vorwort Interview des mag-Teams mit dem Fachsbereichsleiter Prof. Benedikt Stahl
Anstelle eines Vorwortes möchten
Damit ist vielleicht auch schon ein guter Teil eurer
bauen, malen, plastizieren, schau-
wir mit dir, Bene, gerne ein kleines
Frage beantwortet: das Spannendste an der Arbeit
spielern, tanzen, wirtschaften, bil-
Interview führen und dir vorab
in der Fachbereichsleitung seid doch eigentlich
den, geht das eigentlich zusammen?
ein paar Fragen stellen. Zunächst
ihr Studenten. Mit euch gemeinsam an Projekten
Benedikt Stahl Da würde ich zurück fragen:
würden wir gerne wissen, was dich
und Zukunftsideen zu arbeiten, zu lehren und
Geht das etwa anders? Wenn ich dieses Heft
antreibt unseren Fachbereich zu
voneinander zu lernen macht einfach riesig viel
durchsehe, ist doch von allem was dabei. Sogar
leiten.
Spaß und ist die Energiequelle für diesen Job.
das Musizieren habt ihr nicht ausgelassen. Das ist
Benedikt Stahl Oh, da gibt es natürlich gleich
Natürlich gibt es auch eine ganze Menge anderer
eben Alanus.
einiges zu sagen. Aber zunächst einmal möchte
Dinge, die motivieren. Die Zusammenarbeit im
ich euch Dreien, und allen anderen, die an dieser
Kollegium, aber auch die Berührungspunkte
Die letzten beiden Semester in einer
Ausgabe beteiligt sind, an dieser Stelle ganz herz-
mit den anderen Fachbereichen der Hochschule,
Skizze...
lich dafür danken, dass ihr es auf euch genommen
Gespräche, Abstimmungen, Kooperationen, der
Benedikt Stahl Genau das zeigt das neue mag.
habt, das neue mag zusammenzustellen und ihr
besondere Ort hier, gemeinsame Reisen, das alles
das mit viel Freude, vielen Stunden Arbeit und
ist sehr lebendig und formt unsere Gemeinschaft.
wir bedanken uns für das kurze Ge-
Engagement rechtzeitig zum „Blickwechsel“,
Daran mitzuwirken, dass sich das ständig bewegt,
spräch und wünschen unseren Lesern
unseren Tagen der offenen Tür, geschafft habt.
das treibt einfach an.
viel SpaSS beim Eintauchen!
3
Vorwort
5
Inhaltsverzeichnis
7
Projekte – Frühjahrssemester 2011
8
Mittwochsforum – Low Tech Low Budget
10
Interview: Das letzte Haus
14
Interview: Studentenwohnen Alfter
18
Interview: Bilder der Stadt
22
Interview: Naturparkzentrum Siebengebirge
28
Bachelorarbeit: Paloma Park
32
Bachelorbarbeit: Kunibertshöfe
37
Drumherum – Frühjahrssemester 2011
38
Musik- und Kompositionslehre – „Architektur ist gefrorene Musik“
40
Feldenkrais – Körper, Bewegung und Raum
42
Eurythmie – Was ist das?
43
Schauspiel – Wer ist Schuld?
44
See! Colour! Architektur und Farbe
46
Exkursion: New York City
49
Projekte – Herbstsemester 2011
50
Mittwochsforum Der Stoff aus dem die Häuser sind
52
White Cubes Bildhauer + Architekten
56
Laacher See „(T)Räume am See“
62
Flender – Grafenstaden Elsässer Haus
72
Hin & Weg Eine variable Platzüberdachung
84
Zweiter Bauabschnitt Der Campus II wächst!
92
S M L XL
96
Wohnen am Rand: Wohnquatiere in Dnipropetrowsk, Ukraine
100
Modernisierung Universität Paderborn
103
Drumherum – Herbstsemester 2011
104
Neuschnee Schneesymposium
106
Freihandzeichnen Architektur frei zeichnen
108
Formenlehre Material World
110
Studierende und Mitarbeitende
114
Impressum
inhalt mag 05
PROJEKTE FrĂźhjahrssemester 2011
8
Mittwochsforum low Tech low Budget Text: Söhnke Schröder // ringvorlesung // Prof. Nikolaus von Kaisenberg + gäste
Unter dem Oberbegriff der einfachen
Form des menschlichen Wohnens. So lassen sich in Ballungsgebie-
Technik und des kleinen Geldbeutels
ten für Baugruppen deutlich größere Chancen zum Grundstückser-
wurde im Rahmen des Lehrgebiets
werb ausmachen. Baukosteneinsparungen von bis zu 20 % sind ein
Architektur und Gesellschaft im
weiterer Vorteil dieses Konzeptes. Außerdem kann man als Bewoh-
letztjährigen Frühjahrssemester das
ner einer Baugemeinschaft weiterhin individuell wohnen. Neben
Mittwochsforum veranstaltet.
dem Einfluss auf die eigene Wohnung hat man auch noch Einfluss
D
ipl.-Ing. Michael Danke gab den Studenten
auf die Hausgestalt und den Städtebau. Ein Privileg, welches den wenigsten privaten Bauherren von Einfamilienhäusern zuteil wird. Thomas Rau legte in seinem Vortrag dar, dass die Welt, in der
wertvolle Informationen über das kostengüns-
tige Bauen. Gerade im Bau von Einfamilienhäu-
wir heute leben, kein Energieproblem sondern ein Ressourcen-
sern für Bauträger sei es entscheidend, dass der
problem habe. Nach seiner Auffassung müssen wir uns heute fragen
Städtebau gut und effizient funktioniere.
welchen Mehrwert wir aus der aufgewendeten Energie ziehen.
Dipl.-Ing. Winfried Schneider führte uns in
Außerdem stehen uns nach seinem Dafürhalten genug Energie-
die Baubiologie ein. Baubiologie ist die Lehre
quellen zur Verfügung. „Optimierung“ sei das Schlagwort, mit dem
von der ganzheitlichen Beziehung zwischen den
wir an unsere Probleme herangehen sollten. Um der aufziehenden
Menschen und ihrer Wohn- und Arbeitswelt. Um
Rohstoffkrise zu begegnen, stellte er den Studenten kurz das Cradle-
preiswert baubiologisch zu bauen, sollte man nach
to-Cradle-Konzept vor sowie sein daraus entwickeltes Unternehmen
Schneiders Auffassung natürliche und einfach
turntoo, dessen Basis das Thema „performance based consumption“
zu verarbeitende Baustoffe verwenden.Weiterhin
ist.
sind kompakte und einfache Bauformen emp-
Prof. Dominique Gauzin-Müller stellte in ihrem Vortrag fest,
fehlenswert, eine optimierte Wohnfläche, Statik
dass sich die Menschheit grundlegend gewandelt hat. So leben heute
und Konstruktion. Auch eine Reduzierung der
immer mehr Menschen in den Städten. Auch die Zahl der Weltbe-
Gewerke am Bau kann nach seiner Einschätzung
völkerung steigt immer weiter. Daraus resultieren viele Probleme
zur Kostenreduktion führen. Die Eigenleistung
auf kultureller und sprachlicher Ebene, sowie Diversitätsverluste.
durch den Bauherrn ist ebenso ein Mittel, um
Gerade im Bauen hat man die meisten Möglichkeiten in den
zu niedrigeren Kosten zu kommen, genauso wie
Problemfeldern schonender zu agieren, da das Bauen die meisten
gemeinschaftliches Bauen und eine gute Planung.
Ressourcen auf unserem Erdball verbraucht.
Gerade auf die Planung von gemeinschaft-
Weitere Referenten im Mittwochsforum waren: Hermann Pohl-
lichen Wohnprojekten hat sich das Büro Post
mann, Prof. Dr.-Ing. Evelin Rottke, Dipl.-Ing. Axel Ritter, Dipl.-Ing.
und Welters spezialisiert. Dipl.-Ing. Dirk Becker
Elke Reichel, Dipl.-Ing. (FH) Ludger Dederich, Dipl.-Ing. Vera
informierte die Studenten über die Vorzüge dieser
Rottes sowie Thomas Weyland.
■
9
interview: Das letzte Haus Claudius Bäuml, Avila Dietrich, Elias Schley // BA 4.2 Einführung in das Entwerfen - Projekt 2 // Prof. Benedikt Stahl // 2. Semester Erzählt mal, was Eure Aufgabe war
eigenen Körper, dessen Proportionen und Maß-
schöne Geste ergibt. Ich habe einige junge Leute
im Frühjahrssemster 2011.
lichkeit. Bei der zweiten Haut ging es im weitesten
dazu befragt, welche Qualität sie erleben, wenn
Avila Dietrich Unsere Aufgabe im Kurs „Einfüh-
Sinne um Kleidung. Hier haben wir Masken
man die Hände zu einer Schale formt. Sie nannten
rung in das Entwerfen“ war es, „das letzte Haus“
gebaut. Die dritte Haut ist dann „wirkliche“
Begriffe wie beschützend und haltend, offen,
zu entwerfen. Franka van de Kerkhof, eine nieder-
Architektur gewesen, aber eben aufbauend auf
harmonisch, opfernd. In diese Qualitäten würde
ländische Bestattungsunternehmerin, fragte uns
dem Hintergrund der ersten und zweiten Haut.
ich einen Toten legen. Und dann kam die Frage,
Alanus-Studenten, ob wir nicht Interesse hätten,
Das führte dazu, dass sich die dritte Haut sehr eng
wie man diese Qualitäten in Architektur umsetzen
ein sogenanntes letztes Haus zu entwerfen, zum
anschloss an die menschliche Proportion.
kann, ohne sie formal nachzubilden. Das hat mir
Abschied-Nehmen von Verstorbenen. In den Nie-
Für uns als Gruppe war es wichtig, dass wir
derlanden ist es Brauch, dass man den Verstorbe-
uns über alles ausgetauscht haben, da wir sehr
nen zu Hause aufbahrt und sich die Angehörigen
unterschiedliche Werte und Vorstellungen haben.
in Ruhe von ihm verabschieden.
Schon alleine deshalb, weil wir aus unterschied-
Es sollte ein mobiles Haus werden, ein Haus,
lichen Kulturkreisen kommen. So hatten wir
»zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.«
das man beliebig in unterschiedlichen Gärten auf-
jemanden aus Korea, aus den Niederlanden, aus
und abbauen kann. Es war keine einfache Aufgabe
Bayern, aus Deutschland und der Türkei in der
für uns alle, da wir uns auch mit dem Thema Tod
Gruppe. Da sprechen sich die verschiedenen
auseinandersetzten mussten, was anfangs etwas
Traditionen mit aus, wie man mit dem Thema
ungewohnt war. Auch wenn man familiär schon
umgeht und wie und ob ein Toter überhaupt
eigentlich die größten Schwierigkeiten bereitet.
Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat, ist es et-
aufgebahrt werden soll.
Wie übersetzt man eine Schale in Architektur so, dass man z.B. auch ein Dach hat. Herausgekom-
was ganz anderes, wenn man einen Raum schaffen muss, in dem man sich selber auch wohlfühlen
Und was ist entstanden?
men ist ein ovaler Grundriss mit einer ovalen
möchte, ob als Toter oder Angehöriger.
Elias Schley Gerade die Thematik hat uns
Umhüllung, transluzent, sehr leicht, sehr filigran
Elias Schley Nicht einfach war, dass wir uns
bewogen, sehr persönliche Formen zu kreieren,
und trotzdem abgetrennt von der Umgebung.
einerseits mit einem „schweren“ Thema wie Tod
Formen, die einem selbst entsprechen. So war
Avila Dietrich Ich hab einfach ein bisschen skiz-
beschäftigen und andererseits ein mobiles Haus
es bei vielen, wie Moritz, Claudius, Ido und mir
ziert und versucht, über die Form herauszufinden,
schaffen mussten, in dem der Tote liegen sollte.
etwas Schützendes, bei Avila Endlichkeit und
was eigentlich das Richtige ist. Ich hatte ein Buch
Die Unsicherheit im Bezug auf den Tod war
Unendlichkeit.
zur Containerarchitektur und dachte, das wäre es
auch gerade etwas Spannendes für uns, weil wir
Ich wollte etwas sehr Verschlossenes aber nicht
doch. Man könnte die Seiten aufklappen. Doch
nicht genau wussten wie wir damit umgehen
Einengendes gestalten. Für mich war der Moment
dann dachte ich das ist viel zu kalt und bin noch
sollten, und weil wir im Entwerfen noch nicht
des Abschied-Nehmens sehr wichtig und der
mal über die Form gegangen und habe einfach
viel Erfahrung hatten – andererseits gingen wir
sollte auch sehr intensiv sein und nicht von außen
Formen in die Landschaft gemalt und bin dann
dadurch vielleicht auch ganz unbefangen mit dem
beeinflusst werden.
letztendlich auch zu meiner Form gekommen.
Thema um.
Avila Dietrich Einigen war auch der Weg zum To-
Claudius Bäuml Das Spannende daran war auch,
ten hin sehr wichtig. Man sollte nicht direkt zum
schönsten lag, besser als ein Kreis, besser als ein
dass wir gleich einen „echten“ Auftrag hatten, ein
Toten schreiten, sondern eine Vorbereitungszone
Oval. Von dem Gedanken des Offenen wollte ich
Projekt, das nicht für die Schublade geplant wird.
haben, z.B. durch eine Türe, einen Vorraum oder
nicht ganz abkommen und habe dann die Seiten
Ein schönes Wortspiel: Unser erstes Haus, war
einfach ein paar Stufen oder, wie bei Ido, durch
des Hauses transluzent gemacht, so dass man
unser letztes Haus.
einen kleinen Weg, der einer Spirale nachemp-
drinnen immer noch ein Gefühl von Tag und
funden ist.
Nacht und Hell und Dunkel hat. Ich habe mich
Ich fand, dass sie in der Landschaft am
für eine weiße Außenhaut entschieden. Mir war
Wie seiD Ihr vorgegangen? Elias Schley Es gab verschiedene Vorgehenswei-
Wie sehen Eure einzelnen Entwürfe
das Zurückhaltende dabei wichtig. Für mich war
sen. Wir haben viel -auch zusammen- im Raumla-
aus?
auch der Weg wichtig, der nicht lang ist, aber ein
bor experimentiert. Dort haben wir verschiedene
Claudius Bäuml Ich habe es ganz explizit über den
paar Treppenstufen nach oben geht. Im Innern
Raumstudien durchgeführt, um zu schauen, wie
Weg versucht, dass ich mir erst Qualitäten klar
habe ich auf eine richtige Bahre verzichtet, weil
viel Platz wir in dem Häuschen wirklich brauchen.
gemacht habe, die mit dem Tod zusammenhängen
ich wollte, dass sich alles am Boden abspielt. So
Claudius Bäuml Dieses Projekt muss man auch im
und dann hab ich versucht diese in eine Geste und
habe ich ein Fell auf dem Boden ausgelegt. Dazu
Semesterkontext betrachten, denn es war für uns
eine Form zu gießen. Irgendwann, während des
soll man auch die Schuhe ausziehen, um am
die sogenannte „dritte Haut“. Nach der ersten und
Skizzierens, bin ich darauf gekommen, dass wenn
Boden sitzend dem Verstorbenen noch mal ganz
der zweiten. Bei der ersten ging es um unseren
man die Hände zusammennimmt, dies eine sehr
nah zu sein.
10
Simon Lucas
Frauke Zahl
Elias Schley
Moritz Kasulke
Ido de Baat
11
Klara Esch
Niklas Gesthuisen
Claudius Bäuml
Avila Dietrich
12
Elias Schley Bei mir war der Entwurfsprozess
regt zu puristischeren Entwürfen, was eigentlich
Thema, das da hineingespielt hat. Das finde ich
ähnlich wie bei Claudius. Ich war auch von
auch ganz gut zum Thema passt, schlicht, zurück-
großartig, wenn sich Architektur immer auch mit
Anfang an sehr auf der Suche nach der Form,
haltend und filigran.
einer tiefergehenden Frage beschäftigt. Genau das erlebe ich auch als Aufgabe bei
wollte aber trotzdem sehr viel Inhalt mit einbringen. So war mir ebenfalls wichtig, wie der
Claudius, Du hast zu Beginn schon er-
weiteren Projekten, genau so einen tieferen Bezug
Weg ist, wie der Raum sein sollte, schützend und
wähnt, wie das Projekt in einer Reihe
dazu zu finden. Dieser führt einen vielleicht auch
trotzdem offen, welches Material verwendet wird.
der 1., 2., und 3. Haut steht. wenn Ihr
weg von einer gewissen Beliebigkeit.
Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt,
zurückblickt – ihr seid ja jetzt ein
an dem mir nicht mehr klar war, was für mich
Semester weiter – welchen Stellen-
wesentlich war, ich hatte keinen Bezug mehr dazu.
wert würdet Ihr dem Projekt beimes-
Entwerfen gegangen?
Zu diesem Zeitpunkt verstarb jemand aus meinem
sen in Eurer Ausbildungsbiographie?
Elias Schley Bei Jakob war z.B. die Materia-
nahen Verwandtenkreis und ich reflektierte und
Avila Dietrich Man denkt ganzheitlicher und
lität sehr wichtig. Er war inspiriert durch ein
hinterfragte mit dieser Erfahrung noch mehr das
nicht so kleinteilig. Man baut nicht einfach nur so
Mittwochsforum, in dem ein Architektin von
Projekt. Wie viel Inhalt muss wirklich in das Haus
ein Haus mit irgendwelchen Merkmalen, sondern
einer Garage berichtete, deren Wände aus Altholz
einfließen? So kam ich auf eine Reduktion, das
man überlegt wirklich, wie sich der Mensch in
geschichtet waren.
wichtigste Merkmal war für mich die schützende
diesem Raum fühlt.
Claudius Bäuml Moritz sagte, da draußen stünden
Form. Dadurch kam ich zur Parabel, einer Form
Claudius Bäuml Ich finde ja, dass die drei The-
diese Gewächshäuser. Kann man das letzte Haus
die Wand und Decke vereint, etwas sehr Erdge-
men, 1. Haut, 2. Haut, 3. Haut in ihrer speziellen
nicht in dieser Machart gestalten? Er ist stark
bundenes und gleichzeitig etwas zum Himmel
Ausprägung ein ganz besonderes Potenzial hatten.
von der Konstruktion ausgegangen und hat dann
Strebendes hat. Da wir in den Raumstudien erlebt
Es war bei allen Themen so, dass wir über das
eine recht organische Form gebaut mit einem
hatten, dass es unterschiedliche Vorstellungen
fachliche hinaus immer tiefergehende Themen
Tragwerk aus Metall.
über die Raumgröße gibt, habe ich das Haus nicht
besprochen haben.
Elias Schley Niklas ist sehr stark über das Thema
nur mobil sondern zudem individuell verstellbar in einer modularen Bauweise geplant. Was mir all-
Bei der 1. Haut war es das Vermessen des eigenen Körpers und das Wahrnehmen der Pro-
Sind denn alle über die Form an das
zu seinem Entwurf gekommen. Avila Dietrich Aber schon auch sehr stark über
gemein auffiel ist, dass viele Studenten das Thema
die Form.
des Transluzenten in ihren Projekten hatten.
Elias Schley Ja, aber erst später! Klara hatte zum
Einerseits offen, aber geleichzeitig schützend. Viele wollten kein direktes, sondern eher sanft einfließendes Licht. Claudius Bäuml Mir war der Aspekt wichtig, dass die Wand nicht transparent ist, dass man einfach durchschauen kann und die Welt draußen sieht,
»Ein schönes Wortspiel: Unser erstes Haus, war unser letztes Haus.«
Beispiel auch stark die Flexibilität zum Motiv. Adem ist auch über die Konstruktion gegangen. Er hatte die Idee eines geschlossenen aber zu öffnenden Raums und hat so die Form gefunden. Er hatte also die Frage, wie kann ich offen und geschlossen gestalten.
wie sie ist, sondern dass man dadurch, dass sie Es ist immer sehr interessant zu be-
transluzent ist, ein bisschen wegkommt von der Erde, dass das Licht vielleicht nur leicht hineinfällt
portion aber gleichzeitig hatten wir irgendwann
obachten, die einen haben immer das
und man mehr das Innere erlebt.
eine Diskussion über Kunst und Wissenschaft und
Problem, dass sie sich so mit Vorstel-
Elias Schley Es hatte auch mit dem Thema zu
Architektur. Das fand ich total spannend, denn
lungen anreichern, dass sie dann
tun, dass es einen Ort des Zwischenstadiums gibt,
man merkte, in welchem Kontext wir uns mit
blockiert sind, die anderen produ-
zwischen dem Jenseits und dem Diesseits.
Architektur bewegen.
zieren lauter Dinge und können sich
Ähnlich war es auch bei der 2. Haut, wo wir ja
nicht entscheiden.
Wie seid ihr mit dem Thema der Mobi-
Masken gebaut haben. Dort fand ich es sehr spre-
Elias Schley Kann man dann sagen, es gibt zwei
lität umgegangen, denn das ist schon
chend, welche Maske jeder von uns gemacht hat.
oder drei grundlegende Entwurfsentwicklungen?
eine groSSe Herausforderung?
Die Masken habe fast von alleine ein Theaterstück
Avila Dietrich Am Anfang waren wir etwas
zu spielen begonnen, was auch wieder eine sehr
Marek bezeichnet das ja immer als
erschrocken und fragten uns, wie das überhaupt
grundsätzliche Aussage ergeben hat, etwas, das
Formfindung und Formsetzung. Das
funktionieren sollte, da wir ja auch noch nicht
über den Maskenbau hinausgewiesen hat.
sind zwei ganz polare Entwurfsan-
Tragwerkslehre hatten, da half uns dann unsere
Dann kam bei der 3. Haut nicht einfach nur
sätze.
TWL-Professorin.
ein Häuschen, sondern ein Haus das sich mit dem
Claudius Bäuml Aber können diese beiden Wege
Claudius Bäuml Die Mobilität hat uns auch ange-
Tod beschäftig, also wieder ein übergeordnetes
nicht zum gleichen Ergebnis führen?
■
13
interview: Studentenwohnen alfter Martin Böttcher, Eliot Livingston Wilson, Dominique Buchmaier // BA 4.4 Gebäudelehre - Projekt 4 // Prof. Nikolaus von Kaisenberg, Prof. Willem-Jan Beeren // 4. Semester Hallo, schön dass ihr zum Interview
hatten alle verschiedene Ansätze, wie man das
Zuhause werden kann und nicht so’n Regal wird,
gekommen seid. Was war euer groSSes
angehen oder interpretieren sollte. Wir haben im
so ein „Profit Regal“ für einen Investor.
Projekt im 4. Semester?
Nachhinein die Entdeckung gemacht, dass wir
Eliot Wilson Wir hatten ein Studentenwohnheim
uns in unserem Jahrgang darüber eigentlich viel
zum Projekt, das wir für den Campus II entwerfen
zu wenige Gedanken gemacht haben, was das
dort ein bestimmtes Leben schaffen
sollten. Die Gemeinde hat in Kooperation mit der
wirklich heißen könnte. Ich glaube, viele sind
will. Wie sieht das aus? Wie sieht der
Alanus Hochschule ein Konzept entwickelt, das
davon ausgegangen, dass man es möglichst billig
Alltag dort aus?
nicht ein Industriegelände sondern einen Kultur-
planen sollte.
Eliot Wilson Also diese Frage spiegelt sich in al-
park vorsieht, neben Wohnungen, Werkstätten,
Doch Low Budget bedeutet, dass man die Kre-
Ihr habt davon geredet, dass man
len Ebenen des Entwurfs wider. Wie funktioniert
Ausstellungsräumen, einem Kindergarten und
ativität steigern muss, um effektivere Lösungen zu
der Städtebau? Fördert er positive Außenräume,
Büroräumen.
finden. Es heißt aber nicht, dass man deshalb eine
wo man auch bleiben will? Gibt es Pflanzen, ist da
schäbige, weniger großzügige Kiste ohne Gemein-
auch ein Garten für die Gemeinschaft, den man
Wie seid ihr vorgegangen, wie habt
schaftsraum da hinstellt. Das ist nicht der Sinn.
auch nutzen kann? Und wie fühlt es sich an, da zu
ihr gearbeitet?
Dominique Buchmaier Low Budget heißt ja auch,
sitzen? Ist das so ein Raum, wo man das Gefühl
Dominique Buchmaier Wir haben mit der Stand-
dass man nachhaltig baut, dass es keine billige
hat, man sitzt wie auf einem Präsentierteller oder
ortanalyse angefangen, und dann das Raum-
Konstruktion gibt, die in der Anschaffung und
ist man geschützt?
programm bekommen, in dem stand, wie viele
im Aufbau billig ist, sondern dass man einen
Studenten untergebracht werden sollen, ob es
nachhaltigen Nutzen davon hat, weil das Gebäude
lien, wie sind die Farben, haben die eine Qualität
Gemeinschaftsräume geben soll oder nicht.
dann zum Beispiel viel länger steht.
die ansprechend ist? Wie sind die Gemeinschafts-
Die Analyse war der Anfang. Als es zum konkre-
Eliot Wilson Wir haben auch viel mehr auf das
räume von der Erschließung bis zum tatsächli-
ten Entwerfen ging, musste man gucken, wie man
„Low Budget“ geschaut und nicht soviel auf das
chen Gemeinschaftsraum? Wie können wir es
die Massenverteilung macht, was für Gebäu-
„Low Tech“. Ein gutes Beispiel, wo man am An-
uns auch leisten, mit dem geringen Budget mehr
demassen unterzubringen waren, auch auf die
fang mehr investieren kann, ist die Energieeffizi-
Gemeinschaftsfläche zu schaffen ohne mehr
Baugrenzen mussten wir achten.
enz und die Materialauswahl. Es geht darum, dass
Kosten aufzuwenden? Kann man die Erschlie-
man ein Gebäude schafft, das in seinem Betrieb
ßung so gestalten, dass man Orte hat, wo man
Dann im Inneren: Was sind dort für Materia-
Wie sieht für euch das ideale Stu-
entschleunigt wird, dass man nicht so durchge-
dentenwohnheim aus?
schleust wird, sondern dass man da vielleicht ins
Martin Böttcher Da muss man sich fragen, wie das Studentenleben heute aussieht und wie man es gerne verbessern würde. Und dann muss man überlegen, wie man das so schön und großzügig gestalten kann, dass man da auch tagsüber Zeit verbringen möchte, und dass es eine gemeinschaftliche Komponente gibt, dass man nicht alleine da als Student vor sich hinvegetiert, sondern dass man dort auch andere Studenten trifft. Eliot Wilson Es war auch eine Überlegung, wie das Studentenleben heute ist, aber auch, wie es
»Da war das Gemeinschaftsthema mehr im Vordergrund, als bei anderen StudentenwohnheimProjekten.«
speziell hier an der Alanus Hochschule ist, da
Gespräch tritt? Martin Böttcher Die sozialen Begegnungsflächen gehen vom Städtebau bis in den Innenraum. Bei uns im Entwurf waren jetzt auch Balkone vorgesehen. Das ist dann so, dass immer zwei Zimmer sich einen Balkon teilen. Das geht also vom Städtebau über die Erschließung, über die Flure bis in den Innenraum rein. Wie und für wen war das Raumprogramm vorgesehen? Dominique Buchmaier Das Raumprogramm hat
die Alanus Hochschule so klein ist. Man kennt
weniger kostet, dadurch dass man im Voraus
drei 4er-WGs, sechs 2er-WGs, und 20 Einzel-
ja viele von der Studentenschaft. Da war das Ge-
mehr investiert.
zimmer vorgesehen. Jede Wohneinheit hatte
meinschaftsthema mehr im Vordergrund, als bei anderen Studentenwohnheim-Projekten.
In unserem Projekt (Martins, Raphaels und
einen Abstellraum. Es war vorgegeben, wie groß
meines) haben wir die Materialität des Cam-
ungefähr die WGs sein müssen und daraus hat
pus‘ aufgegriffen, auch weil die Bauweise der
sich alles zusammengesetzt.
Und speziell auf eure Projekte bezo-
Ateliergebäude kostengünstig und nachhaltig ist.
gen, gab es da verschiedene Schwer-
Wir haben auch Lehmwände eingesetzt, die als
mer, die Zimmer der Studenten sind 20 m² groß,
Dazu kamen noch sechs größere Einzelzim-
punkte?
Energiespeicher dienen usw., da muss man ein
die größeren Zimmer sind 30 m². Diese haben
Eliot Wilson Wir hatten das übergeordnete
bisschen umdenken. Besonders weil unser Anlie-
zwei Nutzungen. Einmal für die Professoren, die
Semesterthema „Low Tech – Low Budget“. Wir
gen das der Gemeinschaft ist, dass es wirklich ein
auch außerhalb der Hochschule berufstätig sind,
14
sie aber auch behindertengerecht ausgestattet sind, genau wie die komplette Erschließung.
von der kleinen Kiste auf ca. 1000–2000 m². Da war man erst mal von dem Raumprogramm total erschlagen, und fragte sich, was mache ich jetzt damit? Mir hat da noch die
Welche unterschiedlichen Lebens-
Vorstellung gefehlt, wie ich damit überhaupt umzugehen habe.
entwürfe spiegeln sich eurer Mei-
Eliot Wilson Der Maßstabssprung war wirklich enorm. Und auch
nung nach in den unterschiedlichen
die Auseinandersetzung mit dem Baugesetz, das hatten wir bisher in
Konzepten der Studenten wider?
unserem Studienverlauf noch nicht. Davor war das kein Thema mit
Martin Böttcher Es gab unterschiedliche Heran-
Geschosshöhen, Gesamtgebäudehöhen, wie viel Flächen darf man
gehensweisen. So wie ich es beobachtet habe war
bebauen, wie viel Fläche darf man versiegeln, wie viele Parkplätze
es bei Florian und Tibo vor allem eine ganzheit-
muss man haben, wo geht der Müll hin, das war auf jeden Fall viel
liche Geste, die sie gestaltet haben. Sie haben viel
größer und komplizierter, aber auch eigentlich ganz schön weil es
Wert auf die Außenform gelegt und es ist auch
viel realitätsnäher war, sich mit diesen Gesetzen auseinanderzuset-
ein sehr starkes Bild geworden, denke ich. Andere
zen. Das müssen wir ja auch im Alltag machen, im Beruf.
haben mehr Wert auf Individualität bzw. Diversität gelegt. Jan hat dieses Thema der Diversität so ausgelegt, dass er zwar jedes einzelne Zimmer gleich gestaltet, aber unterschiedlich geschachtelt hat und so teilweise Auskragungen gehabt hat und Terrassen. So hat er die Diversität der einzelnen Studenten ganz gut dargestellt, indem er jeden Studenten in eine andere Richtung schauen ließ, sein Zimmer sozusagen freistellt. Eliot Wilson Einige haben sich sehr stark auf das
» Doch Low Budget bedeutet, dass man die Kreativität steigern muss, um effektivere Lösungen zu finden.«
Thema Individualität konzentriert. Das hängt damit zusammen, dass die gesamte Menschheitsentwicklung sich immer mehr dahin entwickelt,
Was hättet ihr noch vertiefen können, wenn ihr
dass wir immer individueller werden. Das ist
mehr Zeit gehabt hättet?
besonders an einer Hochschule wie der Alanus
Eliot Wilson Auf jeden Fall die Auseinandersetzung mit der Idee
so, das ist echt ein bunter Haufen, das war, glaube
„Low Budget“, das haben wir noch nicht gemacht, vor allem als Ge-
ich, für viele hier ein starker Impuls. Andere
samtgruppe. Manche haben das für sich gemacht, aber damit hätten
haben mehr auf das Gemeinschaftliche geschaut,
wir viel kreativer umgehen können.
Hannah zum Beispiel mit ihrer Erschließungs-
Martin Böttcher Ich hätte noch gerne mehr an der äußeren
form, die mehr einen großen Raum geschaffen
Gestalt gearbeitet. Bei unserem Entwurf hätte ich das noch gerne
hat. Alle glaube ich, haben auch sehr viel Wert auf
weiter vertieft. Unser Konzept fand ich ziemlich gut, vor allem die
den Bezug zur Sonne gelegt, also Tageslicht im
Aufteilung und die Gliederung. Und so ein Entwurf ist dann am
Sinne von Nachhaltigkeit, aber auch im Sinne von
Ende des Semesters da wo er ist. Und das muss man dann auch mal
Raumqualität.
akzeptieren, das ist ein Arbeitsprozess. Wie viele Dinge passieren
Dominique Buchmaier Auch die Verbindung nach
noch, nachdem der Architekt seinen Entwurf eingereicht hat? So
draußen war wichtig, jeder hat auch was platzarti-
ähnlich muss man das vielleicht sehen.
ges gestaltet, was natürlich auch Qualität schafft.
Eliot Wilson Von unserem ganzen Jahrgang hat sich die Qualität
Es war wichtig, dass nicht jeder anonymisiert in
der Arbeiten enorm gesteigert, das fand ich echt schön.
seinem Räumchen wohnt, in irgendeinem großen
Martin Böttcher Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Erfahrung
Klotz sondern, dass man weiß, das ist mein Raum,
gesammelt habe, was die Teamarbeit angeht, als was das Entwerfen
da kann ich mich zurückziehen. Aber wenn ich
angeht. Man stößt da echt an seine Grenzen, man ist dann am Ende
dahin gehe, auf den Flur, auf den Laubengang,
ziemlich stolz darauf, dass man es dann doch gepackt hat. Ich war
unten auf den Platz, da treffe ich meine Freunde,
eher stolz darauf, dass wir es zusammen geschafft haben, nicht
da treffe ich die Anderen.
unbedingt darauf, dass das Gebäude so oder so aussieht.
Haben sich allgemein in diesem Semes-
Ihr seid also als Gruppe weitergekommen, aber
ter neue Gesichtspunkte ergeben?
auch vom Architektonischen von der Lehre her.
Dominique Buchmaier Der Sprung war auf jeden
Das war also ein groSSer Schritt für euch?
Fall riesig. Bei Herrn Nowak, da haben wir den
Martin Böttcher Ja, auf jeden Fall! Die Treppenstufen kamen nur
kleinen Café-Pavillon geplant. Jetzt kommen wir
manchmal schneller, als man laufen konnte …
■
15
Jan Henning Eggers
Hanna Kosche
Raphael Fuss, Martin Bรถttcher, Eliot L. Wilson
16
Dominique Buchmaier
Florian Komescher, Tibo Stephan Tabsoba
Ina Willemsen
17
interview: bilder der stadt Max Ulrich, Thomas Postma // BA 4.6 Stadtplanung // Prof. Benedikt Stahl // 6. Semester Was habt ihr im Rahmen des Moduls „Stadt-
Hat nicht auch jemand das Bonner
planung“ gemacht?
Loch unter Wasser gesetzt?
Max Ulrich Wir sollten uns zunächst einen Unort in der Nähe
Max Ulrich Ja, das war Thomas Schauff! Auf An-
aussuchen, ihn analysieren und eine Intervention oder architek-
regung von Benedikt Stahl, das Bonner Loch (Die
tonische Maßnahme darauf entwickeln, um diesen Unort wieder
Unterführung vor dem Bonner Hauptbahnhof,
lebenswert zu machen. Ich hatte mir zunächst ein großes brachlie-
die seit Jahrzehnten auf eine städtebauliche Neu-
gendes Gelände am Bonner Hauptbahnhof ausgesucht, im weiteren
ordnung wartet, Anmerk. d. Red.) doch „einfach
Verlauf der Analyse aber dann doch eine kleine Baulücke in der
mal mit Sinn zu füllen“, hat er es dann mit Wasser
Innenstadt gewählt, die mir als unfertig, nicht zu Ende gedacht und
gefüllt, sozusagen als Sinnbild der momentanen
gebaut vorkam.
(auswegslosen) Situation und zugleich als Beispiel
Thomas Postma Ich habe einen (Un-)Ort in Bonn-West gefun-
einer ganz anderen Idee.
den, das ein Potential birgt: Es handelt sich dabei um einen alten stillgelegten Bunker in einem Umfeld, wo das Thema günstiger
Und jetzt? Was hat Euch das jetzt
Wohnraum für Studenten und Künstler aktuell ist. Inspiriert von
gebracht im Zusammenhang mit dem
der Ausstellung über Container-Architektur im NRW-Kunstforum
bisherigen Studium?
in Düsseldorf ist ein Low-Budget-Entwurf enstanden mit einfachen
Max Ulrich Stadtplanung ist für mich durch die
Wohn-/Arbeitsmöglichkeiten und einem kleinen Aufführungsraum.
Beschäftigung im letzten Semester keine Frage des Maßstabes, also: Stadtplanung heißt, große
Wie seid Ihr grundsätzlich an das Thema Stadt
Dinge planen, sondern es kommt auf die Qualität
herangegangen?
des Eingriffes an. Dieser kann ganz klein sein und
Thomas Postma Wenn man sich mit Stadt beschäftigt, ist es logisch,
trotzdem im Stadtraum wirken.
dass man Städte besucht und vergleicht. Wir haben uns zu zweit
Thomas Postma Mir ist auch klargeworden, dass
oder zu dritt mit Referaten vorbereitet und waren gemeinsam
wir es im Städtebau mit ganz anderen Zeiträumen
unterwegs. Zunächst haben wir Köln und eine Ausstellung dort zur
zu tun haben.
Entwicklung der Städte am Rhein besucht. Anschließend haben wir in Düsseldorf die Rheinuferpromenade sowie eine Siedlung in
Was macht nun Eurem geschärften
Gerresheim angeschaut. Zum Vergleich waren wir dann auch in den
Blick nach eine Stadt interessant?
Niederlanden und haben Maastricht und Amsterdam besucht.
Max Ulrich Für mich auf jedem Fall die Fußläu-
Max Ulrich Dabei haben wir die Städte unter verschiedenen Ge-
figkeit! Das haben wir z.B. in Maastricht schön
sichtspunkten betrachtet, wie z.B. Stadtmöblierung, Nutzungsarten
erleben können, wo sie eine große Stadtautobahn
und –verteilung, die Dichte der Stadt, Materialien und Oberflächen.
unterirdisch verlegt haben, um größere Park-
Thomas Postma Gerade die Einschränkung des eigenen Blickes auf
flächen zu erhalten. Auch die Einrichtung einer
einen Aspekt brachte eine Vielzahl der Wahrnehmungen, als wir sie
„Welstandscomissie“ (Gestaltungsbeirat) finde
dann für die Abschlussausstellung zusammengefasst und dokumen-
ich interessant und hilfreich, um eine einheitliche
tiert haben.
Gestaltung zu bekommen.
Max Ulrich Meine Blickhöhe hat sich nach dem Modul geändert,
Thomas Postma Man kann das Interessante einer
da ich vorher nur auf Augenhöhe unterwegs war, jetzt auch die
Stadt erst durch den Vergleich feststellen. Dabei
Dachkonturen, den ganzen Stadtraum wahrnehme.
spielt der Maßstab eine große Rolle. Kann man eine große Hauptstadt wie Amsterdam mit einer
Was ist in den Projekten entstanden?
mittelgroßen Stadt wie Maastricht vergleichen?
Max Ulrich Das Projekt von Söhne Schröder untersucht die Po-
Da spielen die Geschichte, aber vor allem auch
tentiale eines sehr lange schon ungenutzten Grundstückes an der
die Geografie eine große Rolle. Es kommt auch
Viktoriabrücke in Bonn-West und schlägt dort eine multifunktio-
darauf an, wie man eine Stadt erlebt. Amsterdam
nale Hotel- und Arbeitsnutzung für die modernen Arbeitsnomaden
z.B. haben wir mit dem Fahrrad „erfahren“ und
vor. Anna Kaspercyk hat untersucht, wie ein Großteil der Erschlie-
gemerkt, wie die Stadt durch das Fahrradfahren
ßungsflächen in Bonn entsiegelt und als Parkflächen vielfältig
mitgeprägt wird.
nutzbar gemacht werden könnte.
Max Ulrich An Amsterdam gefiel mir, dass die
Thomas Postma Sebastian Heck hat in Wuppertal eine alte Gü-
Stadt sich teilweise selbst nicht so ernst nimmt.
terbahnanlage für Jugendliche nutzbar gemacht und Max Ruff die
Da sind wir durch Straßen gefahren, wo man sich
Resträume unter einer Brückenanlage in Stuttgart für Sport- und
wundert über die vielen Maseratis, Ferarris und
Kulturevents neu arrangiert.
Mercedes …
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Thomas Postma … ah-a, das habe ich gerade in Düsseldorf gemerkt!
Thomas Postma Das sind natürlich sehr große Eingriffe, die jede
Max Ulrich … Nein, das war speziell diese Straße, der man das
Menge Geld kosten und eine lange Zeit brauchen. Kleine Ände-
nicht angesehen hat, daß sie jede Menge „Nobel-Läden“ enthielt, alles war ganz dezent und nicht zur Schau gestellt. Die Straße funktioniert auch ohne diese Läden gut und sie zwingen sich nicht auf. Wie sieht die Zukunft der Stadt für Euch aus? Max Ulrich Bjarke Ingels von BIG hat letztens in einem Interview darauf hingewiesen, daß in Peking bisher 3 Mio. Menschen ein
»Das kann ganz klein sein und trotzdem im Stadtraum wirken.«
Fahrrad und damit alles fahrradläufig erreicht haben – das, was heute für uns ein Ideal ist – Umgekehrt haben wir jede Menge Autos, haben unsere Städte danach gebaut. Jetzt dreht sich alles
rungen sind auch wichtig. Als ich in der Nähe von Basel Praktikum
um: Die wollen alle Autos haben und wir Fahrräder! Das kann
gemacht habe, habe ich mich gefragt, inwiefern diese Stadt auch
sich in zehn Jahren wieder anders darstellen. Für meinen jetzigen
eine Widerspiegelung der in ihr wohnenden Kultur ist oder ob es da
persönlichen Anspruch würde ich sagen: Autos raus aus der Stadt,
noch weitere Möglichkeiten geben sollte, damit sich alle einbringen
unter die Erde legen und mehr Grün herein! Das wird ja auch schon
können, wie z.B. die Jugendlichen durch Street-Art oder derglei-
vielerorts gemacht, in Madrid und Barcelona.
chen.
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Pe r s p e k t i ve M a c k e Towe r vo n d e r Vi c to r i a b r ü c k e aus gesehen Söhnke Schröder
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interview: naturparkzentrum Siebengebirge FLorian Bruning, Julian fischer // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. Dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz Was war die Aufgabe letztes Semes-
Hat der Wettbewerb Eure Arbeitsweise beeinflusst?
ter?
Florian Bruning Wir haben uns ziemlich regelmäßig und zuverläs-
Julian Fischer Die Aufgabenstellung war, für das
sig donnerstags getroffen. Der Wettbewerb war für mich schon ein
Wildniszentrum bzw. den Verschönerungsverein
Extra-Anreiz, um für mich die Latte hoch zu legen. Im Rückblick
Siebengebirge, eine Art Ausstellungsgebäude
habe ich auch gemerkt, dass ich da innerlich einige Schritte wei-
zu entwickeln. Fakt war, dass der Verein einen
tergekommen bin, zum Beispiel dahingehend, dass ich mehrere
Ausstellungspavillon hat auf der Margaretenhöhe,
Ebenen gleichzeitig berücksichtigen und durcharbeiten kann.
das Grundstück gehört ihm aber nicht, deshalb haben die Mitglieder das Jägerhaus ins Visier genommen, dort sollte der neue Ausstellungsraum entstehen. Florian Bruning Das Jägerhaus hat eine viel exponiertere Lage und ist für die Ausstellungsgebäude ein viel besserer Ort. Das Jägerhaus sollte dann zum Bürogebäude und für Lagerräume umgenutzt
»Also ich habe gelernt, dass ich die Pläne so gestalten muss, dass ich durch sie eine Geschichte erzähle .«
werden. Im Moment wohnen da Menschen drin, die sollen sich jetzt ein anderes Heim suchen. Julian Fischer Sehr interessant war, dass der
Jetzt bei diesem Projekt konnte ich meinen Landschaftsplan
Verschönerungsverein der erste Naturschutzver-
gut durcharbeiten und auch den Grundriss und die Fassade. Ich
ein Deutschlands ist. In den 1870er Jahren hat er
habe bemerkt, dass jeder Betrachtungsteil öfter durch die Mangel
angefangen das Siebengebirge aufzukaufen, um
genommen werden muss, damit er in sich und auch mit dem Rest
die Zerstörung durch den Bergbau zu verhindern.
stimmig wird.
Mittlerweile besitzt er 500 ha Land. Neben verschiedenen anderen Aspekten der Geologie, der Geographie und der Pflanzen- und
Wollt ihr was zu euern eigenen Entwurfskonzepten sagen? Was war das Charakteristische eures
Tierwelt des Siebengebirges sollte das Haus dazu
Entwurfs?
dienen die Geschichte darzustellen.
Julian Fischer Mir war von Anfang an wichtig, dass ich mich
Florian Bruning Es gab schon ein Ausstellungs-
ganz genau an die Vorstellungen des Verschönerungsvereins halte,
konzept von einer Firma. Da war vorgesehen, dass
z.B. daran, dass die überbaute Fläche von ca. 200 m2 nicht größer
die Ausstellung auf zwei Ebenen stattfinden, aber
wird. Ich wollte den Standort der Garagen beibehalten. So habe ich
auch barrierefrei sein sollte.
fünf Finger geschaffen, die aus dem Wald kommen, die sich dem Besucher entgegenstrecken und den Blick auf das Tal richten. Dieses
Das Ganze war als Wettbewerb an-
Gebäude habe ich auf die Garagen platziert. Wesentlich für mich
gelegt. Von Anfang an oder erst ab
waren noch die Zusatzfunktionen Werkstatt und Schulungsräume,
einem bestimmten Punkt?
die ich als halbprivate Zone für die Mitarbeiter und Freiwilligen, die
Julian Fischer Von Anfang an für unseren
beim Verschönerungsverein arbeiten, angelegt habe.
Diplomstudiengang und dann gleichzeitig noch
Im oberen Bereich ist eine Art Amphitheater in den Hang eingear-
als Stegreifwettbewerb für die Uni Bochum mit 30
beitet, dort sollen Schulklassen und Besucher empfangen werden
Studenten.
und auch das Gebäude von dort aus begehen können.
Für uns war es jedenfalls der größere Wettbewerb bzgl. der Leistung, die zu erbringen war.
Das Ausstellungskonzept sollte relativ simpel sein. Im ersten Finger des Gebäudes hatte ich den Empfang, die Bibliothek und eine kleine Bewirtschaftung vorgesehen. Im zweiten Finger die Geologie
Hattet ihr zwischendurch Kontakt
und Geographie, im dritten Finger die Tiere und Pflanzen und im
zum Verschönerungsverein und ein
vierten sollte eine Art Attraktion stattfinden, ein Heißluftballon an
Feedback bekommen oder nur am An-
einem riesengroßen Relief inspiriert von den „Spiderkameras“ aus
fang und am Ende des Projektes?
großen Fussballstadien.
Julian Fischer Wir waren sehr gut betreut, durch
Die Zwischenräume zwischen den Fingern sollten großen
Marek Novak, Evelin Rottke und Ulrike Platz –
Exponaten vorbehalten sein, die man allseitig umgehen kann. Sehr
sechs Teilnehmer und drei Dozenten.
wichtig war mir, dass das Gebäude dem Jägerhaus keine Konkur-
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renz macht, sondern sich der gegebenen Situation
Julian Fischer Es war sehr interessant, dass sich
Florian Bruning Ich finde beide Ansätze gut,
unterordnet, deshalb sollte es nur wie Finger aus
alle Entwürfe grundlegend unterschieden haben.
aber ich fand es auch mal gut, den Punkt der Auf-
dem Wald ragen und durch die großen Glas-
Katrin hat eher eine elliptische Form gewählt,
gabenstellung nicht aufarbeiten zu müssen und
scheiben sollte auch der Fokus auf die Landschaft
Sonja eher eine quadratisch-geometrische Form,
dass ich mich daran entlangarbeiten konnte, um
gerichtet sein.
Sebastian auch eher eine elliptische, ähnlich wie
zum Entwurf zu kommen. Ich weiß nicht, ob es
Florian Bruning Mir war es auch wichtig, mich
Katrin, aber mit einer ganz anderen Materialkon-
sinnvoller wäre, das Eine oder das Andere früher
an die Größe und an die Vorgaben zuhalten. Ir-
zeption.
oder später im Studium zu haben. Für mich war
gendwann bin ich aber an einen Punkt in meinem
das jetzt gut so. Auch wenn ich anfangs nicht
Konzept gekommen, wo ich vor der Entscheidung
Wie habt ihr die Jurysitzung erlebt
wusste wie der Entwurf mal aussehen würde, hatte
stand, ob ich entweder größer werde oder das
und die Reaktion der Leute? ihr seid
ich doch ein Thema, mit dem ich arbeiten konnte.
Konzept noch mal ändere. Eigentlich war das bei
natürlich auch gut weggekommen,
Das konnte ich immer wieder ins Gespräch mit
mir auch eine Ausgangsidee, barrierefrei zu bauen
aber War das nachvollziehbar, habt
der Aufgabe bringen und danach prüfen.
und trotzdem nicht nur ein Geschoss zu haben.
ihr euch verstanden gefühlt an der
Julian Fischer Das was ich noch dabei gelernt
Ich habe mich gefragt, was es heißen würde, wenn
Stelle?
habe ist, dass ja doch der erste Gedanke immer
ich mit Rampen arbeite, nicht nur wegen der Bar-
Julian Fischer Was ich daraus gelernt hab ist, dass
der beste ist und dass es wichtig ist, dass man
rierefreiheit, sondern auch um zu sehen, was für
man seine Plakate viel plakativer gestalten muss.
den Gedanken weiter verfolgt und durch alle
eine Raumqualität ich damit schaffen kann. Dafür
Bei mir haben sie zum Beispiel nicht erkannt,
Widerstände verteidigt. Was ich bei meinen Kom-
habe ich auch viel im Modell gearbeitet.
dass da Fenster sind, obwohl das ja eigentlich das
militonen gesehen habe, was ich nicht so ganz
Wesentlichste meines Entwurfes war, der Ausblick
verstanden habe, die hatten gleich am Anfang
bung richte, dann sind 6% Steigung für Rampen
aus dem Gebäude. Das hat mich dann doch sehr
schöne Konzepte entwickelt, die sie dann aber
maximal vorgesehen, das würde heißen, wenn
erstaunt. Und selbst beim Modell, was ich relativ
über den Haufen geschmissen haben, weil die Kri-
ich eine Höhe von 3 m überwinden muss, dann
reduziert gehalten habe, kam es wohl auch nicht
tik manchmal von den Professoren nicht positiv
habe ich 50 m Rampe. Dann kommen alle sechs
raus, erst durch die Erläuterungen der Fachjury
ausfiel oder es ihnen selber nicht gefallen hat.
Meter Zwischenpodeste dazu mit 1,50 m Länge.
wurde es verständlich.
Florian Bruning Ich glaube, wir beide sind im
So erhalte ich ungefähr 70 m Rampen für 3 m
Florian Bruning Also ich habe gelernt, dass ich
letzten Semester unseren ersten Gedanken sehr
Höhenunterschied. Das habe ich auf die Grund-
die Pläne so gestalten muss, dass ich durch sie eine
treu geblieben und haben am Anfang einen klaren
fläche gelegt und das Resultat war, dass ich ⅔ der
Geschichte erzähle. Die muss ich aber auch so
Leitgedanken gehabt, den weiterverfolgt und
Grundfläche Rampe hatte und ⅓ der Grundfläche
abbilden, dass ich mich während der Präsentation
vertieft und ausgearbeitet.
Ausstellungsfläche waren. Da wurde mir klar,
daran orientieren kann. Dann brauche ich eigent-
dass die Ausstellungsfläche in die Rampenebene
lich auch nichts in der Hand. Dazu gab es noch
Man kann auch verschiedene Ent-
integriert werden musste. Es ergab sich dann ein
einen sehr klaren Rahmen, wie wir präsentierten
werfertypen unterscheiden. Es gibt
doppelter Rampenlauf von 2 mal 6 Metern mit
durften, also jeder hatte zehn Minuten. Für mich
andere, die das brauchen, die nicht
Zwischenpodesten und Zwischenplateaus, wo die
war das ziemlich schwierig, weil ich einen kom-
durch Tiefe zu Qualität zu kommen,
eigentlichen Ausstellungen stattfinden. Durch
plizierten Entwurf hatte. Diesen den Leuten dann
sondern durch Breite und Fülle.
dieses Konzept habe ich eine Landschaft im
in zehn Minuten so begreifbar zu machen, dass
Florian Bruning Aber eine gewisse Tiefe braucht
Innenraum geschaffen. Am Ende habe ich dann
sie da was mit anfangen können oder auch davon
man, glaube ich immer, oder?
vier Ausstellungsplateaus gehabt, denen die vier
begeistert werden, war nicht leicht.
Wenn ich mich nach der deutschen Gesetzge-
unterschiedlichen, von Julian schon erwähnten
Ja, schon. Aber es gibt Leute, die sich
Bereiche angeordnet sind.
erst einmal vergewissern müssen,
Und dann bin ich auf einer Höhe von 2,40 m angelangt und kann nach hinten auf die Wiese rausgehen, die dann durch den Wald umsäumt ist. Man kann aber auch eine Rampe weiter in die andere Richtung hochgehen zu einem Schulungsraum, der dann wieder im Eingangsbereich ist, sodass ich einmal durch das Gebäude gehen kann.
» Durch dieses Konzept habe ich eine Landschaft im Innenraum geschaffen.«
Ausstellungsstücke könnten frei auf den Aus-
bevor sie eine Entscheidung treffen, aus welcher Bandbreite sie entscheiden können, die Angst haben, wenn sie sich entscheiden, sich für das Falsche entschieden zu haben. Florian Bruning Jetzt im Hauptstudium habe ich versucht, bestimmte Fragen, an denen ich arbeiten wollte, einzubringen. Ich hatte einige davon am
stellungsplateaus stehen und das Prinzip könnte
Anfang des Semesters zu Leitgedanken gemacht.
dann draußen auch so weitergehen. Dort führt ein
Wie seid ihr damit zurechtgekom-
Am Ende ist etwas ganz anderes rausgekommen
Weg am Haus entlang und zurück an die Straße,
men, dass die Aufgabenstellung ziem-
in der Materialität oder in der Gestalt, aber der
wo ich dann unterschiedliche Zonen in meinem
lich klar vorgegeben war? Bei Eurem
Leitgedanke, mit Rampen und fertigen Fassaden-
Landschaftsentwurf einplanen wollte, sodass ein
Diplom ist es ja ganz anders, dort ist
elementen etwas zu machen, ist am Ende auch im
gestaffelter Übergang stattfindet zwischen Kultur,
es eure eigene Sache, erst mal eine
endgültigen Entwurf zu finden. Das finde ich das
was das Haus wäre und Natur, was der Waldsaum
Aufgabe zu formulieren.
Schöne am Diplomstudiengang, dass ich das noch
ist.
Julian Fischer Ich fand es sehr gut. Pläne waren
so machen kann. Die zwei Jahre nach dem Prak-
da und alles hat funktioniert. Im Großen und
tikum sind noch mal eine richtige Bereicherung.
Gab es dann noch andere, die noch
Ganzen stelle ich mir das so vor. Die Alanus sollte
Das sind noch zwei Jahre, die ich richtig auskosten
ein anderes, eigenständiges Konzept
sich daran ein Beispiel nehmen, an der Betreuung
konnte, im Bezug darauf, was es heißt zu studie-
entwickelt haben?
und der Ausformulierung …
ren und an einem Thema dran zubleiben.
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1. platz – ideenwettbewerb naturparkzentrum Siebengebirge Julian fischer // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. Dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz
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2. platz – ideenwettbewerb naturparkzentrum Siebengebirge florian bruning // groSSes projekt, hauptstudium, diplom // Prof. dr.-ing. Evelin Rottke, Prof. Marek Nowak, dipl.-ing. Ulrike Platz
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Bachelorarbeit: Paloma-Park Filip Voss // Bachelorarbeit // Prof. Nikolaus von Kaisenberg // 8. Semester
Mit dem letzten Semester hast du deine Bachelor-
dort eintraf, erwartete mich eine wunderschöne
Arbeit abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch!
Landschaft. Ich besichtigte das Grundstück und
Was für ein Projekt hast du bearbeitet?
versuchte zu ergründen, was diesen Ort besonders
Filip VoSS Vielen Dank. Ich habe mich in diesem Semester mit dem
macht. Der Standpunkt für das Projekt war ideal,
Paloma Park beschäftigt. Über Professor Nikolaus von Kaisen-
weil er nicht sehr touristisch ist, das Angebot an
berg bin ich auf die Stiftung und deren Paloma-Projekt gestoßen.
Aktivitäten aber trotzdem nicht fehlt.
Sie möchte ein Projekt verwirklichen, in welchem Jugendliche Friedenskommunikation lernen können, indem sie in Austausch
Wie hast Du Dein Konzept mit der Ar-
mit anderen Kulturen treten. Es soll den Jugendlichen ermöglichen,
chitektur zusammengeführt?
andere Lebenskulturen kennen zu lernen, Denkblockaden sowie
Filip VoSS Wichtig war zunächst, das Konzept
Konflikte verbal zu lösen. Das gewünschte Konzept beinhaltete viele
wirklich zu verstehen. Danach begann ich mit
verschiedene Angebote, wie Schwimmpark, Konzerte, Work-
einem Massenmodel, um ein erstes Raumpro-
shops aller Art, Theater, Kunst und Kino. Meine Aufgabe war es
gramm erschließen zu können, sowie ein Gefühl
zu Beginn, dieses Konzept in ein architektonisches Programm zu
zu erhalten, wie viel Raum für die verschiedenen
übersetzen und genau zu überlegen, welche Angebote wichtig und
Nutzungen gebraucht wird.
welche eher überflüssig sind. Als für mich klar war, dass ich dieses Projekt realisieren möchte,
Und wie alt sind die Jugendlichen?
musste ich als erste Aufgabe die Grundstücksanalyse durchführen.
Filip VoSS Das Konzept ist gedacht für Jugend-
Das bedeutete einen Ort zu finden, an dem dieses Projekt gebaut
liche im Alter von ungefähr 10–18 Jahren. Sie
werden könnte. Das Land sollte wirtschaftlich einigermaßen stabil,
sollen aus verschiedenen Teilen Europas oder von
sowie touristisch attraktiv und sicher sein. Auch eine wärmere Re-
noch weiter weg kommen.
gion war gewünscht. Mögliche Orte waren Saudi Arabien, Ägypten,
Ziel war es, Gruppen unterzubringen, die
Marokko, Portugal und schließlich auch Mallorca. Ich entschloss
normalerweise keinen Kontakt zueinander haben,
mich für letzteres.
wie zum Beispiel Jugendliche aus Israel und Palästina, die im Paloma Park dann den Menschen
Wo liegt das Grundstück genau?
ohne Vorurteile kennenlernen können. Das ist
Filip VoSS Das Grundstück befindet sich in der Nähe von Selva, im
zwar ein extremes Beispiel, aber in diese Richtung
Zentrum der Insel, direkt an der Gebirgskette Serra Tramuntana.
ist das Konzept gedacht. Ich finde das ein sehr
Ich bin für einen Tag dorthin geflogen, um mir die Gegebenhei-
erstrebenswertes Konzept, weil es interkulturelles
ten und das Grundstück anzuschauen. Als ich nach langer Suche
Verständnis schaffen kann.
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Wie hat sich das Konzept architekto-
Die Lehmwände dienen zusätzlich als Feuchtigkeitsregulator. Bei
nisch ausgewirkt?
hoher Feuchtigkeit nimmt die Wand diese auf und gibt sie bei tro-
Filip VoSS In der Phase des Städtebaus hieß es den
ckener Luft wieder ab. Die Heizung ist in die Wände integriert, sie
analytischen Bereich zu formen und ins Grund-
wärmt oder kühlt die Räume.
stück zu bringen. Ich habe das Grundstück in drei
Trotz der Auseinandersetzung mit den regionalen Materialien
Zonen eingeteilt. Die öffentliche Zone, in der es
möchte ich eine Architektur schaffen, die modern ist, damit die
Sportangebote, wie Fußball und Volleyball gibt.
Jugendlichen in eine neue und interessante Umgebung kommen.
Öffentlich, weil sie auch die Möglichkeit offen lassen soll, dass eine Verbindung zur Nachbarschaft
Das Projekt war ja das letzte in deinem Bachelor-
und vielleicht ein direkter Kontakt zur Umgebung
Studium. Gab es für dich neue architektonische
entstehen kann.
Gesichtspunkte?
Die zweiten Zone ist der „isolierte“ Bereich.
Filip VoSS Ich habe mich zum ersten Mal alleine mit dem Auf-
Hier können Workshops stattfinden, wie Musik,
traggeber beschäftigt. Wir mussten die unterschiedliche Bilder,
Theater, Bildhauerei etc. In der letzten und dritten
Vorstellungen und Fantasien auf einen gemeinsamen Nenner
Zone, die am weitesten von der Erschließung weg
bringen. Hier ist Kommunikation extrem wichtig. Ich denke, der
ist, ist das Refugium der Jugendlichen. Hier kön-
Job des Architekten ist es eigentlich, die Wünsche des Auftraggebers
nen sie schlafen und wohnen, sich zurückziehen,
so umzusetzen, dass dieser sich im Projekt wiederfindet und auch
aber gleichzeitig auch einen gemeinsamen Ort
selber Entscheidungen treffen kann. Der Auftraggeber soll sich mit
zum Austausch in ihrer Gruppe haben.
dem Projekt identifizieren.
Und wie wirkte sich die Umgebung
Wie war dieses Projekt in Arbeitsphasen aufgeteilt?
auf die Architektur aus?
Filip VoSS Es war so aufgebaut, dass wir zwei Zwischenprüfungen
Filip VoSS Mit der Umgebung und den Gege-
und eine Endprüfung mit Präsentation hatten. Man konnte sich
benheiten beschäftigte ich mich schon, als ich
ganz gut nach drei Blöcken richten. Als erstes war es der analytische
den Städtebau und den Genius Loci bearbeitete.
Teil, zu Grundstück, Umgebung und Bevölkerung.
Dadurch, dass das Grundstück keine wirkliche
In der zweiten Phase haben wir uns mit dem Städtebau ausein-
Randbebauung hatte, an der ich mich orientieren
andergesetzt, zusammen mit dem, was wir uns aus der vorherigen
konnte, habe ich die vor Ort stehende Kulturplan-
Phase erarbeitet hatten.
tage genommen. Mir gefiel das Bild der Kultur-
In der dritten Phase ging es dann schließlich um den Hochbau,
landschaft, dieses wollte ich als ein Kultivieren der
also darum, genau auf den Bau einzugehen und im Maßstab 1:50 zu
Jugendlichen mit aufnehmen.
planen.
Das Raster der Bäume auf dem Grundstück diente mir als Vorlage für den Städtebau. Um
Konntest du gut mit dieser Struktur arbeiten?
dem Ort aber noch näher zu sein, habe ich mich
Filip VoSS Ja, ich konnte damit sehr gut arbeiten, weil es bestimmte
mit den regionalen Materialien beschäftigt. So
Eckdaten gab, nach denen ich mich richten konnte. Die Zwi-
dient der Naturstein als Verbindung zu den nahe
schenpräsentationen halfen mir dadurch, dass ich immer wieder
gelegenen Dörfern, oder die rötlichen Lehmwände
Feedbacks erhielt auch von Gästen, Studenten und Professoren, die
als Anlehnung an die rote Erde in der Umgebung.
das Projekt zum ersten Mal gesehen hatten.
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Wie zeigt sich euch Bachelor-Pionieren rückblickend das Bachelor Studium? Filip VoSS Ich fühl mich erstmal wirklich wohl hier. Für mich ist das Studium ein Erfolg in dem Sinne, dass ich eine Entwicklung durchgemacht habe. Ich gehe nicht mit dem gleichen Stand heraus mit dem ich hinein gegangen bin. Was natürlich auch Sinn und Zweck des Studiums sein sollte. Ich war zu Beginn auch skeptisch, ob denn alles so funktioniert bei einem neu entwickelten Studiengang, bin aber sehr zufrieden mit meinem Werdegang und mit dem ganzen Studium hier an der Alanus Hochschule. Hat sich für dich ein Schwerpunkt entwickelt? Eine Richtung in die du als Architekt gehen möchtest? Gerade weil du nun den Master in Prozessarchitektur an unserer Hochschule machst. Filip VoSS Ich hab mich für den Master der Prozessarchitektur entschieden, weil ich wirklich Interesse an der Projektentwicklung habe. Die Qualität, dass man sich mit dem Stadtraum auseinan-
» Mögliche Orte waren Saudi Arabien, Ägypten, Marokko, Portugal und schlieSSlich auch Mallorca.« dersetzt, erschien mir hier sehr wichtig. Sich nicht nur auf die Architektur zu versteifen und nur auf sein Grundstück und seinen Bau zu schauen, das war auch das, was mich gereizt hat. Ich möchte ein Projekt wirklich entwickeln und nicht nur ein Produkt schaffen. Ich sehe eine große Chance im Beruf des Architekten im Bereich der Projektentwicklung, weil wir im Endeffekt die sind, die den Entwurf abliefern und versuchen alle Dinge, die zu einem Projekt gehören mit einzubeziehen. Gerade zu Beginn eines Projektes wird vieles entschieden, was später Folgen hat, deswegen ist es wichtig, auch bei diesen Phasen dabei zu sein. Es interessiert mich also, wie ein Projekt entsteht und das ist auch das, was ich im Master-Studiengang lernen möchte. Hast du Erfahrungen gemacht wie sich die AlanusArchitekturstudenten in der Praxis behaupten? Filip VoSS Gerade die Herangehensweise an Projekte, auch mit dem künstlerischen Querdenken, das Einbeziehen des Stadtraumes und damit im größeren Kontext zu denken, ist meines Erachtens eine hohe Qualität an dieser Hochschule. Diese lerne ich mittlerweile auch immer mehr zu schätzen, gerade wenn ich in ein neues Büro komme und mal andere Architekturstudenten mitbekomme. Vielleicht lernen wir eigenständiger zu arbeiten und zu erarbeiten und keine Angst vor neuen Aufgaben zu haben. Natürlich ist das, was wir hier lernen, alles richtig und wichtig, aber schlussendlich kommt es - denke ich - immer auf den eigenen Mut an, inwiefern man sich etwas zutraut. Ja, sagen und nicht versagen und auch scheitern können. Diese Einsicht hab ich mitbekommen. Auch einfach mal machen, sich zu trauen und dabei Vertrauen zu haben, dass schon etwas entstehen wird. Ich denke, dass die künstlerische Ausbildung einen die Architektur mit anderen Blicken sehen und verstehen lässt. Es ist wichtig in unserer heutigen Gesellschaft, gerade im schnellen Wandel der Zeit, dass man auf die aktuellen Gegebenheiten eingeht.
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Bachelorarbeit: Kunibertshรถfe Maren Brixius, Benjamin Maria Bauske // Bachelorarbeit // Prof. Swen Geiss, Prof. Benedikt Stahl // 8. Semester
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Kunibertshöfe - Möglichkeiten der Nachverdichtung zwischen Vergangenheit und Zukunft
E
inführung in die Thematik Das Themenfeld der Nachverdichtung ist im gegenwärtigen Ar-
chitekturdiskurs hochaktuell und in aller Munde. Nachverdichtung findet meist in dicht besiedelten Gebieten und boomenden Ballungsräumen statt. Während in wachsenden Städten jeder Flecken Bauland revitalisiert, saniert und umstrukturiert wird, entsteht in schrumpfenden Regionen und im ländlichen Raum immer mehr Leerstand. Der Rhein-Sieg-Kreis hingegen wird aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Wirtschafts- und Dienstleistungsstandort Bonn und zur Rheinmetropole Köln immer mehr zu einer stadträumlichen Zwischenlage mit Wachstumspotenzial. Das kleinteilige Dorf Alfter-Witterschlick steht exemplarisch für diese gegenwärtige Entwicklung. In der Nähe zum unmittelbar angrenzenden Bonn, wird Witterschlick in Zukunft ein interessanter und begehrter Standort mit großer Wohnqualität. Analyse & Konzepte Die Deutsche Steinzeug, ein Keramik und Fliesen produzierendes Unternehmen ist seit der Nachkriegszeit in Alfter-Witterschlick der größte Arbeitgeber. In unmittelbarer Nachbarschaft des Werksgeländes – in interessanter Lage, als Bindeglied zwischen Ort und Industrie – steht der Kunibertshof, ein Fachwerkhof aus dem 17. Jahrhundert. Der Zahn der Zeit und ein durch Blitzeinschlag verursachter Brand haben dem einst vierseitig umschlossenen Hof so stark zugesetzt, dass lediglich das unter Denkmalschutz stehende Haupthaus an der Duisdorfer Straße bis heute erhalten werden konnte. Der einstige Obst- und Blumengarten ist verwildert und zugewuchert, der Hof verlassen. Gleichwohl hat das gut 7500 m2 große Grundstück großes Entwicklungspotenzial – aber verschiedene Einflussfaktoren wie Lärmemissionen der Industrie, Denkmalpflege und Bürgerbegehren behinderten bisher die Entwicklung. Diese Herausforderungen waren zugleich Motivation und Schwierigkeit der selbstgewählten Thesis. Das viermonatige Projekt wurde als fortlaufender und ergebnisorientierter Prozess entwickelt. Die Ergebnisse der vierwöchigen Analyse vor Ort waren Ausgangspunkt für zwei unabhängige Entwicklungsszenarien, die es gegeneinander abzuwägen galt: 1) „Stadtrandleben 2.0“ fokussiert hauptsächlich eine zukunftsfähige Entwicklung einer Stadtrandlage, die ihre ortstypische Kleinteiligkeit und dörfliche Struktur als prägendes Element bewahren soll, aber sich dennoch modernen Tendenzen wie z.B. einem Ort für junge, flexible Start-up-Unternehmer nicht verschließen soll. 2) „These Antithese Synthese!“ behandelt das
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Thema der Vernetzung von Ort und Industrie. In diesem Konzept steht weniger eine dörfliche Durchmischung im Fokus der Betrachtung, hier würde die Steinzeug ein Forum schaffen, in dem der Austausch zwischen den Bürgern und den Gewerbetreibenden ermöglicht würde. Städtebau Für die daraus jeweils zu entwickelnde städtebauliche Figur wurden, basierend auf der Analyse, vielfältige Gestaltungsziele und Leitideen definiert, die die Grundlage für den Entwurf darstellen, wie z.B. eine attraktive Verbindung zwischen Industrie und Dorfkern, Immissionsschutz durch Anordnung der Gebäude, Schaffung von Plätzen und Grünflächen mit Aufenthaltsqualität für Erwachsene und Spielmöglichkeiten für Kinder, Gestaltung der Freiraumbeziehungen zwischen und innerhalb der Gebäudekomplexe, Zuordnung aller Bereiche für klare Zuständigkeiten, Unterbringung des ruhenden Verkehrs. Die Abwägung der beiden alternativen Szenarien untereinander lässt erkennen, dass Konzept 1 den höheren Mehrwert für Ort und Bewohner hat. Dies führt schließlich zu einem multistrukturellen Nutzungs- und Bebauungsvorschlag, der die Interessen aller Akteure berücksichtigt. Demnach wird der Deutschen Steinzeug im selben Maße wie allen anderen Raum zur Verfügung gestellt. Hochbau & Energiekonzept Der Entwurf orientiert sich an der Kleinteiligkeit und ortstypischen Materialität der Umgebung. Die zweigeschossigen, giebelständigen Satteldachgebäude schieben sich in unterschiedlichen Tiefen in den durch Plätze und Wege gestalteten Außenraum. Jeder Gebäudeabschnitt greift das Motiv des Hofes auf. Herzstück ist der revitalisierte Kunibertshof, der mit seinem Biergarten an den neuen Dorfplatz angrenzt. Ein nachhaltiges Energiekonzept macht die konfliktgeladene Schnittstelle zwischen Ort und Industrie zum Potenzial. Symbioseeffekte aus sinnvoller Abwärmenutzung, Brauchwasserverwertung und der Einsatz von regenerativen Energien zum Heizen und Kühlen lässt beide „Nachbarn“ voneinander profitieren. Das ganzheitlich gedachte Konzept greift die spezifischen Potenziale des Ortes auf, wägt unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten ab und entwickelt zukunftsfähige räumliche Perspektiven. Damit schlägt es eine Brücke zwischen Ort und Industrie – zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Arbeit wurde im November mit dem BDA Masters 2011 ausgezeichnet.
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drumherum FrĂźhjahrssemester 2011
Musik- und Kompositionslehre – „Architektur ist gefrorene Musik“ Text: Florian Komescher, partitur: benjamin m. bauske // BA 1.8 Musik- und Kompositionslehre // David Graham // Jahrgangsübergreifend
Als Architekturstudent ein komplettes Musikstück komponieren!
U
nter Leitung des Komponisten David Graham erprobten sich acht Studenten verschiedener
Jahrgänge darin, kleine Kompositionen zu schreiben. Nach einer Einführung in den Umgang mit und die Analyse von moderner Musik und nach einigen experimentellen Versuchen ließen sich im Selbstversuch und gemeinsam mit Anderen schnell Erfahrungen sammeln, was es braucht, um eine Partitur anzufertigen. Ziel der Veranstaltung war es, die kleinen Werke in einem Konzert im Glashaus des Johannishofs in Alfter aufführen zu lassen gespielt von Herrn Graham und zwei anderen professionellen Musikern (Rebekka Ankenbrand an der Klarinette und Bernhard Zapp am Violoncello). Dafür demonstrierten die Musiker ihre Instrumente und gaben einen Einblick in das Repertoire an Spielweisen, sodass eine gute Umsetzung der Intentionen möglich war. Genau wie in der Architektur dreht es sich also anfangs um eine Idee, die Wirklichkeit werden soll. Lediglich die Medien und das Handwerkszeug unterscheiden sich: Der Architekt ist der Komponist, der unter Rücksprache mit den Handwerkern oder Musikern sein Werk vollbringt und versucht, es so verständlich und harmonisch wie möglich auszuführen!
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Feldenkrais – Körper, Bewegung und raum Text: Claudius Bäuml // BA 1.2 Feldenkrais // Andrea KlaSSen // Jahrgangsübergreifend Feldenkrais ist ein sehr sprechender Name und
der Universität in Tel Aviv, durch Vorträge in
vielleicht hat er mit dem, was sich hinter diesem
Europa und den USA und durch viele Kurse und
Namen verbirgt, einiges zu tun. Und da Felden-
Seminare.
krais-Übungen im Rahmen unseres Architekturstu-
Die zuletzt beschriebene Arbeit scheint im
diums veranstaltet werden, darf man annehmen,
letzten großen Abschnitt seiner Biographie
dass sich auch hier Zusammenhänge auftun.
aufzublühen und alleiniger Lebensinhalt zu
Es soll im Weiteren ein kleiner Überblick gegeben
werden. Davor zeigen sich zwei Stränge in seinem
werden, aus meiner Sicht als Feldenkrais-Neuein-
Leben, einer der eher äußeren Professionen und
steiger, über Moshé Feldenkrais als Person, über
Berufe und ein zweiter mehr innerer, der immer
seine Methode, über begleitende Texte über Raum-
wieder aufleuchtet und mehr und mehr zum
theorie und eigene Erfahrungen.
Lebensinhalt wird. Da ist zum Beispiel die schon
M
früh ausgeübte Tätigkeit als Lehrer „schwieriger“
oshé Feldenkrais Das Lesen der Biographie Moshé Feldenkrais’
Kinder, die seine pädagogischen Ambitionen
führt dem Leser ein Panorama mannigfaltiger Tätigkeiten,
ausdrückt. Dazu kommt die Arbeit am eigenen
Studien, Veröffentlichungen, Bemühungen, wichtiger Ämter – ein
Körper, namentlich in der Jiu-Jitsu-Ausbildung.
reiches Leben vor Augen.
Das Studieren der Mechanik erweckt in ihm das
Mit 14 Jahren wandert er, in der Ukraine geboren, nach Paläs-
Interesse für die Mechanik des menschlichen
tina aus. Er beschreitet einen Lebensweg, der ein wenig nach „vom
Körpers, was sehr stark in seiner Methode zum
Tellerwäscher zum Millionär“ klingt. In Palästina arbeitet er zu-
Ausdruck kommt. Auch sein Weg zum schwarzen
nächst im Straßenbau und wird schließlich Landvermesser. Er holt
Gürtel in Judo bringt ihn in dieser Hinsicht weiter.
das Abitur nach und geht nach Paris, um sich dort zum Ingenieur
Mit den Vorlesungen vor einem kleinen Wissen-
auszubilden. Darauf folgt ein Physikstudium. Während des 2. Welt-
schaftlerkreis in Schottland beschreitet er einen
kriegs hält er Vorträge vor einigen Wissenschaftlern in Schottland.
akademischen Weg, seine Methode durch Theorie
Nach seiner Umsiedlung 1949 nach Israel arbeitet er für drei Jahre
zu stützen und wagt sich zu Themen vor, die unter
im Verteidigungsministerium. Danach widmet er sich ganz der
anderem das Menschsein und die Entwicklung
Verbreitung und Lehre seiner Methode. Das tut er als Dozent an
des Menschen in den Blick nehmen. So erscheint
40
zum Beispiel ein Buch von ihm, das den Namen trägt „Der Weg
wahrzunehmen, kann nur übend erlernt und
zum reifen Selbst, eine Studie zu Angst, Sex, Schwerkraft und dem
langsam verfeinert werden und auch insofern ist
Prozess des Lernens“.
die Feldenkrais-Methode ein Lernweg.
Die Feldenkrais-Methode „Feldenkrais ist eine Lernmethode“, sagte
Eigene Erfahrungen In sehr unspektakulärer Weise
Feldenkrais selbst einmal ganz schlicht. Es stellt sich die Frage,
erlebte ich die Feldenkrais-Arbeit. Einen Großteil
was mit „Lernen“ gemeint ist. Es wird über den Körper gearbeitet,
der Zeit lagen wir auf dem Boden und führten
indem verschiedene gewohnte, aber auch sehr viele unorthodoxe
zum Teil gewöhnliche, zum Teil ungewohnte Be-
Bewegungsabläufe ausgeführt werden. Dies geschieht durch verbale
wegungen aus. Ich benötigte einige Zeit, um mich
Anleitung.
in diese Art des Lernens einzufinden. Schleichend
Wichtig dabei ist es, immer und immer wieder die Wahrneh-
stellten sich dann jedoch einige Feststellungen,
mungen zu schärfen für den eigenen Körper, seine Lage im Raum,
Fragen, Erkenntnisse ein, von denen einige hier
seine Proportionen, seine lokalen Verhältnisse innerhalb seiner
festgehalten seien.
selbst und seine Auf-Lagen. Die Wahrnehmung bleibt aber nicht
Ich schlafe ein. Das mag die horizontale Lage
auf den physischen Körper beschränkt (wobei hier „beschränkt“
mit sich bringen, aber dennoch ist mir das in weit
das falsche Wort ist, eine schier unerfassbare Wahrnehmungswelt
langweiligeren Seminaren weit weniger gelungen.
liegt in unserem Körper), sondern geht weiter und nimmt zunächst
Die Arbeit am eigenen Körper verschaffte mir
den durch den Körper „überbrückten“ oder vom Körper gebildeten
offensichtlich so viel Freiraum von allem Alltag,
(Hohl-) Räume in den Blick, um sich schließlich auf Bewegung und
dass ich „loslassen“ konnte. Ich merkte nie
die Richtung derselben zu fokussieren.
einen Unterschied zwischen rechter und linker Körperhälfte, wohl zwischen der Qualität „links“
Feldenkrais und Architektur Körper- und Raumwahrnehmung sind
und „rechts“, aber die zugehörigen Körperhälften
wohl die wichtigsten Säulen der Feldenkrais-Methode. Und eigent-
waren gleich. Die Bewegungsabläufe ließen sich
lich sind genau diese Qualitäten nötig, um architektonisch tätig sein
von beiden Seiten gleich gut ausführen. Ich fühlte
zu können. Konrad Wiesendanger, ein Feldenkraislehrer, fasst die
mich insgesamt in meinem Bewegungsapparat
darin liegende Problematik so in Worte: „Allerdings, und das ist
wenig eingeschränkt. Das bezieht sich natürlich
meine Überzeugung, tun wir uns in der Diskussion der Qualität von
auf meine subjektive Wahrnehmung, vielleicht
Raum so schwer, weil wir nicht über eine ausgebildete Körper- und
war der äußere Anblick ein anderer …?
Raumwahrnehmung verfügen. In diesem Sinne kann die Felden-
Die Fragen und Erkenntnisse bezüglich Felden-
krais, die die Selbstwahrnehmung thematisiert, einen positiven
krais gingen immer eng verknüpft nebeneinander
Einfluss auf die Gestaltung unserer Umwelt ausüben.“
her. Einiges geht vielleicht schon aus meiner
Alles, was architektonisch sinnvoll und angemessen konzipiert ist, orientiert sich am menschlichen Maß. Oder, falls nicht, dann
vorangegangenen Darstellung hervor. Es war für mich spannend, Aspekte von Schu-
ganz bewusst. Insofern ist die Körperwahrnehmung, im doppelten
lungsweg, von Therapie, von Entwicklung und
Sinne, von großer Bedeutung.
von „Arbeit an sich selbst“ zu entdecken. Dabei
Die Raumwahrnehmung nun nimmt Bezug auf unseren Körper.
fragte ich mich, was unter „Körper“ verstanden
Aber wie? Raum scheint zunächst außerhalb von uns zu sein.
werden kann, und welche Möglichkeiten es gibt,
Alle Elemente, die den Raum prägen, die ihn bewegen, erstarren,
über ihn auf das Innere des Menschen zu wirken.
beschwingen, durchdringen, durchlüften, befinden sich außer uns
Die seelische Befindlichkeit des Menschen
und sind meist architektonischer Natur. Beginne ich nun, eben
drückt sich, zumindest nach einiger Zeit, im
angeführten Raum zu betrachten, wahrzunehmen, beginne ich, im
Körperlichen aus, man denke an vom Leben
Geiste das nachzutun, was der Raum mir zeigt. Dieses Nachahmen
gezeichnete Menschen. Durch Feldenkrais kann
der Gesten, Formen, Gebärden und Motive der Raumerscheinun-
also, zunächst auf ganz körperlicher Ebene, alles
gen schlägt sich oft bis ins Körperliche nieder. Dabei befinden sich
was Blockade, Verspannung, Verkrampfung,
die Vorgänge der Wahrnehmung und Wahrnehmungsauslösung
(Bewegungs-)Muster ist, nach und nach erkannt
in ständigem Wechselspiel und erzeugen in dauernder Wechsel-
und günstigstenfalls aufgelöst werden. Durch das
wirkung das Wesen eines Ortes im Menschen. Einem Außenraum
Erüben neuartiger, unkonventioneller Bewe-
gehört also immer auch ein Innenraum im Menschen an, der auf
gungsabläufe, kann sich diese neue Sicht der Din-
einen Ort räsonieren kann. Was das konkret in einem städtebau-
ge auf die seelisch-geistige Ebene übertragen. Den
lichen Kontext bedeutet, formuliert Bernhard Hoesli 1989 so:
Gedanken, dass sich das Geistige in das Physische
„Architektonisch-städtebauliche Urbanität entsteht dank der gestal-
im Menschen einprägt, führt zum Beispiel Rudolf
teten Beziehungen zwischen Baukörpern und Raumkörpern. Man
Steiner aus, er spricht sogar davon, dass dieser
muss sich das Städtische räumlich als ein Kontinuum vorstellen,
Vorgang sich immer weiter fortsetzt.
in welchem Baumassen und der Raum zwischen den Baumassen
Wenn Feldenkrais sagt, es handle sich bei
komplementäre Erscheinungsformen sind. Masse und Hohlraum
seiner Methode um Lernen, dann steht dieses
bedingen sich gegenseitig, sie ergänzen sich zum Ganzen; sie sind
Lernen nach meinen Erfahrungen mit Feldenkrais
gleichwertig und ebenbürtig. Sie kommunizieren.“
in einem sehr umfassenden, die Entwicklung des
Das Urteil darüber, dass Baumassen kommunizieren, schöpft der Mensch aus oben genanntem Innenraum, der das Wesentliche des Kommunizierens erkannt hat. Die Fähigkeit, Raum und Körper
Menschen in den Blick nehmenden Kontext. In diesem Sinne möchte ich Feldenkrais auf jeden Fall im Hinterkopf behalten …
■
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Eurythmie – was ist das? Text: Raphael Fuss // BA 1.4 Eurythmie // prof. Melaine MacDonald // Jahrgangsübergreifend Das ist doch die Bühnenkunst, bei der fast nur
eine Übung
Frauen in wallenden Kleidern über die Bühne
▶ Herumgehen im Raum mit Fokus auf den Füßen und die Art
huschen und dabei tolle Bewegungen vollfüh-
wie man abrollt, auftritt , gibt es Unterschiede zwischen den
ren. Dazu wird meist ein Text gesprochen oder ein
Füßen? Abrollen von der Ferse zu Zehenspitze.
Musikstück gespielt.
▶ Beschleunigtes Gehen mit Fokus auf die Füße sowie den Bewegungsablauf der Arme, das beim Gehen von selbst entsteht. Das
S
o in etwa ist mir Eurythmie immer begegnet. Es war mir dabei
Zusammenspiel wahrnehmen.
klar, dass dabei etwas Wesentliches kommuniziert wird. Nur
▶ Steigern der Geschwindigkeit bis hin zum Rennen. Hierbei
was? Bewegung und Sprache sind in einem ständigen Zusammen-
ebenfalls die Bewegungsabläufe wahrnehmen, Druckverlauf in den Beinen, Spannung im Körper. Abrollen von der Zehenspitze
spiel. Die Aussage des Gesagten findet sich in der Geste wieder.
zur Ferse zur Zehenspitze.
Die Geste, die ein Wort begleitet, bestimmt im Wesentlichen seine
▶ In der Gruppe spontan vom Gehen ins Rennen übergehen. Der
Aussage, es heißt nicht um sonst Körpersprache.
Moment des Geschwindigkeitswechsels gleicht einer Spontanzün-
Es gab zu Beginn des 20Jh. Mehrere Bewegungsformen mit
dung.
Namen Eurythmie, mindestens drei. Die von Rudolf Steiner
▶ Nebeneinander her gehen. Wie beeinflusst man sich gegenseitig
ausgehende Bewegungsform der Eurythmie hat ihren beginn ca.
z.B. im Schritttakt etc.?
1911. Es ist der Versuch, aus der Bewegung heraus zur Heilung und
▶ Verlangsamen des Tempos bis hin zum sehr gemächlichen
zum Ausdruck zu gelangen. Früher war die Eurythmie als Tanz
Spazieren und verschiedene Gehweisen durchspüren.
und Bewegungsform für sich stehend. In der heutigen Zeit ist die
▶ Stehen.
Eurythmie individueller geworden und steht je nach Interpret in einem anderen Zusammenhang, wie z.B. Kultur, Tanzform... Es ist also die Frage wo beginnt Eurythmie und wo beginnt die „normale“
Meine Beobachtungen
Bewegung. Die Tanzform der Eurythmie hat gewissermaßen das
▶ Verschiedenes Wahrnehmen der Füße.
Gefühl als Verständnisgrundlage.
▶ Auftritt auf Ferse ist unangenehm, Impuls geht durch den
Um dieses Gefühl zu entwickeln zu können braucht es eine
ganzen Körper.
gezielte Beschäftigung mit unserer Körperbewegung und den damit
▶ So gemächlich zu spazieren kommt fast nie vor evtl. beim
einhergehenden Gefühlen. Um eine Sprache zu verstehen müssen
Telefonieren, beim Warten auf die Bahn.
wir uns mit der Sprache beschäftigen, sie durch sprechen und
▶ Die anderen sind am Bewegungsfluss maßgeblich beteiligt.
spielen durchdringen. Wie fühlt es sich an wenn eine Bewegung bis in die Fingerspitzen erspürt wird? Die Gesten werden bewusst und dadurch auch bei dem Gegenüber erkennbar und lesbar. Es ist z.B.
Diese Übungen sind meiner Meinung nach vergleichbar mit dem
möglich, sich durch zuschauen in die Bewegungen und dadurch in
Brabbeln beim Sprechen lernen. Die Beschäftigung mit Eurythmie
die Wahrnehmung des anderen zu versetzen. Je besser wir unsere
ist in Hinblick auf die Architektur wertvoll, weil es mir die Mög-
Bewegungen durchdringen desto klarer können wir den gegenüber
lichkeit gibt z.B. die Bezüge in einem Raum klarer zu erfassen
verstehen, auch ohne Worte. Unser Einstieg in die Eurythmie war
und durch das klarere Erspüren der Zusammenhänge mit dem
experimentell, wir wurden nicht geschult, sondern studierten selbst.
Entwurf der Bestandssituation etwas Sinnvolles hinzuzufügen.
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Schauspiel – Wer ist schuld? Text: Annett Hillebrand // BA 1.6 Schauspiel // Bernd DreSSen // Jahrgangsübergreifend Schuld war eigentlich Wolfgang M.!
Und langsam wurde aus dem anfangs bruchstückhaft gebrabbelten, von stereotypen Bewegungen der Arme und starrem Blick begleiteten, in weiten Teilen
A
ls er in seinem Vortrag, in der ihm eigenen, sehr überzeugenden
sehr lückenhaft hervorgebrachten Text, ein zusammenhängendes, lebendiges und
Art und Weise zum Ausdruck brachte, dass Architekten „mehr
emotionsgeladenes Theaterstück, in dem die Stühle flogen, sich die einst introvertierte
als nur planen sollten, dass sie sich selbstverstääändlich auch dem
Studentin durch den südländischen Charme des Salvatore Dali von einer ganz neuen
Schönen zuwenden sollten, der Kunst, der Musik, dem Schauspiel…
Seite zeigte und sich die niederländische Starrheit auf zauberhafte Art und Weise löste.
nich wah, sie verstehen was ich meine …“ hatte ich eigentlich keine
Wir alle haben die Aufführung überlebt, das Publikum übrigens auch. Bei Un-
andere Wahl mehr und ließ mich auf das Experiment Schauspiel
mutsbekundungen von dessen Seite hätten wir unser Selbstbewusstsein sowieso mit
ein. Immerhin hatte ich ja schon mit Ulrike P. während eines Schau-
Fritz Kortners Spruch „Die Premiere litt unter Fehlbesetzungen im Zuschauerraum.“
spiel-Workshops innerhalb des Hochschulgesprächs am eigenen
wieder in angemessene Höhen getrieben.
Leib erfahren dürfen, was es heißt, ungehemmt, mit voller Hingabe
Apropos Bewusstsein: Wenn man erst mal die Hemmungen und die Zurückhal-
und unter Aufgabe der eigenen Identität (ich glaub ich war ’ne
tung abgelegt hat, ist Schauspiel eine wunderbare Möglichkeit der Bewusstseinserwei-
Schildkröte, oder doch der Hund? Nee, irgend ’n Fabelwesen) durch
terung.
den Mozartsaal zu kriechen. (Ben B. sei an dieser Stelle gesagt, dass
Da capo! Bernd und danke Wolfgang M. Ich würd’s immer wieder machen!
■
diese Erfahrung fast so schön ist wie dat härrrliche Lebensjeföhl in unser beider Lieblingsstadt). Derart positiv vorbelastet begann dann im FS 11 mit zehn weiteren Architekturstudenten die wunderbare Reise in die unbekannten Tiefen der eigenen Ausdruckskraft. Wir modellierten, wir flogen, flossen und strahlten. Innerlich kreischten, fluchten, schmunzelten wir, während wir als Speere durch Semi 9 schossen, uns wie ein U-Boot durch die Gewässer schoben, als zwitschernde Vöglein die Grenzen der eigenen Beweglichkeit erfuhren. Irgendwann war uns nichts mehr peinlich, die Hemmungen fielen ab und machten einer befreienden Ausgelassenheit Platz … Dann kam der Text: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden (H. v. Kleist) Eine gewisse Affinität zur Komplexität der deutschen Sprache und der Ausdrucksweise des Herrn von Kleist, sollte man schon mitbringen, wollte man das Modul erfolgreich abschließen und vor allem die angekündigte Aufführung am Ende des Semesters überleben. Die tief in sich verschachtelten, sich dem direkten Verständnis eines normal begabten Studenten verschließenden, unendlich lang erscheinenden Sätze in diesem 200 Jahre alten Kleist-Brief an Rühle von Lilienstern forderten schon eine gewisse Geduld, vor allem die des Dozenten Bernd Dreßen, bei dem Versuch uns den Text nahe zu bringen. Als kluger Schachzug erwies sich da seine Vorgabe, dass wir uns in die Rolle mehr oder weniger bekannter Personen aus der Öffentlichkeit hineindenken sollten, um deren Ausdrucksweisen, ihre Art sich zu bewegen und zu reden zu übernehmen. Und so rezitierten plötzlich Angela Merkel, Stefan Raab, Gülcan … wer?, Alfred Biolek, Salvador Dalí, Günter Netzer den alten Kleist!
dass Architekten … „ mehr als nur planen sollten, dass sie sich selbstverstääändlich auch dem Schönen zuwenden sollten, der Kunst, der Musik, dem Schauspiel...nich wah, sie verstehen was ich meine …“
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See! colour! architektur und farbe Text: hanna kosche // Exkursion zur Farb-Tagung nach Järna (SE) // Prof. Pieter v.d. Ree, IONA-Stiftungsprofessur für Organische Architektur // Jahrgangsübergreifend Es geht darum Räume mit Farbe zu veredeln. Farbakzente setzen in neutralem (grauem) Wenn die Farbe selbsterklärend ist, haben wir die
Hintergrund.
Dinge richtig gemacht. So wenig Farbe wie notwendig und die einfachste Wenn man eine konkrete Farbgestaltungsaufgabe
Art ihrer Anwendung.
hat, soll man sich in den Raum hinein fühlen, welchen Freund man hier hinein holt und welchen
Wir können unterschiedliche Farben wählen,
besser nicht. Wichtig für Farbgestalter ist ein
aber die Farben sind bestimmte Wesen und haben
präzises Gefühl wie viel Ausdehnung und wie viel
bestimmte Eigenschaften.
Zusammenziehen ein Raum braucht. Durch diese objektive Beziehung haben wir Wenn man die Farbe verändert, verändert man
die Möglichkeit, etwas für die Gemeinschaft zu
das Formgefühl.
erschaffen.
Für verschiedene Menschen braucht es unter-
Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen mit
schiedliche Wege und unterschiedliche Farben.
allen Farben, eine persönliche Freundschaft zu
Wenn ich purpurrot angezogen bin und da ist
entwickeln, jedoch keine Lieblingsfarbe zu haben.
eine blaue Wand, entsteht ein Klang. Wenn ich es verstehe, kann ich mit der Wirkung umgehen.
Um die Form zu verstehen brauchen wir die Farbe.
Man solle die Farbe fragen: „Meine Liebe, könntest du dir vorstellen dich an dieser Wand wohl
Das Haus in einer Farbe zu streichen schafft,
zu fühlen?“
Probleme. Erholsam sind viele Farbtöne mit unterschiedlicher Lichtfrequenz. Monoton
Eine Farbe tut mir nichts, der Übergang von Farbe
langweilige Raumgestaltung erzeugt Müdigkeit,
zu Farbe ist das, was wirkt.
Desinteresse und bei Veranlagung Antriebslosigkeit und Depression.
Der Beginn einer objektiven Beziehung ist möglich, indem wir die Farben immer wieder neu
Architektur ist eigentlich nur Farbe.
erleben, sie teilen uns dann mit, was sie sind. Wir sehen erst die Farbe und dann die Form. Wenn der Mensch die Farbe braucht, nimmt er das an, wenn er sie nicht braucht, lässt er sie
Architektur kann durch Farbe komplett verändert
stehen.
werden.
Farbe kann sich auf verschiedene Weise manifes-
Versuche den Farbton zu treffen, der zur Aufgabe
tieren. Es müssen nicht immer die Wände sein,
passt.
der ganze Raum soll mit einbezogen werden. Farben haben eine ordnende Funktion und dienen
Nicht die Wand als Leinwand sehen, sondern
der Orientierung.
die Übertragung einer Bildkomposition auf den ganzen Raum ist die Kunst der Farbgestaltung.
Nicht alle Räume vertragen alle Farben.
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Exkursion New York city Text: Prof. Benedikt Stahl // Exkursion // Jahrgangsübergreifend Wolkenkratzer, belebte StraSSen und der weitläufige Central Park - Mitte September besuchten Architekturstudenten der Alanus Hochschule gemeinsam mit ihren Dozenten New York.
B
enedikt Stahl, Leiter des Fachbereichs Architektur erzählt an dieser Stelle von seinen
Eindrücken: „Mensch, erzähl mal, war´s denn schön in New York?“ Zurück auf dem bunten Flur am Campus II und doch noch mit einem Ohr oder sagen wir mal mit einer Hälfte immer noch irgendwie in dieser wahnsinnigen Stadt. Ob es schön war kann ich nicht sagen. Wohl, dass es intensiv war, superhoch, total sicher, voll warm, echt cool und unheimlich laut. Die Geschichte der Stadt kennenlernen, den Ground Zero besuchen, die
Stadtsilhouette von Staten Island aus skizzieren. Kollegen an der Cooper Union begegnen, Ellie´s Cheese-Cake essen, den Jazz hören. Richard Meyer besuchen, den Sound der Stadt aufspüren, durch den Central Park biken, die High-Line erkunden. Filmschauplätze bestaunen, bei Katz Deli Pastramibrote frühstücken, über die Brooklyn Bridge laufen, auf Coney Island den Rand der Stadt suchen. Dann natürlich noch MOMA, Guggenheim, MET, Empire State, Rockefeller, Chrysler, 5th Avenue, Greenwich Village, Soho,
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Chelsea, Brooklyn, Queens, Burger King, Coca Cola, Shoppen, Shoppen, Shoppen, Subway, Air Train, Hudson, Eliot´s Birthplace und natürlich jede Menge Fotos. Wer Lust hat auf mehr davon, kann uns gerne im Fachbereich besuchen, die „sky-scraper-Bilderwand“ ansehen und die Mitreisenden auch heute noch von dieser unvergesslichen Reise in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten schwärmen hören.
■
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PROJEKTE Herbstsemester 2011
Mittwochsforum der stoff aus dem die häuser sind Text: Söhnke Schröder // ringvorlesung // Prof. Nikolaus v. Kaisenberg + Gäste Im letztjährigen Herbstsemester wurde im Rah-
entsprechende Baustoff für dieses Motiv könnte
men des Lehrgebiets für Architektur und Gesell-
Glas sein. Aus dessen Logik entsteht dann wieder-
schaft das Mittwochsforum unter das Thema
um die Gebäudegestalt.
Materialität gestellt. Hierzu wurden wieder Gäste aus verschiedensten Lebensbereichen eingeladen, um den Studenten einen möglichst breiten Zugang zum Thema zu ermöglichen.
Eine andere Möglichkeit ist es, die Materialität dem Bauort zu entnehmen, z.B. Backstein in Norddeutschland oder Schiefer im Harz etc. Auch aus der Konzeptidee lassen sich nach Aldingers Worten Rückschlüsse auf die Materialität ziehen. So kann man beispielsweise bei
D
r. Sascha Peters erläuterte den Studenten in seinem Vortrag „Na-
einem Hospiz versuchen, mit der entsprechenden
turnahe Materialinnovationen“ die Ressourcenknappheit der
Materialität, einen Krankenhauseindruck zu
heutigen Zeit und äußerte die Auffassung, dass es neuer Werkstoffprinzipien bedürfe, um dieser Herausforderung zu begegnen.
vermeiden. Für Prof. Peter Hübner ist die Einbeziehung
Während seines Vortrags präsentierte er außerdem einige
des Nutzers in den Entwurf von entscheiden-
Muster dieser neuen Werkstoffe, die unsere Zukunft maßgeblich
der Bedeutung. Er machte in seinem Vortrag
gestalten werden.
„Hand und Auge“ darüber hinaus deutlich, wie
Prof. Jörg Aldinger führte uns in das Material unter dem Blick-
er auch immer wieder durch Improvisation bei
winkel des Entwurfsprozesses ein. Hierbei stellte er in seinem Werk-
der Beschaffung von Baumaterialien zu neuen
bericht den unterschiedlichen Stellenwert des Materials im Entwurf
Konstruktionsformen aus dem Material heraus
unter Berücksichtigung der jeweiligen Bauaufgabe dar.
gekommen ist.
Die Gestalt eines Gebäudes kann nach Aldingers Auffassung z.B.
9° Architecten legte ebenfalls einen Werkbe-
maßgeblich durch die Konstruktionslogik des Werkstoffes bestimmt
richt ab. Peter Breidenbach informierte über den
sein.
Baustoff Lehm und seine zahllosen Eigenschaften.
Die Gestalt kann aber auch aus der Orientierung eines Gebäudes entstehen. Hierbei muss das Material aber „leise sprechen“. Ein weiterer Weg zur Gebäudegestalt kann ein metaphorischer sein, hierbei ergibt sich die Materialität durch das Entwurfsthema
Prof. Marek Nowak von Gerkan Marg und Partner informierte die Studenten über die Eigenschaften von freitragenden Membrandächern. Weitere Gäste waren: Dipl. –Ing. Klaus Stö-
als inneres Bild. Ein Beispiel: Zu dem Begriff Medienlassen sich
cker, Dr. Ing. Hans Löfflad, Freie Planungsgruppe
Glätte, Transparenz und Flüchtigkeit assoziieren. Der diesem Motiv
7 sowie Dipl. –Ing. Karl Schmidt.
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White Cubes bildhauer + architekten Text: Peter Baumgardt // BA 4.1 Einführung in das Bauen // Prof. Benedikt Stahl // 1. Semester
E
Entwurf geeinigt hatten, wurde es konkret. Auf-
Semesters im Raumlabor am Campus II, um sich von Beginn an
stellungsorte mussten gefunden und Baumate-
in Interdisziplinarität zu üben. Dazu aufgerufen wurden sie von
rialien beschafft werden. Die erste Frage wurde
Andreas Kienlin und Benedikt Stahl, die beschlossen hatten, dass es
durch einen gemeinsamen Erkundungsgang über
an der Zeit wäre für ein gemeinsames Projekt, das sich um die Be-
die beiden Campus und durch Alfter geklärt, die
ziehung von Raum und Kunst in der Ausstellung drehen sollte. Die
zweite durch gemeinsamen Einfallsreichtum und
Auseinandersetzung würde aber nicht theoretisch bleiben, sondern
Organisationsfähigkeit: Eine Gruppe lieh sich
zu praktischen Ergebnissen führen. Die Studenten sollten “White
hunderte Plastikkisten, von einem Zelteherstel-
Cubes” bauen, transportable “begehbare Volumen”, die sich auf dem
ler erhielten wir Schnittreste von PVC-Planen,
Hochschulgelände aufstellen lassen, und in denen Kunst ausgestellt
außerdem organisiert wurde Verpackungssperr-
werden kann.
holz, weiterhin Schleiernessel als Stoff für die
nde September 2011 versammelten sich an einem Dienstagmorgen die angehenden Architekten und Bildhauer des ersten
Nachdem Bene und Andreas den Projektrahmen vorgestellt hat-
Nachdem alle Gruppen sich auf jeweils einen
Außenhaut, im nahen Wäldchen fanden sich
ten, wurde bis zum Mittag geklärt, welche Kriterien für unser Un-
junge Kiefern, die gefällt werden durften, und
terfangen wichtig sein könnten. Es wurde gemeinsam eine Liste mit
was noch fehlte – hauptsächlich Dachlatten und
folgenden Aspekten erstellt: Material, Ort, Größe, Licht, Transpa-
Schrauben – wurde im Baumarkt besorgt. Das
renz, Atmosphäre, Bewegung, Leichtigkeit, Innen, Außen, Eingang,
Bauen selbst verlief ebenso unterschiedlich wie
die Beziehung zwischen Raum und Kunst und einiges Weitere.
die Planungen. Während in einer Gruppe der
Damit ausgestattet machten wir uns in den einzelnen, aus Architek-
Entwurf 1:1 umgesetzt wurde, ergaben sich in
ten und Bildhauern zusammengewürfelten Gruppen an die Arbeit.
anderen Gruppen aus der Begegnung mit dem Ort
Dabei ergaben sich schnell einige Fragen: Wo fangen wir überhaupt
und den Baumaterialien unerwartete Hindernisse
an? Was ist uns wichtig? Wie geht das eigentlich? Welche Form soll
oder neue Möglichkeiten, die die endgültige Form
unser White Cube haben? Und warum diese? Aus was bauen wir
deutlich veränderten.
eigentlich? Und wo? Sollen wir nicht einfach anfangen? Oder doch
Bei der gemeinsamen Begehung unserer Bau-
erst planen? Es wurde munter diskutiert, es wurden Modelle aus
ten wurde deutlich, dass die zu Beginn formulier-
Ton, Holz und Pappe gebaut, Zeichnungen angefertigt, Aufgaben
ten Ansprüche auf verschiedene Weise eingelöst
verteilt, und Entscheidungen getroffen. Es stellte sich heraus, dass
wurden. Bilder wettergeschützt ausstellen, ließen
die minimalen Vorgaben, die wir hatten, dazu führten, dass wir uns
sich genau in einem White Cube, Skulpturen
über alle oben genannten Fragen in der Gruppe einig werden muss-
konnten immerhin in drei White Cubes ausgestellt
ten, da im Prinzip so ziemlich alles möglich war. Die Diskussionen
werden. Zwei Bauwerke, eine Spirale aus blauen
liefen, abhängig von den Vorstellungen und der Kompromissbereit-
Kisten und eine zwischen zwei Bäumen hängende
schaft der Gruppenmitglieder, mal mehr und mal weniger kontro-
Glocke, schienen jedoch als Ausstellungsräu-
vers, harmonisch oder zielführend ab. Der jeweilige Arbeitsstand,
me völlig ungeeignet. Die Entwürfe hatten sich
also die Modelle, Zeichnungen und Ideen, wurden am Ende des
zwischendurch verselbstständigt und waren mehr
Tages im Plenum gemeinsam mit Andreas und Bene besprochen,
selbst zur Skulptur geworden. Insgesamt war die
kommentiert und ausgewertet. Der Anfang war gemacht.
Veranstaltung genau das, was sie sein sollte: Eine
Unserer Road-Map folgend, die vorsah, vier Wochen zu planen,
“Einführung in das Bauen.” Wenn auch im kleinen
vier Wochen zu bauen und zwei Wochen zu genießen (bzw. doch
Maßstab, so doch mit allem Drum und Dran. Und
noch weiterzubauen, zu fotografieren und zu zeichnen), arbeiteten
ein weiterer, nicht zu unterschätzender Neben-
wir jeden Dienstag an unseren Räumen, und bei Bedarf auch mal
effekt: Wenn man auf dem Johannishof bei den
montags oder freitags oder zwischendurch.
Bildhauern ist, fühlt man sich fast wie zuhause.
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Ruben Sommer, Peter Baumgardt, Mia Idstad (B), Milena Volke (B), Laura Ries (B)
Isabella Di Prima, Luca Bangrazi, Oliver Ewy, Tobias Löblich (B), Heidi Hildebrand (B), Tom Waldbillig (B)
Julius Heek, Florian Höger, Sebastian Stahl (B), Frieder Falk (B)
Lars Daigger, Johanna Schäfer, Argia Wehner (B), Christiane Wien (B), Uta Bieber (B)
Georg Kreuer, Uwe Hugendick, Saskia Nettekoven, Cedric Müller (B), Jörn Friedrich (B)
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Laacher See „(T)Räume am see“ Text: Marek NoWak // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester
56
D
ie mittelalterliche Klosteranlage Maria Laach
ständig verändern. Die Wasserfläche des Sees mit seinen etwa zwei
in der Eifel zählt zu den schönsten roma-
Kilometern Breite und drei Kilometern Länge zieht viele Menschen
nischen Baudenkmälern Deutschlands. Die ab 1093 erbaute Klosterkirche der Abtei Maria Laach
magisch an. Das Thema der Semesterarbeit Projekt 3 -„T-Räume am See“ ist
geht auf eine Stiftung des Pfalzgrafen Heinrich
die Entwicklung eines Gebäudekonzeptes für Bootsverleih und Café
II. von Laach zurück. Sie befindet sich an der
am Ufer des Laacher See. Dieses soll inhaltlichen, funktionellen,
Westseite des Laacher Sees, der um 10.000 v.
architektonischen und landschaftlichen Bedürfnissen des Ortes
Chr. durch Vulkanismus entstand und heute mit
gerecht werden. Ziel dieser Semesteraufgabe ist eine verstärkte Aus-
seinen Uferrundwegen ein beliebtes Ausflugsziel
einandersetzung mit der Wechselwirkung zwischen Entwurf und
für Wanderer und Radfahrer ist. Der Laacher See
gestaltgebender Konstruktion. Es kommt darauf an, die Prägung
wirkt wie ein großes Auge, das sich im Wandel
und den Charakter des Orts zu erkennen, um diese Bedingungen in
der Jahreszeiten und bei wechselnder Witterung
den Entwurf einzubeziehen.
■
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Laacher See „(T)Räume am see“ Klara Esch // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester
D
ie Aufgabe, ein Café mit Bootsverleih am Ufer des Laacher Sees zu entwerfen, gestaltet sich
insofern schwierig, als dass ein solcher Ort umso schöner wird, je naturbelassener er bleibt. Daher sollte ein dort gelegenes Gebäude möglichst zurückhaltend sein und der Natur Raum lassen. Der Entwurf versucht diesen Grundsatz zu befolgen, indem das Café mit einer Fläche von ca. 35 m2 möglichst klein belassen wird und durch seine Positionierung am Rande der Bebauungsfläche den Besuchern möglichst viel freien Raum lässt. Durch seine Orientierung Richtung See und der zunehmenden Einbindung in die Natur nach hinten soll dem ankommenden Besucher zunächst ein möglichst ungestörter Blick auf den See ermöglicht werden. Erst wenn sich dieser nach einer Rast, einer Sitzmöglichkeit, einem Kaffee, einem Toilettengang, oder auch einer Bootsfahrt sehnt, soll das Gebäude in den Vordergrund treten. Der einzige Moment, in dem das Gebäude nicht möglichst zurückhaltend sein muss, sondern Aufsehen erregen kann, ist derjenige, in dem der Betrachter vom Wasser aus zurückblickt. Hier kann ein Akzent in der Landschaft durchaus wünschenswert und spannend sein. Der Entwurf versucht durch einen strahlend weißen Rahmen diese Ansicht interessant werden zu lassen. Die Materialen Holz und Glas bieten sich insofern an, als dass ersteres sich nicht störend aus dem Wald hervorhebt und letzteres die nötige Transparenz bietet, die zum genießen der Aussicht erste Priorität ist. Um die Orientierung Richtung See zu unterstützen, nimmt der Glasanteil von hinten nach vorne immer mehr zu, gipfelnd in der 3x6m großen Glasfront.
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■
Laacher See „(T)Räume am see“ Moritz Kasulke // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester
A
m Fuße des Klosters entsteht direkt am Wasser das malerisch gelegene Café mit angeschlos-
senem Bootsverleih. Es lädt den Besucher mit seinem großangelegten hölzernen Steg mit integrierter Sitzmöglichkeit zum Verweilen ein und bietet für sportlich Interessierte die Möglichkeit des Ruderbootfahrens. Das futuristisch anmutende Café, mit einer Abmessung von 14,7 x 7,5m, besteht aus einer Cortenstahl-Rippenkonstruktion, welche sich farblich in die natürliche Umgebung einpasst. Großzügig angelegte punktgehaltene Glaselemente, sowie eine begehbare Verglasung sorgen zudem für eine der Landschaft würdig werdende Transparenz und erlauben, die Natur zu genießen.
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Laacher See „(T)Räume am see“ Elias Schley // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester
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er Entwurf des Cafés mit Bootsverleih, am Ufer des Laacher Sees, versucht den
vernachlässigten Platz zu einem Ort zu machen. Die Natur um den Steg soll wieder belebt werden, damit die Besucher das Naturschutzgebiet als solches auch erleben. Die erste Maßnahme: Die Begrünung des Platzes. Anstatt des Kieselbodens soll eine Wiese dazu einladen länger zu Verweilen, dass Kinder spielen können, oder man ein nettes Picknick machen kann. Der Platz soll zu einem Ort werden, an dem junge wie alte Menschen Lust haben sich aufzuhalten. Weg und Platz möchte ich voneinander sichtbar trennen, um Ruhe entstehen zu lassen. Durch die gemeinsamen Form der angelegten Hügel und des Steges wird der Platz umarmt und es erschließt sich ein neuer Raum. Sitzplätze auf dem Steg, sowie am Hügel sollen vielfältige Aussichtsqualitäten schaffen. Neben der Nutzung als gemütliches Café soll dieses auch als Bootsverleih dienen. Das Gebäude entspringt aus der geformten Umgebung und ist Teil des schwungvollen Steges, aber noch auf dem Land liegend. Ob am Land auf der Wiese liegend, auf dem Steg in die Weite schauend, auf dem Wasser rudernd, oder im Café sitzend, der Bezug zur Natur soll niemals verlorengehen. Aus diesem Grund wählte ich eine rippenartige, filigrane Holzkonstruktion, deren einzelne Felder mit Glasflächen versehen werden. Außen und Innen gehen ineinander über. Keine Fassade, nur die natürlichen Materialien Holz und Glas sind sichtbar und sollen über die Jahre ihre Vergänglichkeit nach außen zeigen. Die Form des Gebäudes entsteht aus dem Schwung des Steges, baut sich in seiner filigranen Konstruktion sichtbar in die Höhe auf und wieder ab. Eine leichte Neigung der Holzrahmen zum Wasser hin soll den Schwung des Steges verstärken.
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Laacher See „(T)Räume am see“ Claudius Bäuml // BA 4.3 Baukonstruktion und Baustoffe 2 // Prof. Marek Nowak // 3. Semester
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aria Laach ist Kulturstätte seit der Erbauung der Klosterkirche im Jahr 1093.
Unseren Projektstandort, unweit des Klosters, wollte ich durch eine kleine Landmarke, eine Art Sonnenuhr, die an bestimmten Tagen im Jahreslauf Bezüge zur Sonnenbahn schafft, markieren. Auf diese ist die Geometrie der Platzgestaltung, einschließlich des Cafés ausgerichtet. Das Café öffnet sich mit einer Glasfassade zum See hin und schließt mit einer wuchtigen Basaltstein-Wand zum Platzrand ab.
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Flender – graffenstaden elsässer Haus Text: Benedikt stahl // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester Die Geschichte vom Elsässer Haus beginnt mit
für Aufregung, indem sie eine große gewölbte Stahl-Glas-Hülle um
einem Anruf aus Illkirch bei StraSSburg und der
das alte Häuschen stellen. So entsteht ein neues, kräftiges Symbol
Anfrage, ob wir Interesse daran hätten, kleine
und das denkmalgeschützte Relikt aus vergangenen Tagen wird
Entwürfe für die Umnutzung eines alten und in
gegen Wind und Wetter geschützt. Avila Dietrich und Klara Esch
die Jahre gekommenen Fachwerkhäuschens auf
mögen es „cool“. Sie schlagen vor, das Haus um einen Eingangspa-
dem Werksgelände der Firma Flender Graffenst-
villon zu ergänzen und nutzen die Raumhöhe der Halle, um mit
aden zu erarbeiten. Der Initiator des Projektes,
Podesten verschiedene Raumzonen und Nutzungsmöglichkeiten
Herr Uwe Bierwirth, Geschäftsführer der groSSen,
zu erzeugen. Schwarz-weiße Raumteile kontrastieren mit fröhlich
weltweit vernetzten Stahlbaufirma, kennt die
bunter Möblierung. David Richardoz und Frauke Zahl erfinden ein
Alanus Hochschule über seine Tochter, die hier
dreidimensionales Labyrinth mit vielen Treppen und Ebenen und
BWL studiert hat. Auf dem Weg zu neuen und unge-
schaffen somit unterschiedlich große Räume und Plätze für Gesprä-
wöhnlichen Innenraumideen für die Nutzung des
che, Verhandlungen und Versammlungen. Simon Lucas nimmt die
alten Hauses als Kunden- und Firmentreffpunkt
Vorgabe, alles möglichst einfach und preisgünstig zu machen ernst
war er sich sicher, mit unserer Hochschule einen
und stellt mit wenigen Eingriffen ein brauchbares Konzept auf die
Ort gefunden zu haben, an dem sein Vorhaben
Beine. Niklas Gesthuisen und Matthias Welter fügen dem ebenfalls
gut aufgehoben wäre. Mit der spürbaren Neugier,
einfachen Innenausbau einen etwas aufwendigeren aber gut pro-
dem Interesse an der Erfindung eigener Welten
portionierten Anbau hinzu. Auch hier vermählt sich Alt und Neu
und der Unbefangenheit der Studenten sollte es
auf ansprechende Weise. Shehrazade Mahassini steckt ein rundes,
gelingen, eine Vielzahl unvermuteter Vorschläge
großes Betonrohr in die Flanke des Hauses und hinterlässt damit
zu (er)finden.
einen Raumeindruck, der sicher in Erinnerung bleiben würde. Der
N
spielerische und leichte Umgang mit der Raumaufteilung im Innern
ach einigen Vorgesprächen und der Vereinbarung eines Rah-
verspricht eine angenehme Stimmung. Julian Meissner schließlich
menprogramms, waren wir eingeladen, den Ort des Geschehens
denkt außer Konkurrenz mit und spinnt die Gedanken hin zu
selber in Augenschein zu nehmen. Zur Bestandsaufnahme gehörten
einem Raum mit großem Feuer in der Mitte, wo „alle sich treffen“.
ebenso die sehr aufschlussreichen Gespräche und Begegnungen in
Seine Arbeit bekommt später einen „Poesiepreis“.
Illkirch mit Herrn Bierwirth und seiner Kollegin Frau Riedel wie
Sehr gerne haben wir dann im Februar 2012 Herrn Bierwirth
auch die notwendigen Aufmaßskizzen, Fotos, und Beobachtungen
und Frau Riedel bei uns im Haus der Architekten empfangen, um
vor Ort. Ein Kurzbesuch mit Besichtigung der Stadt Straßburg
die Ergebnisse gemeinsam mit dem frischgebackenen Professor
rundete den Besuch ab und hinterließ ein stimmungsvolles Bild
Willem-Jan Beeren als weiteren Preisrichter zu sichten und mit
vom typischen „Elsässer-Flair“. Damit waren genügend Informati-
kleinen Anerkennungspreisen zu prämieren.
onen und Eindrücke gesammelt, um in Alfter in den Ateliers an die Arbeit zu gehen. Die Verschiedenartigkeit der Ergebnisse, die in einer hochmotivierten Gruppe entstanden sind, sprechen für sich. So gelingt es Ido de Baat und Elias Schley mit einer zurückhal-
Herzlichen Dank an dieser Stelle den Studierenden und allen beteiligten Mit-machern im Hintergrund, vor allem aber Herrn Bierwirth, Frau Riedel und der Firma Flender Graffenstaden, die uns mit der Aufgabe betraut haben. Mit dieser Dokumentation wollen wir gerne dazu beitragen, aus der Fülle von Ideen
tenden baulichen Ergänzung des Fachwerkhauses, neuen Raum zu
so weit zu
generieren, den Außenraum mit einzubeziehen und ein wechselvol-
kommen, eines Tages ein neues altes „Elsässer-Haus“ besuchen zu
les Interieur zu entwerfen, in dem das Programm des Kundencen-
dürfen. Im Sommer dieses Jahres soll es auf jeden Fall schon einmal
ters gelebt werden könnte. Sehr atmosphärische Zeichnungen, aus-
eine Ausstellung der Projekte in Illkirch geben. Wer weiß, vielleicht
führliche Materialangaben sowie ein Möblierungskonzept runden
ist das ja der Startschuss für eine weitere
die Ideensammlung ab. Claudius Bäuml und Moritz Kasulke sorgen
Zusammenarbeit …
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Flender – graffenstaden elsässer Haus ido de baat , Elias Schley // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester
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urch seinen Baustil und seine Geschichte zeigt das Haus seine
schieden wir uns einen markanten Kubus seitlich
Verbundenheit zum Elsass. Damit das weiterhin so bleibt,
in das Haus hineinzuschieben.
Das Haus soll weiterhin als Fachwerkhaus erlebbar sein.
Inneren des Hauses geöffnet werden, damit dieser
möchten wir so wenig wie möglich in die Bausubstanz eingreifen. In der Mitte des Hauses entsteht ein offenes Zentrum, ein Innenhof, ein Treffpunkt für Mitarbeiter, damit das Haus neben der Hauptnutzung auch als Gemeinschaftshaus dienen kann.
Der Kubus generiert Raum. Er kann zum sich mit dem Innenhof, wiederum zu einem größeren Raum verbindet. Firmenfeiern, Versammlungen, oder die
Die unterschiedlichen Raumeinteilungen in den anderen Seminar-
Mittagspausen könnten nun in diesem Haus
räumen, ermöglichen vielfältige Besprechungsqualitäten. Der Vor-
stattfinden. Die „Familie Flender“ bekommt ihr
teil davon ist, dass die Firma individuell auf Besucher und Kunden
(zu)Haus(e).
eingehen kann. Um das Vorhaben der Bauherren garantieren zu können und gleichzeitig qualitativ hochwertige Räume entstehen zu lassen, ent-
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Qualität durch natürliche und ehrliche Materialien, nachhaltig und zeitlos – unsere Auffassung von Moderne.
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Flender – graffenstaden elsässer Haus claudius bäuml, Moritz kasulke // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester
Innenraum oder AuSSenraum, Tradition oder Innovation – das Projekt upstream kann beides.
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ie Aspekte von Tradition und Hightech hatten Einfluss auf upstream. Von der Zeit der Gründungsphase des Unternehmens
zeugt das kleine Elsässer Haus, das auf dem Betriebsgelände in gewissem Kontrast zur übrigen Architektur steht. Das Elsässer Haus soll, auch wegen des Denkmalschutzes, mit möglichst wenigen Eingriffen versehen werden. So wie sich ein Unternehmen auf seine Tradition und seine Erfindungen der Ver-
gangenheit stützt und diese bewahrt, so soll auch das Elsässer Haus geschützt und bewahrt werden und eine neue, moderne, innovative Außenhaut bekommen. Dynamik, Präzision, Hightech sind nur einige Links, die zu dem führen, was Flender heute tut und genau das möchte upstream zeigen. Corporate Identity gehört heutzutage zu jedem renommierten Unternehmen. Wir meinen, zur Corporate Identity gehört auch Architektur. Upstream könnte eine Landmarke werden, ein architektonisches Gesicht und ein Alleinstellungsmerkmal für Flender Graffenstaden.
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Flender – graffenstaden elsässer Haus Avila Dietrich, Klara Esch // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester
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ns war es wichtig, trotz des üppigen Raumprogramms, nicht zu viel zu verändern, den vorhandenen Charakter des Hauses
beizubehalten. Gleichzeitig war es uns wichtig, für ein modernes Unternehmen moderne Räume zu schaffen und so Altes mit Neuem zu verbinden. Um fehlenden Platz auszugleichen, haben wir uns dazu entschieden sowohl ein zweites Geschoss, um ein halbes Geschoss vertieft, als auch einen Vorbau zu integrieren. Als Eingangs- und Empfangsbereich dient ein Anbau auf der Südwestseite. Im Innenraum befinden sich drei variable Räume, welche je nach Bedarf zu größeren zusammengeschlossen werden können. Eine möblierte Empore vor den oberen, kleineren Seminarräumen, eine lange Bar, sowie eine weitere Sitzecke vor einer großen Glaswand, laden zum Verweilen ein. Wird der untere Konferenzraum für Seminare genutzt, kann er fast um das Doppelte erweitert werden. Die großzügige Sitztreppe im vorderen Bereich dieses erweiterten Raumes kann sowohl bei großen, als auch kleineren Veranstaltungen genutzt werden. Schwarz und weiß als Grundstruktur werden durch leuchtend bunte Farben in der Möblierung vervollständigt. Junge, frische Far-
ben, in Verbindung mit Möbeln der klassischen Moderne, spiegeln das Zusammenspiel von Alt und Neu wieder. Starke Farben für ein starkes Unternehmen.
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Flender – graffenstaden elsässer Haus David richardoz, frauke zahl // BA 5.2 Vertiefung innenraum // Prof. benedikt stahl // 4. Semester
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Hin & Weg eine variable PlatzĂźberdachung text: vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // 5. Semester
TWL – Träume werden lebendig Die Rahmenbedingungen für die Tragwerkslehre an der Alanus Hochschule sind als einzigartig zu bezeichnen. Die kleine Zahl der Studierenden und die räumliche Ausstattung mit Werkstatt und studentischen Arbeitsräumen ermöglicht eine „hautnahe“ Lehre über den Verlauf der Kräfte, da die Studierenden vieles durch den Bau funktionsfähiger Tragwerksmodelle und die Durchführung von Experimenten selbst erfahren können. Im Modul BA 4.5 werden die Grundlagen der Tragwerkslehre aus dem 2. Studienjahr vertieft. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Kraftverlauf und Entwurf zu erkennen. Die Wissensvermittlung basiert auf folgenden Säulen 1. Das eigene Erleben durch „Tragwerksexperimente“ und das Transferieren der im Experiment gesammelten Erkenntnisse auf eine abstraktere theoretische Ebene. 2. Die Erläuterung der charakteristischen Eigenschaften verschiedener Tragsysteme. 3. Das Lernen an Beispielen durch die Analyse gebauter Tragwerke. 4. Das Umsetzen der gesammelten Erkenntnisse im Entwurf. Inhalte der von Tragwerksexperimenten begleiteten Vorlesungen waren ▶ Seiltragwerke ▶ Bögen, Gewölbe und Kuppeln ▶ Rahmen ▶ Unterspannte Träger, abgespannte Tragwerke ▶ Trägerroste, Raumfachwerke ▶ Faltwerke ▶ Membrantragwerke ▶ Aussteifung von Trag-Elementen, Aussteifung von Gebäuden ▶ Ertüchtigung von Tragwerken ▶ Eigenschaften der Materialien von Primärkonstruktionen, Brandschutz ▶ Verbindungsmittel
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er konstruktive Entwurf im Modul 4.5 beschäftigte sich unter der Überschrift „hin &
weg“ mit der variablen Überdachung eines Platzes vor einem kirchlichen Gemeindehaus. Die auf den ersten Blick „kleine“ Entwurfsaufgabe wurde mit dieser Thematik stark auf das Tragwerk fokussiert. Damit konnte in der zur Verfügung stehenden Bearbeitungszeit eine konstruktive Ausarbeitung aller Details und das Entwickeln prototypischer Modelle erreicht werden.
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Hin & Weg eine variable Platzüberdachung Martin böttcher // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester
Die Herausforderung, einen Platz flexibel zu überdachen, wo es keinen Platz gibt. Eine Gestaltung finden, die einen Zwischenraum zum Ort verwandelt. Eine Überdachung entwerfen, die sich in die Umgebung einpasst, gleichzeitig hervorsticht und einen Wiedererkennungswert schafft. Tradition mit Innovation verbinden. Viel SpaSS haben sehr viel auszuprobieren. Neue Wege gehen. Bis zur letzten Schraube?
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lätterdach Dies sind Gedanken und Themen, die diesen Entwurf begleiteten.
Bei der Konstruktion handelt es sich um einen Trichterschirm, bestehend aus sechs aneinanderhängenden „Blättern“, welche über Spreizen und ein Zugseil einzeln geöffnet werden. Durch die Verbindung der sich auffaltenden Blätter und über die Spannung der Membran öffnet sich der Schirm. Die 3 cm starken Karbonstangen werden mit Stahlgelenken zusammengehalten und überspannen 6 Meter, was dem Durchmesser des Schirmes entspricht.
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Hin & Weg eine variable PlatzĂźberdachung Jan Henning eggers // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester
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orgaben für diese Aufgabenstellung waren: Eine Dachkonstruktion, die leicht ist und den
Eingangsbereich nicht verschattet, die man auch einfach aufbauen kann, sogar alleine. Sie soll natürlich die Bauordnung einhalten, damit sich kein Nachbar beschwert. Und vor allem soll sie kostengünstig sein! Warum also nicht ein Dach aus Pneus? Dieser hat im Vergleich zum Volumen eine minimale Masse und wird aus ETFE-Folien (Ethylen-Tetrafluorethylen) hergestellt, die besonders lichtdurchlässig, schwer entflammbar sowie nicht gesundheitsschädlich sind. Weitere Pluspunkte: Dank der antiadhäsiven Oberfläche haftet nur sehr wenig Schmutz (Regen dient als Reinigung) und die Folien sind dank der chemischen Zusammensetzung sehr gut recycelbar. Man kann mit einer Kostenersparnis von bis zu 30-50% im Vergleich zu konventionellen transparenten Dachkonstruktionen rechnen. Die Bogenform der Überdachung steht als Symbol für die gute Gemeinschaft der Gemeinde und lehnt sich auch an ihr Logo an. Die geschwungene Form, die sich in den Bänken fortsetzt, belebt die Platzsituation ungemein und schafft variable Sitzmöglichkeiten. Diese entstehen auch um eine kleine Grillstelle außerhalb der Dachkonstruktion, sowie um die großen Pflanzbeete herum, die mehr Grün ins Geschehen bringen. Um das Verweilvergnügen zu komplettieren, sind im Sitzteil der Bänke weichere Gummieinlagen eingelassen. Die variable Bodenfärbung und -belichtung nimmt dem Platz seine statische Schwere und schafft stets neu erlebbare Situationen. Ähnlich wie die Sitzbänke besteht auch die Bodenfläche aus weißem Kunststoff, der jedoch transparent ist. Die einen Quadratmeter großen Platten bieten den Anwesenden bei Dämmerung und Dunkelheit ein besonderes Erlebnis: Beim Betreten und Überqueren des interaktiven Bodens bleiben die Fußspuren ungefähr eine Minute lang sichtbar. Bei Verlassen der Stelle verschwindet der helle Lichtfleck langsam wieder und hinterlässt erneut eine uniform gefärbte Fläche. So passt sich das Licht immer der momentanen Nutzung des Platzes an. Bei dem ETFE-Foliendach handelt es sich um zweilagige Kissen, die mit Stützluft (Innendruck) gefüllt sind; das System setzt sich aus einer gegenseitig gekrümmten antiklastischen Membranober- und Unterfolie mit einer jeweiligen Dicke von 0,2 mm zusammen. Natürlich bedarf es eines speziellen Formzuschnittes, damit die Bogenform erreicht werden kann. Die Konstruktion und die Form werden stark durch die Eigenspannungszustände der Membran bestimmt; die hohe Zugfestigkeit des Materials bedingt die Formerhaltung.
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Hin & Weg eine variable Platzüberdachung ina willemsen // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester
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dee/Entwurf In meinem Entwurf soll der Platz, der in seinem
man nur die Schirme aufstellt, welche eine Art
jetzigen Zustand sehr unspektakulär und trist wirkt, ganz neu
Tor vor dem Zugang bilden. Die Schirme an sich
definiert werden. Es soll ein Wiedererkennungswert geschaffen werden, mit dem
können in die auf dem Platzboden befindlichen Vorrichtungen eingelassen werden. So ist auch die
sich die Gemeinde identifizieren kann. Die Freie evangelische
Form des Daches flexibel, wobei es zu aufwändig
Gemeinde in Waldbröhl hat sowohl alte als auch junge Mitglieder.
wäre diese oft zu wechseln.
Durch die Neugestaltung des Vorplatzes soll auch das Dynamische dieser Gemeinde zum Ausdruck gebracht werden.
Schirmaufbau Der Schirm besteht aus einem stabilen, mittig angebrachten Rohr aus Aluminium,
Platzgestalt Über den Platz erstreckt sich ein Pflaster aus Rauten.
welches in den Boden eingelassen wird und für
Dieses Grundmuster bildet zugleich ein Modul für die neue
die Standfestigkeit sorgt. Über dieses Rohr kann
Überdachung. Diese Überdachung besteht aus ebenfalls rauten-
eine Zahnradschiene gleiten, an deren Kopfende
förmigen Schirmen, die durch ihre Gestalt kombinierbar sind
Stahlstangen befestigt sind, welche im Prozess des
und zu verschiedenen Anlässen auch unterschiedlich angeordnet
Hinausschiebens die an allen vier Seiten befindli-
werden können. So kann beispielsweise der Platz, welcher sich vor
chen flexiblen Carbonstangen nach außen beugen.
dem zweiten Zugang der FeG befindet, überdacht werden, wenn
Auf diese Stangen gespannt sitzt eine Membran,
ein Grillfest oder ähnliches stattfindet. Es kann jedoch auch der
die im aufgeklappten Zustand das Dach über dem
eigentliche Haupteingang in den Mittelpunkt gestellt werden, indem
Platz bildet.
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Hin & Weg eine variable Platzüberdachung Dominique Buchmaier // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester
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aldbröl liegt im Zentrum des Oberber-
den, außerdem sollte der Auf- und Abbau der Überdachung leicht
gischen Landes, zwischen Hügeln und
funktionieren und trotz der temporären Konstruktion dauerhaft
Tälern, Wiesen und Wäldern. Rund 20.000
sein. Zur Aufgabe des Entwurfes der variablen Überdachung gehört
Einwohner hat Waldbröl und seit 1911 gibt es dort
auch die Neugestaltung des Platzes zur Aufgabe.
die Freie Evangelische Gemeinde Waldbröl. Das
Die Tragkonstruktion meines Entwurfes besteht aus einem
Gemeindehaus der FeG Waldbröl liegt in der Ters-
fachwerkähnlichen Tragwerk, das die gekreuzten Druckstäbe als
teegenstraße 16, wo Gottesdienste und Gruppen-
zentrale Tragstruktur hat und durch drei oberhalb liegende Zugseile
treffen stattfinden und welches durch eine variable
auf den Boden abgespannt wird. Als zusätzliche Zugkonstruktion
Platzüberdachung ergänzt werden soll.
wirkt die Membran, die über das Tragwerk gespannt ist. Die leichte
Der Platz vor dem Gemeindehaus wird von
und flächige Überdachung ist anfällig für Wind und Sog. Gegen die
der Gemeinde zum Verweilen, für Gespräche und
Bewegung der Konstruktion werden die Zugseile in drei Richtungen
bei verschiedenen Anlässen auch zum Essen und
am Boden befestigt. Mehr Stabilität gewähren zwei seitlich ange-
Feiern genutzt. Für die Nutzung bei schlechtem
brachte Druckstäbe, die die Konstruktion an der Stütze aussteifen.
oder zu gutem Wetter soll eine variable Platz-
Die kleine Fläche des Platzes soll als solche bespielt werden können.
überdachung mit einem bestimmten Anforde-
Ein großzügiges und frei angelegtes Terrain mit nur einer Sitz-
rungsprofil entworfen werden. Neben dem Schutz
stufe, die die Hauskante aufgreift und den Höhenanstieg ausgleicht,
vor Regen und Wind, soll der Platz durch so
eröffnet eine ruhige Fläche. Die Treppe zum Haupteingang wurde
wenig Stützen wie möglich eingeschränkt und
begradigt und durch eine Brüstung zum Platz hin getrennt. An
der Eingangsbereich möglichst gering verschattet
dieser Brüstung, oberhalb der Sitzstufe, lädt eine dort angebrachte
werden. Die Bauordnung muss eingehalten wer-
Holzbank zum Verweilen ein. ■
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Hin & Weg eine variable Platzüberdachung raphael fuss // BA 4.5 Konstruktives Entwerfen // Vertr.-Prof. dr.-ing. Mathias Wirths // 5. Semester ZIEL WAR ES, EINE LEICHTE UND FLEXIBLE PLATZÜBERDACHUNG IN SYMBIOSE MIT DEM ZU ÜBERDACHENDEN PLATZ ZU ENTWICKELN. HIERFÜR ENTSTAND EIN SCHIRMSYSTEM, WELCHES AUS DEN ZUG- UND DRUCKKRÄFTEN EINE SPIELERISCHE FORM ERZEUGT.
F
UNKTIONSPRINZIP Es gibt einen oberen und einen unteren Seilanschlussring, welche am Mast fixiert sind. Dazwischen ist
ein Schlitten installiert, an welchem die Arme, gelenkig gelagert, befestigt sind. In geschlossenem Zustand befindet sich der Schlitten am oberen Ende des Masts. Um den Schirm zu öffnen, wird der Schlitten mittels eines Seils heruntergezogen. Dadurch, dass die oberen Seile abwechselnd am Ende und in der Mitte der Schirmarme und die unteren Seile gegenläufig angeschlossen sind, werden die Schirmarme in geöffnetem Zustand gebogen. Die Schirmarme sind abwechselnd nach unten bzw. nach oben hin durchgebogen. Die Membran befindet sich immer auf der konvexen Seite der Schirmarme. Dadurch ergibt sich eine kontinuierliche Wellenbewegung. Die Schirmarme sind auf zwei Ebenen fixiert, wodurch die Membran um den Masten frei gespannt ist. An dieser Stelle ist der Kraftverlauf an der Membranform klar ablesbar. PLATZ Die Schirmform und die Platzform bilden ein Gesamtbild. Die Bewegung des Schirms wird von der Pflanzeinfassung und der Hecke gegenläufig aufgenommen, sodass auch hier ein Spannungsfeld aus Zug und Druck entsteht. Der Platzeingang ist von zwei skulptural geformten Mauerenden gefasst, wodurch eine klare Schwelle definiert wird. Der Raum, der sich hinter dem Durchgang öffnet, nimmt den Ankömmling in Empfang. Der auf der Treppenseite stehende Schirm überdeckt in aufgespanntem Zustand den Zugangsweg, somit ist es möglich, dass z.B. Senioren bei schlechtem Wetter am Nebeneingang abgesetzt werden und trockenen Fußes das Gebäude betreten können. Die Schirme sind in ihrer unterschiedlichen Form so aufeinander abgestimmt, dass sich aus dem Zusammenspiel der Formen eine gemeinsame Woge bildet. In zusammengeklapptem Zustand sind die zwei vertikal aufragenden Schirme aus dem Straßenraum klar sichtbar und somit ein Wiedererkennungsmerkmal. Die Schirme sind für sich eigenständige Baukörper, finden jedoch aus der Platzgestalt heraus eine Verbindung zu der vorhandenen Baustruktur. ■
Typ T von 3,00 m bis 6,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 80mm Materialdicke: 3mm oder 4mm Strebenprofile: 35x25x2mm oder 45x25x2mm Type TL von 6,00 m bis 8,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 106mm Materialdicke: 3mm Strebenprofile: 45x25x2mm Type TLX von 6,00 m bis 10,00 m Außenmaß Mastdurchmesser: 110mm Materialdicke: 5mm Strebenprofile: 56x31x2,5mm
Zweiter Bauabschnitt der campus II wächst! Text: willem-jan beeren // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Das Entwurfsprojekt im 7. Semester hat eine besondere Stellung im Studienverlauf: Einerseits stellt es die Generalprobe dar zur Abschluss-Arbeit, einem weitestgehend selbständig verfassten Entwurf mit eigener Themensetzung. Andererseits wird durch die Fokussierung auf das Thema „Ressourcenoptimiertes Planen und Bauen“ eine Entwurfshaltung erprobt, die die Themen (Bau-)Material, (Bau-)Konstruktion und Technik sowie Funktion in ihren wechselseitigen Abhängigkeiten untersucht und einer städtebaulich-architektonischen Gestalt zuführt.
A
usgehend von ausführlichen Materialrecherchen unter den Aspekten Herkunft, Herstellung, Verarbeitung und Eigenschaften haben die Studierende sich mit Nachhaltigkeitsstrategien in Materialkon-
zepten, Baukonstruktionen und technischen Komponenten beschäftigt. Dabei ging es immer wieder um die Frage, wie die Baugestalt durch diese Grössen beeinflusst und bestimmt wird, bzw. wie bestimmte Baugestaltungen technische und bauklimatische Konzepte zum Ausdruck bringen. Als konkrete Entwurfsaufgabe stand die Erweiterung des Campus II der Alanus Hochschule im Fokus. Hier entwickelten die Studierenden sowohl Nutzungskonzepte zur funktionalen Erweiterung z.B. um studentische Arbeits- und Atelierplätze, Mensaerweiterung, Bewegungsräume etc., aber auch Material- und Ressourcenkonzepte zur nachhaltigen Konstruktion und Bewirtschaftung. Herausgekommen sind vielfältige Denkansätze, wie die Alanus Hochschule sich in Zukunft noch weiter auf dem Campus II beheimaten und etwas von ihrem Geist an diesem Ort zum Ausdruck bringen kann.
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Paula Kurz
Borja Frey Marquez
Sรถhnke Schrรถder
Florian Bruning
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2. Bauabschnitt der campus II wächst! max Ullrich // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Dieses Semester ging es in der Aufgabenstellung
Um die Gebäude optisch miteinander zu
unter anderem darum, sich vor dem Entwurf für
verbinden und eins werden zu lassen, versah
ein Leitmaterial zu entscheiden, dessen Eigen-
ich jedes von ihnen zu beiden Seiten mit großen
schaften zu recherchieren und auf Grundlage
Glasflächen. Weiter war es mir ein Anliegen,
dieses Wissens einen für das Material stimmigen
zwischen den Gebäuden eine wohl durchdachte
Entwurf zu entwickeln. Für den Entwurf bekamen
Landschaftsplanung zu entwickeln, um so Aufent-
wir die Erweiterung – den Bauabschnitt 2 – des
haltsräume im Freien zu ermöglichen.
Campus II der Alanus Hochschule als Aufgabe. Als
Das Innere der Gebäude sollte so flexibel wie
Leitmaterialien wählte ich weiSSen Sichtbeton,
möglich gestaltbar sein, sodass man im Falle einer
Glas und Stahl.
Nachnutzung ohne viel Aufwand eine Umgestal-
W
tung vornehmen könnte.
eißen Sichtbeton wählte ich unter anderem wegen seiner
Aus diesem Grund entschied ich mich, einen gro-
Einsetzbarkeit für große Spannweiten, der Möglichkeit zur
ßen, über zwei Geschosse reichenden Hauptraum
Bauteilaktivierung, der guten Brandschutzeigenschaften, der Vorfa-
zu entwickeln, den man nach Bedarf mit einem
brizierbarkeit und der einfachen und schnellen Montage.
als Obergeschoss fungierenden Podest versehen
Für große Glasflächen entschied ich mich wegen meines Wunsches
könnte. Je nach Bedarf ließen sich auch Höhe und
nach möglichst viel natürlicher Belichtung, den entstehenden
Podestfläche anpassen.
Blickbeziehungen und der Offenheit, die ein Gebäude mit großen
Für das Gebäude der Master-Studenten des
Glasflächen vermittelt. Die Studierenden erhalten die Möglichkeit,
Fachbereichs Architektur würden ca. 30 Arbeits-
dem Geschehen vor dem Gebäude und in den Nachbargebäuden zu
plätze benötigt, darum entschied ich mich für ein
folgen.
möglichst großes Podest.
Mein drittes Leitmaterial, der Stahl, ermöglicht in der Konstruk-
Als besonderes „Schmankerl“ für die Sommer-
tion des Gebäudes, schlanke Stützen und Träger zu verwenden und
monate versah ich beide Fensterfronten jedes Ge-
unterstützt somit den lichten Charakter des Entwurfes.
bäudes mit Fensterelementen, die geöffnet werden
Neben den Leitmaterialien war mir zudem noch folgendes
können, so dass man, wenn es draußen wieder
wichtig: Das Gebäude sollte hell, großzügig, ruhig, zeitlos, einfach,
wärmer wird, alle Gebäude öffnen und zwischen
klar, freundlich, kommunikativ, formal stimmig wirken und flexibel
ihnen hin- und herlaufen kann um zu schauen,
nutzbar, vorfabrizierbar und schnell zu bauen sein.
was die anderen gerade machen.
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2. Bauabschnitt der campus II wächst! Luisa Blug // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Das Thema für die Erweiterung des zweiten Bauabschnittes am Campus II war, ein aussagekräftiges Gebäude zu entwerfen, das sich sowohl von der bereits bestehenden Gebäudereihe trennt, sich jedoch auch mit ihr verbinden lässt. Das daraus entwickelte Thema war: Getrennt und doch zusammen!
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araus entstanden sind drei einzelne Gebäudekomplexe, welche jeweils eine multifunktiona-
le Nutzung beinhalten. Ausgangsform dafür war ein Rechteck. Die einzelnen Komplexe werden durch Holzpaneele, die über den Eingangsbereichen der jeweiligen Gebäude befestigt sind, miteinander verbunden. Die daraus entstandenen Innenhöfe verstärken den Bezug zu den umliegenden Gebäuden. Das konstruktive Element ist eine BetonSandwichkonstruktion.
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2. Bauabschnitt der campus II wächst! katrin lüneberg // BA 4.7 ressourcenoptimiertes planen und bauen // Prof. swen geiss, prof. willem-jan beeren // 7. Semester Mit ihrem Namen bezieht sich die Alanus Hochschule auf Alanus ab Insulis (ca. 1120 bis 1202), der bereits im Mittelalter eine humanistische Bildungsidee im Zusammenhang mit den Sieben Freien Künsten lehrte. Er hatte schon damals die Vorstellung, dass Studieren die Bildung des Menschen zum Menschen durch Interdisziplinarität bedeutet und über ein reines Fachstudium hinausgeht. In Anlehnung an Alanus ab Insulis ist ein wichtiger Teil des Konzepts der Alanus Hochschule, die Gemeinschaft und Begegnung der Künste. Das Studienangebot bietet die Chance des Dialogs und der gegenseitigen Inspiration der unterschiedlichen Fachrichtungen in interdisziplinären Projekten.
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in flexibles Raumangebot gehört zum Standard der Ateliernutzung. Dabei geht es in erster Linie um ein Angebot verschiede-
ner Raumsituationen für die Studenten. Es sollte die Möglichkeit gegeben sein Arbeiten im Stehen oder Sitzen, konzentriert oder dynamisch allein oder im Team auszuführen. Die Korrekturen finden teilweise ebenfalls im Atelierhaus statt und brauchen einen akustisch abgeschirmten Bereich. Der Störfaktor Nummer eins bei Gesprächen, Besprechungen oder Korrekturen im Atelier ist Lärm; deswegen wird dem Thema Raumakustik eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Um Störungen zu vermeiden oder zumindest einzugrenzen und die Qualität in der offenen Arbeitsumgebung zu fördern, ist eine Kontrolle der Schallausbreitung unabdingbar. Die Decke als größte zusammenhängende Fläche im Raum bietet dabei auch gestalterisch viele Möglichkeiten. Hinzu kommen noch flexible Stellwände, die sich je nach Gebrauch verschieben lassen, diese sind ebenfalls mit Stoff bezogen. An den Wänden lassen sich Schienen montieren, die sowohl Akustikpaneele als auch Pläne halten können. Leitidee stehen und flieSSen Stillstand ist wichtig; ehe der Geist nicht innehält, findet er keinen Frieden. Doch die Welt ist in ständigem Fluss, um uns herum ist alles in steter Bewegung. Der Geist im Zentrum all dieser Geschäftigkeit ist aber bewegungslos, hat Teil an der Unendlichkeit. So wie Wasser und Licht fließen, fließt auch der Raum selbst.
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s m l xl Khd-werksgelände köln-deutz Benjamin M. Bauske // ma 4.1 Architektur 1 – ingenieurwissenschaftliche Rahmenbedingungen der Standort- und Projektentwicklung // prof. swen geiss // 1. Semester
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m rechtsrheinischen Kölner Nord-Osten liegt
3 und 4 tangieren das Grundstück in südöstlicher und nordöstli-
das ca. 12 ha umfassende, ehemalige Werksge-
cher Richtung in einem Abstand von 600 bis 1000 Metern. Eine
lände der Firma Klöckner Humboldt Deutz, auf
Verlegung der Trasse ist politisch gewollt. Diese würde in Zukunft
dem bis Mitte der 1990er Jahre Schiffsmotoren
unmittelbar am Grundstück entlangführen.
und Gasturbinen produziert wurden. Heute ist
Umgeben von einem dichten, teils überregionalen Straßennetz
das Gelände eine der größten innerstädtischen
liegt das Grundstück dennoch etwas abseits der Auffahrten zu
Brachen Kölns. Der vormals stark industriell
diesen. Bis zur L 198 Pfälzischer Ring und der Hochbahn B 55a sind
geprägte Ortsteil Mülheim-Süd befindet sich
es etwa 4 Autominuten.
mitten im Strukturwandel zum postindustriellen
Die Bezirke Mülheim-Süd und Deutz-Messe sind städtebaulich
Dienstleistungsquartier in gewachsener, historisch
durch großflächige Industrie(-brach)gelände und trennende Bahn-
bedeutsamer Umgebung. Durchquert durch die
trassen geprägt. Arbeitersiedlungen aus der Nachkriegszeit wirken
ICE-Trasse grenzt das Grundstück südlich an die
inselhaft und angehängt an die Industrieflächen. Ein ordnendes
neu entstandenen Messehallen Nord. Nur 500 m
städtebauliches Konzept ist nicht erkennbar.
Luftlinie entfernt entwickelt sich seit etwa zehn
Fuß- und Radwege führten in der Vergangenheit kategorisch
Jahren einer der bedeutendsten Messestandorte
in größerem Abstand an den produzierenden Industrien vorbei,
Europas, das ehemalige Werksgelände der KHD,
jedoch nur selten darüber. Der Rat der Stadt Köln beschloss den
gegenwärtig im Besitz des LEG-Nachfolgers
zukünftigen Verlauf des „Rheinboulevards“ über die ehemaligen
NRWUrban, dieses scheint derweil jedoch noch
Flächen der KHD zu führen. Die industriegeschichtliche Vergan-
im „Dornröschenschlaf “ zu verharren.
genheit der Stadt Köln könnte anhand des erweiterten Fuß- und
Im Zuge der ersten Semesterarbeit im Masterstudiengang „Prozessarchitektur – Projektent-
Radwegenetzes erlebbar gemacht werden. Prominent liegende Grundstücke in unmittelbarer Rhein-
wicklung & ressourcenoptimiertes Bauen und
Nähe sind hochwassergefährdet. Ein Ereignisse wie die in jüngerer
Planen“ wurden im Anschluss an eine umfassende
Vergangenheit vorgekommenen Jahrhundertfluten würden etwa
Standortanalyse, fünf Konzepte umrissen, wie
ein Drittel des Geländes überspülen. Der aktive Hochwasserschutz
sich ein Grundstück in urbanem Umfeld mit zum
muss auf dem Gelände ausgebaut werden, um einen Pegelstand von
Teil erheblich sanierungsbedürftigen Industrie-
11,30 m in Köln gewährleisten zu können. Grünflächen sind im
baudenkmälern zu einem Standort unterschied-
Mülheimer Süden aufgrund der vormals stark industriell gepräg-
lichster Ausprägung und Inhalte entwickeln lassen
ten Struktur Mangelware. Die bestehenden Grünflächen sind mit
könnte.
Ausnahme des Rheinparks eher kleinflächige Punktstrukturen. Eine
Die Anbindung an das öffentliche Verkehrs-
bislang fehlende Vernetzung von Rheinufer und bestehenden Sied-
netz ist im Bereich der rechtsrheinischen Innen-
lungen soll im Zuge des Regionale-2010-Projekts „Rheinboulevard“
stadt generell durchschnittlich gut. Ehemalige
integriert werden.
Industrieflächen sind von Anbindungen jedoch meist ausgeschlossen. Die Straßenbahn Linien
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Ein wesentlicher Zugang soll in Zukunft über das ehemalige Geländer der KHD führen.
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s m l xl alter schlachthof – bonn west maren brixius // ma 4.1 Architektur 1 – ingenieurwissenschaftliche Rahmenbedingungen der Standort- und Projektentwicklung // prof. swen geiss // 1. Semester
Alter Schlachthof Bonn West Die Seminararbeit setzt sich im Rahmen des Moduls Architektur I mit dem Gelände des alten Schlachthofs in Bonn auseinander. Der alte Schlachthof befindet sich im nordwestlichen Bereich des Stadtteils Bonn West, welcher sein negatives Image u. a. durch Bordell, StraSSenstrich und Müllverwertungsanlage erhält. Momentan steht das Gelände jedoch im Fokus der Öffentlichkeit weil es zum einen im Bereich des neuen Masterplans der Stadt Bonn liegt und zum anderen, weil sich eine SchlieSSung aufgrund extremer Baumängel des dort befindlichen Gewerbe- und Gründungszentrums nicht vermeiden lieSS.
F
ür die Untersuchung des Standorts wurde eine ortsspezifische Analysematrix entwickelt, anhand derer die Maßstäbe XL (Stadt
Bonn) bis hin zu XS (Akteure und Nutzung der Gebäude) parallel beleuchtet wurden. Dabei war schnell festzustellen, dass die unterschiedlichen Zoomfaktoren nicht klar voneinander zu trennen sind und untereinander zahlreiche Verknüpfungen bestehen. Nach mehrwöchiger Standortanalyse wurde deutlich, dass das Grundstück viel mehr Potenziale bietet, als ursprünglich angenommen. Aus diesen lassen sich drei gleichwertigen Szenarien entwickeln, die mögliche Perspektiven für den Standort aufzeigen: Die vorhandene Nutzerschaft (vor allem Lebensmittelgrossisten) und die z.T. nutzbaren Bestandsgebäude mit über 100-jähriger Tradition bieten Potential für „Die Bonner Markthallen“, mit Angebot für Obst, Gemüse und Fleischwaren verschiedener Nationalitäten. Die gute KFZ-Erschließung, die geplante bessere ÖPNV-Anbindung und der frivole Kontext bilden das zweite Szenario Rouge West, ein nächtliches Vergnügungsviertel mit Großraumdiskothek, Kino und Bars. Die neue Campus-Achse des Masterplans, die überschaubaren Besitzverhältnisse und die ansässigen Stakeholder führen zum dritten Szenario Knauber-Campus-West. Hier erhält der Hobby- und Freizeitmarkt Knauber das Schlachthofgelände als Ausgleichsfläche zum Bau eines neuen nachhaltigen Baumarkts und übergibt im Gegenzug der Stadt Bonn seine alten Flächen im Masterplanbereich, damit dort Campus-affine Einrichtungen gebaut werden können. Die Analyse hat gezeigt, dass trotz zahlreicher Defizite große Potenziale vor Ort bestehen. Unmittelbar daran anknüpfend zeigen die drei Szenarien voneinander unabhängige Entwicklungsalternativen auf. Sie beinhalten dabei keine Reihenfolge: Im Sinne einer gemeinschaftsorientierten Projektentwicklung sind sie als Ausgangspunkt eines ergebnisoffenen Prozesses zu verstehen, der vom Architekten moderiert und gemeinsam mit den Betroffenen zur besten Entscheidung für Standort und Stakeholder führen soll.
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wohnen am rand: wohnquatiere in dnipropetrowsk, ukraine anna Marchenko // ma 3.1 projektstudium und forschungsforum + ma 4.2 architektur 2 // prof. Swen geiss, prof. Dr.-ing. florian kluge // 3. Semester
D
ie Großsiedlungen der 60er, 70er und 80er Jahre, die in der
teten Wohnraumbestand, anderseits Mangel an Finanzierung und
UDSSR am Rande der Stadt als sogenannte „Schlafstädte“ mas-
unübersichtliche Rechtsverhältnisse. Außerdem wurde das Quartier
siv errichtet wurden, stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Diese Siedlungen sind ein typischer Ausdruck der post-sowje-
mit einer bestimmten Ideologie konzipiert, die schon lange nicht mehr existiert, deswegen scheinen die Quartiere keine Identität zu
tischen Zeit. Wie wirkt der gebaute Raum in solche Siedlungen auf
haben. Jede der drei Fallstudien wurde mit eigenem Schwerpunkt
die Gesellschaft? Warum entwickeln sie sich zu sozialen Brenn-
betrachtet. Das erste Quartier wurde mit dem Fokus auf die Freiräu-
punkten? Was bedeutet „Identität“ in solchen Quartieren? Das sind
me betrachtet, das zweite richtete den Fokus auf ein Stadtraum- und
die Kernfragen dieser Arbeit.
Verkehrskonzept, das letzte Quartier rückt die soziale Situation in
Drei Wohnquartiere in der Stadt Dnipropetrowsk, Ukraine habe ich für meine Fallstudien für eine weitere Bearbeitung ausgesucht.
den Mittelpunkt der Betrachtung. Die drei Fallstudien zusammen mit einer theoretischen Recher-
Diese Quartiere befinden sich in einer schwierigen Situation:
che sind eine Grundlage für die Entwicklung eines Werkzeugkastens
Einerseits haben sie ein schrumpfende Einwohnerzahl und veral-
von Handlungsempfehlungen.
Stadtraum und Mobilitäts - Tools 1. Verbindungsstrategie zwischen suburbanen Wohnquartieren und dem Stadtkern Durch stärkere räumliche Verbindung werden die suburbanen Räume nicht mehr sozial abgeschlossen und in das Stadtleben besser integriert. Vision Mehrere Verkehrsanbindungen, wie Fahrradwege, U-Bahn und/oder Seilbahn zwischen Stadtkern und Wohnquartieren anbieten; Stadtfunktionen und Freizeitangebote ins Quartier integrieren 2. Attraktive Erlebnisse im Stadt- und Verkehrsraum Mit der positiven Wahrnehmung der Umgebung wird ein Interesse für den Stadtraum ausgelöst und damit eine Identifikation mit derselben gefördert. Vision Kulturlandschaften ablesbar machen – künstlerische Betonung der Industrielandschaften, Stadtgeschichte und Naturerbe durch Beleuchtung, Aussichtspunkte, Info-Stationen, Kunstprojekte etc. 3. Schrumpfende Tendenzen - als Potenzial Eine Umnutzungsstrategie für leerstehende Gebäude oder brachliegende Flächen verbessert die Stadt- und Freiraumqualität, fördert soziale Prioritäten und löst Initiativen im Stadtraum aus. Vision Ein gestaffelter Rückbau von alten Plattenwohnungsbauten mit Platten-Wiederverwendung und Umnutzung der Fläche durch den Bedürfnissen der Gemeinschaft entsprechende Installationen, z.B. Dachgärten, Grill-Terrassen etc.; eine Umnutzung der Erdgeschosswohnungen und leerstehenden Gebäude zugunsten des Lokal-Business, wie Bäckerei, Werkstätten, Recycling-Management, Quartier-Veranstaltungshallen usw. 4. Quartier als Netzwerk Eine Master-Planung und Funktionstrennungsstrategie des Massenbaues der 50er-80er Jahre schafft besondere Freiräume und Fußwege, die sehr stark vom Autoverkehr geprägt sind. Die Strategie „Quartier als Netzwerk“ sieht eine Reorganisation des Quartiers vor. Vision Quartierinnenraum möglichst von Autoverkehr und RasterFußwegen befreien, Bau von Tiefgaragen; Rückbau des zentralen Fernwärmesystems zugunsten lokaler Heizungssysteme.
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AuSSenraum-Tools 1. Verbindungsstrategie für geschlossene Freiraum Cluster Die Strategie sieht eine Schaffung von öffentlichem Raum vor, welcher mehrere halb-öffentliche Räume miteinander räumlich verbindet und damit ein gemeinsames soziales Netzwerk bildet. Vision Umgenutzter Transitraum wird in einen gemeinsamen öffentlichen Raum transformiert, mit vielfältigen Möglichkeiten für große Veranstaltungen wie Quartierkonzerte, Weihnachts- und Flohmärkte etc. 2. AuSSenraum ökologisieren Die Strategie der Planung von Schlafstädten neben dem Industriegebiet hat viele ökologische Probleme im Stadtraum verursacht. Heute sind viele Freiräume in suburbanen Quartieren unbenutzt wegen einer niedrigen Luft- und Bodenqualität. Die neue Strategie sieht eine Renaturierung und ökologische Förderung von Außenflächen vor. Vision Bodenrekultivierung, Schaffung eines gesunden Ökosystems, wie Fischteiche im Hof, Nutzpflanzen-Gärten, Dach- und Fassadengärten, Vogelvolieren etc. 3. Öffentlichen Raum qualifizieren Mit einer Qualifikation des öffentlichen Raums wird der ganze Stadtraum belebt. Außerdem wird diese Strategie den Sozialen Raum prägen – die hohe Kriminalität und der Vandalismus werden verringert. Vision Einen Spiel-Raum formen durch Gestaltungsinstrumente wie Geländer, Boden-Markierung, Bänke, Beleuchtung usw. 4. Nutzungsmischung und Vielfalt an Aktivitäten auslösen Ein vielfältiges Raumangebot gewinnt mehrere Nutzer und Akteure, die wiederum eine Initiative, den Raum zu verbessern mitbringen und ihn an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Vision Eine Vielzahl von Sport- und Spielaktivitäten wie Klettern an Hochhäusern, Aussichtsplattformen auf Dächern, Bungee-Jumping zwischen Plattenbauten, Skater-Parcours durch die Quartiere, Erlebnis-Wander-Wege usw. 5. Differenzierung von Flächen mit verschiedenen Eigentumsformen Diese Strategie wird das Eigentumsverhältnis zwischen Akteuren verdeutlichen. Dadurch wird eine Sensibilisierung und Verantwortung für den eigenen Lebensraum angestrebt. Vision Durch Höhenunterschiede, Hecken, Markierungen, Materialienunterschiede die private und halböffentliche Fläche voneinander unterscheiden. Gebäude-Tools 1. Energetische Modernisierung Eine höhere Energieeffizienz nach heutigen Standards wird nur durch eine Modernisierung oder eine Kernsanierung erreicht. Vision Modernisierung mit einer Hausgemeinschaft: Fassadendämmung oder zweite Gebäudehülle, Haustechnik- und Leitungsmodernisierung, Sonnenenergie zur Trinkwassererwärmung und Heizung nutzen. 2. Gestaltungsstrategie Vielfältige Fassaden schaffen eine freundliche Atmosphäre im Stadtraum, fördern eine Individualität jeder Wohnung und bilden eine starke Identifikation mit dem Ort. Vision Garten-Fassaden mit Nutzpflanzen, bunte künstlerische Fassadenbemalung, Belebung der Fassaden durch Beamer-Kino für Nachbarn oder Beleuchtungsinstallationen. 3. Nutzungsmischung Eine Vielfalt von Nutzungen in einem Haus schafft eine höhere Qualität des Lebensraums, neue Arbeitsplätze locken neue Einwohner. Vision Atelierräume im Dachgeschoss, Wintergärten im Dachgeschoss, Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss, Familienbusiness im Erdgeschoss – z.B. Bäckerei, Gemüsehandel, Schuhmacher, Gemeinschaftsgarten mit Kräuter-Handel o.ä.
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Soziale Aktions-Tools 1. Imagekampagne Eine Image-Schaffung für ein suburbanes Wohnquartier ist eine wichtige Kommunikation nach außen: Je besser das Quartier in den Medien auftritt, desto attraktiver wird dieses für die Einwohner, und desto größer wird eine Identifikation mit dem Raum. Vision Ein Logo und Motto für das Quartier; Auftritt des Logos in allen QuartierVeranstaltungen, Broschüren und ein Programm für das Quartier 2. Bürgerbeteiligung Bewohnerbeteiligung erzeugt eine Verantwortung und ein Bewusstsein, macht jedes Quartier individuell und nutzerorientiert, bildet eine zusammengehörige soziale Gemeinschaft. Eigeninitiative fördern. Vision Planungsgemeinschaft mit Beratung für Quartiereinwohner; Umbaugesellschaft für Freiräume und gemeinschaftliche Flächen; Urban-Animateure; Umbau in Eigenleistung – Verein der Handwerker; Förderungsgeld für initiative Gemeinschaften – Wettbewerbsauslobung für Umnutzung und Rückbau. 3. Kulturelle Förderung Unterstützung der kulturellen Projekte durch Fördermittel, Umnutzung der brachliegenden Flächen zugunsten von Kulturlandschaften, Erweckung des Interesses an der Standortgeschichte. Vision Bibliothek in Eigeninitiative; eine Fahrradtour durch das Quartier mit Führung; Theaterstück auf dem Dach des Plattenbaus; Konzert in Container-Garagen usw. 4. Kommunikation nach auSSen Der negative Ruf des Quartiers in der Stadt kann zum Positiven gewendet werden. Kommunikation mit dem Rest der Stadt und gemeinsame Veranstaltungen wirken sich positiv auf die Quartierbewohner aus und verbessern die gemeinschaftliche soziale Situation. Vision Aktionen mit Einladung der Quartier-Gäste z.B. ein Fußballspiel Quartier S. gegen Quartier M., Kick-Boxing Wettkämpfe, Kunstausstellung unter freiem Himmel; Graffiti-Kurs usw.
Fallstudien Strategien Quartier L In der ersten Phase ist die Kommunikation mit den Bewohnern vorgesehen wie z.B. eine Imagekampagne mit
meinschaft mit Nutzpflanzengarten, Jugendcafé, Jugendsportschule. Maßnahmen z.B. Gründung der verschiedenen Gemeinschaften
Projektlogo und Motto, Broschüre, Bekanntmachung in Medien,
wie Quartier-Management, Umbaugesellschaft, Gewerbeverein,
Veranstaltungen, wo sich Initiativ-Gruppen bilden, z.B. eine Pla-
Planungsgesellschaft, soziale Arbeit für Arbeitslose und Rentner
nungswerkstatt, eine Stadteilzeitung etc.
(1-Euro-Job), Concierge und verschiedene Serviceleistungen, Reini-
In der zweiten Phase sind Prototypen innerhalb des Quartiers zu bauen. Die Prototypen teilen sich auf in: Temporäre Projekte z.B. Oster- oder Weihnachtsmarkt, Wett-
gung und Pflege des öffentlichen Raums usw. In der dritten Phase ist eine Organisation für Akteure vorgesehen, wie z.B. Unterstützung der Stadt bei der Bekanntmachung
bewerbe, Aufräumaktion, Gestaltung des öffentlichen Raums mit
des Projektes und Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens,
Kindern und Eltern, Umweltwerkstatt, usw.
Gründung der Umbaugemeinschaft: Umbau in Eigenleistung und
Dauerhafte Projekte z.B. Lern- und Kulturzentrum mit dem
gegenseitige Service-Leistungen, Gründung und Unterstützung
Leistungsaustausch, Frauentreffen, Kinderbauernhof, Recycling-
der lokalen Wirtschaft und des Handels, des Familienbusiness, der
Börse mit Sperrmüllumnutzung und Recycling-Laden, Gartenge-
Gartengemeinschaften usw.
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Strategien Quartier P Für die zweite Fallstudie, ist ein Verkehrskonzept vorgesehen mit folgenden Maßnahmen: ▶ Gründung eines Verkehrsverbunds zwischen verschiedenen Verkehrsanbietern mit der Einführung von Monats- und Wochentickets ▶ Ersatz der vielen kleinen Taxibusse durch große Busse mit Haltestellenfahrplan ▶ Neue Haltestellen bauen ▶ Mehrere Verkehrsanbieter hinzuziehen ▶ Erlebnisse der Fahrgäste während der Fahrt gestalten: Wechselspiel zwischen dem Industriegebiet und der Naturlandschaft, der Geschichte und der Moderne ▶ Fahrradhighway entlang des Flusses auf dem existierenden Weg gestalten ▶ 3 Buslinien mit neuen 250-m-Radius-Haltestellen einführen anstelle mehrerer gleichwertiger Taxibus-Linien ▶ Schnelle Verbindung zum Hauptbahnhof durch Regionalbahn durch Nutzung bestehender Gleise schaffen ▶ 2 Linien-Wassertaxi bis zum linken Ufer als alternative Verkehrsmittel, auszuführen mit dem Neubau von 2 Anlegestellen ▶ Eine kostengünstige Seilbahn durch das Industriegebiet anbieten ▶ Eine Promenade durch das Industriegebiet als ein Kulturlandschafts-Erlebnis gestalten z.B. mit eine künstlerischen Beleuchtung, kleinen Kneipen, Sport-, Spiel- und Freizeit-Gelände
Strategien Quartier T Das Freiraumkonzept für Quartier T fängt mit der Projektinitiierung an. Das sind: öffentliche Verfahren für Freiraumplanung wie Veranstaltungen mit Planern, Stadtvertretern und Bewohnern; Kommunikation mit Bewohnern wie Umfragen und öffentliche Veranstaltungen; Unterstützung der Bürgerinitiative und einer Gründung von Planungs- und Baugemeinschaften; Organisation der Veranstaltungen im öffentlichen Raum (z.B. Feste, Konzerte, Gewinnspiele, usw.), um eine Kommunikation zwischen Bewohnern und eine Identifikation mit dem Quartier zu stärken Die zweite Phase ist die Projektorganisation. Dazu gehören: Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, Schaffung eines genehmigten Freiraum-Flächennutzungsplans, um den Umbauprozess besser zu gestalten, private Investoren anlocken (z.B. Parkplätze bauen, Kneipen und Läden kaufen), ein Pflichtbeitrag oder eine Pflichtleistung im öffentlichen Raum für private Unternehmer einführen, Umbaugesellschaften „Umbau in Eigenleistung“ von der Stadt fördern. Die Phase der Projektrealisierung ist mit folgenden Szenarien vorgesehen: Halböffentliche Räume in Innenhöfen miteinander verbinden durch Schaffung öffentlicher, verbindender Promenaden unterschiedlicher Form, je nach Raumtypologien; Promenaden gestalten mit vielfältigen Aktivitäten und Erholungsmöglichkeiten; alle öffentlichen Räume behindertengerecht gestalten; öffentliche Promenaden und halböffentliche Innenhöfe autofrei machen.
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modernisierung universität paderborn daniel richter // ma 3.1 Projektstudium und Forschungsforum + ma 4.2 architektur 2// prof. Swen geiss, prof. Dr.-ing. florian kluge // 3. Semester Konzeption und Entscheidungsvorlage für die Modernisierung der Gebäude P1, P4, P5-7 der Universität Paderborn
T
hema und Ziel der Projektarbeit Die Gebäude P1, P4 und P5-7 der Universität Paderborn müssen modernisiert werden. In den
1968 errichteten Gebäuden studieren und forschen schwerpunktmäßig Maschinenbauer und Elektrotechniker. Die ehemalige Ingenieursschule besteht aus insgesamt 29.000 m² Bruttogeschoßfläche. Vor allem muss die Energiebilanz verbessert und die Gebäudestrukturen den heutigen bzw. zukünftigen Anforderungen angepasst werden. In dem gesamten Planungs- und Bauprozess sollen die Nutzer intensiv beteiligt werden. Der Nutzerbedarf soll so genau wie möglich ermittelt werden, um ein belastbares Raumprogramm aufzustellen. Die Gebäude sollen außerdem flexibel geplant werden, damit sie den zukünftigen Anforderungen der Universität Paderborn folgen können. Zu diesen formulierten Anforderungen sollen verschiedene Konzepte im Rahmen dieser Projektarbeit erarbeitet werden. Nach der fertig gestellten Modernisierung sollen die Gebäude den Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik perfekte Bedingungen für Lehre und Forschung bieten. Methodik Die Projektarbeit wurde einerseits chronologisch, andererseits aber auch zeitlich parallel bearbeitet. Zu Beginn wurden eine städtebauliche Analyse und die Untersuchung der einzelnen Gebäude durchgeführt, um die Bestandssituation zu erfassen und erste Probleme aufzuzeigen. Dann erfolgte die Vorstellung des selbst gesetzten, übergeordneten Projektzieles und der dazugehörigen Leitbilder und Handlungsfelder. Das Ziel, die Leitbilder und die Handlungsfelder einer nachhaltigen Konzeption wurden in einer selbst entwickelten Grafik anschaulich zusammengefasst. Ziel, Leitbilder und Handlungsfelder der Modernisierung Um das Ziel „nachhaltig modernisierte Gebäude“ genauer zu definieren wurden drei übergeordnete Leitbilder formuliert. Diese sind in der folgenden Grafik als ein das Ziel umgebender Ring dargestellt. Jedes Leitbild wirkt mit seiner eigenen Intention auf das Ziel. Die Grafik stellt das Ziel „nachhaltig modernisierte Gebäude“ umgeben von den drei Leitbildern „Energiekonzept“, „NutzungsFlexibilität“ und „Nutzerbeteiligung“ in das Zentrum. Die Handlungsfelder sind den Leitbildern entsprechen angeordnet. An der partiellen Überlappung einiger Handlungsfelder auf zwei Leitbilder lässt sich die enge Verknüpfung zwischen den Leitbildern erkennen. Die hellgrau dargestellten Handlungsfelder sind eher objektbezogene, die dunkelgrau dargestellten prozessbezogene Aktionen.
100
Infografik: Ziel, Leitbilder, Handlungsfelder einer nachhaltigen Entwicklung
Ein von Beginn an parallel gelaufener Prozess
binationen von Varianten. Abschließend erfolgte
ist das Thema der Nutzerbeteiligung. Hier wurden
aus allen zusammengetragenen Daten, Fakten,
zunächst einige Nutzerbeteiligungsmodelle vor-
Analysen und Bewertungen die Empfehlung zur
gestellt, die nach umfassender Recherche für das
weiteren Vorgehensweise.
Projekt interessant sind. Konkret umgesetzt wurden dann die Nutzer-
In der weiteren Bearbeitung wurden zwei ausgewählte, für das Projekt besonders interessan-
beteiligungsverfahren Fragebogen und Workshop.
te, inhaltliche Vertiefungen ausgearbeitet. Zum
Mitte Juni 2011 wurden insgesamt 240 Fragebö-
einen wurde der Fokus auf die Fassaden, deren
gen in Papierform innerhalb der Fachbereiche
bestehende Probleme und mögliche Lösungs-
Maschinenbau und Elektrotechnik verteilt. 134
vorschläge, zum anderen auf die notwendige
Personen haben den Fragebogen ausgefüllt zurück
Neustrukturierung des Gebäudes P4 gerichtet.
gegeben. Das Kernthema der Projektarbeit ist die ei-
Die Projektmanagement-Werkzeuge Zieldefinition, Projektstrukturplan, Stakeholder-
gentliche Konzepterstellung, mit Betrachtung der
analyse und die eigene Terminplanung wurden
Themenbereiche Baukosten, Termine, Energie-
permanent parallel zur eigentlichen Projektbe-
kennwerte und so genannter weicher Faktoren.
arbeitung gepflegt.
Zuerst wurden am Arbeitsmodell mögliche Vari-
Zum Schluss der Arbeit wurden die persön-
anten erarbeitet und mit Auflistung der Vor- und
lichen Erkenntnisse zusammengefasst und ein
Nachteile dokumentiert. Dabei erfolgte auch eine
Ausblick auf die weitere Projektbearbeitung
terminliche Betrachtung der verschiedenen Kom-
gegeben.
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drumherum Herbstsemester 2011
Neuschnee Schneesymposium Text: Ulrike Platz // BA 1.7 Landart // dipl.-ing. Ulrike Platz, Paul Petry // Jahrgangsübergreifend „Das Reisen führt uns zu uns zurück“, stellte schon Albert
müdungserscheinungen hatten. Einzige Einschränkung: Skifahren
Camus (frz. Schriftsteller und Dramaturg, 1913–1960) fest. Das
war verboten! Für die Studierenden war das besonders hart, da der
Arbeiten an einem anderen Ort, der Fokus auf eine Tätigkeit und
Bauplatz direkt am „Sehnsuchtsort“ Skipiste lag.
ein Material war deshalb eine willkommene Abwechslung zum
Bauen bedeutet Veränderung eines Ortes – im Idealfall unter
Studienalltag. Neuschnee, so hieSS eine Gemeinschaftsveran-
Einbeziehung der Natur in die Architektur. Aber auch die Interpre-
staltung der beiden Fachbereiche Bildhauerei und Architektur
tation eines Ortes und das Zeigen der Natur desselben kann sich in
unter der Leitung von Paul Petry und Ulrike Platz, die Anfang
einem Objekt widerspiegeln. Doch wie lässt sich dieses Wechselspiel
des Jahres in die Alpen führte.
im Studium schulen? Im Rahmen des viertägigen Aufenthalts wurden die Fragen des menschlichen Eingriffs bzw. des Einklangs von Ort und Objekt im Maßstab 1:1 realisiert. Es galt herauszufinden, wie prägend der eigene Gestaltungswille auf den Ort sein kann, oder ob nicht umgekehrt, die Landschaft und das Material die Grenzen des eigenen Handels und damit den Maßstab des Objektes bestimmen. Zwei Meter hoch türmte sich der Schnee im Kleinwalsertal. Die Architektur- und Bildhauereistudenten ließen sich von der weißen Masse inspirieren. Aus diesem spielerischen Umgang entstanden verschiedene sinnliche Objekte in Einzel- oder Gruppen-
D
ie Idee dieser Veranstaltung stammt aus Aachen und wird bereits seit Jahren erfolgreich am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH angeboten.
arbeit: Zwei Studenten bauten ein U-Boot (U-Ski) von 24 m Länge und bewegten dabei insgesamt acht Tonnen Schnee. Es entstand
Unser Ziel war eine Weiterentwicklung des freien Arbeitens zweier raumwirksamer Studienrichtungen unter künstlerischen Aspekten, ohne Vorgabe eines festgelegten Themas. Die gemeinsame Exkursion bot den Studenten die Möglichkeit, in einem beeindruckenden Landschaftsraum im Freien zu arbeiten. Aus den Eindrücken der Landschaft und des reichlich vorhandenen Baumaterials sollte ein ganz persönliches Objekt vor Ort entstehen. Reiseziel war Hirschegg im Kleinwalsertal, ein österreichisches Schneeparadies. Der Ort beeindruckt durch sein Alpenpanorama – vor allem im Winter, wenn die charakteristischen Formen und Strukturen der Bergwelt durch Schnee und Eis besonders ausdrucksstark sind. Die ästhetische Kraft des Tals zieht mittlerweile als zweitgrößtes Skigebiet im Kleinwalsertal jährlich viele Besucher an. Dabei ist die wirtschaftliche Bedeutung des Wintertourismus nicht zu übersehen: Das Alpendorf, das lange Jahre vorwiegend durch die Einsamkeit und eine bäuerliche Lebensweise geprägt war, hat sein Aussehen im Zuge der Tourismusentwicklung stark verändert. Seilbahnanlagen, Straßen und Hotels prägen heute das ehemals ländliche Landschaftsbild. Sowohl die Charakteristik der Landnutzung, als auch die ursprüngliche Architektur der Dörfer ist heute durch die Auswirkungen des Tourismus nur noch schwer erkennbar.
eine kubisch geformte Eisbar mit Blick auf den Hohen Ifen. Eine andere Gruppe realisierte eine Schneekathedrale von mehr als drei Metern Höhe, die besonders nachts den Blick in den Sternenhimmel fokussierte. Einige Bildhauerstudenten bereicherten die winterliche Landschaft, ihren Assoziationen folgend, mit Schneehasen, einem Schneefisch und einer mehr als 5 m tiefen Schneehöhle. Eine weitere Gruppe berodelte den Bauplatz vier Tage lang und verknüpfte mit dieser „Erlebnisrodelbahn“ die einzelnen Objekte der anderen Teilnehmer. Um die großen Mengen an Schnee zu bewältigen, arbeiteten die Studenten mit Spaten, Schaufel, Maurerkelle, Mörtelbütt und Wok-Rodel. Die Erkenntnis, dass Schnee zwar ein leichtes Material ist, in der Bearbeitung jedoch enormen Körpereinsatzes bedarf, forderte täglich aufs Neue die Leistungs- und Leidensfähigkeit heraus. Eine weitere Herausforderung waren die Temperaturschwankungen im Laufe des Tages und die sich dadurch verändernde Festigkeit des Materials. Schnee scheint zunächst luftig zu sein. Leicht schwebten
Ausgangspunkt der Veranstaltung war der Schöntalhof, der, etwas außerhalb vom
die Flocken vom Himmel, einmal auf dem Boden angekommen,
touristisch geprägten Ort gelegen, einen grandiosen Blick auf die Alpen rund um den
veränderte sich die Konsistenz sofort und spielte in der Bearbeitung
Hohen Ifen gewährt. Der Bauplatz war in wenigen Minuten zu erreichen. So konnten
und Konzeption der Objekte ein große Rolle: Der meist pulvrige
sich alle zwischendurch zurückziehen, wenn sie, und nicht das Baumaterial (!) Er-
Schnee am Morgen lies sich leicht abtragen. Gegen Mittag, wenn die
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Temperaturen gestiegen waren, musste der Schnee eher verdichtet und geschichtet werden. Am Abend wurde bei schwindenden Kräften verputzt und geglättet. Auch die Farbigkeit des Schnees bei verschiedenen Lichtverhältnissen musste im Schaffensprozess berücksichtigt werden. Die Konturen der Objekte veränderten sich je nach Wetterlage. Die nächtliche Illumination der Objekte zum Abschluss der Veranstaltung zauberte eine besondere Atmosphäre vor Ort und hinterließ am Hang nach Einbruch der Dunkelheit geheimnisvolle Spuren. Raum wahrnehmen, Eindrücke verarbeiten, ‚sehen‘ lernen, interpretieren und erkennen, sind elementare Prozesse, die es zu üben gilt. Die winterliche Weite des Alpenpanoramas und das ‚SichEinlassen‘ auf ein einziges und zudem schwer zu beherrschendes Baumaterial sowie die körperliche Arbeit führten zu unerwarteten Objekten. Das Schneeparadies als Experimentierfeld zur räumlichen Selbsterfahrung ermöglichte viele Gespräche mit Einheimischen und Touristen. Abschließend möchte ich nicht versäumen, mich bei Toni, dem Herbergsvater des Schöntalhofs, für tatkräftige Unterstützung, Sauna und Verpflegung zu bedanken. Und natürlich bei Paul Petry, der verlässlich jede Mahlzeit gut gelaunt mit den Worten „Boah – war das lecker!“ kommentierte.
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Freihandzeichnen ARCHITEKTUR FREI ZEICHNEN text: Prof. Benedikt stahl // Darstellungsversuche zur anschaulichen Präsentation von Raumideen // Prof. Benedikt stahl + gäste // jahrgangsübergreifend Konrad Geyer ist bei uns im Fachbereich seit ein paar Jahren ein gern gesehener Gast. Zum wiederholten Male hat er sich im Januar 2012 im Rahmen der Projektwochen mit seiner Arbeit am Seminar „Freihandzeichnen“ beteiligt.
B
esonders beeindruckend sind dabei die Anleitungen und Anregungen des Ulmer Architekten und Malers aus Leidenschaft
mit Papier und Graphit kraftvolle Bilder zu erzeugen. Neben Herrn Geyer waren in diesem Jahr außerdem Prof. Hans Günter Hofmann und die Düsseldorfer Künstlerin Carol Pilars de Pilar für je einen Arbeitstag in unserem Atelier. Herr Hofmann ist Spezialist für fabelhafte atmosphärische Skizzen und konnte sowohl theoretisch als auch praktisch einen Einblick in die Entstehung dieser Wunderwerke vermitteln. Frau Pilars de Pilar hat die beteiligte Gruppe angeleitet, blind zu zeichnen, also nicht auf das Blatt sondern auf die zu zeichnende Person zu schauen. Die Einführung dieser Projektwoche übernimmt jedes Mal der Initiator Prof. Benedikt Stahl. Mit ihm entstanden in diesem Jahr Schnellentwurf-Skizzen. So gab es an jedem Werktag sehr verschiedene Zeichenergebnisse, die dazu anregen, sich selbstständig weiter in das Thema hineinzuarbeiten.
106
Lieber Konrad, du hast uns erzählt,
Bereich für die Ausführungszeichnungen, um den verschiedenen
dass du als Architekt und als Künst-
Leistungsphasen von Architekturzeichnungen bzw. der Weiterverar-
ler arbeitest. Warum ist das so und
beitung gerecht zu werden.
wie geht das? Konrad Geyer In der Architektur geschieht ja
Ist das Zeichnen mit dem Bleistift heute noch
die Artikulierung einer Idee über die Hand aufs
wichtig, gerade im Zeitalter der CAD-Technik?
Papier. In der Malerei verhält sich diese Vorge-
Konrad Geyer Gute Frage – wie gehe ich digital oder analog mit
hensweise bei mir ebenso. Die Ideenerweiterung
dem Kreativbereich um? Es ist ja naheliegend den CAD Bereich
und Intensivierung, oder auch als Verdichtung
zu integrieren. Klar habe ich die Möglichkeit mit dem Finger z.B.
zu bezeichnen, baut sich beim Entwerfen aus der
auf dem Smartphone oder sonst wo eine Zeichnung oder Skizze
Skizze auf. In der Malerei entstehen Übermalun-
digital zu erstellen. Es fehlt aber hier das haptische Erlebnis und der
gen und bilden dann mehrere Schichten.
Geruch von Graphit und Block. Für mich ist das CAD-Zeichnen die Konsequenz der weiterentwickelten freien Handzeichnung.
Was verstehst du unter Freihandzeichnen in der Architektur?
Kommst du nochmals wieder und zeichnest mit
Konrad Geyer Freihandzeichnen ist ja einerseits
uns?
die Darstellung von Gesehenem, andererseits ist
Konrad Geyer Ja klar, sehr gerne würde ich wiederkommen, um
es, wie vorher gesagt, unsere Methode zur Visua-
mit euch kreativ zu arbeiten. Aus meiner bisherigen Erfahrung hier
lisierung von Ideen, also von inneren Bildern und
spüre ich reges Interesse für diese Art von Grundlagenvertiefung.
Vorstellungen. Kannst du ganz kurz beschreiben, was du von der Wo arbeitest du und wie sieht dein
Alanus Hochschule hältst?
Arbeitsplatz aus?
Konrad Geyer Eure Hochschule ist mit den verschiedenen Fachbe-
Konrad Geyer Ich kann in meinem Atelier so ar-
reichen und in ihrer Ausrichtung eine unvergleichliche Gelegenheit
beiten, dass sich Zeichnungen und/oder Bilder der
genau das zu tun. Der richtige Ort, um aus dem Vollen zu schöpfen,
Bereiche Architektur und/oder Malerei/Graphik
sei es mit diesem Seminar oder anderen Veranstaltungen.
nicht überschneiden und räumlich blockieren. So bleibe ich immer parallel an den verschiedenen
Konrad, vielen Dank für das Interview und bis
Aufgaben dran. Und der CAD-Platz ist halt der
hoffentlich bald.
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formenlehre material world text: ido de baat // BA 1.3 formenlehre // Prof. willem-jan beeren, paul jonas petry // jahrgangsübergreifend Het schrijven van een documentatie
lijkt al helemaal een makkelijke bezigheid, totdat je gaat nadenken
is weliswaar niet mijn sterkste punt,
over dat gene dat je doet. Vouwen met een papiertje is in feite het-
maar een zinnig onderwerp zoeken
zelfde als spelen met tweedegraadsvergelijkingen. In beide gevallen
om over te schrijven, tekenen, of
laat het je niet meer los, nadat je ermee begonnen bent. Maar dat is
iets dergelijks, is niet mijn grootste
niet alles. Een beetje nadenken, en in een grote massa klei slaan is
probleem. Echter een onderwerp
niet het enige dat ik van de Formenlehre Woche heb gemerkt.
zoeken voor een documentatie voor
Eén van de dingen die ik heb gemerkt is dat ik het warm kreeg
Formenlehre is me tot nu toe niet ge-
en claustrofobisch werd toen ik geblinddoekt in natte plakkende klei
lukt. Opmerkelijk, want na een hele
aan het wroeten was. Dat is op zich niet heel bijzonder. Daar heb ik
week intensief bezig te zijn geweest
wel vaker last van in massa‘s, zoals bij koninginnedag, of in extreem
met klei en papier moet je in ieder
massief aanvoelende gebouwen. Maar Formenlehre heeft me ook op
geval iets uit je mouw kunnen schud-
andere manieren te grazen genomen, die ik opmerkelijker vond.
den. Maar, je wilt je tijd niet verdoen
De laatste keer dat ik voor twaalven in bed lag, kan ik me niet
met iets dat onzinnig is, en oninter-
meer herinneren, meestal stap ik tussen één en drie in mijn bed. En
essant is. Maar iets dat ik wel zinnig
dit doe ik al een heel wat jaren. Maar woensdag, de derde dag van de
of interessant genoeg vond, kon ik
Formenlehre Woche (bij skiën helikopterdag), ben ik om elf uur al
niet bedenken. Dus ging ik bedenken
in me bed gestapt, en viel zowaar meteen in slaap. Om elf uur!! Het
waarom dit dan het geval is.
volgende dat ik me niet meer herinneren kan, is wanneer ik voor het
D
e Formenlehre week vond ik redelijk intensief.
laatst ziek was. En met ziek bedoel ik dat er een griepje voorbijkomt
Wat onder andere te maken heeft met het feit
waardoor mijn immuunsysteem bezwijkt op dusdanige wijze dat
dat we met enorme hoeveelheden klei gewerkt
ik niet meer kan ontkennen dat ik ziek ben. Waarschijnlijk was dat
hebben. Ik gok bijna een ton. Dat is een hoeveel-
rond m‘n veertiende. En op zaterdag, de week na Formenlehre krijg
heid waaraan ik niet zo zeer gewend ben. Een
ik plotseling ordinaire buikpijn, en koorts, dusdanig dat ik niet meer
bolletje, iets groter dan de helft van een brood is
kan verhuizen en nog vroeger in me bed stap. Ziek dus. Na zes jaar.
over het algemeen meer dan voldoende voor een
Al met al kun je makkelijk stellen dat het een vrij intensieve
maquette. En wat klei in deze hoeveelheid ver-
week is. Maar ik denk niet dat dit veel te maken heeft met het licha-
oorzaakt is kort gezegd, dat het Raumlabor naar
melijke aspect van de week. Vermoedelijk heeft het te maken met de
sportschool gaat ruiken. Vouwen met papiertjes
intensieve verbinding die je aangaat met de stof. Ik denk namelijk
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dat je op de manier waarop je omgaat met vormen in Formenlehre Woche vrijwel precies de kern treft van datgene dat zich ‚vormen‘ noemt. Zonder omwegen. En dingen van dien aard, die de kerntreffen, geen ontkomen toelaten, en dat alles zonder omwegen, laten altijd een spoor achter van ervaringen. Ervaringen die ‚s nachts rondspoken voordat je in slaap valt, rondspoken in je dromen, rondspoken als je wakker wordt, en zelfs als je op het toilet zit. En dat kost energie omdat het graag verwerkt wil worden. Verwerkt worden, om vervolgens voor altijd rond te spoken in dat geen dat je doet, en maakt. Het probleem met het onderwerp voor een documentatie kan ik dus niet oplossen, maar ik heb wel ontleed wat het probleem is. Formenlehre is nou niet echt een week die iets aan m‘n verstand heeft gespijkerd, maar een week die het heeft voorzien van een pakketje ervaringen. Klaar om over te dromen, en de meimeren. Dus dat blijf ik dat nog maar een poosje doen. En ga ik ondertussen weer verder met het bedenken van onderwerpen voor andere documentaties met theoretische onderwerpen. Ik weet nu (na drie dagen tekst schrijven en tekst wissen) in ieder geval waarom het niet gelukt is met het onderwerp. Ik was gewoon verkeerd aan het denken.
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März 2012 ISSN 2190-3565