Quaternary Science Journal - Beitrag zur Frage Oser und Kames

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Beitrag zur Frage Oser und Kames

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Beitrag zur Frage Oser und Kames Von G e r h a r d K e l l e r , I b b e n b ü r e n - H a n n o v e r . Mit 4 T e x t a b b i l d u n g e n Uber die F r a g e der E n t s t e h u n g der Oser u n d K a m e s besteht heute insofern Übereinstimmung, als beide G r u p p e n als fluvioglaziale Bildungen aus dem letz­ ten Abschnitt einer Eiszeit aufgefaßt werden, in dem das aktiv bewegte Inlandeis in Toteisareale zerfiel. Da in Nordwestdeutschland die A b l a g e r u n g e n der Saaleund der Weichseleiszeit oberflächenformend auftreten, sind aus beiden Zeiten d e r a r t i g e fluvioglaziale Absätze vorhanden. Die Entscheidung, welche F o r m von ihnen vorliegt, m u ß sowohl von dem äußeren morphologischen Bild als auch von der i n n e r e n T e x t u r ausgehen, bedarf im einzelnen a b e r oft eingehender Fest­ stellungen a n guten Aufschlüssen. Z u r Verfeinerung der Methodik soll im fol­ genden u n t e r V e r w e n d u n g von Beobachtungen aus d e m nördlichen Westfalen u n d dem anschließenden Niedersachsen versucht werden, auf systematische F r a ­ gen bei den Osern u n d K a m e s einzugehen. 1. M o r p h o l o g i s c h e G e s i c h t s p u n k t e I m L a n d s c h a f t s b i l d erscheinen die Oser als sich oft auf 1 0 — 2 0 k m erstreckende, sehr schmale, z. T. g r a t a r t i g e Rücken, die einem m e h r als 6 0 J a h r e alten Vergleich WAHNSCHAFFE'S ( 1 8 9 0 ) entsprechend künstlich aufgeschütteten Ei­ s e n b a h n d ä m m e n sehr ähnlich sind. WOLDSTEDT ( 1 9 2 9 ) berichtete von solchen Osern in J u n g m o r ä n e n l a n d s c h a f t e n u n d wies auf das modellartige Beispiel des von BÄRTLING ( 1 9 0 5 ) beschriebenen Neuenkirchener Oses an der mecklenburgischlauenburgischen Grenze hin. Ein fast gradliniges Teilstück von 6 5 0 m L ä n g e h a t bei einer Sohlenbreite von 5 0 m eine Höhe von 1 6 m. Der K a m m hat n u r eine Breite von e t w a 1 m. Im Längsprofil steigen die Rücken der Oser m ä ß i g auf u n d ab. Neben geraden Strecken finden sich W i n d u n g e n u n d Bögen, die an Flußläufe e r i n n e r n . Nebenoser m ü n d e n zuweilen in den H a u p t o s ein. Im A l t m o r ä n e n g e ­ biet der Saaleeiszeit k ö n n e n die m e h r oder weniger geschlossenen Kieswälle in Einzelhügel aufgelöst sein, besonders w e n n eine abdeckende Grobkiesschicht lückenhaft ist u n d die u n t e r l a g e r n d e n Feinsandschichten erodiert w e r d e n k o n n ­ ten. Die K a m e s sind ursprünglich schon breiter u n d flacher als die Oser. Einzel­ hügel, die 3 — 6 k m lang u n d 2 0 0 — 5 0 0 m breit w e r d e n können, finden sich neben Kleinformen von noch nicht 100 m L ä n g e u n d 3 0 m Breite. Diese Kleinformen pflegen s c h w a r m a r t i g aufzutreten, sind d a n n m e h r oder weniger parallel a n g e ­ ordnet u n d h i n t e r e i n a n d e r gestaffelt. Wegen der breiten Rückenform ist d a r a n gedacht worden, diese auf die A l t e ­ r u n g vor allem der saaleeiszeitlichen Bildungen zurückzuführen. Es zeigt sich a b e r an westfälischen Beispielen, daß u n t e r der oberen 1—1,5 m mächtigen ent­ schichteten Zone in den tiefer folgenden Schichten die breite Rückenform p r i m ä r angelegt ist. W e i t e r h i n erscheint es fraglich, ob bei der schnellen A u f n a h m e - u n d Versickerungsfähigkeit der meist groben Sedimente eine seitliche Verlagerung bzw. ein seitliches Fließen in g r ö ß e r e m Umfang s t a t t h a b e n konnte. Auch sind senkrecht stehende, in Richtung des Gefälles nicht v e r z e r r t e Brodeltöpfe auf saaleeiszeitlichen K a m e s in Westfalen ein Hinweis darauf, daß keine E r n i e d r i ­ gung der K u p p e n , ja noch nicht einmal eine seitliche B e w e g u n g in der Hangrich­ tung, seit mindestens d e m Periglazial der Weichseleiszeit erfolgte (KELLER 1 9 5 1 ) . Ähnliche L ä n g e n wie die Oser k ö n n e n auch die K a m e s erreichen. Dort h a n ­ delt es sich d a n n u m eine K e t t e a n e i n a n d e r g e r e i h t e r p r i m ä r e n t s t a n d e n e r E i n ­ zelhügel. Diese sind gegenseitig versetzt u n d bilden insgesamt einen Kameszug,


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