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WIRTSCHAFT

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Mehr als ein Drittel aller Firmen war schon von Wirtschaftskriminalität betroffen Insgesamt 34 % der Unternehmen sind in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden. Betrugsdelikte werden heute um 60 % häufiger angegeben als noch bei der Befragung im Jahr 2011. Aus der Slowakei haben sich 76 führende Firmen an der Umfrage beteiligt. Autor: Ivo Trávniček, Chefredakteur des Unternehmerportals www.podnikam.sk

Dabei wurden die Verfahren des Angriffs auf das fremde Eigentum immer einfallsreicher. Der Anteil des gängigsten und einfachsten Typs von Wirtschaftsdelikten – der Veruntreuung – sinkt zugunsten anderer, „kreativerer“ Betrugsformen. Es handelt sich zum Beispiel um Betrügereien bei der Buchführung oder im Bereich Humanressourcen. „Es ist höchst wahrscheinlich, dass das relative Auftreten von Betrugsdelikten wie Korruption, Cyberkriminalität und Betrug im Einkaufsprozess sogar noch höher liegt. Diese Betrugstypen sind nämlich schwer aufzudecken. Im Rahmen von forensischen Projekten sind wir auf zahlreiche Fälle langjähriger Betrugsaktivitäten gestoßen, die von der betroffenen Organisation nur zufällig aufgedeckt wurden,“ führt der PwC-Bericht an.

Wie viele Firmen waren von Wirtschaftskriminalität betroffen?

Quelle: Globale Umfrage der Beratungsfirmen PwC

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NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Mai 2014 > www.npz-online.eu

Symbolfoto: Shutterstock

Manager aber auch Kunden sind die Täter Die genannte Umfrage hat ferner gezeigt, dass das Verbrechen in 58 % der Fälle durch einen Täter von außen verübt wurde, in 53 % der Fälle waren dies Kunden. Interessante Erfahrungen hat aber auch die Gesellschaft Surveilligence gemacht, die sich als erste in Tschechien und in der Slowakei auf die Untersuchung und Prävention von Betrug spezialisiert hat. „Die schwerwiegendste Kriminalität geht von erfahrenen Mitarbeitern mit langjähriger Praxis und Kenntnissen des Umfelds aus. Primär stoßen wir auf Delikte, die von Führungskräften und Firmeneigentümern ausgeführt werden. Meistens handelt es sich um Fälle wie Aushöhlung von Firmen, Korruption, aber auch um Konkursbetrug.“

Die tschechischen Medien berichteten unlängst über einen Fall, bei dem eine Gruppe von Brünner Unternehmern Obdachlose als Strohmänner eingesetzt hatte. Diese unterzeichneten Rechnungen für den Verkauf von Waren mit geringem Wert, die jedoch von den Firmen beim Export nach Südafrika, China, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Italien als Luxusgüter deklariert wurden. Daraus ergaben sich hohe Mehrwertsteuer-Erstattungen. Der Staat wurde dadurch um 41 Millionen Tschechische Kronen (CZK) betrogen, eine weitere Steuer-Straftat in Höhe von 36 Millionen Kronen war in Vorbereitung. Im Juli 2013 leitete die Finanzpolizei in Banská Bystrica eine Strafverfolgung wegen Steuerhinterziehung bzw. Nichtzahlung der Steuer und der Versicherungsbeiträge ein. Nach Ansicht der Ermittler haben Dušan K., Július F. a Roland S. im Jahr 2012 eine organisierte Gruppe gegründet, die über ein Netz von mehr als vierzig Firmen aus der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn formell mit Lebensmitteln wie Zucker, Kaffee, Öl oder Energiegetränken Handel trieb. Die Polizei behauptet, sie habe dem Staat einen Schaden von fast 22 Millionen EUR zugefügt – über eine Million an hinterzogenen Steuern und 21 Millionen aus rückerstatteter Mehrwertsteuer. Der Fall geriet auch wegen der möglichen Verbindung der Unternehmer zur regierenden Partei Smer in die Medien, schreibt die Wochenzeitung .týždeň. Korruption und Schmiergelder Korruption wird in der ganzen Welt als das größte Risiko für Unternehmungen wahrgenommen. In der Slowakei teilt es sich zusammen mit den Betrugsfällen im Einkaufsprozess den zweiten Platz in der Rangfolge der am häufigsten verübten Delikte in Firmen. Bis 41 % der Unternehmer nehmen an, dass ihrer Firma eine Chance entgangen ist, weil andere sich durch Bestechung und Korruption einen Vorteil verschafft hatten. Ein Schmiergeld wurde laut Umfrage der Beratungsfirmen PwC in den letzten 24 Monaten

von 20 % der slowakischen Gesellschaften verlangt. Da meist der Geschäftspartner ein Schmiergeld verlangt, orientiert sich die Ermittlung gerade in diese Richtung. „Wir wollen die Bindungen zwischen Schlüsselpersonen in den Firmen und ihren Geschäftspartner aufdecken. Wir überprüfen die Buchführung, Banktransaktionen, Vertragsbeziehungen. Wir recherchieren öffentlich zugängliche Informationen über Geschäftspartner und verdächtige Personen, decken auch eventuelle dunkle Machenschaften in der Vergangenheit dieser Akteure auf,“ berichtet Ján Lalka aus der Firma Surveilligence über die Hintergründe der Ermittlungen.

zess oder Bestechung, unterbewerteten. Überbewertet wurde dagegen das Risiko der Cyberkriminalität und des unlauteren Wettbewerbs. Die Beratungsgesellschaft PwC empfiehlt deshalb, sich zuerst auf die Überprüfung derjenigen Bereiche zu konzentrieren, die der Betrugsgefahr am stärksten ausgesetzt sind. „Unsere Erfahrungen weisen darauf hin, dass Betrugsdelikte im Durchschnitt erst zwei Jahre nach der Begehung aufgedeckt werden. Ein absolutes Muss ist deswegen ständige konsequente Kontrolle. Da auch dies nicht hundertprozentig sicher ist, empfehlen wir den Organisationen die Einführung von Mechanismen zur

Quelle: Globale Umfrage der Beratungsfirmen PwC

Hohe Schäden Bis zu 42 % der slowakischen Firmen bewerteten den Verlust infolge Betrugs auf mehr als hunderttausend USD, 8 % sogar als über 5 Millionen USD. Festgestellt wurde, dass die Befragten selbst das Risiko der häufigsten Betrugsdelikte, wie Veruntreuung, Betrug im Einkaufspro-

Aufdeckung von Betrügereien, wie es zum Beispiel die analytischen Datentests oder das System der fortlaufenden Betrugsaufdeckung sind, “ sagt Pavol Jankech, Senior Manager der Abteilung für forensische Technologien bei PwC.

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