musikschule )) DIREKT 1.2017

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E-Learning im Instrumentalunterricht Digital Audio Workstation: PC als Studio Inklusion: Was sagen die Lehrenden?

„Dr. mus.“ an Musikhochschulen?

Gute Aussichten

Ein großer Teil der Lehrenden an Musikhochschulen arbeitet unter prekären Bedingungen. Das ist lange bekannt. Bekannt ist auch, dass besser qualifizierte Menschen in unserem Land meist auch besser bezahlt werden und sozial eher abgesichert sind als geringer qualifizierte. Das gilt allerdings nicht für alle Bereiche, vor allem nicht für den künstlerischen. Ein Vorstoß zur Verbesserung von künstlerisch hoch qualifizierten Lehrenden an Musikhochschulen kommt nun von der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen (RKM): Sie möchte herausragende Leistungen auf künstlerischem Gebiet wissenschaftlichen Leistungen gleichstellen. Zu diesem Zweck soll analog zu einer wissenschaftlichen Forschung eine „künstlerische Forschung“ eingeführt werden, für deren Ergebnisse ein akademischer Titel verliehen werden kann, der dem bisherigen Doktortitel für wissenschaftliche Leistungen entspricht – eine Art „Dr. mus.“ (siehe Interview mit Susanne Rode-Breymann in dieser Ausgabe von üben & musizieren auf Seite 42). Für derart Qualifizierte sollen dann neue, bessere Stellen mit langfristiger Berufsperspektive geschaffen werden, wodurch die Situation vieler künstlerisch hochbegabter Lehrbeauftragter verbessert werden soll. Doch Zweifel sind angebracht. Denn hier werden zwei Annahmen miteinander verquickt, die nicht zwangsläufig zusammenhängen: zum einen die Annahme, dass akademische Titel generell bessere und langfristigere Berufsperspektiven ermöglichen. Doch in vielen Bundesländern schützt auch ein Titel nicht vor Befristung und prekärer Beschäftigung. So arbeitet etwa die Universität Potsdam gerade daran, das Verhältnis von befristeten zu unbefristeten Stellen von 50:50 bis 2018 in 70:30 umzuwandeln. Teilzeitbeschäftigung ist ebenfalls an der Tagesordnung. Zum anderen nimmt die RKM an, dass die Politik mehr Geld zur Verfügung zu stellen bereit ist, um langfristig Stellen für künstlerisch Hochqualifizierte zu schaffen. Doch das könnte sie jetzt schon, denn niemand verbietet es, Lehrbeauftragte besser zu bezahlen, sozial abzusichern und länger als ein Semester vertraglich zu binden. Es geht also um die Frage, ob die Politik, die seit Langem um die Verhältnisse an Musikhochschulen weiß, durch eine „künstlerische Forschung“ tatsächlich zu beeindrucken sein wird. Dies scheint mir eher unwahrscheinlich, wird doch die Finanzierung öffentlicher Bereiche mehr und mehr ausgehöhlt. Langfristigkeit scheint im politischen Denken nicht mehr von Interesse zu sein. Verbesserungen in Kunst und Wissenschaft wollen alle – aber nur kostenneutral. Anja Bossen

Die Berliner Koalitionsvereinbarung stärkt die Basis der Musikkultur. Die drei Koalitionsparteien SPD, Linke und Grüne nehmen ihre Versprechen in Bezug auf die musikalische Bildung ernst. Gleich in mehreren Bereichen (Arbeit, Bildung, Kultur und Verwaltung) wird auf die Stärkung der Berliner Musikschulen gepocht: Der Forderung des Landesmusikrats Berlin nach mindestens 20 % festen Stellen für Musikschullehrkräfte wird entsprochen. Der Abschluss einer tarifvertraglichen Regelung für arbeitnehmerähnliche Beschäftigte sowie die Anhebung der Honorare haben Eingang ins Regierungsprogramm gefunden. Die Koalition plant außerdem die Stärkung der bezirklichen Kulturarbeit durch Mindeststandards und die Sicherung der außerschulischen Bildung und allgemeinen Weiterbildung durch ein Weiterbildungsgesetz. Auch die musikalische Bildung in der Vorschulzeit erhält verbesserte Chancen. www.landesmusikrat-berlin.de

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