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SAG ES MIT BLUMEN
Mag. Eva-Maria von Schilgen-Arnsberg
„Da mir Worte immer fehlen Ihnen zu sagen, wie lieb ich Sie habe, schick’ ich Ihnen die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.“ Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) bedeutendster deutscher Dichter, Naturwissenschaftler und Staatsmann
ereits in der Antike verwendeten gebildete Griechen in der Rhetorik Formulierungen mit Blumen, denen man bestimmte Aussagen zuordnete. Und aus dem lateinischen Begriff „flosculus“ (Blümchen) entstand das deutsche Wort „Floskel“ (veraltet: Redeblume) für eine banale Redewendung, die man meist nur aus Höflichkeit gebraucht. B
Seit dem 16. Jahrhundert ist im Deutschen das Sprichwort „Sag es durch die Blume“ bekannt, und zwar sowohl im positiven Sinn als auch in der Bedeutung, bei schlechten Nachrichten den Empfänger behutsam zu behandeln. Im Gegensatz dazu drückt „etwas unverblümt sagen“ aus, Kritik ohne Rücksichtnahme zu äußern. Jedoch sollte sich derjenige nicht wundern, wenn er daraufhin ein spitzes „Danke für die Blumen“ zur Antwort erhält.
Die englische Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu, welche durch ihre geistreichen Briefe aus der Türkei an historische Persönlichkeiten Weltruhm erlangte, schrieb Anfang des 18. Jahrhunderts über die Bedeutung, die jeder Blüte im Orient zugesprochen wurde. Durch ihren Ehemann, den englischen Botschafter am osmanischen Hof in Istanbul, hatte sie Zugang zum Harem des Sultans erhalten und dort die Kunst der Verständigung durch Blumen entdeckt. Ihr Werk „Briefe aus dem Orient“ löste im puritanischen England des 19. Jahrhunderts einen wahre Blumen-Hype aus, denn nun konnten sich Liebende „wortlos“ und züchtig ihre Gefühle offenbaren.
Aber auch die Art, wie die Blumen überreicht wurden sowie ob und wo die Beschenkte das Bouquet am Kleide befestigte, hatte Bedeutung. Wurde ein Sträußchen links über dem Herzen angesteckt, erwiderte die Beschenkte die Zuneigung; trug sie dieses hingegen im Haar, hatte der Geber bei der Angebeteten keine Chance. Zwar kennen viele Damen – denn Blumen werden grundsätzlich nie an einen Herrn verschenkt – kaum mehr die Bedeutung der Blumensprache, dennoch gilt es einiges zu beachten, wenn Sie Blumen als Geschenk mitbringen. Rote Rosen dürfen nur Liebende verschenken, weiße, rosa, blaue oder lilafarbene Rosen assoziieren hingegen weder Leidenschaft noch Liebe. Weiße Blumen bedeuten an und für sich Reinheit und Vornehmheit, jedoch gelten weiße Blumenarten wie Astern, Callas, Chrysanthemen, Hortensien und Lilien als böses Omen, ja sogar als „Todesahnung“, insbesondere am Krankenbett. Die Farbe Gelb steht für Freundschaft, aber auch für enttäuschte Liebe und Eifersucht. Blaue Blumen symbolisieren Treue, rosafarbene Zärtlichkeit und Romantik.
Zu beachten ist auch die Anzahl der Schnittblumen. Außer bei Jubiläen sollten diese in ungerader Zahl – ausgenommen die 13 – gebunden sein. Eine einzelne rote Rose bedeutet: „Du bist meine Auserwählte.“ Drei rote Rosen sagen: „Ich bete dich an.“ Bei fünf roten Rosen versteht die Beschenkte: „Du bist vollkommen.“
Überreicht wird ein Blumenstrauß immer ohne Verpackungspapier. Die Beschenkte wiederum platziert diesen gut sichtbar für den Geber im Raum. Bei größeren Einladungen zeugt es von gutem Stil, die Blumen am Vortag mit einer persönlichen Grußkarte senden zu lassen, auch um der Gastgeberin die Möglichkeit zu geben, diese in Ruhe zu dekorieren. Ebenso kann man sich nach einer Einladung mit einem Blumengruß und Brief bedanken. Topfpflanzen sind ein No-Go, es sei denn, man(n) weiß, dass sie erwünscht sind.
Nach mehr als 40 Jahren in seinem Beruf, die meisten davon in seiner Heimatstadt Salzburg, ist Haubenkoch Richard Brunnauer ein Urgestein der hiesigen Gastroszene. Gäste schätzen seine auf’s Wesentliche reduzierten Gerichte der österreichischen Küche – die Speisekarte hie und da um internationale Einflüsse ergänzt.
Vor nunmehr acht Jahren hat sich der Salzburger den Traum der eigenen kulinarischen vier Wände erfüllt. Seit 2017 ist er im Nonntal anzutreffen. Unweit der Altstadt, in den historischen Gemäuern einer Ceconi Villa, wird pure Leidenschaft serviert. Hier geht es nicht nur um Kochen, Essen und Trinken. Das Brunnauer-Erlebnis, das so viele Gäste wiederkehren lässt, beginnt bereits bei Betreten des Lokals. Die prachtvolle Eingangstür wirkt als zeitloses Genussportal in eine Welt fern der Hektik. Bereits die herzliche, persönliche Begrüßung durch die Dame des Hauses, Sybille Brunnauer, sorgt für ein wohliges Ankommen. Rundherum kümmert sich das Serviceteam ausgesprochen freundlich, zuvorkommend und zurückhaltend zugleich um das persönliche Befinden. Jeder Handgriff sitzt und trotz gut gefülltem Hause, wird sich jedem Gast mit absoluter Aufmerksamkeit gewidmet.
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Es scheint als kennt man sich im Brunnauer, ein Nicken hier, ein Grüßen dort und zwischendrin kurz ein paar nette Worte an der Bar gewechselt. Man möchte es fast als Wohnzimmeratmosphäre bezeichnen, mit der willkommenen Zugabe, dass man nicht selbst für das leibliche Wohl Sorge tragen muss. Das übernehmen Richard Brunnauer und sein Team, das ihm bereits seit Jahren die Treue hält. Auch das spricht für die Seele dieses Hauses. Hier wird nicht nur zusammen gearbeitet, sondern Gastronomie gelebt. Eine ausgesprochene Harmonie, die in angenehmer und ruhiger Atmosphäre zum Ausdruck kommt.
Umrahmt wird der Restaurantbesuch von äußerster Professionalität, die trotz Haubenniveau Platz für spürbares Wohlwollen und Leichtigkeit lässt. Es ist wohl diese seltene Kombination aus gehobener Klasse und ehrlicher Menschlichkeit, die den Großteil der Gäste wiederkehren lässt.
Und wer jetzt bereits am Hörer sitzt, um einen Tisch zu reservieren, der sei gewarnt: Absolute Wiederholungsgefahr. Bei Familie Brunnauer kommt man als Gast und geht als Freund!