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BAU ME ISTER
115 . J A H R G A N G
Juli
+SHIGERU BAN
+OMA
18
+GE OFFREY BAWA
+STEVEN HOLL
Das ArchitekturMagazin
+REINIER DE GRAAF
+HUGGENBERGERFRIES
+SAUTER VON MOOS
+SBA
+JA M E Y S T I L L I N G S
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Architektur und Sonne – Schreckgespenst Solartechnik ?
194673 016003 07 D A,L I CH 16 € 18 € 19,90 € 24 SFR
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B7
Köpfe
Ideen
Architekten mögen sie nicht besonders: die Solartechnik. Und doch gibt es interessante Beispiele, wie man mit dem Thema umgehen kann. Die unterstrichenen Beiträge rechts befassen sich mit dem Titelthema.
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Pionier der tropischen Moderne: Geoffrey Bawa
Leicht wirkende Architektur, schwere Krankheit
10 Geoffrey Bawa
20 „Haus mit einem Baum“ in Basel
Sein Name steht für regionales, ökologisches Bauen in Südostasien.
14 SBA Architektur und Städtebau Die „Smart-City“-Spezialisten Bianca Nitsch und Hong Li verlassen sich auf eine Menge Daten – und ihre Erfahrung.
Bei ihrem Wohnhaus-Umbau stellen Sauter von Moos ein externes Solarschild auf.
30 „Solaris“ in Zürich Ein sowohl technisches wie wohnliches Mehrfamilienhaus von Huggenbergerfries
42 La Seine Musicale in Paris
BAU MEISTER. DE
54 Maggie‘s Centre in London Das 23. seiner Art von Steven Holl
Unerschöpflich themenreich: Auf unserer Website finden Sie laufend neue Eindrücke von der Architekturbiennale in Venedig.
66 „Blox“ in Kopenhagen Das dänische Architekturzentrum ist in ein neues Hafengebäude von OMA gezogen.
FOTOS V.L .: LUNUGANGA TRUST; IWAN BA AN; JA MEY STILLINGS; FSB
Ein markantes Solar-Segel symbolisiert Nachhaltigkeit bei Shigeru Ban.
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Fragen
Lösungen
Gast-Arbeiter
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Jamey Stillings’ Fotoprojekt: „Ivanpah Solar“
Minimalismus fürs Fenster: Steckgriff von FSB
76 Sonnen-Energie gleich grüne Energie ?
92 Fenster, Türen, Tore
84 Vom Wüstensand zur Metropole ? 86 Größenwahn bei äußerster Abhängigkeit ?
Eines der großen Themen auf der Fensterbau Frontale in Nürnberg: Sicherheit
98 Mauerwerk und Wandbaustoffe Systemlösungen für Hybrid- und Elementbauweisen nehmen zu – auch bei Herstellern klassischer Mauerwerksprodukte.
RUBRIKEN 6 EIN BILD 40 KLEINE WERKE 52 UNTERWEGS 64 SONDERFÜHRUNG 105 IMPRE SSUM + VORSCHAU 106 KOLUMNE
Seine beeindruckende Fotodokumentation der „Ivanpah“Solaranlage in der Mojave-Wüste und andere Luftaufnahmen von erneuer baren Energieprojekten machten ihn auch hierzulande bekannt: Der Amerikaner Jamey Stillings hat sein Thema gefunden und wurde damit zu einem der meist ausgestellten, ausgezeichneten und gesammelten Fotografen der Welt.
Licht ins Dunkel
Viganella
6 Ein Bild
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FOTO: M AT TIA BAL SA M INI
Fragen Sie einen Italiener, der nördlich der Alpen wohnt, was er am meisten an seinem Land vermisst, werden ihm wahrscheinlich zunächst zwei Wörter einfallen: Essen und Sonne. Dem Ersten kann man mehr oder weniger abhelfen – es gibt überall italienische Restaurants und Supermärkte. Beim Zweiten wird die Sache allerdings schwieriger. Da kann der Mensch gegen die Natur nichts ausrichten – oder doch? Das norditalienische Dorf Viganella im Antronatal, Piemont, litt seit jeher unter einem Naturphänomen: Es galt als die dunkelste Ortschaft im Land. Wegen ihrer Lage am Fuß des 2000 Meter hohen Bergs Colma lag Viganella jedes Jahr 83 Tage lang im Schatten. Seit 2006 aber leitet ein auf dem Berghang installierter Spiegel Sonnenlicht auf die Dorfpiazza um. Der Spiegel macht seither nicht nur das winterliche Leben der wenigen Einwohner angenehmer, sondern wirkt auch der Landflucht entgegen, die in der Region zuletzt dramatische Ausmaße angenommen hat. Zur Touristenattraktion hat er sich dabei auch entwickelt – ein willkommener Nebeneffekt.
Text
Leonardo Lella
SEITE 20
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SEITE
FOTO: E LKO GRIMBE RG
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5 Ideen: Wohnhausumbau in Basel Mehrfamilienwohnhaus in Zürich Konzerthaus in Paris Maggie’s Centre in London „Blox“ in Kopenhagen
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Öko-Antenne Auffällig ist das Haus ohnehin. Nicht zuletzt wegen der auf einem Mast im Garten platzierten Photovoltaikanlage. Beim Haus mit einem Baum handelt es sich um den Umbau eines bestehenden Wohnhauses im Wettsteinquartier Basel. Ein Gespräch mit den Architekten Charlotte von Moos und Florian Sauter TITELTHEMA ARCHITEKTUR UND SONNE
Architekten: Charlotte von Moos + Florian Sauter
Sonne sammeln, ausgelagert: Um die Dachflächen nicht zu stören, bauten die Architekten ein separates Sonnenschild im Garten auf.
Interview: Hubertus Adam
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Ideen
1
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Der Eckturm schiebt sich vor die halbe FOTO: ROLF FRE I
Nordfassade des alten Wohnhauses. Damit kontrastiert die hรถlzerne Erweiterung mit dem gemauerten Bestand.
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Ideen
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Zur Photovoltaik
Hersteller Zelle:
Gesamt verbaut:
LOF Solar, Taiwan.
etwa 775 m 2
Hersteller Module:
(Fassade 500 m 2 +
Ertex Solartechnik,
Dach 275 m 2).
Amstetten.
Gesamt mit Zellen:
Lambertsglas
etwa 640 m 2
Prismasolar 10 mm,
(Fassade 450 m 2 +
eisenarm.
Dach 190 m 2).
Digiprint (Keramik)
Installierte Leistung:
auf Ebene 2,
71,7 kWp.
Opazität 90 %.
Ertrag:
Verklebt mit
etwa 45.000 kW/h
PVB-Folie. Silizium Monozelle 5,03 Wp. Zellnetz schwarz. Rückseitige schwarze PVB-Folie. Glas ESG 5 mm. Backrails Alu Schwarz.
M 1:1 0
Traufdetail
M 1:1 0 . 0 0 0
Vertikalschnitt Fassade
Lageplan
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Längsschnitt
M 1:4 0 0
Querschnitt
BAUHE RRSCHAF T: hbf futur, Zürich ARCHITEKTUR + BAULEITUNG: huggenbergerfries Architekten AG ETH SIA BSA, Zürich AUF TR AGSART: Eigenentwicklung F O R S C H U N G S PA R T N E R : Hochschule Luzern CC Envelopes & Solar Energy PH OTOVO LTAI KENGINEERING: SunDesign GmbH, Stallikon PHOTOVOLTAIKE INBINDUNG:
1. OG
2. und 3. OG
Gartengeschoss
DG
Sun Technics Fabrisolar, Küsnacht FASSADE NPL ANUNG: Gasser Fassadentechnik AG, St. Gallen GEBÄUDEHÜLLE: Scherrer Metec AG, Zürich BAUINGENIEUR: Synaxis AG, Zürich KOORDINATION: Pfenninger & Partner GmbH, Zürich NACHHALTIGKE ITSSTANDARD: (ohne) FERTIGSTELLUNG: 2017 STANDORT: Wohnhaus Solaris, Seestraße 416, Zürich
52
TITELTHEMA
Oben:
ARCHITEKTUR UND
Die Panorama-Doppelzimmer im neuen Turmaufsatz verbinden Energieeffizienz mit Komfort. Für ein angenehmes Raumklima sorgen die regulierbare Bodenheizung und -kühlung und die Lüftungsanlage. Links: Die Gebäudehülle als Solarkraftwerk mit fassadenintegrierten Dünnschicht-PV-Modulen und Vakuumröhrenkollektoren Unten: In luftiger Höhe bietet der Frühstücks- und Gemeinschaftsraum herrliche Blicke über den Bodensee.
FOTOS: HOTE L AQUATUR M
SONNE
Unterwegs im
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Aquaturm Radolfzell
Der „Aquaturm“, ein umgebauter Wasserturm, ist ein außergewöhnliches Hotel am Bodensee: Es erzeugt seine Energie großteils mit Sonnenkraft selbst. Hinter dem technoiden Äußeren bietet es großzügige, komfortable Panoramazimmer mit unvergleichlichem Blick über den See. ADRESSE aquaTurm Hotel plus Energie Güttingerstraße 15 Radolfzell www. aquaturm .de
Der einstige Wasserturm der Milchwerke, 1956 erbaut und nach langer Planungsund Umbauzeit 2017 als Hotel eröffnet, erhebt sich am Rand der Radolfzeller Altstadt zwischen Parkplätzen und den als Veranstaltungszentrum genutzten Produktionshallen. Auf den ersten Blick erscheint der mit Sonnenschutzverglasung und Photovoltaik-Modulen bestückte achteckige Turm, flankiert vom PV-überzogenen Erschließungsturm, eher wie ein futuristisches Solarobjekt denn wie ein Hotel – eine Wirkung, die das Wasserbecken um die Türme noch verstärkt. Doch ist die technoide Gebäudehülle wie auch das Gesamtkonzept des Umbaus ganz dem anspruchsvollen Ziel gewidmet, die benötigte Energie für den Hotelbetrieb aus regenerativen Energiequellen selbst zu erwirtschaften: mit Hilfe von Passivhaustechnologie, Photovoltaik, Solarthermie, Hydrothermie und Windkraft im Verbund mit hocheffizienter Gebäudetechnik. Dabei produzieren die insgesamt 700 Quadratmeter Dünnschicht-PV-Module der Fassade bis zu 39.000 kWh/a; die 50 Quadratmeter Vakuumröhrenkollektoren an Südfassade und Dach decken rund die Hälfte des Wärme- und Warmwasserbedarfs ab. Die ungewöhnliche Turm-Transformation ist ein langjähriges Familienprojekt. Der 1979 stillgelegte Wasserturm faszinierte Norman Räffle, den Sohn der jetzigen Eigentümer schon als Jugendlicher so sehr, dass er seither die Idee einer Neunutzung weiterentwickelte und während des Architekturstudiums konkretisierte. So komplex wie die Planung waren auch die sich über acht Jahre erstreckenden Bauarbeiten – zum Großteil in Eigenleistung. Das obere Drittel des Bestandsturms wurde abgetragen, eine auskragende Hybridkonstruktion mit fünf Etagen aufgestockt, der separate Erschließungsturm mit Treppenhaus und Lift angefügt. Der nun 50 Meter hohe Bau bietet insgesamt 20 Zimmer: zum einen großflächig verglaste Panoramaräume ab der achten Etage, zum anderen die eher introvertierten Zimmer im bestehenden Turmschaft, die jedoch die gesamte Etage einnehmen und den Verbindungssteg als Balkon nutzen. Vom schmalen, allzu nüchternen Eingangsbereich bringt mich der Aufzug zur Rezeption im elften OG, komprimiert in einer Nische zugunsten des lichtdurchfluteten Frühstücksraums, eine rundum verglaste Lounge mit spektakulärem Ausblick. Der umlaufende Balkon ist gerade breit genug, um bequem draußen zu frühstücken oder am Abend einen Drink auf dem Outdoor-Sofa zu genießen. Eigentlich möchte man gleich hier bleiben, doch auch mein Zimmer im zehnten OG steht dem in nichts nach. Es wirkt großzügiger als es die 17 Quadratmeter erwarten lassen, dank durchlaufendem Fensterband und einer Raumhöhe von drei Metern. Kontrollierte Belüftung, Fußbodenheizung und -kühlung und automatische Sonnenschutzlamellen sorgen für ein angenehmes Klima, das man über ein Schaltertableau leicht selbst regulieren kann. Trotz Effizienz wird an Komfort nicht gespart: angefangen bei der Dusche mit Blick zum See über das Bett mit bequemem Betthaupt bis zu den Einbaumöbeln in dezentem Grau. Der Aquaturm wird von der Eigentümerfamilie professionell und mit Herzblut geführt, das Projekt ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Wie sich das innovative Energiekonzept bewähren wird, soll ein Monitoring dokumentieren.
Text
Claudia Fuchs
PREISE
DZ ab 150 Euro inkl. Frühstück
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Ideen
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Ein Zeichen der Hoffnung? Ein lichtes, leicht wirkendes Gehäuse beherbergt die neue Anlaufstation fßr Krebskranke im Hof des alten Krankenhauses.
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Leuchtende Laterne Heiter, licht und freundlich und damit ein Kontrast zum eher dßsteren histo rischen Bestand: Das neue Maggie’s Cancer Centre in Londons St-BartholomewKrankenhaus versucht, mit seiner Leichtigkeit der Schwere der Krankheit entgegenzuwirken. Architekten: Steven Holl Architects
Kritik: Sabine Schneider
Fotos: Iwan Baan