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Round Table: Venture-Capital-Geber

«Der strategische Fit muss gegeben sein»

Finanzierung – Investitionen in PropTechs versprechen ein ansehnliches Renditepotenzial – vorausgesetzt, die Geschäftsidee setzt sich durch. SwissPropTech-Magazin sprach mit Schweizer Venture-Kapital-Gebern über ihre Motivation, sich in im Markt für Property Technology zu engagieren, sowie über die Kriterien, nach denen sie ihre Entscheidung für ein finanzielles Engagement fällen.

Von Roman Bolliger – Fotos: zVg

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Fragen

1 Warum investieren Sie in Immobilien-Start-ups?

2 Die PropTech-Szene ist ja ständig in Bewegung. Wie schaffen Sie es, den Überblick zu behalten?

3 Inzwischen gibt es bereits über 300 PropTechs in der Schweiz.

Welche Kriterien sind für Sie persönlich für eine Investition entscheidend?

4 Nun gibt es auch immer wieder

Gründe, weshalb Investments scheitern. Gibt es für Sie Killerkriterien bei einer Kapitalanlage in

PropTechs?

5 Wer trifft in Ihrer Organisation letztlich den Investment-Entscheid? Sandro Sulcis Co-CEO Avobis Group AG

Claudio Rossi Head Ventures Avobis Group AG

1 Die Avobis-Gruppe ist ein etablierter Akteur des digitalen Wandels in der Immobilienbranche in der Schweiz wie in Europa. Daher sind wir nicht nur Gründungsmitglied des Constructive Venture Fund, der in ganz Europa in PropTechStart-ups investiert, sondern wir entwickeln basierend auf unserer Datenkompetenz und mit dem Team aus Innovation und Ventures inhouse neue Firmen. Als Beispiel können wir hier Property Captain nennen, eine smarte, unabhängige Immobilien-Matching-Plattform mit dem umfassendsten Immobilienangebot und allem rund ums Thema Wohnen. Damit kombinieren wir analoges Immobilienfachwissen mit herausragender Technologie. Wir sind überzeugt, dass wir durch den Einbezug beider Faktoren für unsere Kundinnen und Kunden Mehrwert generieren können.

2 Durch den Constructive Venture Fund erfahren wir frühzeitig, was im Bereich Trends und Unternehmen in Europa geschieht. Das Investment-Management-Team screent jährlich über 5.000 Unternehmen und mit Dutzenden werden Meetings aufgesetzt, um Markt, Technologie und Geschäftsmodelle zu verstehen. Aber es ist schon so – die Branche wächst erfreulicherweise rasant, und viele der Business-Modelle wären es wert, unterstützt zu werden.

3 Avobis investiert grundsätzlich über den Constructive Venture Fund in PropTechs. Dabei ist es für uns wichtig, dass das Unternehmen in einem interessanten Markt tätig ist, weshalb Grösse und Wachstumsraten eine Rolle spielen. Das Team ist ebenfalls ein entscheidender Faktor bei der Auswahl, sowie auch das Produkt respektive die Lösung und die Relevanz für die jeweilige Zielgruppe.

4 Grundsätzlich folgen wir diszipliniert unserem abgestuften Investment-Prozess, welcher sicherstellt, dass nur die vielversprechendsten Unternehmen ausgewählt werden. Killerkriterien sind grundsätzlich all jene Kriterien, welche sich aufgrund des gesetzlichen Rahmens ergeben. Wichtig sind die positiven Kriterien, die ich bei der Antwort auf Frage 3 aufgeführt habe. Im Gegensatz zu Debt Investments geht es im Venture-Bereich um Konvexität, das heisst das Potenzial von Firmen in der Zukunft.

5 Um die Innovation als einen der strategischen Pfeiler stetig voranzutreiben, haben wir bei Avobis ein aus hochkarätigen Persönlichkeiten bestehendes externes und unabhängiges Innovation Board. Dieses prüft laufend neue, innovative Ideen und stellt gleichzeitig sicher, dass sie den gesetzlichen, ethischen und datenschutzrechtlichen Grundsätzen entsprechen. Die Entscheidung fällt jedoch schlussendlich das Gremium aus unseren beiden Co-CEOs und unserem Verwaltungsratspräsidenten.

Stéphane Bonvin CEO und Mitglied des Verwaltungsrates der Investis-Gruppe

1 Ich glaube, dass Innovationen am effektivsten und disruptivsten sind, wenn sie sich in ihrer Anfangsphase vom Unternehmen getrennt entwickeln können. Das ist unsere Art der Innovation.

2 Wir arbeiten mit Polytech Ventures Holding SA zusammen, an der wir Anteilseigner sind. Die Gesellschaft übernimmt die Marktbeobachtung für uns. Ich lese viel über das Thema und spreche mit meinen Kindern darüber, die immer auf dem neuesten Stand sind.

3 Wir investieren nicht nur in Start-ups, wir bringen auch selbst welche auf den Markt. Das Hauptkriterium für die Auswahl ist der betriebliche Bedarf unserer Gruppe und das Geschäftsmodell des Start-ups.

4 Bei der Entscheidungsfindung stellen wir sicher, dass folgende drei Kriterien erfüllt sind: erstens die Vision, die Strategie, zweitens das Team und drittens die Ausführung. Wenn eines dieser Kriterien fehlt oder nicht ausreichend vorhanden ist, investieren wir nicht. Darüber hinaus werden die Start-ups durch unseren Inkubator «Fusion» betreut und gecoacht, was unser Risiko deutlich verringert.

5 Zum einen ermitteln wir den Bedarf intern, zum anderen scannen wir den Markt, ob das Produkt bereits existiert oder nicht. Sind dann all die von mir zuvor genannten Kriterien erfüllt, wird das Projekt unserem Executive Board zur Entscheidung vorgelegt.

Dr. Ivo Furrer Verwaltungsratsmitglied u.a. bei Bank Julius Bär & Co. AG und Fundamenta Group AG

1 Immobilien sind per se eine sehr interessante Anlagekategorie, wobei das Anlageobjekt als solches – rund um Immobilien – viele Stakeholder beinhaltet, welche miteinander in enger Verbindung stehen. Aus Sicht der damit verbundenen Wertschöpfungskette ergeben sich interessante Potenziale für Start-ups und damit potenzielle Investoren.

2 Als ehemaliger Präsident von Digitalswitzerland – der Standortinitiative zur Verbesserung der Rahmenbedingungen des digitalen Innovationsstandorts Schweiz – habe ich nach wie vor sehr gute Beziehungen in die «Szene». Gepaart mit meinem persönlichen Netzwerk – inklusive Swiss Circle –, habe ich regelmässig Gelegenheit, neue PropTech-Ansätze kennenzulernen.

3 Für mich entscheidend sind jeweils die konkrete Business-Idee, ihr Potenzial, insbesondere mit Bezug auf die Kundengewinnung, «Uniqueness» und die klare Vorstellung, durch welche Komponenten Erträge erzielt werden können, sowie die hinter dem Start-up stehenden Leute mit deren Fach-Know-how, unternehmerischer Kompetenz und Erfahrung im Aufbau von Unternehmen.

4 Im Umkehrschluss zu meinen Ausführungen zur Frage 3 ist die negative Beantwortung bezüglich eines der von mir geforderten Kriterien ein «Killerargument» gegen eine Investition. Schliesslich ist es so, dass eine «gute Idee alleine» in der Regel nicht reicht – die operative Umsetzung, insbesondere mit Blick auf die konkrete Kundengewinnung, ist ebenso wichtig… und dies nicht mit Marketing- und Werbemassnahmen, welche oft die Burn Rate, das heisst die Geschwindigkeit, mit der das Geld eines Unternehmens oder eines Investitionsprojektes aufgebraucht wird, zu stark belasten.

5 Als privater Investor treffe ich natürlich meine Investitionsentscheide alleine. In den Unternehmen hängen die Entscheide – je nach Grösse – von unterschiedlichen Prozessen ab. Zentral sind die Business-Idee und deren Verankerung in irgendeinem Fachbereich, der den Lead haben muss, oft unterstützt durch eine, wenn vorhanden, schlagkräftige M&A-Abteilung.

Marc Sponagel Leiter Ökosystem Mieten, Kaufen, Wohnen bei Die Mobiliar

1 Seit vielen Jahren verfolgen wir bei der Mobiliar eine ambitionierte Ökosystemstrategie. In unseren beiden Fokus-Ökosystemen – KMU und Wohnen – spielen Start-ups eine wichtige Rolle, vor allem wenn es darum geht, den Kunden ein breiteres und kompatibles Angebotsportfolio anbieten zu können.

2 Über ein gutes Netzwerk und natürlich über unser M&A-Team, unseren eigenen VC-Arm «Lightbird» und das aktive Scouting, wenn wir Kundenbedürfnisse identifizieren, für die wir noch kein Angebot haben.

3 Ein Top-Produkt, ein starkes Gründerteam und natürlich ein ambitionierter, aber realistischer Businessplan.

4 Bei uns geht es selten um reine Kapitalanlagen; vielmehr muss der «strategische Fit» gegeben sein. Hier findet man auch mögliche Killerkriterien, wenn sich zum Beispiel ein Geschäftsmodell oder die Vision eines Start-ups nicht mit unserer übergeordneten Ökosystemstrategie vereinbaren lässt.

5 Die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat der Mobiliar.

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Stefan Schärer CEO, Founder und Verwaltungsrat bei Houzy AG

1 Aus meiner Sicht hat die Immobilienbranche noch viel Potenzial, um durch die digitale Transformation effizienter, transparenter und qualitativ besser zu werden. Ausserdem glaube ich, dass ich diese Branche und ihre Prozesse durch meine digitale Plattform- und Datenerfahrung (Immoscout24, Immosparrow, Moneyhouse) der letzten 13 Jahre gut verstehe. Und last, but not least macht es Spass, mit jungen, motivierten Teams eine Branche voranzubringen

2 Den systematischen Überblick zu behalten, schaffe ich nicht, doch habe ich durch mein Netzwerk und meine PropTech-Beteiligungen guten Zugang zu relevanten News.

3 Entscheidend sind für mich die folgenden vier Ts: Team 1 = Skillset und Mindset des Gründer; Team 2 = breite Abstützung durch Smart-Money-Investoren/Advisory Board (aber diese Advisors sollten eigenes Geld drin haben, sonst sind sie wenig wert); Technologie-Ansatz und Skalierungspotenzial inklusive Daten-Value; Time-to-Market, Timing im Markt oder allgemein im Trend.

4 Gemäss den bereits skizzierten vier Ts gibt es einige Killerkriterien. So glaube ich zum Beispiel nicht an den Erfolg, wenn ein Gründerteam Geld sucht und selber noch in Corporate Jobs arbeitet. Das heisst, man muss nach dem Grundsatz «Burn the bridges» Eigenkapital einbringen oder suchen, im Sinne des «boot strapping» ganzheitlich auf externe Finanzierung verzichten und erst dann Investoren suchen.

5 Die Geschäftsleitung zusammen mit dem Verwaltungsrat. •

Das Expertentre en des Jahres!

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Heizungswartung 2.0: Effizienzsteigerung von Heizungsanlagen

Die e-globe solutions AG hat in Zusammenarbeit mit der electrojoule AG eine Innovation der Heizungswartung entwickelt, die mit minimalem Installationsaufwand Eigentümern und Gebäudeverwaltungen die Digitalisierung der Heizungsinformationen bietet. Heizungswartung 2.0 bietet Transparenz, Effizienzsteigerung sowie Reduktion der Betriebskosten und CO2-Emissionen.

Schema der Treuhand für Heizungsanlagen

Die Heizungswartung 2.0 konzentriert sich auf bestehende Heizungen mit dem Ziel, deren Energieeffizienz zu steigern und Systemtransparenz zu erzeugen. Als Basis der neuartigen Heizungswartung werden initial an verschiedenen Komponenten des bestehenden Heizungssystems Sensoren, Datenlogger und Übermittlungsgeräte zur Messdatenerfassung installiert und die Heizungskomponenten mit der Digitalisierungslösung godoo digitalisiert. Inbetriebnahmeprotokoll, Anlageblatt aller Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten, Heizungsschemen oder amtliche Feuerungskontrollen stehen anschliessend in Echtzeit zur Verfügung. Einmal installiert, liefern die Sensoren die Daten für Fehlerdetektion und darauf aufbauend Fehlerdiagnosen an den Heizungsmanager. Symptome von Störungen, Fehlern und Ausfällen können dadurch in Echtzeit aufgrund intelligenter Algorithmen eruiert und einer Fehlerbeseitigung zugeführt werden. Die Interpretation der Daten ermöglicht eine zielgerichtete Auswertung der Messdaten zur Ermittlung des Leistungsbedarfs oder zu Optimierungszwecken. Neben offensichtlichen Ausfällen können in Echtzeit und lange vor dem Erkennen eines Ausfalls durch Menschen auch Fehlfunktionen von Komponenten und fehlerhafte Einstellungen direkt erkannt und einer Lösung zugeführt werden. Das Dashboard des Heizungsmanagers ermöglicht im Weiteren die Aufbereitung und Visualisierung der Messdaten. Auf dieser Basis werden Auswertungsberichte mit Situationsanalysen, Lösungsvorschlägen und Massnahmenkatalogen erstellt. Die individuelle Auswertung der Messdaten zu kundenspezifischen Zwecken, wie beispielsweise die Leistungsbedarfsermittlung für den Ersatz eines bestehenden Heizsystems oder die Optimierung eines bestehenden Heizsystems zur Reduktion der Betriebskosten, des Energieverbrauchs und der CO2Emissionen sind direkte Benefits für den Kunden.

Neues Angebot: Treuhand für Heizungsanlagen

Die Lösung «Treuhand für Heizungsanlagen» bietet ein umfassendes Angebot für Gebäudeverwaltungen und Hausbesitzer für das Heizungsmanagement. Das Auslösen von Arbeiten im Falle von Störungen und geplanten Ereignissen kann gemäss Wunsch des Bewirtschafters auch unter Einbezug von lokalen Lieferanten umgesetzt werden. Das Heizungsmanagement aus einer Hand bietet so neue und integrierte Arbeitsweisen. Die Erfahrungen mit den ersten Kunden zeigen nachhaltige Effizienzsteigerungen und Optimierungen. Und: Ein Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz ist garantiert!

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