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Neue Start-up-Storys
Digitalisierung – Allein in der Schweiz beweisen über 350 PropTechs ihren Ideenreichtum und Erfindergeist. Einen Eindrck der bahnbrechenden Innovationen dieser Szene geben die folgenden PropTechs.
Von Mathias Rinka – Fotos: zVg
Luucy: Digitales Werkzeug für die Stadtplanung
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Mark Imhof, Luucy
Ein Grossprojekt in Zürich wirft seine Schatten voraus. In ihrem Bildungsstadtviertel plant die Universität Zürich (UZH) den Neubau «Forum UZH». Die Hochschule und das begleitende Basler Architektur- und Planungsbüro Herzog & de Meuron spannen bei diesem Prestigeprojekt mit dem Luzerner PropTech Luucy zusammen, das neue digitale Möglichkeiten bei der Analyse, Planung und Entwicklung von Bauprojekten bietet. Konkret geht es dabei um die visuelle Darstellung der künftigen baulichen Standortentwicklung. «Die Darstellung der Bauvorhaben im grossflächigen digitalen 3D-Modell hilft allen Involvierten, sich im komplexen Umfeld des Quartiers zurechtzufinden. Zugleich ist es eine ideale Gesprächsgrundlage für die weiteren Schritte», erklärt Luucy-CEO Mark Imhof. Dabei kooperiere die digitale Plattform eng mit der städtischen Direktion Immobilien und Betrieb. Herausgekommen ist ein Planungsprodukt, welches das Ausmass der Bauvolumen im städtischen Kontext der Limmatmetropole überprüfen und beurteilen kann. Für die Kommunikation mit Fach- und Branchenakteuren sowie mit der Öffentlichkeit hat sich die UZH entschlossen, eine Filmsequenz direkt auf der Luucy-Plattform zu erstellen und öffentlich zugänglich zu machen. Diese bietet einen digitalen Rundgang im zukünftigen Universitätsviertel, bei dem auch weitere geplante Bauprojekte, etwa für die medizinische Forschung, dargestellt sind. Darüber hinaus zeigt der Film allfällige weitere Areale für neue Gebäude. «Da sich die Bauvorhaben an einer weithin sichtbaren Lage befinden und ihre Ausstrahlung für die Umgebung von grosser Bedeutung ist, erhält die adäquate Überprüfung im Gesamtkontext ein besonderes Gewicht», sagt Imhof. Sein digitales Wunderwerkzeug erarbeitet aus dem vorhandenen Architektur- und Datenmaterial sowie mit aktuellen Geometerdaten ein Geländemodell, in dem Analysen und grobe Volumenstudien möglich werden. Die Luucy-Software enthält alles Wichtige, was es zum Planen und Entwickeln von Immobilienprojekten braucht: die Topografie vor Ort einschliesslich bestehender Gebäude, baurechtliche Grundlagen, amtliche Vermessungsdaten, Karten und weitere diverse Werkzeuge. «Der Vorteil mit Luucy für Bauherren, Planer und Grundeigentümer: Schon weit vor dem Entwurfsstadium eines Bauprojekts kommt unsere digitale Lösung zum Einsatz und zeigt mögliche Bauvarianten und Optimierungspotenziale auf», so Imhof. Luucy unterstütze zugleich Behörden und Bauämter, so zum Beispiel bei der Überarbeitung von Bau- und Zonenordnungen oder in der Gemeindeentwicklung.
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Raumpioniere: Potenziale ohne Bauland
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Attila Färber, Raumpioniere
«Verdichtungspotenziale im Gebäudebestand aufzeigen» ist das Kerngeschäft des St.Galler PropTech-Start-ups Raumpioniere. Die Firmengründer Atilla Färber und Christoph Giger zielen mit ihrer Geschäftsidee klar auf die aktuellen Bedürfnisse im Immobilienmarkt ab. «Bauen ohne Land» nennt es Attila Färber. Mittels sogenannter Potenzialanalysen zeigt sein Raumpioniere-Team mögliche Verdichtungen und Optimierungen von Bestandesliegenschaften auf. Der Architekt der FHS St.Gallen und Serial Entrepreneur verspricht seit 2021, «per Knopfdruck und mittels KI-basiertem Algorithmus» Ausbaupotenziale aufzuzeigen. In Zeiten von begrenztem bzw. teurem Bauland stellt sich an vielen Orten die Frage nach einer optimaleren Ausnutzung von vorhandenen Immobilien. Für Färber hat die Raumpioniere-Geschäftsidee auch eine soziale und gesellschaftliche Komponente: «Die wachsende Schweiz mit ihrer begrenzten Zahl an freien Baugrundstücken muss sich – vor allem in den Grossstädten – weiter nach oben entwickeln. Nur so können wir unsere Natur- und Kulturlandschaft schützen und allen Menschen genügend Erholungs- und Grünräume bieten.» Gibt man auf der Online-Plattform bauenohneland.ch eine Schweizer Adresse ein, erhält man innert weniger Sekunden Vorschläge für eine Immobilienaufwertung, eine Verdichtungsstrategie sowie An- und Ausbaumöglichkeiten. Die Raumpioniere nutzen öffentlich zugängliche Daten, wie etwa Angaben zur Grundstücksfläche, zur Gebäudekategorie, zu vorhandenen und möglichen Volumen, zur Grundstücksparzelle oder das Baujahr einer Liegenschaft, erläutert PropTech-Mitgründer Christoph Giger. «Wir berücksichtigen dabei auch die verschiedenen Baureglemente der Gemeinden.» Denn nur so gelinge es, Eigentümern und Bauherren wirklich realistische Vorschläge zu unterbreiten, so Giger. «Wir Raumpioniere treten jetzt mit neuen Ideen, Konzepten und Herangehensweisen an. Unser Ziel mit unseren Analyse-Tools ist eine innovative und zeitgemäss-nachhaltige Raumentwicklung.» Mit dieser speziellen «Digitalisierungsstrategie für den Schweizer Gebäudepark» wollen Färber und sein Team «eine Art Google für Immobilien» werden. Verdichtungsmassnahmen würden «so simpel wie das Bestellen von Pizzas» – dank der möglichen Sanierungs-, Verdichtungs- und Nutzungsstrategien, welche die St.Galler Raumpioniere aufzeigen. «Bauen auf der grünen Wiese war gestern», fügt Färber hinzu. Angesichts des zunehmenden Drucks auf den Siedlungsraum sowie der steigenden Wohnungsnachfrage seien Verdichtung und Bauen «gegen innen» zentrale und zukunftsorientierte Lösungsansätze sowie «die einzige Chance, die weiter fortlaufende Zersiedelung der Schweiz zu bremsen».
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Aure Group: Modular bauen, flexibel nutzen
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Tatiana Vogt, Aure Group
«Wir wollen in Zukunft führend sein beim modularen Bauen von flexiblen gewerblichen Immobilien», sagt Tatiana Vogt, CEO der Aure Group. Ihr erstes visionäres Bauprojekt dieser Art soll in Gurtnellen im Kanton Uri entstehen. Tatiana Vogt sowie Gründer Alex Kucheruk und Chief Technology Officer Slava Makaroff sind seit über zehn Jahren im Immobilienbusiness tätig. Während Vogt bei vielen Transaktionen in der Schweiz an ausländische Investoren beteiligt war, gründete Kucheruk eine Reihe von IT-Solution-Start-ups für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Eines davon bietet digitale Lösungen für das Infrastruktur-, Property- und Facility-Management in BIMProjekten an. Für die Gründung der Aure Group haben sich Vogt und Kucheruk mit Slava Makaroff zusammengetan. Er ist Experte für Projektmanagement sowie Bau- und Entwicklungstechnologien und realisierte als Projektleiter mehrere Grossprojekte bei der Strabag AG. Zu der realisierten Gesamtfläche von mehr als 500.000 Quadratmetern sollen nun im Kanton Uri einige weitere Tausend hinzukommen. So plant die Aure Group in der Urner Gemeinde Gurtnellen im mittleren Reusstal den Neubau modularer Immobilien mit flexiblen Nutzungsarten im Wohn- und Gewerbebereich. «Das Angebot reicht von Coworking-Flächen als Büros bis hin zu temporären Wohnungsnutzungen. Seien es Hotelapartments oder zeitlich befristete Long-Stay-Nutzungen im Wohnsegment. Wir können sehr flexibel reagieren und bieten so einen besonderen Mehrwert an jedem Standort», erklärt Tatiana Vogt. «Ein weiterer Fokus liegt bei uns auf neuster Technologie und nachhaltigem Design. Unsere Modulargebäude weisen geringe CO2-Emissionen und eine sehr gute Energie- und Ressourceneffizienz auf. Mieter können zudem per App oder Website leicht Räume und Nutzungsart wählen und erhalten Zugang zu den Immobilien via Smartphone.» Das 1.500 Quadratmeter grosse Baugrundstück in Gurtnellen wurde u.a. wegen der Nähe zum Tourismusstandort Andermatt ausgewählt. «Dort haben wir genau jene Schnittmenge von Zielgruppen, die sich für unser flexibles Nutzungskonzept eignen: etwa Beschäftigte in der von Samir Sawiris konzipierten Feriendestination, die im Ort selbst keinen günstigen Wohnraum finden, oder Reisende, die in die Berge wollen, aber sich dort oben kein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel leisten können», sagt Kucheruk. In den Erdgeschossen der modularen Immobilien soll es Raum für Retail- und Gastronomienutzungen geben. Auch bei der Finanzierung beschreitet Aure neue Wege: Hier bietet das Unternehmen sogenannte Credit Linked Notes (CLN) als Anlageinstrument an. Dabei handelt es sich um einen privaten Darlehensvertrag, der direkt mit der Aure Group AG als Bauherr abgeschlossen wird. Die Inhaber der CLN erhalten jährliche Zinszahlungen ihres Investments auf Basis der Mieterträge. Zudem werden die investierten Mittel für weitere grüne und nachhaltige Bauprojekte von Aure in Übereinstimmung mit den Green Bond Principles verwendet.
Properti: Digitale Maklerplattform hebt ab
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Levent Künzi, Properti
Im November 2019 machten sich die Brüder Levent und Adrian Künzi offiziell ans Werk, das Maklerbusiness mit ihrem PropTech zu revolutionieren. Heute, gut zwei Jahre später, haben sie schon viel erreicht. In den Jahren 2020 und 2021 wurden bereits über 1.600 Immobilien über ihre Plattform vermittelt. Das auf den Verkauf und die Vermietung von Wohnimmobilien spezialisierte Schweizer Unternehmen startete zunächst mit knapp zehn Mitarbeitenden am Standort Horgen – und beschäftigt inzwischen 107 Mitarbeitende an zwölf Standorten. Im vergangenen November bezog man den neuen Hauptsitz an der Flurstrasse in Zürich-Altstetten. Im Dezember 2021 folgte eine erfolgreiche SeedFinanzierungsrunde mit einem Volumen von 1,25 Millionen Schweizer Franken. «Das frisch gewonnene Kapital soll vor allem für die Weiterent-
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wicklung der eigens entwickelten digitalen Plattform eingesetzt werden», sagt CEO und Co-Founder Levent Künzi. Sein Ziel: «Die Abwicklung von Immobiliengeschäften und allen dazugehörigen Transaktionen zu vereinfachen und transparent auf einer Plattform zu bündeln.» Bis zu 80 Prozent der Prozesse liefen bereits automatisiert, so der Gründer. «Mit dem aus der Finanzierungsrunde gewonnenen Kapital, dem richtigen Netzwerk und den Fortschritten unserer Technologie kommen wir dem Ziel einer führenden transaktionsbasierten Plattform im Ökosystem Wohnen näher», sagt Levent Künzi. Jetzt gelte es, die technologischen Projekte weiter zu vertiefen und die internationale Skalierung anzupeilen. Das Zürcher PropTech definiert sich als TechPlattform, die Kunden, Maklern und Service-Partnern alle Werkzeuge für ein erfolgreiches Geschäft an einem digitalen Ort bereitstellt. Durch den Plattformgedanken würden wiederkehrende und bis dato manuell getätigte Aufgaben des Maklergeschäfts erheblich reduziert. Dazu zählten unter anderem das Erstellen von Exposés, Immobilienbewertungen, Insertionen auf Immobilienportalen, Besichtigungen mittels Virtual Realitiy und auch Social-Media-Inhalte. Hinzu komme das regionale Angebot aller Services rund ums Wohnen: über Reinigungsarbeiten, Umzug und Reinigung bis hin zu Vorsorge und Finanzierungslösungen. Zudem soll das Asset Immobilie in einem speziell für Eigentümer eingerichteten Cockpit abgebildet werden. «Dieses liefert detaillierte Einblicke zum aktuellen Ist-Zustand sowie zur Rentabilität der Immobilie. Informationen zu Mieteinnahmen, Marktpreisen, anfallenden Renovationen und möglichen Investitionen können rund um die Uhr abgerufen werden.» Damit automatisiere Properti nicht nur die Prozesse innerhalb von Verkauf, Vermietung und Verwaltung, sondern sei auch eine der ersten Endto-End-Plattformen, die transaktionsbasierte Dienstleistungen in die Prozessautomatisierung mit aufnimmt, sagt Künzi. Für diese Services bezieht das schnell wachsende PropTech eine Gebühr bzw. einen Teil der Courtage.»
Huperty: «Wachstum gemäss Roadmap»
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Stefan Kästli, Huperty.
Mehrere Millionen Franken hat das 2019 gegründete Zürcher PropTech-Start-up Huperty kürzlich bei privaten und institutionellen Investoren eingesammelt. Gründer und CEO Stefan Kästli will das Kapital für die Entwicklung der Services rund um das digitale Immobilienmanagement nutzen: «Mit den neuen Mitteln können unser Wachstum sowie die geplante Roadmap umgesetzt werden. Der stark steigenden Nachfrage an digitalen sowie automatisierten Lösungen entlang des Immobilienlebenszyklus können wir so auch in einer hohen Geschwindigkeit gerecht werden.» Diese Finanzierungsrunde ermögliche es, bestehende Produkte gemeinsam mit Kunden und Partnern zu optimieren und weiterzuentwickeln. Mit dem Know-how sowie dem Netzwerk der mit an Bord geholten Investoren aus der Immobilienwirtschaft gewährleiste man die Weiterentwicklung «auf einem weiterhin hohen Niveau». Unter den Investoren finden sich u.a. Branchenakteure und Professionals wie Marcel Schneider, CEO der Nova Property Fund Management AG, und Peter Mettler, der CEO von Mettler2Invest.
Dreh- und Angelpunkt bei Huperty ist ein digitalisiertes und automatisiertes Ökosystem für das Immobilienmanagement. «Mit der erfolgreich abgeschlossenen Kapitalerhöhung wollen wir nun die komplexen und zeitaufwendigen Standardprozesse der Immobilienbewirtschaftung komlett in unserer Softwarelösung abdecken», so Kästli. Dabei gelte es, die neuen Herausforderungen der Immobilienverwaltungen im digitalen Zeitalter anwenderfreundlich, zukunftsorientiert und gewinnbringend für alle Beteiligten zu gestalten. Neben den Immobilienverwaltungen decke Huperty nun nach und nach auch die Bedürfnisse von Eigentümern, des Asset-Managements und von Dienstleistern ab. Für die Weiterentwicklung der PropTech-Software wurden im Herbst 2021 weitere Experten in das Advisory Board von Huperty geholt. Dazu zählen Prof. Dr. Michael Trübestein, Studienleiter Immobilien an der Hochschule Luzern, und Matthias Flückiger, Portfoliomanager der SFP AST Swiss Real Estate. Weitere Board-Mitglieder bei Huperty sind Bruno Bächi, CEO der H&B Real Estate AG, Christophe Beer von der Bricks AG sowie Dr. Ralf Bellm von der Bettr AG. Das neunköpfige Advisory Board komplettieren die Immobilienexperten Bettina Gebhardt, Patrick Geering, Andreas Savidis und Christian Schmid. «Mit der Kapitalerhöhung und den zusätzlichen Millionen sind wir für die Zukunft gut aufgestellt», erklärt Kästli stolz. So könne Huperty das Thema einer digitalen Lösung für das Immobiliengeschäft, bei der alle relevanten Partner rund um die Immobilie involviert sind, weiter vorantreiben. «Damit kommen wir unserem Ziel näher, eine digitale Lösung für alle Stakeholder entlang der Immobilie anzubieten – individuell anpassbar und auch auf andere Märkte ausserhalb der Schweiz anwendbar.»
Neho: Immobilienverkauf ganz transparent
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Eric Corradin, Neho
Die vor fünf Jahren gestartete Immobilienagentur Neho hat in der Zwischenzeit Transaktionen im Wert von mehr als zwei Milliarden Franken begleitet. Ihr Versprechen: die Verkaufsvermittlung zum Festpreis und ohne übliche Provisionen. «Neho wurde 2017 in Lausanne gegründet und ist somit die erste provisionsfreie Immobilienagentur der Schweiz», erklärt Eric Corradin, CEO und CoFounder. Als «Immobilienagentur 2.0» basiere das neue Geschäftskonzept auf einer fairen und transparenten Lösung für den Verkauf von Immobilien. Dies könne ein Haus, eine Wohnung oder ein Baugrundstück sein. Die Idee zu dem innovativen Maklerkonzept sei bereits fünf Jahre vor der eigentlichen Gründung von Neho entstanden: als Florent Bourachot, einer der vier Gründer, während seiner Tätigkeit bei der Delarive-Gruppe Erfahrungen auf dem Immobilienvermittlungsmarkt sammeln und wichtige Einblicke gewinnen konnte. Bourachots Quintessenz von damals: Der Markt habe sich seit sehr vielen Jahren nicht weiterentwickelt. «Während sich die Immobilienpreise in der Schweiz in über 20 Jahren mehr als verdoppelt haben, sind die Provisionen der traditionellen Agenturen mit rund 3,25 Prozent nach wie vor sehr teuer und wie in Stein gemeisselt.» Ein weiteres Fazit der beiden Mitgründer: «Die Provisionen sind gestiegen – trotz der Einführung neuer Technologien, welche die Entwicklung und Sichtbarkeit einer zum Verkauf stehenden Immobilie erleichtern.» Das Geschäftskonzept der Vergangenheit schöpfe seine Stärke aus ganz traditionellen Ineffizienzen. Die leistungsbezogenen Vergütungen führten oft zu einer erheblichen unbezahlten Arbeit. Eine sehr bemerkenswerte Zahl in diesem Zusammenhang: «Im Durchschnitt wird nur jedes dritte Mandat tatsächlich abgeschlossen – und damit auch bezahlt», so Corradin. «Im Zeitalter des Internets, in dem mehr als 95 Prozent der potenziellen Kunden online geworben
werden, sind diverse hohe Fixkosten nicht mehr notwendig», sagt Corradin. Doch vielerorts werden diese unnötig hohen Fixkosten immer noch direkt an den Kunden weitergegeben. «Dieser bezahlt letztlich einen sehr hohen Preis für nicht verkaufte Mandate anderer.» Neho setze diesen Ineffizienzen ein Ende und gebe dem Eigentümer die Kontrolle über die Kosten zurück. Unabhängig von Art, Grösse und Lage der jeweiligen Liegenschaft, berechnet das Lausanner PropTech eine Festpauschale in Höhe von 9.500 Schweizer Franken. Dies werde durch die effiziente Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen ermöglicht, so Corradin. Ein bestimmter Punkt bleibe jedoch von wesentlicher Bedeutung und stehe weiterhin im Mittelpunkt des Angebots von Neho. «Unsere eigenen angestellten lokalen Makler nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung, um mehr Zeit in die Kundenbetreuung zu investieren und Dienstleistungen dort anzubieten, wo der menschliche Faktor notwendig und unverzichtbar bleibt.» Dies zeige sich bei allen der über 80 Mitarbeitenden in den 22 regionalen Niederlassungen schweizweit.
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Realcube: Datentransparenz für die ESG-Strategie
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Dr. Uwe Forgber, Realcube
Das im DACH-Raum aktive Münchner Technologieunternehmen Realcube bietet eine CloudPlattform zur Verknüpfung der relevanten PropTech-Tools und digitalen Lösungen für das Immobilienmanagement. Neu steht auch ein ESGDashboard zur Verfügung. «Die Datentransparenz ist für jedes Unternehmen ein unverzichtbares Gut», sagt Realcube-CEO und Co-Founder Dr. Uwe Forgber. «In der Immobilienwirtschaft und vor allem ganz konkret beim Management von Gebäuden sehen wir aber leider immer noch viele Silolösungen und als Folge keine funktionierende aggregierte Datenauswertung.» Dies betreffe insbesondere den vielerorts immer noch mangelhaften und intransparenten Datenfluss zwischen dem Asset-, Property- und Facility-Management. Mit Blick auf die zum Jahresbeginn 2022 in Kraft getretenen neuen EU-Taxonomien im Bereich Nachhaltigkeit und Energieverbrauch seien die Themen Environmental, Social and Governance (ESG) noch deutlicher in den Vordergrund gerückt, erklärt Forgber. «Ein nachhaltiges und ESG-konformes Immobilienmanagement ist jedoch ohne aktuelle und nachvollziehbare Daten gar nicht möglich. Energieverbräuche und viele weitere KPIs in Echtzeit analysieren zu können ist für die digitalisierte Immobilienbranche der Schlüsselfaktor.» Mit dem offenen, cloudbasierten Angebot biete Realcube Eigentümern und Betreibern von Immobilien eine innovative Plattform für die smarte und flexible Digitalisierung und ESG-Konformität im Immobilienmanagement. Mit einem standardisierten Datenmodell und offenen Schnittstellen mittels API (Application Programming Interface) integriert das Realcube-Developer-Team die Daten unterschiedlicher Anwendungen und Systeme, die bei Immobilienunternehmen und deren Dienstleistern im Einsatz sind. Ein prominentes Pilotprojekt ist gerade zum Jahresanfang 2022 mit der Bonainvest AG und zwei der grossen Schweizer Immobilienmanagement-Softwareanbieter aufgegleist worden. «Über das Realcube-Ökosystem und seine Schnittstellentechnologie lässt sich nahezu jede PropTech-Anwendung anbinden. So lassen sich beispielsweise Daten aus der Gebäudenutzung und dem Gebäudebetrieb quasi in Realtime auswerten», sagt Forgber. Dies sei aktuell vor allem hinsichtlich der ESG-Konformität der Immobilien unabdingbar. Eigentümer und Betreiber können die jeweils für sie relevanten Immobiliendaten nutzen. Durch die neue Transparenz und KI-gestützte Korrelationen würden Entscheidungen schneller und Vorhersagen über künftige Entwicklungen exakter getroffen. «Unsere jüngste Entwicklung ist das ESG-Dashboard. Damit können Asset-Manager die Betriebskosten senken und den Dekarbonisierungspfad von Gebäuden letztlich konkret steuern», so der Realcube-Gründer. «API-sicher und ESG-konform im Immobilienmanagement das volle Potenzial der Digitalisierung nutzen – das ist das Gebot für alle Handelnden der Immobilienbranche.» •
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Digitalisierung bedeutet Effizienz
Interview mit Giuseppe Giglio, Chief Digital Officer bei der Steiner AG
Weshalb sollte sich ein Unternehmen mit der Digitalisierung auseinandersetzen? Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen, welche die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, von signifikanten Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen profitieren können. Ich denke da an Themen wie die Echtzeitüberwachung in der Projektabwicklung oder die Automatisierung im Marketing für die Kundengewinnung.
Wie glauben Sie, dass die Technologie die Immobilienwirtschaft beeinflussen wird? Im Wesentlichen beobachten wir derzeit vier Entwicklungen. Erstens die Verschmelzung der physischen mit der virtuellen Welt. Diese wird sich künftig noch stärker intensivieren. Datenplattformen, die allen Akteuren zur Verfügung stehen, tragen zur Steigerung der Transparenz, zur Reduktion von Risiken und zur Verbesserung der Produktivität und Qualität bei. Zweitens erfordert eine bessere Zusammenarbeit eine Art «Club-Organisation», um in diesem risikoaversen Ökosystem die unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Bedürfnisse gemeinsam zu überbrücken. Die Methode der integrierten Projektabwicklung (IPD) liefert dazu erste gute Ansätze. Drittens bin ich überzeugt, dass sich BIM weiter in Richtung 6-7D entwickelt und sich gleichzeitig von grösseren auch auf kleinere Projekte ausweiten wird. In diesem Zusammenhang bleibt die Integration
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Das Glasi-Quartier, welches derzeit in Bülach entsteht, wurde ausschliesslich nach der BIM-Methode geplant und realisiert. Giuseppe Giglio, Chief Digital Officer
des Gebäudebetriebs jedoch eine grosse Herausforderung. Viertens drängt eine neue Generation von PropTechs in den Markt und etablierte Mitwerber aus dem Ökosystem werden verdrängt. Diese neue Gilde von Technologieunternehmen hat einen klaren Fokus auf Skalierung. Zudem sind diese Player oft mit viel Kapital ausgestattet und haben keinen Respekt für den Status quo.
Steiner hat vor einem Jahr ein Digital Office ins Leben gerufen. Welche Absichten verfolgt das Unternehmen damit? Wir wollen einerseits digitale Lösungen und Services anbieten, die den gesamten Lebenszyklus von Immobilien abdecken. Andererseits wollen wir die Kollaboration und Produktivität aller an Immobilienprojekten Beteiligten verbessern und dadurch die Projektrealisierung beschleunigen. Abschliessend verfolgen wir auch das Ziel, unsere Partner und Kunden bei der eigenen digitalen Transformation mit unserem Know-how zu unterstützen.
Wie sehen Ihre Lösungen für Ihre Partnerunternehmen konkret aus? Die Palette reicht heute von umfangreichen BIM-Koordinationsleistungen, über Visualisierungen bis hin zu Trainings & Coachings mit unserer Steiner BIM Academy. Noch in diesem Jahr wollen wir unsere Palette mit eigenen technologischen Anwendungen ergänzen. Wir denken da an digitale Plattformen und Apps für die Planung, den Bau und den Betrieb von Immobilien.
Steiner war ja bisher als Immobilienentwickler und TU/GU bekannt, verfügt man da wirklich über die erforderlichen Kompetenzen, um nun ein Digital Leader zu werden? Ich bin fest davon überzeugt, dass sich im Zuge der digitalen Transformation jedes Unternehmen ein Stück weit neu erfinden muss. Wenn es einem etablierten Unternehmen gelingt, seine bewährten Praktiken und sein Wissen in die neue Welt zu übertragen und mit neuen Ideen anzureichern, kann dabei sehr viel Kraft und Potenzial entfaltet werden. Deshalb bin ich überzeugt, dass ein traditionsreiches Unternehmen wie die Steiner AG die erforderlichen Voraussetzungen mitbringt, um ein Digital Leader zu werden. Eine solche Weiterentwicklung wünsche ich mir übrigens auch für andere Immobilienunternehmen in der Schweiz – denn nur, wenn das gesamte Ökosystem einen Schritt nach vorne macht, profitiert die ganze Branche und im Endeffekt auch die ganze Schweiz von den Vorzügen der Digitalisierung.
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Die Komplexität von digitalisierten Prozessen stellt auch hohe Anforderungen an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Welche Voraussetzungen müssen diese erfüllen? Das ist richtig, wobei bei diesem Thema die Arbeitgeberseite genauso gefordert ist wie diejenige der Arbeitnehmenden. Innovative Unternehmen müssen zwingend in die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Mitarbeitenden investieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei der Rekrutierung frischer Talente sind Eigenschaften wie Neugier, Mut und Kundenorientierung ebenso entscheidend wie die technischen Fähigkeiten.
Steiner AG
Hagenholzstrasse 56 CH-8050 Zürich www.steiner.ch