150 Jahre - Festschrift

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Eppan kennt man. DATEN UND FAKTEN ZUR TOURISMUSGESCHICHTE


FESTSCHRIFT | 150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

150 JAHRE TOURISMUS UND GASTFREUNDSCHAFT IN EPPAN AN DER WEINSTRASSE Vor 150 Jahren wurde im Gasthaus „Zur Sonne“ in Eppan der Kurverein offiziell gegründet. Damit wurde für Eppan das erfolgreiche Kapitel der Gemeinde als Gastgeber für Gäste aus nah und fern aufgeschlagen, welches sich nicht nur 150 Jahre lang gehalten, sondern vor allem auch erfolgreich weiterentwickelt hat. Eppan an der Weinstraße ist weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt für seine Burgen, Seen und Weine. Das vielfältige Angebot, welches sich über das ganze Jahr verteilt, hat Eppan zu einer wichtigen Tourismusdestination gemacht und vielen kleinen und mittelständischen Betriebe im Überetsch Entwicklungschancen geboten, welche sie auch genutzt haben. Dass sich dieses positive Image und die Gastfreundschaft der Großgemeinde über die letzten Jahrzehnte bei den Gästen so verfestigt haben, liegt nicht zuletzt an der professionellen Tätigkeit des Tourismusvereins Eppan. Es sind die vielfältigen Initiativen des Tourismusvereins, welche das Angebot für die Gäste in der unverwechselbaren Landschaft des Überetsch ergänzen und zu einem hochwertigen und besonderen Erlebnis machen. So danke ich allen, die täglich für das Wohlbefinden unserer Feriengäste arbeiten, und wünsche allen Mitgliedsbetrieben des Tourismusvereins Eppan sowie dem Vereinsvorstand für das bevorstehende Geschäftsjahr viel Erfolg, große Tatkraft, eine weiterhin gute Auslastung und vor allem zufriedene Gäste aus nah und fern.

Arno Kompatscher Landeshauptmann

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EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022


EPPAN, EIN BELIEBTES URLAUBSZIEL Ich möchte der Tourismusgemeinde Eppan von Herzen zu ihrem 150 JahreJubiläum „Tourismus und Gastfreundschaft“ gratulieren. Mein Dank gilt allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Eppan ist sowohl für die Südtirolerinnen und Südtiroler eine beliebte Ausflugsdestination als auch bei den italienischen und internationalen Gästen ein beliebtes Urlaubsziel. Dies kommt nicht von ungefähr und ist unter anderem auch der professionellen und wertvollen Arbeit des Tourismusvereines sowie seinen Mitgliedern zu verdanken. Ich wünsche allen für das bevorstehende Tourismusjahr weiterhin viel Erfolg. Arnold Schuler Landesrat für Tourismus

EIN JUBELJAHR FÜR EPPAN Unser Tourismusverein feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläum möchte ich allen, die damit in Verbindung stehen – und das sind sehr viele – herzlichst gratulieren. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für unsere Gemeinde. Hauptansprechpartner ist hier der Tourismusverein mit dem Vorstand und seinen Mitarbeiter*innen, denen ich an dieser Stelle ein großes Lob für ihre zuverlässige und professionelle Arbeit aussprechen möchte. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Privatzimmervermietung in Eppan. Die Gäste – hauptsächlich aus Deutschland – kamen und wohnten bei den Eppaner Familien. Kinder mussten über den Sommer ihre Zimmer räumen, damit die Gäste Platz hatten. Gegessen wurde gemeinsam in den Stuben und Küchen. Zum Tourismus gehört aber noch viel mehr als die Beherbergung. Wir bieten schöne Landschaft, Burgen, Seen und gepflegte Wanderwege, Kulturveranstaltungen sowie Genuss- und Einkaufserlebnisse für die Eppanerinnen und Eppaner und für alle Gäste. Deshalb sei ein großer Dank all jenen ausgesprochen, die in irgendeiner Weise dazu beitragen, denn diese Vielfalt und Qualität schaffen wir nur durch das Zusammenspiel aller. In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes, erlebnisreiches Jubeljahr! Wilfried Trettl Bürgermeister Gemeinde Eppan 3


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

TOURISMUS: EINE CHANCE ZUR ENTWICKLUNG Herzlichen Glückwunsch zum 150. Jubiläumsjahr des Tourismusvereines Eppan. Jubiläen sind stets wichtige Momente im Leben von Ortsgemeinschaften, bieten sie doch Gelegenheit zum Rückblick, zur Reflexion der Gegenwart und zur Gewinnung neuer Perspektiven. Sie sollten zum einen als nostalgische Anlässe und Wertschätzung für Geschaffenes dienen, und zum anderen als Chance zur Entwicklung eines Gemeinwesens. Dies ist eine große Herausforderung und zugleich eine große, nicht rasch wiederkehrende Gelegenheit, um die Entwicklung der Gemeinde Eppan auf neu gefestigte und erweiterte Grundlagen zu stellen. Ich freue mich, gemeinsam das 150-jährige Jubiläum des Vereins zu feiern, wünsche uns allen ein fröhliches Jubiläumsjahr und bedanke mich herzlich bei allen Menschen, die am Gelingen mitwirken. Monika Hofer Larcher Referentin für Soziales, Bildung und Kultur Gemeinde Eppan

RÜCKBLICKEND NACH VORNE SCHAUEN Wir Eppanerinnen und Eppaner feiern gerne. Der heurige Anlass gibt uns allen Grund dazu. Nach unterschiedlichen Etappen und Namensgebungen feiern wir nun 150 Jahre Tourismusverein Eppan. Wer die Gegenwart und die Zukunft meistern will, benötigt manchmal wie beim Lenken eines Autos einen Rückspiegel. Damit bekommen wir eine bessere Übersicht nicht nur über das, was war, sondern auch über das, was kommen könnte. Allen, die zu diesem ereignisreichen Tourismusjahr beigetragen haben, spreche ich meinen herzlichen Dank aus. Mögen wir noch viele Feste gemeinsam feiern. Heidi Felderer Referentin für Tourismus Gemeinde Eppan

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EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022


GESUCHT! GEFUNDEN! Eppan hat alles, was einen Sehnsuchtsort für Urlauber ausmacht! Was uns heute als selbstverständlich erscheint, hat seine Ursprünge vor 150 Jahren. Schon damals erkannten einzelne, vorausschauende Wegbereiter die Vorzüge unserer reizvollen Weindörfer. 1872 datieren die Anfänge des Cur- und Verschönerungsvereins für das Überetsch. Das diesjährige Jubiläum nehmen wir zum Anlass, den touristische Aufstieg von Eppan an der Südtiroler Weinstraße ins kollektive Bewusstsein zu rücken – mit einem reichhaltigen Programm über das ganze Jahr hinweg. Denn unabdingbar für den Erfolg war, ist und bleibt, dass die lokale Bevölkerung die touristische Entwicklung mitträgt. Unter diesem Licht zu sehen sind auch die ersten Versuche, Eppan als Urlaubsort für eine vorwiegend adelige Gästeschicht zu positionieren, die eher verhalten anliefen. Erst, als sich die lokale Bevölkerung ab den 1950er-Jahren der touristischen Gesinnung öffnete, das Wesen der Gastfreundschaft verinnerlichte, wurde Eppan zu jenem Sehnsuchtsort für Reisende, Erholungssuchende sowie Abenteurer, der er heute ist. Wein aus Eppan wurde zum Werbeträger. Heute bringt Südtirols größte Weinbaugemeinde Spitzenerzeugnisse hervor – und punktet daneben durch Seen, Burgen, Natur und Kultur, durch ein vielfältiges Angebot für jeden. Zeitzeugnisse wie Verträge und Postkarten, Fotographien und Werbeanzeigen dokumentieren den Aufstieg dieses landwirtschaftlich geprägten Landstriches zum beliebten Feriendomizil. Aus unseren eigenen Urlaubserfahrungen wissen wir: Gesucht wird ein Sehnsuchtsort! Mit Blick auf 150 Jahre Gastfreundschaft lässt sich heute unumwunden sagen: Gefunden wird Eppan an der Südtiroler Weinstraße! Evelyn Falser Präsidentin Tourismusverein Eppan

GESCHICHTE ALS AUFTRAG Der touristische Werdegang Eppans erfüllt uns mit Dankbarkeit. Wir blicken auf 150 Jahre Gastfreundschaft, auf Pioniergeist und stete Entwicklung. Der Tourismus hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, die Unterkünfte haben sich verändert. Der Kurverein von damals hat sich heute, in Form des Tourismusvereins, zu einer Marketinggesellschaft entwickelt, die ihre Tätigkeit auf Einheimische wie Gäste ausrichtet. Unser Auftrag ist klar: Eppan als nachhaltige und qualitative Genussdestination weiterzuentwickeln und zu festigen. Die Devise lautet: Nicht mehr, aber noch besser werden. Thomas Rauch Direktor Tourismusverein Eppan 5


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

IMPRESSUM Herausgeber: Tourismusverein Eppan | Autorin: Wally Kössler | Lektorat: Christiane Weinhold | Herstellung: effekt!, Neumarkt Bildquellen: Tourismusverein Eppan, Heimatpflegeverein Eppan, Fotoarchiv St. Pauls, Nachlass Heinrich v. Mörl, Hans von Lutz, St. Michael/Eppan, Peter v. Hellberg, Berg/Eppan, Baron Philipp v. Hohenbühel, Pigenó/Eppan, Wally Kössler, St. Pauls/Eppan, Kellerei St. Michael, Johannes Fein, München, St. Pauls, Fotoarchiv Girlan/Eppan, Marion Lafogler, Burg Hocheppan GmbH, LIVE STYLE Agency, Marlies Waldthaler, Johanna von Call, Montiggl/Eppan, Rike Zuber, St. Michael/Eppan, Fam. Unterhauser, Eppaner Hof, Fa. Getränke Zuber, St. Michael/Eppan, Wolfgang Moser, Montiggl/Eppan, Anni Ebner, St. Pauls/Eppan, Konrad Dissertori, St. Pauls/Eppan, Rudi Christof, St. Michael/Eppan, KulturKontakt Eppan, Raiffeisenkasse Überetsch, Bildbearbeitung: Anton Jaitner, Kaltern Hinweis: Trotz sorgfältiger Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit der Angaben nicht gehaftet werden. Nachdruck und Verwendung nur mit Genehmigung der Redaktion. Alle Angaben ohne Gewähr.

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Tourismus für uns alle – Tourismus durch uns alle Das Jahresmotto 1993 der Mitglieder-Vollversammlung des neu gegründeten Tourismusvereins bringt es in Zeiten, wo über Overtourismus oder Obergrenzen im Tourismus diskutiert wird, auf den Punkt. Die Symbiose von Tourismus und Wirtschaft im weitesten Sinne oder Tourismus als DER Wirtschaftszweig lässt sich bis in die frühen Anfänge vor 150 Jahren verfolgen. Im Zusammenspiel mit Handel, Gewerbe, Dienstleistung und Verwaltung im Schlepptau oder als Inzentiv für politische Entscheidungen spiegelt sich die Entwicklung Eppans als Tourismusdestination wider.

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Erste Phase

Artikel aus der Bozner Zeitung vom 28. August 1872

25. August Gründung Kurverein im Gasthaus zur Sonne

1872

28. Jänner 1880 Auflösung Kurverein wegen mangelnder Teilnahme

›1880 ›1885 1885 Mendelstraße, seit Mai von Eppan bis Fondo befahrbar

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Gasthof Sonne in St. Michael, Gründungsort des Kurvereins

1896 Eröffnung Grand Hotel Penegal am Mendelpass, eines der ersten Alpinhotels in Tirol; Besitzer Alois Schrott

›1887–1900

Eppanerhof Umbau Ansitz Hammersbach zu erstem Hotel in Eppan

›1896

›1899–1901

Bau Grand Hotel Hocheppan mit Parkanlage beim Bahnhof; bereits 1901 Versteigerung

›1901–1911 Umwandlung in Sanatorium, Führung bis 1918 als Lungenheilanstalt mit Kurabteilung durch Anton v. Vilas aus Neumarkt

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Gründerzeit bis zum 1. Weltkrieg WIRTSCHAFTLICHER AUFSCHWUNG UND RÜCKSCHLÄGE Angeregt vom Erfolg des Tourismus in Meran oder Gries gründeten einige Visionäre am 25. August 1872 im Gasthof Sonne in Eppan den Curverein für ganz Überetsch (Artikel 28.8.1872, Bozner Zeitung). Man orientierte sich an den Statuten des Bozner Kurvereins und beantragte Eppans Einstufung als climatischer Kurort für Herzkreis-

lauf- und Asthmakranke. Der erste Obmann, Dr. med. Jakob Benoni, in Paschbach wohnhaft, konnte bereits der Generalversammlung des neuen Vereins, am 22. September im Eppanerhof, die Genehmigung dafür durch die Statthalterei in Innsbruck mitteilen. Als Werbestrategie berief man sich auf die Vorzüge, die Eppan, im Süden

25. Jänner Gründung Altertums- und Leseverein Eppan Eppanerhof (Ing. Emil August Buch re.) Versuch der Wiederbelebung des Curvereins

1898 15. Dezember Eröffnung Überetscher Lokalbahn Aufschwung für die Wein-, Obstwirtschaft und den Tourismus

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›1890

›1902 ›1900 1902 wird erstmals in Südtirol Sekt hergestellt in der Champagnerkellerei in Eppan (Pigenò, Wickenburg)


Gasthof Matschatsch, beliebtes Auflugsziel Gasthof Rössl, St. Michael

Tirols gelegen, aufzuweisen hatte: das milde Klima, die Schönheit der Gegend und die Traubenkur. Einige Wirte, Franz Mayr, Rösslwirt und Besitzer der Goldenen Traube, Johann Walcher, Gasthof Sonne, in St. Michael sowie Anton v. Avanzini, Besitzer des Schwarzer Adler in St. Pauls und Franz Tschöll, Rösslwirt in Girlan, boten in ihren Häusern erste Fremdenzimmer an. Paul v. Putzer empfing ab 1873 bis 1883 an seinem „Bloshof“, dem heutigen Kloster Mariengarten, angesehene Gäste aus Deutschland, England,

1903 Errichtung Furglauer Touristensteig durch die Sektion Bozen des österreichischen Tourismusclubs

›1903 1903 Eröffnung Mendelbahn erste elektrische Bergbahn/Standseilbahn Tirols

Russland, Amerika und China. Für die Herrschaften oder auch für Tagesgäste aus Bozen organisierte man ganztägige Mendelpartien mit Pferdekutschen. Beim Gasthaus Sonne konnten die Pferde gewechselt werden, währenddessen die Gäste dort ein Gabelfrühstück, das wohl dem heutigen Brunch entspricht, einnehmen konnten. Der anfänglichen Euphorie folgte jedoch bald die bittere Erkenntnis, dass nur wenige Wirte den Kurverein unterstützten, sodass dieser bereits im Jänner 1880 aufgelöst wurde.

1903 Bau der Unterstation der Etschwerke Bozen Meran

›1904

1904 Elektrifizierung Eppans

Umspannungswerk Etschwerke in St. Michael

›1911 1911 Edition Panoramakarte „Überetsch und die Mendel“

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

DER GLAUBE AN DEN FORTSCHRITT Dennoch ließen sich einige Männer nicht aufhalten. Im umgreifenden Eifer der Gründerzeit ließ man sich nicht beirren. Am 15. Dezember 1898 wurde die Überetscher Lokalbahn eröffnet, man erwartete sich durch den Anschluss an die Brennerbahn nicht nur einen Aufschwung für die Wein- und Obstwirtschaft, sondern auch die Ankunft von zahlungskräftigen Gästen. Beliebte Ausflugsziele für Tagesgäste mit der Bahn waren der Gasthof Steinegger in Berg oder der Stroblhof in Pigenò.

Postkarte vom Mendelbahn-Gebiet Überetsch um 1910, Sicht von Süden Die Überetscher Bahn: von 1898 bis 1962 Personenverkehr, bis 1969 Güterverkehr

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Der Eppanerhof, das erste Hotel in Eppan

Franz Mayr, Weinhändler und Rösslwirt, erwarb 1887 den Ansitz Hammersbach am Dorfeingang von St. Michael und baute diesen um; der Eppanerhof war das 1. Hotel in Eppan mit allen Bequemlichkeiten der damaligen gehobenen Gastronomie und Hotellerie, in enger Verbindung zur Wiener Küche. Mayrs Pioniergeist war ungebrochen. Er baute 1899 u.a. auch eine Ziegelfabrik, die Eppaner Tonwerke im Sillwegacker, allerdings erwies sich dies als Fehlinvestition und Mayr musste Konkurs anmelden. Nach seinem Freitod 1904 wechselte der Eppanerhof mehrmals Besitzer und wurde 1913 versteigert. Ähnlich erging es Anton Oberrauch, Gastwirt und Spediteur in Sigmundskron, mit dem Bau des Grand Hotel Hocheppan (1899/1901) in der Nähe des neu errichteten Bahnhofs: 1901 kam es zur Versteigerung, Hauptgläubiger war die Firma E. Schwarz und Söhne. Durch Umwandlung in ein Sanatorium (geführt bis 1918) mit erstklassiger Kurabteilung für Lungentuberkulose, Hals- und Brustkranke, geführt vom Kurarzt Anton v. Vilas aus Neumarkt, versprach man sich mehr Erfolg. In einem aufwendigen, den neuesten Errungenschaften entsprechenden Prospekt wurden alle Vorzüge aufgezählt: Operationssäle für chirur-

gische Eingriffe, Diätkost, Freiluft-Liegehallen, physikalische Kurmittel (Packungen und Bäder) und elektrische Behandlung, Inhalatorium. Auch die klimatischen Vorzüge und die Erreichbarkeit Eppans wurden angepriesen:

„ ...in staubfreier Lage...das Klima von Eppan…

besonders durch absolutes Freisein von Nebel... Sonnenscheindauer an den kühlsten Winter tagen 7 Stunden…

Aus dem Prospekt Sanatorium am Bahnhof in St. Michael Eppan um 1912


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

MAN GIBT SICH NICHT GESCHLAGEN

Eine der zahlreichen Publikationen über Eppan von Emil August Buch

Im Jänner 1900 versuchte man durch die Gründung des Altertums- und Leseverein Eppan mit Sitz im Eppanerhof den Curverein wiederzubeleben. Ziel war die Erforschung der Lamprecht und Pflege anderer Merkwürdigkeiten und Schönheiten des Eppaner Gebietes. Treibende Kraft war Ing. Emil August Buch, aus dem Saarland gebürtig, Direktor der Eppaner Tonwerke (1899-1900). Als Schriftsteller und Publizist verfasst er mehrere Werke u.a. die „Eppaner Höhenburgen und Schlösser“, „Sage und Geschichte über den Tiroler Wein“, „Der Touristensteig durch die Furglau-Schlucht auf den Penegal“, der 1903 durch die Sektion Bozen des österreichischen Tourismusclubs errichtet wurde. Bereits im Februar 1900 besuchte Erzherzog Eugen, Hoch und Deutschmeister, den Verein und speiste im Eppanerhof. Auch dieser Verein löste sich 1908 auf.

BERÜHMTE GÄSTE Dass der Journalist, Schriftsteller und Librettist Otto Julius Bierbaum während seines Aufenthaltes in Eppan auch im Eppanerhof speiste, damals die erste Adresse in Eppan, kann angenommen werden. Er residierte von 1895 bis 1899 mehrmals auf Schloss Englar. Im 1903 erschienenen Reisebuch „Eine empfindsame Reise im Automobil“ schilderte er

eine Fahrt des Ehepaares Bierbaum von Deutschland über Prag und Wien nach Italien; es gilt als erstes Autoreisebuch der deutschen Literatur. Sein Freund, der Dichter Rainer Maria Rilke, besuchte ihn auf Englar und verfasste im April 1897 das Gedicht:

Englar im Eppan Später Weg. Die Hütten kauern und das dumpfe Dorf schläft ein. Große Türme seh ich dauern, weit aus weißen Blütenschauern wächst ihr Weltverlorensein. Abendbrand in brachen Zinnen, und der Wind fährt durch den Saal. Und für wen im Burghof drinnen Immer noch die Brunnen rinnen – Keiner weiß es dort im Tal!

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VON CHAMPAGNER ZU Bereits 1902 wurde erstmals in Südtirol Sekt hergestellt, in der Champagnerkellerei in der Wickenburg in Pigenó. Nach dem 1. Weltkrieg kam die Sektherstellung zum Erliegen; die Wiederaufnahme der Produktion nach der méthode champenoise erfolgte in Eppan Ende der 1970erJahre: Praeclarus, Winkler, Comitissa. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. wurden auch die Wassergenossenschaften, die Feuerwehren in den Fraktionen und die Kellereigenossenschaften St. Pauls und St. Michael (1907) gegründet; die Kellerei Girlan 1923 und 1960 die Kellerei Schreckbichl, 1971 übernahm diese die Mitglieder der Überetscher Kellerei.

Die Wickenburg in Pigenó, erste Überetscher Champagnerkellerei Werbeplakat für den Eppaner Champagner


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Eppan ist nicht nur die größte Weinbaugemeinde Südtirols sondern hatte im 19.Jh die meisten Privatkellereien und Weinhändler. Um von den damaligen Händlern unabhängiger zu sein, schlossen sich die Weinbauern zu Genossenschaften zusammen. Während man im Weingeschäft über Jahrzehnte hauptsächlich auf Quantität achtete, ging der Trend ab den 1980er-Jahren hin zur Qualität. Vorreiter war die Kellerei St. Michael mit dem jungen Kellermeister Hans Terzer. Er beanspruchte höchste Qualität im Weinberg, im An- und Ausbau der Weine. Der internationale Weinskandal Mitte 1980 leitete definitiv den Wendepunkt ein: weg von der Masse, hin zur Klasse. Der Hotelier und Gastwirteverband startete die Initiative „A Glasl an Guatn“, wobei auch 7/10-Weine in den Gaststätten und Bars glasweise kredenzt wurde. Dass Eppan durchaus im internationalen Qualitätsmarkt mitmischen kann, beweisen die zahlreichen Auszeichnungen und Prämierungen z.B. von Robert Parker oder „Tre Bicchieri“ verliehen von der renommierten Institution Gambero Rosso: die Kellerei St. Michael mit der Linie St. Valentin, die Kellereien Girlan und Schreckbichl mit Weißweinen oder Blauburgunder.

Das neue Qualitäts- und Selbstbewusstsein zeigt sich auch im Äußeren. In zeitgenössischer Architektursprache werden die Produktionsstätten an- und umgebaut, mit Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Ökologie entstehen interessante Bauten, die werbestrategisch identitätsstiftend sind. Seit den 1990er-Jahren mischen wieder mehrere kleine private Weingüter, geführt als Familienbetriebe, am Weinmarkt mit, sie sind großteils als „Freie Weinbauern“ organisiert. Zusammen mit den Großkellereien präsentieren sie sich unter der Dachmarke „Eppan Wein“. Das internationale Symposium „Spatium Pinot Blanc“ (im 2-Jahresrhythmus) soll nicht nur Eppan als europaweit größtes Weißburgundergebiet in den Mittelpunkt rücken, sondern auch das Wissen um den Pinot Blanc wissenschaftlich und akademisch vertiefen. Das gesteigerte Interesse am Wein, als Synonym für Leidenschaft und Lebensgenuss, führte zur Bildung von Vereinigungen wie „Weinclub Eppan“ oder „Weinwelt Girlan“ oder „Vinobarden“ und zu Veranstaltungen unterstützt vom Tourismusverein: „Weinkulturwochen“ in St. Pauls, „Montiggler Weiße“, „Tag des Weines“, „Die letzte Traubenfuhre“, „Gschleier Weinkost“ in Girlan, geführte Weinparcours mit Verkostung oder die Weinkutschenfahrten mit Kellerführung. Nahe am Thema Wein bzw. Traube und Obst liegt die Produktion von Edeldestillaten und Grappas, die die Eppaner Hofbrennereien Walcher, Ortler, Fischerhof oder St. Urban herstellen.

Der Detailverkaufsladen der Kellerei St. Michael in zeitgenössischer Architektursprache. Der gemeinsame Plan des Neubaus der Kellereigenossenschaften St. Michael und St. Pauls um 1907, wovon nur der östliche Teil gebaut wurde. St. Pauls errichtete eine eigene Produktionsstätte am Eingang zum Dorf.


ELEKTRISCHER STROM FÜR EPPAN Einschneidende Schritte in Richtung Öffnung für das Neue, Modernisierung im Alltag waren der Bau der Unterstation der Etschwerke Bozen (1903) und die allgemeine Elektrifizierung des Gemeindegebietes 1904. Durch den Bau der Mendelbahn (Eröffnung 1903), sie war die erste elektrische Bergbahn/Standseilbahn Tirols, ergab sich ein neues Angebot für Muse und Freizeit: „Durch die neuen Verkehrswege werden gewiß wieder Tausende Touristen mehr die Hochweltswunder der Mendelgebirge sehen“ (Emil August Buch). Diese „Hochweltwunder“ wurden lückenlos und sehr anschaulich in einer Panoramakarte „Überetsch und die Mendel“ (1911) dargestellt.

Das damalige bekannte Architekturbüro Musch & Lun aus Meran plante 1903 das „Schlössl“, die Unterstation der Etschwerke in romantisierender Architektur

Artikel aus der Bozner Zeitung, Freitag den 15. Mai 1903

WIEN RÜCKT IN WEITE FERNE Die Teilung Tirols nach dem 1. Weltkrieg war eine epochale Veränderung in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Verbindung zu Innsbruck oder Wien und den adeligen Gästen, der k.u.k.-Kultur insgesamt, wurde jäh unterbrochen. Der vom faschistischen Rom gesteuerten Italianisierung, verschärft durch viele Repressionen, versuchte man so gut es ging entgegenzuwirken oder sie hinzunehmen. Un-

beirrbar versuchten zwei visionäre Persönlichkeiten den Tourismus voranzutreiben. Im Werbematerial mussten die italienischen Ortsnamen aufscheinen, inhaltlich orientierte man sich weiterhin nach Norden, insbesondere nach dem süddeutschen Raum, und lockte mit Angeboten, die bis heute prägend für den Eppaner Raum sind: Klima, Wein, Traubenkur, Schlösser und Seen.

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Zweite Aufbauphase 1920-1933/1939

Im Faschismus werden Bezeichnungen, Ortsnamen und Familiennamen italianisiert

PIONIERE Ubald v. Lutz (l.) & Hugo Zuber (r.)

›1920–1930er Jahre 1923 Umbau Ansitz Liebenburg (Pigenó) in Pension/Hotel mit 30 Betten durch Lehrer Ubald v. Lutz

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Die Dolomiten waren schon immer ein beliebtes Ausflugsziel


Werbung für Eppan und die Liebenburg in Deutsch, Italienisch und Englisch

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

VON TANGER NACH EPPAN Hugo Zuber (1883 in Bischofshofen/Salzburg geboren, 1945 in Eppan verstorben) welterfahren – Koch und Konditor im Hotel Valentina in Tanger/Marokko – und mit Unternehmergeist ausgestattet, ließ sich 1912 in Eppan nieder und arbeitete vorerst als Koch im Sanatorium. 1920 erhielt er die Lizenz als Sodawassererzeuger und stellte die ersten „Kracherlen“ in Unteralber her, ein neues Getränk, das er an die Gastbetriebe lieferte. Seine Erben führen heute noch den Getränkelieferbetrieb. Legendär waren Hugo Zubers Marionetten-Theater-Aufführungen, die er zur Animation der Gäste im Eppanerhof aufführte. Die Figuren dafür schnitzte der Eppaner Künstler Stanis Gruber. Bis in die 1950er-Jahre hinein organisierten seine Söhne, seinem Beispiel folgend, die Umzüge zum Traubenfest in Eppan.

Tanger

Beliebtes Werbeprodukt Traube: Festwagen beim jährlichen Traubenfest in Eppan Damen bei der Traubenkur

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EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022

Eppan


DIE TRAUBENKUR ALS VERJÜNGUNGSMITTEL Kein anderer hat den Tourismus in Eppan nachhaltiger geprägt als der Lehrer Ubald v. Lutz. 1918 erwarb er den Ansitz Liebenburg (Pigenó, 1955 in mehrere Einheiten geteilt; 1962-1986, Besitzer Schiferegger, dort befand sich auch das legendäre „Dolomiti”, ein weitum bekannter Nacht-Club) und baute diesen in den Folgejahren mit seiner Frau Notburga Kössler in eine Pension/Hotel mit 30 Betten um. Die Gäste wurden mit Pferdekutsche und die Koffer mit „Loaterwagen” vom Bahnhof zur Pension gebracht; erstmals wurden Kellerbesichtigungen, Traubenkuren – „die wahre Wunder bewirken” – und Dolomitenfahrten oder Wanderungen zum Penegal angeboten. Abends unterhielt man die Gäste mit Musik und Tanz. Sein Freund Georg Kerschensteiner

aus München, Pädagoge und Schulorganisator, brachte viele Gäste aus Deutschland, der Dichter Josef Winckler verfasste für dt. Zeitungen ganzseitig bebilderte Artikel. Zum „Wellnessen“ gingen die Gäste ins nahe gelegene Badl in Pigenó, das zeitweise bis zu 300 Gäste monatlich aufnahm, oder nach Bad Turmbach (Berg). Rosa v. Lutz erinnert sich, dass sie als Kinder die Gäste von der Liebenburg dorthin begleiteten und dafür ein „Kracherle“ bekamen. Rund sechzig Jahre später wurde Wellnessen zum Modewort, als gesteigertes Lebensgefühl wird es in großzügigen Bereichen im eigenen Hause vermittelt.

Das historische Badl in Pigenó war bis in die 1930er-Jahre in Betrieb

Die Traubenkur in Eppan als Sonderbeilage in den Dolomiten 1929 Foto aus einem Werbeprospekt für die Traubenkur in Eppan

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

BADEFREUDEN Als Josef Zastrow 1888 am Montiggler See sein romantisches Schlössl baute – ihm gehörten auch Schloss Aichberg, der kleine und große Montiggler See – waren Badefreuden en plein air noch verpönt und der See diente vorwiegend der Fischerei. Um 1903 erwarb die Gemeinde Eppan das Seeschlössl und beide Seen, erst nach und nach verstand man den gesundheitlichen Nutzen und Spaß von Schwimmen, Tauchen oder Sonnenliegen. Während seiner Aufenthalte auf der Mendel zu Beginn des 20. Jh. hat Karl May, der Vater Winnetous, auch einen Ausflug zum Montiggler See gemacht; er soll sich dort wieder mit seiner Gattin Klara versöhnt haben.

In den 1950er-Jahren baute die Gemeinde das Lido am großen Montiggler See zu einer modernen Badeanstalt mit Umkleidekabinen, Stegen, Liegeflächen und Springturm um. In den 1980er-Jahren kamen ein beheizbares Schwimmbad mit Wasserrutsche und Kinderbecken sowie ein Restaurant dazu. Mehrmals wurden die beiden Badeseen mit der höchsten Auszeichnung des nationalen italienischen Naturschutzbundes, den „5VELE“, für die sehr gute Wasserqualität ausgezeichnet. Die beiden Seen befinden sich im Landschaftsschutzgebiet Montiggler Wald.

Historische Postkarte vom Montiggler See um 1910

Das Lido am Montiggler See in den 1960er-Jahren


ZIMMERVERMIETUNG IN ADELIGEN ANSITZEN Gastfreundschaft unter ihresgleichen war immer schon ein Prädikat, das adelige Häuser auszeichnete. Während der allgemeinen Wirtschaftskrise der 1920/30er-Jahre sah man sich gezwungen, auch an fremde Gäste zu vermieten. Im Ansitz Gleifheim oder auf Schloss Paschbach war die Vermietung ein willkommener Zuerwerb und für „hearische“ Gäste eine adäquate Unterkunft. Allerdings blieben auch nach der Machtergreifung Hitlers 1933, nach der 1.000-Mark-Sperre für die deutschen Touristen, damit die Devisen nicht ins Ausland fließen konnten, die Gäste aus – und dies nicht nur in Gleifheim. Die Besitzerin Therese Tausend von Schloss Paschbach (1924-1942) warb mit dreisprachigen Depliants für Eppan, in ihrem adeligen Etablissement gab es sogar moderne Zimmer mit fließendem Wasser, ein Musikzimmer, ein Schwimmbad und Garagen. Appiano, der „sonnige Weingau der Alpen“ wurde als Mittelpunkt Europas angepriesen. Berühmter Gast war Pianist Arturo Benedetti Michelangeli (1920-1995) in den 1950er-Jahren. Nach ihm wurde der internationale Klavierwettbewerb in Eppan benannt.

Auszug aus dem Gästebuch, Ansitz Gleifheim

Appiano, der Urlaubsort im Zentrum Europas!

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Dritte Phase AUFBRUCH IM TOURISMUS 1950/1960er-JAHRE FERNWEH UND URLAUBSMÖGLICHKEITEN FÜR ALLE SCHICHTEN Diese erste Übersichtstafel wurden in allen Ortschaften Eppans oder in Gasthöfen und Hotels aufgehängt

Nach den entbehrungsreichen Kriegszeiten kam es ab Mitte 1950 rasch zum eigentlichen Aufbruch im Fremdenverkehrswesen, gefördert auch durch das Wirtschaftswunder in Deutschland.

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POSITIVE EFFEKTE

Wirtschaftsaufschwung, Steigerung und Verteilung der Wertschöpfung, mehr Liquidität in Familien, Nebeneinkünfte für landwirtschaftliche Betriebe, Neugründung oder Erweiterung von Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, neue Arbeitsplätze, Öffnung Neuem gegenüber

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Karl Knötig (1927 – 2018) war eine Persönlichkeit, die den Fremdenverkehr in der Nachkriegszeit in Südtirol, insbesondere in Eppan, nachhaltig förderte. In Zusammenarbeit mit der Südtiroler Landesregierung organisierte er ab Mitte der 1950er-Jahre Gruppenfahrten und Zeltlager für deutsche Jugendliche. Sein erstes Ferienheim in Eppan war das „Haus an der Etsch“ in Frangart; auch Schloss Matschatsch und Schloss Gandegg wurden von ihm mit seiner Frau Adele als Schul- und Jugendheime (65 bzw. 80 Betten mit Tagessräumen) geführt. 1964 baute er sein eigenes Hotel in Eppan, den Lamprechtshof.

›1950er Jahre

NEGATIVE BEGLEITERSCHEINUNGEN

Eingriffe in Natur- und Kulturlandschaft, Erhöhung der Lebenshaltungskosten für Einheimische, Verkehr, Bautätigkeit, Verlust alter, gediegener Bausubstanz, Umbauten/ Ausbauten der Häuser (nicht immer zum Vorteil des Ortsbildes) Vernachlässigung der Erziehung der GastgewerbeKinder, Verlust authentischen Brauchtums bzw. Verkitschung, Entfremdung

Improvisierte Campingplätze: in der Nachkriegszeit kamen Jugendliche aus Deutschland zur Erholung nach Südtirol


Die ersten „Fremmen“ kamen aus Deutschland. Vermehrt wurden Gästebetten in Privathäusern angeboten, wobei mitunter auch die privaten Zimmer der Eltern und Kinder zur Verfügung gestellt wurden. Für die Hausfrauen bedeutete die Vermietung zwar ein Einkommen, allerdings ging dies auch teils zu Lasten der eigenen Familie. Der Gast suchte vor allem Familienanschluss, so entstanden oft enge Beziehungen zwischen dem Gast und der Vermieterfamilie. Viele Urlauber wurden zu Stammgästen und logierten mehrmals im Jahr und über Jahrzehnte hinaus im selben Haus. Deutsche Jugendgruppen erholten sich auf den noch improvisierten Campingplätzen auf Matschatsch oder am Montiggler See. Später kehrten viele mit ihren eigenen Familien nach Eppan zurück und logierten in modernisierten Gästehäusern. Parallel zum touristischen Aufschwung entstanden neue Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Auch die Weinund Obstwirtschaft profitierte vom aufkommenden Tourismus: Es gab mehr lokalen Absatz in der Gastronomie, Wein und Obst waren ein beliebtes Mitbringsel aus dem Ferienort. Im Jahre 1950 wurden 1.000 „Fremme“ in Eppan gezählt, 1957 bereits 6.000. Um Gäste anzuwerben wurden erste Einzel- und Gesamt-Prospekte für Eppan gedruckt. 1958 mussten 250 Lire pro Bett an den Tourismusverein abgegeben werden.

1950 wurden 1000 „Fremme“ in Eppan gezählt

Gästeunterhaltung bis spät abends oder Gartenfeste gehörten zum Animationsprogramm für viele Zimmervermieter.

15. Juli, Gründung „Fremdenverkehrsund Verschönerungsverein“ Eppan 1. Obmann: Anton Kaufmann (1952-1960) Gasthof Sternegg

Gerne nahmen die Gäste die Kinder der Vermieterfamilien bei ihren Ausflügen mit: für viele eine Gelegenheit die „Welt“ außerhalb des Dorfes kennenzulernen.

Erste Prospekte für private Zimmervermietung wurden gedruckt; links im Bild noch sehr einfach, rechts schon an die modernen Erfordernisse angepasst

›1957/1958 ›1952

27


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

REORGANISATION TOURISTISCHER EINRICHTUNGEN Mit dem Fortschritt ging auch eine Umstrukturierung oder Neu-Organisation in allen Bereichen einher. 1952, am 15. Juli wurde der „Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Eppan” auf Betreiben des Gemeindebeamten Alois Dellagiacoma gegründet; der 1. Obmann war Anton Kaufmann (1952-1960) vom Gasthof Sternegg. 1960 bis 1964 folgte ihm Robert Meraner, Konrad Dissertori war sein Stellvertreter und wurde später Geschäftsführer des Verkehrsvereins. 1960 erfolgte die Eröffnung des neuen Tourismusbüros am Dorfeingang (Haus Christoph). 1962 wurden erste Plakate von Eppan gedruckt. Die Burg Hocheppan, Stammburg der Eppaner Grafen, wurde als Markenzeichen für sämtliches Werbematerial eingesetzt. Aus dem Gästebuch Hotel Weingarten St. Pauls

1962 Gründung des Südtiroler Gastwirteverbands in Bozen und Eppan; der 1. Obmann war Michael Eisenstecken. 1968 erfolgte die Fusion zwischen Gastwirten und Hoteliers, kurz HGV; 1979 schlossen sich auch die Privatzimmervermieter zusammen im VPS (Privatvermieter Südtirol); Gründungsmitglied und Vizepräsident war Matthias Walcher. 1964 wurde auf Betreiben von Konrad Dissertori das Werbekomitee „Südtiroler Weinstraße“ zur übergemeindlichen Vermarktung der Ortschaften im südlichen Südtirol gegründet. Ab 1971 erhielten die betreffenden Gemeinden, Eppan, Kaltern, Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kurtinig und Salurn den Beinamen „an der Südtiroler Weinstraße”. Sie alle verbindet das Zusammenspiel von Wein, Landschaft, Kultur, Architektur und Tourismus. 1965 wurde der erste Werbefilm in Farbton „Südtiroler Weinstraße – uralte deutsche Kulturlandschaft“ durch die Rundfunkanstalt Rai Bozen von Mario Deghengi und Robert Pöder gedreht. 1966 wurde die Partnerschaft Südtiroler Weinstraße – Deutsche Weinstraße geschlossen. Jahre später wurde die erfolgreiche TV-Sendung des SWR „Fröhlicher Alltag“ Deutsche Weinstraße – Südtiroler Weinstraße ausgestrahlt. Um Eppan bekannt zu machen suchte man vor allem den Austausch mit Vereinen und Verbänden in Deutschland. Es begann die Zeit der „Werbefahrten“, z.B. fuhr die Musikkapelle St. Pauls nach Husum (man hörte dort zum ersten Mal das Wort „Tschüss“). Im Anschluss kamen viele Gäste aus dem Hohen Norden nach Eppan.

›1960

Die gewählten Vertreter arbeiten ehrenamtlich, Büroarbeiten durften in der Gemeinde getätigt werden

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Erste Plakate von Eppan werden gedruckt; die Burg Hocheppan als Symbol für sämtliches Werbematerial

›1962 Gründung Südtiroler Gastwirteverband in Bozen und Eppan; seit 1968 Fusion Gastwirte und Hoteliers im HGV (Hotelier- und Gastwirteverband)

›1963 ›1964 Vereinsbüro vermittelt 8.500 Übernachtungen; 33 gastgewerbliche Betriebe mit 668 Betten und 70 Privatzimmervermieter mit 304 Betten, 141.000 Übernachtungen


Boom im Tourismus 1970er-JAHRE Ein rasanter Aufstieg passierte ab Mitte der 1960er- und hauptsächlich in den 1970er-Jahren: Eine rege Neubautätigkeit und der Ausbau bereits bestehender Betriebe in Gasthöfen und Privathäusern wurde verzeichnet. Neue Gaststätten und touristische Betriebe, Bars, Konditoreien, erste Pizzerias und Weinlokale wurden eröffnet. Die einschlägige Werbekampagne „Fließend Deutsch und Warmwasser“ sollte den Fortschritt bekunden und die deutschen Urlaubsgäste an das deutschsprachige Südtirol, im Gegensatz zu den italienischen Urlaubsorten, binden.

Direktor Konrad Dissertori; legendär waren seine Gästeabende mit Diaschau

Es setzte eine rege Werbetätigkeit mit Werbefahrten in „deutschen Landen“ (K. Dissertori) ein, über Partnerschaften, Sportveranstaltungen, z.B. Fußballturnieren, Messeveranstaltungen, Festumzügen, Tiroler Abenden mit Musikkapellen, Volkstanzgruppen, Schuhplattlern, Chören. Wein und Obst wurden als typische Produkte mit angepriesen; es gab erste Fernseh- und Radiobeiträge (ZDF, ORF, Rai Sender Bozen) über Eppan.

Gründung Werbekomitee „Südtiroler Weinstraße“; 1965 Werbefilm „Südtiroler Weinstraße“

Die Landesverwaltung übernimmt den Bereich Fremdenverkehr (Zweites Autonomiestatut)

›1966

Partnerschaft Südtiroler Weinstraße – Deutsche Weinstraße

›1977 ›1972

Verkehrsvereine unter Landesaufsicht; Umbenennung in Verkehrsamt

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Der touristische Aufschwung mit Zunahme von Betten und Übernachtungen hielt auch in den 1970er-Jahren an. 1972 wurde das zweite Autonomiestatut für Südtirol verabschiedet, die primäre Zuständigkeit des Fremdenverkehrswesens geht an das Land über. Die Verkehrsvereine werden unter Landesaufsicht gestellt und in Verkehrsämter (azienda di soggiorno e turismo) umbenannt: Sie sind öffentlichrechtliche Körperschaften mit Verwaltungsrat; Der erste 1977 gewählte Präseident in Eppan war Heinrich Sparber. Der Bau der Umfahrungsstraße 1978 leitete auch ein Umdenken und eine bestimmte Sensibilisierung für die steigenden Verkehrs- und Parkplatzprobleme ein. Bis dahin hatte sich die Blechlawine von oder nach Kaltern und/ oder ins Unterland durch das Zentrum von St. Michael geschlängelt.

Die Südtiroler Weinstraße auf der Tourismusmesse in Hamburg 1980

1981 wurde auch die erste Handwerkerzone in St. Michael an der Umfahrungsstraße eröffnet. Durch weitere Ausweisungen von Handwerkerzonen – nicht immer unumstritten – verschwanden auch nach und nach die kleinen Handwerksbetriebe in den Ortschaften.

5. - 20. Mai 1979 1. Eppaner Bauernkuchl, eine Neuauflage erfolgte 2021 mit „Eppan Culinaria“

›1978

›1980 ›1979

Bau der Umfahrungsstraße, Zentrum St. Michael wird verkehrsfrei

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Gründung VPS (Privatvermieter Südtirol);

Höchststand der Betten; aber auch erste Krise, „Unverschuldet Verschuldete“


HÖCHSTSTAND UND KRISE

Mehr „Qualitätstourismus“ lautete der allgemeine Tenor: Man wollte neue Gästeschichten ansprechen, wobei neue Infrastrukturen notwendig wären, z.B. ein Golfplatz. Auch die Gastronomie wollte man auf eine höhere Stufe mit entsprechender Weinbegleitung bringen.

In den 1980er-Jahren verzeichnete Eppan einen Höchststand an Betten. Die Anzahl der Beherbergungsbetriebe sank im Zeitraum zwischen 1987 bis 2007 um fast 47% auf 255 Betriebe und die Anzahl der Betten auf 3.960. In der Kategorie nicht-gastgewerbliche Betriebe sank die Betriebsanzahl im selben Zeitraum um 53% auf 181 Betriebe. Gründe waren u.a. der Wohnraumbedarf der erwachsenen Kinder der 1. u. 2. Generation: Zimmer wurden für Familienmitglieder in Wohnungen umgebaut. Gastbetriebe, Pensionen, Hotels, die vorwiegend in Wohnzonen angesiedelt waren, waren für den Wohnungsbau attraktiv. Man spürte den Druck der Zuwanderung durch die Nähe zu Bozen. Es gab eine erste Krise durch eine allgemeine Rezension. Aufgrund hoher Zinssätze gerieten viele Betriebe als „unverschuldet Verschuldete“ in die Bredouille.

1982 erschien der übergemeindliche Ferienkatalog „Der Süden Südtirols“. Der Bau des Fahrradweges auf der ehemaligen Trasse der Überetscherbahn 1985 eröffnete einerseits ein zusätzliches, Freizeitangebot, andererseits wurde dadurch die Möglichkeit verbaut, die Bahn als nachhaltiges und attraktives Verkehrsmittel, ähnlich der Vinschger Bahn, wiederzubeleben. 1986 fand das 1. Paulsner Dorffest der Vereine in den Gassen und idyllischen Höfen des Weindorfes statt; 1990 folgte das 1. Kellerfest in Girlan. Beide Veranstaltungen waren von Anbeginn ein Publikumsmagnet. Werbewirksam erwies sich auch die ZDF-Fernsehaufnahme „Sonntagskonzert“ (1987) in Eppan mit lokalen Musikkapellen und Chören. Nach dem Umbau des Gemeindehauses 1987 erhielt dort auch das Verkehrsamt neue Büros.

1. Paulsner Dorffest der Vereine in den Gassen und idyllischen Höfen des Weindorfes; 1990 1. Kellerfest in Girlan

ZDF-Sonntagskonzert Aufnahmen in Eppan mit Musikkapellen und Chören

›1986 ›1982

›1987

Herausgabe des übergemeindlichen Ferienkatalogs „Der Süden Südtirols“

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

Aufbruch ins digitale Zeitalter Seit den 1990er-Jahren war ein Umbruch im Tourismussektor zu verzeichnen, nicht zuletzt durch den Einzug neuer Techniken, die Digitalisierung und später durch das Internet. Zeiten, in denen hunderttausende Prospekte per Post versandt wurden, gehörten bald der Vergangenheit an. Die touristische Entwicklung stagnierte: Die Übernachtungszahlen und Ankünfte im Gebiet Eppan sanken. Seit Anfang der 1990er-Jahre war ein Rückgang an gastgewerblichen und nicht gastgewerblichen Betrieben zu beobachten, vor allem ein drastischer Rückgang der Privatzimmervermietung, während die Buchungen im „Urlaub auf dem Bauernhof“ zunahmen, nicht zuletzt auch durch die günstigen urbanistischen Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Betriebe. Eine Veränderung der Urlaubsgewohnheiten bei den Gästen schien sich anzubahnen, man wollte „öfter, kürzer, weiter“. Auch die Ansprüche der Gäste stiegen, was den Ausbau

Sekretärinnen des Verkehrsamtes beim Versenden tausender Prospekte und Broschüren

32

EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022

der 2- und 3-Sterne-Betriebe zu 4- und 5-Sterne-Betrieben notwendig machte. Man bewarb auch neue Zielgruppen von Gästen, intensivierte die Gästewerbung in Italien und europäischen Ländern. Dazu dienten auch die erste Flugaufnahme vom Eppaner Gebiet (1990) oder die angebotenen Wochenprogramme für Gäste wie Weinberg- und Kellereibesichtigungen, Weinseminare, kulturhistorische Führungen usw. Kontrovers wurde über einen Flugplatz in Südtirol diskutiert. Auch in Eppan war man sich nicht einig: Einige Touristiker sahen die Vorzüge einer schnellen Erreichbarkeit Eppans. Für andere hingegen bedeutete eine geplante Flugeinzugsschneise über Eppan vor allem Luftverschmutzung und Lärmbelästigung; man befürchtete, dass ein naher Flughafen viele Gäste abhalten würde, zukünftig in Eppan Ruhe und Erholung zu suchen.


VOM VERKEHRSAMT ZUM TOURISMUSVEREIN Im Jahre 1993 gab es wieder eine Änderung in der Verwaltung der Tourismusbranche. Die Verkehrsämter, zu umständlich und bürokratisch, wurden abgeschafft: Der Tourismusverein als private Rechtspersönlichkeit mit Wahlen im Vierjahreszyklus wurde gebildet. Neu war auch die Einführung einer Tourismusabgabe für alle Wirtschaftszweige – Handwerk, Handel, Dienstleistung – die alle direkt oder indirekt am Kuchen Tourismus mitnaschen.

(ital. Volksgruppe), Bürgermeister Franz Lintner (Rechtsmitglied); Aufsichtsräte: Peter Peer, Johann Unterhofer, Markus Tarfusser. 1995/1996 wurden die Fremdenzimmer und Ferienwohnungen durch ein Landesgesetz neu geregelt; es gibt Kategorien bis zu fünf Blumen. 2008 erfolgte die Regelung vom „Urlaub auf dem Bauernhof” mit dem gemeinsamen Logo „Roter Hahn“.

Am 31. März 1993 fand die Gründungsversammlung des neuen Tourismusvereins unter dem Motto: Tourismus für uns alle – Tourismus durch uns alle, statt. Dem neuen Vorstand gehörten an: Rudi Christof (Präsident, Vertreter des HGV), Matthias Walcher (VPS), Leopold Kager (Agrotourismus), Josefine v. Call (VPS), Konrad Sparer (VPS), Wolfgang Moser (HGV), Anton Rohregger (Kaufleute), Fritz Dellago ju. (HGV), Karl Zublasing (HGV), Walter Pisoni (Kaufleute), Gerd Ladurner (Handwerker), Gino Giuliani

Die Einführung des Euro 2002 als gemeinsame offizielle Währung in 19 EU-Mitgliedstaaten war – wie die Öffnung der Grenzen nach Italiens Beitritt zum Schengener Abkommen 1990 – ein weiterer Meilenstein in Richtung Globalisierung, nicht nur im Tourismussektor.

Das neue Büro des Tourismusvereins im Eppaner Rathaus nach dessen Umbau 1987

Auszug aus dem Hotel und Gastronomieführer Eppan 1993

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

HERAUSFORDERUNGEN IN EINER GLOBALISIERTEN WELT Mit der Reform des Landesentwicklungs- und Raumordnungsgesetzes 2007 wurden die stark entwickelten Tourismusgemeinden angehalten, ein übergemeindliches Tourismusentwicklungskonzept zu erstellen – Eppan gemeinsam mit Kaltern, Tramin, Pfatten. Durch Ausweisung von Tourismuszonen sollte die Möglichkeit für quantitatives und qualitatives Wachstum gegeben sein; in Eppan waren 800 neue Betten geplant. Gleichzeitig befassten sich die Gemeinde, der Tourismusverein und weitere Wirtschaftszweige mit Ortsmarketing. Themenfelder waren Nachhaltigkeit und Authentizität, Belebung der Ortszentren, Wein und Genuss, Weinstraße, Seen, Burgen, Architektur, Sport und Erholung, Kultur und Traditionen.

Eppans Alleinstellungsmarke bzw. die Einzigartigkeit als Genuss- und Weindestination soll gezielt als Mehrwert vermittelt werden.

Das neue gemeinsame Logo wird für alle Vereine und Veranstaltungen verpflichtend. Unter dem Portal eppan.com können alle Veranstaltungen von Vereinen eingetragen werden. Wer wissen möchte, was in Eppan los ist, von Sport bis Kultur, kann sich hier ausgiebig informieren. Seit 2015 versucht man neue Wege zu finden und das Profil als Tourismus-Destination zu schärfen: Schaffung von Synergien und Vermarktungsangeboten und Intensivierung der Regionalität.

1987: Tourismusverein bezieht neues Büro im renovierten Gemeindehaus

1990: erste Flugaufnahmen vom Eppaner Gebiet für Werbezwecke

›1993

›1990er Jahre Stagnation in touristischer Entwicklung; sinkende Übernachtungszahlen und Ankünfte

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›1995/96 Abschaffung der Verkehrsämter, Bildung des Tourismusvereins als private Rechtspersönlichkeit; Tourismusabgabe für alle Wirtschaftszweige

Landesgesetze zur Regelung der Fremdenzimmer und Ferienwohnungen; Kategorien bis zu fünf Blumen; 2008 Regelung „Urlaub auf dem Bauernhof“; Logo: Roter Hahn


Hocheppan: die Stammburg der Eppan Grafen

Es werden neue Angebote für bestimmte Gästestrukturen erstellt und ausgebaut: neue Zielgruppen sollen mit attraktiven Strategien und Konzepten angesprochen werden. Weiters sollen die Wanderwege ausgebaut und der Rad- und Kulturtourismus intensiviert werden. Seit 2015 hat Eppan endlich einen eigenen 9-Loch-Golfplatz auf den Gemeinde-Mösern an der nördlichen Talsohle. Jahrelange, teils hitzige und emotionsgeladene Diskussionen, weniger über die Notwendigkeit, als über den Standort selbst, waren vorausgegangen: Viele Touristiker sahen den idealen Ort im Montiggler Wald. Mittlerweile gibt es am Waldesrand von Montiggl Eppans ersten Campingplatz, womit eine Lücke im Angebot einer modernen Tourismusdestination geschlossen scheint. Mit der Einführung der Gemeindeaufenthaltsabgabe (Ortstaxe, Jänner 2014) in Südtirol erhielten die Tourismusvereine ein drittes Standbein für die Finanzierung ihrer

›2002

Tätigkeiten neben Beiträgen der öffentlichen Verwaltung und den Mitgliedsbeiträgen. Um in Eppan eine Attraktion, auch für Tagesausflügler, anbieten zu können wurde 2012 für Girlan ein internationaler Planungswettbewerb, gemeinsam mit der Gemeinde, das „Vineum“ (Wein-Erlebnis-Welt) ausgeschrieben: In 13 unterirdisch verbundenen, historischen Kellern sollte den Besuchern das Thema „Wein“ in zeitgemäßer, multimedialer Inszenierung nähergebracht werden: geblieben ist leider nur die Vision. 2016 kaufte die Gemeinde Eppan die Burg Hocheppan aus Anfang 12. Jh., das Wahrzeichen Eppans, samt Burgkapelle und Burgschenke; Es erfolgte die Gründung der Hocheppan GmbH zur Führung und zum Erhalt der Burg. Erster Präsident ist Carl Philipp Baron Hohenbühel.

2003: Weinkulturwochen in St. Pauls mit Gastlicher Tafel (334 Gäste speisen in der Gasse des Weindorfes St. Pauls mit Sternekoch Herbert Hintner)

›2003 Einführung Euro als gemeinsame offizielle Währung in 19 EU-Mitgliedstaaten

TV-Sendung SWR: „Fröhlicher Alltag“ Deutsche Weinstraße – Südtiroler Weinstraße

Reform des Landesentwicklungs- und Raumordnungsgesetzes; Erstellung eines übergemeindlichen Tourismusentwicklungskonzeptes

›2007

Ortsmarketing: neues gemeinsames Logo für Eppan: Burgen Seen Wein

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

2018 wurde erstmals eine Frau zur Präsidentin des Tourismusvereins gewählt. Im neuen Landesraumordnungsgesetz „Raum und Landschaft“ (Nr. 9/2018) werden auch die Zielsetzungen im Tourismus berücksichtigt. Dazu hat die Landesregierung im letzten Jahr an die EURAC ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, welches als Grundlage für das Landestourismusentwicklungskonzept (LTEK) 2030+, für eine nachhaltige, raumverträgliche Tourismusentwicklung, dienen soll. 2020/2021: Die Covid-19 Verordnungen und Beschränkungen wirken sich negativ und einschränkend auch im Tourismus aus; die Folgeerscheinungen sind noch nicht absehbar… Im Sommer 2021 bezog der Tourismusverein die neuen Büroräume „Schmitte am Sonnenwirtsplatz“ im Ortszentrum von St. Michael. Mit Zuversicht und Schwung steuert man von den neuen Büros aus in die Zukunft des Tourismus in Eppan und darüber hinaus.

›2010 ›2009

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Internationaler Planungswettbewerb Wein-Erlebnis-Welt „Vineum“ in Girlan gemeinsam mit der Gemeinde

›2014

›2012 2010 & 2018: DFB-Trainingsaufenthalt in Eppan, Joachim Löw und seine Spieler trainieren in der neuen Sportanlage in Rungg und logieren im Hotel Weinegg in Girlan

Jänner, Einführung Gemeindeaufenthaltsabgabe (Ortstaxe) in Südtirol


Bürohaus „Schmitte am Sonnenwirtsplatz“ heute

Landesraumordnungsgesetz Nr. 9/2018 „Raum und Landschaft“; 2021 Erarbeitung des LTEK 2030+ (Landestourismusentwicklungskonzept)

Seit 2015 Stärkung des Profils als Tourismus-Destination

›2016 ›2015

›2018 Kauf Burg Hocheppan Wahrzeichen Eppans durch die Gemeinde; Gründung Hocheppan GmbH

Covid-19 Verordnungen und Beschränkungen

›2020 2021 2021: Tourismusverein bezieht die neuen Büros „Schmitte am Sonnenwirtsplatz”

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

1952

1973 DIREKTOREN

Anton Kaufmann (15.7.1952–24.2.1960) Anton Gutmann (25.2.1960–28.11. 1960) Robert Meraner (28.11.1960–15.2.1964) Konrad Dissertori (15.2.1964–9.3.1977)

PRÄSIDENTEN Heinrich Sparber (1977–1993)

Konrad Dissertori, (1.1.1979–31.12.1993)

VERKEHRSVEREIN VERKEHRSAMT

OBMÄNNER

FREMDENVERKEHRS- UND VERSCHÖNERUNGSVEREIN

OBMÄNNER UND PRÄSIDENTEN

1992

Kurt Putzer (07.05.2001-15.03.2003) Alexander Hamberger (22.04.2003-31.12.2013)

Rudi Christof (1993-2000)

Karl Zublasing (2000-2003) Bruno Moser (2003-2010)

Rudi Christof (2010-2014) Thomas Rauch (21.01.2014-heute)

TOURISMUSVEREIN

Josef Pahl (10.01.1994-30.11.1996) Hansjörg Mair (01.02.1997-31.05.2001)

Philipp Walthaler (2014-2018) Evelyn Falser 05.04.2018 bis heute

Burgen | Seen | Wein

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Eppans Logo im Wandel der Zeit


WIE EPPANS WIRTSCHAFT UND TOURISMUS IN DEN LETZTEN 70 JAHREN ZUSAMMEN GEWACHSEN SIND Der Tourismus, früher besser bekannt als Fremdenverkehr, war immer schon ein wichtiger Wirtschaftszweig - auch für die Raiffeisenkasse und deren Entwicklung. Die Raiffeisenkasse Überetsch wurde vor 50 Jahren gegründet und hat daher erst das neuere Drittel der 150-jährigen Geschichte des Tourismus in Eppan begleitet. Zu Beginn wurden vor allem Finanzierungen an Zimmervermieter, zumeist für kleinere Investitionsbeträge gewährt. Später folgten die Investitionen in Hotel Garni und Frühstückspensionen, immer noch im kleineren Ausmaß. Private Schwimmbäder waren damals noch die Ausnahme. Weitere, zum Teil bereits größere Finanzierungen folgten für kleinere und mittlere Hotelstrukturen, für Apartments und Ferienwohnungen. Im letzten Jahrzehnt stieg die Nachfrage nach Finanzierungen in größere Hotelprojekte und in die qualitative Erweiterung von Wellness- und Freizeitangeboten. Stark zugenommen haben die Investitionen im Bereich des Urlaubs auf dem Bauernhof für eine gediegene Ausstattung der Betriebe. Die Investitionsnachfragen im Bereich Tourismus haben mit der Zeit laufend zugenommen, wobei sie in den 80iger Jahren durch die hohen Zinsen und den damit zusammenhängenden Ängsten etwas gebremst wurden. Die von der Raiffeisenkasse genehmigten Kredite für Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie beliefen sich im Jahr 2012 auf knapp 22 Mio. Euro, was einem Anteil von ca. 6 % des gesamten Kreditvolumens ent-

sprach. Ende 2021 belief sich das genehmigte Volumen bereits auf 67,5 Mio. Euro und einem Anteil von 11,5 %. Ein besonderer Aspekt in der Geschichte war der Geldwechseldienst, welcher bis zur Einführung des Euro ein ertragreiches Geschäft für die Banken und die Tourismusbetriebe war. Die teilweise gewaltigen Kursschwankungen der italienischen Lire machten Auslandsgeschäfte interessant. Es gab unterschiedliche Wechselkurse für Bargeld und Reiseschecks, wobei der Wechselkurs für Reiseschecks um einiges höher lag. Normalerweise wurden in den Geldwechselstuben und in den Beherbergungsbetrieben der Bargeldwechselkurs für Reiseschecks verrechnet und bei der Einlösung in der Bank der Scheckwechselkurs kassiert. Es gab auch Banken, die besonders günstige Wechselkurse für Fremdwährungen zahlten und somit nahmen einige auch gerne den einen oder anderen Kilometer mehr in Kauf um sich den günstigsten Wechselkurs zu sichern. Unsere Raiffeisenkasse war seit jeher für die Sicherung des allgemeinen Wohles durch das genossenschaftliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten bemüht. Seit 2005 unterstreicht ein großzügiger Sponsorvertrag die starke Verbindung von Raiffeisen mit dem „Tourismusverein Raiffeisen Eppan“.

Oberrauch Philipp Obmann der Raiffeisenkasse Eppan

39


150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

473.989

471.597

471.560

1.253 395.680

1.142

1.204

316.804 WIRTSCHAFTSBETRIEBE IN EPPAN

762 799 213.608 ÜBERNACHTUNGEN IN EPPAN

218

ANKÜNFTE IN EPPAN

346

74.903

63.300

90.648

82.244

80.131

242 2.228 1951

804

1961

58.827

23.303

8.791

1971

1981

Vereinfachte grafische Darstellung der Entwicklung Eppans als Wirtschaftsstandort seit den 1950er-Jahren bis 2021 in Bezugnahme auf die Übernachtungen und Ankünfte.

40

EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022

1991

2001

2011

2021

Der „Fremdenverkehr“ hat wie kaum eine andere Branche zu entscheidenden Veränderungen und Erneuerungen auf nahezu alle Wirtschafts- und Lebensbereiche eingewirkt. Die Ausstrahlungskraft, die direkte oder indirekte Einflussnahme des Tourismus lässt sich anhand der Betriebsgründungen – nicht nur auf den Tourismussektor bezogen – klar ablesen.


JUBILÄUMSPROGRAMM www.kurorteppan.info März bis Dezember 2022 150 Jahre Tourismusverein Eppan Erzählcafé | Podiumsdiskussion | Lesungen Buchvorstellung | Traubenkur Ausstellungseröffnung 150 Jahre u.v.m. April bis Oktober Erzählcafés in verschiedenen Locations 15. Mai Auf dem Touristensteig durch die Furglau: zusammen mit dem AVS und CAI 8. Juni Podiumsdiskussion „Tourismus, Wirtschaft und Wein“ Juli & August beim Langen Mittwoch: Freiluftkino mit alten Filmen über Eppan 5. August Buchvorstellung: „Auf dem Weg zum Paradies – Klimatischer Kurort Eppan“ von Martin Hanni Anfang August Ausstellungseröffnung: 150 Jahre Tourismus in Eppan – Pension Lanserhaus 25. August Offizieller Gründungstag des Kurvereins Eppan Goldene Herbstwochen Traubenkur

Weitere Veranstaltungen und Termine finden Sie unter eppan.com/events. Änderungen vorbehalten.

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150 JAHRE TOURISMUS IN EPPAN

EPPAN KENNT MAN Eppan erleben mit dem Tourismusverein: Best-ofs 2010 und 2018 wurde Eppan als Trainingslager für den DFB ausgesucht. Die Mannschaft um Joachim Löw trainierte auf den gemeindeeigenen Sportanlagen in Rungg und logierte im Hotel Weinegg in Girlan. Die Eppaner Ansitze und Burgen werden gerne von Regisseuren als Drehort oder Filmkulisse für Spiel- und Dokumentarfilme, Shows, Reportagen, Werbefilme oder Fotoshootings ausgewählt. z. B. Horst Lichter on tour: Der beliebte Fernsehmoderator war 2015 mit dem ZDFTeam an der Südtiroler Weinstraße unterwegs und machte mehrmals Halt an interessanten Locations in Eppan. Beim Langen Mittwoch in St. Michael/Eppan in den Sommermonaten Juli und August laden Kaufleute und Gastronomen zum Genießen, Shoppen Schlendern und auf ein gutes Glas Wein... Eppan Humorfestival: Im romantischen Schlössl am Montiggler See, in lauen Sommernächten, dürfen Sie nach Herzenslust lachen oder gedankenvoll sinnieren: nationale und internationale Kabarettisten, Komödianten und humoristische Musikgruppen laden dazu ein. Ein Event, das sich seit 1998 all die Jahre hindurch ununterbrochener Beliebtheit erfreut, sind die Weinkulturwochen in St. Pauls (Juli/August). Die besten Weine der Eppa-

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EPPAN AN DER WEINSTRASSE, MÄRZ 2022

ner Kellereien werden bei verschiedenen Gelegenheiten, verkostetet und aufgetischt. Seit 2003 kam die Gastliche Tafel hinzu: 334 Gäste speisen an der langen Tafel in der idyllischen Dorfgasse des Weindorfes. Der Sternekoch Herbert Hintner verzaubert mit einem fünfgängigen Menü anspruchsvolle Genussfreunde. Seit 2015 findet jährlich im Herbst die Castelmusika statt: eine Wanderung zu den historischen Ansitzen, Schlössern und Weinhöfen mit Musik und Kulinarik. Bei der Castelronda, einer geführten Wanderung zu den Schlössern und Ansitzen rund um Bozen und zum Eppaner Burgen-Dreieck Korb, Boymont, Hocheppan oder Festenstein kann man eintauchen eine Zeitreise vom Mittelalter bis heute. Über Jahre hinweg war die Veranstaltung Burgenritt eine Attraktion, die zahlreiche Zuschauer anlockte.


Die „Bauernkuchl“ neu interpretiert: Seit letztem Jahr kreieren führende Eppaner Köche in historischem Ambiente bei Eppan Culinaria mediterran-alpine Gerichte mit passender Weinbegleitung für Feinschmecker.

Von Ende November bis zum 6. Jänner bietet Eppan Einheimischen und Gästen ein besinnliches Adventsprogramm wie die Krippenausstellung in den Gassen des Weindorfes St. Pauls, der Christkindlmarkt in St. Michael und Wei(h)nachten in Girlan.

Winterzauber in Eppan Zahlreiche Initiativen in den Eppaner Ortschaften drehen sich unter dem Titel EppanAdvent um besinnliche und kulinarische Erlebnisse in der Vorweihnachtszeit.

ZUR AUTORIN

Wally Kössler aus St. Pauls. Studium moderne Sprachen und Literaturwissenschaften; Kunstgeschichte und Archäologie; langjährige didaktische Tätigkeit; Publikationen zu kulturgeschichtlichen und volkskundlichen Themen; Kulturvermittlerin; Vorsitzende Heimatpflegeverein Eppan und Konzertverein Pauls Sakral.

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Burgen | Seen | Wein

ST. MICHAEL GIRLAN ST. PAULS FRANGART MISSIAN UNTERRAIN PERDONIG GAID MONTIGGL BERG GAND

EPPAN TOURISMUS Bahnhofstraße 7 I-39057 St. Michael | Eppan an der Weinstraße Tel. +39 0471 662 206 info@eppan.com

eppan.com facebook.com/eppan instagram.com/eppan_tourism


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