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Interview: Fredy Hasenmaile, Credit Suisse Real Estate Economics

«Das Kernteam muss stimmen»

Digitalisierung – Die Schweizer PropTechBranche zeichnet sich weiterhin durch ein starkes Wachstum aus. Doch in dem prosperierenden Markt nehmen auch die Herausforderungen zu, insbesondere für die noch jungen Unternehmen.

Interview: Birgitt Wüst – Foto: zVg

SwissPropTech-Magazin: Herr Hasenmaile, die Schweizer PropTech-Branche ist in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Hält der Boom weiter an? Fredy Hasenmaile: Die Zahl der in der Schweiz tätigen PropTechs wächst nach wie vor. Die von Heinz M. Schwyter geführte PropTech-Map Switzerland zählt aktuell über 360 Einträge, damit weist die Schweiz im internationalen Vergleich eine ausgesprochen hohe Dichte an PropTechs auf. In Deutschland ist deren Zahl beispielsweise nur geringfügig höher – wobei die deutschen PropTechs im Durchschnitt ein deutlich grösseres GePropTechs werden daran gemessen, ob ihre Produkte wicht auf die Waage bringen. Allerdings wächst der Sektor auch hierzlande inzwischen nicht mehr ganz so rasant wie noch bis etwa Mitte 2018. oder Dienstleistungen einen Woran liegt das? Es heisst doch, durch echten Mehrwert für ihre Kunden die Corona-Pandemie sei das Interesse der Immobilienbranche an den Lösungen der PropTechs sehr gestiegen… generieren. Das schon – der Sektor hat erheblich von der durch die Krise beschleunigten Hinwendung der Immobilienbranche zu digitalen Lösungen profitiert. Infolge von Covid-19 sehen viele Marktakteure die digitale Vernetzung nicht mehr als eine «Kann-Option» an, sondern als eine «Muss-Option». In den Geschäftszahlen vieler PropTechs hat die Pandemie nur wenige Spuren hinterlassen: Gemäss unseren Umfragen für den SwissPropTech-Report konnten knapp 80 Prozent dieser Unternehmen während der Pandemie ihre Umsatzzahlen steigern. Dennoch wird es nicht allen gelingen, sich am Markt zu behaupten. Wie bereits erwähnt: Die Dichte der PropTechs in der Schweiz ist aussergewöhnlich hoch, zudem treten ständig neue PropTechs mit ähnlichen oder sogar identischen Geschäftsideen in den Markt ein.

Womit sich die Frage stellt, welche Faktoren für den Erfolg der PropTechs ausschlaggebend sind... Entscheidend ist vor allem der Kundennutzen. Das ist «conditio sine qua non» für den Erfolg eines PropTechs – denn wenn ein PropTech nicht in der Lage ist, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen einen echten Mehrwert für seine Kunden zu generieren, wird eine erfolgreiche Positionierung im Markt wohl aussichtslos sein – egal, wie gut die anderen Erfolgsfaktoren erfüllt werden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das effiziente Management des PropTechs.

Wodurch zeichnet sich ein solches aus? Entscheidend ist ein gut funktionierendes Team, vor allem ein starkes Kernteam. Aufgrund des hohen Wachstums müssen nicht nur beständig neue Kunden zufriedengestellt, sondern auch die Strukturen des PropTechs laufend an andere Bedürfnisse angepasst werden. Das stellt sehr hohe Anforderungen an die Führung. Zu den wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben der Gründer eines PropTechs zählt sicher, im Zuge des Wachstums ein Kernteam aus kompetenten Persönlichkeiten zu formen und diese mit den richtigen Anreizen an das Unternehmen zu binden. Gründer müssen lernen, andere Mitglieder des Kernteams an den Entscheidungen partizipieren zu lassen. Ein Gründer muss nicht nur ein Visionär, ein kreativer Kopf sein und Mut haben, er braucht auch eine hohe Frustrationstoleranz.

Welche Kriterien fallen noch ins Gewicht? Die Skalierbarkeit. Die Expansionsfähigkeit des Geschäftsmodells – durch Ausweitung der Kapazität eine höhere Effizienz und Profitabiltät zu erreichen – ist ein Schlüsselfaktor. Gewisse Geschäftsideen erlauben es einem PropTech, sich am Markt zu behaupten, bieten ihm allerdings kaum die Aussicht, jemals zu einem grossen Technologieunternehmen aufzusteigen. Eine geringe Skalierbarkeit kann daher rühren, dass die Innovation des PropTechs entweder relativ einfach kopiert werden kann oder dass jeder zusätzliche

Fredy Hasenmaile, Leiter Real Estate Economics der Credit Suisse AG

Kunde verhältnismässig viel Aufwand verursacht. Das dadurch limitierte Ertragspotenzial ist insbesondere für Investoren problematisch.

Bedeutet das, dass an der mangelnden Skalierbarkeit eines PropTechs Finanzierungen scheitern können? In der Regel sind dafür mehrere Faktoren verantwortlich: mangelnde Produktreife, Gründer und Investoren sind sich nicht über die Bewertung des PropTechs einig und die begrenzte Skalierbarkeit der Geschäftsidee. Bei dem europäischen VentureCapital-Investor PropTech1 ist die fehlende Skalierbarkeit mit 26 Prozent nach der mangelnden Produktreife der zweithäufigste Absagegrund für eine Beteiligung. Für Venture-Capital-Geber muss ein PropTech etwa ein Skalierungspotenzial von einem Faktor 10 im Firmenwert haben, damit ein Investment in Betracht kommt, schon aufgrund der eingegangenen Risiken und weil von zehn Investments immer nur ein paar das investierte Geld wieder einspielen werden.

Welche Rolle spielt der Faktor Zeit? In diesem Punkt sehen sich viele PropTechs weniger gut aufgestellt – denn sie wissen, dass sie nicht unendlich Zeit haben, um sich am Markt durchzusetzen.

Ist das mit ein Grund für die seit einiger Zeit bei Schweizer PropTechs zu beobachtenden Fusionen? Kooperationen geniessen im PropTech-Sektor einen hohen Stellenwert. Gemäss unserer letztjährigen Umfrage unterhalten über 88 Prozent der PropTechs in der Schweiz Kooperationen mit anderen Partnern. Am häufigsten existieren hierzulande horizontale Kooperationen mit anderen PropTechs, danach folgen vertikale Kooperationen zwischen PropTechs und Immobilienfirmen. «Zu den wichtigsten, aber auch schwieSind das Anzeichen für eine Konsolidierungsphase im Sektor? Ich würde es eher so sehen: Der Markt rigsten Aufgaben der Gründer zählt, ein für digitale Lösungen ist weiterhin ein Kernteam aus komausgeprägter Wachstumsmarkt. Koope- petenten Persönlichrationen sind ein probates Mittel, um im Markt rascher zu wachsen – das haben keiten zu formen.» viele PropTechs erkannt. Der hohe Anteil an Kooperationen mit Firmen ausserhalb des Immobiliensektors zeigt zudem, dass sie ihren Wirkungskreis nicht nur auf den Immobiliensektor beschränkt sehen. Der hohe Kooperationswille im PropTech-Sektor kontrastiert deutlich mit der Situation in anderen Immobilien- und Baubranchen, beispielsweise General- und Totalunternehmer, bei denen, bedingt durch den hohen Sättigungsgrad dieser reifen Märkte, ein viel ausgeprägteres Konkurrenzverhältnis vorherrscht. •

Der SwissPropTech-Report 2022 von Credit Suisse und SwissPropTech wird am Kongress The Big Handshake präsentiert.

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