{PARIS}
P
aris. Als ich fünf oder sech Jahre alt war, hat meine
Familie Urlaub in Paris gemacht. Ich erinnere mich noch an meine großen Augen im Disneyland, an die Straßenkünstler und daran mit meinem Bruder unter dem Eiffelturm mit Kreide gemalt zu haben. Aber an viel mehr auch nicht. Mit 22 sehen meine Augen diese Stadt schon ganz anders. Die Stadt der Liebe, Stadt der Kunst, Stadt der Bohème - ein Hoch auf die Klischees! Aber darauf hatten wir Lust. Das süße Leben, die großen Museen...und eine ordentliche Portion Abenteuer. So begaben wir, Fräulein Wittmann und Herr Brolewski, uns auf die Straße, für unseren ersten richtigen Roadtrip.
{PARIS}
BIS HEUTE BIN ICH STOLZ auf die unglaublich rationale Anschaffung eines Autoatlas. Aufgeschlagen, geguckt wo es nach viel Autobahn aussieht, vorher noch fix ein “PARIS”-Schild gebastelt und ab in die S-Bahn. Berlin Westkreuz. Da standen wir und wollten trampen. Ist das hier der richtige Ort, die richtige Straße, die richtige Uhrzeit?
KANN DAS ÜBERHAUPT KLAPPEN?
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ünf Minuten später hat uns ein entspannter Belgier
mit Süßholz im Mundwinkel und IKEA-Regal im Gepäck mitnehmen wollen. Bis Brüssel. SMS: “Haste heute schon was vor? Jule und ich sind auf dem Weg nach Paris!” Schlafplatz in Aaachen steht. Die Zeit im Auto vertrieben wir uns mit Serge Gainsbourg “Du sprichst kein Französisch? Macht nix - ich übersetze. Drücke nach jeder Zeile auf Pause und übersetze für dich!” - “Muss nicht.” - “Doch doch!” Es war weit nach Mitternacht und Zeit für Lemon Tree. Ein toller Freund beherbergte uns in Aachen und so machten wir uns gestärkt und zufrieden weiter auf den Weg. Wieder dauerte es kaum 10 Minuten und wir saßen in einem neuen, fremden Auto. Zwei französische Gangsterboys ohne nennenswerte Kenntnisse der deutschen oder englischen Sprache versorgten uns mit tonnenweise Snacks, französischem HipHop und stellten uns viele viele Fragen über Deutschland : “Hat Hitler eigentlich Ostoder Westdeutschland regiert?”
Ehe wir uns versahen waren wir in Lille. Die Stadt - auf dem Bahnhof duftet es blumig - ist wunderschön aber ruhig. Man mag keinen Auto-Atlas fallen lassen... Ein Berufspendler bot sich an uns an einen SUPER-Platz zum Trampen zu bringen. Direction Paris. Fanden wir gut. Dachten an eine Raststätte oder Stadt. Und dann standen wir da - mitten auf der Autobahn, direkt hinter einer Mautstelle. Soweit das Auge reicht weder Toilette, Imbiss, Parkplatz... Nach einer Viertelstunde war das Wasser leer, die Autos rauschten vorbei und verwöhnt wie wir waren, machte sich leichte Panik breit. Lachen ging trotzdem noch. Und dann, Guten Tag Kindheitstraum, nahm uns ein Brummi-Fahrer mit.
IM LKW NACH PARIS - DAS HATTE STIL
DIE FOLGENDEN TAGE WAREN EIN TRAUM. Wir spazierten durch die wunderbaren Gassen, drückten unsere Näschen an den Schaufenstern der Pâtisserien platt (Vegan! Lebensmittelunverträglich! Kein Kuchen für Jule und Björn! Oh je...), bestaunten den Rummel der Fashion Week , quatschten kurz mit Grace Coddington und ließen uns in den Museen bezaubern. Claude Monets Seerosen sind beruhigender als jede Yoga-Stunde. Marie Laurencins Bilder in grau und rosa, Degas Tänzerinnen und der Blair Waldorf Moment vor Manets “Das Frühstück im Grünen”
ALSO KUNST KANN PARIS.
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och die wohl schönsten Momente erlebten wir berädert. Mit Miet-Bikes wagten wir uns ins Pariser Verkehrschaos, schrien dann und wann panisch, haben es manchmal nur knapp überlebt. Nachts hatten wir die Straßen für uns. Stundenlang sangen wir Kreise drehend unter dem Eiffelturm aus voller Kehle “I will always love you”. Immer wenn etwas besonders schön, besonders stressig, besonders bewegend war, erinnerten wir uns daran, dass es unser kleiner perfekter Urlaub ist. So perfekt, dass es uns bestimmt keiner abkauft, wie wir im Park gegen vier Uhr morgens auf einen Sänger trafen und gemeinsam verträumt musizierten. Mit seiner Gitarre und Liebeskummer erlebten wir den kitschigsten unplugged Moment unserer Reise.
Der Rückweg war dafür Hölle. Wir brauchten mehr als einen Tag um aus Paris Angst vor einem ekelhaften Fahrer, den die Müdigkeit am Steuer einzuholen dr an einer Raststätte in belgischem Grenzstreifen. Plötzlich ein Bus voller Joggin
“
G uten Abend. Fahren Sie grad nach Deutschland? Wir waren tram wir vielleicht ein bisschen bei Ihnen mitfahren könnten. Bitte...Ich die Klassenkasse hätten wir auch!
Verzweifelte Augen. Belustigte Zehntklässler. Chillige Hippie-Lehrer. Lief! So Stunden mit der Straßenbahn nach Heilbronn. Dann weiter nach Berlin. Fertig
s zu kommen, standen stundenlang an Raststätten rum, hatten rohte...Also raus aus dem Auto. Mitten in der Nacht, irgendwo nghosen - Klassenfahrt auf dem Heimweg!
mpen und jetzt stehen wir hier und wir haben uns gefragt ob h hab auch einen Jugendgruppenleiterschein. Und Geld für
o kamen wir nach Karslruhe. Und Björny anderthalb g aber glücklich nach einem süßen, großen, wilden Abenteuer.
Mit niemand lieber, als mit dir.
{PARIS}