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Issue 1, März / March 2009 «On Surface and Superficiality» Institut für Architektur und Raumentwicklung an der Hochschule Liechtenstein
dem Magazin für junge Kreative, welches die Schnittstellen zwischen Architektur, Kultur und Gesellschaft diskutiert und illustriert. Vor dir entfaltet sich eine kleine Sammlung von Texten zum Thema «On Surface and Superficiality». Darin werden sowohl architektonische Oberflächen als auch menschliche Fassaden kritisch betrachtet. Des Weiteren ermöglichen dir Interviews, Bilder und ein Poster einen Einblick in das Leben und gestalterische Schaffen der Studentinnen und Studenten des Institutes für Architektur und Raumentwicklung an der Hochschule Liechtenstein. Diese erste Ausgabe ist nicht als Endprodukt zu verstehen. Deine Anregungen und Beiträge sind für eine interessante Weiterentwicklung des Magazins von grösster Wichtigkeit. Nur so kann sich AL zu einer informativen und vor allem inspirierenden Zeitschrift entwickeln. Bitte sende uns deine Ideen an ∆ al@hochschule.li und besuche uns auf ∆ www.hochschule.li/al oder ALMagazine auf ∆ www.facebook.com
Das Redaktionsteam
ich weiss, es steht nicht gut um dich. Ständig wirst du beschmutzt, angeschmiert, oft sogar angepinkelt. Du wirst missbraucht, musst es über dich ergehen lassen, wie dir politische Slogans und stumpfe Ideen aufgedrückt werden. Würde mir jemand «Ausländer raus» oder «Nieder mit dem Schurkenstaat!» auf meine Brust tätowieren, würde ich auch missmutig werden. Und wie! Da kannst du dir mehr als nur sicher sein.
Gediegene Linienführungen und auf Hochglanz lackierte Oberflächen schmeicheln dem Auge, die Geräusche beim Öffnen der Türen sind eine Wohltat und das gesamte Interieur verströmt den komplexen Duft von Klasse: Niemand wird die Faszination eines fabrikneuen Autos der Luxusklasse bezweifeln. Innen angekommen fühlt man sich angenehm beherbergt. Und ohne einen Meter zu fahren hat man schon ein glaubwürdiges Bild des Dahingleitens erhalten. Es ist schwierig, sich diesem hypnotischen Anschlag auf all unsere Sinne zu entziehen. Automobile baut man zur Fortbewegung. Denkt man, und lässt sich dabei gerne betören von einer hochdosierten Mixtur aus sinnlichen Lockstoffen, die von Karosserieschneidern, Sattlern und Sounddesignern äusserst präzise austariert wurden. Dies alles spielt sich auf der Oberfläche ab, auf den letzten Millimetern der Materie.
Viele können dich nicht leiden. Sie sagen du seist so leblos und langweilig, so monoton und grau. Dich anzumalen sei illegal und laufe unter Sachbeschädigung. Du seist nur da, um Kummer zu verbreiten, um zu trennen, um zu teilen, um auszugrenzen. Sie sagen, man müsse dich einreissen um frei zu sein. «Für eine mauerlose Gesellschaft!» schreien sie dann und werfen mit Pflastersteinen nach dir, die sich vor dir auftürmen und dich noch dicker machen. Du seist mehr als nur Projektionsfläche, mehr als nur Feindbild sagen sie, du seist Ursprung und Basis für Hass, Trauer und Angst. Du seist der Grund, warum Familien, Nationen, ja sogar ganze Kulturen auseinander gerissen, entzweit werden. Ein Ganzes würdest du in abertausende von Einzelteile zersplittern und hättest sogar noch Freude daran.
Häuser werden gebaut zum Bewohnen. Selbstverständlich muss ein Gebäude auch benutzbar sein. Treppen sollen Etagen verbinden, Fenster sollen an den richtigen Stellen Ausblick gewährleisten und die Heizung muss eine angenehme Raumtemperatur garantieren. Aber alleine dadurch ist noch keine Raumstimmung hergestellt. Erst die gezielte Wahl und Kombination der Materialien gibt unseren Sinnen die ebenso notwendige Behaglichkeit. Was im Automobilbau jedermann sofort einleuchtet, gilt aber auch im Hausbau: die wahre Performance und das Zusammenspiel der Materialien muss mittels Testreihen und Prototypen entwickelt werden. Ob diese handwerklich hergestellt oder über digitale Prozesse entstanden sind, ist sekundär. Entscheidend ist die reale Grösse, in der wir sie anfassen und physisch spüren können. Denn erst auf der Oberfläche zeigt sich die Spannung der Dinge. Die Oberfläche ist der Ort des Ausdrucks. Hier müssen wir Architekten die materiellen Qualitäten in der richtigen Dosierung einsetzen, um das suggestive Gemisch der Atmosphäre zu entfalten. Und erst wenn alle unsere Sinne mit Informationen versorgt sind, stellt sich Tiefe ein. So hat es schon der englische Romantiker John Ruskin in seinem Working Men‘s College vor über 150 Jahren postuliert: Architektur soll Resonanz und persönliche Reaktion auslösen.
Und das Penetranteste, ja das Geschmacksloseste überhaupt sei, dass du bisher noch nie auf die Idee kamst, dich für all die Dinge zu entschuldigen. Das müsse man sich erst einmal vorstellen! Aber ich, liebe Wand, ich sehe das anders. Lass dich nicht unterkriegen! In Liebe, der Baum von gegenüber
Benjamin Quaderer
Germanistikstudent und Poetry-Slammer
Urs Meister
Professor für Entwerfen und Konstruktion an der Hochschule Liechtenstein ∆ «Surface Architecture», Mohsen Mostafavi und David Leatherbarrow, MIT Press, 2002 ∆ «Handwerk», Richard Sennett, Berlin Verlag, 2008
den ich mit etwas füllen kann. Ich finde es gut, etwas in der Öffentlichkeit zu machen. Du hast ein Publikum und kannst die Strassen sozusagen zu einer öffentlichen Galerie machen. SK Interessant waren Wände an der Autobahn oder an der Zuglinie – dort wo es eben die meisten Leute sehen. Man schaut schon, um was für eine Stelle es sich handelt, speziell was für ein Untergrund vorhanden ist, oder wie gross die freie Fläche ist. Das wichtigste war jedoch, von wo und wie gut die Stelle zu sehen war. Skrupel hatte ich bei Privateigentum. 27 Gelegentlich arbeite ich legal, aber die Möglichkeiten dafür sind viel zu gering. In Liechtenstein gibt es gar keine legalen Wände. Meist arbeite ich also illegal und demzufolge auch heimlich, weil ich ja nicht erkannt werden will. Einerseits von der Polizei nicht, andererseits auch von den Leuten nicht, weil die Anonymität etwas ist, was bei Street Art auch den Reiz ausmacht. Die Momente, die ich nachts alleine oder in Gruppen erlebt habe, waren das Spannende an Graffiti für mich – wichtiger als das Resultat. Die Atmosphäre in der Nacht ist so, dass man das Gefühl hat, dass man doch nicht so alleine ist, also man schaut schon immer wieder über die Schulter.
JDS When I think of Liechtenstein, what comes to my mind is that the country consists of one street. It is lacking spatial sequences and street life. And a good place, where you can easily attract people and allow for social and cultural diversity, is constructed out of corners and urban sequences. MS I think it does not take a city to allow for subculture to happen. It takes the right projects and the right people. Although I have never been to big cities until I was 18, except maybe Zurich, I’ve always been making music and organising events here. So I think cities are not a special topic. I often realise: hey man, you live in such a weird country! I mean, for me it’s great to be here, because I can make stuff happen, people regard it as special, if you know what I mean. My view of Liechtenstein, especially with regard to subculture, is, that there are only very few people making things happen. The real problems are the borders. I think only very few people care to come here when we put on a good show at the Nachtbar. JDS What is more important for you: providing a cultural platform with the Nachtbar or creating a scene, people enjoying parties there? MS The cultural aspect is more important of course. But the Nachtbar project is really unique here, because it is the first one to try to mix the two. JDS From what you say, it seems like a perfect place for subculture to emerge, such as street art. MS Unfortunately there’s not a lot of subculture in this country yet, even if there has been a small scene growing during the last two or three years, including some good young artists, musicians and other like-minded people. But our population is probably too small for a lot of diversity. A good friend of mine was always joking about Liechtenstein when he came here. We were driving through the country and I said: Look, there’s the hospital of Liechtenstein. And he was just laughing because he couldn’t believe that we have one hospital, one cinema, one theatre and so on. We just have one of everything, that’s it. We’re very small. But that’s ok for me. We shouldn’t aim to be bigger than we really are. JDS For me as an artist, I have a lot of possibilities to make exhibitions in my home country – Belgium – simply because there is a bigger network of people. But it would definitely be interesting to explore my possibilities in Liechtenstein, meeting artists. I am in a peculiar position because I have been studying architecture at the Hochschule Liechtenstein solidly for the past five months. I haven’t been out much. Maybe that is a bit strange, I guess. MS I only know four people studying at the Hochschule. It would surely be great to have more exchange with the creative people from there. I think the Hochschule’s Kompaktwoche, which was held in collaboration with the Kunstschule Liechtenstein in January, was a good start. But unfortunately there are not a lot of people who know about this. JDS So far I have not thought about getting involved in the local subculture. My view on Liechtenstein is that it does not exist. What I mean is: you don’t see graffiti on the walls or other signs that suggest the country is «alive». I was not expecting to find a new scene here. But I’m definitely going to think about what you said, try to pay more attention to the local aspects and open up to the country more. That would be very interesting indeed!
Jens De Schutter
Artist from Belgium and student at the Institute of Architecture and Planning, Hochschule Liechtenstein ∆ www.hapland.be
Nina Wehrle
Illustratorin und Künstlerin aus Luzern ∆ www.itsrainingelephants.ch
Mittwoch, 8. April 2009
Freitag, 6. März 2009
8:30 – 9:15 Uhr
21:00 Uhr
Atelier Vorlesung – Martin Bühler
Launch Party – AL Magazine
Atelier Hochschule Liechtenstein ∆ www.hochschule.li/architektur
Nachtbar im TaK, Schaan ∆ www.nachtbar.li ∆ www.tak.li ∆ www.hochschule.li/architektur
18:00 – 20:30 Uhr «Vision Liechtenstein 2020» – Solares Liechtenstein
Samstag, 7. März 2009
Auditorium Hochschule Liechtenstein ∆ www.vision2020.li
13:00 – 16:00 Uhr Infotag Hochschule Liechtenstein
Mittwoch, 22. April 2009
∆ www.hochschule.li
8:30 – 9:15 Uhr
Donnerstag, 12. März 2009
Atelier Vorlesung – Philip Lutz
18:30 Uhr
Atelier Hochschule Liechtenstein
Vernissage – Ausstellung Scheinwelten – Thomas Bachler
∆ www.hochschule.li/architektur
Dauer: 12. – 30. März 2009 9:00 – 17:00 Uhr
Foyer Hochschule Liechtenstein ∆ www.schichtwechsel.li ∆ www.hochschule.li/architektur
Architektur Schnuppertag Hochschule Liechtenstein
Freitag, 13. März 2009
∆ www.hochschule.li/architektur Anmeldung an ∆ cornelia.faisst@hochschule.li
17:00 Uhr Vernissage – Ausstellung Holz Kultur Hittisau – Studentenarbeiten des Studio Philip Lutz – Hochschule Liechtenstein Dauer: 13. – 29. März 2009 Holzwerkstatt Markus Faisst in Hittisau ∆ www.holz-werkstatt.com ∆ www.hochschule.li/architektur
Mittwoch, 18. März 2009 8:30 – 9:15 Uhr Atelier Vorlesung – Peter Sigrist Atelier Hochschule Liechtenstein ∆ www.hochschule.li/architektur
Vorankündigung Architekturreferenten Termine noch nicht fixiert Lebbeus Woods – Architect, New York ∆ www.lebbeuswoods.net Michael Webb – Architect, London/New York Founding Member of Archigram Hani Rashid – Asymptote Architecture – New York ∆ www.asymptote.net Kolatan/McDonald – KOL/MAC LLC – New York ∆ www.kolmacllc.com
Mit freundlicher Unterstützung von
Ehemaliger Graffiti-Künstler und Architekturstudent an der Hochschule Liechtenstein
Artist from Liechtenstein and curator «Nachtbar» ∆ www.nachtbar.li
© 2009, Hochschule Liechtenstein AL Magazine Institut für Architektur und Raumentwicklung Hochschule Liechtenstein, Vaduz ∆ al@hochschule.li ∆ al@hochschule.li/al ∆ www.hochschule.li/architektur ALMagazine auf ∆ www.facebook.com
Sebastian Kofink
Moritz Schädler
Disclaimer Die Herausgeber von AL weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie illegale Graffiti ablehnen. Aussagen von Befragten und namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Die Hochschule Liechtenstein übernimmt weiterhin keine Gewähr für den Inhalt von Homepages, auf die im Text hingewiesen wird.
SK Ich denke, Graffiti hat schon extrem viel bewirkt. Es wird immer gesellschaftsfähiger und wird ein grosser Einflussfaktor in den Bereichen Kunst, Design und Architektur werden – wenn es nicht schon so ist. Ich habe Graffiti als sozialen «Ausbruch» verstanden – wie eine zweite Identität. 27 Ich möchte nicht unbedingt die Welt oder das Land verändern, ich mache das hauptsächlich für mich selbst. Und wenn es anderen auch noch gefällt, dann bin ich zufrieden. NW Ich wollte das Meer in die Gibraltarstrasse bringen oder vielleicht auch zeigen, dass es nicht viel braucht und es schon fast da ist. Im Sinne von Marcel Proust: «Die eigentliche Entdeckung liegt nicht darin, Neuland zu 27 Es gibt viele unterschiedliche Gründe warum man so etwas macht. In betreten, sondern mit neuen Augen zu sehen.» Es ging mir aber auch darum, die momenerster Linie ist es für mich Spass. Ich experimentiere gerne. Und es macht Freude, tane Entwicklung der Strasse kritisch in Frage zu stellen. Was gibt es noch zu sehen, die Werke auf der Strasse zu sehen und zu beobachten, wie sie sich mit der Zeit wenn alte Häuser abgerissen und Freiräume laufend aufgeräumt werden? entwickeln, ob etwas dazukommt oder sie übermalt werden. Ein anderer Grund, denke ich, ist Fame, also Ruhm. Die Leute sollen meine Bilder wiedererkennen und 27 In Liechtenstein gibt es halt eigentlich keine Szene. Ich kenne hier nur so zwei, drei überall sehen. Jeder Mensch hat wahrscheinlich ein Verlangen nach Anerkennung. Leute persönlich, die gelegentlich etwas machen. Ich kenne aber auch ein paar aus der Und da ich mich nicht gern ins Rampenlicht stelle, ist Street Art eigentlich ideal, Schweiz und Österreich, da läuft der Kontakt hauptsächlich übers Internet, und ab und diese Anerkennung zu erhalten und trotzdem anonym zu bleiben. NW Momentan zu trifft man sich. SK Lustigerweise sind fast alle meiner früheren Sprayerkollegen in einem kreativen Beruf tätig und ziehen in diesem ihr eigenes, meist erfolgreiches Ding ist diese Guerilla-Art ein Hype. Für mich war es eine ideale Abschlussarbeit: Raus durch. NW Ich kenne Leute aus der Szene, die sich durch meine Arbeit persönlich aus der Schule und hin zum Alltag der Strasse und zu den Leuten, die sich hier bewegen. Mit kleinen Interventionen, über die ganze Strasse verteilt, wollte ich diese angegriffen fühlten. Sie fanden es kindisch oder eine Art von Verrat. 27 Direkt von nicht nur beleben, sondern auch auf bestehende Besonderheiten hinweisen. Es gibt den Betroffenen oder Passanten gibt es natürlich keine Reaktionen, weil ich ja heimlich zum Beispiel eine Serie von Meerschiffen, die ich aus dreckigen Wänden herausgearbeite. Aber wenn ein Werk jahrelang irgendwo bleibt, dann kann man das in gewisser putzt habe oder eine Invasion von Affen, die sich in der ganzen Strasse tummeln. Weise als eine Anerkennung sehen. Ansonsten freue ich mich auch, wenn ich über das Mit den wiederkehrenden Motiven des Meeres und der Affen stelle ich einen Bezug Internet Feedback bekomme. NW Während der Arbeit auf der Strasse wurde ich sehr zu Gibraltar her. Das Meer steht für mich für die Sehnsucht nach einem anderen Ort. oft angesprochen. Die Reaktionen auf mein Projekt waren vielfältig und für mich sehr Die Affen als Symbol für Gibraltar stehen auch für Narren, Künstler, etc., die sich bereichernd. Begegnungen mit den Bewohnern, Passanten und der Polizei waren ein ihren Platz zurückerobern. wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Ich habe ihre Kommentare in Form von kurzen Dialogen laufend auf die Strasse gebracht, worauf erneut Reaktionen stattfanden. 27 Meistens arbeite ich mit einem Konzept, vor allem wenn ich grössere Projekte mache. Bei kleineren Sachen wie Tags oder Stickers wird eher spontan 27 Hier in Liechtenstein sind Dialoge auf der Wand selten, aber z.B. in der gehandelt. Bei grösseren Sachen ist es oft so, dass ich die Idee zum Wo und Schweiz, wenn ich irgendwo einen Sticker sehe von jemandem, den ich kenne, klebe Was gleichzeitig habe. Ich finde zum Beispiel eine Wand und habe dazu eine Idee. ich gerne einen von meinen dazu.So quasi: «Hey, ich hab dich gesehen und finde deiDie Form ist dann immer überlegt oder erarbeitet. Inhalt habe ich vor allem bei nen Sticker cool». Und ein paar Wochen später laufe ich wieder vorbei und vielleicht meinen Stencils (also Schablonen-Graffiti). Dieser ist eher von persönlicher ist wieder etwas Neues dazu gekommen... NW Ich denke, die Stadt profitiert Bedeutung und ich erwarte nicht, dass die Leute das verstehen – wahrscheinlich ebenfalls von meinem Projekt, weil es die Strasse lebendig macht und den Dialog ist das auch gar nicht möglich. SK Form, in der «Szene» Style genannt, ist mit zwischen den Bewohnern fördert. 27 Für mich ist Liechtenstein wie ein Spielplatz. Es ist einfach ziemlich easy, hier etwas zu machen. In der Nacht sind kaum eines der wichtigsten Bestandteile eines guten Graffitis und spiegelt meist auch Leute unterwegs. Hier kann ich alles ausprobieren, was mich interessiert und hier einen gewünschten Inhalt wieder. 27 Unattraktive Wände ziehen mich mehr an. mache ich auch oft Sachen, die ich anderswo nicht machen würde. Denn es gibt Ich habe gerne solche, die etwas heruntergekommen oder dreckig sind. Oder auf niemanden, der dich beurteilt. denen es schon Sprayereien hat. Oder langweilige graue Wände. Auf diesen Wänden kann man etwas bewirken, egal was man macht. Ich würde nie etwas auf ein frisch gestrichenes Wohnhaus machen. Allgemein versuche ich Privatbesitz zu vermeiden. Wände (und viele weitere Spots) 27 sind ungenutzter Street Artist aus Liechtenstein Raum, ∆ www.fotolog.com/___27
Impressum Redaktion Peter Staub (Leitung) und Cornelia Faisst, Hochschule Liechtenstein, Vaduz Gastredaktion Issue 1 Anna Hilti und Cornelia Wolf Projektgruppe Hochschule Liechtenstein Tarek Abdel Kawi, Marina Abdel Marek, Ralf Eberle, Nina Heeb, Sebastian Kofink, Sally Mohammed, Hana Petrikova, Gena Shokry Konzept und Gestaltung Anna Hilti ∆ www.annahilti.com und Cornelia Wolf ∆ www.up-consulting.li
27 2001 habe ich zusammen mit einem Freund mit Graffiti angefangen und mit billigen Markern die ersten Tags und Pieces gemacht. Der Gefallen daran kam aus Büchern. Ich habe es einfach nur aus Spass gemacht und nicht gross über die Konsequenzen nachgedacht. Weil ich kein grosses Talent für Graffiti entwickelte, kam ich zur Street Art. Hier sind eher die Bilder zentral, und auch technisch gibt es Unterschiede. Bei Graffiti verwendet man eher Spraydosen, Marker und Farbroller, während man in der Street Art unbegrenzte Möglichkeiten hat. SK Angefangen hatte ich 1997, mit 13 Jahren. Einer meiner besten Freunde spielte in der nächst grösseren Stadt mit einem dort bekannten Sprüher Fussball. Durch ihn wurden wir beeinflusst und fingen in alten Scheunen bei uns im Dorf an zu sprühen. NW Ich habe eigentlich überhaupt keinen Street Art Hintergrund. Ich studierte Illustration an der HSLU und habe 2008 mein Diplomprojekt «In Gibraltar; Street Guerilla Illustration» im öffentlichen Raum gemacht, an der Gibraltarstrasse in Luzern. Die Strasse befand sich im Umbruch: Alte Häuser wurden abgerissen, neue gebaut, es wurde saniert und das Gesicht der Strasse veränderte sich stetig. Der Name Gibraltar verleiht der Strasse etwas Besonderes, Rätselhaftes und hat mich neugierig gemacht. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, vor Ort zu arbeiten und dabei auf die Begebenheiten der Strasse und deren Bewohner einzugehen. Zentraler Gedanke meiner Arbeit war, Kunst an einem Ort stattfinden zu lassen, wo man sie nicht erwartet. Mittelpunkt war eine grosse Absperrung bei der Baustelle, die ich bemalt und laufend verändert habe. Zuerst kam die mehrdeutige Frage GIBralTar ES HIER NOCH MEER ZU SEHEN? an die Wand. Dann liess ich das Meer ansteigen, so dass die Buchstaben halb verdeckt wurden, die abgerissenen Häuser auf Schiffen davonfahren, forderte die Passanten mit leeren Sprechblasen zu Reaktionen auf und brachte das gemischte Volk der Gibraltarstrasse in Lebensgrösse auf die Wand.