FilmFacts Südwest Ausgabe 2 | 2009

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Produktionsberichte

Südwest

2 | 2009 Juni

FilmFactsSüdwest | 1–2007 | Februar

Neues von Film und Fernsehen aus Baden-Württemberg

Nicht nur sexy Frauen Bilder Deutscher Dokumentarfilmpreis Location Tour 2009

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Inhalt | Impressum

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Close Up

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In Produktion

Sechs in Produktion befindliche Spiel- und Dokumentarfilme erzählen außergewöhnliche Geschichten. Die baden-württembergischen Film Commissions stellen Aktivitäten und Projekte in ihren Regionen vor.

Die Anschubförderung von TV-Serien (Bild: »SOKO Stuttgart«) ist eine der Maßnahmen, mit der die Strukturen am Filmstandort BadenWürttemberg gestärkt werden sollen. Die Produktionen sind angelaufen, derzeit wird in Stuttgart, Ludwigsburg und Urach gedreht.

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MFG News

Top-Thema DOKVILLE: Expertengespräch über Finanzierungsfragen. Außerdem lesen Sie vom 1. Deutschen Dokumentarfilmpreis, von einem Filmprojekt mit dem Lyriker José F. A. Oliver, über Strittmatter-Preisträger Oliver Kienle sowie eine deutsch-schweizerische Produzentenbegegnung – und mehr.

Inhalt 4

Close Up Nicht nur sexy

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In Produktion Zimmer (AT) Freed Pigs (AT) Auf Wiedersehen Tibet Whores’ Glory Remake, Remix, RipOff El Niño (AT) Aus den Regionen

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MFG News Deutscher Dokumentarfilmpreis DOKVILLE

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Short Cuts Südwest Neues aus der Filmakademie Baden-Württemberg Neues aus dem Filmhaus Stuttgart

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Kino News

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Hot Spots

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Karl Toffel

Impressum FilmFacts Südwest – Neues von Film und Fernsehen aus Baden-Württemberg Herausgeber MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart www.mfg-filmfoerderung.de Titelfoto »Whores’ Glory« von Michael Glawogger

Geschäftsführung Gabriele Röthemeyer

Redaktion Uwe Rosentreter (V.i.S.d.P.) Birgit Schiffbauer-Jorde (schiffbauer-jorde@t-online.de) MitarbeiterInnen dieser Ausgabe Michael Ackermann, Christian Bauer, Maria Bierlein, Gerald Birkenstock, Moritz Bundschuh, Jessica Cope, Victoria Eglau, Karin Franz, Uschi Freynick, Marianne Gassner, Michael Glawogger, Isis Hager, Rüdiger Heinze, Andreas Hykade, katzenPR, Cem Kaya, Oliver Langewitz, Jochen Laube, Ulla Matzen, Fabian Maubach, José F. A. Oliver, Regine Pogoda, Jørn Precht, Claudia Sander, Claudia Sauer, Fenja Schnizer, Neil Shanks,


Editorial

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Short Cuts Südwest

Bunte Vielfalt in den Short Cuts, auf den Seiten der Filmakademie und des Filmhauses – wohl zum letzten Mal. Rückblick im Zeichen des Trickfilms: Im Mai war die weltweite Animationsfamilie in Stuttgart zu Gast.

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Kino News

Erfolgreich und beliebt bei jungen Kinofans: An der 3. SchulKinoWoche waren 57 Kinos im Land beteiligt.

Editorial Liebe Filmfreunde und Filmschaffende! Zum 5. Mal DOKVILLE. Der vom Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms (HDF) organisierte Branchentreff hat sich seit 2005 zu einem unverzichtbaren Forum entwickelt. In diesem Jahr geht es um »Erfolgskriterien am Medienmarkt«. Wir freuen uns besonders, dass Christian Bauer (tangram film) in der vorliegenden Ausgabe zum Thema Produzentenrechte und Finanzierung am Beispiel von Pact offen Stellung nimmt. Wir gratulieren dem Gewinner des 1. Deutschen Dokumentarfilmpreises. Die Auszeichnung ist aus dem BadenWürttembergischen Dokumentarfilmpreis hervorgegangen. Damit tragen die Veranstalter der Tatsache Rechnung, dass sich DOKVILLE und eine der höchsten Auszeichnungen für Dokumentarfilm zu überregionaler Bedeutung entwickelt haben.

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Hot Spots

Von Juni bis November – Top-Highlights und Reminder für Cineasten und Filmschaffende in Stadt und Land.

Im Mai war die internationale Welt des Animationsfilms in Stuttgart zu Gast. Unser Rückblick zeigt, dass seit dem Cartoon Forum 2008 keinesfalls Stillstand herrschte. Teilnehmer und Veranstalter waren begeistert von den erstmals zeitgleich stattfindenden Events Internationales Trickfilm-Festival 2009, fmx/09 und Animation Production Day. Alle drei haben sich einen festen Platz im Terminkalender von Produzenten, Investoren und nicht zuletzt bei den Freunden des Animationsfilms erobert. Näheres lesen Sie in den Short Cuts. Die Kinostarts im Sommer und die kommenden Filmfestivals versprechen heiße Highlights. Bleiben Sie cool – bis unser nächstes Heft erscheint. Ihre Redaktion!

Mit der Serienförderung in Baden-Württemberg beschäftigt sich unser Leitartikel »Nicht nur sexy«. Er beleuchtet den Status quo und geht der Frage nach, welche Chancen sich für die Filmschaffenden hierzulande eröffnen können.

Mathias Trui, Nikolaus Weißenhorn, Oliver Zeller, Dieter Zimmermann Grafik und Layout Atelier Sternstein, Stuttgart Druck Leibfarth & Schwarz GmbH & Co.KG, Dettingen/Erms Anzeigen Birgit Schiffbauer-Jorde Anzeigen- und Redaktionsschluss 3/2009 1. Oktober 2009

Bildnachweis Die Fotos der MFG-geförderten Filme stellten uns freundlicherweise die Produzenten, Verleiher und Filmemacher zur Verfügung. Übrige Fotos Allegro Film, S. 2, 18 | Foto-Dienst des Medienzentrums Heidelberg, S. 3, 35 | Isis Hager, S. 13, 17 | Festival Der goldene Hirsch, S. 13 | SWR, S. 14 | Hanna Lippmann, S. 14 | Film Commission Region Stuttgart, Maren Hertzberg, S. 15, 16 | TANGRAM – Christian Bauer Filmproduktion S. 19 | CP BaB Productions GmbH & Co. KG, S. 21, 22 | Deutsche Filmakademie

e. V., S. 24 | Norah Allen, S. 25 | StM / Marjan Murat, S. 26 | Filmakademie Baden-Württemberg, S. 27 | Filmbüro Baden-Württemberg, S. 28 | Internationales Trickfilm-Festival 2009, S. 29, 31 | Sentilo Rieber, mediaproscience, Freiburg, S. 32 | Gerald Birkenstock, S. 33 | Tobias Wengert, S. 37 | Bernhard Schmitt/ ONUK, S. 38


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Close Up | Nicht nur sexy

CU

Ministerpräsident Günter H.

Nicht nur sexy Anschubförderung für TV-Serien

Oettinger und Minister Professor Dr. Wolfgang Reinhart haben den Etat für Produktionsförderung deutlich erhöht

»Eine für alle«: Lilli und ihre Kolleginnen sind voller Optimismus im Kampf um ihre Arbeitsplätze

MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer und Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster mit dem Team der »SOKO Stuttgart« und Produzent Oliver Vogel (rechts)

Harald Schmidt kann sich für einen Schauspieler kaum attraktiveres vorstellen, als in Stuttgart ermordet zu werden …

Der schwäbische Entertainer Winfried Wagner (links) und Karlheinz Hartmann in »Laible und Frisch«

»Ich freue mich schon sehr, dass ich das Projekt mit vielen Leuten realisieren kann, die ich persönlich kenne.« So bringt Frieder Scheiffele, Nachwuchsproduzent und Filmakademie-Absolvent auf den Punkt, was sich Medienminister Professor Dr. Wolfgang Reinhart erhofft haben mag, als er seine Kabinettskollegen Ende letzten Jahres von der Notwendigkeit einer deutlichen Anhebung des Etats für Produktionsförderung im Südwesten überzeugt hat. Denn Scheiffele gelingt es mit den seit Anfang Juni in Bad Urach und Umgebung laufenden Dreharbeiten für »Laible und Frisch«, hierzulande ausgebildeten Nachwuchs am Filmstandort Baden-Württemberg zu beschäftigen: Jeder Vierte – auch in den Key Positions wie Regie, Kamera, Schnitt – ist Absolvent der Filmakademie in Ludwigsburg. Zum Teil sind die Akteure zumindest für die Produktion der zunächst sechs geplanten Folgen der Mundart-Serie für den SWR nach Baden-Württemberg zurückgekehrt. Die neue ZDF-Krimiserie »SOKO Stuttgart« sorgt mit dafür, dass »Landeskind« Harald Schmidt in Stuttgart wieder eine Beschäftigung findet. Er ist davon überzeugt, dass »in Stuttgart – filmisch – ermordet zu werden, so mit das Attraktivste ist, was einem Schauspieler passieren kann«. Der Filmstandort stehe zwar noch am Anfang, aber Stuttgart sei nicht nur sexy, sondern »habe auch Kohle«, so der Entertainer. Mit seiner Gastrolle als Leiter einer psychiatrischen Klinik hat er für reichlich Presserummel gesorgt – und für einen gutgelaunten Minister. Nicht nur deshalb ist Reinhart davon überzeugt, dass von der Serie eine erfreulich hohe Wirkung für den Standort ausgehen wird. Sie setze überwiegend auf baden-württembergische Filmschaffende und -dienstleister, hob Reinhart beim Setbesuch im Stuttgarter Römerkastell hervor, wo auch schon die Jugendserie »Fabrixx« für den SWR produziert wurde. Nahezu der komplette Produktionsstab komme aus BadenWürttemberg. Die hiesigen Regisseure Gero Weinreuter und Didi Danquart inszenierten zunächst jeweils vier Folgen. Auch die komplette Postproduktionskette der Serie verbleibe in Baden-Württemberg – vom SWR (Kopierwerk) über die Firma Artus (Schnittsystem) bis zur Firma Dan-avd (Tonschnitt und Mischung). Das gesamte Produktionsteam bestehe aus rund 50 Personen, davon allein 40 aus BadenWürttemberg, erklärte der Minister. Die »SOKO Stuttgart« bietet vielen Absolventen der Ludwigsburger Nachwuchsschmiede Beschäftigung im Land. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum erklärten Ziel


Close Up | Nicht nur sexy

der im Dezember 2008 verabschiedeten neuen Filmkonzeption des Landes, den hier ausgebildeten Filmnachwuchs anschließend auch im Land zu halten. Dem im Auftrag des ZDF tätigen Produktionsteam der Bavaria Fernsehproduktion GmbH gehören sieben Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg an, darunter der Produzent Oliver Vogel und der Producer Torsten Lenkeit. In den Plänen, dass mit der Filmakademie in Ludwigsburg im Rahmen eines Masterseminars auch einige der Drehbücher für die Serie verfasst werden, sieht Bavaria-Geschäftsführer Matthias Esche den Kern des Beginns einer langfristigen Kooperation. Welche der verfilmten Vorlagen dann allerdings zum Start der neuen Krimireihe ab Herbst 2009 oder Frühjahr 2010 über den Bildschirm flimmert, ist noch offen. Gedreht wird für die ersten 20 Folgen noch bis Oktober in Stuttgart und Umgebung. Dies soll auch den Effekt bringen, dass der Südwesten künftig häufiger in den Wohnstuben sichtbar wird: Mit zahlreichen Außendrehs wird Stuttgart und seine Umgebung ins Bild gesetzt. Bei Dreharbeiten in der Innenstadt beispielsweise »stürmten« die von Astrid M. Fünderich verkörperte Leiterin und ihr SOKO-Team den »Palast der Republik«, eine bekannte Stuttgarter Szenekneipe. Das Engagement des Landes für die TV-Serien und die hierfür im Rahmen einer Anschubfinanzierung bereitgestellten Fördermittel von zusammen rund 3,5 Millionen können auch als effektive Wirtschaftsförderung verstanden werden: 23,4 Millionen Euro Umsatzvolumen sollen allein die ersten Folgen der »SOKO Stuttgart« bringen. Zusammen mit der ARD-Vorabendserie »Eine für alle – Frauen können’s besser« spricht Minister Professor Dr. Wolfgang Reinhart sogar von 30 Millionen Euro. Die beiden von der Bavaria produzierten Serien haben durchaus Gemeinsamkeiten: In den Hauptrollen wird nicht »geschwäbelt«. Damit der norddeutsche Zuschauer nicht an Sprachbarrieren scheitert, sprechen sowohl die Akteure der »SOKO Stuttgart« wie auch Lilli Lemke und ihre Mitstreiterinnen im Kampf gegen Renditewahn und Produktionsverlagerung hochdeutsch. Anders als bei der ZDF-Serie können allerdings bei »Eine für alle« aus produktionstechnischen Gründen derzeit noch wenige Filmschaffende aus der Region eingebunden werden. Der nahezu industrielle Herstellungsprozess setzt professionelle Erfahrung in der Produktion von täglich laufenden Serien voraus. Erste Einblicke in die hierbei notwendigen Abläufe können Studenten der Filmakademie zwar erhalten, eine professionelle Einbindung ist jedoch erst langfristig möglich. Langer Atem ist auch den ARD-Verantwortlichen zu wünschen, denn der Vorabendserie war bislang nicht der gewünschte Erfolg beschieden. Auf dem bekanntermaßen schwierigen

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»Eine für alle« v.r.n.l.: Lilli (Katharina Schubert), Bärbel (Yasmina Djaballah), Melanie (Anna Hoppendietz) und Yvonne (Katharina Kaali)

Sendeplatz um 18.50 Uhr startete »Eine für alle« zwar mit einem Marktanteil von 8,08 Prozent, hatte sich dann aber auf knapp 5 Prozent (rund 1,0 Mio. Zuschauer) eingependelt. Es ist kein Geheimnis, dass man sich auch bei der Bavaria eine höhere Quote erhofft hat, weshalb künftig mehr auf die Privatgeschichten der Figuren eingegangen werden soll. Mit dem Schwaben Jürgen Werner habe man die geeignete Person zur dramaturgischen Begleitung der in Ludwigsburg produzierten Serie gefunden, so BavariaGeschäftsführer Esche. Der ARD-Programmdirektor Volker Herres geht davon aus, dass noch rechtzeitig nachjustiert werden kann und sagte: »Ich denke, wir müssen die emotionale Wucht des Plots noch stärker und stimmiger herausarbeiten.« Dafür soll der serienerfahrene Jürgen Werner sorgen. Er arbeitet auch als Autor für die ZDF-Serie »SOKO Stuttgart« und hat über 100 Dialogbücher für »Marienhof« geschrieben. Jetzt hat er die zusätzliche Aufgabe, den Inhalt der Vorabendserie »Eine für alle« besser auf die Sehgewohnheiten der Vorabendzuschauer abzustimmen: weniger Probleme aus der Arbeitswelt, mehr von den Seelennöten der Protagonisten, ihren Beziehungen, Freuden und Ängsten. Bavaria-Sprecherin Christa Speidel erinnerte an das ebenfalls schlechte Anlaufen der Serie »Sturm der Liebe«, deren heutige Quoten gut seien. Die Bavaria glaubt also an den Erfolg. Für Baden-Württemberg ist es schon jetzt einer, denn selbst wenn die Serie im schlimmsten Fall nach 120 Folgen gestoppt werden sollte, werden deutlich mehr Mittel ins Land zurückgeflossen sein, als an Anschubfinanzierung geleistet wurde. Diese Anschubfinanzierungen für die drei TV-Serien aus den Mitteln der baden-württembergischen Filmförderung

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Close Up | Nicht nur sexy

Die »SOKO Stuttgart« wird dargestellt von Astrid M. Fünderich, Karl Kranzkowski, Nina Gnädig, Peter Ketnath (v.l.) und Benjamin Strecker (vorn)

sollen wie oben beschrieben nicht nur als bundesweite Werbung für das Land, sondern auch dazu dienen, im Südwesten langfristig Serienstrukturen aufzubauen und den Filmwirtschaftsstandort zu stärken. Die »SOKO Stuttgart« scheint diesbezüglich die stärkste Rolle zu spielen. Zuallererst weil die Zusammenarbeit mit Filmschaffenden aus der Region schon seit Drehstart sehr intensiv ist. Außerdem hat sich die ZDF-Krimireihe auf dem attraktiven Sendeplatz im ZDF über die Jahre zu so etwas wie einem Selbstläufer entwickelt. Aber auch weil der ZDF-Redaktionsleiter Klaus Bassiner »viele Jahre« in dem auf 1.600 Quadratmetern nachgebauten Polizeipräsidium im Stuttgarter Römerkastell bleiben will, das Produzent Oliver Vogel beim Rundgang mit dem Minister als größtes Studio für eine Krimiserie in Deutschland bezeichnete. Sollte dennoch bereits nach

20 Folgen Schluss sein, würde möglicherweise eine große Chance vergeben: Einer der Hauptprotagonisten ist der Neckar, wo der unangepasste Hauptkommissar Joachim »Jo« Stoll auf einem alten Feuerwehrboot wohnt. Der Fluss und sein Ufer haben es längst verdient, besser in Szene gesetzt zu werden, als dies den Stuttgartern bislang gelungen ist … Den ländlichen Raum und die schwäbische Mundart bringt die SWR-Serie »Laible und Frisch« ganz bewusst – und voraussichtlich zum Jahreswechsel – ins Südwestfernsehen. Der SWR-Intendant Peter Boudgoust verkündete im März bei der Jahrespressekonferenz seines Senders in Stuttgart die Entscheidung für die Koproduktion mit der in Dettingen/Erms angesiedelten Schwabenlandfilm GmbH. Mit der Produktion geht die SWR-Serienabteilung neue Wege in der regional verankerten Unterhaltung. Bundesweit erstmalig ermöglicht der SWR mit Unterstützung der MFG Filmförderung, dass ein an einer Filmhochschule entwickeltes Konzept für einen Mehrteiler seinen Weg direkt ins Fernsehprogramm finden kann. Die Idee für die Geschichten um den in schwäbischer Mundart geführten Kampf von Bäcker Laible gegen die norddeutsche Billig-Backkette Frisch entstand an der Filmakademie Baden-Württemberg. In dem Pilotfilm zur Serie wirkten viele bekannte Schauspieler wie Karlheinz Hartmann (»Hannes und der Bürgermeister«), Walter Schultheiß (»Oh Gott, Herr Pfarrer«), Bastian Braig (»Mäulesmühle«) sowie »Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle« mit. Auch hier entscheidet der Zuschauer, ob es nach zunächst sechs geplanten Folgen weitergeht. Chancen für den Filmstandort und seine Filmschaffenden bieten jedenfalls alle drei Serien. Die Politik hat – erstaunlich in den derzeit schwierigen Zeiten – hierfür die richtigen Schlüsse aus den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe Filmkonzeption gezogen und die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen: In einem ersten Schritt wurden die Filmfördermittel deutlich angehoben. Für 2010 ist eine weitere Erhöhung um 2 Millionen Euro und damit eine Verdoppelung des bisherigen Fördervolumens im Bereich der Produktionsförderung geplant. Die Filmförderung des Landes ist auf einem guten Weg, das in der neuen Filmkonzeption dargestellte Entwicklungskonzept für den Filmstandort BadenWürttemberg umzusetzen. Auf dem Bildschirm ist der Südwesten bald im Ersten, Zweiten und Dritten präsent wie nie. Text: Uwe Rosentreter

Walter Schultheiß am Set in Bad Urach


In Produktion

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Zimmer (AT)

»Brr, ist das kalt bei euch!« Fast jeder, der am Set zu Besuch war, begann den Rundgang mit eben diesem Satz, so auch MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer. Und sie hatte Recht. Es war der kälteste Februar seit mehr als zwanzig Jahren, den wir erwischt hatten, um den in Deutschland spielenden Teil von »Zimmer« zu drehen. In einer ehemaligen Druckerei im kleinen baden-württembergischen Ort Korb fanden wir ideale Bedingungen. Als wir das riesige Areal letzten Herbst anmieteten, hatte der heiße Sommer die Halle ordentlich aufgeheizt. Doch jetzt war Winter – und was für einer. Drei Monate zuvor hatten wir noch in Marokko gedreht: maritimes Klima, wunderschön. Karim Debbagh, Koproduzent unseres Filmes, hatte die zehn Drehtage in Tanger bestens vorbereitet. Jetzt waren wir wieder in Deutschland. Schauspieler und Team mussten sich sehr warm anziehen, denn die Temperatur in der Halle haben wir trotz immenser Heizkosten nie über »gefühlte 10 Grad Celsius« bekommen. Michael Drehers Regiedebüt »Zimmer« ist ein Psychothriller. Der 28-jährige Deutsch-Amerikaner Daniel (Nikolai Kinski) ist seelisch instabil, als er für ein paar Tage die leer stehende Wohnung seiner verstorbenen Großmutter bezieht. Während eines Aufenthaltes in Marokko, bei dem er sich von privater und beruflicher Misere erholen wollte, ist ein Junge ermordet worden, und Daniel fühlt sich mitschuldig an dem Verbrechen. Die Bilder aus Marokko lassen ihn auch in der neuen Umgebung nicht los. Harmlose Situationen drängen Daniel derart in die Defensive, dass er Vergangenheit und Gegenwart bald nicht mehr zu unterscheiden weiß …

Nicolai Kinski

Neun Wochen haben wir für den Studiobau benötigt und das Set, hergestellt von Anne Schlaich, hatte dann wirklich High-Budget-Format. Alle staunten über die Detailtreue in der komplett ausgestatteten »Wohnung« samt Hausflur und Treppenhaus, und auch Katharina Schüttler, die die weibliche Hauptrolle spielt, kam immer wieder ins Schwärmen. Sehr stolz waren wir auf unser Team: ein Baden-Württemberg-München-Mix von Filmschaffenden. Eine gute Kombination – und das nicht etwa nur, weil zum Drehschluss alle mit Weißbier anstießen. 18 Tage hatten wir für den Studiodreh geplant sowie zwei weitere Tage Außendreh in Stuttgart. Alles lief bestens, und auch Nikolai Kinski war immer hoch motiviert und sehr professionell. Er hat so gar nichts von seinem exzentrischen Vater, ist eher ein stiller Typ, mit dem man sehr gut arbeiten kann. Matthias Matschke und Judith Engel komplettierten das wunderbare Schauspielerensemble. Für den Verleiher Kinowelt eine gute Basis, um den Film im Kino zu platzieren. Ab März war der Film im Schneideraum und nichts erinnerte mehr an den kalten Februar. Wir sind uns alle sicher, dass sich das große Bibbern mehr als gelohnt hat. Im Juli wird »Zimmer« dann fertig sein. Text: Rüdiger Heinze

Buch | Regie: Michael Dreher Kamera: Ian Blumers Produktion: Zum Goldenen Lamm Filmproduktion GmbH & Co. KG Koproduktion: Starhaus Filmproduktion GmbH, arte, Kasbah Films Tanger, BR, HR Förderung: FFF Bayern, DFFF, Bundesministerium für Kultur & Medien, MFG

Katharina Schüttler

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In Produktion

Jürgen Rißmann (im Hintergrund), Eva Katrin Hermann und Thomas Wodianka

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Freed Pigs (AT)

Nach einer mehr als dreijährigen Entwicklungs- und Finanzierungsphase drehte die Karlsruher noirfilm (Produzent: Boris Michalski) in Koproduktion mit dem SWR/Debüt im Dritten und arte (Redaktion: Stefanie Groß bzw. Georg Steinert) den Kinofilm »Freed Pigs« von Tomasz Thomson. Die Dreharbeiten fanden vom 10. Februar bis zum 19. März 2009 in Loßburg bei Freudenstadt und in Karlsruhe statt. »Freed Pigs« ist eine schwarze Komödie über den Auftragskiller Walter, der einen Job richtig vermasselt hat und nun fluchtartig das Land verlassen muss. Gern nimmt er das Angebot an, das in den Karpaten gelegene Hotel von Unterweltboss Berger vor Schmugglern zu schützen. Als aber Bergers junge Ehefrau Sybille kurz nach Walters Ankunft »versehentlich« umkommt, wird aus dem Urlaubstrip mit viel Schnee und guter Luft ein Kampf ums Überleben.

Bildgestalter Ralf Mendle und noirfilm entschieden sich nach einigen Tests, die digitale RED-Kamera mit 4K-Auflösung und 35 mm-Ultra-Primes-Optiken einzusetzen. Zeitgleich zu den Dreharbeiten und direkt am Drehort begann die digitale Kino-Postproduktion mit der in Karlsruhe/Köln neu gegründeten und auf RED und digitales Kino spezialisierten Postproduktionsfirma WeFadeToGrey von Andre Paulssen und Swen Linde. »Das mobile Grading-Gerät SCRATCH kann direkt am Set die Belichtung und die Farbtemperaturen in Echtzeit und 4K-Auflösung bestimmen«, erklärt der Colorist Andre Paulssen, »außerdem hilft die On-Set-Betreuung und -Kontrolle dem Team, eine gewisse Restunsicherheit vor dem digitalen Workflow zu nehmen und alle Daten bereits am Set auf eventuelle Schäden zu kontrollieren«. So können nicht nur Datenfehler sofort erkannt und vor Ort behoben werden, sondern auch künftige Postproduktionszeit eingespart werden. Alle Drehdaten wurden zur weiteren Absicherung am Drehort auf zwei 16-TB-Raids und zum Schnitt auf zwei MacProRechner gespeichert. »Der erste MacPro ist für das Sichern der Kameradaten, die Erstellung der Schnitt-Rushes und den Layoutschnitt sowie die Tonverkopplung zuständig. Der zweite MacPro ist ausschließlich für die nächtliche Spiegelung des ersten Systems zuständig und dient als HavarieRechner«, so Andre Paulssen. Zusätzlich wurden die Daten als Back-up zu WeFadeToGrey nach Karlsruhe geschickt. Schnittassistent Aron Szabo konnte direkt am Set mit dem Layoutschnitt anfangen und gleich am Ende eines jeden Drehtages die Muster auf HD vorführen. Der Kinostart ist für Spätsommer oder Herbst 2010 geplant. Text: noirfilm-katzenPR, WeFadeToGrey

Buch | Regie: Tomasz Thomson Kamera: Ralf Mendle

Die mitwirkenden Schauspieler Jürgen Rißmann, Thomas Wodianka, Reiner Schöne, Walera Kanischtschef und Eva Katrin Hermann sowie das Team trotzten bei reichlich Schnee gemeinsam der Kälte: Loßburg und Umgebung boten während der Dreharbeiten optimale winterliche Bedingungen. Das Team um Szenenbildner Thorsten Sabel gestaltete aus dem alten Loßburger Sanatorium perfekt das Hauptmotiv – ein osteuropäisches Hotel. Monika Gebauer (Kostüme) und Eva Schubert (Maske) trugen zur stilsicheren Gestaltung bei.

Produktion: noirfilm filmproduktion GmbH & Co. KG Förderung: FFA, DFFF, MFG


In Produktion

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Auf Wiedersehen Tibet

Begonnen hat alles vor zehn Jahren mit dem Foto eines erfrorenen Mädchens im Himalaya: Der Anblick des Kindes in Verbindung mit dem Bericht eines Bergsteigers veranlasste die Regisseurin und Autorin Maria Blumencron, nach Tibet zu reisen. Die Frage, warum Eltern ihre Kinder über bis zu 6.000 Meter hohe Grenzpässe nach Indien ins Exil schicken, ließ sie nicht mehr los. Sie begann Nachforschungen anzustellen und schaffte es, Kontakt zum tibetischen Untergrund aufzunehmen. Kelsang Jigme, eine Legende unter den Fluchthelfern, nahm sie mit auf die gefährliche Reise über das höchste Gebirge der Welt. Das Vorhaben, die Flucht einer Gruppe filmisch zu dokumentieren, scheiterte dramatisch, als sie von der chinesischen Polizei aufgegriffen wurden. Maria Blumencron wurde ausgewiesen, Kelsang Jigme verschwand für über zwei Jahre in chinesischen Gefängnissen. Im Frühjahr 2009 kehrte Maria Blumencron für die Produktion des abendfüllenden Dokumentarfilms »Auf Wiedersehen Tibet« an den Grenzpass zurück. Seit dem ersten Kontakt mit dem Thema hatte sie die Fluchtbewegungen in zwei preisgekrönten Reportagen und Büchern dokumentiert. Es gelang ihr, Kinder auf dem Weg ins Exil zu begleiten, ihr neues Leben dort zu beleuchten und das Wiedersehen mit ihren Eltern zu filmen. Der von Jörg Bundschuh für KICK Film GmbH München mit ZDF und arte produzierte 90-minütige Dokumentarfilm schließt nun den Kreis. Gemeinsam mit sechs Flüchtlingskindern und dem Guide Kelsang Jigme stieg ein Kamerateam von nepalesischer Seite zum Grenzpass auf. Mit jedem Höhenmeter tauchte das Team tiefer in die Lebensgeschichte der Protagonisten ein, erfuhr von den Strapazen und dem Leid, das sie durchlebt hatten, aber auch von ihrer großen Hoffnung und dem Traum, einst in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Der Aufstieg über den Gletscher – eine Strapaze, auch für Regisseurin Maria Blumencron (unten)

Der logistische Aufwand und die körperlichen Anstrengungen der Produktion waren außergewöhnlich. Begleitet von einem Tross von zwanzig Helfern und Guides sowie acht Yaks dauerte allein der Aufstieg über zwei Wochen. Das unwegsame Gelände und die Temperaturen von nachts bis zu minus 30 Grad schränkten die Handlungsfähigkeit ebenso ein wie die Tatsache, dass es ab einer Höhe von 4.200 Metern keine festen Unterkünfte, sanitären Anlagen oder Elektrizität gab. Die Akkus der Kamera mussten über eine selbstgebaute Solaranlage geladen, gegen das Unterkühlen ständig am Körper getragen und nachts im warmen Schlafsack verstaut werden. Die letzten Tagesmärsche vor dem Pass musste das Equipment noch stärker reduziert werden, da die Yaks diesen Weg nicht mehr gehen konnten. Die Route durch das Gesteinsfeld einer Gletschermoräne, über Spalten und das blanke Eis des Gletschers zum Pass war für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung. Die Crew erlebte hautnah, welche extremen Belastungen die häufig erst sechs bis sieben Jahre alten Kinder auf ihrer Flucht durchstehen mussten. Trotz aller Widrigkeiten erreichte das Team unbeschadet den Pass und konnte die Dreharbeiten erfolgreich abschließen. Der Schnitt von Carmen Kirchweger wird Ende Juni abgeschlossen sein. Bevor Prokino »Auf Wiedersehen Tibet« in den Verleih bringt, ist die Teilnahme an den Dokumentarfilmfestivals von Leipzig und Toronto angestrebt. Text: Moritz Bundschuh

Buch | Regie: Maria Blumencron Kamera: Roland Wagner Produktion: KICK Film GmbH München Koproduktion: ZDF, arte Förderung: FFF Bayern, DFFF, EZEF, MFG

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In Produktion

Bilder der ersten Etappe von Michael Glawoggers Reise zu den Prostituierten dieser Welt

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Whores’ Glory

Seit Jahren plant der Regisseur und Autor Michael Glawogger (»Workingman’s Death«, »Das Vaterspiel«) eine Dokumentation über Prostituierte. »Whores’ Glory« erzählt im Rahmen einer filmischen Reise von Bangladesch über Thailand, Mexiko und Nepal bis nach Wien Geschichten, die um das Leben einzelner Frauen kreisen. In einem Bericht für die FilmFacts schildert uns Michael Glawogger die langwierigen und komplizierten Dreharbeiten eines ersten Teils, der bereits in Bangladesch gefilmt wurde. Die Dreharbeiten an weiteren Stationen des Projektes, das Ende 2009 beendet sein soll, sind in Vorbereitung.

Tagen Fotos machen von diesem ungeheuerlichen Vorgang, um sie der Welt zu zeigen. Was wir dann auch taten. Die Welt bestand zwar nur aus einer lokalen Zeitschrift sowie einigen Magazinen und Ausstellungen, aber das Ereignis wurde dokumentiert. Die Polizei stellte sich in diesen Tagen vor die Prostituierten und verhinderte das Schlimmste. Zwei Jahre später kamen wir zurück mit Abzügen von all den Fotos, die wir damals gemacht hatten. Wir dehnten unsere Recherche auf weitere Bordelle in der Umgebung aus und gewannen das Vertrauen der Puffmütter. Es sollte noch Monate dauern, bis durchgedrungen war, dass wir einen Film über die Frauen zu drehen gedachten, und dann noch einmal Monate, bis wir in Faridpur zwölf Tage lang mit unseren Kameras ein- und ausgehen konnten. Immer noch fiel, wie an jenem ersten Abend, jede Nacht das Licht aus, und wie an jenem ersten Abend ging ein Raunen durch die Frauen und bald auch durch unser Team. Ich war immer nervös ob der verlorenen eineinhalb Stunden, doch bald bemerkte ich, dass das Team diese wohlverdiente Pause liebte. Außerdem war es eine Zeit, in der sich alle entspannten. Die Freier kamen und gingen unerkannt, man aß, trank, lachte und erzählte Geschichten. Bald war es umgekehrt: Alle erschraken, wenn das Licht wieder anging und die übliche Geschäftigkeit einsetzte. Text: Michael Glawogger

Buch | Regie: Michael Glawogger unter Mitarbeit von

Die Geschichte begann 2006 mit einer Reise nach Bangladesch. Ich hatte schon viel gehört von den Bordellen, die es dort geben sollte – von Doulodia, Tangail, Faridpur oder Jessore. Wir brachen nach Tangail auf – eine halbe Tagesreise von der Hauptstadt entfernt. Unsere Hoffnungen, das Bordell überhaupt betreten, geschweige denn Fotos machen zu können, hielten sich in Grenzen. Der Abend, an dem wir ankamen, war schwül und heiß, und man konnte in der ganzen Stadt eine aggressive Stimmung spüren. Das Bordell, das wir aufsuchten, um sofort mit unserer Arbeit zu beginnen, ist eine Art Ghettosiedlung für Prostituierte, in der an die dreitausend Mädchen, Frauen und Bedienstete leben. In dem Augenblick, als wir in den langen schmalen Gang einbogen, in dem die Mädchen auf ihre Freier warten, fiel, wie in den meisten Nächten in Bangladesch, das Licht aus. Durch ein Stimmengewirr, durch Hände, die an uns zerrten, und Kerzenlichter, die da und dort aufflackerten, wurden wir zur Chefin geführt. Sie musterte uns misstrauisch und meinte dann, dass wir uns gleich nützlich machen könnten. Die Muslimgemeinde der Stadt habe vor, sie alle zu vertreiben, da sie eine Schande wären. Wir sollten in den nächsten

Pepe Danquart Kamera: Wolfgang Thaler Produktion: Quinte Film Freiburg, Lotusfilm Wien Koproduktion: ZDF, ORF Förderung: DFFF, ÖFI, Filmfond Wien, Eurimage, MFG


In Produktion

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Hat kaum ein Hollywood-Vorbild ausgelassen: Yesilçam, Vorreiter in Sachen Patchworking und Sampling

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Remake, Remix, RipOff

Regisseur Cem Kaya drehte in Istanbul für die Ludwigsburger teamWorx-Dependance eine Dokumentation über Copy Culture und Turkish Pop Cinema. Produzent ist Jochen Laube in Koproduktion mit ZDF/ Das Kleine Fernsehspiel. »Remake, Remix, RipOff« ist ein Film über das türkische Mainstreamkino der 1960er- und 1970er-Jahre, genannt Yesilçam (Yeschill-tschamm). Yesilçam, verankert im kollektiven Bewusstsein aller Türken, ist vergleichbar mit dem Bollywood-Kino. Schätzungen zufolge sind in einem Zeitraum von 30 Jahren 6.500 Kinofilme quer durch alle Genres produziert worden: Melodramen, Abenteuerfilme, Western, Superhelden-Adaptionen, Science-Fiction und Erotikfilme bis hin zu Hardcore-Pornos. Mit nur einer Handvoll Drehbuchautoren und Regisseuren, die unter archaischen Umständen einen unersättlichen nationalen Markt bedienen mussten, versuchte Yesilçam – strikt den Gesetzen des Profits folgend – der immensen Nachfrage durch immergleiche Formeln gerecht zu werden. Deswegen adaptierten, kopierten und beklauten die türkischen Filmemacher meist ihr großes Vorbild Hollywood. Es gibt wohl kaum einen Hollywood-Blockbuster dieser Epoche, der kein türkisches Pendant hätte. Yesilçam – begünstigt durch laxe türkische Urheberrechtsgesetze – produzierte am laufenden Band Remakes, vermengte Elemente europäischer wie amerikanischer Pop-Kultur mit eigenen kulturellen Kodizes und war somit Vorreiter in Sachen Patchworking und Sampling, heute gängige globale Kulturpraxis. Einer starren Zensur unterworfen, strengen Importeinschränkungen auf Filmnegative ausgesetzt und ausgestattet mit Equipment aus den 1940er-Jahren produzierte die Traumfabrik Yesilçam bis in die 1980er hinein unglaublich populäre Filme – voller Achsensprünge (ContinuityFehlern), unglaubwürdiger Plots und hanebüchener Special Effects. Warum also verschmähte der türkische Zuschauer

»Superman« und bevorzugte stattdessen seinen anatolischen Klon »Süper Adam«? Der Regisseur Cem Kaya, Absolvent der Stuttgarter Merz Akademie, der mit eben diesen Yesilçam-Filmen aufwuchs, hat mit Regie-Altmeistern, Produzenten, Schauspielern, Kinobetreibern, Filmwissenschaftlern, Soziologen und zeitgenössischen Filmemachern in Istanbul rund 50 Gespräche geführt, um sich der turbulenten Kinogeschichte des Landes zu nähern und darüber ein soziokulturelles Porträt der Türkei jener Tage zu zeichnen. Im Laufe der langjährigen Recherchen auch in anderen Ländern bestätigte sich die These, dass das populäre Kino meist ungewollt durch bewusste Ausblendung oder bisweilen affirmative Trivialisierung zeitgenössischer Themen den Zeitgeist einer Epoche zu konservieren vermag. Mit einem Team Istanbuler Filmstudenten durchkämmt der Regisseur im Sommer 2009 eine Auswahl von ca. 1.000 Filmen, auf der Suche nach aussagekräftigen Filmzitaten, um auf diese Weise die Geschichte des Yesilçam-Kinos erzählen zu lassen. So sagt zum Beispiel der Held im türkischen Remake von »Lovestory« (»Ask Hikayesi«, Nejat Saydam, 1971) in einer Liebesnacht zu seiner Geliebten: »Wenn ich den Ausdruck in deinen Augen in Worte fassen wollte, würde es die Zensur herausschneiden«, und thematisiert dadurch beiläufig die repressive Praxis, der die Filmschaffenden in der Türkei unterlagen. Gedreht wurde »Remake, Remix, RipOff« mit einem jungen türkischen Filmteam. Die Postproduktion findet in Stuttgart und Istanbul statt, Cem Kaya schneidet den Film selbst. Für Ende des Jahres 2009 ist die Fertigstellung geplant. Text: Cem Kaya, Jochen Laube

Buch | Regie: Cem Kaya Kamera: Meryem Yavuz Produktion: teamWorx Television & Film GmbH, Jochen Laube Koproduktion: ZDF / Das Kleine Fernsehspiel, Redaktion: Frank Seyberth Förderung: MFG

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In Produktion

Jessica Schwarz

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El Niño (AT)

Während eines Zwischenstopps auf einer Reise nach Chile erkennt die 31-jährige Maria (Jessica Schwarz) in Buenos Aires ein Kinderlied wieder. Maria spricht kein Wort Spanisch. Ohne zu verstehen, was sie gerade singt, erinnert sie sich an den spanischen Liedtext. Verstört und aus der Bahn geworfen, unterbricht sie ihre Reise und irrt durch die fremde Stadt. Als sie ihrem Vater Anton (Michael Gwisdek) von den Erlebnissen berichtet, beichtet er ihr, dass sie während der Militärdiktatur in Argentinien geboren wurde, dann aber bei ihm als Adoptivvater in Deutschland aufwuchs. Maria macht sich auf die Suche – nach der eigenen Identität, nach ihrer argentinischen Familie. Sie erfährt, dass ihre wahren Eltern zu den »Desaparecidos«, den während der Militärdiktatur verschwundenen Menschen, gehören. Was sie beim Wiedersehen mit einer Tante erfährt,

die 27 Jahre nach ihr gesucht hat, stellt das Verhältnis zu ihrem Adoptivvater auf eine harte Probe. Regisseur Florian Cossen stieß während seines Auslandsaufenthalts an der Universidad del Cine in Buenos Aires auf die Geschichte der rund 500 geraubten Kinder der »Desaparecidos«. Fremde Familien nahmen die Babys auf, manche Kinder gerieten ins Ausland. In vielen Fällen weiß man bis heute nichts über deren Aufenthalt. »El Niño« erzählt die Geschichte zweier Menschen, die eine große Familienlüge verbindet. Sie ist verknüpft mit der Geschichte Argentiniens, erzählt aus dem Blickwinkel einer jungen Deutschen, die wie die meisten ihrer Generation keine Ahnung davon hat, was dort in den späten 1970erJahren passierte. Im Konflikt zwischen der leiblichen Familie und dem vermeintlichen Vater ist nichts schwarz oder weiß. Die Protagonistin Maria findet sich plötzlich zwischen Anton, der ihr immer ein toller Vater war, und ihrer wahren Familie, von der sie ein Leben lang gesucht wurde, deren Kultur und Sprache sie aber nicht kennt und nicht teilt. In Koproduktion mit der Filmakademie Baden-Württemberg, dem Bayrischen Rundfunk, dem Südwestrundfunk und unterstützt von der MFG Filmförderung fiel im Februar nach monatelanger Vorbereitung der Startschuss für die teamWorx-Produktion. Die Dreharbeiten in Buenos Aires dauerten 40 Tage. Am Set herrschte ein wilder Sprachenmix aus Spanisch, Englisch und Deutsch. Es war eine besondere Herausforderung, die richtige Mischung aus deutschen und argentinischen Teammitgliedern und Schauspielern zu finden. Doch gemeinsam mit der argentinischen Serviceproduktion Mateina Producciones konnte ein tolles Team zusammengestellt werden, und die Dreharbeiten verliefen sehr gut. Neben dem Hauptdreh in der argentinischen Millionenmetropole Buenos Aires bildeten Ludwigsburg und Stuttgart an zwei Drehtagen die Kulisse des Dramas. Die Postproduktion begann bereits parallel zu den Dreharbeiten. Für Cutter Philipp Thomas ebenso wie für Producer Fabian Maubach und Regisseur Florian Cossen handelt es sich bei »El Niño« um den Abschlussfilm für das Diplom an der Filmakademie Baden-Württemberg. Text: Fabian Maubach, Victoria Eglau, Jochen Laube

Buch: Elena von Saucken Regie: Florian Cossen Kamera: Matthias Fleischer Produktion: teamWorx Television & Film GmbH, Jochen Laube, Fabian Maubach Koproduktion: BR, SWR, Filmakademie Baden-Württemberg Förderung: MFG


In Produktion

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audio-visuelle Weiterentwicklung des klassischen Production Guides. Zum anderen kann man sich auf einer Unterhaltungs- und Informationsebene mit Kurzfilmen und Musikvideos unterhalten lassen oder auch Berichte aus Wissenschaft und Bildung ansehen. Weiterer zentraler Programmpunkt des Branchentreffs der FilmCommission MRN am 30. Juni ist die Filmförderung durch die MFG. Karin Franz (Drehbuchförderung) und Oliver Zeller (Produktionsförderung) stellen den Filmschaffenden die Landesförderung vor und stehen für Fragen zur Verfügung. Festivalfinale in Heidelberg

www.filmcommission-mrn.com | www.3klang.tv (ab 30.6.2009)

Aus den Regionen

Best-of-DVD »Bermuda-Shorts«

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Ende Juni wird die von der FilmCommission MRN produzierte DVD »Bermuda-Shorts« erhältlich sein, auf der die besten Filme der Festivals Girls Go Movie, clipaward, Zum Goldenen Hirsch und B-Seite zu sehen sind.

FC Metropolregion Rhein-Neckar

Underground auf der Pirsch Vom 10. bis 12. Juli 2009 findet die seit September 2007 laufende Festivalreihe Zum Goldenen Hirsch ihren krönenden Abschluss im »Endhirsch«: Aus anfangs über 100 Kurzfilmen der Untergrund- und Nachwuchsszene in der Region wählte das Publikum 15 Gewinnerfilme, die beim sogenannten Endhirsch-Finale im Heidelberger Karlstorkino nochmals gegeneinander antreten. Es geht sowohl um die Gunst des Publikums wie auch die einer Fachjury – Trophäen im Wert von 2.000 Euro sind zu vergeben. Der Wettbewerb wird begleitet von Workshops, einem Musikvideowettbewerb und einem hochwertigen Programm mit international prämierten Kurzfilmen, DJ’s und Visuals. Die FilmCommission Metropolregion Rhein-Neckar unterstützt das Festival, das ein wichtiger Baustein der Nachwuchsarbeit ist. www.karlstorkino.de

Neuer audio-visueller Production Guide Am 30. Juni 2009 startet die neue Internetseite www. 3klang.tv. Dieser Internet-Video-Channel soll die Besucher auf zwei Ebenen ansprechen. Zum einen auf der B2B-Ebene, wo Filmschaffende der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) sich mit einem Showreel und zusätzlichen Informationen präsentieren können – insofern handelt es sich um eine

Bloggertreff im Haus überm See

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FC Bodensee-Oberschwaben

Jugendserie »dasbloghaus.tv« in Produktion Im Mai fiel am Bodensee die erste Klappe für die neue Jugendserie »dasbloghaus.tv«. Auftraggeber sind der BR, der SWR und der KiKa. Ausgeführt wird die Produktion von Saxonia Media GmbH Leipzig. Einer der Drehorte ist das am württembergischen Bodenseeufer gelegene Langenargen. Den Anfang machte ein großes Casting, das die Film Commission Bodensee-Oberschwaben mit Rat und Tat unterstützt hat: Von der Anmietung der Inselhalle Lindau beim zuständigen Stadtmarketing, über den Presse-

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In Produktion

empfang, bis zur Einweihung jugendlicher Protagonisten und besorgter Eltern war die FilmCommission unterstützend in Aktion. Beim Casting mit 700 erwartungsvollen, zum Teil von weit her angereisten Jugendlichen, wurden 80 Bewerber ausgewählt. Casterin Karimah El-Giamal war begeistert, dass sie die Rollen nach Einzelgesprächen, Rollenspielen und Fototerminen hervorragend besetzen konnte. Die Film Commission Bodensee-Oberschwaben erhofft sich durch den Umfang des Projekts und die lange Drehdauer einen Schub für die Region, zumal viele »einheimische« Schauspieler beteiligt sind und ein breites Spektrum an lokalen Dienstleistern einbezogen wird. Isis Hager verspricht: »Unsere gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunalorganen und Vereinen sichert das Gelingen. Insgesamt ein positiver Impuls für den Tourismus!« »dasbloghaus.tv« dreht sich um das, was viele 11- bis 16Jährige bewegt: das altersbedingte emotionale Auf und Ab und den Spagat zwischen realer und virtueller Welt. Das Medium Internet bestimmt die Handlung mit, im Mittelpunkt stehen Sofie und ihr Internet-Blog. Ab 2010 sollen die Episoden um 20.15 Uhr im KiKa ausgestrahlt werden. www.filmregion.de

Autorin Susanne Schneider (2.v. l.) erhielt 2008 den Thomas Strittmatter Preis für »Es kommt der Tag«. Bei der Verfilmung (u. a. mit Iris Berben) führte sie selbst Regie (Kinostart am 27. August)

ten« für die ausgezeichnete Zusammenarbeit zu bedanken. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichtsmedizin, Motivgeber, Castingbüro und andere Dienstleister freuten sich über das Zusammensein. Regisseur Didi Danquart schilderte in den FilmFacts 3 |08 (AT: »Ganz unter uns«) die Dreharbeiten. Am 7. Juni wurde der auf einem Drehbuch von Susanne Schneider beruhende Tatort »Im Sog des Bösen« im Ersten ausgestrahlt. www.filmregion.de

Roter Teppich für den Tatort IP

Über 1.000 Gäste strömten auf Einladung des SWR in die Stadthalle Singen, um die Preview des Klara-Blum-Tatortes »Im Sog des Bösen« zu erleben. Der Regisseur Didi Danquart, selbst aus Singen, und die Darsteller, allen voran Eva Mattes und Sebastian Bezzel, waren zum Greifen nah. Die Film Commission Bodensee-Oberschwaben, die seit acht Jahren und 17 Folgen die Dreharbeiten begleitet, nahm die Veranstaltung zum Anlass, sich als Ansprechpartner vor Ort zu präsentieren und sich bei langjährigen »Verbünde-

Oscar für Lichttechnik nach Weingarten

Die prestigeträchtigste Auszeichnung der Filmindustrie fand 2009 in der Kategorie Wissenschafts- und EntwicklungsOscar einen Platz am Bodensee. Volker Schumacher, Geschäftsführer der Opsira GmbH in Weingarten, wurde in Los Angeles mit dem Scientific and Engineering Award from the Academy of Motion Pirctures Arts and Sciences (AMPAS) ausgezeichnet – für die lichttechnische Entwicklung des Arrimax 18/12 HMI-Filmscheinwerfers. Schumacher erhielt den Award zusammen mit den Projektpartnern der Firma Arri (Erwin Melzner, Timo Müller), dem Weltmarktführer in professioneller Filmbeleuchtung. Die Auszeichnung sei umso erfreulicher, kommentierte Schumacher, da seit 2004 keine Prämierung mehr für eine Errungenschaft im Bereich der Lichttechnik vergeben wurde. www.filmregion.de

Das beliebte Tatort-Ermittlerduo Eva Mattes und Sebastian Bezzel in »Im Sog des Bösen«


In Produktion

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FC Region Stuttgart

Ausgeleuchtet im Kreativraum Stuttgart An sieben Tagen im Mai stand die Landeshauptstadt ganz im Zeichen der Kreativwirtschaft. Im Kreativraum Stuttgart wurden bestehende Veranstaltungen wie das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart und die fmx/09 gebündelt mit der Pop-Open Stuttgart sowie aktuellen Kongressen. Auch die Film Commission Region Stuttgart war dabei: Am 9. Mai konnten interessierte Besucher an einem Studiobesuch mit Werkstattgespräch beim Stuttgarter Animations-/VFX-Studio Unexpected teilnehmen. Dort wurde u. a. der neue Bifi-Werbespot präsentiert, der in der Münchener Allianz-Arena mit Fußballprofi Bastian Schweinsteiger gedreht wurde. Und im Rahmen der »Blauen Stunde« ging es ans Filmset der neuen ZDF-Serie »SOKO Stuttgart«, wo Producer Torsten Lenkeit und Produktionsleiter Rolf Steinacker mit den rund 50 filminteressierten Teilnehmern ins Gespräch kamen. Hier, in der ehemaligen Reithalle am Stuttgarter Römerkastell, konnten die auf einer Studiofläche von fast 2.000 qm aufgebauten Kulissen begutachtet werden, die in der Serie eine Rolle spielen, darunter das Polizeipräsidium, die Gerichtsmedizin und eine Krankenstation. Für Staunen sorgte auch der außergewöhnliche Nachbau des Hausbootes am Neckar, in dem der unangepasste Ermittler Joachim »Jo« Stoll wohnt.

Filmschau-Gewinner 2008 in der Kategorie Dokumentation: »Hochburg der Sünden«, Volker Lösch

www.film.region-stuttgart.de | www.kreativraum-stuttgart.de

von der Scriptberatung, über Kamera- und Lichtverleih, bis hin zur Bildretusche, Schnittstudio, Sounddesign und Titelanimation. Im Jahr 2008 wurden Leistungen im Wert von rund 80.000 Euro in den drei Kategorien Kurzspiel-, Dokumentar- und Animationsfilm vergeben. Nun trafen sich Preisträger und Preisstifter in den Räumen der Film Commission Region Stuttgart, um neue Projekte zu erörtern, mit denen die Nachwuchsfilmer an den Standort »angedockt« werden sollen. 2008 war Thomas Lauterbach für seinen Film »Hochburg der Sünden« ausgezeichnet worden, in dem er die MedeaInszenierung von Theaterregissseur Volker Lösch dokumentiert.

Förderpreis-Treffen nach Filmschau

Stuttgart in Cannes 2009

Seit 2002 wird jährlich zur Filmschau der Förderpreis der baden-württembergischen Filmindustrie verliehen. Er speist sich aus Sachleistungen der regionalen Filmunternehmen, die das gesamte Spektrum der Filmherstellung abdecken

Vom 13. bis 24. Mai präsentierte die Film Commission den Filmstandort Region Stuttgart während der Internationalen Filmfestspiele in Cannes: In Kooperation mit dem European Film Commissions Network (EUFCN) war sie am gemeinsamen Messestand im Marché du Film präsent. Zusammen mit den German Film Commissions richtete sie ein Gettogether im German Pavillon aus. Hier konnten sich internationale Produzenten und Regisseure über den Service der Film Commissions informieren, mit dem die regionale Infrastruktur effektiv genutzt werden kann und Filmproduktionen hervorragend Zeit und Kosten sparen. www.eufcn.org | www.location-germany.de

Set von »SOKO Stuttgart«: Die Polizeiwache ist im Römerkastell aufgebaut

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In Produktion

Together for your film

Einer der zahlreichen SOKO-Außendrehs in der Stuttgarter Innenstadt

Ordnungsamt am »SOKO«-Set

Film Laboratory | Videopostproduction Visual Effects | Titles | Digital Intermediate | Separation Mastering Archiving | Digital Cinema Mastering Sound | Cinema

Zum Ende des ersten Drehblocks der neuen ZDF Krimi-Serie »SOKO Stuttgart« lud der Produktionsleiter Rolf Steinacker einige Vertreter der städtischen, für Drehgenehmigungen zuständigen Behörde ein. Im Studio im Römerkastell konnten sich die Mitarbeiter des Stuttgarter Amtes für öffentliche Ordnung (AföO) einen informativen Einblick verschaffen: In der SOKO-Produktion werden mehr als zehn Studiokulissen jeweils mit Außenaufnahmen verknüpft. Insgesamt werden mehr als 50 Prozent der Sendezeit der Vorabendserie außerhalb der Studios hergestellt. Das AföO ist generell bei Außenmotiven zuständig, die im Stadtgebiet Stuttgart den Schauplatz des jeweiligen Drehs abgeben. Während des Treffens wurden die bisher gemachten Erfahrungen in der Zusammenarbeit ausgetauscht und für die Zukunft optimiert. Die »SOKO Stuttgart« wird bis Herbst 2009 vorerst 20 Folgen in der Stadt drehen. www.film.region-stuttgart.de

Marianne Gassner geht und Christian Dosch kommt SCHWARZFILM Schweiz (Bern, Zürich) Phone +41 31 938 11 11 www.schwarzfilm.ch

SCHWARZFILM Ludwigsburg Phone +49 7141 125 590 www.schwarzfilm.de

ARRI Film & TV München Phone +49 89 3809-2244 www.arri.de/film_tv

ARRI Schwarzfilm Berlin Berlin Phone +49 30 4081785-0 www.schwarzfilm.de

In der Film Commission Region Stuttgart gibt es am 1. August 2009 einen Stabwechsel. Marianne Gassner verlässt nach knapp elf Jahren diese Abteilung der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Sie übergibt die Leitung an Christian Dosch und wendet sich weiteren projektbezogenen Aufgaben zu. Christian Dosch ist Absolvent der Hochschule der Medien Stuttgart und war die letzten Jahre erfolgreich überregional (bei Münchner und Berliner Filmproduktionen) als Location Manager tätig. www.filmregion-stuttgart.de

THE BEST SUPPORT YOUR VISION CAN GET


In Produktion

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FC Baden-Baden/Karlsruhe

Anfragen aus aller Welt Immer öfter fällt die Klappe in der eleganten Bäderstadt und im Nordschwarzwald bis hin zur Technologie Region Karlsruhe seit der Gründung der FilmCommission BadenBaden/Karlsruhe im Jahr 2008. In Kooperation mit dem Filmboard Karlsruhe e.V. wurden etwa 260 Locations erfasst und können nun von der neuen Location-Datenbank abgerufen werden. Ein Beispiel für die Aktivitäten der FilmCommission ist der von ihr betreute und von der MFG Filmförderung unterstützte Kinofilm »Im Sog der Nacht«, eine deutsch-schweizerische Koproduktion, die im Mai ihren bundesweiten Kinostart hatte. Hoch erfreut sind die Location-Profis der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH über eine anstehende chinesische und eine indische Filmproduktion. In enger Zusammenarbeit mit der MFG Filmförderung findet am 24. und 25. September eine Location Tour mit dem Titel »Fächerstadt Karlsruhe und Umgebung – Drehorte aufgefächert« statt (siehe auch Seite 38). www.film.badenbaden.com

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Arbeitstreffen der Film Commissions in Baden-Baden

Bei dem halbjährlichen Arbeitstreffen der sechs badenwürttembergischen Film Commissions (Rhein-Neckar, Baden-Baden/Karlsruhe, Region Stuttgart, Freiburg, Bodensee-Oberschwaben und Ulm) am 21. April 2009 berieten die TeilnehmerInnen u. a. über ihren neuen gemeinsamen Auftritt unter dem Motto Filmland Baden-Württemberg. Die badischen Kolleginnen hatten am Rande des Filmtheaterkongresses Kino 2009 zu der Zusammenkunft im Kurhaus Baden-Baden eingeladen. Die Beratungen wurden bei einer 2-PS-starken Stadtrundfahrt fortgesetzt und am Abend beim Kongress-Empfang erfolgreich beendet.


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Der Spur des Geldes folgte »Let’s make money« …

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Deutscher Dokumentarfilmpreis geht an »Let’s make money«

Am Abend des 18. Juni 2009 wurde erstmals der Deutsche Dokumentarfilmpreis vergeben. Die aus dem Baden-Württembergischen Dokumentarfilmpreis hervorgegangene Auszeichnung wird alle zwei Jahre vergeben. Minister Professor Dr. Wolfgang Reinhart und SWR-Intendant Peter Boudgoust nahmen die Preisverleihung im Rahmen der Branchenveranstaltung DOKVILLE vor. Im Vorfeld sagte Minister Reinhart: »Dokumentarfilme haben eine lange und reiche Tradition in Baden-Württemberg. Mit dem besonderen Engagement des Südwestrundfunks und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie dem Haus des Dokumentarfilms als ausgewiesenem Kompetenzzentrum sind wir hier hervorragend aufgestellt. Nicht zuletzt trägt die exzellente Dokumentarfilmausbildung der Filmakademie Baden-Württemberg dazu bei, den klassischen Dokumentarfilm zu pflegen und weiterzuentwickeln. Schon bei der letzten Preisverleihung hat sich anhand der eingereichten Filme gezeigt, dass der Preis auf internationale Resonanz stößt. Das freut mich nicht nur als Medienminister, sondern auch als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Die Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises in Ludwigsburg mit einem Preisgeld von insgesamt 25.000 Euro unterstreicht die Bedeutung des Dokumentarfilms und ist eine der Säulen des Filmstandorts BadenWürttemberg.«

… rund um den Globus – bevor die Finanzkrise begann

Im Wettbewerb um den Hauptpreis in Höhe von 20.000 Euro konnte sich die aufrüttelnde Dokumentation »Let’s make money« des Österreichers Erwin Wagenhofer durchsetzen. Er schildert die Auswirkungen privater Geldvermehrung durch einige skrupellose Finanzdienstleister und Investmentbanker mittels immer komplexerer Finanzierungsmodelle. Wagenhofer hatte schon in »We Feed the World – Essen global« weltweite wirtschaftliche und finanzielle Verflechtungen am Beispiel der Ernährung publikumswirksam aufgezeigt. Den Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro, gestiftet vom Haus des Dokumentarfilms, konnte Alexander Riedel für seine Dokumentation »Draußen bleiben« in Empfang nehmen. Volker Koepp erhielt den Preis der Stadt Ludwigsburg in Höhe von 2.000 Euro für seinen Film »Holunderblüte«. Weitere sieben Dokumentarfilme waren für die Endrunde nominiert: »Achternbusch« von Andi Niessner (Deutschland/Österreich 2008), »Das Herz von Jenin« von Marcus Vetter und Leon Geller Deutschland/ Israel 2008), »Lenin kam nur bis Lüdenscheid« von André Schäfer (Deutschland 2008), »Nobody’s perfect« von Niko von

Glasow (Deutschland 2008), »Sag’ mir, wo die Schönen sind« von Gunther Scholz (Deutschland 2008), »Wir sind schon mittendrin« von Elmar Szücs (Deutschland 2008) sowie »Sonbol« von Niko Apel (Deutschland 2008). Das MFG-geförderte Portrait einer iranischen Ralleyfahrerin des Filmakademieabsolventen Niko Apel, realisiert von der Ludwigsburger sommerhaus filmproduktion (Jochen Laube), wurde mit dem FIRST STEPS Award 2008 und im April 2009 mit dem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet. »Das Herz von Jenin« des Regieduos Marcus Vetter aus Stuttgart und Leon Geller aus Israel wurde nach seiner Europapremiere in Locarno im Rahmen von »Cinema for Peace« als »Wertvollster Dokumentarfilm« gewürdigt und hatte am 7. Mai seinen bundesweiten Kinostart. Die Jury bestand aus Alfred Holighaus (Internationale Filmfestspiele Berlin), Reiner Brückner (Publizist und Kritiker), Marcel Wehn (Filmautor), Martina Zöllner (SWR), Tamara Trampe (Filmautorin), Gabriele Röthemeyer (MFG Filmförderung Baden-Württemberg) und Wilhelm Reschl (Haus des Dokumentarfilms).


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DOKVILLE 2009

Der diesjährige vom Haus des Dokumentarfilms (HDF) mit Unterstützung der MFG Filmförderung organisierte Branchentreff steht unter dem Motto »Erfolg am Medienmarkt! Der Dokumentarfilm, das Geld und die Dramaturgie«. In einem der Schwerpunktthemen geht es um nationale und internationale Finanzierungsmodelle. Wilhelm Reschl, Leiter des HDF, konnte im Vorfeld der Veranstaltung den Produzenten Christian Bauer (tangram film, München) für die FilmFacts zu dem in Großbritannien bestehenden Recht der »Terms of Trade«befragen. Welche Vereinbarungen hat die britische Produzentenvereinigung (Pact) mit den Fernsehsendern geschlossen? Christian bauer: Die britische Regierung hatte Ende der 1990er-Jahre erkannt, dass die Film- und Fernsehproduktion einen wichtigen Wirtschaftsfaktor mit hohem Entwicklungspotenzial darstellt. Gleichzeitig stellte sie fest, dass die unabhängigen Produzenten durch die restriktive Vertragsgestaltung der auftraggebenden Sender in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung behindert wurden. Um diesen Zustand zu beenden und um die Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten auch international zu erhöhen, einigte man sich auf zwei Maßnahmen: Erstens wurden die Rechte, die die public broadcaster erhielten, auf den Kernbereich ihres Sendeauftrags reduziert. Die Sender bekommen nur die Erstausstrahlungsrechte im United Kingdom (UK) mit drei Sendungen innerhalb von fünf Jahren, verbunden mit einer Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre. Diese Rechte kann der auftraggebende Sender nur innerhalb der Senderfamilie auswerten. Bei Verkäufen durch den Produzenten ins Ausland ist der Wilhelm Reschl:

Wilhelm Reschl leitet das

Produzent Christian Bauer von

Haus des Dokumentarfilms

tangram film, München

auftraggebende Sender mit 15 bis 25 Prozent des Nettoerlöses beteiligt. Im UK allerdings kann der Produzent nicht lizensierte Rechte (z. B. Pay TV) erst nach Ablauf der Lizenzzeit verwerten. Zweitens wurden Mindestpreise festgelegt, um zu vermeiden, dass die Sender die Reduzierung ihrer Rechte einfach durch Kürzungen der Budgets kompensierten. Die Produzenten akzeptierten, dass diese eher am unteren Ende der bislang vereinbarten Produktionssummen lagen. Wilhelm Reschl: Wie unterscheidet sich davon die gegenwärtige Situation in Deutschland? Christian bauer: In Deutschland gilt immer noch das Prinzip, dass bei einer Vollfinanzierung sämtliche Rechte auf Dauer an den Sender fallen. Nur werden diese Vollfinanzierungen oft von den Sendern diktiert: Die Produzenten werden gezwungen, ihre Kalkulation dem vom Sender vorgegebenen Budget anzupassen. Die Konsequenz ist, dass die Produzenten ihren Gewinn aus dem Produktionsbudget generieren müssen, weil Handlungsunkosten und Gewinn für die Aufrechterhaltung eines Produktionsbetriebs nicht ausreichen. Bis heute ist bei dokumentarischen Formaten ein Honorar für den Produzenten nicht vorgesehen, und die Entwicklungskosten für die vielen Projektvorschläge, aus denen sich die Sender bedienen, werden nach wie vor von den Firmen allein getragen.

Das eine Ergebnis dieser Praxis ist eine Abhängigkeit der Produzenten, die den Sendern gegenüber als Bittsteller auftreten und nicht als Partner, mit denen man gemeinsam versucht, das beste Programm zu gestalten. Das andere ist die notorisch mangelnde Ausstattung mit Eigenkapital der allermeisten deutschen Produktionsfirmen. Für eine Gruppe von Produzenten zeigt sich ein rosigeres Bild: Das sind die Firmen, an denen die öffentlich-rechtlichen Sender maßgeblich beteiligt sind. Nicht nur, dass sie angemessen kalkulieren können. Sie müssen nicht einmal die Bürgschaften aufbringen, die oft eine unerwartet große Hürde sind: Wer sein Limit bei der Bank bereits ausgeschöpft hat, kann es sich gar nicht leisten, ein neues Projekt anzugehen. Selbst wenn schon ein Vertrag vorliegt. Wie würde sich – mittelfristig – die Produzentenlandschaft verändern, wenn wir britische Verhältnisse hätten? Christian bauer: Zwei Entwicklungen sind seit der Neuregelung zu beobachten: Einmal ein erstaunlicher Innovationsschub bei den Fernsehprogrammen und gleichzeitig eine Konzentrationsbewegung in der Produzentenlandschaft. Auf den Innovationsschub hierzulande kann man nur hoffen. Der hängt nicht allein von den Ideen der Produzenten ab. Gefordert wäre auch die Bereitschaft der Sender, neue Formen zu riskieren und nicht nur britische Ideen nachzustricken. Die Konzentrationsbewegung mögen manche deutsche Produzenten fürchten, sie ist aber eine logische Folge der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des Produktionssektors, von der im Grunde alle profitieren. Erst dann werden die Produzenten von den Sendern auch als Partner angesehen, mit denen man sich auf faire Verfahrensweisen einigt. Wilhelm Reschl:

Nicht nur für die Produzenten von Dokumentarfilmen oftmals ein Drahtseilakt: die Verhandlung mit Fernsehsendern (Foto: »Man on Wire« von James Marsh)


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»Die Frau mit den fünf Elefanten«, Verdim Jendreyko Rechts: »Hochburg der Sünden«, Thomas Lauterbach

Es erscheint paradox, dass in Deutschland mit seinen vielen Filmschulen und Filmstudiengängen junge Leute für einen Wirtschaftszweig ausgebildet werden, der in seiner Innovations- und Entwicklungsfähigkeit durch das monopolistische Verhalten der öffentlich-rechtlichen Sender eingeengt wird. Wilhelm Reschl: Wie

könnten es die deutschen Produzenten schaffen, trotz des stark von den Nachfragern dominierten Marktes zu ähnlichen Bedingungen zu kommen?

Neue Verhältnisse in Deutschland kann es nur geben, wenn sich wie im UK bei den Politikern die Erkenntnis durchsetzt, dass die freie Produktionswirtschaft entscheidend mehr Spielraum braucht, um sich weiterzuentwickeln. Wir brauchen politische Unterstützung bei der Umsetzung der Protokollnotiz zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, die angemessene Vergütung für Urheber und eine faire Rechteaufteilung fordert. Allerdings ist bei uns das Verhältnis zwischen Politik und den öffentlich-rechtlichen

Christian bauer:

Sendern viel kuscheliger als im UK, wo sich zum Beispiel die BBC mehr – und auch oft ungerechten – Angriffen von Seiten der Parteien ausgesetzt sieht als ARD und ZDF. Deswegen richten sich die Blicke der freien deutschen Produzenten vor allem nach Brüssel. Bei einer europäischen Regelung würde wohl so manche Mauer geschleift, die in Deutschland bislang eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie die der britischen Produzenten verhindert. Aber vielleicht gibt es auch innerhalb der hiesigen Sender Leute, die erkennen, dass es einem gemeinsamen Ziel dienen könnte, den deutschen Produzenten schon im Vorgriff auf eine europäische Lösung mehr Rechte und Freiheiten zuzugestehen. Die Redaktion dankt Christian Bauer und Wilhelm Reschl für das Gespräch.


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Thomas Strittmatter Preis an Regiestudent Oliver Kienle

Der mit 25.000 Euro dotierte Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung ging in diesem Jahr an den 27-jährigen Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg Oliver Kienle für sein Drehbuch »Bis aufs Blut«. Minister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart zeigte sich bei der Preisübergabe in Berlin begeistert von der hohen Qualität und Praxisnähe der Ausbildung an der Filmakademie in Ludwigsburg. Aus 42 Einreichungen hatten es drei weitere Autoren in die Nominierungsrunde geschafft – und je ein Preisgeld von 2.000 Euro erhalten: Anne Wild für »Schwestern«, Holger Karsten Schmidt für »Isenhart« und Andres Veiel für »Aus dem Schatten«. »Vier starke Stoffe von vier hervorragenden Autoren! Vier Filme, auf die wir uns jetzt schon freuen!«, resümierte Autorin Nina Grosse (»Der verlorene Sohn«) stellvertretend für die Jury, der neben ihr die Regisseurin Connie Walther (»Schattenwelt«), der Regisseur Stefan Krohmer (»Dutschke«) und der Schauspieler Ulrich Matthes (»Novemberkind«) angehörten. In ihrer Beurteilung lobte die Jury Kienles Glaubwürdigkeit und erzählerische Eleganz, die Dialoge voller lakonisch-lässigem Witz. Für die FilmFacts hat sich Birgit SchiffbauerJorde mit dem Preisträger unterhalten: FilmFacts: Herr Kienle, was bedeutet Ihnen der Thomas Strittmatter Preis? Oliver Kienle: Er gab mir zunächst die Bestätigung, dass die Geschichte von »Bis aufs Blut« nicht nur 16-Jährige cool finden,

Cast von »Bis aufs Blut«: HipHopper Manuellsen, Jacob Matschenz, Burak Yigit, Aylin Tezel, Oliver Kienle (Regisseur), Liv Lisa Fries und Balder Beyer (v.l.n.r.)

sondern auch erkannt wird, welche tiefgründigeren Themen im Film behandelt werden. Und er gab mir die Zuversicht, dass sich eine gewisse Radikalität in der Umsetzung lohnen würde. Was wir in der Inszenierung auch berücksichtigt haben! Da ich eigentlich Regisseur werden will, freut mich außerdem die Anerkennung als Autor. FilmFacts: Als Regiestudent waren Sie im Wettbewerb ein Außenseiter. Wie fühlt sich ein Newcomer unter so gestandenen Nominierten wie Andres Veiel, Anne Wild und … Oliver Kienle: … ich dachte, wenn ich schon die Ehre habe, neben diesen Namen genannt zu werden, dann mache ich mir auch Hoffnungen auf den Preis!

FilmFacts: Ihr Drehbuch erzählt von Tommy und Sule, deren Freundschaft einiges aushalten muss. Laut Jury ein Sozial- bzw. Jugenddrama, coole Sprüche, lockere Posen.

Wie steht es da mit Regievorbildern? Oliver Kienle: Ich finde, dass die wenigsten deutschen Filme mit dem Thema Jugendkriminalität funktionieren, weil sie entweder amerikanische Vorbilder zu kopieren versuchen oder von einer pessimistischtristen Grundstimmung getragen werden, die jegliche jugendliche Authentizität zerstört. Deswegen fällt es mir schwer, wirkliche Vorbilder zu nennen, denn unser Film soll eine authentische deutsche Milieustudie sein. Inspirationen kommen aus Filmen wie »La Haine« oder »Mean Streets«. Letzterer wird ständig von jungen deutschen Filmemachern als Vorbild genannt. Wenn ich dann aber die zitierenden Filme sehe, habe ich das Gefühl, dass man nicht begriffen hat, worum es tatsächlich in »Mean Streets« geht. (Anm. d. Red.: »Mean Streets«, Martin Scorseses dritter Spielfilm, gilt als herausragende Milieu- und Charakterstudie. Im Mittelpunkt steht ein junger Ganove, der im Umfeld von Gewalt, Alkohol und Korruption um Anerkennung kämpft und scheitert.) FilmFacts: Ist die Finanzierung eines Diplomfilms nicht sehr schwierig? Oliver Kienle: Als Regiestudent versucht man in der Regel im dritten Jahr einen Kurzfilm zu drehen, der auf möglichst vielen und guten Festivals läuft, um darüber Kontakte zu potenziellen Finanziers für den Abschlussfilm zu sammeln. So gesehen habe

Wie Brüder – Tommy (Jacob Matschenz) und Sule (Burak Yigit)


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ich mir ein denkbar ungeeignetes Projekt als Drittjahresfilm ausgesucht: »Jana was here« ist eine Romantic Comedy. So ein Genrebekenntnis hat auf deutschen Festivals schlechte Karten. Der Film lief in Italien, Spanien, Polen, Serbien, Korea, aber es dauerte ein Jahr, bis ihn mit den Bamberger Kurzfilmtagen ein deutsches Festival zeigte. Doch es hat sich gelohnt, idealistisch zu bleiben und daran zu glauben, dass sich ein gutes Drehbuch immer durchsetzt. So habe ich mein handwerkliches Geschick in einer leichten Komödie trainieren und jetzt außerdem meinen Langfilm finanzieren können. FilmFacts: Mithilfe der Ludwigsburger CP Medien AG und in Zusammenarbeit mit dem SWR. Oliver Kienle: Genau! Der gute Kontakt der Filmakademie zum SWR war sehr hilfreich, mit Stefanie Groß, der Redakteurin von Debüt im Dritten, ins Gespräch zu kommen.

FilmFacts: Sie haben Ihren Film vor Kurzem in Würzburg abgedreht. In dieser Gegend sind Sie aufgewachsen. Wäre für die Geschichte auch ein anderer Ort möglich gewesen? Oliver Kienle: Wenn man das Drehbuch liest, stellt man sich den Schauplatz des Geschehens wohl eher in einer großen Metropole vor als in der Würzburger »Provinz«. Da die Geschichte auf autobiografischen Ereignissen basiert, wollte ich jedoch unbedingt in Würzburg drehen. In einer anderen Stadt hätte mir vielleicht der Mut gefehlt, so radikal zu erzählen, weil ich nie hätte wissen können, ob alles, was ich behaupte, der Realität entspricht. Zudem gibt es klare regionale Bezüge wie zum Beispiel USamerikanische Kasernen und die Figur der Weinprinzessin.

FilmFacts: Sie haben für Ihr Debüt ein hervorragendes Ensemble gewonnen. Oliver Kienle: Ja, Tommy wird von Jacob Matschenz (»Die Welle«, »Vorstadtkrokodile«, »Im Winter ein Jahr«) gespielt, der 2008 für seine Leistung in »An die Grenze« einen Grimme Preis bekam. Außerdem sind u. a. Simone Thomalla als Mutter und Peter Lohmeyer als Schuldirektor zu sehen. Insgesamt ein tolles Team mit Mitstreitern auch aus der Filmakademie. Gabriele Röthemeyer, Geschäfts-

Herr Kienle, wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Erstlingswerk. Besten Dank für das Gespräch. FilmFacts:

MN

First Pitch

Beim »First Pitch« am 7. und 8. April 2009 in Markdorf am Bodensee führten die MFG Filmförderung und die Zürcher Filmstiftung zum zweiten Mal erfolgreich Autoren und Produzenten aus Baden-Württemberg und aus dem Kanton Zürich zusammen, um mit Finanziers und Verleihern über neue, grenzüberschreitende Stoffentwicklungen und Koproduktionen zu sprechen. Nach einer Einführung in den Schweizer »Minority Report« des Bundesamtes für Kultur (BAK) durch Nicolas Bideau folgte ein Planspiel zur Finanzierung von Koproduktionen aus Baden-Württemberg und Zürich. Unter der charmanten Moderation von Renate Roginas simulierten die Produzenten Dr. Elke Baur (Tiger TV, Bühl) und Michael Steiger (C-Films, Zürich) sowie die TV-Redakteure Stefanie Groß (SWR) und Christof Stillhard (SF) den Entscheidungs- und Finanzierungsprozess einer fiktiven Spielfilm-Koproduktion zwischen beiden Ländern. Dabei wurde deutlich, dass frühe Absprachen nicht nur bezogen auf die Budgetierung, sondern auch bei der Stoffentwicklung wünschenswert sind. Darüber hinaus müssen alle Beteiligten ein hohes Maß an Transparenz und Vertrauen sowie Ausdauer mitbringen, zumal dann, wenn Förderentscheidungen vertagt werden oder andere Finanzierungspartner gefunden werden müssen.

Regieanweisungen von Oliver Kienle an Sina (Aylin Tezel) und Tommy (Jacob Matschenz)

führerin der MFG Filmförderung, und Daniel Waser, Geschäftsleiter der Zürcher Filmstiftung

Stoff für zukünftige gemeinsame Projekte lieferten zehn Autoren beim Pitching. Von Schweizer Seite stellten Samuel Schwarz, Mano Khalil, Rolando Colla, Uwe Lützen und Thomas Peter ihre Geschichten vor. Aus Baden-Württemberg waren Anne Wild, Carola Diekmann, Ulrike Stegmann, Philipp Koblmiller und Ingo Rasper angereist. Alle Stoffe befinden sich noch in der Entwicklungsphase, sodass die Einzelgespräche am zweiten Tag mit Sendervertretern und interessierten Produzenten nicht auf rein finanzielle Aspekte beschränkt blieben. »Irgendwie hat alles gepasst – das Wetter, die tolle Location, die guten Leute«, so das Fazit eines Autors. Auch von Produzentenseite sind die Nachwirkungen des Koproduktionstreffens groß, dem »First Pitch« folgten bereits erste Arbeitstreffen mit Autoren zu den vorgestellten und anderen Projekten. Die Veranstaltung, die von der MFG Filmförderung organisiert war, soll im nächsten Jahr unter der Federführung der Zürcher Filmstiftung fortgesetzt werden. Text: Karin Franz


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Aus der Hölle der Autoren PYGMALION PLUS LAB begeistert

Eigentlich sollte man erwarten, mit über 2.000 Jahre alten Geschichten niemanden hinter dem Ofen hervorlocken zu können. Das zumindest befürchteten wir, als wir uns mit dem Konzept für eine biblische Kinderserie in 3D-Animation um die Teilnahme am PYGMALION PLUS-Programm bewarben. Doch unser Antrag wurde angenommen. Und so reisten wir im September 2008 zum ersten von zwei Arbeitstreffen, dem sogenannten PYGMALION PLUS LAB. Wir, das sind Nikolaus Weißenhorn (Autor/Regie, STUMM-FILM, Dr. Rolf Stumm Medien GmbH, Ludwigsburg) gemeinsam mit den freien Autoren Gerald Birkenstock (Stuttgart) und Neil Shanks (Altensteig). Der Veranstaltungsort inmitten des Schwarzwaldes war so abgeschieden, dass unsere Mobiltelefone stumm blieben. Anfänglich gewöhnungsbedürftig hätte es besser nicht kommen können: Wir konnten unsere Zeit ungeteilt unserem Projekt widmen! Die Arbeitssprache war Englisch. Auch das schien anfangs eine Hürde zu sein, doch es war das beste Kommunikationsmittel, um mit den Teilnehmern und Mentoren aus zehn europäischen Ländern unser Konzept gedanklich breit aufstellen zu können. Unsere animierte Bibelserie für Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren soll die archetypischen Geschichten der Bibel, die wie kaum ein anderes Buch die westliche

Kultur prägte, kindgerecht und spannend erzählen und in einer Rahmenhandlung positive soziale Werte des Zusammenlebens vermitteln. James Mason (freiberuflicher Autor für Kinderfernsehen), Mentor für die Gruppe TV Animation, und Ko-Mentor Torben Meier (Studio Soi, Ludwigsburg) gaben den Anstoß: Die ersten drei Tage ging es für uns Schritt für Schritt hinab in die »Hölle der Autoren«, mit dem Ergebnis, dass am Dienstagabend nur noch Bruchstücke unseres bisherigen Konzepts übrig waren. Wir fühlten uns nur noch leer: sozusagen bereit für einen Neuanfang! Also taten wir, was uns als das Vernünftigste erschien, wir gingen spazieren. Wir ließen uns den Kopf durchblasen, die Ideen wirr sprudeln und am Ende des Tages hatten wir ein neues, tragfähiges Konzept erarbeitet. Den Rest der Woche verbrachten wir in Zusammenarbeit mit James Mason und Torben Meier mit der Ausarbeitung der Welt und der Figurenprofile unserer Serie.

Bis zum zweiten LAB im Dezember 2008 nahm die Serienbibel immer mehr Gestalt an. Aktuell arbeiten wir an sechs StoryOutlines in Zusammenarbeit mit unseren Mentoren. Neben der Arbeit am eigenen Konzept profitierten wir insbesondere vom Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern und Mentoren aus verschiedenen EU-Ländern. Für uns hat sich der Sprung ins kalte Wasser gelohnt. Wir können das PYGMALION PLUS-Programm jedem empfehlen, der eine Stoffentwicklung für Kinder zur Reife bringen möchte. PYGMALION PLUS ist ein europäisches Stoffentwicklungsprogramm für Kinder- und Family-Entertainment, das sich an erfahrene Autoren und Kreativteams richtet, die ein Projekt für Kinofilm, TV-Serien, Animation Filme, Computerspiele oder interaktive Medien entwickeln wollen. Das Programm wurde 2008 von der MFG Filmförderung unterstützt. Text: Nikolaus Weißenhorn, Gerald Birkenstock, Neil Shanks

Kinostarts | Festivals | TV-Ausstrahlungen MFG-geförderter Filme 18.6.–28.6.2009, 5. Festival des deutschen Films, Ludwigshafen Weitertanzen, Regie: Friederike Jehn | Vorführungen: 21. Juni, 19.00 Uhr | 22. Juni, 17.00 Uhr | 23. Juni, 19.00 Uhr Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf, Regie: Matthias Luthardt | Vorführungen: 23. Juni, 21.00 Uhr | 24. Juni, 17.00 Uhr 25.6.2009, Freiburg, Premiere Schattenwelt, Regie: Connie Walther 26.6. – 4.7.2009, Filmfest München Es kommt der Tag, Regie: Susanne Schneider 14.8.2009, Schwäbisch Gmünd, Premiere | 20.8.2009, Kinostart Tengri, Regie: Marie Jaoul de Poncheville 27.8.2009, Kinostart Es kommt der Tag, Regie: Susanne Schneider 24.9.2009, Kinostart Louise Hires a Contract Killer, Regie: Benoit Delépine, Gustave de Kervern 1.10.2009, Kinostart Menachem und Fred, Regie: Ofra Tevet, Ronit Kertsner 5.11.2009, Kinostart Das Vaterspiel, Regie: Michael Glawogger


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Katja Riemann (links) und Hannah Herzsprung in »Das wahre Leben«, Alain Gsponer

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Vier Grimme Preise für MFG-geförderte Produktionen

Alain Gsponers Spielfilm »Das wahre Leben« ist einer der fünf Preisträger des Adolf Grimme Preises 2009 in der Kategorie Fiktion. Die Juroren zeigten sich von der stilsicher inszenierten Tragikomödie und insbesondere von den beiden Darstellerinnen beeindruckt: »In Katja Riemann und Hannah Herzsprung hat das so kluge wie bissige Porträt einer kommunikationsgestörten deutschen Mittelstandsfamilie zwei exzellente Protagonistinnen.« Neben Gsponer und den beiden Darstellerinnen wurden auch die Autoren Matthias Pacht und Alexander Buresch, die schon den Preis der deutschen Filmkritik und den Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung erhalten hatten, mit dem Grimme Preis geehrt. Niko Apels Dokumentarfilm »Sonbol – Rallye durch den Gottesstaat« erhielt den Adolf Grimme Preis in der Kategorie Information & Kultur. Die Jury hob hervor, dass ihm seltene Einblicke in die moderne Welt des Iran gelungen seien, mit der besonderen Nähe zu seiner selbstbewussten Protagonistin und ihrer Familie, »die diese ganz eigene Rallye durch den Gottesstaat überhaupt erst möglich macht.« Der 55-minütige Beitrag für die SWR-Reihe Junger Dokumentarfilm war u. a. bereits mit dem First Steps Award 2008 ausgezeichnet worden. bsj

MN

MFG in Annecy 09

Am ersten Tag des weltgrößten Filmfestivals der Animation Annecy 09 war mit »Die drei Räuber« (Hayo Freitag) der Publikumsliebling des Vorjahres, eine deutsch-französische Koproduktion, im nächtlichen OpenAir-Programm auf der großen Leinwand zu sehen. Außerhalb des Wettbewerbs lief der animierte Langfilm »Sunshine Barry & the Disco Worms« (Thomas Borch Nielsen), beides MFG-geförderte Filme. Deutschland war ferner im Programmpunkt Between Frames durch Studio Soi aus Stuttgart vertreten. Es war eins von drei Animationsstudios, die ihre Arbeit dort präsentierten. Unter dem Titel »Aux couleurs de l’Allemagne« widmete sich zudem eine der zehn Ausstellungen des Festivals der Geschichte des deutschen Animationsfilms mit einem Focus auf Raimund Krumme. Die MFG Filmförderung lud auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Internationalen Trickfilm-Festival das internationale Fachpublikum ein: Bei einem »Petite AnimationReception« ließen sich in der Abgeschiedenheit einer Auberge hervorragend Kontakte knüpfen und grenzüberschreitende Koproduktionen anschieben. bsj

»Sonbol«, Niko Apel Rechts: Monica Bleibtreu mit der Lola für »Vier Minuten«

MN

Monica Bleibtreu

Die grandiose Theater- und Filmschauspielerin Monica Bleibtreu ist tot. Ob Bühne oder Leinwand – jede ihrer Rollen spielte sie voller Leidenschaft, Vitalität und Klugheit. Sie hat sich nie verbiegen lassen. Viel zu spät wirklich wahrgenommen kam ihr großer Erfolg erst in den letzten Jahren mit Filmen wie Heinrich Breloers »Die Manns – Ein Jahrhundertroman«, für den sie 2002 mit dem Grimme Preis geehrt wurde, und »Marias letzte Reise« von Rainer Kaufmann, der ihr 2005 den Bayerischen Fernsehpreis einbrachte. Für Ihre Rolle in »Vier Minuten« ließ sich die 62-Jährige in eine greise Klavierlehrerin verwandeln. Sie spielte eine Einsame, eine Insichgekehrte, obwohl ihre Ausstrahlung voller Leben war – »gegen ihren Typ besetzt«, wie Regisseur Chris Kraus bekannte. Doch sie überzeugte auch in dieser Rolle und erhielt 2007 den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin. In ihrer Dankesrede sagte sie: »Wenn wir es schaffen, zu unserer Einmaligkeit durchzudringen, dann schaffen wir es auch, einmalige Filme zu machen.« bsj


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José F. A. Oliver, Lyriker und Essayist Unten: Dieter Zimmermann mit Kameramann Andreas Weber

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Vom poetischen Sprechen Themenbezogene Modulfilme für ein pädagogisches Medienkonzept

Der Lyriker José F. A. Oliver und der Filmemacher Dieter Zimmermann arbeiten an drei Modulfilmen für den Deutschunterricht an Hauptschulen. Ziel ist es, dem »poetischen Sprechen« näher zu kommen. »Manchmal habe ich den Eindruck, die Angst vor Gedichten ist groß, um nicht zu sagen zu groß. Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, die Art und Weise, wie mit Gedichten umgegangen wird, ist salopp, um nicht zu sagen zu salopp und damit vielleicht gar fahrlässig.« So sieht der Adelbertvon-Chamisso-Preisträger José F. A. Oliver, der 2007 mit dem Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, die Rezeption von Lyrik im Unterricht. Sprache in ihrer Wirklichkeit und in ihrer Wirkung zu erfahren, die Lust darauf, Sprache aus und in diesen Bezügen zu verdichten und mit Wörtern die Spannung zu erzeugen, die im Wort steht, Wort hält, beschreibt die Herausforderung an die Arbeit mit Schülern, die im Rahmen dieser Modulfilme für Lyrik sprechen und schreiben, aber auch den vielfältigen Stimmen der klassischen, der modernen und neuen Lyrik begegnen. »Heimat und Identität / Sprache als Herkunft und Geschichte(n)«, »Vom scheinbaren Defizit ins Sprechen« und »Vom Sprechen in die Poesie« sind dabei die Schwerpunkte, die bei dem Projekt zum Ausdruck kommen

werden. Jeder Mensch, sagt Oliver, trage Poesie in sich. Dieter Zimmermann wird die Erfahrungen im Umgang mit Gedichten begleiten und filmisch mit drei Modulfilmen mit jeweils 15 Minuten Spiellänge umsetzen. Im Lauf des Schuljahres 2009/2010 beobachtet der Regisseur den Lyriker, wie er den Spagat zwischen Eliteförderung der gehobenen Schichten und den Migrantenkindern verkleinert, indem er die Sprachbarrieren der Milieus mit Spracharbeit aufweicht. Gedreht wird in drei Etappen an den Schulen in Hofstetten und in Hausach. Als Dichter zwischen den Kulturen, zwischen den Sprachen gibt José F. A. Oliver Auskunft. Seine Erfahrungen als »Gastarbeiterkind« aus Andalusien helfen ihm dabei, wenn er sagt, dass seine Spracharbeit die Kinder verschiedener Kulturen mit einbezieht. Dieter Zimmermann stellt die vorgefundenen »Wort-Werke« im Klassenzimmer den gesuchten »Bild-Welten« der Schüler gegenüber, fahndet nach »Sprach-Bildern« mit den Augen der Kids, ist Fragen im »SprachTatort« Schwarzwald auf der Spur: »Was bedeutet Identität, was Heimat?« in einer globalisierten Welt, die auch im idyllischen Kinzigtal eingezogen ist. Im Sinne einer Übertragbarkeit sollen deshalb im Film Ergebnisse aufgezeigt werden, die ab Frühjahr 2010 in die Bildungsplanarbeit und in die Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer einfließen können. Das Projekt wird von der Landesanstalt für Kommunikation gemeinsam mit der MFG gefördert. Text: José F. A. Oliver, Dieter Zimmermann

Marianne Gassner wirbelt künftig anderswo

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Filmförderung dankt Marianne Gassner

Sie ist ein Wirbel. Und Wirbel sind immer frisch, durchpusten das Herkömmliche, nehmen alle Strömungen auf und sind Energie schlechthin. Daher ist und war es schwer, sich dem Sog des Wirbels zu entziehen. Das ist und war gut so! Gut für die Region Stuttgart und ihre Filmszene, aber auch gut weit darüber hinaus, an vielen Orten in Baden-Württemberg und in Europa. Doch in ihrer enthusiastisch-realistischen Art, eine wirklich seltene Mischung, hat sie anders als viele in diesem Gewerbe den eigenen Abgang bestimmt und gestaltet. Wir können diesen Entschluss nur respektieren und ihr für alles danken, allerdings auch in der Gewissheit, dass sie noch lange weiter wirbeln wird – nicht nur in der Erinnerung! Gabriele Röthemeyer


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Land erneuert Kooperation mit ProSieben und Sat.1

Die Sendergruppe erhält jährlich 900.000 Euro aus den Filmfördermitteln des Landes und verpflichtet sich, ab 2009 insgesamt drei Primetime-TV-Projekte pro Jahr in bzw. mit Bezug zu Baden-Württemberg zu produzieren: einen Diplomfilm in Zusammenarbeit mit der Filmakademie und einem badenwürttembergischen Nachwuchsproduzenten einen Debütfilm möglichst mit Absolventen der Filmakademie und mit einem baden-württembergischen Nachwuchsproduzenten ein TV-Movie mit speziellem LandesBezug, d. h. mit einem hiesigen Produzenten, einem besonders qualifizierten Landeseffekt oder einem besonderen inhaltlichen Landesbezug. ProSieben und Sat.1 werden außerdem – wie bisher – die Serienausbildung der Filmakademie mit einer Stiftungsprofessur durch Joachim Kosack, Senior Vice President Fiction, German Free TV Holding GmbH, unterstützen. Kosack ist seit 2002 Dozent, 2008 übernahm er die Professur. Der neue Kooperationsvertrag nimmt die von 2001 bis 2006 bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit des Landes mit den beiden Sendern wieder auf und entwickelt sie im Sinne der Empfehlungen der Filmkonzeption zur Nachwuchsförderung fort. Zielte die frühere Kooperation auf die Förderung großer TV-Movies, wie etwa der Quotenschlager »Tsunami«, einer Produktion der Ludwigsburger avindependents, wird nun die Unterstützung von Nachwuchsproduzenten auf dem Weg vom Debüt zur lukrativen Primetime-Produktion angestrebt. »Mit einer Spitzenposition in der Filmausbildung gehört der heimische Talentpool

zu den großen Standortvorteilen in BadenWürttemberg. Dies zeigt sich auch daran, dass private Sender wie ProSieben und Sat.1 diesen kreativen Nachwuchs für ihre Primetime-Produktionen einsetzen. Unseren Nachwuchs wollen wir künftig verstärkt auch im Land halten. Dazu gehören zum einen der mit der Filmkonzeption angestrebte Ausbau der Filmproduktionstätigkeit und zum anderen die konsequente Nachwuchsförderung«, so Medienminister Professor Dr. Wolfgang Reinhart anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages im Mai 2009.

MN

MFG in Cannes

Beim 62. Festival de Cannes gewann den diesjährigen Wettbewerb um die Goldene Palme der Film »Das weiße Band« des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Produziert wurde die Geschichte über mysteriöse Unfälle in einem norddeutschen Dorf kurz vor dem Ersten Weltkrieg von X-Filme (»Die drei Räuber«) in Berlin. Auch zwei MFG-geförderte Filme kamen im Rahmen des Festivals auf die Leinwand. Die deutsch-französische Koproduktion »Tengri – Das Blau des Himmels« feierte im Cinéma de la Plage Publikumspremiere. Das Drama wurde am Strand von Cannes in Anwesenheit der Regisseurin Marie Jaoul de Poncheville unter freiem Himmel gezeigt. Im Rahmen des Marché du Film, der weltgrößten Messe für den Filmhandel, wurde von der Stuttgarter Sola Media Connie Walthers »Schattenwelt« vorgestellt. Zentraler Treffpunkt des deutschen Films und der deutschen Filmbranche war wie jedes Jahr der Deutsche Pavillon mit Terrasse zum Strand. Am gemeinsamen Stand von Focus Germany – dem Zusammenschluss der Länderförderungen – und German Films hatten deutsche Filmemacher die Möglichkeit, Gespräche mit potenziellen Koproduzenten, Finanziers und Partnern aus aller Welt zu führen. Trotz, oder gerade weil, das Festival dieses Jahr deutlich weniger Besucher zählte, gab es intensive Gespräche und erfolgreiche Abschlüsse. Text: Claudia Sauer

Medienminister Prof. Dr. Wolfgang Reinhart und Andreas Bartl, Vorstand German Free TV der ProSiebenSat.1 Media AG, unterzeichnen Kooperationsvereinbarung


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Abfahrt Ankara: »Orient-Express«

Highlights an der Filmakademie:

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»Haushaltshilfe«, Anna Hoffmann

»Schwere Geburt«, Christa Pfafferot

Neues aus der Filmakademie Baden-Württemberg SC

Multikulturelle Theaterreise im Orient-Express

Am 14. Mai 2009 hatte in Ankara ein spektakuläres Theaterprojekt des Schauspiels Stuttgart Premiere: Angelehnt an den legendären »Orient-Express« wird von Mai bis Juli 2009 ein Zug mit einem zur Bühne umgebauten Eisenbahnwagon quer durch Europa fahren. Erster Stopp ist Istanbul, die Europäische Kulturhauptstadt 2010. Danach folgen Stationen in Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Deutschland. Endstation ist Stuttgart, wo vom 9. bis 19. Juli 2009 die unterwegs entstandenen Inszenierungen im Rahmen eines Theaterfestivals präsentiert werden. In Zusammenarbeit mit dem ZDFtheaterkanal, dem Schauspiel Stuttgart sowie der Produktionsfirma eyecatchproductions wird die Filmakademie Baden-Württemberg eine Dokumentation über diese fast zweimonatige Theaterreise produzieren. Ergänzend zu dem groß angelegten Filmprojekt erscheint auf der Homepage des ZDFtheaterkanals ein Weblog des begleitenden Filmteams mit tagesaktuellen Fotos und kurzen filmischen Impressionen: www.orientexpressfestival.blogspot.com

SC

Highlights – die besten Filme des Studienjahres 2008/2009

Am 9. Juni fällt wieder der Startschuss für die »Highlights« an der Filmakademie Baden-Württemberg. Zwei Tage lang präsentieren dann die Filmakademie sowie die Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg die besten Filme des aktuellen Studienjahres vor

geladenen Fachleuten aus Sendern, Produktionsfirmen und Agenturen. Ursprünglich als reines Talent-Screening geplant, hat sich die Veranstaltung mittlerweile zu einem Treffpunkt der Film- und Medienbranche entwickelt, deren Vertreter hier nach Nachwuchstalenten als Partner für künftige Projekte Ausschau halten. Die Gäste erwartet ein Programm, das randvoll ist mit spannenden, amüsanten und außergewöhnlichen Filmen und Projekten. Unter anderem werden die beiden MFGgeförderten und für die SWR-Reihe »Junger Dokumentarfilm« erstellten Produktionen »Haushaltshilfe« von Anna Hoffmann und »Schwere Geburt« von Christa Pfafferot zu sehen sein. Vom Spiel- und Dokumentarfilm, über Werbefilm, Drittmittelprojekte, Serienformate, Wirtschafts- und Wissenschaftsfilm, Animationsfilm, Filmmusik und Szenenbild bis hin zu Präsentationen aus dem Studiengang Film & TV- Design sowie der Masterclass Ludwigsburg/Paris reicht die Palette.

SC

3 Filme in »Next Generation 2009« in Cannes

Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg waren in diesem Jahr gleich mit drei und damit den meisten Filmen im

Kurzfilmprogramm der »Next Generation 2009« vertreten. Mit dem Kurzfilmprogramm, in das eine Fachjury zwölf aktuelle Produktionen deutscher Filmhochschulen gewählt hatte, warf die Organisation German Films im Rahmen des Filmfestivals in Cannes einen Blick in die Zukunft des deutschen Kinos. Mit dabei in der abwechslungsreichen Auswahl von Fiktions-, Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilmen waren »Amoklove« von Julia C. Kaiser, »Clean Up« von Sebastian Mez und »Lebensader« von Angela Steffen.

SC

Grimme-Preisregen über Absolventen

Neben Niko Apel (Buch/Regie), der für seinen Diplom-Dokumentarfilm »Sonbol – Rallye durch den Gottesstaat« einen Grimme Preis erhielt, standen bei der Preisverleihung am 3. April 2009 auch die Filmakademie-Absolventen Alain Gsponer (Regie), Alexander Buresch und Matthias Pacht (Drehbuch) für den Spielfilm »Das wahre Leben« auf dem Siegertreppchen. Außerdem räumten Bora Dagtekin (Drehbuch) und Steffi Ackermann (Produktion) eine der renommiertesten Auszeichnungen des deutschen Fernsehens ab. Sie erhielten den Grimme Preis gemeinsam mit dem Darsteller-Team und der Regie für die RTL-Sitcom »Doctor’s Diary«. Darüber hinaus konnte sich mit Regisseurin Nicole Weegmann eine weitere Absolventin der Ludwigsburger Filmhochschule über einen Grimme Preis freuen. Sie wurde gemeinsam mit den Drehbuchautoren Eva Zahn und Volker A. Zahn sowie dem Hauptdarsteller Ludwig Trepte für den ARD-Spielfilm »Ihr könnt euch niemals sicher sein« ausgezeichnet.

»Amoklove«, Julia C. Kaiser


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Short Cuts SĂźdwest

Das einzige deutsche und europaweit grĂśĂ&#x;te Festival des indischen Films wird auch von indischen Produzenten und Filmschaffenden geschätzt – als Ort der Kontaktaufnahme zu deutschen Partnern. www.bollywood-festival.de

&ULL 0ACKAGE F~R &ILM UND &ERNSEH +REATIVE

SC

Neues aus dem Filmhaus Stuttgart SC

$IE +APAZITiTEN DES &ERNSEH 0RODUKTIONSBETRIEBS DES 372 KyNNEN JETZT AUCH VON $RITTEN ~BER DIE 372 -EDIA 3ERVICES 'MB( IN !NSPRUCH GENOMMEN WERDEN )NTENSIVER DENN JE WERDEN DABEI +OOPERATIONEN IN "ADEN 7~RTTEM BERG GEPFLEGT ZUM "EISPIEL BEI 0ROJEKTEN DER &ILMAKADEMIE ,UDWIGSBURG ODER DER -&' $IE 372 -EDIA 3ERVICES 'MB( BIETET &ULL 3ERVICE MIT 0ARTNERN IM -ARKT ZU ERSCHWINGLICHEN +ONDITIONEN $AS !NGEBOT UMFASST !NIMATION 'RAFIK !USSTATTUNG SOWIE ALLE 0RODUKTIONS UND 0OSTPRODUKTIONS LEISTUNGEN INKL +OPIERWERK %IN !NGEBOT AUS DEM ,AND F~RS ,AND

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Indisches Filmfestival mit neuem Partner

International, farbenfroh und authentisch, das ist Bollywood and beyond. Das Festival des indischen Films lockte seit 2004 jedes Jahr eine wachsende Besucherzahl in die Landeshauptstadt. Vom 14. bis 19. Juli 2009 werden Cineasten und Indienliebhaber erneut auf ihre Kosten kommen: Ein vielseitiges Filmprogramm sowohl mit den beliebten Bollywood-Produktionen als auch dem indischen Arthouse-Kino verspricht groĂ&#x;e Momente. Im Rahmenprogramm sind wieder die beliebten Tea Talks, eine indische MatinĂŠe, das Food Festival, der indische Bazar sowie das Open Air Kino geplant. Die anstehende AuflĂśsung des Filmhauses und die angespannte finanzielle Lage waren Anlass fĂźr eine ÂťWeichenstellungÂŤ. Das Festival verlässt die Innenstadt und wird kĂźnftig buchstäblich alles Âťunter einem DachÂŤ präsentieren: im Stuttgarter SI Centrum in MĂśhringen. ÂťMit seinen etwa drei Millionen Besuchern im Jahr bietet dieser Partner dem Festival neue MĂśglichkeitenÂŤ, freut sich Festivalleiter Oliver Mahn. ÂťGerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit, in der selbst unser Hauptsponsor sein Engagement drastisch einschränken musste, ermĂśglicht uns das SI Centrum, das Festival erstmals auf einem einzigen Areal durchzufĂźhren – das Open Air Kino oder das Indian Village haben dort grĂśĂ&#x;ere Chancen. Das SI Centrum steht mit seinen Vertriebskanälen zudem als Werbepartner zur VerfĂźgung, und Bollywood and beyond erreicht so noch mehr MenschenÂŤ.

Interspherial Drehbuchschule wieder am Start

Ab Freitag, den 16. Oktober 2009 nimmt die Interspherial Drehbuchschule ihren Betrieb mit der Durchfßhrung des 9. Durchgangs der Ausbildung zum Autor fßr Kino- und TV-Formate wieder auf. Die durch die ungeklärte Raumsituation im Stuttgarter Filmhaus bedingte einjährige Zwangspause wurde genutzt, um den Studienplan zu ßberarbeiten und neue Dozenten zu gewinnen wie Bernhard Reicher aus Graz und Heiko Burkardsmaier von Pixomondo. Der Unterricht findet zunächst wieder im Stuttgarter Filmhaus statt. Neben der neunmonatigen Ausbildung werden ab Herbst 2009 erneut tageweise Blockseminare zu Themen wie Genrekunde, Formatkunde, Senderprofile, Pitching etc. angeboten. Nähere Informationen unter: www.interspherial.com

SC

First Contact on Tour

Seit Mai 2007 unterstĂźtzt die MFG FilmfĂśrderung das ÂťFirst ContactÂŤ-Forum des FilmbĂźro Baden-WĂźrttemberg e. V., das den Einstieg in die Medienbranche im Land erleichtern mĂśchte. Es vermittelt Praktika, hilft bei Bewerbungsfilmen, bietet Jungautoren dramaturgische Beratungen an und stellt fĂźr Film- und Medienstudierende erste Kontakte zur Branche her. Seit diesem FrĂźhjahr kommen auch Vorträge an Schulen des Landes hinzu. Auftakt zu der ÂťFirst Contact on TourÂŤ-Reihe war am 27. März 2009 ein Vortrag Ăźber die Filmbranche unseres Landes am HĂślderlingymnasium in NĂźrtingen, der groĂ&#x;es Interesse fand. Zu erreichen ist ÂťFirst ContactÂŤ Ăźber das FilmbĂźro, Ansprechpartner ist Drehbuchautor Jørn Precht. www.filmbuerobw.de


Short Cuts Südwest

»Ein Sonniger Tag«, Gil Alkabetz

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»Muto«, Blu

»Three Sisters and Andrey«, Boris Despodov

SC

Alles dreht sich um den Trickfilm

Vom 5. bis 10. Mai 2009 präsentierte das 16. Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart insgesamt 670 herausragende Beispiele des künstlerischen sowie des unterhaltenden Animationsfilmgenres und wurde mit seinem breitgefächerten Programm sowohl Branchenansprüchen als auch Publikumswünschen mehr als gerecht. Neugierige hatten im Festival Garden Gelegenheit, in die Welt des Animationsfilms hineinzuschnuppern. Auch das kostenlose Open Air Kino auf dem Schlossplatz kam beim Publikum trotz der teilweise regnerischen Witterung gut an und trug zu der heiteren Festivalatmosphäre in der Stuttgarter Innenstadt bei. Nicht nur die Kinosäle waren gut ausgelastet, auch das umfangreiche Rahmenprogramm aus diversen Workshops oder die Studiopräsentationen von Disney, Sony und Laika fanden bei den Besuchern großen Zuspruch. Das Festival zeigte zudem die Retrospektive »Prosit! – 100 Jahre Deutscher Animationsfilm«, die in sieben Programmblöcken die Vielseitigkeit des deutschen Trickfilms an Hand historischer Beispiele künstlerischer und zweckgebundener Animationsfilme dokumentierte.

Modernste digitale Vorführtechnik kam bei der Deutschlandpremiere des Stop-MotionKinomärchens »Coraline« von Henry Selick zum Einsatz, das in einer 3D-Fassung präsentiert wurde. In Verbindung mit digitalen Projektoren und Spezialbrillen ein wahrhaft fantastisches Kinovergnügen. In der Sektion AniMovie lief auch der MFGgeförderte Langfilm »Sunshine Barry & the Disco Worms« von Thomas Borch Nielsen. Weiterhin waren »Three Sisters and Andrey« von Boris Despodov sowie »Tiere der Großstadt« von Christin Schindler, ebenfalls beide von der Filmförderung des Landes unterstützt, während des Festivals zu sehen. Die TV-Serie »Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig« von Andreas Hykade, die von der MFG anschubfinanziert wurde, war gleich in zwei Wettbewerbskategorien vertreten: bei »Tricks for Kids« und »Animated Series«. In mittlerweile acht Kategorien wurden bei der großen Abschlussgala am 10. Mai insgesamt 57.500 Euro an Preisgeldern vergeben, wobei der Grand Prix in Höhe von 15.000 Euro an das originelle Kurzfilmprojekt »Muto« des Regisseurs Blu aus Italien ging. Den Young Animation Preis in Höhe von 2.500 Euro für den besten Studentenfilm, gestiftet von der LFK und der MFG Filmförderung, ging an Michaela Cˇopíková aus der Slowakai. Als einziger deutscher Preis-

träger wurde »Der DaVinci Timecode – ein bewegtes Bild« von Gil Alkabetz (»Ein sonniger Tag«) mit dem Spezialpreis Music for Animation (Komponist: Alexander Zlamal) ausgezeichnet. In der Podiumsdiskussion unter dem Header »Natural Born Players?« stellte sich das Festival dem offenen Dialog über Ethik und Ästhetik von Computerspielen und Animationsfilmen. Politiker und Medienpädagogen, Spieleentwickler, Filmemacher und Produzenten sowie Dieter Krauß von der MFG Filmförderung setzten sich konstruktiv und sachlich mit dem sensiblen Thema auseinander. Text: Maria Bierlein

SC

fmx/09 im Zeichen von Trends und Technologien

Sie hat sich zum weltweit wichtigsten Treffpunkt der digitalen Medienbranche entwickelt und fand erstmals zeitgleich mit dem Internationalen Trickfilm-Festival statt: die fmx/09 – für viele ein doppeltes Animationsvergnügen. Der stetige Aufwärtstrend an Besuchern setzte sich auch diesmal fort: Mehr als 7.000 registrierte Teilnehmer aus 41 Nationen – davon 61 Prozent Professionals und 39 Prozent Studenten – zog es zur 14. fmx – Internationale Konferenz für Animation, Effekte, Games und digitale Medien nach Stuttgart. Das Angebot der Konferenz umfasste Gesprächsrunden, Workshops und Vorführungen, die alle Bereiche von der Entstehung, Produktion und Distribution der digitalen Unterhaltungsindustrie abdeckten. Dabei wurden sowohl vergangene Erfolge wie auch aktuell anstehende Herausforderungen erörtert. Animation im Sinne von digitalen

»Tiere der Großstadt«, Christin Schindler und Claus Bäuerle


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FilmFactsSßdwest | 2–2009 | Juni

Short Cuts SĂźdwest

ÂťSunshine Barry & the Disco WormsÂŤ, Thomas Borch Nielsen

Bildern stellt längst die medienĂźbergreifende Basis- und SchlĂźsseltechnologie dar – nicht nur fĂźr erkennbare ÂťTrickfilmeÂŤ, sondern fĂźr Film und Fernsehen allgemein, fĂźr Computerspiele wie mobiles Entertainment. Die Fachveranstaltung fĂźr digitales Entertainment, die vom Animationsinstitut der Filmakademie Ludwigsburg veranstaltet wurde, richtete sich folgerichtig nicht allein an Professionelle, sondern sprach im Gegenteil auch gezielt junge Talente an. Dank des erweiterten Kooperationsmodells School Campus beispielsweise waren, Ăźber individuell geplante Besuche hinaus, rund 1.000 Studenten aus 32 europäischen Hochschulen in die fmx/09 eingebunden. Noch weitere Kreise zogen die School Offerings mit Partner-Hochschulen von Kalifornien Ăźber China bis Neuseeland.

Mit den neuesten Entwicklungen wie beispielsweise der Prävisualisierung setzte man sich bei den Talks auseinander. Die visuelle Darstellung der KamerafĂźhrung und der Raumbehandlung schwieriger Szenen schon vor dem tatsächlichen Filmdreh gilt mittlerweile als unverzichtbar. Im Forum waren die fĂźhrenden Anbieter der Branche vertreten, auch Schulen und Universitäten präsentierten dort ihre Programme und Absolventen. Weltfirmen wie Sony Pictures, Lucasfilm/LucasArts, Aardman Animations oder Crytek begaben sich beim Recruiting auf die Suche nach neuen Mitarbeitern. Das Hauptanliegen der fmx/09, nämlich die Branche zusammenzubringen und international zu vernetzen, hat die Veranstaltung mehr als erfĂźllt. In der anregenden Atmosphäre der Fachkonferenz lieĂ&#x;en sich auch in diesem Jahr wieder viele neue Kontakte knĂźpfen und bestehende vertiefen. Mit der neuen Filmkonzeption hat das Land gezielt einen Schwerpunkt auf das zukunftsträchtige Wachstumssegment Animation gesetzt: Während fmx, Trickfilm-Festival und APD zeigte sich, dass Baden-WĂźrttemberg in der Animation Weltspitze ist. Text: Maria Bierlein

Desktop High Def inition

SC

Noch mehr Branche beim Animation Production Day

Mit der Panel-Diskussion Where to get the Money from? traf die Auftaktveranstaltung der MFG FilmfÜrderung vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise den Nerv der Branche. Am Ende des dreitägigen Branchentreffs Animation Production Day (APD) kannten viele Teilnehmer eine LÜsung und zeigten sich zudem von der perfekten Organisation und der hervorragend durchdachten Struktur begeistert. Die gemeinsame Veranstaltung von fmx und Internationalem Trickfilm-Festival Stuttgart in Kooperation mit der Michael Schmetz Mediaconsult ßberzeugte bei ihrer dritten Auflage endgßltig. Kreative Animationsfilmer, Studios und Produzenten trafen in der angenehmen Atmosphäre des Hauses der Wirtschaft in vorab organisierten Einzelgesprächen auf Investoren wie Banken und Sender. Gerade neue Marktteilnehmer wussten die Branchenkompetenz des APD zu schätzen, die es erst ermÜglicht, dass sich die passenden Partner finden. Das Konzept der Exklusivität und der Konzentration auf wenige herausragende Markenprodukte, 28 Projekte mit einem

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Short Cuts Südwest

Für »König Gugubo« (Polychrom) ging

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»Die drei Räuber«, Hayo Freitag

Thorsten Rieger auf Partnersuche

Produktionsvolumen von 140 Mio. Euro, ist eines der Erfolgsmerkmale der Veranstaltung – Klasse statt Masse. Durch den neu definierten Fokus auf Animationsmarken waren neben den Spielfilmprojekten erstmals auch Serienprojekte und die neuen Formate wie Games und Mobile Content in die Beratungen eingeschlossen. Unter den 60 teilnehmenden Unternehmen, darunter Branchenriesen wie Caligary Film, Disney, Trixter, Universal und Universum, Super RTL und ZDF, fühlten sich die drei baden-württembergischen Studios keineswegs fehl am Platze. Susanne Schosser, die für Mediaconsult in der Organisation mitgewirkt hat, erklärte, dass Studio Film Bilder, M.A.R.K. 13 und Polychrom dabei waren, weil sie höchst interessante Partner für Investoren sind – nicht, weil sie aus der Region kommen. Alle drei konnten mit wertvollen Kontakten und Erkenntnissen heimgehen. Torsten Rieger (Polychrom), der für »König Gugubo« auf Partnersuche war, stellte am Ende klar, dass er die Marktchancen seines

Projekts inzwischen sehr viel besser einschätzen könne. Da die B2B-Gespräche sowohl von den Produzenten als auch den Investoren professionell vorbereitet waren, gab es am Schluss rundherum zufriedene Gesichter. Nach Einschätzung von Susanne Schosser dürften zwei Drittel der eingefädelten Kontakte und Verhandlungen anschließend fortgesetzt werden. Der APD hat jedenfalls manchem Produzenten auf die überlebenswichtige Frage »Where to get the Money from?« praktikable und konstruktive Wege aufgezeigt. Der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend war während der Veranstaltung die Sektion Animation innerhalb der Allianz Deutscher Produzenten gegründet worden. bsj

SC

Trickreich – Schreiben für die Animation

Fünf Drehbuchworkshops international angesehener Animationsfilmexperten waren im Programm des Internationalen TrickfilmFestivals Stuttgart 2009, die sich dem Schreiben für die unterschiedlichen Belange animierter Stoffe widmeten. Stephan Schesch, der Produzent des erfolgreichen MFG-geförderten Familienfilms »Die drei Räuber« erläuterte die verschlungenen Pfade der Entwicklung eines Stoffes vom Buch zum Kinofilm zur Serie in dem Auch »The Bunjies« (Studio Film Bilder) benötigen auf dem Weg zur Serie noch finanzstarke Partner

vielversprechenden Workshop namens »Drei Mal drei Räuber«. John Chambers, Vorjahresgewinner des Animationsdrehbuchpreises mit dem Skript »Der letzte Neandertaler«, klärte die Teilnehmer über sein Motto »Keeping it short – Writing for Animation« auf. David G. Surman, Professor für Computerspiele-Design, untersuchte in seinem Workshop die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Animationsmethoden bei Comupterspielen und Filmen. Der Brite Phil Parker, unabhängiger Stoffentwicklungsberater, thematisierte in »Schreiben für Animationslangfilme« vor allem den Aspekt, warum Animationsfilmer beim Übergang vom Kurzfilm zur Spielfilmlänge scheitern. Beate Ehrmann, Professorin mit Lehraufträgen an diversen Hochschulen für Interactive Story telling und Dramaturgie schlug mit »Writing for Games« eine Brücke zwischen Animation und Computerspielen. Die Veranstaltungsreihe fand in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung BadenWürttemberg und der MFG Filmförderung statt, die damit auch im Bereich der Animation die Bedeutung der Förderung und Qualifizierung von Drehbuchautoren unterstreicht. Alle Workshops waren komplett ausgebucht, sodass die Veranstalter sich erneut in ihrem Konzept bestätigt sahen. Teilnehmer des DrehbuchCamp-Curriculums konnten sich die Mitwirkung an mindestens vier Workshops als Kurs anerkennen lassen.


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Short Cuts Südwest

»Emmi & Krrrzlfzz«, Benjamin Quabeck

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Aktueller Stoff – »Die Konferenz der Tiere«

Der 3. Animationsdrehbuchpreis wurde am 6. Mai im Rahmen des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart 2009 an Oliver Huzley und Reinhard Klooss für ihr Filmskript »Die Konferenz der Tiere« verliehen. Das Autorenduo nahm die Auszeichnung und das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gestiftete Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro in einer stimmungsvollen Veranstaltung im Stuttgarter Alten Schloss entgegen. Das Drehbuch, das sich an dem berühmten und hochaktuellen Jugendroman Erich Kästners orientiert, befindet sich bereits in Produktion durch Constantin Film, Regie: Holger Tappe und Reinhard Klooss. Aus 20 eingereichten Drehbüchern waren vier Manuskripte für die Endauswahl nominiert worden. Darunter befanden sich auch zwei von der MFG Filmförderung

unterstützte Bücher: »Der Sandmann und der verlorene Traumsand« von Katharina Reschke und Jan Claudius Strathmann, Regie: Toby Genkel. Die filmische Umsetzung hat im April 2009 begonnen. Und außerdem: »Emmi & Krrrzlfzz« (AT: »Annie und Boo«) von Benjamin Quabeck, Produzent: Studio Soi GmbH & Co.KG. Die Jury bestand 2009 aus Vorjahressieger John Chambers, Heike Sperling (Preisträgerin 2007), Oberkirchenrat Udo Hahn und Ulrich Wegenast, Künstlerischer Leiter des Trickfilm-Festivals. Ziel des Preises, der 2007 zum ersten Mal im Rahmen des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart vergeben wurde, ist es, deutschsprachige Animationsfilme mit herausragendem Potenzial zu fördern und deren inhaltliche Qualität zu verbessern. Der Deutsche Animationsdrehbuchpreis wurde durch Drehbuchworkshops im Programm des Trickfilm-Festivals (siehe Seite 31) ergänzt. bsj

SC

Produktion kommt, will seinen Zukunftstraum vom Kreativsein als Drehbuchautor mit Partnerin Eka Papiashvilli verwirklichen. Die aus Georgien stammende Jungautorin hat große Pläne mit ihrer in Freiburg gegründeten Stoffentwicklungsfirma. Monika Schillinger hängte ihren Sekretärinnenjob an den Nagel, um sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren: Neben ersten Prosa-Veröffentlichungen bietet sie Exposés und Treatments fürs Fernsehen an. Das DrehbuchCamp-Curriculum beinhaltet ein Kursangebot, das an dramaturgischem Handwerkszeug alles enthält, was zur Entwicklung von fiktionalen und dokumentarischen Stoffen gehört und was ein Drehbuchautor über Markt und Branche wissen sollte. Es kann innerhalb von fünf Jahren – neben einer beruflichen Tätigkeit – absolviert werden. Das nächste Camp, vom 31. August bis 5. September 2009 in Wiesbaden, bietet Neues im Doku-Bereich: »Formatentwicklung für den internationalen Markt« mit Grimme-Preisträger Christian Beetz und »Doku-Fiction« am Beispiel des soeben mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichneten Films »Mogadischu« mit MauricePhilipp Remy. www.drehbuchcamp.de

Die ersten Absolventen: fürs Schreiben gerüstet

Als Mann der ersten Stunde im Drehbuch Camp Freiburg freute sich Christian Jamin, dass er am 21. Mai 2009 nun auch als einer der ersten das DrehbuchCamp-Curriculum durchlaufen hatte. Seit 1996, damals Zivi beim Veranstaltungspartner Goethe-Institut, als er sich auf »Heldenreise« begab, legte er sich das Rüstzeug für Stoffentwicklung zu, von dem er heute als Produzent in Basel profitiert. Carsten Böhnke, der aus der Vera Eichholz-Rhode (1.v. l.) vom DrehbuchCamp-Verein und Gabriele Sandmann am Set, in Produktion

Röthemeyer freuen sich mit den

bei scopas medien

ersten Absolventen


Short Cuts Südwest

»SOKO Stuttgart«-Macher Oliver Vogel und Torsten Lenkeit beim Autorenforum

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Autorenforum bietet Kooperation

Der frische Wind, der durch Baden-Württembergs Filmbranche weht, bringt auch Bewegung ins Autorenforum Baden-Württemberg. Einmal im Monat motiviert die aus dem Filmbüro heraus entstandene Initiative im Land ansässige Drehbuchautoren dazu, sich in Stuttgart zu treffen. Das Autorenforum lebt von der Mitarbeit und der Unterstützung aller Interessierten, seien es »alte Hasen«, Filmhochschulabsolventen, Quereinsteiger oder Projektpartner. Das gegenseitige persönliche Kennenlernen ist genauso wichtig wie das Fachthema. Neben dem kollegialen Austausch ist die bessere Einbindung der Autoren in die aktuellen Entwicklungen am hiesigen Medienstandort ein Anliegen der Organisatoren. Daher sind in unregelmäßigen Abständen bei den Zusammenkünften auch wichtige Partner der Kreativen zu Gast: Produzenten, Redakteurinnen, Mitarbeiterinnen der Filmförderung, Medienrechtler und andere. So hatten sich im April, als die Dreharbeiten im Römerkastell bereits auf Hochtouren liefen, die SOKO Stuttgart-Macher Oliver Vogel (Produzent) und Torsten Lenkeit (Producer) Zeit für das Autorenforum genommen. Im Stuttgarter Literaturhaus diskutierten sie mit den Autoren, den »wichtigsten Kreativpartnern des Produzenten in der Entwicklung neuer Formate« (Vogel). Locker und informativ vermittelte der Bavaria-Produzent seine Vorstellungen von der Zusammenarbeit vor Ort, sprach über den offenen Bedarf diverser Sender an bestimmten Formaten und beantwortete alle Fragen zum Schreiben für Bavaria-Serien.

Sein kleiner Geheimtipp an die eher zurückhaltenden Drehbuchautoren: »Freundliche Penetranz« zeigen, wenn sie sich mit ihrem Exposé für eine Folge bewerben wollen. Im Winterhalbjahr plant das Autorenforum einen Ortstermin auf filmisch noch unverbrauchtem Terrain: Es geht um ein spannendes Forschungsprojekt, zum Beispiel am Fraunhofer oder Max Planck Institut, wo Autoren mit Wissenschaftlern ins Gespräch kommen wollen. Einblicke in ungewöhnliche Lebens- und Arbeitswelten versprechen neue Inspiration für die eigenen Figuren und Geschichten »made in Baden-Württemberg«. Interessierte können sich ab sofort über die auf der AUF-Homepage angegebene Adresse melden. www.autorenforumbw.de

SC

Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen

Auf der Ludwigshafener Parkinsel zeigen die Veranstalter im Rahmen des 5. Festivals des deutschen Films zehn Tage lang »eigensinniges Autorenkino«, darunter zwei von der MFG geförderte Produktionen. Im Wettbewerb um den Filmkunstpreis ist »Weitertanzen« im Programm. In dem erst kürzlich beim New Berlin Film Award als bester Spielfilm ausgezeichneten Debüt erzählt die Autorin und Regisseurin Friederike Jehn von den Ängsten einer jungen Frau, die aus Unsicherheit bei ihrer eigenen Hochzeit die Flucht ergreift: eine rasante, überdrehte Komödie. Und ein Plädoyer für

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die echte Liebe nach dem Motto: Nun prüfe, wer sich ewig bindet. Der von Gambit Film und Fernsehproduktion realisierte Film erhielt in Hof 2008 den Eastman-Förderpreis der Firma Kodak. In der Sektion Lichtblicke wird außerdem »Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf« von Matthias Luthardt gezeigt. Der zweite Film des Regisseurs ist eine Koproduktion der EIKON Südwest mit dem SWR. Er lief in diesem Jahr bereits beim Festival Max Ophüls Preis und auf der Berlinale. Eine junge Frau (Franziska Petri) wird mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Mannes nicht fertig. Es entwickelt sich ein zwischen Trauerarbeit und Horrorfilm angelegtes Spiel mit Erwartungen und Verwechslungen. Das Drehbuch stammt von Johanna Stuttmann, deren Buchvorlage für »Nacht vor Augen« 2007 mit Thomas Strittmatter Preis ausgezeichnet worden war. Das Festival des deutschen Films ist eine Initiative des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg und wird getragen von der »Initiative Zukunft Rhein-NeckarDreieck«, einem Zusammenschluss aus Vertretern der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung der Region Mannheim-Heidelberg-Ludwigshafen. bsj

SC

Documentary Campus

»Weitertanzen«,

Eine der renommiertesten, europäisch angelegten Fortbildungsinitiativen im Dokumentarfilmbereich, Discovery Campus, geht neue Wege und nennt sich ab sofort Documentary Campus e. V. Man will bereits im Vereinsnamen die starke Fokussierung der europäisch ausgerichteten Initiative auf die Fortbildung im Dokumentarfilmbereich erkennbar machen, um der zunehmend internationalen Ausrichtung gerecht zu werden. Seit der Vereinsgründung vor knapp zehn Jahren hat sich Discovery Campus fest im europäischen Markt etabliert. Über die Jahre ist der Verein stetig gewachsen und hat sein Fortbildungsangebot an die bestehenden Marktbedürfnisse und -trends angepasst. Mit neuen Projekten und Ansätzen geht es schwungvoll in eine neue Ära. Documentary Campus setzt auch in Zukunft auf Kontinuität und Qualität und wird von nun an alle Arten von Dokumentarfilmen unterstützen – für das private, wie auch für das öffentlichrechtliche Fernsehen.

Friederike Jehn

www.documentary-campus.com


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Short Cuts Südwest

Fallstudie in Straßburg: mit Katharina Schüttler

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SC

Rheinisches Koproduktionstreffen in Straßburg

Das rheinische Koproduktionstreffen, das von MEDIA Antenne Strasbourg in Partnerschaft mit der MFG Filmförderung, arte und Eurimages veranstaltet wird, findet am 7. und 8. Juli 2009 statt. Es bringt Produzenten und Sendervertreter der Rheinregionen Elsass, Lothringen, Hochburg und BadenWürttemberg, dem Saarland, Luxemburg und der Schweiz zusammen. Die eingereichten Projekte werden wieder in einem zweisprachigen Katalog vorgelegt. Der Vormittag besteht aus einer Präsentation redaktioneller Strategien der Sender sowie zweier Fallstudien deutsch-französischer Koproduktionen. Dabei handelt es sich neben einem Dokumentarfilmprojekt, das noch nicht feststeht, um den von der MFG produktionsgeförderten Spielfilm »Es kommt der Tag« (Regie: Susanne Schneider), den Wüste Film Ost und Filmtank Stuttgart in Koproduktion mit Unlimited in Straßburg realisiert haben. Produzent ist Philippe Avril. Der gesamte Nachmittag steht für die Oneto-One-Meetings mit potenziellen Koproduzenten und Sendervertretern zur Verfügung. Bei einem besonderen Jour Fixe, zu dem die MFG Filmförderung am Vorabend einlädt, steht eine Diskussion über Marketing für Filme im Social Web auf dem Programm. Eine Filmvorführung aus einer grenzüberschreitenden Koproduktion rundet den Abend ab.

SC

Neuer Name für Bad Urach

Bad Urach heißt für kurze Zeit Schafferdingen. Jedenfalls was den fiktiven Spielort während der Dreharbeiten zur neuen SWRSerie »Laible und Frisch« betrifft. Die Produzenten der Schwabenlandfilm GmbH, Frieder Scheiffele (Produzent), Sebastian Feld (Buch und Producer) sowie Michael Rösel (Regie), drehen in Bad Urach und Umgebung im Juni und Juli mit Unterstützung der MFG Filmförderung den zunächst auf sechs Folgen ausgelegten Mehrteiler, der ab Herbst 2009 im SWR ausgestrahlt werden soll. Der neue Ortsname für den Drehort auf der Schwäbischen Alb sollte ein idyllisches, schwäbisches Dorf beschreiben, und auch das urige Lokal in der Serie sollte umbenannt werden. Ein Aufruf in SWR 4 BadenWürttemberg brachte innerhalb weniger Tage eine Flut kreativer Vorschläge wie Neggartäle, Bronnebutzerhausa, Seerach oder Schwäblingen. Am Ende fiel die Wahl auf einen Hörervorschlag aus Donaueschingen: »Schafferdingen« wird mit Sicherheit auch außerhalb der Landesgrenzen als typisch schwäbischer Ort erkannt. Und das Lokal der Serie wird für einige Wochen schlicht und schön »Gasthof Glöckle« heißen. BSJ www.schwabenlandfilm.de

In der Kabine der Landshut: Nadja Uhl

Kontakt: media@cus-strasbourg.net

als Flugbegleiterin und Saïd Taghmaoui

www.mfg-filmfoerderung.de

als Anführer der Terroristen

Bayerischer Fernsehpreis für »Mogadischu«

Der mit 20.000 Euro dotierte Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises ging an den Regisseur Roland Suso Richter für seinen Fernsehfilm »Mogadischu«. Als das Drama im November 2008 in der ARD gezeigt wurde, avancierte er zum Zuschauerhit: 7,34 Millionen Menschen verfolgten den Spielfilm und 4,25 Millionen sahen die anschließende, begleitende Dokumentation. Der Film von Roland Suso Richter wurde von der MFG Filmförderung, dem FFF Bayern und Medienboard BerlinBrandenburg finanziell unterstützt. Produziert wurde er von teamWorx Television & Film GmbH in Koproduktion mit EOS und der ARD (Degeto/SWR/BR). Er schildert den vorletzten Akt des Deutschen Herbstes: Die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut, ihres Irrfluges und ihre Erstürmung durch die GSG 9. SWR-Fernsehdirektor Bernhard Nellessen: »Mit ›Mogadischu‹ hat der SWR wieder einmal bewiesen, dass sich zeitgeschichtliche Themen packend aufbereiten lassen. Besonders beeindruckend an der Regieleistung von Roland Suso Richter war es, wie er die bedrückende Enge im Flugzeug und die Angst der Geiseln für den Zuschauer förmlich spürbar gemacht hat.«


Kino News

KN

Klassenzimmer im Kinosaal

Als großes Ereignis erwies sich die Auftaktveranstaltung zur 3. SchulKinoWoche Baden-Württemberg am 6. März 2009. Das Heidelberger Gloria Kino bot den teilnehmenden SchülerInnen viele Möglichkeiten, die Welt der bewegten Bilder zu entdecken, von Daumenkinos im Taschenformat zum Selbstbasteln über eine Führung hinter die Kulissen durch den Filmvorführraum, bis hin zu selbst gedrehten Filmen Heidelberger Schüler, die im Vorprogramm liefen. Parallel zum medienpädagogischen Programm eröffnete Staatssekretär Georg Wacker die diesjährige SchulKinoWoche (SKW). »Mit dieser landesweiten Aktion sollen Kinder und Jugendliche lernen, sich kritisch mit dem Medium Film auseinanderzusetzen«, so Wacker. Dieter Krauß von der MFG Filmförderung unterstrich die Rolle der Kinos als Ort der bewussten Filmauseinandersetzung. Die in Baden-Württemberg vom 9. bis 13. März realisierte SchulKinoWoche ist eine Initiative von VISION KINO, dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg in Kooperation mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der LFK Landesanstalt für Kommunikation. Wenn der Kinosaal zum Klassenzimmer wird, steht auf dem Kino-Programm neben dem Erleben auch das Lernen. Gemeinsam mit insgesamt 3.180 Klassen- und Fachlehrern nahmen 37.355 Schüler aller Klassenstufen an Veranstaltungen in 39 Stadt- und Landkreisen teil, um die Besonderheiten des Mediums Film (er)kennen zu lernen.

Dazu gehörte auch die Erfahrung, wie man sich mit filmischen Mitteln wie Sprache, Ästhetik und Wirkung auseinandersetzt. Ein Ziel der SKW ist es, Lehrkräfte anzuregen, Filme als Kultur- und Bildungsgut häufiger in den Unterricht zu integrieren. VISION KINO stellt für alle Filme umfangreiches pädagogisches Material zur Verfügung. Lehrer hatten bereits im Vorfeld die Möglichkeit, an zwei Fortbildungsveranstaltungen des renommierten Filmwissenschaftlers Manfred Rüsel zum Thema »Filmanalyse und Einsatz von Spielfilmen im Unterricht« teilzunehmen. Die Schüler waren von den Eröffnungsfilmen »Lauf um dein Leben – Vom Junkie zum Ironman« von Adnan G. Köse sowie »Der Sohn von Rambo« sehr beeindruckt. Im Anschluss an die Vorführung von »Lauf um dein Leben« kam es zu einem lebhaften Austausch zwischen den Filmbegeisterten und dem Nachwuchsfilmer Adnan G. Köse sowie zwei jungen Synchronsprechern. Dies war nur eines von insgesamt 86 Filmgesprächen mit Pädagogen oder Film- und Medienschaffenden, die die Vorführungen während der SKW begleiteten. In Baden-Württemberg beteiligten sich 57 Kinos an der SKW. In 434 Vorführungen wurden Spiel- und Dokumentafilme, Literaturverfilmungen und Animationsfilme gezeigt. Insgesamt waren 61 Filme für die Klassenstufen 1 bis 12 im Programm. Am Ende stand fest: Platz 1 der »SKWCharts« belegte »Krabat«. Die MFG-geförderte Adaption des Romans von Otfried Preußler mit bekannten Schauspielern wie Daniel Brühl und David Kross war der besucherstärkste Film. Mit »Die drei Räuber«,

FilmFactsSüdwest | 2–2009 | Juni

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Aufmerksame Besucher: Staatssekretär Georg Wacker eröffnet SchulKinoWoche im Heidelberger Gloria Kino

dem Animationsfilm nach der Vorlage von Tomi Ungerer, sowie »Paulas Geheimnis« schafften es zwei weitere MFG-geförderte Filme unter die zehn beliebtesten Filme. Damit auch SchülerInnen und LehrerInnen in Gemeinden ohne Kino das Angebot der SKW in Anspruch nehmen konnten, war das von der MFG unterstützte Kinomobil in der Zeit vom 16. März bis 8. April mit ausgewählten Filmen unterwegs. Aufgrund der guten Resonanz bei den Lehrern und Schülern, soll das erfolgreiche filmpädagogische Konzept in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Sollten die finanziellen Mittel es zulassen, ist an eine Aufstockung der Kinostandorte gedacht. BSJ

KN

Open-Air-Kinos

Wer an lauen Sommerabenden cineastische Vergnügungen unter freiem Himmel sucht, findet auf der MFG-Hompepage eine Übersicht ausgewählter Freiluft-Locations im Land mit Kontakthinweisen. www.mfg-filmfoerderung.de


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FilmFactsSüdwest | 2–2009 | Juni

Hot Spots

20. Juni: Konstanz, Scala-Kino 25. Juni: Überlingen, Cine-Greth, 20 Uhr 26. Juni: Weingarten, Linse, 21.15 Uhr 27. Juni: Biberach, Sternenpalast, 20 Uhr Die Vorführungen finden in Anwesenheit des Regisseurs statt. www.der-entsorgte-vater.de

HS

Aufruf für »Kindertiger« Einsendeschluss: 30. Juni 2009

»Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf«, Matthias Luthardt

HS

Bundesfestival Video an der Filmakademie Baden-Württemberg

HS

5. Festival des deutschen Films 18. bis 28. Juni 2009

18. bis 21. Juni 2009 An der Filmakademie Baden-Württemberg findet zum 2. Mal das Bundesfestival Video statt. Am 18. Juni, um 16 Uhr wird mit der offiziellen Eröffnung ein Wochenende filmischer Highlights aus den bundesweiten Wettbewerben »Deutscher Jugendvideopreis« und »Video der Generationen« eingeläutet. Kreative Filmer bis 25 Jahre konnten ihre besten Arbeiten ins Rennen schicken. Der Wettbewerb setzt keine Limits bei Thema, Genre und Stil. Für die Jury zählen originelle Ideen, eigene Sichtweisen und eine frische filmische Ästhetik. Der Stifter, das Bundesjugendministerium, vergibt Prämien im Gesamtwert von 13.000 Euro. www.filmakademie.de

Gleich zwei MFG-geförderte Produktionen können die Besucher des Festivals des deutschen Films in sommerlicher Atmosphäre auf der Ludwigshafener Parkinsel erleben. In der Reihe »Wettbewerb um den Filmkunstpreis 2009« ist »Weitertanzen« von Friederike Jehn auf dem Programm. Die Reihe »Lichtblicke 2009« zeigt »Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf« von Matthias Luthardt (siehe auch Seite 33). www.iffmh.de/de/Festival_des_deutschen_Films/

HS

Der entsorgte Vater Kinotour durch Baden-Württemberg

Vater sein und doch nicht fürs eigene Kind sorgen dürfen: Der Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger durchlebt dies seit vielen Jahren. Mit seiner auf persönlichen Erlebnissen beruhenden Dokumentation ist er seit dem 10. Juni in badenwürttembergischen Kinos unterwegs. Bei Redaktionsschluss standen folgende Termine einer bis Juli geplanten Kinotour durch den Südwesten fest:

Mit dem »Kindertiger« wird das beste Drehbuch für einen programmfüllenden Kinderfilm prämiert, der bereits regulär im Kino aufgeführt wurde. VISION KINO und KiKa verleihen den »Kindertiger« in diesem Jahr zum 2. Mal. Der von der FFA initiierte Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro ausgestattet. Der »Kindertiger« erfreute sich bereits in seinem ersten Jahr großer Aufmerksamkeit. Eine Expertenjury nominiert zunächst aus allen Einsendungen drei Kinderfilm-Drehbücher. Danach trifft eine fünfköpfige Kinder-Jury schließlich die Entscheidung. 2008 war u. a. der MFG-geförderte Animationsfilm »Die drei Räuber« nominiert, »Blöde Mütze!« wurde in einer feierlichen Preisverleihung schließlich als Sieger geehrt. www.visionkino.de

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HDM MediaNight 2. Juli 2009, 18.00 Uhr

Auf der Abschlussparty des Sommersemesters 2009 erwartet die Gäste ein breites Programm: Filme, Animationen, Installationen und Tonproduktionen sowie für Neulinge die Möglichkeit der Information über die Studiengänge. Der Eintritt ist frei. Ort: Nobelstraße 10, 70569 Stuttgart

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Filmboard Karlsruhe – Jour Fixe

Protaganist seiner Dokumentation

Die Treffen finden jeweils am 1. Montag im Monat statt: Eingeladen sind Film- und Medienschaffende sowie Filminteressierte der Region Karlsruhe. Ort: Restaurant Kleiner Ketterer, Adlerstraße 34 | Beginn: 19:00 Uhr Die nächsten Termine: 6. Juli | 3. August | 7. September | 5. Oktober 2009

»Der entsorgte Vater«

www.filmboard-karlsruhe.de

Douglas Wolfsperger als


Hot Spots

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PORSCHE AWARD 2009 zum Abheben bereit

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Einsendeschluss: 10. Juli 2009

FilmFactsSüdwest | 2–2009 | Juni

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Stuttgarts Incredible World of Animation 27. Juli 2009, ab 21.00 Uhr Club Schocken in Stuttgart

In diesem Jahr startet der PORSCHE INTERNATIONAL STUDENT ADVERTISING FILM AWARD bereits seine 6. Runde. Studierende aus aller Welt können Arbeiten einreichen, und wer es unter die zehn Besten schafft, hat einen sicheren Platz auf der Shortlist. Die Filmakademie Baden-Württemberg lädt zusammen mit der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, die zehn nominierten Regisseure am 12. November 2009 zur Preisverleihung nach Ludwigsburg ein. Die ersten drei Gewinner erhalten zusätzlich zur edlen »David-Trophäe« Preisgelder in Höhe von 3.911, 2.911 und 1.911 Euro – in Anlehnung an den Sportwagenklassiker Porsche 911. Flügel verleiht der Ko-Sponsor germanwings dem Wettbewerb auch in diesem Jahr mit dem Sonderpreis »World Wide Wings«. www.filmakademie.de

Baden-Württemberg ist der Schmelztiegel der Animationsfilmproduktion in Deutschland. Vom Musikvideo zur TV-Serie, vom Werbeclip bis zum künstlerischen Kurzfilm – hier wird produziert, was im Kino, Fernsehen und auf Filmfestivals auf der ganzen Welt zu sehen ist. Stuttgarts Incredible World of Animation präsentiert eine kleine Auswahl dieser Produktionen – Filmbilder auf Leinwand festgehalten. Ausgestellt in Stuttgarter Clubs & Kneipen zeigen die Bilder Momentaufnahmen aus einem grenzenlosen Genre. Mit einem Abschlussevent wird die Aktion im Club Schocken am 27. Juli beendet. Neben den Filmen zu den Bildern geben Filmemacher und Studios Einblick in ihre Arbeit: Trickfilmer – Wie habt Ihr das gemacht? www.siwa-ausstellung.de

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26. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest Einreichschluss: 20. Juli 2009

Das Kasseler Festival präsentiert vom 10. bis 15. November internationale Dokumentarfilme sowie experimentelle und künstlerische Arbeiten und Medieninstallationen. Im letzten Jahr war Christa Grafs »Memory Books«, eine MFG-geförderte Dokumentation über an HIV sterbende Eltern, die ihren Kindern ihre Familiengeschichte, Gedanken, Bräuche und Wünsche hinterlassen, auf dem Programm. www.filmladen.de/dasfest

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Ab Juli in Reutlingen – 100 Jahre Filmland Baden-Württemberg

SIWA-Macher Tobias Wengert vor »The Runt« von Andreas Hykade

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MFG Jour Fixe 4. August 2009 | 1. September 2009

Nach den besonderen Jour Fixe-Terminen am 9. Juni aus Anlass der »Highlights« an der Filmakademie in Ludwigsburg und am 7. Juli beim Rheinischen Koproduktionstreffen in Straßburg trifft sich die Branche wieder am: 4. August 2009 und 1. September 2009 in Ludwigsburg bei avcommunication GmbH, Königsallee 57, 71638 Ludwigsburg www.mfg-filmfoerderung.de

31. Juli bis 30. August 2009 Reutlingen HS

Die Ausstellung über das facettenreiche baden-württembergische Filmschaffen der vergangenen 100 Jahre ist noch bis 21. Juni 2009, als ursprünglich letzte Etappe, in Karlsruhe zu sehen. Der große Erfolg der Schau hat dazu geführt, dass die Ausstellungstournee verlängert wurde: im August gastiert die Ausstellung im Reutlinger Spitalhof. Spitalhofsaal des Spitalhofs, Wilhlemstr. 71 Montag bis Freitag, 14 bis 20 Uhr, Samstag, 11 bis 18 Uhr

Maurice Philip Remy beim Drehbuchcamp 31. August bis 5. September 2009 Wiesbaden

Die unterhaltsamsten Kurzfilme der Independent Days und auch ein paar echte Klassiker werden beim traditionellen Karlsruher Open Air »Das Fest« noch einmal einem breiten Publikum gezeigt. Das Independent Days 9 | Filmfest im April 2009 war eine erfolgreiche Schau der aktuellen Low- und No-Budget-Filmkunst in der Region. Programm und Laufzeiten der »Retrospektive« ab Juni unter:

Erzählformen bewegen sich immer öfter an der Schnittstelle zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm, »Doku-Fiction« genannt. Welche Themen, Erzählwerkzeuge und filmgestalterischen Mittel sich eignen, welche Vorteile, aber auch Grenzen bestehen, zeigt der neue Kurs »Doku-Fiction« des DrehbuchCamps in Wiesbaden. Am Beispiel seines Drehbuches und Films »Mogadischu« zeigt Maurice Philip Remy, wie er die reale Geschichte um die entführte LufthansaMaschine Landshut einmal als Spielfilm verdichtet und einmal als Dokumentation verarbeitet hat und wo er Chancen und Grenzen zur Abbildung der Wirklichkeit sah. Für das DrehbuchCamp in Wiesbaden, das zweite dieses Jahres, sind noch Anmeldungen in einigen Kursen möglich. Weitere Informationen unter:

www.independentdays.de

info@drehbuchcamp.de | www.drehbuchcamp.de

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Das Fest 2009 24. bis 26. Juli Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe

www.100jahre-filmland.de


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FilmFactsSüdwest | 2–2009 | Juni

Hot Spots

Krimi-Kurzfilmpreis am Tatort Eifel

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11. bis 20. September 2009 Das Krimifestival Tatort Eifel ist eine einzigartige Kontaktbörse für Krimi-Filmschaffende aus ganz Europa. Aber auch Krimifans erleben in mehreren teilnehmenden Eifelorten und Kinos ein hochspannendes Programm. Der Krimi-Kurzfilmpreis wird am 17. September 2009 in Kooperation mit dem SWR und der MFG Filmförderung zum zweiten Mal beim Krimifestival Tatort Eifel in Daun verliehen. Dieser Preis richtet sich an Studentinnen und Studenten von Filmhochschulen sowie an Nachwuchsfilmemacher, die sich mit dem Krimigenre kreativ beschäftigen können. In diesem Jahr lautet das Thema »Abgehauen – untergetaucht«.

Masterclass Ludwigsburg – Paris

Neun Kurzfilme werden die diesjährigen Absolventen der Masterclass Ludwigsburg – Paris am Premierenabend des 9. Oktober vorstellen, welcher traditionell im Rahmen der Französischen Woche stattfindet. Fünf französische und vier deutsche Abschlussarbeiten werden unter dem Thema »Unverhofftes Wiedersehen« präsentiert. Die Masterclass Ludwigsburg – Paris ist ein einjähriges Postgraduate-Programm für junge Produzenten und Verleiher. Der Unterricht findet an der Filmakademie Baden-Württemberg, der Pariser Filmhochschule La Fémis und der National Film and Television School in London statt. www.cinemasterclass.org/

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Location Tour 2009 – »fächert« Drehorte auf

Bewerbungsschluss: 15. Oktober 2009 3. bis 6. Dezember, Luxembourg

24. und 25. September 2009 Die Location Tour unter dem Motto »Fächerstadt Karlsruhe und Umgebung – Drehorte aufgefächert« ist eine Entdeckungsreise für Produzenten und Filmschaffende zu spannenden und unverbrauchten Drehmotiven. Die MFG Filmförderung lädt in Zusammenarbeit mit der FilmCommission Baden-Baden/Karlsruhe zur Locationtour in die Region Mittlerer Oberrhein ein. Kontakt für die Location Tour: MFG Filmförderung Baden-Württemberg Uschi Freynick Breitscheidstraße 4 | 70174 Stuttgart Telefon 0711 90715-408 | freynick@mfg.de www.mfg-filmfoerderung.de | www.location-bw.de

EAVE – Film Marketing Training

No matter how good a film is, without a well conceived and cost-effective marketing plan, it has little chance of success in the very crowded and competitive marketplace. The producer’s role is to orchestrate the film’s progress from developing the script, hiring the talent and securing finance to its sales and international distribution, but also to correctly position the film in the market. The 4-day intensive Film Marketing Course emphasizes a »hands-on« and practical approach using current films and modern marketing techniques. It is composed of presentations, workshops, demonstration and one-to-one consultations by leading professionals with each participant. www.eave.org

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31. Biberacher Filmfestspiele 28. Oktober bis 1. November 2009

Deutscher Kurzfilmpreis 2009 29. Oktober 2009

Premiere: 9. Oktober 2009, 19.00 Uhr

www.tatort-eifel.de

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Der Deutsche Kurzfilmpreis ist die wichtigste Auszeichnung für den Kurzfilm in Deutschland. Staatsminister Bernd Neumann wird den nationalen Spitzenpreis am 29. Oktober in Kooperation mit der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg verleihen. www.deutscher-kurzfilmpreis.de

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13. Mannheim Meetings 11. bis 15. November 2009

Im Rahmen des 58. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg vom 5. bis 15. November findet mit den »Mannheim Meetings« eine erfolgreiche professionelle »Messe« statt, auf der Produzenten und Investoren internationale Koproduktionen und Verleihkooperationen vereinbaren, Finanzierungspartner für Ihre Projekte finden oder fertige Filme verkaufen und außerdem Ihr Wissen erweitern – an fünf intensiven Tagen im November. Auch die MFG Filmförderung ist regelmäßig mit geförderten Projekten vertreten. Einreichschluss für Koproduktionen: 30. Juli 2009 www.iffmh.de/de/Mannheim_Meetings

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10 Jahre MFG-Star beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden 17. bis 21. November 2009

Während des kommenden FernsehfilmFestivals in Baden-Baden feiert der MFGStar Jubiläum. Der zum 10. Mal verliehene Nachwuchspreis ist eine Auszeichnung für junge Regisseurinnen und Regisseure, die auf dem Festival einen noch nicht im Fernsehen ausgestrahlten Debütfilm vorstellen. Noch bis Ende August können die TV-Sender Vorschläge einreichen. www.darstellendekuenste.de

Auf die Perspektive kommt es an:

Auch in seiner 31. Ausgabe bleibt das Biberacher Filmfest, was es seit seiner Gründung ist: ein »Familienfest der deutschen Filmemacher«. Biberach ist eines der ältesten Festivals in Deutschland und das erste, das sich ausschließlich dem deutschen Film widmete.

das Karlsruher Schloss

www.biberacherfilmfestspiele.de/


FilmFactsSüdwest | 2–2009 | Juni

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