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Umfrage: Swiss Circle Members zu Property Technology

«Es steht uns ein Schub an Innovationen bevor»

Digitalisierung – Um Immobilienunternehmen zukunftsfähig aufzustellen, ist der Einsatz von Property Technology eine wichtige Stellschraube. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzumfrage bei renommierten Mitgliedern von Swiss Circle.

Von Roman Bolliger – Fotos: zVg

5Fragen

1 INNOVATION Welche Innovation wird die Immobilienbranche am stärksten verändern?

2 PROPERTY TECHNOLOGY In welchen

Bereichen Ihres Unternehmens nutzen

Sie Property Technology?

3 DIGITAL TWINS Welche Vorteile bringen digitale Immobilienzwillinge

Ihrer Ansicht nach?

4 ESG Welches der drei Trendthemen

Environmental/Social/Governance bzw. Umwelt/Soziales/Unternehmensführung hat für Sie die grösste

Bedeutung und wie wirkt sich das in

Ihrem Unternehmensalltag aus?

5 INFORMATION Wie halten Sie sich bezüglich Innovationen in der Immobilienbranche auf dem Laufenden?

Marco Heusser

Inhaber Prestige Immobilien AG

1 INNOVATION Die Digitalisierung ist die Vorstufe für eine Prozessautomatisierung. Es werden in Zukunft immer mehr Prozesse in der Branche teil- und vollautomatisiert werden. Dies betrifft den gesamten Dienstleistungssektor und wird die Anforderungs- und Stellenprofile vieler Mitarbeitenden komplett verändern.

2 PROPERTY TECHNOLOGY Begonnen hat die Reise in der Buchhaltung. Als Erstes wurden Rechnungen digitalisiert, in einem weiteren Schritt werden Kreditorenbelege automatisch im ERP (Abacus) erstellt und kontiert. Parallel wurde das digitale Dokumentenmanagement eingeführt und alle physischen Daten in E-Dossiers abgelegt. In einem weiteren Schritt wurden die elektronischen Wohnungsanmeldungen umgesetzt sowie ein Ticketingsystem und volldigitalisiertes Auftragswesen eingeführt. Das Ticketing wird unterstützt durch einen Bot, welcher E-Mails analysiert und automatisch Tickets erstellt. Zurzeit stellen wir um auf digitale Wohnungsabnahmen mit iPad.

3 DIGITAL TWINS Ich erachte die Idee des digitalen Immobilienzwillings als essenzielle Grundlage für unsere zukünftigen Dienstleistungen. Dokumente nur in digitaler Form als PDF in einem DMS abzulegen bringt einige Vorteile, insbesonders z.B. im Zusammenhang mit dem Homeoffice. Die Daten und Informationen müssen aber in einer Datenbank gut strukturiert gespeichert werden, um in Zukunft Prozesse optimieren zu können.

4 ESG Ich denke, das Thema ESG muss auf Stufe Unternehmensführung behandelt werden, um auf dieser Ebene Strategien in den beiden anderen Bereichen zu definieren.

5 INFORMATION Ich informiere mich regelmässig durch den Blog «Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft durch Property Technology» von Nikolai Roth auf PropTech.de, die PropTech News auf proptechnews.ch sowie durch das Future Lab von pom+, des weiteren durch die Teilnahme an Events von bspw. Swiss Circle oder SVIT etc. Ich erstelle jedes Quartal einen PropTechReport mit aktuellen Trends zuhanden unserer Geschäftsleitung.

Anastasius Tschopp

CEO Swiss Prime Site Solutions AG

1 INNOVATION Wenn ich das wüsste, würde ich sofort ein Start-up in diesem Bereich lancieren. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es sich um etwas handelt, das direkt mit dem Thema ESG zu tun hat. Was sicherlich weiter an Bedeutung zunehmen wird, sind Themen wie Plattformen, AI, Blockchain usw. Sehr spannend finde ich auch das Thema Metaverse.

2 PROPERTY TECHNOLOGY Bei uns ist die digitale Transformation ein grosses Thema. Wir arbeiten mit verschiedenen Lösungen auf unseren Immobilienprodukten und testen immer wieder neue Möglichkeiten sowie Tools, so bspw. den digitalen Mietvertrag.

3 DIGITAL TWINS Die digitalen Zwillinge bieten aus meiner Sicht grosse Vorteile, gerade auch in der Phase nach der Erstellung. Die Themen Instandhaltung, Ersatz, Sanierungen, Hauswartung usw. können lassen sich so effizient und effektiv umsetzen. Da liegt ein grosses Potenzial verborgen. 4 ESG Ein gutes Zusammenspiel der drei Nachhaltigkeitsthemen ist wichtig; sie können aus meiner Sicht nicht einzeln betrachtet werden. Wir haben zum einen die Investoren (Besitzer der Immobilien) und zum anderen die Mieter (Nutzer der Immobilien) – und da gilt es, nachhaltig das Bestmögliche für alle zu finden. Im letzten Jahr haben wir für ein grosses Immobilienprodukt eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, welche wir über die nächsten Jahre umsetzen und weiterentwickeln werden.

5 INFORMATION Swiss Prime Site prüft den Markt systematisch mit dem Start-up-Accelerator-Programm aus dem Bereich Corporate Ventures & Innovation. Dabei arbeiten wir mit Jungunternehmen aus dem In- und Ausland zusammen - und daraus entstehen regelmässig langfristige Kooperationen, Prototypen und neue Produkte sowie Kundenpartnerschaften und strategische Investitionen.

Svenja Bakmeier

Firmenkundenberaterin Immobilien bei der Raiffeisenbank Zürich

1 INNOVATION Die Innovation wird zum einen am Gebäude selber ersichtlich sein und zum anderen Auswirkungen auf die baulichen und administrativen Prozesse mit sich ziehen. Im administrativen Prozess können wir uns eine starke Vereinfachung in der Transaktionsabwicklung im Zusammenhang mit den Handänderungen vorstellen. Wünschenswert wäre, dass die Mutationen auf dem Grundbuchamt nicht mehr physisch stattfinden müssten, sondern vollumfänglich digitalisiert werden können. Am stärksten wird die Branche durch die Anstrengungen im Bereich Energie und Nachhaltigkeit verändert werden. Es sind bereits viele Innovationen auf dem Markt und es wird noch viel mehr geben. Gerade im Bereich erneuerbare Energie haben wir zudem einen immensen Nachholbedarf. Die Digitalisierung hat bisher den Bauprozess

(also die Herstellung) nur in geringem Mass erfasst, BIM (Software wertet relevante Bauwerkdaten aus und bildet digitalen Zwilling nach) wird nur sehr zögerlich eingesetzt, fast ausschliesslich von professionellen, grossen Bauherrschaften in sehr grossen Projekten. Ein weiteres Thema ist die Wiederverwendung der verschiedenen Bauteile. Sofern die Qualität der Materialien weiterhin hoch ist, muss es uns als Gesellschaft gelingen, die Ressourcen wieder in den Bau zu integrieren. Gerade in der Betonbranche werden etliche nachhaltige Prozesse entwickelt. So verringert zum Beispiel der Zirkulit-Beton den CO2-Fussabdruck, weist aber dennoch die gleichen technischen Eigenschaften wie der herkömmliche Beton auf.

3 DIGITAL TWINS Beim digitalen Zwilling sehen wir vor allem zwei wesentliche Erleichterungen für die Immobilienbranche. Zum einen vereinfacht er die Bewirtschaftung des physischen Gebäudes sehr, sodass genaue und aussagekräftige Daten über das Gebäude gesammelt werden können. Zum anderen behalten die Eigentümer/ Verwalter stets einen Überblick über die laufenden Kosten, Erträge und das gesamte Liegenschaftsportfolio. Daraus kann man das «Verhalten» des Gebäudes analysieren und Prognosen für die Zukunft ableiten.

4 ESG Unsere Werte bei der Raiffeisen stehen für Glaubwürdigkeit – Nachhaltigkeit – Nähe – Unternehmertum. Diese Themen lassen sich gut ins ESG integrieren. Die Nachhaltigkeit wie auch die Nähe stehen für das Thema Soziales. Auf der geschäftlichen Ebene (Governance) sind sicher unsere Werte Unternehmertum und Glaubwürdigkeit zentral, darüber hinaus setzen wir auf die folgenden Prinzipien: Accountability/Rechenschaftspflicht, Responsability/Verantwortlichkeit, Transparency/Offenheit und Transparenz von Strukturen bzw. Prozessen und Fairness.

5 INFORMATION Zum einen tauschen wir uns mit den diversen Netzwerkpartner aus. Zum anderen informieren wir uns auch über die internen und externen Spezialisten; dazu zählen unter anderem die Publikationen von Raiffeisen Economic Research und Swiss Real Estate Institute.

Adrian Murer

CEO der Swiss Finance & Property Group AG

1 INNOVATION Ich denke, es steht uns ein Schub an Innovationen bevor. Dies unter anderem in den Bereichen Artifical Intelligence und Blockchain. Auch die Fortschritte im Bereich BIM, 3DPrinting und Smart Homes/Cities werden zu Veränderungen führen.

2 PROPERTY TECHNOLOGY SFP hat letztes Jahr auf Gruppenstufe eine Digitalisierungsstrategie und -Roadmap entwickelt, welche wir nun umsetzen. Aktuell setzen wir den Fokus vor allem auf die Automatisierung von Prozessen und den Aufbau digitaler Zwillinge.

3 DIGITAL TWINS Im Idealfall bauen wir den digitalen Zwilling bereits in der Planungsphase auf, was zu einer besseren Planbarkeit und mehr (Kosten-)Sicherheit in der Projektentwicklung führt. In den Bestandesportfolios führt ein digitaler Zwilling zu einfacheren Prozessen und ermöglicht einen permanenten Überblick sowie eine Simulation mit verlässlichen Daten.

4 ESG Wir haben letztes Jahr bereits den zweiten Group ESG Report publiziert, welcher selbstverständlich alle drei Bereiche abdeckt. Aufgrund des hohen Anteils der Bau- und Immobilienwirtschaft am CO2-Ausstoss steht das «E» in Form des Wandels hin zu energieeffizienten Gebäuden für uns klar im Vordergrund. In der Finanzbranche wird aber auch die Governance zunehmend relevant.

5 INFORMATION Einerseits arbeiten wir mit externen Partnern und Spezialisten an entsprechenden Strategien und Initiativen für die Gruppe. Andererseits informiere ich mich über mein Netzwerk und an Fachanlässen. •

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