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Ökosysteme auf dem Vormarsch

Proptechs – Die Schweizer Immobilienbranche befindet sich in einem Zeitenwandel. Digitale Plattformen sind auch hierzulande en vogue – mit unbestimmtem Ausgang für viele angestammte Marktakteure.

Von Mathias Rinka

Gut ein halbes Jahr ist es nun her, dass sich unter dem Namen SMG Swiss Marketplace Group eine neue Gruppe formierte. In dem neuen SMG-Haus finden sich jetzt die bekannten Plattformen acheter-louer.ch, anibis.ch, AutoScout24, Car For You, FinanceScout24, home.ch, Homegate, icasa.ch, ImmoScout24, ImmoStreet.ch, Moto«Es ist keine Floskel, wenn ich sage, es Scout24, Ricardo sowie tutti.ch. Für die Schweizer Immobilienbranche war dieser Schritt ein Paukenschlag. Werden kommt gerade das doch so rund 80 Prozent des hiesigen Beste aus zwei Geschäfts mit Immobilienanzeigen unter Welten zusammen.» Martin Waeber, SMG Swiss Marketplace Group einem Dach publiziert. Die SMG soll «eine digitale Pionierrolle ausstrahlen und mit wegweisenden Produkten das Leben der Menschen vereinfachen sowie den Erfolg der Kunden vorantreiben», hiess in der Medienmitteilung im November des vergangenen Jahres – vollmundig wie nebulös zugleich.

«Positive Energie in die richtige Bahn lenken»

Zum neuen Group-Leadership-Team der Schweizer Marktplatzgruppe zählt neben Gilles Despas als CEO unter anderen Martin Waeber. Er fungiert neu als Managing Director des Bereichs Immobilien, mit Homegate, ImmoScout24 & Co. unter seiner Regie. Waeber sagte kürzlich im ExklusivInterview mit Lars Sommerer, Managing Director von SwissPropTech, dass er sehr stolz sei auf die neue «Markenpartnerschaft». Neben den bereits genannten Immobilienanzeigenportalen gehören ja auch der Softwareanbieter Casasoft und das Immobilienberatungsunternehmen IAZI zum neuen Konglomerat. «Es ist keine Floskel, wenn ich sage, es kommt gerade das Beste aus zwei Welten zusammen», so Waeber weiter. Es herrsche viel Aufbruchsstimmung, gestand er zugleich ein. Diese müsse jetzt mit einer Strategie unterstützt werden, «damit wir all die positive Energie in die richtigen Bahnen lenken können».

Die Antwort auf globale Meta-Konzerne?

Die Swiss Marketplace Group ist ein Joint Venture von vier Unternehmungen. Die TX Group AG (ehemals Tamedia) hält daran 31 Prozent, das Schweizer Verlagshaus Ringier AG und die Mobiliar jeweils 29,5 Prozent. Vierter im Bunde ist der New Yorker Global-Growth-Equity-Investor General Atlantic mit 10 Prozent. Bei den Stimmrechten setzt man auf Parität: Die vier Aktionäre verfügen hier über jeweils 25 Prozent. «Unser CEO Gilles Despas rechnet mit einem Börsengang in drei bis vier Jahren. Bis dahin wird es eine Menge Arbeit geben», sagt Waeber. Es gelte nun, die besten Lösungen für Kundinnen und Kunden zu entwickeln. «Wir wollen uns nicht auf den Erfolgen der einzelnen Marken bis dato ausruhen, sondern unter dem Dach unseres neuen Konzerns einen grossen Schritt nach vorn gehen.» Die SMG solle sich ihr eigenes Gesicht erst erarbeiten, bevor es schliesslich auf das Börsenparkett gehe, so Waeber. «Unsere Anteilseigner sind sich einig, dass es nicht um schnellen Profit oder Gewinnmaximierung geht. Die SMG ist angetreten, der Digital Hub der Schweiz zu sein. An die Börse zu gehen wird zum richtigen Zeitpunkt die logische Konsequenz sein.» Dies sei auch eine ganz bewusste Strategie gegenüber grossen internationalen Konzernen, erklärt er. «Deren Immobilienangebot im Marketplace umfasst schon heute allein bei den pri-

Dienstleitungspartner

Kooperationspartner

Töchter, Beteiligungen und Joint-Venture-Partner

Systemkern Ökosystem-Owner

vaten Mietinseraten ein Vielfaches des Angebotsvolumens unserer Immobilienportale. Wenn wir auch in Zukunft mit digitalen Plattform-Geschäftsmodellen in der Schweiz Wertschöpfung generieren wollen, dann müssen wir uns die Konkurrenz von Meta oder Google bewusst machen», so Waeber.

Plattform für Handwerker und Bauherren

Stattdessen hat die ConReal Swiss AG mit ihrem Ökosystem in der Bau- und Immobilienwirtschaft ganz klar die Schweizer Brille auf. CEO Stefan Schärer bündelt mit seinem ganz eigenen Ansatz und Fokus. Dieser liegt beim Thema Innenausbau auf einer End-to-End-Lösung, welche vor allem Handwerker und Servicedienstleister nutzen. Als offenes Ökosystem konzipiert, bietet ConReal eine intelligente Software, Community-Leistungen sowie individuelle Lösungen in Toolboxen. «Unser Ziel ist, einen nachhaltigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von kleinen bis mittelgrossen Betrieben zu leisten», sagt Schärer. Ausserdem beteilige sich die Ökosystem-AG mit Sitz in Winterthur an unterschiedlichsten Start-ups und Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche. «Die Voraussetzung: Sie müssen branchenspezifisch einen Mehrwert schaffen», erklärt er. Diese Art der Vernetzung bringe Anspruchsgruppen näher zusammen und biete Leistungen, um den Arbeitsalltag dieser Akteure in der Bau- und Immobilienindustrie zu erleichtern. Die ConReal-Beteiligungen reichen von Allthings über emonitor bis zu Smino und Smartdevis. Zusammen mit den Anteilen an Houzy und neubauprojekte.ch sowie neubaudaten.ch wird das Ökosystem ConReal inzwischen von über 1.500 KMU aus den Branchen Bauhandwerk, Bauherren, Architekten, Vermarktung sowie 60 Herstellern mit ihren 80 Marken genutzt und unterstützt. «Dabei orientieren wir uns an den Werten Commitment, Qualität und Transparenz – denn es soll ein Ökosystem für alle sein», so Schärer. Die Lösung von ConReal biete auf der anderen Seite eine breite Plattform für Endkunden im Bereich Wohnimmobilien. «Hier finden diese Inspiration, über das Designkonzept bis hin zur Warenbestellung und Logistik für ihr Wohnprojekt.»

Potenziale bei der Hypothekarvermittlung

Zum Schluss des Ökosystemüberblicks noch ein kurzer Blick auf die beiden grossen mitmischenden Schweizer Versicherungsgruppen. Sie hatten schon 2020/2021 und in den Jahren zuvor für Furore und für viel Bewegung in der helvetischen Immobilien- und PropTech-Welt gesorgt: die Mobiliar – mit Unterstützung von Raiffeisen – und die Baloise – mit dem Support der UBS. Hier standen in den vergangenen Monaten die Zeichen vor allem auf Konsolidierung. Während das Ökosystem Wohnen der Mobiliar das Verschwinden von aroov zugunsten der etablierteren PropTech-Marke Flatfox im Vermietungsmanagement brachte, lotete man etwa aufseiten der UBS und ihrer Hypothekenplattform key4 neue Kooperationen und Verbindungen aus. Dort ging man beispielsweise Partnerschaften mit Moneypark und Finanzscout24 ein, was den grossen Markt rund um die Finanzierung von Bau, Erhalt und Sanierung von Wohneigentum betrifft. In diesem Segment scheint noch viel Potenzial zu stecken, schaut man etwa auf altgediente wie frisch geschlüpfte Marktteilnehmende in diesem Bereich wie Resolve (ehemals ePotek) aus der Westschweiz, HypoPlus by Comparis, Valuu von Postfinance oder auch die im Herbst gestartete Plattform Liiva. Diese wiederum ist ein von Mobiliar gemeinsam mit Raiffeisen ins Leben respektvie in ihr Ökosystem gerufenes Produkt. •

Typischer Aufbau eines Ökosystems

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