Stift Wilten Aktuell - Sommer 2019

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Jahrgang 22 ∙ Ausgabe 2/2019

Stift Wilten Aktuell Für Mitbrüder & Freunde des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Wilten

Sommer 2019


LEITWORT

Liebe Freunde unseres Stiftes! Das Pfingstfest, eines der ältesten und wichtigsten des Christentums, hat keinen Countdown, während Weihnachten und Ostern vorbereitet wird durch die Advent-, bzw. Fastenzeit. Pfingsten kennt auch kein Brauchtum. Das einzige Wort, das mit Pfingsten in Verbindung gebracht wird, ist der Pfingst-Reiseverkehr oder der Pfingst-Stau. Und doch gehört Pfingsten zum Osterfestkreis und geht dann weiter durch das ganze Kirchenjahr. Nicht umsonst hat man früher die sogenannten Sonntage im Jahreskreis als die Sonntage nach Pfingsten (Dominica prima/ secunda/ tertia … post Pentecosten) bezeichnet. Deshalb möchte ich, auch wenn wir das Pfingstfest schon gefeiert haben, in dieser Sommerausgabe dieses wichtige Fest ein wenig betrachten. Zu Pfingsten geht es um den Heiligen Geist, die dritte göttliche Person, der die völlig erschöpften und ausgelaugten Apostel nach einer fünfzigtägigen Durststrecke begeistern, ihnen Mut machen wollte, der ihnen die Courage gibt, aufzutreten, die Botschaft vom Auferstandenen weiterzusagen, ob gelegen oder ungelegen. Zungen wie von Feuer kamen auf ihre Köpfe. Mit einer zeitgemäßen Floskel könnte man sagen: Es ist ihnen ein Licht aufgegangen; es hat gefunkt. Pfingsten ist also im Grunde, um es ein wenig modern zu sagen, das Fest des Motivationsschubs, das Fest des Self-Managements der Apostel; es ist im weitesten Sinn das intellektuelle Fest unter den christlichen Festen. Es ist das Fest des Geistes. Warum also feiern wir Pfingsten? Wir Christen sind der Überzeugung, dass dieses Geschehen, das wir in der Apostelgeschichte 2, 1-11 nachlesen können, die Geburtsstunde der Kirche ist. Dieses Geschehen ist aber kein einmaliges geschichtliches Ereignis. Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist eine Fortsetzungsgeschichte bis zum heutigen Tag. Pfingsten, das ist ein immer noch vorhandenes Kraftfeld, für das man allerdings offen sein muss. Man muss sich in diese Ausstrahlung, in dieses Kraftfeld des Heiligen Geistes hineinbegeben. Wer das tut, der wird sensibel für das Wirken des Geistes. Wo wirkt dieser Heilige Geist? • Gottes Geist wirkt, wenn wir uns in das Kraftfeld eines Gottesdienstes fallen lassen. Wir erleben vielleicht, dass ein Wort Gottes uns trifft, dass uns etwas aufgeht, das uns weiterbringt, möglicherweise sogar verwandelt, uns ändert. • Gottes Geist wirkt im Kraftfeld des Gebetes, ganz besonders, wenn wir um die Gaben dieses Heiligen Geistes bitten. Vor kurzem habe ich eine betagte Frau im Altersheim getroffen, auf ihrem Schoss ein ganz altes Gebetbuch (Gotteslob). Sie hat die Andacht

zum Heiligen Geist gebetet. • Gottes Geist wirkt, wenn wir in der Bibel lesen und darin meditieren; • wenn wir uns durch sakrale Musik oder von einem Kunstwerk inspirieren lassen. Inspirieren, darin steckt das lateinische Wort „spiritus“, und das ist der Geist. • Gottes Geist wirkt, wenn wir auf seine Stimme in unserem Inneren hören. Wenn uns ein Wort in den Sinn kommt, das einem anderen Menschen hilft, dann hat es der Geist geschenkt. • Wenn Menschen keine gemeinsame Sprache mehr sprechen, wenn sie sich missverstehen, und wenn sie sich dann zusammensetzen, neu beginnen und sich wieder verstehen, dann hat dies der Geist geschenkt. • Wenn jemand den Mut hat und gegen den Strom der Zeit schwimmt, dann ist dies eine Eingebung des Heiligen Geistes. Vor einiger Zeit bin ich einmal mit dem Taxi heimgefahren. Die Taxilenkerin, die mich in meiner Ordenskleidung gleich erkannte, hat mir erzählt, dass sie bei den Don-Bosco-Schwestern hier in Innsbruck eine gute christliche Erziehung bekommen hat. Dafür ist sie heute noch sehr dankbar. Und so versucht sie in ihrem Beruf als Christin zu handeln. Fünfmal hat sie bereits ungeborenen Kindern das Leben gerettet. Denn Mädchen und Frauen, die sie in die Abtreibungsklinik bringen muss, und die sich oft ihr anvertrauen, lädt sie jedes Mal zu einem Kaffee ein und versucht, sie zu überreden, das Kind doch auszutragen. Dabei bietet sie sich außerdem als Taufpatin an. Das ist für mich der Heilige Geist des Rates und der Weisheit. Freilich gibt es auch das andere, das Widerpfingstliche: Dass wir eben nicht sensibel genug sind für die Eingebung des Heiligen Geistes, dass wir uns lieber anderen Kraftfeldern aussetzen, die verlockender erscheinen, dass wir gute Augenblicke vertun, seine Impulse verdrängen und vergessen; dass wir Gutes unterlassen, dass wir seine Stimme überhören. Deshalb soll Pfingsten sowie die ganze Zeit nach Pfingsten ein neuer Anlass für uns sein, wieder sensibler, feinfühliger zu werden für die Anstöße des Geistes, der in uns wirken will. Darum ist es gut, immer wieder zu beten wie es im Tagesgebet von Pfingsten heißt: Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. AMEN.


INHALT INHALTSVERZEICHNIS LEITWORT 2 Liebe Freunde unseres Stiftes

CARITAS 23 Reduktion auf das Notwendigste

Impressum Herausgeber Prämonstratenser-

ACTIO 4 Goldenes Priesterjubiläum

COMMUNIO 24 Erlebnisabend Weltjugendtag

4 Umbesetzungen

25 Das Kreuz

5 Abtwahl im Stift Schlägl

25 Ein Stück Himmel auf Erden

5 Gott hat einen Masterplan

26 Familie ist Gottes Lieblingsprojekt

6 Angekommen im Heilberuf Gottes

26 Kirche lebt in vielen Menschen

4 x im Jahr

8 Eine agile Jubilarin

27 Casa Austria

Titelbild

Chorherrenstift Wilten Klostergasse 7 6020 Innsbruck Tel. 0512/58 30 48 www.stift-wilten.at Redaktion Reinhold Sigl Erscheinungshinweis

Stiftskirche Wilten mit

8 Silbernes Dienstjubiläum

28 Ostern = wieder aufstehen

Statue des Hl. Norbert Foto: Reinhold Sigl

9 Betriebsausflug

28 Mariensingen Fotos

10 Palmsonntag

29 Zeuge des österlichen Friedens

Diözese Innsbruck, Paul Doppler

11 Weihe der Heiligen Öle

29 Ein Frauenbild von 10 Schuh

kathpress/Pulling Land Tirol,

12 Wir brauchen den Sonntag

30 Ein kraftvolles Zeichen

12 Lebenshingabe

30 Ein Mann seines Wortes

Stift Wilten

13 Christus, die Sonne

31 Dramatisch! Eine Zwischenbilanz

Datenschutzerklärung

13 Faszination für Jesus

31 Eröffnungsfest

14 Geist und Feuer

31 Wallfahrt

15 Fronleichnam

32 Gottesdienste und Termine

Florian Sigl, Reinhold Sigl,

Mit unserer Zeitschrift „Stift Wilten Aktuell“ informieren wir Sie über uns, unsere Arbeit, Angebote und Veranstaltungen. Sie können den Erhalt der Zeitschriften jederzeit ablehnen,

CONTEMPLATIO 16 Zur Geschichte des Stiftes Wilten

indem Sie uns dies telefonisch unter der Telefonnummer:

20 Wiltener Stiftsorgelkonzerte

+43 512 583048 oder

Weitere Berichte, Predigten, Termine

21 Tag der Stimmen

und Bilder finden Sie auf der Stift-Wilten-Homepage:

22 Wiltener Sängerknaben

per E-Mail unter: pforte@stift-wilten.at mitteilen.

www.stift-wilten.at

Stift Wilten Aktuell

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ACTIO

Goldenes Priesterjubiläum Prior Klemens Halder OPraem wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Prior Klemens Halder OPraem (re.) und Diakon Nikolaus Albrecht OPraem beim Hochamt am Ostermontag

Bei der Priesterweihe von D. Leopold - V. r. n. l.: Prior Klemens Halder, D. Augustinus Kühne, Br. Meinhard Heinsch, D. Leopold Baumberger, D. Christoph Pernter

Am 29. Juni 1969 wurde D. Klemens vom damaligen Innsbrucker Diözesanbischof Paulus Rusch im Innsbrucker Dom zum Priester geweiht. Am 11. Mai 1945 in Telfes im Tiroler Stubaital geboren, trat D. Klemens 1963 in das Stift Wilten ein, 1968 folgte seine Feierliche Profess. Als Seelsorger war er in mehreren Stiftspfarren tätig. D. Klemens ist aktuell Prior und Verantwortlicher für das geschichtliche Archiv, die Bibliothek und die Kunstsammlungen

des Stiftes. Seine Beiträge „Zur Geschichte des Stiftes Wilten“ sind seit vielen Jahren ein fixer, gerne gelesener und sehr informativer Bestandteil unserer Ordenszeitung „Stift Wilten Aktuell“. Als Buchautor hat sich D. Klemens unserem Ordensgründer gewidmet. „Norbert von Xanten - Der Gründer des Prämonstratenserordens und seine Zeit“ ist ein zeitlos gültiges, detailliert recherchiertes Buch über den Heiligen Norbert. Dem Jubilar wünschen wir Gottes Segen und eine gute Gesundheit.

Personelle Veränderungen Ab 1. September 2019 Die neuen Verantwortlichen für die Seelsorge im Sellraintal - V. l. n.r.: Pfarrer D. Christoph Pernter und Kooperator D. Leopold Baumberger

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D. Sigmund Hepperger geht als Pfarrvikar von Innsbruck-St. Norbert in den Ruhestand. D. Bruno Kössler geht als Pfarrer von Ellbögen in den Ruhestand. Ihm folgt als Pfarrer von Ellbögen H. Gerhard Choquet, ein Diözesanpriester aus Deutschland. Unser Neupriester Leopold Baumberger wird als Kooperator des Pfarrers von Völs, D. Christoph Pernter, die Seelsorge im Sellraintal (Sellrain, Gries und St. Sigmund) ausüben.


ACTIO

Abtwahl im Stift Schlägl D. Lukas Dikany OPraem ist der neue Abt und folgt damit D. Martin Felhofer, der 30 Jahre lang als Oberhaupt des Konventes tätig war. Der 51-Jährige wurde am Dienstag, dem 11. Juni 2019 vom Konvent des Mühlviertler Stiftes zum Nachfolger für Prälat Martin Felhofer gewählt. Wahlberechtigt waren 35 Mitbrüder - alle Konventmitglieder, die Priester sind und dem Orden mindestens seit fünf Jahren mit ewiger Profess angehören. Die Wahl auf 10 Jahre erfolgte unter Vorsitz des Generalabtes Jos Wouters und des Zirkarievikars Abt Albert Dölken. Abt Lukas Dikany wurde 1966 in Linz geboren und studierte nach der Matura Theologie in Salzburg, Innsbruck und Linz.

1988 legte er die einfache, 1991 die Feierliche Profess ab. 1993 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Religionslehrer und in der Seelsorge, absolvierte Ausbildungen zum Geistlichen Begleiter und für die Klinik-Seelsorge. Im Stift Schlägl war er Novizen- und Klerikermeister und bis September 2016 Prior. Seit Oktober 2016 wirkte er als Pfarrer von Arnreit und als Seelsorger im Landeskrankenhaus Rohrbach.

Abt Lukas Dikany OPraem

Gott hat einen Masterplan Diözese Innsbruck verstärkt Berufungspastoral / Junge Menschen erzählen ihre Berufungsgeschichten Was ist Berufung? Sind alle berufen? Was will Gott von mir? Wie erkenne ich meine Berufung? In einem Pressegespräch erzählten Menschen - darunter auch D. Leopold Baumberger OPraem - verschiedener spiritueller Einrichtungen ihre Berufungsgeschichten und ermunterten jeden, sich die Frage nach einem sinnerfüllten Leben zu stellen. Gleichzeitig stellte die Diözese Innsbruck Ausbildungswege für geistliche Berufe und einige Initiativen in der Berufungspastoral vor. Bischof Hermann Glettler: „Unsere Gesellschaft braucht ‚burning persons’, Menschen, die ein Plus an Engagement, an Aufmerksamkeit, an Nähe zum Menschen zeigen. Um diese Menschen zu gewinnen, braucht es auch eine berufungsfördernde Mentalität, damit Menschen sich dafür entscheiden können, mit angemessener Radikalität sich ganz in die Nachfolge Jesu hineinzustellen.“ Gott hat einen Masterplan für jeden von uns. Ihn zu erkennen und zu bejahen, liegt in unserer Freiheit. Dieser Plan ist nie fertig, sondern hängt von unserer Mitarbeit und von unserer geistlichen Beweglichkeit ab.“

D. Leopold Jürgen Baumberger OPraem erzählte: „Ich habe immer eine Unruhe in mir gespürt, ob der Priesterberuf ein Weg für mich sein könnte. Ich habe Pharmazie studiert, aber immer wieder ist die Sehnsucht nach dem Priesterberuf in mir aufgebrochen. Schließlich habe ich den Schritt gewagt. Ich kann nur jedem mit auf den Weg geben, etwas im Leben zu wagen, auch wenn man sich noch nicht ganz sicher ist. Wichtig ist, dass man das, was man tut, mit Herz macht.“

V. l. n. r.: Hannes Dreml, Miriam Novais da Silva, Bischof Hermann Glettler, Sr. M. Katharina Margreiter OP, Irene Blaschke, Roland Buemberger und Leopold Baumberger OPraem

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ACTIO

Angekommen im Heilberuf Gottes D. Leopold Jürgen Baumberger OPraem wurde am 30. Juni von Diözesanbischof Hermann Glettler zum Priester geweiht. Der gebürtige Steyrer studierte zunächst Pharmazie und ergriff nun den „Heilberuf Gottes“. Bischof Hermann Glettler weiht D. Leopold durch Handauflegung zum Priester

Ein Tag der Freude im Stift Wilten

Bischof Hermann Glettler sagte bei der Priesterweihe von D. Leopold Baumberger, er begebe sich mit der Weihe in den „Heilberuf Gottes“. Jesus, der Heiland, habe Menschen von allen möglichen Krankheiten geheilt, wobei sein primäres Interesse immer an der Heilung

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des ganzen Menschen gelegen habe. Der Primizspruch von D. Leopold - „Bete zu Gott, denn Er heilt!“ (Sir 38,9b) - weise deutlich auf Gott als den Urquell menschlichen Heilwerdens und Heilsseins hin, so Glettler. Auch seine Diplomarbeit habe der Weihekandidat zum Thema der therapeutischen Wirksamkeit von Gebet und Spiritualität verfasst, „es steht dahinter also mit Sicherheit deine persönliche Glaubenserfahrung, aber auch deine Gewissheit, dass du in Zukunft bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen auf den eigentlichen Arzt setzen kannst“, erklärte der Innsbrucker Bischof: „Jesus ist der Arzt und Apotheker deines Vertrauens!“ Er forderte den Neupriester auf, die Sakramente als „Geschenke des Heilwerdens“ zu feiern. Diese seien nicht Gesten der Belohnung, „sondern Trost- und Kraftquellen für alle, die unterwegs sind - oft mühsam und erschöpft“. D. Leopold Jürgen Baumberger OPraem wurde 1987 in Steyr (OÖ) geboren. Nach dem Studium der Pharmazie in Graz trat er zunächst in das Linzer Priesterseminar ein, während des Theologiestudiums in Innsbruck führte ihn sein Weg in das Stift Wilten. Dort feierte er im November 2018 die Ewige Profess, im März wurde er im


ACTIO Innsbrucker Dom zum Diakon geweiht. D. Leopold absolviert derzeit das Pastoraljahr im Seelsorgeraum Zams-Zammerberg-Schönwies. Nach seiner Priesterweihe wird er als Kooperator in den Wiltener Stiftspfarren des Sellraintales seine erste Stelle als Priester antreten.

Ausgewählte Primizgottesdienste Neupriester D. Leopold: 11. August, 8.30 Uhr, Pfarrkirche Schönwies 15. August, 10 Uhr, Pfarrkirche Zams 20. September, 19.30 Uhr, Wallfahrtskirche Heiligwasser

mit

Agape im Garten vor der Stiftskirche Wilten

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ACTIO

Eine agile Jubilarin Am 4. Juni 2019 feierte Margaretha Buchberger unglaublicherweise ihren 80er. Seit vielen Jahren unterstützt Margaretha mit großem Elan und Fleiß die Arbeit an mehreren Orten im Stift Wilten. Ob im Garten oder im Klosterladen, überall ist sie mit ihrer humorvollen, aber zugleich auch sehr

ehrlichen Art geschätzt und beliebt. Das erreichte Lebensalter würde ihr wohl niemand „optisch zutrauen“ ... Wir wünschen der Jubilarin weiterhin viel Freude, Gottes Segen und Gesundheit!

Kirchweihsonntag im Stift Wilten - V. l. n. r.: Margit Radner, Margaretha Buchberger, Gertrud Oberhauser Unsere Jubilarin Margaretha ist immer auch für ein Lachen zu gewinnen. Danke!

Silbernes Dienstjubiläum Schon seit 2. Mai 1994 ist Otto Permoser im Stift Wilten tätig. Aus diesem Anlaß überreichten ihm Abt Raimund Schreier und Verwalter Rainer Khälß im Rahmen einer gemütlichen Jause einen Geschenkskorb. Die zahlreichen, vor allem handwerklichen Talente von Otto vollzählig aufzuzählen, ist fast nicht möglich. V. l. n. r.: Abt Raimund Schreier, Otto Permoser, Rainer Khälß

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Einer breiten Öffentlichkeit sind vor allem die von ihm hervorragend destillierten StiftWilten-Schnäpse bekannt, welche er mit außergewöhnlichem Gespür und auch Erfolg herstellt. Lieber Otto, vielen herzlichen Dank für deinen großen Einsatz und deine vorbildliche Kollegialität.


ACTIO

Betriebsausflug Die Mitarbeiter des Stiftes Wilten machten sich vom 20. bis 21. Mai auf den Weg nach Oberösterreich, um dort in Linz und Schlägl Station zu machen.

Impressionen

Nach einem ersten Zwischenstopp in Kössen, wo ein Frühstücksbuffet im Gasthof Post genossen wurde, ging es direkt weiter nach Linz zu einer Besichtigung des Linzer Mariendomes mit Dommeister Clemens Pichler. Die flächenmäßig größte Kirche Österreichs zählt zu den bedeutungsvollsten neugotischen Baudenkmälern und besticht durch ihre Schönheit und perfekte Bauweise. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Linzer Altstadt ging die Reise weiter zum Stift Schlägl. Dort besichtigten die Mitarbeiter Österreichs einzige Stiftsbrauerei, wo seit über 400 Jahren Bier gebraut wird. Natürlich durfte das Verkosten unterschiedlicher Sorten nicht fehlen. Als Abschluss des ersten Tages feierte die Gruppe mit dem

Schlägler Konvent gemeinsam eine Vesper in der Stiftskirche. Der zweite Tag des Ausfluges begann mit einer spannenden Stiftsführung durch den jetzigen Altabt Martin Felhofer OPraem, gefolgt von einem Mittagsgebet im Andachtsraum des Seminarzentrums. Der Besuch der Oberösterreichischen Landesgartenschau „Bio.Garten.Eden“, welche sich heuer rund um das Stift Schlägl befindet, lud ein, den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln, Ressourcen und Menschen auf ganz besondere Weise zu erleben. Bestens chauffiert von Busunternehmer Franz Mayr aus Natters kehrte die Reisegruppe gut gelaunt und voller schöner Eindrücke wieder nach Wilten zurück. Danke für die zwei netten Tage!

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ACTIO

Palmsonntag Am 14. April feierte die Wiltener Gemeinde den Einzug von Jesus Christus in die Stadt Jerusalem. Palmprozession in Wilten von der Basilika zur Stiftskirche

Capella Wilthinensis

Dem Neuen Testament zufolge ritt Jesus auf einem Esel durch das Stadttor, bejubelt von seinen Anhängern, welche ihre Kleider und Palmzweige auf der Straße ausbreiteten. Viele unter ihnen waren Pilger aus Galiläa, sie riefen ihm zu: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe“ Im Mittelpunkt stand die Heilige Messe, die das Tor zur Osterfeier darstellt. Kennzeichnend für die Liturgie sind die Palmweihe und die Prozession, welche in Wilten Passion in der Stiftskirche Wilten

Stiftsorganist Kurt Estermann

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üblicherweise von der Basilika in die Stiftskirche führt. Die Palmzweige sind ein wesentliches Symbol des Palmsonntags, wobei diese auf eine lange Tradition zurückgehen. Um das Jahr 400 gab es in Jerusalem Umzüge, bei denen Kinder Palm- und Olivenzweige trugen. Im Mittelalter wurde die Prozession um weitere Elemente ausgeweitet. Palmbuschen symbolisieren das Leben und sollen an Christus erinnern, sie bringen Segen für Haus und Flur und sollen vor Unwettern und Hagelschlag schützen.


ACTIO

Weihe der Heiligen Öle Bischof Hermann Glettler feierte am 17. April mit rund 100 Priestern und Diakonen im Innsbrucker Dom die Chrisammesse.

Chrisammesse im Dom St. Jakob

Dabei weihte er die Heiligen Öle, die anschließend in der gesamten Diözese verteilt wurden: das Chrisamöl, das Krankenöl und das Katechumenenöl. Mehrere große Kessel wurden deshalb in der Karwoche vor den Altar im Dom gebracht. Der Bischof feierte diesen Gottesdienst in Konzelebration von rund 100 anwesenden Priestern und Diakonen der Diözese. Die Priester erneuerten dabei ihr Weiheversprechen und baten erneut um die Weihegnade. Die geweihten Öle werden das ganze Jahr über bei Taufen, Firmungen, Krankensalbungen und Priesterweihen verwendet. Schon in der Heiligen Schrift steht das Öl für Gesundheit, Lebensfreude, Kraft und Frieden. Das Wort Chrisam bedeutet Salböl. Die Salbung mit Öl unterstreicht die besondere Würde jedes Menschen als Kind Gottes. Die Gesalbten sollen spüren, dass Gott sie „mit dem Öl der Freude“ salbt (vgl. Psalm 45,8). Beim Öl handelt es sich um reines Olivenöl, dem wohlduftender Saft der Balsampflanze beigegeben wird. Mit dem Chrisamöl werden beispiels-

weise die Tauf- und Firmkandidaten gesalbt. Es wird auch bei der Weihe von Priestern und Bischöfen verwendet. Das Chrisamöl erinnert an die Verbundenheit aller Getauften mit Christus, dem Gesalbten. Darüber hinaus werden auch die Wände einer neuen Kirche, Altäre und neue Glocken gesalbt. Das Krankenöl soll als Gabe von Gottes guter Schöpfung „den Kranken in ihren Leiden Heilung bringen“, den Leib stärken und beleben. Auf der Stirn und in den Handflächen wird es bei der Feier der Krankensalbung aufgetragen. Das Katechumenenöl ist jenes Öl, mit dem (speziell erwachsene) Taufwerber (Katechumenen) in der Vorbereitungszeit auf die Taufe (Katechumenat) gesalbt werden – als Bestärkung auf dem Weg zur Taufe, als Schutz und zur Bewahrung vor dem Bösen. Die Salbung soll ihnen „Kraft, Entschlossenheit und Weisheit“ schenken, damit sie „das Evangelium Christi tiefer erfassen und die Mühen und Aufgaben eines christlichen Lebens hochherzig auf sich nehmen ...“


ACTIO

Wir brauchen den Sonntag Messe vom Letzten Abendmahl - Pontifikalamt in der Basilika Wilten

Eucharistie am Gründonnerstag

Abt Raimund predigte: „Heute also feiern wir das große Gedächtnis der heiligen Eucharistie. Wir feiern dieses Gedächtnis natürlich bei jeder heiligen Messe; aber wir

Lebenshingabe Feier vom Leiden und Sterben Christi Rechts: Kreuzverehrung in der Stiftskirche Wilten

Abt Raimund sprach am Karfreitag in seiner Predigt über die Bereitschaft, sein eigenes Leben für andere zu opfern: „So wie der Polizist Arnaud Beltrame aus Frankreich, so wie viele Heilige und Märtyrer ihr Leben hingegeben haben für andere, für das Reich Gottes, so sind auch wir aufgerufen, unser Sein, unser Dasein hinzugeben für unsere Freunde. ‚Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt’. Amen.“ Die Capella Wilthinensis musizierte die Passio von Franz Danksagmüller

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feiern es ganz besonders am Herrentag, an dem wir das Herrenmahl feiern, nämlich am Sonntag. Deshalb ist dieser Gründonnerstag ein Appell an uns Christen, den Sonntag wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, ihn zu heiligen. Wir brauchen ihn, um unsere Verbindung mit Christus, aus der wir dann als Christen leben können, zu stärken. Wir brauchen den Sonntag! Wir brauchen die heilige Eucharistie, wir brauchen den Sonntag. Sonntag – das ist die alternative Zeit. Zeit, in der wir Gottes Leben hineinnehmen in unseren Alltag. • Zeit haben für den, der sich alle Zeit für uns genommen hat, nämlich für den Herrn, der sein Leben für uns hingab; • und Zeit haben für uns selbst und füreinander. So geht Sonntag! Das wünsche ich uns für die kommenden Sonntage dieses Jahres! Amen.“


ACTIO

Christus, die Sonne Pontifikalamt in der Osternacht

Osternacht in der Basilika Wilten

In der Osternacht lud Abt Raimund die Gläubigen zu einer Bildmeditation ein. Das Bild Kreuztragender Christus hatte Sieger Köder 1978 für einen Familienvater, der bewusst und gläubig seinem Tod entgegengegangen ist, gemalt. Jesus trägt darauf gemeinsam mit einem leidenden

Menschen dessen Kreuz. Er trägt es mit, bis ans Ziel. Das Ziel heißt zunächst: Golgotha, Schmerzen, Tod. Doch hinter dem Golgothahügel leuchtet die Sonne, die Ostersonne: Licht, ewiges Licht, Wärme, Glut. „Auf unserem Lebensweg gibt es viele Kreuze und Hügel, die den Blick auf die Ostersonne verdecken: Krankheit, das Altwerden, Einsamkeit, Streit, Eifersucht, Haß, Lieblosigkeit. Halten wir immer Ausschau nach dieser österlichen Sonne; denn sie bringt Licht in unsere Dunkelheit. Im Licht Jesu können wir dann auch zu unseren Schatten stehen, zu den Schatten unserer Geschichte und unseres eigenen Lebens. Möge die Osterkerze uns erinnern an die Gegenwart des Auferstandenen, der mit uns geht und uns auf den dunklen Lebenswegen leuchtet. Amen.“

Tauffeier Puellae Wilthinenses

Faszination für Jesus Pontifikalamt am Ostersonntag in der Stiftskirche Wilten „Wie steht es um die Faszination unseres Glaubens?“ fragte Abt Raimund in seiner Predigt die österliche Gemeinde. „Oft höre ich: Ich gehe ja ohnehin zu Ostern und zu Weihnachten zur heiligen Messe, ich zahle Kirchenbeitrag. Was soll ich denn sonst noch tun? Ich denke mir: Wo bleibt da die Faszination für die Botschaft des Evangeliums? Die Faszination für die Person Jesu Christi, der uns den Weg zeigt zu einem geglückten Leben? Der uns hilft zu lieben, uns einzusetzen für andere, solidarisch, leidensfähig zu werden. Ostern lädt uns ein, uns wieder mehr mit Christus zu beschäftigen: mit seinem Wort, mit den Evangelien, mit seiner Botschaft, deren Kerngebot die gegenseitige Liebe ist, die Goldene Regel: ‚Alles, was du von anderen erwartest, das tu auch ihnen’. Ostern lädt uns ein, mit ihm öfters zu sprechen, zu beten. Geben wir ihm mehr Zeit und Raum! Dann könnte er in unser Herz

eintreten und es verändern zum Guten. Die Beschäftigung mit Jesus macht nicht süchtig. Sie macht frei. Ostern möge uns helfen, dass wir von Jesus und seiner Botschaft uns wieder neu faszinieren und dann verwandeln lassen. Je mehr Menschen vom auferstandenen Jesus von Nazareth fasziniert sind, umso größer ist die Chance für einen österlichen Frieden in unserer Welt.“

Abt Raimund bei der Predigt am Ostersonntag Feierliche Ostervesper mit Taufwasserritus


ACTIO

Geist und Feuer Am 9. Juni feierte die Wiltener Gemeinde das Pfingstfest und zugleich den Norbertisonntag mit einem Pontifikalamt in der Stiftskirche.

Veni Sancte Spiritus

Pontifikalamt in der Stiftskirche

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In seiner Predigt rief Abt Raimund Schreier die Gläubigen auf, begeisterte und feurige Christen zu sein. „Eine Sache, eine Idee, eine Weltanschauung lebt nicht in erster Linie vom braven Befolgen von Regeln und Programmen. Sie lebt von Menschen, die für ihre Sache Feuer und Flamme sind; d. h. die schnell Feuer fangen von einer Idee und sich dafür voll einsetzen und nicht nur ein bisschen und nur ab und zu und eben ein wenig dabei sind oder kurz vorbeischauen. Solche Menschen legen dann auch die Hand ins Feuer für ihre Gruppe oder Mannschaft, für ihre corporate identity, d. h. sie stehen für ihre Mitkämpfer ein und für ihre Überzeugung. Und sie gehen sogar für jemanden durchs Feuer, nehmen dafür auch Gefahren auf sich. Die ersten Jünger der Urkirche wie dann auch unzählige Christen waren im wahrsten Sinn des Wortes Begeisterte, vom Heiligen Geist Erfüllte. Sie haben als Begeisterte Außergewöhnliches bewirkt. Heute nenne ich nur einen: den Gründer unseres Prämonstratenserordens, den heiligen Norbert von Xanten, gestorben am 6. Juni 1134. Norbert wuchs auf im ausgehenden ‚saeculum obscurum’, im finsteren Jahrhundert, in dem das Licht Christi fast schon verloschen war durch menschliche Eitelkeiten und durch Machtstreben. ‚Wär-

me, was erkaltet ist’, so könnte man die Bitte aus der Pfingstsequenz über sein Leben schreiben. Norbert hat versucht, wie Christus das Feuer der Liebe, das Feuer der Versöhnung und des Friedens auf die Erde zu werfen, wohin immer er kam. So wurde die Kirche da und dort wieder zur einladenden Wärmestube, zu einem Biotop des Glaubens. Die Menschen begannen sich wieder brennend für Gott zu interessieren; sie versöhnten sich und schlossen Frieden. Heute am Pfingstfest bitten wir: ‚Komm, Heiliger Geist, und entzünde in uns das Feuer deiner Liebe!’ Es ist ein kühnes Gebet; denn wir bitten um das Angezündetwerden von der Flamme des Heiligen Geistes; wir bitten darum, dass die Flamme nicht zum Strohfeuer wird, das nur kurz aufflackert und dann kraftlos in sich zusammenfällt. Veni Sancte Spiritus, tui amoris ignem accende! Komm, Heiliger Geist, und entzünde in uns das Feuer deiner Liebe! Amen.“ Hl. Norbert von Xanten


ACTIO

Jesus ist die Mitte Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, in diesem Jahr am 20. Juni, beging die katholische Kirche das Fronleichnamsfest, auch „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ genannt. Bei seiner Predigt im Dom zu St. Jakob erinnerte Bischof Hermann Glettler an die spirituelle Bedeutung des Hochfestes: „Im Zentrum des Festes steht die bescheidene, demütige Mitte. Diese Mitte ist Jesus Christus, der uns alle empfängt, der uns alle stärkt, der uns aufnimmt und Kraft gibt, inklusiv und solidarisch miteinander zu leben.“

am Gottesdienst und an der Prozession teil. Im Anschluss an die Prozession wurde zum gemütlichen Beisammensein in St. Bartlmä eingeladen. Zu Fronleichnam gedenkt die Kirche der Einsetzung des Sakramentes der Eucharistie durch Jesus Christus selbst. Somit lässt sich Fronleichnam sozusagen als zweiter Gründonnerstag verstehen. Tiroler Landesprozession vom Innsbrucker Dom zur Wiltener Basilika

Nach dem Gottesdienst im Dom führte die bereits traditionelle Tiroler Landesprozession vom Innsbrucker Dom zu St. Jakob bis zur Basilika Wilten. Die vier Stationsaltäre waren bei der Annasäule, am Landhausplatz, beim Seniorenheim Veldidenapark und vor der Basilika Wilten, wo der Schlusssegen gespendet wurde, aufgestellt. Traditionsverbände, Vertreter der Ritterorden, der katholischen Studentenverbindungen sowie zahlreiche Vertreter von Politik - darunter Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsidentin Sonja LedlRossmann und der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi - und Wirtschaft nahmen

Die geschichtlichen Wurzeln des Fronleichnamsfestes reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit veränderte sich die Messfeier dahingehend, dass in der Eucharistie zunehmend die Realpräsenz Christi in Brot und Wein in den Mittelpunkt rückte und der Gedächtnischarakter in den Hintergrund trat. Zugleich entwickelte sich auf diese Weise zunehmend eine Verehrung der eucharistischen Gaben. Der Name „Fronleichnam“ leitet sich im Übrigen vom mittelhochdeutschen Wort „vronlichnam“ ab und bedeutet so viel wie „Leib des Herrn“.

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CONTEMPLATIO

Zur Geschichte des Stiftes Wilten 24. Kapitel - Der Prämonstratenserorden und das Stift Wilten gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Erzherzog Ferdinand II. ergreift Maßnahmen für die katholische Erneuerung Tirols. Text: Prior Klemens Halder OPraem

Grabplatte für Abt Ulrich Kriendl im Kreuzgang des Stiftes Wilten

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Im Prämonstratenserorden waren in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wesentliche Schritte zur Erneuerung gesetzt worden, gerade auch aus dem Geist der Windesheimer-Augustinerchorherren-Reform. Eine Krönung jener Bemühungen war die Veröffentlichung der erneuerten Statuten im Jahr 1505. Für den Orden, der besonders in den germanischen Ländern verbreitet war, bedeutete dann aber die Reformation ab 1517 einen sehr großen Einschnitt. Viele Klöster und sogar Zirkarien (Ordensprovinzen) hörten auf zu existieren, so die englischen, die irische, schottische, dänische, friesische und sächsische. Der Prämonstratenserorden, der in der Zeit seiner stärksten Verbreitung um 1200 etwa 500 Klöster zählte, hatte vor allem als Folge der Reformation am Ende des 16. Jahrhunderts die Hälfte seiner Klöster verloren. Dem Orden wurde im 16. Jahrhundert auch großer Schaden durch das sogenannte Kommende-System zugefügt. Die römische Kurie vergab geistliche Einrichtungen, so auch Abteien, an außenstehende geistliche Personen als Pfründe, das heißt als Einkunftsquellen. Auch die Herrscher von Ländern wie Frankreich, Polen und Ungarn erreichten von Rom das Recht solcher Vergaben. Die sogenannten Kommendatar-Äbte hatten nur Interesse an großen Einkünften, beschränkten die Aufnahme von neuen Mitgliedern, ließen keine gute Ausbildung jener zu und plünderten die Wirtschaft der Klöster aus. In Prémontré waren von 1535 bis 1572 römische Kardinäle Kommendatar-Äbte. Dem Orden, dessen Oberhaupt bis zur Französischen Revolution (ab 1789) der Abt von Prémontré war, fehlte die Leitung. Die Reform des Konzils von Trient konnte im Orden zunächst nicht in die Wege gelei-

tet werden. Im Jahr 1573 konnte mit Jean Despruets, der von Papst Gregor XIII. ernannt worden war, wieder ein Generalabt sein Amt antreten. Er visitierte die verschiedenen Zirkarien und setzte nach den Vorschriften des Konzils von Trient die genaue Befolgung des Armutsgelübdes und die Einhaltung eines wirklich gemeinsamen Lebens durch. Es wurde eine gründliche geistliche und wissenschaftliche Ausbildung der jüngeren Mitglieder vorgeschrieben, auch übernahm man die von Ignatius von Loyola eingeführten neuen Wege des geistlichen Lebens wie Betrachtung (Meditation), Gewissenserforschung und Exerzitien. Die beiden Nachfolger Despruets´, Francois de Longpré (1596-1613) und Pierre Gosset (1613-1635) führten das Reformwerk weiter. Durch diese Reform wurde für die verbliebenen Prämonstratenserklöster der Grund gelegt für die Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert. Für das Stift Wilten war das 16. Jahrhundert wirtschaftlich eine Krisenzeit in Folge von Naturkatastrophen, Seuchen und immer neuer neuer hoher Steuern wegen der fortwährenden Kriege. In den 70er-Jahren zählte das Stift Wilten nur mehr neun Mitglieder. In dieser Situation kam Generalabt Jean Despruets 1578 von Rom her mit päpstlichen Vollmachten und wollte auch Wilten visitieren. Der damalige unfähige Abt Ulrich Kriendl (1576-1585) ließ den Generalabt überhaupt nicht ins Stift ein mit der Begründung, dass das Kloster nur unter dem Bischof von Brixen stehe. Jean Despruets setzte daraufhin Abt Kriendl ab und an seiner Stelle Johann Sauerwein zum Administrator ein. Das blieb aber eine Demonstration, da bald der Brixner Weihbischof Johannes Nas nach Wilten kam und alles wieder rückgängig machte. Der


CONTEMPLATIO Hintergrund dieser Auseinandersetzung war der auch in vielen anderen Diözesen herrschende Exemtionsstreit. Die Bischöfe betonten, dass sie die oberste Instanz seien und eben nicht die Ordensleitung. Im kirchlichen Recht war damals noch nicht geklärt, was Zuständigkeit des Ordens und jene des Bischofs war. Bezüglich Wiltens war dieser Streit im Gang seit dem eigenwilligen Vorgehen Bischofs Nikolaus von Cues (1450-1464) für eine Reform von Wilten. Ab 1492 waren bei der Abtwahl in Wilten nur mehr bischöfliche Kommissäre anwesend, eine Bestätigung von Seiten des Ordens wurde nicht mehr eingeholt.

Erzherzog Ferdinand II., Porträt auf Schloss Ambras

Bedeutsam für das Land Tirol und auch für die Wiederbelebung des Stiftes Wilten wurde Erzherzog Ferdinand II. Als zweiter Sohn Ferdinands I. wurde er in Linz 1529 geboren. Das war das Jahr, in dem die Türken das erste Mal Wien belagerten, die Belagerung aber wegen eines frühen Wintereinbruchs abbrechen mussten. Damals beherrschte das osmanische Reich außer dem Balkan auch das ungarische Königreich bis auf einen schmalen Streifen, der ungefähr das Gebiet westlich des Plattensees und die heutige Slowakei umfasste. Ferdinand I. hatte frühzeitig die von der österreichischen Habsburgerlinie regierten

Länder unter seine drei Söhne aufgeteilt. Nach seinem Tod im Jahr 1564 wurde das Testament rechtskräftig und sein Sohn Ferdinand II. trat die Herrschaft über Tirol und die habsburgischen Vorlande im Westen an. Zunächst tat er das von Prag aus, da er dort noch nötig war als Statthalter seines älteren Bruders Maximilian II. für Böhmen, Mähren, Schlesien und Nieder- und Oberlausitz. Erst 1567 zog Erzherzog Ferdinand II. in Innsbruck ein. Die Tiroler waren froh darüber, dass in Innsbruck wieder ein eigener Landesfürst residierte. Sie konnten wieder direkt ihre Anliegen vorbringen und die Eigenrechte geltend machen. Die Wirtschaft Innsbrucks und damit Tirols erfuhr einen gewaltigen Aufschwung durch den überaus großen Hof und das prunkvolle Auftreten des Landesfürsten, dessen Finanzierung allerdings einen sehr großen Teil des Steueraufkommens verschlang. Die Gattin des Erzherzogs, die Augsburger Unternehmerstochter Philippine Welser, ist bis heute eine bekannte Gestalt der Tiroler Geschichte geblieben. Ihr schenkte Ferdinand II. die Burg Ambras und ließ sie zum heutigen prunkvollen Renaissanceschloss ausbauen. Der Erzherzog hatte Philippine Welser 1557 geheim geheiratet. Wegen dieser völlig unstandesgemäßen Ehe stand er nicht mehr zur Verfügung für internationale Heiratspläne seines Vaters oder für eine eventuelle Nachfolge auf seinen älteren Bruder im Falle dessen Todes. Nach Entdeckung dieser Heirat durch den Vater Ferdinand I. wurde das Paar zu völliger Geheimhaltung der Ehe verpflichtet. Philippine Welser galt auch noch in Innsbruck als Konkubine des Landesfürsten. Ihre Kinder, die für kein politisches Amt

Philippine Welser, Porträt auf Schloss Ambras Schloss Ambras über dem Inntal gegen Rumerspitze


CONTEMPLATIO Quellen: Lentze, Die Verfassung des Prämonstratenserordens und die Wandlungen im weltlichen Bereich. In: Studia Wiltinensia, 10-13. Norbert Backmund, Geschichte des Prämonstratenserordens. Grafenau (D) 1986, 57-59; Ludger Horstkötter, Prämonstratenser, -innen. In: LThK, Bd. 8, 1999, 505-510. G. Michels, Kommende. In: LMA, Bd. V, 1991, 1278-1279; Backmund, 59-62. Lentze, 15f. Lentze, Geschichte, 234237. Michael Forcher, Erzherzog Ferdinand II. Landesfürst von Tirol. Innsbruck-Wien 2017, 32-36. Forcher, 59-77; 110-115. Forcher, 9-16; 164-186. Forcher, 90-105; 117-141. Forcher, 187-209. Emmerich Beneder, Petus Canisius – Leben und Wirken. In: Petrus Canisius. Er bewegte den Erdteil. Innsbruck 1994, 9-23; Philipp Überbacher, Petrus Canisius – Seine Bedeutung für Tirol. In: Petrus Canisius. Er bewegte den Erdteil, 2441; B. Schneider, Petrus Canisius. In: Hrsg. Peter Manns, Die Heiligen, 461-464. Heinrich Schuler, Die Stiftskirche des hl. Laurentius zu Wilten in Vergangenheit und Gegenwart. Innsbruck 1920, 54.

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nachfolgeberechtigt waren, hatten Philippine und Ferdinand von vornherein als Findelkinder ausgegeben. Erst 1576, vier Jahre vor dem Tod von Philippine Welser, entband der Papst den Erzherzog vom Gelöbnis der Verschwiegenheit. Dem älteren Sohn Andreas wurde nämlich im Alter von 18 Jahren der hohe kirchliche Rang eines Kardinals verliehen; dafür war der Nachweis der ehelichen Geburt nötig. Philippine Welser war nach den geschichtlichen Berichten sehr fromm. Sie half vielen armen Leuten und kümmerte sich mit ihren volksmedizinischen Kenntnissen und ihrer Pflegekunst um Menschen in ihrer unmittelbaren und weiteren Umgebung. Sie starb 1580 und wurde in der Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche beigesetzt. Neben der guten Verwaltung des Landes und der Förderung der Wirtschaft war Ferdinand II. die Festigung des katholischen Lebens ein sehr großes Anliegen. Deswegen verbot er bald nach seiner Ankunft in Tirol lutherische Bücher und ließ sie mit Hilfe von Büchervisitationen einsammeln. Besonders im Tiroler Unterinntal waren sie in ansehnlicher Zahl verbreitet. Als andere geistige Nahrung ließ er an die betroffenen Personen katholisches Schriftgut verteilen. Die Herstellung solcher Schriften war neben dem Drucken amtlicher Erlässe die Aufgabe des guten Druckers Hans Baur (lateinisch „Agricola“), den der Erzherzog 1581 aus dem schwäbischen Dillingen nach Innsbruck kommen ließ. Im Jahr 1586 erließ der Erzherzog die erste Schulordnung. In den meisten Städten und Märkten waren seit dem Spätmittelalter (ab ca. 1250) sogenannte „deutsche Schulen“, die einen allgemeinen Grundunterricht vermittelten, gegründet worden. In der Schulordnung Ferdinands II. wurde Wesentliches über das Verhalten der Schüler und Lehrer, Unterrichtszeiten, Fächer und Schulaufsicht geregelt. Als Anstellungserfordernis für die Lehrer wurde festgesetzt, dass sie fähig sein müssten, die Kinder in der katholischen Religion zu unterrichten. Die Schulordnung war für den Landesfürsten auch ein Mittel, die Festigung des katholischen Glaubens zu

erreichen. Ferdinand II. förderte auch die Gründung neuer deutscher Schulen. Der tiefste Grund für den schlechten Zustand des katholischen Lebens war das Fehlen guter Priester. Es fehlt in jener Zeit an Kandidaten und Ausbildungsstätten. Die Bischofssitze waren meist noch mit Söhnen des hohen Adels besetzt, die sich nicht einmal die Weihen als Diakon und Priester erteilen ließen. Ihr Interesse galt vor allem der Politik, der hohen Stellung und den Einkünften. Auch der zum Kardinal ernannte Sohn Andreas Ferdinands II. und der Philippine Welser war ein solcher „Fürstbischof“, der gleichzeitig die Diözesen Brixen und Konstanz regierte. Die Bemühungen um die Seelsorge überließen solche Fürstbischöfe ihren Weihbischöfen und dem Konsistorium (Bischofsrat).

Hl. Petrus Canisius, Seitenaltar in der Innsbrucker Jesuitenkirche

Die religiöse Erneuerung musste mit einer guten Ausbildung der Jugend beginnen. Erzherzog Ferdinands Vater, Kaiser Ferdinand I., hatte dafür mit der Berufung des neuen Jesuitenordens nach Innsbruck die entscheidende Maßnahme gesetzt. Für die katholische Erneuerung Innsbrucks und Tirols besonders bedeutsam wurde der erste deutschsprachige Jesuit, Petrus Canisius. Er wurde 1521 im heute niederländischen Nijmegen, damals zum römisch-deutschen Reich gehörig, geboren. Sein Vater Jakob Kanis war dort


CONTEMPLATIO hochangesehener Bürgermeister. Gegen den Willen seines Vaters studierte er in Köln Theologie. Dort lernte er den ganz neuen Jesuitenorden kennen und ließ sich von Peter Faber - der aus Savoyen stammte - , einem der ersten Gefährten des Ignatius, die dreißigtägigen Exerzitien erteilen. Daraufhin entschloss er sich 1543, 22-jährig, in den Orden einzutreten. Der damalige Erzbischof von Köln, Hermann von Wied, der in seinem großen Erzbistum die lutherische Lehre einführen wollte, machte der entstehenden kleinen Jesuitengemeinschaft ernsthafte Schwierigkeiten. Der Erzbischof wurde 1546 vom Papst seines Amtes enthoben, gab aber sein Amt erst einige Zeit später auf Druck des Kaisers auf. Als jungen Priester berief der Ordensgründer Ignatius Peter Kanis 1547 nach Rom, 1549 gab er ihm den Auftrag, für die Erneuerung des katholischen Lebens in den deutschsprachigen Ländern tätig zu werden. Vor seiner Abreise betete Petrus Canisius inständig am Grab des Apostels Petrus und empfand in mystischem Erleben, von Jesus Christus mit dem dreifachen Gewand des Friedens, der Liebe und Beharrlichkeit bekleidet zu werden. Der Anfang für Canisius und seine Mitbrüder an den Orten, wohin sie die katholischen Fürsten riefen, war schwer. Es kamen kaum mehr Menschen zu den Gottesdiensten und es schlug ihnen oft Ablehnung entgegen wegen ihrer Treue zum Papst und zur katholischen Kirche. Die Gottverbundenheit des Canisius und der Jesuiten, ihre solide Ausbildung, ihre guten Predigten und ihr Dasein für die einfachen Menschen in allen seelsorglichen Belangen gewannen aber bald die Herzen der Menschen. Canisius war zuerst im bayerischen Ingolstadt tätig, ab 1552 in Wien, wo die Situation der katholischen Kirche besonders trostlos war. Zwanzig Jahre lang war dort niemand mehr zum Priester geweiht worden, auch waren sehr viele Pfarren Niederösterreichs ohne Priester. Anschließend war Petrus Canisius kürzere Zeit auch in Prag tätig. Als Kaiser Ferdinand I. 1560 auch in Innsbruck eine von Jesuiten geführte Schule

wünschte, hatte sich Canisius als erster Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz damit zu befassen. 1562 konnten diese Schule und ein Kolleg (Kloster) eröffnet werden. Die Schule für die älteren Knaben war das erste Gymnasium Innsbrucks. 1571 wurde Petrus Canisius vom damaligen Ordensgeneral Franz Borgias auf Wunsch Erzherzogs Ferdinands II. zum Hofprediger bestellt. Dieses Amt übte er bis 1573 aus. Am 7. Oktober 1571 hatte die christliche Flotte im Mittelmeer bei Lepanto einen entscheidenden Sieg über die Türken errungen. Als am 13. November jenes Jahres eine Dankprozession der Innsbrucker samt dem Erzherzog und seinem Hof nach Wilten führte, hielt Petrus Canisius die Predigt in der Stiftskirche. Neben seiner Seelsorgstätigkeit, seiner Gründung von Jesuitenkollegien, seiner Professorentätigkeit an Universitäten, seiner Mitwirkung an der Reform von Diözesen war Canisius auch ständig schriftstellerisch tätig. Sein bedeutendstes Werk mit großer Wirkung noch in den darauffolgenden Jahrhunderten waren seine Katechismen – eine Darstellung des katholischen Glaubens in einfacher Form – zur Vorbereitung der Predigt und zum Unterricht der Kinder. Die letzte Lebensstation des Petrus Canisius war ab 1580 Fribourg in der Schweiz, wo er auch ein Kolleg gründete. Dort starb er 1597 im 77. Lebensjahr. Er hat Entscheidendes dafür geleistet, dass das katholische Leben vor allem in den südlicheren deutschsprachigen Ländern erhalten blieb und erneuert wurde. Infolge der Abtrennung Südtirols nach dem 1. Weltkrieg war kein genügender Kontakt mit der alten Bischofsstadt Brixen mehr möglich. Nach Übergangslösungen wurde 1964 die Diözese Innsbruck errichtet. Zu ihrem Diözesanpatron wurde damals der Hl. Petrus Canisius erwählt.

Wappenstein mit „1562“ Ecke Universitätsstraße/ Angerzellgasse. Ein Hinweis auf das erste Jesuitenkolleg und die ersten Jesuitenschulen in diesem Bereich.

Hl. Petrus Canisius, kleine Statue am Hochaltar der Stiftskirche Wilten von Georg Eigentler

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Wiltener Stiftsorgelkonzerte Zwischen 23. Mai und 6. Juni konzertierten drei Orgelvirtuosen an den Orgeln der Stiftskirche Wilten.

Dominik Bernhard

Michael Anderl

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Dominik Bernhard spielte zum Auftakt am 23. Mai an der Daniel-Herz-Orgel Werke von Georg Muffat, Jan Pieterszoon Sweelinck und an der Festorgel Werke von Karl Höller, Felix Mendelsohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach und Olivier Messiaen. Der Aufbau seines Orgelkonzertes orientierte sich an der Liturgie einer katholischen Vesper. Der aus Weiler im Allgäu stammende Kirchenmusiker Dominik Bernhard ist seit Oktober 2018 als Stiftskapellmeister am Benediktiner-Stift Muri-Gries in Bozen tätig. In dieser Funktion leitet er den dortigen Stiftspfarrchor und ist verantwortlich für die Musik in der Erzpfarrei St. Augustin Gries. Daneben ist er als Kirchenmusikreferent für die kirchenmusikalischen Belange in der Diözese Bozen-Brixen zuständig. Zuvor war er als Stiftspfarrorganist am Prämonstratenser-Stift Wilten in Innsbruck angestellt und leitete den Tiroler Motettenchor der Stadt Wörgl. Michael Anderl musizierte bei seinem Orgelkonzert am 30. Mai an der Festorgel Werke von Hermann Schroeder, Conrad Paumann, Carl Philipp E. Bach, Johann Sebastian Bach und Marcel Dupré. Passend zum Fest Christi Himmelfahrt stellte sein Programm die Frage: „Quid admiramini aspicientes in caelum?“ – Was wundert ihr euch, Schauende in den Himmel? (Apg 1,11) Geboren in Rosenheim, studierte Michael Anderl Katholische Kirchenmusik und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater in München sowie Katholische Theologie und Religionspädagogik in Innsbruck. Er war Kirchenmusiker in München-St. Hildegard und Trostberg-St. Andreas, zugleich auch Dekanatsmusikpfleger für das Dekanat Baumburg. Seit Herbst 2011 lebt er in Tirol und ist als Stiftskapellmeister der Zisterzienserabtei Stams

tätig. Dort leitet er den von ihm gegründeten Chor der Stiftsmusik Stams und das Orchester Paluselli Consort. Von Oktober 2018 bis März 2019 war er Stiftspfarrorganist am Stift Wilten. Kurt Estermann spielte am 6. Juni an der Festorgel Werke von Nicolas de Grigny, Johann Sebastian Bach sowie die Uraufführung seiner Komposition „7 Improvisationen zur Apokalypse“. Der auf der „Geheimen Offenbarung des Johannes“ basierende 37 Minuten lange Orgel-Zyklus über die APOKALYPSE besteht aus einem Vorspiel und sieben ausgearbeiteten Improvisationen. Neben dem visionären Text als Inspirationsquelle werden Ausschnitte aus Gregorianischen Vorlagen hinzugezogen. Geboren in Innsbruck, stammt Stiftsorganist Kurt Estermann aus einer Musikerfamilie. Nach Studien in seiner Heimatstadt erwarb er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien die Abschlussdiplome in Komposition, Kirchenmusik, Konzertfach Orgel und Cembalo. Das Spannungsfeld zwischen kompositorischer Arbeit und konzertanter Tätigkeit auf dem Gebiet der Tasteninstrumente spiegelt sich in den ihm zahlreich zuerkannten Preisen und Würdigungen wider. Im Jahr 2000 wurde er auf den Lehrstuhl für Kirchliche Komposition an der Universität Mozarteum in Salzburg berufen. Sein kompositorisches Schaffen umfasst vorwiegend Orgelmusik, Werke für Gesang und Orgel, Chorwerke, Orchesterund Ensemblemusik. Kurt Estermann


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Tag der Stimmen Die Puellae Wilthinenses durften in der großen Aula der Universität Salzburg ihr Können unter Beweis stellen. Am 15. Mai 2019 war es wieder soweit: Zum vierten Mal fand in der großen Aula der Universität Salzburg der „Tag der Stimme“ statt, an dem junge Sängerinnen und Sänger aus Volksschulen, Neuen Mittelschulen und den Höheren Schulen aus Stadt und Land Salzburg, sowie Gastchören aus Tirol und Vorarlberg zusammenkamen, um gemeinsam zu singen. Die Fachinspektorin für Musik des Landes Salzburg, Mag. Christa Musger, hieß alle Sängerinnen und Sänger und deren Begleitungen sehr herzlich willkommen. Vom Kulturservice in der Bildungsdirektion für Tirol wurden aus Tirol heuer der Kammerchor des Musikgymnasiums und auch die Puellae Wilthinenses entsandt. Aus ganz Westösterreich kamen Chöre zu einem Konzert in der Großen Aula der Universität Salzburg zusammen. Die Puellae, die unter der Leitung von Christian Wegscheider sangen, waren der einzige außerschulische Chor unter allen Teilnehmern. Rund um diese Veranstaltung konnten die Mädchen noch ein wenig Salzburger Altstadt-Flair genießen, so dass der Tag insgesamt als gelungener Ausflug in Erinnerung bleiben wird. Am Ende eines erfolgreichen, intensiven Arbeitsjahres luden die Puellae Wilthi-

nenses am 23. Juni zu einer Matinee in den Norbertisaal des Stiftes Wilten ein. Den Zuhörern wurde dabei ein abwechslungsreicher, mitreißend vorgetragener Querschnitt ihres Repertoires geboten. Die jungen Damen proben aktuell wöchentlich im Stift unter der wechselnden Leitung ihres Chorleiters Christian Wegscheider und des Stiftskapellmeisters Norbert Matsch. Interessierte Mädchen sind jederzeit willkommen, wobei die ganz jungen außer der Freude am Singen noch keine Vorkenntnisse benötigen. Aber auch größere Mädchen werden gerne aufgenommen. Diese sollten aber bereits über vokale bzw. instrumentale Erfahrung verfügen.

Die Puellae Wilthinenses in Salzburg

Kontakt: Stiftskapellmeister Norbert Matsch stiftskapelmeister@ stift-wilten.at +43 676 8730 8102 Christian Wegscheider c.wegscheider@tsn.at +43 650 42 12 1204 Matinee im Norbertisaal

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Wiltener Sängerknaben Am 2. Juli beendeten die Wiltener Sängerknaben mit einem Wortgottesdienst und einem Kurzkonzert in der Basilika Wilten das Arbeitsjahr 2018/2019.

Wortgottesdienst mit Abt Raimund

Stefan Ouroumidis Gratulation zur 20-jährigen Mitgliedschaft

Abschlusskonzert in der Basilika Wilten

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Als Rektor der Wiltener Sängerknaben bedankte sich Abt Raimund zuerst bei Chorleiter Johannes Stecher: „Danke für die vielen Auftritte in Kirchen und Konzertsälen, die Chinareise, die Hofkirchenkonzerte und vieles andere mehr. Danke für die so wertvolle musikalische und persönliche Ausbildung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im Chor. Danke für die gute, lösungsorientierte Zusammenarbeit mit dem Leitungsteam. Danke für deinen großartigen Einsatz für die Sache Wiltener Sängerknaben, für deine Jugendarbeit, die Vermittlung von gutem Miteinander, von Werten, von Respekt und Aufeinanderzugehen und damit für die christliche Verkündigung.“ Abt Raimund dankte dem gesamten Team rund um Johannes Stecher für den großen Einsatz und natürlich auch den Eltern für ihr Verständnis, ihre Mithilfe und ihre Unterstützung. Zahlreiche Buben wurden an diesem Nachmittag in den Repertoirechor aufgenommen. Damit verbunden ist der Erhalt der Wiltener Tracht. Eine besondere Freude war es für Johannes Stecher und Abt Raimund Schreier langjährige Mitglieder des Chores zu ehren. Für 10-jährige Mitgliedschaft erhielten Jakob Baldauf, Alexander Dogan, Viktor Du-

blyanskiy, Christopher Hölbling, Andreas Kirchmair, Adrian Scharr und Tizian Schneider eine Urkunde und das Wiltener Sängerknaben-Wappen überreicht. Norbert Gerhold und David Kerber sind bereits seit 15 Jahren im Chor. Die Ehrung konnte David wegen seines Engagements bei den Bregenzer Festspielen zwar nicht persönlich entgegennehmen, er ist aber ein sehr gutes Beispiel dafür, „wie sich die Buben“ zu gefragten Sängern entwickeln können. Einen Sonderapplaus spendeten alle Anwesenden Stefan Ouroumidis für seine 20-jährige Mitgliedschaft. Nach den Ehrungen folgte das mit großer Freude vorgetragene Kurzkonzert der Chöre 5, 4, 3 und des Konzertchores. Das Abschlussfest mit Hüpfburg, Speis und Trank beim Leuthaus war der verdiente Lohn für alle Sänger. Ausblick - Die Pause ist auch in diesem Sommer nur sehr kurz. Bereits am 11. August steht das Festival Antiqua in Bozen im Kalender des Chores. Ab 17. August erfreuen die Wiltener Sängerknaben wieder ihre Zuhörer bei den Hofkirchenkonzerten. Am 11. Oktober musizieren Chor und Solisten der Wiltener Sängerknaben und die Philharmonie Timisoara unter der Leitung von Johannes Stecher im Haus der Musik „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn.


CARITAS

Reduktion auf das Notwendigste Einweihung der Einsiedelei beim Waldhüttl Die Hauptbeteiligten für die Realisierung der Waldhüttl-Einsiedelei nach der Segnung

Im Rahmen des Projektes „72 Stunden ohne Kompromisse“ haben sich junge Männer der K.ö.St.V. Ambronia gemeinsam mit Hausmeister Aron und Sepp entschieden, der Vinzenzgemeinschaft Waldhüttl beim Bau einer Einsiedelei zu helfen. In der Nordkoppel beim Bienenhaus wurde daraufhin eine Hütte errichtet: 3x3 m klein, ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, eine Gebetsecke, ein Ofen, auf dem man Kaffee machen oder eine Suppe kochen kann. Kein Strom, kein elektrisches Licht, dafür Kerzenlicht. Menschen können in der Einsiedelei 24 Stunden schweigen, meditieren, beten ...

Die Reduktion auf das Notwendigste steht im Fokus, ganz ohne mobile Anbindung und ohne Leistungsdruck. In der WaldhüttlEinsiedelei ist Stille, Wahrnehmung von Natur und Tieren an einem besonderen Ort möglich. Am 4. Mai konnte Abt Raimund Schreier die Einweihung vornehmen. Vielen Dank allen Beteiligten für die geleistete Arbeit! Es zahlt sich aus, sich in der Waldhüttl-Einsiedelei für kurze Zeit zurückzuziehen, um zur Ruhe zu kommen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an Jussuf Windischer. Telefonnummer: +43 650 270 6292 Gäste auf der Suche nach Ruhe und Einkehr sind in der Einsiedelei herzlich willkommen.

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COMMUNIO

Erlebnisabend Weltjugendtag Rückblick und Ausblick Text: Thomas Folie

Blumen aus der Karibik, eine Hühnersuppe nach originaler Rezeptur, leckere Avocados, Cocktails und viele lateinamerikanische Mitbringsel aus Kolumbien und Panama: alles ist bereit für den Erlebnisabend der Teilnehmer am Weltjugendtag im Jänner 2019.

nehmer eindrücklich von ihren Erlebnissen während der Reise, von der Ankunft in der knapp 8 Millionen Einwohner zählenden Metropole Bogota, von den Begegnungen mit den Menschen dort, von der Überfahrt in der Karibik mit unserem Katamaran in die paradiesischen San Blas In-

Der Abend wird eröffnet mit Willkommensgetränken und startet mit der eigens für den Abend zusammengefundenen Panama-Band, die diesen Abend mit Liedern aus unserer Reiseerfahrung begleitet. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass diese Reise nur möglich war aufgrund der gemeinsamen, verrückten Idee von Dekanatsjugendseelsorger Johannes Hohenwarter OPraem, Harald Fleissner und Thomas Folie, zum Weltjugendtag nach Panama aufzubrechen. Nach einem Jahr Vorbereitung wurde in einem gemeinsamen Prozess die Reiseroute fixiert und Euro 2.000 an Spenden für unsere Sozialprojekte vor Ort gesammelt. Beim Erlebnisabend erzählen die Teil-

seln und von unseren Erfahrungen mit den indigenen Menschen, dem Erstkontakt mit unseren Gastfamilien in Panama-Stadt und vom spirituellen Eintauchen mit tausenden Jugendlichen beim Weltjugendtag in ein Glaubensfestival. „Das war für mich die perfekte Reise, weil für mich alle wichtigen Dinge vorgekommen sind: Vorbereitungszeit, Gemeinschaft, Begegnung mit Menschen, Sozialprojekte, Urlaub, Natur und Spiritualität!“, sagt Thomas an diesem Abend mit Begeisterung. In diesem Sinne wird es im Herbst 2019 weitergehen. Willst auch du einsteigen, umsteigen, aussteigen oder informiert bleiben über zukünftige Projekte der Jugendstelle im Dekanat Wilten-Land? Dann melde dich in der Dekanatsjugendstelle im Leuthaus, Klostergasse 1, 6020 Innsbruck. 067687307084 und/oder dekanatsjugend. wilten-land@dibk.at

Erlebnisabend mit dem Kernteam und Freunden im Abt-Schuler-Saal

Souvenirs vom Weltjugendtag durften nicht fehlen

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Das Kreuz Bekenntnis - Nächstenliebe - Vergebung Abt Raimund überreichte den Firmlingen nach der Spendung der Firmung als Erinnerung ein T-Kreuz aus Olivenholz, das aus Assisi stammt. In seiner Predigt an die Firmlinge, ihre Paten und alle Anwesenden hob er die tiefe Symbolik des Kreuzes für uns Christen hervor: „Liebe Firmlinge! Das Kreuz soll euch immer daran erinnern: • Es ist das Zeichen unseres christlichen Bekenntnisses.

• Es ist das Zeichen der Nächstenliebe. • Es ist das Zeichen der Vergebung. Liebe Pfarrgemeinde! Wir alle erneuern heute unser Tauf- und Firmversprechen, und wir erinnern uns dabei an den Satz Jesu: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk 9.23). Amen.“

Abt Raimund bei der Firmpredigt in Rinn

Firmung in Vill

Ein Stück Himmel auf Erden Am 29. Juni 2019 feierten rund 700 junge Teilnehmer das von der Loretto-Gemeinschaft veranstaltete „herzjesu’19“ in der Basilika Wilten in Innsbruck. Lebendigen Glauben erfahrbar zu machen, das haben sich die Veranstalter von Loretto Innsbruck seit nunmehr sechs Jahren auf die Fahnen geschrieben und sind in der Umsetzung des Jugendfestivals kreative Wege gegangen. So vielfältig der Zugang zum Glauben ist, so unterschiedlich waren auch die Programmpunkte: Professioneller Live-Lobpreis, ein selbstgeschriebenes Theaterstück, ein großer Flashmob vor der Kirche oder auch ein Poetry Slam zeigten, wie einladend und aufregend christliches Leben sein kann. Dabei waren auch Vortragende aus den unterschiedlichsten Regionen, wie zum Beispiel Freunde von Chiara Corbella Petrillo aus Rom oder auch Weihbischof Stephan Turnovszky aus Wien vertreten. Letzterer sprach über Jesus den guten Hirten, der sich um den Einzelnen kümmert, dem Verlorenen nachgeht. Turnovszky lud ein, neu zu überdenken, in welcher Rolle wir uns in diesem Gleichnis sehen, um dann zu erkennen, wie Gott an uns handelt.

Weihbischof Stephan Turnovszky bei der Predigt

Das Festival ist via Radio Maria und als Livestream im Internet von hunderten Menschen mitverfolgt worden. Nähere Infos, Fotos und Berichte können auf www.herzjesufest.at nachgelesen werden. Stift Wilten Aktuell

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Familie ist Gottes Lieblingsprojekt Bei der 65. Jahreshauptversammlung des Katholischen Familienverbandes Tirol wurden verdiente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geehrt.

Gruppenfoto von der 65. Jahreshauptversammlung im Haus der Begegnung

Zahlreiche Ehrengäste folgten der Einladung, darunter Bischof Hermann Glettler, Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi, die Präsidentin des Südtiroler Familienverbandes, Angelika Mitterrutzner, sowie Maria Drewes, die langjährige ehemalige Vorsitzende des Familienverbandes. Unter den Geehrten befindet sich auch Brigitte Götzl aus der Stiftspfarre Patsch. D. Christoph Pernter OPraem, der geistliche Beirat des Verbandes in Tirol, gratulierte allen herzlich. Seit 65 Jahren wirkt der Katholische Familienverband Tirol mit Angeboten und Initiativen rund um die Familie hinein in die Gesellschaft. Mit heute rund 1.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern und 13.000 Mitgliedern zählt der Verband zu den großen und bedeutenden Institutionen Tirols.

Kirche lebt in vielen Menschen Ehrenzeichen-Verleihung der Diözese Innsbruck am 3. Mai mit Festakt im Haus der Begegnung Ausgezeichnet mit dem Petrus-Canisius-Orden in Gold durch Bischof Hermann Glettler (l.) und Generalvikar Florian Huber (r.): Peter Koller, Elisabeth Medicus, Benedikt Erhard und Walther Prüller.

Bischof Hermann Glettler und Generalvikar Florian Huber vergaben viermal den Petrus-Canisius-Orden an verdiente Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und 52 Ehrenzeichen an verdiente Laien im Ehrenamt der Kirche. Bischof Hermann Glettler bedankte sich bei den Ehrenzeichenträgern für ihr weit-

reichendes ehrenamtliches Engagement. Kirche lebe in vielen Menschen, die ihr Herzblut, ihre Zeit, ihre Energie und ihre Charismen einsetzen, so der Bischof. Den Petrus-Canisius-Orden erhielten vier Personen. Ausgezeichnet wurden der langjährige Chefredakteur der Tiroler Kronenzeitung, Walther Prüller, der langjährige Leiter der Tiroler Landesgedächtnisstiftung, Peter Koller, ebenso der langjährige stellvertretende Vorstand der Abteilung Kultur des Landes Tirol, Benedikt Erhard, sowie die ärztliche Direktorin der Tiroler Hospizbewegung, Elisabeth Medicus. Die Ehrenzeichen der Diözese Innsbruck werden als öffentliche Anerkennung an verdiente Laien im ehrenamtlichen Dienst für Glaube und Kirche und besonderes Engagement für die Kirche verliehen. Aus der Stiftspfarre Sistrans wurden Sighard Kofler und Matthias Gerold geehrt.


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Casa Austria Feierliche Segnung des neuen Zubaus zum Österreichischen Pilger-Hospiz in der Jerusalemer Altstadt Hospiz-Rektor Markus Bugnyar begrüßt die zahlreichen Gäste

Im Rahmen einer Feierstunde hat Kardinal Christoph Schönborn am 25. April die „Casa Austria“ in Jerusalem gesegnet und ihrer Bestimmung übergeben. Die Casa ist ein neu errichteter Zubau zum Österreichischen Pilger-Hospiz in der Jerusalemer Altstadt. Schönborn bekräftigte in seiner Ansprache einmal mehr die Bedeutung des Hauses einerseits für die Pilger, andererseits aber auch als Stätte der Begegnung an der Schnittstelle dreier Religionen. Das Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in Jerusalem wird jährlich von rund 80.000 Österreichern und Gläubigen aus aller Welt besucht. Das Hospiz hat mit dem Zubau endlich jene Zahl an Gästezimmern erreicht, nämlich 45, die eigentlich schon beim Bau in den späten 1850er- und frühen 1860er Jahren geplant waren, aber damals und auch später noch nicht verwirklicht werden konnten. In einer Zeitkapsel wurden bei der Segnungsfeier die Stiftungsurkunde, aktuelle Zeitungen, von der Münze Austria gestiftete Goldmünzen, ein Rosenkranz und eine Reliquie der Hl. Marie Alfonsine (1843-1927) verschlossen und mit dem Schlussstein ein-

gemauert. Hospiz-Rektor Markus Bugnyar konnte zu der Feier in Jerusalem u. a. den Apostolischen Nuntius Leopoldo Girelli, Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo vom Lateinischen Patriarchat sowie zahlreiche weitere Vertreter der Kirchen in Jerusalem begrüßen; weiters u. a. auch Georg Habsburg-Lothringen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft vom Hl. Land, und den Wiltener Abt und Großprior der Österreichischen Statthalterei der Grabesritter, Raimund Schreier. Die Republik Österreich war u. a. durch Botschafter Martin Weiss und die Leiterin des österreichischen Vertretungsbüros in den Palästinensischen Autonomiegebieten, Andrea Nasi, vertreten. Abt Raimund Schreier stand am späteren Nachmittag dem anschließenden Eröffnungsgottesdienst in der Kapelle des Pilger-Hospizes vor. Abgeschlossen wurde die Eröffnungsfeier mit der Präsentation des Buches „Via Crucis - Jesu Leiden und Sterben.“ mit Zeichnungen von Ernst Arnold Bauer und Betrachtungen von Karl Kern SJ und Wolfgang J. Bandion. Infos: www.austrianhospice.com

Kardinal Christoph Schönborn segnet die „Casa Austria“ und setzt anschließend die Zeitkapsel ein.

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COMMUNIO

Ostern = wieder aufstehen Am 28. April feierte die Schützenkompanie Wilten ihren Schützenjahrtag mit einem Festgottesdienst in der Stiftskirche und einem Festakt vor der Basilika.

Beim Schützenjahrtag wurden drei Jungschützen in die Kompanie aufgenommen.

In seiner Predigt am Weißen Sonntag rief Abt Raimund die österliche Gemeinde auf, sich als Christen wieder mehr auf die Osterbotschaft vom „Immer-wieder-aufstehn“ einzulassen. „Dann wird diese Bot-

schaft für andere an uns ablesbar, wird sie glaubwürdig.“ Die Stadtmusikkapelle Wilten unter der Leitung von Kapellmeister Peter Koster und Stiftsorganist Kurt Estermann sorgten für die musikalische Gestaltung der Pontifikalmesse. Nach der Heiligen Messe legten Schützenkompanie und Stadtmusikkapelle gemeinsam vor der Basilika Wilten einen Kranz zum Gedenken an die verstorbenen Kameraden nieder. Schützenhauptmann Alexander Mummert konnte zahlreiche Ehrengäste, sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Abordnungen von Traditionsverbänden aus allen drei Tiroler Landesteilen und des Österreichischen Bundesheeres herzlich begrüßen, weiters die Abordnungen der Partnerkompanien aus Meran, Harsewinkel, Margreid und Lavis.

Mariensingen Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Tiroler Volksmusikvereins fand am 19. Mai auch ein Mariensingen in der Basilika Wilten statt.

Mariensingen in der Basilika Wilten 28

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Für eine besondere Stimmung in der sehr gut besuchten Basilika Wilten sorgten der

Afelder Dreigesang, der Walder Dreigesang, die Augeiger, die Familienmusik Stecher und ein Bläserensemble der Innbrüggler. In seinen verbindenden Worten nahm Abt Raimund Schreier Bezug auf die Entstehung der Wallfahrtskirche und die Bedeutung der Muttergottes für unser aller Leben. Mit dem gemeinsam gesungenen „Meerstern, ich dich grüße“ endete die Andacht. Obmann Peter Margreiter dankte allen Mitwirkenden für das stimmige Mariensingen und lud die Anwesenden zur Jahreshauptversammlung ins nahe Kulturgasthaus Bierstindl ein. Dort bedankte sich Landesrat Hannes Tratter bei allen Funktionären für ihr Engagement. Er lobte besonders die Arbeit für den Erhalt und die Pflege der Volksmusik in allen Bezirken.


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Zeuge des österlichen Friedens Am 24. Mai wurde eine Reliquie des Seligen Kaiser Karl in der Hofkirche Innsbruck eingesetzt. Dem feierlichen Gedenken des Seligen stand Abt Raimund Schreier vor. In seiner Predigt würdigte er den Seligen. „Kaiser Karl war ein glaubwürdiger Zeuge des Friedens, der sich sehr um den Frieden bemüht hat. Er hat den Frieden gesucht, auch wenn er ihn nicht immer gefunden hat. Nicht umsonst heißt es in der Inschrift auf seinem Epitaph in der Wiener Michaelerkirche: Er suchte den Frieden und fand ihn in Gott.“ Nach dem feierlichen Segen wurde die Reliquie zum Josefsaltar übertragen und im Beisein von Georg von Habsburg-Lothringen eingesetzt. Anschließend wurde die Ausstellung „Maximilian I. - Aufbruch in die Neuzeit“ im Rahmen der 500-Jahresfeier im Haus der Musik feierlich eröffnet. Bei diesem Festakt sorgten die Wiltener Sängerknaben ge-

meinsam mit den Wiener Sängerknaben, die beide in ihrer Entstehungsgeschichte eng mit Kaiser Maximilian verbunden sind, für die musikalische Umrahmung.

Abt Raimund Schreier setzt die Reliquie des Seligen Kaiser Karl im Josefsaltar ein.

Ein Frauenbild von 10 Schuh Am 10. April wurden die Balustradenfiguren der Stiftskirche, von Niclaus Moll, zur Restaurierung abgenommen. In einer spektakulären Aktion nahmen Spezialisten die überlebensgroßen Holzfiguren ab, welche vom bekannten Künstler Niclaus Moll im 18. Jahrhundert geschaffen wurden. Im Stiftsarchiv wird eine handschriftliche eigenhändige Abrechnung des Niclaus Moll mit Aufzählung der Figuren, wahrscheinlich von 1710, aufbewahrt. „Hiebei volgt, was auf gnedige Verordnung Eur Hochwürden und Gnaden, ich unterschriebener an Pildthauerarbeith verdenet (verdienet) habe, als volgt: erstlichen vor (für) ein Frauenbild von 10 Schuh (3,16 m) den Schuh a 3 Gulden gerechnet, thuet 30 Gulden ...“ Mit „Frauenbild“ meint Bildhauer Niclaus Moll die Figurengruppe in der Mitte der Balustrade mit Maria und dem Jesuskind. Nach den Bombenschäden des 2. Weltkrieges waren die Statuen nur notdürftig re-

pariert worden. 1967 ummantelte sie der Bildhauer Franz Roilo mit Kupferblech, das naturbelassen den Figuren ein dunkles Aussehen gab. Bei den Kirchenrestaurierungsarbeiten von 1987 wurden sie deshalb weiß überstrichen, um sie ihrem ursprünglichen Aussehen anzunähern. Nun wurde festgestellt, dass Wasser in die Figuren eingedrungen ist und die ursprünglichen Holzstatuen deshalb zu faulen beginnen. Nun steht eine grundlegende Restaurierung bevor.

Die von der Witterung schwer mitgenommenen Figuren werden sorgfältig abgenommen und für den Transport vorbereitet. Stift Wilten Aktuell

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Ein kraftvolles Zeichen Rund 20.000 Besucher nahmen die Angebote der 12. Langen Nacht der Kirchen in der Diözese Innsbruck an und strömten zu den Pfarren, Ordensgemeinschaften, Jugendgruppen und zahlreichen Initiativen. In der Diözese Innsbruck beteiligten sich neben der katholischen Kirche auch die evangelische Kirche und die serbischorthodoxe Kirche an der Langen Nacht. Geworben wurde heuer mit dem Mot-

to: „Dann singt ihr Lieder wie in der Nacht, in der man sich heiligt für das Fest.“ (Jes 30,29) Mit dabei waren auch heuer wieder die Stiftspfarren Völs und Aldrans.

Der Chor Allegro in Aldrans

Am Kirchturm in Völs

Ein Mann seines Wortes Am 14. Juni lud Abt Raimund junge Erwachsene in das Stift Wilten ein, um mit ihnen zu jausnen, einen Film anzuschauen und darüber zu diskutieren.

Abt Raimund mit den jungen Erwachsenen am Stiftsplatz

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Nach einer Kennenlernjause wurde gemeinsam der erste Teil des Films „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders geschaut. Dieser Film begleitet Papst Franziskus auf seinen Reisen

rund um die Welt, unter anderem auch beim Besuch der Vereinten Nationen, des US-Kongresses und in Jerusalem. Im Film beantwortet das Oberhaupt der katholischen Kirche auch Fragen zu global relevanten Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Umweltprobleme, Immigration, Wirtschaft und Glaube. Er appelliert dabei auch an das Gemeinschaftsbewusstsein, das notwendig ist, um an diesen Problemen zu arbeiten. Im Anschluss an den Film wurde angeregt über Gott und den Glauben diskutiert. Ab Herbst sollen dem ersten Treffen weitere gemeinsame Abende folgen. Mit dieser Initiative folgt Abt Raimund dem Aufruf von Bischof Hermann Glettler: „Wir alle sollen die Chance nutzen, generationsübergreifend voneinander zu lernen, uns gegenseitig im Glauben und im Leben zu befruchten.“


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Dramatisch! Eine Zwischenbilanz Mit einem Festakt aus Anlass seiner Emeritierung wurde an der Universität Innsbruck der Dogmatiker Jozef Niewiadomski geehrt.

versität Innsbruck Tilmann Märk, Dekan Josef Quitterer

Niewiadomski, der seit 1996 an der Katholisch-Theologischen Fakultät Dogmatik lehrte und ihr von 2004 bis 2013 als Dekan vorstand, zählt zu den einflussreichsten theologischen Persönlichkeiten des Landes. Unter anderem leitet er das international viel beachtete FWF-Forschungsprojekt „Raymund Schwager - Dramatische Theologie“. Im Rahmen des Festaktes an der Universität Innsbruck wurde Niewiadomski von Universitätsrektor Tilmann Märk das „Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse“ überreicht.

Eröffnungsfest

Wallfahrt

Am 5. Juli luden die neuen Pächter der Alpengasthauses Heilig-

Die alljährliche Bundeswallfahrt

wasser, Emilie Koll und Manuel Schwaiger, zu einem Fest ein.

des Österr. Seniorenbundes fand

V.l.n.r.: Bischof Hermann Glettler, Dogmatiker Jozef Niewiadomski, Rektor der Uni-

in diesem Jahr in Tirol statt. 1000 Delegierte aus allen Bundesländern waren gekommen. Eröffnet wurde der Tag mit einem Festgottesdienst in der Jesuitenkirche, dem Bischof Hermann Glettler vorstand. Tirols Landesobfrau Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf begrüßte die Anwesenden. Einen Willkommensgruß überbrachte auch die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Landtagsabgeordnete Ingrid Korosec. Festmesse in der Jesuitenkirche Ein gelungenes Eröffnungsfest hoch über Innsbruck

Zahlreiche Gäste, darunter auch der langjährige Pächter Peter Thurnbichler, folgten dieser Einladung. Ein lässiges Programm mit Musik der Sunnseitigen aus Patsch, DJ Giaco und einer Showeinlage von Khongoroo sorgten bei perfektem Wetter für viel gute Stimmung. Abt Raimund Schreier und Landtagsabgeordneter Mario Gerber wünschten für die Zukunft viel Freude und Erfolg!


Gottesdienste und Termine 11. August Hl. Laurentius - Patrozinium der Stiftskirche 18:00 Uhr Feierliche Vesper in der Stiftskirche Bartolomäus Gesius

25. August Augustinussonntag 18:00 Uhr Feierliche Vesper in der Stiftskirche Orgelwerke von Johann Caspar Simon

„Hochpreiset meine Seele“

Orgelwerke von Johann Sebastian Bach

„Wir gläuben all an einen Gott“ BWV 680

aus: Dritter Theil der Clavierübung, Leipzig 1739

Capella Wilthinensis

19:00 Uhr Pontifikalamt in der Stiftskirche Abschlussgottesdienst der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik Heinrich Isaac

Praeludium et Fuga in g

19:00 Uhr Hochamt in der Stiftskirche Proprium im Gregorianischen Choral

Proprium „in Festo S. P. N. Augustini“

aus: Choralis Constantinus III, 1555

Musik für zwei Orgeln

Orgelwerke von Paul Hofhaimer

Schola Gregoriana Wilthinensis

„Salve Regina“ alternierend mit Choral

Orgelwerke von Claudio Merulo

Toccata settima dell´ 8° tono

aus dem Libro secondo, Rom 1604

Capella Wilthinensis

15. August Mariä Aufnahme in den Himmel - Festgottesdienst am Landesfeiertag „Zu Ehren unserer Hohen Frau von Tirol“ 09:00 Uhr Pontifikalamt in der Jesuitenkirche Wolfgang Amadeus Mozart

Missa brevis in C KV 220

(Spatzenmesse)

Capella Wilthinensis

18:00 Uhr Feierliche Vesper in der Stiftskirche Orgelwerke von Leonhard Kleber

“Sancta Maria”

aus: Tabulatur Pforzheim, 1524

24. August Hl. Bartholomäus - Patrozinium des Bartlmäkirchleins 19:00 Uhr Pontifikalmesse in St. Bartlmä Musik für Bläser und Gemeindegesang

Bläser der Capella Wilthinensis

Geistliche Abendmusik in der Basilika Wilten Vom 5. August bis 9. September jeweils Montag, 20.30 Uhr Gottesdienstordnung Hl. Messe in der Stiftskirche 19:00 Uhr Sonntag 06:30 Uhr Montag, Dienstag, Donnerstag (um 07:00 Uhr während der Schulferien) 07:30 Uhr Freitag, Samstag Hl. Messe in der Basilika 10:30 Uhr Sonntag 19:00 Uhr Mittwoch 19:00 Uhr Samstag Chorgebet in der Stiftskirche Laudes 07:30 Uhr Sonntag 07:00 Uhr Montag bis Freitag (innerhalb der Hl. Messe während der Schulferien) 07:30 Uhr Samstag (innerhalb der Hl. Messe) Vesper 18:00 Uhr jeden Tag An einzelnen Sonntagen (Hochfesten) findet die Eucharistiefeier um 10:30 Uhr in der Stiftskirche Wilten statt. Die Abendmesse um 19:00 Uhr wird dann in der Basilika gefeiert.

Das Jahresprogramm 2019 der Musica Sacra Wilthinensis ist in gedruckter Form und auf der Stift-Wilten-homepage verfügbar.


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