SONNTAG in
FRANKEN Nr. 26 - 2. Jahrgang
Sonntag, 27. Juni 2010
Auflage: 95.066
M Schwarzamsel und Königsbraut: Straßentypen im alten Bayreuth – Seite 6 M Cacau bleibt kalt – kein Einsatz gegen England – Seite 9 M Petzschner (Foto) läuft heiß, verliert aber – Seite 13 M Innovativer Renner der Uni soll Konkurrenz ausbremsen – Seiten 16/17
67-jähriger Bayreuth er muss operiert werden
Durchgegriffen V
erhaftungen sind Alltag bei der Polizei. Doch was eigentlich zur Routine gehört, gerät offensichtlich manchmal außer Kontrolle. Die angebliche Körperverletzung eines mutmaßlichen Promille-Fahrers durch zwei Polizisten beschäftigt jetzt wohl interne Ermittlungen und Anwälte.
D
ie Streifenpolizisten klingelten am Mittwoch kurz vor Mitternacht an der Wohnungstüre des Mannes am Allensteiner Ring. Wie Robin Buß, der stellvertretende Leiter des Präsidialbüros beim Polizeipräsidium Oberfranken auf Anfrage des „Sonntag in Franken“ erklärte, habe gegen den 67-Jährigen der Verdacht einer Trunkenheitsfahrt bestanden. Die Polizei hatte den Hinweis eines Verkehrsteilnehmers erhalten, der auf der Autobahn bei Bayreuth ein Auto beobachtete, das in Schlangenlinien fuhr. Mit dem von dem Zeugen durchgegebenen Kennzeichen ermittelte die Polizei den Halter des Wagens. Eine Streife der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt erhielt den Auftrag, den Halter zu überprüfen.
Ein 67-jähriger Bayreuther ist bei einem Kampf mit zwei Streifenpolizisten so schwer verletzt worden, dass er operiert werden muss. Auch die Polizisten erlitten Verletzungen, ein Beamter ist dienstunfähig. Laut Polizeisprecher Buß erfragten die Polizisten zunächst von dem Hinweisgeber eine Personenbeschreibung des mutmaßlich betrunkenen Autofahrers. Vor Ort stellten die Beamten überdies fest, dass der Motor des Autos noch warm war. Sie klingelten an der Haustüre, eröffneten dem 67-Jährigen laut Buß den Tatvorwurf und baten ihn, zur Blutentnahme mitzukommen. Dies habe der Betroffene verweigert und versucht, die Haustüre zuzuschlagen. Buß zufolge sei dabei einer der Polizisten am Bein verletzt worden. Buß: „Die Beamten sind
dann in den Hausflur nachgerückt. Die Gewaltanwendung ging nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen von dem Betroffenen aus.“ Der Widerstand des Mannes sei durch Anwendung unmittelbaren Zwangs, also durch körperliche Gewalt, gebrochen worden. Buß sagte: „Die Anwendung des unmittelbaren Zwangs wurde dem Mann angekündigt.“
Verfahren eingeleitet Buß zufolge wurden beide Beamte verletzt und auch der Betroffene.
Zur Schwere der Verletzungen des 67-Jährigen sagte Buß: „Darüber darf ich keine Auskunft geben.“ Wie unsere Zeitung jedoch aus glaubwürdiger Quelle erfuhr, wurde der Mann so schwer am Arm verletzt, dass er operiert werden muss. Polizeisprecher Buß erklärte, gegen den 67-Jährigen sei ein Verfahren wegen Widerstands, Trunkenheit im Verkehr, Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet worden, und: „Es gibt derzeit keinen Anlass, am verhältnismäßigen Verhalten der Beamten zu zweifeln.“ Eine Anzeige gegen die Polizisten war am Freitag noch nicht gestellt. Der 67-Jährige ist jedoch anwaltlich vertreten. Sein Anwalt Fritz Stöhr erklärte auf Anfrage: „Kein Kommentar.“ M Manfred Scherer/ Andreas Rietschel