#159 | SEPTEMBER 2018
ROOSEVEL Eigenbrötlerischer Teamplayer 24
Musikalisch wagt sich Marius Lauber alias Roosevelt mit «Young Romance» noch weiter auf die Pop-Äste hinaus, personell jedoch macht er im Studio keine Experimente: Der 27-Jährige hat seine zweite Platte erneut praktisch im Alleingang eingespielt, wie er im Interview verrät. Auf der Bühne aber geniesst der Kölner es sehr, seine Bandmitglieder dabeizuhaben. Und dass er im Tourbus mit ihnen Multiplayer-Shooter zocken kann. von Schimun Krausz Marius, mit deinem Debütalbum vor zwei Jahren warst du schon viel poppiger als damals auf deinen ersten Song-Releases – bei «Young Romance» hast du jetzt nochmals eine Pop-Schippe draufgelegt. Chris Coady, mit dem ich das neue Album gemixt habe, meinte, es sei «präziser». Diese Formulierung mag ich. Ich hatte mich bei der ersten Platte immer wieder zurückgehalten, egal, ob ich einen poppigen, reduzierten oder gitarrenlastigen Song machte. Beim zweiten Album bin ich keine Kompromisse mehr eingegangen. Warum? Ich habe gemerkt, dass ich die Genre-Grenzen nicht so krass einhalten muss und es trotzdem noch nach einem Roosevelt-Song klingt. Einen Track wie «Better Days» hätte ich vor zwei Jahren noch nicht gemacht, weil es ein sehr reduzierter Gitarrensong ist. Ich habe mich im Studio viel mehr fallen lassen. Den berühmten Fluch vom zweiten Album hat’s bei mir nicht gegeben. Du bist live mit Band unterwegs – welche Rolle hat sie beim Album gespielt? Auf «Young Romance» gibt’s ein paar Stücke, die sich erst durchs Live-Spielen entwickelt haben, darunter «Shadows». Die habe ich als Demos mit auf Tour genommen, auch wenn wir sie manchmal nur beim Soundcheck oder live als Instrumental-Intermezzo verwendet haben. Dabei haben sie immer mehr ihre spätere Form angenommen. Dieses Live-Element hört man der Platte glaube ich auch ein bisschen an. Im Studio hat deine Liveband aber nach wie vor nichts zu sagen, oder? Ich habe nie gesagt, dass die Roosevelt-Version immer die beste Version eines Songs sein muss – es ist einfach meine Version. Mein Live-Schlagzeuger kann deutlich besser Schlagzeug spielen als ich und mein Bass- und Gitarrenspieler ist studiert, im Handwerk klar besser; aber im Studio geht es mir nicht darum, die handwerklich beste Version herzustellen, sondern meine. Und die eigene Limitation sorgt auch dafür, dass mein eigener Sound in den Liedern wiedererkennbar ist. Und auf der Bühne bekommen sie dank der Liveband wieder einen neuen Anstrich. Genau. Wir sind witzigerweise live immer die beste Coverband von Roosevelt – versuchen wir zumindest zu sein. So werden die Songs nochmals zum Leben erweckt. Meine Bandmitglieder sind ja auch keine Maschinen. Die haben auch einen eigenen coolen Stil, bringen das menschliche Element ein. Du bist ein Eigenbrötler im Studio, einen anderen Musiker erwähnst du aber prominent in der Tracklist des neuen Albums: Washed Out bei «Forgive». Das war eine ziemlich spontane Idee. Ich hatte ihm mal geschrieben, ob er Bock hätte, bei diesem Lied zu singen. Danach haben wir lange telefoniert, ich habe ihm den Track rübergeschickt und ziemlich bald kamen die Spuren zurück. Weil ich den Song daraufhin nochmals überarbeitet und an seine Vocals angepasst habe, fühlt es sich nun wirklich wie eine Kollabo an.