Ausgabe 9 | Februar 2016
„Gute Bildung für alle Menschen ist mir ein starkes Anliegen“
Die ehemalige Lehrerin Maria Kreß engagiert sich auch noch im Ruhestand für Kinder.
Als Vollwaise gelang es Maria Kreß, mithilfe eines Stipendiums zu studieren. Diese Unterstützung und ihr fundierter christlicher Glaube sind die treibenden Kräfte für ihr vielfältiges soziales Engagement: Es reicht von der Mitarbeit in einer Bücherei, geht über Nachhilfe, bis hin zur Missionsarbeit für Afrika. In der Schulbücherei der Schnelldorfer Grundschule herrscht gedämpftes Treiben. Ab und zu hört man ein leises Lachen und Murmeln. Die Kinder freuen sich und begegnen der Dame an der Bücherausgabe mit freundlichem Respekt und Vertrauen.
Die in Bottenweiler (zwischen Schnelldorf und Wörnitz) lebende Maria Kreß ist hier ehrenamtlich tätig. Dieses Jahr wird sie 73 Jahre alt, aber von Ruhestand ist nichts zu spüren. Ihr soziales Engagement und ihre Berufung als Lehrerin lassen sie nicht rasten.
Maria Kreß sammelt für Missionsprojekte Spenden. Im Kongo wurde damit unter anderem ein Schulgebäude repariert.
Der Grundstein für ihre berufliche und soziale Laufbahn wurde in ihrem Elternhaus gelegt. Dort war der christliche Glaube sehr stark ausgeprägt. Mit erst 18 Jahren war sie bereits Vollwaise. Nichtsdestotrotz studierte sie in Nürnberg Lehramt. Ihre Wohnung vermietete sie an Studenten, um damit den Lebensunterhalt zu finanzieren. Aufgrund eines Stipendiums der Inneren Mission konnte sie weiter studieren. Darüber glücklich und dankbar machte sie sich zur Lebensaufgabe, diese wertvolle Hilfe an andere Menschen weiterzugeben. 1969 kam sie der Liebe wegen aus ihrer Geburtsstadt Nürnberg in den kleinen Ort Bottenweiler, wo sie in einen landwirtschaftlichen Betrieb einheiratete, ohne Aussteuer, dafür mit viel Bildung und großem Herzen im Gepäck. Entgegen allen Vorurteilen von 1969 – „eine Studierte aus der
Stadt kann sich doch hier nicht wohlfühlen“ – bewies sie das Gegenteil. Im benachbarten Wildenholz avancierte sie sehr schnell zur Protokollführerin des Kirchenvorstands, singt seit 1969 im Kirchenchor und fühlt sich in der ländlichen Umgebung sehr wohl. Ihren Beruf als Lehrerin übt sie seit ihrem 22. Lebensjahr aus. Sie blickt auf eine 40-jährige Berufslaufbahn zurück, davon 32 Jahre lang in Schillingsfürst. Ruhestand war und ist jedoch ein Fremdwort. Sie unterrichtete ein krankes Mädchen zuhause und gab immer noch bis vor Kurzem Nachhilfestunden. Drei Jahre lang betreute sie außerdem Gefangene in der JVA Kassel. „Gute Bildung für alle Menschen ist mir schon immer ein starkes Anliegen“, lautet ihr Antrieb. Nach dem Tod ihres Mannes 1992 brachte sie sich in eine Selbsthilfe-
gruppe für Witwen ein und war dafür acht Jahre lang tätig. Darüber hinaus war sie drei Jahre lang Frauengleichstellungsbeauftragte im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. In Feuchtwangen schlichtet sie als Dekanatsmissionsbeauftragte Probleme zwischen Frauen. Seit 1996 ist sie in der Mission des Arbeitskreises des Dekanats Feuchtwangen für „Eine Schule für Wambote“ im Kongo tätig, wo sie 2010
auch schon zu Besuch war. In Afrika wurden durch Spenden bereits drei Brunnen gebaut, ein Schulgebäude repariert und somit der Schulbetrieb gesichert. „Das Arbeiten an der Basis war mir immer sehr wichtig“, sagt sie lächelnd. In ihrer „Freizeit“ studierte sie intensiv das Leben von James Dean und Romy Schneider. Außerdem liebt sie Klassik, Kunst und Kultur, Katzen, Eulen, Menschen und Engel.
Fotos: thinkstock.com, ZG Medien (2)
Schnelldorferin im Ruhestand weiterhin ehrenamtlich tätig