KULTUR
„Wir wollen ein modernes Österreich-Bild vermitteln“ Das Österreich Institut ist mehr als nur Sprachschule. Häufig dient es auch als erste Anlaufstelle für Menschen, die Fragen zu Österreich haben. Die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ sprach mit Michael Huprich, der seit 2007 das Österreich Institut in Bratislava leitet. Text: Katrin Litschko, Fotos: Österreich Institut
NPZ: Das Institut in Bratislava existiert seit 1998 und gehört somit zu den ältesten Österreich Instituten in Europa. Es hat außerdem eine besondere Lage, da es sehr nahe an der Grenze liegt. Wie gut kennen die Kursteilnehmer denn Österreich? Michael Huprich: Wenn sie zu uns kommen, wissen sie nicht viel. Alle wissen, dass Wien die Hauptstadt ist und dass es Mozart gab. Vor allem bei den jüngeren Leuten ist das schon alles, was ihnen über Österreich bekannt ist. Da versuchen wir zu vermitteln, dass Österreich mehr ist als nur Lipizzaner und Mozartkugeln. Wir wollen zeigen, dass Österreich ein modernes Land mit Spitzenleistungen in Technologien, in der Wirtschaft und auch in der Wissenschaft ist. Zwei Haustüren vom Institut entfernt befindet sich die nächste Sprachschule. Wie hebt sich das Österreich Institut von der Konkurrenz ab? Wir vermitteln mehr als nur Sprache. Wir vermitteln genauso Wissen darüber, wie Österreich funktioniert. Auch durch die Qualität unseres Unterrichts unterscheiden wir uns. Wir versuchen, einen möglichst hochqualitativen Unterricht zu machen. Dazu gehört, dass wir unsere Lehrer permanent schulen. Wir haben eigene interne Fortbildungen, schicken unsere Lehrer aber auch auf Kongresse und Seminare. Außerdem versuchen wir hier eine familiäre Atmosphäre zu schaffen.
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Viele Leute kommen zu uns, weil sie sich in den Kursen einfach wohl fühlen. Wir haben die Erfahrung gemacht, wenn man mit Spaß lernt und sich wohl fühlt, dann lernt man schneller und besser.
oniert sehr gut. Jeder dieser Kurse schließt auch mit einer Zertifikatsprüfung ab – dem Österreichischen Sprachdiplom. Bis jetzt haben 99,8 Prozent dieses Sprachdiplom nach den drei Wochen abgelegt.
Neben den klassischen Sprachkursen findet man beim Österreich Institut eine ganze Reihe besonderer Angebote. Wir haben einige eigene Kurse erstellt. Jetzt sind zum Beispiel Kurse für Pflegepersonal sehr gefragt. Seit rund zwei Jahren bieten wir auch sogenannte Sprint-Kurse für Leute an, die sehr schnell Deutsch lernen wollen. Dort lernt man in drei Wochen in 30 Unterrichtseinheiten so viel, wie sonst in 120 Einheiten. Wir haben dafür eine eigene Methode entwickelt und das funkti-
Über die Hälfte sind maßgeschneiderte Firmenkurse Ein weiterer Schwerpunkt sind die Firmenkurse. Wie muss man sich diese Kurse denn vorstellen? Die versuchen wir so flexibel wie möglich zu gestalten, dafür entwerfen wir auch eigene Unterrichtsmaterialien. Sie werden speziell anhand der Unterlagen angefertigt, die wir von den Firmen zur Verfügung gestellt bekommen. Wir passen sie dann an die Bedürfnisse der Kunden an.
„Wenn man mit Spaß lernt und sich wohl fühlt, dann lernt man schneller und besser.“
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Die meisten Kursteilnehmer sind zwischen 20 und 35 Jahre alt
Mag. Michael Huprich stammt aus Oberösterreich. Er studierte Sprachwissenschaften und Geschichte in Salzburg und Wien. Bevor er 2007 das Österreich Institut als Geschäftsführer übernahm, arbeitete er als Journalist für die österreichische Industriellenvereinigung, die ÖBB und als PR-Berater für mehrere große Unternehmen. Wie läuft es ab, wenn eine Firma auf Sie zukommt und gerne einen Kurs für ihre Arbeitnehmer hätte? Wir organisieren alles. Wir machen die Einstufung, die Kurseinteilung und die Zeiteinteilung mit den Kunden. Auch monatliches Reporting bieten wir an. So erfährt dann die Firma, wer wann im Kurs war und was in den Kursen gemacht wurde. Denn in vielen Firmen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Leute gar nicht wissen, was in den Kursen passiert. Darum versuchen wir diese Black Box zu füllen, wenn die Firma es wünscht. Wir sind außerdem gerade dabei, eine Art Gutscheinprogramm aufzunehmen. Firmen können bei uns Gutscheine kaufen, die sie dann an ihre Mitarbeiter verteilen. Die können sie dann wiederum hier bei uns in einen Deutschkurs einlösen. In vielen Firmen sind nur zwei oder drei Leute, die Deutsch brauchen. Die stellen dann selten einen ganzen Kurs. So geben wir diesen Firmen die Möglichkeit, ihre Leute zu uns zu schicken.
Wenn man das Österreich Institut betritt, trifft man auf Menschen verschiedenster Altersklassen. Darunter sind auch die jüngsten. Wie bringt man denn Kindern Deutsch bei? Das geht schneller und einfacher als man denkt, weil Kinder wahnsinnig lernbegierig sind. Unsere Jüngsten sind vier Jahre alt, im Moment haben wir sogar drei solche Spielgruppen. Wir haben auch Kurse für Vorschulkinder und Kinderkurse, die ab sieben oder acht Jahren losgehen. Wir gestalten die Kurse so spielerisch wie möglich und unterscheiden in den Kleinkinderkursen nicht nach Sprachkenntnissen. Es geht mehr darum, miteinander und voneinander zu lernen. Die kleinen Kinder, die schon ein bisschen Deutsch können, bringen das auch beim Spielen den anderen bei. Das funktioniert sehr gut. Es ist ganz lustig, wenn die Kleinen im Österreich Institut herumlaufen. Wir machen im Sommer auch spezielle einwöchige Workshops für Kinder im Alter von vier bis zwölf. Wie werden denn die Lehrer bei Ihnen ausgesucht? Wir haben fünf muttersprachliche Lehrkräfte, der Rest sind slowakische Lehrerinnen und Lehrer. Die müssen natürlich Deutsch auf muttersprachlichem Niveau können. Außerdem müssen sie eine päd-
agogisch-didaktische Ausbildung haben. Darauf legen wir sehr viel Wert, weil wir die Erfahrung gemacht haben, nur Muttersprachler zu sein reicht nicht, um gut unterrichten zu können. Wir sind der Meinung, dass diejenigen einen besseren Unterricht machen, denen es Spaß macht zu unterrichten und die auch das methodische Handwerk gut beherrschen. Eigentlich nennen wir unsere Lehrer Kursleiter, weil sie mehr sind als Lehrer. Sie sind für den ganzen Kurs verantwortlich, auch für das Drumherum. Wir haben ebenfalls Ausbildungen im Gruppenmanagement für unsere Lehrer gemacht. Das geht soweit, dass man nach dem Kurs noch gemeinsam etwas unternimmt oder dass man sich erkundigt, was los ist, wenn jemand zwei/ drei Mal nicht in den Kurs kam. Internet, E-Mails und Filme – doch nichts geht über den persönlichen Kontakt Am Österreich Institut werden auch öfter Projekte durchgeführt. Was konnte man denn da in letzter Zeit erleben? Wir veranstalten zusammen mit dem Lehrstuhl für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in Wien immer Projektwochen. Dann kommen Studentinnen und Studenten des Lehrstuhls an Schulen hier in Bratislava und bereiten dort zu bestimmten Themen Projekte vor. Meiner
Bei Ausflügen in die Grenzregion können die Kursteilnehmer ihre Deutsch-Kenntnisse direkt in der Praxis anwenden, hier bei einem Ausflug nach Carnuntum.
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Der Fall des Eisernen Vorhangs war Aufhänger für das Projekt „1989 – 2009 – 2029 – Was war? Was ist? Was wird sein?“.
Das Österreich Institut in Bratislava: Adresse: Baštová 9, 811 03 Bratislava Telefon: +421 2 544 107 97 E-Mail: office@oei.sk Homepage: www.oei.sk Öffnungszeiten (Kursbüro): Montag bis Donnerstag: 10.00-13.00 Uhr und 14.00-18.00 Uhr Freitag: 10.00-13.00 und 14.00-17.00 Uhr Meinung nach das schönste Projekt war, als die Schüler hier in Bratislava einen Film über ihre Stadt erstellt haben, der Jugendlichen in Österreich zeigen sollte, wie slowakische Jugendliche in Bratislava ihre Stadt erleben. Dasselbe wurde umgekehrt mit Wiener Schülerinnen und Schülern gemacht, die Wien vorgestellt haben. Da wurden wirklich schöne Filme erstellt. Das slowakische Gesetz schreibt seit mehreren Jahren Englisch als erste Fremdsprache an den Schulen vor. Hat sich dadurch das Interesse an den Deutsch-Kursen bei Ihnen verringert? Nein, eigentlich im Gegenteil. Es tut uns sehr leid, dass diese Entscheidung getroffen wurde. Aber es gibt an den Schulen ein Stundenkontingent, das man frei vergeben kann, und viele der Direktorinnen und Direktoren haben es genutzt, um DeutschUnterricht anzubieten. An vielen Schulen gibt es also nicht weniger Deutsch-Unterricht. Trotzdem ist es so, dass wir immer mehr Zulauf von Leuten haben, denen
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der Unterricht in den Schulen zu wenig ist. Es gibt auch sehr viele junge Leute, die zu uns kommen, weil sie in Österreich, Deutschland oder der Schweiz studieren oder arbeiten wollen. Wie wird im Österreich Institut mit den Neuen Medien gearbeitet? Meine Lehrer setzen häufig das Internet im Unterricht ein. Wir verwenden Filme und machen sogar eigene Filmdidaktisierungen. Wir versuchen also ein möglichst breites Spektrum der Neuen Medien im Unterricht zu nutzen. Wir hatten auch Videotelefonie im Einsatz. Man konnte mit unseren Kursteilnehmern an den anderen Standorten per Internet Kontakt aufnehmen. Es gab auch eine E-Mail-Gruppe, wo
man sich gegenseitig E-Mails schreiben konnte. Das ist ganz gut angekommen und wir werden das wieder machen. Wir versuchen, die Neuen Medien möglichst stark zu integrieren, aber Sprachunterricht braucht immer auch persönlichen Kontakt. Ganz ersetzen können meiner Meinung nach die Neuen Medien den persönlichen Kontakt zwischen Kursleiter und Teilnehmer nicht.
Das Österreich Institut in Zahlen: • 9 Österreich Institute gibt es europaweit. • 4 Mal pro Jahr erscheint der Österreich Spiegel, eine Zeitung für den Deutschunterricht. • Rund 60 Prozent der Kursteilnehmer sind Studenten und Angestellte. • Fast 9 000 Menschen besuchten bislang einen Kurs am Österreich Institut in Bratislava. • Rund 55 000 Unterrichtsstunden werden an den Österreich Instituten jährlich abgehalten.
Deutsch lernen mal anders: das Österreich Institut bei der Veranstaltung „Straße der Sprachen“.
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