BERICHTE AUS WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT
Spur der Ahnen
Wie der Fund des alten Askanierfürsten in Wittenberg den Tourismus fördert Seite 36
05/11
Platzhalter Anzeige AH Wernigerrode
Aus meiner Sicht
Das Hochwasser hat Sachsen-Anhalt im Januar mit voller Wucht
höchsten Auszeichnung für Forscher hierzulande und einer
neun Jahren war unser Bundesland diesmal gut für die Fluten
Anhalt greifen sogar nach den Sternen: Selbst ein internationales
heimgesucht. Anders als beim Jahrtausendhochwasser vor fast gerüstet.
Millionen Euro sind in den zurückliegenden Jahren in moderne
Hochwasserschutzanlagen geflossen. Für den Landkreis Anhalt-
der renommiertesten weltweit. Wissenschaftler aus Sachsenbiologisches
Raumstation
Forschungsprojekt ISS
wird
von
auf
einem
Magdeburger Universität geleitet.
der
Internationalen
Wissenschaftler
der
Bitterfeld waren die Naturgewalten dieses Winters gleichzeitig
Impfstoffe aus Tabakpflanzen, sauberes Wasser durch Hightech-
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung entwickelte System
Wissenschaftler und Produzenten Hand in Hand an der Zukunft.
ein Testlauf. Erstmals musste sich das vom Magdeburger
SARISK bewähren. Und es hat seinen Härtetest mit Bravour bestanden. Fast bis auf den Zentimeter genau sagte SARISK
vorher, wo das Wasser wie hoch stehen würde. Das half den Verantwortlichen im Kreis, Kräfte und Material gezielt einzusetzen.
Harze oder stahlharte Kunststoffe – in Sachsen-Anhalt arbeiten Rund um die Forschungseinrichtungen im Lande haben sich zahlreiche mittelständische Unternehmen angesiedelt und
etabliert. Ob in der Medizintechnik oder Biotechnologie, im Maschinenbau oder in der IT-Branche - sie setzen um, was kreative Köpfe ausgetüftelt haben.
SARISK ist eines der vielen Beispiele für die Innovationskraft
Dort sind Arbeitsplätze für gut qualifizierte Fachkräfte
und
werden muss, und dies auch mit einer Entlohnung, die Leistung
unseres Landes. An den beiden Universitäten in Halle Magdeburg
und
Forschungsgesellschaften
in
Instituten
werden
großer
weltweit
deutscher
beachtete
Forschungsergebnisse erzielt. Die Universität Halle nahm
entstanden. Die es im Land zu halten gilt, um die geworben honoriert.
die Hürde zur nächsten Runde der Exzellenzinitiative, die Genetikerin Prof. Ulla Bonas von der Martin-Luther-Universität
wurde vor wenigen Tagen mit dem Leibniz-Preis geehrt, der
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
Annette Schneider - Solis, Redakteurin
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In diesem Heft
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Interview
Von Gewinnern und "Befürwortern“ Im Gespräch mit dem SALEG- und ehemaligen IBA-Chef Rüdiger Schulz..........................................6
Gesundheit
Sachsen-Anhalt kämpft gegen Ärztemangel Stipendienprogramm als Schlüssel zum Erfolg.................................................................10
Unternehmensförderung
Ideen im Brutkasten TGZ Bitterfeld-Wolfen bietet innovativen Firmengründern ideale Bedingungen..................14
Labor
Mit Vaterschaftstest auf Salmonellenjagd ÖHMI Analytik-Team um Dr. Sylvia Busch ist Keimen auf der Spur..........................................17
Tradition
Zu schade zum Verbraten Kroppenstedter Ölquelle sprudelt mit Fleiß und Beharrlichkeit...................................................21
Fahrzeugbau
Mit Vollgas zurück ins Geschäft MALI haucht Schönebecker Traktorenwerk neues Leben ein.......................................................28 Standpunkt Gute Vermarktung guter Gründe IMG ist neutraler Lotse zwischen Investoren und Behörden...........................................................32
Geschichte
Wittenbergs berühmte Söhne Bau des touristischen Besucherempfangs heilt alte Wunden.................................................. 34
Forschung
Hochwasser wird berechenbar Wissenschaftler des UFZ entwickeln genaues Vorhersagesystem...............................38
Seite 6
Es ist sein Satz. Rüdiger Schulz, Geschäftsführer der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft (SALEG) und ehemaliger IBA-Geschäftsführer, überraschte schon früh mit der Einschätzung, die IBA Stadtumbau 2010 habe in Sachsen-Anhalt die größte Bürgerbewegung seit der politischen Wende hervorgebracht. Das Sachsen-Anhalt-Magazin fragte nach, warum Stadtumbau in Zeiten von „Stuttgart 21“ nur gemeinsam mit den Bürgern eines Landes möglich ist und wie es Sachsen-Anhalt geschafft hat, mit einem „Stadtplaner-Oscar“ ausgezeichnet zu werden. Foto: V. Kühne
Spitzenprodukte
Blinklicht warnt Schüler vor zu großem Druck Seit 65 Jahren schreiben Füllhalter aus Wernigerode Geschichte..................................................24
Mit einem „Dafür“ gewonnen
Stipendienprogramm gegen Hausarztmangel Seite 10 In Sachsen-Anhalt droht in den kommenden Jahren ein deutliche Ärztemangel. Besonders dramatisch ist die Situation auf dem Land. Das Gesundheitsministerium, die AOK und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wollen mit einem Stipendienprogramm die Lage entschärfen. Medizinstudenten bekommen ab dem vierten Studienjahr eine gestaffelte Förderung: 300 Euro im vierten, 500 im fünften und 700 Euro im sechsten Studienjahr. Im Gegenzug verpflichten sich die angehenden Ärzte je nach Dauer der Förderung zu einer zwei- bis dreijährigen Tätigkeit in unterversorgten Gebieten. Franziska Golla (Foto) und 14 weitere Studenten haben das Angebot bereits angenommen.
In diesem Heft
Gut und sorgenfrei genießen Seite 17
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Sport
Ein Macher für Magdeburg Klaus Kroschke gab dem Fußball-Cup seinen Namen..........................................................42
Immer neue Lebensmittelskandale verunsichern die Verbraucher. Im Magdeburger Labor der ÖHMI Analytik werden Proben vom Käse bis zum Kuchen auf Keime und Schadstoffe untersucht. 450 Parameter können die Fachleute mit chemischen und mikrobiologischen Verfahren kontrollieren. Der Laborbetrieb entwickelt sich auf der Überholspur.
Die Ölquelle von Kroppenstedt Seite 21 Eike Döpelheuer lernte Landschaftsgärtner, nachdem die Ölmühle seines Vaters enteignet worden war. Jetzt führt er das Erbe in dritter Generation doch noch fort und liegt voll im Trend für gesundheitsbewussten Genuss.
Impressum: HERAUSGEBER SAM. Sachsen-Anhalt-Magazin Verlag GbR Geschäftsführer: Michael Scholz, Wolfgang Preuß KONTAKT SAM. Sachsen-Anhalt-Magazin Verlag GbR Schilfbreite 3, 39120 Magdeburg Tel. 0391 63136-45, Fax 0391 63136-47 info@st-magazin.de www.sachsen-anhalt-magazin-verlag.de REDAKTIONSLEITUNG Ute Semkat, Christian Wohlt redaktion@st-magazin.de ANZEIGEN Ralf Harms Tel. 03943 5424-27 anzeigen@st-magazin.de FOTOGRAFIE Michael Uhlmann Victoria Kühne (S. 7/8) Archiv SALEG DRUCK Harzdruckerei GmbH, Wernigerode Schutzgebühr: 4,00 EUR
Wieder Traktoren von der Elbe
Seite 28
In Schönebeck werden wieder Traktoren gebaut. Wo einst der ZT 300 und RS 09 montiert wurden, entstehen heute hochmoderne Spezialmaschinen – mit dem Know-how einstiger Traktorenwerker. Mit ihren Fahrzeugen füllen die Schönebecker eine Lücke am Markt.
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
Das Magazin und alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Der Nachdruck – auch auszugsweise – ist nur mit schriftlicher Genehmigung und Quellenangabe gestattet. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder wird keinerlei Gewähr übernommen. Die namentlich gekennzeichneten Beiträge stehen in der Verantwortung des jeweiligen Autors. 3. Jahrgang 2011 ISSN 1868-9639
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Interview
Sachsen-Anhalt setzt sich mit dem Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau 2010 gegen internationale Architekturkonkurrenz durch und erhält den „City to City Barcelona FAD Award “
Von 19 Gewinnern, einer „Bürgerbefürwortungsbewegung“ und davon, warum Sachsen-Anhalt keine „Stare“ braucht Im Gespräch mit Rüdiger Schulz, dem Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft SALEG
Sachsen-Anhalt hat einen Preis gewonnen. Für die Ergebnisse
aus der achtjährigen Arbeit an der Internationalen Bauausstel-
lung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 erhält das Land den „City to City Barcelona FAD Award 2010“, eine Art „StadtplanerOscar“, wie zu lesen war. Was ist das für ein Preis? Wie kam es zu der Ehrung?
Rüdiger Schulz: Es ist ein ganz außergewöhnlicher Preis. Weil
er von seiner Struktur völlig anders ist als alle anderen Preise, die ich bisher kenne. Normalerweise werden Preise von einer
Stelle, einem Institut beispielsweise, ausgelobt. Die Auslo-
bung wird veröffentlicht und man kann sich mit seinem Bei-
trag dafür bewerben. In der Folge trifft sich eine Jury und die entscheidet schließlich. Im Prinzip war das hier auch so. Nur
der Anfang war völlig anders. Er zeigt, dass wir auch in dieser Hinsicht neuen Zeiten entgegengehen. Der Anfang kam nämlich von der Netzgemeinde.
Sie sprechen vom World Wide Web, dem Internet? Rüdiger Schulz: Dieser Preis – ausgelobt von der Stadt Barce-
lona und der katalanischen Initiative „Fostering Arts and De-
sign“ (FAD) für international herausragende städtebauliche Projekte – hat seinen Ursprung im weltweiten Netz. Hier erlangt man einen Überblick über Projekte aus der ganzen Welt
durch Benutzer oder Nutzer. Und jeder auf der Welt kann der auslobenden Stelle einen Beitrag aus der Welt vorschlagen. Es
waren nicht wir, die sich um den Preis beworben haben. Sondern wir sind vorgeschlagen worden, quasi von Dritten.
Das heißt, irgendjemand auf der Welt muss von dem Projekt der Internationalen Bauausstellung in Sachsen-Anhalt erfahren und es für preiswürdig befunden haben?
Rüdiger Schulz: Nun, ich gehe davon aus, dass schon Mehrere als Irgendjemand auf der Welt von der IBA Kenntnis bekom-
men haben, aber soweit bekannt wurde, war das eine Archi-
tektin, Frau Suzanne Strum. Sie hat an der Columbia Univer-
sity in New York Architektur und Städtebau studiert, lehrt an verschiedenen Institutionen und im Rahmen von „Metropo-
lis“, einem spanischen Programm zu Themen der zeitgenös-
sischen Stadt, und publiziert zum Thema Neuer Architektur. Man vermutet, dass sie bei einer der IBA-Fachtouren dabei war. Sie war es jedenfalls, die Sachsen-Anhalt und sein IBA-
Projekt vorgeschlagen hat. Und soweit ich weiß, gingen in
Barcelona weltweit über 800 Vorschläge für die Bewerbung um den Preis ein.
Internationale harte Konkurrenz also, gegen die sich SachsenAnhalt erfolgreich behauptete...
Rüdiger Schulz: Aus den 800 eingereichten Vorschlägen wurden im Dezember 2010 durch eine Jury international renom-
mierter Urbanistik-Experten 29 Kandidaturen nominiert. 29
aus 800, allein diese Arbeit der Jury muss man sich vorstellen! Zu den 29 verbliebenen Bewerbungen gehörten Projekte aus
Indien, Syrien, Guatemala, Peru, Argentinien, USA, Honduras, Ecuador, Brasilien, Senegal, Finnland, Spanien, Schweden, Bra-
silien, Mexiko, Frankreich, Chile, China – und Sachsen-Anhalt. Wir kleines Land Sachsen-Anhalt mit unseren aktuell 2,3 Mil-
lionen Einwohnern waren ein Vorschlag in dieser Reihe! Wie in Wettbewerbsverfahren üblich, wurden in weiteren Bewertungsrunden Bewerber ausgeschlossen. Es verblieben zu-
nächst acht, schließlich noch vier Vorschläge in der Auswahl. Das ist so dem Juryprotokoll zu entnehmen.
Und das waren welche Länder mit welchen städtebaulichen Projekten, um es konkret zu machen?
Interview
Rüdiger Schulz: Das waren erstens Comayagua (Honduras)
Rüdiger Schulz: Sowohl der Minister für Landesentwicklung
nen Zeitraum von zehn Jahren, zweitens Dakar (Senegal) mit
die beiden Geschäftsführer der IBA-Büro GbR, Prof. Philipp Os-
sorgung der Bevölkerung, drittens New York (USA) mit dem
rin hat man uns über den Preisgewinn und den Verlauf der
Manhattan. Und als vierter Kandidat ging schließlich Sach-
schung. Ich fasse dieses Schreiben nicht nur an mich oder den
mit der Wiederbelebung eines historischen Zentrums über ei-
und Verkehr Sachsen-Anhalts, Dr. Karl-Heinz Daehre, als auch
der Anlage von Mikro-Schrebergärten zur Sicherung der Ver-
walt und ich, haben aus Barcelona einen Brief erhalten. Da-
High Line Park auf der Trasse einer ehemaligen Hochbahn in
Jurysitzung informiert. Natürlich war das eine große Überra-
sen-Anhalt mit der IBA Stadtumbau 2010 aus der Konkurrenz
IBA-Geschäftsführer gerichtet auf, sondern an das Projekt und
als Sieger hervor.
die 19 Städte.
Wie haben Sie erfahren, dass Sachsen-Anhalt den „City to City
Die Jury-Begründung ist da auch eindeutig. Als Element von
dato von seiner Existenz noch nicht einmal wussten?
Problem des Bevölkerungsrückgangs gemeinsam in Angriff
Barcelona FAD Award 2010“ gewonnen hat, wo Sie doch bis
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
besonderem Wert hob man hervor, „dass in diesem Projekt das
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Interview
genommen wurde. 19 Städte innerhalb einer wirtschaftlichen Region packen das Problem gemeinsam an“...
Rüdiger Schulz: „Sachsen-Anhalt grouping of 19 cities“ –
die Gruppe der 19 Städte – hat diesen Preis bekommen. Und das mit einem völlig unsexiest Thema, ganz im Gegensatz zu New York und seinem spektakulären, in der in-
ternationalen Presse mehrfach gefeierten High Line Park. Denn wir reden über das Schrumpfen, den demografi-
schen Wandel. Tun dies aber nicht theoretisch allgemein, sondern entwickeln konkrete Projekte mit den 19 Städten
zusammen beziehungsweise mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern. Mit ihnen gemeinsam gelang es, statt
einer Ablehnungsbeteiligung eine breit angelegte Gestaltungsbeteiligung im Land zu organisieren.
Das passt zu dem inzwischen ziemlich populären Zitat aus
Ihrem Munde, die IBA habe die größte Bürgerbewegung in Sachsen-Anhalt seit der Wende hervorgebracht...
Rüdiger Schulz: Ja, nämlich eine Bürgerbewegung mit ei-
ner positiven Energie, einem „Dafür“. Wenn man so will eine neue „Bürgerbefürwortungsbewegung“. Das ist bei
weitem nicht Normalität. Es gilt der alte Spruch: „Der Bürger ist sowieso dagegen.“ Nicht von ungefähr sind in
einem Rechtsstaat die Bürgerbeteiligungsverfahren aufs Allerfeinste geregelt. Und das ist gut so. Aber es hat sich gezeigt, dass diese Art der Verfahren die Bürger vielfach nicht erreicht und der Einzelne erst dann, wenn der Bordstein vor der Tür gesetzt wird, merkt, was eigentlich passiert ist. Und das, obwohl alles den Regelwerken entsprechend abgelaufen und dokumentiert ist. Wir hingegen
haben von Anfang an mit dem Ziel gearbeitet, und das im Übrigen auf ausdrückliche Aufforderung des Bauministers hin, die Bürgerinnen und Bürger in dem Prozess mitzunehmen. Ohne sie geht und ging es nicht.
Die IBA Stadtumbau 2010 war keine typische Internationale Bauausstellung im Sinne ihrer knapp 100-jährigen
Geschichte. Vielmehr eine, wenn man so will, Stadtumbauausstellung.
Interview
Rüdiger Schulz: Naja, Stadtumbauausstellung, das wäre
die Abwanderung und darauf, dass sich dieses Glücksverspre-
Schrumpfen und Demografischer Wandel sind schon inter-
nicht einstellen wollte. Die Stimmung war doch schlecht. Und
dann doch etwas zu trivial. Die Themenkomplexe Weniger, nationale Themen und Phänomene. Wir haben uns natürlich auch die Frage gestellt, wie passen die Ansprüche an eine Internationale Bauausstellung mit der Befindlichkeit
der Ratsherren Y aus X-Stadt oder der Bewohnerin Z aus der
Sowienoch-Straße zusammen. Zunächst hatten auch manche
Leute die Idee im Kopf: „Internationale Bauausstellung – da
fliegen jetzt die ‚Stare’ ein. Und wir machen Weltarchitektur“. Ich habe mich in einer der ersten Kuratoriumssitzungen mit
meiner Bemerkung: „Stararchitekten interessieren mich nicht.
chen des stetigen wirtschaftlichen Wachstums bei uns so gar
wenn ich mich dann an die IBA-Vernissage im April 2010 erinnere, welche unheimlich große Freude vorherrschte und mit
welchem neuen Selbstbewusstsein sich Städte und Gemeinden präsentierten, dann wird deutlich, welcher Stimmungswandel sich hier vollzogen hat.
Und wie geht es im Land weiter nach der IBA? Der Versuch einer Prognose?
Mich interessiert der Bauamtsleiter aus Gräfenhainichen“
Rüdiger Schulz: Mit einem gewissen Abstand zum Oktober
genen Erwartungen.
te den begonnenen IBA-Prozess, jede für sich, verinnerlicht
nicht nur beliebt gemacht. Da hatte wohl jeder seine ganz ei-
Und die waren zu Beginn hochfliegend bis sehr skeptisch. Rüdiger Schulz: Professor Akbar, das Gesicht der IBA, und ich
– wir haben uns schon früh darauf verständigt, dass es vor allem um die Ressourcen des Landes und der einzelnen Städ-
te geht und darum, deutlich zu machen, welche Potenziale
in ihnen stecken. Das ist der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Wir haben uns zunächst auf unser Land und unsere Städte
und die sie tragenden örtlichen Institutionen und Initiativen
konzentriert und dann selbstverständlich den internationalen Blick von außen zugelassen und auch eingefordert. – Und
so sind sie entstanden, über 100 Projekte in den 19 Städten: Flüsternde Gärten, befahrbare Freiluftgalerien, Bibliotheken,
2010, dem IBA-Abschlussfestakt, stelle ich fest, dass die Städhaben und weiterführen. Daneben ist sichtbar, dass auch in
anderen Städten dieses Thema angekommen ist und sich die Städte mit der Zukunft, dem demografischen Wandel, dem
„weniger Fördergeld“, sehr ernsthaft auseinandersetzen. Das
finde ich Klasse. Ich bin nicht der, der sagt, das Thema muss
jetzt weiterbehandelt werden. Es muss auch mal gut sein. Das Land hat eine große Anstrengung vollbracht. Die das IBABüro tragenden Institutionen haben eine große Anstrengung über acht Jahre hinter sich. Und gut. Wenn es uns in den acht
Jahren nicht gelungenen wäre, aus dem durch die IBA beför-
derten Stadtumbauprozess einen selbsttragenden Prozess zu machen, dann wären wir es auch nicht wert gewesen, ausgezeichnet zu werden.
Stadtseen und gestaltete Ufer, Kumpelplätze und Wohnun-
Und auf welche Art und Weise wird der Barcelona-Award 2010
Städten, eben doch eine Bauausstellung.
geben, ein „Pokal“ überreicht?
gen und vielfältige Bildungseinrichtungen. 100 Projekte in 19
Was ist der größte Zugewinn für Sachsen-Anhalt, den die IBA mit befördern half?
Rüdiger Schulz: Es gibt die unterschiedlichsten Einschätzungen. Ich bin da relativ unbescheiden. Ich sage, die IBA hat mit
dafür gesorgt, einen anderen Blick auf Sachsen-Anhalt zu bekommen und dem Land ein neues Image zu verschaffen. Von
innen wie von außen. Es hilft ein Blick zurück in die Zeit etwa
um das Jahr 2000 auf den sichtbaren Wohnungsleerstand,
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
nun auch „körperlich“ übergeben? Wird es eine Veranstaltung
Rüdiger Schulz: Der Preis wird am 12. Juli 2011 feierlich im Rat-
haus in Barcelona verliehen. Dazu sind der Bauminister und die Geschäftsführer eingeladen worden. Allen 19 Städten haben wir die freudige Nachricht mitgeteilt. Und ich sage es auf allen Veranstaltungen, wenn ich in den Städten bin: „Es
ist euer Preis. Und es wäre schön, wenn wir gemeinsam nach Barcelona fahren würden, um uns den Preis dort abzuholen“. Das Gespräch führte Cornelia Heller.
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Gesundheit
Gesundheit
Prävention gegen Ärztemangel auf dem Land Stipendienprogramm soll angehenden Medizinern die Niederlassung in der Provinz schmackhaft machen Von Katarina Zirkelbach
Gut gelaunt schwingt er sich auf sein Fahrrad, fährt bei Wind und Wetter zu seinen Patienten. Die Landarztidylle, die maximal noch zum Plot für eine TV-Serie taugt, ist inzwischen nur
noch ein Klischee. Der nette Hausarzt um die Ecke gehört zu einer aussterbenden Spezies.
„In Sachsen-Anhalt gibt es vor allem im ländlichen Raum unterversorgte Gebiete“, sagt der Vorstand der AOK Sachsen-
Anhalt Uwe Deh. Tendenz steigend. In den nächsten Jahren werden rund 150 Allgemeinmediziner aus Altersgründen ihre Praxen schließen.
Die größten Problemregionen: Mansfelder Land, Altmark und der Dessau-Bitterfelder Bereich. Da wird dringend Nachwuchs
gebraucht. Aber der ist rar. Zwar studieren derzeit rund 3000 Medizinstudenten an den Unis in Magdeburg und Halle. „Be-
zogen auf die Bevölkerungszahl im Land ist das sehr viel“, rechnet Deh vor. Aber: nur 70 Prozent der Absolventen bleiben hier in der Patientenversorgung. Die anderen lockt das bessere Gehalt in der Pharmaindustrie oder ein lukrativer Job im
Ausland. Bundesweit wandern jährlich mehr als 2500 Ärzte ins Ausland ab.
Eine Landarztpraxis zu übernehmen reizt die wenigsten. „Obwohl wir hier ein sehr gutes Arbeitsklima haben. Auch wirt-
schaftlich laufen die Praxen bei uns gut. Die Zeiten, in denen ein Allgemeinmediziner gegenüber seinen Facharztkollegen
im Nachteil war, sind vorbei“, erklärt der AOK-Chef. Trotzdem: Die jungen Ärzte wollen nun mal nicht in die Provinz. Orte unter 5000 Einwohnern gelten nicht unbedingt als besonders
attraktiver Standort für junge Familien. „Wir kriegen die jungen Mediziner ja nicht mal in den landschaftlich so reizvollen
Oberharz“, klagt der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Burkhard John.
Doch das Land stolpert nicht mit geschlossenen Augen in die Krise. Sie ist ja kein akuter Fall, sondern chronisch. Inzwischen
hat sie sich epidemisch über ganz Deutschland verbreitet. Aber Sachsen-Anhalt ist bundesweit am meisten betroffen. Die Ärzte hier arbeiten jetzt schon mehr als anderswo in
Deutschland. Bundesweit liegt der Schnitt bei 900 Patienten pro Quartal, in Sachsen-Anhalt werden 1100 verarztet.
Deshalb sucht Sachsen-Anhalt nach Modellen, die die Misere mildern. Eine gemeinsame Idee von Land, AOK und Kassen-
ärztlicher Vereinigung (KV): ein Stipendienprogramm. Uwe Deh erklärt, wie es funktioniert: „Medizinstudenten bekom-
men ab dem vierten Studienjahr drei Jahre lang eine gestaf-
felte Förderung. Im vierten Studienjahr 300 Euro pro Monat, im fünften 500 und im sechsten Studienjahr 700 Euro monatlich. Im Gegenzug verpflichten sich die künftigen Ärzte je nach Dauer der Förderung zu einer zwei- bis dreijährigen Tätigkeit
in unterversorgten Regionen.“ Land, AOK und KV stellen dafür bis Ende 2013 900 000 Euro zur Verfügung. Fünfzig Prozent trägt das Land, die andere Hälfte teilen sich AOK und KV.
Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD): „Das Stipendienprogramm ist ein Baustein im Kampf gegen den Ärztemangel
in Sachsen-Anhalt. Wir wollen gezielt Anreize schaffen für junge Leute, sich in Sachsen-Anhalt niederzulassen. Wir sichern damit die Zukunft für die medizinische Versorgung im Land.“
Mit dem Programm können 50 Stipendien gefördert werden. „15 Anträge sind bereits bewilligt worden“, sagt Burkhard
John. 30 weitere Interessenten gibt es. Die Idee scheint zu zünden.
Auf jeden Fall bei Franziska Golla. Die 26-jährige Medizin-
studentin im zehnten Semester nimmt seit Dezember das Stipendium in Anspruch. Natürlich kann sie das Geld gut geFranziska Golla will Augenärztin werden und das
am liebsten in der Börde. Für sie ist das StipendienProgramm ideal. Die anschließende regionale Bindung schreckt sie nicht.
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
brauchen. „Ich hab eine kleine Tochter und mein Lebensgefährte hat sich gerade selbstständig gemacht. Klar muss man da rechnen.“ Aber das Geld allein hat sie nicht zu dem Schritt
bewogen, an dem Programm teilzunehmen. Das Konzept ist ihr wie auf den Leib geschneidert. „Ich lebe in Bregenstedt
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Gesundheit
in der Nähe von Haldensleben in einem Vier-Generationen-
densleben. Aber ich würde auch in Magdeburg arbeiten. Da
unter einem Dach. Da muss sich jeder ein bisschen zurück-
sie mit Studium und Facharztausbildung fertig, ihre Doktor-
Haus. Schwiegereltern, Großeltern und unsere kleine Familie nehmen, aber es ist wunderbar. Hier will ich bleiben. Das ist
mein Lebensplan. Wenn ich nach Studium und Facharztausbildung hier auch noch arbeiten könnte, wäre das ideal.“ Viele
ihrer Kommilitonen sind von einer regionalen Bindung eher
wenig begeistert. „Aber ich finde es schön, wenn ich meine Patienten kenne, auch mit ihrer persönlichen Geschichte ver-
traut bin. Das gibt es doch in einer Großstadt gar nicht mehr.“
gibt es auch Engpässe, wie ich weiß.“ In etwa sechs Jahren ist
arbeit schreibt die engagierte Studentin gerade. Ihr Ziel ist es, zunächst mal als angestellte Ärztin in einer Praxis zu arbeiten
„Ich möchte mich frühesten in zehn Jahren niederlassen. Aber dann in der Börde. Hier möchte ich alt werden.“
Für die Allgemeinmediziner gibt es übrigens Praktika bei Hausärzten. „Die Studenten werden aufgeklärt, was es bedeutet Hausarzt zu sein. Das ist eben mehr, als nur Husten oder
Als Landärztin wird Franziska Golla allerdings nicht prakti-
Schnupfen zu behandeln“, so John.
Wunsch. Das ist ein überschaubares Fachgebiet. Und wir kön-
Das Stipendienprogramm ist aber nur eine Initiative gegen
zieren. „Ich werde Augenärztin, das war schon immer mein nen den Leuten gut helfen, egal ob Alt oder Jung.“ Zwar sucht das Land in der
Hauptsache nach Allgemeinmedizinern.
„Aber das Stipendienprogramm gilt auch für Fachärzte“, erklärt Uwe Deh. Denn auch da machen sich schon heute Mangelerscheinungen bemerkbar. Engpässe gibt es bei Neurolo-
gen, Urologen, spezialisierten Internisten und eben auch bei Augenärzten. KV-Chef John: „Im Facharztbereich haben wir 50
freie Stellen, verteilt über das ganze Land.“ Und so eine Lücke will Franziska Golla füllen. „Der nächste Augenarzt in unserem Gebiet hat seine Praxis im 15 Kilometer entfernten Hal-
den Ärztemangel im Land. Denn die Situation wird sich noch verschärfen. Der Demografiefaktor wurde jahrelang vernachlässigt. Die Prognosen des Statistischen Landesamtes sagen
bis 2025 einen Bevölkerungsschwund von 18,6 Prozent voraus: ein Rückgang von 2,38 Millionen auf 1,93 Millionen Menschen. Vor allem wandern die Jungen ab, die Alten bleiben. Gesund-
heitsminister Norbert Bischoff: „Die Menschen werden erfreulicherweise immer älter. Aber mit dem Alter steigt eben auch die Zahl der Krankheiten, Engpässe in der ärztlichen Versorgung entstehen.“
Gesundheit
AOK-Chef Uwe Deh (von links) ist überzeugt, dass junge Ärzte in Sachsen-Anhalt ein sehr gutes
Arbeitsklima vorfinden. Die Arztpraxen des Landes laufen wirtschaftlich gut.
Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) hat die Zukunft im Blick. Er will die gesundheitliche Versorgung im Land demografiefest machen.
Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Burk-
hard John, kennt die Probleme im Land. Für ihn ist das Stipendienprogramm ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Ärztemangel.
Das Land muss auf medizinischem Gebiet jetzt verstärkt Da-
wird es vermutlich nicht. Denn mit dem demografischen
Filialpraxen. Auch eine Idee von Land, AOK und KV. Drei davon
Das weiß auch Gesundheitsminister Bischoff: „Wir müssen
seinsvorsorge betreiben. Ein weiterer Baustein dazu sind die sind in der Altmark schon eröffnet worden. Die Praxen werden
von der KV geführt. Dort arbeiten abwechselnd fachübergreifend mehrere Vertragsärzte. „Die Praxen werden an Orten er-
Wandel kommt immer mehr Arbeit auf die Ärzteschaft zu. die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung demografiefest machen.“
öffnet, in denen das wirtschaftliche Betreiben einer normalen Praxis nicht möglich ist, die Menschen aber dringend medizi-
nische Versorgung brauchen“, beschreibt Burkhard John das Programm. Die dort praktizierenden Ärzte unterschiedlicher Fachgebiete kommen aus Praxen oder Krankenhäusern der Umgebung. Teilweise erklären sich auch Ärzte im Ruhestand
bereit, in einer Filialpraxis zu arbeiten. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 1,9 Millionen Euro.
Ein drittes Element, das die drei Partner ins Leben gerufen haben, sind die mobilen Praxisassistentinnen. Nach dem Vorbild
der guten alten Schwester Agnes entlasten sie den Hausarzt, wechseln Verbände, versorgen Wunden oder verabreichen Medikamente und Spritzen. Mehr als 60 Schwestern sind im
Land schon unterwegs. Sie sparen den Patienten lange Wege zum Arzt.
All diese Modelle können die Lage entspannen. Ausreichen
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
www.aok.de/sachsen-anhalt www.kvsa.de www.ms.sachsen-anhalt.de
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Unternehmensförderung
Brutkasten für neue Ideen Im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen finden innovative Firmen ideale Bedingungen
Von Frank Zimnol
Microsoft-Gründer Bill Gates begann seine atemberaubende
Wendisch und Uwe Eilitz 1999 nach Abschluss ihres Studiums
- wie die Welt inzwischen weiß - genial. Woran es dem Ame-
gründen, nach Wolfen verschlagen hatten.
zur Marktreife zu führen. Sicher - solch ein Wirtschaftsimpe-
Inzwischen ist die kleine Elite-Firma - von den 15 Mitarbei-
Startprobleme, mit denen Firmengründer in spe zu kämpfen
widmen sich einer einträglichen Nische, sind für ihre Auftrag-
will, braucht Geld, unerschöpfliche Ideen und langen Atem.
zur Herstellung eines bestimmten Medikaments oder Pflan-
ziellen Unternehmer auf verlorenem Posten. Um ihnen den
maindustrie setze, von Amerika kommend, ein Umdenken ein,
und Gründerzentren (TGZ). Rund 400 an der Zahl, allerdings
der Forschung bis zur Produktion alles selbst gemacht, so sei
ist etwas ganz Besonderes. „Wir haben uns darauf speziali-
unübersehbar. Gut für ChiroBlock, das mit seinem ausgefeil-
und Unterstützung zu bieten, die auf dem Gebiet der Chemie
land. Weil die Mehrzahl der Kunden von dort kommt, hat man
Karriere in einer Hinterhof-Garage. Seine Geschäftsidee war rikaner zunächst fehlte, war das Startkapital, um seine Pläne
in Leipzig und mit dem festen Vorsatz eine eigene Firma zu
rium aufzubauen, wird nur ganz wenigen gelingen. Aber: die
tern haben neun promoviert - am Markt fest positioniert. Sie
haben, sind überall die gleichen. Wer sein Konzept umsetzen
geber ständig auf der Suche nach neuen Synthesen für das
Ohne staatliche Unterstützung stünden die meisten poten-
zenschutzmittels benötigte passgenaue Molekül. In der Phar-
Start zu erleichtern, gibt es in Deutschland die Technologie-
erläutert Seidelmann. Hätten die großen Konzerne bisher von
nur zehn davon in Sachsen-Anhalt. Das in Bitterfeld-Wolfen
nun aus Gewinn- und Kostengründen ein Trend zum Trennen
siert, insbesondere jenen Firmengründern Heimstatt, Hilfe
ten Know-how dadurch gut im Geschäft ist. Zumeist im Aus-
agieren“, sagt TGZ-Chef Kurt Lausch.
Imagebroschüren und Prospekte gar nicht erst in Deutsch,
Die 3. Etage des 6-Geschossers, der 9000 Quadratmeter
sondern nur in Englisch drucken lassen.
Nutzfläche bietet, ist fast vollständig in der Hand der Chiro-
Die TGZ-Führung und natürlich auch die Gesellschafter, der
Bullaugen-Fenster. Sie gestatten Einblicke vom Flur aus, um
sind froh, Mieter wie ChiroBlock zu haben. Sie helfen der 1992
in den vier Labors angespannte Arbeitsatmosphäre herrscht
über die Runden zu kommen. Zumal der Aufbau des TGZ und
gründlich durchmischt, danach analysiert, um womöglich
umgerechnet 17 Millionen Euro gekostet haben. Durch die
Chemie ist so gut wie nichts zu riechen. Oliver Seidelmann, ei-
lich geworden, sich noch stärker auf bestimmte Kompetenz-
Block GmbH. Auffällig die in die Türen eingelassenen großen
Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Bitterfeld-Wolfen,
bei möglichen Unfällen sofort reagieren zu können. Obwohl
gegründeten Einrichtung, die mit Steuergeldern wirtschaftet,
und zum Beispiel glasklare Flüssigkeiten auf Spezialgeräten
die im Jahr 2000 abgeschlossene komplette Rekonstruktion
nochmals auf das Schütteltablett gestellt zu werden - von
Ausstattung mit chemieorientierter Infrastruktur sei es mög-
ner der Geschäftsführer, zeigt auf rundum installierte verglas-
bereiche zu konzentrieren, sagt Lausch.
werden. „Wir haben hier ideale Voraussetzungen für unsere
Und die wurden nicht von ungefähr ausgewählt, sondern ha-
Anschluss-Stutzen, die Stickstoff, Wasserstoff sowie techni-
on zu tun. Wenn zum Beispiel laut TGZ-Website die „Beschich-
Vorzüge des TGZ wie leistungsfähiges Kommunikationsnetz,
ausgewählt wurde, dann natürlich aufgrund der jahrzehnte-
ein junges Unternehmen, das keine Grundaustattung be-
re Chemiebranche Erfahrung mit dem Auftragen hauchzarter
dann auch, die Seidelmann und seine Kommilitonen Volkmar
mikalien für Wirkstoffe und High-Tech-Produkte“.
te Abzugsvorrichtungen, die ständig mit Frischluft versorgt
Forschung“, sagt der promovierte Chemiker und deutet auf
ben sehr viel mit der industriellen Vergangenheit dieser Regi-
sche Gase direkt am Arbeitsplatz vorhalten. Aber auch andere
tungs- und Schichtbildungstechnologie“ als Kompetenz
Seminarräume mit moderner Präsentationstechnik seien für
langen Tradition der Filmherstellung, die wie kaum eine ande-
sitzt, wichtig. Diese optimalen Startbedingungen waren es
Schichten hat. Oder: die „Synthese von Fein- und Spezialche-
Innovationen
Nicole Lenk, Laborantin bei ChiroBlock, achtet darauf, dass im gl채sernen Reaktor R체hrgeschwindigkeit und Temperatur genau stimmen. TGZ-Chef Kurt Lausch ist aufmerksamer Beobachter.
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Unternehmensförderung
Die Geschäftsführung der Wolfener ChiroBlock GmbH legt großen Wert auf guten Kontakt zu ihrem Vermieter. Dr. Volkmar Wendisch (m) und Dr. Uwe Eilitz (r) - zwei der drei Firmengründer - wollen von TGZ-Chef Kurt Lausch persönlich hören, welche Zukunftspläne es für das Haus gibt.
Eilte doch dem Chemiestandort Bitterfeld wegen seiner schier
würden sie betreut und bei ihrer Gründung, aber auch bei
DDR“ voraus. So hat es sich das TGZ ganz bewusst auf seine
TGZ ein äußerst wirksames Wirtschaftsförderinstrument. Das
Wolfen aus ihren Siegeszug in die Welt angetreten haben, an-
ders nie so gut entwickeln können, wie hier in Wolfen“, sagt
Verfahren und Produkte entwickeln.
aus möglich, dass wir später mal bis zu 30, 40 Leute beschäf-
Seit 1992 agierten 88 Firmen mit insgesamt 355 Mitarbeitern
noch ungenutzten Labors ziehe oder sich eines Tages doch
meisten von ihnen bestehen wohl noch heute“, meint Lausch,
wir kein produzierendes Unternehmen sind, von daher keine
unendlichen Produktpalette einst der Ruf als „Apotheke der
ihrer Konsolidierung unterstützt und beraten. Von daher sind
Fahnen geschrieben, an Technologien, die einst von Bitterfeld-
kann man bei ChiroBlock bestätigen. „Wir hätten uns woan-
zuknüpfen und Firmen zu fördern, die auf dieser Basis neue
Seidelmann. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft. Durchtigen.“ Ob man aber im TGZ bleibe und die Option von zwei
unter dem Dach des heutigen TGZ Bitterfeld-Wolfen. „Die
ausgründe, sei völlig offen. „Unser Vorteil besteht darin, dass
obgleich er offenbar viele aus den Augen verloren hat. „Es gab
Halle und keine Anlagen benötigen.“
nachdenklich hinzu und möchte das als Beweis dafür verstan-
Nicht nur bei ChiroBlock denkt man darüber nach, sich optio-
nologiefirma am Leben zu erhalten. Und wie lange darf ein
Sorgenfalten auf die Stirn. „Wenn das so weitergeht, platzen
oft die Geister scheiden. Die „Lehrmeinung“ besage, dass ein
würfe vom TGZ-Stammhaus entfernten Technikum.“ Dort
aber der Ansicht, einem Mieter sollten acht Jahre, wenn nicht
und wo die Fläche erweitert wird, bleibt aber noch zu klären.
eigenen Füßen stehe.
stimmt im Auge haben, dass sich weitere Investitionen der
In Sachsen-Anhalt sind laut Wirtschaftsministerium rund 300
lich durch steigende Steuereinnahmen der angesiedelten Un-
aber auch einzelne Insolvenzen“, fügt der Geschäftsführer den wissen, wie kompliziert es heutzutage oft ist, eine Tech-
nal zu erweitern, auch bei anderen Mietern. Lausch treibt das
Mieter im TGZ bleiben? Lausch weiß, dass sich an dieser Frage
wir bald aus allen Nähten, insbesondere im nur zwei Stein-
Unternehmen fünf Jahre förderfähig sei. Inzwischen sei man
habe der Bedarf besonders stark zugenommen. Ob, wann
noch mehr, Zeit gelassen werden, bis er sich abnabele und auf
Die Gesellschafter des TGZ Bitterfeld-Wolfen werden aber be-
Unternehmen mit insgesamt 1300 Beschäftigten in TGZ tätig. In diesen „Brutstätten für junge innovative Unternehmen“
öffentlichen Hand langfristig durchaus lohnen könnten, nämternehmen.
www.chiroblock.de
Labor AOK
Mit Vaterschaftstest auf Salmonellenjagd Magdeburger Labor ist gefährlichen Keimen in Lebensmitteln auf der Spur Von Ute Semkat
Jetzt wird es etwas unappetitlich: Schimmelpilze an einer handtellergroßen Glasplatte, graufleckig hocken sie Besitz ergreifend unter der Scheibe. Kathleen Liedtke zählt
und protokolliert auch die kleinsten Punkte. Die Schim-
melsporen saßen zuvor versteckt im Gewürzthymian, dann ließ die Wärme des Laborbrütschranks sie sichtbar gedeihen.
Was die Frauen im mikrobiologischen Labor der ÖHMI
Analytik Magdeburg manchmal zu sehen bekommen, sollte nicht zu Hause in der Küche landen. Freilich tum-
meln sich in Lebensmitteln wie Käse auf ganz natürliche
Weise Mikroorganismen, nur bestimmte Keime werden
ab einer gewissen Menge gesundheitlich bedenklich. Deshalb wird im Labor akribisch gezählt.
Die 32 Mitarbeiter der ÖHMI Analytik am östlichen Mag-
deburger Stadtrand haben gut zu tun. Nicht erst, seit die
fast regelmäßigen Skandale um belastete Eier, Fleisch oder Salate die Verbraucher misstrauisch gestimmt haben. Das strenge europäische Lebensmittelrecht verpflichtet die Branche zur Eigenkontrolle, und zusätzlich
zur Prüfung durch die Veterinärämter schicken viele Be-
triebe ihre Produkte noch in ein unabhängiges Labor zur Untersuchung. Immer mehr Hersteller lassen zudem alle
Arbeitsschritte und Betriebsabläufe, angefangen beim Rohstoffeingang, kontrollieren und zertifizieren. Denn die
Handelsketten verlangen immer öfter von ihren Lieferanten als erstes einen Unbedenklichkeitsnachweis.
Die ÖHMI Analytik gehört zu den „bekanntesten und führen-
den Laboren in Deutschland“, sagt Geschäftsführerin Dr. Syl-
Um mögliche schädliche Mikroben aufspüren zu können, bereitet Lars Finzelberg eine Lebensmittelprobe für die Keimzahlbestimmung vor.
via Busch. Das Unternehmen besitzt sämtliche Zulassungen im Bereich der Lebensmittel- und Umweltanalytik und kann auf mehr als 450 Parameter prüfen. Im Vorjahr sind rund 15 000 Proben über die Labortische gegangen.
Lars Finzelberg schnippelt gerade an einem Stück Käse aus ei-
nem Lebensmitteldiscounter. Nach erfolgreicher Ausbildung zum Chemielaboranten bei ÖHMI bekam er eine Festanstel-
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
lung und hebt nun die schwache Männerquote im mikrobio-
logischen Labor: „Ich bin hier der Hahn im Korbe“, strahlt der junge Mann keine Spur verlegen seine Kolleginnen an. Er legt
den „Käsehappen“ auf die Waage, und als diese exakt zehn
Gramm anzeigt, schiebt er die Probe in einen Filterschlauch, der wiederum in einer Plastiktüte steckt.
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Labor
Da hinein gießt er langsam eine sterile Verdünnungsflüssig-
keit. Das Gemisch kommt nun in einen Homogenisator, eine
Art Mixer. Anschließend sieht es aus wie eine Käsesuppe, bei der der Koch gespart hat. Einige Tropfen davon werden in ein
Reagenzglas getröpfelt und auf ein Nährmedium geimpft, das Ganze liegt dann zwei Tage bei 37 Grad im Brutschrank. So
können sich mögliche Krankheitserreger vermehren und werden nachweisbar. Zum Beispiel das gefürchtete Darmbakteri-
um mit dem unaussprechlichen Namen Escherichia coli, die Laboranten sagen einfach „E.Coli“.
Sylvia Busch zeigt auf einen Ständer voller Röhrchen mit bereits bebrüteter E.Coli-Kultur. In einigen ist der flüssige Inhalt
von klarem Grün, das bedeutet Entwarnung. Eine milchige
Probe dagegen gilt als verdächtig und muss sich einem weiteren Test unterziehen. Setzt sich dabei ein roter Ring an der
Oberfläche ab, sind die Laboranten fündig geworden. „Bei krank machenden Keimen rufen wir sofort beim Handel oder
Hersteller an, damit die Ware aus dem Verkehr gezogen wird“, sagt die Chefin.
Warum kommt es dennoch immer wieder zu Skandalen?
„Es gibt eben schwarze Schafe. Wir informieren das Unternehmen, reagieren muss es dann selbst. Produkte zurückru-
fen und Ursachenforschung betreiben - das wäre die normale Reaktion.“
Und wenn diese ausbleibt? Dr. Busch schüttelt leicht den Kopf: „Wir sind zur Geheimhaltung des Laborergebnisses ver-
Die Labormitarbeiter sind jedes Mal froh, wenn sie Entwar-
pflichtet.“
nung geben können. Mit dem Gentest ist das wesentlich
Erfolgsfaktor „liebe Labormäuse“
ganz, ganz wichtig“, betont Sylvia Busch. „Wenn zum Beispiel
Manchmal tarnen sich die Krankheitskeime sehr clever. Die
ein Verdacht gegen den Dorffleischer geäußert wird, braucht
arbeitet mit dem zurzeit besten und sichersten Verfahren der
kommt doch kein Kunde mehr.“
stanz durch Kettenreaktion vervielfältigt. Das sei wie beim Va-
immer genau auf die Uhr, kommen bei Bedarf früher oder
„Wir vergleichen die DNA-Sequenz der entnommenen Probe
arbeiter sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, der bestimmt auch
eine Salmonelle.
„Die Kunden merken es sogar am Telefon, wenn am anderen
tem Schimmelpilze-Zählen wiedertreffen, schaut aufmerk-
ter ein herzliches Dankschreiben „an die lieben Labormäuse“.
ihre eigene Grafik. Wenn eine davon der Kurve des vermuteten
Gesundheitswächter auf der Überholspur
nellen oder Listerien ist schon ein einzelner Erreger einer zu-
Die Tests auf Pflanzenschutzmittel und Pestizide erfolgen im
Tests begeistert. Vor drei Jahren kam sie zu ÖHMI und will nun
Analysen. Auf den Tischen im Probeneingang sieht es so bunt
junge Frau überzeugt.
melade, Tiefkühlpizza. Claudia Bange und Diana Sambleben
schneller möglich als beim „Brüten“. „Und Schnelligkeit ist
in einem Dorf jemand eine Lebensmittelvergiftung hat und
ÖHMI Analytik besitzt deshalb ein eigenes Gentestlabor. Es
dieser umgehend einen Unbedenklichkeitsnachweis. Sonst
modernen Molekularbiologie, beim PCR-Test wird die Erbsub-
Und deshalb schauen sie und ihre Mitarbeiter auch nicht
terschaftstest, macht es die Geschäftsführerin anschaulich:
bleiben länger - obwohl viele Frauen Familie haben. „Die Mit-
mit der Referenzprobe.“ Nur sei in diesem Fall das „Vater-Gen“
in unsere guten Zahlen `reinspielt“, ist die Chefin überzeugt:
Kathleen Liedtke, die wir hier im Gentestlabor nach beende-
Ende eine nette Atmosphäre herrscht.“ Und so gibt es mitun-
sam auf einen Computermonitor. Dort zeichnet jede Probe Krankheitskeims gleicht, wird „Alarm geschlagen“. Bei Salmoviel. Biologielaborantin Liedtke ist von der Treffsicherheit des
gegenüber liegenden Gebäudetrakt, im Bereich Chemische
noch studieren: Molekularbiologie. „Das hat Zukunft“, ist die
aus wie im Supermarkt: Fleisch und Backwaren, Joghurt, Mar-
Labor
Weil die Untersuchungen auf Herbizide und Pestizide immer
gefragter werden und das Labor bereits am Limit fährt, wird
in diesem Jahr in ein zweites Massenspektrometer investiert. Außerdem hat die ÖHMI Analytik im Frühjahr mit Tests auf Dioxinbelastung begonnen. Übrigens geht es nicht immer um
schädliche Keime. Bei Pizza zum Beispiel lassen die Hersteller die Nährwerte festzustellen, weil sie den Gehalt unter ande-
rem von Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten auf der Verpackung ausweisen müssen.
Mitarbeiter von ÖHMI Analytik beraten Unternehmen auch
zu Lebensmittelrecht und Qualitätssicherung, schulen die Be-
legschaften in der Produkthygiene. Und sie begleiten Betriebe bei Neuentwicklungen. Zum Beispiel einen Käsehersteller, der
mit einer speziell beschichteten Verpackung auf natürlicher Basis – mit Vitaminen - seinen Schmelzkäse länger frisch halten will.
Das ist eine steile Karriere für einen Laborbetrieb, dessen Tradition zwar bis ins Jahr 1950 zurück reicht, dem die Bedenken-
träger jedoch 1990 höchstens noch eine Perspektive in der Von der Wurst bis zur Praline - im Bereich Probeneingang sichtet Claudia Bange das Analysematerial.
damals boomenden Umweltanalytik zugetraut hatten. Die Umwelt wird bis heute bedient, das Geld aber vor allem mit Lebensmittelanalysen verdient.
Die etwa 650 Kunden sind über ganz Europa bis hin zur Türentnehmen sachgerecht zuerst eine „B-Probe“ - wie im Sport
bei Dopingverdacht. Vier Wochen wird sie im Tiefkühlschrank aufbewahrt, falls später Zweifel am Testergebnis angemel-
det werden sollten. Die „A-Proben“ für die sofortige Untersuchung verteilen die beiden Frauen dann auf die Labortrakte.
Fachbereichsleiterin in der Instrumentellen Analytik ist An-
nett Schröder. Zu ihrem Reich gehört neben anderen Prüfge-
räten ein Massenspektrograph. Mit ihm können chemische
Substanzen anhand ihrer Molekülmasse identifiziert werden. In dem Analysegerät stehen dutzende Röhrchen. „Diese Probe ist zum Beispiel von Himbeeren“, zeigt die Lebensmittelche-
mikerin auf eine grüne Flüssigkeit. „Wir gleichen alle Proben nacheinander auf mehr als 400 mögliche Pestizide ab.“ Das
dauert etwa eine Stunde. Sind die Laboranten einem Gift auf die Spur gekommen, müssen sie die Belastung noch quantifi-
zieren und mit dem Grenzwert vergleichen. Noch eine weitere Stunde Arbeit, und schon liegt das Ergebnis vor.
Mit solchen Bestzeiten gehen die Magdeburger auf die Über-
holspur: Fährt zum Beispiel ein Auto mit Kirschen aus Polen
nach München, macht es in der Elbestadt Zwischenstation und lädt bei der ÖHMI Analytik eine Obstkiste ab. „Wir unter-
suchen die Kirschen auf Spuren von Pflanzenschutzmitteln. Wenn der Fahrer in München angekommen ist, haben wir dem Großhändler dort schon das Ergebnis mitgeteilt.“
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
kei und in Deutschland über alle deutschen Bundesländer verstreut. Eine große Handelskette hat die Magdeburger mit
der Qualitätskontrolle von rund 300 Filialen und Lieferanten
bundesweit beauftragt. „Unser Know-how ist anerkannt. Weil wir bei den Analysen alles machen, alles selbst und damit
schnell.“ Nach kontinuierlichem Wachstum ist das Umsatz-
volumen der ÖHMI Analytik im vergangenen Jahr gleich um 20 Prozent in die Höhe geschossen. Seitdem wird in Schichten
sowie am Wochenende gearbeitet, zwei weitere Mitarbeiter wurden eingestellt und beide Lehrlinge übernommen.
Bleibt die Frage: Schmeckt es denn nach acht Stunden Arbeit
im Lebensmittellabor überhaupt noch? Claudia Bange aus dem Bereich Probeneingang lächelt: „Na ja, wenn man tags-
über so 30 Hähnchen-Wings zerteilt und homogenisiert hat, isst man abends eher keines.“ Und Kathleen Liedtke meint
nach kurzem Überlegen: „Beim Einkaufen erwischt man sich schon manchmal bei der Frage: Wie viele Keime werden denn in diesem Salat stecken?“ Eines gibt Dr. Sylvia Busch uns Konsumenten vorm Einkaufen noch mit auf den Weg: „Qualität
und Sicherheit unserer Nahrung sollten wir uns auch etwas kosten lassen. Dann schmeckt es uns auch, und wir können ohne Bedenken alles genießen.“ www. oehmi-analytik.de
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Labor
Powerfrauen ohne Quotendruck „Frauenquote? Brauchen wir nicht.“ Bei ÖHMI Analytik ist
sie selbstverständlich, versichert Geschäftsführerin Dr. Syl-
via Busch. Zu ihrer Führungsmannschaft gehören drei weite-
re Frauen: ihre Stellvertreterin und Laborbeauftragte Bianca
Denecke, die seit zehn Jahren jeden Tag von Braunschweig
nach Magdeburg fährt. Außerdem die Qualitätsbeauftragte Kathrin Stahr, Diplomingenieurin für Lebensmitteltechnologie, sowie Assistentin Brit Hähnlein. Die Agrarökonomin ist die „Frau für die Zahlen“ im Unternehmen.
„Wir sind zwischen 33 und 48, arbeiten seit zehn Jahren zu-
sammen und sagen: Unsere besten Jahre kommen noch“, lacht Dr. Busch. Die Quote lehnen alle vier Frauen ab, weil sie
es ohne diese geschafft haben – und weil der Eindruck entstehen könnte, eigene Leistung sei nicht erforderlich.
Niemand, nicht einmal Sylvia Busch selbst, hatte 1991 ihren Weg bis an die Spitze des mittelständischen Unternehmens
vermuten können. Die Veterinärmedizinerin aus Fürstenberg an der Havel hatte gerade ihr Studium in Moskau abgeschlos-
sen, als im Osten Deutschlands die große „Abwicklung“ begann. Bei ÖHMI bekam sie vorerst nur eine ABM-Stelle für den
„Aufbau eines mikrobiologischen Labors“. Die heute 47-Jähri-
ge erinnert sich: „Zuerst bin ich mit nur einem Bierschinken ins Veterinäramt gefahren.“
Viele Skeptiker gaben dem Labor keine Überlebenschance. Sylvia Busch sagte dagegen: „Ich liebe Herausforderungen“.
Ihr Chef Dr. Peter Transfeld, Vorsitzender der ÖHMI-Holding, vertraute ihr und investierte sogar in neue Räume für die Mikrobiologie. 1993 machte er sie zur Abteilungsleiterin für den
Laborbetrieb, seit der Umstrukturierung in eine eigenständi-
ge GmbH ist sie Geschäftsführerin. Das war 1999, im gleichen Jahr hatte die junge Mutter mit einem Schnellanalyseverfahren promoviert.
Im Cluster Ernährungswirtschaft der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland sind rund 400
Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vernetzt. Eines der ersten Mitglieder
war die ÖHMI Analytik. Um neue Technologien und
Produkte in der Branche zu fördern, stiftet das Magdeburger Laborunternehmen seit 2005 den jährlich vergebenen IQ Innovationspreis für den Bereich Ernährungswirtschaft.
Dr. Sylvia Busch begann mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und ist heute Geschäftsführerin.
Tradition
Zu schade zum Verbraten Fleiß, Beharrlichkeit und eine gesunde Nachfrage lassen Kroppenstedter Ölquelle sprudeln Von Ute Semkat Ein Löffelchen Schwarzkümmelöl pur jeden Morgen! Eike Dö-
pelheuer schwört auf das schon im alten Orient bekannte Allheilmittel. Das dunkle kaltgepresste Öl aus den Samenkör-
nern des Echten Schwarzkümmels, lateinisch Nigella sativa, soll das Immunsystem stabilisieren und Allergien lindern. Es schmeckt sogar.
Pflanzenöle verdrängen in immer mehr Haushalten die Butter
vom Brot und aus der Pfanne. Ölmüller wie Eike Döpelheuer in Kroppenstedt in der Börde können dem Gaumen nuancenreiche Genüsse bieten. Im Hofladen reihen sich dunkle Fla-
schen mit matt schimmernden Ölen aus den Samen von Dis-
tel, Hanf, Kürbis, Lein, Mohn, Raps oder Sesam. Ganz anders als zuzeiten von Opa Walter Döpelheuer: „Damals wurde hier in der Börde vor allem Mohn angebaut und verarbeitet“, erzählt
der Enkel des Firmengründers: „Mohnöl haben die Leute für alles verwendet.“
Wir sitzen in der guten Stube der Großeltern, wo auch der
zu den fernen Ölmühlen aufmachen. Stets ein verlorener
Arbeitstag. Der erfolglose Künstler zeigt unternehmerisches Geschick und gründet 1922 im Pferdestall seines Onkels die erste Ölmühle. Acht Jahre später haben sich Neffe und Onkel
entzweit, und Walter Döpelheuer kauft ein Grundstück und baut eine neue, eigene Ölmühle. Sie übersteht Inflation und Weltkrieg.
In den 1950er Jahren geht er mit seiner Frau „in den Westen“. Ihr 1927 geborener ältester Sohn, der wie sein Vater Walter heißt, führt den kleinen Betrieb fort. Doch „Kapitalisten“ passen nicht ins Sozialismusbild. „Zwei Wochen, nachdem die
staatlichen Vertreter meinem Vater noch zum 50. Betriebsjubiläum gratuliert hatten, wurden wir enteignet“, erzählt Eike Döpelheuer. Die Zeit hat die Bitterkeit aus der Geschichte ge-
tilgt, geblieben ist ein Bodensatz an Ironie: „Wissen Sie, wie wir VEB übersetzt haben: Vaters ehemaliger Betrieb“.
junge Eike aufwuchs und in die er 1995 mit Frau und zwei
Töchtern heimkehrte. Wie die Wohnung übernahm er die Firma in dritter Generation. Bis ins alte „Kontor“, so steht es an
der Tür, musste er nur die Treppe hinunter laufen. Als sich die Unternehmerfamilie vor fünf Jahren ein Haus baute, „natür-
lich gleich neben dem Betrieb“, wurden aus den alten Wohn-
räumen Büros. „Die Buchhaltung sitzt jetzt in der Schlafstube, meine Frau im Kinderzimmer und ich im Esszimmer, wo früher bei Opa auch musiziert wurde.“ Eike Döpelheuer schaut
sich um und fügt dann sinnierend hinzu: „In solchem Umfeld ist die emotionale Komponente natürlich immer stark mit da-
bei.“ Vor einem Jahr ist sein Vater gestorben, fast jeden Tag hatte er noch in den Betrieb „`reingeschaut“.
Mitten im ehemaligen Wohnzimmer steht ein stabiler Holz-
tisch, der für die Kaffeepause ebenso taugt wie zum Gespräch mit Gästen und Kunden. Zwischen den dunklen Holzmöbeln der Großeltern lehnen in einer Zimmerecke zwei großformatige Ölbilder. Ein heute fast vergessener Künstler aus dem nahen Halberstadt hat den Firmengründer und seine Frau por-
trätiert. Aus einem Rahmen blickt ein breitschultriger Mann, ernst aber nicht unfreundlich. Ein Patron alter Schule.
Rückblick. Walter Döpelheuer ist ein arbeitsloser Musikstudent, als er nach dem ersten Weltkrieg nach Kroppenstedt
kommt. Er beobachtet, wie sich die Bauern mit ihrer Ernte
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Das Beste kommt zuerst: Bei der ersten Pressung im Walzwerk der Ölmühle wird aus der Saat das besonders wertvolle Öl für die kalte Küche gewonnen.
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Tradition
Den Unternehmer hat man im Herzen
zähe Flüssigkeit aus. „Wir machen hier ausschließlich Kalt-
Die Kroppenstedter Ölmühle wird also ein VEB, ein „volkseige-
Die Erstpressung bringt das besonders gute Öl, milder im Ge-
und seine zwei Geschwister verlischt der Gedanke an eine
trübe und wird deshalb gefiltert, aber das war es schon. Ohne
schaftsgärtner.
Aus dem Rückstand mit elf bis zwölf Prozent Restölgehalt
ist die Mauer gefallen, schreibt er den Antrag auf Rücküber-
„ausgequetscht“. Dieses Öl kommt anschließend in die Raf-
pressung, da bleiben die wertvollen Bestandteile erhalten.
ner Betrieb“. Es ist das Jahr 1972. Für den damals Elfjährigen
schmack, weil wir die Saat nicht völlig auspressen.“ Es ist noch
nächste Generation Ölmüller. Eike Döpelheuer wird Land-
weitere Behandlung fließt es in einen der 13 Tanks in der Halle.
Der ehemalige Eigentümer darf Betriebsleiter bleiben. Kaum
werden in einer zweiten Pressung noch etwa fünf Prozent
tragung. „Den Betrieb wieder übernehmen machte nur Sinn,
finerie. Aus jeweils fünf Tonnen Saat sind am Ende etwa zwei
weil Vati immer drin war.“ Bei ihm lernt
Gärtner Eike nun doch noch das Hand-
werk des Ölmüllers. Der Vater sagt ihm: „Die Technologie bringe ich dir bei. Das
mit dem Unternehmer hat man drin im Herzen.“ An seinem 65. Geburtstag Ende 1992 übergibt Walter Döpelheuer die Firma an seinen Sohn.
Der hat vor acht Jahren im Kroppenstedter Gewerbegebiet, knapp einen Kilometer vom Hauptsitz entfernt, eine zweite
Ölmühle gebaut. Die Kreditverhandlungen mit den Banken waren anfangs
zähflüssig, erst als die Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt ins Risiko einstieg, konn-
te die Investition auf den Weg kommen. In dieser Bio-Ölmühle steigen wir hinter Eike Döpelheuer eine Treppe hinauf zum
Schlund der Schneckenpresse. Ein dezen-
ter Geruch nach Sommerfeldern liegt in der Luft. „Raps“, schnuppert der Unter-
nehmer. „Morgen wird es nach Sesam riechen.“ Gerade die Flexibilität sei eine Stärke der kleinen Ölmühlen, wogegen
sich die kleinen Herstellungsmengen bei naturbelassenen Spezialölen für die Großen der Branche kaum rechnen.
Der Firmenchef öffnet eine Klappe, um
den Blick auf das Mahlwerk freizuge-
ben. Durch mehrere Öffnungen tritt eine
Eike Döpelheuer ist Ölmüller in dritter Generation – der Großvater schaut aus seinem Rahmen noch immer zu.
Tradition
Tonnen Öl gewonnen, den verbleibenden Presskuchen verfüt-
in der Getreideforschung gearbeitet. Sie beschreibt, wie das
gens Bioeier auf dem Tisch.“
säuert, gebleicht und desodoriert wird. Dadurch rieche und
tern Landwirte gern an ihre Tiere. „Bei uns stehen dafür mor-
Das „A und O“ für die Qualität der feinen Kroppenstedter Öle
ist die Qualität der Saat, „egal ob aus konventionellem oder Bio-Anbau“, betont Döpelheuer. Für fast jede Kultur gibt es weltweit Anbauspezialisten, der Schwarzkümmelsamen zum Beispiel kommt aus Ägypten. In steigenden Mengen kaufen
die Kroppenstedter auch Rohsaaten aus Osteuropa. „Aber
alles über Händler. Vom Direktlieferanten vom Feld sind wir weg, seit wir vor drei Jahren wegen eines Ernteausfalls am
freien Markt teuer nachkaufen mussten.“ Ein herber Rück-
schlag, der das Unternehmen finanziell ins Trudeln brachte. Mitarbeiter mussten entlassen werden. Heute sind fast alle wieder eingestellt.
Den eigenen Senf gibt’s dazu Auf den Ölflaschen in den Regalen von Feinkostgeschäften und Supermärkten sucht man den Namen Kroppenstedt vergeblich. Die Logistik wäre zu aufwändig, die Flaschenabfül-
lung zu teuer. So werden die Spezialitäten aus der Börde unter
den Namen ihrer Großabnehmer bis nach Amerika, Südafrika, Australien verkauft.
Gegenüber DDR-Zeiten hat die Kroppenstedter Ölmühle die
jährliche Verarbeitungsmenge auf rund 10 000 Tonnen Öl-
saaten verdoppelt, und der Firmeninhaber denkt über eine weitere, die sechste Produktionslinie nach. Wie schafft man
soviel Nachfrage als eine von immerhin rund 200 deutschen Ölmühlen, die auf kaltgepresste Öle spezialisiert sind? „Ja warum sollte man ausgerechnet bei uns einkaufen? Gutes
Öl machen viele“, nickt der Unternehmer: „Die Wahl seines Lieferanten trifft man aber auch emotional. Das ist wie mit
dem Autohändler, den man sich unter ganz vielen aussucht.“
Deshalb stellt er sich bei potentiellen Kunden persönlich vor. „Wenn man sich gegenüber sitzt, ist es einfacher. Wir reden
kaum übers Produkt. Ich erzähle aus unserer Familiengeschichte.“
Das ist etwas tiefgestapelt. Die Kroppenstedter werden auch
dafür geschätzt, dass sie auf eilige Lieferwünsche reagieren. Döpelheuer: „Wir haben immer einen Plan B.“ Und sie leisten
sich wie nur wenige kleine Ölmüller ein System, mit dem sich
Öl aus der zweiten Pressung in der Raffinerie entschleimt, entschmecke es „eher neutral“, sei aber hitzebeständiger. Somit kann es auch in die Bratpfanne.
In bestimmten Qualitäten wäre es allerdings viel zu scha-
de zum Verbraten. Die Pharmazie- und Kosmetikindustrie braucht ebenfalls farb- und geruchlose Öle, die zum Beispiel
in Kapseln von Nahrungsergänzungsmitteln oder in duften-
den Cremes völlig unauffällig bleiben. „Die Prozessschritte sind die gleichen wie bei der Speiseölherstellung, aber
die Grenzwerte sind strenger“, erklärt Frau Döpelheuer und nennt chemische Parameter wie den Wassergehalt im Öl oder das Oxidationsverhalten. Wer Ölqualitäten erreicht, die selbst
die anspruchsvollen Arzneimittelhersteller zufriedenstellen, verfügt damit über beste Referenzen.
Eine nicht unerhebliche Zutat zum Geschäftserfolg kommt
aus einem dritten Betriebsteil mit einem einzigen Produkt: Senfmehl. Mit einer besonderen Technologie zur Entschär-
fung von Senfmehl, das zum Beispiel Fleischereibetriebe verwenden, haben es die Kroppenstedter zum europäischen
Marktführer geschafft. Vom Einkauf der Rohware über die Pro-
duktion bis zum Marketing verantwortlich ist Beate Könnecke, die gerade aus dem „Babyjahr“ kam, als der Bereich vor fünf
Jahren ausgebaut wurde: „Es macht so richtig Spaß, wenn man aus einer kleinen Sache etwas Großes macht“, meint die gelernte Kauffrau. Zum Beispiel aus anfangs einer Tonne Senf-
mehl monatlich jetzt schon 180 Tonnen. „Ich denke, dass wir auf dem Markt einen Stammplatz haben“, sagte Frau Könnecke nicht ohne Selbstbewusstsein.
Sie wohnt nur wenige hundert Meter von ihrem Arbeitsplatz
entfernt, aber ihrem Herzen liegt die Firma noch viel näher. „Wenn ein Kunde ganz kurzfristig eine Lieferung braucht, versuche ich alles, um das zu ermöglichen. Ich glaube, die Kun-
den fühlen auch, sich hundertprozentig auf uns verlassen zu können.“
Wie hatte der Firmenchef gesagt? Die Wahl seines Lieferanten trifft man auch emotional. Bei der Kroppenstedter Ölmühle
haben die Kunden ein gutes Gefühl und erleben einen exzellenten Geschmack.
Chargen und damit Fehler lückenlos zurückverfolgen lassen – falls der Kunde doch einmal unzufrieden sein sollte.
Nicht alles Öl landet in der kalten Küche. Döpelheuers Frau El-
len ist die Chefin der Raffinerie. Die diplomierte Chemieingenieurin stammt ebenfalls aus der Region und hatte zunächst
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www.kroppenstedter-oelmuehle.de
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Spitzenprodukte
Füllhalter aus Wernigerode schreiben Geschichte(n) Von Kathrain Graubaum
„Federleicht“ fühlt sich ein Füllfederhalter wohl nicht, wenn
Es war offensichtlich eine
gestaucht, gedrückt.... In der Feinmotorik noch recht ungeübt,
milie Schneider, dem lang-
Papier zu geleiten. Bis es so weit ist, hat dessen Feder ganz
hörigen die Leitung ihres
sie auf dem Papier herum, dass es auch manch einen Lehrer
übertragen. 1991 hatte das
dem Füllfederhalter zu schreiben“, weiß Michael Klehm. Er
bronn im Schwarzwald den
hält. Klehm ist Designer und Produktmanager beim Schreib-
insolventen Schreibgeräte-
nem Firmenslogan „für gute Schrift“.
von der Treuhand gekauft.
Geschichte. Generationen von DDR-Kindern wurden samt
So sieht man es im Harz
„Heises Kommanditgesellschaft“ zurück, die hier 1946 ge-
Im Stammwerk ist man
mit einem Heiko-Füller bestückt. Das war 1967. Da beherrsch-
Familienmitglied
Versorgungsprobleme war der DDR-Bürger gewöhnt. Wer eine
Kernkompetenzen konzen-
schreibt das westdeutsche Familienunternehmen Schneider
also war der Hintersinn der
er in kleinen Schulanfänger-Fäustchen steckt. Er wird gedreht,
gute Entscheidung der Fa-
müssen Kinderhände erst lernen, ihren „Fülli“ sanft über das
jährigen
schön was auszuhalten. Wie aus Protest kratzt und kleckst
Wernigeröder Werkes zu
nervt. „Es gibt Schulklassen, die lernen schon nicht mehr, mit
Unternehmen aus Tennen-
muss nicht sonderlich betonen, dass er dies nicht für richtig
einstigen VEB und dann
gerätehersteller Schneider in Wernigerode. Der wirbt in sei-
hersteller aus dem Harz
Seit 65 Jahren schreiben Füllfederhalter aus Wernigerode
Ein Glücksfall für beide.
Heiko-Füllhaltern eingeschult. Der Name „Heiko“ ging auf
wie auch im Schwarzwald.
gründet wurde. Auch die Schultüte von Michael Klehm war
an einem selbständigen
te die Harzer Fabrik den DDR-Markt – mehr oder weniger. An
siert, das sich auf eigene
Westoma hatte, ließ sich „Pelikan“ schicken. Seit der Wende
triert. Kein „Plattmachen“
die Füllhalter-Produktionsgeschichte in Wernigerode fort.
Übernahme. Etliche kon-
Michael Klehm ist den Schreibgeräten aus dem Harz treu ge-
mussten zu jener Zeit andere Erfahrungen machen.
chenstein Halle entwarf er für seine Diplomarbeit Füllhalter
Peter Witteweg. Die DDR-Regierung höchstselbst hatte un-
liches Willkommen zum Einstieg ins Berufsleben.
gesorgt, damit in der Heimat von „Pelikan“ und auch in der
Klehm. Das dürfe samt dem guten Schreibgerät dazu nicht
gene Forschungslabor war ebenfalls gut ausgestattet.
die Füllhalterherstellung denken viele andere ebenso – was
Dem heute 57-jährigen Witteweg lacht das Maschinenbau-
Betriebsange-
interes-
kurrenzfähige Ost-Betriebe
blieben. Als Design-Student der Kunsthochschule Burg Giebi-
„Unser Werk war ja auch relativ modern eingerichtet“, sagt
und Kugelschreiber – und fand dann 1988 bei „Heiko“ ein herz-
ter dem Druck westlicher Konkurrenzprodukte für Devisen
„Eine schöne saubere Handschrift ist ein Kulturgut“, sagt
Schweiz Maschinen gekauft werden konnten. Das betriebsei-
verloren gehen. Zum Glück für die Kultur und zum Glück für die Auftragsbücher beweisen.
er-Herz, wenn er durch die Produktion führt. Da könnte er
stundenlang erklären, die Funktionsweise der Anlagen bis Betriebsleiter Peter Witteweg sorgt dafür, dass das Werk stets
flexibel und schnell auf „spezielle“ Kundenwünsche reagiert.
ins Detail beschreiben. 1975 kam er als Lehrling zu „Heiko“, „fern“studierte dann Maschinenbau, baute Sondermaschi-
Spitzenprodukte
nen und Werkzeuge für die Füllhalterproduktion. Dass der Betrieb bis heute seine Maschinen selbst (weiter)entwickelt
Von der Tinte bis zur Spitze – jeder Füllhalter ist komplett „Made in Wernigerode“.
und Werkzeuge baut, macht ihn überlebensfähig. „Kunststoff
und Tinte“, erklärt der Fachmann, „müssen genau aufeinander abgestimmt sein. Verändert sich eine Komponente, darf zum Beispiel ein bestimmter Farbstoff nicht mehr verwendet
werden, zieht das zwangsläufig eine Veränderung am Tintenregler und an dem dazugehörigen Spritzwerkzeug nach sich.“ Unsere Besichtigungstour führt vorbei an den Fensterfronten
der Labore, in denen entwickelt, vermessen, geprüft und be-
obachtet wird. Vorbei an Silos voller Kunststoffgranulate, an Farbgefäßen, und Tintenfässern; an Maschinen, die Patronen-
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hülsen abfüllen oder Gehäuseteile bekleben; vorbei an Vollmontageanlagen und an gefüllten Verpackungskartons.
Von der Entwicklung der Tinte bis zum fertigen Schreibgerät
ist hier alles „made in Wernigerode“. Bis zu drei Millionen Füll-
halter, 15 Millionen Tintenroller, 100 Millionen Patronen und
11 Millionen Textmarker verlassen jährlich den Betrieb; gehen auch auf Export in 126 Länder hauptsächlich in Europa, Nahost und Südamerika.
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Spitzenprodukte
Produktmanager Michael Klehm betreibt stets Meinungsforschung, um keinen Trend zu verschlafen. Controllerin Babett Hoerstel unterstützt ihn bei der Produktentwicklung.
Unter den Kunden sind es viele Schüler, Lehrlinge und Studen-
Und auch für die linke Hand gibt’s eine entsprechende Aus-
auf“ mit entsprechenden Utensilien aus Wernigerode ausrüs-
Auf das Problem, wie der Füllhalter richtig gehalten werden
ten, die sich getreu dem Firmenmotto „Schneider - Schreib’s
ten. Das Team im Harz hat eben „coole“ Ideen, die zum Ren-
ner werden unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Hannah Montana zum Beispiel, Disneys Kunstgeschöpf und Teenager-Idol, inspirierte die Designer zu einem Schreibgerät für Mädchen.
„Kinderleicht“ lassen sich die Füller inzwischen führen, hin-
terlassen keine roten Druckstellen und kein Tintengeschmier an den ungeübten Fingerchen. Eine Handchirurgin hatte die
Designer beraten, als sie einen Schreiblern-Füllhalter für die kleinen Hände entwickelten. Michael Klehm zeigt am gummierten Griffstück die rutschfesten Mulden. Sie steuern au-
tomatisch die Haltung der Schreibhand – egal, wie groß sie
ist, ein austauschbarer Schaft lässt den Füller mitwachsen.
führung.
muss, braucht sich der Unterricht also gar nicht mehr zu kon-
zentrieren? Der Betriebsleiter nickt. „Gleich Anfang der 1990er Jahre wurde uns klar, dass wir eine Nische finden mussten, um
uns auf dem Markt zu behaupten. Da haben wir uns mit der
Entwicklung der ergonomischen Eigenschaften des Füllhalters beschäftigt.“
Viele Formmodelle sind gefertigt und nach zahlreichen Leis-
tungsprüfungen im werkseigenen Labor immer wieder ver-
bessert worden. Letztendlich wurde von Schülern, Lehrern und Eltern etlicher Versuchsklassen bescheinigt: Leicht und unverkrampft lässt sich das Schreiben lernen.
Kein Grund für Produktmanager Michael Klehm, sich zufrie-
den zu geben. Weniger Verschleiß, bessere Schreibtechnik, gu-
Spitzenprodukte
men. Gemeinsam wurde eine druckempfindliche Schreibspitze entwickelt, die Signale an das Blinklicht am Stiftende sendet.
„Einfach genial“ fand das Fernsehen und berichtete – die Zu-
Platzhalter für Designer
schauer fanden das auch, ließen die Telefone im Werk Sturm klingeln. Vielleicht kamen Peter Witteweg und Michael Klehm damals für kurze Zeit Erinnerungen an alte Zeiten, als die Füll-
halterproduktion ihres Werkes den Bedarf gar nicht abdecken
konnte. In solchen Momenten wird ihnen bewusst, wo die Vorteile der heutigen Zeit liegen. Viele ihrer Produkte sind so
überzeugend, dass sie von Fachmessen den direkten Weg in die Läden nehmen – in den Internet-Shop sowieso. „Fülli“ aus Wernigerode müssen heute von keinem Wunschzettel mehr gestrichen werden.
Ein Berufsleben lang baut Peter Witteweg Maschinen und Werkzege für die Fülhalterproduktion. •
Produktion von Füllfederhaltern.
die Produktpflege ist das Werk eigenverantwortlich. Gingen worden sein. Aber für die Führungsspitze des Wernigeröder
Füllhalterwerkes ist der Erfolg kein Ruhekissen. Stets hellwach
•
Eigenentwicklungen des Wernigeröder Werkes sind ergonomische Schulfüller sowie Tintenschreiber,
die aus dem Kugelschreiber (Spitze) und dem Füller
wird hier der Markt beobachtet, um auf Kundenwünsche
(Tinte und Regler) konstruiert wurden.
schnell zu reagieren.
Im vergangenen Jahr zum Beispiel ist mit den Erstklässlern
sich im Mutterwerk in Tennenbronn auf die Ku-
gelschreiberherstellung, in Wernigerode auf die
ter Tintenfluss, neue Technologien, ein anderes Design – für die Verkaufszahlen zurück, könnte hier ein Trend verschlafen
Die Schneider Schreibgeräte GmbH konzentriert
•
Die Firma arbeitet als erster und einziger Schreib-
auch ein neues Schreiblern-Produkt „in die Schule gekom-
gerätehersteller weltweit nach einem Umwelt-
stark aufdrückt. Eine Warnung, die nicht weh tut.
gehört zur Firmenphilosophie, ausschließlich in
men“: „Base Senso“ blinkt am Ende, wenn sein Besitzer zu
Managementsystem (EMAS-2 und ISO 14001). Es
Ein Facharzt für Chirotherapie hatte sich an das Füllhalter-
Deutschland zu produzieren.
werk gewandt und empfohlen, den Schreibdruck der kindli-
chen Hand zu verringern, um die Gelenke zu schonen. Leider, so die Praxiserfahrung des Arztes, hätten heutzutage viele Kinder feinmotorische Defizite, wenn sie in die Schule kom-
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www. schneiderpen.de
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Fahrzeugbau Kroppenstedt Traktoren
Mit Vollgas zurück ins Geschäft In Schönebeck werden auf dem Gelände des alten Traktorenwerks wieder Landmaschinen gebaut Von Annette Schneider-Solis Endlich können Thomas Richter und seine 15 Mitarbeiter ein-
mal durchatmen. Die vergangenen Tage hatten es in sich. Gerade erst haben die TÜV-Experten die Montagehalle von MALI
Schönebeck wieder verlassen, nachdem sie Lenkung, Bremsen und all die anderen technische Teile der neu entwickelten
Spezialmaschine „Trac 140“ genauestens unter die Lupe genommen, auf Herz und Nieren geprüft und schließlich für gut befunden haben.
„Wir hatten natürlich vorher schon alles getestet, aber das
war noch mal ein ganz schöner Aufwand“, gesteht Richter. Schließlich handele es sich um die Erstzulassung eines völlig neuen Fahrzeugs. „Aber jetzt haben wir es geschafft: Unsere
Maschine ist für die Straße zugelassen und somit an den End-
kunden verkaufbar“, freut sich der 49-jährige Geschäftsführer.
„Damit haben wir unser Etappenziel für dieses Jahr erreicht, und die ersten Maschinen sind ja auch schon verkauft.“
Sieben Jahre nach dem Ende des traditionsreichen Schönebe-
Fahrzeugbau
zeigt durch die weiträumige Halle: „Da drüben habe ich meinen letzten Traktor zusammengebaut und hier den ersten.“
Die fünf Montageplätze in der Halle nebenan sind alle belegt.
Hier kann man den „Trac 140“ in verschiedenen Fertigungsstufen sehen. Frank Horn, früher Meister im Traktorenwerk, hat
hier die Leitung. Und seit dem 1. August wird die Vielzahl an Berufserfahrungen auch an den ersten MALI-Lehrling weitergegeben.
Auch Geschäftsführer Thomas Richter ist im Traktorenwerk Schönebeck groß geworden, das seit Mitte der 1960-er Jahre der einzige Traktorenhersteller in der DDR war. Dort war
Richter nach seinem Maschinenbaustudium an der Technischen Universität Magdeburg in der Serienbetreuung für
Feldhäcksler tätig, später im Bereich Traktoren. Nach der Wende hat er den Niedergang des einstigen Vorzeigebetriebs hautnah miterlebt: den Ausstieg aus dem Verband des „Kom-
binats Fortschritt“ und die Treuhandverwaltung ab 1990, die Privatisierung als Landtechnik AG, 1993 die Übernahme des
Traktorenprogramms der insolventen Firma Schlüter und die Umwandlung zur Landtechnik-Schlüter GmbH. Nach mehre-
ren Privatisierungsversuchen übernahm 1999 Doppstadt den ehemals Volkseigenen Betrieb (VEB), in dem zu Spitzenzeiten
bis zu 4 600 Mitarbeiter tätig waren. Doch das frühere Flagg-
schiff des DDR-Traktorenbaus konnte nicht gerettet werden. Im Jahr 2004 wurde die Produktion endgültig eingestellt.
„Knapp ein Jahr zuvor, als wir alle schon fast auf der Straße standen, habe ich mit Markus Liebherr telefoniert“, erinnert
sich Thomas Richter. Der Unternehmer mit Sitz in der Schweiz
hatte sich Ende der 1990-er Jahre erfolglos um den Kauf des Traktorenwerks bemüht. Liebherr, einer der Erben des gleich-
namigen Baumaschinenkonzerns, Gründer und Eigentümer der MALI International AG, hatte bereits während seines
Studiums als Maschinenbauer großes Interesse an landwirtschaftlichen Spezialmaschinen. „Schnell haben wir Markus
Liebherr von unserer Idee begeistert, in Schönebeck wieder Traktoren zu entwickeln. Er hat gleich gesehen, dass man hier cker Traktorenbaus wurde vor einem Jahr das erste neue Fahrzeug an einen Kunden in Bayern verschickt.
was aufbauen kann.“
Die Schönebecker mit ihren Erfahrungen im Traktorenbau lieferten das Know-how, Markus Liebherr investierte. Als fünftes
Seit 2009 werden in Schönebeck wieder Spezialfahrzeuge
Unternehmen der MALI-Gruppe wurde 2003 der MALI Spezial-
standen im Musterbau, dem Reich von Waldemar Hüttl. Wie
en Unternehmens begann als Mitarbeiter-Quartett. Thomas
renwerk sein Berufsleben verbracht, bis 2004 das Aus kam. Da
stadt. Seine erste Aufgabe war die Entwicklung eines neuen
entwickelt, montiert und verkauft. Die ersten Prototypen ent-
fahrzeugbau Schönebeck gegründet. Die Geschichte des neu-
die meisten seiner Kollegen hat er im Schönebecker Trakto-
Richter mietete ein kleines Büro in der Schönebecker Innen-
hieß das Werk schon längst nicht mehr Traktorenwerk. Hüttl
Getriebes.
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Fahrzeugbau
Im Jahr 2006 zog MALI dann ins Gewerbegebiet im Osten der
ten auf dem Feld oder im Wald.
und der Geräteträger RS 09 montiert wurden. Nach und nach
eine neue Produktionshalle.
Elbestadt. Dorthin, wo einst der legendäre DDR-Traktor ZT 300 rekrutierte Richter ehemalige Traktorenbauer. „Ohne deren
Wissen und Fertigkeiten hätten wir das hier nicht aufziehen können“, ist er noch heute überzeugt.
Am Computer und in der Werkstatt entstanden Spezialma-
schinen, gedacht für Straßenmeistereien, Forstbetriebe, für
Wieder drei Jahre später entstand auf dem Firmengelände Dort sollen an den fünf Montageplätzen bis zu 60 Spezial-
maschinen pro Jahr zusammengeschraubt werden. „Für jedes Fahrzeug sind zwei Mitarbeiter verantwortlich“, erklärt Ge-
schäftsführer Richter. „Zwei Mann montieren in einer Woche ein Fahrzeug.“
die Landwirtschaft und Kommunen. Fahrzeuge, die vielseitig
Die Teile werden von Zulieferern nach den Vorgaben von der
nauso wie für das Rasenmähen im Straßengraben, für Arbei-
MALI-Gruppe. „Ein stufenloses, leistungsverzweigtes Getrie-
einsetzbar sind – im Winterdienst mit dem Schneepflug ge-
Elbe gebaut. Herzstück aller Maschinen ist das Getriebe der
Fahrzeugbau
be“, sagt Richter. Es verbinde hydraulische und mechanische
Spezialmaschinen aus Schönebeck füllen laut Richter eine Lü-
Beim Anfahren arbeitet das Getriebe hydraulisch, hat so mehr
den Wünschen der Auftraggeber konstruiert.“ Alle Maschinen
Komponenten, nutze die Vorteile der einen wie der anderen. Kraft, aber auch einen niedrigeren Wirkungsgrad. Später
wechselt das Getriebe auf die mechanischen Komponenten. Der Fahrzeugführer muss nicht schalten und kann die End-
geschwindigkeit am Fahrzeug einstellen. Will er zum Beispiel
Mäharbeiten durchführen, etwa 10 Kilometer pro Stunde.
cke. „Sie können mehr als ein Traktor und werden speziell nach
eines Typs haben die gleiche Grundausstattung: Fahrgestell, Kabine, Motor. Die Zusatzausstattung kann der Kunde je nach Bedarf wählen: Hydraulikausrüstung, Zapfwelle, Anbaugeräte, Frontkraftheber, Anbauplatte...
Dann ist die Maschine bei Vollgas auch nur so schnell, und der
Mit leuchtenden Augen sieht der 49-jährige Geschäftsführer
Neben dem Trac wurde der GT 420 entwickelt. Er ist so groß
rade eine Proberunde dreht. „Die Maschine hat Allradlenkung
Fahrer kann sich aufs Mähen konzentrieren.
wie ein Mähdrescher und für die Landwirtschaft gedacht. Die
dem vorüber fahrenden „Trac“ hinterher, der auf dem Hof geund gefederte Vorderachse“, schwärmt Richter.
Vertriebsleiter Christoph Weber ist mit der Nachfrage zufrieden. „Die Auftragsbücher füllen sich. Bald sind die nächsten
fünf Maschinen fertig. Wir haben unsere Kontakte nach Bay-
ern stark ausgebaut, dort sitzt unser Hauptkunde.“ Jährlich acht Maschinen könnten nach Italien gehen, und auch die Kontakte nach Österreich und in die Niederlande würden derzeit ausgebaut.
Markus Liebherr, der den Schönebeckern vor acht Jahren mit
Vertrauen und Kapital den Neustart des Traktorenbaus an der Elbe ermöglichte, kann das nicht mehr erleben. Er verstarb im
August vorigen Jahres unerwartet im Alter von nur 62 Jahren. „Für uns alle war das ein großer Schock“, bedauert Thomas
Richter. „Wir hatten ein beinahe freundschaftliches Verhältnis.“ Nun wird Katharina Liebherr die Firmengruppe MALI im Sinne ihres Vaters weiterführen.
Die Schönebecker wollen ebenfalls ein Vermächtnis ihres Fir-
mengründers erfüllen. Draußen, auf dem Hof, steht ein LiTrac, eine Spezialmaschine, die Markus Liebherr vor Jahren entwi-
ckelt hat. Die Produktion wurde eingestellt. „Das Getriebe war
der Schwachpunkt für eine Maschine mit so großer Leistung“, erklärt Thomas Richter und verspricht: „Wir haben jetzt ein
leistungsstarkes Getriebe, und wir werden den LiTrac hier in Schönebeck produzieren.“ www.mali-group.com
Thomas Richter hat den Traktorenbau zurück geholt nach Schönebeck
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Standpunkt
Gute Vermarktung der guten Gründe Von Dr. Carlhans Uhle, Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft
Seit fast fünf Jahren hat die Investitions- und Marketingge-
sellschaft (IMG) von der Landesregierung folgende Aufgaben bekommen: die Funktion als Ansiedlungs- und Marke-
tingagentur verbunden mit allen Leistungen rund um die Investoren-Ansiedlung, das Image- und Standortmarketing sowie das Tourismusmarketing. Voraussetzung dafür war die
Bündelung der bisherigen Wirtschaftsförderungs – und der Landesmarketingorganisation, ein mutiger Schritt, der sich
schnell bewährt hat, denn die Synergieeffekte haben der IMG inzwischen den Ruf als schlagkräftige Einheit eingebracht: bei potenziellen Investoren und bei den Kooperationspartnern wie GTAI. Als one-stop-shop, als unabhängige erste Anlauf-
stelle für Investoren ist die IMG in ihrer engen Zusammenar-
beit mit den regionalen Wirtschaftsförderungen inzwischen als „neutraler Lotse“ zwischen potentiellem Investor und den
Landesinstitutionen anerkannt. Bei faktisch allen von der IMG betreuten Investitionsvorhaben befinden wir uns im Wettbewerb mit anderen Standorten im In- oder Ausland: diesen
Wettbewerb kann nur eine selbständige Einheit ohne sprachliche oder mentalitätsmäßige Barrieren zum Investor gewinnen.
Dass dieser Weg funktioniert, lässt sich an einem Beispiel
belegen: Faktisch von null ist es uns gelungen innerhalb von nicht einmal drei Jahren ein systematisches Aquisitionsnetz-
werk im Ausland aufzubauen. 2009 und 2010 haben wir etwa 2000 neue Kontakte zu ausländischen Unternehmen hergestellt. Bei den konkreten Investitions-Projekten der IMG sind
mittlerweile fast die Hälfte internationale Projekte. Nicht immer geht es so schnell wie bei einem italienischen Kunstoff-
hersteller: von unserem ersten Anruf in Brescia im Februar 2011 bis zur Entscheidung Anfang April vergingen nur wenige
Wochen. Normalerweise dauern Akquisition und Betreuung
ausländischer Investoren Jahre: so dauerte die Betreuung des chinesischen Verpackungswerkes in Halle bis zur Entscheidung fast 3 Jahre. Diese Erfolge machen uns viel Freude!
Für die Ansiedlungserfolge ausschlaggebend waren nicht
nur die Anstrengungen und die Standortvorteile, sondern auch eine Politik, die hier kontinuierlich bessere Rahmenbe-
dingungen schafft. Beispiel: Mit der Errichtung von drei neu-
en Forschungszentren – dem Chemisch-Biotechnologischen Prozesszentrum, dem Fraunhofer-Center für Silizium-Pho-
tovoltaik und dem IKAM – werden hier starke Voraussetzun-
gen geschaffen. Gleichermaßen vorausschauend ist auch die Strukturpolitik, beispielsweise die Erschließung von großen Industriegebieten.
Die Schaffung neuer Dauerarbeitsplätze ist wichtig – zur
Stärkung der regionalen Wirtschaft, zur Verbesserung der Ein-
kommenssituation des Landes und der Menschen im Lande, sowie zur Schaffung von Perspektiven für junge Fachkräfte
und deren Familien. In der Regel schafft ein neuer Industriearbeitsplatz 3-4 zusätzliche Regionalarbeitsplätze. Berechnungen zeigen, dass die staatlichen Einnahmen aus den von der IMG betreuten Ansiedlungen die Ausgaben für die IMG um ein Vielfaches übersteigen.
Erfolgreiche Arbeit gelingt durch die Vernetzung von Standortmarketing und Investorenwerbung. Zielorientierte Marke-
tingmaßnahmen werden dazu beitragen, das Land messbar bekannter zu machen, das Profil des Landes als attraktiver
Standort weiter zu schärfen, die Sympathiewerte zu stei-
gern und so das Image zu verbessern. Das Image des Landes ist noch immer weniger gut als die Realität, obwohl Umfragen uns Fortschritte bescheinigen. Standortmarketing ist
auch das Bindeglied zwischen den Aufgaben Investitionen
und Tourismus. Zum Einen gibt es Effizienzvorteile: sowohl im Online-Marketing -hier punkten wir preiswert gegen die finanzstarke Konkurrenz- als auch im klassischen Marketing -z.B. Messen- können wir in beiden Bereichen aktiv sein. Zum
Anderen nutzt die Bewerbung des Tourismusstandortes auch
der Investorenwerbung. Standort-Marketing hilft auch den Unternehmen: So ist z.B. Carbonit Filtertechnik aus Salzwedel nicht nur einer von 27 Ausstellern auf unserem Stand auf der
Hannover Messe, sondern wurde von regelmäßigen Newslettern an Journalisten mehrfach beworben. Die IMG richtet
Wirtschaftsförderung und Standortmarketing natürlich an den Vorgaben der Politik aus.
Stärkste Säule des Tourismus ist der Kultur- und Städtetouris-
mus. Hier haben wir in den vergangenen Jahren viel u.a. für unsere Städte, die Straße der Romanik oder die Weltkulturerbestätten werben können. Diese Stärken müssen weiter im
Fokus bleiben. Die Landesausstellung Naumburger Meister
wird Anlass sein, auf die Schätze des Landes aufmerksam zu machen: unsere Themen (bzw. Markensäulen) werden durch Reiseanlässe aktuell gehalten.
Standpunkt
Um unser Potenzial an Übernachtungen ausschöpfen zu kön-
nen, werden wir den Aktiv- und Naturtourismus im Marketing so nach vorne bringen, dass Sachsen-Anhalt als Reiseland für den Aktivtourismus identifiziert wird.
Wir haben das Tourismusmarketing in den vergangenen Jahren fokussiert weiterentwickelt: statt einer Vielzahl von The-
men, konzentrieren wir uns auf 2 Schwerpunkte: Kultur- und Städtetourismus einerseits und Aktiv-/ Naturtourismus andererseits. Das Marketing des Reiselandes darf künftig nicht statisch sein, denn die Ansprüche und Bedürfnisse von Reisenden ändern sich permanent, so hat sich das Buchungs- und Informationsverhalten durch Internet signifikant gewandelt.
Die Rahmenbedingungen im Bereich Wirtschaft werden sich in den nächsten Jahren in den neuen Bundesländern stark
verändern. Ich bin optimistisch, dass diese Herausforderungen gemeistert werden können. Kompetenz und Mut zu neuen Wegen sind in unserem Land vorhanden – das hat der Um-
bruch der vergangenen 20 Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt!
Dr. Carlhans Uhle, Jahrgang 1958, ist seit 2007 Ge-
schäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt. Zuvor war er in verschiedenen
leitenden Positionen in Mitteldeutschland tätig. Der promovierte Diplom-Kaufmann arbeitete ab 1993 bei
der Sachsen-LB als Direktor im Firmenkundengeschäft, gehörte danach zum Vorstand der Strombörse in Leip-
zig und war von 2004 bis 2007 Mitglied der Geschäfts-
führung der Choren-Gruppe in Freiberg (Sachsen). Uhle ist verheiratet und Vater von Zwillingen.
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SARISK Geschichte
Wie Reformator und Fürst Tourismus machen Lutherstadt Wittenberg schließt mit dem Bau eines Besucherempfangs eine alte Wunde auf ihrem Arsenalplatz Von Cornelia Heller
Die Welt pilgert nach Wittenberg, in die Stadt Martin Lu-
logie drei alte Holzsärge frei. Und staunten nicht schlecht, als
Cranachs – an jenen Ort, von dem aus die Reformation 1517
der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche die männlichen
Weltgemeinde das runde Reformationsjubiläum feiern, zu
fürsten Rudolf II., Herzog von Sachsen-Wittenberg, auswiesen:
Touristenströme – den Spuren des Reformators in die Stadtkir-
che Siegel aus Blei, Reste einer mit Goldfäden durchwirkten
berg aber eine noch ganz andere Geschichte über sich zu er-
Hause der Askanier. Bei ihm seine Frau Elisabeth und seine
thers, Philipp Melanchthons, Johannes Bugenhagens, Lucas
die Grabbeigaben in der gemauerten Gruft auf dem Gelände
ihren Anfang nahm. 500 Jahre später, im Jahr 2017, wird die
Gebeine augenscheinlich als die des 1370 gestorbenen Kur-
Tausenden wird man sich hier treffen und – wie die jährlichen
ein 1,20 Meter langes Schwert, das gebrochene großherzogli-
che, an die Thesentür, in das Lutherhaus folgen. Dass Witten-
Kleidung. Insignien eines bedeutenden Mannes aus dem
zählen weiß, offenbart ein überraschender Fund aus dem Jahr
Tochter. Ein spektakulärer Fund.
spannendes Licht.
Die herrschaftliche Grablege fand sich unter dem Arsenalplatz.
Wer war dieser Rudolf II. eigentlich, der da so unverhofft seit
schon seit den Zerstörungen im Siebenjährigen Krieg ein Ir-
wusstsein der Wittenberger drängt? Damals legten die Ar-
War er zu Preußens Zeiten militärisch mit Zeughaus – „Arse-
2009. Er taucht das mittelalterliche Wittenberg in ein neues
Ein Platz mitten im mittelalterlichen Kern der Lutherstadt,
jenem kühlen Februartag des Jahres 2009 zurück in das Be-
gendwie-Ort in Wittenberg, ein Ort in ewiger Warteschleife.
chäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäo-
nal“ – und als Exerzierplatz genutzt, wurde er am Ende des
Geschichte
Zweiten Weltkriegs schlicht unsichtbar und geriet zum wei-
Wittenberg, die Schöne, mitten in Deutschland, im Dreieck
1991 hatten sich hier hinter mannshohen Zäunen und Mau-
lau, zwischen den bewaldeten Hügeln des Flämings und der
ßen Fleck auf Wittenbergs Stadtgrundriss. Bis zu ihrem Abzug ern sowjetische Streitkräfte einquartiert und betrieben einen
militärischen Stützpunkt nebst Lazarett. Ein ganzes Areal war hermetisch abgeriegelt, ausgeblendet aus dem Stadtgesche-
hen. „Niemandsland war das“, sagt ein alter Wittenberger auf Nachfrage und läuft eilig weiter. Entlang der neuen Abgren-
zungen, mit denen die Archäologen in den vergangenen Monaten und Jahren nunmehr ihre „Claims“ absteckten und mit
ihrer Arbeit das vorbereiten, was Wittenberg für die Zukunft
plant: Am Fundort, auf dem Gelände des emaligen Franziska-
nerklosters, soll ein touristischer Besucherempfang entste-
hen, ein Vorhaben, mit dem es gelingen kann,, wie es im Jahr 2010 Sachsen Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff und selbst Wittenberger, ausdrückte, „endlich die hässliche städtebauliche Wunde am Arsenalplatz zu schließen“.
von Berlin, Leipzig/Halle und der Bauhausstadt Dessau-RoßAuenlandschaft der Elbe, ist einer der überraschend vielen
Sehnsuchtsorte Sachsen-Anhalts. Die Stadt lebt von ihrer un-
verwechselbaren Architektur, den reichen Bürgerhäusern aus Renaissance und Jugendstil entlang der Straßen, die das Mittelalter zog. Man erliegt ihrem Charme an behutsam Erhalte-
nem und sensibel Ergänztem und ihren weltweit einmaligen Schauplätzen der Reformation mit UNESCO-Welterbestatus.
Dass sie, wie so viele ostdeutsche Städte, nach der politischen
Wende durch den radikalen wirtschaftlichen Wandel viele, vor allem junge Einwohner verlor – Wittenberg zählte allein
9 000 Beschäftigte in den Stickstoffwerken – und so zunehmend Häuser auch mitten in der Stadt leer blieben, ließ sie
als eine der 19 Städte an der Internationalen Bauausstellung
Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 teilnehmen und einen un-
gewöhnlichen Gedanken entwickeln: Sie nahm die alte Tradition der Wittenberger Universität Leucorea auf und gründete
2006 den außeruniversitären CAMPUS Wittenberg. Kulturelle, Lutherstadt Wittenberg: Stadt Luthers, Melanchthons, Bugenhagens, Cranachs – und Rudolf II.
konfessionelle und Bildungsinstitutionen – Bürger der Luther-
stadt – schlossen sich in einem Verein zusammen. Die ganze Stadt begreift sich seither als CAMPUS, verknüpft bestehende Angebote, stärkt sie und bringt gemeinsame Ideen ein. Und
gewinnt damit „Bewohner auf Zeit“, Religionswissenschaftler, Bildungs- und Kulturtouristen aus aller Welt. Gezielt werden dabei für städtebaulich und historisch wichtige denkmalgeStadthaus auf Klostergrund: Ort des landesgeschichtlichen Überraschungsfundes
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schützte, aber leer stehende Gebäude neue Nutzungen gesucht – und gefunden. Sieben Häuser sind auf diesem Wege
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Geschichte
bisher gerettet worden. Wie die alte abrissreife Mädchen- und
brachial umgebaut. Philipp Melanchthon ist eine erhaltene
ren hier mehrere Monate im Jahr über 40 amerikanische Stu-
wesen sein, der die Grabplatten – nicht die Gebeine – der Ru-
Knabenschule in der Jüdenstraße. Seit ihrem Umbau studiedenten im Colleg Wittenberg, dem CAMPUS im CAMPUS.
Für die Brache auf dem Arsenalplatz gab es mehrere Ideen. Die Unterbringung der Städtischen Sammlungen im mittlerweile sanierten alten Zeughaus ab 2012 ist eine davon. Die von
Liste der früheren 29 Gräber zu verdanken. Er soll es auch ge-
dolfschen Familie in die Wittenberger Schlosskirche überführ-
te. Während archäologischer Grabungen um 1883 sollen die
Särge in die Kirche umgebettet worden sein. Doch mit Ende des Zweiten Weltkrieges galten sie als verschollen.
der AULA im CAMPUS eine andere. Das leer stehende Stadt-
So öffnet sich ein lang geschlossenes Geschichtskapitel neu.
sollte das zentrale Veranstaltungs- und Tagungsgebäude für
dem berühmten Thesenanschlag 1517 des bis dahin unbe-
haus auf den Mauern des ehemaligen Franziskanerklosters die Stadt, für den CAMPUS und den Bildungs- und Konferenztourismus werden. 2006 legten Architekten in einem Wettbe-
werb Vorschläge für das zukünftige Veranstaltungszentrum
vor, mit 600 Plätzen nebst der notwendigen Funktions- und Nebenräume. Der von der Jury gewählte, durchaus ambitio-
nierte Siegerentwurf sollte gebaut werden, die Gelder waren beisammen. Besenrein übergab man den Archäologen die zukünftige Baustelle. Dann passierte das Unverhoffte.
Eines, das in Erinnerung bringt, dass Wittenberg schon vor kannten Martin Luther auf den Schauplatz der deutschen
und Weltgeschichte trat. Rund 160 Jahre zuvor, im Jahr 1356, war Rudolf II. seinem Vater Rudolf I. just in jenem Jahr auf
den Thron Sachsen-Wittenbergs gefolgt, in dem Kaiser Karl
IV. mit der Goldenen Bulle, dem wichtigsten Grundgesetz des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, die Kurfürstenwürde an die getreuen Herzöge von Sachsen-Wittenberg ver-
lieh. Das Herzogtum stieg so zu einem der sieben deutschen Kurfürstentümer auf und Wittenberg trat in die Reihe der
Dass der Kurfürst unter dem Asphalt des Arsenalplatzes lag,
bedeutenden Residenzen Köln, Mainz, Trier, Prag, Heidelberg
Das ehemalige Franziskanerkloster war damals zwar Grab-
„princeps elector“ war dieser Rudolf, einer der auserwählten
er. Kloster und Kirche wurden jedoch 1525 aufgegeben, schon
Würdenträger seiner Zeit. Und Wittenberg seine mittelalterli-
hat die Fachleute überrascht. Denn überliefert ist anderes:
und Tangermünde. Erzmarschall des Kaisers und Kurfürst,
stätte und bis 1306 auch Hofkirche der Wittenberger Askani-
Sieben, die den Kaiser wählen durften, einer der vornehmsten
zwei Jahre später richtete die Stadt dort ein Armenspital, spä-
che Metropole.
ter einen Kornboden ein, das Gebäude wurde mehrfach und
Geschichte
Was 2009 zunächst wie ein Unheil daherkam und alle bishe-
führen kann. Reisebusse würden zentral zum Arsenalplatz ge-
Glückumstand für Wittenberg heraus. Der spektakuläre Fund
die Schwerpunkte des touristischen Dreiecks der Stadt gelei-
samtkonzept des Arsenalplatzes einbezogen und verleiht der
ihr vorbei. Für diese ausdrücklich auch vom Land erwünschte
Lutherstadt Wittenberg eine völlig neue Note. Die nicht als
Und sie ergänzt die Reihe der Projekte, die in der Stadt mit
großen touristischen Magneten Luther spannen soll. In einem
die dringend notwendige Sanierung des Schlosses und seine
ein Veranstaltungszentrum mit Festsaal, ein Ratsarchiv – und
fangsgebäudes.
Fundort Rudolf II. Man wird dem Ritter aus dem Mittelalter
Das ist er nun, dieser Rudolf II., der da so unverhofft seit jenem
Irgendwie zum „Anfassen“ oder besser Anschauen, „dreidi-
der Wittenberger drängt. Er wird uns – wenn dann der Be-
Siegel, Kleidung, vielleicht die Grabplatte aus der Schlosskir-
wichtigen Kapiteln der Wittenberger Stadt- und Reformati-
Festsaal der Stadt, sind beauftragt, der Bauantrag wird dieser
Facette des Landes mit einer teils europaweiten Ausstrahlung
rigen Pläne zunichte zu machen drohte, stellt sich heute als
führt und die Besucher von dort aus fachkundig beraten an
der fürstlichen Grablege wurde in ein neu entwickeltes Ge-
tet. Mit Fußwegen durch die schöne Altstadt – und nicht an
Idee eines zentralen Besucherempfangs für die Touristen der
Tourismusentwicklung gibt es für Wittenberg Fördermittel.
Konkurrenz daherkommt, sondern einen weiten Bogen zum
Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 im Gespräch sind –
integrativen Ansatz gesellen sich zu dem Empfangsmodul
Erweiterung etwa oder der Bau eines neuen Bahnhofs-Emp-
eine mittelalterliche Stadtinformation am authentischen dort begegnen und mit ihm Bekanntschaft schließen können.
kühlen Februartag des Jahres 2009 zurück in das Bewusstsein
mensional“ wird gemunkelt. Daneben: das originale Schwert,
sucherempfang geplant, gebaut und eingeweiht ist – neben
che... Die Planungen für das erste Modul, den langersehnten
onsgeschichte wie durch ein Brennglas von einer weiteren
Tage eingereicht.
erzählen. Auch das kann Sachsen-Anhalt gut gebrauchen. Danke Rudolf.
Die Hoffnungen, die sich mit dem Gesamtprojekt verbinden, stricken das so erfolgreich begonnene Stadtentwicklungs-
konzept vom CAMPUS in der Lutherstadt weiter. Erfahrungen zeigen, dass ein – auch architektonisch spannender – zentraler Besucherempfang wie beispielsweise in Wangen mit
der „Arche Nebra“ zu mehr Tourismus und damit Wirtschaft
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www.lutherstadt-wittenberg.de
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Rubrik Forschung
Hochwasser besser berechenbar Wissenschaftler des Helmholtz-Umweltforschungszentrums entwickelten genaues Vorhersagesystem Von Annette Schneider-Solis Als der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gemeinsam mit seinen
überschwemmte Bereiche im Mulde- und Elbegebiet auf eine
2010 eine Katastrophenschutzübung durchführt, ahnt nie-
erinnert sich an eine gewisse Ratlosigkeit der Umweltfor-
Nachbarkreisen in Sachsen und Sachsen-Anhalt im Herbst
mand, dass aus dieser Übung bald Ernst wird. Alle konzentrie-
ren sich damals auf ein Hochwasserszenario, das ein Computerprogramm theoretisch vorgibt. Dieses Programm namens
SARISK haben Wissenschaftler unter Federführung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) im Verbund mit den Universitäten Halle und Osnabrück sowie dem Institut
für ökologische Raumentwicklung Dresden entwickelt. Mehrere Jahre wissenschaftlicher Arbeit und eine akribische Datenerfassung stecken darin.
Nach dem Jahrtausendhochwasser von 2002 hatte das Bun-
desforschungsministerium das UFZ in Magdeburg beauftragt,
Schadstoffbelastung zu untersuchen. Dr. Wolf von Tümpling
scher. „Wir haben auf dem Feld gestanden und uns gefragt, wo wir denn die Proben nehmen sollen. Vor uns lagen riesige
Flächen, wo wir zwar nach bestem Wissen und Gewissen Boden für die Untersuchung im Labor entnommen haben. Aber
wir waren unsicher, ob wir das an den richtigen Stellen getan haben.“
Nach diesem Erlebnis kommt von Tümpling die Idee, nach Computerprogrammen zu suchen, die eine gezielte Probennahme zur Beschreibung der Schadstoffbelastung nach einem Hochwasser ermöglichen. „Wir wollten wissen, wo wir
genau nachschauen müssen, wo angesichts der Strömung,
Forschung
des Wasserstands und der vorherigen Belastung Schadstoffe
koppeln“, erzählt von Tümpling. Doch allein kann diese He-
mentiert sind.“ Doch die Suche ist nur teilweise erfolgreich.
ner mit entsprechenden Erfahrungen und der notwendigen
durch das Hochwasser mobilisiert wurden und danach sediVon Tümpling und seine UFZ-Kollegen Olaf Büttner und Mi-
chael Rode stoßen bei Literaturrecherchen auf ein System, das die Schadstoffdynamik beschreibt. Es berechnet, wie viele Schadstoffe gelöst oder welche, an Partikel gebunden, in der
Mulde transportiert werden. Aus anderen Projekten gibt es bereits Erfahrungen mit hydraulischen Modellen, die Was-
serspiegellagen berechnen können und vorhersagen, wie viel Wasser bei einem entsprechenden Wasserstand zu erwarten ist.
Die Güte der Vorhersagen hängt maßgeblich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. So muss noch ein möglichst genaues Geländemodell des betrachteten Gebietes beschafft
werden. Recherchen zeigen, dass dafür hoch aufgelöste Laserscanningdaten existieren. Was jedoch fehlt, ist eine Verknüp-
fung der Modelle und Daten sowie eine computergestützte Benutzeroberfläche für die erstellten Szenarien.
„Es war aus wissenschaftlicher Sicht spannend, das alles zu
Das Hochwasser hat
seinen Schrecken verloren. In Jeßnitz West
weiß man um Lücken im Deich, die aber
demnächst geschlossen werden. Beim Januarhochwasser half das
neue Vorhersagesystem beim gezielten Schutz gefährdeter Bereiche.
„Wir wissen genau,
wo das Wasser stehen wird.“ Markus Gloger
kennt SARISK aus dem Effeff
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
rausforderung nicht bewältigt werden. Kooperationspartwissenschaftlichen Neugier müssen gefunden werden. Die Universität in Halle erstellt das Höhenmodell, die Universität
Osnabrück koordiniert die Schadstoffausbreitungsmodellierung, und das IÖR Dresden schafft die Benutzeroberfläche.
Bei der Suche nach einem potenziellen Nutzer läuft das Projektteam beim Landkreis Bitterfeld offene Türen ein. In der
Region haben Bergbau und Chemie ihre Spuren in Form von Schadstoffen hinterlassen, und so ist der Landkreis ein idealer Partner. Er verfügt über viele Daten aus der Vergangen-
heit, hat die Katasterunterlagen. Fehlende, aber notwendige
Datengrundlagen werden vom Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen-Anhalt, seinem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft sowie dem Landesamt für Altlastenfreistellung zur Verfügung gestellt. Geför-
dert wird das Vorhaben vom Bundesforschungsministerium mit einer Summe von etwa 500 000 Euro.
So ziehen Mitarbeiter mit dem Zollstock los und vermes-
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Forschung
sen Waschkanten an Häuserwänden. Die zeigen, wie hoch
das Wasser 2002 gestanden hat. "Das Höhenmodell auf der Grundlage des Laserscans wurde durch die Universität Halle
akribisch nachbearbeitet, da es große Auswirkungen auf die Berechnung der Wasserspiegellage hat“, erklärt UFZ-Wis-
senschaftler von Tümpling. Hinzu kommt, dass hydraulische Modelle oftmals eindimensional sind, so dass Quer- und Rück-
strömungen nicht berechnet werden. „Unser Modell berücksichtigt auch diese Strömungen. Demzufolge können wir eine sehr genaue Wasserspiegellage berechnen.“ Anfang 2009 ist
das Entscheidungshilfesystem für den Landkreis Bitterfeld fertig.
Dr. Fred Walkow ist Dezernent für Bau und Umwelt im Landkreis. Wie seine Mitarbeiter hat er das Jahrtausendhochwasser 2002 nicht vergessen, als die Ressourcen an Einsatzkräften
und Sandsäcken knapp wurden. „Damals sind auch Fehler ge-
macht worden bei der Verteilung. Zum Glück ohne gravieren-
de Folgen. Als das Hochwasser im Herbst 2010 auf uns zukam, war es dank SARISK berechenbar. Wir wussten, wo Deiche
überflutet werden, wie weit das Wasser reichen würde, wo die Strömung zu stark würde, um mit dem Schlauchboot hinein zu fahren.“
Markus Gloger von der Unteren Umweltbehörde in Bitterfeld kennt das Programm inzwischen „aus dem Effeff“. Denn er arbeitet damit. „Trotzdem war alles erst einmal Theorie. Damit
ließen sich wunderbar Hochwasserszenarien für Katastrophenschutzübungen vorhersagen. Aber der richtige Härtetest
kam mit dem Hochwasser im Januar 2011. Als sich abzeichne-
te, dass die Flut den Landkreis passieren würde, haben wir uns mit den Wasserwehren im Landkreisamt getroffen“, erzählt
Markus Gloger. „Wir haben den aktuellen Pegel eingegeben und SARISK sagte uns, dass wir in ein bis zwei Stunden mit
dem Hochwasserscheitel zu rechnen hatten. Und wo das Was-
ser wie hoch stehen würde. Die Prognose verriet uns auch, dass der Sommerdeich bei Jeßnitz überflutet und Straßen
unter Wasser stehen würden. Also haben wir die Betroffenen informiert und aufgefordert, ihre Autos wegzufahren.“
Das Januarhochwasser 2011 ist eines der seltenen, bei denen Mulde, Saale und Elbe gleichzeitig Hochwasser führen. Das
Modell bewährt sich. Auf zehn bis fünfzehn Zentimeter genau sagt es die Wasserstände vorher. Das hilft, Kräfte und Material
gezielt einzusetzen. In Jeßnitz West werden lediglich die gefährdeten Häuser mit Sandsäcken und Folie gesichert. Nur in einige wenige Keller dringt das Wasser.
In Bitterfeld weiß man jetzt genau, welche Bereiche nie über-
flutet werden. „Damit lassen sich unnötige Evakuierungen vermeiden“, freut sich Fred Walkow. „Denn dabei geht es im-
mer ans Eingemachte. Es gibt Leute, die sich widersetzen. Je sicherer ich bin, desto weniger muss ich vorsorglich tun. Das
gilt vor allem auch für Seniorenheime und Krankenhäuser.“
Am UFZ verfolgt man von Magdeburg aus die Ereignisse in Bitterfeld. Sie zeigen, dass das gemeinsam entwickelte System eine Punktlandung ermöglicht. „Da freut man sich als
Wissenschaftler, wenn die Realität genau so aussieht, wie vom eigenen Modell errechnet“, sagt Dr. von Tümpling. Die halbe Million Euro Forschungsförderung erweisen sich als gut
angelegt. „Das Modell hilft nicht nur im Ernstfall, gezielter zu
schützen. Anders als 2002, als Handwerker willkürlich zahlreiche Ölheizungen demontierten, wusste man im Kreis diesmal
genau, wo es nötig war zu handeln.“ Doch auch vorsorglich leistet das Modell wertvolle Dienste. „Ich kann mithilfe von SARISK genau sagen, wo ich einen Erdöltank hinsetzen kann
und wo nicht, weil Wasser zu erwarten ist. Hilfreich ist das auch bei der Ausweisung von Gewerbegebieten, um sicher
zu sein, dass sie nicht in überflutungsgefährdeten Gebieten liegen.
Bitterfelds Umweltamtsleiter Gunter Daum stellt noch eine
andere Rechnung auf: „Beim Hochwasser 2002 betrug der größte Einzelschaden 30 Millionen Euro. Das war unser neu errichtetes Krankenhaus, das überflutet wurde. Ungefähr
dieselbe Summe wurde damals an Hilfen für Hausbesitzer ausgereicht. Die 500 000 Euro sind nur ein Bruchteil davon.“ Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld will das System, mit dem sich
auf jedes einzelne Haus zoomen lässt, auf die Gebiete an der
Saale erweitern, wo öfter mit Hochwasser zu rechnen ist. „Re-
gionen, die nicht eingedeicht sind, können davon profitieren. Für sie lohnt sich die Investition auf jeden Fall.“ Die Kosten
hängen von den Ausgangsdaten ab. Je besser und umfangreicher sie sind, desto preiswerter wird die Modellierung. „Aber mehrere 100 000 Euro muss man schon einplanen“, schätzt von Tümpling.
Natürlich erfüllt SARISK auch den Zweck, für den es ursprüng-
lich gedacht war. „Im Nachgang eines Hochwassers weiß man jetzt, wo Schadstoffe sein können“, versichert der Umweltexperte. „Wir müssen nicht mehr ahnungslos loslaufen und
suchen, sondern wissen, da war wenig Strömung, da können Sedimente liegen. Wir können ganz gezielt suchen.“
www.magdeburg.ufz.de
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Wir sind
Sachsen-Anhalt
„Ich bin Sachsen-Anhalter, weil ich nie den Bezug zu meiner Heimat verloren habe.“
Eine Gemeinschaftsaktion von Sachsen-Anhalt-Magazin und radio SAW. www.sachsen-anhalt-magazin-verlag.de www.radiosaw.de www.wir-sind-sachsen-anhalt.de
Klaus Kroschke (63) ist Geschäftsmann, wurde in Sachsen-Anhalt geboren und lebt heute in Niedersachsen. Der Unternehmer beschäftigt insgesamt mehr als 450 Mitarbeiter. Auch die Kroschke sign point Magdeburg GmbH ist ein Teil davon. Sein Name ist fest mit dem traditionsreichen Fußballturnier Kroschke-Cup verbunden, bei dem er jedes Jahr Geld für die sportliche Kinder- und Jugendarbeit sammelt.
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Sport
Ein Macher für Magdeburg Klaus Kroschke gab einem Siegerpreis seinen Namen Von Sabrina Gorges
Klaus Kroschke kann die Frage nach seiner jahrzehntelangen
Lebens- und Unternehmensphilosophie sofort beantworten.
„Die wichtigste Stärke eines Unternehmens ist die Qualität“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Fehler, und seien sie
noch so menschlich, müssen die Ausnahme sein. „Ich spreche gern von einer Null-Fehler-Philosophie“, sagt er. „Das trennt
doch im Geschäftsleben die Spreu vom Weizen und bringt die einen nach vorn und lässt die anderen auf der Stelle treten.“
Doch wer ist dieser Mann, der derart hohe Ansprüche stellt? Es ist ganz einfach. Klaus Kroschke ist ein Macher, ein GlobalPlayer. Seinen Namen bringen die Magdeburger mit dem
Kroschke-Haus und dem Hallenfußball-Turnier „Kroschke-
Cup“ in Verbindung. Zwei wichtige Hausmarken, auf die sich der geborene Sachsen-Anhalter aber nicht reduzieren lassen möchte. „Ich sage immer mit einem Augenzwinkern, dass ich ein gelernter Ossi bin“, erzählt Kroschke, der 1947 in Alberstedt
bei Querfurt auf die Welt kam und in Braunschweig seinen
Lebensmittelpunkt gefunden hat. „Sachsen-Anhalt ist meine
Heimat und eine meiner Wirkungsstätten. Ich habe mich in
den vergangenen 20 Jahren hier verzahnt, kenne viele Leute und weiß, dass viele mit meinem Namen etwas anfangen können“, sagt er mit dem sympathischen Selbstbewusstsein eines Erfolgsmenschen, in dessen Unternehmen insgesamt 450 Menschen arbeiten.
Seine Erfolgsgeschichte in Sachsen-Anhalt ist die der Fir-
ma Kroschke sign point Magdeburg GmbH. Sie trägt unver-
kennbar seinen Namen und hat ihren Sitz im Magdeburger Kroschke-Haus. Da passt es gut ins Bild, dass der legendäre
Kroschke-Cup alljährlich in der nur einen Steinwurf vom Unternehmenssitz entfernten Hermann-Gieseler-Halle ausge-
ternehmen zusammen mit Michaela Laugisch und hat es in
tragen wird. 15 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, be-
die Kroschke Holding GmbH & Co.KG integriert.
ist. Das Portfolio ist ebenso vielfältig wie einzigartig: Von ein-
„Wissen Sie, wie wir hier mal angefangen haben“, fragt
gen, Außenwerbung und Orientierungssystemen gibt es bei
ler angefangen. Im Januar 1990, noch weit vor der Währungs-
kunden aus ganz Deutschland schwören auf die Produkte, die
von Mitgeschäftsführerin Michaela Laugisch in einem Haus
Inhabers ihres Gleichen suchen. Klaus Kroschke führt das Un-
zu DDR-Zeiten Betriebsdirektor der VEB Magdeburger Schil-
schäftigt der Betrieb, der nicht einfach nur eine Schilderfirma
fachen Schildern über Leuchtwerbung, Fahrzeugbeschriftun-
Kroschke und weckt Erwartungen. „Wir haben in einem Kel-
Kroschke sign point nichts, was nicht machbar wäre. Stamm-
union.“ Genauer gesagt war es das ehemalige Kinderzimmer
auch wegen des bereits skizzierten Qualitätsanspruchs des
im Magdeburger Stadtteil Diesdorf. Deren Vater Heiner war
Sport
derfabrik. Noch heute ist der 74-Jährige fest bei Kroschke sign
point integriert. „Er ist ein wahnsinnig umtriebiger Mensch“, sagt Kroschke mit einem breiten Lächeln. Die beiden Männer lernten sich kurz nach der Wende nach einem kurzen Brief-
wechsel auf einer IHK-Veranstaltung in Braunschweig persön-
lich kennen. Sie mochten sich sofort. Die Zusammenarbeit der engagierten Geschäftsmänner stand außer Frage. „Wir mussten nur noch das Wie und Wo klären“, sagen beide.
Da die Suche nach geeigneten Geschäftsräumen kurz nach der Wiedervereinigung schwierig war, musste zunächst
SACHSEN-ANHALT-MAGAZIN 05/11
Wenn der Ball für den guten Zweck rollt, ist Klaus Kroschke zufrieden. Das nach ihm benannte Fußballturnier in Magdeburg hat er über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Jedes Jahr kann er Mannschaften aus Nah und Fern dafür gewinnen.
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Ost trifft West: Heiner Laugisch (links) und Klaus Kroschke verbinden mittlerweile mehr als 20 Jahre, in denen sie geschäftlich und vor allem freundschaftlich fest miteinander verbunden sind. Den Spruch „Eine Hand wäscht die andere“ praktizieren sie mit Erfolg – und aus Überzeugung.
Laugischs Keller herhalten. Das Unternehmen startete vom
ersten Tag an durch, denn Werbemittel waren heiß begehrt. Im September 1990 verließ man das beengte Kellerdomizil und bezog als Firma Kroschke eine Baracke auf dem Gelän-
de der Hermann-Gieseler-Halle. Auch nichts für die Ewigkeit, denn der unansehnliche Flachbau war weder kunden- noch
mitarbeiterfreundlich. Klaus Kroschke fasst einen Entschluss: Als Privatmann kauft er 1994 ein etwa 4000 Quadratmeter großes Grundstück an der Ecke Liebknechtstraße/WilhelmKobelt-Straße und bebaut es. 19 Millionen D-Mark investiert
er in den Standort, der nicht nur dem eigenen Unternehmen
Platz bietet, sondern aktuell auch 40 Wohnungen, 10 Büros und ebenso viele Geschäfte beherbergt.
Zwei Jahrzehnte lassen nicht nur das Unternehmen wachsen, sondern auch den Geschäftsmann Klaus Kroschke. Stetig und engagiert baut der 63-Jährige seine Geschäftsbeziehungen
aus, pflegt Kontakte zu den Magdeburgern und wird zu ei-
nem Netzwerker. Die IHK Magdeburg verleiht ihm sogar die Goldene Ehrennadel. „Man braucht einfach diese Querverbindungen“, sagt er. „Aber ohne Heiner Laugisch wäre ich auch
Pokal, also den Kroschke-Cup, spendiert Klaus Kroschke immer noch höchstpersönlich.
„Jeder Cent, der übrig bleibt, geht in die Nachwuchsförderung des FCM“, betont Kroschke. Zusammen mit den Organisatoren des Magdeburger Matthias-Pape-Gedächtnisturniers überga-
ben sie aktuell 48 000 Euro an die Nachwuchsabteilung des 1. FC Magdeburg. So funktioniert soziales Engagement auf Unternehmerebene. Klaus Kroschke kennt sich damit aus. „1993
gründeten mein Bruder Christoph und ich die Kroschke Stiftung für Kinder, die ausgewählte Projekte fördert.“
Die Zukunft malt sich Kroschke sorgenfrei. „Im Unternehmen
sitzen überall die richtigen Leute auf den richtigen Plätzen“, sagt er. „Ich bin stolz auf das Team und jeden einzelnen Arbei-
ter. Da gibt es sicher keinen Grund für Sorgenfalten.“ So lange es geht, will er die Entwicklung der einzelnen Firmen seiner
Holding aktiv begleiten, Sohn Lars steht als Nachfolger in den Startlöchern. „Und irgendwann werde ich mich ganz und gar meiner Familie, dem Sport und dem Reisen widmen.“
nicht da, wo ich heute bin.“ Tatsächlich hat er dem engagierten 74-jährigen Diplom-Ingenieur viel zu verdanken. Vor allem
den legendären Kroschke-Cup, der ihn auch über die Landes-
grenzen Sachsen-Anhalts hinaus bekannt gemacht hat. Im Januar lud Chef-Organisator Laugisch zum elften Mal Mann-
schaften wie den FC Magdeburg oder Eintracht Braunschweig
in die Hermann-Gieseler-Halle. 1800 Zuschauer kamen. Den
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Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen GmbH - Highchem-Werkstatt für Innovationen Die Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen GmbH (TGZ) ist ein kommunales Unternehmen. Ihre Aufgabe ist es, Unterstützung bei der Gründung, Ansiedlung und Entwicklung von Unternehmen (Start-up´s) zu geben, welche vorzugsweise auf folgenden Geschäftsfeldern agieren: • Synthese von Fein- und Spezialchemikalien • Technische und analytische Dienstleistungen • Neue Materialien, nachwachsende Rohstoffe
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Komplettes Dienstleistungsangebot Als Zentrum für Existenzgründer stellt das TGZ seinen Mietern ein ganzheitliches, auf Technologieunternehmen zugeschnittenes, Beratungsangebot bereit. Das betrifft sowohl die Hilfe bei der Existenzgründung, bei der Beantragung, Inanspruchnahme und Abrechnung von Fördermitteln und die zielführende Nutzung von Förderprogrammen. Weiterhin wird Unterstützung in Sachen Marktarbeit, vornehmlich hinsichtlich Marketing und Akquisition, gewährt. Das TGZ stellt auch seine vielfältigen Kontakte zu Netzwerken, Kooperationspartnern, Unternehmen sowie Universitäten und Hochschulen zur Verfügung. Modern ausgerüstet Das Technologie- und Gründerzentrum besitzt 4.350 Quadratmeter für Technika und 1.460 Quadratmeter für den Laborbereich, der für präparative Arbeiten eingerichtet ist, mit unterschiedlichem räumlichen Zuschnitt. Dazu gehören Arbeitsplätze mit Abzügen, Labortische und die üblichen Ver- und Entsorgungen. Alle für den üblichen Betrieb einer chemischen Produktion im kleinen Maßstab notwendigen Medien und die weitere Infrastruktur (Chemikalienlager, Umkleide- und Aufenthaltsräume, u.a.m.) sind vorhanden. Deren Einrichtung entspricht dem heutigen Standard. Zudem wird im TGZ eine wissenschaftliche Bibliothek mit einem breit gefächerten Angebot betrieben. Stärkung der regionalen Kompetenz In unmittelbarer Nähe des TGZ hat sich in den letzten Jahren das weltweit größte Zentrum der Solarindustrie – Solar Valley Thalheim – entwickelt. Das TGZ sieht sich hierbei als Moderator und Begleiter des Fortschritts der hiesigen PV-Industrie. So findet aller zwei Jahre das internationale Photovoltaik-Symposium, organisiert vom TGZ, statt. Das Symposium hat die neuesten Trends und wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Photovoltaik zum Inhalt. Die nächste Veranstaltung dieser Art, zu der wieder 250 Teilnehmer erwartet werden, ist für die zweite Jahreshälfte 2011 geplant. Nachwuchsförderung als Zukunftsinvestition Seit einigen Jahren wird im TGZ ein Schülerlabor betrieben. Im ganzen Klassenverband, nach dem Unterricht in Arbeitsgemeinschaften oder in den Ferien können Kinder und Jugendliche praxisbezogen ihre Chemiekenntnisse vertiefen. Gearbeitet wird unter der Anleitung von erfahrenen Chemikern und Laboranten. Das Ziel dieser Einrichtung, die von vielen Chemiefirmen der Region unterstützt wird, ist es, den Nachwuchs für die Naturwissenschaften zu begeistern. Dies ist auch ein Beitrag dafür, dem viel diskutierten Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken. Kontakt TGZ – Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen GmbH ■ ChemiePark Bitterfeld-Wolfen, Areal A ■ OT Wolfen ■ Andresenstraße 1a ■ 06766 Bitterfeld-Wolfen Telefon: 03494/638300 ■ Fax: 03494/638302 ■ E-Mail: info@tgz-chemie.de ■ Internet: www.tgz-chemie.de ■ Geschäftsführer: Kurt Lausch ■ Berater: Prof. Dr. Egon Fanghänel, Prof. Dr. Horst Henning
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