Der Zürcher Bote vom 13. Juli 2012

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FREITAG, 13. JULI 2012 NR. 28 54. JAHRGANG

AZA 8820 Wädenswil

Lügen am Gotthard Der Bau der 2. Tunnelröhre am Gotthard ist überfällig. Während in China grösste Bauvorhaben innert kürzester Zeit umgesetzt werden, erstickt die Schweiz zu irren Kosten an der Verrechtlichung aller Lebensbereiche. Die Alpen, wo Felsstürze und Steinlawinen Strasse und Schiene unpassierbar machen, seien ökologisch „empfindEU. Die hat keine lich“, im „Gleichgewicht“ undoffenbar was der rotagrünen Idiotien mehr sind Die CO2-Lüge passt ins Bild. Es geht nur ums Abzocken! Bürgeraktion, 8700 Küsnacht (Bürger-Aktion) PC 87-16415-6 Dr. Michael E. Dreher, Ex-NR

WOCHENZEITUNG FÜR DEN MITTELSTAND PUBLIKATIONSORGAN DER SCHWEIZERISCHEN VOLKSPARTEI SVP DES KANTONS ZÜRICH

DIE VERPASSTE CHANCE

Etwas Geschichte und politische Zwängerei Die Bildungsdirektion hat den neusten Sparauftrag dazu benützt, einen weiteren Angriff auf den Hauswirtschaftsunterricht zu lancieren.

Schon 2007 sollte der Hauswirtschaftsunterricht an den Mittelschulen ins Untergymnasium verbannt werden, nachdem der Kantonsrat auf Grund einer zustande gekommenen Volksinitiative (rund 19 000 Unterschriften) am 2. Juli 2007 die Wiedereinführung der Husi mit 112:35 beschlossen hatte. Diese wurde bekanntlich im Rahmen des Sanierungsprogrammes 04 liquidiert. Bereits am 1. Oktober 2007 – drei Monate nach dem KR-Beschluss – wurde ein Postulat eingereicht, welches zu Ziel hatte, den Hauswirtschaftsunterricht an den Mittelschulen in die Unterstufe zu verbannen. Auch damals argumentierten die treibenden Kräfte (FDP, SP und Grüne) mit den gleichen Argumenten und vertraten sogar die Auffassung, dass die Internatskurse in der Romandie oder im italienisch sprechenden Teil der Schweiz stattfinden sollen. Immersionsunterricht war «en vogue» und die Postulanten meinten, damit einen Trumpf in der Hand zu haben. Die Regierung war bereit – wen erstaunt das –, das Postulat entgegenzunehmen, kam es doch der ursprünglichen Absicht relativ nahe, den Hauswirtschaftsunterricht aus der gymnasialen Ausbildung zu verdrängen. Damals hatte die SVP-Fraktion kein Musikgehör für dieses Anliegen. Sie erkannte, dass es neben Pädagogik und Didaktik auch um die staatspolitische Frage ging, ob sich Bürgerinnen und Bürger auf ihre Institutionen – in diesem Fall den Kantonsrat –

verlassen können oder nicht. Folge- beschäftigt hat, weiss, dass Jugendrichtig entschied sie, dass es nicht op- liche sich zwischen dem 13. und dem portun sei, ein Initiativkomitee, wel- 18. Altersjahr enorm entwickeln und ches auf Grund des Kantonsratsbe- verändern. Ein dreiwöchiger Interschlusses auf die Durchführung der natskurs mit 12-jährigen JugendliVolksabstimmung verzichtete, um chen muss mit Sicherheit pädagoden errungenen Sieg zu bringen. gisch und didaktisch anders gestaltet Heute, fünf Jahre später, ist die im- werden als einer, der im 4. oder 5. mer wieder beschworene Zuverläs- Gymnasium durchgeführt wird. sigkeit, Grundsatztreue und BereDie für 17-Jährige geeignete Interchenbarkeit offenbar kaum mehr von natsform ist für 13-Jährige pädagoBedeutung. Diese Erkenntnis stimmt gisch äusserst fragwürdig. Zwangsmich nachdenklich, umso mehr, weil läufig müsste das inhaltliche Niveau sich offenbar auch meine eigene sinken, nicht zuletzt auch darum, Fraktion von diesen für die Bevölke- weil den 13-Jährigen ein in diesem rung wichtigen Werten entfernt hat. Alter wesentliches Stück LebenserObwohl sich die Situation an den fahrung fehlt. Gymnasien seit 2007 nur unwesentEs fragt sich, wie lange die Interlich verändert hat, hat die Bildungs- natskurse unter den neuen Bedingdirektion den neusten ungen Bestand hätten Sparauftrag dazu bebzw. wie schnell man Die Investition nützt, einen weiteren an den Gymnasien in eine gute Angriff auf den Hausdie Unterrichtsform hauswirtschaftliche wirtschaftsunterricht der Sekundarschule zu lancieren. Sie bemit den entsprechenAusbildung ist nachhaltig antragte die Hauswirtden Kostenfolgen (Inangelegtes Kapital. schaftskurse ins Unvestitionen in Schultergymnasium zu verküchen etc.) übernehlegen – zwar immer noch als Inter- men müsste, um einigermassen benatskurs – was grundsätzlich der For- friedigende Ergebnisse zu erreichen. derung des Postulates von 2007 ent- Immerhin könnte man dannzumal spricht. von einer Parallelisierung sprechen. Neben dem Spareffekt soll auch eiDie heute ins Auge gefasste Löne Parallelisierung mit der Sekundar- sung parallelisiert lediglich das Alter schule erreicht werden. Warum der und alle übrigen Rahmenbedingen Regierung diese Parallelisierung ein werden «aussen vor» gelassen. Im Anliegen ist, bleibt schleierhaft. Es Gegensatz zu den Kantonsräten, welsei denn, man hegt die Absicht, die che sich für die neue Lösung stark Internatskurse mittelfristig abzuset- machen, äussern sich die «gymnasiazen und zu einem Unterrichtssystem len» Absolventen zur «Rüebli-RS» à la Sekundarschule zu wechseln (ei- mehrheitlich positiv. «Da wir selbst nige Haushaltslektionen pro Woche als Schülerinnen einer Klasse von 16im 1. und im 2. Gymi). und 17-Jährigen gerade einen solchen Kurs absolviert haben, sind wir Fragwürdige Argumentation der Meinung, dass er keinesfalls verim Kantonsrat schoben werden sollte. Wer eigene Kinder hat oder sich ein Er ist nicht vergleichbar mit dem wenig mit Entwicklungspsychologie Kochunterricht aus der Sekundar-

schule. Während eines Hauswirtschaftskurses lernt man nicht nur Wissenswertes über Kochen und Ernährung wie in der Volksschule, es werden auch umfassend Haushaltsmanagement sowie Budgetplanung behandelt.» – «Ausserdem kann das Gelernte für 16- und 17-Jährige in zwei bis drei Jahren von Nutzen sein, während die Haushaltsführung für 13-Jährige noch weit entfernt liegt.» Glücklicherweise haben die jungen künftigen Akademiker offenbar weniger Mühe mit dem Hauswirtschaftsunterricht, als die schon in die Jahre gekommenen Pädagogen, Juristen, Dozenten und Politiker. Verpasste Chance Derzeit findet die Diskussion um die Stärkung der Naturwissenschaften und der Technik an den Schulen statt. Die Hauswirtschaftskurse würden sich perfekt dazu eignen, «Alltagschemie» und «Alltagsbiologie» zu integrieren. Auch das Thema «Nachhaltigkeit» könnte mit den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten vertieft behandelt werden und das nicht zuletzt unabhängig davon, welche Studienrichtung oder beruflich Ausbildung diese später einschlagen. Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Chemie-, Biologie- und Hauswirtschaftslehrpersonen drängt sich nachgerade auf! Vielleicht wäre es sogar möglich, Internatskurse gemeinsam zu bestreiten, ohne diese allzu stark «zu verschulen». Unter diesen Aspekten müsste man sich m. E. sogar überlegen, ob «das Kochen» in der Sekundarschule nicht zu einem effektiven Hauswirtschaftsunterricht aufgewertet und in die 3. Sekundarschule verlegt werden müsste. Dann könnte man die Kurse

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ebenfalls im Sinne eines Internatskurses durchführen. So könnten mit Sicherheit andere Lernziele bearbeitet und damit durch die Schüler und Schülerinnen auch andere Kompetenzen erworben werden. Würde eine solche Lösung realisiert, könnte man von einer echten Parallelisierung sprechen. Käseglocke Finanzpolitik Selbstverständlich ist es sehr wichtig, dass die Staatsausgaben im Lot sind, oder besser wieder ins Lot gebracht werden. Allerdings gilt es zu überlegen, welche Investitionen mittelfristig klug und nachhaltig sind. Der kurzfristige Spareffekt vernebelt oft den Blick auf Entwicklungen, welche nicht im Sinne unserer Gesellschaft sind. Man kann darüber streiten, ob der Hauswirtschaftsunterricht etwas zur Stärkung der Familie beiträgt. Es ist Tatsache, dass Fragen im Umgang mit Geld, Fehlernährung, Übergewicht und anderen zivilisatorischen Phänomenen unsere Gesellschaft stark beschäftigen. Die Investition in eine gute hauswirtschaftliche Ausbildung ist im Sinne der Prävention nachhaltig angelegtes Kapital. Und vergessen wir nicht, Hauswirtschaft ist mehrals Kochen! Der Entscheid kann noch geändert werden!

Lesen Lesen Sie Sie «Die Trostpflästerli der Erziehungsdirektion» – ein Artikel von Silvia Blocher auf Seite 5.


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