Deutsch-Evangelisch in Finnland im Oktober 2012

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Deutsch–Evangelisch in Finnland Nachrichten der Deutschen Gemeinde

97. Jahrgang

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Oktober 2012

Nr. 10


GEISTLICHES WORT

„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15 — Votum für den Erntedanktag)

Liebe Leserin und lieber Leser, „Wie war dein Sommer“, das war wohl die Frage, die ich in den letzten Wochen am häufigsten gehört habe. Wenn man sich nach der langen Sommerpause wiedertrifft ist es ja auch schön zu erfahren, wie es dem anderen ergangen ist. An den hellen, warmen Sommer, hat man ja hohe Erwartungen was Freizeit, Erholung, Entspannung und Freude angeht. „Wie war dein Sommer?“ Auf diese Frage gab es in diesem Jahr oft verhaltene Antworten. Denn der Sommer war kühl und feucht und das lang ersehnte Freiluftleben im Wald, am Strand und auf dem Wasser konnte oft nicht so richtig stattfinden. Da haben viele das Gefühl, ihren „Sonnenspeicher“ in Leib und Seele dieses Jahr nicht gut gefüllt zu haben und deshalb für die dunklere Jahreszeit nur schlecht gerüstet zu sein. „Diesen Winter müssen wir unbedingt ein paar Tage in die Sonne fliegen!“, so habe ich es immer wieder gehört. Ja, man hat das Bedürfnis, Sonne zu tanken. — Aber geht das überhaupt? Natürlich, der Vitamin– D–Speicher des Körpers lässt sich im Sonnenlicht für ein Weilchen auffüllen — auch wenn man dann später doch wieder zur Pillendose greift. Auch die Seele ist zufriedener, wenn sie sich satt fühlt mit schönen Erinnerungen an sonnige Sommertage. Aber wirklich Sonne tanken, sie einsammeln und sie dann an dunklen Tagen wieder hervor holen, das geht ja eigentlich gar nicht. Vielleicht ist das ein bisschen so wie mit dem Manna in der Wüste. Als das wandernde Volk Israel hungerte, ließ Gott wohlschmeckendes Mannabrot vom Himmel fallen. Die Leute freuten sich und sammelten es auf und als sie genug gegessen hatten, fingen sie an, Vorräte für den nächsten Tag anzulegen. Aber das klappte nicht. Das Manna war am nächsten Tag nicht mehr zu gebrauchen. Sie mussten es einfach an dem Tag genießen, an dem Gott es ihnen geschenkt hat. Und am nächsten Tag schenkte er ihnen wieder neues. Darauf mussten sie vertrauen. So ist es wohl mit sehr vielen guten Gaben Gottes: Man kann sie nicht festhalten und hamstern, man muss sie dankbar genießen, wenn sie einem geschenkt werden und dann darauf vertrauen, dass Gott auch am nächsten Tag noch etwas Gutes für uns bereit hält. Zu seinen guten Gaben gehören Sonne und Wärme, Freundschaft und Liebe, Gesundheit und Wohlbefinden, Gelassenheit und Zufriedenheit, Zeit und Ruhe, schöne Erlebnisse und Überraschungen und noch vieles mehr. Zu verschiedenen Zeiten schenkt Gott uns verschiedene Gaben — aber beschenken tut er uns jeden Tag. Darum brauchen wir auch nicht zu besorgt zu sein, wenn unser „Sonnenspeicher“ vielleicht dieses Jahr nicht ganz voll geworden ist. Gott beschenkt uns ja auch in der dunkleren Jahreszeit jeden Tag neu! Und jeden Tag dürfen wir dankbar sein und das genießen, was Gott gerade an diesem Tag für uns bereithält — und manchmal ist es vielleicht auch eine Überraschung! Also lassen Sie sich überraschen! Viel Freude wünscht Ihnen Ihre

Katja Röker

ABKÜNDIGUNGEN AUS DEN KIRCHENBÜCHERN TAUFEN

Nikolas Henrik Ossian Mahrenholz, am 1.7.2012. Alisa Kerttu Ilander, am 17.12.2011.

TR AUUNGEN

Joakim Anian Mette, Deutsche Gemeinde, und Maiju Annika Lehikoinen. Jari Juhani Fetula und Eeva Kristiina Meusel, Deutsche Gemeinde.

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ZUM TITEL

Wann wird in Deutschland das Erntedankfest gefeiert? Der Termin des Erntedanksonntages orientiert sich am Tag des Erzengels Michael (29. September). Wenn, wie in diesem Jahr, der 30. September ein Sonntag ist, ist dieser Tag eigentlich der für Erntedank vorgesehene Feiertag. Vielerorts ist es allerdings üblich, das Erntedankfest immer am 1. Sonntag im Oktober zu feiern. Das hat vor allem historische Gründe.

Das Reichserntedankfest 1933 verfügte Adolf Hitler, dass das Erntedankfest zentral am ersten Sonntag im Oktober gefeiert werden sollte. Mit dem Gesetz über die Feiertage wurde der Erntedanktag am ersten Sonntag nach dem 29. September (Michaelis) gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag würdigte das NS–Regime auf der Grundlage der Blut–und–Boden–Ideologie besonders die Bedeutung der Bauernschaft für das Deutsche Reich. Zentrale Veranstaltung war das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg bei Hameln, an dem in den Jahren 1933 bis 1937 regelmäßig über eine Million Menschen aus ganz Deutschland teilnahmen. Erntedank in der katholischen Kirche Die katholische Deutsche Bischofskonferenz legte 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Festtermin fest, ohne diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich auszusprechen. Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest nämlich bis heute nicht. Die Gemeinden sind nicht verpflichtet, das Fest zu feiern. Das heilsgeschichtlich an Jesus Christus orientierte Jahr der Kirche kennt eigentlich kein Erntedankfest. Dennoch ist der Brauch des Dankes für eine gute Ernte seit langem auch in vielen katholischen Gemeinden üblich geworden. Erntedank in den evangelischen Kirchen Im Bereich der evangelischen Kirchen wird seit 1985 mit dem In–Kraft–Treten des neuen Perikopenbuchs der erste Sonntag im Oktober den Gemeinden als Erntedank–Termin empfohlen. Auch wenn der 30. September ein Sonntag ist, soll in der Regel am ersten Oktobersonntag gefeiert werden. 2006 wurde durch die beiden Zusammenschlüsse VELKD und UEK in der EKD ein Liturgisches Kalendarium beschlossen, das den Erntedanktag auf den ersten Sonntag nach Michaelis festlegt, wenn das Michaelisfest nicht auf einen Sonnabend fällt. Damit findet er nun immer am ersten Sonntag im Oktober statt. Ausnahmen bestätigen die Regel… Mancherorts sind aber auch andere Termine üblich. So begehen die Moselgemeinden das Fest nach der Weinlese am zweiten Sonntag im November. In ländlichen Gebieten Ostdeutschlands, wo ein/e Pfarrer/in oft für mehrere Gemeinden zuständig ist, werden alle Sonntage der zweiten Septemberhälfte genutzt, um in möglichst allen Dorfkirchen Erntedank feiern zu können.

Titelbild: Milch kommt aus dem Supermarkt und Erbsen aus der Dose? Auch in Zeiten einer hochtechnisierten Nahrungsmittelindustrie bleibt die gute Ernte ein Segen. Und auch in diesem Jahr haben wir die Ernte in der Kirche zusammengetragen und für den Titel dieses Gemeindebriefes festgehalten. Erntedank!

AKTUELLES

Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenrat und die Ausschüsse gesucht 2013 beginnt eine neue Legislatur für den Kirchenrat der Deutschen Gemeinde und seine Ausschüsse (Diakonievorstand, Direktion des Deutschen Seniorenwohnheims, Kindergartendirektion). Die Kirchenbevollmächtigten haben einen Wahlvorbereitungsausschuss gebildet, der auf diesem Weg Mitglieder in unserer Gemeinde dazu ermutigen möchte, sich für eine Kandidatur im Kirchenrat und/oder in einem der Ausschüsse zu entschließen. Die Amtszeit dauert zwei Jahre mit monatlichen (Kirchenrat) und quartalsweisen (Ausschüsse) Sitzungen. Wer genauere Informationen zur Arbeit dieser Gemeindegremien wünscht, kann gern bei Anne Breiling im Gemeindesekretariat anrufen, Telefon (09 68 69 85 13) oder ihr eine E– Mail an dg.sekretariat@evl.fi schicken. Die Wahl der Mitglieder und der Suppleanten des Kirchenrates erfolgt aus den Kandidaten durch die Kirchenbevollmächtigten Anfang des neuen Jahres. Die Ausschüsse wiederum werden dann vom neuen Kirchenrat gewählt und von den Kirchenbevollmächtigten bestätigt.

Vakante Stelle in der Diakonie wiederbesetzt Der Kirchenrat hat auf seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause entschieden, die vakante Stelle in der Diakonie mit Herrn Timo Sentzke zu besetzen. Eine öffentliche Ausschreibung der Stelle wurde vom Bistum Borgå in diesem Verfahren nicht verlangt. Timo wird seinen Dienst am 8. Oktober antreten. Da er im September die Ausbildung zum Diakon in Turku begonnen hat, wird er nicht Vollzeit in der Gemeinde arbeiten können. Angedacht ist eine 4–Tage–Woche bei einem Stellenumfang von 80 Prozent. Wir heißen Timo als neuen Mitarbeiter in der Deutschen Gemeinde herzlich willkommen! Timos Diensttelefonnummer lautet: 050–5942 498. 3


Unser Neuer stellt sich vor… Hallo liebe Mitglieder der Deutschen Gemeinde! Mein Name ist Elliot Plank und ich habe am 3. September als Zivildienstleistender hier angefangen. Obwohl ich in Helsinki geboren bin, habe ich meine ganze Schulzeit im Ausland verbracht. Das lag an der Arbeit meiner Mutter. Nach ein paar Jahren Irland, war ich einen längeren Zeitraum in Belgien, wo ich die Europäische Schule besucht habe. Ich bin 19 Jahre alt und hoffe, dass ich während meiner Beschäftigung bei der Gemeinde viele neue Erfahrungen sammeln kann. Ich finde es sehr interessant Menschen zu treffen, die wie ich, als Ausländer in einem fremden Land wohnen, wie ich es getan habe und möglicherweise auch in Zukunft tun werde. Ich mag auch zum Beispiel Bücher lesen und Fussball anschauen. Finnisch ist also meine Muttersprache, aber mich kann man ruhig auch auf Deutsch ansprechen. Schwedisch ist schon mühsamer. Ich freue mich auf die noch verbleibenden etwa elf Monate „im Dienst“.

Gemeindetreffausflug Am 4. September besuchten zehn Teilnehmer des Gemeindetreffausflugs im Helsinkier Kunstmuseum die Ausstellung mit Werken der Künstlerin Georgia O‘Keeffe.

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Unser herzlicher Dank gilt Frau Julia Koch, die die Teilnehmer kenntnisreich durch die Ausstellung führte und Leben und Werk O‘Keeffes für die Betrachter zu einem organischen Ganzen werden ließ.

Open House Sonntag, der 16. September war ein schöner Tag. Nicht nur, dass es wieder mal nicht geregnet hat, sogar die Sonne schien und es herrschte eine nette frühherbstliche Atmosphäre. Wir hatten einen schönen Gottesdienst mit der Kinderkirche und dem Kirchkaffee. Beides gut besucht und fröhlich. Es war die Schönheit „des Alltäglichen“ (trotz Sonntag), die einfachen Dinge, auf denen unser Leben letztlich beruht. Trotz der Schönheit und fundamentalen Wichtigkeit der einfachsten Geschehnisse wird über diese nur selten berichtet. Von dieser Gewohnheit — sich beim Berichten auf das Spezielle, Einmalige, Einzigartige und Exotische zu konzentrieren — wird hier leider auch keine Ausnahme gemacht. Die Deutsche Gemeinde hatte die einmalige Möglichkeit, sich an dem kulturellen Projekt „Open House“ zu beteiligen. Das Projekt hat als Ziel, sonst nicht sehr zugängliche Gebäude in Helsinki für ein breites Publikum zu öffnen. Hierzu sollten an bestimmten Tagen organisierte Führungen dienen. Vielleicht ist es nicht zu dreist zu behaupten, dass unsere Gemeinde, hier im Herzen der finnischen Hauptstadt, etwas Spezielles ist. Wie weit aber diese Besonderheiten auch für die anderen Mitmenschen interessant sind, bleibt meist unklar. Am Sonntag nun sollten dann zwei öffentliche Führungen stattfinden. Wir warteten um 14 Uhr vor der Kirche leicht gespannt — werden „wir Exoten“ bei den „Helsinkiläiset“ genug Neugier wecken? Die beunruhigende Frage wurde durch zwei reichlich besuchte Führungen beantwortet.

Eine ganze Reihe von Menschen hat für den Erfolg der beiden Führungen mitgearbeitet, grossen Dank dafür! Richard Altemeyer hat mit seiner Trompete das Ereignis vor der Kirche angeleitet. Kantorin Riitta Laine spielte zwei Orgelstücke (Johann Sebastian Bach, Schmücke dich o meine Seele; Vincent Lübeck — Präludium E–Dur) und brachte den Gästen die Orgel näher. Der Deutsch–Finnische Chor Deutsch–Evangelisch im Oktober 2012


sang zwei schöne Stücke (Heinrich Schütz, Der Herr ist mein treuer Hirt; Felix Mendelssohn, Verleih uns Frieden gnädiglich). Und Ensio Erä–Esko präsentierte die Geschichte der Gemeinde und der Kirche.

Im Fokus aber standen die Persönlichkeiten Juha Leiviskä und Rosemarie Schnitzler — die beiden Architekten, die hinter dem letzten Umbau der Gemeinde stehen (1997–2001). Die Gäste hatten eine einzigartige Chance, von den Vortragenden nähere Erklärungen der architektonischen Lösungen zu hören — es gibt kaum eine bessere Erklärung der Architektur als von dem Architekten in situ. Die Gespräche über Architektur, aber auch über ganz einfache Sachen haben dem herbstlichen Nachmittag im Gemeindesaal beim Kaffee zu einen ruhigen Ausklang verholfen. Wir sollten froh und dankbar sein, dass wir eine so schöne Gemeinde haben, oder nicht? Es grüßt Euch Tobias Petruzelka.

PS. Die Freude über unsere schönen Gebäude wurde im Sommer gestört. Zwei Regenrinnen aus Kupfer wurden abgerissen und gestohlen. Jetzt sind sie wieder neu und prunkvoll an alter Stelle.

Salonlöwen unter sich Der Salon Crustum trifft sich wieder am Dienstag, 9. Oktober um 19 Uhr zum Thema: Vor– und Nachteile der Synchronisation am Beispiel Finnland versus Deutschland — moderiert von Mika Pöpken. Weg vom Fernseher, hin zum Gespräch! Festes Datum zum Diskutieren und Nachdenken ist jeweils der zweite Dienstag eines Monats im Café der Bäckerei Crustum, Pursimiehenkatu 7 in Helsinki. Herzlich willkommen!

WEITERE GEMEINDEGRUPPEN

Die Seemannsmission in Mäntyluoto feiert ihren 50.

Filmabend am 1. November Den nächsten Film des Monats zeigen wir erst am Donnerstag, den 1. November, um 19 Uhr. Auf dem Programm steht der Film „Die Thomaner“, Herz und Mund und Tat und Leben — ein Jahr mit dem Thomanerchor Leipzig. Im Jahr 1212 gegründet, ist der Thomanerchor einer der ältesten Chöre der Welt und Leipzigs älteste kulturelle Einrichtung. Berühmtester Thomaskantor war Johann Sebastian Bach. Inzwischen genießt Leipzigs berühmter Knabenchor weltweites Ansehen, das mit Auftritten rund um den Globus gefestigt wird. Die Jungs sind hier an einer großen Sache beteiligt, und sie eint die Liebe zur Musik — sie haben aber genau die Probleme wie andere in ihrem Alter auch. So erlebt der Zuschauer die Sänger im Alter von etwa neun bis 18 Jahren nicht nur bei den Proben oder Auftritten auf diversen Bühnen oder in Kirchen, sondern erhält auch einen Einblick in ihren übrigen Alltag, in die Schule, in die Freizeit und in ihr als Alumnat bezeichnetes Internat, intern „Kasten“ genannt. Natürlich kommt auch der aktuelle Thomaskantor Georg Christoph Biller zu Wort, der jetzt als ehemaliger Thomaner die Tradition seiner Vorgänger fortführt. Ein Film von Paul Smaczny und Günter Atteln, Deutschland 2012, ab 0 Jahren.

Wir möchten Euch herzlich zum 50–jährigen Bestehen gratulieren! Die Seemannsmission liegt der deutschen Gemeinde als Ort der Begegnung, des Austausches und des zur Ruhe Kommens für Seeleute besonders am Herzen. Die Seeleute werden hier mit offenen Armen empfangen und haben im Seemannsclub auf verschiedenste Art und Weise die Möglichkeit, sich zu entspannen. Ein Billard– oder Tischtennisspiel, ein Saunagang oder einfach nur mal auf der Couch sitzen und fernsehen können eine tolle Abwechslung zur schweren Arbeit auf den Schiffen sein. Besonders die Gottesdienste und Andachten auf den Schiffen oder im Seemannsclub spenden Kraft für die weiteren Fahrten der Seeleute. Wenn man dabei zudem auf so herzliche Menschen wie Wolfgang oder andere ehrenamtliche Mitarbeiter trifft, wird einem schnell klar, warum die Seemannsmission so ein wichtiges christliches Arbeitsfeld darstellt. Wir als deutsche Gemeinde möchten unsere tiefe Verbundenheit zur Seemannsmission dadurch zeigen, dass wir mit diesem Vertrag wie bisher auch für die nächsten 50 Jahre als Pächter für das Grundstück der Mission eintreten. Wir freuen uns, euch auf diese Art und Weise auch weiterhin unterstützen zu können, damit die Seeleute hier auch in Zukunft eine so wertvolle Anlaufstelle vorfinden.

Ich bedanke mich im Namen des Kirchenrates und des Kapellenrates in Turku für die großartige Arbeit am Menschen, die hier schon so lange geleistet wird und wünsche euch auch weiterhin viel Glück, Freude und Gottes Segen für die nächsten 50 Jahre. Erik Panzig

Das Seemannshaus in Mäntyluoto 1963 und 2012 in Farbe.

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TURKU

Ein kuscheliges Erlebnis…

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s konnte sich keiner erinnern, dass die Turkuer Kapellengemeinde schon einmal einen Gottesdienst gefeiert hatte, in dem den Besuchern drohte, keinen Platz zu finden. So geschehen nun in unserem August–Gottesdienst! Die Ursache lag aber nicht darin, dass er mit unserem Sommerfest verbunden war, sondern einfach in der Tatsache, dass die Räumlichkeiten recht begrenzt waren. Wir trafen uns in einem zu einer Kapelle umgewandelten Stall, die im Jahre 2003 vom damaligen Erzbischof Jukka Parma ihre Weihe erhalten hatte. Sie ist Teil einer ehemaligen Kätnerstelle, mit dem Namen Pulkkion torppa. Heute gehört sie dem Ehepaar Eeva–Kaisa und Jouko Martikainen, letzterer ein erimitierter Theologieprofessor der Universität Göttingen. U.a. auf sein Betreiben hat die Kapelle eine ganz besondere spirituelle Atmosphäre erhalten. Ihre Wände schmücken Bilder unter dem Thema ‚kirkkovuoden kuvat‘. Zu jedem Sonntag des Kirchenjahres ist wenigstens ein Bild entstanden, dass die jeweiligen Texte der Lesungen reflektiert, zentral das Thema aus dem Neuen Testament, eingerahmt von zwei Motiven aus dem Alten Testament. Wo früher zwei Pferde standen, bietet sich heute Platz für 30 Personen. Wir waren 32, die mit Pastorin Röker auch schon im Gottesdienst fröhliche Sommerlieder anstimmten. So kann mit Recht gesagt werden, es war ein selten kuscheliger Gottesdienst. Unser anschließendes Sommerfest war vom Glück begleitet. Just dieser Samstag erlaubte es der Sonne, ihre ganze spätsommerliche Wärme zu spenden. Kein Regentropfen störte eine fast biedermeierliche Stimmung. Die Erwachsenen saßen in Gespräche vertieft im Hofrund unter einem mächtigen Apfelbaum, eine lustige Kinderschar nutzte die weiten Gartenflächen für ihre Spiele. Ein von den Besuchern stattlich ausgestattetes Buffet plus Wurstgrill besaßen gewisse magnetische Einflüsse und verleiteten auch die Erwachsenen zu gelegentlichen Bewegungseinheiten. Die zwei Bilder auf dieser Seite hat Andreas Braun gemacht. In seinem Begleitschreiben spricht er von einer bleibenden Erinnerung — Ja, dieser Gottesdienst mit dem anschließenden Beisammensein bleibt als ein erinnernswertes Erlebnis im Gedächnis. Bernd Oldendorff

Hier links ein Blick auf die Alterwand der kleinen Kapelle von Pulkkion torppa. Das große Bild zeigt, wie auch in einem besinnlichen Gespräch ein Würstchen immer mundet: Norbert Erdmann und Heinz Mach teilen die Bank mit unserem Gastgeber, Jouko Martikainen.

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MUSIK

Wir feiern ein Fest — Singspiel zum Erntedank! Die neue Kinderchorsaison hat fröhlich begonnen. Über 20 Kinder treffen sich jeden Donnerstag im Gemeindesaal und üben fleissig das neue Singspiel, wo es um Säen und Ernten, aber auch um Nörgeln und Danken geht. In diesem Singspiel von Heidi Klingberg machen auch die Kleinsten vom Kindergarten mit — und dazu freut sich der Kinderchor auch über die „grossen“ Choristen, die aus der Schule zur Probe kommen. Aufführung im Familiengottesdienst zum Erntedank am 7. Oktober um 11 Uhr in der Deutschen Kirche.

Herzlich willkooohommeeen!

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Vesper am Reformationstag: Ein feste Burg Herzlich willkommen zur Musikalischen Vesper mit Bach–Kantate am Reformationstag, dem 31. Oktober um 19 Uhr in der Deutschen Kirche. Eine der bekanntesten Kantaten Johann Sebastian Bachs (1685–1750) basiert auf dem Kernlied der Reformation „Ein feste Burg“ von Martin Luther. Ausser den vier Liedstrophen Luthers (EG 362) enthält die Kantate freie Dichtung von Salomon Franck. Luthers Lied spiegelt Gottesvertrauen — in Francks Dichtung kommt als zusätzliches Thema der Kampf Satans gegen Gott hinzu, was auch dem Textinhalt des jeweiligen Sonntags entsprach. Diese Kantate hat Bach in der Leipziger Thomaskirche vermutlich um 1730 aufgeführt. Ursprünglich ist die Reformationskantate BWV 80 aber aus einer für Sonntag Oculi in Weimarer Zeit geschriebenen Kantate „Alles was von Gott geboren“ hervorgegangen. Da in Leipzig keine Kantate zu diesem Sonntag aufgeführt wurde, hat Bach den Text leicht umgearbeitet und neue Sätze dazu komponiert. Den grossen Eingangschor kann man Höhepunkt seiner Choralkompositionen nennen. Es ist eine Choralmotette, wo jede vom Komponisten bearbeitete Zeile des Luther–Liedes hintereinander durch alle Stimmen fugiert, imitiert wird. Ein feste Burg beginnt — für Bachs Kantaten untypisch — direkt mit Choreinsatz, ganz ohne einleitende Orchesterritornell. Als ob diese Choralmotette alleine nicht genügend kunstvoll wäre, bringt Bach zusätzlich noch jede Liedzeile als Kanon zwischen Oboe und Kontrabass in das meisterhafte Gewebe von den vier Chorstimmen, die durch Streicher verstärkt sind. In dem zweiten Satz sind das Luther– Lied und kämpferisch vertonte Franck– Dichtung ineinander verwickelt: Es ist eine Bass–Arie, worüber der Sopran die 2. Strophe des Luther–Liedes singt.

Die Luther–Weise taucht wieder im 5. Satz auf — diesmal aber singt der Chor unisono, einstimmig, und das Orchester spielt einen sprudelnden konzertanten Satz. Die Kantate wird durch einen schlichten vierstimmigen Choralsatz abgeschlossen. Bach hat dieses Werk für Streicher und Oboen geschrieben. Die Trompeten, die man manchmal in dieser Kantate hört, hat Bachs Sohn Wilhelm Friedemann erst nach dem Tod seines Vaters zugefügt. Am 31. Oktober werden wir in der Deutschen Kirche die originale Besetzung von Bach hören. Aufführende sind der Deutsch–Finnische Chor und Storia Barockensemble sowie die Solisten Hedvig Paulig, Sopran, Jeni Packalén, Alt, Niall Chorell, Tenor, und Peter Achrén, Bass. Die Leitung hat Riitta Laine. Nach der Vesper sind alle sehr herzlich eingeladen zum Empfang im Gemeindesaal. Wer aus Turku bzw. Salo am Gottesdienst und dem anschließenden Empfang teilnehmen möchte, soll sich bitte bis zum 10.10.2012 bei Bernd Oldendorff melden, Telefon (02) 2304 539 — damit eine gemeinsame Anreise geplant werden kann. Die Aufführung wird durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Botschaft ermöglicht. Vielen Dank!


Lied des Monats: „Warum sollt ich mich denn grämen?“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 370)

1. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem; nackend werd ich auch hinziehen, wenn ich werd von der Erd als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, der‘s gegeben. Will er‘s wieder zu sich kehren, nehm er‘s hin; ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen oft ergötzt; sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen.

6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier tun, als meiner spotten. Lass sie spotten, lass sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil sie zuschanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der Tod aufreiben, soll der Mut dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht töten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöten, schließt das Tor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich ergötzen. Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muss im Nu verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüter. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt Christus wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zugut in den Tod gegeben; 12. du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Lass mich, lass mich hingelangen, da du mich und ich dich leiblich werd umfangen.

Gedanken zum Inhalt… Unser Lied des Monats beginnt nicht nur mit einer Frage — Warum sollt ich mich denn grämen? Es ist von Fragen durchzogen: Sollt ich drum verzagen? (4) Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? (5). Die Antworten auf diese Fragen sind Gegenfragen: Wer will mir den – Jesus Christus — nehmen? Wer will mir den Himmel rauben? (1) Was sind dieses Lebens Güter? (10). Im Hin und Her von Frage zu Gegenfrage steckt die intensive Suche nach Gründen und Argumenten gegen Verzweiflung und Kummer. Wir hören aus diesem Lied das Selbstgespräch Paul Gerhardts. Es ist der heftige Kampf eines hin und her gerissenen Menschen. Auf der einen Seite verzagt und verzweifelt, auf der anderen Seite glaubend und hoffend. Wir Leser, Hörer, Sänger des Lieds sollen in dieses Hin und Her mithineingerissen werden und die Sachen prüfen, die der Dichter und Pfarrer gegen seinen Kummer vorbringt. „Christliches Freudenlied“ – so war dieses Lied bei seiner ersten Veröffentlichung überschrieben. Das Lied ist ja gebaut wie das Weihnachtslied „Fröhlich soll mein Herze springen“. Unser Lied des Monats leugnet Leid und Kummer nicht, sucht dem aber etwas entgegenzusetzen; allem Zerbrechen und allem Zerstören etwas, das bleibt: Glaube, Hoffnung und Liebe. … und zur Melodie Wie das fröhliche Weihnachtslied 36 fängt die Melodie dieses Liedes mit einer aufsteigenden Geste an. Doch schon der Zeilenschluss wendet sie zu einer Frage. Diese wird mit einer zweitaktigen Minisequenz (gleiches musikalisches Motiv, das sich in verschiedenen Tonhöhen wiederholt, oft als entspannend empfunden) beantwortet. Die Melodie ist zweiteilig und bildet sich jeweils aus Vordersatz (1. Strophe: Frage) und Nachsatz (mit Sequenz beginnender Abschluss). Johann Georg Ebeling (1637–1676), Verfasser dieser Melodie, war Theologe und Musiker. Er war Nachfolger Crügers an der Kantorenstelle zu St. Nikolai in Berlin, wo Paul Gerhard als Pfarrer wirkte. Er vertonte 120 Lieder von Gerhardt. 9


KINDERSEITEN

Liebe Kinder — helft uns, die Raupen zu finden! In der Nachmittagsbetreuung des Kindergartens haben wir gemeinsam mit der Regenbogen– und der Löwengruppe passend zum Erntedankfest einen bunten Obstkorb gebastelt. Dieser ist in voller Pracht im D'KiGa zu bewundern... jedenfalls fast, denn… Ojemineh, leider haben sich 8 kleine Raupen in unserem Erntedank–Obstkorb versteckt! Helft uns die Raupen zu finden, damit der Obstkorb nicht verdirbt! Kreist die Raupen mit einem Stift ein und zeigt dann Eurer Familie und den Freunden, welches Obst ihr geprickelt habt. Viel Spass beim Suchen! Eure Marion & Marlene.

Herbstliches Fingerspiel Dieses Fingerspiel hat meine Oma mit mir gemacht, als ich ein Kind war. Jetzt spiele ich es mit den Kindern im Kindergarten — und es macht immer noch Spaß!

Das ist der Daumen, Der — schüttelt die Pflaumen, Der — hebt sie auf, Der — trägt sie nach Haus, und der kleine Schelm, der isst sie alle auf. Jeder Finger wird einzeln angetippt und der kleine Finger geschüttelt! Stefanie.

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Der ungeduldige Guido Zack, zarapp, Igel Igor schwingt die Axt. Doch nicht Holz hackt er, sondern einen großen Berg leckerer Möhren. Guido Grashüpfer jongliert derweil mit anderen Zutaten — leckere Gewürze, die er frisch im Wald gesammelt hat. Gleich wird er sie in den Salat streuen. „Wie lange dauert das noch mit den Möhren?“, fragt Guido. „Du willst sie doch nicht alle selber zerbeißen, oder? Also musst du noch etwas Geduld haben“, meint Igor. Guido wartet gerne, denn Igors Möhrensalat ist der allerbeste im ganzen Wald.

La–ter–ne, La–ter–ne, Son– ne, Mond und Ster–na… Vorschau auf den Laternentag am 2. November — an diesem Freitag lädt der Kindergarten wieder alle Kinder, Eltern, Großeltern, ... zum Laternenfest ein. Alle sind herzlich willkommen!! In diesem Jahr beginnen wir das Fest um 17.15 Uhr in der Kirche, wo wir zunächst die Geschichte von Sankt Martin hören. Anschließend ziehen wir mit unseren Laternen und musikalischer Unterstützung durch den Park. Zum Ausklang gibt es wie immer Pulla und Glögi am Kindergartenfenster. Bitte bringt Eure eigenen Becher mit, damit wir nicht so viel Müll produzieren. Danke! 11


Ökumene jetzt: ein Gott, ein Glaube, eine Kirche

ALLERLEI

„Aus Annes Küche…“ Diesmal: Apfelrezepte! In diesem Jahr haben wir wieder eine sehr gute Apfelernte gehabt — viele von uns leiden regelrecht an Überproduktion und suchen nach Ideen, die gute Ernte zu nutzen. Apfelkuchen, Apfelmus, Apfelsaft, Apfelmost und sogar Apfelwein… hier nun zwei leckere Alternativen, die vielleicht noch nicht alle kennen — ein paar dieser Brote werden auch beim Basar im Gemeindesaal am 7. Oktober zu erstehen sein!

Apfelbrot aus Uusimaa (Nyland) Zutaten (für zwei Brote): • 2,5 dl Sauermilch/piimä • 5 dl ungesüsster Apfelmus • 1 dl Rübensirup • 50 g frische Hefe • 2 Tl Fenchelsamen • 2 Tl Saltz • 7 dl Roggenmehl • 4–5 dl Weizenmehl Sauermilch, Apfelmus und Sirup erwärmen. Hefe, Salz und Fenchelsamen dazugeben. Rühren, bis die Hefe aufgelöst ist. Roggenmehl dazugeben. So viel Weizenmehl unterrühren, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Den Teig etwa 1 Stunde gehen lassen. Aus dem Teig 2 Brote formen, und noch einmal eine halbe Stunde gehen lassen. Dann bei cirka 175 Grad im Backofen eine Stunde braun backen.

Prominente evangelische und katholische Laien haben im September des Jahres eine Initiative gestartet, um die Spaltung der Christen in Deutschland in zwei große Kirchen zu überwinden.

Schärenbrot (Saaristolaisleipä) Zutaten (ergeben drei Brote): • 1 Liter ungesüssten Apfelsaft (Orangensaft geht auch!) • 100 g frische Hefe • 1,5 EL Salz • 3 dl Rübensirup • 3 dl Roggenschrot oder grobes Roggenmehl • 3 dl Roggenmalz (z.B. Tuoppi-kaljamallas) • 3 dl Haferkleie • 11–12 dl Weizenmehl Saft erwärmen und dann die Hefe in der warmen Flüssigkeit auflösen. Die restlichen Zutaten dazumischen, nicht kneten! Den recht flüssigen Teig in 2–Liter– Brotformen giessen und gute 1 1/2 Stunden gehen lassen. Den Backofen vorheizen, und bei cirka 175 Grad etwa 1 1/2 Stunden backen. Das Brot ist haltbar und schmeckt sogar noch besser, wenn es ein paar Tage alt ist. Gutes Gelingen und guten Appetit! Anne Breiling

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„Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Paulus–Brief an die Epheser 4, 3–6) Unter diesem biblischen Motto ist ein Aufruf in verschiedenen überregionalen Zeitungen und im Internet veröffentlicht worden, der mit folgenden Worten beginnt: „In den kommenden Jahren erinnern die Christen in der ganzen Welt an zwei herausragende Ereignisse der Kirchengeschichte: 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil, 500 Jahre Reformation. In Deutschland soll die „Luther–Dekade“ der Vorbereitung und Würdigung eines historischen Datums dienen, das im Rückblick eine Zäsur in der Geschichte nicht nur unseres Landes darstellt. Beide Ereignisse betreffen nicht nur jeweils eine Konfession, sondern sind eine Herausforderung an alle und eine Angelegenheit insbesondere, aber nicht nur der Kirchen. Wir werden uns an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Ausstellungen, Publikationen und Gottesdiensten zur Erinnerung und Würdigung des Zweiten Vatikanischen Konzils wie der Reformation engagiert beteiligen, und wir wollen alles tun, dass nach den Jubiläen nicht alles so bleibt, wie es vorher war. Weil uns Gott in der Taufe Gemeinschaft mit Jesus Christus geschenkt hat, sind Getaufte als Geschwister miteinander verbunden. Sie bilden als Volk Gottes und Leib Christi die eine Kirche, die wir in unserem Credo bekennen. Deshalb ist es geboten, diese geistliche Einheit auch sichtbar Gestalt gewinnen zu lassen.“ Der ganze Aufruf kann im Internet unter www.oekumene-jetzt.de gelesen und auch online unterstützt werden. Deutsch–Evangelisch im Oktober 2012


Berliner feierten mit Nina Hagen „Fest der Kirchen“ Etwa 20.000 Besucher haben nach Schätzungen der Veranstalter am Samstag, 15. September, rund um die Berliner Marienkirche auf dem Alexanderplatz ein „Fest der Kirchen“ gefeiert. Einer der Höhepunkte war dabei ein Konzert der Sängerin Nina Hagen, die ihr Gospelprogramm „Personal Jesus“ zur Aufführung brachte. Die Punk–Ikone hatte sich 2009 evangelisch taufen lassen.

Zuvor nahmen etwa 3.000 Menschen an einem ökumenischen Open–Air– Gottesdienst vor dem Roten Rathaus teil. Gestaltet wurde die Feier von dem evangelischen Bischof Markus Dröge, Erzbischof Rainer–Maria Woelki, dem griechisch–orthodoxen Metropolit Augoustinos und der Generalsekretärin des Bundes Evangelischer–Freikirchlicher Gemeinden, Regina Claas. Im Mittelpunkt stand die Arthoklasia, das gemeinsame Brotbrechen, ein Ritus, der aus den orthodoxen Kirchen stammt. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ wurde anschließend an 170 Ständen über die Vielfalt der christlichen Gemeinden, Organisationen und Initiativen in der Bundeshauptstadt informiert. Mitwirkende an dem bereits dritten „Fest der Kirchen“ waren 30 christliche Gemeinden aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen Berlin–Brandenburg und zahlreiche Organisationen und Einrichtungen.

Grün oder EKD wählen Wenn nächstes Jahr Bundestagswahl ist, kann man vielleicht EKD wählen. Man müsste dann nur sein Kreuzchen bei den Grünen machen, um die zweithöchste Repräsentantin der evangelischen Kirche zu unterstützen: Katrin Göring–Eckardt. Denn die Präses der EKD–Synode, Bundestagsvize– und Kirchentagspräsidentin von 2011 will jetzt auch Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl werden. Eine Ober–Protestantin als Speerspitze im Wahlkampf? Das ist neu. Aber geht das? Kirche soll und muss parteiisch sein im Sinne des Evangeliums. Und es liegt im Kern der christlichen Botschaft begründet, dass sich Christen auch in Gesellschaft und Politik einmischen, auch für Spitzenposten. Auch das ist gut. Das Problem ist nur — Katrin Göring–Eckardt wird es als Theologin wissen — dass sich aus dem Evangelium kein Parteiprogramm ableiten lässt. Ist für die eine Christin der Klimaschutz christlich, ist es für den anderen Christen der Erhalt der Arbeitsplätze im benachbarten Tagebau. Ist es für den einen Christen die Unterstützung zu Hause erziehender Mütter, ist es für die andere Christin die soziale Chancengleichheit in Kindergärten. Über die Positionen zu Ehe und Homosexualität gar nicht zu reden.

Als Spitzenkandidatin wird Katrin Göring–Eckardt in diesen Fragen klar Partei ergreifen. Unweigerlich zieht sie damit die EKD, den Kirchentag und die beiden großen evangelischen Magazine »chrismon« und »zeitzeichen«, deren Herausgeberin sie ist, mit in den Wahlkampf. Die Gefahr der Vereinnahmung besteht, zumindest aber die der Unfreiheit. Gerade wenn man Göring–Eckardts Werte teilt, die hohe Maßstäbe an Demokratie und Transparenz legen, muss man ihr raten, ihre kirchlichen Ämter während des Wahlkampfes ruhen zu lassen. Andreas Roth

DIAKONIE

Liebe Gemeindemitglieder, Mein Name ist Timo Sentzke. Ich bin 42 Jahre jung und Vater von einer einjährigen Tochter. Da die Stelle als Diakon in unserer Gemeinde ueber den Sommer nicht besetzt war, habe ich nach langer Ueberlegung den Schritt gewagt, mich fuer diese Stelle zu bewerben, obwohl ich noch keine Diakonausbildung habe. Warum gerade die deutsche Gemeinde? Ich kann wohl sagen, dass ich von klein auf in die Gemeinde hineingewachsen bin; so z.B. beim Aufbauen des damals traditionellen Basars, das Schmuecken der Tannenbäume fuer die Kirche u.v.m. Nach meiner abgeschlossenen Schulzeit habe ich eine zweijährige Tischlerlehre in Karies abgelegt. Ein Jahr war ich in Tapola kyläyhteisö, wo ich in einer Hausgemeinschaft mit acht behinderten Erwachsenen gewohnt und in einer Holzwerkstatt gearbeitet habe. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit den Menschen viel gegeben und bedeutet hat. Es hat mich zum Nachdenken gebracht und mein Entschluss stand fest, eine Umschulung zu machen. Daraufhin habe ich ein Grundexamen im Sozial–Gesundheitswesen nach zweieinhalbjähriger Ausbildung abgelegt. Meine Hauptarbeit in den letzten Jahren war, behinderte Erwachsene im Wohnheim zu pflegen und sie ihrer Behinderung entsprechend zu fördern. Ich habe auch in einem Kindernheim gearbeitet. Im September habe ich mit einem Fernstudium fuer Erwachsene angefangen, mit dem Ziel, Diakon zu werden. Ich freue mich auf die Aufgaben in der Gemeinde und hoffe auf gute Zusammenarbeit. Timo Sentzke, Telefon 050–5942 498, E–Mail dg.diakonie@evl.fi

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Babysitterin Mein Name ist Anna Maria Hätälä und ich bin 16 Jahre alt. Ich komme aus Deutschland und mache in Finnland (Espoo) ein Auslandsjahr bis Juni 2013. Ich habe während der Woche gegen Abend und am Wochenende den ganzen Tag Zeit, um auf Ihre Kinder aufzupassen. Falls Sie Interesse oder weitere Fragen haben, können sie mich per Telefon 044–0122 257 oder E–Mail annamaria@hatala.de erreichen.

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14 Deutsch–Evangelisch im Oktober 2012


Spieleabend im Herbst! Am Donnerstag, 25. Oktober, treffen sich um 18.30 Uhr wieder Erwachsene, die Spaß an Gesellschaftsspielen in netter Runde haben, im Restaurant Zinnkeller, Meritullinkatu 25 in Helsinki. Wir freuen uns immer auch über neue Mitspieler. Herzlich willkommen! Katja & Steffi. Weitere Informationen unter Telefon 044–3111 680.

Unternehmen der Solarbranche sucht Elektroinstallateur Wenn Sie im Besitz des finnischen PT 2 oder 3 und selbständig sind, bieten wir ein interessantes neues Betätigungsfeld. Wir vertreten einen namhaften deutschen Hersteller von Kollektor– und Photovoltaikanlagen. Kontaktaufnahme bitte über Thomas Lindner, Telefon 044–9931 634.

Sijaisuuksia tarjolla! Helsingin Saksalaisen koulun iltapäiväkerho etsii sijaisia. Tiimimme tueksi tarvitsemme saksan- ja/tai suomenkielisiä henkilöitä, jotka voivat tuurata työntekijöitämme sairastumisten tai lomien aikoina. Edellytyksiä ovat kielitaidon lisäksi (saksan taito ei välttämätön suomenkielisten ryhmien kohdalla) työn ilo, kokemus alakouluikäisten lasten kanssa työskentelystä sekä joustavuus. Kiinnostuitko? Ota yhteyttä! gulmira.akbulatova-loijas@edu.hel.fi tai 040–1438814

Unterkunft gesucht Hei, ich (23 Jahre, Nichtraucher) suche ein Zimmer (in einer WG, gerne auch bei einer Familie) oder eine kleine Wohnung in Helsinki (oder in der Umgebung), da ich ab November am THL in Helsinki arbeiten werde. Es käme mir sehr gelegen, wenn das Zimmer/ die Wohnung möbliert wäre und die Miete nicht mehr als 750 Euro (absolutes Maximum) beträgt. Ulrike Baum, Telefon +49 162 2867 818, E–Mail 28juni89@gmx.de

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Kalender im Oktober 2012 HELSINKI (HELSINGFORS)

Mo 1.10. 10 Uhr Krabbelgruppe; 18 Uhr Frauentreff Di 2.10. 11 Uhr Bastelkreis; 18 Uhr Posaunenchor Mi 3.10. 18.30 Uhr Deutsch–Finnischer Chor Do 4.10. 16 Uhr Kinderchor; 18 Uhr Ökumenekreis im Seniorenwohnheim: „Das Priestertum aller Getauften“ (Hans–Martin Röker) So 7.10. 11 Uhr 18. Sonntag nach Trinitatis Familiengottesdienst zum Erntedank (Erik A. Panzig), Singspiel, Seite 8; anschließend Kirchkaffee und Basar Mo 8.10. 10 Uhr Krabbelgruppe; 18 Uhr Bibelkreis Di 9.10. 11 Uhr Bastelkreis; 18 Uhr Posaunenchor Mi 10.10. 10 Uhr Seniorentreff zu Besuch im Kindergarten; 18.30 Uhr Deutsch–Finnischer Chor; 19 Uhr Männerkreis Do 11.10. 16 Uhr Kinderchor; 16 Uhr Jugendclub Sa 13.10. 11.30 Uhr Abendmahlsgottesdienst im Seniorenwohnheim (Hans–Martin Röker) So 14.10. 11 Uhr 19. Sonntag nach Trinitatis Abendmahlsgottesdienst (Hans–Martin Röker), Jugendchor Maria Rosenkranz Mo 15.10. 10 Uhr Krabbelgruppe Di 16.10. 11 Uhr Bastelkreis; 18 Uhr Posaunenchor Mi 17.10. 18.30 Uhr Deutsch–Finnischer Chor So 21.10. 11 Uhr 20. Sonntag nach Trinitatis Gottesdienst (Erik A. Panzig) Mo 22.10. 10 Uhr Krabbelgruppe Di 23.10. 11 Uhr Bastelkreis; 18 Uhr Posaunenchor Mi 24.10. 18.30 Uhr Deutsch–Finnischer Chor Do 25.10. 16 Uhr Kinderchor; 18 Uhr Taizé–Andacht Sa 27.10. 10 Uhr Konfirmandentag So 28.10. 11 Uhr 21. Sonntag nach Trinitatis Gottesdienst (Erik A. Panzig), Deutsch–Finnischer Chor; Kinderkirche Mo 29.10. 10 Uhr Krabbelgruppe Di 30.10. 11 Uhr Bastelkreis; 18 Uhr Posaunenchor Mi 31.10. 19 Uhr Musikalische Vesper zum Reformationstag; anschließend Empfang im Gemeindesaal, mehr Information dazu auf Seite 8

Do 1.11. 16 Uhr Kinderchor; 19 Uhr Filmabend Fr 2.11. 17.15 Uhr Laternenfest, siehe auch Seite 11 So 4.11. 22. Sonntag nach Trinitatis Abendmahlsgottesdienst (Erik A. Panzig); Kinderkirche WEITERE GEMEINDEGRUPPEN TAMPERE (TAMMERFORS)

So 14.10. 15 Uhr Gottesdienst in der Domkrypa (Hans–Martin Röker); anschließend Kirchkaffee TURKU (ÅBO)

Do 11.10. 11–13 Uhr „Ein Wort unter uns“, Pastorinnen–Sprechstunde in der Kaskenkatu 1 (Katja Röker) Do 11.10. 19 Uhr Gemeindeabend: „Vom Klugsein“ — Bibelarbeit zu Matthäus 25, 1–13; Kaskenkatu 1 (Katja Röker) So 28.10. 14.30 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl in der Scharfschützen kapelle (Hans–Martin Röker); anschließend Kirchkaffee in der Kaskenkatu 1 Mi 31.10. 19 Uhr Musikalische Vesper zum Reformationstag in der Deutschen Kirche in Helsinki — Mitfahrge legenheiten aus Richtung Turku werden unter Telefon 045–2659 226 organisiert: Herzlich willkommen!

Deutsche Evangelisch–Lutherische Gemeinde in Finnland / DELGiF www.deutschegemeinde.fi

Hauptpastor Erik A. Panzig, täglich außer freitags, Telefon: (09) 6869 8511 und 050–5942 485, E–Mail: dg.hauptpastor@evl.fi Kanzlei und Gemeindesekretariat: Merja Viiri und Anne Breiling, montags bis freitags 10–13 Uhr, Telefon: (09) 6869 8510 und (09) 6869 8513, Fax: (09) 6869 8555, E–Mail: dg.kanzlei@evl.fi und dg.sekretariat@evl.fi Reisepastoren Katja und Hans–Martin Röker, täglich außer montags, Telefon: (09) 8026 764 und 040–54 08 504, E–Mail: dg.reisepastor@evl.fi Küster: Tobias Petruzelka, dienstags bis freitags 11–13 Uhr, Telefon: 050–32 39 598, E–Mail: dg.hausmeister@evl.fi Diakonie: Timo Sentzke (ab 8.10.2012) Telefon: 050–5942 498, E–Mail: dg.diakonie@evl.fi Kindergarten und Vorschule: Stefanie Voß, montags bis freitags 8–8.30 Uhr, Telefon: (09) 6869 8517, E–Mail: info@deutscherkindergarten.fi Seniorenwohnheim: Eila Javanainen, Telefon: (09) 481124 und 044–21 99 586, Nuottapolku (Notstigen) 2, 00330 Helsinki (Helsingfors), E–Mail: dswh@welho.com Kantorin Riitta Laine, täglich außer montags und dienstags, Telefon: 050–33 06 495, E–Mail: dg.kantor@evl.fi Kapellengemeinde Turku (Åbo), Telefon: (02) 2304 539, Kaskenkatu (Kaskisgatan) 1, 20700 Turku (Åbo), E–Mail: dg.turku@evl.fi

KINDERKIRCHE

Familiengottesdienst am 7. Oktober und Kinderkirche am 28. Oktober — jeweils um 11 Uhr.

IMPRESSUM DEUTSCH–EVANGELISCH in Finnland Gemeindebrief der Deutschen Gemeinde in Finnland Verantwortlich: Erik A. Panzig Gestaltung: Michael Diedrichs, Karl–Olof Sundström Der Jahrgang kostet 20 Euro. Gemeindekonten Nordea BIC/SWIFT NDEAFIHH: Amtsscheine: IBAN FI 5515 7230 0032 2016 Deutsch–Evangelisch: IBAN FI 3315 7230 0032 2024 Kindergarten: IBAN FI 1115 7230 0032 2032 Anderes: IBAN FI 9120 0138 0055 8883 Druckerei: Viestipaino, Tampere Deutsche Evangelisch–Lutherische Gemeinde, Bernhardinkatu (Bernhardsgatan) 4, PL 153 PB, 00131 Helsinki (Helsingfors) ISSN 1456–1042

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