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Denkmalgeschützte Villa
TRAUMHAUS
Von einer Bruchbude zur Stadtvilla: Die Pläne für die Sanierung des Hauses entwarf Architektin und Bauherrin Eva Hörth selbst.
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DIE PERLE
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SACHSENHAUSENS
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GLÜCKS-
TREFFER Auf den ersten Blick wirkt das Haus der Hörths neben den großen Mehrfamilienaltbauten klein und schnuckelig. Der Eindruck täuscht: 240 Quadratmeter Wohnfl äche bieten viel Platz für die ganze Familie. Mit der denkmalgeschützten Stadtvilla hat Familie Hörth eine absolute Rarität gefunden: ein freistehendes Einfamilienhaus zwischen alten Mehrfamilienhäusern. Der Denkmalschutz hat zwar die Kernsanierung erschwert, dafür jedoch den Charme des Hauses erhalten.
Fotos: Sabine Bungert
Schon als Kind war Eva Hörth begeistert von der Sanierung ihres Elternhauses und dem Wandel von alt zu neu. „Ich habe früher sehr gerne Lego gespielt und auch immer direkt Häuser und Wohnungen für die Männchen entworfen“, erzählt die heutige Architektin. Als sich das zweite Kind ankündigte und die 3-Zimmer-Wohnung der Bauherrin für die kleine Familie zu eng wurde, war ihr sofort klar, dass sie lieber ein altes Haus renovieren will, als in ein neues fertiges Haus zu ziehen. Kompliziert wurde die Häusersuche durch den Wunsch, im angesagten Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wohnen zu bleiben.
Suche nach dem Glück
Auf ihr heutiges Haus ist Eva Hörth durch eine Anzeige in einem OnlineImmobilienportal aufmerksam geworden: „Ich habe die Bilder gesehen und meinem Mann direkt eine Mail geschickt, mit dem Betreff: Dieses Haus möchte ich haben!“ Angucken schadet nicht, dachte sich das Ehepaar und vereinbarte einen Besichtigungstermin. Als ihnen beim ersten Besuch viele Leute entgegenkamen, die sich das Haus ebenfalls angeschaut haben, rechnete die Bauherrin nicht mehr damit, es zu bekommen: „Als ich gesehen habe, was das Haus für eine Perle ist, mitten in Frankfurt, mitten in Sachsenhausen, dachte ich mir schon, dass es utopisch ist, dass wir das kriegen.“ Doch die junge Familie hatte Glück: Der heruntergekommene Zustand und der Denkmalschutz schreckten die meisten Mitbewerber ab. Überzeugt hat den Verkäufer, dass mit den Hörths wieder eine Familie mit Kindern einzieht und neues Leben in das Haus kommt.
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KINDERSEGEN
Mit einem persönlichen Brief an den Besitzer überzeugte Eva Hörth ihn davon, das Haus an eine Familie zu verkaufen.
LIEBLINGSSTÜCK
Die Deckenleuchte im Treppenhaus kommt von ganz oben und ragt mit acht verschiedenen Lampen bis ins Erdgeschoss.
WELLNESSZEIT
Von den 1960er Jahren ist in den Bädern nichts mehr zu sehen. Stattdessen sorgen kleine Wabenfl iesen und schwarze Armaturen für einen modernen Look. WIE FRÜHER Statt den alten, einfachverglasten Fenstern, sorgen jetzt dreifachverglaste Fenster im Originalstil für eine bessere Energieeffi zienz und unterstreichen den Charme des Hauses.
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11 | QUALITY TIME
Am großen Esstisch kommen Familie und Freunde zusammen. Hier spielt sich der Alltag ab.
2 | ALT UND NEU
Der Spagat zwischen altem und dem modernen Stil der Hörths ist gelungen. Übrigens: Die Bauherrin ist auch auf Instagram (@eviemynamedesign) oder über ihre Website (www.eviemynamedesign.com) zu fi nden.
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Böse Überraschungen
Nachdem sie beim Notar unterschrieben hatten, ging alles ganz schnell: Im Januar 2017 konnte die Kernsanierung des 1841 gebauten Hauses starten. Der Zustand des Gebäudes war schlecht: Die Gas-, Wasser- und Stromleitungen mussten erneuert, das Dach komplett ausgetauscht und die alten Bäder aus den 1960er Jahren saniert werden. Ein Brandloch in der Decke erinnerte daran, dass vor einiger Zeit im Haus ein Feuer ausgebrochen war, die Wände und die alte Treppe waren vergilbt der Wind. „Es war einfach komplett sanierungsbedürftig, man hätte bei nichts sagen können, man belässt das jetzt so“, erinnert sich Eva Hörth. Abschrecken ließ sie sich davon nicht. Die Fenster wurden durch neue dreifach verglaste Fenster im alten Stil ersetzt, eine neue Gasheizung wurde eingebaut und die Treppe abgeschliffen. Als es den Tapeten an den Kragen gehen sollte, wartete allerdings eine böse Überraschung auf die Bauherren: „Als wir die Tapeten von den Wänden machen wollten, ist uns die ganze Wand entgegengekommen“, erzählt die Bauherrin und ergänzt: „Letztlich mussten wir alles runtermachen bis zum Rohbau und dann einen komplett neuen Putzaufbau machen.“ Erhalten werden konnten die alten Böden. Die Verkäufer, eine Künstlerfamilie, hatte
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1 | STATT TÜREN
Zwei Durchbrüche zu Küche und Esszimmer mit je zwei Meter Breite und 2,30 Meter Höhe verbinden Küche, Ess- und Wohnzimmer zu einem gemeinsamen Bereich.
3 | HAUPTSTADTFLAIR
Auf die Idee, die Dielen im Arbeitszimmer zu streichen, sind die Bauherren in Berlin gestoßen. Dort wurden in vielen alten Mietwohnungen die Dielen weiß gepinselt. Das spart Arbeitsaufwand beim Abschleifen und lässt den Raum heller wirken.
2 | EINZELSTÜCK
Das Hochbett der Söhne hat die Bauherrin aus Ikea-Teilen selbst gebaut. Die Kinder lieben es.
4 | KAMPF UM FUSSLEISTEN
Die Handwerker wollten die 35 Zentimeter hohen Fußleisten entfernen und mit modernen ersetzen. Eva Hörth fand gerade die alten Leisten ein schönes Element und pochte darauf, sie vorsichtig zum Streichen zu entfernen und später wieder anzubringen.
bei vorherigen Renovierungsarbeiten nicht die Mittel für eine komplette Kernsanierung und hat daher Spanplatten auf die alten Dielen gelegt, um darauf Linoleum zu verlegen. Ein Glück! Denn so wurden die schönen alten Böden praktisch konserviert und konnten bei der Sanierung von Familie Hörth überall im Haus wieder freigelegt werden.
Alter Charme
Als die junge Mutter den Handwerkern und Bekannten erzählte, dass sie ihre Wohnung zu Mai gekündigt hat, wurde sie ausgelacht. Nachdem die Tapeten und der Putz von den Wänden entfernt wurden, war das Haus im Februar 2017 erstmal wieder im Rohbau. Dass die Familie zeitgleich Zuwachs bekommen hat, hat den Zustand nicht einfacher gemacht. Die größte Herausforderung für Eva Hörth war jedoch die Kommunikation mit den Handwerkern: „Ich wurde immer wieder belächelt, weil es mir wichtig war,
HIGHLIGHT Die Geschichte des Hauses ist überall präsent. Auf die alte Sandsteinwand ist Eva Hörth besonders stolz.
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BLICK INS GRÜNE
Hier vergisst man fast, dass man sich mitten in der Großstadt befi ndet. Das Schlafzimmer ist der perfekte Ort zum Entspannen. das Alte zu konservieren und neu aufzuarbeiten statt wegzuschmeißen und neu zu kaufen – auch wenn das vielleicht billiger gewesen wäre.“ Noch dazu wurde sie als junge Frau oft nicht ernst genommen und musste sich immer wieder Belehrungen anhören, obwohl sie durch ihren Beruf als Architektin genau wusste, was sie will und die gesamten Pläne für die Sanierung selbst entworfen hat. Und sie behielt recht: Im Mai konnte die Familie einziehen. Bis die Sanierung fertig war, dauerte es jedoch noch bis Weihnachten.
Haus voller Lieblingsräume
Auch wenn die vielen Diskussionen an den Nerven gezehrt haben, haben sie sich gelohnt. Mit dem Endergebnis der Kernsanierung ist Familie Hörth mehr als glücklich. Ganz besonders freut sich die Bauherrin über das Erdgeschoss: „Da wir immer sehr gerne, sehr viele Freunde zu Besuch haben, mit denen wir kochen oder einen Wein trinken, waren mir Küche und Esszimmer und deren Zusammenspiel ganz wichtig.“ Um die Räume zu verbinden, haben die Hörths die Türen herausgenommen und mit großen offenen Durchbrüchen von Küche zu Esszimmer ersetzt. Die Wand zum Wohnzimmer haben sie eingerissen und so einen großzügigen, hellen Wohnbereich geschaffen. Nicht nur im Erdgeschoss fühlt sich Eva Hörth rundum wohl: „Mein Lieblingsraum ist das Schlafzimmer, weil das so schön nach hinten rausgeht zum Grünen und weil ich es unheimlich nen Charme. Durch die große Fensterfront fällt viel Licht ein und gibt dem Raum eine tolle Stimmung. So hat jeder Raum etwas Besonderes.
Schwierige Paarung
hinein etwas anders gemacht hätten? Sie hätte gerne mehr auf Nachhaltigkeit geachtet. „Es ist aber unheimlich schwer, das mit einem denkmalgeschützten Altbau zu vereinbaren“, bedauert die Bauherrin. Grundsätzlich wäre mehr Zeit für die Planung schön gewesen. Gerade mit zwei kleinen Kindern war es nicht immer einfach, rechtzeitig mit den Entwürfen für den nächsten Raum fertig zu sein, um bei den Handwerkern keine Vorzögerung zu verursachen, erzählt sie. Die Zeit der Sanierung bleibt ihr, trotz aller Unwägbarkeiten, als schönes Jahr in Erinnerung. (igo)