Internetpublikation versus Zeitschriftenaufsatz Neben der modernen Äußerung im Internet gibt es weiterhin die konservative Publikation in Zeitschriften. Diese wird zur Zeit nicht nur als ehrenvoller, sondern auch als sicherer angesehen, da mit dieser Form der Veröffentlichung auch die Archivierung in Bibliotheken verbunden ist. Allerdings wird hier üblicherweise auf eine Erstpublikation Wert gelegt. Wer also klassisch veröffentlichen möchte, dürfte seinen Text vorher nicht ins Netz gestellt haben. Das ist wiederum - zumindest in der modernen Familienforschung - unrealistisch. Wir betreten hier also derzeit noch eine Grauzone! Warum ist das so? Nach eigener Erfahrung schreibt der Familienforscher zu einem Thema, das zunächst außer ihm selbst niemanden interessiert. Er stellt Fakten in einen Zusammenhang, schreibt die entstandene Gedankenfolge auf. Am Anfang zur eigenen Gedächtnisentlastung, vielleicht auch in der vagen Hoffnung, jemand in der Familie könne sich wider Erwarten irgendwann doch einmal dafür interessieren. Eine ganz praktische Überlegung führt dann zum Mitteilen seiner Gedanken auf einer eigenen Plattform im Internet1. Der Grund ist, dass in dieser vernetzten Kommunikationswelt keine Nische zu klein ist, als dass sich nicht doch ein Gleichgesinnter dorthin verirrte. Trifft dies ein, kommt man nicht nur ins Gespräch, sondern meistens auch in seiner Forschung ein ganzes Wegstück weiter. Die von mir vorsichtig so genannte Gedankenfolge kann natürlich auch bereits ein kleiner Aufsatz sein. Man wäre nie auf die Idee gekommen, diesen auf herkömmliche Weise zu publizieren. Warum eigentlich nicht? Weil das Thema dafür zu unbedeutend schien, die Qualität dem eigenen Anspruch noch nicht genügte oder - und das ist wohl der häufigste Grund - weil das Thema noch nicht abgeschlossen schien. Nimmt ein Autor aber die Möglichkeiten des Internets wahr, stellt er also - wie man so sagt - seinen Artikel in's Internet, so folgt der ersten kleinen Mitteilung wahrscheinlich eine weitere überarbeitete, also vervollständigte Version. Und so weiter. Da man in der Familienforschung im Grunde aber niemals fertig wird, nimmt - im Gegensatz zu der gerade beschriebenen Methode - der konservativ publizierende Autor seine Forschung und die damit verbundenen Überlegungen dann wohl oft mit ins Grab. Die Vorteile der Online-Publikation liegen auf der Hand. Aber natürlich auch die Nachteile. Das Internet ist ausgesprochen flüchtig. Das gilt ganz besonders für Äußerungen auf privaten Netzseiten. Es muss ja nicht gleich das völlige Verschwinden der Internetadresse sein. Häufig genügt schon die unbedachte Änderung einer Verlinkung. Auch gehören die familienforschenden Autoren ja meist zu den betagteren Zeitgenossen. Und wer geht schon so realistisch mit dem doch unabänderlichen Lebensende um, dass er Vorsorge trifft, seine Netzschriftstellerei für die sogenannte Nachwelt zu erhalten? Nun werden Mitglieder des Compgen-Vereins auf das beständigere Gen-Wiki verweisen. Gut so. Es liegt aber an der Konzeption dieses Projektes, dass es kein wirklicher Ersatz für das beschriebene Thema und sein Dilemma ist. Eine Alternative wären und sind nur bleibende (wie lange?) Internetadressen, wie sie z.B. Wissenschaftliche Einrichtungen bieten. Hier finde ich insbesondere das Medium Internetzeitschrift reizvoll. Aber mit dieser Idee haben wir unmerklich das flexible private Veröffentlichen verlassen und haben uns auf den Weg der klassischen Publikation begeben. Denn genealogische Zeitschriften werden dauerhaft in Bibliotheken archiviert. 1
Das kann die eigene Website, ein Blog, ein Gastbeitrag auf der Homepage eines Familienforschers, aber auch ein Beitrag im GenWiki (Verein für Computergenealogie) sein.