Strategische Initiativen FHNW 2018 – 2020 E-Inclusion
E-Inclusion « Ich hätte nicht gedacht, dass sich Klinikalltag und Forschung so gut verbinden lassen.» Claudia Elsener, REHAB Basel
« Die Mitarbeit in einem Forschungsprojekt ist eine grosse Bereicherung – für meine therapeutische Tätigkeit und für meine Patienten.»
Das Aphasie-Forschungsprojekt E-Inclusion der Strategischen Initiativen der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW hat eine Prototypen-App für Menschen mit Aphasie entwickelt. Diese baut auf den Erkenntnissen zweier Studien auf, an denen Personen mit und ohne Aphasie teilnahmen. Ein interdisziplinäres Team aus Forschenden der Sprachtherapie, der praktischen Andrea Meister, Kantonsspital Olten Bildforschung und der Medizintechnik und -informatik hat ergänzend an disziplinübergreifenden Forschungsfragen gearbeitet, um Erkenntnisse zum Zusammenhang von Wortabruf und Bildbenennung zu gewinnen. Die ersten Resultate sind bereits in die Entwicklung der App eingeflossen. Die Kombination der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen ermöglichte es, dass die therapeutische, bildunterstützte Arbeit in der Sprachtherapie mit der App nun auch technisch zur Diagnostik genutzt werden kann. Diese Projektarbeit war nur dank der starken Verbindung zur Praxis und in Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Anwendenden möglich. Die Praxispartnerinnen und -partner unter« Es war spannend, stützten das Projekt, indem sie geeignete Personen für das Forschungsprojekt die Studienteilnahme identifizierten und rekrutierten, weiterhin machten sie Vorabklärungen, wie etwa die unterstützen zu könSchweregradbestimmung der Aphasie. Sie bereichernen. Auch die Patienten ten die Studie auch in inhaltlichen Aspekten und gaben viel wertvolles Feedback, beispielsweise zu optimierhatten daran Spass. ten Abläufen, zu Einschlusskriterien und zum erweiGerade Personen mit terten Rekrutierungsvorgehen. So konnte gemeinsam chronischer Aphasie die Diagnostik und Therapie für Menschen mit Aphasie verbessert werden. scheinen gerne einen
Beitrag fürs grössere Ganze zu leisten.» Fanny Dittmann-Aubert, Logopädische Praxis Pratteln
« Die wissenschaftsbasierte App konnte nur durch die gemeinsame Entwicklungsarbeit der verschiedenen Disziplinen entstehen.» Prof. Dr. Simone Hemm-Ode, Institut für Medizintechnik und Medizininformatik
« Die Patientinnen und Patien-
« Interdisziplinäres Arbeiten
ten profitieren, weil wir als
ist nicht nur ein wissen-
Wissenschaftssprache der
Wissenschaftsdisziplinen
schaftliches und persönliches
anderen Disziplinen verstehe
zusammengearbeitet haben.»
Privileg, sondern eine
ich je länger je besser und
dringende Notwendigkeit in
dies bereichert meine eigene
der gesellschaftlichen
Forschungspraxis.»
Prof. Dr. Anja Blechschmidt, Professur für Kommunikationspartizipation und Sprachtherapie
« Die Denkweise und die
Gegenwart.» Sandra Widmer Beierlein, Professur für Kommunikationspartizipation und Sprachtherapie
Claire Reymond, Institut Visuelle Kommunikation
Prof. Dr. Simone Hemm-Ode
Projektleitungsteam
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
• Claire Reymond
Hochschule für Life Sciences Institut für Medizintechnik und Medizininformatik Hofackerstrasse 30 CH - 4132 Muttenz T +41 61 228 56 89 simone.hemm@fhnw.ch www.fhnw.ch/e-inclusion
Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW • Prof. Dr. Simone Hemm-Ode Hochschule für Life Sciences FHNW • Prof. Dr. Anja Blechschmidt Pädagogische Hochschule FHNW • S andra Widmer Beierlein Pädagogische Hochschule FHNW
Auf einen Blick Beteiligte Hochschulen der FHNW:
Projektpartner:
Hochschule für Life Sciences FHNW
Kantonsspital Aarau, Logopädie
Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW
Logopädische Praxis Facchini-Baumann, Aarau
Pädagogische Hochschule FHNW
Logopädische Praxis LogoTreffpunkt, Altdorf Kantonsspital Baden, Logopädie, Baden REHAB Basel, Logopädie, Basel Universitäre Altersmedizin Felix Platter, Logopädie, Basel Kantonsspital Graubünden, Logopädie, Chur Kantonsspital Baselland, Logopädie,
Liestal / Bruderholz
Solothurner Spitäler, Kantonsspital Olten, Logopädie, Olten Logopädische Praxis Dittmann-Aubert, Pratteln Reha Rheinfelden, Logopädie, Rheinfelden Spitäler Schaffhausen, Therapien, Logopädie, Schaffhausen Schinznach-Bad, Privat-Klinik im Park, Logopädie, Bad Schinznach Logopädische Praxis mund’art, Solothurn Logopädische Praxis rundum therapie, Therwil Spital Zofingen, Logopädie, Zofingen Logopädische Praxis Dietiker, Zürich Logopädische Praxis Unterstrass, Zürich Stadtspital Waid, Medizinische Klinik, Logopädie, Zürich Universitätsspital Zürich, Klinik für Neurologie, Logopädie, Zürich
Begriffe machen den Kern unserer Sprache aus. Sie verhelfen Dingen, Tätigkeiten und abstrakten Gedanken zu Gestalt. Forschende der Sprachtherapie haben zu Beginn der Untersuchung nach linguistischen Kriterien Begriffe ausgewählt, die einem alltagsrelevanten Wortschatz entsprechen und zusätzlich den Unterschied zwischen Dialekt und Hochdeutsch sichtbar machen. Es wurden auf der Basis verschiedener Wörterbücher und Datenbanken bewusst Nomen und Verben ausgewählt, die sich in Dialekt und Hochdeutsch unterschiedlich stark unterscheiden und häufig im Gebrauch sind. Sprachdaten zur Häufigkeit des Gebrauchs der schweizerdeutschen Begriffe sind online erhoben worden.
Begriffe von Objekten und Tätigkeiten werden mental in Bilder übersetzt, damit wir diese verstehen können. Ausgehend von den zuvor ausgewählten Begriffen haben Mitarbeitende im Bereich der Bildforschung farbige Illustrationen und Farbfotografien zu den Begriffen erstellt. Das schnelle Erkennen und Benennen wurde mit Personen mit Aphasie sowie gesunden Probanden untersucht. Im Anschluss wurde evaluiert, welche Art Bilder für Personen mit Aphasie am leichtesten verständlich sind und somit den Wortabruf erleichtern. Folgende vier Studiensettings wurden dafür getestet: Dialekt, Hochdeutsch, farbige Illustration, Farbfotografie.
Die Einbindung von Personen mit Aphasie ist essenziell für die optimale Entwicklung einer App. Die vier Faktoren Dialekt versus Hochdeutsch (Sprachvarietät) sowie Fotografie und Illustration (Bildart) wurden im Rahmen einer Studie an Personen mit und ohne Aphasie empirisch untersucht und die Daten wurden miteinander verglichen. Für die Auswertung der Ergebnisse wurden parallel zwei Methoden angewendet. Die eine beinhaltete eine manuelle Messung am Computer, die andere eine automatisierte. Letztere wurde von der Hochschule für Life Sciences FHNW entwickelt. In einer zweiten Studie wurde die Entwicklung bei Personen mit Aphasie über mehrere Wochen beobachtet und auf Änderungen der Benenngeschwindigkeit untersucht.
Objektive Parameter aus der Sprachanalyse geben zusätzliche Informationen über die sprachlichen Fortschritte und können automatisch berechnet werden. Forschende der Medizintechnik und der Medizininformatik fokussierten sich parallel auf die explorative Definition von Sprachparametern, welche ein objektives Feedback der Benennleistung ermöglichen. Dafür flossen Spracherhebungen von Personen ohne Aphasie in die Sprachdatenbanken ein. Demgegenüber stehen die Erhebungen von Menschen mit Aphasie. Auf Basis der Ergebnisse zur Benenngeschwindigkeit der Probanden über einen Zeitraum von mehreren Wochen wurde die Programmierung eines Feedbacks für Patientinnen und Patienten möglich.
Je intensiver das Training, umso grösser die Fortschritte. Durch eine App kann die Sprachtherapie unterstützt werden. Die ersten Ergebnisse aus den noch laufenden Studien flossen in die Entwicklung der Prototypen-App ein. Sprachtherapeutinnen, Bildforscherinnen sowie Spezialistinnen und Spezialisten für Medizintechnik und Medizininformatik haben beim Design der App ihre Expertise eingebracht. Damit Personen mit Aphasie auch ausserhalb des therapeutischen Kontextes an ihren Therapiezielen arbeiten können, wird die App noch weiterentwickelt. Die Resultate der ergänzenden häuslichen Aufgaben sollen dann den Lernenden via App gespiegelt werden. Basierend auf den Daten der Therapie und der App können die logopädischen Fachpersonen künftig Menschen mit Aphasie Fortschritte direkt visuell zeigen und gemeinsam Ziele festlegen. Dies ermöglicht den Menschen mit Aphasie eine Form der kommunikativen Partizipation und unterstützt sie in ihrer Selbständigkeit.
Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW setzt sich aus folgenden Hochschulen zusammen: – Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW – Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW – Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW – Hochschule für Life Sciences FHNW – Hochschule für Musik FHNW – Pädagogische Hochschule FHNW – Hochschule für Soziale Arbeit FHNW – Hochschule für Technik FHNW – Hochschule für Wirtschaft FHNW
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Bahnhofstrasse 6 CH - 5210 Windisch T +41 56 202 77 00 www.fhnw.ch
Bildnachweis: Florence Dreier, Salome Habersatter und Fabien Kempter ( Videostill ), Eliane Rickert, Ana Laura Rivarola