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Gedenkrede am Denkmal der Billeder, Stefanie Hehn

Gedenkrede am Denkmal der Billeder

Stefanie Hehn

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Liebe Gäste, ich will Sie zu unserer diesjährigen Gedenkfeier zu Allerheiligen, hier am Denkmal der Billeder in Karlsruhe, ganz herzlich willkommen heißen. Allerheiligen ist ein Fest des Erinnerns. Auch dieses Jahr haben wir uns versammelt, um gemeinschaftlich unserer verstorbenen Ahnen zu gedenken. Zum Brauchtum und Glaube gehört auch Allerheiligen. Ich möchte mich bei Werner Gilde bedanken, dass er mir

Veranstaltungen angeboten hat, die diesjährige Ansprache zu halten.

Ich habe das Angebot sehr gerne angenommen, obwohl ich anfangs Bedenken hatte, ob ich auch wirklich die richtige Person bin, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Ich bin in Stuttgart geboren und habe die Bräuche und Feste im Banat nie miterleben dürfen. Ich kenne sie aus Erzählungen meiner Eltern und Großeltern.

Seit Jahren nimmt das Rot - das Leuchten der Kerzen auf dem Friedhof in Billed - am Himmel ab, die Blumen, selbst die Besucher der Gottesdienste und der Prozessionen werden im Banat immer weniger. Die mit Beton versiegelten Gräber nehmen von Jahr zu Jahr zu.

Es ist sehr still geworden, an den Gräbern unserer verstorbenen Angehörigen im Banat. So wie es einmal war, wird es wohl nie wieder werden.

Die Donauschwaben haben ihre Heimat verlassen. Die Heimat, welche von unseren Vorfahren erschaffen wurde. Sie haben Vieles zurück gelassen, was ihnen lieb und teuer war. Heimat lässt sich nicht in Koffer und Kisten packen. Heimat ist nicht nur ein Ort. Heimat ist ein Gefühl. Unsere Vorfahren haben im 18. Jahrhundert ihre ursprünglichen Herkunftsländer verlassen, in der Hoffnung, im Banat ein neues Leben aufzubauen. Allerdings waren am Anfang die Lebensbedingungen durch viel Leid geprägt. Deswegen sind wir dankbar und stolz, dass sie es

Abbildung links

Stefanie Hehn bei ihrer Gedenkansprache an Allerheiligen 2021 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Foto: Cornel Gruber 31 geschafft haben, den Grundstein für ein gutes Leben für die nächsten Generationen zu setzen. Ein Leben, geprägt von Fleiß, Glauben und auch Brauchtum, von gelebter Tradition und oftmals von Leid und Verzicht.

Ich habe selbst nicht erleben können, wie der Toten im Banat an Allerheiligen gedacht wurde. Meine Eltern erzählten mir, die Feierlichkeiten waren besinnlicher.

Die Vorbereitungen haben schon früh im Jahr begonnen mit dem Pflanzen der weißen Chrysanthemen, denn sie dienten als Grabschmuck.

An Allerheiligen fand um 14.30 Uhr ein Gedenkgottesdienst in der Kirche statt. Anschließend zog die Prozession mit Musik durch den Ort zum Friedhof. Der Pfarrer sprach ein Gebet, die Friedhofsglocke läutete und die Gräber wurden gesegnet.

Abends, beim erneuten Glockenläuten, traf man sich auf dem Friedhof zur Gedenkfeier. Der ganze Ort war auf den Beinen, um seiner Verstorbenen zu gedenken, um zu beten und zu trauern.

Man traf sich, um sich zu erinnern, an die schönen Zeiten, die man gemeinsam mit den Angehörigen erleben durfte. Der Friedhof war ein Meer von Blumen und Kerzen. Die Familie, Freunde, Nachbarn und Bekannte, alle waren da. Jeder war jedem eine Stütze. Man war nicht alleine. Spät abends, wenn man sich auf den Heimweg begab, war der Himmel über dem Friedhof rot erleuchtet von den vielen Kerzen - diese schöne gemeinschaftliche Stimmung kann ich mir sehr gut vorstellen.

Danke, dass ich hier sein durfte. Ich wünsche allen Anwesenden ein besinnliches und friedliches Allerheiligen und Allerseelen.

Abbildungen links

Gedenkveranstaltung an Allerheiligen im Jahr 2021 vor dem Denkmal der Billeder Deutschen auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Foto: Cornel Gruber

Abbildung oben

Gedenkveranstaltung an Allerheiligen im Jahr 2021 vor dem Denkmal der Vertriebenen auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Foto: Cornel Gruber

Der Neugässer Friedhof an Allerheiligen 2021, Teilansicht

Der Sauerländer Friedhof in Billed an Allerheiligen 2021

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