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Wirtschaft
SPEZIAL
WOHNUNGSWIRTSCHAFT
Der Runde Tisch Entscheider der Berliner Wohnungswirtschaft diskutieren 端ber Neubau und Kostenfragen
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Nachhaltig bauen Attraktiv, bezahlbar: Welchen Herausforderungen sich Architekten heute stellen m端ssen
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Wohnraum f端r alle Wie Senat und Wohnungsbauunternehmen auf den steigenden Bedarf in der Hauptstadt reagieren Anzeigen-Sonderver旦ffentlichung Nr. 17 | 9. Dezember 2014
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
AUS DEM INHALT
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BILD: GEWOBAG
Wirtschaft
Neuer Wohnraum für Berlin
Der Bedarf an Wohnraum steigt. Welche Pläne von Politik und Unternehmen die Nachfrage decken sollen.
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Experten unter sich
Vertreter aus Politik, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft diskutieren über Berlins Zukunft. Nicht immer sind sie dabei einer Meinung.
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Mehr als nur Wohnen
Raus aus der Stadt
Die Berliner Wohnungsbaugesellschaften kümmern sich um ihre Mieter und den Kiez und stärken damit die Gemeinschaft und den Zusammenhalt – das gelingt mit Sport, Kunst und Spiel
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Eine Frage des Preises
Neuen und vor allem günstigen Wohnraum zu schaffen, ist eine große Herausforderung für Architekten. Ideen gibt es dennoch viele.
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Bauen mit Köpfchen
Berlin reduziert seinen CO2-Ausstoß. Das betrifft auch die Pläne der Gebäude- und Stadtentwicklung.
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Ideen für Senioren
Es sind nicht nur neue Wohnkonzepte gefragt, sondern auch ausführliche Beratung für die neuen Lebensformen der Generation 60 plus. Impressum Berliner Verlag GmbH Geschäftsführer: Michael Braun, Stefan Hilscher BVZ BM Vermarktung GmbH (Berlin Medien) Geschäftsführer: Jens Kauerauf Projektverantwortung: Renate Werk Verlag: Postadresse 10178 Berlin Anzeigen: Postfach 02 12 84, 10124 Berlin Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin Redaktion und Konzeption: mdsCreative GmbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln Klaus Bartels (verantw.), Isabel Ehrlich Layout: Katrin Großmüller, Nadja Abdul Hussein Titelbild: Thinkstock.com/pojoslaw | Imago/Schöning Bilder Inhaltsverzeichnis: Thinkstock.de/Pixland/ Jupiterimages/Wavebreakmedia Ltd | Harry Schnitger | Anne Langert | Erik- Jan Ouwerkerk www.berliner-zeitung.de/Sonderbeilagen
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enschen mit und ohne Behinderung oder verschiedener Glaubensrichtungen, Hautfarbe und Kulturen, Alte und Junge, Singles und Familien, Hartz-IV-Empfänger und Berufstätige ‒ solche Mischungen auf engem Raum können eine soziale Herausforderung sein. Dieser Aufgabe stellen sich die fünf Berliner Wohnungsbaugesellschaften erfolgreich seit vielen Jahren. Sie stellen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung und bieten Raum für Vereine, Beratungen, Nachbarschaftstreffs oder Hausaufgabenhilfe. Auch Menschen in finanzieller Not und Senioren wird geholfen. Die Unternehmen unterstützen die Organisation von Festen und Zusammenkünften und stärken so die Wohn- und Lebensgemeinschaften ihrer Mieter.
DIE KLEINEN GANZ STARK. Im Jahr 2014 wurde zum Beispiel die Gewobag-Stiftung „Berliner Leben“ gegründet. Das Ziel der noch jungen Stiftung ist es, jungen Menschen Sport, Kunst und Kultur näher zu bringen. Eishockey und Boxen sind die Sportarten, mit der die Gewobag Initiativen unterstützt, die sich um Kinder aus Schöneberg und anderen Bezirken mit einer sozial gemischten Mieterschaft kümmern. Viele der Stiftungsprojekte vermitteln gerade Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Strukturen gesellschaftliche Werte. Neu ist das Projekt „Interaktive Kulturelle Bildung“ in Zusammenarbeit mit der Neuen Nationalgalerie: Schöneberger Oberschüler präsentierten im November ihren „Audioguide von Jugendlichen für Jugendliche“ in der Neuen Nationalgalerie. Die Schüler der 12. Klasse hatten sich eine ganze Woche lang mit ausgewählten Exponaten auseinandergesetzt und eigene Texte und Sounds zu ihrem „persönlichen“ Kunstwerk entwickelt. Markus Terboven, Gewobag-Vorstand und Mitglied der Stiftung „Berliner Leben“, freut sich über den erfolgreichen Start des Projekts: „Kunst öffnet neue Horizonte: Die Welt durch die Augen eines Künstlers zu betrachten, kann helfen, sie auf neue Weise zu verstehen. Dieser Audioguide bringt verschiedene Sichtweisen und Eindrücke der jungen Generation näher.“
ohne Behinderungen spielen und lernen gleichberechtigt.“ Darüber hinaus betreuen Sozialpädagogen als Kiezkoordinatoren die Mieter der Gewobag. Sie betreiben die Kiezstuben und vermitteln zwischen Mietern und Genossenschaft. So haben sie in diesem Jahr Putzaktionen geleitet und über 50 Kiezfeste mit veranstaltet. „Wir engagieren uns, damit das Zusammenleben unserer Mieter stets besser wird“, erklärt Dr. Gabriele Mittag, Sprecherin der Gewobag. GEGENSEITIGE HILFE. Die Genossenschaft Marzahner Tor besteht bereits seit 1979. In ihrer Hand liegt die Verwaltung von 4.457 Wohnungen ‒ zum Großteil in Marzahn. Soziales Engagement ist für die Genossenschaft selbstverständlich, um das Zusammenleben aller Bewohner zu verbessern und die Chancen für die Kinder im Kiez zu steigern.
Sport wird gefördert – er vermittelt Kindern Teamgeist und Fairness So unterstützt die Marzahner Tor ein Fußball-Kinderprojekt des 1. FC Union Berlin und das Kinder- und Jugendtraining beim FC Berlin Nordost. „Kampfsport wie Taekwondo gehört ebenfalls zu den Sportarten, die gefördert werden, weil sie den Kindern Teamgeist und Fairness vermitteln“, erklärt Robert Scholz von der Genossenschaft. Im Dezember findet wieder die traditionelle Weihnachtsshow in Zusammenarbeit mit dem Kinderzirkus Cabuwazi statt. 200 Mieter der Marzahner Tor werden eingeladen, sich bei Kaffee und Kuchen zu amüsieren und zu erholen. Die Zusammenarbeit mit Cabuwazi hat bereits Tradition: Im Sommer wurde ein Zirkus-Workshop von der
Genossenschaft finanziert. Das Konzept einer richtigen „Wohnfühlgenossenschaft“ geht auf: Bei einer Mieterumfrage bestätigten die Mieter der Marzahner Tor den Imagewandel des Bezirks. Die Platte erlebt eine Renaissance ‒ und die „Wohnfühltreffs“ bieten den Bewohnern ein breites Angebot an gemeinschaftlichen Aktivitäten, so zum Beispiel Lesungen, Fotoworkshops, Sprach- oder Malkurse. Weitere Nähe zu den Bewohnern gelingt dem Vorstand der Genossenschaft durch Sprechstunden für seine Mieter. „Wir wollen Berlins Wohnfühlgenossenschaft sein“, so Scholz. „Wir unterstützen das Quartiersmanagement bei eigenen Aktionen wie Lesepatenschaften, Kiezfesten oder bei der Seniorenarbeit.“ KLIMASCHUTZ GEHT VOR. Auch in Sachen Klimaschutz geht die Gewobag neue Wege und ist ein Vorbild. So zum Beispiel in der Prinzenstraße in Kreuzberg. Durch einen neuen Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik reduzieren sich die CO2-Emissionen des modernisierten Plattenbaus um 38 Prozent. So ist aus der Prinzenstraße 97 ein Niedrigenergiehaus geworden. Die Betriebskosten konnten im Jahr um circa 47 Prozent gesenkt werden. GRÜNER STROM. Damit noch lange nicht genug: In den Objekten der Marzahner Tor fließt „Grünstrom“. Dieser wird ‒ im Gegensatz zu konventionell erzeugtem Strom aus Kernkraft, Kohle und Erdöl ‒ aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. „Die jährliche CO2-Einsparung entspricht damit circa 0,91 Tonnen je Wohnung“, so Robert Scholz von der Marzahner Tor. Die Energie wird in diesem Fall aus skandinavischer Wasserkraft gewonnen und in das europäische Verbundnetz eingespeist. Durch umfangreiche bauliche Maßnahmen hat der Marzahner Tor bereits in den vergangenen Jahren massiv dazu beigetragen, die Verbrauchskosten in Sachen Heizung und Wärme sowie Strom zu senken. Durch die Versorgung mit zertifizierter Fernwärme konnten 2012 gegenüber konventioneller Erzeugung sogar 1.568 Tonnen CO2 eingespart werden. Ursula Schoser
STREET ART VERBINDET. In der Scharnweberstraße 111 hatten Kinder die einmalige Chance, ihr Wohnhaus selbst mitzugestalten. Gemeinsam mit internationalen Street-Art-Künstlern und mit Hilfe von Schablonen haben sie die Fassade des Hauses mit roten Herzen und bunten Sternen neu gestaltet. Die Aktion ist Teil des Gewobag-Modells zur Inklusion von Roma-Familien. Zusammen mit dem Senat, dem Bezirk Reinickendorf und dem Verein Phinove gelang es der Gewobag, die Lebensbedingungen in den Wohnungen zu verbessern. Zusammen mit den hier untergebrachten Roma-Familien wurden die desolaten Zustände verbessert: Es wurde aufgeräumt und renoviert. GEMEINSAM SPIELEN. Ein anderes Projekt der Stiftung in der Immanuelkirchstraße 24 in Prenzlauer Berg fördert das Zusammenleben von Familien aus dem Kiez und von „Spielwütigen“ jeden Alters. Einfache Spielzeuge können vor Ort selbst gebaut werden. Grundlage sind dabei die Kreativitätsworkshops des Vereins. Die Gewobag-Stiftung fördert das Projekt „Spiel und Spielzeug für alle“ seit 2013. Kerstin Kirsch, Geschäftsführerin der Gewobag: „Spielzeuge und Spiele aus aller Welt eröffnen Kindern wie Erwachsenen neue Horizonte und geben ein besseres Verständnis für andere Menschen und Kulturen. Beim Spielen ist es ganz normal verschieden zu sein: Menschen mit und
BILD: MARZAHNER TOR /MELANIE BUEHNEMANN
Gegenden außerhalb des S-Bahnrings entwickeln sich zu spannenden und lebenswerten Alternativen.
Der Zirkus Cabuwazi macht vor allem den kleinen Mietern Spaß – im Sommer werden regelmäßig Zirkus-Workshops angeboten
Wohnungswirtschaft
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Gemeinsam stark Genossenschaften bieten neben einem bezahlbaren Zuhause viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung – das Konzept hat eine lange und bewährte Tradition
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itgliederfeste, Nachbarschaftstreffen, Einkaufshilfe ‒ Wohnungsgenossenschaften sind ein Modell, das Zukunft hat. Ursprünglich ging es bei den Zusammenschlüssen darum, Menschen ein besseres und bezahlbares Zuhause zu schaffen. Seit über 100 Jahren setzen Genossenschaften auf ihre Grundprinzipien: Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Mit Erfolg: In Deutschland ist jeder vierte Bürger Mitglied, etwa fünf Millionen Menschen leben in den über zwei Millionen Wohnungen der 2.000 Wohnungsgenossenschaften. Das entspricht rund zehn Prozent des gesamten Mietbestandes in Deutschland. BEDÜRFNIS NACH ZUGEHÖRIGKEIT. Mitglied eines solchen Zusammenschlusses zu sein, ist attraktiv wie nie. Denn das Wohnen gestaltet sich auf der einen Seite so flexibel wie bei der Miete, bietet aber auf der anderen Seite die Sicherheit eines Wohneigentums. Geschäftsanteile zu erwerben, kann eine prima Altersvorsorge sein. Obwohl die gesellschaftliche Entwicklung mehr und mehr dahin geht, dass Menschen immer mobiler sein müssen, bleibt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit unverändert. Allein in Berlin gibt es 188.000 Genossenschaftswohnungen. Das entspricht elf Prozent der Wohnungen. Objekte gibt es in allen Lagen und Bezirken ‒ als Altbau und Neubau. Voraussetzung für den Bezug einer solchen Wohnung ist die Mitgliedschaft und der Kauf von Geschäftsanteilen der Genossenschaft. Wann eine Wohnung bezogen werden kann, hängt von der Warteliste ab. Ist der Umzug aber erst einmal geschafft, ist lebenslanges Wohnrecht garantiert.
TRANSPARENZ WIRD GROSSGESCHRIEBEN. Bei neuen Bauvorhaben müssen die Genossenschaften allerdings hart kämpfen, um Zusagen zu bekommen. „Wir würden uns wünschen, dass Projekte öfter nach Bebauungskonzept vergeben würden und weniger nach Höchstpreisverfahren“, sagt Kristin Müller der Wohnungsbaugenossenschaft Berolina. Dabei seien die Genossenschaften durchaus gut aufgestellt, da sie sehr transparent agierten, was ein Vorteil für die Bewohner sei. Derzeit wird auch in Berlin stärker am Bestand verändert, als neue Projekte aufgezogen.
Das Leben in der Gemeinschaft ist für viele attraktiver denn je Die meisten Häuser stammen aus der Nachkriegszeit ‒ so etwa aus den 1950er bis 1970er Jahren. Damals waren kleinere Grundrisse mit etwa 60 bis 70 Quadratmetern für eine Familie gängig. Heute gilt es vor allem, diese Wohnungen anzupassen. Die Idee der Genossenschaften ist alt. Sozialreformer Hermann-Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen legten im 19. Jahrhundert den Grundstein für die Zusammenschlüsse. „In Berlin gilt Verbandsgründer und Staatswissenschaftler Heinrich Albrecht als einer der Gründungsväter“, sagt Barbara von Neumann-Cosel vom Genossenschaftsforum. Auf ihn geht auch die heutige Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von
1892 eG zurück. „Sein Leitgedanke, kulturell, wirtschaftlich und sozial zu agieren, ist bis heute aktuell“, betont Neumann-Cosel. Mittlerweile haben sich die Anforderungen im Hinblick auf erneuerbare Energien, Nahversorgung und Gesundheit gewandelt. „Das Geschäftsmodell hat sich jedoch als nachhaltig erwiesen und ist somit in den heutigen Zeiten moderner denn je“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Auch Neumann-Cosel beobachtet, dass die Faszination sowohl junger als auch älterer Menschen für das Konzept vom Leben in der Gemeinschaft und den damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten groß ist. „Die Nachfrage ist ungetrübt, die Wartelisten sind lang“, betont sie. MITREDEN DARF JEDER. Ein weiterer Vorteil einer Genossenschaft ist, dass jedes Mitglied ein Mitbestimmungsrecht bei den Vertreterversammlungen hat ‒ unabhängig davon, wie groß seine Anteile sind. Einzige Voraussetzung: Zur Gründung sind mindestens drei Personen nötig. Dann kann jeder das Leben im Quartier mit seinen Entscheidungen mitgestalten. Denn er ist schließlich nicht nur Mieter, sondern auch Geschäftspartner und Mitbesitzer einer Immobilie und des Unternehmens. Genossenschaften sind die einzige Organisationsform, die nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist. Was gemeinsam erwirtschaftet wird, kommt allen zu Gute. Überschüsse fließen in Instandhaltung, Neubauten oder Dienstleistungen. Und das können deutschlandweit insgesamt bis zu vier Milliarden Euro im Jahr sein. Jennifer Evans
Wer Mitglied einer Genossenschaft ist, erwirbt Geschäftsanteile – und hat daher unter anderem bei Vertreterversammlungen ein Mitbestimmungsrecht BILD: THINKSTOCK.DE/CATHERINE YEULET
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Michelle (7) fragt sich: Wohnen wir vielleicht künftig unter Wasser?
Carolin-Luisa (8) wünscht sich einen Swimmingpool auf dem Dach
Das schwebende Haus – von Jasmin-Marie (10)
Bilder: WGLi Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG
Wohnen in der Zukunft Das schwebende Haus ‒ Fantasie oder Wirklichkeit? So stellen sich die kleinsten Bewohner der WGLi das Jahr 2054 vor
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ie WGLi Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG feierte in diesem Jahr bereits ihren 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass entstand mit tatkräftiger Unterstützung vieler Mitglieder und Mieter ein Buch mit interessanten und bewegenden, aber auch lustigen Geschichten, Fotos und Beiträgen. Ein Thema war das Wohnen in der Zukunft. Kreative Zukunftsvisionen. Bis zum Jahr 2054 ist es noch weit ‒ dann wird die Genossenschaft 100 Jahre alt. Die Kinder von heute sind dann schon längst erwachsen und werden eigene Kinder und Enkel haben. Wie werden sie in Zukunft bei der WGLi wohnen und leben? Werden dann die Routineaufgaben des Alltags von Robotern erledigt? Brauchen wir noch Parkplätze vor der Tür oder Hubschrauberlandeplätze auf den Dächern? Wie werden künftig die Zimmer einer Wohnung eingerichtet sein? Dazu wurden die Kinder von Mitgliedern und Mietern der Genossenschaft sowie Kinder aus dem Kiez befragt. Sie haben mit viel Phantasie und Freude Bilder gemalt, die uns zeigen, wie sie sich das zukünftige Wohnen in der Genossenschaft vorstellen. Ob Unterwasserhaus, schwebendes Haus oder ein Haus mit Swimmingpool auf dem Dach ‒ man darf gespannt sein, was von den vielen schönen Einfällen in naher und ferner Zukunft einmal Wirklichkeit wird. Aber eines
ist jetzt schon ganz sicher: Es sind die Kinder, die die wohnungswirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bestimmen werden ‒ und die Erwachsenen legen schon heute den Grundstein dafür.
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Das Hauptziel der WGLi ist die langfristige Mietpreisstabilität für alle ihre Mitglieder
Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit. „Soziale Sicherheit durch stabile Mieten“ ‒ unter diesem Motto setzt die Genossenschaft für ihre rund 10.000 Wohnungen ein neues Mietenkonzept um. Bis 2018 wird es für so gut wie alle Haushalte keine Mieterhöhungen geben und somit eine stabile Miete zugesichert. Hauptziel ist die langfristige Mietpreisstabilität für alle Mitglieder. Stabile Mieten, soziales Engagement. Die WGLi ist dem Trend der Steigerung der Mieten in Berlin von Anfang an entgegengetreten und ist somit zu einem stabilen Anker innerhalb des Berliner Mietmarktes geworden. Denn nach wie vor gilt hier das genossenschaftliche Motto: Sicherheit und Geborgenheit der Mitglieder in allen Lebensphasen. Daher steht die weitere Anpassung des modernisierten Wohnungsbestandes an die indi-
viduellen Bedürfnisse von Mitgliedern und Mietern im Mittelpunkt der Arbeit der Genossenschaft. Darüber hinaus bietet die WGLi vielfältige soziale und kulturelle Angebote für ihre Mitglieder und engagiert sich im Bezirk Lichtenberg aktiv für Kinder und Jugendliche, die Entwicklung des Gemeinwesens, für eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung und für die Stärkung des Bezirks als Wirtschaftsstandort.
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FASSADENKUNST ZUM GEBURTSTAG Zum 60. Jubiläum der WGLi wurde ein Fassadenkunstwerk in der Josef-Orlopp-Straße 26-30 enthüllt – realisiert in Kooperation mit Mitgliedern der Genossenschaft und der französischen Künstlergruppe Citécréation. Das Werk symbolisiert die intensiven Beziehungen zwischen der Genossenschaft und ihren Mitgliedern.
WGLi Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG Landsberger Allee 180 B 10369 Berlin ) 030 / 97 000 – 0 * info@wgli.de 8 www.wgli.de
Wirtschaft
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
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achverdichtung und Neubau, Mietsteigerungen und Preisbremsen ‒ nur einige von diversen Stichpunkten rund um das Thema Wohnungsbau, das derzeit in aller Munde ist. Wohnungsbau ist auch für den designierten Berliner Regierungschef und Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), eine der Prioritäten seines zukünftigen politischen Schaffens. Dahinter steht weniger ein politisches Wunschkonzert, als vielmehr konkreter Handlungsdruck ‒ denn die Zahlen sind bekannt und dennoch immer wieder beeindruckend: Exakt 3.530.999 Menschen waren im Sommer 2014 mit Hauptwohnsitz in Berlin gemeldet, so das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Damit ist die Hauptstadt innerhalb eines Jahres um etwa 41.600 Einwohner gewachsen. Experten gehen daher von einem Neubaubedarf von rund 10.000 Wohnungen pro Jahr aus. Was vornehmlich gebraucht wird, ist günstiger Wohnraum ‒ also Wohnungen und Häuser, die sich preislich auf einem Niveau bewegen, das nicht nur von wohlhabenden internationalen Käufern und Investoren bedient werden kann, sondern von Menschen, die ein Durchschnittseinkommen verdienen und dennoch in Berlin wohnen möchten.
Wohnraum für alle Der Bedarf wächst – insbesondere bezahlbare Mietwohnungen sind in Berlin gefragt. Wie der Senat und die Wohnungsbaugesellschaften die Nachfrage bedienen wollen und wo derzeit gebaut wird
NEUBAU WIRD ANGEKURBELT. Es hat sich bereits einiges getan: Bis Ende September erteilte die Berliner Verwaltung Genehmigungen für 12.712 Wohnungen ‒ ein Rekord gegenüber den Vorjahren. Allein im BoomBezirk Mitte sollen 3.000 neue Wohnungen entstehen. Treptow-Köpenick, Pankow und Lichtenberg werden ‒ gemessen an den dort erteilten Genehmigungen ‒ wohl die für Neubau beliebtesten Bezirke der Hauptstadt. Die Statistik ermittelte damit einen Anstieg der Baugenehmigungen um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch sind bezahlbare Wohnungen in Berlin nach wie vor Mangelware. Eine Tatsache, die den politischen Druck im Kessel empfindlich erhöht, denn auch der Senat geht von einem weiteren Bevölkerungszuwachs der Stadt aus ‒ bis 2030 um rund 250.000 Einwohner. Für die zu erwartenden Neuankömmlinge werden bis dahin 140.000 Wohnungen gebraucht.
In der Thulestraße in Pankow realisiert die Gesobau auf einem 2.400 Quadratmeter großen Areal insgesamt 107 Mietwohnungen
HOHE NACHFRAGE NACH MIETWOHNUNGEN. Auf allen Ebenen laufen die Debatten und Planungen zum Wohnungs-
BILD: SHSP ARCHITEKTEN/ GESOBAU AG
Fertighaus trifft urbanen Raum Die Holzbauweise für Wohnhäuser in der Stadt – Die Branche möchte das Potenzial ausloten
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ei Fertighäusern denken viele an Einfamilienbauten, klassischerweise in Vororten und Neubaugebieten. Die FertigbauBranche sucht aber neue Märkte ‒ auch in der Stadt.
In Berlin steht er schon, der Zukunftstraum der Fertighaus-Branche: ein Wohnhaus mit sieben Stockwerken in Prenzlauer Berg. Zehn Monate hat es gedauert, das Gebäude für sechs Familien in Holzbauweise in einer Baulücke zu errichten. Wände und Decken aus Holz und Dämmstoffen waren dabei vorgefertigt. „Technisch ist auch beim urbanen Bauen alles machbar“, sagt Christoph Windscheif, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau. Die Frage ist, ob Investoren das Prinzip für den Mietwohnungsbau lockt ‒ oder Baugruppen es als künftige Eigentümergemeinschaften interessant finden. Klar ist: Die Branche muss auf Dauer neue Nischen suchen. Ihr Anteil an Baugenehmigungen ist zwar stetig von rund 12 Prozent im Jahr 1995 auf rund 15,7 Prozent im Jahr
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2013 gewachsen. Aber der Einfamilienhausbau in Deutschland ‒ Fertig- und Massivhäuser zusammen ‒ stagniert. Nach den Tabellen des Statistischen Bundesamts nahmen die Genehmigungen im vergangenen Jahr nur um rund ein Prozent zu. Bei Mehrfamilienhäusern schnellten die Anträge 2013 um 22 Prozent nach oben. Ein Trend, der sich bis Juli 2014 fortsetzte. Der Bedarf liegt vor allem in wachsenden Städten wie Berlin. Noch nicht alle Bundesländer erlaubten in ihren Bauordnungen zum Beispiel mehrgeschossige Fertigbauten ‒ vor allem wegen alter Brandschutzverordnungen. Peter Burk vom Freiburger Institut für Bauen und Wohnen hält die Frage, ob ein neues Haus ein Massiv- oder ein Fertigbau werden soll, heute für eine rein emotionale. „Mit der richtigen Planung hat sich beides bewährt“, sagt der Ingenieur. Ob die Holzbauweise im städtischen Wohnungsbau Schule macht, wird also auch von den Voraussetzungen abhängen und guten Ideen abhängen. (isi/dpa)
KEINE FRAGE DER KOSTEN Ob sich Fertighäuser auch in der Stadt durchsetzen, ist sicher auch eine Kostenfrage. Aber: Billiger als Massivbauten sind Fertighäuser nicht. Nach der Verbandsstatistik hat ein Einfamilienhaus heute einen durchschnittlichen Auftragswert von 230.000 Euro. Ein Viertel entstehe bereits im Luxussegment über 300.000 Euro, berichtet Windscheif. Der Interessentenkreis sei größer geworden. Kamen früher vor allem junge Familien, sei heute jeder vierte Käufer älter als 50. (dpa)
Wohnungswirtschaft
bau auf Hochtouren: „Unsere Mitgliedsunternehmen planen bis 2020 den Neubau von mindestens 20.000 Mietwohnungen in Berlin“, versichert zum Beispiel Maren Kern, Vorstand beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. (BBU). Der im Frühjahr durch den Senat verabschiedete „Stadtentwicklungsplan (StEP) Wohnen 2025“ weist die möglichen Bauflächen aus. Der Stadtentwicklungsplan zeigt 25 Neubaugebiete überall in der Stadt auf, wo mittel- und langfristig knapp 50.000 Wohnungen entstehen könnten. Dazu kämen rund 30.000 Wohnungen an Einzelstandorten, an denen Baulücken geschlossen oder die Bebauung verdichtet werden kann. Flächen sind also grundsätzlich vorhanden ‒ ob die geplanten Einheiten auch für die Mehrheit der Bevölkerung bezahlbar sind, dazu bedarf es konkreter Reglementierung und Ideen.
1.000 mietpreisgebundene Wohnungen pro Jahr gefördert werden. Und ein halbes Jahr nach dem Fondsstart ist die Nachfrage gut“, so Tied. Aus dem Fonds werden zinslose Baudarlehen bis zu durchschnittlich 64.000 Euro pro Wohnung beziehungsweise maximal 1.200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche geboten. Neben den städtischen Wohnungsunternehmen haben auch erste Privatinvestoren und Genossenschaften Interesse am Förderprogramm gezeigt. „Das gesetzte Ziel, eine soziale Durchmischung durch differenzierte Mieten für verschiedene Einkommensverhältnisse, wird damit deutlich unterstützt. Weiterhin fördern wir aber auch den sogenannten freien Wohnungsbau“, betont Tied. Bei den kommunalen und privaten Wohnungsunternehmen sowie den Genossenschaften gebe es auch eine soziale Verantwortung, Wohnungen preiswert vermieten zu können.
Der Neubaufond soll
GÜNSTIGE MIETEN FÖRDERN. Um 1.000 neue Wohnungen das wachsende Bedürfnis INITIATIVE GEFRAGT. Doch der Fonds ist nur ein Mittel, mit nach bezahlbarem Wohnpro Jahr fördern raum zu beantworten, dem die Herkules-Aufgabe hat der Senat bereits im des günstigen WohnungsFrühjahr den sogenannten neubaus bewältigt werden soll. „Alle Akteure des WohWohnungsbaufonds beschlossen. Rund 1.000 neue Wohnungen sollen pro nungsmarkts sind aufgerufen, sich daran mit eigeJahr mit diesem Instrument gefördert werden, de- nen Bauvorhaben zu beteiligen. Es ist eine Aufgabe, ren Mieten maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter be- die nur im engen Kontakt zu bewältigen ist. Mit der tragen sollen. Ein Drittel dieser Wohnungen sollen neuen Wohnungsbauleitstelle haben wir einen komsogar nur bis sechs Euro pro Quadratmeter kosten. petenten Ansprechpartner geschaffen“, betont StadtAllerdings werden die günstigen Mieten nur für ma- entwicklungssenator Müller. ximal 30 Jahre garantiert. PASSENDE GRUNDSTÜCKE BEREITSTELLEN. Grundsätzliche VorNACHFRAGE FÜR NEUBAUFONDS SEHR POSITIV. „Für den Bau aussetzung für die Schaffung von Wohnraum ist die solcher Vorhaben stehen pro Jahr immerhin 64 Mil- Bereitstellung von Grundstücken. Erst kürzlich verlionen Euro zur Verfügung ‒ insgesamt verfügt der ständigten sich die sechs landeseigenen WohnungsFonds über 320 Millionen Euro. Damit will der Senat baugesellschaften, der Liegenschaftsfonds Berlin und auch die soziale Mischung innerhalb des S-Bahnrings die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umerhalten. Das Geld können nicht nur landeseigene welt auf weitere 27 Grundstücke, die den WohnungsWohnungsbaugesellschaften beantragen, sondern baugesellschaften für den Neubau von bezahlbarem auch private Investoren ‒ solange sie damit den drin- Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Mit der gend benötigten bezahlbaren Wohnraum schaffen“, Übertragung der Grundstücke will das Land nicht nur betont Andreas Tied, Bereichsleiter Immobilien- und den Bau von rund 1.500 neuen landeseigenen WohStadtentwicklung in der Investitionsbank Berlin, IBB, nungen ermöglichen, sondern die Baugesellschaften wo der Fonds aufgelegt wurde. „Damit können rund verpflichten sich darüber hinaus, rund 20 Pro-
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4 FRAGEN AN Professor Dr.-Ing. Dirk Henning Braun Architekt, Lehrstuhl für Gebäudetechnologie an der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen University
Wann machen Modernisierungen im Wohnungsbestand Sinn?
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BRAUN: Modernisierungen sind eine sinnvolle Maßnahme bei ausreichend verwendbarer Gebäudesubstanz und funktionalen Grundrissen, die eine flexible Nutzungsänderung der Räume zulassen. Ein „strategischer“ Neubau kann eine Alternative sein, wenn die Gebäudestruktur keine modernen Wohnformen zulässt, zum Beispiel niedrige Deckenhöhen oder zu kleine Fensteröffnungen. Sanierungen machen auch Sinn bei hohen Energiekosten, die durch eine Modernisierung oder Sanierung im Bestand bis zu 80 Prozent gesenkt werden können. Zudem bei Anpassung der Wohnungen an barrierefreies Wohnen. Ein zentraler Aspekt ist bei jeder geplanten Maßnahme die genaue Beratung im Vorfeld. Dabei gibt es verschiedenen Anlaufpunkte, zum Beispiel geschulte Architekten, städtische Beratungsstellen oder die Industrie- und Handelskammern, die Fachfirmen vermitteln können.
Wie können Modernisierungen effizient umgesetzt werden und gleichzeitig langfristig Geld sparen?
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BRAUN: An erster Stelle steht ein Energiekonzept mit der Grundfrage: Was will ich erreichen? Brauche ich eine Förderung? Im nächsten Schritt steht das Nutzungskonzept: Was will ich wie nutzen? Will ich andere Mieter oder Eigentümer ansprechen? Will ich Räume verändern? Im nächsten Schritt ist es ratsam, einzelne Maßnahmen festzulegen. Zum Beispiel, ob die Heizungsanlage ausgetauscht werden muss. Ein weiterer wichtiger Punkt sind präzise Kostenvoranschläge für alle Einzelmaßnahmen sowie die fachgerechte Begleitung. Durch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die vor allem auch Energiepreissteigerung der kommenden Jahre berücksichtigt, kann ziemlich genau errechnet werden, wann sich die Investition amortisiert hat. Leider wird die Preissteigerung oft nicht berücksichtigt, was zu völlig unrealistischen Ergebnissen führt.
Welche übergeordneten Aspekte sind beim Thema Sanierung zu beachten?
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BRAUN: Meines Erachtens die politische Verantwortung der Eigentümer. Eigentum verpflichtet und stellt die Frage, welche Rolle man in der Gesellschaft spielt und wie die gemeinschaftliche Verantwortung geweckt werden kann. Ein zentraler Punkt ist das Thema Energiewende, denn nach und nach sickert in die Köpfe, dass wir einiges umstellen müssen, damit diese sinnvollen Ziele zu schaffen sind. Ein Blick in andere Wirtschaftsbereiche und deren Strahlkraft auf unser tägliches Leben erweitern den Horizont. Denken Sie einmal an die Automotive: Jeder weiß, was passiert, wenn er dauernd Vollgas fährt, jeder kennt seinen Akkuladestand des Handys. Aber keiner kennt bei sich zu Hause die Konsequenzen seines Handelns in seinem energetischen Umfeld Wohnraum. Dazu gibt es bei uns das Forschungsprojekt BEEM (Bidirektionales Echtzeit Energiemanagement) – ein spannender Aspekt für alle Menschen. (tu)
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Wo Nachbarschaft gelebt wird
Gemeinschaftliche Aktivitäten in den Wohnfühl-Treffs
Der Kinderzirkus CABUWAZI Bilder: Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor
Die Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor stärkt das Nachbarschaftsgefühl nachhaltig. Dies gelingt durch eine Vielzahl an Projekten und Veranstaltungen
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sprache“ weiterbilden. Daneben gibt es Kurse zu Fotoie Entwicklung einer als subjektiv positiv empfungrafie, Aquarell-Malerei und ein sportliches Angebot für denen Nachbarschaft hängt von Faktoren ab, die Senioren. Darüber hinaus werden Lesepatenschaften mit man als Mieter und Anwohner nicht überall beeinflusKitas und Schulen oder ein „ABC-Schützen“- Lesezirkel“ sen kann. Bei den über 4.500 Mieterinnen und Mietern organisiert. Die Bewohner der Genosvon Marzahner Tor ist man seit jeher senschaft leiten größtenteils die Kurse, an einem partnerschaftlichen MiteinFremdsprachen- und sodass hier das Motto gelebt wird: „Von ander und Austausch interessiert. Die Mietern für Mieter“. Die Wohnfühl-Treffs Genossenschaft im Bezirk MarzahnSportkurse gehören zum Hellersdorf sorgt für einen Ausbau Angebot der Wohnfühl-Treffs wurden laut Befragung bereits von 22 Prozent der Mieter besucht. entsprechender Möglichkeiten.
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Wohnfühl-Treffs für Jung und Alt. Was als Seniorenbegegnungsstätte vor 15 Jahren begann, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zur Erfolgsgeschichte. Im Frühjahr 2014 wurden die Begegnungsstätten in der Walter-Felsenstein-Straße 13 und der Oppermannstraße 5 nach monatelanger Umbauphase als Wohnfühl-Treff neu eröffnet. Unter Federführung des neuen Betreibers, der HVSG Marzahner Tor GmbH und mit Beteiligung der Mieter, bieten die beiden Wohnfühl-Treffs ein breites Angebot an Veranstaltungen für Mieter und Anwohner. Wer an Sprachen interessiert ist, kann sich hier in Englisch, Französisch, Spanisch sowie „Deutsch als Fremd-
Vorhang auf ‒ im Zirkus CABUWAZI. Insbesondere Familien und Kinder nutzen die Kooperation mit dem Kinderzirkus CABUWAZI. Dessen Veranstaltungen wie kostenlose Weihnachtsaufführungen oder Zirkusworkshops für finanziell weniger gut gestellte Mitglieder haben sich als feste Größen etabliert. Seit 2009 arbeitet die Genossenschaft eng mit dem Zirkus zusammen. Auf Sendung. Durch einen eigenen TV-Kanal werden die Mieter über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden gehalten ‒ und können über eine kostenlose Börse Möbel tauschen oder Leistungen wie Nachhilfe anbieten.
Sportlicher Teamgeist. Mit der Genossenschaft vertergarten dient den anliegenden Kitas zur Erkundung bindet den Marzahner Fußballverein FC Nordost Berlin und ein Schach-, Volleyball- und Boulefeld werden reneben einem nachbarschaftlichen Verhältnis seit 2012 gelmäßig von den Anwohnern genutzt. Hier kommt die auch ein Kooperationsvertrag. Vereinsmitglieder unter Nachbarschaft jeden Alters zusammen. den Mietern sowie der Vorstand haben den Impuls hierfür gegeben. GemeinFast schon Wohnfühlgenossenschaft. Die nachbarschaftlichen sam werden Sportprojekte erarbeitet, Die Zufriedenheit der Mitglieder von wie etwa ein Fußball-Camp im April, Marzahner Tor wird nicht allein von Beziehungen der Mieter sind bei dem sich zwei Nachwuchskicker den Merkmalen der Wohnung und überdurchschnittlich positiv aus der Mieterschaft für das Sommerdes Wohnumfeldes beeinflusst. Die Trainingslager beim 1. FC Union qualiguten nachbarschaftlichen Beziehunfiziert haben. gen untereinander tragen hierzu in hohem Maße bei. Dies hat Marzahner Tor durch eine Mieterbefragung Feiern mit Nachbarn. Hausfeste haben seit der Grünmessbar gemacht. Gefragt, wie die Mieter ihre nachdung der Genossenschaft eine lange Tradition. Marzahbarschaftlichen Beziehungen in ihrem Wohnhaus einner Tor unterstützte die Vorbereitung und Durchfühschätzen, antwortete eine breite Mehrheit, sie sei bereit, rung dieses kleinen Bewohnerfestes, das sich großer ihren Wohnungsschlüssel den Nachbarn während der Beliebtheit erfreut und eine erfolgreiche Maßnahmen Abwesenheit zu überlassen. Auch fällt die Bewertung zur Stärkung des Miteinanders darstellt. überdurchschnittlich gut im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen aus. Dies wird bei Marzahner Tor als Bewegung und Spiel. Im Mehrgenerationenhof in der gutes Zeichen dafür gewertet, dem selbst gestellten AnWalter-Felsenstein-Straße werden die Fitnessgeräte von spruch ein Stück weiter nähergekommen zu sein: Berlins Anwohnern unterschiedlichen Alters genutzt, der Kräuerste Wohnfühlgenossenschaft zu werden.
Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor eG Märkische Allee 210 A 12679 Berlin )
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(030) 54 99 42-0 * info@marzahner-tor.de 8 www.marzahner-tor.de
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MIETRECHT VON A BIS Z
Abrechnungszeitraum
Die Zeitspanne, in der ein Vermieter oder eine Verwaltung die Nebenkostenabrechnung für eine Wohneinheit erstellt, nennt sich Abrechnungszeitraum. Er darf laut Gesetz maximal zwölf Monate betragen. Der Abrechnungszeitraum kann aber beispielsweise unter zwei Mietern aufgeteilt werden, wenn etwa der Einzug mitten im Jahr erfolgt. Auch kann der Vermieter, wenn er dies begründen kann, die Zeiträume umstellen und verändern.
Befristeter Mietvertrag
Befristete Mietverträge begrenzen die Dauer des Mietverhältnisses schon bei der Unterzeichnung, etwa auf ein halbes Jahr oder drei Jahre. Allerdings dürfen Vermieter mittlerweile nur noch eine solche Befristung vornehmen, wenn sie vom Gesetzgeber als wichtig erachtete Gründe vorlegen. Dazu zählen unter anderem die spätere Nutzung der Wohnung durch Angehörige oder geplante, größere Sanierungen.
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Wirtschaft
Mietminderung
Mietpreisbremse
Um in bei Wohnungssuchenden begehrten Städten und Wohnlagen zu hohe Preissprünge zu verhindern, wurde kürzlich von der Bundesregierung die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt. Die Regelung sieht vor, dass „bei der Wiedervermietung von Bestandswohnungen die die zulässige Miete höchstens auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete zuzüglich zehn Prozent angehoben werden darf“, heißt es auf den Seiten des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. Neubauten und umfassend modernisierte Gebäude sind bei Erstvermietungen von der Regelung ausgeschlossen.
Selbstauskunft
Bevor ein Mieter den Vertrag vorgelegt bekommt, fordert der Vermieter in der Regel familiäre und wirtschaftliche Angaben ‒ diese werden als Selbstauskunft bezeichnet. Hier wird meist ein Musterfragebogen genutzt. Allerdings muss der Mieter nicht auf alle Fragen antworten: Informationen zur eigenen Religion, der Familienplanung oder sexueller Orientierung etwa muss der Mieter nicht geben.
Untermiete
Wenn Mieter einen Teil ihrer Wohnung an Dritte überlassen und dafür entsprechend bezahlt werden, liegt ein Untermietverhältnis vor. Ehepartner und Kinder, die in den Haushalt aufgenommen werden, werden nicht als Untermieter bezeichnet, nicht angeheiratete Lebenspartner in der Regel schon. Grundsätzlich muss eine Untervermietung mit dem Vermieter abgesprochen und ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden ‒ zumindest, wenn es keine klaren Regelungen im Mietvertrag gibt.
In Berlin wird gebaut – und das ist auch dringend notwendig, denn Experten gehen von einem jährlichen Bedarf von rund 10.000 neuen Wohnungen aus
zent davon zu Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter anzubieten. „Ein Anteil städtischer Wohnungen gibt dem Land Berlin die Möglichkeit, den Berliner Wohnungsmarkt aktiv mitzugestalten. Deshalb stellen wir den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften für den Neubau städtisches Bauland zur Verfügung. Sie schaffen auf den jeweiligen Grundstücken im Gegenzug günstige Mietwohnungen. Das ist eine zusätzliche Wohnungsneubauförderung über den bestehenden Wohnungsfonds hinaus“, so Müller. NEUE PLÄNE FÜR BUNDESEIGENE GRUNDSTÜCKE. Der politische Wille zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums reicht über die Landesgrenzen hinaus. In einem erst wenige Tage vergangenen Spitzengespräch bekräftigten der Stadtentwicklungssenator und Vertreter der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) ihren Willen, die bundeseigenen Grundstücke in Berlin an die kommunalen Wohnungsbauunternehmen zu veräußern. Müller traf sich mit BImA-Vorstandsmitglied Axel Kunze, der für den Verkauf zuständig ist, sowie Stephan Regeler, der Verkaufsleiter für Berlin. Bislang wurde allgemein vom Interesse der Stadt am „gesamten Wohnungsportfolio der BImA in Berlin“ gesprochen. Nun legten die Gesprächspartner fest, dass insbesondere über die Übernahme von Geschosswohnungen verhandelt wird. Das Paket umfasst rund 4.660 Wohneinheiten verteilt auf 44 Standorte in Berlin. Hinzu kommen sogenannte Potenzialflächen für den Wohnungsbau ‒ unter anderem Flächen, auf denen sich derzeit Parkplätze oder Brachflächen befinden. Auch der Verkauf der drei bundeseigenen Mietshäuser an der Ecke Großgörschen und Katzlerstraße in Schöneberg war Teil der Gespräche, die fortgeführt werden. Darüber hinaus hat die BImA bereits in der vergangenen Woche das Cité Wedding zum Wertgutachtenpreis an die städtische Gesobau AG verkauft. „Das Land Berlin will aktiv auf den Wohnungsmarkt einwirken. Deshalb haben wir großes Interesse, dass die Wohnungsbestände an das Land gehen und nicht zum Höchstpreis auf dem freien Markt verkauft werden“, so Müller. Unter der Federführung der Bundesanstalt und unter Mitwirkung des Landes werden zudem drei Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit dem Portfolio, der Wertermittlung und dem Verkaufsverfahren befassen werden. „Die BImA wird nun für die betroffenen Wohneinheiten Wertermittlungsverfahren einleiten“, erklärt Kunze. POTENZIAL VON NACHVERDICHTUNGEN. Konkret bauen bereits diverse Wohnungsbaugesellschaften in der ganzen Stadt. Dazu gehören auch Projekte, die durch Nachverdichtung und Ergänzungen Wohnraum schaffen sollen. „Wir beschäftigen uns seit 2012 intensiv mit
dem Thema Neubau. Wir sehen unseren Hauptentwicklungsmarkt im Bezirk Pankow, wo bereits die Hälfte unserer Wohnungsbestände liegt und wir den höchsten Zuwachs an Einwohnern erwarten.
„Jede zusätzliche Anforderung an Baustandards führt zu höheren Mieten“ Allein in Pankow und Weißensee planen wir von der Hinterhofbebauung oder dem Lückenschluss mit wenigen Wohnungen bis zu einem größeren Areal mit neuen Mobilitäts- oder Wohnkonzepten bis 2018 mindestens 1.500 Wohnungen neu zu errichten“, betont der Gesobau-Vorstandsvorsitzende Jörg Franzen. Um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, hat die Gesobau zusammen mit den anderen städtischen Wohnungsbaugesellschaften bereits im September 2012 mit dem Senat für Stadtentwicklung und dem BBU das „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“ geschlossen. „Bezahlbarer Wohnraum entsteht durch einen Dreiklang aus kostenbewusster Planung, tragbaren Baukosten und wirtschaftlich vernünftig finanzierbaren Baugrundstücken. Mit Blick auf Baustandards und zusätzlichen
Auflagen muss dabei klar gesagt werden: Jede zusätzliche Anforderung führt letztendlich auch zu höheren Mieten“, gibt BBU-Vorstand Maren Kern zu bedenken. Aktuell sind durch Ergänzung und Nachverdichtung in Pankow in Florastraße und Thulestraße zum Beispiel über 200 Wohnungen durch die Gesobau geplant. „Von Nachverdichtungen wie diesen sind immer Anwohner betroffen, dieser Herausforderung stellen wir uns. Wir haben gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie etwa ein dynamisch wachsendes Berlin, Flüchtlinge und andere sozial Schwächere, die unserer Solidarität bedürfen und für die wir Lösungen anbieten: im Neubau wie im bestehenden Bestand“, betont Franzen. MODERNISIERUNG IM BESTAND. Neben Neubau und Nachverdichtung sind auch groß angelegte Sanierungsprojekte im Fokus der Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, die so Wohnungen zu akzeptablen Mieten schaffen wollen. Gleichzeitig wird durch entsprechende Maßnahmen sichergestellt, dass die Gebäude den aktuellen energetischen Standards entsprechen. Ein bemerkenswertes Projekt ist an dieser Stelle das durch die WBM Wohnungsbaugesellschaft ins Leben gerufene Portal „Jeder Quadratmeter du“, das sanierte Plattenbauten als dynamisch-stylishe Wohnform anbietet. Die WBM, die derzeit rund 33.000 Wohn- und 1.700 Gewerbeeinheiten in Berlin verwaltet, hat in den vergangenen Jahren ihre Plattenbaubestände attraktiv saniert, denn 70 Prozent der WBM-Objekte sind Plattenbauten.
i NEUBAU FÖRDERN – FLÄCHEN VERTEILEN
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Überweist ein Mieter nicht die vertraglich festgelegte Miete, nimmt er eine Mietminderung vor. Hierzu kann der Mieter bei nachweislichen Schäden berechtigt sein ‒ dazu können eine kaputte Heizung oder Schimmelbefall gehören. Aber: Zunächst muss der Vermieter schriftlich auf die Mängel hingewiesen werden und ihm eine angemessene Frist zu Beseitigung eingeräumt werden. Meist 14 Tage. Auch zählt für die Bemessung, ob der Mieter eine Teilschuld an den Schäden trägt. Zudem muss die Höhe der Minderung angemessen sein, die sich an der Bruttomiete orientiert. Hier hilft juristischer Rat, denn eine zu hohe Minderung kann einen Mietrückstand bedeuten.
Die Grundstücke, die der Senat den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zur Verfügung stellt, befinden sich im Treuhandvermögen des Liegenschaftsfonds. Sie werden als Sachwerteinlage durch das Land Berlin auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften übertragen. Im Gegenzug verpflichten sich die Gesellschaften zur Errichtung von Neubauten, in denen ein Teil der Wohnungen für 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet wird. Die Übertragung ist ein zweites Paket von Grundstücken, das den Gesellschaften zur Verfügung gestellt wird. In einem Pilotprojekt sind bereits zehn Grundstücke übertragen worden, auf denen bis zu 700 neue Wohnungen errichtet werden. (tu)
Zweite Miete
Alle Kosten, die neben der regulären monatlichen Miete anfallen, gelten als „zweite Miete“ ‒ also die Betriebskosten, zu denen Heizung, Warmwasser, aber auch die Grundsteuer, der Hausmeister, die Müllentsorgung und vieles mehr fallen. Experten raten immer, sich bei einer vermeintlich günstigen „normalen“ Miete auch einen Überblick über die Nebenkosten zu verschaffen, um den Komplettpreis der Wohnung realistisch einschätzen zu können.
Im ersten Halbjahr 2014 hat
2.256
Berlin Bauvorhaben genehmigt
6.702
Davon sind Wohnungen in Mehrfamilienhäusern geplant
Bis September 2014 stieg die Zahl genehmigter Neubauwohnungen um
75,2
Prozent zum Vorjahreszeitraum
QUELLE: AMT FÜR STATISTIK BERLIN BRANDENBURG
Wohnungswirtschaft
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WISSENSWERTES Umzugsfreudige Brandenburger Berliner Mieter ziehen nur alle 16 Jahre um. Dagegen sind die Nachbarn in Brandenburg umzugsfreudiger: Hier wechseln Mieter alle 11,5 Jahre die Wohnung. Damit liegen die Märker knapp oberhalb des Bundesschnitts mit rund elf Jahren, teilte der Verband BerlinBrandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) kürzlich mit. Damit geht die Umzugsfrequenz zwischen Elbe und Oder weiter zurück: 2003 zogen Brandenburger Mieter im Durchschnitt noch alle neun Jahre um. „Wir werten die sinkende Mieterfluktuation als Zeichen, dass die Wohnqualität im Land Brandenburg weiter gestiegen ist“, teilte BBU-Vorstand Maren Kern mit. Als besonders umzugsfreudig zeigten sich auf kommunaler Ebene die Cottbuser. Sie wechseln statistisch gesehen alle neun Jahre die Wohnung. Auf Platz zwei folgt Ostprignitz-Ruppin mit knapp zehn Jahren, auf Platz drei Elbe-Elster mit rund 10,5 Jahren. Am sesshaftesten sind die Mieter in Spree-Neiße mit 14,3 Jahren. (dpa)
Positiver Trend: Strompreise sinken Wer an günstiges Wohnen denkt, muss auch die Nebenkosten einkalkulieren. Daher eine gute Nachricht für das kommende Jahr: Laut Check24 sinkt der Strompreis von 33 Anbietern für etwa acht Millionen Haushalte im Schnitt um 2,4 Prozent ‒ das sind etwa 35 Euro bei einer vierköpfigen Familie im Jahr (5.000 Kilowattstunden). Das Vergleichsportal Verivox erfasste 36 Versorger für gut sieben Millionen Haushalte. Auch hier beträgt die Durchschnittssenkung 2,4 Prozent. Ein Grund sind die gefallenen Beschaffungskosten an der Leipziger Strombörse, innerhalb eines Jahres gaben sie um etwa zehn Prozent nach. Preisveränderungen müssen den Kunden, so Experten, sechs Wochen vor Inkrafttreten mitgeteilt werden. (dpa)
Die WBM Wohnungsbaugesellschaft möchte die „Platte“attraktiver machen – und setzt auf gezielte Sanierungsmaßnahmen im Bestand
BILDER: WBM WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT BERLIN-MITTE MBH
Neben der „Standardplatte“ gehören zum Pool des Unternehmens auch denkmalgeschützte Ensembles wie die Plattenbauten am Platz der Vereinten Nationen oder die Rathaus Passagen am Alexanderplatz. „Unsere Initiative zeigt, dass durch grundlegende Sanierungsmaßnahmen attraktiver und
gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann“, sagt WBM-Sprecherin Steffi Pianka. Erste Weichen sind also gestellt ‒ die Herausforderungen des Wohnungsmarktes werden Wirtschaft und Politik auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Tanja von Unger
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Bild: Gewobag
Zeichen stehen auf Wachstum Die Gewobag will auf 65.000 Wohnungen aufstocken. Das gelingt dem Unternehmen durch Ankauf und Neubau in gefragten Kiezen
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98 barrierearme Wohnungen für Singles und ie Gewobag will durch Neubau und AnFamilien in zwei Niedrigenergiehäusern. Die käufe wachsen. Oberste Priorität hat dabei Wohnflächen variieren zwischen 40 und 100 die Erhaltung und Schaffung von bezahlbaQuadratmetern. Alle Einheiten in der neuen rem Wohnraum in begehrten InnenstadtlaGartenhof-Kiefholzstraße südöstlich des Karlgen. Die Nachfrage ist in den Bezirken Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Kunger-Kiezes sind modern Charlottenburg-Wilmersdorf mit Parkettfußboden und BalHell, modern und flexibel am stärksten. Und genau dort kon oder Loggia ausgestattet. sollen die neuen will die WohnungsbaugesellWohnungen werden schaft schwerpunktmäßig Die Gewobag möchte mittelbeim Neubau ansetzen. fristig insgesamt 3.000 Wohnungen bauen. 1.400 davon Bei der Mehrheit der Projekte geht es darum, werden auf eigenen Grundstücken realisiert. Ecken und Lücken im Baubestand zu schlieZweite Säule der Wachstumsstrategie ist der ßen oder den Aus- und Aufbau von DachgeAnkauf von Beständen ‒ seit 2012 sind allein schossen vorzunehmen. Vor allem wird in der 7.900 hinzugekommen. Damit ist die GewoNähe von Gewobag-Quartieren angekauft, bag der aktivste Ankäufer unter den städtizum Beispiel in der Kuglerstraße 23 in Prenzschen Wohnungsbauunternehmen. Da ein lauer Berg. Ziel ist es, dass die Wohnungen Großteil der Objekte in von Gentrifizierung zu allen Lebensphasen der künftigen Bebedrohten Stadtteilen liegt, leistet das Unterwohner passen. Zudem entstehen bis 2015 nehmen einen erheblichen Beitrag gegen die in der Kiefholzstraße 403-404 in Alt-Treptow Verdrängungen von Mietern.
Foto: Bernd Schumann
Auf der Baustelle der Neubauten in der Kiefholzstraße dürfen auch kleine Handwerker den Hammer schwingen
Wohnen für Jung und Alt
„Quartier Charlotte“ Ein nachbarschaftliches und genossenschaftliches Miteinander
„
Gewobag – Die ganze Vielfalt Berlins | Alt-Moabit 101 A | 10559 Berlin | ) 0800-4708-800 | * service@gewobag.de| 8 www.gewobag.de
www.wbg-amtsfeld.de
Wirtschaft
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
Der Neubau muss bezahlbar bleiben Auf Einladung des Berliner Verlags diskutierten Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup und Vertreter der Wohnungswirtschaft über die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt der Hauptstadt Ulrich Paul
Diskutierten angeregt in der Schankhalle Pfefferberg: die Teilnehmer des Runden Tischs zur Wohnungswirtschaft
B
erlin boomt. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Eine preiswerte Wohnung zu finden, ist jedoch schwieriger denn je. Was unternimmt der Senat, um Wohnraum für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zu schaffen? Welchen Beitrag leistet die Wohnungswirtschaft? Was ist vom künftigen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) zu erwarten? Und: Wie verändert sich die Landespolitik durch die Wahl des jetzigen Stadtentwicklungssenators Michael Müller (SPD) zum Regierenden Bürgermeister? Darüber diskutierten auf Einladung des Berliner Verlags Bau-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie Vertreter der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, der Genossenschaften und der Investitionsbank Berlin (IBB). GANZHEITLICHER BLICK AUF DIE STADT. Im Urteil über den künftigen Stadtentwicklungssenator sind sich die Diskutanten einig: Er ist eine gute Wahl. Die Erwartungen an ihn sind hoch. „Durch seine Amtszeit in Lichtenberg bringt Andreas Geisel eine besondere Kompetenz mit“, sagt Maren Kern, Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Er hat gezeigt, wie man zusammen mit den Akteuren vor Ort den Neubau unterstützen kann. Ich gehe davon aus, dass er die Dinge vorantreibt, und auch die Zusammenarbeit zwischen Senat und Bezirken vertieft.“ Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Howoge, sagt, sie glaube, dass sich durch die Amtsübernahme von Geisel „der Blick auf die Stadt nochmal verschieben wird ‒ er wird ganzheitlicher werden“. Thomas Kleindienst, Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg, rechnet damit, dass das Thema Stadtentwicklung nach der Senatsumbildung insgesamt mehr Unterstützung erfährt. „Wir bekommen einen neuen Senator für Stadtentwicklung und zugleich wird der bisherige Stadtentwicklungssenator Regierender Bürgermeister“, sagt Kleindienst. „Ich erwarte, dass damit der Wohnungsbau einen höheren Stellenwert in der Landespolitik bekommen wird.“ Zwar hat der Senat schon zu Beginn der Legislaturperiode unterstrichen, wie wichtig ihm der Neubau ist, doch
die Anforderungen sind gestiegen. So ging die Landesunser Anspruch, dass wir die gut 1.000 Flächen in Berlin, regierung 2011 noch davon aus, dass pro Jahr 6.000 neue auf denen jeweils mehr als 50 Wohnungen gebaut werWohnungen benötigt werden. Mittlerweile ist die Rede den können, so gestalten, dass sie zu einer Bereicherung von mindestens 10.000 Wohnungen pro Jahr. Sogar diefür die Nachbarschaft werden“, sagt Lütke Daldrup. „Desse Zahl könnte zu gering sein. „Wir müssen schauen, wie wegen müssen wir genau hinschauen, was in der Nachsich das Bevölkerungswachstum entwickelt“, sagt Andrebarschaft fehlt, um einen positiven Beitrag für die Quaras Tied, Bereichsleiter Immobilien- und Stadtentwicklung tiere leisten zu können.“ Wie das gehen kann, zeigt die bei der Investitionsbank Berlin (IBB). In den letzten zwei, Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Sie analysiert vor drei Jahren sei die Stadt um mehr Einwohner gewacheinem Neubau schon jetzt den Bedarf vor Ort ‒ um hesen als im Maximal-Szenario der aktuellen Bevölkerungsrauszufinden, was die Menschen benötigen. „Wir schauen prognose erwartet werde. „Wir beispielsweise, ob im Heinrichfreuen uns natürlich darüber, Heine-Viertel eher Familiendass Berlin einen solch hohen Wohnen angesagt ist oder ob Zuwachs hat“, so Tied. „Aber die dort kleinere Wohnungen geDer Neubau ist in Gang Stadt muss darauf auch reagiebraucht werden“, sagt WBMgekommen – alle Bezirke ren. Wenn Berlin weiter pro Jahr Geschäftsführer Lars Ernst. um 40.000 Menschen wachsen geben sich Mühe, ihn sollte, werden wir deutlich mehr Mittlerweile steigt nicht nur die zu unterstützen als 10.000 neue Wohnungen Zahl der geplanten, sondern jährlich benötigen.“ auch die der errichteten Wohnungen. In diesem Jahr werden NEUBAU ANGEKURBELT. Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup etwa 10.000 Wohnungen fertiggestellt. „Das ist ein Rieverweist auf die große Zahl genehmigter Neubauwohsenschritt. Innerhalb von zwei Jahren haben wir die Zahl nungen. „Wir werden in diesem Jahr den Bau von rund der fertiggestellten Wohnungen damit fast verdoppelt“, 20.000 Wohnungen genehmigen“, sagt er. „Von solchen sagt Lütke Daldrup. Von der Genehmigung einer neuen Zahlen haben wir bis vor Kurzem nicht mal geträumt.“ Wohnung bis zu ihrer Fertigstellung vergehen in der ReVor zwei Jahren seien weniger als 10.000 Wohnungen gel zwei Jahre. Ein Teil der neuen Wohnungen soll von genehmigt worden, davor seien es nur ein paar tausend den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gewesen. „Das heißt, der Neubau ist in Gang gekommen“, errichtet werden. Aufgabe der kommunalen Unternehso der Staatssekretär. „Alle Bezirke geben sich Mühe, den men ist, Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung Neubau zu unterstützen. Die Prämie, die wir für jede geanzubieten. „Wenn wir es schaffen, eine Vierzimmer-Wohnehmigte Wohnung an die Bezirke zahlen, ist dabei ein nung im Neubau für unter 1.000 Euro Warmmiete zu baufinanzieller Ansporn.“ Auch die Einsicht, dass die Stadt en, dann sind wir zufrieden“, beschreibt Howoge-Chefin dringend neue Wohnungen brauche, sei vorhanden. Im Stefanie Frensch ihre Aufgabe. „Wenn es uns gelingt, eine Einzelfall führe das vor Ort aber auch zu komplizierten Einzimmer-Wohnung für unter 300 Euro zu bauen, dann Debatten. „Deshalb haben wir darauf zu achten, dass haben wir ein gutes Angebot geschaffen.“ Aufgrund der durch den Neubau auch neue Qualitäten entstehen“, sagt hohen Baupreise sind Neubauwohnungen zurzeit selten für Mieten unter zehn Euro je Quadratmeter (kalt) zu erLütke Daldrup. „Das ist dann der Fall, wenn beispielsweirichten. Mit Hilfe der neuen Wohnungsbauförderung solse in einer Siedlung neue Wohnungen errichtet werden, len die Mieten für einkommensschwächere Menschen die barrierearm sind.“ Diese Wohnungen ermöglichen im Schnitt auf 6,50 Euro je Quadratmeter reduziert weres älteren Menschen, in ihrem angestammten Quartier den. Für den Bau von 1.000 Sozialwohnungen jährlich wohnen zu bleiben. Wichtig sei aber auch, große Wohstehen 64 Millionen Euro zur Verfügung. „Nach dem Start nungen für Familien zu errichten, wo diese fehlen. „Es ist
der Förderung im Mai haben wir bis September die Mittel vergeben, die uns für dieses Jahr zur Verfügung standen“, berichtet Lütke Daldrup. Die kommunalen Wohnungsunternehmen haben daran einen Anteil von mehr als 80 Prozent. GROSSE HERAUSFORDERUNG. Für Thomas Kleindienst von der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg reicht das bisherige Programm nicht aus. Eine Förderung von 1.000 Neubauwohnungen sei „zu wenig“, sagt er. Staatssekretär Lütke Daldrup signalisiert, dass unter Umständen mehr Wohnungen gefördert werden könnten. Wenn in diesem Jahr 10.000 neue Wohnungen errichtet werden, bedeute dies, „dass wir mehr tun müssen, wenn wir an dem Ziel festhalten wollen, in den Quartieren etwa 25 Prozent geförderte Wohnungen zu errichten“, sagt der Staatssekretär. Das sei eine Herausforderung für die Politik, weil die Finanzmittel knapp seien. Aus dem Immobilienbereich flössen jedoch höhere Einnahmen in die Landeskasse, rechnet Lütke Daldrup vor. So gebe es „in diesem Jahr mehr Rückflüsse aus der früheren Wohnungsbauförderung als Ausgaben“. In Zukunft werde es jedes Jahr so sein. „Das schafft neue finanzielle Spielräume“, so Lütke Daldrup. Durch die steigenden Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer kämen überdies Mittel in Höhe von fast 800 Millionen Euro jährlich in die Kasse. „Ich halte es nicht für unbillig zu sagen: Wenn wir einen sehr angespannten Wohnungsmarkt, vor allem im Niedrigpreis-Segment, haben, dann brauchen wir deutlich mehr Engagement in der Neubau-Förderung“, so der Staatssekretär. Lütke Daldrup denkt aber nicht nur an die Unterstützung des Neubaus. „Das zweite Thema ist, dass wir Sozialwohnungen haben, deren Warmmiete heute im Schnitt etwa 50 Cent pro Quadratmeter teurer ist als eine Wohnung des freien Marktes.“ Eine Expertenkommission unter seiner Leitung sei dabei zu überlegen, wie man dieses System ändern könne. Sozialwohnungen sollen „wieder preisgünstige Wohnungen werden“, sagt der Staatssekretär. Dies werde auch Beiträge der Eigentümer erfordern, nicht nur des Landes. In der Wohnungswirtschaft stößt der Staatssekretär mit dem Vorschlag, die Förderung aufzustocken, auf
D IE T EILNEHMER DES RUNDEN
T ISCHES
Die Wohnungsreserven, die wir hatten, sind komplett aufgebraucht.
Ich habe die Hoffnung, dass die Themen Wohnen und Neubau mehr Durchschlagskraft bekommen.
Gerade im Alter funktionieren bei uns die Nachbarschaften. Junge und Alte unterstützen sich.
Das Thema Wohnen, und zwar Wohnen zu angemessenen Preisen, wird immer wichtiger.
ENGELBERT LÜTKE DALDRUP, STAATSSEKRETÄR IN DER SENATSVERWALTUNG FÜR STADTENTWICKLUNG UND UMWELT
ANDREAS TIED, BEREICHSLEITER IMMOBILIEN UND STADTENTWICKLUNG, INVESTITIONSBANK BERLIN
DIETMAR GROSSE, VORSTANDSMITGLIED DER WOHNUNGSBAUGENOSSENSCHAFT AMTSFELD
INGO MALTER, GESCHÄFTSFÜHRER DER WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT STADT UND LAND
Wohnungswirtschaft
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Will Wohnungen bauen, warnt aber vor einer zu hohen Verschuldung: Ingo Malter, Chef der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land (re.) BILDER: HARRY SCHNITGER
„Wir haben zu wenig Wohnungen“, sagt Ingo Malter. Diejenigen, die wenig Geld hätten, „verschiedene Bedarfsgruppen“ sagen die Experten zu ihnen, konkurrierten um ein und dieselben Wohnungen. Aus Sicht von Staatssekretär Lütke Daldrup ist es nicht nur eine Aufgabe des Staats, etwas für die „Bedarfsgruppen“ zu tun. „Wir müssen den Blick erweitern“, sagt er. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen alle Immobilieninvestoren fragen: Tut ihr irgendetwas für besondere Bedarfsgruppen? Sei es für Demenzwohngruppen, sei es für Flüchtlinge, sei es für Trägerwohnungen, sei es für Studenten? Wir müssen die Fragen an alle Gruppen auf dem Immobilienmarkt stellen. Das ist nicht nur eine Frage, die den kommunalen Wohnungsunternehmen und den Genossenschaften gestellt werden kann. Es muss von jedem erwartet werden, dass er einen Beitrag zu dem leistet, was in der Gesellschaft dringend gebraucht wird.“ BBU-Chefin Maren Kern rät, den Zuzug der Flüchtlinge positiv zu sehen: „Viele der Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland kommen, sind jünger und gut ausgebildet“, sagt sie. „Wir haben einen Fachkräftemangel, insoweit sollten wir diesen Zustrom auch
als Chance sehen.“ Wie wichtig es ist, dass die landeseigenen Unternehmen bei der Integration von Zuwanderern mitwirken, zeigt ein Beispiel der Gewobag. Nachdem das Unternehmen ein Wohnhaus in Wedding erworben hatte, fand es dort eine acht- bis zehnköpfige Roma-Familie vor, die in einer Dreizimmerwohnung in einem illegalen Untermietverhältnis lebte. Die Familie musste Wuchermieten von 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter bezahlen. „Dem haben wir natürlich ein Ende gesetzt. Wir haben das illegale Untermietverhältnis in ein legales Mieterverhältnis umgewandelt und einen Wohnraum mit menschenwürdigem Umfeld geschaffen“, berichtet Gewobag-Geschäftsführer Markus Terboven. „Als kommunales Wohnungsunternehmen kommt uns bei der Integration von Einwanderern und Neuberlinern allgemein eine wichtige Rolle in der wachsenden Metropole Berlin zu“, sagt er. „Denn Integration beginnt bei einer anständigen Wohnung, bei guten Nachbarschaften und aktiver Teilhabe am Wohnumfeld. Wir glauben, dass wir uns öffnen und Brücken bauen müssen. Womit wir auch Erfolg haben. Menschen aus vielen Nationen wohnen bei uns friedlich zusammen.“
i RUNDER TISCH WOHNUNGSWIRTSCHAFT Auf Initiative des Berliner Verlags trafen sich Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Vertreter der Wohnungswirtschaft sowie der Investitionsbank, um über den Immobilienmarkt zu diskutieren. Ziel des Runden Tischs ist es, Ideen zu transportieren und Netzwerke entstehen zu lassen. Argumente und Standpunkte werden hier
für die Leser dokumentiert. Die Teilnehmer des Runden Tischs kamen im schönen Ambiente der Schankhalle Pfefferberg in Prenzlauer Berg zusammen, die von einer gemeinnützigen GmbH des VIA Unternehmensverbundes bewirtschaftet wird. Die Schankhalle ist ein Integrationsunternehmen. Hier arbeiten Menschen mit Handicaps – in der Gastronomie, im Service und hinter den Kulissen.
BILD: BENJAMIN PRITZKULEIT
Zustimmung. „Angesichts der steigenden Einnahmen Wohnungswirtschaft habe einen klaren Auftrag. „Sie soll ist es wichtig, dass der Neubau stärker als bisher geför- denjenigen helfen, die sich am Markt nicht ohne weiteres dert wird“, sagt BBU-Chefin Maren Kern. „Die Zahl von selber versorgen können.“ Wichtig sei: Alles, was die lan1.000 geförderten Wohnungen jährlich setzt noch auf den deseigenen Gesellschaften erwirtschaften, solle wieder Zahlen aus dem Koalitionsvertrag auf, als der Neubaube- investiert werden. „Sie sollen Wohnungen bauen, die Bedarf mit 6.000 Wohnungen definiert wurde.“ Es müsse stände in Ordnung halten und sich bei der Mietentwick„mindestens eine Verdopplung der Wohnungsbauförde- lung moderat verhalten“, so Lütke Daldrup. Im Jahr 2013 rung geben“, sagt Kern. „Außerdem sollte man verstärkt verlangten die landeseigenen Unternehmen eine durchüber das Thema der Subjektförderung nachdenken.“ Also schnittliche Miete von 5,37 Euro pro Quadratmeter. Zum darüber, ob die bedürftigen Haushalte Zuschüsse erhal- Vergleich: Die durchschnittliche Miete aller Berliner Wohnungen lag laut Mietspiegel bei ten, damit sie sich die Mieten 5,54 Euro je Quadratmeter. leisten können. „Ich glaube, dass eine Subjektförderung zielNeben den landeseigenen Ungenauer ist“, sagt Kern. „Wenn Die kommunale ternehmen gehören die Gejemand nicht mehr bedürftig Wohnungswirtschaft soll nossenschaften zu den Vermieist, fällt die Förderung einfach tern, die eher moderate Mieten weg. Das ist einfacher, als jedenen helfen, die sich nicht verlangen. Dazu gehört die manden zur Kasse zu bitten, der selber versorgen können Wohnungsbaugenossenschaft mit einem höheren Einkommen Amtsfeld. Sie besitzt etwa 2.500 weiter in einer Sozialwohnung Wohnungen in Köpenick, die im lebt, die er als Student bezogen hat.“ Wer ein höheres Einkommen habe, könne mehr Mie- Schnitt zu einer Kaltmiete von 4,75 Euro je Quadratmeter te zahlen. „Wir merken das ja bei denen, die nach Berlin monatlich vermietet werden. Im gerade fertiggestellten ziehen“, so Kern. „Viele wundern sich, dass man für eine Neubau „Quartier Charlotte“ mit 65 Wohnungen verlangt die Genossenschaft Mieten zwischen 8,60 und elf Euro je gute Wohnung so wenig Geld zahlen muss.“ Quadratmeter, berichtet Vorstandsmitglied Dietmar GrosFREIRAUM FÜR GERINGVERDIENER. In anderen Städten Deutsch- se. „Es zeigt sich jetzt, wie wichtig es ist, Genossenschaflands seien die Mieter etwas ganz anderes gewohnt. „Eine ten und landeseigene Wohnungsbaugesellschaften zu Studie, die von uns in Auftrag gegeben wurde, hat erge- haben, die neue Wohnungen bauen und preisdämpfend ben, dass viele der Mieter, die zuziehen oder in Berlin eine auf den Markt einwirken“, sagt Ingo Malter. GeschäftsfühWohnung suchen, bis zu 60 Prozent mehr Miete zahlen rer der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Stadt würden als durchschnittlich aufgerufen wird“, sagt Kern. und Land. „Es war ein Fehler, Wohnungsunternehmen wie „Wenn die Mieter und Mietinteressenten bereit sowie in die GSW zu veräußern.“ Aber Malter warnt: „Trotz aller sinnder Lage sind, diese Miete zu zahlen, dann sollte ihnen vollen Aktivitäten für den Neubau und den Ankauf von das auch möglich sein, um dafür zu Gunsten von Gering- Wohnungen müssen wir aufpassen, wo sinnvolle Grenzen verdienern an anderer Stelle entsprechenden Freiraum für eine Verschuldung der Unternehmen sind. Wir dürfen zu schaffen.“ Auf die Frage von Moderator Ralph Kotsch, nicht wieder in Phasen geraten, in denen wir wegen eistellvertretender Chefredakteur der Berliner Zeitung, ner zu hohen Schuldenlast nicht handlungsfähig sind. Wir ob das nicht Preistreiberei sei, sagt Kern, sie sei gegen müssen frühzeitig auf finanzielle Gefahren achten.“ Preistreiberei. „Wir brauchen bezahlbare Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung.“ Staatssekretär Lütke Dass ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in der preiswerte Daldrup sagt: „Berlin ist eine Stadt mit vergleichsweise Wohnungen Mangelware sind, immer mehr Flüchtlinge in niedrigen Durchschnittseinkommen.“ Die kommunale die Stadt kommen, stellt die Unternehmen vor Probleme.
Wir müssen dafür sorgen, dass auch künftig Wohnungen in allen Größen und Zuschnitten vorhanden sind.
Angesichts der steigenden Einnahmen ist es wichtig, dass der Neubau stärker gefördert wird.
Berlin wird sich in den nächsten 20 Jahren dramatisch verändern.
Wir orientieren uns daran, Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung zu errichten.
Momentan werden pro Jahr 1.000 Wohnungen gefördert, das ist zu wenig.
LARS ERNST, GESCHÄFTSFÜHRER DER WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT MITTE
MAREN KERN, CHEFIN DES VERBANDES BERLIN-BRANDENBURGISCHER WOHNUNGSUNTERNEHMEN
MARKUS TERBOVEN, VORSTANDSMITGLIED DER WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT GEWOBAG
STEFANIE FRENSCH, GESCHÄFTSFÜHRERIN DER WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT HOWOGE
THOMAS KLEINDIENST, VORSTANDSMITGLIED DER WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT LICHTENBERG
Wirtschaft
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
Es muss nicht immer Mitte sein
In Alt-Wittenau realisiert die Gesobau ein Wohnhaus mit 68 Mietwohnungen – auf dem Areal befinden sich auch ein Pflegeheim und eine Kita BILD: GESOBAU AG
Bei der Wohnungssuche orientieren sich viele Menschen innerhalb des S-Bahnrings – doch bieten auch Kieze abseits des Zentrums viel Potenzial
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GEWUSST WIE. Schlaue Wohnungssuchende haben inzwischen die unterschiedlichsten Wohngegenden außerhalb des S-Bahnrings entdeckt. Diese Tendenz zeichnete sich in den vergangenen Jahren deutlich ab. Warum erklärt Hiltrud Sprungala, Geschäftsführerin des BFW Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen: „Vor rund fünf Jahren entstanden entscheidende Engpässe, die Realisierungspläne in weiter entfernten Lagen nach sich zogen. Daraus entwickelte sich eine Nachfrage, da sich immer mehr Menschen entschlossen, hinaus zu ziehen. Allerdings sind die Gründe für eine solche Bewegung nicht immer greifbar.“ Schließlich sind es lange nicht mehr nur Familien mit Kindern, die es ins Grüne zieht. Mittlerweile finden auch junge Paare, Singles oder sogar Studenten die Wohngebiete außerhalb des Rings spannend. Der Stadtentwicklungsplan belegt den Trend, dass immer mehr Bewohner innerhalb des Rings auf Gebiete außerhalb ausweichen möchten. Seit 2010 ist der Zuwachs der Bevölkerung in den Lagen außerhalb des SBahnrings nämlich genauso groß, wie in Berlin selbst. „Wer stets nur immer die gleichen angesagten Innenstadtkieze in den Blick nimmt und meint, Die Stadt ist in nur dort leben zu können, wirkt an Bewegung – neue der Verknappung und an der Preisspirale mit ‒ das muss Zuzüglern beWohnräume entstehen wusst werden“, sagt Huthmann.
ie bebaubaren Flächen in zenralen Lagen sind begrenzt. Viele zieht es in Wohngegenden außerhalb des S-Bahnrings, die immer attraktiver werden. Auch deshalb, weil die Mietkosten in der Innestadt ständig weiter ansteigen. Viele Grünflächen, Naherholungsgebiete und eine geringere Wohndichte ‒ das sind die Hauptgründe, weshalb immer mehr Menschen ein Zuhause in Randbereichen Berlins suchen. Die Verkehrsanbindungen in die Innenstadt müssen nicht unbedingt schlecht sein. Das macht einige Gegenden für Wohnungssuchende zu einer wirklichen Alternative. Außerdem gibt es meist mehr Quadratmeter und eine komfortablere Ausstattung für das gleiche Geld. Oft sind die Objekte außerhalb sogar barrierefrei. „Das spricht Familien mit Kindern genauso an wie Einzelhaushalte. Sicher hängt es mit den jeweiligen persönlichen Lebensabschnitten und ‒ planungen zusammen, dass die Orte außerhalb interessant werden“, sagt Kirsten Huthmann von der Gesobau AG.
IM NORDEN VIEL NEUES. Objekte in allen Baualtersklassen finden Interessierte vor allem im Berliner Norden. Pankow, Weißensee und Wedding sind Gegenden, die eine immer stärkere Nachfrage zu verzeichnen haben. Allein das Wohnunternehmen Gesobau baut bis 2018 rund 1.700 Neubauwohnungen vornehmlich in Pankow. „Mehr sind geplant. Denn Pankow ist der zuzugsstärkste Bezirk der Stadt“, erklärt Huthmann. Als Insider empfiehlt sie das Märkische Viertel in Reinickendorf. Die Infrastruktur des 3,2 Quadratkilometer großen Gebietes ist nämlich erstaunlich gut. Dort wurde im großen Maßstab modernisiert. „560 Millionen werden hier investiert, um energie- und kostensparende Wohnungen zu gestalten. Das hat das Viertel zum Guten verändert. Der Leerstand ist auf 1,8 Prozent gesunken“, sagt Huthmann. Auch auf dem Gelände der alten GeschiBäckerei in Alt-Wittenau will das Unternehmen bald 68 neue Mietwohnungen entstehen lassen. Eine Investition für die Zukunft. Auf dem Areal wird es außerdem ein Pflegeheim und eine Kindertagesstätte geben.
KIEZE ENTWICKELN SICH. Pankow gilt im Entwicklungsplan der Stadt als ein neues Zentrum, das sich zum Identifikationsort des Nordens entwickeln soll. Der historische Rahmen mit Schloss Schönhausen, einem schönen Dorfplatz und dem Wasserturm eignet sich genauso, wie Pankows Funktion als Verwaltungszentrum, die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Lage im Straßennetz. Die Voraussetzungen, heißt es vom Senat für Stadtentwicklung und Umwelt, seien sehr gut. Auch der Südosten gilt als Ort mit Perspektiven. Die Ziele sind klar definiert. Gegenden wie Treptow-Köpenick und Teile von Neukölln sollen künftig als Quartiere gestärkt und noch besser vernetzt werden. Hiltrud Sprungala kann sich noch ganz andere Stadtteile vorstellen, die sich künftig entwickeln könnten: „Neukölln
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GRÜN UND VIELSEITIG: PANKOW
und Adlershof sind sicher längst keine Geheimtipps mehr. Aber vielleicht könnte sich Spandau, Oberschöneweide oder Rudow in den nächsten Jahren entwickeln. Wer seinen Wohnort auf lange Sicht plant, könnte in diesen Gegenden tatsächlich Glück haben, dass sie bald eine prima Lebensqualität bieten. Natürlich müssen dort zunächst Neubauten entstehen, die dann die Planung einer guten Infrastruktur nach sich ziehen.“ Auch Daniel Förste vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) hat die Attraktivität außerhalb des Rings beobachtet: „In den letzten Jahren gab es verstärkten Zuzug auf die Halbinsel Stralau. Hinzu kommen demnächst neue Bauprojekte im Bereich des Ostkreuzes.“ Sogar noch weiter hinaus im Speckgürtel von Berlin in der Stadt Wildau sei es zu einem vergleichsweise hohen Ansteigen der Mieten gekommen. Das zeigt sich seit der Flughafen Berlin-Brandenburg im Bau ist. Außerdem sind die Infrastruktur und die Gewerbevielfalt groß. Dennoch bleibt Förste kritisch, dass es gerade Familien ins Grüne zieht. Denn die Auswertung von Wanderungsdaten am IRS belegen etwas ganz anderes. „Familien bleiben gerne in innerstädtischen Bezirken“, sagt er. Offensichtlich halte die als verbesserungswürdig angesehene Infrastrukturausstattung am Rand sie davon ab, in die entfernteren Lagen zu ziehen. DIE MISCHUNG BELEBT. Die Berliner sind bekanntlich stolz auf die Vielfalt ihrer Kieze. Weil jede Gegend ein unverwechselbares Flair hat. Doch das wird demnächst interessanten Veränderungen unterliegen: Menschen ziehen aus Innenstadtbereichen hinaus und andere kommen von außerhalb hinzu. „Ich sehe darin dennoch einen positiven Wandel. Denn eine Durchmischung der Bewohner bedeutet nicht, dass damit der Charakter eines Bezirks verloren geht. Im Gegenteil: es wird spannender“, betont Sprungala. Neben aller Attraktivität neuer Wohnlagen gibt vor allem die Wahrnehmung ihrer Bewohner den AusJennifer Evans schlag für die Wohnqualität.
Rund 1.270 Hektar des 10.307 Hektar großen Bezirks bestehen aus Wald. Das bietet den Bewohnern genug Erholungsmöglichkeiten. Schön ist auch der botanische Garten. Vor allem Aktive werden sich in Pankow wohlfühlen: Nirgendwo sonst in der Stadt wird so viel Rad gefahren. Außerdem gibt es über 130 Sportanlagen und Hallenbäder.
ALTSTADT TRIFFT HAVEL: SPANDAU Mit 24 Einwohnern je Hektar ist der westlichste Bezirk Berlins eher dünn besiedelt. Doch dafür hat er direkte Autobahnverbindungen nach Magdeburg, Hannover und Hamburg. Die Altstadt ist mit 160 Geschäften und drei Kaufhäusern die größte zusammenhängende Fußgängerzone der Stadt. Weiterer Pluspunkt: Das Havelland liegt gleich um die Ecke.
BESCHAULICH UND BUNT: REINICKENDORF Der Bezirk ist nicht nur landschaftlich, sondern auch architektonisch spannend: Ländlich-dörfliche Idylle trifft auf Industriekultur. Grün- und Wasserflächen umfassen etwa 60 Prozent der Gesamtfläche. Außerdem genießen die 250.000 Einwohner, dass sie nur 30 Minuten vom Alexanderplatz entfernt sind. Der Trip nach Mitte ist also kein Problem.
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Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
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Nachhaltig bauen Attraktiv, effizient und vor allem bezahlbar: Bei der Schaffung von neuem Wohnraum stehen Architekten vor großen Herausforderungen – Ideen gibt es viele Jennifer Evans
in Zuhause für möglichst viele Menschen zu schaffen, ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich soll eine Wohnanlage auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Das macht nicht nur für die Bewohner einen entscheidenden Unterschied, sondern auch für das Stadtbild. Schnell einen quadratischen Klotz ohne Fassadengestaltung, ohne Balkone und mit kleinen Fenstern auf ein Grundstück zu setzen, ist lange nicht mehr zeitgemäß. „Obwohl das tatsächlich die günstigste Lösung wäre“, sagt Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin. Doch die Expertin warnt vor Bauprojekten, die lieblos gestaltet sind, weil mit ihnen keine Auseinandersetzung stattgefunden hat. „Architekten, denen es keine Freude bereitet, sich den Anforderungen des kostensparenden Bauens zu stellen, sind fehl am Platz“, erklärt sie. Möglichkeiten gibt es nämlich genug, ansprechende Wohnanlagen zu schaffen.
pro Quadratmeter zu Buche. Das ist kein erheblicher Sparfaktor in einem großen Bauprojekt“, sagt Dr. David Eberhart vom Verband Berlin- Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. (BBU). „Ausstattungsstandards sind zumeist sinnvoll, sollten allerdings auch nicht weiterhin erhöht werden“, erklärt er. auf deN preis schaueN. In anderen Punkten hingegen ist eine Zurückhaltung in Hinblick aufs Budget angemessen. „Generell gilt, dass zunächst eine gründliche Planung erfolgen muss, die alle Möglichkeiten ausreizt und hochverdichtete Lösungen in der Platznutzung liefert“, sagt Dr. Eberhart. Zum Beispiel ist nicht jede Abtrennung von Zimmern unbedingt nötig. Offene Grundrisse wirken nicht nur schicker und luftiger, sondern sparen auch Geld. Denn Wände sind teuer. „Auch von Vorfluren oder Windfängen kann abgesehen werden, weil bei den heutigen dichten Türen keine Zugerscheinungen mehr auftauchen“, erläutert Edmaier. Einzige Ausnahme sind die Schlafzimmer. „Privatsphäre ist ein Grundbedürfnis, dem auf jeden Fall nachgekommen werden muss“, sagt sie.
Nicht aN deN falscheN stelleN spareN. Schallschutz und Wärmeschutz bleiben ein Muss. Aber viel wichtiger als die verwendeten Materialien ist, dass die Bewohner sich in ihrem Zuhause wohlfühlen. Und das kann mit kleinen, architektonischen Kniffen erreicht werden. In Berlin beträgt die durchschnittEdmaier erklärt: „Meiner Ansicht liche Wohnfläche pro Person nach gehört zu jeder Wohnung etwa 40 Quadratmeter. Das hält ein Außenraum, in welcher Form Christine Edmaier allerdings für Auch Häuser haben ein auch immer. In der Planung sollte sehr großzügig – bei Neubauten Gesicht, das die Bewohner könne bei geringerem Flächendaher nicht auf Balkone, gemeinschaftlich nutzbare Dachterrassen verbrauch gute Wohnqualität ansprechen muss oder zumindest einen gemeindurch optimierte Grundrisse ersam genutzten grünen Hof oder zielt werden. Bauvorgaben kriGarten verzichtet werden.“ Auch tisch zu überprüfen, dafür plädiert das Badezimmer gilt als ein Raum, Tobias Nöfer, Vorstandsmitglied dem Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. „Es darf des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin (AIV), gleinicht zu klein sein. Ab einer gewissen Wohnungsgröße lohnt chermaßen: „Viele der heutigen Normen steigern zwar den es sich, eine separate Toilette einzubauen. Das ist kaum ein Komfort, müssten meines Erachtens aber mehr hinterfragt werden, ob sie nicht Übertreibungen sind.“ kostenmäßiger Mehraufwand“, sagt Edmaier. Was selten bewusst beachtet wird, ist der Eingangsbereich. Dabei wirkt dieser stark auf das Unterbewusstsein der Bewohner. Wer Raum hat, um anzukommen, fühlt sich gleich viel besser. Das kann mit einfachen aber wirkungsvollen architektonischen Details erreicht werden. „Außerdem dient ein ansprechender Eingang der Identifikation mit dem eigenen Zuhause“, sagt Edmaier. Es gibt aber auch Kosten, die ein Projekt kaum günstiger machen. „Zum Beispiel simplere Armaturen zu wählen, schlägt vielleicht am Ende mit 50 Euro
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erschwiNgliches Baumaterial. In Sachen Materialien gilt das Wärmedämmverbundsystem nach wie vor als die günstigste Variante, um die Gebäudewände von außen zu schützen. Doch mittlerweile stehen fast ebenso erschwingliche und nachhaltige Möglichkeiten durch Holzund Mischbauweise oder moderne hochdämmende Ziegel zur Verfügung. „In der Baugeschichte war es schon immer so, dass sich die Materialien anbieten, die vor Ort günstig zu bekommen sind. In Berlin gibt es traditionell
Prestigeobjekt Hochhaus Architekt Ole Scheeren beweist, dass auch Komplexe mit 1.000 Wohnungen den urbanen Raum bereichern können – ein Blick nach Singapur
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ls weltweit bestes Hochhausprojekt für städtischen Lebensraum ist der Wohnkomplex „The Interlace“ des deutschen Stararchitekten Ole Scheeren in Singapur ausgezeichnet worden. Den neu geschaffenen Preis „Urban Habitat Award“ verlieh in diesem Jahr erstmals der Rat für Hochhäuser und urbanes Wohnen (CTBUH) in Chicago.
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Der Preis macht nicht nur Lust auf attraktive Architektur. Er wirft auch Fragen danach auf, welche Rolle Hochhäuser künftig in einer wachsenden Metropole spielen können, ob in Singapur oder Berlin – bieten die Wohnriesen doch vielen Menschen auf vergleichsweise wenig Fläche einen Platz zum Leben. Gleichzeitig ist ein Gebäude, je höher es in den Himmel ragt, eine immense planerische Herausforderung für den Architekten. Insbesondere, wenn er sich nicht auf eine Standardausführung beschränkt, sondern wie Scheeren ein außergewöhnliches Konzept realisiert. Kreative gestaltuNg. Der gestapelte, vielschichtige Komplex in Singapur bietet 1.040 Wohnungen, mehrere Innenhöfe und viele begrünte, gemeinschaftlich nutzbare Flächen. Das Projekt zeige die Möglichkeiten, mit Hochhäusern qualitätsvollen städtischen Raum zu schaffen, wenn man Wolkenkratzer nicht nur als ein-
sam stehende, unverbundene Symbole betrachte, hieß es zur Begründung. „Die Idee war, eine vertikale Dorfstruktur zu schaffen“, sagte der 43-jährige Scheeren der Nachrichtenagentur dpa in Peking. „Es ging um die Frage, wie wir den Lebensraum der Menschen sowohl im individuellen als auch kommunalen Sinn neu definieren und daraus eine Gebäudestruktur entwickeln können.“ Scheeren hat das Projekt noch als Partner beim Office for Metropolitan Architecture (OMA) entworfen. Der Bauherr in Singapur wollte ursprünglich neun Hochhäuser auf dem Grundstück bauen, doch Scheeren hatte eine andere Idee: „Man könnte auch sagen, ich habe die Hochhaustürme aus der Vertikalen genommen und umgeworfen – in die Horizontale gelegt und aufeinandergestapelt.“ Als Module benutzte Scheeren jeweils 70 Meter lange und 22 Meter hohe Hausblöcke, die in einem hexagonalen Raster aufgestellt wurden. teil der laNdschaft. „Trotz der abstrakten Geometrie ist es fast kein Gebäude, sondern Teil einer Landschaft – ein Zwischenspiel von Natur und Zivilisation, das mich sehr interessiert.“ Die Vorgaben seien angesichts hoher Landpreise und vorgeschriebener Bebauungsdichte streng gewesen. „Wenn
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einen hohen Anteil an verputzten Ziegelbauten, weshalb es aus gestalterischen und wirtschaftlichen Gründen naheliegend ist, so auch heute zu bauen“, sagt Nöfer. VORBILDER GIBT ES GENUG. Gerade in Berlin gibt es schöne Beispiele aus den 1920er und 1930er Jahren, die zeigen, wie Bauten mit engem Budget umgesetzt worden sind: Die Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf, die Hufeisensiedlung in Neukölln oder die Tuschkastensiedlung in Treptow-Köpenick spielen mit kleinen, liebevollen Details. „Auch Häuser haben ein Gesicht. Was bei Menschen Augen, Mund und Nase sind, sind bei einem Gebäude Fenster, Türen und Balkone“, erklärt Edmaier. Die Herausforderung, nicht bloß Fenster übereinanderzustapeln, sondern die Grundrisse so intelligent zu entwerfen, dass die Fassade individuell aussieht, gilt damals wie heute. Das gelingt über plastische Gestaltung, Betonung des Erdgeschosses oder die Farbgebung. Gerade in der Innenstadt ist es vorteilhaft, sich am Berliner Farbkanon von pastelligen Tönen um Graublau, Blassgelb und -grün zu orientieren. Die Vorbilder aus den 20er und 30er Jahren hält auch Dr. Eberhart für äußert zeitgemäß: „Diese Siedlungen besitzen sehr funktionale Grundrisse mit vielen Freiräumen, Höfen oder Gärten. Eine sehr harmonische und menschliche Gestaltung der Räume, die trotz der bereits damals einschränkenden Gelder sehr individuell gelungen sind. An diesen Leitbildern sollte sich Berlin für die Zukunft wieder orientieren.“ Die Architekten von einst hatten eine weitere Zweckmäßigkeit umgesetzt: Der Verzicht auf Vorsprünge oder Kanten. Dr. Eberhart betont: „Die kubische Form hat nämlich auch dadurch Kosten gespart, dass keine weiteren Dämmmaterialien in die Lücken baulicher Vorsprünge gespritzt werden mussten.“ Die Baukultur brauche vor allem Zeit, Inspiration und Engagement, nicht nur Geld, glaubt Nöfer. „Meines Erachtens ist die wichtigste Aufgabe angesichts des Wohnungsmangels nicht in die alten Fehler der 50er bis 70er Jahre zurückzufallen, wo Großanlagen auf die grüne Wiese oder abgerissene Altbauquartiere fallen gelassen wurden.“
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den. Moderne Fertigungstechnologien erlauben heute individuelle Fertigteilbauweisen, ohne die Kosten in die Höhe zu treiben“, sagt Edmaier. Entgegen aller Annahmen sind kleinere Gebäude nicht unbedingt teurer als riesige Blöcke mit 600 Wohnungen. Diese Ansicht teilt Dr. Eberhart vom BBU: „Je höher ein Gebäude, desto teurer wird schließlich auch der Einbau der entsprechenden Fluchtwege.“ Zusätzlich müssen notwendige Abstandsflächen eingehalten werden, damit eine ausreichende Belichtung und Belüftung auch der unteren Geschosse gegeben ist, um die Wohngesundheit nicht einzuschränken. Günstigen Wohnraum zu schaffen ist die eine Seite. Heute gilt es vor allem, nachhaltig zu denken. Das schließt in einigen Punkten die preiswerteste Lösung und einen Bautyp von der Stange im Vorhinein aus. Dr. Eberhart erläutert: „Heute wird ein Gebäude auf etwa 100 Jahre ausgelegt. Die langfristige Existenz und der Lebenszyklus ist ein ausschlaggebendes Kriterium bei Neubauten. Keiner möchte Projekte bauen, die wegen minderwertiger Materialen in wenigen Jahren leer stehen.“ Die Stadt solle lieber daran arbeiten, heute das Weltkulturerbe von Morgen zu entwerfen.
i Lösungen zu entwickeln, die Lebensqualität ermöglichen und neue Impulse setzen, kann viel Freude bereiten. So erlebte es Margit Renatus, die mit ihrem Büro Blaufisch Architekten das Baugruppenprojekt Tempelhofer Berg für 112 Bewohner als energiesparendes KFW-55-Haus umsetzte. Die Schlafräume liegen geschützt an der Nordseite, die Wohnräume öffnen sich über eine Glasfassade nach Süden. Die flexiblen Grundrisse sind individuell auf die Bewohner zugeschnitten. Die Architektin betont: „Auch mit geringen Budget ist gute Architektur möglich. Das Ringen um Kosten erfordert viel Einsatz bei allen Beteiligten. Und den Willen, den Anspruch nicht fallen zu lassen. Dann sind aber den Möglichkeiten fast keine Grenzen gesetzt.“
man nicht eine genaue Menge verkaufsfähiger Fläche erzeugt, baut das keiner, weil sich die Renditen nicht rechnen“, sagte der Architekt, der auch für den Mittelstand bezahlbaren Wohnraum schaffen wollte. Scheeren äußerte sich kritisch über den heutigen Immobilienmarkt, der nur wenig Spielräume lasse. „Die kommerziellen Vorgaben sind eine Zwangsjacke.“ Die finanziellen Regeln des Marktes müssten verstanden und „zu einem gewissen Grad bedient“ werden“.
Innenhöfen gibt es Plätze für einen Markt, ein Theater, Schwimmbad, Wasserparks, Bambusgarten, Teich und Hügel als Spielplatz. „Es geht um drei Dinge: Natur, Gemeinschaft, Raum“, sagte Scheeren. „Das Projekt gibt dem Bewohner durch die unterschiedlichen Räume eine große Vielfalt von Möglichkeiten und das Gefühl der Freiheit, sich zu entscheiden, wie er sich gerade fühlt und wo er gerade sein möchte.“ „The Interlace“ wurde auch als besonders behindertengerecht ausgezeichnet.
NACHHALTIGKEIT ZÄHLT. Das Wohnprojekt „The Interlace“ ist nachhaltig ausgerichtet. Die Sonnenbahn wurde für die Verglasung und der Wind für die im tropischen Singapur notwendige Kühlung berechnet. In den beschatteten
Für die Zukunft hat Scheeren große Pläne: Sein Büro bewirbt sich um den Entwurf des höchsten Wolkenkratzer Chinas, der mit 660 Metern in Südchina entstehen soll. Auch in Berlin will er ein (isi/dpa) Büro eröffnen.
Das THF Baugruppenprojekt Tempelhofer Berg wurde als KFW-55-Haus realisiert und bietet flexible Grundrisse – das Budget war klar begrenzt BILDER: THINKSTOCK.DE/TETMC/BET_NOIRE | ERIK- JAN OUWERKERK/BLAUFISCH ARCHITEKTEN GÖTTE UND RENATUS
BILD: THE INTERLACE BY OMA/OLE SCHEEREN
INDIVIDUALITÄT ZÄHLT. Die meisten Wohnhäuser in Berlin sind ähnlich gestaltet. Viele Berliner wünschen sich das klassische, 20 Meter breite, rund sechs Geschosse hohe Haus mit etwa 20 Wohneinheiten. „Bei Neubauten sollten daher der Nachfrage nach überschaubareren Einheiten und dem Bedürfnis nach Individualität mehr Beachtung geschenkt wer-
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i EIN EXPERTE FÜR HOCHHÄUSER Es ist nicht sein erstes prestigeträchtiges Hochhausprojekt: Der Karlsruher Architekt Ole Scheeren war bereits durch den Bau der 2013 als bestes Hochhaus der Welt ausgezeichneten Sendezentrale von Chinas Staatsfernsehen CCTV in Peking bekanntgeworden. Er hatte sich 2010 selbstständig gemacht. Sein Architekturbüro in Chinas Hauptstadt zählt derzeit 40 bis 50 Mitarbeiter und baut derzeit Projekte in Peking, Kuala Lumpur, Bangkok und Singapur. (dpa)
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Gebäude mit Sparpotenzial
Im Ullsteinhaus wurde ebenfalls ein Blockheizkraftwerk der Gasag installiert – es arbeitet mit Bio-Erdgas aus Brandenburg
BILD: GASAG
In Berlin sollen die CO2-Emissionen deutlich reduziert werden – welche Rolle lokale Energieversorger und Wohnungsbauunternehmen spielen
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er Herausforderung in Berlin neuen Wohnraum zu schaffen, steht eine weitere Herkulesaufgabe gegenüber: Der Berliner Senat verfolgt das Ziel, Berlin bis zum Jahr 2050 zu einer klimaneutralen Stadt zu entwickeln und die Kohlendioxidemissionen um mindestens 85 Prozent bezogen auf das Basisjahr 1990 zu reduzieren. Das betrifft insbesondere den Wohnungsbau. Mit dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) soll ein zentrales Instrument zur Erreichung der energie- und klimaschutzpolitischen Ziele geschaffen werden. Auf der Grundlage einer im April 2014 fertiggestellten Machbarkeitsstudie „Klimaneutrales Berlin 2050“ werden sich die zu entwickelnden Handlungsstrategien und Maßnahmen auf die fünf politik- und praxisnahen Handlungsfelder Energieversorgung, Gebäude und Stadtentwicklung, Wirtschaft, private Haushalte und Konsum sowie Verkehr beziehen. Bereits im März 2012 wurde daher der Landesbetrieb „Berlin Energie“ gegründet, um die Teilnahme des Landes Berlin an den Konzessionsverfahren für das Gas- und Stromnetz zu ermöglichen. In Berlin
Energien im Strom- und Wärmesektor einsetzen und bereitet entsprechende Maßnahmen anhand des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK) vor. ALLE ZEICHEN STEHEN AUF SPAREN. Bezogen auf geplante Neubauten gibt es für die Hauptstadt zwar keine ausformulierte Strategie, doch die Marschrichtung ist klar: „Beim Neubau favorisieren unsere Mitgliedsunternehmen eindeutig dezentrale und kombinierte Lösungen ‒ also Fernwärme in Kombination mit Blockheizkraftwerken zum Beispiel. Aber das kommt immer auf das jeweilige Gebäude und die Beschaffenheit an“, erklärt Dr. David Eberhart, Sprecher des Verbands Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Über 70 Prozent der Wohnungen der BBU-Mitgliedsunternehmen beziehen aktuell Fernwärme. Die geplanten Neubauten sollen in Richtung autarker Energiegewinnung konzipiert werden ‒ dazu gehören Solarzellen oder Bioerdgas.
ERGEBNISSE SIND SICHTBAR. Die Energiesparkooperationen des Senats zeigen Wirkung: Im Jahr 2012 sollen die konnte zum Beispiel die Gasag CO2-Emissionen bis IN KLEINEN SCHRITTEN. Doch die deutlich mehr CO2-Einsparungen 2020 um 40 Prozent Ziele werden auch kurzfristig erreichen als im Jahr zuvor. Das ist definiert: „In Berlin sollen die das Ergebnis des zwischen dem gemindert werden CO2-Emissionen bis 2020 um Unternehmen und dem Berliner 40 Prozent gegenüber 1990 geSenat abgestimmten Monitoringmindert werden. Dazu müssen Berichts zur vierten Klimaschutzvereinbarung „Berlin verpflichtet“. 82.000 Tonnen CO2 alle Handlungsbereiche beitragen, also auch die Enerkonnten durch diverse Gasag-Initiativen 2012 zusätzgieversorgung“, so eine Sprecherin der Senatsverwallich vermieden werden ‒ das entspricht etwa dem jährtung für Stadtentwicklung. Mit Vattenfall als größtem lichen CO2-Ausstoß zur Wärmeversorgung von 20.000 Produzenten von Strom und Wärme hat der Senat eine Einfamilienhäusern. 2011 lag die Einsparung noch bei Klimaschutzvereinbarung abgeschlossen, nach der rund 63.000 Tonnen. Dazu hat das Unternehmen sich Vattenfall seine CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 2009 um eine Millionen Tonnen reduzieren soll. Gegenin der aktuell laufenden vierten Klimaschutzvereinbaüber 1990 hat Vattenfall dann die CO2-Emissionen aus rung verpflichtet. den Kraftwerken um 50 Prozent reduziert „und damit Vor allem die Umstellung veralteter Anlagen auf effizieinen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Berliner ente Erdgas-Technologie wie Kraft-Wärme-Kopplung Klimaziele geleistet“, so die Senatsverwaltung. Verhat zu dem Ergebnis beigetragen. Daneben nutzt die gleichbares gilt für die Berliner Gasag, mit der ebenfalls Gasag verstärkt erneuerbare Energien wie Bio-Erdgas. eine Klimaschutzvereinbarung geschlossen wurde. Die So versorgt sie Gewerbekomplexe oder WohnsiedlunSenatsverwaltung für Stadtentwicklung will sich darügen, wie die degewo-Siedlung Mariengrün, mit nahezu ber hinaus für eine stärkere Nutzung von erneuerbaren
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Nicht mehr ohne – Energieausweis ist Pflicht Ob Neubau oder Häuser im Bestand: Durch die erneute Verschärfung der EnEV sollen künftige Bewohner noch umfassender über den Zustand der Gebäude aufgeklärt werden
In der Gärtnerstraße 8/9 in Friedrichshain realisiert die WBM Berlin-Mitte das Projekt „Gärtnerei“ Bild: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Mehr Wohnraum im Zentrum Neubauen, Umnutzen, barrierefrei Modernisieren: Die WBM BerlinMitte stockt ihren Bestand auf ‒ den demografischen Wandel im Blick
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Aber auch durch Bestandsoptimierung und ie WBM Wohnungsbaugesellschaft BerGrundrissänderungen entsteht eine beachtlin-Mitte mbH investiert in neuen Wohnliche Anzahl neuen Wohnraums. So hat die raum in der Stadt. Rund 1.000 neue WohnunWBM seit 2012 allein 53 neue Wohnungen gen plant das Unternehmen bis 2018. Dabei geschaffen, indem nicht bespielt das Bauen für eine sich demografisch ändernde Genötigte Gewerbeflächen zu sellschaft eine zentrale Rolle. komfortablem Wohnraum Im Spitteleck werden umgebaut wurden. aktuell 14 Aufzüge So entstehen momentan ebenerdig verlängert in Berlin-Friedrichshain 110 Im Jahr 2015 folgen 23 weiteüberwiegend barrierefreie re Wohnungen, alle in zentraWohnungen in zentraler Lage. In der Gärtler Lage wie etwa am beliebten Spittelmarkt. nerstraße 8/9 wächst bereits das Erdgeschoss Hier wird momentan das Wohnhaus Spittedes Wohnhauses „Gärtnerei“, in der Colbestraleck modernisiert. Im Zuge dessen realisiert ße 5/7 haben die Entkernungsarbeiten bedie WBM auch hier beispielhaft einen besongonnen. Neuen Wohnraum schafft die WBM ders wichtigen Baustein der Barrierefreiheit: zudem durch eine nachhaltige BestandsopWo es möglich ist, werden Personenaufzüge timierung. In den letzten drei Jahren entstanebenerdig verlängert. Ganz aktuell werden im den so im Zuge von Modernisierungen 37 Spitteleck 14 Aufzüge „ein Stückchen länger“. neue Wohnungen der WBM auf den Dächern Damit sind die Wohnungen künftig auch studer Innenstadt. fenlos erreichbar.
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WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH | Dircksenstraße 38 | 10178 Berlin | ) (030) 24 71 30 | * info@wbm.de | 8 www.wbm.de
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eit 1. Mai 2014 gilt die neue Energieeinspar-Verordnung (EnEV). Damit gelten nun auch neue Regeln für Energieausweise. Anhand dieser Dokumente sollen Mieter und Käufer den energetischen Zustand von Gebäuden besser einschätzen können. Ähnlich wie es auch bei Haushaltsgeräten üblich ist, werden Immobilien jetzt in Energieeffizienzklassen von A+ bis H eingeteilt. WER IHN BRAUCHT. Jeder, der ein Haus oder eine Wohnung verkaufen, vermieten, verpachten oder verleasen will, braucht einen Energieausweis, erklärt der Verband Privater Bauherren. Bei Eigentumswohnungen werden die Energieausweise für das gesamte Gebäude ausgestellt, nicht für einzelne Wohnungen. Wer in seinem eigenen Haus wohnt und es nicht vermieten oder verkaufen will, braucht den Ausweis nicht. AUSNAHMEN. Wenn die Baugenehmigung ab dem 1.10.2007 beantragt oder die Bauausführung ab diesem Zeitpunkt begonnen wurde, ist der Ausweis auch bei selbst genutztem Eigentum nötig. Denn Eigentümer müssen den Ausweis bei Behörden vorlegen können.
Nicht vorgeschrieben ist der Energieausweis hingegen für Besitzer von Baudenkmälern oder wenn die Nutzfläche unter 50 Quadratmetern liegt.
Der Ausweis dokumentiert den Ist-Zustand WAS DRIN STEHT. Der Energieausweis dokumentiert den energetischen Ist-Zustand des Gebäudes, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das Dokument umfasst in der Regel fünf Seiten und ist meist zehn Jahre gültig. Die neuen Ausweise enthalten unter anderem allgemeine Angaben zum Gebäude, darunter das Baujahr sowie die Anzahl der Wohnungen. Außerdem ist auf der ersten Seite vermerkt, welches Verfahren zur Berechnung der energetischen Qualität des Wohngebäudes eingesetzt wird. Die neuen Energieausweise enthalten auch Vorschläge, wie Eigentümer die energetischen Eigen-
schaften des Gebäudes verbessern können, sofern das möglich ist. Sind keine Empfehlungen zur Modernisierung möglich, beispielsweise weil das Gebäude bereits umfassend saniert wurde, ist dies vom Ausweisaussteller auf dem Formular zu vermerken. AUSWEIS-FORMEN. Grundsätzlich gibt es abhängig vom Berechnungsverfahren unterschiedliche Ausweise. Erfolgt die Ermittlung auf Grundlage des berechneten Energiebedarfs, spricht man von einem Bedarfsausweis, erklären die Verbraucherschützer aus NRW. In diesem Fall werden die Kennwerte für Energiebedarf auf Seite zwei des Dokuments ausgewiesen, während die dritte Seite unausgefüllt bleibt. Es gibt noch eine zweite Variante: Wird der gemessene Energieverbrauch ermittelt, ist von einem sogenannten Verbrauchsausweis die Rede. Die Kennwerte für Energieverbrauch sind dann auf Seite drei des Dokuments dargestellt. In diesem Fall bleibt die zweite Seite unausgefüllt. Die Kennwerte geben den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche an.
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klimaneutraler Wärme aus „Green-KWK“. Mit solchen Strategien will sie sich auch beim Wohnungsneubau vom Gaslieferanten zum ganzheitlichen Energiemanager, der spartenübergreifende Lösungen aus einer Hand anbietet, entwickeln: „Wir schauen uns die Immobilie oder das Quartier genau an und erarbeiten dann nach den Wünschen des Kunden die optimale Energieversorgung, beispielsweise Gas in Kombination mit Solarthermie oder eine Versorgung nur mit erneuerbaren Energien wie Geothermie oder Holzpellets“, betont Stefan Grützmacher, Vorstandsvorsitzender der Gasag. Auf Landesebene wird sich bei der Frage der Energieversorgung noch einiges tun. Berlin hat einen EU-weiten Wettbewerb für die Vergabe der Konzession für den Betrieb des Gas- und Stromnetzes ausgeschrieben. Die Zuständigkeit liegt bei einer speziellen Vergabestelle der Senatsverwaltung für Finanzen. Einer der Wettbewerber ist der „Landesbetrieb Berlin Energie“. Im Gasnetzverfahren hat dieser die Konzession zugesprochen bekommen, im Stromverfahren läuft das Verfahren noch. Beim Gasnetz bereitet sich dieser Betrieb auf die unmittelbare Übernahme von Technik und Personal vom Altkonzessionär vor. „Berlin Energie arbeitet mit einem kleinen Kernteam und einem großen Netzwerk von Experten, Helfern und Fachleuten. Inhaltliches Ziel ist der für Berlin erstmalige Kombinationsnetzbetrieb von unterschiedlichen Infrastrukturen“, so eine Senatssprecherin. Damit sollen die Aufwendungen und Aktivitäten der Bürger sowie der Wirtschaft für Netzanschlüsse und für Netznutzungen vereinfacht und verringert werden.
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Bis Ende 2012 wurden in Berlin
In Deutschland werden
Anlagen zur Geothermie genehmigt
Prozent des Stroms über erneuerbare Energie erzeugt
2.677
23
Von den Mitgliedsunternehmen des BBU beziehen aktuell
70
Prozent der Wohnungen Fernwärme
Berlins Fernwärmenetz ist
1.600
Kilometer lang
EMISSIONEN REDUZIEREN. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie sowie der Initiative „Klimaneutrales Berlin“ wurde das Handlungsfeld Gebäude und Stadtentwicklung definiert. Um die CO2-Emissionen der Berliner Gebäude zu reduzieren, steht zunächst das Konzept einer „ausgewogenen Nachverdichtung und hohe energetische Neubaustandards“, wie Passivhaus- oder PlusenergieStandard. Insgesamt muss der Anteil erneuerbarer Energien in der Wärmeversorgung steigen, der Bedarf der Gebäude indessen durch Dämmung und RegeTanja von Unger lungstechnik vermindert werden.
BILD: THINKSTOCK.DE/SEANPAVONEPHOTO
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Das Projekt „Pankower Gärten“ bietet künftig Mietwohnungen zwischen 52 und 145 Quadratmetern Bilder: Gesobau Wohnungsbaugesellschaft mbH BILD: THINKSTOCK.DE/GUIDOVROLA
ZUSTÄNDIGE BEHÖRDE. Die Zuständigkeit für den Energieausweis ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt, erklärt die Verbraucherzentrale. Sie liegt meist bei den unteren Bauaufsichtsbehörden oder Bauordnungsämtern der Kommunen oder der Kreise, in denen sich die Gebäude befinden. Verstöße im Zusammenhang mit der Ausstellung oder Verwendung eines Energieausweises gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 15.000 Euro geahndet werden. ANZEIGEN FÜR IMMOBILIEN. Die Pflicht zur Auskunft beginnt dabei nicht erst bei der Besichtigung, sondern bereits bei der Annoncierung der Wohnungen. Denn seit dem 1. Mai müssen Angaben aus dem Energieausweis auch in Immobilienanzeigen in kommerziellen Medien ‒ zum Beispiel Zeitungen oder Internetportalen ‒ auftauchen, erklärt der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Genannt werden muss die Art des Energieausweises. Außerdem muss die Anzeige den Endenergiebedarfs- oder Endenergieverbrauchswert für das Gebäude enthalten.
Auch die wesentlichen Energieträger für die Heizung des Gebäudes, also zum Beispiel Gas oder Heizöl, müssen genannt werden, ebenso das Baujahr und die Energieeffizienzklasse. WENN DER AUSWEIS FEHLT. Sollte zum Zeitpunkt der Anzeigenschaltung kein gültiger Energieausweis vorliegen, müssen die oben genannten Angaben nicht in der
Anzeige aufgeführt werden. Ein gültiger Ausweis muss laut Verband Haus & Grund aber spätestens beim Besichtigungstermin vorliegen, wenn der Interessent die Wohnung anschaut. Für die Einhaltung der Pflicht ist entweder der Verkäufer oder der Vermieter verantwortlich. Das gilt auch, wenn ein Makler oder Verwalter mit der Anzeigenschal(dpa) tung beauftragt wird.
i VOM VERBRAUCHER ZUM ERZEUGER Eine Idee, um die Energiewende voranzutreiben, ist die Sanierung von Wohnhäusern zu Plusenergiehäusern. Diese erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen. „Ein PlusenergieStandard wird im Wesentlichen durch die Verbesserung der Wärmedämmung und die Umstellung auf ein regeneratives Energiekonzept erreicht“, erklärt Karsten Tichelmann, Professor für Tragwerksentwicklung und Bauphysik an der TU Darmstadt. Bewährt habe sich Wärmepumpentechnologie in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage. Diese Sanierung macht unabhängig von fossilen Brennstoffen. „Die Kosten für Wärmeerzeugung, Wassererwärmung und Strom belaufen sich bei einem Wohnhaus für vier Personen auf etwa 2.500 Euro im Jahr“, so Tichelmann. So könnten sich die Sanierungskosten nach zehn bis zwölf Jahren amortisieren. (dpa)
Dem Bedarf gerecht werden Mit dem Spatenstich in den „Pankower Gärten“ startet die GESOBAU ihre Neubauoffensive ‒ in gefragter Lage entstehen 100 Mietwohnungen
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barrierearm und schwellenfrei, der Energiem dem dynamischen Wachstums Berlins standard entspricht dem KfW-Effizienzhaus gerecht zu werden, setzt die GESOBAU 70. Bei den „Pankower Gärten“ handelt es sich auf Neubau: Bis 2018 plant das Unternehmen, um eine Blockrandbebauung, an die unter anrund 1.700 Wohnungen zu errichten. Dadurch derem ein Altbestandshaus entstehen etwa 72.000 Quadratmeter Wohnfläche. Die anschließen. Auf den hinteren Das Angebot umfasst bisher geplanten BaumaßnahBaufeldern entstehen acht Mietwohnungen für Singles, freistehende Häuser, deren men summieren sich auf eine Paare und Familien Investitionssumme von rund Wohnungen und Doppel150 Millionen Euro. Das städtihaushälften für Familien gesche Wohnungsunternehmen eignet sind. Die Erdgeschosse prüft laufend Grundstücke, um künftig rund sind mit sechs Gewerbeflächen für Laden3.000 weitere Mietwohnungen zu errichten. und Büronutzung ausgestattet.
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Der Schwerpunkt liegt im Bezirk Pankow. Im Juni erfolgte der Spatenstich für rund 100 Mietwohnungen in den „Pankower Gärten“, die zwischen 6,90 Euro und 11,65 Euro vermietet werden sollen. Das Angebot reicht von 2-Zimmerwohnungen ab 52 Quadratmeter bis zu 5-Zimmerwohnungen und Doppelhaushälften um 145 Quadratmeter ‒ größtenteils
Die „Pankower Gärten“ bildeten den ersten Baustein der Neubau-Offensive der GESOBAU, mit der sie ihren Mietwohnungsbestand in den nächsten Jahren vornehmlich im stark nachgefragten Pankow erweitern und so zur Entspannung des Marktes beitragen will. Im November folgte mit der Thulestraße bereits der nächste Spatenstich im Bezirk.
GESOBAU AG | Wilhelmsruher Damm 142 | 13439 Berlin | ) (030) 40 73 - 0 | * neubau@gesobau.de | 8 www.gesobau.de
Wohnungswirtschaft
Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 9. Dezember 2014
BILDER: HOWOGE WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT MBH | THINKSTOCK.DE/JUPITERIMAGES/BELCHONOCK/PHOTOOBJECTS.NET/CRANACH
Wirtschaft
Bedarfsgerechtes Umfeld schaffen
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IMMOBILIEN VON A BIS Z
Baudenkmal
Es handelt sich um bauliche Anlagen, deren Erhaltung und Nutzung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen oder volkstümlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegen. Sie können von der Baubehörde unter Denkmalschutz gestellt werden. Damit sind die Verfügungsrechte des Eigentümers eingeschränkt, der bestimmte bauliche Maßnahmen wie Abbruch, Sanierung, Modernisierung oder Nutzungsänderung nur mit einer Sondergenehmigung durchführen darf. Für die Restaurierung solcher Gebäude wird der Eigentümer mit steuerlichen Vorteilen unterstützt.
g-Wert
Er wird auch Energiedurchlassgrad genannt und steht für die Durchlässigkeit von transparenten Bauteilen für den Energietransport. Eine einfache Weißglasscheibe hat einen g-Wert von 0,85. Das bedeutet, dass 85 Prozent der eingestrahlten Energie in den Raum hinter der Glasscheibe gelangen kann.
Kataster
Die Deutschen werden immer älter, allein leben möchten viele dennoch so lange wie möglich – nicht nur geeignete Wohnkonzepte sind gefragt, sondern auch Hilfestellungen bei der Umsetzung
Ein Verzeichnis, das auch Flurbuch genannt wird. Darin sind alle Grundstücke im Einzugsbereich eines Vermessungsamtes notiert, ihre Beschreibung, die Lage und Pläne. Der Kataster bildet die Grundlage für die Einträge im Grundbuch.
Leichtbaustoffe
EIN GESAMTKONZEPT. Im Herbst 2014 startete die Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH mit einem Pilotprojekt zur altersfreundlichen Gestaltung eines Stadtquartiers. Insgesamt 11.000 Howoge-Mieter sollen von den Maßnahmen profitieren, die den Neubau von Seniorenwohnungen, die individuelle Anpassung des Wohnungsbestandes sowie den Ausbau von Serviceleistungen umfassen. Ausgangspunkt ist eine mit dem Johnanniter-Unfall-Hilfe e. V. durchgeführte Umfrage unter 1.500 Mietern. Dabei wurden die Bedürfnisse der Bewohner für das Alter erfragt. „Das Quartier am Tierpark umfasst insgesamt 6.000 Wohnungen und hat mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren die ältesten Bewohner unseres Bestandes,“ sagt Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der Howoge. „Wir erhoffen uns aus dem Projekt wichtige Erkenntnisse, die wir in Abhängigkeit des Projekterfolgs auch auf andere Quartiere übertragen können.“ Die Konzepte richten sich nicht nur an ältere Menschen, sondern bedienen zunehmend den Wunsch der Menschen, komfortabel und gemeinschaftlich zu wohnen. „Eine stufenund schwellenfreie Wohnung ist für junge wie alte Menschen ein Plus an Wohnqualität. Das gilt ebenso für ebenerdige Aufzüge oder den Bau von Gemeinschaftsräumen“, betont auch Monika Neugebauer, Sprecherin Wohnungsbaugenossenschaften Berlin. Die Umsetzung solcher Konzepte, so Neugebauer, laufe heute immer parallel zu Sanierungsmaßnahmen und sei im Neubau Standard geworden. BERATUNG IST WICHTIG. Um das Thema „Leben im Alter“ in der Gesellschaft zu stärken, formierten sich in den vergangenen Jahren Vereine und Interessengemeinschaften, die älteren Menschen mit Beratung und
Unterstützung zur Seite stehen. „Die Suche nach einer geeigneten Wohnung in Berlin ist nicht ganz einfach. Viele ältere Menschen geben sich resigniert der unzureichenden Wohnsituation hin“, sagt Reiner Wild, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV). Neben der bereits 2006 durch den Senat ins Leben gerufenen „Berliner Initiative Wohnen im Alter“ (BIWIA), berät heute vor allem die Netzwerkagentur-Generationenwohnen über geeignete Wohnkonzepte in der Hauptstadt.
Senioren-WGs finden immer stärkeren Zuspruch in der Bevölkerung Auch die Berliner „Koordinierungsstellen rund ums Alter“ beraten bei allen Fragen und unterstützen bei der Auswahl geeigneter Wohnformen. Die Netzwerkagentur möchte durch verschiedene Informationsmaterialien, Veranstaltungen und Expertenaustausch einen Beitrag zum Thema individuelles und selbstbestimmtes Wohnen im Alter leisten. Daher werden auch Treffen des Arbeitskreises „Bezirkliches Netzwerk - Wohnen im Alter“ organisiert. Neben allgemeinen Institutionen wie dem „Verein Freunde alter Menschen“, famev.de, gibt es auch den „Verein zur Förderung des lebenslangen genossenschaftlichen Wohnens e. V.“, der bereits 1994 gegründet wurde und sich um die Belange der älteren und jüngeren Mitglieder in den Siedlungen kümmert.
WOHNRAUM ANPASSEN. Auch die WGLi Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg eG will seniorengerechte Konzepte bieten. Bei der Genossenschaft findet eine neue Form des Zusammenlebens immer stärkeren Zuspruch: Das „WGLi-Service-Wohnen“ richtet sich vorzugsweise an Mitglieder im Ruhestand. Es soll ermöglichen, ein Leben lang in der eigenen, speziell ausgestatteten ServiceWohnung oder in einer Wohngemeinschaft zu leben. Die Anpassung umfasst in Verbindung mit Beratung und praktischer Hilfe unter anderem die Installation von Haltegriffen oder Notrufsystemen sowie den Umbau von Wannen- zu Duschbädern. Auch die Schaffung weiterer barrierearmer Hauseingangsbereiche, verbreiterter Türen, rollstuhlgerechter Zimmer und rutschfester Fußbodenbeläge gehören dazu. Solche Gemeinschaftskonzepte bieten eine bezahlbare Alternative zu Pflegeeinrichtungen. Der „WGLi-Altersbaum“ sagt aus, dass etwa 50 Prozent der Mitglieder älter als 65 Jahre sind. „Wir empfinden eine große Verantwortung gerade auch gegenüber unseren älteren Mitgliedern. Ihnen ein Leben in der vertrauten Umgebung ermöglichen zu helfen, ist wohl das Wichtigste, was wir für sie tun können“, so Thomas Kleindienst, Kaufmännischer Vorstand der WGLi. „Insgesamt sind die Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Nicht jeder braucht eine ebenerdige Dusche. Einen Schwerpunkt bilden dagegen soziale Kontakte und Beratungsmöglichkeiten, denn ältere Menschen leiden oft unter Einsamkeit“, so Neugebauer. Dies bestätigt die Howoge-Umfrage: Die Nachfrage nach dem Beratungs- und Serviceangebot war hoch. 48 Prozent der Befragten leben allein und benötigen breitere Unterstützung, die die Notfallbetreuung ergänzt. „So lässt sich zum einen die Wirtschaftlichkeit abbilden, zum anderen besteht nicht die Gefahr, an den Interessen Tanja von Unger vorbei zu planen“, sagt Frensch.
i FINANZIELLE FÖRDERUNG
BILD: WGLI WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT LICHTENBERG EG
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er demographische Wandel betrifft zunehmend auch die Hauptstadt. Bei anhaltend niedrigen Geburtenzahlen wird der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung größer, die Gesellschaft wird älter. Heute sind über eine halbe Millionen Berliner älter als 65 Jahre, im Jahr 2020 werden es nach Schätzungen des Senats 665.000 sein. Die Senioren sind nicht gleichmäßig in der Stadt verteilt. Ihr Anteil ist in den West-Berliner Außenbezirken und in einigen Plattenbauvierteln der östlichen Innenstadt besonders hoch. Die Senioren-Generation von heute ist zunehmend agil und autark. Das Leben im Altenheim oder in Pflegeresidenzen lehnen viele ab und bestehen auf eine selbstständige Wohn- und Lebensform. Die alternde Gesellschaft stellt daher auch den Wohnungsmarkt vor Herausforderungen. Umfragen ergeben, dass die Menschen im Alter in eigenen Wohnungen leben wollen. Der Mietwohnungsbestand ist in Berlin allerdings noch nicht optimal auf diese Bedürfnisse zugeschnitten. Doch das soll sich in Zukunft ändern ‒ Projektentwickler, Wohnungsbauunternehmen und Genossenschaften stellen sich auf die Anforderungen barrierearmer Wohnkonzepte ein.
Fast die Hälfte der Bundesbürger (47 Prozent) hat sich schon mit dem Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigt. Für Modernisierungsmaßnahmen zur Beseitigung oder Verringerung von Barrieren vergibt die KfW-Bankengruppe zinsgünstige Darlehen im Rahmen des Programms „Altersgerecht umbauen“. Hiermit können der Zugang zum Haus, der Einbau eines Aufzugs oder Umbauten in Küche und Bad realisiert werden. Mit dem Programm 159 vergibt die KfW zinsgünstige Förderkredite für den Umbau. Möglich sind bis zu 50.000 Euro Kreditbetrag je Wohneinheit sowie diverse Förderprogramme. Darüber hinaus bietet die Investitionsbank Berlin (IBB) verschiedene Programme wie „IBB Wohnraum modernisieren“ und „IBB Altersgerecht Wohnen“. (tu)
Mietausfallwagnis
Wenn Mietrückstände oder leerstehende Räume dazu führen, dass das Wagnis einer Ertragsminderung besteht, ist das Mietausfallwagnis. Um Kosten bei Rechtsverfolgung auf Räumung, Zahlung oder auch Aufheben der Mietverhältnisse zu decken, dient das MAW § 29 Satz 3 II. BV. Ersetzt werden aber höchstens zwei Prozent vom Rohertrag für Wohnräume.
Nießbrauch
Ein Recht des Begünstigten aus einem Grundstück, einer Wohnung oder einem Haus Erträge zu erwirtschaften. Trotzdem gehört der berechtigten Person der Gegenstand nicht. Das bedeutet, sie darf nicht in die Substanz eingreifen. Solche Entscheidung obliegen ausschließlich dem Eigentümer. Das Nießbrauchrecht erlischt durch Tod oder Verzicht.
Ringanker
Ihr Einbau ist notwendig, wenn die aufliegenden Decken keine massive Platte ergeben und die Stabilität eines Gebäudes gefährdet ist. Ringanker sind aus Holz, Stahl oder Stahlbeton, die ringförmig um das obere Ende der Wände gelegt werden. Sie werden bei Holzbalkendecken oder dünnen Stahlbetondecken verwendet. Bei Fachwerkhäusern hingegen genügt allein das tragende Bauskelett.
Vollwärmeschutz
Entspricht dem Wärmedämmverbundsystem (WDVS), das zum Dämmen von Außenwänden dient. Das Material wird außen mit Kleber oder Dübeln auf dem Untergrund befestigt. Meist in Form von Platten oder Lamellen. Dann folgt eine Armierungsschicht als Unterputz und zum Schluss kommt der Außenputz.
Wegerecht
In Deutschland leben rund
In Berlin werden 2020 rund
Der höchste Prozentsatz älterer Menschen war 2012 mit
Millionen Menschen über 65 Jahre
Senioren leben
Prozent in Steglitz-Zehlendorf
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Sie sind materialsparend, porig und wärmedämmend. Zu Leichtbausteinen gehören Gasbeton, Bims, Lehm- und Porenziegel. Beim Bau haben sie keine tragende Funktion. Als Innenwände besitzen sie eine Rahmenkonstruktion mit aufl aufliegender iegen Leichtbauplatte. Dadurch können sie leicht auch nachträglich verbaut werden.
665.000
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Führen Wege, Straßen oder Durchfahrtsmöglichkeiten über fremde Grundstücke, greift das Wegerecht. Das bedeutet, ein Grundstückseigentümer ist gezwungen, Teile für andere frei zu geben. Wegerechte sind keine Gewohnheitsrechte; ein Grundstückseigentümer ist gezwungen, Teile dessen herzugeben, was oft den Grundstückswert beeinträchtigen kann.