro übernachten und sich duschen kann. Und am Morgen geht man dann wieder auf die Straße. Aber bei uns kann man 24 Stunden wohnen und es herrscht größere Freiheit. Diese Freiheit des Einzelnen respektieren wir. Wir haben keinen Portier. Niemand kontrolliert, wann jemand kommt oder geht. Jeder hat seine eigenen Schlüssel und kann machen, was er will. Es gibt eine Vertrauensbasis, die wir dauerhaft aufrecht erhalten. Das schafft auch Eigenverantwortung. Die Männer achten selbst darauf, dass Ordnung herrscht. Wenn jemand betrunken von der Straße kommt und Unordnung
machen oder jemanden bedrohen will, schreiten die anderen Bewohner ein und sorgen dafür, dass es keine Gewaltanwendung gibt, die ist hier als etwas vom Wenigen streng verboten. Wir sind wie eine große Familie, um deren Wohl sich alle gemeinsam kümmern. Kommen nicht doch manchmal Bewohner auch betrunken? Da drücken wir ein Auge zu, solange er keine Probleme macht. Wir können und wollen die Leute nicht völlig umkrempeln, das geht einfach nicht. Alle wissen, was wir von ihnen erwarten und welche Regeln hier eingehalten werden müssen. Wenn einer trinken will, dann weiß er auch, wo er hier seine Flasche entsorgt. Es ist besser, wenn er seinen Alkohol hierher bringt und mit den Kameraden teilt, als wenn er sich allein
zurück zieht und einsam trinkt. Alle haben einen Kühlschrank und einen Fernseher zur Verfügung. Das ist nicht nur für Obdachlose, sondern auch für andere Arme keine Selbstverständlichkeit. Das ist ein Haus der Freiheit, aber auch der Erziehung zu Mitverantwortung. Wir zwingen niemandem eine bestimmte Verhaltensweise auf und hier schreit keiner die anderen an. Wir wollen eine gewisse Wohnkultur bieten. So steht auch die Küche allen zur Verfügung, wenn die Köchin weggeht. Wer außer Ihnen kümmert sich um den ganzen Betrieb der Einrichtung? Wir sind drei Pensionisten: Die Köchin arbeitet auf Freiwilligenbasis. Dann ist da noch Schwester Rita, die einige Zeit in Irland war, sie kümmert sich mit mir um die Buchhal-
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tung und organisatorische Notwendigkeiten wie Einkäufe. Gemeinsam führen wir dieses Zentrum. Wie lange gibt es diese Obdachlosenunterkunft schon? Seit 1991, also jetzt schon gut 22 Jahre. In dieser Zeit habe ich schon jede Menge an Lebensgeschichten mitgekriegt. Manche Erlebnisse schreibe ich jetzt auf, so als eine Art Chronik. Manchmal werde ich gefragt, wie viele Menschen wir hier erfolgreich „umerzogen“ haben. Aber das kann man nicht sagen. So wie in einem Krankenhaus nicht alle Menschen geheilt werden. Im Gegenteil: In Krankenhäusern sterben mehr Menschen als sonstwo. Auch wir betreuen hier Menschen, von denen uns einzelne Ältere auch schon weggestorben sind. Aber sie alle finden hier eine Art Oase. Sie werden aufgenommen und respektiert als Menschen wie sie sind. Wenn wir versuchen würden, neue Menschen aus ihnen zu machen, würden wir sie nur quälen und hätten doch keinen Erfolg. Von Anfang an war es mir aber wichtig, dass es ein Gemeinschaftsgefühl gibt. Gerade ältere Menschen fühlen sich oft verlassen. Hier muss sich niemand verlassen und einsam fühlen. Wenn einer jemanden braucht, mit dem er reden und dem er von seinen Problemen erzählen kann, dann findet er hier immer wen. (Das Gespräch wird durch Klopfen unterbrochen. Ein Mann kommt herein und stellt sich stolz in der Arbeitsklei-
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dung eines Kochs vor Anton Srholec hin, erzählt, dass er sich jetzt erfolgreich um eine Arbeitsstelle gekümmert hat und geht nach wenigen Minuten wieder freundlich grüßend weg.) Wie gesagt: Wir sind wie eine große Familie. Er zum Beispiel war im Gefängnis und hat sich eine Arbeit als Koch gefunden. Jetzt ist er extra gekommen, um wie ein Kind seinen Eltern zu zeigen, dass er nicht gelogen hat. Solche kleinen Erfolge sind natürlich immer eine besondere Freude. Ist es nicht gerade für Bewohner einer solchen Einrichtung besonders schwierig, eine Arbeit zu finden? Allein schon, wenn er sagt, dass er in einer Obdachlosenunterkunft wohnt, weckt das ja schon Misstrauen bei Arbeitgebern. Die meisten, die hierher kommen, haben keine große Qualifikation. Aber sie müssen nicht hinausposaunen, dass sie in einem Obdachlosenasyl wohnen, das klingt tatsächlich nicht sehr gut. Es reicht, dass einer hier eine Adresse hat und dass er anständig aussieht. Wir haben ständig Warmwasser und schauen, dass die Leute auch eine ordentliche Kleidung bekommen, dann können sie schon immer wieder eine Arbeit finden. Naheliegend wäre aber wohl für viele Ihrer Bewohner, dass sie sich fallen lassen. Wie erreichen Sie, dass sie sich nicht aufgeben?
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Es sind natürlich oft schwierige Schicksale: Probleme mit Alkohol, verlorene Arbeit, von der Familie verlassen oder die Frau gestorben, ... - Aber hier fangen wir sie wieder auf. Wer dazu bereit ist, kann wieder eine Arbeit finden, die Unterstützung geben wir ihm. Manche sind aber psychisch in so schlechtem Zustand, dass sie ärztliche Hilfe, etwa von einem Psychiater brauchen. Auch die vermitteln wir. Wir fördern die Leute, damit sie wieder auf eine höhere Ebene kommen. Es gibt hier viel zu lesen und wir schauen aufeinander. Der gegenseitige Respekt muss gewahrt sein. Keiner muss sich für seine Armut schämen, aber er soll sich um sich bemühen, dass er anständig auftritt. Wenn einer sich hier nicht einfügen kann, ist das in Ordnung, aber auch die Art, wie er uns verlässt, muss korrekt und in Ruhe sein. Es gibt in Bratislava vierzehn Unterkünfte, in die jemand gehen kann, der mit unseren Regeln nicht einverstanden ist. Es stimmt nicht, dass jemand in dieser Stadt auf der Straße leben muss. Wenn er auf der Straße lebt, ist das seine Entscheidung, weil ihm die Freiheit wichtiger ist, als sich an Regeln zu halten. Im Winter ist die Nachfrage nach Unterkünften wahrscheinlich größer? Es gibt auch solche freien Vögel, die den ganzen Sommer lieber im Freien leben, aber im Winter suchen sie dann doch Unterschlupf bei uns. Auch das müssen wir akzeptieren. Wir helfen nur denen, die selbst zu uns kommen wollen. Ist es nicht frustrierend, wenn Sie dann doch immer wieder erleben, dass Sie jemandem auf einen guten Weg geholfen haben, und dann lässt er sich doch wieder fallen? Natürlich ist es frustrierend. Aber jeder von uns hat seine eigene Geschichte. Woher einer kommt, ob er zum Beispiel im Gefängnis war, das ist seine Sache. Wenn er darüber reden will, hören wir zu. Wichtig ist mir, den Menschen ihre Würde wiederzugeben. Das ist das, woran mir besonders liegt. Aber wir zwingen niemanden, sein Leben zu ändern, wenn er es nicht will. Was wir hier bieten können, ist eine Gemeinschaft, in der sich jeder seine Wunden heilen kann. Wir haben hier unser bescheidenes gemeinsames Leben.
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Lebensmittel bekommen wir zum Beispiel günstig von Geschäften, die sie sonst wegschmeißen müssten, weil sie kurz vor dem Ablaufdatum sind. Mir tut es manchmal leid, wenn ich sehe, dass sogar die Leute hier so wenig Respekt vor Lebensmitteln haben, dass ich immer wieder Essen im Müll finde. Ich war zehn Jahre lang im Gefängnis und weiß, was Hunger ist und wie viel einem ein Stück Brot bedeuten kann. Aber wenn einer diesen Respekt nie hatte, können auch wir ihn ihm nicht aufzwingen. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen? Sie sind ja so prominent, dass Sie nach der Wende auch eine große Karriere in der katholischen Kirche machen hätten können. Mit meiner religiösen Überzeugung gehe ich hier nicht hausieren. Das ist nicht meine Mission. Ich bin kein Bekehrer und frage auch nicht, ob jemand Katholik ist oder nicht, das spielt für mich keine Rolle. Wir haben keine eigene Kapelle. Wenn einer in eine Kirche gehen will, ist er bei uns willkommen und wir zeigen ihm, wo er sie findet, ob Katholik oder Protestant. Mir geht es um eine Kultur der Menschlichkeit in einem umfassenderen Sinn:
Gemeinsam eine menschlichere Welt aufzubauen, ist eine Aufgabe, die Konfessionsgrenzen überschreitet. Wir haben hier auch einen Moslem, dem wir genauso gezeigt haben, wo er nach seinem Glauben beten kann. Aber trotzdem nochmals nachgefragt: Warum haben Sie nicht in der Kirche Karriere gemacht, wie ist Ihr Verhältnis zur katholischen Amtskirche? Das ist schon ein etwas heikles Thema. Ich bin ein freier Mensch und die Freiheit ist mir wichtig. Nach der Wende habe ich auch einmal beim damaligen Erzbischof nachgefragt, ob er keine Aufgabe für mich hätte, aber er konnte mit mir nicht viel anfangen. Ich schätze aber gerade diese Freiheit, dass ich die Bibel nach meiner Art interpretieren kann. Ich kann als Christ frei sein und trotzdem meiner Religion treu bleiben. Ich sehe mein eigenes Christsein eher so auf die Jesus-Art. Das ist nicht immer das Gleiche wie die Praxis der katholischen Kirche. Mir hat eine Antwort des Theologen Karl Rahner gefallen auf die Frage, wie wohl Jesus die heutige Kirche sehen würde. Rahner hat damals gesagt, wahrscheinlich würde Jesus das alles überhaupt nicht verstehen. (Lacht.)
Dr. h.c. Anton Srholec wurde am 12. Juni 1929 als Sohn einer Kleinbauernfamilie in Skalica geboren. Schon als Jugendlicher Eintritt in den katholischen Salesianer-Orden. 1951 misslungener Fluchtversuch aus der Tschechoslowakei, weil ihm das kommunistische Regime kein Theologiestudium erlaubte. Deshalb verbrachte er zehn Jahre im Gefängnis, davon den Großteil im Uranbergwerk Jáchymov. Nach der Öffnung im Zuge des „Prager Frühlings“ Abschluss des Theologiestudiums und Priesterweihe in Italien, freiwillige Rückkehr in die inzwischen wieder politisch rauer gewordene Tschechoslowakei. Mit seiner seelsorgerischen Tätigkeit (trotz Priesterweihe bekam er keine eigene Pfarrei) sprach er vor allem Jugendliche an, wurde aber nicht nur von der staatlichen Obrigkeit, sondern auch der Amtskirche schikaniert, mehrfach versetzt und schließlich vom Priesteramt ausgeschlossen. 1989 Pensionsantritt als Arbeiter, weiterhin verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten in Menschenrechtsorganisationen und Sozialinitiativen, vor allem in dem von ihm gegründeten Obdachlosenzentrum Resoty. Mehrere nationale und internationale Auszeichnungen für seine Verdienste um die Menschenrechte und seinen sozialen Einsatz, zum Beispiel das Ehrendoktorat der Universität Trnava, die Ehrenbürgerschaft von Skalica, den Ľudovít-Štúr-Orden II. Klasse, den Kardinal-König-Preis in Österreich und zuletzt ein Ehrendoktorat der Slowakischen Universität der Heiligen Elisabeth.
Mich einer anderen Religionsgemeinschaft zuwenden würde ich mich trotzdem nie. Da würden sich einerseits meine Eltern im Grab umdrehen. Und andererseits widerspricht das auch meinem eigenen Empfinden: Man kann nicht aus einem Nussbaum einen Marillenbaum machen. Ich bin mit dieser Religion aufgewachsen und gehöre zu ihr. Was immer wir aber machen, muss aus dem Herzen kommen. Es können nicht alle Bischöfe sein, jemand muss auch die bescheidenere Arbeit machen. Ich sehe mich den Desorientierten näher, denen kann ich Vorbild und behilflich sein. Ich bin Christ, aber ich pflege gerne den Kontakt zu anderen Religionen. Ärgern Sie sich nicht gelegentlich über die slowakische Amtskirche, die doch so anders lebt als es der Bibel entspricht? Eine Kirche als Institution halte ich für sinnvoll. Wenn aber Repräsentanten meiner Kirche lieber in unbiblischem Reichtum leben und ihr Business machen wollen, ist das ihr Problem. Sie schaden sich nur selbst. Jesus hat gesagt, nach den Früchten werdet ihr den Baum beurteilen. Für mich ist das Christentum eine Inspiration, die mir Hoffnung gibt. Was die Amtskirche macht, muss mich ebensowenig kümmern wie der Fisch sein Leben lebt, ohne sich viel Gedanken über das Meer zu machen. Sie haben Ihr Theologiestudium in Italien abgeschlossen und wurden vom Papst persönlich zum Priester geweiht. Trotzdem sind Sie freiwillig zurück gekehrt, als Viele andere aus der so genannten „Normalisierung“ der Tschechoslowakei geflohen sind. Dabei waren Sie zuvor noch gerade deshalb zehn Jahre lang im Gefängnis gewesen, weil Sie einen illegalen Fluchtversuch unternommen hatten. Ist das nicht ein Widerspruch? Ich liebe die Freiheit. Das ist etwas, das ich auch in meiner jetzigen Arbeit als wichtig für jeden Menschen respektiere. Aber was zählt Freiheit ohne die Menschen, die man liebt? Es konnte nicht das ganze Volk emigrieren. Ich bin zurück gekehrt, weil hier alle die Menschen waren, die ich geliebt habe.
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WIRTSCHAFT
Wirtschaftskriminalität in der Slowakei steigt Die Anzahl der wirtschaftlichen Kriminalfälle ist in der Slowakei seit 2011 um 60 Prozent gestiegen. In den letzten 24 Monaten waren 34 Prozent der Firmen damit konfrontiert. Im Vergleich: Vor drei Jahren waren es noch 24 Prozent. Dies ergibt sich aus der Untersuchung der Beratungsfirma PwC, die im Herbst 2013 unter 76 Firmen in der Slowakei durchgeführt wurde. Weltweit nahmen an der Umfrage über 5000 Firmen aus 99 Ländern teil. Das Ziel der Untersuchung, die heuer zum siebten Mal stattfand, ist nicht nur die Feststellung des Zustandes, sondern auch eine Aufdeckung von Entwicklungen und künftigen Risiken. Die PwC-Untersuchung zeigt, dass der Anstieg der Kriminalität ein weltweiter Trend ist. Text: Jana Hrbeková, Foto und Grafiken: PwC
Laut PwC sind die häufigsten Kriminalfälle im Wirtschaftsbereich Vermögensunterschlagung sowie Korruption und Bestechung. Diese Formen der Kriminalität besetzen schon traditionsgemäß seit dem Jahr 2001, als die Untersuchung zum ersten Mal durchgeführt wurde, zusammen mit Buchhaltungsbetrügereien die führenden Positionen. Nun traten auch Betrug im Einkaufsprozess und Hypothekarbetrug als neue Kategorien in den Vordergrund, sagt PwC-Direktor Michal Kohoutek: „Während Unterschlagung, Korruption und Bestechung noch immer an der Spitze der Liste stehen, rückt der Buchhaltungsbetrug in den Hintergrund. Dabei kann man einen wichtigen Moment beobachten: neue Typen der Wirtschaftskriminalität tauchen auf. Bei der letzten Untersuchung im Jahre 2011 wurde ein Anstieg der Computerkriminalität verzeichnet. In diesem Jahr kamen weitere Formen hinzu. Vor allem Betrug im Einkaufsprozess hat uns mit seiner Häufigkeit überrascht. Zusammen mit der Korruption und Bestechung landete er an der zweiten Stelle.“ Bei Hypothekarbetrügereien, die auf dem dritten Platz stehen, handelt es sich um Betrug bei Transaktionen mit Immobilien. Dazu gehört zum Beispiel eine Verzerrung von Angaben zur verkauften Immobilie. Im Rahmen der Untersuchung wurde ebenso festgestellt, von wem die Kriminal-
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fälle verübt wurden. Am häufigsten stehen dahinter laut aktuellen Angaben externe Täter. Meistens waren es Kunden, mit denen dann beinahe 70 Prozent der befragten Firmen die Wirtschaftsbeziehungen beendeten. Noch ausgeprägter reagierten die betroffenen Firmen auf entdeckte Betrügereien von internen Tätern – also den eigenen Arbeitnehmern. In 100 Prozent solcher Fälle wurden die Täter entlassen, sobald sie entdeckt wurden. Dies ist viel mehr im Vergleich zum Weltdurchschnitt. Es scheint, dass die slowakischen Firmen deutlich empfindlicher gegenüber einem derartigen Verhalten ihrer Angestellten reagieren, als es im Ausland üblich ist. Die Wirtschaftskriminalität bringt den betroffenen Firmen große Verluste. Beinahe 60 Prozent der Befragten schätzten sie auf mehr als 73 000 Euro. Acht Prozent der Firmen in der Slowakei führten Schäden über 3,6 Millionen Euro an. Dabei handelt es sich nur um direkte Verluste. Die indirekten Schäden wie zum Beispiel die Schädigung des guten Namens, die Verletzung der Handelsbeziehungen, Vertrauensverlust oder Auswirkungen auf die Arbeitsmoral der Beschäftigten können noch höher sein. PwC untersuchte im Rahmen der Umfrage auch, wie die Betrugsfälle entdeckt wurden. Die Methoden wurden in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe wurde „Kontrollmechanismen der Firmen“
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Michal Kohoutek
genannt, die zweite „Betriebskultur“ und in der dritten sind Methoden, die nicht der Kontrolle der Firma unterliegen. Michal Kohoutek meint: „Erfreulich ist, dass die meisten Betrügereien durch System-Kontrollmechanismen aufgedeckt wurden. Am erfolgreichsten haben sich Systeme der Risikosteuerung gezeigt, die zur Aufdeckung von bis zu 30 Prozent der Fälle beigetragen haben. Dies ist viel mehr als im weltweiten Durchschnitt. Auf der anderen Seite wurde dieselbe Anzahl von Straftaten ohne Kontrolle seitens der Firma aufgedeckt – davon 14 Prozent zufällig. Dies zeigt eindeutig, dass es genug Raum für eine Verbesserung der Kontrollmechanismen gibt.“
WIRTSCHAFT
PwC empfiehlt daher den slowakischen Firmen, Methoden der Datenanalysen und Statistik verstärkt zu nutzen, um künftig Risiken und neuen ausgeklügelten Betrugsmethoden vorzubeugen. Zu den neuen Formen der Wirtschaftskriminalität, die erst in den letzten Jahren auftauchten, gehört die Computerkriminalität. Bei diesem Typ werden als Mittel der kriminellen Tätigkeit das Internet oder andere Computertechnologien genutzt. Hierzu zählen zum Beispiel Computerviren und schädigende Programme, illegales Herunterladen von Software und Dateien oder Hackerangriffe. Die letzteren können entweder Diebstahl von internen Daten zur Folge haben oder eine Schädigung beziehungsweise Einschränkung der Dienstleistungen der Firma. Laut der PwC-Umfrage kam es in der Slowakei im Vergleich zu 2011 zu einem Rückgang der Computerkriminalität. Auch im Vergleich zum Weltdurchschnitt ist die Slowakei besser dran – zumindest laut den Angaben der befragten Firmen. Die Frage lautet jedoch, ob es dabei nicht eher nur um einen niedrigeren Aufdeckungsgrad geht. Jedenfalls steigt mit der Weiterentwicklung der Informationstechnologien auch das Risiko des Missbrauchs, sagt der Spezialist von PwC Pavel Jankech: „In den 90-er Jahren steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Damals waren auch die Bedrohungen viel niedriger. Für die Computersicherheit schien den Firmen ausreichend, richtig und rechtzeitig auf eine Bedrohung zu reagieren. Zehn Jahre später hat man begonnen, Firewalls zu installieren, um sich vor Angriffen zu schützen. Inzwischen reicht aber auch das nicht mehr. Die Unternehmen müssen davon ausgehen, dass es ständig zu Angriffen kommt und die Firewall schon durchbrochen wurde, oder dass es in der nächsten Zukunft dazu kommt. Darauf muss die Firma sofort reagieren können.“ Unter den erwähnten Typen der Wirtschaftskriminalität sind Korruption und Bestechung die gravierendsten im slowakischen Unternehmensumfeld. Immer mehr Firmen geben an, dass sie auf dieses Problem stießen, sagt Michal Kohoutek: „Seit der letzten Umfrage kam es zu einem fast hundertprozentigen Anstieg. Das muss zwar nicht bedeuten, dass auch
die Anzahl dieser Fälle wirklich um 100 Prozent gestiegen ist. Wir gehen aber davon aus, dass die realen Zahlen schon damals viel höher waren, als die Ergebnisse der letzten Umfrage zeigten. Das jetzige Ergebnis spiegelt also wahrscheinlich den wirklichen Zustand besser wider.“ Michal Kohoutek meint, dass über die Korruptionsfälle heute mehr gesprochen
wird als früher. Jedenfalls bleibt diese Form der Kriminalität ein ernstes Problem, das den Firmen großen Schaden zufügen kann. Dies bestätigt auch eine andere PwC-Umfrage, die unter den Generaldirektoren großer Firmen durchgeführt wurde. Diese bezeichneten gerade Korruption und Bestechung als das größte Risiko in ihrem Unternehmen.
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EKONOMIKA
Hospodárska kriminalita na Slovensku na vzostupe Počet kriminálnych trestných činov na Slovensku stúpol od roku 2011 o šesťdesiat percent. V uplynulých dvoch rokoch sa stalo obeťou hospodárskej kriminality celkom tridsaťštyri percent spoločností na Slovensku. Pre porovnanie: Pred troma rokmi to bolo dvadsaťjeden percent. Také sú výsledky prieskumu poradenskej firmy PwC, ktorý sa uskutočnil na jeseň 2013. Na siedmom ročníku celosvetového prieskumu sa zúčastnilo vyše 5000 spoločností z 99 krajín, na Slovensku to bolo 76 firiem. Zámerom nebolo len zistiť súčasný stav hospodárskej kriminality, ale aj identifikovať trendy a vnímanie rizík v budúcnosti. Prieskum ukázal, že nárast hospodárskej kriminality je celosvetový trend. Text: Jana Hrbeková, Foto a Grafy: PwC, Symbolfoto Shutterstock
Podľa PwC bola najčastejším trestným činom sprenevera majetku, ako aj korupcia a úplatky. Tieto formy kriminality sa spolu s účtovnými podvodmi umiestňujú od začiatku prieskumu v roku 2001 už tradične na vedúcich pozíciách. Tento rok k nim pribudli ako nové kategórie aj podvody v nákupnom procese a hypotekárne podvody, hovorí riaditeľ PwC Michal Kohoutek: „Zatiaľ čo sprenevera, korupcia a úplatky stoja stále na špici, účtovné podvody sa vyskytujú čoraz menej. Pritom môžeme pozorovať dôležitý moment, a to nástup
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nových typov hospodárskej kriminality. Pri poslednom prieskume v roku 2011 sme zaznamenali nárast počítačovej kriminality. Tento rok sa objavili nové formy. Prekvapili nás najmä podvody v nákupnom procese, ktoré sa spolu s korupciou a úplatkami vyšplhali na druhé miesto rebríčka.“ Pri hypotekárnych podvodoch, ktoré stoja na treťom mieste, sa jedná o podvody pri transakciách s nehnuteľnosťami. Patrí sem napríklad skresľovanie údajov o predávaných nehnuteľnostiach. V rámci prieskum sa takisto zisťovalo, kto bol pá-
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Michal Kohoutek chateľom trestných činov. Podľa aktuálnych údajov stoja za hospodárskou kriminalitou najčastejšie externí páchatelia. Väčšinou to boli zákazníci, s ktorými takmer 70 percent opýtaných spoločností následne prerušilo obchodné vzťahy. Ešte výraznejšie reagovali postihnuté firmy na odhalené podvody, ktoré spáchali interní páchatelia, čiže vlastní zamestnanci. Títo boli prepustení v 100 percentách odhalených prípadov, čo je oveľa vyššie číslo ako celosvetový priemer. Zdá sa, že slovenské firmy reagujú na takéto správanie svojich zamestnancov podstatne citlivejšie, ako je zvykom v zahraničí. Hospodárska kriminalita spôsobuje postihnutým firmám veľké škody. Takmer 60 percent opýtaných ich odhadlo na viac ako 73 000 eur. Osem percent firiem dokonca uvádza škody vyššie ako 3,6 miliónov eur. Pritom sa jedná len o priame škody. Nepriame škody, ako napr. poškodenie dobrého mena, narušenie obchodných vzťahov, strata dôvery alebo následky na pracovnej morálke zamestnancov môžu byť ešte vyššie. PwC sa v rámci prieskumu zamerala aj na otázku, ako boli podvody odhalené. Metódy odhaľovania rozdelila do troch skupín: Kontrolné mechanizmy, Podniková kultúra a Metódy mimo kontroly firmy. Michal Kohoutek hodnotí: „Potešujúce je, že väčšina podvodov bola odhalená pomocou systémových kontrolných mechanizmov. Najúspešnejšími sa ukázali byť systé-
EKONOMIKA
my riadenia rizík, ktoré pomohli odhaliť až tridsať percent prípadov. To je oveľa viac ako celosvetový priemer. Na druhej strane bol taký istý počet trestných činov odhalený mimo kontroly firmy, z toho štrnásť percent náhodne. To jednoznačne dokazuje, že je ešte veľký priestor na zlepšovanie kontrolných mechanizmov.“ PwC preto odporúča slovenským firmám, viac využívať metódy dátovej analýzy a štatistiky, aby v budúcnosti lepšie predchádzali rizikám a novým sofistikovaným metódam podvodov. K novým formám hospodárskej kriminality, ktoré sa objavili až v posledných rokoch, patrí počítačová kriminalita. Pri tomto type podvodov sa ako prostriedok kriminálnej činnosti využíva internet alebo iné počítačové technológie. Patria sem napríklad počítačové vírusy a malware, ilegálne sťahovanie softvéru a dát, ako aj útoky hackerov. Posledné spomenuté môžu mať za následok krádeže interných údajov alebo poškodzovanie či obmedzovanie služieb poskytovaných firmami. Podľa výsledkov prieskumu sa zdá, že počítačová kriminalita na Slovensku oproti roku 2011 poklesla. Slovensko je na tom lepšie aj v porovnaní s celosvetovým priemerom – minimálne podľa údajov opýtaných firiem. Otázka však znie, či sa nejedná iba o nižšie percento odhalených prípadov. S postupujúcim vývojom počítačových technológií však každopádne narastá aj riziko ich zneužitia, myslí si špecialista na forenzné technológie Pavel Jankech: „V deväťdesiatych rokoch bol internet ešte v plienkach. Vtedy boli aj ohrozenia oveľa menšie. Pre zabezpečenie počítačovej bezpečnosti sa firmám zdalo dostačujúce správne a načas reagovať na ohrozenia. O desať rokov neskôr spoločnosti začali budovať opevnenia vlastného prostredia, aby čo najlepšie zamedzili útokom zvonku. V súčasnosti už ani tento prístup nie je dostatočný. Podniky musia vychádzať z toho, že k útokom prichádza neustále a je veľmi pravdepodobné, že k nejakému prelomeniu ochranného valu už došlo. Alebo je iba otázkou času, kedy k tomu príde. Spoločnosť musí byť schopná, okamžite zareagovať.“ Spomedzi spomínaných typov hospodárskej kriminality patria na Slovensku k najvážnejším problémom korupcia a uplácanie. Čoraz viac firiem udáva, že sa stretli s týmto
typom podvodov, hovorí Kohoutek: „V porovnaní s posledným prieskumom sme zaznamenali takmer stopercentný nárast. To síce nemusí znamenať, že počet týchto prípadov skutočne vzrástol o sto percent. Vychádzame ale z toho, že reálne čísla boli oveľa vyššie, ako ukázali výsledky posledného prieskumu. Súčasný výsledok teda pravdepodobne odzrkadľuje skutočný stav lepšie.“
Michal Kohoutek je presvedčený, že o korupcii sa dnes hovorí viac ako predtým. Každopádne ostáva táto forma kriminality vážnym problémom, ktorý môže firmám spôsobiť veľké škody. Potvrdzuje to aj iný prieskum, ktorý PwC uskutočnila medzi generálnymi riaditeľmi veľkých firiem. Títo označili práve korupciu a úplatky ako najväčšie riziko v ich podnikaní.
Formy hospodárskej kriminality na Slovensku 54%
Sprenevera majetku Korupcia a úplatky
17%
Účtovný podvod
6% 0% 0%
12% 12%
8%
38%
40%
34%
35%
34%
37%
30%
30% 25%
Prieskum 2011
12% 17%
Počítačová kriminalita
Podvod v oblasti ľudských zdrojov
Prieskum 2014
19%
Hypotekárny podvod
Legalizácia príjmov z trestnej činnosti
31% 31%
Podvod v nákupnom procese
94%
21%
20%
Prieskum 2011
15%
Prieskum 2014
10% 5% 0% Slovensko
Stredná a východná Európa
Svet
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Wir wachsen jeden Tag gemeinsam. Vielen Dank fĂźr Ihr Vertrauen. Jochen Kley Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der ZSE
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nachbarn
Staatsbürgerschaft slowakisch, Adresse österreichisch Das Leben der Slowaken in den Grenzgebieten Österreichs, nahe an Bratislava, ist ein schon lange bekanntes Phänomen. Mangels Wohnflächen in der slowakischen Hauptstadt entscheiden sich viele Bewohner Bratislavas, statt in eine Plattenbauwohnung zu ziehen, ein Stück grüner Fläche jenseits der Grenze zu finden. Verlockend sind die geringeren Immobilienpreise, die höhere Lebensqualität und die Möglichkeit für die Kinder, von klein auf die deutsche Sprache fließend zu sprechen. Die gefragtesten Orte sind Kittsee, Berg, Wolfsthal und Hainburg. Viele lassen sich aber auch von einer größeren Entfernung nicht abschrecken, denn je weiter das Haus oder Baugrundstück von der Großstadt entfernt ist, desto niedriger ist der Preis. So findet man immer mehr Slowaken in Österreich auch in einer Distanz von bis zu 50 km von Bratislava. Text und Fotos: Katarína Kironská
Die österreichsche Adresse lohnt sich Entsprechend der Nachfrage wächst die Zahl der slowakischen Makler, die sich ausschließlich auf die österreichischen Grenzlokalitäten spezialisieren. Wie Gabriela Kočkovská von Lemon Reality erklärt, lohnt es sich trotz gestiegener Preise für Slowaken noch immer, eine Adresse in den österreichischen Gemeinden nahe der slowakischen Grenze zu erwerben: „Der Preis steigt jedes Jahr, im Vergleich mit der Slowakei ist er aber noch immer niedriger als in der nahen Umgebung Bratislavas. Noch vor der Öffnung der Grenzen kostete ein Quadratmeter in der Grenzennähe zirka 30 Euro, heute kostet er fast 160 Euro. Die Preise in den österreichischen Gemeinden die weiter von der Grenze liegen, sind wesentlich geringer. Sie bewegen sich um die 55 bis 75 Euro pro Quadratmeter.“ Einen besonderen Reiz bildete bis vor kurzem noch die Wohnbauförderung, dank der man einen Kredit mit einer Verzinsung von nur einem Prozent pro Jahr bekommen konnte und außerdem eine einmalige Fördersumme ohne Rückgabepflicht von zirka 2000 Euro für die Anschaffung einer Wärmepumpe. Die öffentliche Förderung für energiesparende Häuser bewegt sich zwischen 18.000 und 40.000 Euro je nach
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Genossenschaftswohnungen in Österreich sind wegen ihrer Finanzierung sehr beliebt.
Familieneinkommen und Energieindikatoren. „Heute wird der Erwerb der Wohnbauförderung in Burgenland schon strenger reguliert. Die Slowaken müssen jetzt nachweisen, dass sie entweder schon seit zwei Jahren ihren Hauptwohnsitz und eine Arbeitsstelle in Österreich haben oder nur eine Arbeitsstelle, die dafür aber schon seit fünf Jahren.“ Als weitere Option gerade für junge Menschen, die vom Elternhaus unabhängig leben wollen, gelten die in der Slowakei inzwischen schon unbekannten Genossenschaftswohnungen: "Genossenschaftswohnungen in Österreich sind auch für Slowaken zugänglich und wegen ihrer Finanzierung sehr beliebt. Die Bewohner sind formell Mieter, bezahlen
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aber schon beim Einzug einen Teil des Wohnungspreises und bekommen nach zehn Jahren die Möglichkeit, der Genossenschaft die Wohnung zur Gänze nach dem Marktpreis abzukaufen. Falls sie es sich in der Zwischenzeit anders überlegen, bekommen sie das Einstiegskapital zurück. In Kittsee z. B. sind aber schon alle Genossenschaftswohnungen besetzt. Ähnlich ist die Situation auch in den anderen Grenzgemeinden.“ Ebenso wie die Slowaken begannen, sich im Nachbarland auf Dauer niederzulassen, wirkt sich dort auch ihre Kaufkraft aus. Die Parkplätze vor den Geschäften und Einkaufszentren von Hainburg und Kittsee sind jeden Tag voller Autos mit slowakischen Kennzeichen und die Verkäufer sind oft selbst
nachbarn
Bewohner Bratislavas wählen statt einer Plattenbauwohnung, ein Stück grüner Fläche jenseits der Grenze.
Slowaken. Mit ihrer Zuwanderung haben Slowaken zur Verjüngung der Gemeinden beigetragen, denn Zuwanderer waren und sind hauptsächlich junge Familien mit Kleinkindern. Diese Gemeinden bieten ihnen im Vergleich zur Großstadt viele Vorteile von der Freizeitgestaltung im Schwimmbad in Hainburg, im Park beim Schloss Kittsee oder auf einem der Radwege bis hin zu den Bildungsmöglichkeiten und der Mehrsprachigkeit. Mit zunehmendem slowakischem Anteil fürchten die österreichischen Gemeinden allmählich, von der benachbarten Großstadt verschluckt zu werden. „Ihr Ziel ist es, trotz steigender Einwohnerzahl den Charakter als Dorf zu bewahren. Die Bürgermeister von Berg und Wolfsthal regulieren die Zuwanderung z. B. so, dass sie selber mit den Interessenten Gespräche führen. In der Regel bekommen Bewerber mit den besseren Deutschkenntnissen die Genehmigungen bevorzugt. In Hainburg sind alle Grundstücke schon verkauft und neue wird es so bald nicht geben. Und in Kittsee gibt es zur Zeit eine Bausperre. Die einzigen drei Projekte, die noch davor vereinbart wur-
Traum in Kittsee verwirklichen: „Ich fühle mich hier zu Hause. Mittlerweile haben meine Familie und ich viele Bekannte, Slowaken wie auch Österreicher. Die Sprache macht uns kein Problem, mein Sohn besucht eine österreichische Schule und überhaupt sehe ich hier keine Nachteile.“ Gabrielas Haus wurde von einer österreichischen Firma gebaut: „Damals durften ausschließlich österreichische Firmen Häuser in Österreich bauen. Heute dürfen es schon auch slowakische, nur brauchen sie eine österreichische Bewilligung.“ Hainburg
den, sind 14 Mietwohnungen, die als Start ins selbstständige Leben junger Österreicher gemeint sind, 16 Reihenhäuser in der Nähe des Sees und Genossenschaftswohnungen in der Steinfeldsiedlung“, sagt Gabriela Kočkovská. Geschätzt werden die Nähe und die Sauberkeit Auch Gabriela wollte hinaus aus dem Grau der Betonsiedlung in die eigenen vier Wände im Grünen. Vor drei Jahren konnte sie ihren
Die Bürgermeister von Berg und Wolfsthal führen mit den Immobilieninteressenten Gespräche.
Barbora Baťková, die seit kurzem ebenfalls Kittseerin ist, schätzt die Nähe zu Bratislava und den Verkehr ohne Stau: „In meiner Arbeit in Bratislava bin ich mit dem Auto in 15 Minuten, das ist im Vergleich zur Distanz vom Stadtteil Lamač, wo ich vorher wohnte, viel schneller. Außerdem mag ich das Dorfleben und den Frieden, der hier herrscht.“ Barbora zog zu ihrem Freund, der in Kittsee vor vier Jahren eine Genossenschaftswohnung erworben hat: „Vorher arbeitete er saisonweise in Italien. Dann aber fand er es doch wichtig, sich dauerhaft niederzulassen. Die Genossenschaftswohnungen waren gerade im Aufbau und ihm gefielen die Finanzierungsmöglichkeiten durch die Wohnbauförderung, so wie auch die Bauqualität." Da Barboras Söhne schon erwachsene Hochschulstudenten sind, behielt sie die Wohnung in der slowakischen Hauptstadt, zurückziehen will sie selbst trotzdem nicht. „Ich bin zwar in Bratislava geboren, den Vorteil der Grenznähe nutzte auch schon meine Urgroßmutter, die regelmäßig mit der
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NACHBARN
Pressburgerbahn zum Meinl nach Wien einkaufen fuhr. In unserer Familie wurden schon immer drei Sprachen verwendet: Slowakisch, Deutsch und Ungarisch. Meine Schwester lebt in der Schweiz und ihre Kinder wachsen auch mehrsprachig auf.“ Die Prellenkirchnerin Linda Klanicová reizte ebenfalls das ruhige Dorfleben. „Meine Bedingungen waren eine gute In-
frastruktur, also Ärzte, Geschäfte, Schulen und Freizeitmöglichkeiten, in der Nähe zu haben und eine problemlose Verbindung zur benachbarten Großstadt. Da Wien 40 km und Bratislava nur 20 km entfernt sind, ist Prellenkirchen ideal.“ Im Dorf lebt Linda mit ihrem Ehemann seit 2010 und obwohl sie meint, dass sich der Immobilienkauf in Österreich nicht mehr lohnt, würde sie es heute nicht anders machen. „Ich finde, das österreichische Grenzgebiet
hat einen höheren Standard und somit so viele andere Qualitäten, dass der Preis keine Rolle spielt.“ Linda schätzt vor allem die Regeln der Gemeinde und, dass man sie auch wirklich einhält. „Ich finde, es gibt keine Kulturunterschiede zwischen den Bewohnern. Im Gegenteil, die Kommunikation mit den Behörden ist viel leichter und angenehmer als in der Slowakei und die Menschen sind hier wirklich sehr freundlich.“
„Kittsee soll ein Dorf bleiben“ Die Bürgermeisterin von Kittsee, Dr. Gabriele Nabinger, sprach mit der NPZ über das multikulturelle Leben in ihrem Dorf. Text: Katarína Kironská, Fotos: Gemeindeamt Kittsee
NPZ: Wann hat der große Zuzug von Slowaken nach Kittsee begonnen? G. Nabinger: Die größten Zuwanderungen waren in den letzten drei Jahren. Wir waren die am meisten wachsende Gemeinde Österreichs. Ich denke 95% dieser Zuwanderer kamen aus der Slowakei, die meisten wahrscheinlich aus Bratislava. Heute stellen die Slowaken schon fast ein Drittel der Gemeindebevölkerung. Von 3100 Einwohnern sind 998 Slowaken. Wie hat sich die Gemeinde durch die Zuwanderung geändert? Früher war Kittsee ein Dorf, in dem sich die Bewohner untereinander gekannt haben, jetzt wird es aber langsam zu einer kleinen Stadt und die Leute kennen sich nicht mehr. Es sind immer viele Fremde da. Man weiß nicht, wohnen sie da, fahren sie durch, oder gehen sie nur einkaufen. Außerdem ist durch die Nähe zur Großstadt die Kriminalität deutlich gestiegen. Die Einbrecher kommen mit einem Rucksack zu Fuß über die Pressburger Straße, nehmen etwas Kleines mit und gehen wieder. Heute wurde zum Beispiel in der Hauptschule eingebrochen. Gestohlen wurde
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fast nichts, aber der angerichtete Schaden ist trotzdem ärgerlich. Sehen Sie die Zuwanderung der Slowaken eher als Vorteil oder Nachteil? Sie hat Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehören zum Beispiel das neu entstandene Einkaufszentrum und dass wir durch die höhere Einwohnerzahl mehr Geld von der Regierung bekommen. Ein Vorteil ist auch, dass wir wachsen, während andere burgenländische Gemeinden aussterben. Ein Nachteil ist, dass wir den Kindergarten vergrößern und neue Straßen bauen müssen, das kostet alles Geld. Was bedeutet die Bausperre für die Slowaken? Kittsee hat im Moment keinen Bebauungsplan und die Bausperre war die schnellste Möglichkeit, um zu verhindern, dass wir zu einer einbetonierten Siedlung voller Hochhäuser werden, wie z. B. Petržalka. Das möchten wir nicht und das möchten auch die slowakischen Mitbürger nicht. Denn auch sie sind hierhergezogen, weil es hier grün, klein und friedlich ist. Die Bausperre heißt also nur so viel, dass
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man vorläufig außer Einfamilienhäusern mit maximal 500 Quadratmetern Baufläche, einem Stockwerk oder höchstens einem Stock mit ausgebautem Dach, nichts bauen darf. Also Einzelhäuser sind durchaus erlaubt, Kittsee soll ein Dorf blieben. Haben sich die Slowaken ins Gemeindeleben gut eingefügt? Zum Teil. Gleich bei der Dorfeinfahrt auf der rechten Seite gibt es die Steinfeldsiedlung, die hauptsächlich von Slowaken bewohnt wird. Wir bauen dort Startwohnungen für junge Kittseer. So werden die Kittseer mitten unter den Slowaken wohnen, womit wir zur Vermischung der Kulturen beitragen. Eltern mit Kindern kommen im Kindergarten zusammen und helfen dort bei der Vorbereitung von Festen. Auch bei der Feuerwehr und im Musikverein haben wir Slowaken. Jetzt beginnt im Schloss das Projekt KiKi – Kinder in Kittsee, das wurde für junge Mütter mit Babys organisiert.
NACHBARN / PUBLIC RELATIONS
Unterrichtsministerium geförderte Kurs „Vater, Mutter, Kind lernt Deutsch“. Kommt es zwischen den verschiedenen Kulturen auch zu Konflikten? Der Konflikt ist nicht zwischen den Kulturen oder Sprachen, sondern zwischen Land und Stadt. Weil das Verhalten anders ist. Am Land sind die Menschen zufriedener, in der Stadt sind sie anspruchsvoller. Das Stadtverhalten hat aber auch Vorteile. Früher war z. B. der Schlosspark leer. Jetzt ist er voll mit Leuten, die dort spazieren gehen und picknicken. Das macht man normalerweise nur in Städten. Sie können sich dort treffen, Kaffee trinken, plaudern, Erfahrungen austauschen. Die Slowaken können überall mitmachen, aber das braucht alles seine Zeit. Wir planen auch slowakische Veranstaltungen im Schloss. Zurzeit bereiten wir da den Kultursommer vor. Wie funktioniert die sprachliche Verständigung?
Zu Bauverhandlungen nehmen die Slowaken einen Dolmetscher mit, aber die meisten können ja Deutsch und die Kinder sowieso. In der Neuen Mittelschule, ab zehn Jahren, haben wir jetzt die Fremdsprache Slowakisch ebenso als Pflichtfach wie Englisch. Ich finde, das ist gut für die Kinder. In der Volkschule ist Slowakisch aber noch freiwillig. Es gibt auch Deutschkurse. Im Kindergarten z. B. läuft der vom
Sprechen Sie Slowakisch? Ich habe Russisch studiert, ich verstehe also ein bisschen. Ich habe auch viele slowakische Kollegen im Spital, wo ich arbeite. Da merkt man schon, sie passen auf, wenn ich daneben bin. Ich habe es schon auch versucht zu lernen, aber bei meinen Antworten kommt dann doch immer Russisch heraus.
Gasthaus Leban Wir Würden uns freuen, sie in unserem Gasthaus beWirten zu dürfen, Welches nur ca. 10 autominuten von bratislava entfernt ist. Unser Restaurant bietet Platz für ca. 100 Personen. Gerne veranstalten wir Ihre Feiern (Firmung, Hochzeit, Kommunion, Taufe, Geburtstag, Verlobung). Weiters nehmen wir Anfragen zu Busreisen entgegen und stellen verschiedene Angebote aus. Von Mittwoch bis Freitag bieten wir 2 Wochentagsmenüs, sowie am Sonntag 1 Festtagsmenü, welche Sie dem Menüplan entnehmen können. Auf unsere Speisekarte bieten wir verschiedenes von, Schwein, Rind, Geflügel, Lamm, Fisch, vegetarisch sowie Wild in der Saison. Unsere Angebot umfasst auch Produkte zum mitnehmen wie zum Beispiel eine Auswahl von hausgemachten Marmeladen und Kompotten. Weiters finden Sie in unserem Betrieb einen Gastgarten vor, welcher über ca. 100 Sitzplätze verfügt. Da der Garten komplett von alten Weinstöcken überwachsen ist, sitzen Sie den ganzen Sommer im Schatten. Mit unseren 5 Gästezimmern bieten wir Ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit. Besonders stolz sind wir auf die Auszeichnung „burgenländischer Genusswirt des Jahres 2011, 2013 und 2014“. unter den nPz-abonnentinnen verlosen wir diesen monat 2 x 2 sonntagsmenüs im Gasthaus leban in Kittsee! die Gewinner werden per e-mail verständigt.
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Service & Expertenkommentare
Bis wann können (ausländische) Investoren die Slowakische Republik
in Investitionsschiedsverfahren noch klagen?
In letzter Zeit begegnet die Slowakei mehreren millionenschweren Investitionsschiedsverfahren, in denen wir durch ausländische Investoren geklagt werden. Wir sind der Staat in der EU, der am dritthäufigsten geklagt wird. Alle Klagen “werfen“ der Slowakei vor, dass sie die Rechte von ausländischen Investoren verletzt, die in den sogenannten zweiseitigen Verträgen über den Investitionsschutz garantiert sind. Die Staaten haben in Verträgen zugestimmt, dass Schiedsverfahren die ausschließliche Art und Weise der Lösung von Streitigkeiten zwischen ihnen und den ausländischen Investoren sein sollen. Nachdem sich die Zahl solcher Schiedsgerichts-Streitigkeiten in den letzten 10 Jahren versechsfacht hat, ist nicht nur die Slowakei bestrebt, einen Ausweg aus diesem System zu finden. Es ist umstritten, ob es durch den vorbereitenden Vertrag zwischen der EU und den USA über den offenen Markt, dem sogenannten Freihandelsabkommen (TTIP - Transatlantic Trade and Investment Partnership) erreicht werden kann.
Von Andrej Leontiev (li.) und Radovan Pala, Partner bei TaylorWessing enwc Rechtsanwälte in Bratislava, www.taylorwessing.com
Staaten werfen dem bestehenden Modell vor, dass es die sogenannte legislative Souveränität beschränkt, die Regulierungsbedürfnisse mancher Bereiche nicht berücksichtigt, nicht transparent ist, die Entscheidungen nicht einheitlich sind, die Schiedsrichter oft aus dem Rechtsanwaltsstand kommen (und daher nicht wirklich unabhängig sind), die Mittel der Richtigkeitskontrolle von Entscheidungen fehlen und dass die Kosten solcher Verhandlungen zu hoch sind. Die EU und die USA haben die Gelegenheit genutzt und versuchen gemeinsam, das existierende System der Lösung von Streitigkeiten zwischen In-
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vestoren und Staat (das sogenannte ISDS - Investor-State Dispute Settlement) im vorbereitenden Vertrag über den offenen Markt zu reformieren. Der TTIP-Vertrag (das Freihandelsabkommen) könnte schon in einigen Monaten in Kraft treten. Der Entwurf des Vertrags, der in Bezug auf Investoren aus den USA verbindlich für alle EU-Mitgliedstaaten sein wird, beinhaltet folgende Prinzipien: (i.) Das Schiedsverfahren als Lösung von Streitigkeiten bleibt erhalten, (ii.) Das Recht des Staates, ausgewählte Bereiche (Umwelt, Gesundheitsschutz, soziale Leistungen usw.) zu regulieren, wird garantiert, also ohne jedes Risiko, dass ihm die Pflicht der Kompensationszahlung droht, (iii.) Schiedsrichter müssen die Rechte der Investoren so anwenden, wie die Staaten es ihnen „erklären“, (iv.) Schiedsverfahren werden transparent – Verhandlungen und Dokumente werden grundsätzlich öffentlich, (v.) Schiedsrichter werden aus dem durch die Staaten anerkannten Verzeichnis ausgewählt und
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ihre Entlohnungen und Prozesskosten sowie die Höhe der maximalen Kompensationen werden „angemessen“ sein. Als die größte Systemänderung betrachten wir die Einführung eines Berufungsmechanismus, der heute noch nicht vorhanden ist. Obwohl die genaue Gestaltung der Berufung noch nicht bekannt ist, stellt sie eine Revolution in Investitions-Schiedsverfahren dar. Wir erwarten, dass der Mechanismus der Lösung von Streitigkeiten im TTIP einen neuen Standard für Investitionsschiedsverfahren einführen wird. Wir erwarten auch, dass dieser Mechanismus früher oder später weltweit für ca. 2.500 heute geltende Verträge über den Investitionsschutz übernommen wird. In der EU läuft allerdings noch eine wesentliche Gesetzesinitiative. Es wird nämlich eine europäische Regelung vorbereitet, die der EU vorschreiben soll, die entstandenen Schäden, die der Mitgliedstaat aufgrund eines Schiedsgerichtsverfahrens zahlen muss,
auszugleichen, wenn der Mitgliedstaat die Rechte des Investors als Folge der korrekten Implementierung des europäischen Rechtes verletzt hat. Auch bleibt fraglich, ob es gelingt, Schiedsgerichtsverfahren für die Lösung von Streitigkeiten zwischen EU-Mitgliedsstaat und Investoren aus einem anderen Mitgliedsstaat beizubehalten. Die Europäische Kommission behauptet nämlich, dass Schiedsgerichtsverfahren in diesem Fall im Widerspruch zu EU-Recht stehen, da sie Investoren aus jenen Staaten, die keine solchen Verträge haben, diskriminieren. Die Slowakei hat im Prozess mit Achmea schon versucht, das Schiedsgerichtsverfahren aus diesem Grund anzufechten - jedoch ohne Erfolg. Wir vermuten, dass in Bezug auf den aktuellen Zustand der Justiz in den postsozialistischen Ländern das unabhängige Investitions-Schiedsgerichtsverfahren– zumindest vorrübergehend – das allein mögliche Mittel darstellt, für eine gerechte und schnelle Lösung von Streitigkeiten zwischen Investoren und Staat zu sorgen.
Service & Expertenkommentare
Vergütung von Gesellschaftsorganen (z.B. als Geschäftsführer, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglied) Gemäß den geltenden gesetzlichen Bestimmungen kann eine unentgeltliche Ausübung einer Funktion eines Mitglieds des Gesellschaftsorgans (z.B. als Geschäftsführer, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglied) nur schriftlich vereinbart werden, d.h. in Form eines zwischen dem Unternehmen und dem Mitglied des Gesellschaftsorgans abgeschlossenen Vertrags über die Funktionsausübung (§ 66 Abs. 3 HGB).
JUDr. Gabriela Semančíková, LL.M. MBA www.aks.sk
Andernfalls gilt, dass das Beschäftigungsverhältnis zwischen dem Unternehmen und dem Gesellschaftsorgan den Bestimmungen über Mandatsverträge unterliegt, wobei es ausgeschlossen ist, dass das Mandatsverhältnis als unentgeltlich vereinbart wird (§ 566 ff. HGB). Die Bestimmungen einer etwaigen Wahl der Mitglieder der Gesellschaftsorgane treten in der Regel am Tage der Ernennung oder der Wahl in Kraft, d.h. ab diesem Augenblick gelten auch die gesetzlichen Bestimmungen des Mandatsvertrags hinsichtlich der Rechtsverhältnisse zwischen dem Unternehmen und dem Mitglied des Gesellschaftsorgans. Hinsichtlich der Höhe der Vergütung für die Gesellschaftsorgane gilt, dass falls die Höhe der Vergütung nicht im Vertrag festgelegt ist, das Gesellschaftsorgan Anspruch auf eine zur Zeit des Vertragsabschlusses für eine der ausgeübten Tätigkeit ähnliche Tätigkeit übliche Entlohnung hat (§ 571 HGB). Unternehmen haben mit den Mitgliedern in ihren Organen zumeist keine Verträge über die Funktionsausübung abgeschlossen und meinen daher oft, dass die Gesellschaftsorgane ihre Tätigkeit also unentgeltlich ausüben. Damit setzen sie sich jedoch dem Risiko aus, dass sie
nach Beendigung der Tätigkeit des Gesellschaftsorgans vom Gericht beauflagt werden, wie oben beschrieben eine Entlohnung auszuzahlen, sofern das Gesellschaftsorgan seinen derartigen Anspruch rechtzeitig gerichtlich geltend macht. Die derzeitige Rechtsprechung bestätigt die Rechtsansicht, wonach die unentgeltliche Funktionsausübung eines Gesellschaftsorgans alleinig schriftlich im Rahmen des Vertrags über die Funktionsausübung vereinbart werden kann. Der Anspruch des Gesellschaftsorgans auf Vergütung bleibt selbst für den Fall erhalten, dass es gleichzeitig einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen hatte. Die auf der Grundlage eines Arbeitsvertrag oder eines anderen arbeitsrechtlichen Verhältnisses geleisteten Tätigkeiten sind jedoch völlig anderer Wesensart als die im Rahmen der Funktionsausübung des Gesellschaftsorgans geleisteten Tätigkeiten, und deshalb kann ein mit dem Gesellschaftsorgan abgeschlossener Arbeitsvertrag ein handelsrechtliches Verhältnis des Gesellschaftsorgans mit dem Unternehmen hinsichtlich der Funktionsausübung eines Gesellschaftsorgans nicht ersetzen. Um eventuellen Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Unternehmen und dem Gesellschaftsorgan über den Anspruch
einer Vergütung der Funktionsausübung vorzubeugen, ist es notwendig, seitens des Unternehmens einen schriftlichen Vertrag über die Funktionsausübung aufzusetzen und auf der Gesellschafterversammlung darüber abstimmen zu lassen. Nur und alleinig der Abschluss eines solchen schriftlichen Vertrags, in dem die Höhe der Vergütung bzw. die Unentgeltlichkeit der Funktionsausübung des Gesellschaftsorgans festgelegt ist, kann der Geltendmachung von Ansprüchen auf die Auszahlung von Entlohnung seitens der Gesellschaftsorgane (z.B. Geschäftsführer, Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglied) einen Riegel vorschieben.
Advokátska kancelária JUDr. Gabriela Semančíková LL. M., MBA, Hviezdoslavovo námestie 7, 811 02 Bratislava telefón: +421-2-4910 4011-3 fax: +421-2-4910 4015 e-mail: Semancikova@aks.sk www.aks.sk
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Internationale Maschinenbaumesse Nitra Bereits zum 21. Mal fand heuer in der Agrokomplex-Veranstaltungsarena in Nitra die Internationale Maschinenbaumesse statt. Vom 20. bis 23. Mai 2014 stellten die bedeutendsten slowakischen und internationalen Maschinenbauunternehmen in dem Messezentrum Produkte und Dienstleistungen zur Schau. Auf der Messe waren auch bekannte österreichische Firmen wie Rübig GmBH mit unübersehbaren Ständen vertreten. Die gut etablierte Fachmesse bietet nicht nur für Maschinenbauer, sondern auch für andere technologisch verbundene Industriezweige ein ideales Schaufenster. Text und Fotos: AußenwirtschaftsCenter Bratislava
Für österreichische Firmen, die auf dem slowakischen Markt noch nicht vertreten sind, bietet das AußenwirtschaftsCenter Bratislava die Möglichkeit, im Rahmen eines österreichischen Gruppenstandes teilzunehmen. Zukünftige Exporteure erhalten so oft erstmals die Möglichkeit, konkrete Geschäftskontakte zu knüpfen, und einen wertvollen Einblick in den anvisierten, neuen Markt – und damit die Sicherheit, die sie brauchen. Unternehmen können sich dadurch kostengünstig, rasch, marktnahe und vor allem vor Ort ein Bild über die Marktgegebenheiten machen. Das AußenwirtschaftsCenter Bratislava beteiligt sich in der Slowakei schon seit ei-
nigen Jahren an unterschiedlichsten Messen, wie der Lebensmittelmesse Danubius Gastro oder auch der Baumesse Coneco in Bratislava. Zu den neueren Messen zählen neben der ELO SYS in Trenčín (eine Messe für Elektrotechnik, Elektronik, Energetik und Telekommunikation) eben auch die Maschinenbaumesse in Nitra. Durch diese Nachbarschaftsmessen wird für Neuexporteure der Eintritt in den slowakischen Markt und der Aufbau von Kontakten proaktiv unterstützt und gefördert. Das AußenwirtschaftsCenter Bratislava nahm bereits zum zweiten Mal an der Maschinenbaumesse Nitra teil; Sechs österreichischen Unternehmen wurde damit
die Möglichkeit geboten, ihre Produkte und ihr Know-How unter dem Dach von ADVANTAGE AUSTRIA zu präsentieren. Der slowakische Wirtschaftsminister Tomáš Malatinský besuchte, wie auch im Vorjahr, den Stand und zeigte großes Interesse an den österreichischen Ausstellern. Begleitend zur Messe fand die Engineering Matchmaking Fair statt. An einem Messetag konnten Firmen direkt auf der Messe bilaterale Gesprächstermine wahrnehmen. Die Zeit auf der Messe wurde so optimal für neue Geschäftskontakte sowie für die Kundenpflege mit bereits existierenden Kunden genutzt.
Die Maschinenbaumesse in Zahlen: • mehr als 400 ausstellende Unternehmen • aus 25 Ländern weltweit • auf einer Gesamtfläche von über 23.000 m2
Von links: František Ďurkovič (Messedirektor), Alexej Beljajev (Präsident des Slowakischen Maschinenverbandes), Tomáš Malatinský (Wirtschaftsminister), Patrick Sagmeister (WD Slowakei), Markus Wuketich (Österreichischer Botschafter in der Slowakei)
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Ausländische Handelskammern versammelten in Poprad 130 Unternehmer Am Donnerstag, dem 15. Mai 2014 begrüßte die AquaCity Poprad 130 Unternehmer aus der ganzen Slowakei, die in der informellen Vereinigung ausländischer Handelskammern in der Slowakei aktiv sind. Die Veranstaltung wurde von der britischen, französischen, spanischen, niederländischen, deutschen, österreichischen, schweizerischen, schwedischen und italienischen Handelskammer jeweils mit den slowakischen Partnern organisiert. Der Hauptprogrammpunkt war die Präsentation der Tourismusregion Poprad und der hiesigen Investitionsmöglichkeiten, sowie die Begrüßung des neu gewählten Staatsoberhauptes Andrej Kiska, der aus Poprad stammt und seine kostbare Zeit einem Vortrag über das Unternehmertum widmete. Der Abend wurde von Lívia Eperjesiová, Direktorin der Britischen Handelskammer in der Slowakei, moderiert. Text und Fotos: Slowakisch-Österreichische Handelskammer
Für AquaCity Poprad stellte sich der Generaldirektor Richard Pichonský vor. Er präsentierte neue Vorhaben der Gesellschaft und äußerte seinen Stolz über die Vielzahl der Preise, die die AquaCity seit ihrer Entstehung gewonnen hat. An diesem Abend nahm der Mehrheitseigner der Gesellschaft, Ján Telenský, die Plakette „GBE Factory“ entgegen, eine Würdigung im Rahmen des Projekts GREEN BLUE ENERGY FACTORY (Intelligente Energie für Europa). Übergeben wurde diese vom Generalsekretär der Italienisch-Slowakischen Handelskammer Giorgio Dovigi. Der Direktor der SOPK in Poprad, Jozef Hrobák, sprach über die Region mit ihren großartigen Möglichkeiten und Chancen für Unternehmer. Der Höhepunkt des Abendprogramms war der Vortrag des neu gewählten Staatspräsidenten Andrej Kiska, der mit seiner menschlichen und witzigen Darstellung seines eigenen Weges zum wirtschaftlichen Erfolg und zur Philanthropie großen Beifall fand. Er wies auf die Beobachtungen hin, die er als Manager in der Praxis gemacht hat, gab Ratschläge, die sich bei
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ihm bewährt haben, und teilte Erfahrungen mit. Zum Vergleich slowakischer und ausländischer Unternehmer äußerte er: „Die Slowakei ist ein wunderschönes Land mit fähigen und fleißigen Menschen. Was ihnen manchmal fehlt, ist die Ambition und die Fähigkeit, sich gut darzustellen. Ich hoffe, dass es auch dank der ausländischen Handelskammern gelingen wird, der Marke MADE IN SLOVAKIA den ihr gebührenden Platz zu verschaffen.“ Abschließend taufte er gemeinsam mit Juraj Miškov, dem ehemaligen Wirtschaftsminister, heute Parlamentsabgeordneter und Präsident der Gesellschaft Slovak Invest, die Publikation INVESTOR´S GUIDE TO SLOVAKIA 2014. Diesem bedeutenden geselligen Ereignis gingen Besuche in sieben Unternehmen voraus, wo die Mitglieder der beteiligten Handelskammern interessante Besonderheiten der Fertigung kennenlernten bzw. kulinarische Künste beurteilten. „Das große Interesse der Unternehmer und unserer Mitglieder an der Region Spiš (Zips) hat uns sehr gefreut, und wir hoffen, dass das Handbuch für Investoren,
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sowie die Anwesenheit des künftigen Präsidenten der Slowakischen Republik uns weitere Investitionen und erfolgreiche Geschäfte für Poprad und Umgebung einbringen werden. Ich bin überzeugt, dass die Zipser Region Potential für weitere Investitionen aus Österreich bietet“, sagte Dr. Richard Teichmann, Vorstandsmitglied der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer. (Bischoff & Compagnons Property Networks Slovakia, s.r.o.) „Auf die zweitägige Reise zum Kennenlernen der Partner und der Region Poprad gibt es seitens unserer Mitglieder sehr positive Reaktionen. Die Mitglieder unserer Kammern hatten die Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernen und Betriebsstätten zu besichtigen, die sie bisher nicht gesehen hatten. Aber vor allem hatten sie Gelegenheit zur Begegnung mit dem unlängst gewählten Staatspräsidenten Andrej Kiska, der ihnen praktische Ratschläge vermittelte, wie man im Business erfolgreich sein kann“, sagte zu Veranstaltungsschluss Lívia Eperjesiová im Namen der ausländischen Handelskammern in der SR.
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ABEND DER ORIGINALCHOREOGRAPHIEN NACH MOTIVEN DES THEATERSTÜCKES VON WILLIAM SHAKESPEARE
Das Slowakische Nationaltheater ist eine durch das Kultusministerium der Slowakischen Republik staatlich subventionierte Organisation. Dizajn: Emil Drličiak
Choreografie Jaro Viňarský, Andrej Petrovič, Stanislava Vlčeková Inszenierung Jozef Vlk Musik Jozef Vlk, Peter Zagar Bühne Tom Ciller Generalpartner
Hauptpartner
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Kostüme Katarína Holková Lichtdesign Robert Polák Projektion Martin Piterka, Alex Zelina Mitwirkende Solisten und Ensemble des Balletts des SND Hauptpartner des Balletts des Slowakischen Nationaltheaters
Offizielles Mineralwasser für Slowakisches Nationaltheater
PREMIÉRY 30. Mai 2014 um 19.00 Uhr 31. Mai 2014 um 19.00 Uhr Historisches Gebäude des SND Partner der Premieren des Slowakischen Nationaltheaters
Medienpartner
Die Eintrittskarten sind an den Kassen des Slowakischen Nationaltheaters, an der Kasse im Einkaufszentrum OC Eurovea sowie online auf www.navstevnik.sk erhältlich.
5. 6., Donnerstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater – Oper Bratislava Historisches Gebäude des SND
6. 6., Freitag um 19.00 Uhr Balet Györ Györ, Ungarn
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
7. 6., Samstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater – Ballett Bratislava Historisches Gebäude des SND
Ľubica Čekovská
DORIAN GRAY
KODÁLY, LA VIE EN ROSE
Musikalische Einstudierung Christopher Ward Inszenierung Nicola Raab
KODÁLY Choreografie László Velekei LA VIE EN ROSE Choreografie Ben Van Cauwenbergh
Konzept und Choreographie Stanislava Vlčeková, Jaro Viňarský, Andrej Petrovič Inszenierung Jozef Vlk
8. 6., Sonntag um 19.00 Uhr Nationaltheater Prag Prag, Tschechische Republik
9. 6., Montag um 19.00 Uhr Theater Tanzstudio BanskáBystrica
9. 6., Montag um 19.00 Uhr Neue Oper Wien Wien, Österreich
Giuseppe Verdi
Katarína Máliková
Harrison Birtwistle
SIMON BOCCANEGRA
DIE HEITERKEITEN DER VERGANGENHEIT
PUNCH AND JUDY
Oper in drei Akten in englischer Sprache
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
Oper in drei Akten mit Prolog
THE TEMPEST
Abend der Originalchoreographien
Neues Gebäude des SND, Studio
Historisches Gebäude des SND
Tragische Komödie in einem Akt
Musikalische Einstudierung Jaroslav Kyzlink Inszenierung David Pountney
Original-Tanzspiel
10. 6., Dienstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Oper Bratislava
11. 6., Mittwoch um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Ballett Bratislava
11. 6., Mittwoch um 19.00 Uhr Staatstheater Košice Košice
Giuseppe Verdi
Sergej Sergejevič Prokofiev
Francis Poulenc
RIGOLETTO
ROMEO UND JULIA
GESPRÄCHE DER KARMELITINNEN
Musikalische Einstudierung Friedrich Haider Inszenierung Martin Schüler
Musikalische Einstudierung Rastislav Štúr Choreografie und Inszenierung Massimo Moricone
Oper in drei Akten
12. 6., Donnerstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Oper Bratislava
13. 6., Freitag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Oper Bratislava
14.6., Samstag um 19:00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Ballett Bratislava
Giacomo Puccini
Piotr Iljitsch Tschaikowsky
Felix Mendelssohn-Bartholdy
LA BOHÈME
PIQUE DAME
EIN SOMMERNACHTSTRAUM
Musikalische Einstudierung Friedrich Haider Inszenierung Peter Konwitschny
Musikalische Einstudierung Rastislav Štúr Inszenierung Marián Chudovský
15. 6., Sonntag um 19.00 Uhr Mährisch-Schlesisches Nationaltheater - Oper Ostrava, Tschechische Republik
16. 6., Montag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Oper Bratislava
19. 6., Donnerstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Ballett Bratislava
Bohuslav Martinů
Wolfgang Amadeus Mozart
Piotr Iljitsch Tschaikowsky
MIRANDOLINA
LA CLEMENZA DI TITO
ONEGIN
Musikalische Einstudierung Marko Ivanović Inszenierung Jiří Nekvasil
Musikalische Einstudierung Inszenierung Jiří Nekvasil
Musikalische Einstudierung Peter Feranec Choreografie und Inszenierung Vasily Medvedev
20.6., Freitag um 19:00 Uhr Palissimo, New York Palissimo Company, New York New York, USA
21. 6., Samstag um 19.00 Uhr Slowakisches Nationaltheater - Ballett Bratislava
Pavel Zuštiak, Jaro Viňarský
Piotr Iljitsch Tschaikowsky
THE PAINTED BIRD
DORNRÖSCHEN
Konzept, Inszenierung und Choreografie Pavel Zuštiak Tanz und choreografische Zusammenarbeit Jaro Viňarský
Musikalische Einstudierung Martin Gigac Choreografie und Inszenierung Vladimir Malakhov
Neues Gebäude des SND, Opern- und Ballettsaal
Oper in drei Akten in italienischer Sprache
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
Oper in vier Bildern in italienischer Sprache
Historisches Gebäude des SND
Komische Oper in drei Akten
Historisches Gebäude des SND
Choreografie
Musikalische Einstudierung Walter Kobéra Inszenierung Leonard Prinsloo
Milan Tomášik
Neues Gebäude des SND, Opern- und Ballettsaal
Ballett in drei Akten
Neues Gebäude des SND, Opern- und Ballettsaal
Oper in drei Akten in russischer Sprache
Historisches Gebäude des SND
Opera seria in zwei Akten in italienischer Sprache Friedrich Haider
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
Klassisches Ballett in drei Akten
Historisches Gebäude des SND
Musikalische Einstudierung Ondrej Olos Inszenierung Linda Keprtová
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
Musikalische Einstudierung Peter Valentovič Choreografie und Inszenierung Youri Vámos
Neues Gebäude des SND, Opern und Ballettsaal
Ballettdrama in zwei Akten
KULTUR
Ruhrtriennale – die alternative Form, Kunst zu erleben Ein Festival der besonderen Art: NPZ-Mitarbeiterin Katarína Kironská war 2013 im Rahmen eines internationalen Besucherprogramms bei der "Ruhrtriennale" und will slowakischen Interessierten Lust auf das Folgeprogramm in diesem Jahr machen. Anmeldungen für das Programm 2014 sind auf der Webseite www.ruhrtriennale.de möglich. Text: Katarína Kironská, Fotos: Ruhrtriennale
Die Ruhrtriennale ist ein internationales Fest der Künste im Ruhrgebiet, einem Ort der rohen Schönheit im Westen Deutschlands. Das Kunstfestival findet schon seit 2002 jährlich unter in einem Zyklus von drei Jahren wechselnder künstlerischer Leitung statt. Unter der Intendanz des Komponisten und Regisseurs im Bereich Musiktheater, Heiner Goebbels (2012-2014), bekam die Veranstaltung einen noch internationaleren Klang und den Untertitel „International Festival of the Arts“. Goebbels´ Bemühungen zielen auf die Vorstellung der weltweit spektakulärsten Künste im Bereich von Musik und Film - von bedeutenden ebenso wie auch ganz unbekannten Namen. „Wir wollen ihre künstlerischen Experimente mitverfolgen und Sie an dieser Entwicklung teilhaben lassen“, sagt sich Goebbels. Zum Schwerpunkt des Programms im letzten Jahr wurde das Verhältnis von
Ton und bewegtem Bild. In diesem Sinne wurden z.B. Vorstellungen der Quai Brothers, von Actual Remix und Massive Attack präsentiert. Zu den Höhepunkten des Jahrgangs 2013 gehörten Persönlichkeiten wie Lachmann, Stockhausen, Lutoslawski, Robert Wilson und Heiner Goebbels. Als Schauplätze nutzte man Industriegebäude, ehemalige Zechen, Maschinenhallen, Stahl- und Walzwerke der Region, wodurch den Aufführungen ein Hauch des Mysteriösen, des Erschreckenden und Liebevollen zugleich verliehen wurde. Durch diese einzigartige Kombination des Themas und der Stätte, wurde die Ruhrtriennale zu einem Ort, an dem die Kunst wortwörtlich unter die Haut dringt. Was die Ruhrtriennale auszeichnet, ist die Darstellung alternativer Kunst an alternativen Plätzen, die selbst mit der Zeit zu Kunstwerken wurden. Kunst soll hier nicht nur konsumiert werden. Sie
Das Avantgarde-Maschinenkunstwerk „Stifters Dinge“
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Heiner Goebbels, Leiter der Ruhrtriennale (2012-2014) soll in den Besuchern wirken, Emotionen wecken und eine Einheit zwischen Künstler und Besucher bewirken. Auf dieser Grundlage baute der künstlerische Leiter des Festivals seine Vorführung, die beeindruckende Klanginstallation „Stifters Dinge: The unguided Tour“, auf. Die Installation ist eine Mischung aus Wahrnehmungen, Vorstellungen und Empfindungen, eine starke künstlerische Erfahrung. Eine poetische Einladung in einen Raum voller Bilder und Töne, in die neuzeitliche Welt Adalbert Stifters, der sich auf seinen literarischen Streifzügen
„Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, eine erschreckend schöne Oper
KULTUR
Der begehbare Wasserturm
Industriegebäude als Schauplätze des Kulturfestivals im frühen 19. Jahrhundert hingebungsvoll den Erscheinungen am Rande des Geschehens widmete. Im Mittelpunkt stehen nicht Personen, sondern erstens Dinge, die im Theater als Requisiten eine ergänzende Funktion haben, wie z.B. der Vorhang, Bilder und Instrumente. Zweitens Elemente wie Wasser in Formen wie Regen, Feuer als Licht, Luft in Gestalt von Wind und Erde in einer Form von Steinen. Drittens ergänzen Töne, Melodien, Geräusche und aus verschiedenen Ecken aufschreiende, körperlose Stimmen das Ganze zu einem großen und faszinierenden Avantgarde-Maschinenkunstwerk. Das Spezifikum der „Unguided Tour“ lag in der Möglichkeit der Besucher, sich in unmittelbarer Nähe des Kunstwerks frei zu bewegen, die „Dinge“ selber zu erforschen und mit eigenen Assoziationen zu verbinden. Das Kunstwerk fand erst in der Wahrnehmung des Besuchers seine Vollendung. „Ich frage oft meine Besucher, wie sie die Installation fanden und welche Gefühle sie in ihnen weckte. Eine sagte, sie musste weinen und eine andere hätte sogar Gott gesehen“, schildert Goebbels. Rund 150 Kulturproduktionen aus den Bereichen Musik, bildende Kunst, Theater, Tanz und Performance wurden in den sechs Wochen zwischen August und Oktober vorgeführt und von täglichen geführten Rundgängen und Einblicken in die industriekulturelle Geschichte des Ruhrgebiets umrahmt. Ein echter Hingucker war Helmut Lachenmanns einzige Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ unter der Regie von Robert Wilson und begleitet
"Tumbeltalk" zwischen Künstler und Besuchern vom Symphonieorchester des Hessischen Rundfunks. Die von ungeheuerlichen Geräuschen umrahmte Oper wird als zukunftsweisende Musiktheaterschöpfung des 20. Jahrhunderts betrachtet. Hans Christian Andersens trauriges Märchen bekam unter Lachemanns Hand eine ganz neue, gesellschaftlich aktuelle, so wie auch künstlerisch bedeutende Dimension. Die Geschichte des erfrierenden Mädchens wird nicht von den typischen Tönen einer Oper erzählt, sondern etwas gespensterhaft und kalt von Geräuschklängen wie Quietschen, Knirschen, Knarren dargestellt. Um eine noch tiefere Impression zu bewirken, gestaltete Robert Wilson den Schauplatz, die Jahrhunderthalle Bochum, so, dass die Zuschauer rund um die Bühne saßen und das Orchester sie in einem vollständigen Ring umkreiste. Ein sinnliches Erlebnis aus prasselnden Regentropfen errichtete das Londoner Studio rAndom International auf dem Gelände des Welterbe-Gebäudes Zollverein. Mit Regenmantel und ohne Schuhe durfte man sich unter die Strömung des Wassers stellen und die Kraft dieses Elements bewundern. Der 19 Meter hohe, massive Turm war im ständigen Wandel. In einem Augenblick erschien er und spielte mit dem Licht der Sonne, im anderen verschwand er und entstand wieder aufs Neue. Das rAndom International machte sich mit dieser Installation zum Ziel, auf die Verbindung von Natur und Architektur hinzuweisen und den Blick auf das Welterbe Zollverein neu zu definieren. Bei der Ruhrtriennale geht es nicht nur um das Sehen, Hören und Fühlen, sondern auch um den Austausch von
Assoziationen in Gesprächen zwischen Künstler und Publikum in den so genannten „Tumbeltalks“. Zugleich ist es eine Veranstaltung, die Kunstliebhaber an einem Ort versammelt, um die Schönheit der lebendigen und attraktiven Szenerie wie auch die verschiedensten Stile der Kunst zu feiern. Zwar dauert es noch ein bisschen, bis die Ruhrtriennale 2014 ihr letztes Jahr unter der Leitung von Heiner Goebbels beginnt, allerdings hat der Vorverkauf der Tickets bereits begonnen. Der Schwerpunkt des Programms 2014 liegt beim „Musiktheater, das die Grenzen zu den anderen Künsten nicht mehr kennt: zum Theater, zum Tanz, aber auch zur Ästhetik der Installation und Performance, die uns in den letzten beiden Jahren besonders unerwartete Erfahrungen ermöglicht haben“, freut sich Goebbels auf das kommende Kunstfestival. Zentrum der diesjährigen Festivalsaison vom 15. August bis 28. September 2014 ist die einzigartige Ruhrmetropole Duisburg. Besucher können sich auf herausragende Inszenierungen des Visuellen und Akustischen von Autoren wie Louis Andriessen („De Materie“), Igor Strawinsky („Le Sacre du Printemps“), Heiner Goebbels und Mathilde Monnier („Surrogate Cities Ruhr“), Morton Feldman und Samuel Beckett („Neither“) und vielen anderen freuen.
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KULTUR
Deutsches Sprachdiplom (DSD) an slowakischen Schulen beliebt Dass die Deutsche Sprache eine sehr starke Rolle in den Unterrichtsstunden an slowakischen Schulen spielt, ist gar keine Frage. Vor vier Jahren wurde eine schöne Tradition geboren – die feierliche Übergabe der Sprachdiplome der Stufe II an DSD-Schulen. Text: Katarína Gajdošíková, Fotos: Gymnasium Dubnica
Dieses Jahr fand die Feier im Austellungsraum des Kulturhauses in Dubnica nad Váhom statt. Den 57 Diplomanden von drei Sprachdiplomschulen aus Žilina, Prievidza und Dubnica überreichte Botschaftsrat Berndt Oesterlen von der Deutschen Botschaft persönlich die Diplome. Die Übergabe wurde von einem abwechslungsreichen Kulturprogramm umrahmt. Herr Oesterlen überreichte den erfolgreichsten Absolventen zudem auch
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noch Buchgeschenke. Zu den ausgezeichneten Absolventen gehören auch drei Schülerinnen der Gastgeberschule der Zeremonie, des Gymnasiums in Dubnica: Ľudmila Daňová, Nikola Jáňová und Dorota Jelínková. Das Gymnasium in Dubnica war zugleich die Schule mit den meisten erfolgreichen Absolventen. Den Abschluss der Feier bildeten Darbietungen traditioneller slowakischer Folklore.
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Berndt Oesterlen
KULTUR
Auf den Spuren deutscher Kultur in Bratislava Wo findet man in Bratislava einen Lehrer von Johann Wolfgang von Goethe? Was verschlug die Schokoladenfabrik Stollwerck aus Köln in die Stadt? Und warum findet man im Innenhof des Rathauses deutsche Inschriften, die auf die Vergänglichkeit der Zeit anspielen? Von Katrin Litschko in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Bratislava
Physiker Philipp Lenard Das Goethe-Institut Bratislava hat eine mobile App entwickelt, die Sie auf Entdeckungsreise in die slowakische Hauptstadt entführt. Sie begleitet Sie an Orte, die mit der deutschen Kultur zusammenhängen und bringt Ihnen die Geschichte hinter den Plätzen, Gebäuden und Persönlichkeiten näher. Auf einem Internetstadtplan, der auch offline und von der ganzen Welt aus abrufbar ist, sind die rund dreißig Spuren hinterlegt. Per Klick öffnen sich dann Texte, Fotos und Filmaufnahmen. So lassen sich direkt vor Ort Vergangenheit und Gegenwart miteinander vergleichen. Die NPZ stellt Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Bratislava in den folgenden Ausgaben jeweils eine ausgewählte Station der Spuren-App vor.
Hier finden Sie nähere Informationen über die App und den Weg zum Download:
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Der gebürtige Pressburger Philipp Lenard ist bisher der einzige Nobelpreisträger aus der Slowakei. Es handelt sich bei Lenard unzweifelhaft um eine beeindruckende Persönlichkeit, die die Physik der Jahrhundertwende maßgeblich beeinflusste. Andererseits muss konstatiert werden, dass er ein führender Gegner der Relativitätstheorie Albert Einsteins und ein Protagonist einer ideologisch und rassistisch bestimmten „deutschen Physik“ war. Philipp Lenard wurde in Pressburg, in der Kozia Straße am 7. Juni 1862 geboren. Im Herbst 1876 kam Lenard in die fünte Klasse der Pressburger Realschule in der Kostolná Straße 1. Zuvor war in diesem Gebäude seit 1673 ein von den Jesuiten geführtes katholisches Gymnasium untergebracht. Bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts konnte man hier die Ungarische königliche Realschule finden. Physik wurde hier von Virgil Klatt unterrichtet, welcher auf Lenards weitere Entwicklung einen außerordentlichen Einfluss ausübte. An dieser Schule entstand Lenards Interesse an den Kathodenstrahlen, deren Erforschung ihm 1905 den Nobelpreis für Physik einbrachte. Philipp Lenard ist am 10. Mai 1947 in Messelhausen (heute Teil von Lauda-Königshofen) gestorben. Das Schulgebäude gehört heute wieder dem Jesuiten-Orden und dient der Ausbildung der Religionslehrer.
goethe.de/bratislava/spuren
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KULTUR
Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská
Feste und Festivals Viva Musica! 21.6-28.6., Bratislava – Hauptplatz, Primatialpalais, Alter Marktplatz, Burg Auf dem Musikfestival erleben die Besucher schon zum zehnten Mal Abende voller Musik mit nationalen und internationalen Künstlern, die zu den besten zählen. Information: www.vivamusica.sk
büro BKIS. Die slowakische Hauptstadt ist im Sommer fest mit der Kultur verbunden. Im Laufe der kommenden drei Sommermonate präsentieren sich tausende internationale Künstler mit verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen. Letztes Jahr wurden die Festivalprogramme von über 70.000 Zuschauern besucht. Die Darsteller kommen aus 27 Ländern der ganzen Welt und treten auf 35 Bühnen in der ganzen Stadt auf. Das Festival Kultursommer und Burgfestspiele Bratislava umfasst mehr als 300 Veranstaltungen. Informationen: www.bkis.sk http://www.tourismbratislava.com/event/sk/kulturne-leto-a-hradne-slavnosti-bratislava/284
Programm: 21.6., 20:00, Bald!, Hauptplatz 22.6., 17:00, Die Zauberflöte, Primatialpalais 22.6., 20:00, Virtuoso, Hauptplatz 24.6., 20:00, Quasars Ensemble & Dalibor Karvay, Alter Marktplatz 25.6., 20:00, Xavier Sabata & Il Pomo Doro, Alter Marktplatz 26.6., 20:00, Korben Dallas Symphony, Alter Marktplatz 27.6., 20:00, Upir Nosferatu, Alter Marktplatz 28.6., 20:00, Viva Opera!, Burg http://www.vivamusica.sk/festival
Krönungsfeier 2014 28.-29.6., Bratislava – Altstadt Die Krönungsfeier ist eine spektakuläre dreitägige Veranstaltung im Zentrum von Bratislava. Die Besucher können hautnah eine der achtzehn Krönungen miterleben, die in Bratislava stattfanden. Die Veranstaltung findet alljährlich am vierten Juniwochenende statt, um der wichtigsten Krönung in Bratislava zu gedenken (Maria Theresia, 25.6.1741). In den drei Tagen versetzt sich die Stadt zurück in die Zeiten des pompösen Mittelalters, der Könige und Königinnen, der Adeligen und Troubadoure. Information: www.korunovacie.sk http://www.korunovacie.sk/
Kultursommer und Burgfestspiele 14.6.-30.9., Bratislava Das Festival findet bereits zum 38. Mal statt, zum 10. Mal organisiert es das Bratislavaer Kultur- und Informations-
Napoleons Belagerung von Bratislava 20.-23.6., Bratislava – Sad Janka Kráľa Vor 205 Jahren wurde das heutige Bratislava von den Truppen Napoleons belagert. 1809 fanden in Bratislava historisch bedeutende Schlachten statt, die Teil der groß angelegten militärischen Operationen des österreichisch-französischen Krieges von 1809 waren. Die Truppen des französischen Kaisers Napoleon haben über einen Monat vergeblich versucht, diese wichtige Stadt einzunehmen. Information: www.region-bsk.sk https://www.facebook.com/photo.php?fbid=111944706411&set=pb.1 11937816411. -2207520000.1400436034.&type=3&theater
Konzerte Andrea Zimányovás Chanson Abend 20.6., 18:30, Bratislava – Rafael Einen Abend voller Poesie, Musik und starker Emotionen verspricht Andrea Zimányiovás Chanson-Abend im Familienzentrum Rafael. Erwachsene erwartet außer Musik qualitätsvoller Whiskey und Kinder ein buntes Spielprogramm. Information: www.centrumrafael.sk/sansonovy-vecer-s-andreou-zimanyiovou Jazznova 20.6., 20:00, Bratislava – Strand unter dem Ufo Jazznova kehrt nach fast einem Jahr wieder nach Bratislava zurück und tritt im Rahmen des Festivals BA City Beats auf, das heuer zum zweiten Mal stattfindet. Jazzanova brachte im letzten Jahr das Album „Funkhaus Studio Sessions“ heraus. Darauf finden sich die beim Publikum beliebtesten LiveSongs, die im Studio erneut aufgenommen wurden. Dazu fügten sie ein paar neue Songs hinzu, wie z. B. „I Human“. Das Album wurde in den GDR Rundfunk Orchestra Studios in Berlin aufgenommen und kam unter dem Label Sonar Kollektiv heraus. Information: www.jazzanova.com http://www.jazzanova.com/about-jazzanova
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KULTUR
Musik Galakonzert der Kammeroper Bratislava 26.6., 19:30, Bratislava – Kulturhaus Zrkadlový háj Es handelt sich um das erste Galakonzert der Kammeroper Bratislava. Unter der Leitung von Lukáš Kunst Lederer treten neue Solisten und renommierte Persönlichkeiten auf, aber auch namhafte Gäste wie Božena Ferancová, Dušan Jarjabek und Ľudovít Ludha sind zu sehen und hören. Die Kammeroper von Bratislava ist ein wichtiges Kapitel in der Entwicklung des slowakischen Kulturlebens. Nach fünfzehn Jahren entstand die Kammeroper erneut. Zurzeit arbeitet sie eng mit den kulturellen Einrichtungen von Petržalka zusammen. Information: www.operaslovakia.sk, www.ticketportal.sk/event.aspx?id=92807
im Danubiana Meulensteen Art Museum seine bisher größte Sammlung von Werken. Es geht um insgesamt 110 Bilder, Zeichnungen und Malereien der Legende der tschechischen Kunst, Ivan Melicherčík. Leider starb Jiří Načeradský am Ende seiner Vorbereitungen der Exposition und so wird diese Ausstellung zu seiner ersten großen Gedenkretrospektive. Information: www.danubiana.sk/eng/exh_naceradsky.html http://www.naceradsky.cz/fotogalerie
Freizeit und Sport Antiquitätenbörse 21.6., 19.7., 07:30, Burg Červený Kameň Dies ist eine Veranstaltung, die nicht nur Antiquitätenliebhaber anspricht. Die Besucher erwartet beispielsweise eine reiche Auswahl an Münzen, Medaillen, Briefmarken oder Möbeln. Vor der malerischen Kulisse der Fugger-Burg aus dem 13. Jahrhundert können die Besucher in den Angeboten stöbern und allerhand Ausgefallenes entdecken. www.snm.sk/?muzeum-cerveny-kamen-uvodnastranka Mit dem Schiff nach Schloss Hof 1.7., 5.8., 2.9., Marchegg, Schloss Hof Zwischen Mai und September reisen Besucher jeden ersten Sonntag im Monat ganz bequem mit der MS Admiral Tegetthoff auf der Donau nach Schloss Hof. Von Hainburg verkehrt ein Shuttlebus ins Marchfeldschloss. Buchung: www.ddsg-blue-danube.at, Information: www.schlosshof.at Großes Barockfest 30. 6.,18:00, Schloss Hof Ein Abend ganz im Zeichen der barocken Festkultur! Die imperiale Kulisse von Schloss Hof wird zur glanzvollen Bühne für opulente Vergnügungen und höfische Lebensfreude. Musik und Tanz, Gaukler und Artisten sowie erlesene kulinarische Genüsse aus der Barockküche begeistern ebenso wie ein prächtiges barockes Feuerwerk zu Mitternacht. In historischen Abendroben wird dieser Kostümball zum einmaligen Erlebnis! Information: www.schlosshof.at Ausstellungen Jiří Načeradský – Sammlung von Ivan Melicherčík 15.6.-31.8., Bratislava - Danubiana Meulensteen Art Museum Vernissage: 14.6., 16 Uhr, Danubiana Meulensteen Art Museum Der bedeutende tschechische Maler Jiří Načeradský präsentiert Einen ausführlichen und regelmäßig aktualisierten Veranstaltungskalender finden Sie auf unserer Homepage:
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Skulptur und Objekt 2014 26.6.-24.8., Bratislava - Österreichisches Kulturforum Der ehemalige Präsident des Oberösterreichischen Kunstvereins Peter Paszkeiwicz hat schon zahlreiche Ausstellungen und Teilnahmen an Symposien sowie Arbeiten im öffentlichen Raum wie „Ein Stein für Gaweinstal“ (1993) und „Kunstfeld“ (2003 – 2005) hinter sich. Die Auswahl von Materialien, deren Bearbeitung, Formüberlegung, Oberflächenwirkung, souveräner Ausdruck und Ortsbezug sind zentrale Aspekte seiner bildhauerischen Arbeit. Information: www.rakuskekulturneforum.sk/program/2014/ Bewegte Ruhe vor dem Sturm. Die Zeit vor 2014 2.-20.6., Bratislava - Österreichisches Kulturforum Wanderausstellung Rückblickend wird die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg oft als „Ruhe vor dem Sturm“ dargestellt. Doch entgegen dieser gängigen Annahme durchlebte Österreich in jener Zeit eine Phase besonderer Schaffenskraft im Bereich der Kunst, Literatur, Musik und Wissenschaft: Sigmund Freud erforschte das Unbewusste unsere Existenz, Frauen begannen sich zu emanzipieren, Zionisten ersehnten einen Judenstaat, die Musik verließ die Fundamente der Harmonie, während sich die Malerei von der Gegenständlichkeit befreite. Information: www.rakuskekulturneforum. sk/program/2014/ Ernst Fuchs: Retrospektive 27.5.-21.9., Bratislava - Palffy-Palais Die Ausstellung präsentiert die bedeutendsten Werke des frühen wie auch des späteren Schaffens des Künstlers: Gemälde, Zeichnungen und Grafiken. Ernst Fuchs ist österreichischer Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer, Architekt, Bühnenbildner, Komponist, Dichter, Sänger und einer der Gründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Er wirkte in Paris, den USA und Israel. Sein Werk ist von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Ernst Munch wie auch durch das Schaffen alter Meister wie Albrecht Altdorfer
KULTUR
oder Albrecht Dürer geprägt. Information: www.rakuskekulturneforum.sk/program/2014/, www.gmb.sk, www.ernst-fuchs.at http://en.wikipedia.org/wiki/Ernst_Fuchs_%28artist%29#mediaviewer/File:Ernst_Fuchs_2007.jpg
Die andere Seite des Krieges Projekt zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs Der Erste Weltkrieg - der Große Krieg wird vor allem als Zusammenprall von zwei Einheiten interpretiert. Die Ausstellung im Museum der Stadt Bratislava zeigt den Ablauf des Ersten Weltkriegs aus der Sicht der städtischen Gesellschaft (Pressburg, Pozsony, Prešporok) und des weiteren Umfelds der Region. Information: www.muzeum. bratislava.sk http://www.kamdomesta.sk/images/?type=eventbig&src= 37004/images/kdm_1.jpg
Rahmenveranstaltungen: Thematische Vorträge: 19.6., 16 Uhr; 4.9, 16 Uhr; 18.9, 16 Uhr; 2.10., 16 Uhr. Konzert unter dem Turm (C und k. Blechbläser-Kammerorchester von Zbynek Kubáček): 19.6., 17.30; 2.10., 17:30. Der Große Krieg als Bildungsprogramm für Grundschulen und Gymnasien: täglich außer Montag nach Anmeldung (mmba@bratislava.sk)
GrenzFälle 14.6.-17.10., 11:00-18:00, Schloss Kittsee Die Ausstellung zum Thema 25 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs mit dem Titel GrenzFälle dokumentiert die Entwicklung Kittsees und des Großraums Bratislava von 1948 bis 1989. Die Ausstellung ist von 14. Juni - 17. Oktober 2014 an allen Wochenenden (Sa, So) von 11 bis 18 Uhr geöffnet und bietet auch Gruppenführungen für Schulen nach tel. Vereinbarung: +43 (0) 664 940 08 76. Information: www.kultursommer-kittsee.at/Kultursommer_Kittsee/Programm_2014.html Ballett Opern und Operetten Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Pique Dame 13., 14., 20., 21.6., 19:00, Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Oper in drei Akten in russischer Sprache Geld, Reichtum, und dadurch die höchste Verehrung in der Gesellschaft zu haben, ist eine Versuchung, der Hermann, Hauptdarsteller der Oper, nicht widerstehen kann. Zuerst glaubt er an billige Anleitungen zum Reichwerden, doch später scheut er vor nichts mehr zurück, um das ersehnte Geld zu bekommen, wobei der Preis, den er dafür zahlt, für alle vernichtend ist. Es bleibt die Frage offen, ob es nur Phantome der Vergangenheit sind, die heute noch so eine furchterregende Suggestion haben, oder ob diese alte Geschichte auch etwas mit unserer Gegenwart gemeinsam hat. Information: www.snd.sk/?programm-3 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/Tschaikowsky_EBieber_1888.jpg
22. LinGUiStikUnd LiteratUrtaGe Die internationale Fachtagung der Gesellschaft für Sprache und Sprachen, GeSuS, e.V. Jena „22. Linguistik- und Literaturtage in Banská Bystrica, Slowakei, 23.-25. Juni 2014“ findet unter Schirmherrschaft des IVF – International Visegrad Fund statt: IVF Standard Grant, Code: 21310140, Kategorie: Scientific Exchange and Research. Veranstalter: Matej-Bel-Universität in Banská Bystrica, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Germanistik. Projektleiterin: Dr. phil. habil. PhDr. Zuzana Bohušová, PhD. zuzana.bohusova@umb.sk Partnerinstitutionen: aus allen Ländern der Visegrad-Gruppe (V4) und Deutschland. Tagungs-Webseite: http://22-linguistik-und-literaturtage.webnode.sk/ Geplante Sektionen: Syntax und Morphologie, Grammatische Kompetenz – Teil der kommunikativen Kompetenz, Methodik Deutsch als Fremdsprache, Kunst und Kultur im DaF-Unterricht, Phraseologie und Parömiologie im Kontakt und Kontrast, Fachsprachen, Rechtssprache, Theolinguistik, Pragmalinguistik, Korpuslinguistik, Soziolinguistik, Linguistik und Literaturwissenschaft – Annäherungsversuche, Sprachkontakt in Literatur, Linguistik und Fremdsprachenunterricht. Das Projekt fördert das Konzept zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den V4-Ländern u.a. durch Verstärkung der Position des natürlichen Kommunikationsmittels – der deutschen Sprache, die im Visegrad-Raum eine lange Tradition hat.
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Linguistik- und Literaturtage Banská Bystrica 23.-25.06.2014 Slowakei
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