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Hans Schopfer
Hans Schopfer Landwirt und ehemaliger Maschinist, Saanenmöser
Wie die meisten seiner Generation war auch er Landwirt. Auch er hatte im Winter einen Nebenverdienst – bei den Bergbahnen. Er war von 1970 bis 1986 Maschinist beim Funi in Saanenmöser. Der grosse Schlitten beförderte damals die Skifahrer auf den Hornberg. Später arbeitete Hans Schopfer beim Hornfluhlift.
Schopfer wurde am 1. August 1929 in Schönried geboren. «Ich bin ein richtiger Eidgenosse.» Schon sein Vater war Landwirt und führte einen kleinen Pachtbetrieb mit nur wenigen Kühen. 1941 erkrankte Hans Schopfer an Tuberkulose. «Ich weilte dann vier Monate zur Kur in Leubringen, hoch über Biel. Ich wollte einen Beruf lernen, doch meine Eltern waren der Meinung, ich sei zu schwach für eine Lehre. So wurde ich eben Bauer. Kam hinzu, dass wir fast kein Geld hatten.»
Milchwirtschaft und Aufzucht waren das Kerngeschäft der Familie Schopfer, doch das reichte finanziell bei Weitem nicht. Deshalb war Hans Schopfer auf seinen Nebenverdienst bei den Bergbahnen angewiesen. Im Zentrum seiner Bahnaktivitäten stand jedoch das Funi, welches in der Lage war, 52 Personen in 12–14 Minuten auf den Hornberg zu befördern. In der Regel lief das Funi ohne Pannen. «Wir hatten Glück. Es gab während meiner Zeit nie einen Unfall», erinnert sich Schopfer.
Und privat? Wie lebte Hans Schopfer auf seinem Hof in Saanenmöser? «Wir hatten drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Mit 65 übergab ich den Betrieb meinem Sohn.» Schopfer geniesst das Leben, er ist ein leidenschaftlicher Jasser und trifft seine Jasskollegen regelmässig am Stammtisch in der «Bärgsunne» in Schön-
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ried. Geht der Mann, der mindesten zehn Jahre jünger wirkt, auch auf Reisen? Zieht es ihn ab und zu in die weite Welt? «Ja, ich war schon mal vier Wochen in Kanada. Das war 2007. Es war stets mein Wunsch, irgendeinmal Kanada zu besuchen. Diese Weite, diese Natur, die Nationalparks, die wilden Bären – wunderschön.»
Hans Schopfer erinnert sich an die Zeit der Schweizer Auswanderer. «In den 70er-Jahren verliessen viele Bauern ihre Heimat, um in Kanada eine neue Existenz aufzubauen. Sie hatten den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft in der Schweiz verloren. In der Schweiz hatten sie Betriebe mit vielleicht 10 oder 20 Kühen, in Kanada waren es 120 oder 150. Riesige Bauernbetriebe, mit denen man auch Geld verdienen konnte, wobei das Leben in Kanada sehr hart ist.»
Hans Schopfer hatte nie die Absicht, nach Kanada auszuwandern. Er sagt: «Das Saanenland ist meine Heimat, hier habe ich meine Wurzeln.» Und: «Es gibt viele schöne Orte auf dieser Welt, aber die Berge und die Natur hier oben sind einzigartig.»
Wenn Schopfer auf die letzten 50 Jahre zurückblickt, denkt er oft – wie könnte es auch anders sein – an seine Kühe. «Das Simmentaler Fleckvieh hat ja eine ganz besondere Geschichte», erklärt er. «Nach dem Ersten Weltkrieg kauften die Nachbarländer einjährige Simmentaler Stierkälber zu hohen Preisen, um ihre Zucht zu verbessern. Nach ungefähr vier Jahren fiel der Handel zusammen. Viele Bauern und Züchter erlebten eine Krise. Der Viehmarkt war am Ende. Die Kunden hatten ihre Stiere, für Nachwuchs war gesorgt. Viele Bauern verbürgten sich gegenseitig, was viele Konkurse auslöste.» Hans Schopfer beschäftigt sich immer wieder mit den Kriegsjahren des letzten Jahrhunderts. «Es war eine schlimme Zeit, denn auch meine Eltern waren bettelarm.» Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten moderne Geräte, Maschinen und Technologien Einzug in die Landwirtschaft. «Man musste ständig in neue Maschinen investieren, was für uns Bergbauern eine enorme finanzielle Belastung war. Wer nicht investieren konnte, hatte keine Zukunft. Mein Vater, mit Jahrgang 1895, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg immer Angst, dass es wieder zu solchen Krisen kommt.»
Was würde er tun, wenn er heute 25 wäre? Schopfers Antwort kommt sofort: «Ich würde mich wieder für die Landwirtschaft und die Bergbahnen entscheiden. Ja, und ich würde das Funi wieder aufleben lassen.»
War denn die Welt vor 50 Jahren besser? «Schwierige Frage! Was heisst schon besser? Der Fortschritt wurde immer schneller, auch der Alltag, das Leben generell. Schauen Sie, ich bin jetzt dann 93. Die letzten 25 Jahre hatte ich ein wunderbares Leben, es ging mir gut.» Und? Hat er noch Pläne oder Träume? «Keine Ahnung! Ich nehme es, wie es kommt.»
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Raupenfahrzeug Erstes Transportmittel Richtung Lochstafel, dann per Funi auf den Hornberg Foto: G. Lanz, Saanenmöser
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Erstes Funi Saanenmöser Hornberg Eröffnung Winter 1938, Schliessung Winter 1986 Foto: J. Nägeli, Gstaad
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Funi aufs Hühnerspiel Ein Schlitten Windenseilbahn
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Funi Richtung Hühnerspiel 1937–1953 Foto: J. Nägeli, Gstaad
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Über dem letzten Zugwagen, die erste Molkerei ca. 1958
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