NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Ausgabe Juli/August 2014 > Jahrgang 2 > Nummer 7/8 > EUR 3.50 > www.npz-online.eu
POLITIK
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Der schweizer botschafter Alexander wittwer
regina Ovesny-straka ist wieder da!
wie fahren wir 端ber die Grenze?
zur Oper von wien nach bratislava
veranstaltungstipps
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NPZ Das deutschsprachige Magazin
Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei
Einfach sch旦n: Tipps f端r Reisen und Ausfl端ge in der Slowakei
TECHNOLOGIEN UNTER KONTROLLE Versorgung und Beleuchtung von Anlagen mithilfe elektrischer Energien Industrieautomatisierung Mess- und Regeltechnik
STUDIEN PROJEKTE LIEFERUNGEN MONTAGE INBETRIEBNAHME AHME SERVICE
PPA CONTROLL, a.s. | Vajnorskรก 137 | 830 00 Bratislava Tel: + 421 2 492 37 111 | + 421 2 492 37 374 ppa@ppa.sk | www.ppa.sk
INHALT
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NPZ Das deutschsprachige Magazin
Inhalt
Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei
titelthema
impressum NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 2, Nummer 7/8 - Juli/August 2014 Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376
Seite 19 Der Schweizer Botschafter Wittwer
Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, zum Jahreswechsel und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708 Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.
Sekretariat: DI Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260
Der Schweizer Botschafter Wittwer im Interview Kontinuität - Helmut Wessely Auszeichnung für Ondrej Pöss Ausstellung Der Große Krieg Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg Seite 29 Regina Ovesny-Straka ist wieder da!
Seite 45 Verkehr über die Grenze
Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik
Regina Ovesny-Straka ist wieder da! Markus Halt: Mein Bratislava Ausländische Medizinstudenten in Bratislava Hauptbahnhof Wien Steuervergleich Slowakei-Tschechien-Österreich Automobilzulieferer Märchenschloss: Château Béla Holzhäuser in der Slowakei
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Nachbarn Verkehr über die Grenze "Grenzfälle" Österreich - Slowakei
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partner SOHK: Sommerfest DSIHK: Krise des Ausbildungssystems Seite 54 Zur Oper von Wien nach Bratislava
kultur
Seite 63 Veranstaltungstipps
freizeit
Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 € Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava
Umschlagbild: Shutterstock, Tomáš Kostka
wirtschaft
Betriebssoftware als Neuerungskatalysator? Datenschutz - Novellen und Anpassungspflichten
Grafik: Tomáš Kostka
Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa
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Service & Experten
Ständige Mitarbeiterinnen der Redaktion: Mag. Ingrid Blasge, DI Jana Hrbeková, Mgr. Katarína Kironská, Katrin Litschko M.A., Dr. Gabriele Matzner-Holzer, Mgr. Katarína Šujanová Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei.
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POLITIK & Gesellschaft
Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759 Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464
Slowakei-Besuche einer Schweizerin Gabriele Matzner: Auf Reisen Touristische Juwelen der Slowakei Baden in und um Bratislava Kurort Piešťany im neuen Glanz Museum des Orava-Dorfes in Zuberec Tigerpark Forsthaus Horský park Gebratene Gänse
Spuren deutscher Kultur Zur Oper von Wien nach Bratislava Ernst Fuchs - Werkschau in Bratislava Interview Marián Chudovský Martin Leidenfrost auf Timravas Spuren Musikfestival Topfest Experimentelle Musik Literatur: "Los jetzt" Schreibwerkstatt Veranstaltungen: Tipps & Termine
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Foto des Monats Stillgestanden für den neuen Chef. Der neugewählte Präsident der Slowakei, Andrej Kiska, schreitet anlässlich seiner Amtsübernahme erstmals seine Ehrengarde ab. Im Hof des Grassalkovich-Palais, 15. Juni 2014 (Foto: SITA/Jozef Jakubčo)
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Ihre Voraussetzungen: Ĺ™ Ein erfolgreich abgeschlossenes Wirtschaftsstudium, verbunden mit Ĺ™ Ĺ™ Ĺ™ Ĺ™ Ĺ™
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EDITORIAL
Dank und Abschied Sehr verehrte Leserinnen und Leser, mit diesem Editorial wende ich mich zum letzten Mal als Chefredakteur an Sie. Zum Monatsende Juli verlasse ich die NPZ. Der Grund für mein Weggehen sind zwar Meinungsverschiedenheiten mit den Herausgebern darüber, wie die NPZ weiter verbessert werden soll. Trotzdem gehe ich nicht im Groll, sondern vor allem mit dem Gefühl großer Dankbarkeit. Ich danke den Herausgebern, dass sie mir die faszinierende Herausforderung ermöglicht haben, diese Zeitung eineinhalb Jahre lang gestalten zu können. Ganz besonders aber danke ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, für Ihre zahlreichen Feedbacks, die für uns alle eine große Motivation bedeuteten.
Und nicht zuletzt möchte ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen bedanken, mit denen ich eine wunderbare Zusammenarbeit erleben durfte, die mir künftig fehlen wird! Die NPZ wird es auch ohne mich weiter geben und ich halte sie für ein zukunftsträchtiges Projekt. Halten Sie der NPZ weiterhin die Treue! In den vergangenen Monaten haben wir Ihnen ein buntes inhaltliches Programm an Themen von der EU-Politik über die Alternativ- und Atomenergie bis hin zu gesellschaftskritischen Themen wie die Rolle der katholischen Kirche in der Slowakei geboten. Für diese Ausgabe haben wir uns der Ferien-
zeit entsprechend vor allem für Sommerthemen entschieden und wollen Ihnen anhand bekannterer und weniger bekannter Beispiele zeigen, was für ein lohnendes Reiseziel die Slowakei ist. Viel Vergnügen beim Lesen! Noch bis Ende Juli erreichen Sie mich unter der gewohnten E-Mail-Adresse, ich freue mich über jede Leserpost an die Adresse: redaktion@npz-online.eu Ihr Christoph Thanei - im Namen der NPZ-Redaktion
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Meine slowakischen Sommer in Bratislava Ich freue mich bereits im nasskalten und wetterwindischen Zürcher April jeweils auf den Juli – denn seit 2008 verbringe ich den Juli in der Slowakei. Wieso denn nur – mag sich der Bratislavčan, der Pressburger oder der Fremde, der aus Berufsgründen zu Bratislava weilt, fragen. Was ist so toll an dieser kleinen Stadt an der Donau? Von Josette Baer, Zürich, Schweiz
In Bratislava fühlt man sich einfach wohl, denn die Stadt ist groß genug, um international attraktiv zu sein und eine bescheidene Masse von Expats aus aller Herren Länder anzuziehen, somit auch internationale Cuisine. Aber auch klein genug, um sich nicht verloren zu fühlen, mit einem wunderschönen historischen Stadtkern, genug Bars wo man nicht nur Slivovica bekommt, freundlichen Menschen und der k.k. Nostalgie. Bratislava ist eine kleine, oft vernachlässigte aber eigenständige Schwester der k.k. Metropolen Wien und Prag: multikulturell, von Slowaken, Ungarn, Deutschen, Tschechen, Ukrainern, Russen, Juden, Katholiken, Protestanten und Orthodoxen besiedelt. Die Stag parties, Gruppen von jungen männli-
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chen Engländern, Iren oder Schotten, meist gewandet in einem Einheits-TShirt mit dem Aufdruck ‚Neil’s stag party, Bratislava, 10-13 July XXXX’, die einen Billigflug nach Bratislava buchen, um hier eines Freundes letzten Tag in Freiheit – vor der Hochzeit – zu feiern, sind legendär; sie geben dem sommerlichen Stadtbild eine sehr jugendliche Note, mit allen positiven und negativen Folgen der segnungsreichen Wirkungen des Hochprozentigen.
Grundlegendes, für meine Arbeit Wichtiges verpasse.
Wieso komme ich gerne nach Bratislava? Vielleicht lieben wir Schweizer die Vielfalt, das Multikulturelle, weil es uns im Blut liegt, aber sicherlich sind wir mit Diversität sehr vertraut. Und als kleines Land liegt uns Schweizern, die wir territorial auch klein sind, die Slowakei näher als z. B. das territorial große Deutschland, la France oder Italia. Wir haben die kulturelle und linguistische Heterogenität unseres Landes mit unserer Muttermilch aufgesaugt; deshalb haben wir eine Kultur der Toleranz und des Pluralismus, eine Kultur, die die mitteleuropäischen Citoyens mit ihren politischen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Identitäten entwickelt haben, durch jahrhundertelanges Zusammenleben, welche nur durch die politischen Wirren des 19. und 20. Jhs. gestört wurden.
Ich bin Titularprofessorin an der Universität Zürich UZH und spezialisiere mich auf das politische Denken der slawischen Staaten in Mitteleuropa. 1998 kam ich mit einem SNF (Swiss National Science Foundation) Stipendium im September zum ersten Mal nach Bratislava. Ich war Zeuge, wie das Regime von Vladimir Mečiar abgewählt wurde, wie er im Vorfeld der Parlamentswahlen Claudia Schiffer, Claudia Cardinale, Gérard Depardieu und DJ Bobo in die Slowakei einlud, um seinen Wahlkampf der HZDS mit westlichen VIPs zu unterstützen. Die regimekritische Tageszeitung SME schrieb damals, dass alle diese VIPs von Mečiar eine Rolex Armbanduhr erhalten hätten. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich halte es aber für wahrscheinlich. Alle kamen, und was mich damals zutiefst beschämte, priesen Mečiar als weisen Politiker, in erschreckender Ignoranz seines autoritären Regierungsstils. Nur DJ Bobo, ein Schweizer aus dem Aargau, hatte sich im Vorfeld seriös über die politische Situation in der Slowakei informiert. In einem offenen Brief an die Regierung Mečiar, den SME genüsslich publizierte, erklärte DJ Bobo, dass er die Einladung ablehnte aufgrund der massiven Übergriffe auf die Verfassung.
Ein Sommer ohne Bratislava wäre für mich ein verlorener, ein trauriger Sommer. Ich hätte das Gefühl, dass ich etwas
Als ich 2008 nach 10 Jahren wieder nach Bratislava kam, war ich überrascht: die Stadt und die Menschen hatten sich
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dank der EU-Integration sehr verändert. Nun hatten die Bürger keine Angst mehr, mir zu zeigen, wo die Straße xy lag, sie mieden mich nicht mehr und waren froh, einer Ausländerin zu helfen. Die Universitätsbibliothek war nicht wiederzuerkennen – die alten nostalgischen Zettelkästen, in welchen ich anno 1998 Literatur suchte, waren ersetzt worden durch Computer. Die Slowakei hat sich seit ihrer Unabhängigkeit vom 1. Januar 1993 sehr
gut entwickelt - vor allem für Wissenschaftler. Die Bibliotheken sind top und das Personal sehr gut geschult. Jeden Sommer gehe ich auch für einige Tage nach Martin in die Slowakische Nationale Bibliothek (SNK), wo ich neues Archivmaterial für meine Bücher und wissenschaftlichen Artikel finde. Die Slowakei ist immer noch ein von der internationalen historischen Forschung vernachlässigter Staat. Dies wird sich hoffentlich in der Zukunft ändern, denn man kann Mitteleuropa nicht verstehen,
wenn man die Slowakei und ihre historische Entwicklung ignoriert. Die berühmte Philosophin Hannah Arendt meinte einmal, dass man keinen Staat, keine Nation, keine Institution lieben kann. Liebe sei ein Gefühl, das man nur für Menschen haben könne. In diesem Sinne darf ich schließen: ich fühle mich in Bratislava zuhause, weil ich mich in der Stadt auskenne wie in meinem heimatlichen Zürich, und v.a. weil ich in der Slowakei jeden Sommer Menschen treffe, die ich gern habe.
Auf Reisen… findet ein gescheiter Mensch die beste Bildung, behauptete Goethe - in einer Zeit, als solcher bisweilen nicht ungefährlicher Luxus zum Bildungsprogramm feiner junger Leute gehörte. Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei
Mittlerweile ist eher kommerzialisierter Massen-Tourismus die Regel. Die AlltagsFlüchtlinge der Neuzeit setzen sich furchtlos unchristlichen Ab- und Anflugzeiten, Warteschlangen und Durchsuchungsritualen und ungewissen Service- und Wetterbedingungen aus. Der Trend zum KurzUrlaub und zu immer entlegeneren Zielen nimmt zu. Längst vergangen scheinen die Zeiten, in denen der „Travnicek“ des Wiener Satirikers Helmut Qualtinger seine eher unfreiwilligen Auslandserfahrungen zum Gaudium des ewigen Spießbürgers missmutig mit „Was brauch ich das?“ abtat. Warum das Weite suchen, liegt doch das Gute so nah? Nicht nur aus ökonomischen Gründen verbringen mehr als die Hälfte der Österreicher ihren Urlaub im eigenen Land, sofern sie dies nicht überhaupt zu Hause tut (auf „Balkonien“ oder an Gewässern wie der Wiener „Coppa Kagrana“). Wenn sie ins Ausland reisen, bevorzugen sie immer noch Italien und andere südliche Länder.
In die Slowakei zieht es Österreicher nur spärlich und punktuell. Wenn, dann erfreulicherweise aus kulturellem Interesse, wobei die Bratislavaer Oper ein besonderer Anziehungspunkt ist. Zu meiner Zeit in der Slowakei prahlten die Mitschüler meiner Tochter an ihrer Wiener Schule mit Urlauben, die sie möglichst „exotisch“ verbracht hatten. Sie wussten, wo Honolulu, nicht aber wo Bratislava war. 2012/13 besuchten insgesamt 3,7 Millionen ausländische Touristen die Slowakei, davon rund 800.000 Bratislava. Nach Wien allein zog es 12,7 Millionen, wobei von den Nachbarn Slowaken an letzter Stelle rangierten. Ist also das Desinteresse wechselseitig? Ich glaube es nicht. Ignoranz spielt sicher eine Rolle. Immer wieder berichten mir Bekannte nach Slowakei-Reisen von ihrer Überraschung über die vielen kulturellen und natürlichen Schönheiten des Landes auch jenseits der Hauptstadt. Aber nach diversen Umfragen gibt es für den Slowakei-Tourismus noch etliches zu
tun: das Land gilt als wenig gastfreundlich, der Service als den Preisen nicht entsprechend und nur 0,5% der Europäer würden es als ihr Urlaubsland erwählen. Die europaweite Krise ab 2008 und die nach der Einführung des Euro gefühlte Teuerung haben diesem Wirtschaftszweig harte Jahre mit extrem niedriger Auslastung für die in Relation zur Nachfrage zu vielen Beherbergungsbetriebe beschert. Davon erholt sich der Tourismus nun langsam. Dass das Land allgemein, selbst in Europa, so wenig bekannt sei, bezeichnete die slowakische Tourismus-Behörde einmal als Vorteil. Immerhin gebe es etwas zu entdecken. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung nur bestätigen. Immerhin hat mich das zu meinem Buch über die „Unbekannte Slowakei“ inspiriert. Allerdings muss man erst erfahren, dass es etwas zu entdecken gibt, um zu einer Reise verlockt zu werden. Glauben Sie mir: es gibt vieles zu entdecken und die Slowaken sind durchaus gastfreundlich.
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Touristische Juwelen der Slowakei Text: Katarína Kironská, Fotos: Spišský hrad, Chrám sv. Jakuba: TIK Levoča, Kremnická mincovňa: www.mint.sk, Tomáš Kostka
Jakobskirche in Levoča Die über 700 Jahre alte Jakobskirche in Levoča (Leutschau), eine der größten gotischen Kirchen der Slowakei, birgt in ihrem Inneren den mit einer Höhe von 18,6 Metern und einer Breite von 6,3 Metern größten gotischen Holzaltar der Welt. Das vergoldete Lindenholzmeisterwerk entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Ganze zehn Jahre arbeitete Meister Paul aus Leutschau daran mit einem ausgeklügelten System von Kreisen und Dreiecken.
Zipser Burg Die Anlage der Zipser Burg erstreckt sich auf mehr als 4 Hektar und ist damit die größte Burgruine Mitteleuropas sowie ein Symbol für die jahrhundertelange Geschichte unserer mitteleuropäischen Region. Die majestätische Festung dokumentiert die Entwicklung der slowakischen Architektur vom 12. bis 18. Jahrhundert. Sie ist Teil des nationalen Kulturerbes und wurde unter die historischen Denkmäler unter dem Schutz der UNESCO eingereiht.
Münzhaus in Kremnica Die freie königliche Bergbaustadt Kremnica, die ab dem 14. Jahrhundert wegen der Goldund Silbergewinnung in der Umgebung das Attribut „Goldene“ bekam, ist das Zuhause einer der ältesten noch immer aktiven Münzprägestätten der Welt. Von 1328 bis heute werden hier öffentliche Zahlungsmittel, Gedenkmünzen und Medaillen hergestellt. Das Münzhaus in Kremnica hat schon Münzen für Länder wie Algerien, Tunesien, Kuba, Guinea, Sudan, Mali und in den letzten Jahren für Bangladesch, Mauretanien, Slowenien, die Ukraine und Indien hergestellt.
Dobschauer Eishöhle und Ochtinär Aragonithöhle Die im Zips-Gemer-Karstgebiet liegende Dobschauer Eishöhle (Dobšinská ľadová jaskyňa) gehört zu den spektakulärsten Naturdenkmälern des Landes und nach der Art der Vereisung zu den bedeutendsten Höhlen der Welt. Entdeckt wurde sie 1870 und schon ein Jahr danach der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ab 1887 wurde die Eishöhle als eine der ersten der Welt elektrisch beleuchtet. Die Ochtinär Aragonithöhle (Ochtinská aragonitová jaskyňa) im Slowakischen Erzgebirge westlich von Rožňava ist ein einzigartiges Naturphänomen, das wegen des Reichtums und der Vielfalt der Sprudelsteinfülle und der originellen Art der Entstehung und Entwicklung der unterirdischen Räumlichkeiten viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Höhle wurde im Jahr 1954 zufällig entdeckt, und 1972 wurde eine Länge von 230 Metern, als eine von nur drei Aragonithöhlen der Welt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das nationale Naturdenkmal und UNESCO-Weltkulturerbe ist heute das einzige seiner Art in Europa.
Die Große Schüttinsel (Žitný ostrov) ist ein 84 Kilometer langer und 15 bis 30 Kilometer breiter Komplex von ca. 500 Inseln und Inselchen, der sich zwischen der Donau, der Kleinen Donau und der Waag auf der linken Flussseite des Hauptstromes im Südwesten der Slowakei erstreckt. Betrachtet man die Große Schüttinsel als eine einzige Insel, ist sie die größte Flussinsel Europas. Obwohl es in diesem Gebiet am wenigsten Regen im Land gibt, ist das Wasser sein wertvollster Besitz, denn die Große Schüttinsel ist auch das größte Trinkwasserreservoir Mitteleuropas.
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Der Geysir von Herľany ist eine seltene kalte artesische Quelle im alten Heilbad Herľany-Rankovce. Aktiviert wurde er künstlich durch ein 404,5-Meter-tiefes Bohrloch. Aktiv ist er kontinuierlich seit 1872, wobei er ab 1903 und zwischen 1957 und 2006 als einziger kalter Geysir in Europa galt. Zurzeit ist noch ein weiterer Geysir in Europa aktiv, der Geysir Andernach in Deutschland. Außer den beiden gibt es ähnliche Geysire nur mehr in Island. 1987 wurde der Geysir zum nationalen Naturdenkmal erklärt und seit 2002 gehört er auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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Badespass in und um Bratislava Text: Katarína Kironská
Die slowakische Hauptstadt und ihre Umgebung bieten eine Vielzahl an Bademöglichkeiten. Badeseen, die mit ihren unzähligen Wassersportangeboten zu kleinen Wasser-Abenteuern einladen, liegen fast in jedem Stadtteil. Der wahrscheinlich beliebteste ist der Badesee Zlaté Piesky. Seine Gras- und Sandstrände sowie eine weitläufige Grünfläche mit Schatten spendenden Bäumen und einem Campingplatz bieten die wahrscheinlich breiteste Auswahl an Freizeitaktivitäten. Sein legendärer Wakelake ist ein Ort voller Musik, Sport und Spaß. Besucher haben hier die einzigartige Möglichkeit, den Wassersport Wakeboarding und den über der Wasserfläche fliegenden Flyboard auszuprobieren oder sich mit der Luftmatratze Blob ins Wasser schleudern zu lasen. Die Slnečné Jazerá im nahen Senec bieten eine gute Alternative zum Auslandsurlaub am Meer. Die fünf miteinander verbundenen Seen, die breite Auswahl an Unterkünften, Verpflegungsangeboten und anderen Dienstleistungen, so wie auch die Angel- und Sportplätze bilden ein Paradies für Touristen jeden Alters. Ergänzt wird es direkt nebenan durch den Auqapark Senec mit einer Saunawelt und Schwimmarena. Bei jungen Familien beliebt sind in den heißen Sommertagen die acht in Bratislava liegenden Sommerbäder mit ihren Planschbecken für Kleinkinder. Manche Anlagen verfügen auch über Saunen oder Wasserrutschen. Im letzten Jahr waren die zwischen Karlova Ves und Dúbravka liegende Badeanlage Rosnička und die Badeanlage Delfín in Ružinov gerne besucht. Die Eintrittspreise bewegen sich dieses Jahr von 2,80 bis 3,60 Euro. Ein weiterer Sommerort des Sports, der Kultur und der Erholung ist der künstlich angelegte Magio Stadtstrand an der Donau. Der von der Sonne erhitzte Sand, die stilvollen Liegen in Wellenformen und die angenehme Brise von der Donau geben den Besuchern das Gefühl, am Meeresstrand im Süden zu liegen. Teil der Strandbar ist ein originelles Poolbecken mit Blick
auf Bratislavas städtebauliche Dominanzen. Obendrein bietet der Magio Strand von Juni bis September ein reiches Kulturprogramm für Kinder und Erwachsene, das Sommerkino Bažant Kinematograf und vielfältige Entspannungsaktivitäten. Hinter dem Incheba-Gebäude befindet sich der "Summer Club" als weiterer künstlicher Strand. Der Pool dieses Strandes ist während der Saison bis lange nach Mitternacht geöffnet. Delfín, Foto: www.starz.sk
Badeseen in Bratislava • Der zentrale See Kuchajda in der Nähe des Polus City Centers hat die Form eines Fußabdruckes. • Der Badesee Rusovce begeistert hauptsächlich Nudisten. • Vajnory, bekannter als „Bager“ bilden zwei künstlich aufgebaute, durch einen Kanal verbundene Seen. • Zlaté Piesky ist das größte Sportund Erholungsareal in Bratislava. • Die Kiesgrube Draždiak ist der beliebte Badeort der Bewohner von Petržalka.
Magiopláž, Foto: magioplaz.zoznam.sk /album/35degc-na-plazi-nevadi
Rosnička, Foto: www.starz.sk
Schwimmbäder in Bratislava • Die Badeanlage Krasňany bietet ein Kinder- und ein Erwachsenenbecken. • Das Bad in Rača ist stolz auf sein
Senec, Foto: xxx Zlaté piesky, Foto: www.starz.sk
50-Meter-Schwimmbecken. • Zum Delfín gehört außer Poolbecken und Imbissständen eine Saunawelt. • Iuventa ist ein idealer Erholungsort für ganze Familien. • Die renovierte Badeanlage Lamač bietet ein Schwimm-, Erholungs- und Kinderbecken. • Matadorka ist durch die reiche Anzahl an Bade- und Schwimmmöglichkeiten eine sehr beliebte Badeanlage. • Rosnička bietet für Klein aber auch Groß eine Wasserrutsche mit drei Bahnen. • Tehelné Pole - eine traditionelle Badeanlage mit getrennten Pools für Schwimmer und Nichtschwimmer.
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Kurort Piešťany im neuen Glanz Das renommierte Kurbad Piešťany ist der Badeort mit der längsten Tradition in der Slowakei. Seine Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Es verspricht Linderung bei Rheuma und den Charme alter Zeiten. Seit Kurzem können die Besucher die heilenden Kräfte des schwefelhaltigen Schlamms in vollständig erneuerten Räumlichkeiten genießen. Autor: Jana Hrbeková, Fotos: Kurort Piešťany (1), Danubius Health Spa Balnea (2)
Ende März wurde auf der Kurinsel feierlich das renovierte balneotherapeutische Zentrum eröffnet. In zwei Pavillons stehen den Kurgästen viele neue, aber auch altbewährte Kuranwendungen zur Verfügung. Das Rehabilitationszentrum wurde mit modernsten Geräten ausgestattet, die vor allem bei rheumatischen Beschwerden und nach Operationen verwendet werden. Erweitert und modernisiert wurden auch die Bäder mit Thermalwasser, sowie Räumlichkeiten und Ausstattung der physiotherapeutischen Abteilung und das
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Fitnesszentrum. Der NPZ - Neue Pressburger Zeitung stellte der Generaldirektor des Slowakischen Heilbades Piešťany, Klaus Pilz, die Neuerungen vor: Klaus Pilz: Die Renovierung dauerte fünf Monate, vom 1. November bis zum 26. März. Wir haben zwei komplette Pavillons umgebaut und einen Pavillon, mit dessen Renovierung wir schon vor vier Jahren begonnen hatten. Die gesamte Investition betrug ca. neun Millionen Euro, es wurden
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über siebentausend Quadratmeter komplett erneuert. Die Kapazitäten für unsere Hauptanwendungen wurden erweitert, und zwar für das Mineral-Spiegelbad – das heißt Sitzbad in 38 Grad heißem Thermalwasser, Schlammtherapien, Schlammwickel, oder Kinesiotherapie, also Fingerübungen im Heilschlamm. Es wurden die Rehabilitationsbecken für die Aquagymnastik und eine komplette Mechanotherapie neu gemacht und ein neues Ergozentrum gebaut.
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NPZ: Sie haben das neue Zentrum als modernstes europaweit bezeichnet. Was macht das Kurbad so außergewöhnlich? Es ist jetzt wirklich eines der modernsten Mitteleuropas. Wir konkurrieren nicht nur hier am lokalen Markt, sondern müssen auf den europäischen Markt schauen – und die Konkurrenz schläft nicht. Ich meine, wir haben nun wirklich einen Meilenstein gelegt und die anderen werden sich mit uns messen müssen. Kurorte werden inzwischen nicht mehr nur von Patienten besucht, die hier Erleichterung bei ihren gesundheitlichen Problemen suchen. Der neue Trend sind Wellness-Aufenthalte, die immer beliebter werden. Man sucht dabei Entspannung und Erholung in einer angenehmen Umgebung, wobei man einerseits seine Freizeit sinnvoll verbringt und zugleich etwas für seine Gesundheit
macht. Wie sind diese zwei Gruppen von Gästen bei Ihnen vertreten? Wir sind für alle offen. Die meisten unserer Gäste kommen, um rheumatische Erkrankungen zu heilen, oder nach Operationen wieder fit zu werden. Wochenendgäste haben wir natürlich auch, aber eine Zielgruppe, die wir jetzt erweitern wollen, sind Menschen, die in die medizinische Vorsorge investieren wollen. Kommen eher einheimische oder eher ausländische Gäste? Ich nehme an, dass wir einen weiteren Schub ausländischer Patienten hier sehen werden, weil wir jetzt Serviceleistungen nach internationalen Standards in einem wunderschönen Ambiente anbieten können. Uns ist aber jeder Gast willkommen. Sie erhoffen sich von der Investition sicher auch eine Steigerung der Besucherzahl?
Auf jeden Fall. Deshalb haben wir auch die Kapazitäten erweitert, um eben unsere „Signature products“, das heißt den Schlamm, das Wasser und die Massagen, im größeren Stil als bisher anbieten zu können. Und wie wird die Behandlung bei Ihnen finanziert? Zahlen die Gäste dafür selbst, oder nehmen sie auch Patienten, denen die Krankenkasse die Kur finanziert? Wir nehmen natürlich auch Kassenpatienten. Deutsche Krankenkassen zahlen ganz schön zu. In Österreich zahlt die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter BVA zu. In der Slowakei haben wir Verträge mit allen drei großen Krankenkassen. In der Tschechischen Republik haben wir leider keine Verträge mehr, aber auch von dort kommen die Gäste, weil es ihnen hilft. Sie zahlen sich das selbst.
Das Museum des Orava-Dorfes lockt jedes Jahr Tausende Besucher Zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Slowakei, vor allem in der Sommersaison, gehören unbestritten Freilichtmuseen. Diese Attraktion hat ihren Ursprung in Schweden, wo das erste solche Museum 1891 entstand. In der Slowakei gibt es eine ganze Reihe von ihnen, in denen viele einzigartige Objekte der Volksarchitektur und technische Werke gerettet wurden. Zu den ältesten und vielleicht auch schönsten zählt das Museum des Orava-Dorfes in Zuberec. Text: Jana Hrbeková, Fotos: Museum des Orava-Dorfes
Das Museum befindet sich in der wunderschönen Natur am Fuße des Gebirges Roháče – des westlichen Teiles der Hohen Tatra, unweit der Gemeinde Zuberec. Der Grundstein dafür wurde am 24. September 1967 auf der Wiese Brestová gelegt, etwa drei Kilometer hinter dem Dorf. Schrittweise wurden über 50 Bauten der Volksarchitektur aus der ganzen nordslowakischen Region Orava hierher versetzt. Die ersten Besucher kamen 1975. An die Anfänge des Museums erinnert Direktor Richard Janoštin: „Die Häuser wurden an
ihren ursprünglichen Stellen zerlegt und auf die Waldwiese verlegt. Im Museum bilden sie fünf Gruppen, die die einzelnen Siedlungsformen darstellen. Die Orava wurde nämlich sehr lange besiedelt, der Urbanismus entwickelte sich also in verschiedenen Formen. Am ältesten waren die Gutsgemeinden, die in ihrer Mitte meistens einen Marktplatz hatten. Dann kam die walachische Kolonisierung, die die sogenannten Straßentypen der Bebauung hinterließ. Die letzte Form schufen Siedler, die keine Grundstücke in den Dörfern besa-
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ßen und deshalb ihre Häuser auf Waldwiesen bauten, wo dann kleine Weiler entstanden.“ Alle diese Dorfarchitekturtypen zeigt das Museum in drei Teilen – „Marktplatz der Unter-Orava“, „Straße der Ober-Orava“ und „Goralenweiler“. Außerdem befindet sich hier das Areal der Wasserbauten mit einer Mühle und einer Walke zum Stampfen des Tuches. Den Antrieb für die Mühle und Walke sichert der Bach Studená, der durch das Areal fließt. Über das ganze „Dörfchen“ ragt die Kirche der Heiligen Elisabeth aus dem 15. Jahrhundert. Sie stammt aus der Gemeinde Zábrež. Im ältesten und bedeutendsten Objekt des Freilichtmuseums mit einer bis heute funktionierenden Barockorgel finden regelmäßig Messen, Konzerte und Trauungen statt. Stolz ist Janoštin aber auch auf andere Bauten: „Die meisten Objekte stammen aus dem 19. Jahrhundert, die ältesten – neben der Kirche – sind aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das jüngste Haus wurde im Jahre 1923 gebaut. Die Bauten repräsentieren verschiedene soziale Schichten. Im Teil ´Marktplatz der Unter-Orava´ haben wir Gutsherrenhäuser, Bauernhäuser, Handwerkerhäuser, aber auch Häuser der ärmsten Gesellschaftsschicht. Im Teil ´Straße der Ober-
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Orava´ sieht man vor allem Bauernhöfe, weil es unter den walachischen Kolonisten die geringsten Vermögensunterschiede gab. Den ´Goralenweiler´ dominieren Hirtenhäuser.“ Eine Zoo-Ausstellung und eine Agro-Ausstellung im Freilichtmuseum vervollständigen das Bild charakteristischer Orava-Dörfer. Janoštin erklärt: „Wir bemühen uns, den Besuchern zu zeigen, wie ein Dorf als Ganzes in der Vergangenheit funktionierte. Jeder Landwirt in jedem Dorf züchtete einige Nutztiere, hinter jedem Haus befand sich ein kleines Feld. Auch wir züchten hier also Schafe und Ziegen, bauen Nutzpflanzen wie Flachs, aber auch zum Beispiel ältere Roggensorten an, wie man sie in der Vergangenheit hatte.“ Das Freilichtmuseum in Zuberec ist ganzjährig geöffnet. Zu jeder Jahreszeit präsentieren verschiedene Besucherprogramme die Volkskunst und Folklore. Janoštin: „Im Laufe des Winters haben wir Programme wie ´Abend im Museum´ und ´Masken in der Volkskunsttradition´. Dabei können die Besucher – vor allem sind es Schiurlauber – in den Nachmittags- und Abendstunden das ganze Museum mit Laternen besichtigen, der Touristenführer spielt dabei ein Musikinstrument, erzählt Ge-
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schichten aus dem Leben der Orava-Bewohner in der Vergangenheit. Die Besucher können sich dann aktiv an einem Programm mit Volksliedern und -Tänzen beteiligen. Im Programm ´Masken in der Volkskunsttradition´ erfahren die Besucher Wissenswertes über Masken, die bei verschiedenen Wintertraditionen verwendet wurden. Spezielle Programme stehen mit Anlässen wie Ostern, Maibaum-Aufstellen oder dem Kindertag in Verbindung. Im Sommer präsentieren wir verschiedene Handwerke und Volkskunst. In den Sommerferien stellt das Programm ´Echos der Traditionen´ jeden Mittwoch in szenischer Form Werkzeuge zur Herstellung von Bekleidung sowie originale Musikinstrumente der Region Orava vor.“ In den Wintermonaten kommen monatlich etwa zweitausend Besucher in das Museum des Orava-Dorfes, im Laufe des ganzen Jahres ungefähr 75.000. Die attraktive Umgebung lockt jedoch nicht nur Touristen, sondern auch Filmemacher. Zu den bekanntesten Filmen, die hier gedreht wurden, gehören „Ežo und Gábor Vlkolinský“, „Dies Irae“, „Tisícročná včela“ (Die hundertjährige Biene), „Princezná a žobrák“ (Prinzessin und Bettler) und andere.
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400 Kilogramm Fleisch,
33 Raubkatzen und eine Oase Eine knappe Viertelstunde Fahrtzeit von Bratislava entfernt befindet sich Kostolná pri Dunaji. Von der 500-Einwohner-Gemeinde aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Oase des Sibirischen Tigers. Text: Katrin Litschko, Fotos: Katrin Litschko (1), Tomáš Kostka (2)
„Achtung bissiger Hund“ warnt ein kleines rostiges Schild an einem Gehege der Tigerfarm. Dahinter aalen sich Großkatzen in der Sonne, davor stehen einen Feldweg entlang Autos mit Kennzeichen aus der Slowakei, Polen und Österreich. Auf einer Holzbank zwischen den Käfigen sitzt eine zierliche, wasserstoffblondgefärbte Frau in Tarnfarben, die sich als Besitzerin der Oase vorstellt. Yveta Iršová lebt mit dreißig Tigern und drei Löwen bereits über zwanzig Jahre in der westslowakischen Einöde. „Den ersten Tiger habe ich aus Bratislava hierher gebracht“, erinnert sie sich. Er kam aus einem Zoo im tschechischen Hodonin und lebte erst einmal in ihrer Wohnung in der Hauptstadt. Als er drei oder vier Monate alt war, zogen die beiden aufs Land. Heute hat Yveta Iršová 33 Großkatzen.
Die Oase des Sibirischen Tigers • geöffnet samstags und sonntags, an Feiertagen sowie während der Schulferien • von 12 bis 17 Uhr • GPS-Koordinaten: N 48° 10‘12.01“, E 17° 26‘55.5“ • Website (auf Slowakisch und Englisch): www.tigre.sk
„Am Anfang war es so ein Kindheitstraum“ Durchschnittlich wird die größte lebende Katze der Welt 15 bis 20 Jahre alt. Bis zu 300 Kilogramm bringt so ein Sibirischer Tiger im Winter auf die Waage. In der Oase steht man aber auch anderen Tigersorten Auge in Auge gegenüber – dem Sumatra-Tiger etwa, der das Springen so liebt. Namen wie Happy, Simba oder Shakira stehen auf kleinen bunten Schildern an den Gitterstäben. Ob es einem Sibirischen Tiger in der Slowakei denn nicht zu warm sei, wird Yveta Iršová am häufigsten gefragt. Klare Antwort: Nein. Man müsse sich schließlich bewusst machen, dass es in Sibirien extreme Minus- und Plustemperaturen gibt. Zwischen 350 und 400 Kilogramm Fleisch fressen die Tiger täglich. Am Sonntag steht Fasten auf der Speisekarte. Jeden Tag ist Yveta Iršová bis Mittag damit beschäftigt, das Fleisch von umliegenden Bauern zu holen und vorzubereiten. Vieles bekommt sie geschenkt. Tonnen von Fleisch, ein spezialisierter Tierarzt und hohe Energiekosten Der Tiger schwimmt und duscht gerne. Jeden zweiten Tag wird das Wasser in den
betonierten Becken ausgetauscht, in denen die Großkatzen ausgelassen planschen. Inmitten der Gehege steht eine Spendenbox, die mit farbenkräftigen Tigerbildern beklebt ist. Die Oase darf laut Gesetz keinen Eintritt verlangen, denn der Tiger ist vom Aussterben bedroht und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen regelt, dass jegliche kommerzielle Handlung in diesem Zusammenhang untersagt ist. Für die Öffentlichkeit war die Oase des Sibirischen Tigers von Anfang an zugänglich. Inzwischen ist sie zu einem beliebten Ausflugsziel geworden und dabei soll es in Zukunft auch bleiben. Yveta Iršová hat nämlich eine klare Vorstellung davon, wie die Oase der Zukunft aussehen soll: „Drei Löwen sind genug, aber 50 Tiger sollten es schon werden – auch wenn wir jetzt schon die größte Tigerzucht in Europa sind.“
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Forsthaus Horský park
– ein erfolgreiches Projekt entschlossener Bürger Eine Besonderheit von Bratislava ist der Wald im Zentrum – der 22 Hektar große Horský park. Er entstand vor 136 Jahren an der Peripherie von Preßburg, das damals ungefähr 80.000 Einwohner hatte. Das Hauptverdienst an der Entstehung des Parks kommt dem damaligen Bürgermeister Heinrich Justi zu. Er war eine starke Persönlichkeit und konnte die Honoratioren davon überzeugen, dass die Stadt einen Park brauche. Das war 11 Jahre nach der Entstehung des New Yorker Central Park, aber offensichtlich wurde die Inspiration nicht von dort übernommen, zweifellos handelte es sich um eine eigene Überzeugung, die man als genial bezeichnen kann. Genial für die damalige Zeit. Noch heute sagen alle verantwortungsbewussten, erfahrenen und ehrlichen Stadtplaner das gleiche: eine Stadt braucht Bäume, Wälder, Parkanlagen. Text und Fotos: Kamil Procházka, Mitglied des Verwaltungsrats der Stiftung Horský park
Das heutige Bratislava mit einer halben Million Einwohner steht vor einem Dilemma: Die Bevölkerung benötigt für ihr
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gesundes Leben Grünflächen und Bäume, zugleich wollen Investoren nur bauen und bauen. Sie nehmen solche Flächen in Be-
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schlag, wo Bäume wachsen oder Parkanlagen grünen könnten. Das öffentliche Interesse steht in grundlegendem Widerspruch zum Bestreben, in der Innenstadt Profit zu machen. Bislang sitzen die Investoren am längeren Hebel. Die Begleiterscheinungen machen es deutlich: heute leidet fast jedes Stadtkind an Allergien. Auch die Zahl der erwachsenen Allergiker nimmt zu. Hauptursache: eine naturferne Umwelt und Lebensweise.������������������������������ Schon ����������������������������� Kinder sind übergewichtig, haben zu wenig Bewegung und auch keinen Raum für Bewegung. Freiflächen gibt es kaum noch. Die kommunale Selbstverwaltung ist gegenüber den privaten Interessen der Developper zu nachgiebig. Der Horský park weist einen histori-
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schen und biologischen Wert auf, formell wird er auch vom Staat geschützt. In letzter Zeit wird er von einer Bratislavaer Bürgergemeinschaft betreut, die sich um den Park, das Forsthaus und den Spiritus agens – die Stiftung Horský Park - geschart hat. Dieser Verein wurde vor 20 Jahren gegründet – aus Verzweiflung. Eine Gruppe Naturschützer, die sich auch früher schon um den Park gekümmert hatte, hatte erfahren, dass die Stadt das Forsthaus zu gewerblichen Zwecken verpachten wollte. Favorit war ein Spielautomatenbetreiber. Die damals von uns gegründete Stiftung mit ihrem Projekt zur Förderung des Gemeinwohls hat an der Ausschreibung teilgenommen und gesiegt. Das war 1994. Seitdem betreibt die Stiftung das Forsthaus für die Öffentlichkeit, bietet täglich ein kultiviertes Umfeld, liebenswürdige Umgangsformen, Service und Ausstattung, und sehr viel unterschiedliche Programme. Sie verwirklicht ihr Ziel: kultivierte Beziehungen der Menschen zur Natur, zu den Werten, zu anderen Menschen und eines jeden zu sich selbst. Dieses Jahr feiert die Stiftung 20 Jahre Wirken im Forsthaus und seiner Umgebung. Die von uns aufgestellte Ergebnisliste war auch für uns selbst überraschend: Der Horský park ist zu einem sicheren Ort geworden (er taucht in der Polizeistatistik nicht mehr als gefahrvoll auf), der Park wird geschützt, er wurde zum saubersten Raum der Stadt und kennt kaum Vandalismus. Einige Daten zur Illustration: in den vergangenen 20 Jahren wurden hier
156 570 Stunden Arbeit geleistet, davon 80 % ehrenamtlich. Es wurden 20 neue Bänke, 3 historisierende Metallbrücken, 22 Abfallkörbe, 7 massive Zugangstore, 6 Informationstafeln und 20 Hindernisse gegen Radfahrer aufgestellt, es gibt einen Platz für Körperübungen, eine Freilichtgalerie der slowakischen Gegenwartskunst und einen Lehrpfad mit 5 Tafeln und 25 Positionen. Die Umgebung des Forsthauses wurde mit böhmischem Granit gepflastert, es gibt zwei gepflegte Grünflächen. Der Wald steht unter täglicher Aufsicht, auch die von extremen Witterungen verursachten Schäden werden unverzüglich von Menschen aus der Stiftung in Zusammenarbeit mit einer Firma beseitigt. Diese Zusammenarbeit von Freiwilligen und Profis ist sehr wichtig. Es hat sich eine Gemeinschaft geformt, die die Stiftung unterstützt und sich an einigen Investitionen beteiligt. Der Stiftung fließen keinerlei öffentliche Gelder zu. Deswegen ist sie existenziell auf die Förderergemeinde angewiesen. Die Stiftung hilft, das Parkgelände in einem Zustand zu halten, der weit über das hinausgeht, was durch die vom Magistrat zur Pflege bereitgestellten Mittel zu schaffen wäre. Ein Problem liegt in der wirtschaftlichen Definition der Stiftungsaktivitäten. Für die oben beschriebenen Arbeiten gibt es keine öffentlichen Gelder. Die Stiftung selbst darf keinen Überschuss erarbeiten, dies verbietet das Gesetz und würde auch dem Wesen der Sache widersprechen. Was hier in 20 Jahren geschaffen wurde, ist das Ergebnis freiwilliger Arbeit und der außer-
ordentlichen Effizienz der aufgewendeten Mühe und Mittel. Die wirtschaftliche Existenz dieses Vereins ist von Unterstützung abhängig. Die Stiftung widmet der Öffentlichkeit Dienstleistungen und Realien, und die Öffentlichkeit widmet der Stiftung Mittel, um deren Existenz und Aktivitäten zu ermöglichen. Und zwar in Form von Spenden, Partnerschaften oder Zuwendungen aus 2 % der gezahlten Steuern. Alle gewonnenen Mittel werden von der Stiftung augenblicklich in die Ausstattung des Hauses, des Parks, in Programme oder Vorteile für die Gemeinschaft investiert. Deswegen steht sie oft am Rand des wirtschaftlichen Abgrunds, gerät wegen Liquiditätsmangels unter Stress.�������� Für ������� gemeinnützige Vereine gibt es in der Slowakei keine Ausnahmen- sie bezahlen Steuern und Gebühren genau so wie gewinnorientierte Unternehmen. Ganz eindeutig bringt die Stiftung Horský park positive Ergebnisse. Doch der Erfolg ist kein wirtschaftlicher, sondern immateriell. Jedenfalls hat die Stadtverordnetenversammlung am 6. März 2014 die Verpachtung der Immobilie Forsthaus für weitere 20 Jahre an die gemeinnützige Stiftung Horský park gebilligt. Von den anwesenden 34 Abgeordneten stimmten alle dafür! Unser Erfolg ist eigentlich ein Erfolg der unterstützenden Gemeinschaft, die auch andere Werte als die wirtschaftlichen zu schätzen weiß. Kommen auch Sie zu uns in diese Gruppe von Idealisten und Enthusiasten für Natur, Gemeinsinn und geistige Werte!
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Wo die beste Gans gebraten wird Den knusprigsten aller Gänsebraten gibt es im berühmten Gänse-Dorf Slovenský Grob - inzwischen schon das ganze Jahr.
Foto: gurmanskygrob
Text und Fotos: Renata Kubicová
Ein duftender Gänsebraten, der gerade frisch aus dem Ofen kommt: Außen knusprig, innen hauchzartes Fleisch, das auf der Zunge zergeht. Serviert mit Loksche, den typischen salzigen Palatschinken, Rotkohl, sauren Gurken und Peperoni, natürlich mit der typischen Gänseleber mit Apfel und roten Trauben als Vorspeise und einem kräftigen Slivovic danach. Jahr für Jahr zieht die Delikatesse tausende Feinschmecker aus ganz Europa ins GänseMekka der Slowakei: Nach Slovenský Grob. Das Rezept scheint simpel zu sein: Man nehme eine mit Mais gut gefütterte rund sechs Kilo wiegende Gans, genügend Salz, Wasser und Milch zum Untergießen und ab damit in den Ofen, für mindestens drei Stunden. Doch ganz so einfach ist es nicht, erzählt Boris Haško, einer der 26 Gänse-Wirte im 2000-Seelen-Dorf am Fuße der Kleinkarpaten, nur einen Sprung von Bratislava entfernt. Die Tradition hat er von seinen Vorfahren geerbt und bietet heute zusammen mit seiner Frau Klaudia die knusprigen Leckerbissen im aufwendig und liebevoll restaurierten Familienbetrieb Gurmánsky Grob an. Der legendäre Gänsebraten wird nämlich auf ganz spezielle Art zubereitet: Im gut erhitzten Brotofen. „Es ist die uralte klassische Methode“, so der Gänsewirt. Drei Stunden, bevor gleich 12 Gänse auf einmal hineinkommen, muss der Ofen im Hinterhof seines rustikalen Restaurants mit Buchenholz auf bis zu 450 Grad erhitzt werden. Wenn die Temperatur anfängt zu sinken und rund 300 Grad
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erreicht, kommen die Gänse hinein. Nach zwei Stunden werden sie gewendet, damit sie nicht nur weich, sondern wirklich knusprig von allen Seiten werden. Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die speziellen Brattöpfe aus Ton, die der Form der Gans angepasst sind. Nirgendwo sonst im Land ist die Tradition des Gänsebratens dermaßen ausgeprägt wie hier inmitten einer der bekanntesten Weinregionen des Landes. Schon vor über 100 Jahren begannen Dorffrauen aus Slovenský Grob, ihren Gänsebraten auf Märkten im damaligen Pressburg anzubieten. Im damals bitterarmen Dorf gab es keine Arbeit, dafür aber nahezu ideale Bedingungen für Gänsehaltung, viele Teiche und Seen. Hinter jedem Haus schnatterten Scharen von Gänsen. Und gebraten im Brotofen des Dorfbäckers wurden sie zu einem willkommenen Verkaufsartikel. Später kamen die Gäste schon direkt zu den Gänsen. Auch unter den Kommunisten konnte sich die Tradition halten, schließlich
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wollten sich die Parteichefs den Leckerbissen auch nicht entgehen lassen. Doch erst nach der Wende kam der völlige Durchbruch. In Slovenský Grob schoss eine Gänse-Gaststätte nach der anderen aus dem Boden. Und die Saison, die einst von September bis Weihnachten ging, hat sich inzwischen auf nahezu das ganze Jahr ausgestreckt - dennoch ist vor allem in der Vorweihnachtszeit eine Vorreservierung unverzichtbar. Ihre Erfahrung hat aus den Gänse-Wirten in Slovenský Grob wirkliche Meister gemacht, meint Boris Haško. Denn jede Gans ist anders. „Wenn ich bis zu 2000 Gänse im Jahr brate, weiß ich genau, was gerade diese Gans braucht.“ Das bürgt für Qualität, die Restaurants in Bratislava oder Wien nie erreichen werden, unterstreicht er stolz. „Wir haben wirklich keine geheimen Ingredienzien – es ist die Tradition, die Erfahrung und vor allem das Herz, das wir in unsere Arbeit geben.“
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„Die Slowakei präsentiert sich sehr gut und ist ein wichtiger Partner für die Schweiz“ Der neue Schweizer Botschafter Alexander Wittwer im Gespräch mit der NPZ - Neue Pressburger Zeitung. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tibor Škandík
NPZ: Wie ist Ihr erster Eindruck von der Slowakei? Alexander Wittwer: Ich hatte von Anfang an einen sehr guten Eindruck. Es ist für mich das erste Mal in meiner Karriere, dass ich in einem EU-Land arbeite. Was meiner Frau und mir besonders gut gefällt, ist die wunderbare Altstadt von Bratislava mit ihrer grossen Geschichte, aber auch die schönen Landschaften, die wir schon kennen lernen konnten. Wir waren schon in Zvolen, davor war ich in Nitra. Schön war es auch, gleich am Anfang schon am alljährlichen Diplomatenausflug teilnehmen zu können. Auch hatte ich die Gelegenheit einige Unternehmer zu besuchen. Ihre bisherigen Posten waren sehr unterschiedlich? In Albanien war ich auch schon Botschafter, das war nach meiner Zeit als Botschafter in Zimbabwe, mit zuständig auch für Malawi und Sambia. Davor war ich die Nummer zwei der Botschaft in Washington. Da sehen Sie schon den Generalisten-Approach in meiner Diplomatenkarriere. Die auffallendsten Unterschiede sind kontinental bedingt. Viele Staaten Afrika‘s kann man natürlich nicht mit einem europäischen Land vergleichen. Die USA sind ein außerordentlich wichtiger Wirtschaftspartner für die Schweiz, Albanien ist ein wichtiger Kooperationspartner. Die Slowakei ist wichtig für uns
Schweiz-Slowakei - Fakten: auch in Bezug auf unseren Erweiterungsbeitrag, wir sind ja ein namhafter Geldgeber und haben hier eine ganze Reihe von Projekten laufen. Haben Sie persönliche Schwerpunkte, auf die Sie sich besonders konzentrieren wollen? Ein erster Schwerpunkt wird sicher der slowakische Vorsitz in der Visegrad-Gruppe sein (sog. V-4). Die Schweiz unterstützt auch Projekte des „International Visegrad Fund“. Dann natürlich auch die Kooperationen der Slowakei im Rahmen ihrer Vorbereitungen auf den EU-Vorsitz in zwei Jahren. Ein wichtiges Thema für uns ist zudem der OSZE-Vorsitz, den die Schweiz 2014 inne hat. Wir arbeiten dabei sehr eng mit dem nächsten Vorsitzland Serbien zusammen. Wichtig für mich werden auch die Betreuung der wirtschaftlichen De-
In der Schweiz leben fast 10‘000 Slowaken, in der Slowakei etwa 400 Schweizer. Die Schweizer Direktinvestitionen in der Slowakei betragen über 800 Millionen Franken - mit steigender Tendenz. Die Handelsbilanz ist positiv zugunsten der Slowakei. Nützliche Webseiten:
Homepage der Schweizer Botschaft in Bratislava: http://www.eda.admin.ch/bratislava Schweizer Projekte in der Slowakei: http://www.swiss-contribution.admin.ch/ slovakia/en/Home/Projects Internationaler Berufsbildungskongress in Winterthur: www.vpet-congress.ch Homepage des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA), mit vielen weiteren links: http://www.eda.admin.ch
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legationen und ganz allgemein die wirtschaftlichen Kooperationen der Schweiz mit der Slowakei sein. Wir haben in der Slowakei ja mehrere sehr namhafte Firmen, die fast 8000 Arbeitsplätze im Land bieten. Sie kennen wahrscheinlich Namen wie Novartis, Holcim, Swiss Re, ABB, Nestlé, Schindler Lifte oder den Glasproduzenten Vetropack und zahlreiche weitere sogenannte KMU’s. Wie weit ist die Botschaft in solche Firmenaktivitäten involviert? Die Schweiz hat ja nicht so ein Vertretungssystem wie Deutschland und Österreich mit ihren Kammern. Wir haben keine Auslandshandelskammer, aber sehr wohl ist auch hier die Slowakisch-Schweizerische Handelskammer aktiv, die sehr eng mit schweizerischen und slowakisch-schweizerischen Unternehmen zusammen arbeitet. Es ist wichtig, dass auch wir als Botschaft dabei mitwirken, die Schweizer Wirtschaftspräsenz zu zeigen. So gibt es regelmäßig Wirtschafts- und Innovationsseminare, die von der Botschaft etwa mit Einladung namhafter Referenten unterstützt werden. Umgekehrt wird zum Beispiel im September in Winterthur in der Schweiz eine große internationale Konferenz zur Berufsbildung stattfinden, wozu wir auch slowakische Partner eingeladen haben. Gerade die Berufsbildung ist für uns ein wichtiges Anliegen - auch im slowakischen Kontext unseres Erweiterungsbeitrags. Die Berufsausbildung ist ein zentrales Element zur Gestaltung der Zukunft der jungen Menschen auch in der Slowakei. In diesem Bereich engagieren wir uns sehr stark. Vertreter der Privatwirtschaft, die ein Interesse haben, zum Beispiel Best-Practice-Modelle kennen zu lernen, können sich auch jetzt noch für die erwähnte Konferenz anmelden (siehe dazu: www.vpet-congress.ch).
der Ansiedlung großer Firmen hier. Auch bei Menschenrechtsthemen, die für die Schweiz mit ihrem UNO-Sitz Genf sehr bedeutend sind, ist die Slowakei ein wichtiger Partner für internationale Kooperationen. Es gibt eine Reihe von Initiativen, bei denen die Schweiz und die Slowakei an einem Strang ziehen - auch wenn das oft Initiativen sind, über die man öffentlich nicht viel spricht. Da geht es zum Beispiel auch um gemeinsame Interessen bei der Ansiedlung von weltweit agierenden Organisationen oder der Besetzung von Posten in internationalen Institutionen. Wie sich die bilaterale gegenseitige Besuchsdiplomatie auf höchster Ebene in den letzten Jahren intensiviert hat, ist auch ein Zeichen dafür, welch große Bedeutung die Slowakei für uns hat. Vor nicht langer Zeit war der slowakische Präsident Gašparovič in der Schweiz, der schweizerische Außenminister und damals zugleich Vize-Bundespräsident hat die Slowakei im August 2013 besucht. Auch das bestätigt das rege gegenseitige Interesse. Gibt es für Sie ein Motto, wonach Sie Ihre Arbeit ausrichten? Persönliche Kontakte sind wichtig. Rausgehen, Menschen treffen, Kontakte suchen, nicht nur im Büro sitzen. Ich will das Land wirklich kennen lernen. Kulturwerte sind mir wichtig. Es gibt in jedem Land Grundwerte,
Die Slowakei ist ja kein großes Land. Wie wichtig ist sie als Partner für die Schweiz? Auch die Schweiz ist nicht sehr groß. Die Slowakei ist als neues EU-Mitglied interessant, die 10 Jahre Mitgliedschaft wurden ja gerade groß gefeiert. Dass die Slowakei für uns wichtig ist, zeigt sich nicht zuletzt an
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die gleich bleiben. Aber darüber hinaus interessiert mich der kulturelle Reichtum meines Gastlandes. Die Offenheit der Menschen, ihre Bereitschaft, sich und ihr Land zu zeigen, beeindrucken mich hier und kommen meiner beruflichen Neugier sehr entgegen. Sie sprechen die Kulturschätze der Slowakei an. An der Slowakei wird immer kritisiert, dass sie aus ihrem kulturellen und landschaftlichen Potenzial touristisch viel zu wenig macht. Die Schweiz kann hier sehr gut helfen. Die Slowakei ist unter anderem sehr reich an schönen Naturparks und bietet für jeden touristischen Geschmack etwas: .Natur, Kultur, Architektur, Sport, Geschichte und schöne Landschaften. Ich möchte möglichst bald wieder das „Slowakische Paradies“ besuchen, wo die Schweiz im Rahmen ihres Erweiterungsbeitrags ein Tourismus-Informationszentrum unterstützt und Ende Juni 2014 mit unseren Partnern offiziell eröffnet hat. Oder etwa das Museum Danubiana an der Donau. Das sind alles Reichtümer, die man noch besser bekannt machen kann. Allein schon die vielen Touristen, denen ich täglich begegne, wenn ich zu Fuß in die Botschaft in der Altstadt gehe, zeigen, dass es ein großes Interesse gibt. In Zvolen und in Nitra habe ich auch schon sehr schönes touristisches Informationsmaterial in die Hand bekommen.
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Ich bin ja noch nicht lange da, aber ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Slowakei schlecht präsentiert. Ich war bisher sehr positiv beeindruckt. Auch von der Infrastruktur habe ich bisher einen sehr positiven Eindruck. Die Freundlichkeit und Dienstleistungsbereitschaft im Tourismus ist ebenfalls ein sehr erfreuliches Element.
Alexander Wittwer wurde 1956 in Langenthal in der Nähe von Bern geboren. Studium an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern und Tätigkeiten als Jurist. 1987 in den diplomatischen Dienst aufgenommen. Nach Einsätzen in Genf an der schweizerischen UNOMission und in Washington DC war er in verschiedenen Funktionen unter anderem mit zuständig für die bilateralen Beziehungen zur EG/EU und den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Ab 1992 Botschaftssekretär an der schweizerischen Botschaft in Budapest, ab 1996 Botschaftsrat in Harare/ Zimbabwe. 2004 erfolgte die Versetzung als Ministerrat und stellvertretender Missionschef nach Washington DC. Ab 2008 als Botschafter in Harare zuständig für Zimbabwe, Malawi und Sambia. 2012 Botschafter in Albanien und seit Mai 2014 schweizerischer Botschafter in Bratislava. Alexander Wittwer ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
Sie werden also die Möglichkeiten, in der Slowakei herum zu reisen, sehr intensiv nützen? Auf jeden Fall. Ich bin schon voll von Vorfreude auf das, was mich hier erwartet. Wir müssen aber die Schweizer Präsenz hier in vielen Bereichen weiter verstärken. Dass wir jetzt seit einem Jahr ein Honorarkonsulat in Prešov haben, unterstreicht, dass wir auch an der Ostslowakei großes Interesse haben. Sie wissen sicher, dass Holcim zum Beispiel in Košice ein großes Dienstleistungszentrum mit über 200 neuen Arbeitsplätzen eingerichtet hat. Oder Swiss Re, die große Rückversicherungsgesellschaft, hat hier in Bratislava ein Dienstleistungszentrum mit über 700 Angestellten betreibt. Das sind alles positive Fakten. Ist die Slowakei für Schweizer Firmen vor allem wegen der niedrigen Löhne attraktiv oder auch als Absatzmarkt? Ich denke, es ist interessant für Dienstleistungsunternehmen, sich hier anzusiedeln, weil sie hier eine günstige Kostenstruktur vorfinden, aber auch im grenzüberschrei-
tenden Kontext genügend gut ausgebildete Mitarbeiter finden. Das schließt dann wieder den Kreis zur Berufausbildung, die wir vorher angesprochen haben. Die 23 Projekte im Rahmen des schweizerischen Erweiterungsbeitrags in einem Gesamtumfang von immerhin 67 Millionen Schweizerfranken sind ja durchaus keine unbescheidene Größe. Die meisten Projekte sind aufgegleist und werden jetzt umgesetzt. Das sind nicht nur punktuelle Aktivitäten, sondern es soll etwas Nachhaltiges werden, das dann auch weiter ausstrahlt. Was machen Sie in Ihrer Freizeit außer Reisen? Das Reisen haben Sie schon bemerkt. Ich bin ein neugieriger Wanderer. Wandern, Fahrrad, Schwimmen und auch Besuche von Kulturgütern sind meine bevorzugten sportlichen Aktivitäten. Kultur interessiert mich generell, dazu gehört speziell die Fotografie - auch als Kunstform. Das wichtigste Hobby ist aber sicher das Lesen. Es gibt auch über die Slowakei sehr schöne Bücher. So habe ich schon eine sehr schöne Enzyklopädie über das Land bekommen, die sehr beeindruckend mit wunderschönen Bildern gestaltet ist. Die Reichhaltigkeit an sehr liebevoll gestalteten Bildbänden hat mich schon sehr beeindruckt. Die ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Homepage
www.npz-online.eu unter „Zum Nachlesen“
Sie teilen nicht die oft gehörte Kritik, dass sich die Slowakei schlecht vermarktet? Da tut sich schon viel. Jede Stadt, jede Region präsentiert sich in durchaus gut aufgemachten Werbematerialien. Man muss das halt noch mehr propagieren, denn die Konkurrenz ist groß, gerade auch in dieser Region an der Donau. Das habe ich als junger Diplomat in Budapest schon gesehen.
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Kontinuität Am 16. Juni 2014 berichtete die FAZ über die erstaunliche Beliebtheit der aus der DDR stammenden „Jugendweihe“. 90 % dieser Feier organisiere der Verein „Jugendweihe Deutschland e.V.“ , der aus dem Jugendweiheausschuß der SED hervorgegangen war. Seit seiner Gründung hätten fast 1,5 Millionen Jugendliche daran teilgenommen. 2013 seien es 34 500 gewesen. Befreit von historischem Ballast handle es sich heute um eine fast vollkommen ideologiefreie Familienfeier. Von Helmut Wessely, 2006 – 2010, österreichischer Botschafter in der Slowakei, Foto: Shutterstock
Dies ist ein Beispiel für Kontinuität über bedeutende politische Veränderungen hinaus, ein Phänomen, das von der Politik gerne ignoriert wird, weil dies das strahlende Bild von der neuen Zeit beeinträchtigen könnte. Wie radikal auch immer ein entscheidender Wandel in der politischen Struktur eines Staates sein mag, in vielen Bereichen kommt es zu einer erstaunlichen Kontinuität vorangegangener Verhältnisse. Betrachtet man die entscheidenden Veränderungen der letzten hundert Jahre, 1918, 1945 und 1989, so fällt auf, daß die Veränderungen, die den Wechsel zu demokratischen Regierungsform zum Inhalt hatten, lediglich die Verfassung der Staaten zum Gegenstand hatten. Eine Minderheit aus aktiven Politikern konnte im Moment politischen Zusammenbruchs die Gunst der Stunde nutzen, um ihre meist schon viele Jahre lang propagierten Vorstellungen zu verwirklichen. Die Beteiligung der Bevölkerungsmehrheit fand nur Schritt für Schritt mit der Umsetzung demokratischer Verfahren statt. Veränderungen der Mentalität der betroffenen Bevölkerung konnten dem Tempo der schnellen formalen Änderungen aber meist nicht folgen. Nur sehr beschränkt hat sich eine geschichtliche Erfahrung aufgebaut, wie Demokratie im großen und ganzen funktionieren soll, aber ihre Weiterentwicklung hat sich praktisch bloß auf die Sicherung bestehender Machtverhältnisse erstreckt. Bis heute ist es zu keiner breiten Diskussion über
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die praktischen Erfordernisse demokratischer Regierungsformen gekommen. Verfassungsgesetze haben zwar demokratische Strukturen festgelegt, aber die Praxis hat sich oft weit davon entfernt. Eine Weiterentwicklung der Demokratie unter kritischer Btrachtung der Verefassungswirklichkeit fehlt bis heute. Wie wird die Gewaltenteilung in Republiken sichergestellt, wer kontrolliert wie die Machtausübung, warum wird nur die Legislative, nicht aber die Exekutive und die Justiz gewählt? Wer ist wofür verantwortlich? Welche Verantwortung trifft einen Wähler oder darf er verantwortungslos sein? Wie sichert man die Rechtsstaatlichkeit? Wie ist mit wirtschaftlicher Macht umzugehen? 1918 setzte sich der Tschechoslowakismus durch, getragen von Exilpolitikern, die zwar noch im Clevelander und Pittsburgher Abkommen Autonomie für die Slowakei versprochen hatten, eine solche aber im entscheidenden Augenblick nicht zuließen. Wenigstens die Verfassung vom 29. Februar 1920 bekannte sich zur parlamentarischen Demokratie. Ein gewählter Staatspräsident konnte die besondere Rolle eines Monarchen als oberste Instanz aller Bereiche nicht allein ersetzen. Daß in einer Republik die Staatsgewalten sich gegenseitig kontrollieren sollten, war nicht leicht zu vermitteln. Das Vertrauen in das Parlament war aufgrund geschichtlicher Erfahrungen getrübt. Als wesentliches Kontinuum blieb die nationale Frage aus tschechischer Sicht, während die
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slowakischen Anliegen unberücksichtigt blieben. Demokratiepolitisch war dies bedenklich, da Nationalismus diskriminierend wirkt, während Demokratie grundsätzlich auf Nichtdiskriminierung beruht. Zusammengenommen mit den Folgen des Weltkriegs konnte sich keine demokratische Tradition entwickeln. 1945 kam es zu einer wesentlich verschlechterten Neuauflage dieser auf tschechischem Nationalismus beruhenden beschränkten Demokratie unter Führung von Edvard Benes. Von Anfang an unterlag die Tschechslowakei dem Einfluß der Sowjetunion. Damit war der Weg zur quasidemokratischen Machtergreifung der kommunistischen Diktatur geebnet. 1989 eröffnete die Wende die Möglichkeit einer unabhängigen slowakischen Republik. Die völlig verschiedenen historischen Erfahrungen der Tschechen und Slowaken über Jahrhunderte in unterschiedlich strukturierten Reichshälften konnten nicht mehr ignoriert werden. Die Jahrzehnte der kommunistischen Dominanz hatten aber alle Strukturen so stark beschädigt, daß ihre Wirkung bis heute bemerkt werden kann. Das Mißtrauen der Bevölkerung gegenüber Politikern ist nach wie vor groß, die Rechtsstaatlichkeit läßt sehr zu wünschen übrig und in Ermangelung einer starken gewerblichen Wirtschaft konnten sich rasch oligarchische Strukturen entwickeln. Das Netzwerk der Kommunisten erwies sich als relativ dauerhaft, sodaß eini-
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ge in Führungspositionen zurückkamen und vom wirtschaftlichen Aufschwung überproportional profitierten. Trotz deutlichen wirtschaftlichen Erfolgen, bleiben die Dienste für die Allgemeinheit (Gesundheit, Bildung und Verwaltung) unterentwickelt.
Wenn in einer Republik das Recht vom Volk ausgehen und die Machtkontrolle wirksam sein sollen, dann bedarf dies einer wesentlich stärkeren Bürgerbeteiligung als dies heute der Fall ist. Es bedarf deshalb einer neuen umfassenden demokratischen Debatte, um die
Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie unter bewußter Beteiligung der Gesamtbevölkerung zum Wohle der Allgemeinheit und für eine gerechtere Verteilung des Nationalprodukts zu verwirklichen.
Auszeichnung für Ondrej Pöss Text: Christoph Thanei, Foto: Simon Gruber / Österreichische Botschaft
Diese Gelegenheit ließ sich auch der scheidende Bildungsminister Dušan Čaplovič als einen seiner letzten öffentlichen Auftritte im Amt nicht entgehen: Der Minister kam zwar mit etwas Verspätung, aber trotzdem persönlich zum Gratulieren. Ondrej Pöss, in der Slowakei nicht nur als Leiter des Museums der Karpatendeutschen Kultur der mit Abstand bekannteste Vertreter der deutschsprachigen Minderheit, erhielt das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Botschafter Josef Markus Wuketich, der kein Geheimnis daraus
machte, dass er selbst die Verleihung der Auszeichnung unterstützt hatte, lobte den Geehrten in seiner Festansprache: „Herr Direktor Dr. Ondrej Pöss ... hat den Karpatendeutschen Verein mitbegründet und das Museum der Karpatendeutschen Kultur aufgebaut. Er leitet aber nicht nur dieses Museum, sondern hat auch eine Vielzahl an Publikationen über die Karpatendeutschen veröffentlicht. Und er hat stets ausgezeichnete Kontakte zur Republik Österreich gepflegt, in der viele nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebene Karpatendeutsche ihre neue Heimat fan-
den. Für Angehörige einer Minderheit ist ihre Andersartigkeit nicht immer einfach. Umso schwieriger ist es, diese Andersartigkeit, die für jede Gesellschaft eine Bereicherung darstellt, auch bewahren wollen. Dafür braucht es viel Mut, Energie, Ausdauer und natürlich Opferbereitschaft. Gerade diese Eigenschaften beweist Ondrej Pöss. Seine herausragenden Verdienste zur Dokumentation und Bewahrung der deutschsprachigen Minderheit und ihrer Kultur in der Slowakei will deshalb auch die Republik Österreich mit dieser Auszeichnung anerkennen.“
Von rechts nach links: Bildungsminister Dušan Čaplovič, Botschafter Josef Markus Wuketich, Dr. Ondrej Pöss und seine Gemahlin bei der Glückwunschrede des Ministers in der Residenz des österreichischen Botschafters.
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Politik & GESELLSCHAFT
Der Große Krieg im Alltagsleben der Pressburger Im Sommer 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal. Im Gedenken an die vielen Millionen Opfer des Ersten Weltkrieges finden in aller Welt Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Es werden Sammlungen initiiert, für die Nachkommen hinterlassene Briefe, Memoiren, Tagebücher und Fotos zusammentragen. Archive werden geöffnet und Erlebtes wieder rekonstruiert. Städte aus der ganzen Slowakei machten bei diesem Projekt mit und die Ergebnisse sind faszinierend, erschreckend und unglaublich zugleich. Text und Fotos: Katarína Kironská
Am 13. Mai eröffnete das Stadtmuseum Bratislava die Ausstellung „Die andere Seite des Krieges“ (Vojna z druhej strany). Ihr Ziel ist es, Besuchern beide Seiten des Krieges näher zu bringen: Das Alltagsleben der Zivilbevölkerung ebenso wie auch die Kriegserfahrung der Soldaten. Die eher kleine Exposition, allerdings mit einer gewaltigen Aussage, bildet die Sonnenund auch Schattenseiten des Stadtlebens im damaligen Pressburg ab. Pressburg lag zwar weit außerhalb der Frontlinien, trotzdem konnte man den Krieg in jeder Strasse, jedem Haus wortwörtlich fühlen. Sie erzählt eine grausame Geschichte über Hass, Vernichtung, Hunger und Abschied, gleichzeitig aber auch über das Familienleben und darüber, was es heißt, ein Kriegskind zu sein. „Der Grosse Krieg gehört in der Geschichte der Menschheit zu den kollektiven Erfahrungen, die einen Einfluss auf ganze Nationen hatten. Die Folgen betrafen kompromisslos jede einzelne Familie und prägten Städte und
Dörfer. Grundsätzlich ist der Krieg ein Zusammentreffen von Gutem und Bösem, des Heldentums und der Feigheit, des Zusammenhalts und Konflikts, der Wahrheit und Propaganda, der Opferbereitschaft und des Egoismus…“, erzählen die Gestalter der Ausstellung, die Historiker Štefan Gaučík und Elena Kurincová. Die Besucher begrüßt am Eingang der so genannte „Eiserne Honvéd“, das Symbol der Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg. Unter den einzelnen Ausstellungsstücken fesseln insbesondere die, die über den Alltag berichten, wie z. B. ein Tischgedeck mit dem graziösen Blick des Kaisers, eine Spielzeugkanone, die erschreckend echt aussieht, die Ausrüstung eines Soldaten, mit der er in den sicheren Tod marschierte. Da wird bewusst, wie real die Ereignisse waren. Man erschauert beim Anblick der zahlreichen Plakate und Zeitungsausschnitte, deren Parolen unsere Vorfahren jubelnd in den Krieg ziehen ließen. Zum
ersten Mal wurden Massenmedien zur Propaganda genutzt. Das Resultat war unbegrenzte Loyalität zum Kaiser. Es sollte ein kurzer Krieg mit einem schnellen Sieg sein. Niemand rechnete damit, dass er sich vier Jahre lang dahinziehen könnte. Der Rückgang des Lebensstandards betraf alle Gesellschaftsschichten, Hunger und Not wurden zur Alltagserfahrung. Aus der anfänglichen Loyalität wurde Wut und aus der wieder Resignation. Die Ausstellung „Die andere Seite des Krieges“ dauert den ganzen Sommer, bis zum 12. Oktober. Zu den Rahmenaktivitäten gehört ein Bildungsprogramm für Grundschul- und Mittelschulkinder, das die einzelnen Klassen mit den wichtigsten Ereignissen und deren Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft des damaligen Pressburg bekannt macht. Für Erwachsene bietet das Museum thematische Vorträge und zeitgenössische Kriegskonzerte des Kammerorchesters unter der Leitung von Zbynek Kubáček. Thematische Vorträge: 5.6. - 16:00; 19.6. -16:00; 4.9. - 16:00; 18.9. - 16:00; 2.10. - 16:00. Konzert unter dem Turm (C und k. Blechbläser-Kammerorchester von Zbynek Kubáček): 19.6. - 17.30; 2.10. - 17:30. Der Große Krieg als Bildungsprogramm für Grundschulen und Gymnasien: täglich außer Montag nach Anmeldung (mmba@bratislava.sk)
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Politik & GESELLSCHAFT
Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg „Papa hat gesagt, dass vielleicht ein Krieg kommen wird. Weil die Österreicher sehr zornig sind über die Serben. Die Serben haben nämlich den österreichischen Kronprinzen ermordet. Der Mörder war sehr frech und hat auch die Kronprinzessin mit tot gemacht“, so vermerkte der 7-jährige Eduard Mayer aus Bayern die Ereignisse vom 28. Juni 1914 in seinem Tagebuch. Text: Katarína Kironská, Fotos: Sonya Winterberg privat
Sonya und Yury Winterberg
Kinder haben den Ersten Weltkrieg ganz anders erlebt als die Erwachsenen. Großer Bewunderung der Kinder erfreuten sich die neusten „Wunderwaffen“ mit höchster Vernichtungskraft, wie U-Boote und Zeppeline, die nach der Meinung der 14-jährigen Agnes Zenker aus Sachsen „England herrlich betröpfelten“. Soldaten wurden in ihren Vorstellungen zu Helden, denen sie nacheifern wollten. 100 Jahre nach Beginn der Katastrophe, die 17 Millionen Menschen zum Tode verurteilte, stellt ein Dresdner Autorenpaar, die Journalistin Sonya Winterberg und der Drehbuchautor Yury Winterberg den Ersten Weltkrieg erstmals mit den Augen der Kinder vor. „Kleine Hände im großen Krieg“ erzählt über die Schicksaale der Kinder, die in jenen Jahren in den verfeindeten Ländern, unter anderem auch in der späteren Tschechoslowakei, aufwuchsen und vom damaligen Geschehen lebenslang geprägt wurden. Die dazu von einem internationalen Team gedrehte Familiendokumentarreihe „14 Tagebücher des Ersten Weltkrieges“ kann man online auf www.14-tagebuecher.de verfolgen.
NPZ: Wie unterscheidet sich Ihr Buch von den vielen anderen, die zum Thema des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs entstanden sind? S. Winterberg: Kein einziges dieser Bücher hat sich mit der Frage beschäftigt, wie die Kinder diese „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ erlebt haben. Gerade die Schicksale von Kindern aus dieser Zeit sind sehr dramatisch und berühren uns heute noch unmittelbar. Da geht es um Hunger, um den Tod von Vätern oder älteren Geschwistern – und zehntausende Minderjährige kämpften sogar selbst als Kindersoldaten. Außerdem stellten mein Mann und ich fest, dass unsere Großeltern den Ersten Weltkrieg als Kinder erlebten und dass es darüber Aufzeichnungen und Tagebücher gibt. Wir wollten, dass all diese Erlebnisse nicht in Vergessenheit geraten. Wie lange dauerte die Zusammenstellung der vielen Lebensgeschichten? Die Arbeit hat mit Unterbrechungen vier Jahre gedauert. Die Recherchen waren sehr aufwändig, denn wir wollten nicht nur die Geschichten von deutschen und österreichischen Kindern erzählen, sondern Schicksale aus der ganzen Welt zusammentragen. Natürlich aus Europa, aus Frankreich, Großbritannien und Russland, ebenso wie aus der ehemaligen Tschechoslowakei, Polen oder Serbien. Doch der Krieg betraf auch Kinder aus Ländern wie Kanada, China oder sogar Jamaika – und das wollten wir darstellen. Das Thema der Kinder im Ersten Weltkrieg wurde von einem inter-
nationalen Team als Dokumentarreihe verfilmt. Worin unterscheidet sich die verfilmte Version vom Buch? Die Serie „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ rückt die Schicksale von 14 Menschen in den Mittelpunkt. Drei davon sind Kinder – eine junge russische Soldatin, ein französischer Junge, dessen Heimatstadt von den Deutschen besetzt wird, und ein deutsches Schulmädchen. Diese Geschichten sind auch ein wichtiger Teil unseres Buches. Aber Buch wie Film stellen daneben noch jeweils andere Protagonisten vor. Was ist das Ziel dieses Projektes? Vor hundert Jahren, im Sommer 1914, lebten die Menschen in Mitteleuropa in einer friedlichen Welt. Kaum jemand konnte sich mehr einen Krieg vorstellen. Dann kam er doch, plötzlich wie aus heiterem Himmel. Wir zeigen, was der Krieg aus den Menschen machte, wie er sie veränderte. Und wir wollen warnen, dass wir heute unseren Frieden nicht für selbstverständlich nehmen sollten.
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Leuchten
mit Stil
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ORION Leuchten ist ein österreichisches Familienunternehmen in der dritten Generation. Seit der Gründung 1948 befindet sich das Unternehmen in Familienbesitz. ORION beschäftigt heute über 250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und verfügt über ein weltweites Netzwerk an Händlern und Partnern.
Alle Arbeitsschritte zur Herstellung unserer Leuchten finden daher schon seit über 50 Jahren ausschließlich in der Wiener Produktionstatt. ORION Leuchten werden in über 100 Länder exportiert. In unserer Wiener Manufaktur führen wir auch Restaurierungen - vorwiegend unserer ORION-Serien - durch.
Eleganz und Qualität sind dabei die Maßstäbe, an denen wir uns orientieren, und neben der Herstellung von Leuchten ist ein weiteres Tätigkeitsfeld die Zusammenarbeit mit Architekten für Beleuchtungen von Großgebäuden und Objekten.
Mit der jahrzehntelangen Erfahrung unserer Mitarbeiter, sowie durch unser enormes und sofort verfügbares Angebot an Ersatzteilengewährleisten wir eine rasche und kundenorientierte Bearbeitung.
Ein Kernpunkt unserer Unternehmenspolitik ist es, durch unsere hervorragenden Produkte Arbeitsplätze in Österreich zu sichernund durch Expansion neue zu schaffen. ORION arbeitet seit Jahren mit Architeken, Innenausstattern und Bauträgern zusammen. Wir haben weltweit und termingerechtLeuchten für bedeutende Gebäude geliefert, die hervorragend mit dem Interieur harmonisieren. Komplette Zimmerbeleuchtungen und Sonderanfertigungen für den Repräsentativbereich.
Wir nehmen Ihre Anfrage gerne in jedem unserer Schauräume entgegen und erstellen Ihnen umgehend einen Kostenvoranschlag Im Jahr 2000 erhielten wir für dieses Bemühen vom Bundesminister für Wirtschaft & Arbeit die Berechtigung zur Führung des Österreichischen Staatswappens im Geschäftlichen Verkehr. Hinter dieser Verantwortung stehen wir auch in Zukunft mit unserem Namen.
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WIRTSCHAFT
„Ein Land liebt man, wenn man die Menschen dort liebt.“ Nach fünf Jahren in ihrer angestammten Heimat Österreich ist Regina Ovesny-Straka wieder in ihre Wahlheimat Slowakei zurück gekehrt. Von 1994-2009 war sie eine Art Fixstern des slowakischen Wirtschaftslebens gewesen. Sie stand als Grande Dame der slowakischen Finanzwelt an der Spitze der größten Bank Slovenská sporiteľňa und war jahrelang Präsidentin des slowakischen Bankenverbandes. Jetzt hat sie als stellvertretende Generaldirektorin der Versicherung Kooperativa eine neue Herausforderung übernommen. Text: Christoph Thanei, Foto: Salzburger Sparkasse
NPZ: Warum sind Sie in die Slowakei zurück gekommen? Regina Ovesny-Straka: Ich habe von Dr. Geyer (Anm.:Aufsichtsratsvorsitzender der österreichischen Vienna Insurance Group) ein sehr interessantes Angebot bekommen, die Versicherung hier weiter zu führen, wenn ihr jetziger Generaldirektor Juraj Lelkes in Pension geht. Natürlich hat mich auch besonders gefreut, wieder in die Slowakei zurück zu kommen. Denn ich habe in diesem Land 14 Jahre lang gelebt und von den Geburtswehen des Staates bis zu vielen Höhen und Tiefen so Vieles erlebt, das mich mit den Menschen verbindet. Ich bin überzeugt, dass man ein Land liebt, wenn man seine Menschen liebt. Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe? Das Versicherungsgeschäft ist für mich ein neues Business, das anders ist als das Bankwesen. Die Möglichkeit wieder etwas Neues zu lernen, will ich mir nicht entgehen lassen. Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen. Auch meine Jahre in Salzburg bedeuteten einerseits, wieder zu spüren, wie Österreich denkt und "tickt", Die ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Homepage
www.npz-online.eu unter „Zum Nachlesen“
aber sie brachten mir auch eine Menge neuer Erfahrungen. Wir haben in Salzburg viele Änderungen implementiert. Das läuft jetzt alles sehr gut und damit ist es für mich die richtige Zeit wieder etwas Neues zu probieren, wenn ich das so ein bisschen frech sagen darf. Gibt es auch Dinge, die Sie in der Slowakei überrascht haben nach Ihrer Rückkehr? Es hat sich viel verändert. Vor allem die Stadt Bratislava ist um Vieles schöner geworden. Eurovea und andere Projekte sind großartig gelungen. Mein Gefühl ist auch, dass das Umfeld stabiler geworden ist auch im Leben der Menschen. Es geht den meisten jetzt besser. Sie sind aus dieser damaligen Hektik in eine stabilere Lebensphase gekommen. Werte wie sich mehr um die Familie zu kümmern und nicht mehr alle Energie nur in die Arbeit zu stecken, sind wichtiger geworden. Man powert sich nicht mehr komplett aus. Die Nachricht über Ihre Rückkehr hat für großes Aufsehen in der Slowakei gesorgt. Ich bin wunderbar aufgenommen worden. Solche SMS zu bekommen wie "Vitaj doma!", war wirklich sehr schön. Es ist auch schön, wieder lieb gewordene Menschen zu treffen, die man fünf Jahre nicht gesehen hat und die einem das Gefühl geben, als wäre man nie weg gewesen.
Mag. Regina OvesnyStraka studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ab 1982 arbeitete sie für die Creditanstalt (CA) in Wien und kam 1994 für diese damals eine der größten Banken Österreichs in die Slowakei. 1999 Vorstandsvorsitzende der Slowakei-Niederlassung der zur Bank Austria Creditanstalt fusionierten größten Bank Österreichs. Von 2001 bis 2009 Vorstandsvorsitzende und Generaldirektorin der Slovenská sporiteľňa und Präsidentin des Slowakischen Bankenverbandes. Danach Vorstandsvorsitzende und Generaldirektorin der Salzburger Sparkasse. Seit April 2014 stellvertretende Generaldirektorin der zur Vienna Insurance Group gehörenden KOOPERATIVA poisťovňa, a.s. in Bratislava.
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WIRTSCHAFT
Mein Bratislava -
Persönliche Betrachtungen von Markus Halt Wir alle haben uns daran gewöhnt, ein reichhaltiges Angebot an Veranstaltungen in Bratislava und der Slowakei zu genießen, zu denen uns die alle paar Jahre wechselnden Leiter von Auslandshandelskammern und Kulturinstitutionen aus den deutschsprachigen Ländern einladen. Die teils schon seit viel mehr Jahren als ihre Chefs aktiven Organisatoren, die im Hintergrund dafür sorgen, dass auch alles wirklich so perfekt funktioniert, kennen wir meist nur aus den Einladungs-Mails. Die NPZ möchte in einer neuen Reihe „Mein Bratislava“ diese „Guten Geister“ vor den Vorhang bitten und sie ein wenig von sich und ihrem Bratislava-Bild erzählen lassen. Den Anfang macht Markus Halt von der Deutsch-Slowakischen Industrieund Handelskammer DSIHK. Foto: Katharina Getlik
Text und Fotos: Markus Halt
Bis zu meinem 26. Lebensjahr war die Slowakei für mich ein fernes Land, unter dem ich mir rein gar nichts vorstellen konnte, und Bratislava ein weißer Fleck auf der Landschaft, von dem ich noch nicht einmal wusste, dass er einst Pressburg hieß. Mittlerweile habe ich acht Jahre meines Lebens in der slowakischen
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Hauptstadt verbracht und kenne die Region fast besser als mein Stammland Baden-Württemberg. Bratislava - die Stadt, die ich im Januar 2006 das erste Mal betrat, ohne den geringsten Schimmer zu haben, was mich dort erwarten würde, ist für mich zu einer Art zweiten Heimat geworden.
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Bratislava ist für mich seit jeher eine Stadt der Gegensätze. Viel zu häufig wandere ich durch das barocke historische Zentrum mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie nur ein Bratislavaer haben kann. In besonnenen Momenten werde ich mir dann der Großartigkeit bewusst, ein solches Zeugnis der k.u.k.
WIRTSCHAFT
Tradition direkt vor der Haustür zu haben. Doch kaum bin ich auf meinen regelmäßigen Spaziergängen auf der Burg angekommen, erschließt sich vor meinen Augen die riesige Plattenbausiedlung Petržalka auf der anderen Seite der Donau – das exakte Gegenteil von architektonischer Schönheit. Im Vergleich zu Stuttgart verfügen die Einwohner Bratislavas über viel weniger Kaufkraft und trotzdem gibt es hier wesentlich mehr Shoppingmalls als in der schwäbischen Landeshauptstadt. Obwohl international renommierte Einzelhandelsketten die Stadt mit unzähligen Supermärkten überflutet haben, strömen die Slowaken über die Grenze, um ihre Einkäufe in Hainburg oder Kittsee zu erledigen. Auch ich zähle mich zu
In Bratislava wird scheinbar jede freie Fläche mit Werbung beschildert, sogar den St.-Martinsdom zierte während seiner Renovierung das großformatige Banner einer italienischen Bank, im Gegensatz dazu sind Straßen oftmals nur spärlich ausgeschildert. Insbesondere in Petržalka erschwert das die Orientierung erheblich, ich möchte gar nicht zählen, wie oft ich mich dort schon verlaufen habe. All dies gehört zu den unzähligen Eindrücken, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Zu Vielem vermag mir selbst nach wiederholter Reflektion immer noch keine so rechte Antwort einfallen. Doch wie es mit
Gegensätzen nun mal so ist, ihnen haftet etwas Faszinierendes an. Und auch selbst bin ich nicht frei von Gegensätzen. Seit acht Jahren lebe ich in der Slowakei und bin in dieser Zeit viel herum gekommen, doch die östliche Landeshälfte ist für mich nach wie vor ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Letztes Jahr habe ich im Internet einen Blog über das Nachtleben in Bratislava veröffentlicht, obwohl mir dieses eigentlich fremd ist. Normalerweise berichte ich in meinen Blogs über meine Reiseerfahrungen in Mitteleuropa. Am meisten habe ich bislang über die Slowakei und Kroatien geschrieben. Ich habe es jedoch schon öfter erlebt, dass ich von Freunden und Bekannten nicht des Textes wegen positives Feedback erhalte, sondern aufgrund der „schönen“ Bilder. Die Fotografie ist nämlich mein leidenschaftlichstes Hobby. Egal ob mit Handy, Kompaktkamera oder Spiegelreflexkamera, für ein gutes Foto will ich immer gerüstet sein. Im Laufe der Jahre haben sich auch definitiv zu viele Objektive angesammelt. Nach jeder Neuanschaffung probiere ich meine neuen Linsen immer am liebsten
diesen Menschen, wobei ich mich letztes Jahr ganz besonders über die neue Einkaufsmeile in Kittsee gefreut habe. Die Strecke PetržalkaKittsee-Berg-Petržalka gehört nämlich mit zu meinen favorisierten Radtouren. So verbinde ich stets das Angenehme mit dem Praktischen und kehre von den Fahrten stets mit einem prall gefüllten Fahrradkorb zurück. Überhaupt bietet Bratislava an der Donau entlang oder in den Kleinen Karpaten wunderbare Möglichkeiten zum Radeln und doch wagen es nur wenige, den Drahtesel auch in der Stadt zu benutzen. Radwege sind Mangelware, die Straßen in zu schlechtem Zustand, da verzichte ich lieber auf das Fahrrad.
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WIRTSCHAFT
auf der Burg oder dem Soldatenfriedhof Slavín aus. An beiden Standorten habe ich eine tolle Aussicht sowohl auf die Altstadt als auch auf die Donau und finde gleichzeitig genügend Motive, die ich aus nächster Nähe fotografieren kann. Richtig interessant finde ich es aber erst, wenn ich nach der Feuerprobe an weniger belebten Schauplätzen in der Umgebung auf die Jagd nach Schnappschüssen gehe. Obwohl Bratislava die mit Abstand größte Stadt der Slowakei ist, führen die Wege rasch in die weite Natur. In Devín, Rusovce oder an den Čunovo-Seen fühle ich mich bereits wie in einer anderen Welt, obwohl die Fahrt vom Stadtzentrum nicht länger als 20 Minuten dauert. Gerade Devín ist ein schöner Ausgangspunkt für vielfältige Touren mit und ohne Kamera. Eine meiner allerersten Entdeckungen war ein Wanderweg, der direkt von Devín über ein Hügelplateau zum Stadtteil Devínska Nová Ves führt. Neben dem beeindruckenden Panoramablick auf Devín, seine Burgruine und das Becken der March, einem Nebenfluss der Donau, staune ich hier über den langsamen Wechsel der Flora, je weiter ich mich fortbewege. Während anfangs typisch mitteleuropäische Bäume
und Sträucher den Weg zieren, mutet die Pflanzenwelt am Ende der Strecke beinahe südländisch an, auch der Boden nimmt sandige Konturen an. Am Sandberg, einem 15
Foto: Katharina Getlik
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Millionen Jahre alten Hügel aus Sandstein, endet schließlich der Weg. Ebenso reizvoll ist es, von Devín oder dem Sandberg aus den Wanderweg auf die Spitze des Berges Devínska Kobyla zu nehmen. Auf einer Höhe von rund 500 m genieße ich von dort die traumhafte Aussicht auf die Marchebene. Wenn ich mir vorgenommen habe, dort am Abend den pittoresken Sonnenuntergang zu fotografieren, stoße ich schnell auf Gleichgesinnte. Eine solche Gelegenheit lassen sich schließlich nur wenige Fotoenthusiasten nehmen. Eher ein Geheimtipp ist es, vom Bergrücken der Devínska Kobyla das malerische Tal Fialková dolina anzusteuern. Nachmittags steht das Tal in einem starken Gegenlicht, das wie ein mythischer, durch die Devínske Karpaty streifender Nebel wirkt. Bei solch einem atemberaubenden Anblick komme ich mir beinahe vor wie im entlegenen Gebirge, dabei liegen die Stadtteile Dubrávka oder Devínska Nová Ves gerade einmal 40 Gehminuten entfernt. Gegensätze haben eben doch etwas Gutes an sich.
WIRTSCHAFT
Mit Zweisprachigkeit und Begeisterung zum Start-Up-Unternehmen Johanna und Heinrich Franke aus Rosenheim in Deutschland studieren seit zwei Jahren Medizin in Bratislava. Ihre Erfahrungen mit dem Auslandsstudium und ihre zweite Muttersprache Slowakisch machen die Geschwister bereits zu Geld: Sie gründeten eine Agentur, die Studienplätzen an deutsche Studierende vermittelt. Text und Foto: Ingrid Blasge
In Deutschland waren die Aussichten auf einen Studienplatz in Medizin mehr als trüb, sind doch ein ehrgeiziger AbiturNotenschnitt von 1,2 bis 1,3 sowie das Bestehen von Knock-Out-Aufnahmeprüfungen fast unbezwingbare Voraussetzungen dafür. Johanna (21) bewarb sich mehrmals ohne Erfolg, studierte in der Zwischenzeit eher frustriert Biologie, ihr Bruder Heinrich (20) hatte seinen Wunsch Arzt zu werden schon lange zuvor beiseite geschoben. Was so entmutigend begann, wussten die beiden sehr schnell zu ihren Gunsten zu wenden. Sie entschlossen sich ins Ausland zu gehen, um dort ihren Berufsdoktor zu machen. Da hätte es mehrere Möglichkeiten gegeben, weil mittlerweile viele Universitäten (auch an weniger gefragten Standorten) versuchen, mit englischsprachigen Studiengängen ausländische Studierende zu gewinnen. Je nach Uni betragen die Studiengebühren für Human- oder Zahnmedizin von 5.000 bis zu satten 11.000 Euro pro Jahr. Mit den Slowakisch-Kenntnissen war schnell klar, dass es weder Pécs noch Timișoara noch Budapest werden würde, und die Unis in Martin und Košice waren den beiden zu entlegen. In Bratislava schließen außerdem ein fester Fragenkatalog sowie ein bescheidener Andrang böse Überraschungen bei den Aufnahmeprüfungen aus. Heinrich erreichte mit
Weitere Informationen: www.medizinstudium-bratislava.org www.fmed.uniba.sk
Johanna und Heinrich Franke machten aus ihrer Notlage ein Erfolgsrezept 98% richtiger Fragen die höchste Punktezahl von allen, Johanna folgte auf Platz zwei. Als sie 2012 mit dem Studium begannen, gab es in ihrem Jahrgang rund ein Dutzend Deutsche. Die Mehrheit der Ausländer stellten mit schätzungsweise 75% griechische Studierende, gefolgt von ca. 20% Spaniern. Ein Jahr später waren unter den etwa 200 StudienanfängerInnen bereits 60 Deutsche. Dazu wird die Agentur der Geschwister Franke Medizinstudium Bratislava s.r.o. wohl das ihrige beigetragen haben. Deutsche hätten an der Uni im Gegensatz zu den griechischen Studierenden einen sehr guten Ruf, meint die energievolle Jungunternehmerin. „Deutschland – erste Reihe und so.“, wie manche Professoren augenzwinkernd bemerken.
Sie hofft aber, dass die Stimmung durch die gestiegene Zahl an Deutschen nicht kippen wird. Wie sie auf die Idee gekommen seien? Einerseits regte ihre Mutter sie dazu an, die selbst vor Jahren slowakische Pflegerinnen nach Deutschland vermittelt hatte, „andererseits dachten wir uns: Wenn griechische Agenturen das können, dann können wir das auch!“ Beide finden, dass sie gute Arbeit leisten. „Bei uns können die Kunden sicher sein, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden. Wir treffen unsere „Kunden“ täglich im Hörsaal und müssen ihnen in die Augen sehen können.“ In den verbleibenden vier Jahren werden sicherlich noch einige Augenpaare dazukommen, womit die Frankes ganz nebenbei auch ihr Studium finanzieren.
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WIRTSCHAFT
Milliardenprojekt mit grünem Herz Er ist derzeit das bedeutendste Infrastrukturprojekt der österreichischen Hauptstadt. Nur 2,5 Kilometer Luftlinie vom Stephansplatz entfernt, entsteht nicht nur der neue Hauptbahnhof, sondern ein ganzes Stadtviertel. Text: Katrin Litschko, Fotos: ÖBB/Stadt Wien
Von keinem anderen Punkt der Stadt aus lässt sich künftig besser reisen. Durch den Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel sowie die Anbindung an den Flughafen wird der neue Hauptbahnhof zu einem Verkehrsknotenpunkt. Ein „Schlüsselprojekt für Wien“ nennt Bürgermeister Michael Häupl die Großinvestition. Sie symbolisiere die „Drehscheibenfunktion der Stadt in der Mitte Europas“. Rund vier Milliarden Euro sind für das Projekt veranschlagt. Davon zahlt die Stadt Wien eine halbe Milliarde, private Investoren kommen für 2,5 auf und die Österreichischen Bundesbahnen treiben etwa eine Milliarde auf. Die österreichische Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie Doris Bures meinte: „Ein Infrastrukturprojekt von dieser Bedeutung und Dimension stellt eine Belebung der Wirtschaft dar. Es schafft Tausende Arbeitsplätze während der Bauphase und nach der Fertigstellung.“ Ohne Umsteigen von Bratislava nach Paris Im Dezember nächsten Jahres soll der Bahnhof bereits in Vollbetrieb laufen
Über 5000 Wohnungen werden rund um den neuen Helmut Zilk-Park in Favoriten gebaut.
und unkompliziert Ost und West miteinander verbinden. Bis Ende 2009 war der Südbahnhof Endstation von Süd- und Ostbahn. Wer gen Westen weiter wollte, musste mehrmaliges Umsteigen in Kauf nehmen oder lange Fahrtzeiten mit U- oder S-Bahn. Der neue Bahnhof wird nun als Durchgangsbahnhof errichtet und so werden erstmals Züge aus allen Richtungen miteinander verbunden. Durch
Der neue Hauptbahnhof wird Verkehrsknotenpunkt für 1000 Züge am Tag
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Wohnen für alle Lebenslagen Im Sonnwendviertel werden Wohnungen für Menschen verschiedener Altersklassen gebaut. Neben GenerationenWohnungen entstehen im Sonnwendviertel auch die ersten Smart-Wohnungen Wiens. Durch ihre optimale Flächennutzung und die erschwinglichen Mietpreise sind sie speziell für Paare, Alleinerziehende sowie Singles geeignet. Insgesamt werden 300 davon gebaut.
die Entstehung einer Nord-Süd- und OstWest-Verbindung bildet er einen zentralen Knotenpunkt im transeuropäischen Schienennetz. So kann man dann beispielsweise ohne Umsteigen von Bratislava nach Paris fahren. Christian Kern, der Sprecher des Vorstands der ÖBB-Holding AG ist überzeugt: „Der Bahnhof wird eine zentrale Stelle im europäischen Bahnnetz sein, auf die wir stolz sein können.“ Schnellere Zugverbindungen, einfacheres Umsteigen und bessere Anbindungen bringt der neue Bahnhof für die Fahrgäste mit sich. „Hunderte Planer, Baumanager und Bauarbeiter sind im Einsatz, damit das Projekt ab Dezember 2015 seine volle Funktion als internationale Verkehrsdrehscheibe erfüllen kann“, erklärte Franz Bauer, der Vorstandsdirektor der ÖBB Infrastruktur AG. Für die kommenden Generationen werde eine Bahnanlage geschaffen, die sich nicht nur durch Funktionalität, sondern auch durch Attraktivität und Nachhaltigkeit auszeichne. Für Reisende und Pendler wird das Umsteigen um einiges leichter. Der neue Hauptbahnhof
WIRTSCHAFT
ist an das U-Bahn-System der Stadt angebunden, die S-Bahnen werden miteinander verknüpft und Straßenbahnen sowie Busse decken den Nahbereich ab. Barrierefreies, lichtdurchflutetes Wohnund Arbeitszentrum Der neue Hauptbahnhof steht auf dem Gelände zwischen dem ehemaligen Südund Ostbahnhof und dem Südtiroler Platz, wo sich auch der Haupteingang befindet. Auf 20 000 m² Fläche entstehen rund 90 Geschäfte, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe. Auch Pendler wurden bei der Konzeption bedacht. Unterhalb des Bahnareals werden Garagen für über 600 Autos und drei Fahrradgaragen mit mehr als 1000 Stellplätzen gebaut. Außerdem gibt es zwei City-Bike-Stationen und EBike-Tankstellen. Am südlichen Vorplatz des Bahnhofs wird bis Mitte des Jahres die ÖBB-Konzernzentrale errichtet. In dem gläsernen Büroturm werden rund 2000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz finden. Bereits heute ist das moderne, futuristisch anmutende Dach des Bahnhofes zu einem unverwechselbaren Merkmal des Baus geworden. Dem Plan des Architekten Albert Wimmer folgend, dominieren vierzehn rautenförmige Teile die Form des Daches. Geschaffen wurde es aus Glas- und Stahlelementen. So strahlt viel natürliches Licht auf die fünf Gleise darunter. Das Sonnwendviertel – ein neuer Stadtteil beim Hauptbahnhof Doch in Wien entsteht nicht nur ein neuer Bahnhof, ein ganzes neues Stadtviertel wächst in seiner unmittelbaren Nähe aus dem Boden. Rund 13 000 Menschen werden dort in 5 000 Wohnungen ein neues Zuhause finden. Bereits im Vorjahr zogen die ersten Mieter in ihre neuen vier Wände. Außerdem werden Büros für 20 000 Arbeitsplätze geschaffen. Eine zentrale Lage in dem neuen Wohngebiet nimmt der Helmut-Zilk-Park ein, der nach dem ehemaligen Wiener Bürgermeister benannt wurde und sich über fast acht Hektar erstreckt. Für die Bildung und Betreuung der Bewohner sorgt ein Bildungscampus. Bereits ab Herbst wird ein ganztägiges Betreuungsprogramm für Kinder
Der Hauptbahnhof Wien von Norden aus gesehen. Seit Sommer 2013 wohnen bereits die ersten Mieter im neuen Sonnwendviertel.
und Jugendliche angeboten. Ein Kindergarten, eine Ganztagesvolksschule sowie eine neue Mittelschule werden eröffnet. Grünflächen, Nachhaltigkeit und Umweltschutz Bereits bei der Planung wurde großer Wert auf einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt gelegt. Insgesamt wurden drei Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt. Ein Beispiel für die Schutzmaßnahmen sind die rund 14 000 Lärmschutzfenster und acht Kilometer Lärmschutzwände. Die ÖBB haben sich bei der Errichtung des Hauptbahnhofs zudem zu einer umweltfreundlichen Baustellenabwicklung verpflichtet. Das gesamte wiederverwertbare Material – insbesondere Betonabbruch und Gleisschotter – wurde auf dem Gelände aufbereitet und wieder eingesetzt. Erdaushub, der auf der Baustelle nicht mehr verwendet werden konnte, wurde mit der Bahn abtransportiert. Um den enormen Bedarf an Beton decken zu können, produzierte eine baustelleneigene Betonmischanlage bis zu 180 m3 Beton pro Stunde. Dafür wurde sogar ein eigenes Ladegleis angelegt. So wurden die Transportwege von und auf dem Gelände minimiert.
Zeitplan • 2006: Die Einreichplanung und die strategische Umweltprüfung wurden begonnen. • 2010: Der Bau des Bahn-Infrastrukturprojektes fing an. • 2014: Bildungscampus und ÖBB-Konzernzentrale sollen fertiggestellt werden. • Für Dezember ist die Eröffnung des Wiener Hauptbahnhofs geplant. • 2015: Im Dezember soll das gesamte Gleisprojekt abgeschlossen sein und der Bahnhof im Vollbetrieb laufen. • 2019/20: Das Sonnwendviertel soll weitgehend vollendet sein.
Der neue Hauptbahnhof in Zahlen • 7 Hektar Grünfläche werden geschaffen • 100 km neue Schienen werden verlegt • 30 000 Menschen wohnen und arbeiten hier künftig • 1.090.000 m² Fläche umfassen der Hauptbahnhof und das anschließende Stadtviertel
Rund 13 Prozent des Gesamtenergiebedarfs werden mithilfe von Geothermie- und Fotovoltaikanlagen direkt am Hauptbahnhof generiert. Der Strombedarf am Wiener Hauptbahnhof wird insgesamt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen abgedeckt.
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WIRTSCHAFT
Steuerparadies Slowakei?
Ein Vergleich mit den Nachbarländern Tschechien und Österreich Österreichische Firmen, die zugleich in Tschechien wie auch der Slowakei tätig sind, gibt es viele. Die geografische Nähe verlockt zum Ausnützen der jeweils günstigsten Bedingungen - gerade auch in den Steuersystemen. Welches sind die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen drei Nachbarländern? Und welche Perspektiven haben die Regierenden in den drei Ländern, um ihre Steuersysteme effizienter zu gestalten? Das fragte die NPZ den Steuerexperten Günter Oszwald von Mazars. Text: Christoph Thanei, Foto: Günter Oszwald privat
Günter Oszwald: Gemeinsamkeiten zwischen allen drei Ländern bestehen in der grundlegenden Steuer- und Abgaben-Philosophie. Grundsätzlich lassen sich in allen drei Ländern die wichtigsten Belastungen für die Steuerzahler in drei Blöcke aufteilen, die zugleich die drei aufkommensstärksten Einnahmequellen des Staates darstellen: Die Einkommenssteuern, die Umsatzsteuern und die Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge. Auch wenn wir schauen, was es nicht gibt, gilt für alle drei Länder gemeinsam, dass sie keine Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer einheben. Damit sind die wesentlichsten Säulen gut vergleichbar. Deutliche Unterschiede bestehen hingegen in der jeweiligen Höhe. Österreich hat mit 50 Prozent den höchsten Spitzensteuersatz der drei Länder - gegenüber der Slowakei mit 25 und Tschechien mit 22 Prozent. Das ist nur die Hälfte bzw. sogar weniger als die Hälfte. NPZ: Und wo finden wir sonst noch Unterschiede? Die Körperschaftsteuer hat in der Slowakei sowie in Tschechien einen deutlich höheren Anteil am Gesamtaufkommen als in Österreich, wo wiederum das Lohnsteueraufkommen relativ höher ist. Ein wichtiger Unterschied besteht auch in der Lastenverteilung bei den Sozial- und Krankenversicherungsbeiträgen. Während sich in Österreich die Last zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils etwa zur Hälfte aufteilt, ist dieses Verhältnis in Tschechien und der Slowakei bei ca. 35 Prozentpunkten auf Seiten der
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Arbeitgeber, während nur ca. vierzehn Prozent der Bemessungsgrundlage die Arbeitnehmer ins System einzahlen, die Aufteilung der Gesamtlast ist also grob gerechnet 70:30. Durch die niedrigeren Höchstbemessungsgrundlagen ist auch das Beschäftigen eines Managers in der Slowakei billiger als in Österreich. Man muss aber bei Vergleichen natürlich fairerweise auch darauf hinweisen, dass die damit erworbenen Ansprüche ebenfalls unterschiedlich sind. In Österreich sind ja auch die Pensionen, die man dann erhält, deutlich höher als in der Slowakei. Kurzfristig ist es also für einen Manager in der Slowakei günstig, dass er niedrigere Beiträge einzahlt, langfristig spürt er das aber dann auch im wesentlich niedrigeren Pensionsanspruch. Der klassische Fall eines ausländischen Managers ist aber, dass er nur wenige Jahre in der Slowakei tätig ist, daher ist der spätere Pensionsanspruch aus den slowakischen Beitragsjahren für ihn meist kein großes Thema. Interessant ist auch ein Vergleich des Gesamtsteueraufkommens in den drei Ländern im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt: Wie viel von dem, was in einem Jahr im Land erwirtschaftet wird, geht in Form von Steuern und Abgaben an den Staat. Da sind die
Unterschiede sehr groß: Nach Vergleichsstudien lag die Gesamtsteuerbelastung 2012 in der Slowakei bei 29,5 Prozent, in Österreich hingegen bei 43 Prozent. Tschechien lag mit 36 Prozent dazwischen. Der EU-Schnitt ist bei 44 Prozent. Auch Österreich ist also entgegen vieler Erwartungen knapp unter dem EU-Schnitt. Länder wie Frankreich haben zum Beispiel eine wesentlich höhere Besteuerung von Vermögen und Kapital. Dass die Slowakei so eine niedrige Gesamtsteuerbelastung hat, liegt übrigens nicht nur an den niedrigeren nominellen Steuersätzen etwa für die Einkommenssteuer, sondern auch daran, dass die Effizienz der Finanzverwaltung in der Slowakei geringer ist. Wer Steuern nicht ordnungsgemäß bezahlt oder gar hinterzieht, kommt also in der Slowakei statistisch gesehen deutlich öfter ungeschoren davon als in Österreich. Sparen und ihre Defizite senken müssen jetzt aber alle drei Länder? Unterschiedlich sind die Strategien, wie die einzelnen Länder auf den Konsolidierungsbedarf reagieren, den sie alle haben: Sowohl die Slowakei als auch Tschechien haben in den letzten Jahren einzelne Steu-
Tabelle Steuersätze Österreich
Slowakei
Tschechien
50
25
22
Körperschaftsteuersatz 25
22
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Einkommensteuer (Spitzensteuersatz)
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ersätze erhöht. Tschechien hat die Umsatzsteuersätze deutlich erhöht. Die Slowakei hat die Umsatzsteuer nur minimal um einen Prozentpunkt erhöht, dafür aber die Einkommens- und die Körperschaftssteuer stärker erstere allerdings nur für Besserverdienende. Österreich ist einen anderen Weg gegangen und hat die Sätze gleich gelassen, dafür aber die Bemessungsgrundlage verbreitert, also zum Beispiel Abzugsmöglichkeiten und Steuerbefreiungen reduziert. Welche Strategien bieten sich weiter an? Wichtig für alle Länder ist derzeit die Frage nach möglichen Konjunkturimpulsen. Wenn wir uns die drei Bereiche Unternehmensinvestitionen, Staatsinvestitionen und Privatinvestitionen ansehen, sollte derzeit der Bereich privater Investitionen die größten Möglichkeiten bieten. Und zwar deshalb, weil wir ja wissen, dass die Einkommensschwächeren praktisch ihr gesamtes verfügbares Geld ausgeben. Wenn wir sie steuerlich entlasten, steigen also ihre Investitionsausgaben - etwa für Hausbau und größere Anschaffungen. Natürlich stellt sich dabei die Frage, woher das Geld kommen sollte. Für alle drei Länder empfiehlt sich gleichermaßen eine höhere Besteuerung der Spitzenverdiener. Diese Gruppe war in den vergangenen Jahren begünstigt - etwa durch Senkungen der Steuersätze in Tschechien, aber auch durch das Fehlen von Vermögenssteuern, die ebenfalls diese Gruppe am meisten betreffen würde. Gerade die Gutverdienenden setzen ihr Geld in der Regel eher in Vermögensbildung ein, z. B. Immobilienkäufe oder Anschaffung von Edelmetallen, was der Konjunktur weniger Impulse gibt. Solche volkswirtschaftlich sinnvollen Steuererhöhungen sind aber natürlich politisch schwer durchzusetzen. Auch muss der Anreiz zur Steuerflucht möglichst gering gehalten werden, wofür internationale Abkommen gerade mit Ländern nötig sind, die bisher als Steueroasen gelten. Solche internationalen Schritte laufen inzwischen schon recht gut. Das Geschäftsmodell bestimmter Banken, mit Geldanlagen zwielichtiger Herkunft von EU- Bürgern Geld zu verdienen, ist zumindest in Ländern wie der Schweiz inzwischen mehr oder weniger gestorben.
Zur Person: Günter Oszwald ist nach eigenen Worten der einzige Steuerberater aus dem deutschsprachigen Raum, der sowohl in Tschechien als auch der Slowakei jeweils mehr als fünf Jahre Praxis vor Ort gesammelt hat. Seine Berufslaufbahn begann er in seiner Heimat Österreich und war dann zwölf Jahre lang für Ernst & Young in Prag tätig, ehe er von 2008 bis 2013 für das selbe Unternehmen als Partner des Bereichs Steuerberatung in der Slowakei wirkte. Seit seinem Wechsel von EY zum ebenfalls weltweit agierenden Beratungsunternehmen Mazars lebt Oszwald mit seiner Familie wieder in Prag, bleibt beruflich aber hauptsächlich weiterhin auch in der Slowakei aktiv.
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Zulieferindustrie und Fahrzeughersteller – das Rückgrat der slowakischen Wirtschaft Im Jahre 2013 verzeichnete die Automobilindustrie mit 84 Millionen hergestellten Autos weltweit einen Anstieg von 3,6 Prozent. In Europa stagnierte die Automobilproduktion jedoch. Die Anzahl der Neuzulassungen in der EU begann erst Ende 2013 nach etwa sechs Jahren wieder zu wachsen. Trotz der Stagnation der Automobilproduktion und -verkäufe in Europa waren die slowakischen Zulieferer erfolgreich. Die Komponentenproduktion sowie die Anzahl von Arbeitsstellen in dieser Branche stiegen. Was waren die Ursachen hierfür, und wie sieht die aktuelle Situation in diesem Zweig der slowakischen Industrie aus? Um dies herauszufinden, führte die Beratungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit dem Verband der Automobilindustrie der Slowakischen Republik eine Untersuchung durch. Dabei wurden 48 Automobilzulieferer angesprochen. Die Firmen beantworteten Fragen in einem Online-Fragebogen, die ihre Finanzsituation, ihre Aussichten bezüglich der Erlöse, Beschäftigung oder neuen Trends betrafen. Was zeigte diese Umfrage? Das fragte die NPZ den PwC-Partner und Spezialisten für die Automobilindustrie, Jens Hörning. Autor: Jana Hrbeková, Fotos: PwC
NPZ: Die Automobilindustrie ist der Schlüsselbereich der slowakischen Wirtschaft. Können Sie den aktuellen Zustand in dieser Branche, einschließlich der Lieferantenfirmen für die Automobilwerke beschreiben? Jens Hörning: Die Umfrage wurde für das Lieferantensegment durchgeführt. Die Hersteller und die Zulieferer tragen beide zum Erfolg der Automobilindustrie in der Slowakei bei. Im Jahre 2013 haben die drei Hersteller Volkswagen, KIA und PSA rund 988 Tausend Fahrzeuge hergestellt. Das hatte natürlich eine positive Auswirkung auf die Zulieferindustrie. Die Zulieferindustrie, das sind zirka 400 Gesellschaften, bilden zusammen mit den drei Herstellern das Rückgrat der Wirtschaft in der Slowakei. Die slowakischen Automobilzulieferer haben trotz der Krise auch im Vorjahr einen Anstieg verzeichnet.
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Womit hängt das, Ihrer Meinung nach, zusammen? Das hat zwei Gründe. Zum einen gibt es direkte Zulieferungen zu den drei Herstellern im Land, und die drei Hersteller haben gegenüber 2012 ihre Produktion noch einmal leicht erhöht. Und dabei war schon 2012 ein Spitzenjahr. Und auf der anderen Seite sind die Zulieferer in der Slowakei auch international gut aufgestellt. Die Zulieferbetriebe sind ihrerseits Exporteure in andere Länder. Das heißt: sicherlich besteht eine gewisse Abhängigkeit von den lokalen Herstellern, aber das zweite Standbein ist die Produktion für den internationalen Markt. Wie schätzen die Lieferanten ihre Aussichten für die Zukunft ein? Wie wird sich die Situation in der Brache ihrer Meinung nach in der nächsten Zeit entwickeln? Das ist sicherlich davon abhängig, wie sich die gesamte Automobilwirtschaft entwickeln wird. Die lokale Nachfrage nach
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Fahrzeugen in der Slowakei ist relativ moderat. Wir sprechen von 60-70 Tausend Autos pro Jahr, die hier lokal nachgefragt werden. Das heißt, es besteht eine sehr hohe Exportabhängigkeit. Abhängigkeit muss aber nicht unbedingt etwas Negatives sein. Wir erwarten, insbesondere im westeuropäischen Teil, dass nach über sechs Jahren Absatzrückgang der Turnaround geschafft wurde. Im letzten halben Jahr des Vorjahres war endlich ein Absatzanstieg zu verzeichnen, und wir erwarten, dass in den nächsten Jahren in Europa ein moderates Wachstum zu verzeichnen sein wird. In den letzten Jahren wurden viele Investitionen in PKWs einfach zurückgehalten, der gesamte Fuhrpark ist gealtert. Irgendwann muss es zu Ersatzinvestitionen kommen, und das wird hoffentlich nun geschehen. Der europäische Markt ist sicherlich im Fokus für die slowakischen Zulieferer, ebenso die USA und China. Einige Produkte, die hier in der Slowakei hergestellt werden, exportieren in die USA. In Asien läuft insbesondere
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der SUV-Bereich sehr erfolgreich, der einen wichtigen Teil der slowakischen Produktion ausmacht.
Ideen hier anzusiedeln. Andere direkte Nachbarländer sind da vielleicht schon einen Schritt weiter.
Kommen wir nun zu den Trends in der Automobilbranche. Welche neuen Technologien oder Innovationen kann man hier erwarten? In der letzten Zeit reden wir immer von Elektromobilität. Aber das ist nicht das einzige Thema, das zurzeit in der Industrie diskutiert wird. Die ersten reinen Elektrofahrzeuge werden schon in der Slowakei bei Volkswagen produziert. Aber es wird sicherlich auch um andere Bereiche gehen, insbesondere den Bereich der Materialien. Und Materialien haben viele Facetten. Einer ist der Rohstoffbereich. Die Rohstoffe werden mit der Zeit teurer, was die Materialkosten erhöht. Dann ist es die Materialbeschaffenheit. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht vor allem die Gewichtsreduzierung, die zu einem niedrigeren Verbrauch der Automobile beitragen soll. Wichtig ist auch der ökologische Aspekt, also Recycling und Wiederverwertung der schon einmal benutzten Materialien. Diese drei Aspekte sind ein großes Thema, das die Automobilzulieferer beschäftigen wird, ebenso wie der weiter ansteigende Anteil der Elektronik in Fahrzeugen.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist auch die hochqualifizierte Arbeitskraft, an der es in der Slowakei in vielen Industriebereichen zurzeit mangelt. Wie sieht es in der Automobilzuliefererindustrie aus? Da gibt es zwei Bereiche. Universitäten gibt´s genug, mit einer hohen Zahl von Absolventen. So viele Absolventen werden gar nicht gebraucht. Aber es feh-
len die Qualifikationen, die wirklich gebraucht werden. Denn es hapert noch an der Abstimmung zwischen dem Bedarf der Industrie und den Themen, die an den Ausbildungsstätten gelehrt werden. Die Verbindung zwischen Praxis und Lehre muss optimiert werden. Dasselbe gilt für die Fachmittelschulabsolventen. Man kann sich nicht mehr länger auf den Erfolgsgeschichten der Vergangenheit ausruhen. Die Slowakei hatte sehr gut ausgebildete Fachkräfte, das ist aber vorbei. Es müssen Anreize geschaffen werden, die Fachausbildung attraktiver zu machen.
Die Slowakei wird manchmal etwas pejorativ als Werkbank Europas bezeichnet. Dies soll sich jedoch langsam ändern. Kann man erwarten, dass bald auch mehr Forschung und Entwicklung ins Land kommen? Die Slowakei steht im Wettbewerb mit anderen Ländern, und die niedrigeren Lohnkosten waren ein Wettbewerbsvorteil der letzten fünfzehn Jahre. Aber ob dies das alleinige Attribut für Attraktivität in den nächsten Jahren sein kann, das wage ich sehr zu bezweifeln. Die Forschung und Entwicklung, also Innovationen, das ist etwas, womit sich die Slowakei einfach beschäftigen muss. Da ist auch die Politik gefragt, günstige Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen. Sodass es für sie attraktiv ist, solche innovativen
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„Wir sind hier auch der größte Arbeitgeber“ Nüchterne Immobilienexperten werden in der Regel eher wenig mit der Idee anfangen können, ein versunkenes Märchenschloss wieder zum Leben zu erwecken. Wer sich dieses ökonomisch heikle Wagnis trotzdem antut, braucht eine große Portion Begeisterung. - So wie Ilona Gräfin von Krockow, die im Gespräch mit der "NPZ - Neue Pressburger Zeitung" über Ihre Erfahrungen mit der Renovierung des über Jahrzehnte verfallenen Château Béla in der Südwestslowakei zu einem Vorzeigehotel erster Klasse berichtet. Text: Peter Stossier und Christoph Thanei, Fotos: Dušan Dukát
NPZ: Wenn man sich das alles hier ansieht, wie dieses Schloss jetzt aussieht, erkennt man sofort: Das muss doch ein riesiger Aufwand gewesen sein, aus einer schon bedrohlich verfallenden Ruine dieses Château Béla zu machen, das wir jetzt vor uns sehen. Was hat Sie als deutsche Staatsbürgerin bewogen, in eine solche Ruine in einer gottvergessenen Ecke der Südslowakei zu investieren, die nicht einmal vielen Slowaken bekannt war? Ilona Gräfin von Krockow: Wie so oft im Leben fing alles mit einem Zufall an. Wir waren Mitte der 90-er Jahre bei Freunden zur Jagd in Ungarn eingeladen. Ein Blick auf die Karte zeigte mir, dass Béla*) nicht so weit entfernt liegt. Ich hatte das Schloss zuvor nie gesehen, aber ich wusste, dass einst die Familie meines Vaters, die ihren Hauptsitz damals in Budapest hatte,
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dieses Schloss als Jagd- und Sommersitz genutzt hatte. Mein Urgroßvater hatte das Schloss vor etwas mehr als hundert Jahren gekauft. Ende des 2. Weltkrieges musste die Familie fliehen und konnte zu Zeiten des kommunistischen Regimes nicht mehr zurückkehren. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ ergab sich die Möglichkeit, an diese alte Familientradition anzuknüpfen und sie mit neuem Leben zu erfüllen, und diese Chance wollten wir nutzen. Sie selbst hatten das Schloss also vorher nicht gekannt? Mein Vater war zu besorgt um unsere Sicherheit, um mit uns hierher zu fahren. Er starb 1972, ohne das Schloss vorher noch einmal gesehen zu haben. Auch meine Mutter hatte damals keine Möglichkeit Château Béla kennenzulernen. Wir kannten es nur aus alten Familienalben und aus Erzählungen.
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Gerade als Kind verklärt man in seiner Fantasie doch Vieles. Wenn Sie das selbst nicht gesehen hatten, aber die Erzählungen hörten und Fotos sahen, mussten Sie wahrscheinlich erst recht eine märchenhafte Vorstellung davon haben. War das nicht ein Schock, wie das alles hier wirklich aussah? Natürlich, als ich das erste Mal hierher kam, mit meiner Vorstellung von einer schönen barocken Schlossanlage, wie ich das aus den Erzählungen kannte, war ich schon schockiert über den desolaten Zustand des Gebäudes. Wir hatten gehört, dass es verschiedentlich genutzt wurde als Lager, zeitweise auch als Gefängnis, aber eine Ruine vorzufinden, dem Verfall preisgegeben, darauf war ich nicht vorbereitet. Es regnete schon durch *) Anmerkung zur Namensschreibung: Die slowakische Gemeinde heißt Belá, das Schloss trägt hingegen den aus dem Ungarischen abgeleiteten Namen Béla.
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die Dächer, die Türme drohten einzustürzen. Das war wohl der letzte Moment, wo man mit ausreichend Fantasie noch erkennen konnte, wie schön die Anlage früher ausgesehen haben musste. Hätte man noch länger gewartet, wäre wohl eine Renovierung gar nicht mehr möglich gewesen. Vor diesem Hintergrund betrachtet scheint Ihre Investition hier doch auch ein wichtiger Impuls für eine wirtschaftlich vernachlässigte Region zu sein? Wir haben Arbeitsplätze geschaffen in einer Gegend, die damals, als ich kam, unter großer Arbeitslosigkeit litt, und sind heute der größte Arbeitgeber vor Ort. Schon in der Bauphase konnten wir viele Leute beschäftigten und erst recht nach der Eröffnung des Hotels. Das Hotel hat 22
Festangestellte und noch einmal so viele Aushilfen zu verschiedenen Anlässen. Sicher mehr als die Hälfte von ihnen kommt direkt aus Béla.
Haben Sie schon einmal abgeschätzt, wie vielen Menschen Sie indirekt Arbeit schaffen? Sie brauchen hier ja ständig Material und gastronomische Dienstleistungen. Ja sicher, es gibt immer etwas zu tun, wofür wir oft Arbeitskräfte aus dem Ort und der Umgebung suchen, natürlich nicht alle auf einer festen Einstellungsbasis, wir müssen ja auch sparsam wirtschaften. Das Hotel vergibt auch viele Aufträge an örtliche Firmen und Dienstleister, um den täglichen Betrieb und die Versorgung der Hotelgäste zu gewährleisten. Hierzu gehören z.B. Lebensmittellieferanten, Wäschereien, Wartungsfirmen etc. Wir leisten sicher einen großen Beitrag zur Infrastruktur in unserer Umgebung, aber es müssten noch andere Inititativen dazukommen, um die wirtschaftliche Situation dieser Region grundlegend zu verbessern.
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den von uns angelernt. Sie sind froh über die Möglichkeit, hier zu arbeiten, und sehr loyal. Wir haben auch Rückkehrer aus dem Ausland, die sich freuen, inzwischen auch zu Hause Arbeit zu finden. Andererseits haben bei uns auch Mitarbeiter eine gute Ausbildung erhalten, die im Ausland sehr gefragt sind. Mit 45 Zimmern sind wir kein sehr großes Hotel. Deshalb ist es so wichtig, dass sich die ganze Mannschaft als Team versteht, wie in einer großen Familie, und sich gegenseitig unterstützt, wo immer es notwendig ist.
Die Slowakei scheint überhaupt schwach in ihrer touristischen Vermarktung zu sein, spüren das auch Sie? Die Region hätte ein sehr großes Potenzial. Hier wären wir für eine intensivere Unterstützung und Zusammenarbeit mit den für die touristische Entwicklung Verantwortlichen dankbar. Wir hatten auch Ideen, zum Beispiel Radwege oder eine Weinstraße hier zu eröffnen. Es gibt hier so ausgezeichnete Weine, die wir jetzt über einen herausragenden deutschen und slowakischen Weinexperten vermarkten, aber es gibt wenig öffentliche Initiativen und für die Jugendlichen aus dem Ort zu wenig berufliche PersDie ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Homepage
www.npz-online.eu unter „Zum Nachlesen“
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pektiven. Der große Auftrieb, den sie sich alle vom EU-Beitritt der Slowakei erwartet hatten, scheint hier nicht wirklich angekommen zu sein. Deshalb hat es mich besonders gefreut, dass eine engagierte Bürgerin aus Béla sehr erfolgreich eine Initiative gestartet und Sponsoren aus dem In- und Ausland eingeworben hat, um die Glocke der Schlosskapelle und heutigen Dorfkirche zu erneuern Die Einweihungszeremonie mit dem Bischof von Nitra war sehr beeindruckend. Sie haben vorhin beklagt, dass es vor Ort nicht genug Eigeninitiative gibt. Was aber gefällt Ihnen hier in dieser gemischten slowakischungarischen Region? Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht mit unseren sehr motivierten Angestellten, wobei es keine Rolle spielt, ob sie slowakischer oder ungarischer Herkunft sind. Viele unserer jungen Mitarbeiter kommen nicht aus der Branche, sondern wer-
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Wer sind Ihre Gäste? An sich ist unsere Struktur zwar schon sehr international. Rund 70 Prozent der Gäste kommen aus der Slowakei, viele aus Österreich und Ungarn, aber auch aus Ländern wie USA, Skandinavien, England etc. Wir haben auch viele internationale Veranstaltungen, z.B. die Slovak Atlantic Commission, die hier ihre Jahrestagungen abhält, um über aktuelle politische und ökonomische Themen zu diskutieren. Die Organisatoren schätzen die familiäre Atmosphäre des Hotels und den persönlichen Service. Im Herbst und Winter haben wir hier oft Jagdgesellschaften zu Gast. Wir sind in der Vereinigung "Shooting in Slovakia" registriert und ausgezeichnet worden als „Best Romantic Historic Hotel of Europe 2013“. Deshalb ist unser Schloss auch sehr beliebt für Hochzeitsgesellschaften und Romantik-Urlauber, die besonders die Ruhe und Schönheit der Donau-Landschaft abseits des Trubels der Großstädte genießen und zu schätzen wissen. Nähere Informationen zum Hotel: http://www.chateau-bela.com
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Holzhäuser in der Slowakei Die Holzbauten gewinnen in der Slowakei vor allem in der Zeit der Wirtschaftsrezession an Beliebtheit. Für ihre weitere Ausbreitung setzt sich auch der Verband der Holzbearbeiter der Slowakei ein.
Igor Patráš
Text: Jana Hrbeková, Fotos: Verband der Holzbearbeiter der Slowakei
Laut seines Präsidenten Igor Patráš habe das Land die besten Voraussetzungen dafür: „Holz gibt es in der Slowakei genug. Und da wir eine offene Wirtschaft sind, haben wir kein Problem mit der Einfuhr von anderen Materialien, die für die Herstellung von Holzbauten nötig sind. Diese werden oft aus Österreich importiert. Möglichkeiten gibt es auch für eine häufigere Verwendung von Holz im traditionellen Bauwesen. Erfreulich ist, dass wir in den letzten zwei, drei Jahren, seitdem in unserem Verband eine Abteilung für Holzbauten geschaffen wurde, auch während der Rezession im Bauwesen einen Anstieg der Holzhäuser im individuellen Wohnungsbau verzeichnet haben. Von den bisherigen fünf Prozent ist ihr Anteil auf zehn Prozent angestiegen.“ Patráš zufolge bereite sich der Verband und vor allem seine Sektion für Holzbauten auf den neuen Trend in mehrerlei Hinsicht vor. Für die Herstellung von Holzhäusern wurde zum Beispiel eine eigene Qualitätsmarke des Verbandes eingeführt. „Unabhängige Institutionen zertifizieren die einzelnen Firmen, die sich mit der Herstellung von Holzbauten beschäftigen. Die Qualitätsmarke kann dann für die Investoren
eine Art Garantie sein, dass der Hersteller die Voraussetzungen dafür erfüllt, dass der Bau von hoher Qualität sein wird.“ Der Verband der Holzbearbeiter der Slowakei kommuniziert dabei aktiv mit Architekten, Investoren und Kollegen aus Österreich, die mit den Holzbauten längere Erfahrungen haben. Wichtig ist auch eine Ausbildung von Experten in diesem Bereich, meint Patráš: „Wir arbeiten daran, dass an der Holzfakultät der Technischen Universität in Zvolen ein Lehrstuhl für Holzbauten geschaffen wird. Dieser soll sich mehr auf die Problematik der Holzhäuser spezialisieren. Außerdem ist es uns gelungen, in vier Fachmittelschulen in der Slowakei ein neues Studienfach einzuführen: Holzbautechnik. Etwa 80 bis 100 Schüler sollen im nächsten Schuljahr mit diesem Studienfach beginnen. Dies finde ich aus der zukunftsorientierten Sicht für sehr wichtig.“ Um die Öffentlichkeit auf die Vorteile der Holzhäuser aufmerksam zu machen, organisiert der Verband mehrere Veranstaltungen: „Dieses Jahr wird zum Beispiel bereits zum dritten Mal der Tag der offenen Tür in Holzhäusern stattfinden. Außerdem organisieren wir den Wettbe-
werb Holzbau des Jahres. Im Rahmen dieses Wettbewerbs können die interessierten Verbraucher einige Holzhäuser besuchen und sie in der Folge bewerten. Alle diese Schritte sollen dazu beitragen, dass Holz möglichst bald eine breitere Verwendung im Bauwesen finden wird.“ Lesen Sie zu diesem Thema auch auf unserer Internetseite www.npz-online.eu über die Veranstaltung der Wirtschaftskammer Österreich: Woodbox und Wooddays in Bratislava.
Anteil der Holzbauten in den EU-Ländern Skandinavien: Deutschland: Bayern: Österreich: Schweiz: Italien: Tschechische Republik: Slowakei:
70% 25% 50% 40% 28% 18% 11% 10%
Quelle: Verband der Holzbearbeiter der Slowakei
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Eine schnelle Finanzierung hilft Unternehmen, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen Im Verlaufe des letzten Jahres wuchs die Slovenská sporiteľňa zur drittstärksten Bank im Sektor Unternehmensfinanzierung auf dem slowakischen Markt heran. Darüber, was sie dafür getan hat und wie sie Firmen entgegenkommt, damit diese gegen den Mitbewerb erfolgreich sind und wachsen können, unterhielten wir uns mit Norbert Hovančák, dem Direktor der Firmenzentren der Slovenská sporiteľňa.
Der Markt im Sektor Bankgeschäft für Unternehmen in der Slowakei stagniert. Wie ergeht es der Slovenská sporiteľňa in diesem Bereich? Die Unternehmer verspüren noch immer die Auswirkungen der Krise. Dies führt manchmal zu übertriebener Vorsicht bei Investitionen in neue Projekte. Trotz allem kommen wir jedoch langfristig gut voran. Dies liegt sicher auch daran, dass wir uns bemühen, den Bedürfnissen der Kunden bei der Weiterentwicklung ihrer Unternehmen zu entsprechen. Auch die Vertrauenswürdigkeit und die Stabilität der Slovenská sporiteľňa spielen ihre Rolle. Wenn das Ergebnis dieser Bemühungen die beiderseitige Zufriedenheit des Kunden und der Bank ist, spüren wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Unternehmen und das Bankwesen sind eng miteinander verknüpft, ohneeinander könnten sie nicht existieren. Was fällt für die Firmen bei der Auswahl einer Bank Ihrer Meinung nach am stärksten ins Gewicht?
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Bei der Auswahl der Bank gehen die Vorlieben der Unternehmen – je nach ihrer Größe – leicht auseinander. Während kleinere Firmen einfache Produkte vorziehen, wissen die größeren wiederum individuelle, am besten „maßgeschneiderte“ Lösungen seitens ihrer Bank zu schätzen. Einen Mehrwert stellen die Präsenz in den Regionen, persönliche Beziehungen und gute Erfahrungen aus der Vergangenheit dar. Sie sind eine große, stabile, ressourcenreiche Bank mit einem dichten Filialnetz und qualifizierten Mitarbeitern. Wer hat bei Ihnen Chancen auf ein Darlehen und wie viele Tage dauert es, bis ein Unternehmen die Geldmittel in die Hand bekommt? Grünes Licht bekommen bei uns vor allem jene, die selbst solide wirtschaften, Wachstumsvoraussetzungen vorzuweisen haben und auf stabilen Märkten etabliert sind. Auch kleinere Betriebe mit einem Umsatz bis zu 50 Millionen Euro haben jetzt die Gelegenheit, ein Darlehen von bis zu fünfhunderttausend Euro zu bekommen, und das innerhalb
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von drei Arbeitstagen ab Bewilligung des Darlehensantrags. Dies erfolgt entweder als Raten- oder als Kontokorrentkredit bzw. in Form eines Deckungsrahmens von Banksicherheiten. Diese beziehen sich auch auf die Finanzierung direkter Zahlungen an Landwirte sowie auf Darlehen, die durch eine Schnellgarantie der Slowakischen Garantie-und Entwicklungsbank gesichert sind. Diese schnelle Finanzierung mögen die Kunden, denn so schnell wie möglich ans Geld zu kommen ist fürs Geschäft immer sehr wichtig. SEPA, die neuen Regelungen für den Zahlungsverkehr, hat viele Veränderungen mit sich gebracht. Was erwartet die Firmen da? Problemlos und für die Klienten sehr bequem haben wir uns kürzlich dem neuen Zahlungssystem der SEPA-Mitgliedsländer angeschlossen. Im Rahmen dessen können grenzüberschreitende Euro-Zahlungen zu denselben Bedingungen, Rechten und Verpflichtungen getätigt und empfangen werden wie EuroZahlungen innerhalb des Staatsgebiets.
public relations
Wir haben schon die ersten zwei Zahlungsinstrumente von SEPA eingeführt: Überweisungen - SEPA Credit Transfer (SCT) und Lastschriften - SEPA Direct Debit (SDD). Die Vorteile des neuen Systems liegen im einfacheren Zugang zu Kundenkonten im Rahmen der SEPA-Länder unter Nutzung eines einzigen heimischen Euro-Zahlungskontos, im einheitlichen Rechtsrahmen für die Bereitstellung von Geld-Dienstleistungen, in verbindlichen Bearbeitungsfristen und der Gebührentransparenz.
Die EU verlangt eine Senkung des Energieverbrauchs bis 2020 um ein Fünftel gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2001 bis 2005. Dazu muss auch die Slowakei ihren Beitrag leisten. Wie unterstützen Sie die Finanzierung derartiger Projekte? In Zusammenarbeit mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) bereiten wir derzeit den dritten Jahrgang des Programms SLOVSEFF mit Ausrichtung auf die Finanzierung von Projekten zur Erhöhung
der Energieeffizienz in der Industrie und zur Nutzung erneuerbarer Energieträger in der Privatwirtschaft vor. Ziel ist die Senkung der Emissionen von Treibhausgasen. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts wird dem Klienten ein BonusFinanzzuschuss von 5 bis 20 Prozent des Darlehens ausgezahlt. Weitere Vorteile sind die Energieberatung und die Durchführung eines Energieaudits. www.slsp.sk Sporotel: 0850 111 999, 0910 111 888
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Die Grenze im Rückspiegel Wo einst Kilometer langer Stacheldraht stand, ist heute Schengenraum. Doch mit dem Eisernen Vorhang fielen keineswegs alle Barrieren. Das Projekt BRAWISIMO nimmt die slowakisch-österreichische Grenzregion genauer unter die Lupe. Text und Fotos: Katrin Litschko, Grafiken: STU
Seit der Wende hat sich das Verkehrsaufkommen in der Region erhöht. Die Slowakei ist Mitglied der Europäischen Union und Teil des Schengenraumes. Seit 2011 können die Slowaken ohne Einschränkungen in Österreich arbeiten. Durch die veränderten Bedingungen entstehen auch neue Anforderungen an die Verkehrsplanung. Da will das Projekt BRAWISIMO helfen, kurz für „BRAtislava – WIen: StudIes on MObility“. Die Mobilitätsstudie zwischen den beiden Hauptstädten wird in der Slowakei vom Lehrstuhl für Verkehrsbauten an der Bau-Fakultät der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava durchgeführt. Aus Österreich stehen die Universität für Bodenkultur Wien sowie die Technische Universität Wien an seiner Seite. „Zwischen den Universitäten gibt es bereits seit Längerem regen Austausch und enge Zu-
Erkenntnissen wie diesen werden Schlüsse für die künftige Verkehrsplanung gezogen. Die sollen zugunsten der Umwelt und der Nachhaltigkeit ausfallen. Seit November 2011 läuft das mit EU-Geldern finanzierte Projekt. Lange Zeit wurde vorbereitet und an der Methodik gefeilt. Im Vorjahr führten dann die Helfer der Universitäten die erste Verkehrserhebung durch. Insgesamt gibt es drei: eine Umfrage zum Mobiliätsverhalten in Haushalten, Zählungen und Befragungen an allen Grenzen sowie eine vertiefte Nachbefragung von Menschen, die den Fragebogen an der Grenze ausgefüllt haben. 2013 schloss sich außerdem das slowakische Statistikamt dem Projekt an und führte Umfragen in vielen slowakischen Haushalten durch. Zu dem durch BRAWISIMO untersuchten Gebiet zählt in der Slowakei neben
Weit abgeschlagen: Weniger als drei Prozent nutzen das Fahrrad um im österreichisch-slowakischen Grenzgebiet von einem Land zum anderen zu kommen. sammenarbeit“, erinnert sich der slowakische Lehrstuhlinhaber Bystrík Bezák. Selbst als der Eiserne Vorhang noch hing, wurde kooperiert. BRAWISIMO ist nur ein Projekt, das auf österreichisch-slowakische Kooperation baut. Motorenlärm zwischen den Zwillingsstädten Bei der Studie geht es darum, die Bewegungen an den Grenzen zu untersuchen. Wie viele Menschen überschreiten zu welcher Uhrzeit die Grenze? Welches Verkehrsmittel ist am beliebtesten? Wie könnte sich das Verhalten der Reisenden ändern? Aus
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Bratislava auch die Region Trnava sowie in Ostösterreich der Großraum Wien, Niederösterreich und das Nordburgenland. Angebot gegen Nachfrage Das Projekt gehört zu „creating the future – Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Slowakei – Österreich 20072013“. In der Slowakei wurde mit BRAWISIMO die erste groß angelegte Mobilitätsumfrage in den Regionen Bratislava und Trnava durchgeführt. Zuvor gab es zwar Bemühungen, eine solche Erhebung zu machen, doch es dauerte
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BRAWISIMO erforscht Wege über die Staatsgrenze.
über dreißig Jahre bis es so weit war. Für die Zukunft ist geplant, eine derartige Befragung im ganzen Land durchzuführen. An Arbeitstagen ist ganz klar das beliebteste Reiseziel die österreichische Hauptstadt Wien. Allerdings gibt es klare Unterschiede zwischen Arbeitstagen und arbeitsfreien Tagen. Wird gearbeitet, so fahren die meisten morgens zwischen sechs und sieben Uhr nach Österreich. Am Abend zieht es die Reisenden dann etwas mehr über die Stunden verteilt zurück in die Slowakei. Nach der Arbeit geht der eine oder andere noch ins Fitnessstudio, einkaufen oder trifft Bekannte. Egal ob Wochentag oder Sonntag, eines bleibt gleich: die Verkehrsmittel, die für die Überschreitung der Grenze genutzt werden. Über 80 Prozent der Reisenden fahren mit dem Auto, gefolgt von 11 bis 13 Prozent, die die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Nur 3 Prozent gehen zu Fuß oder schwingen sich auf ihr Fahrrad. Warum so wenig Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen? „Mit dem Angebot hängt dies nicht zusammen, denn das ist ganz gut“, sagt Bystrik Bezák. Jede
Über 80 Prozent der Reisenden fahren mit dem Auto über die Grenze.
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Klarer Trend an arbeitsfreien Tagen: Es geht mit dem Auto nach Österreich (hier Grenze Kittsee-Jarovce)
Mit der Bahn ohne Umzusteigen von Bratislava nach Eisenstadt? BRAWISIMO macht´s möglich. Stunde steuert ein Zug aus Bratislava Wien an. Doch mit dem Auto fährt man von Tür zu Tür, ist flexibel unterwegs und kann besonders bei längeren Reisestrecken auch Zeit sparen. Da geraten Umweltaspekte in den Hintergrund. Die grüne Welle der Zukunft Im Rahmen von BRAWISO wurden auch schon einige Vorschläge entworfen, wie man
Der Autoverkehr an der Grenze Kittsee-Jarovce (Wochentag, rot: Richtung Österreich, blau: Richtung Slowakei)
Das Projekt zum Mobilitätsverhalten simuliert künftige Verkehrsplanungen (grün: - Belastung, rot + Belastung). das Verkehrschaos in der Grenzregion besser lösen könnte. Da ist von „Park and Ride“Parkplätzen die Rede, von Ermäßigungen auf Bahntickets, aber auch davon, wie man den ganzen Verkehr aus dem Zentrum von Bratislava umleitet. Alternative Verkehrswege sollen den beiden Leadpartnern des Projekts aufgezeigt werden. Diese sind die Verkehrsministerien
der beteiligten Länder. Sie erhalten Tipps, welche Mobilitätsform sie mehr unterstützen sollten. „Allerdings müsste man da zwischen Österreich und der Slowakei unterscheiden“, erklärt Bystrik Bezák. Während Österreich auf der „Alternativverkehrswelle“ schwimme, sehe es in der Slowakei ganz anders aus. Vor der Wende war hier der Verkehr für die öffentlichen Verkehrsmittel ausgelegt. „Doch nach der Wende kam die Wende.“ Während davor etwa 80 Prozent der Bevölkerung mit Bus oder Bahn fuhren, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Dies sei nicht gut, denn die Situation sei räumlich, ökologisch und energetisch sehr aufwendig. Es müsse mehr Wert auf alternative Verkehrsmittel gelegt werden. Einen kleinen Schritt dazu träg BRAWISIMO bis Oktober dieses Jahres noch bei. Denn dann soll das Projekt beendet werden.
"Grenzfälle" zwischen Österreich und der Slowakei Text: Christoph Thanei, Foto: Miroslav Košírer
Eine sehenswerte Ausstellung vermittelt noch bis 17. Oktober im Schloss Kittsee einen beeindruckenden Rückblick auf die Zeit, als der "Eiserne Vorhang" unüberwindlich österreichische Dörfer und die slowakische Hauptstadt trennte. Wer heute per Fahrrad oder InlineSkates von Petržalka nach Kittsee rollt oder sich darüber beschwert, dass ihm die Autofahrt noch immer zu lange dauert, sollte sich Zeit für einen Abstecher in das märchenhafte Schloss in Bratislavas unmittelbarem Nachbardorf nehmen. Die Ausstellung beschränkt sich nicht nur auf die im Titel bezeichnete Zeit,
sondern greift - mit hilfreichen Erklärungen auch in slowakischer Sprache historisch weit zurück und auf der anderen Seite bis in die Gegenwart. Hervorhebenswert ist auch, dass schon das Zustandekommen der Ausstellung dem Titel alle Ehre macht: Natürlich waren renommierte Institutionen von beiden Seiten der heute kaum mehr zu bemerkenden slowakisch-österreichischen Grenze beteiligt. Nähere Informationen: http://www.kultursommer-kittsee.at oder direkter: http://www.kultursommer-kittsee.at/ Kultursommer_Kittsee/GrenzFalle.html
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Service & Expertenkommentare
Eine Betriebssoftware als Neuerungskatalysator? ERP-Systeme (Software zum Enterprise-Resource-Planning) können als Katalysatoren grundlegender Wandlungen eingesetzt werden und sind ein bedeutsamer Faktor beim Erreichen einer strategischen Position der Finanzabteilung. Ján Bobocký, Senior Manager, Deloitte
Viele Unternehmen nutzen ERP noch aus den Zeiten vor der Krise 2009 und sind bei IT-Investitionen aufgrund ihrer Erfahrungen inzwischen vorsichtig. Das ist nicht verwunderlich. Ein neues ERPSystem ist für gewöhnlich ein einschneidendes Ereignis für den Finanzdirektor – eine misslungene oder verspätete Implementierung kann zum Schicksalsschlag werden.
die Festlegung der Berechtigungen und die Aufteilung der Kompetenzen im ERP müssen detailliert überprüft werden, um Betrug vorzubeugen. Ein digitales BackOffice bedeutet den Einsatz von elektronischer Kommunikation bei der Bearbeitung von Bestellungen, eingegangenen Rechnungen usw., wodurch die Zeit für die physische Beförderung von Papierunterlagen bei den Bewilligungsprozessen eingespart wird.
Welches sind also die derzeitigen Trends in den Funktionen von IT-Systemen, die die finanzielle und wirtschaftliche Steuerung von Unternehmen stützen?
Dashboards – elektronische Anschlagtafeln mit einer Übersicht der wesentlichen Leistungsindikatoren. Diese verringern den Zeitaufwand bei der Erstellung von Berichten. Sie stehen auf Knopfdruck bereit, nicht erst fünf Tage nach der Monatsabrechnung. Weitere Vorteile sind Auswertbarkeit und Transparenz. Problematisch sind jedoch ihre Anwendbarkeit und Nutzung in der Praxis, sobald die Verfolgung der Finanzinformationen der Kostenstellen und Bestellungen nicht ausreichend mit den Datenanforderungen der Dashboards abgeglichen sind. In einem solchen Falle dienen die Dashboards als Datenquelle für die Erstellung von ExcelTabellen, in denen jeder Manager die nötige Datenbearbeitung vornimmt, die das ERP nicht selbst erledigt.
Digitalisierung – kürzlich erfolgte Änderungen in der europäischen und slowakischen Gesetzgebung ermöglichen den vollständigen Wechsel zur rein elektronischen Fakturierung. Digital ausgestellte Rechnungen führen zur Automatisierung der Rechnungsstellung. Dies senkt die Zahl der Ordner, der Büro- und Archivfläche. Interessanter noch ist jedoch der raschere Cashflow. Die Zeit, die zwischen dem Druck der Rechnung, ihrer Unterzeichnung, der Entsendung und der Zustellung an den Kunden verstreicht, verkürzt sich auf Sekunden. Die Digitalisierung der Rechnungsstellung birgt jedoch auch Risiken. Die Kontrollprozesse bei der Rechnungsstellung sowie
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Integration der IT-Systeme und einer vereinheitlichter Datenarchitektur. Für
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den Einsatz von Dashboards oder einer Datenanalytik müssen im gesamten Unternehmen gewisse Qualitätsstandards bei den Daten eingehalten werden. Die Systemintegration ist finanziell aufwendig. Die wahren Kosten einer aufgeschobenen Integration sind jedoch die Verluste aufgrund einer ungenauen Preisstrategie der Marketingkampagne, der nicht personengebundenen Leistungsbewertung, von Fehlern bei der Erstellung der Monatsabrechnung und der beim Vergleichen und Bewilligen von aus verschiedenen Systemen in Excel zusammengestellten Informationen verlorenen Zeit. Diese Themenpunkte haben einen gemeinsamen Nenner. Dieser liegt im qualitativen Sprung der Finanzabteilung weg von der Rolle eines bloßen Wächters über die Richtigkeit von finanziellen Transaktionen, Steuerabrechnungen und Finanzressourcen hin zu einer strategischen Position im Unternehmen. Anstelle der Kontrolle von Unterlagen und der Erstellung von Berichten wird sie mehr Zeit bei der Zusammenarbeit und Kommunikation mit anderen Abteilungen bei der Planung und Steuerung strategischer Initiativen verbringen. Deloitte German Desk www.deloitte.sk
Service & Expertenkommentare
Datenschutz – Novellen und Anpassungspflichten Der Arbeitgeber hat das Recht, seine Mitarbeiter und deren Arbeitsleistung zu kontrollieren. Der Arbeitnehmer hat das Recht auf Privatsphäre am Arbeitsplatz. Das Arbeitsgesetzbuch versucht, diesen Widerspruch aufzulösen. Grundsätzlich können auch gegen den Willen der Arbeitnehmer Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen eingeführt werden, soweit diese betriebs- oder organisationsbedingt erforderlich sind. Der Arbeitnehmer ist nur vorher zu informieren. Für alle sonstigen Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen ist die Zustimmung des Arbeitnehmers erforderlich. Von Mag. Bernhard Hager, LL.M. und Mgr. Jana Sapáková, LL.M.Eur., Dvořák Hager & Partners, advokátska kancelária, s.r.o., www.dhplegal.com
Die Privatsphäre des Arbeitnehmers stellt ein Grundprinzip des Arbeitsgesetzbuches dar und ist auch durch die Verfassung geschützt. Grundsätzlich ist bei der Frage der Zulässigkeit der Überwachungsund Kontrollmaßnahmen zu prüfen, ob ein "wichtiger Grund" für diese Maßnahmen vorliegt, der sich aus der Arbeitstätigkeit oder betriebs- und organisationsbedingten Gründen ergibt. Liegt ein wichtiger Grund vor, der die konkreten Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen rechtfertigt, so reicht es, die Arbeitnehmer vorab über die Maßnahmen zu informieren. Fehlt hingegen ein wichtiger Grund, so muss der Arbeitnehmer vorab der Einführung der Maßnahmen schriftlich zustimmen. Unter Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen werden z.B. die Überwachung der Arbeitszeit und Leistung, Kameraüberwachung, Aufzeichnung von Telefongesprächen, Kontrolle der Emails und ähnliche Maßnahmen verstanden, mit denen in die Pri-
vatsphäre des Arbeitnehmers eingegriffen wird. Das Arbeitsgesetzbuch enthält keine Definition der "wichtigen Gründe". Anerkannt sind Maßnahmen zur Arbeitsplatzsicherheit und Unfallprävention, Überprüfung der Arbeitseffizienz, Schutz des Vermögens des Arbeitgebers oder Einhaltung der Rechtsvorschriften. Liegt ein wichtiger Grund vor, so ist weiter prüfen, ob die geplanten Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen geeignet und verhältnismäßig sind. So ist z.B. bei einer Bank im Kassabereich die Kameraüberwachung gerechtfertigt. Die Kameraüberwachung bei den Büromitarbeitern derselben Bank hingegen kann schwer als notwendig gerechtfertigt werden. Soweit diese Büromitarbeiter telefonisch in Kontakt mit Kunden sind, kann die Aufzeichnung der Telefonate gerechtfertigt sein.
tigt sind, hat in jedem Einzelfall individuell zu erfolgen, wobei das Arbeitsgesetzbuch nur ein paar Grundsätze, aber keine konkrete Prüfungsanleitung bietet. Der Arbeitnehmer darf grundsätzlich nur an seinem Arbeitsplatz überwacht und kontrolliert werden. Das Freizeitverhalten des Arbeitnehmers ist grundsätzlich
tabu. Gegenstand der Kontrollund Überwachungsmaßnahmen können allerdings vom Arbeitgeber bereitgestellte, auch privat genutzte Betriebsmittel wie Dienstwagen, Computer oder Mobiltelefon sein. In jedem Fall ist der Arbeitnehmer über die Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen vorab zu informieren.
Die Prüfung, ob ein wichtiger Grund vorliegt und die geplanten Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen gerechtfer-
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Sommerfest
der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer In den märchenhaften Räumlichkeiten des 300 Jahre alten englischen Gartens von Schloss Tomášov hat das traditionelle Sommerfest der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer stattgefunden. An der Veranstaltung nahmen mehr als 400 Gäste (SÖHK-Mitglieder, Diplomaten und Ehrengäste) teil. Das Sommerfest ist ein feierliches Gesellschaftsevent, welches das Kalendarium der Veranstaltungen des ersten Halbjahres abschließt. Text und Fotos: Slowakisch-Österreichische Handelskammer
Nach der Abenderöffnung durch den Präsidenten der Handelskammer Herrn Dkfm. Josef Altenburger folgte die feierliche Übergabe der Ehrenmitgliedschaft an zwei ehemalige Vorstandsmitglieder, Herrn Manfred Drapela und Herrn Mag. Franz Wolfger. Die Ehrenmitgliedschaft wurde ihnen für die Verdienste bei der Entwicklung der SÖHK bei der Generalversammlung am 10.12.2013 in den Räumlichkeiten des Hotels Chopin erteilt. Auch die Vertreter der Generalsponsoren - Frau Ing. Martina Runčáková (IB Grant Thornton Consulting, k.s.), Herr Mag. Markus Jelleschitz (Gebrüder Weiss, s.r.o) und Herr Markus Eder (Ergo Poisťovňa, a.s.) begrüßten die Gäste. Durch den Abend im englischen Garten führten die Moderatorin Alenka Heribanová und die Gruppe Diabolské husle. Die Teilnehmer bewunderten die Kunstwerke von Mag. Art. Noemi Kolčáková Szakallová wie auch die wunderschönen Hüte und Fascinators von Mag. Art. Andrea Paldan. Am späteren Nachmittag wertete die Jury vertreten durch die Künstlerin Mgr. Art. Andrea
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Paldan die Best Hat Competition aus. Nach Einbruch der Dämmerung zog Mag. Art. Kristína Schreiberová mit Ihrer mystischen Fashion Show mit Artefakten alle Gäste in eine magische Welt hinein. Einer der Höhepunkte des Abends war das Anzünden der Kerzenformation in Form des SÖHK-Logos, das die Firma Unipar speziell für diesen Abend vorbereitete. Die Stimmung des Abends vervollständigten die Perlen von Alo Diamonds, die der Gewinner des Alo-Wettbewerbes mitnehmen durfte. Dank zahlreicher Tombolapreise wurde dieses Jahr das Kinderheim Macejko mit 1349,- EUR unterstützt. Gas Geld wird für einen Kinderspielplatz für die kleinen Bewohner des Kinderheimes verwendet. Während des Abends konnten sich die Teilnehmer die Ausstellung der Kinderbilder zum Thema "Dame mit Hut" anschauen und Ihre Stimme für eines der ausgestellten Bilder abgeben. Für ein gastronomisches Erlebnis sorgte den ganzen Abend die Firma Sharkam. Die slowakischen und österreichischen Winzer boten Weinverkostungen (Wein-
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gut PMC Münzenrieder, Víno Šimonovič, Weingut Stefan Ott, Vinanza und Weingut Just). Die Firma Dallmayer servierte ihren bekannten Kaffee, und alkoholfreie Getränke schenkten die Firmen Gasteiner und Rauch ein. Die eleganten Autos von Mercedes Benz lockten die Teilnehmer zu Probefahrten. Mercedes Benz besorgte auch den CarService für die prominenten Gäste. Die SÖHK bedankt sich bei allen 40 Partnern des Sommerfests, zu denen auch die NPZ gehörte. Ein spezielles Dankeschön gehört den Generalpartnern: ERGO, Gebrüder Weiss und IB Grant Thornton sowie den Hauptpartnern InsData, KPMG, Prvá stavebná sporiteľňa, DB Schenker, Siemens, Steinringer, Wertheim, Wüstenrot poisťovňa, Wüstenrot stavebná sporiteľňa, und der Firma Sharkam, die gleichzeitig im großen Maße bei der Organisation des Sommerfests mithalf. Nur mit der Unterstützung der Partner kann diese beliebte und immer größere Veranstaltung stattfinden. Die Gäste haben sich bis späten Abend im Tomášov gut amüsiert sowie neue Kontakte geknüpft und schon bestehende weiter gepflegt.
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Krise des Ausbildungssystems bietet Chance zum Wandel Arbeitgeberverbände, Unternehmen und Berufsschulen erarbeiten gemeinsame Lösungsvorschläge. Trotz des akuten Mangels an technischen Fachkräften sinkt die Anzahl der Auszubildenden an den Berufsschulen von Jahr zu Jahr. Das slowakische Berufsschulsystem ist in eine tiefe Krise gerutscht. Die Gründe dafür sind in der unzureichenden Anbindung an die Wirtschaft, der fehlenden Berücksichtigung moderner Produktionstechnologien, dem niedrigen Praxisanteil in der Lehre und der normativen Finanzierung, die Mittelmaß fördert, zu suchen. Text und Fotos: Deutsch-Slowakische Industrie und Handelskammer (DSIHK)
Zu diesen Themen tauschten sich insgesamt 67 Vertreter von Berufsschulen, Arbeitgeberverbänden und Unternehmen auf einem Netzwerktreffen aus, das die DeutschSlowakische Industrie- und Handelskammer am 3. Juni 2014 in Bratislava organisiert hatte. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Štefan Chudoba, dem Staatssekretär des slowakischen Schulministeriums. Das duale Ausbildungssystem stellten in ihren Vorträgen Experten aus dem Bundesbildungsministerium, dem Bundesinstitut für Berufsbildung und dem Deutschen IndustStaatssekretär Štefan Chudoba eröffnet Veranstaltung / Workshop im Rahmen des Netzwerktreffens.
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rie- und Handelskammertag vor. Im dualen System wird der staatliche Berufsschulunterricht durch eine betriebliche, praxisorientierte Berufsausbildung ergänzt. An drei bis vier Tagen der Woche arbeiten die Auszubildenden in Unternehmen und kombinieren dabei ihr theoretisches Wissen aus der Schule mit den praktischen Aufgaben im Betrieb. In der Diskussion kamen die Teilnehmer zu dem Schluss, dass die derzeit vom Schulministerium vorbereitete Gesetzesreform vor allem die Rolle der Wirtschaft in der Berufsausbildung stärken sollte. Konkret sollten die Unternehmen dazu befähigt werden, Berufsbilder zu bestimmen, die Anzahl der Lehrstellen festzulegen sowie Berufsschüler auszuwählen und mit diesen Ausbildungsverträge abzuschließen. Eine weitere wichtige Änderung wären ein 70%iger Mindestpraxisanteil in der Lehre und eine unabhängige Qualitätskontrolle. Eine erfolgreiche Einführung des dualen Systems in der Slowakei würde eine intensive Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Unternehmen erfordern, die sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert. Dies wird nur möglich sein, wenn sich die Schulen von der Vergangenheit lösen und sich dem 21. Jahrhundert öffnen. Damit verbunden wären auch unpopuläre Personalentscheidungen. Es ist zwingend notwendig, dass sich Unternehmen an der Finanzierung beteiligen und soziale Verantwortung für den praktischen Teil der Ausbildung übernehmen, wovon sie letztlich auch am meisten über die qualifizierten Arbeitskräfte selbst profitieren.
KULTUR
Auf den Spuren deutscher Kultur in Bratislava Wo findet man in Bratislava einen Lehrer von Johann Wolfgang von Goethe? Was verschlug die Schokoladenfabrik Stollwerck aus Köln in die Stadt? Und warum findet man im Innenhof des Rathauses deutsche Inschriften, die auf die Vergänglichkeit der Zeit anspielen? Von Katrin Litschko in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Bratislava
Das Goethe-Institut Bratislava hat eine mobile App entwickelt, die Sie auf Entdeckungsreise in die slowakische Hauptstadt entführt. Sie begleitet Sie an Orte, die mit der deutschen Kultur zusammenhängen und bringt Ihnen die Geschichte hinter den Plätzen, Gebäuden und Persönlichkeiten näher. Auf einem Internetstadtplan, der auch offline und von der ganzen Welt aus abrufbar ist, sind die rund dreißig Spuren hinterlegt. Per Klick öffnen sich dann Texte, Fotos und Filmaufnahmen. So lassen sich direkt vor Ort Vergangenheit und Gegenwart miteinander vergleichen. Die NPZ stellt Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Bratislava in den folgenden Ausgaben jeweils eine ausgewählte Station der Spuren-App vor.
Der "Schöne Ignaz" im Jahre 1959 - Karpatenpost, Juli 1959, S. 5.
Der Schöne Ignaz Ignaz Lamar, allgemein als „fescher Nazi“ bekannt, war in seiner Zeit ein Original in Preßburg. Fast sein ganzes Leben lang schlenderte er durch die Gassen, über den Korso zwischen Michaeler Tor und Donau, immer elegant mit Frack, Zylinder, weißen Gamaschen, mehreren Ringen und Stock. Nach allen Seiten hin grüßte er auf Deutsch, Ungarisch und Slowakisch. Vielfach wurde er ausgelacht, war aber trotzdem beliebt. Oft wurden ihm feine Päckchen aus Konditoreien geschenkt. Geboren am 11. August 1897 in Preßburg – Engerau (heute Petržalka) hatte er schon früh die Eltern verloren und verdingte sich als Clown bei seinem Großvater. Beliebt war er bei den Preßburger Hausfrauen als Hilfe beim Hausputzen oder Teppichklopfen beispielsweise. 1945 wurde er mit den anderen Deutschstämmigen im Lager in Engerau interniert. Nach einer Legende antwortete er auf die Frage der Ermittler, ob er Nazi sei, lächelnd „ja“. Bis 1966 lebte er im Armenhaus in der Radlinsky Straße, dann die letzten Monate an einer schweren Lungenkrankheit leidend im Krankenhaus in Lehnice, wo er 23. Oktober 1967 starb. Geschaffen hat die Statue „Schöner Nazi“ in Lebensgröße der Bildhauer Juraj Meliš.
Hier finden Sie nähere Informationen über die App und den Weg zum Download:
goethe.de/bratislava/spuren
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KULTUR
Bratislava ist immer eine Reise wert 10 Jahre Opernfahrten der Österreichisch – Slowakischen Gesellschaft nach Bratislava Die mehrmals jährlich stattfindenden Opernfahrten nach Bratislava erfreuen sich bei Mitgliedern und Freunden der Österreichisch – Slowakischen Gesellschaft großer Beliebtheit. Angesichts des weltberühmten Hauses am Wiener Ring und weiterer 2–3 Opernbühnen in Wien mag es auf den ersten Blick überraschen, dass die Oper in Bratislava auch für Musikfreunde aus der österreichischen Hauptstadt so attraktiv ist. Bei näherer Überlegung wird einem jedoch bewusst, dass das einstige Preßburg auf eine jahrhundertelange Tradition der Musikpflege zurückblicken kann, über ein großes Reservoir an ausgezeichneten Orchestermusikern verfügt und dass Musikliebe und besondere stimmliche Begabung der Slowaken immer wieder beeindruckende Sänger- und Sängerinnen hervorbringen, von denen Weltstars wie Lucia Popp, Editha Gruberova und Peter Dvorsky nur Spitzen des Eisbergs sind. Übrigens war es eine besondere Freude für die Fans von Peter Dvorsky, dass sie bei mehreren ÖSG-Opernfahrten dem berühmten Sänger während seiner Zeit als Operndirektor (2006 – 2012) im Zuschauerraum begegneten. Text: Maximilian Pammer, ehemaliger österreichischer Botschafter in der Slowakei, Fotos: ÖSG
Die seit 2003 organisierten Opernausflüge sind längst zu einem festen Bestandteil des Programms der ÖSG geworden. Rechnet man die Teilnehmerzahlen aller einzelnen Fahrten zusammen, so würde sie einen Saal mit über 1000 Personen füllen. Natürlich entspricht dies nicht der Anzahl der Personen, die im Laufe der Jahre an den Opernausflügen teilnahmen, weil ja viele von diesen immer wieder mit dabei sind. Das umfangreiche Spektrum der besuchten Aufführungen umfasste bisher neben einigen Werken aus dem 18. Jahrhundert (Händels Alceste, Glucks Orpheus und Eurydike, Mozarts Don Giovanni und Zauberflöte) hauptsächlich Opern des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts - von Rossini, Donizetti, Bellini, Verdi, Wagner, Gounod, Smetana, Bizet, Mussorgsky, Tschaikowsky, Dvorak, Leoncavallo, Puccini, Mascagni bis Giordano. Unter ihnen waren Kompositionen von Puccini (5) und Verdi (4) die meistbesuchten. Der festlich-prunkvolle Rahmen des Opernhauses am Hviezdoslav-Platz (1886
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nach Plänen von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer fertiggestellt) war der Grund, weshalb manche Freunde der Oper in Bratislava den langjährigen Plänen zur Errichtung eines neuen Gebäudes des Slowakischen Nationaltheaters auf der Pribinova zunächst reserviert gegenüberstanden. Im Juni 2007 - schon kurz nach Eröffnung des Letzteren
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- hatten die Teilnehmer der ÖSG-Opernfahrten erstmals Gelegenheit, dort eine Aufführung (Verdis Troubadour) zu besuchen, und waren von den neuen Räumlichkeiten in jeder Hinsicht sehr positiv beeindruckt. Akustik und Bequemlichkeit ließen keinerlei Wünsche offen, und durch die mittlerweile fertiggestellten Bauten zum nahen Donau-
KULTUR
ufer hin hat das neue Theatergebäude nun auch eine harmonische äußere Umgebung erhalten. Dass ein Teil der Opernaufführungen auch weiterhin im historischen Gebäude stattfindet, sorgt für Abwechslung und erspart dessen Liebhabern den Abschied von der liebgewonnenen alten Spielstätte. Um die Teilnahme an den Opernfahrten zu einem noch bereichernderen Erlebnis werden zu lassen, wird der Aufenthalt in Bratislava häufig mit Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten sowie mit Besuchen von Museen und Ausstellungen in der slowakischen Hauptstadt verbunden. Ein besonderer
Gewinn für die Teilnehmer ist es, wenn ihnen gelegentlich durch hervorragende Experten wie Altbürgermeister Peter Kresánek oder Altvizebürgermeister Štefan Holčík weniger bekannte Kleinodien gezeigt oder historische Hintergründe erklärt werden. Auch die leiblichen Genüsse kommen nicht zu kurz. Die ÖSG bemüht sich, mit den Opernfahrten ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot durch den Besuch von Gaststätten unterschiedlicher Art zu verbinden, die von der eleganten Reduta über das gemütliche Zichy und das rustikale Bratislava Flagship bis zu landschaftlich schön gele-
genen Restaurants an den Ufern von Donau und March reichen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, den österreichischen Besuchern auch Gelegenheit zum Kennenlernen slowakischer Nationalspeisen zu bieten. Ohne die Bedeutung der Opernfahrten der Österreichisch – Slowakischen Gesellschaft nach Bratislava zu überschätzen, kann gesagt werden, dass sie dazu beitragen, der Slowakei immer wieder neue Freunde zu gewinnen und die schon bestehenden Sympathien für das Nachbarland, seine Menschen, seine Kunst und seine Leistungen weiter zu vertiefen.
Ernst Fuchs - Werkschau eines Ausnahmekünstlers in Bratislava Text: Christoph Thanei, Foto: Peter Homola für die Galerie der Stadt Bratislava
"Sein Werk ist wahrhaft epochal. Seine Handschrift ist unverwechselbar", sagte Brigitte Trinkl, die Leiterin des Österreichischen Kulturforums bei der Vernissage der Retrospektive der Werke von Ernst Fuchs über den Ausnahmekünstler. Sein Charakter, sein ganzes Leben und seine Person seien in seinen Werken sichtbar. Der 1930 geborene Fuchs, der bei der Vernissage persönlich anwesend war, hatte schon als Jugendlicher auf sich aufmerksam gemacht und in Wien für Furore in der Künstlerszene gesorgt. Auf dem Fahrrad fuhr er alsdann nach Paris, um dort jahrelang für seinen künstlerischen Traum zu leben. Große Ölbilder wollte er schaffen und die Themenwelt der Mythologien, insbesondere (aber nicht nur) aus dem Alten Testament ließ ihn nicht los. Mit seinen Werken wurde er zum "Mittler zwischen Religionen und Kulturen", wie es Brigitte Trinkl formulierte. In den vielen Jahren seines Schaffens sei er letztlich sogar selbst zu einer "mystischen Persönlichkeit geworden", stimmte der österreichische Botschafter Josef Markus Wuketich bei. Der Diplomat wertete es deshalb als "besonderen Tag für das Kunst- und Kulturleben dieser Stadt", dass die Galerie der Stadt Bratislava und das Österreichische Kulturforum gemeinsam mit dem Ernst-Fuchs-Museum
Von links nach rechts: Prof. Ernst Fuchs, Ausstellungskuratorin Dr. Cornelia MensdorffPouilly, Thomas Frankl (den NPZ-Lesern aus der Ausgabe April 2014 bekannt) - bei der Ausstellungseröffnung in Bratislava Wien diese große Werkschau hier in der slowakischen Hauptstadt präsentieren konnten. Wenn Sie sich selbst überzeugen wollen, womit sich der Künstler so viel ehrfurchtsvolle Bewunderung verdient hat, dann bleibt Ihnen noch bis 21. September Zeit, die Ausstellung zu besuchen.
Info: Ort: Pálffy-Palais, Panská 19, Bratislava Täglich außer Montag, 11-18 Uhr Die Ausstellung ist noch bis 21. September 2014 zugänglich.
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KULTUR
Marián Chudovský:
Unsere Zuschauer sind anspruchsvoll Die Theatersaison 2013/2014 erreichte im Slowakischen Nationaltheater (SND) beim internationalen Theaterfestival Eurokontext.sk ihren Höhepunkt. Auf dem Gebiet des Musik- und Tanztheaters bot die gerade beendete 94. Saison des SND interessante Impulse. Dazu gehörte beispielsweise die Premiere der Oper La Bohème in der Regie des außergewöhnlichen Schöpfers von Weltruf Peter Konwitschny oder die Erstaufführung von Mozarts Oper La clemenza di Tito auf den Brettern des SND. Zum Saisonabschluss sorgte Tschaikowskis Pique Dame in der Aufführung des Generaldirektors des SND Marián Chudovský für Aufsehen bei Kritik und Publikum. Mit ihm sprachen wir nicht nur über die Anstrengungen bei der Vorbereitung und Ausarbeitung der Aufführung, sondern auch über weitere Projekte, die das SND für seine Zuschauer plant. Text: Barbora Hrvolová, Foto: SND, kristalovekridlo.sk
Obwohl die aktuelle Aufführung der Pique Dame auf der Bühne des SND bereits die sechste ist, verliert das Thema nichts an Aktualität und Überzeugungskraft. War dies einer der Gründe, warum Sie sich gerade für die Pique Dame von Tschaikowski entschieden, immerhin ein Werk, das schon fast zur Klassik gezählt werden kann? Das letzte Mal wurde die Pique Dame am SND 1989 aufgeführt – also vor fast einem Vierteljahrhundert. Dieses Opus ist eines der bekanntesten Werke Tschaikowskis und gehört selbstverständlich zum Standard-Repertoire jedes großen Opernhauses. Deshalb entschieden wir uns für dieses anspruchsvolle Werk, das auch für ein erstklassiges
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Ensemble stets eine große Herausforderung darstellt, nicht allein was die Interpretation durch die Opernsänger angeht, sondern auch in Bezug auf die Arbeit des Regisseurs und des gesamten Produktionsteams. Wenn auch manche meinen, es handle sich um ein romantisches Werk, so ist das
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Gegenteil der Fall. Die Pique Dame schneidet ein höchst aktuelles Thema an – die Besessenheit von phantastischen Vorstellungen und Verlangen, vor allem dem Verlangen nach dem schnellen Geld – hier nach dem Gewinn im Kartenspiel und das Bemühen um das Erlangen von zufällig erworbenem
KULTUR
Reichtum auf allgemeinerer Ebene. Das reichhaltige, dramatische und aufregende Thema gibt dem Regisseur auch in der Gegenwart ein tolles Werkzeug in die Hand, mit dem er die Aufführung einer breiten Skala an Nuancen gestalten kann. Ich bin kein Anhänger klassischer Lösungen, ich entdecke gern versteckte und innovative Möglichkeiten, Botschaften und Weisen, auf welche sich aus in vergangenen Jahrhunderten entstanden Werken das Gegenwärtige für das heutige Publikum herausfiltern lassen. Spüren Sie im Theater den Druck der Zeit, den die große Zahl neuer Informationskanäle und Technologien mit sich bringt? Ist es überhaupt noch möglich, die Ansprüche der heutigen Zuschauer zu befriedigen und sie in der nächsten Saison zu überraschen? Die Zuschauer ändern sich nicht, das Publikum ist ständig anspruchsvoll und erwartet auch ein Werk und eine Vorstellung, die sich mit einer aktuellen Idee an es wenden. Jeder Zuschauer hat natürlich seine eigenen Kriterien, einer bevorzugt brillante musikalische Leistungen, ein anderer wünscht sich dagegen eine vielleicht noch mutigere, Widerhall h ervorrufende Interpretation des Werks, die ihn zum Überlegen zwingt. Ich als Regisseur streue gern eine aktuelle Botschaft unter die Leute, ich mag keine, sage wir, musealen Formen und lade deshalb als Direktor auch Schaffende hierher ein, die sich zum modernen Bezug des zeitgenössischen Musiktheaters bekennen. An Überraschungen, die wir derzeit für die Zuschauer in Vorbereitung haben, wird es keinen Mangel geben. Für sehr positiv halte ich das neue Festival des Theaterschaffens Eurokontext.sk, das den Juni über auf Bratislavaer Boden eine Vielzahl ausländischer dramaturgischer Neuheiten, hochkarätiger Inszenierungen, Theater-, Opern- und Ballettkünstler vorgestellt hat. Uns hat das große Interesse an diesem Ereignis gefreut, das ich als Gipfelpunkt der Saison bezeichnen würde und im Rahmen dessen auch wirkliche „Feinschmecker“ auf ihre Kosten gekommen sind.
An der Idee, unserem Publikum etwas nicht Alltägliches und Neues zu bieten, werden wir auch im Herbst weiter arbeiten, wenn wir im September mit einem Jubiläums-Galakonzert von Peter Mikuláš und seinen Gästen die Saison eröffnen, worauf das Tanzereignis des Jahres folgen
wird – das Gastspiel des legendären Eifman Ballets, das nach Gastspielen in Moskau, New York und Tel Aviv am SND das mitreißende Werk Rodin aufführen wird, das vom Schaffen und den Schicksalswendungen im Leben des französischen Bildhauers inspiriert ist.
Der Opern- und Fernsehregisseur Marián Chudovský wurde in Banská Bystrica geboren (1959). Opernregie studierte er an der Hochschule der Musischen Künste in Bratislava unter Doc. Branislav Kriška. Er begann sein Wirken als Regisseur und Dramaturg (1984-88) und Künstlerischer Leiter (1986-88) der Oper des Staatstheaters in Košice, arbeitete später als Künstlerischer Leiter der Oper des SND in Bratislava (1988-89), Künstlerischer Leiter und Regisseur an der Staatsoper in Banská Bystrica (1991 -1993), Regisseur der Gesangsbühne der Neuen Szene in Bratislava (1993–1996), Regisseur beim Fernsehsender Markíza (1996–2002) und als Leiter der Oper des SND in Bratislava (2002-06). Außerdem führte er Regie an der Kammeroper in Bratislava, an der Oper des Mährisch-Schlesischen Nationaltheaters in Ostrava, an der Oper des Prager Nationaltheaters, der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno sowie an der Vest Norges Opera Bergen. Er führte bisher bei mehr als sechzig Opern- und Operetteninszenierungen Regie. Die Aufführungen von Marián Chudovský wurden in Deutschland, Österreich, Ungarn, der Schweiz und Japan gezeigt. Neben seiner Theaterarbeit wirkt er regelmäßig als Regisseur und Drehbuchautor an Projekten des Slowakischen Fernsehens mit; einige seiner Fernsehwerke wurden auf bedeutenden europäischen Festivals gezeigt (Zlatá Praha, Grand Prix d´Italia, Cannes). An der Oper des SND inszenierte er die Verdi-Opern Rigoletto (1987), La Traviata (1992), Macbeth (2003) und I due Foscari (2010), die Cilea-Oper Adriana Lecouvreur (1989), Tschaikowskis Oper Die Jungfrau von Orléans (2001), Bizets Oper Carmen (2002), Franz Lehárs Operette Die lustige Witwe (2005), die Doppelaufführung von Mascagnis Cavalleria rusticana und Leoncavallos Pagliacci (2006) sowie Mussorgskis Oper Boris Godunov (2008). In der Saison 2013 – 14 führte er auf der Bühne der Oper des SND Tschaikowskis Operndrama Pique Dame auf (Mai 2014). Seit dem 1. Juli 2012 ist Marián Chudovský Generaldirektor des Slowakischen Nationaltheaters.
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KULTUR
Auf Tante Timravas Spuren Novohrad zählt zu meinen liebsten slowakischen Gegenden, und da jauchzte mein Herz, als ich die große alte Tante der slowakischen Literatur entdeckte, Timrava. Die eingefleischte Novohraderin verließ ihren Landstrich nur einmal länger, als junge Autorin, als sie im Haushalt des verstorbenen Nationaldichters Hviezdoslav in Dolný Kubín arbeiten durfte. Das gab Stoff für die autobiographische Erzählung Skúse nosti (Erfahrungen). Wie Timrava die heuchlerische Kleinbürgerlichkeit von Hviezdoslavs Witwe beschreibt - da brach ich weg vor Lachen. Ich wollte einen Tag in Timravas Spuren wandeln. Text: Martin Leidenfrost, Foto: Wikipedia
Zu den evangelischen Dörfern im abgeschiedenen Ostrôžky-Bergland fährt man lange hinauf, über Serpentinen. Timravas Geburtsort Polichno liegt auf 600 Metern, Handy-Empfang gibt es keinen, das Stra ßenleben ist von Romakindern geprägt. Das evangelische Pfarrhaus, in dem die Schriftstellerin 42 Jahre lebte, ist ver riegelt. Nur der Bürgermeister hat den Schlüssel, erfahre ich, und der ist heute nicht da. Ich reduziere mein Begehren. Ob mir nicht wenigstens jemand das Buch über Timrava und Polichno verkaufen könne, frage ich die Wasserstoffblondine im Lebensmittelgeschäft. Sie meint, das
könnte der Gemeindearbeiter wissen. „Er hat nebenan eine Baustelle. Sie erkennen ihn, er läuft immer in Unterhosen herum.“ - „Aber alle Slowaken laufen im Sommer in einer Art Unterhose herum.“ - „Sie erkennen ihn.“ Sie hat recht, doch hat auch der reife Herr in Hot Pants weder Schlüssel noch Buch. „Gute Idee“, sagt er, „man könnte tatsächlich ein paar Exemplare von dem Buch im Gemeindeamt auflegen. Ist noch keinem eingefallen. Gute Idee.“ Ich fahre in den nächsten Ort, nach Abelová. Timravas Bruder war hier Pfarrer, hier verbrachte sie gleich noch einmal 36 Jahre, sie hatte es nicht mit dem Migrieren. Wieder ein halb von Roma übernommener Ort, wieder ein Haus neben einer evangelischen Kirche, das schön erhaltene Timrava-Museum. Frei lich kann ich nur durch die Tür hinein lugen, und das Gemeindeamt hat heute zu: „Kein Parteienverkehr“. Im Wirtshaus sitzt ein Paar mittleren Alters fest, wie alle Novohrader 24-Stunden-Pfleger in Österreich, auch ihnen ist der Ausflug verdorben. Eigentlich funktioniert die Arbeits teilung in Abelová: Die Roma sammeln Pilze, verkaufen sie der Wirtin des Wirtshauses, die nicht zum Pilzesammeln kommt, da sie an der Schank steht, an welcher die Roma das verdiente Geld gleich wie der ausgeben. Ein höchst effizienter Kreislauf, warum haut das nicht auch mit den Schlüsseln zu den Timrava-Häusern hin?
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Wenn ich schon da bin, fahre ich in einen weiteren evangelischen Ort, am Ende einer Stichstraße gelegen, nach Praha. Ja, das Dörfchen heißt genau wie die Hauptstadt Böhmens. Ist angeblich eine Gründung von Hussiten. Als eine kaiserliche Spezialkom mission fragte: „Was hat der Ort an Gutem und an Schlechtem?“, da vermerkt das Pro tokoll aus dem Jahre 1767 als Antwort jener Prager: „Gutes hat er nichts. Schlechtes genug.“ In Wirklichkeit ist Praha reizend. Mich empfängt der Bürgermeister, ein Jäger und ein Fuchs mit hintergründigem Grinsen, er hat acht Bürgermeister des größeren Prag überlebt. Seine Erklärung, was das Novohrader Prag mit den Hussiten verbindet, begreife ich nicht ganz, aber nachdem er seinen 90 Schäf chen eine EU-Förderung von 33.000 Euro für die Renovierung des kommunistischen Kulturhauses aufgestellt hat, will er nun ein Hussitenmuseum gründen. Ich sage zu ihm: „Wenn das Hussitenmuseum durchgeht, dann muss es aber auch jemanden im Ort geben, der den Schlüssel dazu hat.“ Ich ernte einen missmutigen Blick seiner Frau. Keine gute Idee, lese ich in ihren Augen.
KULTUR
Topfest: Heißer Rock, kaltes Bier und gute Freunde Unser Lieblings-Sommerfestival Topfest ist für uns weit und breit konkurrenzlos in seiner Art. Keine „Alles in einem“-Verpackung, kein Multigenrefestival mit Folk, Pop, Rock, und Volksliedern auch noch dazu. Willkommen auf dem Flughafen Piešťany, Landung TOPFEST 2014! Ein persönlicher Stimmungsbericht von Ľudmila Jančigová, Fotos: Topfest / Pavol Karell
30 Seconds to Mars, schon legendär für ihre mitreißende Rockmusik sind schon 12 Monate auf Ihrer weltweiten Tournee und zeigten keine Müdigkeitserscheinungen. Bei allem Respekt und Abstand: das Beste, Grösste und Mächtigste. Ihnen gehörte das große Festivalfinale in Piešťany am Samstag, wobei die Rocker von Kabát am Donnerstag, 26.6. das beste Entreé waren. Kabát war vor allem die beste Übung für die Stimmbänder - auch des Publikums. Der Sänger Josef Vojtek bestätigte, dass er sich auf die gut gelaunten Slowaken, die wirklich singen können, wahrhaftig schon lange vorher gefreut habe. Mit steigender Sommertemperatur am Freitag und Samstag wuchs auch mein Punk-Rock Appetit. Helloween, Ramone's Blitzkrieg, The Toy Dolls, Alkehol, Konflikt, Horkýže slíže, Zóna A, aber meiner Meinug nach vor allem Sabaton, brachten nach Piešťany eine heiße mitternächtliche Show. Und vor allem, als die Slowaken dem Sänger Joakim Brodén zeigten, dass sie keine englischen Songs hören wollten, da Ihre Herzen sich nach kühlem schwedischem Metal sehnten, ... Den Topfest-Organisatoren ist es ohne Zweifel gelungen, Gruppen einzuladen, die man sonst nirgendwo zusammen an einem Ort sehen könnte. Daher war unsere wichtigste Frage an TopfestDirektor Dušan Drobný, wie schwer es war, Gruppen wie Kabát zu bekommen: „Unsere Zusammenarbeit begann früher als überhaupt das Topfest entstand. Wir sind also längst nicht mehr reine Geschäftspartner, sondern eher Freunde. Jede Musikgruppe entscheidet selbst, wo sie spielen will. Aber wenn so wie dieses
Jahr nur ein einziger Auftritt geplant war, freuen wir uns besonders, dass sich Kabát ausgerechnet für das Topfest entschieden hat. Was 30 Seconds to Mars angeht, war es kompliziert, sie hierher zu locken, aber nur finanziell. Wir verfügten schon über Referenzen bei internationalen Promotern berühmtester Rockgruppen, da wir auf dem Topfest schon Iron Maiden oder Gun´s and Roses gehabt hatten. Die Promoter wissen schon, dass wir fähig sind, jedes Konzert zu organisieren.“ Trotz dieses guten Images will sich das Topfest nach 11 Jahren weiter entwickeln. Vorbilder sieht Drobný vor allem im Ausland, etwa bei
den Festivals Nova Rock (Österreich) und Pepsi Sziget (Ungarn). Geduld ist alles. „In der Regel dauert es mindestens zwei Jahre, bis sich die Menschen an eine Neuheit gewöhnen,“ sagt Dušan Drobný und erklärt kritisch weiter: „Irgendwie ist es Gewohnheit geworden, dass in der Slowakei Neues schwerer angenommen wird.“ Und womit wird uns das Topfest 2015 überraschen? Werden wir Gastgeber für Red Hot Chili Pappers, Metallica oder AC/DC sein? Alles ist möglich. Nach dem 11. Jahrgang glaube ich daran ebenso wie die 15.000 Besucher, die das beste Rock Festival der Slowakei diesmal besuchten!
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Kultur / Feuilleton
Jonáš Gruska und seine experimentelle Musik Indem er ein scheinbar simples Glockenspiel an einer Kaufhauswand am Kamenné námestie (Foto) dazu brachte, experimentelle Gegenwartsmusik einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde Jonáš Gruska in Bratislava auch außerhalb der spezifischen Künstlerszene bekannt. Faszinierend sind aber auch viele andere Projekte des außergewöhnlichen „Klangkünstlers, Musikers und Ingenieurs“, wie zum Beispiel seine Kreation von Geräten, die die uns umgebenden elektromagnetischen Felder für uns hörbar machen. Text: Jana Kočišová, Fotos: Archiv Jonáš Gruska
NPZ: Für die Fertigung deines Geräts Elektrosluch 2 zur Sonifikation („Verklanglichung“) der elektromagnetischen Felder nutztest du auch eine Vorbestellungskampagne auf der internationalen Plattform Indiegogo. Wie würdest du die Menschen beschreiben, die sich für Elektrosluch 2 interessierten und das Gerät vorbestellten? Jonáš Gruska: Die meisten Unterstützer kommen von außerhalb der Slowakei und nur ungefähr 10% der Menschen, die sich Elektrosluch vorbestellten, sind meine Bekannten. Es geht vor allem um Künstler oder Leute, die sich für die Technologien begeistern. Was inspirierte dich dazu, die Geräte Elektrosluch und Elektrosluch 2 zu konstruieren? Siehst du es vielleicht als eine Möglichkeit, sich die Perzeption zu erweitern und die Gegenstände „zu hören“? Genau. Wir sind von riesigen Mengen an Datenflüssen und Informationen umgeben, die wir mit unseren natürlichen Sinnen nicht wahrnehmen können. Diese Sonifikation ermöglicht uns teilweise, die
Welt der elektromagnetischen Felder kennen zu lernen und somit neue unbekannte Welten unseren Ohren zu präsentieren. In Bratislava hast du mehrere standortspezifische Aufführungen realisiert, zum Beispiel am Glockenspiel am Kamenné námestie oder das Spielen an Röhren der Markthalle bei Trnavské mýto. Wie lassen sich diese zwei Aufführungen vergleichen? Ich würde die Aufführungen nur ungern im Sinne besser/schlechter vergleichen. Ich glaube, dass beide über interessante Atmosphäre und Auswirkungen verfügten. An standortspezifischen Aufführungen mag ich vor allem den Kern der Sache: die Notwendigkeit, alles massgetreu zu den Räumen und Atmosphären vorzubereiten, weil es anders nicht funktionieren würde. Ich freue mich darüber, dass dank der öffentlichen Platzierungen die Kompositionen zu einem untypischen Publikum (im Vergleich zu experimentellen Konzerten) durchdringen. Die Zuschauer und Zuhörer kommen aus jeder Altersgruppe und gehören zu verschiedenen sozialen Gruppen.
Los jetzt
Jonas Gruska - standortspezifische Aufführung am Glockenspiel am Kamenné námestie Mehr Informationen zu den standortspezifischen Aufführungen, Projekten und Instrumenten sind auf den Internetseiten http://jonasgru.sk/ und http://zvukolom.org/ zu finden.
Das ausführliche Interview mit dem Künstler finden Sie auf unserer Homepage
www.npz-online.eu unter „Zum Nachlesen“
von Brigitta Warnach
los jetzt die augen auf das licht hat die dunkelheit überlebt
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Die Autorin lebt in Kittsee Foto: Christoph Thanei
los jetzt barfuß über taunasses gras das leben kommt so wie so auf dich zu
los jetzt denn irgendwann wird stille und nur der fährmann ruft: ich hol‘ über
los jetzt dem tag entgegen die sonne bereitet den weg für deine schritte
los jetzt jeder augenblick schenkt dir deine ewigkeit jetzt! los!
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Kultur
Feuilleton
Geschichten aus der Schreibwerkstatt Texte von Deutsch-Studierenden der Pädagogischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava
Die Rechnung, bitte! Jana Nováková
„Kate, was machst du denn? Das gehört auf den Tisch 6! Sie warten schon ewig!“, schrie mich meine Kollegin Sabine an. Ach ja, der Tisch 6... ich weiß, dass sie schon eine halbe Stunde auf ihre Bestellung warten, aber ich habe keinen Mut sie zu bedienen. Peter und seine neue, superperfekt-tolle, blonde Freundin dürfen nicht wissen, dass ich hier arbeite. „Sabine...ähm...könntest du es übernehmen... bitte...?“ „Kate! Wir haben uns die Arbeit doch geteilt. Ich erledige die Bestellungen und du bringst sie zu den Leuten. Was glaubst du denn, ich kann nicht alles machen! Was für ein Problem hast du? Hier sind die Getränke, bitte und tschüss!“, sagte Sabine kompromisslos und verschwand in der Küche. Na ja, komm, Kate, sei nicht so feig. Ich nahm die Gläser, streckte mich, zauberte ein Lächeln auf die Lippen und ging gefasst zum Tisch 6. „Hallo, Peter. Hallo...ähm...sorry, ich kenne deine Freundin noch nicht...“, begrüßte ich unsere geehrten Gäste. Die Blondine blickte mich langsam an, dann Peter (mit großen, blauen Augen wie aus der Maybelline-Werbung) und fragte mit einem protzigen Ton: „Kennst du diese Kellnerin, Schatz?“ Was?! Habe ich richtig gehört?! Ich weiß nicht, was mich mehr ärgert, das missachtende „Kellnerin“, oder das aneignende „Schatz“. Was für ein Schatz? Peter ist doch mein Schatz! Oder er sollte es sein... Ich träume von ihm seit der siebten Klasse. Ich mache alles Mögliche und auch Unmögliche, nur um mit ihm ein bis-
schen Zeit zu verbringen! Und da kommt eine blonde Primadonna und meint, dass sie ihn mir wegnehmen kann? Peter sah wirklich verwirrt aus. Ich schaute ihn mit einem flackernden Blick an und mit der Drohung in den Augen: Denk nach, was du sagst! „Ähm... ich... ähm... ich bin nicht sicher... ähm... es muss eine meiner Kolleginnen aus dem naturwissenschaftlichen Seminar sein... ähm... oder?“, stotterte Peter. Ich fühlte, wie das Blut in mein Gesicht stieg, wie meine Handflächen schwitzten, ich hörte mein Herz laut schlagen. Und ich sah, wie alle meine Träume, Vorstellungen und Hoffnungen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfielen. „Ja... ähm... richtig! Das Seminar, rich-
tig! Ja, ich bin EINE deiner Kolleginnen... ja... ähm... hier sind Ihre Getränke.“, das war alles, was ich rausbrachte. Ich drehte mich um und flüchtete mit Tränen in den Augen in den Umkleideraum. Wie konnte er das sagen? Hat er alles, was wir zusammen verbracht haben, vergessen? Bedeutet es nichts für ihn? Unsere Freundschaft, die in der letzten Zeit endlich zur romantischen Beziehung wurde, tauscht er für dieses oberflächliche Fräuleinchen ein? Oder waren es nur meine Gefühle? Bin ich so doof und naiv? Was sollte denn der Kuss vor einer Woche bedeuten? Nichts, nur ein Spiel? Nur ein naturwissenschaftliches Experiment? Nur ein Kollegendienst?! Nein, niemand wird mich so behandeln! Du bezahlst dafür, Peter! Symbolfoto: Shutterstock
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Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská
Feste und Festivals BeeFree Musikfestival 25.–27.7., Bratislava – Areal Divoká Voda Die größte Tanzveranstaltung in der Slowakei hat seit dem letzten Jahr einen neuen, noch größeren Standort. Im Areal Divoká Voda in Čunovo garantieren über einhundert DJs eine unendliche Spaßwelle. Information: www.beefree.sk
on: www.uprising.sk
Kultursommer und Burgfestspiele 2014 14.6.-30.9., Bratislava Das Festival findet bereits zum 39. Mal statt, zum 10. Mal organisiert es das Bratislavaer Kultur- und Informationsbüro (BKIS). Die slowakische Hauptstadt ist im Sommer fest mit der Kultur verbunden. In den Sommermonaten präsentieren sich tausende internationale Künstler mit verschiedenen Musik-, Tanz- und Theateraufführungen. Letztes Jahr wurden die Festivalprogramme von über 70.000 Zuschauern besucht. Die Darsteller kamen aus 27 Ländern aus der ganzen Welt und zeigten ihr Programm auf 35 Bühnen in der Stadt. Das Festival Kultursommer und Burgfestspiele Bratislava umfasst über 300 Veranstaltungen. Informationen: www.bkis.sk
http://www.uprising.sk/
http://www.tourismbratislava.com/event/sk/kulturne-leto-a-hradne-slavnosti-bratislava/284
Dni majstrov UĽUV 30.–31.8., Bratislava - Altstadt Das Festival der volkstümlichen Tradition und des Handwerks zeigt Ende August die einmalige Kunst von mehr als 100 Anbietern aus verschiedenen Regionen der ganzen Slowakei. Information: www.uluv.sk
International Gypsy Fest 2.8.-9.8., Bratislava - Hauptplatz Der 7. Jahrgang des Welt-Roma-Festivals „International Gypsy Fest“ findet unter der Schirmherrschaft des Premiers Robert Fico, des Regierungsbevollmächtigten für RomaGemeinschaften Peter Pollak und des Bürgermeisters von Bratislava Milan Ftáčnik statt. Das International Gypsy Fest ist das größte Roma-Festival und wird in der Slowakei seit 2008 organisiert. Ziel der Veranstaltung ist es, den Reichtum der Roma-Kultur und ihrer Traditionen zu zeigen. Information: www.gypsyfest.eu
https://www.facebook.com/beefreefestival/photos/pb.17023027302a5226.2207520000.1403721353./692408184140763/?type=3&theater
Uprising Reggae Musikfestival 22.– 23.8., Bratislava – Zlaté piesky Eine spektakulär alternative Show garantiert das alljährliche Reggae-, Dancehall-, Ska-, Dubstep-, Drum & Bass-, Hip-Hop-Festival. Informati-
http://www.uluv.sk/sk/web/podujatia-a-novinky/dni-majstrov/
Festival Devín 31.8.-1.9., Bratislava – Burg Devin Das Festival auf der Burg Devin findet bereits zum elften Mal statt. Die Besucher können historische Fechtvorführungen sehen sowie historische Musik, Tanz und Kunsthandwerke erleben. Für eine zauberhafte Atmosphäre sorgt die wunderschöne Kulisse der Burg Devín. Information: www.festivaldevin.sk http://www.festivaldevin.sk/galeria#menu
Altstadt-Sommerfestival 2014 1.7.-31.8., Bratislava - Altstadt Die Altstadt von Bratislava bietet in den kommenden zwei Sommermonaten ein reiches Kulturprogramm voller Musik- und Theatervorführungen sowie anderer Freizeitaktivitäten. Künstler aus
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der ganzen Slowakei, aber auch aus dem Ausland zeigen ihr Können im Hof des Zichy-Palais, am Hviezdoslav-Platz und im Medizinischen Garten. Im Hotel Carlton steht jeden zweiten Dienstag das „Altstadt-Tanzparkett für Senioren“ zur Verfügung. Information: www.tourismbratislava.com/event/sk/staromestsky-letnyfestival-v-bratislave/435
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http://www.gypsyfest.eu/galeria/galaprogram-2012
Freizeit und Sport Bratislava Inline 27.6.-29.8., Bratislava Das elfte Jahr vereinen die SommerInlineskate-Abende in Bratislava alle, die die Freitagabende unter freiem Himmel mit Sport und viel Spaß verbringen wollen. Die Veranstaltung ist für Sportinteressierte jeden Alters geeignet. Genaue Routen, Startplätze und andere Informationen: www.bratislavainline.sk/sk/ http://www.bratislava-inline.sk/sk/galeria
freizeit
Antiquitätenbörse 19.7., 16.8., 13.9., 7.30 Uhr, Burg Červený Kameň Dies ist eine Veranstaltung, die nicht nur Antiquitätenliebhaber anspricht. Die Besucher erwartet beispielsweise eine reiche Auswahl an Münzen, Medaillen, Briefmarken oder Möbeln. Vor der malerischen Kulisse der Fugger-Burg aus dem 13. Jahrhundert können die Besucher in den Angeboten stöbern und allerhand Ausgefallenes entdecken. www.snm.sk/?muzeum-cerveny-kamen-uvodna-stranka
Turnübungen unter den Bäumen 1.7.-28.8., 10:00-17:00, Bratislava - Medizinischer Garten Eine Veranstaltung im Rahmen des Altstadt-Sommerfestivals 2014. Jeden Dienstag bis Donnerstag von Anfang Juli bis Ende August finden im Zentrum Bratislavas Turnübungen unter freiem Himmel statt. Information: www.asana.sk/cvicenie-jogy-v-medickejzahrade-0
Trh – Piac – Markt 5.7.-30.8., 10.00 Uhr, Bratislava – Alte Markthalle Jeden zweiten Samstag werden in der Alten Markthalle saisonale Lebensmittel von lokalen Bauern und Kleinproduzenten verkauft. Angeboten wird alles von Obst und Gemüse, über Fleisch und Milchprodukte, bis Backwaren, Süßwaren, Getränke und andere Köstlichkeiten. Den Markt vervollständigt ein Rahmenprogramm voller Bildungs- und Freizeitaktivitäten für Kinder und Erwachsene. Information: www.staratrznica.sk/trhy/
Stupava MTB Trophy and Bratislava RUN 26.–27.7., Stupava Wer seine Ausdauer im Laufen oder Radfahren testen möchte, sollte ganz bestimmt die Sportveranstaltung Stupava MTB Trophy and Bratislava RUN nicht verpassen. An zwei Tagen können Besucher mehrere Disziplinen und Wettrennen auf Strecken zwischen 22 und 100 km ausprobieren. Information: www.stupavskymaraton.sk
Konzert Peter Lipa „fjúčring“ Milan Lasica 17.7.2014, 19:00, Bratislava – Studio L+S Die Werke von Peter Lipa sind eine klangvolle Mischung aus slowakischem Jazz, Blues, Soul und klassischem Pop. Viele seine Texte schrieb der Humorist, Liedermacher, Schauspieler, Regisseur und Sänger Milan Lasica. 2005 kam Lipas Album „Lipa spieva Lasicu“ (Lipa singt Lasica) heraus und erhielt Platin. Als Fortsetzung dieses Projekts kam 2013 ein weiteres Album mit dem Titel „Návšteva po rokoch“ (Besuch nach Jahren) auf den Markt. Für dieses Album schrieb Lasica 14 Texte über Liebe, Beziehungen, Erotik, Politik und das Leben. Information: www.studios.sk
http://www.stupavskymaraton.sk/galerie/39-fiala/
http://www.studios.sk/hraci-plan/detail/p/371/384/peter-lipa-fjucring-milan-lasica
Mercedes Benz Grand Prix Bratislava 7.– 10.8., Bratislava – Petržalka, Areal TJ Slavia STU Das internationale Pferdewettrennen mit der längsten Geschichte in der Reitgeschichte der Slowakei findet alljährlich im Areal TJ Slavia STU statt. Information: www.csio.sk http://www.csio.sk/2011/in-
Hugh Laurie 21.7., 20 Uhr, Bratislava – Aegon Arena NTC Der beliebte Darsteller des TV-Arztes Dr. House ist gleichzeitig ein populärer Blues- Gitarrist und Pianist. Am 21. Juli tritt er in der Bratislavaer Aegon Arena auf und stellt seine zwei letzten Musikalben Let Them Talk (2011) und Didn‘t It Rain (2013) vor. Information: www.ticketportal.sk/event.aspx?id=19442, www.laurieblues.com
dex.php?id=203
http://hughlaurieblues.com/photos.htm
http://staratrznica.sk/trhy/
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Joss stone 27.7., 20 uhr, bratislava - refinery Gallery Trotz ihres Alters wird Joss Stone mit ihren knapp 26 Jahren als das Beste im Musikbereich Soul, Jazz, R & B bezeichnet. Weltruhm erlangte sie im Jahr 2003 mit dem Multi-Platin-Album „The Soul Sessions“, mit dem sie 2004 eine Nominierung für den Mercury-Preis erhielt. Ihr zweites Multi-Platin-Album „Mind Body & Soul“ war das meistgespielte in den UK Album Charts. 2007 gewann Stone den Grammy in der Kategorie „Best RnB performance by a Duo or Group with vocals“. Information: www.jossstone.com/tour http://www.jossstone.com/photos?ga=19
musik Kathedral-Orgel-festival 31.7.–11.9., bratislava – st. martins-Kathedrale Das fünfte internationale Festival der Gerald Woehl-Orgel in der St. Martins-Kathedrale unter der Schirmherrschaft von Bratislavas Erzbischof Stanislav Zvolenský. Information: www.visitbratislava.eu
Konzerte finden an ausgewählten Samstagen immer um 19 Uhr statt. Die neue Sommerbühne entstand nach der Rekonstruktion des RedutaGebäudes. Sie ist vom Platz des Eugen Suchoň aus zugänglich. Information: www.filharmonia.sk/letne-podvecery-na-nadvori-b-bjornsona/ www.filharmonia.sk/letne-podvecery-na-nadvori-b-bjornsona/
Ausstellungen skulptur und Objekt xIx. 26.6.-24.8., 13 - 18 uhr, bratislava – Altstadt Die internationale Veranstaltung „Skulptur und Objekt“ präsentiert diesen Sommer schon zum neunzehnten Mal Skulpturen von Künstlern aus mehreren Ländern: Slowakei, Tschechien, Polen, Ungarn, den Niederlanden, Finnland und Österreich. Information: www.galeria-z.sk/?cl=gal_expositure&iid=185 https://www.facebook.com/events/293651334129076/
sommermusikabende im Hof des b. bjørnson 28.6.-23.8., 19 uhr, bratislava - Hof des b. bjørnson Die 65. Konzertsaison der Slowakischen Philharmonie präsentiert diesen Sommer eine Neuigkeit, 5 Sommer-Treffen mit Musik unter dem Titel „Sommermusikabende im Hof des B. Bjørnson“. Die
einen ausführlichen und regelmäßig aktualisierten Veranstaltungskalender finden Sie auf unserer Homepage:
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