Luxus FRÜHLING 2016
Sonderbeilage von Samstag, 19. März 2016
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Farhad Vladis fünf beliebteste Inseln: 1–3 – Buck Island, British Virgin Islands, Karibik (Kaufpreis auf Anfrage). 4–6 – Cousine Island, Seychellen, Indischer Ozean (Villa ab 1500 €/Nacht, ganze Insel ab 5500 €/Nacht).
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7 – Forsyth Island, Neuseeland (ganze Insel ab circa 1100 Franken/Tag). 8 – Mouton Island, Queens County, Nova Scotia, Ostküste Kanada (Kaufpreis auf Anfrage). 9 – Gigalum Island, Westküste Schottland (Kaufpreis circa 640 000 Franken).
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Ta g e s - A n z e i g e r – 19. M ä r z 2 016
Der Traumdeuter Der Hamburger Farhad Vladi verkauft seit 45 Jahren Inseln auf der ganzen Welt. Zu seinen Kunden gehören Stars wie Johnny Depp. Doch Vladi ist überzeugt, dass heute fast jeder Mensch von seiner eigenen Insel träumt.
Interview
Dieter Liechti
Farhad Vladi, am 14. März 1971 haben Sie Ihre erste Insel verkauft. Erinnern Sie sich noch an die Details dieses Objektes? Aber natürlich! So etwas Schönes hatte ich noch nicht gesehen. Ich dachte, ich wäre im Paradies. Dies war ja die erste Insel, die ich sah; ich kannte nichts Vergleichbares.
gesehen und selber schon betreten? Ungefähr drei Viertel davon, den Rest meine Kollegen. Wenn die Leidenschaft zum Beruf wird, geht oftmals die ursprüngliche Faszination und Liebe zu einem Thema verloren. Hat sich die Bedeutung von Inseln für Sie persönlich in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Allerdings müssen auch heutige Inselbewohner auf gewisse Privilegien verzichten . . . . . . sie müssen nicht, sie wollen. Es ist die Freiheit, in die Abgeschiedenheit zu flüchten und aus ihr zurückzukehren, die den Luxus einer Privatinsel ausmacht – schon die kleinste Insel mit einem schlichten Blockhaus ist ihrem Eigentümer daher allergrösster Reichtum. Es ist ein Privileg, auf der eigenen Insel die Jahreszei-
Zivilisation erleben auf einer privaten Insel. Aber natürlich gelingt auch Rückzug und Isolation in einem exklusiv gelegenen Penthouse in einem Hochhaus, mitten in einer Grossstadt.
Unsere günstigste Insel liegt in einem See in der kanadischen Atlantikprovinz, 15 000 bebaubare Quadratmeter, und kostet 32 500 Euro. Dafür kriegen Sie in der Region Zürich gar nichts.
Und wofür entscheiden sich die meisten Ihrer Kunden? Für die echte Robinson-Insel. Die sie dann gerne selbst entwickeln und etwas drauf bauen. Je nach Ge-
Und die teuerste? Liegt auf den Bahamas. Bebaut, mit Landebahn und Marina, kostet sie 80 Millionen Euro. Und was unterscheidet den Besitzer einer Insel von einem exklusiven Objekt auf dem Festland? Eine Insel hat keine Hausnummer. Eine Insel hat eine Seele.
Seitdem sind 45 Jahre vergangen. Was würde Cousine Island bei den heutigen Marktpreisen kosten? Rund 10 bis 12 Millionen Euro. 1971 waren Sie 26 Jahre alt. Wie kam ein in Hamburg geborener 26-jähriger Volkswirt eigentlich auf die Idee, Inseln zu verkaufen? Ich war wie elektrisiert, als ich in einer Zeitung las, dass es auf den Seychellen Privatinseln zu verkaufen gab. Ich schrieb an die Zeitung und schickte Geld für eine Anzeige «Insel gesucht». Es kam ein Angebot, 100 000 Dollar wollte der Besitzer haben. Viel zu viel für mich damals in der Studentenzeit. Aber die Neugier war geweckt. Und ich ahnte: Wenn ich diesen Inseltraum habe, dann werden den andere auch träumen. Und so war es dann auch. Ich schrieb Briefe an vermögende Hamburger, legte Bilder bei, und fand drei Käufer, die sich die Insel teilen wollten. Und hatte in kurzer Zeit fünf Prozent Provision verdient. Eine Geschäftsidee war damit für mich geboren. Ich nehme an, den Roman «Robinson Crusoe» des englischen Schriftstellers Daniel Defoe haben Sie als Kind verschlungen? Ja, das habe ich genauso gelesen wie «Die Schatzinsel» von Stevenson. Und mit welcher Person haben Sie sich damals stärker identifiziert? Mit Robinson oder Freitag? Mit Robinson natürlich! Der hatte ja eine Waffe dabei. Übrigens, genau diese Waffe ist heute in meinem Besitz, sie hängt in meinem Büro in Hamburg, hinter Glas natürlich. Ich habe sie geschenkt bekommen von Allan Jardine aus Edinburgh, einem Nachfahren des Original-Robinson. Laut Ihrer Website sind Sie «offizieller Weltrekordhalter im Inselverkauf». Was heisst das in Zahlen? 2650 belegte Inselverkäufe. Wir haben das mal von Price-WaterhouseCoopers untersuchen und bestätigen lassen. Wie viele von Ihnen verkauften Inseln haben Sie schon persönlich
Seit ein paar Jahren kann man bei Ihnen nicht nur Inseln kaufen, sondern auch mieten. Wie hat sich dieses Business entwickelt? Ja, das hat sich tatsächlich zu einem grossen Trend entwickelt. Gerade jüngere Leute kaufen heute nicht mehr, sie mieten. So haben sie weniger Verantwortung. Sie kommen auf eine Insel, müssen nichts vorbereiten, nichts organisieren, keine ständigen Kosten, sie können sich zurücklehnen und die Inselwelt geniessen. Nach 2 Wochen reisen sie ab, ohne sich um Weiteres kümmern zu müssen. Dieser Trend lässt sich ja überall beobachten. Auch Autos werden heute nicht mehr unbedingt gekauft. Man mietet, wenn man sie braucht.
Insel-Makler Farhad Vladi: «Für viele ist eine Insel die Flucht vor der Zivilisation.» Die Faszination ist immer noch da. Man ist plötzlich alleine mit der Natur, man muss sich unterordnen, und kurioserweise fühlt man sich wohl dabei. Auf meiner Insel in Neuseeland stehe ich mit der Sonne auf und gehe mit ihr schlafen, das Leben wird plötzlich sehr einfach. Man muss lernen, mit der Natur zu leben und nicht gegen sie. Und genau diese Liebe zur Natur spüre ich auch bei meinen Kunden. Und was macht die Faszination einer Insel für Sie heute noch aus? Ich kenne kaum Menschen, die sich der Sehnsucht nach einem eigenen Stück Land, abseits der Hektik und inmitten weiter Meere oder eines idyllischen Sees, entziehen können. Obwohl überschaubar, fühlt sich eine Insel zugleich unendlich an – das Wasser als natürliche Grenze gibt dem Inselbewohner ein Freiheitsgefühl, das kein Festlandgrundstück bieten kann.
ten kommen und gehen zu sehen. Denn auf einer Insel geht alles nur im Schritttempo der Natur – wer sie respektiert, wird in Fülle belohnt. Trotzdem müssen sich heutige Robinsons damit abfinden, dass man halt ab und zu ohne Wasser oder Strom, geschweige denn Internet «überleben» muss. Viele Käufer von Inseln wollen ja genau das – die Flucht vor der Zivilisation. Alle andern müssen sich längst nicht mehr mit Infrastrukturproblemen plagen. Hochmoderne Stromgewinnungs- und Wasseraufbereitungsanlagen, komfortabelste Fertighäuser, gute technische Möglichkeiten zum Anlegen von Verkehrswegen und elektronische Kommunikation erleichtern die Erschliessung des neuen Eilands. Also haben Inselbesitzer die Wahl zwischen Robinson und Luxus? Ja. Sie können den Abschied von der
Fotos: PD
Der Schweizer Musiker Peter Reber hat den Song geschrieben «Jede bruucht sy Insel». Stimmt das? Ja, das stimmt. Jeder braucht seine «Insel», seinen Rückzugsort, seine Intimsphäre. Und eine Insel ist eine Möglichkeit.
schmack und Örtlichkeit: Blockhaus oder Villa.
www.vladi-private-islands.de
Unter den beinahe 3000 Inselkäufern werden sich bestimmt auch viele Prominente befinden. Nennen Sie uns ein paar Namen? Der wohl berühmteste unter ihnen ist Aristoteles Onassis. Er hat auf seiner Insel Skorpios Jackie Kennedy geheiratet, hat seine Kinder dort begraben lassen und auch er selbst hat dort seine letzte Ruhe gefunden. Mehr emotionale Bindung an eine Insel geht nicht. Andere Prominente sind beispielsweise David Copperfield mit seiner Insel Musha Cay in den Bahamas, die wir auch vermieten. Oder Johnny Depp, dem wir Little Hall’s Pond Cay in den Bahamas verkauft haben. Auch er hat übrigens dort am Strand seine Hochzeitsfeier stattfinden lassen.
Swiss and Alpine Islands
Wie viel kostet Ihre derzeit günstigste Insel im Angebot?
Es muss nicht immer die Karibik sein: In seinem Buch «Swiss and Alpine Islands» zeigt Farhad Vladi mit 150 Bildern auf 144 Seiten, welche Insel-Perlen sich in den Alpen verstecken.