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SARAH ZADRAZIL

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HAZEN AUDEL

HAZEN AUDEL

kennt die üblichen Frauenfußball-Klischees: fad, irrelevant, zimperlich. Blödsinn, sagt die Mittelfeldspielerin des FC Bayern – und entkräftet für uns sechs Macho-Vorurteile.

Text LISA HECHENBERGER Foto MARKUS BERGER

Fußball war, ist und bleibt Männersache

„In den USA ist das Gegenteil der Fall. Dort ist Fußball ganz klar Frauensport, fast jedes Mädchen spielt von klein auf in einem Verein. Und Profs wie Megan Rapinoe stehen im Rampenlicht wie männliche Spieler bei uns. Während meiner vier Jahre dort (u.a. bei Washington Spirit; Anm.) hat es mich sehr motiviert, zu sehen, welchen Stellenwert Frauenfußball haben kann.

In Österreich ist das noch anders. Ich habe von der U7 bis zur U14 nur mit Burschen gespielt, weil es einfach keine Mädchenmannschaften gab. Dass ich mich in dem Umfeld noch mehr durchsetzen und beweisen musste, war für meine Karriere bestimmt kein Nachteil. Trotzdem wünsche ich mir mehr Support für den weiblichen Nachwuchs.“

Frauen sind zu zimperlich

„Ich glaube, dass Frauen sogar schmerzresistenter sind. Bei der EM 2017 habe ich mir im ersten Spiel gegen die Schweiz das Syndesmoseband fast durchgerissen, dann eine Partie pausiert und die restlichen mit Tape gespielt. Im Anschluss musste ich mehrere Monate zur Reha, doch das war es mir wert.

Generell spielen Frauen einen sehr ehrlichen Fußball. Am Platz gibt es wenig Wehleidigkeit, wenig Drama. Uns ist es wichtiger, die Freude am Sport zu vermitteln, als zu schauspielern.“ Frauenfußball ist Standfußball

„Unsere Laufwerte sind denen der Männer sehr ähnlich. Bei guten Spielen renne ich genauso elf bis zwölf Kilometer, aber wir müssen uns nichts vormachen: Frauenfußball wird allein wegen unserer Physis immer langsamer sein. Das heißt allerdings nicht, dass der Sport weniger anspruchsvoll ist. Wir trainieren genauso viel und hart, aktuell fünf-, sechsmal die Woche, und die Spiele verlangen uns alles ab.“

Frauenklubs sind nur die Feigenblätter großer Vereine

„Als Damenmannschaft sind wir auf den Männerverein angewiesen, besonders aus fnanzieller Sicht. Und dass ich irgendwann so viel verdiene wie ein Neymar Jr., ist sowieso unrealistisch. Aber beim FC Bayern merkt man, dass man mit unserem Team erfolgreich sein will und dafür in unsere Mannschaft investiert.

Das Betreuerteam ist top aufgestellt, wir haben eine richtig gute Anlage, und unser ChampionsLeague-Spiel durften wir in der Allianz Arena absolvieren. Auch das ist ein Zeichen der Wertschätzung von Seiten des Vereins.“

Kein Mensch interessiert sich für Frauenfußball

„Die Damenmannschaft von Barcelona spielte vor kurzem gegen Real Madrid vor 90.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion Camp Nou: Ein Rekord – das sagt eigentlich schon alles. Klar, bis wir auch bei uns solche Dimensionen erreichen, ist es noch ein langer Weg. Andererseits sind bei der Frauenfußball-EM bereits einige Spiele ausverkauft – inklusive unseres Eröffnungsspiels gegen England mit 75.000 Leuten im Stadion Old Trafford.

Marketing und Sichtbarkeit im Sinne von Plattformen, die unsere Spiele übertragen, sind immer noch Punkte, die Frauen- und Männerfußball unterscheiden. Trotzdem ist schon bei der EM 2017 ein ganz guter Hype entstanden. Und auf einmal waren bei unserem Halbfnale am Rathausplatz in Wien 12.000 Zuschauer beim Public Viewing. Wenn wir uns also gut präsentieren und erfolgreich sind, kann man hierzulande auch eine FrauenfußballEuphorie auslösen.“

Der Frauenfußball und die sexuellen Klischees

Viele meiner Freundinnen haben Freundinnen – und auch den Mut, öffentlich dazu zu stehen und der Gesellschaft zu zeigen: Das ist völlig normal.

Wer den Sport hauptberuflich ausüben will, wird privat immer zurückstecken müssen, speziell als Frau. Anders als bei männlichen Profs, wo sich die Partnerin um den Nachwuchs kümmern kann, muss ich bei der Familienplanung aus biologischen Gründen eine Karriereauszeit einplanen.

Generell ist beim Frauenfußball das Thema sexuelle Orientierung aber kein Tabu – wir sind da viel offener. Vielleicht wirkt es auch deshalb so, als gäbe es mehr gleichgeschlechtliche Beziehungen. Aber meiner Meinung nach zeigt das, dass es auch Ebenen gibt, auf denen wir den Männern weit voraus sind.“

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen startet am 6. Juli. Mehr Einblicke in Sarahs Profikarriere und Leben auf Instagram: @sarah_zadrazil27 Sarahs TikTok-Account: tiktok.com/@sarahzadrazil

„Kein Drama – wir Frauen spielen einen ehrlichen Fußball.“

Nationalspielerin Sarah Zadrazil, 29, über den kleinen Unterschied

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