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Die Schule, Josef Herbst

Die Schule

Josef Herbst

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Der Jahrgang 1933 wurde im September in die erste Klasse eingeschult. Unser Lehrer war Herr Johann Henz.

Bücher, Bleistift und Hefte hatten wir noch keine, sondern Schiefertafel, Griffel und Schwamm. Auf der einen Seite der Tafel waren Karos zum Rechnen und auf der anderen Seite Linien zum Schreiben. Bücher bekamen wir erst, als wir die Buchstaben gelernt hatten. Auch das Einmaleins lernten wir schon und so musste es die ganze Klasse schon am Morgen vor Schulbeginn aufsagen. Und dies taten wir Tag für Tag bis zur vierten Klasse. Jeder der Schüler konnte es von 1x1 bis 10x10 aufsagen und somit rechnen.

Die Methode, mit welcher der Lehrer uns die einzelnen Buchstaben lehrte, lockt uns heute noch ein Schmunzeln hervor. Für den Buchstaben „A“ legte er die Hände wie beim Beten zusammen vor die linke Schulter, legte den Kopf darauf und sagte „aaaaa“ (als schlafe er, und wie gut das tut). Als wir das „i“ lernten brachte er eine Kerze mit, zündete sie an. Er fuhr mit dem Finger über die Flamme, zog den Finger rasch zurück, als wäre er erschrocken und sagte „iiiii“. Die Kerze mit der Flamme sieht aus wie ein „i“ mit dem Punkt oben.

Wir lernten erst die Selbstlaute und dann die Mitlaute. Der Lehrer schrieb uns die Buchstaben mit Kreide an die Tafel und wir mussten sie auf die Schiefertafel abschreiben. Einer unserer Kollegen hat von seinem älteren Bruder gelernt, den Mädchen die Schiefertafeln mit einem Tropfen Öl einzureiben, damit der Griffel nicht greift. Wir hatten Erfolg, der Lehrer aber ist darauf gekommen, weil nur die Mädchen nicht mehr schreiben konnten. Sie mussten ihre Tafeln zuhause erst einmal gründlich mit Seife und Wasser reinigen, damit man wieder darauf schreiben konnte.

Für uns Jungs hatte das ein Nachspiel- wir durften am nächsten Tag nicht in der Pause in den Hof, sondern mussten neben den Bänken in der Klasse knien. Nach und nach lernten wir die Mitlaute und auch Wörter schreiben. Auch durften wir Hefte und Bleistifte, Radiergummi und Spitzer dabei haben, und jeder bekam auch eine echte „Buckeltasche“ (Schultasche für auf den Rücken schnallen). Ich bekam eine aus Blech. Sie war zwar etwas schwerer, dafür aber stabil und man konnte im Winter damit den Hang bei Engrichs hinunter rutschen wie auf dem Schlitten.

Abbildung rechts

Völkerball im Pausenhof der Billeder Alten Schule in den 1940er Jahren

Im Schnitt (Weizenernte), Malerei von Stefan Jäger

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