concerti bundesweite Ausgabe Oktober 2013

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DAS KONZERT- UND OPERNMAGAZIN

ALBRECHT MAYER Hirtengesänge für die Welt von heute

Philippe Jaroussky

Über Humor in der Musik und das Warten auf hohe Töne

Gustavo Dudamel

»Ich malte mir aus, an Karajans Stelle zu stehen«

NEU!

J E TZ Mitneh T Men


AKTUELLE NEUERSCHEINUNGEN BEI SONY CLASSICAL

JONAS KAUFMANN

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Auf seinem ersten Verdi-Album überrascht Jonas Kaufmann mit vielen Arien, die man bislang nicht von ihm kannte: von Celeste Aida bis zu den dramatischen Szenen des Otello. Und natürlich sind auch die Highlights seiner großen Festspiel-Erfolge dabei. Mit Arien und Szenen aus Don Carlo, Il Trovatore, Rigoletto, I Masnadieri, Luisa Miller, Un Ballo in Maschera, Simon Boccanegra, La Forza del Destino, Aida und Otello. www.jonaskaufmann.com

SOL GABETTA Die neue CD mit ihrem Bruder Andres Gabetta und der Cappella Gabetta mit wunderschönen italienischen Cellokonzerten des Barock – von Antonio Vivaldi, aber auch von kaum bekannten Komponisten wie Platti und Zani. Das großartige Konzert von Chelleri ist sogar eine Weltersteinspielung. „..eine wunderschöne CD, nicht nur www.solgabetta.de für Vivaldi-Fans“ NDR

RANGA YOGESHWAR Der bekannte Journalist, Wissenschaftler und TV-Moderator ist der Sprecher dieser Neuaufnahme von Prokofieffs Peter und der Wolf und Herbert Chappells Paddington Bär mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Paul Goodwin.

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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser! Vor siebeneinhalb Jahren erschien in Hamburg die erste Ausgabe von concerti. Drei Jahre später erweiterten wir unseren Wirkungskreis um ein Berliner Heft. Was damals noch ein Traum war, wird heute Realität: Mit diesem Magazin erscheint concerti bundesweit! Unser Qualitätsanspruch bleibt dabei unverändert: Wir möchten Lust machen auf die vielfältige Konzert- und Opernwelt. Jeden Monat aufs Neue mit exklusiven Künstlerporträts, Interviews, Reportagen, Gregor Burgenmeister Konzert- und Premierenberichten sowie RezenHerausgeber/Chefredakteur sionen aktueller CDs, DVDs und Bücher. Unser Ziel ist, immer aktuell, anspruchsvoll und unterhaltsam zu sein. Im Mittelpunkt stehen dabei alle Facetten, die das Musikleben zu bieten hat. Die Stars, die Diven, der musikalische Nachwuchs, die Opernhäuser und Konzertsäle, die Festivals, die Chöre, das Tanztheater – das alles und noch viel mehr prägt concerti. Abgerundet wird dies durch die Regionalteile in Hamburg, Berlin, Mitteldeutschland und München. Hier stellen wir Ihnen die besten Veranstaltungen aus Ihrer Umgebung zusammen – in einem übersichtlichen Kalender, ergänzt um ausgewählte Termintipps unserer Redakteure. Übrigens finden Sie nicht nur die aktuellen, sondern auch zahlreiche weitere Themen sowie über 30.000 Konzert- und Operntermine auf unserem Online-Portal. Probieren Sie es doch gleich aus: www.concerti.de. Ich wünsche Ihnen ein inspirierendes Lesevergnügen! Ihr

Fotos: Ivo von Renner, Ben Bernschneider, privat

P.S.: Die hochgelobte neue CD „Arabesque“ von Olga Peretyatko erhalten Sie als Prämie, wenn Sie jetzt ein concerti-Abo bestellen. Weitere Infos finden Sie auf der vorletzten Seite dieses Magazins. KURZ VORGESTELLT Tom Leifer sorgt als preisgekrönter Chef seiner 2005 gegründeten Agentur seit 2009 für die gestalterischen Grundlagen von concerti. Und wenn es mal wieder spät geworden ist, schnallt er sich sein geliebtes Akkordeon um und lässt Design Design sein.

Friederike Holm bringt als Redaktionsleiterin nicht nur seit eineinhalb Jahren alle Texte in Form. Als Geige spielende Chorsängerin und studierte Kulturwissenschaftlerin weiß sie von der Themenauswahl über die Seitenplanung bis zum Druck, was Sache ist. April 2013 concerti   3


INHALT

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Olga Peretyatko Zu Gast in Hamburg, Berlin und München

Gustavo dudamel Im Gespräch mit concerti

KONZeRT

8

Hirtengesänge für die welt von heute PoRTRÄT Albrecht Mayer ist seit 20 Jahren Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker. Und einer der erfolgreichsten Musiker auf dem CD-Markt

10 »ich malte mir aus, an karajans stelle zu sein«

iNTERviEw Der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel über Gemeinschaftsgefühl im Orchester, Heimatliebe und den neuen Papst

14

»ich warte seit 15 Jahren auf das hohe C« kuRZ GEFRAGT Philippe Jaroussky über seinen höchsten Ton, Humor und das deutsche Publikum

OPeR

17

starstadl schlägt Banalitätenbude FEuiLLEToN Die Salzburger und Bayreuther Festspiele im Vergleich – im Verdi-Wagner-Jahr gibt es viele Sieger und einen erwarteten Skandal

22 »ich bin keine normale sängerin«

PoRTRÄT Privat hört sie am liebsten gute Electronic Bands, ihre immer zahlreicheren Fans verwöhnt Olga Peretyatko weltweit mit Belcanto vom Feinsten

4  concerti Oktober 2013

14

Philippe Jaroussky Auf den Spuren von Farinelli

ReGIONALTeIL An dieser Stelle finden Sie in den Ausgaben Berlin, Hamburg, Mitteldeutschland und München die Regionalseiten

DIe WeLT DeR KLASSIK

27 wo Licht zu klang wird

FEsTivALGuidE Die interessantesten Programme, Orte und Künstler – in Ihrer Region, Deutschland und Europa

34 Eine komposition in Bildern

REPoRTAGE Warum man auch in Japan

gerne die Berliner Philharmoniker hört – und sieht

44 »das ist mir zu verzärtelt«

BLiNd GEHöRT Der Cellist Jan Vogler hört und kommentiert CDs von Kollegen, ohne dass er erfährt, wer spielt

RUBRIKeN 03 Editorial 06 Kurz & Knapp 24 Opern-Tipps 32 Konzert-Tipps 38 CD-, DVD- und Buch-Rezensionen 48 Multimedia-Tipps 50 Vorschau & Impressum

Fotos: Anna Hult, Daniil Rabovsky, Marc Ribes licensed to EratoWarner Classics

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kurz & knapp

was ist EiN ...

frosch? Anders als das im Tierreich bekannte Amphibium springt dieses Tierchen auf die Geige und andere Saitenin­ strumente: Frosch nennt man den unteren Teil des Bogens, an dem die Bogenhaare und die Bogenstange befestigt sind. Ein anderes tierisches Ding ist am oberen Ende der Geige zu finden: Die Verschnörkelung über den Wirbeln nennt man Schnecke.

Violinkonzerte komponierte Antonio Vivaldi, 36 davon in der für Geiger bequemen Tonart D-Dur und nur eines in f-Moll.

Die Lang Lang International Music Foundation veranstaltet im November erstmals ein Junior Music Camp in München. Junge talentierte Pianisten aus der ganzen Welt werden dazu erwartet. Nach dem fünftägigen Unterrichtsprogramm erhalten die Schüler in einer öffentlichen Probe Tipps von Lang Lang, der auch Mitglied der Auswahl-Jury ist, und werden dann auf eine kleine Konzerttour durch bayerische Schulen gehen.

... fängt nicht an, hört nicht auf, dauert nur ... Claude Debussy über Richard Wagner

echo klassik wird vergeben Seit 1994 wird der ECHO Klassik an Musiker für herausragende Leistungen vergeben. Dabei werden nicht nur Weltstars wie Anna Netrebko, Philippe Jaroussky oder Martha Argerich ausgezeichnet, sondern auch vielversprechende junge Talente gefördert. In diesem Jahr können sich am 6. Oktober neben anderen Sol Gabetta, Leonidas Kavakos, Alexandre Tharaud und Vilde Frang über die Auszeichnung freuen. 6  concerti Oktober 2013

Helmuth Rilling erhält den ECHO Klassik für sein Lebenswerk

Fotos: Peter Hönnenmann/Sony Classical, PD, Holger Schneider, Jonny Eilers/First Entertainment GmbH

218

Lang Lang unterrichtet in München


3 Fragen an ...

w w w.deag.de

Ranga Yogeshwar

ORCHESTER | TENOR WERKE VON VERDI, PUCCINI UND MOZART

Was ist das Schönste für Sie an Ihrem Beruf als Moderator? Meine Neugier auszuleben! Egal um welches Thema es geht, der Inhalt ist für mich das Entscheidende. Immer wieder Dinge neu zu lernen und die Faszination am Entdecken mit anderen teilen zu können, machen den eigentlichen Charme meines Berufes aus.

Sie moderieren auch Konzerte – was fasziniert Sie an klassischer Musik? Zunächst einmal habe ich einen persönlichen Bezug: Ich habe früher intensiv Klavier gespielt, heute komme ich leider nur selten dazu, und meine Frau hat Gesang studiert. Klassische Musik ist für mich zeitlos, weil sie etwas aussagt, das uns immer wieder bewegt.

Atomphysik, Klassik, Astronomie – was ist Ihr nächstes Thema? Das ist gar nicht so entscheidend. Ich finde, wenn man wirklich in die Tiefe geht – egal ob in den Naturwissenschaften oder in der Kunst – am Ende kommt man auf die gleichen fundamentalen Fragen: Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir?

15.10. 2013 FRANKFURT/M. | ALTE OPER 23.10.2013 HAMBURG | LAEISZHALLE 07.11.2013 MÜNCHEN | PHILHARMONIE

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P

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MIT ORCHESTER Höhepunkte aus

O peretten und den schönsten O pernarien ! 2 7. 10 . 2 013 B e r l i n Konzer t haus 3 0 . 10 . 2 013 M ü n c h e n Herku lessaa l

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u.v.m. auf Tour Prokofjew: Peter und der Wolf Chappell: Paddington Bärs erstes Konzert Ranga Yogeshwar (Sprecher), Münchner Rundfunkorchester, Paul Goodwin (Leitung). Sony Classical

Tickets unter www.

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01806 - 999 000 555* sowie an

allen bek. VVK-Stellen. Weitere Informationen unter www.deag.de *(0,20€/Anruf aus dem dt. Festnetz / Monat 20xx concerti   7 max. 0,60€/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz)


Porträt

Hirtengesänge für die Welt von heute Albrecht Mayer ist seit 20 Jahren Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker. Und einer der erfolgreichsten Musiker auf dem CD-Markt. Von Volker Tarnow

D

ie Berliner Philharmoniker haben in jüngster Zeit herbe Verluste erlitten. Vor zwei Jahren verließ der tschechische Solo-Hornist Radek Baborák das Orchester, zum Ende der Saison 2012/13 verabschiedete sich der ebenfalls unersetzliche 1. Konzertmeister Guy Braunstein in die virtuose Selbstständigkeit. Man 8 concerti Oktober 2013

nimmt daher erleichtert zur Kenntnis, dass Albrecht Mayer keine zentrifugalen Absichten zu erkennen gibt. Er ist seit 1992 Solo-Oboist der Philharmoniker. Und will es bleiben, sagt er. Mayer könnte gut auf dem freien Feld überleben, wofür Doppelrohr spielende Hirten ohnehin erfunden wurden. Aber er

favorisiert die Doppelexistenz: hier die Solo-Karriere, dort das halbwegs sichere Revier eines Orchesters. Ihm ist klar, was er der Mitwirkung in einem solchen Ensemble menschlich und künstlerisch verdankt. Da die Berliner Philharmoniker einen extrem engen Probenund Konzertplan haben, kann man sich das Belastungsdia-

Foto: Mat Hennek/Decca

Bei ihm ist Musik keine Einbahnstraße: Albrecht Mayer sucht immer wieder nach neuen musikalischen Wegen


gramm Mayers leicht ausmalen. Allzu bukolisch dürfte es in seinem Berufsleben als Orchester-Solist, Virtuose und seit einiger Zeit auch als Dirigent nicht zugehen; es ist die Freude an der Musik, die diesen Stress bewältigen hilft, spielend. Wäre er Fondsmanager, würde Mayer seine Träume schon längst einem Analytiker vortragen – als Oboist kann er sie sich erfüllen. Zum Beispiel auf dem Phonomarkt. Vielseitig: Von Mozart bis Jingle Bells

Der Mann mit dem sagenhaft sanften und langen Atem besitzt nämlich einen Decca-Vertrag. Vorher veröffentlichte er bei der Deutschen Grammophon, bei EMI, Tudor und RCA. Solche Verträge sind heutzutage selten und werden immer seltener. Albrecht Mayers Erfolg hat viele Töchter, harte Arbeit gehört auch zu ihnen. „Plattenverträge fallen einem nicht in den Schoß“, sagt er. „Ich musste mir meinen Markt erkämpfen. Für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, bin ich dankbar. Aber das bringt auch viel Verantwortung mit sich.“ Soll heißen: die Alben müssen sich verkaufen, die Produzenten sind keine Idealisten. Und sie verkaufen sich nicht schlecht. Sowohl Mayers Silberlinge des klassischen Oboen-Repertoires von Telemann und Mozart bis Strauss und Vaughan Williams als auch die Konzept-Alben wie „In Venedig“ oder „Bonjour Paris“ finden großen Anklang. Stoßrichtung und Strategie sind deutlich: gezielt wird aufs große Publikum, und wer einmal etwas Populäres mit Mayer kauf-

te, wird vielleicht auch etwas Elitäres, sogar Ausgefallenes von ihm hören wollen. Die beiden aktuellen Projekte folgen dieser Linie. In Kürze erscheint ein zusammen mit den King’s Singers aufgenommenes Winteralbum, auf dem sich Bearbeitungen von Greensleeves, Jingle Bells, Rapapampam, Schubert und viel Barock finden. Mayer schwärmt schon lange für dieses englische Herren-Sextett, findet keinen Superlativ, der übertrieben genug für sie wäre, bezeichnet die Zusammenarbeit als Gottesgeschenk. Danach werden dann wieder Randzonen erkundet, Stücke von Kozeluch und Fiala ausgegraben. Leider hat das 19. Jahrhundert kaum Spielbares für Holzbläser hinterlassen und Beethoven sein Oboenkonzert nicht beendet; trotzdem sei das Repertoire erfreulich groß, so Mayer. Und niveauvoll. „Ich wage die halsbrecherische These: Ludwig August Lebruns Oboenkonzerte d-Moll und gMoll stehen mindestens auf einer Höhe mit Mozarts Oboenkonzert!“ Rennrad gegen Oboe

Es gibt also reichlich zu tun in den nächsten Jahren. Der zum Berliner, mindestens zum bekennenden Zehlendorfer gewordene Musiker aus Franken muss zusehen, dass seine Hobbies nicht auf der Strecke bleiben, das Rennrad nicht verrostet, der Kochlöffel nicht eintrocknet. Soll er alles machen oder bleiben lassen, solange nur dieser geschmeidig warme und zugleich bronzene Glanz seines Tones erhalten bleibt. Von den Freiluftmusikanten des alten Griechenland berichtet die Literatur ja wahre Wun-

derdinge. Aber großer Apoll, wenn Daphnis und all die klassischen Hirten annähernd so berückend gespielt haben wie Albrecht Mayer – wie konnte die Antike dann untergehen?! Konzert-TIPPs

dresden Fr. 4.10.2013, 20:00 Uhr Frauenkirche Albrecht Mayer (Oboe), Gabriel Schwabe (Violoncello), Vital Frey (Cembalo). Werke von Bach, Marcello & Enjott Schneider Potsdam So. 13.10.2013, 18:00 Uhr Friedenskirche Sanssouci Albrecht Mayer (Oboe & Leitung), Kammerakademie Potsdam. Werke von Hoffmeister, Fiala & Haydn Halle Do. 28.11.2013, 20:00 Uhr Neues Theater Staatskapelle Halle, Albrecht Mayer (Oboe), Samy Moussa & Hans Rotman (Leitung & Moderation). Werke von Ruzicka & Henderickx Germering Fr. 29.11.2013, 19:30 Uhr Stadthalle (Orlandosaal) Albrecht Mayer (Oboe), Evgenia Rubinova (Klavier). Werke von Hahn, Debussy, D‘Indy, Schumann, Prokofjew & Poulenc CD-Tipp

Schilflieder Werke von Klughardt, Schumann, Herzogenberg, Weismann u.a. Albrecht Mayer (Oboe), Tabea Zimmermann (Viola), Marie-Luise Neunecker (Horn), Markus Becker (Klavier) Decca Online-Tipp

Albrecht Mayer ist auch als Lehrer Weltklasse - hier zu sehen bei einer Masterclass in New York: Scannen Sie den Bild-Code mit einem Smartphone und einer App für QR-Codes oder gehen Sie auf www.concerti.de/mayer Oktober 2013 concerti  9


»Ich malte mir aus, an Karajans Stelle zu stehen« Der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel über Gemeinschaftsgefühl im Orchester, Heimatliebe und den neuen Papst. Von Dagmar Leischow


INTERVIEW

G

uten Tag, Maestro.“ Respektvoll begrüßt der Kellner im Salzburger Hotel „Sacher“ den Dirigenten Gustavo Dudamel, der eigentlich nur eins will: möglichst normal behandelt werden. Schließlich sieht sich der 32-Jährige als Teamplayer, nicht als Diktator. Auch im Gespräch zeigt er keine Arroganz, der Venezolaner mit den dunklen Locken ist fröhlich und temperamentvoll. Die Worte purzeln förmlich aus ihm heraus, einige Sätze unterstreicht er mit einer flinken Handbewegung. Herr Dudamel, was liegt ihnen am venezolanischen Simón Bolívar Symphony Orchestra?

Dieses Orchester liegt mir besonders am Herzen, es ist meine Familie. Schließlich habe ich gut 20 Jahre mit ihm verbracht. Ich fing als Junge im Simón Bolívar National Children‘s Orchestra an, aus dem schließlich das Simón Bolívar Symphony Orchestra wurde. Dass ich inzwischen sein musikalischer Direktor bin, macht mich unheimlich stolz.

»Die Klassik sollte nicht auf einen Sockel gehoben werden« Ihre Schützlinge kommen aus Problemfamilien, einige haben früher auf der Straße gelebt. Wie schwer taten sie sich anfangs damit, diszipliniert ein Instrument zu spielen?

Sicherlich gab es hier und da Startschwierigkeiten. Aber die ließen sich bei allen unglaublich schnell überwinden. Ich kann Ihnen genau sagen, warum: Weil das Orchester einem ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Das tut gerade denjenigen gut, die vorher völlig auf sich allein gestellt waren.

Foto: Mathew Imaging

Sie selbst dürften als Sohn eines Posaunisten und einer Gesangslehrerin behüteter aufgewachsen sein, oder?

Wir gehörten zwar zur Mittelschicht, wohnten allerdings in einem ärmlichen Stadtviertel. Insofern habe ich hautnah mitbekommen, wie tief man fallen kann. Nicht jeder, mit dem ich aufgewachsen bin, ist heute noch am Leben. Oktober 2013 concerti  11


intErViEw

ZUr pErSon

Gustavo Dudamels Lebenslauf ist eine unglaubliche Geschichte: Der bekannteste Sprössling des musikpädagogischen Projekts „El sistema“ in Venezuela wurde 1981 in Barquisimeto geboren. 2004 gewann er den Gustav-Mahler-dirigentenwettbewerb. Er dirigierte mehrmals die Berliner Philharmoniker und ist seit 2009 Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic orchestra.

Temperament bis in die Dirigierstockspitze: Gustavo Dudamel am Pult

Fragen Sie sich manchmal, was nach wusste ich, dass ich Diriaus Ihnen geworden wäre, wenn gent werden wollte. Sie als Kind nicht kostenlos Musikunterricht bekommen hätten? Gehen Sie Ihren Job mittlerweiEigentlich war mir immer klar: le routinierter an?

Sie galten als Wunderkind.

Ach was. Ich verfügte nie über Beethovens Genialität, sondern musste hart für meinen Erfolg arbeiten.

Mein Motto ist: Ohne Leidenschaft geht die Magie der Musik verloren. Darum versuche ich stets, ein Orchester für meine Ideen zu begeistern.

Es ging ihm bestimmt nicht darum, Nietzsches Gedankengut eins zu eins zu vertonen. Welchen Unterschied macht es Eher hat er ein paar von dessen für Sie, ob Sie vor Profis oder vor Ideen aufgegriffen und dann Laien stehen? nach einer für ihn stimmigen Grundsätzlich keinen. Aber die musikalischen Adaption geWiener Philharmoniker zum sucht. Für mich leben sowohl Beispiel bringen natürlich ei- Nietzsches als auch Strauss‘ nen enormen Erfahrungsschatz Werk von ihren Gegensätzen. ein, aus dem ich als Dirigent Mal löst das Licht die Dunkelschöpfen kann. heit ab, mal mutiert Leidenschaft zu Leere.

Dennoch haben Sie schon mit Mit den Berliner Philharmonikern zwölf Jahren ein Orchester diri- haben Sie kürzlich Richard giert. Strauss‘ Also sprach Zarathustra Das war purer Zufall. Weil der aufgenommen.

Leiter unseres Jugendorchesters nicht pünktlich war, bin ich einfach eingesprungen. Zuerst haben die anderen Kinder gelacht. Doch fünf Minuten später waren sie ruhig und arbeiteten hochkonzentriert mit mir. Da12  concerti Oktober 2013

Glauben Sie, dass sich Strauss beim Komponieren an Nietzsches Zarathustra orientierte?

Wie Herbert von Karajan, meinen Sie? Diesem Vergleich muss ich mich jetzt wohl stellen. Mit Sicherheit hat mich seine Einspielung geprägt. Wenn ich sie mir anhörte, begann ich automatisch vor dem Lautspre-

Was halten Sie von Nietzsches berühmten Satz „Gott ist tot“?

Dieses berüchtigte Zitat „Gott ist tot.“ mögen einige Leute als reine Provokation empfinden. Meiner Ansicht nach wollte Nietzsche uns bloß daran erinnern, dass wir unser Schicksal letztlich selber in die Hand nehmen müssen. Auch wenn wir

Foto: Anna Hult

Ich möchte auf jeden Fall etwas aus mir machen. Trotzdem hätte ich ohne die Musik womöglich auf die schiefe Bahn geraten können. Das ist in meiner Nachbarschaft mit schönster Regelmäßigkeit passiert. Aus netten Jugendlichen wurden plötzlich Kriminelle.

cher zu dirigieren. Ich malte mir aus, an seiner Stelle zu stehen. So gesehen ist für mich ein Traum Wirklichkeit geworden.


Menschen kein Superman sind: In uns steckt mehr Kraft, als wir denken. Wahrscheinlich geht nicht jeder Katholik so entspannt mit Nietzsches Theorien um wie Sie.

Verstehen Sie mich nicht falsch – meinen Glauben will ich mir nicht nehmen lassen. Im Gegenteil: Ich plädiere dafür, Religion endlich wieder als Symbol für Zusammenwachsen zu sehen. Sie kann uns über Grenzen hinweg näherbringen, statt Hass oder gar Krieg zu schüren. Und wie stehen Sie zum Papst?

Als Venezolaner freue ich mich riesig, mit Franziskus ein lateinamerikanisches Kirchenoberhaupt zu haben. Vor allem seine Bescheidenheit beeindruckt mich. Binnen kürzester Zeit hat er sich mit den Ärmsten der Armen solidarisiert. Vermissen Sie Werte wie Natürlichkeit, wenn Sie in Los Angeles sind?

Ich halte diese Stadt gar nicht für so oberflächlich, sie ist sehr weltoffen. Ob Japaner, Chinesen oder Mexikaner, jeder findet dort seinen Platz. Im übrigen mache ich einige Parallelen zwischen Los Angeles und Caracas aus: das schöne Wetter, die Nähe zum Meer. Reicht Ihnen das, um sich zuhause zu fühlen?

Solange ich meine Frau und meinen Sohn bei mir habe, plagt mich kein Heimweh. Kommt Ihre Familie tatsächlich nicht zu kurz?

Es fällt mir nicht besonders schwer, Beruf und Privatleben auszutarieren. Als Chefdirigent

des Los Angeles Philharmonic Orchestra verbringe ich relativ viel Zeit an einem Ort, ansonsten arbeite ich meistens in Venezuela. Überhaupt wirken Sie sehr bodenständig. Sie haben nichts Diktatorisches an sich.

Warum auch? Ich sehe mich als Teamplayer, als Teil des Orchesters, nicht als Maestro. Zumindest die Amerikaner haben das akzeptiert. Sie nennen

»Ich möchte zeigen, dass Musik eine universelle Sprache ist«

Heißt das, Sie haben nichts gegen Crossover?

Klassik, Jazz, Rock oder Pop sind für mich absolut gleichwertig. Deshalb habe ich im vergangenen Jahr bei einem Konzert auf dem Flughafen von Caracas vor mehr als 200.000 Zuschauern das Simón Bolívar Symphony Orchestra mit der Simón Bolívar Salsa Band und dem Latino-Sänger Rubén Blades zusammengebracht. Solche Projekte liegen mir am Herzen. Denn ich möchte zeigen, dass Musik eine universelle Sprache ist. Ohne die uns etwas fehlte?

Genau. Es rührt mich, wie sehr besonders Jugendliche für ihre Instrumente brennen. Sie geben bei einem Auftritt mit ihrem Orchester alles. Dieser mich einfach Gustavo. Das „Miteinander sind wir stark“schätze ich sehr, weil weder ein Mo­ment lässt sie menschlich Dirigent noch die Klassik an reifen. Sie wachsen zu verantsich auf einen Sockel gehoben wortungsbewussten Bürgern werden sollte. Ich lehne die heran und geben später ihre Trennung zwischen E- und U- Begeisterung für die Musik an Musik ab. die nächste Generation weiter. Konzert-TIPPs

München Mi. 23.10. & Fr. 25.10.2013, 20:00 Uhr Gasteig (Philharmonie) Münchner Philharmoniker Gustavo Dudamel (Leitung) Mahler: Sinfonie Nr. 7 e-Moll Hamburg Sa. 26.10.2013, 19:30 Uhr Laeiszhalle (Großer Saal) Münchner Philharmoniker Gustavo Dudamel (Leitung) Mahler: Sinfonie Nr. 7 e-Moll Berlin Do. 5.12., Fr. 6.12. (auch bundesweit live im Kino) & Sa. 7.12.2013, 20:00 Uhr Philharmonie Berliner Philharmoniker Gustavo Dudamel (Leitung) Strawinsky: Suiten Nr. 1 & 2 Schubert: Sinfonie Nr. 4 c-Moll Beethoven: Sinfonie Nr. 4 B-Dur

CD-Tipp

Strauss: Also sprach Zarathustra, Till Eulenspiegels lustige Streiche & Don Juan Berliner Philharmoniker Gustavo Dudamel (Leitung) Deutsche Grammophon Online-Tipp

Gustavo Dudamel beim Proben über die Schulter schauen kann man beim Projekt „Discover Dudamel“ Scannen Sie den Bild-Code mit einem Smartphone und einer App für QR-Codes oder geben Sie www.concerti.de/dudamel in Ihren Browser ein. Oktober 2013 concerti   13


Kurz Gefragt

Im barocken Repertoire ist Philippe Jaroussky Zuhause

»Ich warte schon 15 Jahre auf das hohe C« Philippe Jaroussky ist einer der erfolgreichsten

Countertenöre. Hier spricht er über ...

gen – aber das ist wohl mein ... das deutsche Publikum Humor wird für mich immer Das kann ich an der Stille er- Schicksal: Ich warte schon 15 wichtiger. Bei vielen Konzerten kennen, an der hohen Konzen- Jahre auf das C, aber inzwimit Christina Pluhar und ihrem tration während des gesamten schen denke ich, ist es an der Ensemble L‘Arpeggiata habe Konzerts. In Frankreich oder Zeit, einzusehen, dass es nicht ich gelernt, dass ein Klassik- Spanien klatschen oder rufen mehr kommt (lacht). Ich arbeiKonzert zwar seriös sein muss, die Leute oft schon nach der te natürlich immer an meinem aber dass du manchmal eben ersten Arie, in Deutschland gesamten Register, nicht nur auch etwas anderes anbieten passiert das fast nie. Dafür kön- an der Höhe. Man versucht kannst. Am Ende des Konzerts nen die Menschen hier am dabei nicht nur, die Höhe zu zum Beispiel haben wir aus Ende um so enthuastischer sein, entwickeln, um die hohen Töne Ohimè ch‘io cado von Monte- dann sagen sie dir, ob es ihnen auch zu singen, sondern man verdi eine Art Jazz-Version gefallen hat oder nicht. Ich er- arbeitet an den Extremen, dagemacht, ich habe ein bisschen innere mich an meinen ersten mit man sich in der normalen dazu getanzt. Das schafft eine Auftritt in Deutschland, da Lage noch besser fühlt, um an andere Beziehung zwischen dachte ich zunächst, es würde den weniger schwierigen StelKünstler und Publikum. Außer- den Leuten nicht gefallen – bis len entspannter zu sein. dem, in der Oper, in den Libret- ich am Ende den Schlussap… Singen in Frauenkostümen ti gibt es ja auch unglaublich plaus hörte. komische Dinge. Humor ist Teil Das habe ich nie gemacht, ich des Lebens, und Musik sollte ... seine höchste Note glaube, ich würde es als unanalles zeigen, nicht nur das Leid Das zweigestrichene B. Ich genehm empfinden. Letztes und die Liebe. wünschte, ich würde das C krie- Jahr haben wir die Oper Arta14 concerti Oktober 2013

Foto: Marc Ribes licensed to EratoWarner Classics

… Humor


M a n f re d H e r t l e i n Ve r a n s t a l t u n g s G m b H p r ä s e n t i e r t

RAINHARD

serse von Leonardo Vinci auf- ... komische Zuschauerreaktiogeführt, mit fünf Countertenö- nen auf seine hohe Stimme ren, und mir wurde eine Frau- Es kommt immer noch vor, enrolle angeboten, doch ich dass Leute überrascht sind, habe lieber einen der männli- oder ablehnend reagieren. Die chen Parts übernommen. Die versuche ich zu fokussieren, Countertenor-Stimme hat für manchmal schaue ich sie direkt mich nichts damit zu tun, eine an. Aber man kann nicht jeden Frau darzustellen. Ich versuche überzeugen. Es gibt immer Leuauch nie, eine Frau zu imitieren. te, die im Konzert sind, weil Ich habe diese Stimme gewählt, sie jemand eingeladen hat. Und weil ich damit komfortabel sin- wenn so jemand deinen Gesang gen kann, es ist für mich eben nicht mag, kannst du nichts einfacher als Bass oder Tenor. machen. Das mag ich aber auch an dieser Stimmlage: es gibt ... das Komponieren dafür viele Fans, aber genauso Es gab eine Zeit, als ich ein gro- auch viele Menschen, die den ßes Bedürfnis danach hatte und Countertenor für ein Fake, eine tagelang komponierte. Aber Imitation halten. Und auch was dabei herauskam, war nicht diese Haltung respektiere ich, gut genug. Und irgendwann es ist ja eine sehr persönliche fehlte mir auch die Zeit. Ich bin Angelegenheit, ob man eine der Meinung: Wenn du Kom- Stimme mag oder nicht. ponist sein willst und etwas (Aufgezeichnet von Jakob Buhre) Gutes schreiben willst, dann musst du dem dein ganzes LeKonzert-TIPPs ben widmen. Deswegen habe ich großen Respekt vor Kom- Berlin ponisten. Es gibt schon eine Di. 8.10.2013, 20:00 Uhr Philharmonie Jaroussky (Countertenor), gewisse Frustration, dass ich Philippe Venice Baroque Orchestra, Andrea heute nur Interpret bin und Marcon (Cembalo & Leitung). Arien und Ouvertüren aus Opern von Porpora u.a. selbst nichts Neues kreiere. ... Johann Sebastian Bach

Ich habe ein bisschen Bach gesungen, als ich jünger war, in den letzten Jahren aber überhaupt nicht mehr. Er gehört zu den Komponisten, die ich mir für die Zukunft vorgenommen habe, allerdings frühestens in zwei Jahren. Erst möchte ich noch mein Deutsch verbessern. Und dann... Wissen Sie, ich habe die Arie aus der Matthäus-Passion gesungen, „Erbarme dich, mein Gott“, aber es ist fürchterlich: Selbst wenn ich mein Bestes gebe, habe ich das Gefühl, dass man der Perfektion dieser Komposition nicht gerecht wird.

Frankfurt Sa. 12.10.2013, 20:00 Uhr Alte Oper (Großer Saal) Programm siehe oben München Mi. 16.10.2013, 20:00 Uhr Prinzregententheater Programm siehe oben Weitere Konzerte mit Philippe Jaroussky in Stuttgart, Köln, Bremen, Essen und Baden-Baden finden Sie unter www.concerti.de/jaroussky CD-Tipp

Jaroussky – Farinelli Arien für Farinelli von Nicola Porpora Philippe Jaroussky (Countertenor), Cecilia Bartoli (Sopran), Venice Baroque Orchestra, Andrea Marco (Leitung). Erato

FENDRICH

LIVE AUF TOURNEE 2013 05.10.13 ALSDORF 06.10.13 KÖLN 08.10.13 DÜSSELDORF 09.10.13 OSTERHOLZ 10.10.13 WETZLAR 12.10.13 DRESDEN 13.10.13 ERFURT

14.10.13 BERLIN 15.10.13 HAMBURG 17.10.13 ASCHAFFENBURG 18.10.13 FRANKFURT 19.10.13 MANNHEIM 20.10.13 STUTTGART 22.10.13 TUTTLINGEN

29.10.13 WÜRZBURG 09.11.13 MÜNCHEN 30.10.13 REGENSBURG 10.11.13 BAMBERG 31.10.13 NÜRNBERG 12.11.13 ULM 02.11.13 INGOLSTADT 13.11.13 AUGSBURG 03.11.13 FREIBURG 14.11.13 ROSENHEIM 05.11.13 GARMISCHPART. 15.11.13 PASSAU 07.11.13 ESSENBACH 08.11.13 MÜNCHEN 16.11.13 KEMPTEN Eintrittskarten an allen bekannten Vorverkaufsstellen Tickets und Infos unter www.tourneen.com

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Spektakuläres Bühnenbild für Siegfried bei den Bayreuther Festspielen

18_Feuilleton starstadl schlägt Banalitätenbude Die Salzburger und Bayreuther Festspiele im

Vergleich – im Verdi-Wagner-Jahr gibt es viele Sieger und einen erwarteten Skandal 22_Porträt »ich bin keine normale sängerin« Privat hört sie am liebsten gute Electronic Bands, ihre immer zahlreicheren Fans verwöhnt Olga Peretyatko weltweit mit Belcanto vom Feinsten 24_opern-Tipps Die Herbst-Highlights in Deutschland und Europa Oktober 2013 concerti   17


opErn-fEUillEton

starstadl schlägt Banalitätenbude die salzburger und Bayreuther Festspiele im vergleich – im vERdi-wAGNER-JAHR gibt es viele sieger und einen erwarteten skandal. Von Peter Krause

18 concerti Oktober 2013

gerade die Vertrags-Verlängerung der leitenden WagnerHalbschwestern an; bei der österreichischen Konkurrenz muss Intendant Pereira durch seine Anschlussverpflichtung als Chef der Mailänder Scala nach dem Festspieldurchlauf 2014 frühzeitig die Segel an der Salzach streichen. Wer kann da im Jahr der Jubilare Verdi und Wagner wie punkten?

Jonas Kaufmann und Anja Harteros in Don Carlo in Salzburg

Castorfs Ring-Regie: frauenfeindliche Plattitüden

Zurück zum Ring: Mit größtmöglicher Distanz zum Stück bringt Castorf ihn auf die Bühne, poesiefern und musikimmun projiziert er seine kapitalismuskritischen Geschichtchen, Assoziationsfetzen, aktionistischen Gags, ZufallsPointen und frauenfeindlichen Plattitüden aufs Wagnerwerk. Aus dem Rheingold-Vorspiel in den Automobil-begeisterten 60ern führt uns die Walküre ins Russland des späten 19. Jahrhunderts. Zwar spinnt Castorf seine Idee fort, nach der das Rheingold zum Erdöl mutiert. Als Regisseur macht er eine Rolle rückwärts. Er lässt die Sänger machen, was sie wollen, und das heißt meist: Stehen und Singen als reinstes Rampentheater. Einen Fest-

spieltag später aber schiebt Castorf zwischen die tragischen Teile ein sozialistisches Siegfried-Satyrspiel – und punktet mit einer Story, die zwar mit den vorangegangenen Motiven nichts zu tun hat, aber in ihrer frechen, im Ostberliner Alexanderplatz-Milieu angesiedelten Trash-Ästhetik dennoch zum Witz, zur Brutalität und Schnelligkeit des zweiten RingAbends passen will. Statt der vier amerikanischen Präsiden-

Foto: Monika Rittershaus

I

rgendwo zwischen Chicago und LA, an der legendären Route 66, steht ein Motel, das auch Tankstelle ist und Bordelldienste bietet. Auf dem Rastplatz dieses Road-MovieRheingold sind Männer notgeile schmierige Säcke oder peinliche Tunten, Frauen blond, blöd und vollbusig. Mit dem Horizont des bekennenden Proleten kocht Ring-Regisseur Frank Castorf unseren Wagner auf ironisches Kleinstmaß ein. Der Berliner VolksbühnenStückezertrümmerer schlägt auf Wagner ein – zu dessen 200. Wiegenfest in Bayreuth. Nur zwei Tage, nachdem sich der Jubiläums-Ring mit der Götterdämmerung nur musikalisch gerundet hat, feiern Die Meistersinger von Nürnberg Premiere – freilich bei den anderen Festspielen, den Salzburgern, ausgerechnet in der Regie von Stefan Herheim, der mit seiner Parsifal-Lesart in Bayreuth die reifste, rezeptionsgeschichtlich relevanteste Interpretation der jüngeren Festspielgeschichte vorgelegt hatte. Die beiden Sommerfestivals – Brennpunkte der Musiktheater-Interpretation – zu vergleichen, ist auch deshalb spannend, da beide Institutionen in Führungskrisen stecken: In Bayreuth steht


ten im Mount Rushmore blicken uns Marx, Lenin, Stalin und Mao aus einer Felswand an, auf deren Rückseite ist der reale DDR-Sozialismus am Alex zu sehen – eine der vielen spektakulären Bühnenbild-Findungen von Aleksandar Denic.´ Der Ring als Parabel von den Idealen des Sozialismus und deren baldigem götterdämmerndem Verrat – hier hat diese Tetralogie mal ein Thema, das auch in

sierung, knüpft Castorf nur scheinbar daran an. Da er seine Behauptungen nicht mit einer stringenten Geschichte belegt, verkommt seine Ring-Konkretisierung zur Banalisierung. Als offizieller Beitrag zum 200. Geburtstag des Bayreuther Meisters ist das zu wenig. Die fundierte Auseinandersetzung mit Wagners Werk findet längst andernorts statt, zum Beispiel in den deutschen Stadttheatern.

vor sich sitzen hat, aus der Luxuskapelle aber ein zu pauschal polterndes Wagner-Wabern herausholt. Stefan Herheim aber hat alles, was Castorf fehlt. Der Norweger entwirft ein Konzept und setzt es mit maximaler szenischer Genauigkeit um. Da gibt es meisterhafte Charakterportraits der Meister, die überzeichnet, aber nicht karikiert wirken. An deren Spitze steht ein idealer Hans Sachs. Michael Volle, einst in Katharina Wagners Bayreuther Inszenierung schon ein toller Beckmesser, gibt einen virilen Charismatiker. Dieser Hans Sachs ist Richard Wagner, er ist Dichter und Denker, Liebhaber, Philosoph und Politiker, der um die Gefahr weiß, wie Beethoven, Goethe und Schopenhauer zum Denkmal erhöht und damit gleichzeitig degradiert zu werden, wo er doch so gern einfach Künstler wäre, um sich im Biedermeiernachthemd am Schreibtisch seinem Schaffensrausch hingeben zu können. Statt den politisierenden Zeigefinder zu erheben, setzt Herheim auf Personenregie und sommernachtstraumbeschwingten Humor. Verdi-Traumpaar Anja Harteros und Jonas Kaufmann

der Personenregie nachvollzogen wird. Ganz am Ende steht dennoch die Erkenntnis: In dieser Inszenierung erfährt man so manches über die Sexualfantasien und Sozialismustraumata des Regisseurs und kaum etwas über die Liebes- und Revolutionsvisionen des Komponisten. Gelang Patrice Cheréau mit seinem Jahrhundert-Ring einst eine Konkretisierung des Mythos im Lichte der Industriali-

Meisterhafte Meistersinger

Oder eben in Salzburg mit seinen Meistersingern. Bayreuth bietet mit Kirill Petrenko den überlegen dirigierenden Debütanten, auf den sich die Münchner Opernfreunde als ihren neuen, noch jungen Generalmusikdirektor begeistert freuen dürfen. Salzburg hat mit Daniele Gatti nur einen den polyphonen und sprachlichen Witz ignorierenden Dirigenten, der die Wiener Philharmoniker

Dem alt gewordenen Peter Stein mag man ein Übermaß an psychologischer Präzision nicht mehr bescheinigen. Und doch: Der fünfaktig gespielte Don Carlo besticht als großartiges Sängertheater, inszeniert von einem Verdi-Magier ohne Vergleich. Der steht freilich am Pult der Wiener Philharmoniker, heißt Sir Antonio Pappano und taucht diese nachtschwarze Tragödie grandios in die ihr gemäße dunkle „Tinta“, pendelt Oktober 2013 concerti   19


Opern-FEUILLETON

Kurz Besprochen weimar 7.9.2013

Wagner: Lohengrin Wer das Opernmärchen vom Schwanenritter am Ort der von Franz Liszt geleiteten Uraufführung im Wagnerjahr 2013 neu inszenieren darf, braucht gute Nerven und Ideen: Eines der spannendsten jungen deutschen Regieteams hat beides. Stefan Solyom (Leitung), Tobias Kratzer (Regie), Rainer Sellmaier (Bühne & Kostüme), Heiko Börner, Johanni van Oostrum Weitere Termine: 29.9., 13.10., 2.11., 30.11., 26.12.2013 München 23.7.2013

Benjamin: Written on Skin Kent Nagano setzte mit seiner letzten Premiere an der Staatsoper nochmal ein Zeichen in Richtung Zukunft: Nicht mit Wagner oder Strauss, sondern mit der Erstaufführung Written on Skin des Briten George Benjamin sagt er Servus. Der lange Jubel hernach galt auch einer hochkarätigen Partitur: Neue Musik muss nicht schrecklich klingen. Kent Nagano (Leitung), Katie Mitchell (Regie), Christopher Purves, Klangforum Wien Termine Neuinszenierung in Bonn: 29.9., 4.10., 20.10., 26.10., 28.11. Berlin 8.9.2013

Verdi: Nabucco Ein neuer Nabucco an der Deutschen Oper muss sich messen lassen an der kontrovers diskutierten Vorgängerproduktion von Hans Neuenfels. Zum VerdiJahr trat nun der Brite Keith Warner an der Bismarckstraße in den Ring. Andreas Battistoni (Leitung), Keith Warner (Regie), Johan Reuter, Anna Smirnova, Vitalij Kowaljow, Yosep Kang Weitere Termine: 3.10., 5.10., 8.10., 13.10., 19.12.2013 Online-Tipp

Die vollständigen sowie weitere tagesaktuelle Opern-Rezensionen finden Sie im Internet Michael Volle als Meistersinger Hans Sachs in Salzburg 20 concerti Oktober 2013

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Fotos: Salzburger Festspiele/Forster, Bernd Uhlig, Matthias Horn

Temperament und Lyrik Verdis traumwandlerisch aus, lässt die Phrasierung blühen und atmet wie ein Sänger. Auf Händen tragen darf er eine Luxus-Besetzung, die kaum besser vorstellbar ist. Die schönste Stimme gehört der Anja Harteros als Elisabetta. In Anmut und Atemkontrolle, in schwebender Süße, strahlendem Goldschimmer und heldenhafter Haltung brilliert hier eine Königin der Herzen. Ihr zur Seite steht der baritonale und gleichwohl höhengleißende Tenorissimo Jonas Kaufmann in der Titelpartie – den introvertierten Infanten vokal verschattend, in den Duetten verliebt auftrumpfend. Das Verdi-Traumpaar bekräftigt die Salzburg-Rangfolge eines „Prima la musica, poi la regia“. Salzburg, das sind die Bartoli-, Netrebko- und Harteros-Festspiele. Und Bayreuth? In Erinnerung bleibt mit dem Petrenko-Ring allein die musikalische Seite, Castorfs Beliebigkeitsregie geht als skandalöser Aufreger in die Geschichte ein, nur leider nicht als die erhoffte skandalöse Neuerung: Denn viel mehr als des Kaisers neue Kleider gab’s dort nicht zu besichtigen.


HÉLÈNE GRIMAUD BRAHMS

KLAVIERKONZERTE NR. 1 & 2

© DG / Mat Hennek

SYMPHONIEORCHESTER DES BAYRISCHEN RUNDFUNKS WIENER PHILHARMONIKER • ANDRIS NELSONS Live: 09.11.13 Düsseldorf / 11.11.13 München / 09.03.14 Berlin / 21.03.14 Freiburg 22.,23.03.14 Heidelberg / 24.03.14 Hannover / 22.03.14 Frankfurt / 11.,12.,13.05.14 Dresden www. helenegrimaud.de


porträt

»Ich bin keine normale Sängerin« Privat hört sie am liebsten gute Electronic Bands, ihre immer zahlreicheren Fans verwöhnt OLGA PERETYATKO weltweit mit Belcanto vom Feinsten. Von Michael Blümke

Sieht sich selbst als „KampfSopran“: Olga Peretyatko 22  concerti Oktober 2013

esungen hat sie schon im- ist aber diese unbändige Lust mer. Angeblich sogar, be- am Singen, die sich unmittelbar vor sie sprechen konnte. Fol- überträgt, nicht nur auf der gerichtig kam sie schon als Bühne, sondern selbst auf CD. kleines Mädchen in den Chor. Auch Geige hat sie gelernt. Aber Wegen Mozart an der verlor sie nach wenigen nach Deutschland Jahren das Interesse. Die Lust Mozart wollte sie singen und an der Stimme aber blieb. Und dachte, der beste Ort, das zu so wurde Olga Peretyatko mit lernen, wäre Deutschland. So 15 in den Kinderchor des Ma- absolvierte sie 2002 die Aufriinsky-Theaters aufgenom- nahmeprüfung an der Hochmen. Trotzdem dachte sie nicht schule für Musik Hanns Eisler daran, das Singen zum Beruf in Berlin und wählte Brenda zu machen. Zumindest nicht Mitchell als Professorin, weil direkt. Zur Chorleiterin wollte das der einzige angelsächsisie sich ausbilden lassen. Gott sche Name war und Olga dasei Dank kam es anders. mals außer Russisch nur EngHört man die Mühelosigkeit, lisch sprach. (Heute parliert sie mit der die Stimme der Peters- auch fließend auf Deutsch und burgerin in schwindelerregen- Italienisch.) Nach eigenem Bede Regionen aufsteigt, mag kunden hätte sie keine bessere man kaum glauben, dass sie in Entscheidung treffen können, ihrer Jugend als Alt eingestuft „Brenda Mitchell war genau die wurde. Erst mit 20 prognosti- Richtige für mich.“ zierte eine Privatlehrerin, dass In Berlin traf es sich gut, dass sie zu Höherem berufen ist. sie in der Kindheit auch ein Seitdem ist Olga Peretyatko paar Jahre Geige gespielt hatte, auch in der dreigestrichenen denn so ein Studium will Oktave zu Hause. Geschmeidi- schließlich finanziert sein. So ge Koloraturen und eine abso- tat sich die Sopranistin mit lut selbstverständliche Geläu- einigen Kommilitonen zu eifigkeit sind nur zwei der Fak- nem Streichquartett zusamtoren, die ihre souveräne Tech- men und gab Konzerte in Alnik unterstreichen. „Technik ist tenheimen und Krankenhäudie Grundlage, auf der man sern. Viel sprang dabei nicht alles andere aufbaut“, erläutert heraus, aber „für Nudeln mit sie. Das Mitreißendste an ihr Soße reichte es.“

Foto: Daniil Rabovsky

G


Nach drei Jahren wechselte sie handelt die 33-Jährige nach von der Spree an die Elbe – dem Motto „lieber später als auch wenn sie ihre Studenten- zu früh“, wenn es um ihre Stimbude am Prenzlauer Berg bis me geht. „Man braucht schon heute nicht aufgegeben hat. auch Verstand für diesen Beruf Das Opernstudio der Hambur- und muss auch nein sagen köngischen Staatsoper sollte die nen.“ Nur in einer Hinsicht nächste Etappe werden, dort findet sie es schade, ein lyrikonnte sie wertvolle Bühnen- scher Koloratursopran zu sein – ihre Traumrolle Carmen bleibt erfahrung sammeln. damit unerreichbar. Wahlheimat Italien Ansonsten sorgt Olga PeretySchon während ihrer Hambur- atko dafür, immer genug Schlaf ger Zeit jedoch entdeckten die Italiener sie für sich. 2006 deCD-Tipp bütierte sie beim Rossini Opera Festival in Pesaro, um bereits Arabesque im Jahr darauf an der Seite von Arien & Lieder von Mozart, Bellini, GouJuan Diego Flórez als Desdenod, Bizet, Verdi, Almona in Rossinis Otello zujabjev, Rossini u.a. rückzukehren. Seitdem ist sie Olga Peretyatko (Sopran) regelmäßiger Gast in der Adria- NDR Sinfonieorchester Mazzola (Leitung) Hafenstadt, wofür es allerdings Enrique Sony Classical auch einen privaten Grund gibt: Der Dirigent Michele MaOnline-Tipp riotti hat das Herz der schönen Russin erobert. Erleben Sie Mittlerweile ist sie auf der ganOlga Peretyatko zen Welt zu Hause. Gerade im Interview brillierte sie bei den Salzburger „Das Verhör“ Festspielen in Mozarts Lucio Scannen Sie den Bild-Code mit Silla, ihre nächsten Verpflich- einem Smartphone und einer App für QR-Codes oder geben Sie tungen führen sie an die Scala www.concerti.de/peretyatko in und die Met. Erfreulicherweise Ihren Browser ein.

zu bekommen und sich fit zu halten. „Wenn ich gesund bin, bin ich immer ruhig, dann kann ich mit meiner Stimme alles machen.“ Sie spielt Tennis, joggt, praktiziert Yoga – und ist Trägerin des roten KarateGürtels. „Ich bin eben keine normale Sängerin. Karate hat mir vieles beigebracht“, meint sie und fügt augenzwinkernd hinzu, „nennen Sie mich einen Kampf-Sopran.“ opern- & Konzert-TIPPs

Berlin Do. 3.10.2013, 18:00 Uhr (Premiere) Staatsoper im Schiller Theater Rimsky-Korsakow: Die Zarenbraut Di. 8.10., Sa. 19.10., Fr. 25.10., Fr. 1.11., jeweils 19:30 Uhr, So. 13.10., 15:00 Uhr Hamburg Di. 12.11., Do. 14.11. & Di. 19.11.2013, 19:30 Uhr Staatsoper (Großes Haus) Strauss: Ariadne auf Naxos Baden-Baden Di., 31.12.2013, 17:00 Uhr Festspielhaus Silvester-Gala. Olga Peretyatko (Sopran), SWR Orchester Baden-Baden und Freiburg, François Xaver-Roth München Mi. 22.1.2014, 20:00 Uhr Residenz (Herkulessaal) Olga Peretyatko (Sopran), Münchner Symphoniker. Arien von Mozart, Rossini, Bellini, Bizet, Verdi u.a.

GyörGy LiGeti

Le Grand Macabre Frank Beermann | WaLter SutcLiFFe GeorG BaSeLitz | John Bock

28.09. | 02.10. | 19.10. | 03.11. | 16.11. | 18.12.2013 10.01. | 18.01.2014 | opernhaus chemnitz infos: 0371 4000430 | www.theater-chemnitz.de Georg Baselitz (*1938), Ohne Titel, 2013, Tuschfeder, Tusche und Aquarell auf Papier, 50,3 x 65,9 cm, Kunstsammlungen Chemnitz, Leihgabe aus dem Atelier des Künstlers © 2013

Oktober 2013 concerti   23


OPERN-Tipps Die Herbst-Highlights in Deutschland und Europa

oper Die (auch auf DVD zu bestaunende und mit dem ECHO prämierte) Ring-Produktion des Dream-Teams Roman Brogli-Sacher und Anthony Pilavachi gilt Kritikern als beste Tetralogie im deutschen Norden. Als Abschluss ihres Wagner-Zyklus und zum Abschied des GMD bringen die beiden nun das Nachtstück Tristan und Isolde heraus. Man darf gespannt sein, zu welchen verblüffenden Einsichten der musikalisch feinfühlig inszenierende Pilavachi in Bezug auf das größte Liebesmys­te­ rium der Operngeschichte kommt.

Thielemanns Strauss – Der Rosenkavalier in Dresden

Strauss-Zauber an der Semperoper oper Es ist zwar „nur“ eine Wiederaufnahme von Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung des Rosenkavalier. Doch wenn die Komödie für Musik von Strauss durch Christian Thielemanns Hände zu klanglichem Leben erweckt wird, ist ein Ausnahmeereignis garan-

tiert. Wer wüsste sonst bei Strauss so zu zaubern wie der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden? Do. 3.10., 17:00 Uhr Semperoper (Wiederaufnahme) Christian Thielemann (Leitung), Uwe Eric Laufenberg (Regie). So. 6.10., 16:00 Uhr & Do. 10.10., 18:00 Uhr

Dreimal früher Verdi

Wagnerglück an der Lübecker Beckergrube So. 6.10., 18:00 Uhr Theater Lübeck (Premiere) Wagner: Tristan und Isolde. Roman Brogli-Sacher (Leitung), Anthony Pilavachi (Inszenierung). So. 20.10, 16:00 Uhr, So.27.10., 18:00 Uhr 24  concerti Oktober 2013

oper Giuseppe Verdis „Trilogia popolare“ aus La Traviata, Il Trovatore und Rigoletto ist immer und überall zu hören. Mit ihrer Trilogie von Frühwerken des Jubilars der italienischen Oper leistet Simone Young in Hamburg nun eine wichtige Ergänzung des Spielplans im Verdi-Jahr. Spektakulär und sportlich zugleich ist der Premierenreigen inner-

halb von nur drei Wochen. David Alden inszeniert alle drei Werke: die patriotisch gestimmte La Battaglia di Legnano, das Dogendrama I due Foscari und die Kreuzrittergeschichte I Lombardi. So. 20.10., 18:00 Uhr, So 27.10., 18:00 Uhr, So. 10.11., 18:00 Uhr Hamburgische Staatsoper Verdi: La Battaglia di Legnano, I due Foscari, I Lombardi. Simone Young (Leitung), David Alden (Regie)

Fotos: Sidney Smith, Matthias Creutziger, Monika Rittershaus, Sigrid Rauchdobler, Anne Van Aerschot

Lustvolles Lübecker Liebesmysterium


Anne de keersmaeker vertanzt Gérard Grisey TANZ Die imposante Jahrhunderthalle Bochum wurde im Rahmen der Ruhrtriennale immer wieder zum Schauplatz von spannenden Uraufführungen, die sich den gängigen Sparten- und Theatergrenzen entziehen. Im besonderen gilt dies für die aktuelle Intendanz

Tanz als gedehnte und gestauchte Zeit

von Heiner Goebbels, der die gefeierte Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker einlud, dort ihr Tanztheater Vortex Temporum aus der Taufe zu heben. Es basiert auf dem Spätwerk des 1998 verstorbenen Neutöners Gérard Grisey, der den physikalischen Qualitäten von Tönen und Obertönen in seiner schillernden Musik nachspürte. De Keersmaeker übersetzt die Komposition als getanzte Verdichtung und Ausdehnung von Zeit. do. 3.10., 19:00 uhr Jahrhunderthalle Bochum Grisey: Vortex Temporum. Anne Teresa De Keersmaeker (Choreographie), Georges-Elie Octors (Leitung) Kompagnie ROSAS, Ictus Ensemble

La stupenda ist La Straniera in Zürich oPER Sollte Edita Gruberova

sich wirklich nochmal darauf einlassen? Ein neues Stück, eine neue Inszenierung? Beim ersten Anhören von Bellinis La Straniera sei sie eingeschlafen, bekennt die Primadonna assoluta. Doch Christof Loy, einer der wenigen Regisseure, mit dem die Königin des Belcanto sich versteht, ließ nicht locker. Die Premiere im Juni wurde zum Triumph. Denn bei aller gewohnten Virtuosität hat La Gruberova nicht nur herbere Stimmfarben hinzugewonnen, die den gebrochenen Heldinnen des Belcanto noch mehr Wahrhaftigkeit

verleihen. Auch ihr Mut zum Risiko einer szenischen Drastik ist heute unerhört.

LiNZ

dAs RHEiNGoLd sa. 26.10., 19:30 uhr oper Linz Dennis Russel-Davies (Leitung), Uwe Eric Laufenberg (Regie). Beginn eines neuen Zyklus von Wagners Ring im neuesten Opernhaus Europas CHEMNiTZ

LE GRANd MACABRE Mi. 2.10., 19:30 uhr Theater Chemnitz Frank Beermann (Leitung), Walter Sutcliffe (Regie). Ligetis selten gespieltes Werk aus den 70er Jahren GöTEBoRG

ouT oF MiNd Fr. 11.10., 19:00 uhr Göteborgsoperan Welturaufführung der Choreographien von Richard Siegal (USA) und Hiroaki Umeda (Japan) BERLiN

dEs kAisERs NEuE kLEidER so. 13.10., 16:00 uhr komische oper Uwe Sandner (Leitung), Lydia Steier (Regie). Die Uraufführung von Vaceks Oper nach 50 Jahren wiEN

A HARLoT‘s PRoGREss so. 13.10., 19:00 uhr Theater an der wien Mikko Franck (Leitung), Jens-Daniel Herzog (Regie). Uraufführung von Iain Bells Oper mit Diana Damrau

Belcanto-Königin Edita Gruberova in ihrer neuesten Rolle sa. 28.9., 19:00 uhr oper Zürich (wiederaufnahme) Bellini: La Straniera. Fabio Luisi (Leitung), Christoph Loy (Regie). Mi. 2.10., 19:00 Uhr, So. 6.10. & So. 13.10., 20:00 Uhr, Do. 17.10., 19:00 Uhr

weitere Tipps, Termine, Tickets und mehr: www.concerti.de

sTuTTGART

FALsTAFF so. 20.10., 18:00 uhr oper stuttgart Sylvain Cambreling (Leitung), Andrea Moses (Regie). Stuttgarts neuer GMD und die neue Hausregisseurin mit Verdis Oper zum 200. Geburtstag

Oktober 2013 concerti   25


Klassische Märchen, märchenhafte Klassik. Diese preisgekrönten Produktionen sind ideal, um Kindern klassische Musik auf spannende Art und Weise näher zu bringen. Beliebte Märchen verbinden sich mit den Emotionen großartiger Musik. Eine CD-Sammlung, die in keinem Kinderzimmer fehlen darf. Alle Musikaufnahmen wurden neu produziert, zahlreiche Aufnahmen sind Ersteinspielungen.

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FEsTiVals

In Ihrer Region, Deutschland und Europa – wir stellen Ihnen die interessantesten Programme, Orte und Künstler vor

Foto: schoelzchen

In der Martinskirche werden auch in diesem Jahr die Kasseler Musiktage eröffnet

28_salzburg wo Licht zu klang wird Das Avantgarde-Festival „Dialoge“ setzt Kontrapunkte im Salzburger Mozart-Leben 29_sachsen-Anhalt das Paradies an 20 orten Das „Impuls“-Festival 2013 möchte Neue Musik auf neue Art präsentieren 30_donaueschingen Traditionsfestival der Neuen Musik Die Donaueschinger Musiktage schreiben ihre lange Tradition fort 30_Luzern Tastengipfel Das Lucerne Festival am Piano versammelt Stars der Zunft 31_kassel schütz, spohr und krenek Tradition und Neuentdeckungen bieten die Kasseler Musiktage Oktober 2013 concerti  27


Wo Licht zu Klang wird österreich Das Avantgarde-Festival „Dialoge“ setzt Kontrapunkte im Salzburger Mozart-Leben

Das leuchtende Ambiente des Großen Saals im Salzburger Mozarteum bietet einen Kontrast zum modernen Programm

M

ozart. Klar, wer sonst sollte in Salzburg Anlass für ein neues Festival sein. Und doch waren und sind im Fall der „Dialoge“ die Verknüpfungen zum Wolferl nicht ganz so unmittelbar und direkt gehalten wie andernorts. Denn mag auch der 250. Geburtstag des Komponisten im Jubiläumsjahr den Anstoß für dieses Projekt gegeben haben, die „Dialoge“ der Stiftung Mozarteum sind stets als Gegenpol und Ergänzung zur traditionellen Mozartwoche gedacht 28  concerti Oktober 2013

gewesen. Als ein Festival, das sich vor allem an das jüngere Publikum richtet, statt purer Klassik avantgardistische, spartenübergreifende Projekte aus Schauspiel und Literatur, Performance und Tanz, Jazz und bildender Kunst bietet. Damals, 2006, als Experiment an vier langen ThemenWochenenden zu Liebe, Tod, Spiel und Religion gestartet, haben die künstlerischen Leiter neben der musikalischen Avantgarde seither stets auch auf radikale Vermittlungsver-

suche gesetzt und sich dabei selbst durch zeitweilige Misserfolge nicht von ihrem experimentellen Weg abbringen lassen. Inzwischen sind die zwei jährlichen Festivalblöcke nicht nur zu Kontrapunkten im Salzburger Mozart-Wahn geworden, sondern haben sich zu avantgardistischen Fixsternen im dortigen Konzertleben mit jährlich mehreren tausend Besuchern entwickelt. Die heuer ganz besonders hell leuchten, lautet doch das Festivalthema „Licht“ mit dem KomponistenPrisma Ives, Mozart und Haas, an denen sich klingendes Licht brechen und auffächern soll – ohne dass das Reich der Dunkelheit dabei ausgeblendet würde. Klar, dass zu solch einem Festival der Moderne Uraufführungen ebenso gehören – 2013 das Auftragswerk Wohin bist Du gegangen für Chor und Ensemble von Haas, dem sich das Klangforum Wien annimmt – wie ungewöhnliche Klang-Erlebnisse: sei es nun „Das Zerstören der Hörerwartungen“, bei der eine Klaviersonate Mozarts dem Haas-Werk …wie Stille brannte das Licht gegenübergestellt wird oder auch dessen Schattenspiel. Allein das Finale kommt stets ganz klassisch daher: Mozarts Requiem – dieses Jahr dirigiert von Laurence Equilbey. Irgendwann kehren eben auch die größten Experimentalisten wieder zum Meister aller Klassik-Klassen zuChristoph Forsthoff rück. Festival DIaloge 27.11. - 1.12.2013 Carolin Widmann, Marino Formenti, Michael Barenboim, Iveta Apkalna, Klangforum Wien u.a. Salzburg = Zeitraum

= Künstler

= Ort

Fotos: Christian Schneider, Impuls

Festivalguide


Das Paradies an 20 Orten sachsen-anhalt Das „Impuls“-Festival 2013

möchte Neue Musik auf neue Art präsentieren

Das Jugendprojekt „Zwischen Nacht und Traum“ von 2012

D

as Paradies ist überall“ – so lautet das Motto des „Impuls“-Festivals in diesem Jahr, nachdem sich „Impuls“ im November 2012 mit dem Teufel und im November 2011 mit Träumen beschäftigte. Seit seiner Gründung 2008 hat sich das Festival in Sachsen-Anhalt zu einem der bedeutendsten Musikfestivals für Neue Musik in den neuen Bundesländern entwickelt. Jährlich schließen sich im Herbst die Sinfonieund Kammerorchester des Landes sowie das MDR Sinfonieorchester und der MDR Rundfunkchor für mehrere Wochen zu einem Netzwerk zusammen, um zeitgenössische Musik anders und aufregend einem breiten Publikum zu präsentieren. In diesem Jahr will das Festival in über 20 Veranstaltungen dem Paradies als dem Sehnsuchtsort schlechthin einige seiner Geheimnisse entlocken. Auch dieses Jahr wird „Impuls“ mit einem Jugendprojekt eröffnet: In Kooperation mit der Stiftung Bauhaus Dessau wird im

Anhaltischen Theater Dessau „Nicht tot zu kriegen – Ein Siegfriedlied“ gezeigt. Es folgt 50 Kilometer westlich in Schönebeck ein „Marathon Neue

Einzeltermine, Details, Tickets und vieles mehr auf www.concerti.de/festivalguide

Musik“ mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, welcher zahlreiche Uraufführungen beinhaltet. Ein Höhepunkt wird die Veranstaltung „Am Anfang war das Wort“ sein, die der MDR Rundfunkchor unter David Timm im MDR Würfel in Leipzig durchführt. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig wird hier „Neue Musik zu neuen Texten“ präsentiert. In den Wochen danach wird das „Impuls“-Festival 2013 zusätzlich an fünf weiteren Orten in SachsenAnhalt sowie in Berlin zu Gast sein. Matthias Nöther Impuls Festival für Neue Musik 1.11. - 29.11.2013 Albrecht Mayer, Ragna Schirmer, Staatskapelle Halle, Fauré Quartett, Kristjan Järvi u.a. Dessau, Leipzig, Halle, Berlin u.a.

Oktober 2013 concerti   29


Festivalguide

Traditionsfestival der Neuen Musik baden-württemberg Die Donaueschinger Musiktage schreiben ihre lange Tradition fort

D

ie Donaueschinger Musiktage gehen in eine Zeit zurück, als es in Deutschland noch keine reiche Festivallandschaft gab – und auch keine Festivals für Neue Musik. 1921 wurden die Musiktage gegründet, schnell waren namhafte moderne Komponisten zu Gast, Hindemith wurde zu einer prägenden Figur. Einen internationalen Ruf bekam das Festival in den Zeiten der Nachkriegsavantgarde, als Komponisten wie Boulez, Stockhausen oder Nono hier

skandalumwitterte Uraufführungen präsentierten. Auch heute noch gehen von Donaueschingen Impulse für alle Spielarten aktueller Musik und Klangkunst aus. Im Oktober widmen sich die Musiktage dem Thema der großdimensionierten musikalischen Form: Historische Vorbilder wie Bruckner und Wagner werden verarbeitet, verschiedene Zeitdimensionen kompositorisch erforscht, die Prozesse der Natur werden zum VorMatthias Nöther bild.

In Donaueschingen ist die Avantgarde Zuhause Donaueschinger Musiktage 18.10. - 20.10.2013 Ensemble musikFabrik, Enno Poppe, Marcus Creed, Ircam, Klangforum Wien, Ensemble Modern, Solisten­ ensemble Kaleidoskop u.a.

Tastengipfel in Luzern

D

Das Klavier im Zentrum beim Lucerne Festival im KKL Luzern Lucerne Festival am Piano 16.11. - 24.11.2013 Evgeny Kissin, Fazıl Say, Grigory Sokolov, Gabriela Montero, Kirill Gerstein, Lawrence Foster, Mauricio Pollini, Lise de la Salle u.a. 30 concerti Oktober 2013

er Name verrät es schon – beim Lucerne Festival am Piano dreht sich alles um die weißen und schwarzen Tasten. In einer Woche kommen die führenden Pianisten unserer Tage in die Bilderbuchstadt am Vierwaldstätter See. Damit braucht das Klavierfestival kein bisschen hinter dem großen Orchesterfestival im Sommer zurückstehen. Auch dieses Jahr sprechen die eingeladenen Gäste für sich: Evgeny Kissin wird mit einem Soloabend das Festival eröffnen und einige Tage später mit dem Chamber Orchestra of

Europe unter Lawrence Foster das Klavierkonzert Nr. 1 von Tschaikowsky aufführen. Den Abschlussabend bestreitet dann Maurizio Pollini mit einem Chopin-Debussy-Programm. Dazwischen treten Grigory Sokolov, Fazıl Say, und Kirill Gerstein auf. Zudem gibt es Debüts vielversprechender junger Künstler. Spannend dürfte es auch sein, zu erleben, was der Pianist Andreas Haef­ linger in seiner Meisterklasse dem Nachwuchs weitergibt. Und bei Piano Jazz kann man sich in den Bars und Restaurants stärken. Eckhard Weber = Zeitraum

= Künstler

= Ort

Fotos: SWR/Astrid Karger, AURA/Lucerne Festival, Carsten Herwig

schweiz Das Lucerne Festival am Piano versammelt Stars der Zunft


Schütz, Spohr und Krenek hessen Tradition und Neuentdeckungen

bieten die Kasseler Musiktage

Das prunkvolle Ballhaus im Bergpark Wilhelmshöhe

H

Giovanni Gabrieli gegenübereimvorteil – traditionell gestellt. Von Louis Spohr wird haben die Kasseler Mudas romantische Oratorium siktage die beiden KomponisDie letzten Dinge aufgeführt. ten, die das Musikleben der Stadt zu ihrer Zeit maßgeblich Im Bereich der Kammer- und geprägt haben, im Fokus: Klaviermusik setzt das Festival Spohr in Bezug zu KompoHeinrich Schütz, im 17. Jahrnisten wie Schubert, Szymahundert Organist und Hofkanowski und Lutosławski. Doch pellmeister, und den Geigendas Spektrum reicht noch weivirtuosen und Komponisten ter: Neben Sinfonischem von Louis Spohr, der im 19. JahrHaydn und Mendelssohn gibt hundert hier wirkte. Diesmal wird Sakralmusik von Schütz es Instrumentalwerke von 124x58_Layout 27.08.13 17:57Jean-Philippe Seite 1 den Werken des 1Venezianers Rameau sowie

von Nicola Antonio Porpora, dem Entdecker und Lehrer des Kastraten Farinelli. Und auch Uraufführungen junger Komponistinnen aus China, Usbekistan und Serbien sind zu erleben. Im 80. Jahr seit ihrem Bestehen blicken die Kasseler Musiktage außerdem zurück auf die Anfänge des Festivals: 1933, im Jahr der Machtergreifung durch die Nazis begann die Zerstörung des vielfältigen Musiklebens in Deutschland. Zu den Komponisten, die verfemt wurden und ins Exil gingen, gehört Ernst Krenek, international erfolgreich in den 20ern mit seiner Jazzoper Jonny spielt auf. Mit Kreneks Oratorium Symeon der Stylit präsentieren die Musiktage nun ein Werk des bis zu seinem Tod in Kalifornien lebenden Komponisten, das in Deutschland noch nie aufgeführt wurde. Eckhard Weber Kasseler Musiktage 31.10. - 17.11.2013 Junge Deutsche Philharmonie, Doric String Quartet, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Szymanowski Quartet, Kolja Lessing u.a.

MOZARTWOCHE 2014 Azione teatrale per musica Gluck: Orfeo ed Euridice Dirigenten Barenboim, Bolton, Jacobs, Järvi, Kaljuste, Koncz, Langrée, Meister, Minkowski, Schiff, Ticciati Orchester Camerata Salzburg, Cappella Andrea Barca, Freiburger Barockorchester, Les Musiciens du Louvre Grenoble, Mozart Kinderorchester, Mozarteumorchester Salzburg, Scottish Chamber Orchestra, Sinfonieorchester der Universität Mozarteum, Wiener Philharmoniker Sänger Crebassa, Hartelius, Isokoski, Karg, Nagy, Persson, Schade, Schmitt, Staples, Villazón, Yoncheva Solisten Barenboim, Bell, Bezuidenhout, Birsak, Capuçon, Caussé, Corti, Hagen, Hammer, Hennino, Ibragimova, Leleux, Lewis, Lindsberger, Martineau, Noally, Perl, Pouget, Say, Schiff, Schuch, Spaans, Steck, Wokalek

Einzeltermine, Details, Tickets und vieles mehr auf www.concerti.de/festivalguide

Konzerte Wissenschaft Museen

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23. JÄNNER – 2. FEBRUAR

Oktober 2013 concerti   31


Konzert-Tipps Hamburg 24.10.2013

1 Thomas hengelbrock bremen 26.10.2013

justus frantz

2 Berlin 26.10.2013

Thomas QUASTHOFF

essen 3.10.2013

hilary hahn

3

4 Dresden 12.10.2013

julia fischer 6

köln 19.10.2013

5 Hélène grimaud

frankfurt 1.10.2013

mischa maisky

7

stuttgart 6.10.2013

8 fazil say

München 27.10.2013

9 simone kermes

32  concerti Oktober  Monat2013  April 20xx 2013

Foto: Carsten Heidmann Fotografie, Gunter Glücklich/NDR, Jim Rakete, Felix Broede, Peter Miller, Mat Hennek/DG, Kasskara/DG, Christian Nielinger, Jörg Strehlau/Sony Classical

Die Oktober-Highlights in Deutschland


1

4

7

HAMBURG

essen

frankfurt

THOMAS HENGELBROCK

hilary hahn

Mischa Maisky

Do. 24.10.2013, 20:00 Uhr Laeiszhalle (Großer Saal) NDR Sinfonieorchester, NDR Chor, RIAS Kammerchor, Thomas Hengelbrock (Leitung), Detlef Roth (Bariton), Miah Persson (Sopran). Brahms: Ein deutsches Requiem op. 45, Schosta­ kowitsch: Kammersinfonie op. 110a

Do. 3.10.2013, 17:00 Uhr Philharmonie Camerata Salzburg, Louis Langrée (Leitung), Hilary Hahn (Violine). Enescu: Intermezzo für Streichorchester op. 12, Mozart: Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216, Vaughan Williams: The Lark Ascending, Mozart: Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter”

Di. 1.10.2013, 20:00 Uhr Alte Oper (Großer Saal) Kronberg Academy Festival – Cello Plus. Antje Weithaas (Violine), Nils Mönkemeyer (Viola), Mischa Maisky & Natalia Gutman (Violoncello), Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Bruch: Doppelkonzert, Bloch: Schelomo, Dvořák: Cellokonzert Einmal im Jahr zum Festival lassen die berühmten Lehrer der Kronberg Academy sich in die Unterrichtskarten gucken. Heute machen sie einen Ausflug in die Alte Oper Frankfurt und präsentieren sich im Konzert.

Brahms‘ Totenmesse Ein deutsches Requiem op. 45 ist eines der meistgespielten Requiems der Musikgeschichte. Dieses Gipfelwerk stellt das NDR Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock Schostakowitschs Kammersinfonie op. 110a gegenüber – eine Orchesterfassung seines berühmten 8. Streichquartetts.

2 bremen

justus frantz Sa. 26.10.2013, 20:00 Uhr Glocke Benefizkonzert. Philharmonie der Nationen, Justus Frantz (Leitung), Rebekka Hartmann (Violine), Miao Huang (Klavier). Mozart: Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385, Chopin: Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll, Mozart: Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218, Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 „Jupiter“ 1995 gründete Justus Frantz die Philharmonie der Nationen. Seitdem spielen junge Musiker aus 40 Ländern und fünf Kontinenten in dem Orchester – unter der Leitung seines Gründers.

3 BERLIN

thomas quasthoff Sa. 26.10.2013, 20:00 Uhr Philharmonie Soile Isokoski (Sopran), Stephen Gould (Tenor), Thomas Quasthoff (Sprecher), Rundfunkchor Berlin, MDR Rundfunkchor Leipzig, WDR Rundfunkchor Köln, Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle (Leitung). Schönberg: GurreLieder Leidenschaft, Verführung, Mord – die Gurre-Lieder, die Schönberg 1911 vollendete, beschreiben eine schauerlichschöne Geschichte. Vertont für ein riesenhaftes Ensemble – heute mit drei Rundfunkchören aus West und Ost und absoluter Starbesetzung!

Geigerin Hilary Hahn steht für die Vielfältigkeit ihres Repertoires. Heute präsentiert sie das 1914 vom englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams komponierte Werk The Lark Ascending.

5 köln

Hélène grimaud Sa. 19.10.2013, 20:00 Uhr Philharmonie WDR Sinfonieorchester Köln, JukkaPekka Saraste (Leitung), Hélène Grimaud (Klavier). Wagner: Vorspiel und Liebestod aus „Tristan und Isolde“, Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54, Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 Hélène Grimaud hinterfragt gerne die Aussagen und Emotionen eines Werkes. „Es geht um die menschlichen Erfahrungen“, sagte sie im Interview mit concerti. Nur durch sie könne man die Musik zum Leben erwecken. Dies wird ihr bei Schumanns romantischem Klavierkonzert sicherlich gelingen.

6 dresden

julia fischer Sa. 12.10.2013, 19:30 Uhr Schauspielhaus (Großes Haus) Dresdner Philharmonie, Michael Sanderling (Leitung), Julia Fischer (Violine). Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn op. 56, Schumann: Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61, Brahms: Violinkonzert D-Dur op. 77 „Die Beziehung zur Geige ist wie eine Ehe”, beschrieb Julia Fischer einmal das besondere Verhätnis zu ihrem Instrument im Interview mit concerti. Heute startet die Geigerin mit Brahms‘ Violinkonzert ihre Residency bei der Dresdner Philharmonie, mit der sie im Laufe der Saison mehrmals zu hören sein wird.

8 stuttgart

fazil say So. 6.10.2013, 20:00 Uhr Liederhalle (Beethovensaal) Gstaad Festival Orchestra, Kristjan Järvi (Leitung), Fazıl Say (Klavier). Smetana: Die Moldau, Say: Water op. 45, Rachmaninow: Variationen op. 42, Debussy: La Mer Wasser ist das Hauptthema dieses Konzerts, u.a. mit Fazıl Says neuem Klavierkonzert Water, ein Auftrags­werk des Menuhin Festival Gstaad.

9 München

Simone Kermes Mo. 27.10.2013, 18:00 Uhr Prinzregententheater 20 Jahre Sternstunden. Simone Kermes (Sopran), Ragna Schirmer (Klavier), Jan Vogler (Violoncello), Double Drums (Percussion), Münchner Rundfunkorchester, Marko Letonja (Leitung) Zum 20. Geburtstag von „Sternstunden“ bringen internationale Stars ein Ständchen für den guten Zweck. Online-Tipp

Über 30.000 weitere Konzerttermine und Tipps der concertiRedaktion online! Scannen Sie den Bild-Code mit einem Smartphone und einer App für QR-Codes oder geben Sie www.concerti.de in Ihren Browser ein. Oktober 2013 concerti  33


rEportaGE

Übers Internet ins Heimkino: Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker

Eine komposition in Bildern diGiTAL CoNCERT HALL warum man auch in Japan gerne die

Berliner Philharmoniker hört – und sieht. Von Friederike Holm

34 concerti Oktober 2013

Aufzeichnungen von sieben ferngesteuerten Kameras im Saal wiedergeben. Der Dirigent gibt den Einsatz, die ersten Töne erklingen über die StudioLautsprecher. Wo vorher noch Bratschenwitze erzählt wurden, ist jetzt außer der Musik nichts mehr zu hören – außer: Zahlen. 1, 2, 3, 4 – alle paar Sekunden eine, mal früher, mal später. Sie werden in den Raum gerufen vom Regisseur und geben dem Bildmischer an, wann er von einer Kameraeinstellung in die nächste schneidet. Damit beim

Flöten-Solo nicht die Geigen im Bild sind und umgekehrt. eine revolutionäre Idee

Eine aufwendige und minutiöse Vorbereitung ist notwendig, damit bei der Übertragung, dem sogenannten Live-Streaming, das Bild zum Ton passt. Doch dazu später mehr. Alles zurück auf Anfang: An dem stand eine Idee von Olaf Maninger, Solo-Cellist des Orchesters. Als Medienvorstand hat er sich schon immer um die Belange der Berliner Philhar-

Fotos: Monika Rittershaus, Peter Adamik

S

tille. Wenn sich der Taktstock vor den Berliner Philharmonikern erhebt, herrscht diese nicht nur auf der Bühne. Sondern auch in einem kleinen Studioraum drei Stockwerke über dem Konzertsaal. Hier ist die Schaltzentrale der Digital Concert Hall, einer Internetplattform, auf der fast alle Konzerte des Orchesters aus der Berliner Philharmonie live im Internet übertragen werden. Sechs Augenpaare sind auf eine Vielzahl von Bildschirmen gerichtet, die die


Auch in Kinos werden die Konzerte übertragen

Das Studio der Digital Concert Hall

moniker gekümmert, die außerhalb des Konzertgeschehens zu regeln sind: CD-Einspielungen, Fernsehübertragungen, Konzertaufzeichnungen usw. Um sich von Plattenfirmen und Fernsehsendern unabhängiger zu machen, hatte er ein Ziel: In eigener Verantwortung des Orchesters sollten 1. alle Konzerte in einem Massenmedium übertragen werden, diese Übertragungen sollten 2. weltweit verfügbar und 3. alles in einem Archiv abrufbar sein. 2008 war es dann so weit: Über die Internetseite oder die Apps der Digital Concert Hall können sich Musikfans weltweit einloggen und die Konzerte live hören und sehen. Dreimal im Jahr werden Konzerte darüber hinaus deutschlandweit in Kinos übertragen. Jedoch: „Damals war das eigentlich eine völlig absurde Idee“, erinnert sich Olaf Maninger, „die Übertragungsraten im Internet ga-

ben bei weitem noch nicht her, was wir brauchten, um die Tonund Bildqualität zu erreichen, die uns vorschwebte.“ Große Begeisterung in Asien

Doch von solchen Lappalien ließ er sich nicht entmutigen. Denn die Motivation, die Konzerte einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen, war groß. Entstanden war diese Motivation in Taipeh. Die taiwanesische Hauptstadt war eine der Stationen auf einer Asien-Tournee 2005 (dokumentiert im Film „Trip to Asia“, ebenso in der Digital Concert Hall zu sehen). Da das Konzert ausverkauft war, wurde es live auf den Vorplatz des Konzerthauses übertragen – 30.000 junge Taiwanesen hörten und schauten zu. „Die Herzlichkeit, mit der wir dort empfangen wurden, war unglaublich“, berichtet Maninger. Tatsächlich ist der Moment, in dem das

Orchester nach dem Konzert aus der Halle heraus- und vor sein „Straßenpublikum“ tritt und bejubelt wird, einer der berührendsten im Film „Trip to Asia“. Maningers Idee war geboren: „Unsere Konzerte in Berlin, unsere Tourneen im Ausland waren ausverkauft. Wir wollten dem großen Interesse, das Orchester live zu hören, nachkommen.“ Doch so einleuchtend dies klingt, war Maningers größte Hürde zunächst, alle Beteiligten von seiner Idee zu überzeugen. Denn: Es braucht schon eine gewisse visionäre Vorstellungskraft, sich auszumalen, dass etwas funktionieren wird, was es noch nie gegeben hat. Er musste also seine Kollegen, Dirigenten und Solisten – und nicht minder Sponsoren – von seiner Idee begeistern. Denn Skeptiker gab es am Anfang viele. Nicht zuletzt mussten rechtliche Grundlagen Oktober 2013 concerti   35


rEportaGE

36  concerti Oktober 2013

schon vor 50 Jahren gegeben. Dann hätten wir alle KarajanKonzerte mit einem MausKlick“, sagt Olaf Maninger etwas wehmütig, aber auch stolz. Sein persönliches Highlight im Archiv? „Ganz klar die Matthäus-Passion!“ Die von Peter Sellars „ritualisierte“ Fassung des Bachschen Werkes war ein solcher Erfolg, dass sie nicht nur online zu sehen ist, sondern auch auf DVD erschien. Pläne für die Zukunft

Wie von Anfang an vorgesehen werden die Konzerte in der besten Ton- und Bildqualität aufgezeichnet, die zu haben ist. Und das gefällt nicht nur den Berlinern oder Deutschen in der Provinz, für die der Weg in einen Konzertsaal zu weit ist. Auch die klassikbegeisterten und technikaffinen Japaner etwa nutzen das Angebot der Digital Concert Hall – immerhin 17 Prozent der Zuschauer machen sie aus. Also alles wie zu Beginn erträumt? „Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Blicke hinter die Kulissen, mehr Persönliches über die Musiker und Einsicht in die Probenarbeit“, beschreibt Maninger seine weiteren Ideen. Und wer weiß, vielleicht kann man irgendwann nicht nur den unglaublichen Klang der Berliner Philharmoniker im Konzert belauschen, sondern auch ihren arbeitsamen Weg dorthin. www.digitalconcerthall.com KonZErt-tipp

sa. 19.10.2013, 19:00 uhr live online Bach: Matthäus-Passion. Berliner Philharmoniker, Rundfunkchor Berlin, Simon Rattle, Mark Padmore u.a. Weitere Termine der Live-Streamings unter www.concerti.de/dch

Foto: Peter Adamik

für die Aufzeichnung und dann von einem einzigen OpeÜbertragung der Konzerte ge- rator gesteuert, welche Kamera schaffen werden. Denn viele wann wohin gelenkt werden Künstler sind in Sachen Veröf- muss. fentlichungen exklusiv an ein In künstlerischer Sicht ist die Herausforderung, das KonzertPlatten-Label gebunden. Vor ganz anderen Herausfor- ereignis so gut wie möglich derungen stehen heute dieje- einzufangen. „Natürlich kann nigen, die für die Umsetzung man das Live-Erlebnis nicht zuständig sind. Zum Beispiel ersetzen. Dafür kann ich mit Daniel Finkernagel – er ist einer der Kamera Einblicke gewähder Bild-Regisseure und seit der ren, die einem im Konzert entGeburtsstunde der Digital Con- gehen würden“, beschreibt cert Hall dabei. „Beim Live- Daniel Finkernagel den besonStreaming hat man nur den deren Reiz. „Da kann man zum einen Versuch, man kann Beispiel mal den Holzbläsern nichts korrigieren, jeder Schnitt beim Atmen zuschauen, Intermuss sitzen.“ Dabei sind einige aktion zwischen den Musikern Besonderheiten zu beachten. beobachten oder dem Pianisten Anders als bei vielen Fernseh- auf die Hände sehen.“ Letztlich produktionen sind die Kame- kommt es – wie in der Musik ras im Saal unbemannt, also – auf den richtigen Rhythmus ferngesteuert, da so das Publi- an. Schnittgeschwindigkeit, kum im Saal nicht beim Kon- Bewegungen im Bild wie Zoom zerterlebnis beeinträchtigt oder ein Schwenk von links wird. Das bedeutet wiederum, nach rechts – alles passt sich dass im Vorfeld alle Kamera- der Musik an. Damit diese ins positionen ganz genau pro- rechte Bild gerückt wird, grammiert werden müssen. braucht es eine genaue VorbeWährend des Konzerts wird reitung. Wie auch der Dirigent arbeitet sich der Regisseur im Vorfeld an der Partitur ab. Hierin wird genau festgelegt: Die ZUr pErSon 1. Oboe im Bild, Schnitt zum Dirigenten, Schwenk zum Konzertmeister, Schnitt auf die Blechbläser – alles muss auf die Note genau passen. Dass so viel Aufwand in diesen Produktionen steckt, lässt sich kaum erahnen, wenn man sich oLAF MANiNGER durch das Archiv klickt: Über ist der maßgebliche Ideen200 Konzertmitschnitte sind geber der Digital Concert dort zu sehen, mit Dirigenten Hall. Der solo-Cellist der von Claudio Abbado bis GusBerliner Philharmoniker ist tavo Dudamel, mit Solisten von seit 1994 Mitglied des Anne-Sophie Mutter bis MauOrchesters und war 1997 bis rizio Pollini. „Was für eine 2002 dessen Geschäftsfühgroße Schatztruhe das ist, wird rer. Seitdem ist er für die mir immer dann bewusst, medialen Belange des wenn ich mir vorstelle, die DiOrchesters verantwortlich. gital Concert Hall hätte es


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Hochkarätig besetzt: Anja Harteros, Daniel Barenboim, Jonas Kaufmann und René Pape

100%-Erfreulichkeitsquote

N

eue Operneinspielungen hat uns das VerdiJahr bisher nicht gebracht, ganz leer gehen Gesangs fans allerdings doch nicht aus. Mit der besten Messa da Requiem seit Ende der 70er Jahre beglückt uns Daniel Barienboim, der auch selbst lange nicht mehr so durch und durch inspiriert zu erleben war. Auf dem Mitschnitt von zwei Konzerten im August vergangenen Jahres fügt sich einfach alles ideal zusammen. 38 concerti Oktober 2013

Das fängt beim ersten verhaltenen Einsatz des Chores an: So beredt und eindrücklich hört man das selten. Auch das Orchester der Mailänder Scala verblüfft mit feinem Farbspiel, genau herausgearbeiteten Stimmungen und perfekt gesetzten Akzenten. Und dann erst die Solisten! Wann hat man zuletzt ein dermaßen edles Vokalquartett gehört? Für gewöhnlich fällt ja zumindest einer der Sänger deutlich ab, nicht selten muss man auch

mit einer 50%-Erfreulichkeitsquote leben. Nicht so hier. Anja Harteros, Elı¯na Garanˇca, Jonas Kaufmann und René Pape singen absolut hinreißend und höchst differenziert zwischen dramatischem Furor und tröstlicher Innigkeit. Wahrhaftig ein funkelndes Juwel! Michael Blümke verdi: Requiem Orchestra e coro del Teatro Alla Scala, Daniel Barenboim (Leitung) mit Anja Harteros, Elīna Garanča, Jonas Kaufmann, René Pape. Decca

Weitere Rezensionen finden Sie täglich neu unter www.concerti.de/rezensionen

Foto: Decca/Marco Brescia

Barenboim beglückt mit der besten Messa da Requiem auf CD seit ende der 70er Jahre


Auf Entdeckungstour

Bartók: violinkonzerte Nr. 1 & 2 Isabelle Faust (Violine) Swedish Radio Symphony Orchestra Daniel Harding (Leitung) harmonia mundi

vivaldi: Cellokonzerte Rv 404, 411, 420 sowie Cellokonzerte von Platti, Chelleri & Zani. Sol Gabetta (Violoncello), Cappella Gabetta, Andrés Gabetta (Leitung). Sony Classical

Isabelle Faust unterstreicht ihren Status als Bartók-Interpretin erster Wahl. Sie besitzt neben einer über alle Zweifel erhabenen Technik einen fabelhaften Sinn für den fragilen, träumerischen Lyrismus wie für die Ruppigkeit dieser Partituren. Und bietet außerdem die wissenschaftlich wohl am besten abgesicherte Interpretation, entscheidet sich im 2. Konzert für den ursprünglich von Bartók vorgesehenen Finalschluss ohne Soloinstrument. Das dynamisch extrem gut ausgesteuerte Orchester zelebriert lustvoll den Zartsinn dieser Werke und ihre irrwitzig gellenden Effekte im Fortissimo. Grandios! (VT)

Fortunato Chelleri? Bislang dürfte der Komponist bestenfalls einer Handvoll Barockliebhabern ein Begriff gewesen sein – und wäre es wohl auch weiterhin geblieben, hätte Sol Gabetta nun nicht im Rahmen ihres VivaldiProjektes sein Cellokonzert ausgegraben. Was sich hübsch macht im Kreise der Werke seines berühmten Zeitgenossen wie auch der ähnlich unbekannten Kollegen Andrea Zani und Giovanni Platti: Schlank der Ton, beherzt der Strich, das Musizieren ebenso unprätentiös wie beredsam – Solistin wie auch die Capella Gabetta beherrschen weit mehr als nur die Bogentechniken des Barock. (CF)

Prächtiger die Glocken nie klingen

Bruckner, der Fortschrittliche

Rachmaninow: die Glocken op. 35 Luba Orgonasova, Dmytro Popov, Mikhail Petrenko, Rundfunkchor Berlin, Berliner Philharmoniker, Simon Rattle (Leitung). Warner Classics

Bruckner: sinfonie Nr. 4, 7 & 8 Bayerisches Staatsorchester Kent Nagano (Leitung) Farao Classics (4 CDs)

Was dem Komponisten gefällt, muss längst nicht den Publikumsgeschmack treffen: Sergej Rachmaninow hat dies mit seinem Lieblingswerk Die Glocken bitter erfahren müssen. Umso verdienstvoller, dass Simon Rattle vergangenen November das klangprächtige Epos mit den Berliner Philharmonikern zur Aufführung brachte und auch gleich mitschneiden ließ. Setzt er doch in den vier „Glockensätzen“ auf reiche Differenzierung, weiß die gewaltigen Klänge klug zu kalkulieren und sinnig zu steigern. Und der Rundfunkchor Berlin zieht ebenso inspiriert und sorgfältig mit wie die Solisten mit ihrem weichen Gesang. (CF)

Das Maßlose und Schroffe der sinfonischen Entwürfe Anton Bruckners kommt nur in deren Urfassungen vollends zum Ausdruck. Kent Nagano lenkt den Fokus auf Bruckner, den Fortschrittlichen. Naganos strukturklar analytischer Blick und seine unsentimentale Haltung ergeben eine geistgesättigte Bruckner-Exegese ohne jedes dramatische Schwitzen. Behutsam entsteht die ungeheure Sogkraft der himmlischen Längen und der gewaltigen Steigerungszüge, die das Bayerische Staatsorchester mit der warmen Grundierung seiner hohen Klangkultur in konzentrierter Opulenz ausmusiziert. (PK)

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und das São Paulo Symphony Orchestra Sergei Prokofjew Sinfonie Nr. 4

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Der verlorene Sohn

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Konzerttermine: 08.10. Wiesbaden, 09.10. Köln, 21.10. Berlin

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rEZEnSionEn

unprätentiöse sinnlichkeit

vom Faust zum wotan

doch kein Referenz“Ring“

schütz: kleine Geistliche konzerte i Dorothee Mields (Sopran), David Erler (Altus) u.a., Stefan Maass (Theorbe), Matthias Müller (Violone), Ludger Rémy (Orgel & Leitung). Carus

Busoni: doktor Faust Catherine Naglestad (Sopran), Wolfgang Koch (Bariton) u.a., Bayerisches Staatsorchester, Tomáš Netopil (Leitung). Oehms Classics (3 CDs)

wagner: das Rheingold Ekaterina Gubanova (Mezzosopran), Stephan Rügamer (Tenor), René Pape (Bass) u.a., Mariinsky Orchestra, Valery Gergiev (Leitung). Mariinsky (2 CDs)

Heinrich Schütz‘ Musik sei eine in Tönen klingende Sprache des reinen Glaubens, verrät das Booklet. Die neun Gesangssolisten dieser Einspielung beherrschen sie wie eine Muttersprache. Nicht nur setzen sich die bis zu fünf Singstimmen mit Continuobegleitung in der strengen Polyphonie vorbildlich voneinander ab, auch präsentiert sich der Gesamtklang in seiner unprätentiösen Sinnlichkeit wunderbar ausgewogen. Ebenfalls vorbildlich: die klare Diktion, die Schütz‘ meisterhafte musikalische Ausdeutung des Textgehalts dieser meist sehr kurzen Stücke optimal wiedergibt. (SI)

Die Titelpartie von Busonis Doktor Faust gehört zu den Lieblingsrollen der Baritone, weil hier einmal ihre Stimmlage zum Zug kommt – und nicht der Tenor wie bei Gounod oder Boito. Schon in dieser Produktion von 2008 qualifiziert sich Wolfgang Koch für Großes, was er dieses Jahr als Bayreuther Wotan erneut unter Beweis gestellt hat. Mephistopheles wird in (weitgehend unbequeme) Tenorgefilde geschickt, John Daszak macht das Beste aus seiner stimmlich nicht so ganz dankbaren Partie. Am Pult beweist Tomáš Netopil, dass ihm GMD Kent Nagano zu Recht den Taktstock überlassen hat. (MB)

Nach einer Fünf-Sterne-Walküre legt das Mariinsky Theater jetzt mit dem Rheingold nach. Mit René Pape als autoritativem Wotan und dem exzellenten lyrischen Loge von Stephan Rügamer sind nur zwei Muttersprachler mit von der Partie. Valery Gergiev, der orchestral erneut durchweg überzeugt, scheint Das Rheingold im russischen Alleingang bewältigen zu wollen – eine fatale Entscheidung. Nikolai Putilins groteskes Kauderwelsch als Alberich und die üble Mime-Karikatur von Andrei Popov sind eine Zumutung. So wird es definitiv nichts mit einem neuen ReferenzRing, schade. (MB)

cpo

Echo Klassik 2013 Konzerteinspielung des Jahres (19. Jh.)

Der Organist Christian Schmitt, die Bamberger Symphoniker sowie der Dirigent Stefan Solyom erhalten diesen Echo. Damit erfährt die jahrzehntelange enge Zusammenarbeit der Bamberger Symphoniker mit dem Bayerischen Rundfunk eine weitere viel beachtete Auszeichnung.

cpo 777 678–2 SACD, Hybrid »Die Klasse des Organisten Christian Schmitt zeigt sich auch in Widors monumentaler siebter Sinfonie für Orgel allein, die hier die ›Zugabe‹ bildet.« FonoForum 11/12

CD-Bestellung gegen Rechnung unter: www.jpc.de | jpc-schallplatten Versandhandelsgesellschaft mbH | Georgsmarienhütte Geschäftsführer: Gerhard Georg Ortmann | Amtsgericht Osnabrück HRB 110327 Internationaler Vertrieb: A: Preiser Records CH: Musicora NL: Econa | cpo gibt’s auch im Internet: www.cpo.de

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Liebesdrama in der Revolution

Ausflug in die oper

Born to be schorn

Lortzing: Regina Johanna Stojkovic, Theresa Holzhausen, Ralf Simon u.a. Prager Philharmonischer Chor, Münchner Rundfunkorchester, Ulf Schirmer (Leitung). cpo (2 CDs)

opera – operntranskriptionen für klarinette & orchester Sharon Kam (Klarinette), Ruben Gazarian (Leitung), Württembergisches Kammerorchester Heilbronn. Berlin Classics

Born to be schorn Zeitgenössische Musik von Friedrich Cerha, Igmar Alderete Acosta, Georg Breinschmid, Leonard Eröd u.a. Matthias Schorn (Klarinette). CAvi

Zwei Männer, eine Frau, Eifersucht, Entführung – und das Ganze im Revolutionsjahr 1848. Diese Zutaten bestimmen Albert Lortzings Oper Regina, nah am Puls der damaligen Befreiungstendenzen. Ulf Schirmer gelingt mit dem Münchner Rundfunkorchester eine sehr atmosphärische Interpretation, markant ausgearbeitete solistische Passagen und ein an Nuancen reicher Gesamtklang. Man spürt einen natürlichen Fluss. Das gilt auch für die Chorpartien. Dazu passt das rundum gut aufgestellte Sängerensemble mit schlank geführten Vokallinien und einer erfreulich verständlichen Diktion. (EW)

Sharon Kam liebt Oper. Pech nur, dass die Komponisten die Klarinette in ihren Werken kaum einmal bedacht haben – also hat Kam sich nun einfach Auszüge von Rossini bis Ponchielli auf die Klappen arrangieren lassen. Das Ergebnis: Hauchzarte Pianissimi, funkelnde virtuose Läufe, üppige Töne in der Tiefe, entrückte Lyrismen in der Höhe, mal stürmisch, mal sanft tönend, keck und sinnlich, frisch und schmachtend – die Klarinette als Instrument der puren Lebensfreude! Und auch die Württemberger haben ihre Freude an diesem Gang ins Theater, begleiten sensibel oder suchen den impulsiven Dialog. (CF)

Seit Kindestagen pflegt Matthias Schorn Musik in all ihren Facetten. Kein Wunder, dass da Komponisten und Musikerfreunde unterschiedlichster Couleur dem Meister des schlanken, dunklen Klangs mit Vergnügen so viel auf die Klappe(n) gegeben haben, dass es locker für ein ganzes Album ihm zugeeigneter Solowerke reicht. Und das swingt und klingt nicht nur, die bisweilen reichlich vertrackten Preziosen fließen dem Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker so locker aus dem schwarzen Holz, dass der Hörer einfach nicht genug bekommen kann von diesen G‘schichten aus der Wiener Welt. (CF)

Matthias Goerne singt Hanns

Eisler

Vom Wien der Zwanzigerjahre und dem Berlin der Weimarer Republik bis zu seiner Emigration in die USA, von seiner Rückkehr nach Wien nach dem Ende der Nazizeit bis zu seinen letzten Tagen in Ost-Berlin: Hanns Eislers Leben war ein langes Exil im Angesicht der künstlerischen, technischen und politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Distanz, Ironie und Melancholie sind die ästhetischen Konsequenzen, die auch die Auswahl der hier vorgestellten Lieder charakterisieren. Ihr Ton erinnert oftmals an die Verzweiflung dunkler Zeiten, während freilich schon die frühe Klaviersonate dem jungen Eisler eine bis heute andauernde Bewunderung einbrachte.

Ensemble Resonanz

Thomas Larcher (Klavier)

CD HMC 902134

Foto © Marco Borggreve

Ernste Gesänge Lieder mit Klavier Klaviersonate op. 1

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schönster Nachruf

Märchenhafter MarionettenMythos

vollendete kapellmeisterkunst

Henze: sämtliche Aufnahmen für deutsche Grammophon Mit Christoph von Dohnányi, Edda Moser, Oliver Knussen, Claudio Abbado u.a. Deutsche Grammophon (16 CDs)

wagner: der Ring des Nibelungen Salzburger Marionettentheater – Puppenspieler und Schauspieler des Salzburger Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem (Regie). BelAir (DVD)

Bruckner: sinfonie Nr. 7, wolf: Fünf Lieder & strauss: Befreit op. 39 Nr. 4 Renée Fleming (Sopran), Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann (Leitung). OpusArte (DVD)

Was für ein Träumer ist dieser Mann gewesen, was für ein Extremist andererseits. Und nicht zuletzt: was für ein Erfinder vokaler und instrumentaler Klänge! Wer das nicht weiß oder ein Jahr nach Hans Werner Henzes Tod schon wieder vergessen hat, sollte sich unbedingt diese 16-CD-Box zu Gemüte führen. Die Deutsche Grammophon gibt, zu einem Sensationspreis und größtenteils im Originalcover, noch einmal sämtliche Henze-Aufnahmen heraus, die sie zwischen 1958 und 1998 produziert hat. Der bislang schönste Nachruf auf Deutschlands – neben Weill, Hindemith und Richard Strauss – erfolgreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts! Die Zeit der ideologischen Auseinandersetzungen um ihn ist längst vorbei, Henze in die Zeitlosigkeit entrückt. Man darf seine Musik einfach genießen, vergnügt oder ergriffen, besinnungslos oder nachdenklich, auf jeden Fall staunend über die enorme Ausdruckspalette, die irrwitzigen Inventionen und Farben seiner Opern, Kantaten und Orchesterwerke. Etliche Referenzaufnahmen stecken in dieser Box: Henzes Dirigat seiner ersten fünf Sinfonien (Berliner Philharmoniker), Oliver Knussens Gesamteinspielung des suggestiven Balletts Undine, Dohnányis kompletter Junger Lord, Edda Mosers elegante Stimmbandartistik in Being Beauteous, Abbados Interpretation des Mänadentanzes aus den Bassariden, El Cimarrón mit Leo Brouwer an der Gitarre – Mittelalter-Evokationen und Neoromantik, dazu schrille Provokationen wie der Versuch über Schweine: die DG bietet viel und doch nur einen kleinen Ausschnitt von Henzes Lebenswerk. Idealer Ausgangspunkt für weitere Exkursionen! (VT)

Wagner muss davon geträumt haben: Rheintöchter, die tatsächlich schwimmen, richtig gigantische Riesen und wirklich winzige Zwerge: Der Ring als märchenhafter Mythos, er wird in der Fassung des Salzburger Marionettentheaters spielerisch leicht Realität. Auf unter zwei Stunden haben die genialischen Macher die Tetralogie eingedampft. Dabei ist indes weit mehr als eine leicht konsumierbare Digest-Version für Kinder und Wagner-Neulinge herausgekommen. Zwei Schauspieler führen durch den kurzweiligen Abend, wagen in ihren erklärenden Texten eine witzig freche Aktualisierung. (PK)

Hört man mehr, wenn man sieht? Im Falle von Thielemanns Antrittskonzert bei der Staatskapelle Dresden macht der DVD-Mitschnitt fürwahr Sinn. Im besonderen gilt dies für die Fünf Lieder von Hugo Wolf, die Renée Fleming singt. Wie der deutsche Maestro den Atem der amerikanischen Diva aufnimmt und behutsam agogisch ans Orchester weiterreicht, ist schlichtweg vollendete Kapellmeisterkunst. So ereignet sich ein achtsames, ein hingebungsvolles Musizieren voller herrlicher vokaler und instrumentaler Details. Dresdner Orchesterzauber gibt’s hernach in Bruckners Siebter zu bestaunen. (PK)

42 concerti Oktober 2013

Porträt auf Augenhöhe

verdi wahrhaftig

Margarete Zander: sabine Meyer – weltstar mit Herz 223 Seiten Edel Books

John Rosselli: Giuseppe verdi – Genie der oper 286 Seiten mit 24 Abbildungen & 1 Karte C. H. Beck

Der Titel schmeißt sich ran: „Weltstar mit Herz“. Inhaltlich wird es dann doch sehr viel differenzierter: Die Musikjournalistin Margarete Zander hat über Jahre die Karriere der Klarinettistin Sabine Meyer beobachtet, sie bei Proben, bei Konzerten, beim Unterrichten, bei Spaziergängen getroffen. Ihr Buch zeichnet den Werdegang vom musikalischen Elternhaus bis zu den internationalen Konzertsälen und Festivals nach. Sabine Meyer als gefeierte Solistin, in Kammerformationen und privat. Dabei gibt es viele Einblicke in den Musikbetrieb, in die musikalische Praxis – und über die Liebe zur Musik. (EW)

Legenden umranken sein Leben. Dazu trug Giuseppe Verdi nicht zuletzt selbst bei. John Rosselli räumt in seiner exzellent recherchierten und flüssig wie spannend geschriebenen, erstmals auf deutsch erscheinenden Biographie gründlich damit auf. Durch den unsentimental klaren Blick eines Briten lernen wir den Privatmann Verdi kennen, seine Rolle als Prophet des Risorgimento und seine Kraft eines marktorientierten Künstlers. Die Modernität des Komponisten, der gleichwohl wusste, dass er für die Ohren seines Publikums schreiben musste, wird an exemplarischen Opern beleuchtet. (PK)

Weitere Rezensionen finden Sie täglich neu unter www.concerti.de/rezensionen


KURZ BeSPROCHeN Grieg: orchesterwerke vol. 3 WDR Sinfonieorchester Köln, Eivind Aadland (Leitung) Audite Sehr verdienstvoll, diese Entdeckungsreise Aadlands und des WDR SO durch Griegs Orchesterwerk: Unbekannte Werke, plastische Konturen, überraschende Farbnuancen. (EW)

KLASSIK 2013 MAGAZIN SE H E F T DA S GR OS R IS T R ÄG E DE R PR E E WS , I N T E RV I RÜ N DE H I N T E RG N P OR TA GE UND RE K L A SS I K Z U R E C HO BE R L I N GA L A I N SEN DETERM

IN

3 6.10.2IM01 ZDF 22 UHR

Leidenschaft Tango: Nun hat’s auch Isabelle van Keulen gepackt. Sie und Ensemble nähern sich Piazzolla zwar klassisch, doch mit Sinn für Raffinesse und erotisches Knistern. (EW)

Mozart: Große Messe kv 427 c-Moll Stella Doufexis, Chor des BR, Münchener KO, Peter Dijkstra u.a. Sony Classical Nur ein paar Stimmen des unvollendeten Werkes ergänzt, doch das lohnt sich: BR-Chor und Münchener KO sorgen für eine dynamisch geschmeidige und klangsatte Aufnahme. (CF) Penderecki: klavierkonzert „Resurrection“ Florian Uhlig, Łukasz Borowicz u.a. hänssler classics Pendereckis Klavierkonzert ist und bleibt ein schlechter Witz. Auch Florian Uhligs ausgewogener Zugriff und das ausgezeichnete Polnische RSO retten diese Geschmacksverirrung nicht. (VT) onlinE-tipp

Ausführliche sowie täglich neue Rezensionen finden sie im internet Scannen Sie den Bild-Code mit einem Smartphone und einer App für QRCodes oder gehen Sie im Browser auf www.concerti.de/rezensionen

IK S S A L K ” MACHT BUMM!

Piazzolla: Tango! Isabelle van Keulen (Violine) und Ensemble Challenge Classics

ER IST R ÄG ND PRE AT OR U MODER ZÓN A L L I V O ROL A N D DIS FT VER IE KRA Ü BER D

K.DE LASSI ECHOK W W W.

DA S GROSSE H E F T DE R PR E IST R ÄGE R Z U R ECHO K L A SSI K- GA L A A M 6. OK TOBE R I M KONZE RT H AUS BE R L I N I N T E RV I E WS, H I N T E RGRÜ NDE U ND R E PORTAGE N JETZT IM MUSIKHANDEL UND ONLINE UNTER WWW.ECHOKLASSIK.DE Oktober 2013 concerti   43


Blind gehört

»Das ist mir zu verzärtelt« Der Cellist Jan Vogler hört und kommentiert CDs von Kollegen, ohne dass er erfährt, wer spielt. Von Christian Schmidt

44 concerti Oktober 2013

alles sehr gut und hat einen kräftigen Ton. Ach, lassen Sie mal die Sonate hören. – Ich glaube, ein Russe würde Schostakowitsch nicht so spielen. Das ist sehr romantisch! Missverstanden würde ich vielleicht nicht sagen, aber die Sonate ist eher kubistisch angelegt. Schon beim Konzert ist mir aufgefallen, dass es zwar sehr groß gespielt ist, aber nicht zum Zentrum der Musik vordringt. Was, Yo-Yo Ma? Oh! Tut mir Leid. Aber das ist mir zu verzärtelt.

Gulda: Konzert für Violoncello und Blasorchester Heinrich Schiff (Violoncello) Das Wiener Bläserensemble 1982. amadeo

Das ist ein toller Cellist mit einem wunderschönen Ton, sehr männlich und kernig. Er hat sehr viel Kraft in der linken Hand und kontrolliert den Ton hervorragend. Mein Gott, diese Doppelgriffe! Und es darf auch mal etwas danebengehen. Wunderbares Timing, man könnte sofort den Rhythmus aufschreiben. Was ist denn das für ein Stück? Ach, die Kadenz aus dem Gulda-Konzert? Das ist auf jeden Fall ein großer, ich tippe auf meinen Lehrer Heinrich Schiff. Seinen Ton merkt man richtig physisch, im Fuß-

Foto: René Gaens

A

usgestopfte Fasane und Jetzt machen Sie es schwer, eine Wachtel – das sind denn die d-Moll-Suite darf man die Insignien des Jagd- deutlich freier, etwas romantizimmers in der „Churfürstli- scher interpretieren. Das leischen Waldschänke“ zu Moritz- ten sich auch die historisch burg, dem malerischen Som- Informierten. Es ist ein sehr mersitz der sächsischen Köni- philosophisches, fast depressige. Auf eine amüsante Art ist ves Präludium, das rhapsodisch es schon logisch, dass Jan Vog- ausufern kann. Bei den Toccaler hier logiert, denn in Sachsen ten muss man metrisch strenist der weltumspannende Cel- ger sein. Wäre es eine moderne list fast selbst so etwas wie ein Aufnahme, würde sie mich entKurfürst. Neben New York hat täuschen, denn da sind wir der 49-jährige Tausendsassa inzwischen weiter. Ach nee, seinen Hauptwohnsitz in Dres- das ist zu romantisch! Ich würden und leitet daselbst gleich de Mischa Maisky vermuten. zwei Klassikriesen: die Dresd- Ja? Toller Cellist natürlich, aber ner Musikfestspiele und das die Auffassung ist eigen. Man inzwischen 20 Jahre etablierte erkennt sofort den schönen Moritzburg Festival. Mit sei- Ton. Und die Fantasie! Er nutzt nem Stradivari-Cello fährt er die Freiheit des Stücks und hat aber auch unermüdlich durch viele Ideen. Mit der historidie Welt und nimmt fleißig CDs schen Aufführungspraxis hat auf: zuletzt mit Hélène Gri- das aber wenig zu tun. maud Schumanns Dichterliebe ohne Worte, zu Beginn des Jahres eine hochgelobte Gesamteinspielung der Cellosuiten von Bach. Das KollegenrätYo-Yo Ma Plays sel nimmt er sportlich: „Das Shostakovich war schon die letzte Aufnah- Yo-Yo Ma (Violoncello), Emanuel Ax me? Schade, es hat solchen (Klavier), Philadelphia Orchestra, Spaß gemacht!“, sagt er zum Eugene Ormandy (Leitung) 2005. Sony Classical Ende. Das klingt nach einer LiveAufnahme und hat eine Atmosphäre, als ob der Cellist für ein Publikum spielte. Bei der Kadenz im Solokonzert kann man Bach: Cello-Suiten raffinierter sein. Haben Sie BWV 1007-1012 noch einen anderen Track? – Mischa Maisky (Violoncello) 1999. Deutsche Grammophon Sehr gute Technik, das sitzt


Blind GEhört

ZUr pErSon

Jan Vogler wurde bereits mit 20 Jahren Erster Konzertmeister Violoncello der staatskapelle dresden. 13 Jahre später gab er diese Position auf, um sich seiner solistischen Laufbahn zu widmen. Darüber hinaus arbeitet er intensiv kammermusikalisch und ist Intendant der dresdner Musikfestspiele und des Moritzburg Festivals.

Oktober 2013 concerti  45


Blind gehört

boden sozusagen. Er kommt dem Zentrum der Musik ganz nahe. Es gibt viel, was ich ihm verdanke: das Raffinement vor allem. Ich bin ja mit der deutschen Celloschule aufgewachsen und zur Disziplin erzogen worden. Heinrich Schiff hat mich gelehrt, als Solist auch individuell sein zu dürfen. Und er hat mir beigebracht, wie man klangliche Präsenz schafft. Dass man gestalten darf, auch wenn der Ton schon angestrichen ist, dass man ihn nicht allein lassen muss und die Farbe ändern kann.

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Bach: Cello-Suiten BWV 1007-1012 Pablo Casals (Violoncello) 1938/2003. EMI Classics

Das ist nicht schwer: Pablo Casals ist praktisch der Erfinder der Bach-Interpretation. 16:45:02 Diese Entschlossenheit, mit der er auf diese Musik zugeht, ist ganz charakteristisch für ihn. Er hat ja die Noten entdeckt und dreißig Jahre gewartet, bevor er die Solosuiten aufgenommen hat – bis er wirklich zum Kern dieser Musik vorgedrungen war. Als er es dann Ende der 30er Jahre wagte, war er ja schon über sechzig. Da hatte er Bach für sich verstanden und gleich die Richtung vorgegeben für ganze Generationen von Cellisten. Wir haben es heute natürlich einfacher, wir können wählen zwischen verschiedenen Ansätzen, wir haben eine bessere Aufnahmetechnik und auch bessere Saiten zur Verfügung. Aber das ist schon wirklich unglaublich, wie Casals das damals gespielt hat.

Beethoven: Complete Music for Cello and Piano Mstislaw Rostropowitsch (Violoncello) Swjatoslaw Richter (Klavier) 1963/1994. Philips/Decca

Die Kammermusik ist die Königskunst, dafür haben wir mal gelernt, ein Instrument zu spielen. Die Beethoven-Sonaten markierten den Beginn meiner Karriere, ich habe sie in meinen Zwanzigern aufgenommen. Kammermusik enthält oft die intimsten Aussagen der Komponisten, man legt jeden Takt auf die Goldwaage. Diese ältere Aufnahme gefällt mir sehr gut, ich würde auf Pierre Fournier mit Wilhelm Kempff tippen. Rostropowitsch mit Richter? Hätte ich nicht gedacht! Er spielt das sehr deutsch, sehr kontrolliert. Es wird ja immer behauptet, er wäre der Prototyp eines russischen Cellisten mit überbordender Leidenschaft, aber gerade in seinen Aufnahmen war er unglaublich diszipliniert. Live hat er zwar immer auf die großen Botschaften gesetzt, aber das hier klingt sehr vornehm, schlicht und schlank.

Brahms: Klaviertrios 1 & 2 Julius Katchen (Klavier), Josef Suk (Violine), János Starker (Violoncello) 1968/1988. Decca

Brahms-Trio H-Dur, ein herrliches Stück. Sehr schöner Anfang! Das muss auch älter sein, damals hat man sich mehr Lagenwechsel erlaubt. Ich schätze, das sind drei Solisten, kein festes Trio. Der Pianist nimmt


sich nicht zurück für die Streicher. Von dieser Kombination gab es natürlich eine Menge. Der Geiger spielt traumhaft schön! Josef Suk – den hätte mein Bruder sicher erkannt. Suk pflegte diesen ganz besonders süßen Ton. Starker hatte ja eine stürmische Biografie: Als ungarischer Jude war er sogar im KZ, seine Brüder haben nicht überlebt. Nach dem Krieg wurde er Solocellist in Chicago und hat erst spät angefangen zu solieren, daher kennt man seinen Stil nicht so gut, weil es nicht so viele Aufnahmen gibt. Aber auf jeden Fall einer der ganz Großen natürlich! Er ist leider dieses Jahr gestorben.

Grieg: werke für violoncello & klavier Ramon Jaffé (Violoncello) Andreas Frölich (Klavier) 2007. cpo

Vom Vibrato her würde ich sagen: kein ganz junger mehr. Nein, den Cellisten kenne ich nicht. Spielen Sie mal bitte den dritten Satz. Ramon? War auch schon hier in Moritzburg, aber ich hätte ihn nicht erkannt. Die Grieg-Sonate gehört zu den Stücken, bei denen man zwischendurch seinen Stil ändern kann, ohne dass es jemand merkt. Große Konzerte oder eine Beethoven-Sonate entlarven den Solisten von Anfang an durch die eindeutig identifizierbare Herangehensweise. Ich habe die Grieg-Sonate deswegen wenig gespielt, weil das eher ein Klavierstück mit obligatem Cello ist. Wenn man den Pianisten nicht gängeln möchte, lässt sie sich schwer ausba-

lancieren, und es ergeben sich klanglich nur wenige Möglichkeiten. Das hört man auch bei dieser Aufnahme, die mich technisch nicht überzeugt. KonZErt-tippS

BERLiN sa. 19.10., 20:00 uhr, so. 20.10.2013, 11:00 uhr & 16:00 uhr konzerthaus (Großer saal) Konzerthausorchester Berlin, Jan Vogler, Nikolaj Znaider. Haydn: Sinfonie Nr. 96, Violoncellokonzert D-Dur, Brahms: Sinfonie Nr. 4 e-Moll MüNCHEN so. 27.10.2013, 18:00 uhr Prinzregententheater Benefiz-Gala. Simone Kermes (Sopran), Ragna Schirmer (Klavier), Nils Mönkemeyer (Viola), Jan Vogler (Violoncello), Double Drums (Percussion) u.a. LEiPZiG sa. 1.3.2014, 20:00 uhr Gewandhaus (Großer saal) MDR Sinfonieorchester, Jan Vogler, Kristjan Järvi. Reich: Three Movements, Carter: Cellokonzert, Udo Zimmermann: Lieder von einer Insel, Skrjabin: Le Poème de l’Extase Cd-tippS

IN RESIDENCE 2 0 13 | 2 0 1 4 ANJA HARTEROS Fr | 21. Februar 2014

„La bonne chanson“ Kammermusik mit Werken von Gabriel Fauré u.a. sa | 8. März 2014

opernGaLa sa | 26. april 2014

Liederabend sa | 24. Mai 2014

„Vier Letzte Lieder“ Lorin Maazel & Münchner philharmoniker Gefördert von der PhilharmonieStiftung der Sparkasse Essen.

Bach: Cellosuiten Bwv 1007-1012 Jan Vogler (Violoncello) Sony Classical (2 CDs)

tickets t 02 01 81 22-200 www.philharmonie-essen.de

schumann: dichterliebe op. 48, Fantasiestücke op. 73, Andante & variationen op. 46 Jan Vogler (Violoncello), Hélène Grimaud (Klavier), Moritzburg Festival Ensemble. Sony Classical onlinE-tipp

Jan vogler spricht über künstlerische und emotionale Freiheit im Porträt: Scannen Sie den Bild-Code mit einem Smartphone und einer App für QR-Codes oder gehen Sie auf www.concerti.de/vogler Oktober 2013 concerti  47

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medien-tipps

multimedia Das Beste aus Radio, Fernsehen, Kino und Internet Fernsehen: ZDF

ECHO Klassik Verleihung So. 6.10.2013, 22:00 Uhr Das Who

is who der Klassikszene von Deutschland versammelt sich einmal im Jahr im Berliner Konzerthaus, wenn der ECHO Klassik vergeben wird. In diesem Jahr treten mit dem Konzerthausorchester neben anderen Jonas Kaufmann, Daniel Hope und Julia Lezhneva auf, Nina Eichinger und Rolando Villazón moderieren die Gala.

Anna Netrebko in Salzburg

www.facebook.com/CONCERTImagazin

In der Welt von ... Alban Gerhardt 7.-13.10.2013 Hinter die Kulissen blicken, Fragen

stellen, die noch niemand gefragt hat und ganz nah dran sein am Lieblingskünstler: Das können concerti-Leser bereits zum dritten Mal auf unserer facebook-Seite. Dieses Mal begleiten wir Cellist Alban Gerhardt ganz privat u.a. zu seinen Konzerten im Berliner Konzerthaus. 48 concerti Oktober 2013

Sa. 12.10.2013, 19:05 Uhr Nicht alle Tage ist die Giovanna d’Arco zu hören, Verdis selten gespielte Oper über die Jungfrau von Orléans. Anna Netrebko singt die Titelpartie in dieser Aufzeichnung vom 6. August 2013 bei den Salzburger Festspielen. An ihrer Seite: Plácido Domingo und das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Paolo Carignani.

Fotos: Monique Wüstenhagen, im Canetty-Clarke/Hyperion Records, Silvia Lelli, Sofi Sykfont

Radio: deutschlandradio kultur


kino: Dokumentation

Ciao Cello

www.hr-online.de

Wir vom Orchester Warum erzählt man über die Bratsche Witze, wie entstand aus einem Knochen die Flöte und warum braucht der Kontrabass einen wärmenden Mantel? Auf humor- und liebevolle Weise hat der Hessische Rundfunk auf der Seite „Treffpunkt hr Symphonieorchester“ Orchesterinstrumente porträtiert – über­raschende Erkenntnisse garantiert!

Jonas Kaufmann

Seit 2010 hat Deutschland einen neuen Nachwuchswettbewerb: den TONALi Grand Prix. Im ersten Jahr traten herausragende junge Geiger gegeneinander an, im letzten Jahr kamen junge Cellisten aus ganz Deutschland zum musikalischen Kräftemessen nach Hamburg. Wie es bei einem solchen Wettbewerb zugeht, bei dem sich die Musiker nicht nur der Jury, sondern auch dem gleichaltrigen Publikum in Schulen stellen, zeigt nun der Dokumentationsfilm „Ciao Cello“. In Verbindung mit Live-Auftritten der Wettbewerbsteilnehmer ist er im Herbst bundesweit in zahlreichen Kinos zu sehen. Was die jungen Cellisten antreibt, stundenlang täglich zu üben und wie sie mit dem Druck während des Wettbewerbs umgehen – all das hat Hannes Treiber auf poetische Weise eingefangen. Weitere Infos, Trailer und alle Termine unter www.ciao-cello.de

Vesselina Kasarova

Sir Simon Rattle

Valery Gergiev

Entdecken Sie Luxemburg durch die Musik Saison 2013/14 Philharmonie Luxembourg & Orchestre Philharmonique du Luxembourg Ticketing (+352) 26 32 26 32 www.philharmonie.lu

Oktober 2013 concerti   49


VorSChaU

Die November-Ausgabe erscheint am 25. okToBER

Janine Jansen Die holländische Geigerin zeigt ihre ganze Bandbreite

lisa Batiashvili Neu auf CD: Tschaikowskys Romanzen für Violine und Klavier

Kirill Petrenko Der neue Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper stellt sich vor

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nement sowie an zahlreichen Veranstaltungsorten, Konzert- und Theaterkassen, im Fachhandel, in Kulturinstitutionen, Bildungseinrichtungen, Hotels, Restaurants und Cafés. Alle Termine, Tickets und vieles mehr auch im internet unter: www.concerti.de 50 concerti Oktober 2013

verlag concerti Media GmbH Mexikoring 29 22297 Hamburg Tel: 040/657 90 810 Fax: 040/657 90 817 info@concerti.de www.concerti.de Herausgeber/Chefredakteur Gregor Burgenmeister (V.i.S.d.P.) Redaktion Friederike Holm (Leitung), Ninja AnderlohrHepp, Clara van Buiren, Petra Eisenhardt, Mirko Erdmann, Sarah Hansen, Tara Hansen, Peter Krause (PK), Jörg Roberts, Dr. Christiane Schwerdtfeger, You-Son Sim, Nele Winter Autoren der oktober-Ausgaben Michael Blümke (MB), Jakob Buhre, Christoph Forsthoff (CF), Dr. Klemens Hippel, Sören Ingwersen (SI), Dagmar Leischow, Matthias Nöther, Teresa Pieschacón Raphael, Christian Schmidt, Volker Tarnow (VT), Dr. Eckhard Weber (EW), Gregor Willmes Anzeigen Susanne Benedek (Leitung Marketing, Klassikveranstalter & Kultur) Tel: 030/488 288 535 s.benedek@concerti.de Mirko Erdmann (Musikindustrie, Klassikveranstalter & Festivals) Tel: 040/657 90 816 m.erdmann@concerti.de Ellen Zerwer (Veranstalter Online-Marketing) Tel: 030/488 288 537 e.zerwer@concerti.de Stefan Brettschneider (Leitung Agenturen & Marken) Tel: 030/488 288 531 s.brettschneider@concerti.de Jörg Roberts (Veranstalter Anzeigen Hamburg) Tel: 040/657 90 813 j.roberts@concerti.de You-Son Sim (Anzeigendisposition) Tel: 040/657 90 810 anzeigen@concerti.de Art direktion/Gestaltung Tom Leifer, Jörg Roberts, Dodo Schielein druck und verarbeitung Evers-Druck GmbH Abonnement concerti Media GmbH Postfach 600 423, 22204 Hamburg Tel: 040/657 90 808 Fax: 040/657 90 817 abo@concerti.de (Bestellung unter Angabe der Regional-Ausgabe) Das Jahresabonnement kostet 25 € frei Haus. Erscheinungsweise elf Mal jährlich ivw geprüfte Auflage Redaktionsschluss Immer am 15. des Vor-Vormonats, bitte senden Sie Ihre Termine an: termine@concerti.de. Der Abdruck erfolgt kostenlos. Alle Rechte concerti Media GmbH. Zusatz Der Terminkalender erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir übernehmen keine Haftung, da es sich bei einer Vielzahl von Ankündigungen um einen Vorabplan handelt. Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags. Für unaufgefordert eingesandte Bücher, Fotos, CDs und Manuskripte keine Gewähr. Bei Nichtlieferung infolge höherer Gewalt oder infolge von Störungen des Arbeitsfriedens bestehen keine Ansprüche gegen den Verlag. Titelfotos Richard Reinsdorf/DG (Hamburg, Berlin & München), Gert Mothes/Decca (Mitteldeutschland)

Fotos: Decca/Harald Hoffmann, Anja Frers/DG, Wilfried Hösl

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