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HEILPFLANZEN

Steven Wolf Yves Scherer

HEILPFLANZEN

Die Kraft der Natur nutzen

HEILPFLANZEN

Die Kraft der Natur nutzen

Inhaltsverzeichnis

08 Vorwort

11 Ampfer

Die in Ungnade gefallene Hoheit

21 Baldrian

Das beruhigende Allheilmittel

29 Bärlauch

Bärenmedizin

47 Beifuss

Der Knochenheiler

55 Belladonna

Die Schnitterin des goldenen Fadens

63 Birke

Baum des Neubeginns

71 Echter Atlant

Das Sonnenkraut der schönen Helena

79 Efeu

Die grüne Schlangenkraft

87 Eibe

Sieg über die Vergänglichkeit

95 Eiche

Der Brotbaum unserer Vorfahren

103 Engelwurz

Der P!anzen-Engel

111 Erika

Das Totenfeuer der Urängste

121 Fenchel

Gute Medizin für alle

129 Gemeine Nachtviole

Das scharfe Energiebündel

137 Giersch

Supergrün im Suppentopf

145 Goldrute

Das Goldkraut für die Nieren

153 Gundelrebe

Zauberhaftes

Wundheilmittel und Würzkraut

161 Hasel

Der Weltverbesser

169 Hu !attich

Altbewährtes Hustenmittel

177 Johanniskraut

Die Trägerin des Lichts

185 Karde

Wunderp!anze Feuerdrachenschlange

193 Lavendel

Marias blauer Mantel

201 Neunerleiholz

Das Neunerleiholz

209 Oregano / Dost

Das heilige Feuer

217 Pfefferminze

Die Erfrischung der Extraklasse

225 Ringelblume

Goldblume der Liebe und Erlösung

233 Schlehe

Die Pionierin

241 Schlüsselblume

Schlüssel zum Himmelstor

253 Stiefmütterchen Kindermedizin und Zauberblume

261 Wasserdost

Das immunstärkende Fieberkraut

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser

Nach vielen Jahren der Beschäftigung mit der abendländischen Heilkunst und mit den P!anzenwesen freut es uns, unser erworbenes Wissen in Form dieses Buches weiterzugeben und die Leserinnen und Leser für den Zauber zu sensibilisieren, welcher uns täglich umgibt.

Das Buch, das Sie in Händen halten, ist eine Sammlung von monatlich erschienenen Artikeln im Gesundheitsmagazin «natürlich». Mit den vorliegenden P!anzenporträts wollen wir die Medizin der P!anzenwelt ehren und dem Gebrauch natürlicher Heilmittel den Rücken stärken.

Wer die faszinierenden P!anzen studiert, dringt ein in die Wunder der Natur. Durch ihre Schönheit, ihre Farben und Aromen bieten sie uns ein rundum sinnliches Erlebnis.

Jede einzelne P!anze generiert ihren individuellen Mix sekundärer P!anzenwirkstoffe, der als Gesamtheit eine Heilwirkung entfaltet, mit der wir Menschen gut umgehen können.

Seit es uns Menschen gibt, benutzen wir P!anzen, um Verletzungen und Krankheiten zu heilen, unser Immunsystem zu stärken und uns zu regenerieren.

Der Gebrauch von Heilp!anzen ist aktueller denn je. Einige p!anzliche Wirkstoffe können schädliche Keime abtöten, gegen die alle gebräuchlichen Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Auch bei einer langfristigen Anwendung von «Phytobiotika» können Bakterien keine Resistenz ausbilden, weil die Vielstoffgemische der P!anzen sehr komplex aufgebaut sind. In der Antibiotikatherapie der Zukunft werden P!anzenwirkstoffe deshalb eine wichtige Rolle spielen.

Natürliche Heilmittel wie Kräutertees, Tinkturen und Salben sind einfach in der Handhabung. Bei korrekter Anwendung werden sie in aller Regel gut vertragen und zeigen kaum unerwünschte Nebenwirkungen. Evidenzbasierte moderne Studien stützen und ergänzen die Erkenntnisse der Erfahrungsmedizin. P!anzenheilkunde wirkt!

Die hier zusammengetragenen Texte sind sorgfältig recherchiert und durch unsere persönliche Erfahrung ergänzt worden. Wir lieben und p!egen die direkte Begegnung mit den P! anzen. Sie können uns vieles lehren, wenn wir uns auf sie einlassen. Durch persönliche Erfahrungen in der Welt der P!anzen bekommen alte Legenden, Sprichwörter und Erzählungen oftmals einen Sinn und werden lebendig.

Für uns hat das Studium der Fachliteratur einen hohen Stellenwert, denn sie bietet wertvolles Wissen aus vielen Jahrhunderten. Wir achten jedoch darauf, den eigenen persönlichen Erfahrungen viel Platz einzuräumen, denn diese trainieren unsere Wahrnehmung und stärken das Vertrauen in die Heilkräfte der P!anzen.

Heilp!anzen sind keine alternativen Heilmittel – sie sind der Ursprung der Medizin!

Steven Wolf und Yves Scherer

Die in Ungnade gefallene Hoheit

Der stumpfblättrige Ampfer ist eine wahre Plage. Wo er wächst, ist er fast nicht mehr wegzukriegen. Der Ampfer ist gleichzeitig ein wichtiger Bodenreiniger. Erst wenn er seine Aufgabe erfüllt hat, kann er sich zurückziehen.

Die Natur erwacht. Es wird lebendiger, wärmer und bunter um uns herum. Das Vogelgezwitscher, das frische Grün und die summenden Insekten wecken Frühlingsgefühle in mir und die Schmetterlinge in meinem Bauch beginnen zu tanzen. Das Jahresrad dreht sich Richtung Walpurgirsnacht (Beltane), die in der Nacht auf den 1. Mai gefeiert wird. In dieser Nacht wird im Jahreskreis der Natur das winterliche Bärenfell abgestreift. Die zeugungsfähige Sonne vermählt sich mit der jungen Mutter Erde. Sie kleiden sich feierlich in ein zartes Frühlingsgrün, schmücken ihr Haar mit den prachtvollen Blüten der Frühblüher und bereiten sich vor auf den Maientanz.

Im April, in den Wochen vor der Walpurgisnacht, steigert sich die natürliche Symphonie, bis sie am Ende des Monats zu einem Orchester anschwillt, dessen Klang erfüllt ist von lieblicher Verschmelzung, Funken sprühendem Vermählungsfeuer und der Wiedervereinigung von Sonne und Erde. Aus der einst zarten Kerzen ! amme, die in den ersten Wochen des Jahres leuchtete, hat sich ein immer stärker werdendes Lebensfeuer entwickelt. Dieses bildet die Grundlage für das Wachstum der Natur.

Pionier unter den P!anzen

Eine wunderbare, wenn auch ziemlich ungeliebte P!anze, gibt uns im Frühling Schwung und Lebenskraft: Der stumpfblättrige Ampfer,

vielerorts auch bekannt als Blacke. Er keimt als eine der ersten Wildp! anzen, wenn die kräftigen Sonnenstrahlen die Erde zu wärmen beginnen. Wir nden ihn an Wegrändern, auf Wiesen, Weiden, Schuttplätzen, unbewirtschafteten Flächen und Feuchtzonen. Oft teilt sich die Blacke ihre Standorte mit nah verwandten P ! anzen wie dem Krause- oder dem Sauerampfer.

Die Blacke gehört wohl zu den am meisten gehassten P ! anzen. Sie liebt die, mit Stickstoff und Phosphor überdüngten, nährstoffreichen und verdichteten Ton- und Lehmböden. Auf Schnittwiesen und Weiden ist sie ein Zeichen für Überdüngung und Störherde. Die Besiedelung erfolgt rasant und in grosser Zahl. Daher verdrängt sie viele andere Arten und gilt als Nährstoffkonkurrent für Futterp! anzen. Blacken sind mehrjährig und äusserst hart im Nehmen. Die Pfahlwurzeln reichen bis zu zwei Meter tief ins Erdreich. Selbst aus kleinen Wurzelstücken, die nach dem Ausstechen in der Erde verbleiben, bilden sich neue Blacken. Ältere Exemplare produzieren bis zu 6000 hoch keimfähige Samen. Diese sind bereits nach wenigen Wochen keimfähig und überleben im Erdreich 40 bis 50 Jahre lang.

Allem Wuchern zum Trotz hat der Stumpfblättrige Ampfer auch sein Gutes. Dank den grossen und starken Pfahlwurzeln lockern die Ampfern verdichtete Böden und reichern sie wieder mit Luft an. Auf diese Weise regulieren sie den hohen Stickstoffgehalt im Boden und geben Arten eine Lebensbasis, die magere Böden benötigen. Zusammen mit ihrem Blätterwerk vermag die Blacke die Erde zu reinigen, indem sie dem Boden Dünger entzieht. So verrichtet sie eine wichtige Aufgabe in der Regulation des Erdmilieus. Und das ausgesprochen hartnäckig: Sie wird so lange in grosser Anzahl vorhanden sein, bis ihre Aufgabe erfüllt ist.

Im meditativen Dialog

Wenn ich mir Zeit nehme, mich niederlasse und lausche, welche Informationen die Energie der Blacke mit sich trägt, so vernehme ich ein grosses Seufzen: «Schon zu lange werde ich verachtet, ver!ucht, ausgestochen, vergiftet und verbrannt. Doch egal was mir

Blutampfer passt hervorragend in Salate und ist durch die rot-grünen Blätter ein echter Hingucker im Garten.

Die Samen stillen starken Durchfall und lindern Verdauungsstörungen.

geschieht, ich bleibe standhaft. Ich bin mir meiner Aufgabe auf Erden bewusst, erkenne meinen Sinn. Ich bin die nicht enden wollende Widerstandsfähigkeit, ich bin die Kraft des keimenden Mutes und des Lebenswillens. Mal stürmisch, mal leise. Bring dich mit ein und wisse du bist nicht allein. Hör auf, dich zu verstecken und entdecke deine wahre Grösse wieder. Nichts und niemand soll dich daran hindern, in die Freiheit zu gehen. Wirst du oder fühlst du dich eingeengt, blockiert, deiner Freiheit, deiner Lebenskraft und deiner Träume beraubt? Dann verbinde dich mit mir und ich bringe deine geschwächte Lebenskraft von Neuem ins Fliessen. Ich entspanne, löse, öffne, dünne aus und erhöhe deine körperliche wie auch deine geistige Flexibilität. Meinst du nicht, dass es Zeit ist, umzudenken? Erkenne in dir deine alten Verhaltensmuster der Abgrenzung und deine Gefühle von Niedergeschlagenheit, von Macht- und Auswegslosigkeit. Verzwei !e nicht, hab Vertrauen. Alles kann beginnen, wenn die Ängste schwinden.»

Symbolik der P!anze

In den, am Grund herzförmigen, stumpfen Blättern, die wie Lanzenspitzen wirken erkenne ich die Tugenden der unbesiegbaren Krieger*innen. Deshalb verwende ich die Heilp! anze bei dumpfen stechenden oder brennenden Schmerzen. Immer dann, wenn sich der Schmerz anfühlt, wie ein durchdringender Stich durch ein Gelenk oder in der Nähe des Herzens. Auch bei drückend dumpfen Schmerzen am Kopf, im Nacken, am Rücken, besonders am unteren Rand des Schulterblattes kann die Blacke helfen. Ihre grossen Blätter verweisen zudem auf die Lunge. Die lungenähnlichen Blätter mit dem darin enthaltenen Schleimstoff wirken auf die Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege. Ebenso bei Entzündungen des Kehlkopfes und des Rachens, der Luftröhre, bei Schnupfen, Husten oder trockenem Reizhusten. Besonders dann, wenn Sprechen und tiefes Atmen den Reiz verschlimmern. Ich nutze die Blacke gerne als gutes Notfallkraut, weil sie wie ein p! anzlicher Eisbeutel wirkt und Gestautes wieder in Fluss bringen kann. Ihr kühlendes, ! iessendes Wesen wirkt sich stark auf geschwollene, gestaute Körperbereiche aus. Deshalb nutze ich sie bei Verspannungen, Prellungen und Verstauchungen. Wer beim Aus-

stechen von Blacken Rückenschmerzen bekommt, kann die Blätter auf den Rücken au !egen. Sie lindern die Schmerzen, wirken kramp!ösend und fördern die allgemeine Beweglichkeit. Frische zerdrückte Blätter legt man auf Entzündungen, Schürfungen und Schnittwunden. Erwärmte Blätter auf nässende Ekzeme oder auf entzündete Euter bei Kühen. Für die Au ! agen zu äusserlichen Zwecken kann man die dunkelgrünen Blätter das ganze Jahr hindurch verwenden.

Blackenblätter enthalten viel Nitrat und galten früher als Notfallmittel bei Angina pectoris. Hierzu wurde das Blatt so lange gekaut, bis der Arzt oder die Ärztin eingetroffen war. Das Kauen der Blätter hilft auch bei Zahnschmerzen, Zahn !eisch- und Mundschleimhautentzündungen.

Der Ampfer als Heilmittel Blackenpräparate werden immer aus den frischen Samen, Wurzeln und Blättern hergestellt, weil im trockenen Zustand wesentliche Eigenschaften verloren gehen. Nebst Au !agen aus Frischp!anzen oder frisch aufgebrühtem Tee, eignet sich die Blacke auch für einen Ölauszug und oder zur Herstellung einer Tinktur, die ich dann zusammen mit Bienenwachs zu einem Balsam weiterverarbeite. Im Gegensatz zu den kühlenden Blättern ist ein Auszug aus den Wurzeln wärmend. Die Wurzel wirkt abführend bei Verstopfung, weshalb man sehr vorsichtig damit umgehen muss. Zu viel wirkt abortiv, kann Krämpfe und oder gar blutige Stuhlgänge herbeiführen. Die Wurzel vermag aber auch Harnsäuresalze auszuschwemmen, was zu einer Linderung bei Rheuma und Gicht führen kann.

Die Samen hingegen stillen starken Durchfall und lindern Verdauungsstörungen. Daher auch der Name «Büchwehchrüt». Wie Blatt und Wurzel wirken die Samen auch bei Ekzemen und anderen Hautproblemen. Sie sind blutreinigend und blutbildend, stärken das Immunsystem und beseitigen wie alle Teile der P ! anze pathogene Keime.

Die Pfahlwurzeln reichen bis zu zwei Meter tief ins Erdreich.

Zu dieser Zeit im Frühling, kann man die jungen, noch zarten Frühlingstriebe der Blätter und Stängel nutzen, ebenso die Wurzeln von jüngeren P ! anzen. Für die Frühjahrskur empfehle ich jeden Tag ein paar junge Blättchen zu essen. So früh im Jahr sind sie noch nicht besonders bitter. Diese Blackenkur darf höchstens drei Wochen dauern. Sie wirkt stark tonisierend und kräftigt den ganzen Organismus.

Anwendungstipps

Ampferblätter Umschläge

Mehrere frische Blätter, ungefähr fünf Stück auf die Körperstelle platzieren und xieren. Wenn möglich mehrmals täglich wechseln, vor allem wenn man sie für Wunden verwendet.

Teezubereitung aus Blättern

Junge Blätter mit kochendem Wasser übergiessen und zehn Minuten ziehen lassen. Der Tee treibt das Wasser und den Harn zum Beispiel bei Wasseransammlungen in den Knien, auch nach Operationen. Den Blättertee verwende ich auch kalt oder warm zur äusserlichen Anwendung für getränkte Umschläge bei schlecht heilenden Wunden, Entzündungen, Hautproblemen (z. B. Schuppen !echte), Insektenstichen, Schwellungen, Verspannungen, Schmerzen im Unterleib.

Blacken Ölauszug

Ein öliger Auszug ist die Basis für die Blackensalbe, die zur Behandlung von Insektenstichen, Wunden, Sonnenbrand, Schwellungen und vielen der oben genannten Beispielen verwendet wird. Hierzu werden frische Blackenblätter klein gezupft, in ein Glas gefüllt (Füllmenge maximal ¾) und mit Olivenöl sechs Wochen ans Licht stellen. Täglich leicht schütteln. Danach siebe ich das Öl ab, fülle es in eine dunkle Flasche und bewahre es lichtgeschützt auf. Dieses Öl ist mindestens ein Jahr haltbar. Ich nutzte den Ölauszug als Einreibemittel um mich besser Abgrenzen zu können. Es regt

den Energie!uss an und gewährleistet, dass vieles einfach durch mich hindurch ! iesst und nicht hängenbleibt. Es ist ein ideales Öl für all jene Menschen, die therapeutisch arbeiten.

Küche

Ein wenig Presssaft der jungen Blätter und Stängel gemischt mit Fruchtsaft, Gin oder Sprudelwasser ist ideal als Aperitif und Verdauungsförderer. Wie andere Ampferarten enthält auch die Placke viel Oxalsäure. Man kann sie minimieren, indem man die P! anzenteile kurz im kochenden Wasser blanchiert. Die zweite Methode ist, etwas Milch oder Rahm zum gekochten Gericht zu geben. Milchprodukte binden die Oxalsäure in den Speisen. Der Nachteil aber ist, dass auch das Kalzium der Milch nur reduziert aufgenommen werden kann.

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