4 minute read

Blockchain: Luganos Plan B

Ambitionierte Ziele

Cluster – Die Stadt Lugano sieht sich in Sachen Kryptowährung als Schrittmacherin und will sich als Europas Blockchain-Metropole profilieren. Bitcoin, USDT und auch der eigene Token LVGA sind bereits ein anerkanntes Zahlungsmittel in der Stadt. Um die Ansiedlung etablierter Unternehmen der Branche zu fördern, setzt die Stadt u.a. auf die Zusammenarbeit mit Tether.

Von Bibi Burgdorf – Foto: Depositphotos.com

Mit der Umsetzung von «Plan B» will sich Lugano zu einem der wichtigsten KryptoHubs Europas entwickeln. Für die Kryptobranche war es ein Paukenschlag. Anfang März dieses Jahres präsentierte Luganos Bürgermeister Michele Foletti im Palazzo dei Congressi der Öffentlichkeit den «Plan B»: Lugano werde die «europäische Hauptstadt des Bitcoin» – und dazu mit dem in Hongkong ansässigen FinTech Tether zusammenarbeiten. Tether ist die Herausgeberin des gleichnamigen Stablecoins mit dem Kürzel USDT. Luganos «Plan B» sieht unter anderem vor, die gesamte Infrastruktur der Stadt Blockchain-tauglich zu machen, sodass möglichst viele Dienstleistungen mit Bitcoin und Tether sowie ausgewählten Stablecoins, namentlich LVGA, dem an den Franken gekoppelten Stablecoin der Stadt Lugano, bezahlbar werden. Stablecoins sind Kryptowährungen, die möglichst 1:1 zu einem unterliegenden Wert gehandelt werden, sodass sich die Kursschwankungen in engen Grenzen halten. Um die finanziellen Voraussetzungen für die Umsetzung von «Plan B» zu schaffen, lanciert Tether zwei Fonds: Zum einen ist ein Investitionsfonds im Volumen von 100 Millionen Franken für Blockchain-Start-ups geplant. Zentrale Idee dabei ist die Bildung eines Hubs, in dem sich mindestens 300 Start-ups niederlassen sollen, die lokal an der Bitcoin- und Blockchain-Technologie arbeiten oder diese weiterentwickeln und gefördert werden sollen – sicher nicht zuletzt mit dem Ziel, den Talentpool zu vergrössern und so Branchengrössen zur Ansiedlung in Lugano zu bewegen. Ferner sollen mehr als 500 Studentinnen und Studenten der drei Hochschulen in Lugano (USI, Supsi und Franklin) mit grosszügigen Stipendien gefördert werden, um sich in den neuen Technologien fit zu machen. Zum anderen soll es einen Drei-Millionen-Franken-Fonds geben, um den lokalen Unternehmen und Händlern bei der Umstellung auf die neue, kryptobasierte Wirtschaft zu helfen und die digitale Währung alltagstauglich zu machen. Die Stadtverwaltung wiederum hat sich verpflichtet, Bitcoin-Zahlungen für alle öffentlichen Einnahmequellen zu akzeptieren, beispielsweise Steuern, Parkscheine, Studiengebühren und sämtliche öffentlichen Dienstleistungen von Einbürgerungsgebühren bis hin zu Bestattungskosten etc.

Mining mit «grüner Energie»

«Plan B» vorausgegangen war die Triple-A-Chain, eine Blockchain, die im vergangenen Jahr von der Stadt im Rahmen der Wirtschaftsförderungsaktivitäten des Stadtlabors Lugano Living Lab geschaffen wurde. Mit dem Projekt 3Achain wolle man einen sachlichen Beitrag zum Verständnis dieser Technologie leisten – etwa durch die Förderung der öffentlichen Debatte und die Schaffung von Begegnungs- und Verbreitungsmöglichkeiten in Form von Veranstaltungen, Workshops und Konferenzen, teilte die Stadt damals mit. Darüber hinaus wollte man die 3Achain «konkret, greifbar und zugänglich machen». Dies scheint gelungen: Mit der MyLugano-App und dem Cashback in über 120 städtischen Geschäften hatte Lugano bereits Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt, mit dem LVGA-Punkte-Zahlungs-Token, einer digitalen Komplementärwährung auf Blockchain-Basis, zu der dann die 3Achain hinzukam. Die gängigsten Anwendungen dieser Technologie haben eine Grenze, was den Energieaufwand an-

geht – und nicht zuletzt Kritiker auf den Plan ruft. Lugano wollte diese Hürde mit einer technischen Lösung überwinden, die energetisch nachhaltig ist und gleichzeitig die von Bürgern und Händlern erhobenen Gebühren auf null reduziert. Sie besteht in der Schaffung eines institutionellen Netzes, das Transaktionen garantiert und die Entwicklung von einem «Validierungsalgorithmus» zu einem «Autoritätsalgorithmus» ermöglicht. Die Autorität der Partner gewährleiste, dass die Blockchain ohne kostspielige IT-Kontrollen auskommt, die in der Regel die Hauptursache für den erhöhten Energieverbrauch sind, so die Stadt. Mit Blick auf «Plan B» weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass dieser «nicht vorsieht, Lugano zur europäischen Hauptstadt des Kryptowährungs-Minings zu machen» – Ziel sei es, «neue Kompetenzen und Exzellenz im Bereich Blockchain nach Lugano zu bringen». Zu den Aufgaben der «Studenten und Forscher» werde zählen, energiesparende Lösungen in diesem Bereich umzusetzen. Das Gleiche gelte für Tether, das auf einer nicht-invasiven Technologie wie dem Proof of Stake basiert. Auch für die Bitcoin-Währung, die wegen ihres Energieverbrauchs in der Kritik steht, beinhaltet «Plan B» eine neue, nachhaltigere Mining-Methode: So will man vermehrt erneuerbare Energien nutzen und mit den MiningEinnahmen den energieeffizienten Ausbau der stadteigenen Infrastruktur finanzieren.

Starke Resonanz

Der Widerhall auf die Präsention im März, die auch per Videostream verfolgt werden konnte, war beachtlich. Gemäss Angaben von Tether haben innerhalb eines Monats nach der Vorstellung von «Plan B» mehr als ein Dutzend Unternehmen mit einem Vermögen von mehreren hundert Millionen US-Dollar Rechtsberater und Treuhänder beauftragt, die Verlagerung ihrer Aktivitäten nach Lugano zu prüfen, berichtet das Magazin «Forbes». Als bisher bekanntester Unterstützer sei Polygon, die digitale Plattform hinter der Kryptowährung Matic, «Plan B» als Gründungsinfrastrukturpartner beigetreten; seine Blockchain werde die Schiene sein, auf denen die meisten Stablecoin-Zahlungen in Lugano abgewickelt werden. Bürgermeister Foletti sieht sich durch die positive Resonanz aus der Branche auf «Plan B» ermutigt, betont allerdings, dass die Ansiedlung von Unternehmen allein das ambitionierte Projekt nicht zum Erfolg führen werde: « Zunächst müssen Men«Plan B» sieht u.a. die Bildung schen nach Lugano kommen und an der eines Hubs vor, in Blockchain arbeiten, danach werden dem sich mindestens vielleicht mehr Unternehmen nach Lu- 300 Start-ups niegano kommen.» Im Oktober dieses Jahres soll in Lugano derlassen sollen. das «Bitcoin World Forum» mit «führenden Vordenkern und Gestaltern» der BlockchainWelt stattfinden, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Konferenz wird zweifellos zeigen, was bisher im Rahmen von «Plan B» erreicht wurde. •

Die Stadt Lugano will ihre gesamte Infrastruktur blockchaintauglich machen.

ANZEIGE

This article is from: