Grosseltern 02 2017

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MAGAZIN

Grosseltern

# 02 / Februar 2017

# 02 / Februar 2017

Ink

DIE E l. Dossier R F IN DER GR O S D UNG ab Se SELT E RN ite 48

www.grosseltern-magazin.ch

Grosseltern Das Magazin über das Leben mit Enkelkindern

Erziehen

Impfen

Akzeptieren

Wissenschaftlerin Margrit Stamm über Frühförderung und Überbehütung (S.22)

Welche Impfungen Grosseltern unbedingt machen sollten (S. 42)

Wie ein Pfarrer damit umgeht, dass seine Enkelkinder ungetauft sind (S. 38)

Grosseltern MAGAZIN

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~ Magazin ~ EDITORIAL

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Die beste Erziehung

GEORG GINDELY Chefredaktor georg.gindely@grosseltern-magazin.ch

I

ch glaube, meine Eltern runzeln ab und zu die Stirn, wenn sie sehen, was meine Frau und ich unseren Kindern alles durchgehen lassen. Sagen tun sie zwar nicht viel. Aber ein bisschen merken wir es, wenn unser Sohn und unsere Tochter bei ihnen sind. Dann gelten ungewohnt strenge Regeln. Nicht, dass das die Kinder stören würde – sie gehen sehr gerne zu Nonna und Nonno. Viele Grosseltern betreuen ihre Enkelkinder wie meine Eltern regelmässig, schenken ihnen Liebe und Zeit und sind da, wenn sie gebraucht werden. Dennoch heisst es in allen Grosselternratgebern: «Mischt euch nicht in die Erziehung der Kinder ein!» Doch ist das wirklich richtig? Und welche Erziehungsstile sind heute populär und weshalb? Welchen Herausforderungen müssen sich Kinder, Eltern und Grosseltern im Moment stellen? Diesen und anderen Fragen wollen wir im ersten Halbjahr in einer Serie zum Thema Erziehung nachgehen. Den Auftakt macht ein Interview mit Margrit Stamm. Die Erziehungswissenschaftlerin hat letztes Jahr ein viel beachtetes Buch veröffentlicht. Es heisst «Lasst die Kinder los – Warum entspannte Erziehung # 02 ~ 2017

lebenstüchtig macht» und kritisiert den Förderwahn und die Überbehütung der heutigen Kinder. Margrit Stamm empfing meine Mitredaktorin Melanie Borter und mich in ihrem Büro in Bern und nahm sich viel Zeit für uns. Das Gespräch mit der emeritierten Professorin war so interessant, dass wir beschlossen haben, es in zwei Teilen abzudrucken. Im ersten Teil, den Sie auf Seite 22 finden, spricht Margrit Stamm über den Druck, unter dem Kinder und Eltern heute stehen, und sagt, welche Erziehung die Entwicklung der Kinder am besten unterstützt: Es ist die autoritative, also eine mit klaren Regeln. Vielleicht sollten meine Frau und ich unsere Kinder in Zukunft also noch häufiger zu meinen Eltern schicken und uns ein bisschen etwas bei ihnen abschauen. Übrigens: Wie stark Grosseltern Einfluss auf die Erziehung der Enkel nehmen sollen und können, sagt Margrit Stamm im zweiten Teil des Interviews, das in der nächsten Ausgabe erscheinen wird. Die letzten Wochen haben wir genutzt, um kleinere Anpassungen vorzunehmen. Die Ratgeberseite von Psychologin Katharina Ley sowie die Gesundheitskolumne von Hausarzt Edy Riesen haben wir unter dem Titel «Aus der Praxis» zusammengefasst und eröffnen damit unseren Serviceteil im hinteren Drittel des Heftes. In diesem finden Sie neu noch mehr Tipps für gemeinsame Unternehmungen mit den Enkelkindern und eine Vorlesegeschichte. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen! •


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INHALT # 02 / Februar 2017

Experimentierfreude

Im Technorama in Winterthur erfahren Besucherinnen und Besucher Phänomene wie Luft, Elektrizität oder Magnetismus. (S.28)

Purzelschneemann

Der ungewohnte Geselle im Garten macht nicht nur Kindern Spass. (S.71)

Margrit Stamm

Zum Auftakt unserer Serie über Erziehung spricht die Professorin im Interview über Frühförderwahn und Überbehütung. (S.22)

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~ Magazin ~ INHALTSVERZEICHNIS

Su kkulentens

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ammlung

TESTER MUSEUSeMiteS14

Magazin Editorial Inhaltsverzeichnis

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Hintergrund 3 4

Generationengespräch Jakob und Samuel Freund machen zusammen Appenzeller Volksmusik.

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Überbehütete Kinder Margrit Stamm wünscht sich entspanntere Eltern und eine weniger ängstliche Gesellschaft.

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Aus der Praxis Katharina Ley gibt Rat, und Hausarzt Edy Riesen schreibt über seine «anderen» Kinder.

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Zukünftige Nobelpreisträger Im Technorama entdecken Kinder die Naturwissenschaften

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Unterwegs Ausflüge nach Braunwald, ins Lötschental und nach Wengen

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Basteln Ein Stall für Spielzeugpferde

und Grosseltern ihre Grenzen.

Sammelsurium Meine Grosseltern Hitparaden-Moderator Michel Birri hat seine Liebe zum Kitsch von seiner Grossmutter geerbt.

Service

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Raketen und Flugzeuge Versuche aus dem Technorama

38

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Anderswo: Island Lilja Sigurðardóttir aus Keflavik besucht mit ihren Enkelkindern Trollhöhlen.

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Leserbriefe

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Meine Enkel – meine Kinder Über was sprechen Grossmütter und ihre Töchter am liebsten? Richtig: über die lieben Kinder!

En

KINDE tdeckt im RMU Seite 1 SEUM 0

Bruchstelle Taufe Pfarrer Patrice de Mestral sagt, was er seinen ungetauften Enkelinnen wünscht.

42

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Impftipps Kinderärzte wären froh, würden sich mehr Grosseltern gegen Keuchhusten impfen lassen. GrossmütterRevolution Kolumne: Lebenslanges Lernen Historischer Rückblick Weshalb Grosseltern erst ab dem 18. Jahrhundert eine Rolle in Familie und Gesellschaft spielen.

DOSSIE R Seite 48

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Baby Rosanna Hauri hat ihrem Enkel zur Geburt 18 Finken gehäkelt.

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Rezept Chicorée mit Schinken

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Spielen Walliser Bauchtraining

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Vorlesegeschichte Wie die Meerkatze an Land kam

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Wettbewerb Gewinnen Sie ein Schnupperwochenende im Deltapark am Thunersee Apps Buchtipps Rätsel Cartoon Impressum & Vorschau Schlusswort

69 72 78 80 81 82


Foto: Stephan Bรถsch

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~ Magazin ~ GENERATIONENGESPRÄCH

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&Samuel

Jakob

Jakob Freund (70) und sein Enkel Samuel (12) aus Bühler AR machen Volksmusik und sind schon mit der ganzen Familie im Fernsehen aufgetreten. Grossvater Jakob ist sich grosse Auftritte gewohnt: Er war unter anderem mit Bligg auf der Bühne. Samuel: Grossvater, wie hast du die Freude an der Musik entdeckt? Jakob: Wie fast alle Kinder in der Unterstufe habe ich Blockflöte lernen dürfen. Ich habe ein gutes Musikgehör und konnte Melodien sofort nachspielen. In der dritten Klasse habe ich mir eine Klarinette gewünscht und trat bald darauf in die Blasmusik Teufen ein. Samuel: Heute spielst du nicht mehr Klarinette. Weshalb nicht? Jakob: Mit 20 habe ich mit dem Streichbass begonnen, weil einer Musik in der Nähe ein Bassist fehlte. Kurze Zeit später ist der Hackbrettler ausgetreten, und dann bin ich für ihn eingesprungen. So bin ich nach der Blasmusik in die Appenzellermusik gerutscht. Einen Lehrer hatte ich nicht. Seit 30 Jahren spiele ich nun Hackbrett in der Streichmusik Alder. Samuel, du spielst Handorgel. Gefällt dir das Instrument? Samuel: Ja. Ich habe in der zweiten Klasse angefangen. Das Musikmachen macht mir Freude. Das mit dem Üben ist leider nicht immer einfach. Man sollte ja jeden Tag eine halbe Stunde üben, aber manchmal schaffe ich nur fünf Minuten. Jakob: Du hast auch immer so viel los!

Samuel: Ja, ich schwinge und gehe ins Unihockey – und Skifahren tue ich auch gerne. Hast du eigentlich noch Lampenfieber, Grossvater? Jakob: Ja, wichtig ist aber, dass es das Publikum nicht bemerkt! Ich stelle fest, dass das Lampenfieber im Alter sogar wieder stärker wird. Samuel: Warum? Jakob: In jungen Jahren war die Routine grösser. Mit dem Alter wird man eben nicht unbedingt besser. Wenn meine Mitmusikanten ganz schnell spielen, komme ich manchmal fast nicht mehr nach. Hast du auch Lampenfieber? Samuel: Ja, sicher, bei Konzerten der Musikschule, oder wenn wir mit der Familienkapelle auftreten. Besonders nervös war ich aber bei unserem Fernsehauftritt mit der ganzen Familie. Ich machte einige Fehler, und einmal musste ich aussetzen. Jakob: Unser Familien-Fernsehauftritt war vorletztes Jahr: Du, dein Vater, seine zwei Brüder und ich haben zusammen ein Musikstück vorgetragen. Die Frauen und die anderen Grosskinder haben gesungen. In den traditionellen Appenzeller Familien gehört der Gesang # 02 ~ 2017

einfach dazu, genauso wie die Tracht. An einem besonderen Tag ziehen wir alle die Tracht an, von Gross bis ganz Klein. Das Prunkstück, die beschlagenen Hosenträger, habe ich vom Vater geerbt. Samuel: Ich habe meine Hosenträger auch von Vater. Grossvater, hörst du eigentlich nur Volksmusik? Jakob: Vorwiegend. Die Beatles und die Rolling Stones sind an mir vorbeigegangen. Mit etwa 60 Jahren war ich an meinem ersten Openair, aber nicht im Publikum, sondern auf der Bühne. Samuel: Mit Bligg! Jakob: Genau. Bligg und die Streichmusik Alder haben gemeinsam ein Projekt auf die Beine gestellt und einige Konzerte zusammen bestritten. Das war ein sauglattes Projekt. Gefällt dir Bligg? Samuel: Ja, sehr. Ich höre auch sonst gerne die Hitparade, aber wer macht das schon nicht? Volksmusik mag ich auch. Ich spiele gerne Handorgel. Jakob: Das ist gut. Es gibt heutzutage viel zu wenig gute Handörgeler. Man muss viel üben, um das Instrument zu beherrschen. Damit man die Motivation nicht verliert, braucht es ab und zu einen Auftritt. Wir schauen deshalb, dass wir im Jahr zwei oder drei Mal mit der Familie auftreten können. Es muss ja nicht jedes Mal im Fernsehen sein! ~GG

Wollen Sie und Ihr Enkelkind auch einmal beim Generationengespräch mitmachen? redaktion@grosseltern-magazin.ch


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~ Blick zurück ~

DIE EINGEWANDERTEN GROSSELTERN Am 12. Februar wird in der Schweiz über die erleichterte Einbürgerung abgestimmt. Die Vorlage betrifft die dritte Generation von Ausländerinnen und Ausländern. Die meisten von ihnen dürften Grosseltern haben, die aus Italien eingewandert sind. Diesen Grosseltern und anderen italienischen Einwanderern ist das kürzlich erschienene Buch «Grazie a voi» gewidmet. Der Band vereint Fotografien zur italienischen Migration in der Schweiz: Fotos aus Familienalben, von italienischen Vereinen und Schulen, von Festen und offiziellen Anlässen. Das Buch bietet so einen privaten und manchmal intimen Einblick in den Alltag der italienischen Einwandererinnen und Einwanderer in der Schweiz und lässt gleichzeitig eine Zeit wieder lebendig werden, die noch ganz nah und sehr aktuell ist – nicht nur, aber auch wegen der Abstimmung vom 12. Februar. ~GG «Grazie a voi. Ricordi e stima – Fotografien zur italienischen Migration in der Schweiz», Limmat Verlag, 240 Seiten, 372 Fotos, 54 Franken.

© Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz.

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Kindermund ~

«MILCH, MIEKO, GOPPELNOMOL!» Tymon wächst zweisprachig auf. Mit seiner Mama spricht er Polnisch, mit seinem Papa Schweizerdeutsch. Das macht er prima – doch eine kleine Episode möchte ich Ihnen berichten. Ein Gespräch zwischen Papa und Tymon: Papa: Tymon, wie sagt Mama der Milch? Tymon: Mieko. Papa: Und Grossmama Trudi Rütihof? Tymon: Milch. Papa: Und Babka – die Grossmama in Polen?

~ Filmtipp ~

LIEBE IN DREI GENERATIONEN «Worlds Apart» erzählt nicht nur die Geschichten dreier unterschiedlicher Liebespaare aus drei Generationen. Denn die bewegenden Liebesgeschichten sind mitten im Griechenland von heute angesiedelt, in der aufgewühlten Stadt Athen. Dem griechischen Regisseur und Schauspieler Christopher Papakaliatis gelingt es in «Worlds Apart» einerseits, das Drama, das sich im südlichen Europa abspielt, in all seinen Facetten zu zeigen, und andererseits mit Leichtigkeit von der ungebrochenen Kraft des antiken griechischen Liebesgottes Eros zu erzählen. Die Weltlage spielt nicht für die Einzelnen, und dennoch ist es ein Film voller Hoffnung, ein Liebesfilm, über alle Grenzen und Generationen hinweg, packend, bewegend und brennend aktuell. ~MB

Tymon: Mieko. Papa: Und Grossmame Beatrice Basel? Tymon: Goppelnomol! BEATRICE ROSENTHAL, ARLESHEIM

Hat Ihr Enkelkind auch etwas Lustiges gesagt? Schicken Sie Ihren Text für die Rubrik «Kindermund» an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder an Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. Vielen Dank!

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10 Im K in

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ENTDE useum CKT R äts c he

~ Zitat ~

«DIE ROLLE DES GROSSVATERS IST WIE AUF MICH ZUGESCHNITTEN: DER KLEINE ALOIS UND ICH VERSTEHEN UNS AUSGEZEICHNET.» Christian Constantin, Präsident des FC Sion, hat grosse Freude an seinem ersten Enkel, der eben ein Jahr alt geworden ist.

von LIZ SUTTER (Text) und THOMAS BURLA (Foto)

Beliebtes Krachinstrument

D

ie Bauweise einer Rätsche ist ziemlich einfach: Spitz zulaufende Schindelabschnitte werden über ein gefrästes Zahnrad geführt. Der Effekt ist grandios: Wenn die Spitzen beim Drehen über die Zähne stolpern, entsteht ein laut ratterndes Geräusch. Kinder können davon nicht genug kriegen, Erwachsene schon. NICHT NUR AN DER FASNACHT

~ Tändelei ~

FÄNSCHTERLI ZUE (Augen mit Zeigfinger leicht zudrücken)

LÄDELI ZUE

(Ohren kurz nach vorn umklappen)

TÜRE ZUE

(Lippen sanft zusammendrücken)

BSCHLIESSE! (an der Nase drehen)

Vielerorts gehören Rätschen zur Ausrüstung der Fasnachtsnarren. In Basel ist es vor allem der Waggis, der seinen erschreckenden Anblick oft mit einer ohrenbetäubenden Rätsche verstärkt. In manchen katholischen Gebieten kommen in der Karwoche riesige Karfreitagsrätschen zum Einsatz. Sie ersetzen die Kirchenglocken, die während der Trauerzeit nicht läuten dürfen. GERÄTSCHT WIRD AUF VIELE ARTEN Früher machten Bettler oder Aussätzige mit Rätschen auf sich aufmerksam, im Zweiten Weltkrieg wurde damit vor Gasangriffen gewarnt. Weniger dramatisch klingt das Rätschen als Tätigkeit. Es kann klatschen oder tratschen bedeuten, aber auch verpetzen. Beides ist nicht immer harmlos, weshalb hiermit davor gewarnt sei. Mit einer Rätsche natürlich. •

Gesammelt von Susanne Stöcklin-Meier.

In der Rubrik «Entdeckt» stellen wir jeden Monat Trouvaillen aus dem Schweizer Kindermuseum in Baden vor. www.kindermuseum.ch

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Im Netz ~

VIDEOS ZUM SCHMUNZELN Nichts verbreitet sich in sozialen Netzwerken so schnell wie lustige Videos (vielleicht mit Ausnahme von süssen Katzenbildern). Das zeigt sich auch auf unserer Facebook-Seite: Am meisten angesehen, geteilt, geliked und kommentiert werden Filme zum Schmunzeln. Besonders beliebt in letzter Zeit war

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ihr hinein, kommt dann aber nicht mehr aus dem Bettchen hinaus, weil die Tochter auf seinem Bauch einschläft und immer, wenn er aufstehen will, aufwacht – und wieder zu schreien beginnt. «Herzerwärmend», «voll süss», «putzig», «toller Papa!» sind nur einige der vielen Kommentare zum Film. Ebenfalls sehr beliebt war vor kurzem das Video zum Lied «Nume e Phase» von Sam National. Der Vater besingt die Nöte der Eltern mit ihren Kindern auf sehr humorvolle Weise. Interessant ist, dass auf unserer Facebook-Seite Filme von Eltern und Kindern auf den grössten Anklang stossen: Grosseltern erinnern sich wahrscheinlich mit einem Schmunzeln an vergangene Zeiten zurück – und sind auch ein bisschen froh, dass sich nun die eigenen Kinder mit dem herumschlagen müssen, mit dem sie ihren Eltern früher selbst zu schaffen gemacht haben. ~GG

ein Video über einen Vater, dessen Tochter schreiend im Kinderbettchen steht. Um sie zu beruhigen, quetscht er sich zu

facebook.com/grosselternmagazin

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Studie ~

WER ENKELKINDER HÜTET, LEBT LÄNGER

~ Die Frage ~

ALINE, WAS IST DENN MOMENTAN POPULÄR BEI EUCH JUGENDLICHEN? Aline Steiger ist 14 Jahre alt, geht in die Bezirksschule Baden und absolvierte im letzten Monat ein zweitägiges Praktikum auf unserer Redaktion. Sie erklärt, warum viele Jugendliche Plastikflaschen durch die Gegend schmeissen und welche Geste ein Jugendlicher heute unbedingt können muss, um cool zu sein. «Bei uns in der Schule ist gerade der Bottle Flip angesagt. Bottle Flip ist englisch und bedeutet so viel wie Flaschendrehung. Konkret versucht man, eine Plastikflasche so zu werfen, dass sie sich einmal oder mehrmals dreht und schliesslich senkrecht zum Stehen kommt. Die Plastikflasche sollte zu etwa einem Viertel mit einer Flüssigkeit gefüllt sein. Weil die Fliehkraft dann das Wasser an die Aussenwand der Flasche drückt, fliegt die Flasche besser. Mit ein bisschen Übung gelingt ein einfacher Flaschensalto bald einmal. Übrigens: Nicht nur an unserer Schule werden Plastikflaschen geworfen, seit Sommer 2016 ist das ein weltweiter Trend. Damals führte ein 18-jähriger Schüler namens Mike Senatore den Bottle Flip an einer Highschool-Talentshow vor. Ein paar Schüler nahmen diese Aktion auf und stellten das Video auf Youtube. Daraus wurde ein regelrechter Internet-Hype. Schafft man es, dass die Flasche tatsächlich aufrecht stehend landet, so macht man einen Dab – das ist der zweite Trend, der momentan an unserer Schule angesagt ist. Der Dab ist eine ganz bestimmte Bewegung: Der eine Arm wird angewinkelt, und man senkt den Kopf leicht in die Armbeuge – wie beim Niesen. Die Hand zeigt zum anderen Arm, welcher ausgestreckt wird. Den Dab macht man als Ausdruck der Freude und Begeisterung, wenn man etwas Cooles gesagt hat oder einem etwas Cooles gelungen ist, wie eben der Bottle Flip. Übrigens ist auch der Dab kein lokales Phänomen. Das Tutorial auf Youtube, das einem zeigt, wie der Dab geht, wurde über zwei Millionen Mal angeklickt. Und auch hier machen bekannte Sportler oder Youtuber diese Geste noch bekannter.» # 02 ~ 2017

Fünf Jahre: So viel länger als ihre Altersgenossen leben Grosseltern, die ihre Enkelkinder regelmässig hüten. Eine Gruppe internationaler Forscher beobachtete mehr als 500 Schweizer und deutsche Erwachsene im Alter zwischen 70 und 103 Jahren. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen, die oft auf ihre Enkel aufpassten, auch zehn Jahre später noch am Leben waren. Studienteilnehmer, die dies nicht taten, starben durchschnittlich bereits nach fünf Jahren. Ausserdem beobachteten die Forscher Menschen, die zwar keine eigenen Kinder oder Enkel hatten, sich jedoch trotzdem um einen oder mehrere Mitmenschen kümmerten. Sie lebten im Durchschnitt sieben Jahre länger. Eine mässige Beteiligung an der Pflege von Enkeln und Mitmenschen hat also eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Übertreiben sollte man es aber nicht damit: Vorherige Studien deuten darauf hin, dass eine zu intensive Beteiligung zu Stress führen kann, der sich negativ auf die geistige und körperliche Gesundheit auswirkt. ~GG


~ Magazin ~ MEINE GROSSELTERN

«Wegen Mutti mag ich kitschige Filme» Die Grossmutter von Hitparadenmoderator Michel Birri amüsierte die Familie mit ihrem Pfeifen, kochte ausgefallene Menüs und wurde von ihrem Enkel über alles geliebt. Ihr Tod traf den damals 15-Jährigen hart. MICHEL BIRRI Michel Birri, 29, moderiert seit vier Jahren die Hitparade auf SRF 3 und arbeitet als Redaktor für das SRF-Kinderprogramm Zambo. Er ist in Zeihen im Fricktal aufgewachsen und lebt heute in Baden.

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eine Grossmutter arbeitete als Verkäuferin im Coop, und auf ihrem Nachhauseweg kam sie jeden Abend noch kurz bei uns vorbei. Schliesslich wohnte sie im gleichen Dorf. Ihren Besuch kündigte sie jeweils mit einem leisen Pfeifen an. Meine Schwester Stephanie und ich amüsierten uns immer sehr darüber, weil sie eigentlich gar nicht richtig pfeifen konnte. Punkt 19 Uhr ging die Haustüre auf. Mutti, wie wir sie nannten, hatte einen Schlüssel zu unserem Haus. Sie ass oft bei uns, und wir haben diese Nachtessen wahnsinnig genossen. Die Eltern meines Vaters kannte ich gar nicht, sie starben, als ich noch nicht einmal auf der Welt war. Der Vater meiner Mutter starb ebenfalls sehr früh, so dass Mutti der einzige Grosselternteil ist, an den ich noch Erinnerungen habe. Sie besuchte uns nicht nur jeden Abend, sie kam auch mit uns in die Ferien. Meine Schwester und ich haben uns dann jeweils ein Zimmer mit ihr geteilt. Ich glaube, dass ich wegen Mutti eine Vorliebe für Telenovelas und kitschige Filme habe. Mit ihr zusammen habe ich zum Beispiel oft die amerikanische Serie «Reich und Schön» und «Gute Zeiten, schlechte

Zeiten» geschaut. Und ja, ich gebe es zu, «GZSZ» schaue ich bis heute. Mutti gehörte einfach dazu, und sie war für mich wie ein dritter Elternteil. Stephanie und ich waren ihre einzigen Grosskinder

Michel Birri mit Mutti, wie er seine Grossmutter nannte.

und ihr ganzer Stolz. Überall bei ihr zu Hause standen und hingen Fotos und Bilder von uns herum. Einmal im Monat trafen wir uns alle bei ihr, und sie kochte ihre Chnöpfli. Dazu gab es Härdöpfelsalat und panierte Plätzli. Eine spezielle Zusammenstellung, ich # 02 ~ 2017

weiss, aber dieses Menü musste einfach sein, wenn Mutti kochte. Dafür liebten wir sie. Chnöpfli gibt es auch heute noch oft bei Familienzusammenkünften, nur dass mittlerweile mein Mami hinter dem Kochherd steht. Mutti starb, als ich 15 Jahre alt war. Sie war gerade 66 Jahre alt. Ich mag mich noch genau an diesen 14. August 2002 erinnern. Als meine Mutter, meine Schwester und ich nach Hause kamen, warteten mein Vater und der Bruder meiner Grossmutter vor der Türe, und da wussten wir: Irgendetwas musste passiert sein. Als sie uns sagten, dass Mutti in den Ferien in Österreich bei einem Velounfall ums Leben gekommen war, brach für uns alle eine Welt zusammen. Mutti war auf einmal nicht mehr da. Völlig unvorstellbar. Es war eine schwierige Zeit, aber sie hat meine Familie auch noch mehr zusammengeschweisst, davon bin ich überzeugt. Manchmal wünsche ich mir, Mutti könnte mich auch mal im Radio hören oder bei Zambo sehen. Ich glaube, sie wäre wahnsinnig stolz. •


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Su kkulentens

ammlung

MSTESTER MUSEUZü rich

~ Elternsprüche ~

«GEH RUHIG SCHLAFEN, WIR SCHREIBEN DIR ALLES AUF, WAS WIR REDEN.» Kurze Sätze, die unser Leben begleiten. Gesammelt von Beat Gloor.

~ Wie uns unsere Enkelkinder nennen ~

Baumhohe Kakteen am Zürichsee

«UAMI UND UPAPI» Als vor 24 Jahren unsere erste Enkelin geboren wurde, war die Freude gross und der Gedanke an einen Namen für uns Grosseltern noch fern. Als Michelle sprechen lernte, nannte sie uns Uami und Upapi. Diese Namen sind uns bis heute geblieben. Sogar in Gesellschaft werden wir so genannt, worauf wir sehr stolz sind! Die anderen vier Enkelkinder Janine, Leona, Rafael und Maria übernahmen diese Grosselternnamen wie selbstverständlich. So sind wir für alle Uami und Upapi. Was unsere Herzen besonders berührt ist, dass auch unsere behinderte Enkelin Melanie, die keiner Sprache mächtig ist, auf diesen Klang hört. Sie zeigt es uns mit einem Leuchten in den Augen. Auch für sie sind wir Uami und Upapi. ELISABETH SCHULTHESS, DÄTTWIL

Wie werden Sie von Ihren Enkelkindern genannt? Gibt es eine Geschichte zu Ihrem Namen? Wir freuen uns über Einsendungen an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden.

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ie viele Kinder haben auch Lioba und Felia kleine Kakteen als Sammelobjekte entdeckt. Sie kennen sie vielgestaltig, kaum aber über 15 Zentimeter hoch. Dass sie so gross sein können wie Bäume, hat sie in der Sukkulentensammlung in Zürich völlig überrascht. Wir staunten in den Gewächshäusern über Pflanzen, die aussehen wie Steine, sich schlangenartig winden oder zarte rosa Blüten in einem Stachelkissen verstecken. «Sara Dorn», die Gärtnerin der pädagogischen Broschüre, führte uns zu Stationen zum Anfassen und Erkunden. Dabei lernten wir, dass zum Beispiel Sisalschnur aus den Fasern einer Agave gedreht wird, und was «sukkulent» eigentlich heisst: saftreich. Jetzt beobachten wir diese Wasserspeicher zu Hause noch genauer: Jede von uns hat sich in der Sammlung eine kleine Pflanze gekauft. Beim Picknicken erlebten wir die konkrete Hilfe, welche die weltweit einzigartige Sammlung bietet. Eine Dame zeigte dem Gärtner einen braun verfärbten, schlappen Kaktus und sagte: «Ich glaube, der Kaktus lehnt mich ab.» Er wurde von ihrem Mann bis zu dessen Tod gepflegt, und nun gedeiht er nicht mehr. Der Gärtner nahm die Dame mit in die hinteren Räume, und sie kam mit einem Lächeln und gefüllter Tasche zurück – wir raten noch immer, was ihr als Lebenshilfe geschenkt wurde! • Ein kurzer schöner Weg führt von der 7er-Tramhaltestelle Brunaustrasse zur Sukkulentensammlung am Mythenquai 88 in Zürich. Diese ist täglich von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. www.stadt-zuerich.ch/sukkulenten Eli Wilhelm, 56, testet mit Enkelinnen, befreundeten Kindern und Jugendlichen regelmässig Museen. www.museumstester.ch

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

~ Rückblick ~

WILLI BRINGT ES AUF DEN PUNKT 1972 wurde der Zeichner Peter Hürzeler von der «Schweizer Illustrierten» gebeten, eine typisch schweizerische Comic-Figur zu kreieren. So trat Willi mit seiner Armbrust bewaffnet auf den Plan und gab fortan seinen Senf zu allem und jedem, was die Menschen im Lande gerade bewegte. Da fährt Tell auf Alphörnern an der Ski-WM mit

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und macht das falsche Material für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich. Da wird eine Poststelle geschlossen, und die Kunden werden mit ihren Paketen an den Marronibrater verwiesen. Hürzeler findet auch noch die etwa einhundertundfünfte Apfelschussvariante oder jongliert mit den Begriffen vom «Hut auf der Stange» oder vom «Tellsprung», der auch mal ein Salto sein kann. Die Kombination von prägnanten Zeichnungen und schrägen Wortspielen machen die Lektüre zu einem besonderen Vergnügen. Aus mehr als 2200 Cartoons und Comics – eine Zeit lang erschien Willi als dreiteiliger farbiger Comicstreifen – hat Peter Hürzeler 261 Beispiele ausgewählt und im Eigenverlag herausgegeben. Damit kann man eine vergnügliche Reise durch die letzten vier Jahrzehnte machen, während die Enkelkinder am pfiffigen Walterli garantiert ihren Spass haben werden. ~LS «Tellspiele», Peter Hürzeler, 261 Cartoons, 239 Seiten, mit einem Vorwort von Rolf Lyssy, 36 Franken.

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ZEIT HABEN

~ Was wir mit den Enkeln machen ~

WACHSSEEN UND FLAMMENGEBIRGE

Von Weihnachten her ist noch einiges an Kerzenresten übriggeblieben. Welch herrliches Vergnügen für unsere Enkel, mit diesen Resten so einmal richtig zündeln zu dürfen! Wir brauchen für jedes Enkelkind ein Backblech und belegen es mit extra starker Aluminiumfolie (gewöhnliche Alufolie ist zu dünn und eignet sich nicht). Nun schauen wir zu, wie unsere Enkel die Resten zum Brennen bringen, wie sich Wachsseen bilden und wie neue Gebirge entstehen. Sind die Wachsmengen erkaltet, lassen sich neue abenteuerliche Gebilde formen. Dass halt dann auch noch im Februar oder März Weihnachtslieder erklingen, sei nur am Rande vermerkt. MARIE-LOUISE FAESI-HÄRING, ST. GALLEN Haben auch Sie etwas mit Ihren oder für Ihre Enkelkinder gemacht? Oder haben Ihre Enkelkinder Sie mit etwas Tollem überrascht? Schicken Sie uns bitte Text mit Fotos an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder an Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. Vielen Dank!

~ Trennungen ~

KRAM PFAD ERNST RUMPF Wortspiele von Beat Gloor. www.uns-ich-er.ch

Lieber Louis Am 6. November 2014 um 9.32 Uhr hast du das Licht der Welt erblick t. Sofort habe ich mich auf den Weg gemacht, um mein Enkelkind zu sehen. Als ich im Spital ankam und dich sah, erfüllte mich ein Glücksgefühl, das ich nicht in Worte fassen kann. In diesem Moment vergass ich alle Sorgen, die ich zu jener Zeit in mir trug. Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Sofort nahm ich dich in den Arm, begrüsste dich, küsste dich und sang für dich. Später kamen dein Grossvater und deine Tanten. Man konnte die Freude in ihren Gesichtern sehen. Diese grosse Freude hast du kleiner Engel uns geschenk t. Wir blieben alle den ganzen Tag bei dir und deiner Mami. Auch die weiteren Tage kamen wir zu Besuch, bis wir dich nachhause nehmen durften. Zuhause fühltest du dich wohl und schliefst den ganzen Tag. Wenn du nicht bei uns warst, kam ich dich jeden Tag besuchen, auch wenn es nur fünf Minuten waren. Ich konnte meinen Tag nur beenden, wenn ich dich gesehen hatte. Wenn ich dich heute sehe, sehe ich ein glückliches kleines Kind, und mir wird bewusst, wie schnell die Zeit vergeht. Es ist wichtig, mein kleiner Engel, dass wir uns Zeit für unsere Kinder nehmen. Ich, deine Grossmutter, hatte es, als ich Mutter wurde, leider nicht sehr einfach und musste viel arbeiten. Ich hatte keine Zeit, um für meine Kinder als Mutter da zu sein. Zeit, die wir vergeuden oder verpassen, kommt nicht mehr zurück . Das habe ich gelernt. Darum werde ich jede freie Minute, die ich habe, mit dir verbringen. Ich wünsche dir, lieber Louis, für deine Zukunf t viel Zeit und Liebe von deinen Eltern. Ich wünsche dir viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Denn das sind die wichtigen Sachen, die dem Leben Sinn geben. In Liebe, deine Grossmutter

Dieser Brief stammt aus dem Buch «LebensWert – Grosseltern schreiben ihren Enkeln Briefe». Es enthält 34 Briefe von Grossmüttern und Grossvätern, in denen diese ihren Enkelkindern schreiben, was ihnen im Leben wertvoll wurde. Das Buch entstand aus einer Idee der Frauengemeinschaft der Pfarrei St. Johannes in Weinfelden. Es kann zum Selbstkostenpreis von 15 Franken (inkl. Porto) bezogen werden bei der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden, Freiestr. 13, 8570 Weinfelden.

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~ Magazin ~ SAMMELSURIUM

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~ Entdeckungen ~

NONNAS REZEPTE «Als Grafikerin liebe ich schöne Bücher. Was ich jedoch noch mehr liebe, sind die Gerichte meiner Nonna. Noch heute verbringe ich viel Zeit mit ihr und lerne immer wieder Neues beim Kochen. Und wann immer die Zeit es mir erlaubt, besuche ich meine Familie in Apulien. Meine Mutter hat viele Jahre lang die Rezepte meiner Nonna akribisch aufgeschrieben und nachgekocht. Mittlerweile sind die Rezepte so optimiert, dass jeder sie nachkochen kann. Meine Cousine schrieb den Teil über die Musik in Apulien – die Pizzica. Meine kleine Schwester malte die wunderschönen Aquarellbilder. Mein Onkel stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite und unterstützte uns, wo es nur geht. Und zu guter Letzt ein grosses Danke an meine Nonna für die Inspiration, für die Zeit, dafür, dass sie immer für uns da ist. Die beste Nonna der Welt!»

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Das Kochbuch «La cucina della nonna» ist auch ein Familienbuch. Gleich mehrere Generationen waren an seiner Entstehung beteiligt. Die Initiantin Mélanie Hangartner schreibt auf der Webseite des Projekts:

«La cucina della nonna» kostet 49 Franken und ist bis jetzt exklusiv erhältlich in der Buchhandlung Rösslitor (Orell Füssli) in St.Gallen oder kann bestellt werden auf der Webseite www.cucina-nonna.ch

~ Wie uns unsere Enkelkinder nennen ~

«OPSAMI» Ich möchte von meinen Enkelkindern Grosmami genannt werden. Juno, meine jüngere Enkelin, gut eineinhalb Jahre alt, konnte das noch nicht sagen. Zaghaft stupste sie mich und sagte «Mami? Nei!». Etwas später stupste sie mich erneut und sagte strahlend «Opsami»! Seither bin ich Opsami und freue mich sehr darüber. ANNETTE RÜEGG, ZOLLIKERBERG

Wie werden Sie von Ihren Enkelkindern genannt? Gibt es eine Geschichte zu Ihrem Namen? Wir freuen uns über Einsendungen an redaktion@grosselternmagazin.ch oder Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. # 02 ~ 2017

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~ Magazin ~ ANDERSWO

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«Wir halten immer zusammen» Lilja Sigurðardóttir und ihr Mann Egill Ómar Grettisson haben zehn Enkelkinder. Ómar verwöhnt sie masslos. Und Lilja sagt: «Unsere Enkel sind uns fast wichtiger als unsere eigenen Kinder.» von HELMI SIGG (Text) und BARBARA SIGG (Foto)

L

KEFLAVIK

ilja Sigurðardóttir (61) und ihr Mann Egill Ómar Grettisson (62) leben in

der Nähe des Flughafens Keflavik, wo 98 Prozent aller Flugzeuge auf Island starten und landen. Die Stadt Keflavik liegt rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Reykjavik entfernt. Lilja arbeitet für die Flughafensicherheit, der 62-jährige Egill besitzt ein eigenes Taxi. Ómar, so sein Rufname, war schon einmal verheiratet und brachte zwei Kinder mit in die Ehe, er und Lilja haben zwei Kinder zusammen. Obwohl Lilja die zweite Frau von Omar ist, gibt es keine Probleme mit dessen ehemaliger Gattin Unnur, im Gegenteil. Die Harmonie führte sogar so weit, dass eine der Töchter aus Omars erster Ehe ihre beiden Mädchen auf die Namen beider Grossmütter taufte, also auf Unnur und Lilja. Darauf ist Lilja besonders stolz. «Familie ist und bleibt Familie », meint sie bestimmt. «Wir halten immer und jederzeit zusammen.» Mittlerweile haben sie und Omar zehn Enkel. Obwohl beide immer noch arbeiten, nehmen sie sich genug Zeit für die Grosskinder. «Sie sind uns sehr wichtig», sagt Lilja, «fast wichtiger als unsere eigenen Kinder, denn die sind jetzt ja erwachsen.» WEIT ENTFERNT Am liebsten hätte Lilja alle Enkelkinder in ihrer Nähe. «Leider ist es anders ge-

Egill Ómar Grettisson und Lilja Sigurðardóttir vor der Trollhöhle, in der ihre Enkelkinder den «Nuggi» abgegeben haben.

kommen», sagt die 61-Jährige. Fünf ihrer Enkel leben in Norwegen, und sie sieht sie höchstens einmal pro Jahr. «Wir telefonieren zwar wöchentlich mit den Eltern oder reden kurz mit den Kleinen. Aber es ist schade, dass ich diese Enkel nicht aufwachsen sehe. Wenn wir uns jeweils # 02 ~ 2017

wiedersehen, haben sie meistens grosse Schritte in ihrer Entwicklung gemacht», sagt Lilja. Man merkt, dass ihr die grosse Entfernung zu den Enkelkindern nicht gefällt. «Wir sind absolute Familienmenschen und brauchen die Nähe der Sippe.» Fünf Stunden brauchen sie und Ómar,


wenn sie ihre weiteren Enkel in Akureyri im Norden von Island besuchen. «Diese Strecke nehmen wir gerne in Kauf, um unsere Liebsten wenigstens für ein Wochenende um uns zu haben», sagt Lilja. Dank der Ringstrasse «Hringvegur», die um die Insel führt, ist die Reise viel kürzer als früher. «Damals dauerte die Fahrt doppelt so lang.»

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GANZ NAH Zum Glück wohnen nicht alle Enkelkinder weit weg: Die drei Mädchen ihrer 32 Jahre alten Tochter leben ganz in der Nähe und kommen täglich in den Genuss, ihre «Amma» und ihren «Afi» zu sehen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Oft machen die Grosseltern Ausflüge mit den Kindern. Ganz in der Nähe gibt es eine Trollhöhle,

Einwohner: 336 060 Hauptstadt: Reykjavik Fläche: 103 125 km² Bevölkerung: Island ist das dünnstbesiedelte Land Europas. Über 60 Prozent der isländischen Bevölkerung konzentrieren sich auf die Hauptstadtregion von Reykjavík. Namensgebung: Isländische Personennamen bestehen meist nicht aus den Vornamen und einem Familiennamen, sondern aus den Vornamen und einem Vatersnamen (seltener einem Mutternamen) mit dem Zweitglied «Tochter» -dóttir beziehungsweise «Sohn» -son. Diese Namen behalten sie auch bei der Eheschliessung bei. Kriminalität: Island gilt als eines der sichersten Länder Europas. Verbrechen gibt es beinahe keine, und zurzeit sitzen inselweit nur etwa 90 Personen im Gefängnis. Fast ein Drittel davon sind Banker.

in der Kinder ihre Nuggis abgeben und an den Trollbaum hängen können. Lilja glaubt selber nicht an Trolle, aber sie war mit ihren Enkeln auch dort, erzählt sie lachend: «Das macht hier jeder.» VERWÖHNEN Ómar verwöhnt seine Enkelkinder gerne und oft. Sein eigener Grossvater war da ganz anders. Er war Polizist und ein sehr starker Mann, ein Fels, wie Omar sagt. Er war sehr streng. Das beschäftigt Ómar heute noch, wohl deshalb macht er es mit den eigenen Enkeln ganz anders. «Er lässt bei den Kindern die Zügel fast zu locker, aber ich kann ihn verstehen», sagt Lilja und lächelt milde. Nur einmal im Jahr nehmen sich Lilja und ihr Mann eine Auszeit. Dann fliegen nur sie beide für zwei Wochen in die Wärme nach Gran Canaria. Übrigens auch eine vulkanische Insel, wie Island. •

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über das Leben Das Magazin

en Was wir unser schenken Enkelkindernrn»-Teams (S.28)

Die Meinung der Leserinnen und Leser

mit Enkelkindern

Gerecht hüten

wenn man n vermeidet, Wie man Spannunge (S. 22) gleich oft betreut nicht alle Enkel

Kopf Spenden mitonen statt Emoti

Die Idee des

effektiven Altruismus

(S. 40)

Tipps des «Grosselte

Grosseltern MAGAZIN

M CK MU BAU SCH DEN R Ü F uck, schmittag aum m ristb elnach n Ch st igt de rn»-Ba vie ze elte e El «Gross 32) hrig (S. vierjä ersten t hat. e Di al sie am bem den rt und ie verz

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möchte, friere oder schwitze er ganz extrem. «Aber», hält der Arzt ihm vor, «Sie sind halt auch nicht mehr der Jüngste, sie dürfen es auch nicht übertreiben, wie oft machen Sie es denn?» «Einmal im Winter und einmal im Sommer!»

Der Beitrag über Humor im Alter hat mir sehr gefallen. Anbei sende ich Ihnen noch einige Alterswitze: «Und wenn die Operation misslingt, Herr Professor, was ist dann?», fragt der ältere Patient. «Darüber machen Sie sich mal keine Sorgen, Herr Meier, davon

Frau. Der Mann zur jungen Frau: «Sie können sich ruhig auf meinen Schoss setzen.» Die Frau nimmt das Angebot an, nach kurzer Zeit sagt der Mann: «Bitte stehen Sie wieder auf, ich bin jünger, als ich gemeint habe.» * Eine alte «Jumpfer» kommt eines Abends durch eine dunkle Gasse. Da taucht ein Räuber auf. «Her mit dem Geld», sagt er. «Ich habe keins dabei», sagt die erschrockene Dame. Aber der Räuber gibt sich nicht so leicht geschlagen. Er sucht ihre Kleider genau ab,

merken Sie rein gar nichts!» * Ein älterer Herr erzählt seinem Tischnachbarn im Altersheim: «Ich hatte wirklich Pech mit meinen beiden Frauen.» «Weshalb denn?» – «Die erste ist mir davongelaufen, die zweite leider nicht.» * Im überfüllten Tram sitzt ein älterer Herr, neben ihm steht eine hübsche, junge

ob sie nicht doch etwas versteckt hat. Nach einer Weile gibt er auf: «Sie haben die Wahrheit gesagt.» – «Um Gottes willen!», sagt die Dame, «hören Sie jetzt nicht auf, ich schreibe Ihnen einen Check!» * Ein älterer Mann beklagt sich bei seinem Arzt, dass das Zusammensein mit seiner Frau ihn sehr stark beanspruche. Jedes Mal, wenn er mit seiner Frau intim sein

und meiner Mutter und bei meiner Tochter und mir. Ist also völlig normal!

«NOCH EINIGE ALTERSWITZE» Zum Dossier «Lach jetzt - stirb später: Witze über das Alter» , Ausgabe 11/16

Romy Kaufmann, Rheinfelden

«VÖLLIG NORMAL!» Zur Kolumne «Meine Enkel – meine Kinder» , Ausgabe 12/16

Sehr interessant, die unterschiedlichen Gedanken, die sich jeder macht. Das liest sich so ähnlich wie bei mir

Doris Jung, via Facebook

«HERZLICHEN DANK» Gratulation und herzlichen Dank für Ihr interessantes Magazin. Ich freue mich als Abonnentin jeden Monat darauf! Geneviève Stulz, Düdingen

Wir freuen uns über Ihr Lob, Ihre Kritik und Ihre Anregungen. Bitte schicken Sie uns Ihre Meinung per Post an «Grosseltern», Kronengasse 4, 5400 Baden oder per E-Mail an redaktion@grosseltern-magazin.ch.

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~ Kolumne ~ MEINE ENKEL – MEINE KINDER

Kindergespräche

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ann, frage ich mich, konnten meine Tochter und ich das letzte Mal in Ruhe miteinander reden, nicht nur so zwischen Tür und Angel? Ja, aber was wäre ein gutes Gespräch? Worüber würden wir uns in Ruhe unterhalten? Politik: Wir sind nun mal 26 Jahre voneinander entfernt. Im Grunde wollen wir ja beide dasselbe, nur über welchen Weg man dies erreicht, sind wir manchmal verschiedener Meinung. Aber Streitgespräche sind nicht so mein Ding. Gesundheit: All die altersbedingten Wehwehchen, die sich jetzt langsam, aber sicher bei mir einschleichen, sind auch kein erbauliches Thema. Die bespreche ich lieber mit meiner Generation. Wie soll ein junger Mensch auch verstehen, dass mich meine Muskeln bei längerem Sitzen hinterlistig an den Stuhl fesseln, von dem ich mich dann jeweils nur mit Mühe und Kraftaufwand wieder befreien kann? Soll ich jedes Mal beim Schwitzen stöhnen und beim Frieren jammern? Mein Thermostat ist zwar etwas defekt, aber für mich kein Gesprächsthema. Beziehungskisten: Keine Details bitte. Das geht gar nicht. Tratschen: Ja was denn? Über wen denn? Warum denn? Kinder: Womit wir beim Thema wären! Wenn ich mir das richtig überlege, ist und bleibt das tatsächlich unser Gesprächsstoff. Dann können sie ja grad so gut dabei sein, sich dazwischendrängen, mitreden, schreien, lachen, uns ablenken. Jetzt freue ich mich richtig auf gute Kindergespräche mit meiner Tochter. • DIE MUTTER Marlis Friedrich Baumgartner (63) ist achtfache Grossmutter und arbeitet als Web-Publisher. Ihre älteste Enkelin ist bereits ein Teenager, das achte Enkelkind noch ein Säugling. Sie hütet regelmässig die Kinder ihrer beiden Töchter und unregelmässig die Kinder ihres Sohnes.

I

ch versuche wirklich, darauf zu achten, nicht zu viel und vor allem nicht zu detailliert von meinen Kindern zu erzählen. Denn die Relevanz bestimmter Kinderthemen ist nun mal je nach Blickwinkel und Lebenssituation sehr verschieden. So kann mich ein Zahndurchbruch der Kleinsten schon mal tagelang auf Trab halten – um nicht zu sagen, lahmlegen. Die Begeisterung und die Anteilnahme meiner Freundin aber halten sich in Grenzen, erzähle ich ihr, dass man jetzt schon – «jöö!» – zwei Spitzchen vom ersten Stockzahn sieht. Und wenn sich dann die beiden Buben mit furchtbar wichtigen Fragen noch mitten ins Gespräch drängen, rolle auch ich genervt die Augen. Ganz anders ist das bei meiner Mutter: Wenn ich ihr erzähle, wie toll mein Mittlerer Ski fährt, wie schwierig die Prüfungen meines Ältesten sind und wie viel Zähne die Jüngste jetzt hat, so weiss ich genau, sie interessiert das. Sie will das hören. Ich könnte ihr jedes einzelne Wort aufzählen, das die Kleine in der letzten Woche gelernt hat, und meine Mutter würde dieser Aufzählung so gespannt lauschen, als erzählte ich ihr einen fesselnden Krimi. Wenn dann eines der Kinder einfach dazwischenfährt oder die Kleine mit dem Kochlöffel so laut auf die leere Schachtel schlägt, dass man kaum sein eigenes Wort versteht, so ist auch das kein Problem für sie. Das geniesse ich. •

DIE TOCHTER Melanie Borter (37) hat drei Kinder, zwei Buben im Primarschulalter und eine Tochter im Kleinkindalter. Sie arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum als Journalistin. Ihr Mann ist einen Tag zuhause, einen Tag werden die Kinder institutionell betreut und einen Tag von der Grossmutter gehütet.

Fotos: Tibor Nad

# 02 ~ 2017

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~ Hintergrund ~ MARGRIT STAMM

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«So zerstört man den Kindern die Kindheit» Frühförderwahn und Überbehütung: Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm kritisiert, wie heute mit Kindern umgegangen wird. Von MELANIE BORTER und GEORG GINDELY (Interview) und MARCO ZANONI (Fotos)

Grosseltern: Frau Stamm, welches Thema bewegt Eltern heute am meisten? Margrit Stamm: Viele Eltern klagen über den Leistungsdruck in der Schule, der stark zugenommen habe. Ich kann das selber nicht beurteilen. Von Seiten der Schule höre ich aber oft, dass sich nicht der Leistungsdruck, sondern die Erwartungshaltung der Eltern verstärkt habe. Eltern sind, was ihre Kinder angeht, enorm ehrgeizig geworden. Weshalb? Sie haben Angst, aus ihrem Kind werde nichts Rechtes. Hatten Sie diese Angst auch, als Sie kleine Kinder hatten? Nein. Wir hatten Vertrauen in die Kinder und dachten, die machen ihren Weg. Ein Kind spürt, ob die Eltern an seine Fähigkeiten glauben oder ob sie immer danebenstehen, um es gleich aufzufangen, wenn es nur ein bisschen ins Straucheln gerät. Es gibt ja nicht umsonst den Begriff der Helikoptereltern, die immer gleich landen, wenn es ein Problem gibt. Das färbt auf die Kinder ab. Sie können dadurch wichtige Fähigkeiten gar nicht lernen.

MARGRIT STAMM ist emeritierte Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Freiburg und Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern. Ihr Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie begann die ausgebildete Primarlehrerin mit 35. Die heute 66-Jährige ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und lebt mit ihrem Mann in Aarau. Ihr neuestes Buch «Lasst die Kinder los – Warum entspannte Erziehung lebenstüchtig macht» ist 2016 im Piper Verlag erschienen.

Welches sind die wichtigsten Kompetenzen, die sich ein Kind aneignen sollte? # 02 ~ 2017

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Um das Leben bewältigen zu können, braucht ein Kind vor allem drei Fähigkeiten. Erstens: Es soll ein realistisches Selbstbewusstsein entwickeln. Das heisst, dass es an sich und seine Fähigkeiten glaubt, aber auch selbstkritisch sein kann. Letztere Fähigkeit fehlt heute

Wie können Kinder diese Fähigkeiten entwickeln? Frustrationstoleranz zum Beispiel kann man in der Familie üben. Die Bedürfnisse eines Kleinkinds müssen sofort befriedigt werden, damit ein Kind das Urvertrauen entwickeln kann. Mit vier

wusst wird. Das merkt man ja, wenn man ins Hallenbad geht und da gerade ein Muki- oder Vaki-Kurs ist. Ständig rufen die Väter und Mütter: «Super, das hast du toll gemacht!» Es ist ja klar, dass Eltern wahnsinnig Freude haben am eigenen Kind. Aber wenn sie es

vielen Kindern, weil sie zu kleinen Königen und Königinnen erzogen werden.

oder fünf Jahren aber können Sie mit dem Kind Gesellschaftsspiele machen,

dauernd loben, ist das überdimensioniert und auf die Dauer schädlich. Das Kind müsste auch nicht für das gelobt werden, was es kann, sondern für eine Anstrengung. Wenn man das Lob so dosiert, dann kann man die Anstrengungsbereitschaft und das Selbstbewusstsein stärken.

«Wenn sie ein Kind dauernd loben, ist das schädlich.» Zweitens: Kinder müssen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit entwickeln. Was bedeutet das? Darunter versteht man den Glauben daran, dass man etwas aus eigener Kraft erreichen kann. Ein Beispiel: Wenn ich ein guter Fussballer werden will, glaube ich daran, dass ich das schaffen kann. Ich weiss, dass ich viel trainieren muss, aber ich glaube an mich selber. Ein dritter Punkt ist die Frustrationstoleranz. Das ist die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub. Kinder müssen lernen, auf etwas zu warten. Das können heute viele Kinder und Jugendliche nicht, wie wir eben in einer Studie herausgefunden haben. Eltern legen vielmehr den Fokus darauf, dass ihr Kind schon früh eine Fremdsprache kann oder herausragend ist im Sport, im Ballett oder im Geigenspiel. Den angesprochenen Fähigkeiten schenken sie zu wenig Beachtung.

bei denen das Kind verlieren lernt. Das ist zum Teil ein schwieriger Prozess, und es gibt Tränen. Aber Kinder lernen, damit umzugehen. Deshalb ist es falsch, wenn Erwachsene das Spiel so arrangieren, dass das Kind immer gewinnt. Gibt es weitere Möglichkeiten? Wenn ein Kind die Scheibe des Nachbarn kaputtschlägt, dann muss es sich im Alter von fünf oder sechs Jahren mit Hilfe der Eltern beim Nachbarn entschuldigen können und sagen, was es gemacht hat. Es ist falsch, wenn sich die Eltern sofort vor das Kind stellen und sagen: «Kein Problem, was kostet es?» Das Kind muss lernen, dass es etwas verbrochen hat und es jetzt wieder gut macht. Etwas sehr Wichtiges ist auch die Bedeutung des Lobs. Wie meinen Sie das? Viele Eltern meinen, man müsse ein Kind ständig loben, damit es selbstbe# 02 ~ 2017

Sind die heutigen Eltern zu lieb zu ihren Kindern? Viele von ihnen scheuen sich davor, klare Regeln aufzustellen und durchzusetzen. Ich sehe das immer, wenn ich in einem Vortrag von Autorität spreche. Autorität gilt als böses Wort, das man mit der eigenen autoritären Erziehung verbindet. Heute wollen viele Eltern genau das vermeiden. Sie haben auch Angst, dass sie dem Kind einen seelischen Schaden zufügen könnten, wenn sie streng mit ihm sind. Aber ein Kind zerbricht nicht, wenn es Regeln befolgen muss, im Gegenteil. Sie plädieren für eine autoritäre Erziehung? Nein, sondern für autoritative Erziehung. Das ist nicht dasselbe. Heute spricht man in den Erziehungswissenschaften von positiver Autorität und eben von autoritativer Erziehung. Diese hat viel mit Wärme, Zuneigung und Zärtlich-


~ Hintergrund ~ MARGRIT STAMM

keit zu tun, aber auch mit Normen und Regeln, die Kinder einhalten müssen. Sie ist die entwicklungsförderlichste Form der Erziehung für Kinder. Aus Ihrer Sicht? Nein, das gilt heute als Common Sense der Wissenschaft. Der Trend geht aber in eine ganz andere Richtung: zu extremer Überbehütung und zu übermässiger Förderung der Kinder. Viele von ihnen werden schon in den ersten Lebensjahren systematisch und pro Woche mehrmals in Kurse gesteckt. Aber sind nicht gerade die ersten paar Jahre zentral für das Kind? Natürlich. In dieser Zeit ist es unheimlich wichtig, dass das Kind in eine Gemeinschaft hineinwächst, in der es Liebe, Fürsorge und Feinfühligkeit erlebt und bindungsfähig wird. Heute tut man aber so, als ob sich die Kinder in dieser Zeit schon ein grosses Wissen aneignen müssten, weil es ihnen dann besonders leicht fällt. Das stimmt zwar,

kleine Kinder in Vorschulen in Bänke gesetzt werden, die Hand heben und erste Arbeitsblätter ausfüllen müssen und so schulähnlich unterrichtet werden, denke ich: So zerstört man diesen Kindern die Kindheit.

sofort eine Störung. Das ist verheerend für die Kinder.

Und was ist mit der Überbehütung, die Sie angesprochen haben? In den 70er und 80er Jahren galten Kinder noch als robust und widerstandsfähig, eine Schramme war nichts Schlimmes. Heute gilt das Kind als sehr verwundbar und gefährdet. Das sieht man auch an den vielen Diskussionen über Pädophilie, über Sicherheitsaspekte auf Spielplätzen oder an der Elterntaxi-Schulweg-Diskussion.

erweitert haben. Heute gibt es ja schon während der Schwangerschaft diverse Tests, und nach der Geburt geht es gleich weiter. Diese Testkultur führt dazu, dass man vieles sehr früh abklärt. Gleichzeitig hat sich dadurch eine eigene Welt von Fachexperten aufgebaut. Die stehen alle bereit, und manchmal wirken sie so, als wollten sie den Eltern mitteilen: «Hören Sie, liebe Väter und Mütter, wahrscheinlich sind wir kompetenter als Sie. Deshalb brauchen Sie unsere Hilfe.» Die Eltern werden so zu einer Art Hilfserzieher degradiert. In verschiedenen Kantonen gibt es neu Zentren für Kleinkinder, die viel schreien und trotzen. Für die Eltern sind solche Kinder manchmal wirklich eine grosse Belastung. Nur, als vor zwanzig Jahren ein Kind schrie, fragte man zuerst die Grosseltern, Verwandten und Bekannten: «Wie habt ihr es gemacht?» Heute erwecken diese Zentren den Eindruck, als müsse man sie sofort aufsuchen. Tut man dies nicht, erfüllt man seinen Erziehungsauftrag nicht. Es braucht heutzutage viel Selbstbewusstsein, sich als Eltern kompetent zu fühlen und auf sein Bauchgefühl zu hören.

Welche Folgen hat das? Die Idee vom verwundbaren Kind hat zur Folge, dass man den Kindern nichts mehr zutraut und sie sofort unterstützt, wenn sie Probleme haben. Kürzlich war ich an einer Veranstaltung, bei der ein Schulpsychologe folgendes Beispiel

«Die Eltern werden von den Fachleuten zu einer Art Hilfserzieher degadiert.» aber man kann eine Fremdsprache auch später noch gut lernen, einfach mit mehr Aufwand. Ich finde, dass heute viel Humbug passiert in den ersten Lebensjahren. Wenn ich sehe, wie

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erzählte: Wenn heute ein Kind in der Mathematik im Zeugnis die Note Drei bekommt, dann betrachtet man das als Lernstörung, und das Kind wird sofort therapiert. Heute ist eine Schwäche # 02 ~ 2017

Ist das eine Schweizer Eigenheit? Nein, diese Tendenz gibt es in der ganzen westlichen Welt. Das hat damit zu tun, dass wir die Diagnostik stark

Sie geben also nicht den Eltern die Schuld für die von Ihnen angesprochenen Entwicklungen? ~


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Nein. Die heutigen Eltern werden von der Gesellschaft enorm unter Druck gesetzt. Wenn ein Kind schlecht gedeiht oder irgendeine Störung entwickelt, dann gibt man den Eltern die Schuld dafür: Sie haben es zu spät gemerkt und das Kind zu spät abklären lassen. Gleichzeitig

unsere Generation meiner Ansicht nach weniger unter Druck.

sind die Eltern auch dafür verantwortlich, wenn ihr Kind ein kleines Genie wird. Heute gelten Eltern als Architekten des Kindes und tragen dadurch eine extreme Verantwortung. Man darf sie deshalb nicht einfach schuldig sprechen, sondern muss sich dieses gesellschaftlichen Drucks bewusst sein. Ich finde dezidiert, man müsste die Eltern in ihren

Ich konnte als Lehrerin wählen, wo ich arbeiten wollte. Wir sind mit der Gewissheit gross geworden, dass wir unsere Wünsche umsetzen konnten, wenn wir uns nur bemühten. Heute ist die ganze Gesellschaft in eine derartig vielschichtige Wettbewerbsstruktur eingebunden, dass Anstrengung allein nicht mehr reicht, um seine Ziele zu

Weshalb? Mein Mann hat in den 80er Jahren Medizin studiert und konnte dann ohne Probleme eine Praxis eröffnen.

«Es ist unmöglich, was Menschen im Zeitraum zwischen 30 und 45 Jahren alles bewältigen sollen.» Kompetenzen stärken und die Macht der Erziehungsratgeber hinterfragen und stark einschränken.

erreichen, denn alle anderen strengen sich auch an. Heute herrscht ein grosser Karrieredruck. Den hatten wir nicht.

Aber spürte Ihre Generation diesen Druck nicht auch? Sie mussten doch auch eine gute Mutter sein. Klar standen auch wir unter Druck. Aber eine gute Mutter zu sein, hiess für uns, daheim bei den Kindern zu sein. Sonst hat man uns nicht auf die Finger geschaut. Heute müssen gute Eltern viel mehr: Sie müssen Quality-Time mit ihrem Kind verbringen, es fördern und noch viel mehr. Auch sonst stand

Kann man dem entgegenwirken? Ja, indem wir unsere Perspektive verändern. Wir werden immer älter und bleiben dabei immer fitter. Heute werden topfitte 65-Jährige aussortiert, und was machen sie dann? Sie haben kaum mehr eine Rolle; vielleicht Grosskinder hüten, und das ist natürlich wunderbar. Aber eigentlich gäbe es noch andere Optionen im Leben. Ich plädiere dafür, die Rush Hour des Lebens zu entzerren. # 02 ~ 2017

Heute bekommt man in derselben Zeitspanne Kinder, macht Karriere und muss eine gute Partnerschaft leben – es ist eigentlich unmöglich, was Menschen im Zeitraum zwischen 30 und 45 Jahren alles bewältigen sollten. Das war bei uns nicht so ausgeprägt. Hat die heutige Elterngeneration gegenüber Ihrer Generation auch Vorteile? Ja. Das Schweizer Schulsystem beispielsweise ist heute so durchlässig geworden, dass eigentlich alle, die irgendwann den Knopf aufmachen, eine gute Ausbildung machen können. Wenn es nicht ins Gymnasium reicht, kann das Kind dasselbe über eine Berufsmatur und eine Fachhochschule erreichen. Ich verstehe überhaupt nicht, weshalb so viele Eltern finden, dass ihr Kind unbedingt ins Gymi muss. Denn in unserem Schulsystem drohen eigentlich nur diejenigen verlorenzugehen, die sehr grosse Lern- oder Verhaltensschwierigkeiten sowie Sprachprobleme haben, aber sonst kaum jemand. Was hat sich noch verbessert? Es ist viel akzeptierter, dass Frauen auch einen Beruf haben und beide Partner arbeiten können. Ich wurde schief angeschaut, als ich zu studieren begann. Unsere Kinder waren damals fünf und sieben Jahre alt, und es war für mich schwierig, alles unter einen Hut zu bringen, vor allem, weil es keine familienergänzenden Betreuungssysteme gab. Heute gibt es Blockzeiten, den Hort und anderes mehr. Dennoch


~ Hintergrund ~ MARGRIT STAMM

ist der Druck auf die Familien grösser als früher: Eltern und Kinder haben ein durchgetaktetes Leben und hetzten von Termin zu Termin. Langeweile ist ein Fremdwort. Kindergärtnerinnen erzählen mir, dass viele Kinder gar nicht wissen, was sie tun sollen, wenn sie einmal nichts zu tun haben. Sie sind sich gewöhnt, dass immer etwas läuft, und halten Langeweile nicht aus. Dabei ist Langeweile unheimlich wichtig. Aus ihr entsteht Kreativität. Haben heute nicht auch Grosseltern ein total durchgetaktetes Leben?

Zum Teil gibt es ältere Menschen, die sich enorm engagieren und unheimlich viele Termine haben. Das kann auch eine Flucht sein: Wenn man ständig etwas zu tun hat, muss man sich nicht mit sich selber und dem Altern auseinandersetzen. Es gibt sehr unterschiedliche Typen von älteren Menschen. Das merkten wir bei unserer Talent Scout-Studie, bei der wir 500 Menschen rund um die Pensionierung begleiteten. Es gibt den depressiven Typ, der sehr wenig macht und dem Leben nachtrauert, und den Typ, der nochmals eine Ausbildung in Angriff nimmt. # 02 ~ 2017

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Menschen, die etwas zu tun haben und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen, bleiben übrigens viel länger gesund und werden seltener dement als andere Leute ihres Alters. •

SERIE: ERZIEHUNG «Grosseltern» befasst sich im ersten Halbjahr 2017 vertieft mit dem Thema Erziehung. In der nächsten Ausgabe folgt der zweite Teil des Interviews mit Margrit Stamm, in dem sie sich zur Rolle der Grosseltern in der Erziehung äussert.


E I S E O P , E E N T E K M E F O F N E Ă„ L H L P A N K D N U colas i N d un edric eugier der C n l e n Enk eckt die N en. e r h i t z i w hen m er Ausflug n ihre Gren c u s e a D sb rthur. n zuweilen f Frie e l t o n i R in W und lter Ruth hnorama ie Grosse ) d os ec das T und bringt ATORE VINCI (Fot LV n Bube ES (Text) und SA U Von R

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ie Ankündigung «Kommt nach der Schule direkt nach Hause, wir gehen ins Technorama» zeigt Wirkung. In Rekordzeit legen unsere Enkelkinder Cedric (8) und Nicolas (10) den Schulweg zurück. Wasserflasche füllen, Rucksack schultern, und ab geht’s Richtung Winterthur! Bereits im Eingangsbereich verschwinden Cedric und Nicolas aus unserem Blickfeld. Die Sonderausstellung «Luft – ist nicht Nichts» finden sie fantastisch. Das Leitbild des Technoramas «Anfassen erwünscht» nehmen sie natürlich wörtlich. Mit den fliegenden Seidentüchern verursachen sie umgehend einen Stau im Rohrpostsystem. Kein Problem: Man muss nur die Weichen umstellen, und schon flitzen die Tücher wieder weiter. Auf einem Luftkissen über dem Boden schweben? Bälle im Luftstrom balancieren und in der Luft schweben lassen? Wenn Grosi die Druckluftdüsen bedient und Gropi unermüdlich die entflohenen Objekte wieder einsammelt, funktioniert unser Viererteam ausgezeichnet. WENN DIE WAHRNEHMUNG VERRÜCKT SPIELT In der nächsten Abteilung spielt unsere Wahrnehmung verrückt. Ein Raum scheint von aussen gesehen absolut gewöhnlich, aber ist man erst einmal drin, stimmt plötzlich gar nichts mehr. In der verzerrten Welt erscheint, was klein ist, gross, und, was gross ist, winzig. Der «Riese Nicolas» ist begeistert vom Gropi als Zwerg. Zur Abwechslung mucksmäuschenstill sitzen die Buben während der spektakulären Elektrizität-Show: Hochspannung, Blitze, Donner und Knalleffekte. Ein Bubentraum wird Wirklichkeit. Natürlich muss auch der «haarsträubende» Kugelgenerator ausprobiert werden. Der Effekt ist bei den beiden Kurzhaarfrisuren allerdings äusserst bescheiden. Und ganz kurz – aber wirklich nur ganz kurz! – wünschen sich die beiden, langhaarige, blondgelockte Mädchen zu sein. Kinder sind die geborenen Tüftler. An den einen Stationen wiederholen sie die Versuche immer und immer wieder, und an anderen stürmen sie beinahe achtlos vorbei. Inzwischen haben wir etwas die Übersicht verloren. Sind wir immer noch in der Abteilung «Magnetizität» oder bereits in den Wasser- oder Kopf-

Enkel Nicolas und Gropi Rolf als Riese und Zwerg im Raum, in dem die Wahrnehmung verrückt spielt (ganz oben); alle zusammen erproben die Holzkonstruktionen, die an grosse Kugelbahnen erinnern (rechts), und berühren den Kugelgenerator (oben).

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~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

welten? Keine Ahnung, denn plötzlich müssen Cedric und Nicolas unbedingt nochmals zu einem «coolen» Experiment zurück oder dann wieder hinauf in den zweiten Stock. Der Säulenwald wird daher von uns für eine kurze Verschnaufpause zweckentfremdet. Für uns Grosseltern hätte sie gerne noch etwas länger dauern können. Aber keine Chance beim Forschungsdrang unserer Enkel. Klares Wasser in schillernde farbige Flüssigkeiten verwandeln? Im weissen Laborkittel, mit Schutzbrille und unter fachlicher Anleitung gelingen die Experimente spielend. Mit der Nase ganz nah am Geschehen (und den Grosseltern in respektvollem Abstand im Hintergrund) erleben die Jungforscher die faszinierende Welt der Chemie. Ganz genau und mit grosser Konzentration befolgen sie die Anweisungen der Versuchsleiterin. Wer weiss, vielleicht wird hier der Grundstein gelegt für zukünftige Nobelpreisträger? Boxenstopp im Museumsrestaurant mit Kafi und Sirup und, oh Wunder, selbst für einen Schoggidonut bleibt noch kurz Zeit. Aber der Erkundungsdrang von Cedric und Nicolas ist unerschöpflich, es gibt noch so viel zu entdecken. Also, weiter geht`s! Unsere Grosselternbatterien machen bereits ein wenig schlapp, und jetzt sollen wir auch noch springen! ~

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Abwechslungsreicher Rundgang: Spiele mit Licht und Schatten, bei denen die Enkel den Grosseltern den Dab beibringen (siehe auch Seite 12), eine Pause im luftigen Säulenwald und ein Experiment im Labor.

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~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

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Ein hoher, dynamischer Kung-Fu-Sprung, eingefroren im Schattenbild. Eins, zwei, drei, hopp – für die Buben kein Problem, und beim dritten Versuch schaffen sogar wir ein paar mickrige Zentimeter. Wie auch immer, es macht Spass. Trotz Cedrics anfänglichen Skepsis – «Chugelibahne sind doch nur für Babys» –, beeindrucken ihn die riesigen Holzkonstruktionen dann doch. Und spätestens auf der grossen Gigampfi ist er überzeugt, dass auch wir Grosseltern unbedingt raufklettern sollten. Die imposanten Mechanismen mit Getrieben, Hebelwerken und Kurbeln sind eindrücklich. Unermüdlich werden grosse Kugeln durch Labyrinthe gerollt, der Seilzug wird bedient, und es wird rauf- und runtergeklettert. «Ihr bekommt noch tolle Muskeln», sage ich. Nicolas hält kurz inne und meint lakonisch: «Ich hab doch schon ein Sixpack, es hat halt nur ein wenig Fett darüber.» EIN POETISCHER ABSCHLUSS Und dann wird es richtig poetisch. Mit grossen Ringen zaubern die Jungs die schillerndsten Seifenblasen herbei. Lautlos schweben sie durch die Luft. Und dann gelingt Nicolas doch tatsächlich ein spektakulärer Versuch: Er steht lachend da, wie aus einer Märchenwelt entsprungen, umhüllt von einem der zarten Gebilde. Ein kurzer glücklicher Moment, der sich nicht festhalten lässt, denn mit einem leisen «Plop» verschwindet die magische Stimmung. Auf der Rückfahrt studieren die beiden die mitgenommenen Prospekte und realisieren, dass sie gar nicht alle 500 Experimentierstationen ausprobiert haben. «Gehen wir dann nochmals ins Technorama?» Gute Idee, aber erst müssen wir Grosseltern mal eine Pause einlegen, denn die Begeisterung der Jungs ist zwar ansteckend, aber leider nicht ihre Energie. Fest eingeplant ist aber ein Besuch im nächsten Sommer, denn die Neugestaltung der Parkanlage verspricht uns eine Erweiterung der Ausstellung mit vielen Outdoor-Exponaten. Bis dann stärken wir Grosseltern weiterhin unsere Kondition und trainieren das Durchhaltevermögen. Dann halten wir locker mit unseren Enkeln mit und schaffen vielleicht ebenfalls alle 500 Stationen. •

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~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

34 Weshalb können Flugzeuge Loopings machen? Wann verfärbt Tinte Wasser? Und wie baut man eine Wasserkanone? Drei Experimente des Technoramas auf den folgenden Seiten zeigen es.

Katapult-Looping-Flugzeug Ob Flugzeug, Heissluftballon, Helikopter, Lenkdrache oder auch nur ein Plastiksack, der vom Wind fortgetragen wird: Sobald etwas durch die Luft fliegt, sind wir fasziniert und träumen den grossen Traum vom Fliegen. Ein Flugzeug aus Papier hat jeder von uns schon einmal gefaltet. Die besten Modelle konnten besonders lange durch die Luft segeln. Meistens will das mühevoll gefaltete Flugzeug aber gar nicht geradeaus fliegen, sondern macht Bögen, Rollen und manchmal auch einen Looping, bis es unkontrolliert abstürzt. Wie kann man das kontrollieren? Wieso fliegt ein Flugzeug überhaupt eine Kurve oder vollbringt sogar einen Looping? Mit diesem selbstgemachten Flugzeug aus unserem Experiment können Sie und Ihre Enkelkinder diesen Fragen selber nachgehen. Und damit das Flugzeug auch spektakulär und weit fliegt, bauen wir noch eine extra Katapultvorrichtung. Die Anleitung finden Sie rechts. ZUERST TESTFLÜGE MACHEN Bereit für den ersten Testflug? Werfen Sie das Flugzeug erst einmal nur von Hand in die Luft und beobachten Sie, wie es sich verhält. Stürzt das Flugzeug ab oder fliegt nicht richtig, müssen Sie es ausbalancieren. Dazu halten Sie es mit zwei Fingern locker unter den Flügeln am Rumpf und befestigen einige Büroklammern vorne an der Spitze. Damit bringen Sie das Flugzeug ins Gleichgewicht. Wenn die Tests erfolgreich waren, können Sie das Gummiband in die Kerbe am Flugzeugrumpf einhaken. Den Bleistift halten Sie in der einen Hand, und mit der anderen ziehen Sie das Flugzeug nach hinten. Und loslassen! Unglaublich, wie weit das Katapultflugzeug fliegt! Jetzt geht es ans Pröbeln und Weiter-

experimentieren, damit es auch Kunstflüge machen kann. Biegen Sie das Seitenruder auf eine Seite. Fliegt das Flugzeug nach links oder rechts? Damit es einen Looping fliegen kann, müssen Sie die beiden Höhenruder nach oben biegen. Der Flieger steigt dann steil nach oben. Wenn Sie den Neigungswinkel der Höhenruder verändern, dann schaffen Sie es vielleicht, einen oder sogar zwei Loopings zu fliegen. WIESO IST DAS SO? Es gibt zwei Gründe für die Loopings des Flugzeugs. Wenn das Flugzeug fliegt, dann lenken die beiden Flügel wegen der Neigung des Flugzeugs die von vorne kommende Luft nach unten ab. Die Ablenkung erzeugt eine Gegenkraft, die nach oben wirkt und das Flugzeug steigen lässt. Nur darum kann ein Flugzeug überhaupt fliegen. Zum andern strömt die Luft von vorne auch auf das nach oben geklappte Höhenruder. Dieses lenkt die Luft nun nach oben ab. Wiederum entsteht eine Gegenkraft, die das Heck des Flugzeugs diesmal nach unten drückt. Was passiert nun, wenn Sie die Höhenruder nach unten klappen? DIE PERFEKTE FLUGKURVE Probieren Sie danach weitere Möglichkeiten aus: Stellen Sie ein Querruder nach oben und das andere nach unten. Das Flugzeug macht nun eine Schraube und dreht sich um seine Längsachse. In der Flugfachsprache nennt man das «rollen». Wenn der Pilot eine Kurve fliegen möchte, stellt er die Querruder so ein, dass sich das Flugzeug leicht seitlich neigt. Zudem betätigt er das Seitenruder für die passende Kurve. Ein Flugzeug dreht immer auf die Seite, wo ein Flügel weiter unten ist. Schafft Ihr Flugzeug auch eine perfekte Kurve? • # 02 ~ 2017

MATERIAL • dicker Karton, z. B. von einer Kartonschachtel • dünner Karton, z. B. von einer leeren Packung Cornflakes • Bleistift • Gummiband • Schere, Klebeband, Büroklammern 1 Schneiden Sie aus dem dicken Karton den Rumpf des Flugzeugs mit dazugehörigem Seitenruder aus. 2 Das eine Ende des Gummibands an den Bleistift knüpfen und an der Unterseite des Rumpfs vorne eine kleine Kerbe ausschneiden 3 Machen Sie in den Rumpf zwei leicht gebogene Schnitte, und stecken Sie die aus dem dünnen Karton ausgeschnittenen Flügel und das Höhenruder da rein. Kleben Sie alles mit Klebeband fest. 4 Schneiden Sie das Höhen- und Seitenruder sowie die Querruder in die Flügel ein.


~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

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Unterwasser-Feuerwerk An Silvester und am 1. August wird jeweils mit viel Feuerwerk gefeiert. Zwar sehen die farbigen Feuerregen und funkelnden Glit-

andere mit heissem (gekochtem) Wasser. Drücken Sie je zwei Tintentropfen dazu. Passiert in beiden Gläsern dasselbe?

zersterne am Nachthimmel sehr eindrücklich aus und laden zum Staunen ein, doch viele Menschen und insbesondere auch Tiere stören sich an dem lauten Knallen der Feuerwerkskörper. Wir zeigen Ihnen ein Feuerwerk, das ebenfalls fantastisch aussieht – vielleicht nicht ganz so gross ist – aber dafür auch nicht laut knallt: ein Unterwasserfeuerwerk. Die sich wandelnden Farbformen sind nicht nur wunderschön zum Anschauen, man kann damit auch ganz interessante Experimente durchführen. Wie lässt sich die Geschwindigkeit der Farbverteilung beeinflussen? Sieht die Farbe in allen Flüssigkeiten gleich aus? Wie kann man sie verändern?

Geben Sie zum heissen Wasser etwas Zitronensaft oder Essig hinzu. Was beobachten Sie? Geben Sie zum heissen Wasser einen Teelöffel Natron und rühren Sie um. Geben Sie so lange Natron dazu, bis Sie nach der Zugabe keine Veränderung mehr beobachten können.

DIE EXPERIMENTE Füllen Sie ein Glas zu zwei Dritteln mit kaltem Wasser. Drücken Sie die verschliessende Kugel der Tintenpatrone zum Beispiel mit dem herausgebogenen Ende einer Büroklammer ein. Drücken Sie mehrere Tropfen Tinte in das Glas. Nun entstehen im Wasser schöne Wirbel und kunstvolle Tintengebilde, Nehmen Sie verschiedene Tinten- oder Lebensmittelfarben, um ein kleines Unterwasserfeuerwerk zu veranstalten! Stellen Sie nun zwei gleich grosse Gläser bereit. Füllen Sie eines mit kaltem und das

WIESO IST DAS SO? Der Farbstoff der blauen Tinte erscheint in verdünnter Lösung königsblau bis farblos, je nach dem, wie sauer die Lösung ist. Nach der Zugabe des Zitronensafts oder Essigs ist die Lösung sauer, und der Farbstoff erscheint königsblau. Wenn man Natron in Wasser auflöst, wird die Lösung basisch, so wie Seifenlauge. In basischen Lösungen erscheint der Tintenfarbstoff farblos. In Wasser ist immer auch ein kleiner Teil Kohlenstoffdioxid gelöst. Das Kohlenstoffdioxid reagiert im Wasser zu Kohlensäure und macht das Wasser leicht sauer. Kocht man das Wasser, reagiert die Kohlensäure wieder zu Kohlenstoffdioxid, welches entweicht, und das Wasser wird basischer. Die Verschiebung des Säuregrades zwischen kaltem Leitungswasser und gekochtem Wasser reicht aus, um die Farbe der blauen Tinte zu ändern. •

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MATERIAL • Gläser • Tintenpatrone mit königsblauer Farbe evtl. Tintenpatronen oder Lebensmittelfarbe in verschiedenen Farbtönen kaltes und heisses Wasser • Zitronensaft oder Essig • Natron (erhältlich in der Backabteilung von Lebensmittelläden) • Teelöffel • evtl. Büroklammer


~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

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Wasserrakete Die einfachsten Experimente sind meistens

Ballons ein höherer Luftdruck als aussen

Die PET­Flasche wird nicht nur durch die

auch die schönsten. Und oftmals sind es auch diejenigen, welche man immer gerne wieder macht. Zum Beispiel dieses hier: Was passiert, wenn man einen Luftballon aufbläst und ihn danach einfach loslässt? Das Ergebnis ist bekannt: Der Ballon kurvt unkontrolliert mit lustigen Geräuschen von einem weg und fällt zu Boden. Dennoch bringt dieses voraussehbare Ereignis insbe­ sondere Kinder immer wieder zum Lachen.

entstanden. Weil die Natur diesen Druck­ unterschied ausgleichen will, entweicht die Luft aus dem Innern des Ballons, sobald man ihn loslässt. Die austretende Luft gibt dem Ballon wiederum einen Schub nach vorne. Nach diesem sogenannten Rück­ stossprinzip funktionieren alle Düsen­ und Raketentriebwerke. Bei einer Mondrakete tritt natürlich nicht Luft aus, sondern das Gasgemisch, das bei der Verbrennung des Treibstoffs entstanden ist.

austretende Luft beschleunigt, sondern er­ hält durch das ebenfalls herausspritzende Wasser einen zusätzlichen Rückstoss. Im Vergleich zur Luft ist das Wasser nämlich sehr viel schwerer und verursacht dadurch einen grösseren Rückstoss. Einem grossen Flug steht nun nichts mehr im Wege! •

BALLONRAKETE Einen Luftballon kann man auch etwas kontrollierter fliegen lassen. Damit der Ballon keine ungestümen Kurven macht, benötigt er eine Art Schiene, an der entlang er fliegen kann. Nehmen Sie als eine solche Schiene eine längere Schnur und ziehen Sie sie durch ein Trinkröhrchen. Spannen Sie danach die Schnur quer durch das Zim­ mer, zum Beispiel von der Türklinke zum Esstischstuhl. Blasen Sie dann den Ballon auf, befestigen ihn mit Klebstreifen am aufgefädelten Trinkröhrchen und lassen ihn los. Nun fliegt die Ballonrakete los. WARUM IST DAS SO? Damit die Ballonrakete fliegt, braucht sie einen Antrieb. Dieser Antrieb ist die Luft im Ballon, die wie durch eine Düse schnell aus der Ballonöffnung austritt. Tatsächlich ist ja durch das Aufpusten und die erhöhte Spannung der Ballonhülle im Innern des

WASSERRAKETE Kann man nun auch andere Gefässe mit Luft füllen und zum Fliegen bringen, zum Beispiel eine PET­Flasche? Selbstverständ­ lich! Wenn Sie die Flaschenöffnung einer normalen PET­Flasche mit einem gelochten Korkzapfen verschliessen und dann mit einer Fahrradpumpe Luft hineinpumpen, wird der Druck in der Flasche mit der Zeit so gross, dass der Zapfen hinaus­ gedrückt wird und die Luft plötzlich mit hoher Geschwindigkeit entweicht. Da aber das Gewicht einer PET­Flasche grösser als dasjenige eines Luftballons ist, reicht der Rückstoss der Luft nicht sehr weit. Mehr als ein kleiner Hüpfer ist damit nicht möglich. Das Problem kann man aber leicht lösen, wenn man – neben der Luft – einen zusätz­ lichen Treibstoff verwendet. Füllen Sie die Flasche zu etwa einem Drittel mit Wasser und pumpen Sie anschliessend Luft hinein. # 02 ~ 2017

MATERIAL • • • • • •

PET-Flasche Korkzapfen Karton Klebeband, Leim, Schere, Bohrer Fahrradpumpe Zusätzlich: Spitze, um Bälle aufzupumpen

1 Aus dem Karton drei oder vier ca. 30 cm lange Stabilisierungsflossen ausschneiden und seitlich an der PET-Flasche mit Klebeband befestigen. 2 Längs durch den Korkzapfen ein Loch bohren und den Schlauch der Pumpe am Korkzapfen befestigen. Am besten die Spitze einer Ballpumpe in das Loch stecken und festkleben. 3 Den Korkzapfen mit dem Schlauch in die Öffnung der mit etwa einem Drittel Wasser gefüllten PET-Flasche stecken. Nun mit der Fahrradpumpe Luft hineinpressen. Fünf, vier, drei, zwei, eins, ...


~ Hintergrund ~ TECHNORAMA

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Info

SWISS SCIENCE CENTER TECHNORAMA Mit seinen über 500 Experimentierstationen und den vielen Laboren ist das Technorama in Winter thur eines der grössten und renommiertesten Science Centers der Welt. Unter Science Centers versteht man naturwissenschaftlich orientierte Experimentierausstellungen. Das Technorama empfängt jedes Jahr über 250 000 Besucherinnen und will bei ihnen Neugierde, Begeisterung und Verständnis für naturwissenschaftliche Phänomene und Fragestellungen wecken. Die Exponate erfordern das Mittun der Besuchenden, statt «Berühren verboten!» gilt «Anfassen erwünscht!».

ÖFFNUNGSZEITEN

ANREISE

TAGESPROGRAMM

Das Technorama ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

MIT DEM ÖV: S-Bahn S12 oder

11.30 und 14.30 Uhr: Vorführungen zu den Themen Gase, Elektrizität und Planet Erde. Dauer jeweils ca. 30 Minuten. 13 Uhr: öffentliche Workshops in den Laboren.

PREISE Erwachsene: 28 Franken Kinder 6 bis 15 Jahre: 17 Franken Kinder unter 6 Jahren: gratis Ermässigungen pro Person (nicht kumulierbar): Technorama Plus (mindestens zwei zahlende Kinder in Begleitung eines oder zwei Erwachsener): –3 Franken AHV/IV: – 3 Franken Bei Anreise mit öffentlichem Verkehr lohnt sich der Kauf eines Railaway-Tickets mit reduzierten Fahrt- und Eintrittspreisen.

S29 bis Oberwinterthur, dann Bus Nr. 5 oder 10 Minuten Fussweg. Stadtbus Winterthur: Ab HB Winterthur mit dem Stadtbus Nr. 5 direkt zum Technorama oder mit dem Stadtbus Nr. 1 bis Haltestelle Römertor, Fussweg ca. 7 Minuten. MIT DEM AUTO: Fahren Sie am einfachsten über die A1 und verlassen Sie die Autobahn bei der Ausfahrt Oberwinterthur. Dann folgen Sie den weissen Technorama-Wegweisern. Parkplätze sind gratis

VERPFLEGUNG In der Picknick-Zone oder im Selbstbedienungsrestaurant. Dieses öffnet bereits um 9 Uhr und ist nach Schliessung der Ausstellung bis 18 Uhr offen.

www.technorama.ch # 02 ~ 2017

SONDERAUSSTELLUNG «Luft – ist nicht Nichts»: Nichts spielt in unserem Alltag eine so wichtige Rolle wie die Luft. Vom ersten bis zum letzten Atemzug hält sie uns am Leben. Sie macht das Wetter, lässt Flugzeuge fliegen und sorgt dafür, dass der Staubsauger funktioniert. Die Sonderausstellung «Luft – ist nicht Nichts» präsentiert 45 neue Exponate und zahlreiche Freihandexperimente. Dauer bis Oktober 2017.

ADRESSEN Technorama Technoramastrasse 1 8404 Winterthur Tel 052 244 08 44 info@technorama.ch


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~ Porträt ~ PATRICE DE MESTRAL

Der Pfarrer und die Taufe Patrice de Mestral hat vier Enkelinnen, zwei davon sind ungetauft. Wie geht ein Pfarrer damit um, dass seine Enkelinnen, Sophie, 8, und Selma, 10, «Heidenkinder» sind? Von SABINA BOBST (Aufzeichnung und Fotos)

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Ich möchte als Erstes auf die Frage eingehen, was ich mir für die Zukunft der Mädchen wünsche. Dazu kommen mir drei Dinge in den Sinn, die ich mir auch für mich selber wünsche: dass die Kinder neugierig bleiben, dass sie staunen können und dass sie dankbar sind. Diese Eigenschaften helfen beim Älterwerden, aber auch beim Kindsein. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die Kinder beispielsweise beim Bestaunen von Blumen vibriert haben vor Lebendigkeit und Begeisterung, und wenn man dies lebendig halten kann, ist das sehr hilfreich. Meine Eltern waren beide Pfarrerskinder, und trotzdem wurde ich in meiner religiösen Erziehung eher unterfüttert. Ich ging im Unterschied zu allen anderen Kindern selten in einen Gottesdienst, und so haben wir es auch mit unseren eigenen Söhnen gehandhabt. Heute ist Religion für mich das, was mich zutiefst betrifft, und das, von dem ich mich ergriffen fühle. Das kann Musik, Kunst oder Literatur sein, und hier gibt es Anknüpfungspunkte. Wo staunen junge Leute, wo engagieren sie sich? Ist es die säkulare Form, Yoga, oder sonst eine Form der Gemeinschaft? Somit ist für mich auch das Taufen sekundär, solange ich das Suchen und das angstfreie Fragen bei den Mädchen sehe und von den Eltern vermittelte Geborgenheit spüre. Ich selber habe den Enkelkindern gegenüber die Taufe nie angesprochen, ich will nur aufnehmen, was von alleine kommt. Es ist mir aber wichtig, da zu sein für eventuelle Fragen, die die Kinder den Eltern nicht stellen wollen. Das ist ein Privileg der Grosseltern, dass sie andere Themen aufnehmen können. Die Taufe ist ja nicht nur ein Ritual, das anfangs Leben durchgeführt wird, es ist ein Unterwegssein mit anderen, ein Teilnehmen, und es ist jederzeit möglich, sich später taufen zu lassen – es ist nie zu spät. Trotzdem wünsche ich mir, dass die Enkelinnen mindestens so viel über das Christentum wissen wie über den heute oft thematisierten Islam. Dieser ist in einer multikulturellen Gesell- ~

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~ Porträt ~ PATRICE DE MESTRAL

schaft durch das Kopftuch sichtbarer als unser eigentlicher, mehrheitsfähiger christlicher Hintergrund. Die heutigen Kinder leben zum Teil in einem biblischen Analphabetismus. Sie kennen keine Geschichten mehr, und somit kann auch die Literatur nicht daran anknüpfen. Wir leben heute in der ständigen Angst vor dem Islam, und es wäre sicher gut, wenn wir erkennen würden, dass es im Christentum sehr viel Spannendes gibt, auf das wir Bezug nehmen können. Meiner Meinung nach ist das, was die Eltern der Mädchen transportieren, alles andere als Heidentum. Es ist humanistische Zuwendung, die gelebt wird, und die theologischen Grundthemen «Frieden, Gerechtigkeit, Bewahren der Schöpfung» werden thematisiert, wenn auch nicht im religiösen Sinn. Die Kinder wachsen im Bewusstsein auf, dass sie nicht der Mittelpunkt der Welt sind. Auch habe ich beobachtet, dass die Familie ein wiederkehrendes Einschlafritual pflegt. Dies scheint mir wichtig, da gerade kurz vor dem Einschlafen viele Ängste hochkommen. Es stört mich überhaupt nicht, dass dies nicht in einem biblischen Gefäss geschieht. Vertrauen ist mir wichtiger als Glauben – vertrauen auf anstatt glauben in. Meine Schwiegertochter behauptet, die fehlende Taufe sei am Anfang für mich ein Problem gewesen. Es ist schwierig, zurückzudenken und genau zu sagen, was Projektion der Eltern war und was wirklich von mir kam. In Mischehen gibt es immer eine Zurückhaltung, sie wollen keine fertigen Antworten liefern. Ich habe zwar am Anfang Broschüren von umliegenden Kirchen bei der Familie auf den Tisch gelegt, aber das Signal sollte sein: Man kann, nicht man muss. Es gibt natürlich ein Risiko der religiösen Unterfütterung, wie ich es nenne. Diese Taktik kann dazu führen, dass die Kinder als Reaktion auf ihre Eltern und die mangelnde Information eine Gruppe suchen, die sehr streng ist, eine totale Frömmigkeit lebt und strenge Glaubenssätze aufsagt. In der Regel aber sind diese Kinder, die sich nicht zwanghaft mit Religion befassen mussten, fähig zu staunen und kommen vielmals über Umwege zur Religion. Sie sind neugierig und entdecken irgendwann einen Ansatz, der sie interessiert. So bin auch ich zur Religion gekommen – nicht weil ich Pfarrer werden sollte, sondern weil ich wissen wollte: Was haben mir eigentlich meine Eltern vorenthalten?» •

«Die heutigen Kinder leben zum Teil in einem biblischen Analphabetismus. Sie kennen keine Geschichten mehr, und somit kann auch die Literatur nicht daran anknüpfen.»

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~ Porträt ~ PATRICE DE MESTRAL

PATRICE DE MESTRAL, 84, hat in den USA Theologie studiert und kam 1967 in die Schweiz zurück, um die Stelle eines theologischen Studienleiters des Evangelischen Tagungszentrums Boldern anzunehmen. Später machte er sich selbstständig und gründete die Arbeitsstelle für kirchliche Grenzgänger. Fortan arbeitete er als Gefängnispfarrer und Polizeiseelsorger, organisierte die politischen Nachtgebete in den Zürcher Altstadtkirchen und rief später ein Reintegrationsprojekt für zurückgeschaffte Albaner ins Leben, welches während Jahren in Albanien wertvolle Arbeit leistete. # 02 ~ 2017

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~ Hintergrund ~ GESUNDHEIT

Impftipps für Grosseltern Grosseltern sollten sich ihren Enkelkindern zuliebe gegen Keuchhusten impfen lassen – und sich selbst zuliebe gegen Grippe, schreibt Hausarzt Edy Riesen. Von EDY RIESEN (Text) und DESCIENCE (Illustration)

I

mpfungen gehören zu den grössten Errungenschaften der modernen Medizin. Sie haben eine ungeheure Flächenwirkung. Man kann zum Beispiel in Afrika ganze Landstriche mit Zehntausenden von Kindern impfen für den Preis einer onkologischen Therapie bei einem einzigen Patienten. Der Effekt der Impfungen ist hoch, und die Nebenwirkungen sind im Vergleich zu den Krankheitsfolgen quantitativ und qualitativ minim. Trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen um Impfungen. Wir Ärzte, die wir in der Dritten Welt gearbeitet haben, konnten dort den überwältigenden Erfolg hautnah erleben. Deshalb gehe ich – im Gegensatz zu anderen Themen, wo ich sehr tolerant bin – mit den dogmatischen Impfgegnern hart ins Gericht. Doch welche Impfungen empfehle ich als Hausarzt und Grossvater mit Jahrgang 1948 anderen Grosseltern, und wo bin ich skeptisch? ~

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KEUCHHUSTEN PERTUSSIS

GRIPPE INFLUENZA

Das ist die klassische Grosselternimpfung, die Sie sich überlegen sollten, wenn sich Grosskinder ankündigen oder wenn Sie schon welche haben. Keuchhusten ist zwar nur für ganz kleine Säuglinge lebensgefährlich (Todesfälle sind zum Glück ganz selten), ist aber unendlich lästig und kaum zu behandeln. Man wünschte sich allerdings gerne eine wirksamere Impfung gegen Keuchhusten. Sie schützt nicht in solch hohem Masse wie zum Beispiel die Masernimpfung, die fast 100 Prozent Schutz gewährt. Zudem verringert sich der Impfschutz über die Jahre. Die Impfung ist gefahrlos, verursacht aber

Auch gesunde Grosseltern sollen sich überlegen, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen möchten. Wir wissen, dass die Grippeimpfung nicht in jeder Saison gleich gut wirkt, weil sie je nach den Virusstämmen der Pandemie immer wieder angepasst werden muss. Hat man eine gute Impfung zur Verfügung, schützt sie viele Menschen, aber nicht 100 Prozent der Geimpften, obwohl sie fast immer die Erkrankung abschwächt. Die Impfung verursacht wenig Nebenwirkungen. Persönlich war ich ein paar Mal am Tag danach etwas schlecht gelaunt und spüre als «zarte Pflanze» die Einstich-

gerne etwas lokale Schmerzen. Vor allem die Kinderärzte wünschen sich sehr, dass sich Grosseltern noch einmal impfen lassen, weil sie annehmen, dass die Senioren – ohne einen klassischen «blauen Husten» (Keuchhusten) zu haben – den Keim beherbergen und ihn übertragen können. Der Impfstoff für Keuchhusten wird immer kombiniert abgegeben zusammen mit Starrkrampf. Die Impfung gegen Starrkrampf (Tetanus) wird zudem immer kombiniert mit Diphterie und sollte sowieso mit 25, 45 und 65 Jahren und danach alle zehn Jahre appliziert werden. Für die Vielreisenden (heute eine häufige Spezies) empfiehlt es sich, auch gleich die Impfung gegen Polio (Kinderlähmung) zu erneuern.

stelle immer ein paar Tage. Ich überrede als Hausarzt keine Gesunden, sich impfen zu lassen. Die Menschen sind so gut informiert, dass sie selber entscheiden können. Ganz anders bei den chronisch Kranken, von Menschen mit Diabetes über Herzkrankheiten bis zu den Patienten mit Therapien, die das Immunsystem schwächen. Dort ist es meine Pflicht, meinen Einfluss geltend zu machen und sie zur Grippeimpfung zu überreden. Das grösste Problem scheint mir fast, dass auch intelligente Menschen nicht verstehen wollen, dass die Impfung nur gegen die epidemische Grippe wirkt. Immer wieder höre ich: «Ich werde mich nie mehr gegen Grippe impfen lassen, denn genau in diesem Winter hatte ich eine schlimme Lungenentzündung.» Da werden Dinge verwechselt und Zusammenhänge konstruiert, die falsch sind. Die Grippenimpfung löst, glauben Sie mir das, keine andern Infektionen aus. Die Schutzwirkung beim Einzelnen kann aber, das muss man zugeben, ziemlich enttäuschend sein. In der grossen Masse verhindert die Impfung jedoch Zehntausende von Grippefällen.

Persönliches Fazit: Lassen Sie sich gegen Keuchusten impfen – für ihre lieben Enkel und alle anderen Kinder!

Persönliches Fazit: Für Gesunde eine Überlegung wert, für Kranke obligatorisch.

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PNEUMOKOKKEN BAKTERIEN, DIE ENTZÜNDUNGEN IN DEN ATEMWEGEN VERURSACHEN Ich habe viele Jahre lang, trotz der Empfehlung der nationalen Kommission, kaum gesunde Erwachsene gegen Pneumokokken geimpft. Eine Ausnahme habe ich bei Menschen gemacht, denen die Milz entfernt werden musste (meist wegen eines Unfalles), und bei Immungeschwächten. Was sollte die damalige Impfung bewirken? Ich hatte lange Zeit fälschlicherweise angenommen, dass sie vor der Lungenentzündung schützen würde. Das tat sie aber nicht. Sie schützte vor der Sepsis (der Überschwemmung mit Keimen) bei Lungenentzündungen, die verantwortlich dafür ist, dass die Sterblichkeit bei über 60-Jährigen deutlich zunimmt. Nun hat man die bisherige Impfung (Pneumovax) plötzlich fallen lassen und empfiehlt einen Kinderimpfstoff (Prevenar). Es ist aber immer noch nicht ganz klar, wie gut und wie oft dieser ältere Menschen schützt. Untersuchungen zu dieser Frage sind im Gange. Diesen Herbst haben meine Frau und ich uns gegen Pneumokokken impfen lassen, weil sie sich aus medizinischen Gründen besser gegen Infektionen schützen muss und ich sie nicht anstecken will. Es ist für mich also eine Impfung, die ich den Gesunden momentan (noch) nicht mit Überzeugung empfehlen kann, den Kranken oder Abwehrschwachen aber umso mehr ans Herz lege. Menschen mit chronischer Bronchitis, Herzkrankheiten oder Diabetes gehören zu der Gruppe, die von der Impfung profitieren dürften. Sie verursacht gemäss jetzigem Stand der Information fast keine Nebenwirkungen und muss nur ein einziges Mal appliziert werden. Persönliches Fazit: An sich bei jedem Menschen über 65 Jahre gefahrlos möglich. Da aber noch keine verlässlichen Daten über mehrere Jahre vorliegen, empfehle ich sie vorläufig nur für chronisch Kranke und für spezielle Situationen.


~ Hintergrund ~ GESUNDHEIT

GÜRTELROSE HERPES ZOSTER Hier bin ich etwas in Verlegenheit, da diese Impfung von der sonst sehr impffreundlichen Nationalen Kommission nicht empfohlen wird. Offenbar ist der Schutz mit dem bisherigen teuren Impfstoff nicht überzeugend, da er nur bei etwa 50 Prozent liegt. Eine Umfrage bei zehn meiner besten Kollegen hat ergeben, dass die Impfung sehr selten angewandt wird. Zweifelsohne wäre eine gute Impfung wünschenswert, denn vor allem bei Hochbetagten sieht man immer wieder ausgedehnte, flächige Gürtelrosen. Was aber grössere Probleme macht als die Hauterscheinung sind die Neuralgien, also Nervenschmerzen, die gelegentlich über Jahre andauern können und schwierig zu behandeln sind. Sobald bessere Informationen über die Impfung vorliegen, werde ich die Leserinnen und Leser des Grosseltern-Magazins gerne informieren. Bis dahin gilt: Herpes Zoster ist behandelbar, und zwar möglichst früh, am Tage eins bis drei, mit dem einzigen guten Virusmittel, das wir in der Praxis kennen. Das Original hiess Zovirax. Heute gibt es diverse Varianten und Generika. Wichtig ist, dass Sie sofort zum Arzt gehen, wenn auf einem geröteten Hautareal am Rumpf, am Kopf, an Armen oder Beinen Bläschen (genau wie Fieberbläschen) in Gruppen auftreten, begleitet von einem Brennen oder Schmerzen in Wellen und einem Gefühl einer leichten Grippe. Persönliches Fazit: Ich setze eine bessere Impfung auf den Wunschzettel, da die bisherige nicht überzeugt.

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Herzinfarkt und Hirnschlag vorbeugen Gegen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gibt es keine Impfung. Herzinfarkt und Hirnschlag kann man aber durch Bewegung, gesunde Ernährung und Nichtrauchen vorbeugen. Oft haben bereits kleine Änderungen grosse Auswirkungen. Hier sechs Tipps der Schweizerischen Herzstiftung: 1. NICHTRAUCHEN Wenn Sie aufhören zu rauchen, verbessert sich die Situation in Ihren Blutgefässen schon nach kurzer Zeit. Die Gefahr eines Herzinfarkts sinkt sofort ein wenig und verkleinert sich dann allmählich weiter. Nach ein paar rauchfreien Jahren hat sich das Risiko für Arteriosklerose von Herzkranzgefässen, Hirn-, Bein- und Nierenarterien stark reduziert. Auch das Risiko von Lungenkrebs nimmt ab. 2. BEWEGUNG Bewegen Sie sich an fünf Wochentagen etwa eine halbe Stunde lang so, dass Sie etwas ausser Atem und vielleicht ein bisschen ins Schwitzen geraten. Die täglichen 30 Minuten Bewegung wirken sich günstig auf Ihren Blutdruck, Ihre Blutfettwerte (Cholesterin) und Ihren Blutzucker aus. Der erhöhte Energieverbrauch erleichtert es Ihnen, Ihr Körpergewicht unter Kontrolle zu halten. Ihr Risiko für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten sowie für Hirnschlag vermindert sich erheblich, ebenso für eine gefässbedingte Demenz. 3. ERNÄHRUNG Die mediterrane Ernährung fördert die Herzgesundheit: mit viel frischem Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten, Fisch, Raps- und Olivenöl sowie ab und zu einem Glas Wein zu den Mahlzeiten. Durch die mediterrane Küche gewinnen Sie mehrfach: Sie geniessen das Essen und beeinflussen gleichzeitig Ihre körpereigene «Cholesterinfabrik» und Ihren Blutzuckerspiegel zu Ihrem gesundheitlichen Vorteil. Ausserdem fällt es Ihnen damit leichter, Ihr Körpergewicht im normalen Bereich zu halten, was wiederum Ihrem Blutdruck zugute kommt. 4. KÖRPERGEWICHT Mit einem gesunden Körpergewicht beugen Sie Bluthochdruck, ungünstigen Blutfettwerten und Diabetes vor und tragen so dazu bei, Ihr Herz und Ihren Kreislauf gesund zu erhalten. 5. STRESS Vor einigen Jahren hat eine gross angelegte Studie in 52 Ländern gezeigt, dass anhaltender psychosozialer Stress ein wichtiger Risikofaktor für Herzinfarkte ist. Wer die Ursache für den belastenden Stress angehen kann, verringert sein Risiko für hohen Blutdruck, eine koronare Herzkrankheit, einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag. Ein sicheres Ventil für die «Entladung» des Übermasses an Stresshormonen ist körperliche Bewegung. 6. BLUTDRUCK, BLUTFETTE, BLUTZUCKER

Autor Edy Riesen führt zusammen mit seinem Schwiegersohn eine Hausarztpraxis in Ziefen BL. Er schreibt eine monatliche Kolumne für das Grosseltern-Magazin (siehe Seite 58).

Die oben genannten Tipps beeinflussen alle den Blutdruck, die Blutfette (zum Beispiel Cholesterin) und den Blutzucker positiv. Es lohnt sich, diese Werte regelmässig zu messen, um gegebenenfalls reagieren zu können. www.swissheart.ch

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KinderkrebsForschung hilft überleben.

Krebs beim Kind verläuft anders. Kindliche Tumoren zeigen fast immer ein sehr viel aggressiveres Verhalten. Ohne wirksame Behandlung leben die Kinder nur wenige Monate. Die Behandlung mit speziellen, für Kinder entwickelten Medikamenten oder Bestrahlung ist jedoch oft sehr wirksam.

Warum private Spenden und Legate? Ärzte und Forscher sind dringend auf Unterstützung von staatlichen und privaten Organisationen angewiesen. Mehr als 25% der Finanzierung muss von privaten Spendern kommen. Überall fehlen Mittel, um die Heilungschancen krebskranker Kinder weiter zu verbessern.

ehemals KIND UND KREBS

Wie hilft die Forschung? Laborforschung – nahe am Patienten – hilft dabei, Diagnosen noch genauer stellen zu können und kindgerechte Medikamente und Therapien zu entwickeln. Oft können Erkenntnisse schnell in die Behandlung einfliessen. Jean-Pierre Bourquin Arzt und Forscher am Kinderspital Zürich und Vater von drei Kindern.

Online Spenden und Information: kinderkrebsforschung.ch


~ Kolumne ~ GROSSMÜTTERREVOLUTION

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Lebenslanges Lernen

F

ür das Lernen bin ich Fachfrau. Lange Zeit war ich als Lehrerin auf allen Stufen tätig. Später verfasste ich ein Lehrmittel zu diesem Thema für Schülerinnen und Schüler. Dass man auch im Alter noch etwas Neues lernen kann, weiss ich, weil ich nach der Pensionierung noch anfing, Klavierspielen zu lernen. Aber das wahre Wunder des Lernens sehe ich bei meinen Enkeln. Der ältere ist sieben Jahre alt und kam letzten Sommer in die erste Klasse. Was der alles weiss, und was

der anderthalb Jahre alt ist, im letzten Halbjahr nicht nur Aufstehen, Laufen, Springen und Klatschen und Winken gelernt, sein Wortschatz bewegte sich von null auf etwa 50 Wörter. Er weiss, wer Nana und Neni sind, und ruft «Uhu!», wenn er im Bilderbuch einen entdeckt. Das gilt auch für den «Wauwau» und das «I-A-Tier». Wenn man ihm sagt, «Tu das in den Abfallkübel!» oder «Zieh die Mütze ab!», dann macht er das. Als ich ihn letzthin nach dem Hüten wieder nach Hause brachte

er für einen Wortschatz hat! Mit vier Jahren lehrte er mich ein neues Wort: Pylon. Das sind die orange-weissen kegelförmigen Dinger, welche die Baustellen markieren. Ich wusste das nicht. Als in seinem Kindergarten das Thema Schmetterlinge behandelt wurde, wollte er mit uns ins Papillorama in Kerzers. Und er konnte uns dort ganz vieles erklären. Bei unseren Kindern fiel mir damals das Lernen gar nicht so auf. Eher das Nichtlernen. Die vielen Fehler, die unser Sohn in den Diktaten machte, oder das mangelnde mathematische Verständnis der Tochter. Das Lernen passierte eher unbemerkt. Die wirklichen Wunder des Lernens geschehen in den ersten zwei, drei Lebensjahren. Da hat doch unser kleiner Enkel,

und gleich wieder gehen wollte, sagte er «Nana ap!», zog an meiner Jacke und meinte damit, ich solle sie abziehen und noch ein wenig dableiben. Ist das nicht toll? Ich rede aber auch viel mit ihm, singe Kinderlieder und zeige ihm Bilderbücher. Deshalb stimmt es mich so traurig, wenn ich Mütter oder Väter sehe, die diese wichtige Phase des wunderbaren Lernens nicht ausnützen. Letzthin sass eine Mutter mit ihrer etwa zweijährigen Tochter neben mir im Zug. Ich hatte den Enkel aus dem Wagen genommen, er sass auf meinen Knien, und ich erklärte ihm die Welt, die vor dem Fenster vorbeizog. Das Mädchen sass die ganze Zeit im Kinderwagen. Wenn es «Mama!» rief, dann erhielt es den Schoppen oder ein Guetzli. Die Mutter war

mit ihrem Handy beschäftigt. Während mehr als einer halben Stunde telefonierte sie mit ihrer Freundin und richtete kein einziges Wort an die Tochter. «Wieder ein Kind, das möglicherweise Logopädie und Stützunterricht braucht, wenn es in den Kindergarten kommt!», dachte ich. Und war total wütend auf mich, weil ich das der Mutter nicht gesagt hatte. •

HANNA HINNEN lebt in Regensberg und war Lehrerin, Pädagogin, Lehrmittelautorin, Prozessbegleiterin, Mediatorin und Schulpräsidentin. Sie hat einen Sohn, eine Tochter und zwei Enkel. Seit Beginn (2010) macht sie bei der GrossmütterRevolution aktiv mit. Weitere Kolumnen und Infos: www.grossmuetter.ch

~ GrossmütterRevolution ~

PLATTFORM UND DENKFABRIK Die Frauen der neuen Grossmüttergeneration, mit oder ohne leibliche Nachkommen, leisten einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Generationenbeziehungen im Wandel der Gesellschaft und damit zur Lebensqualität und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Migros-Kulturprozent fördert mit dem Projekt GrossmütterRevolution bestehende oder sich bildende Netzwerke von Frauen der Grossmütter-

generation und versteht sich als Plattform und Think Tank für deren gesellschaftliches und politisches Engagement. In der ersten Jahreshälfte findet jeweils eine zweitägige Zukunftskonferenz als Frühlingstagung statt, im Herbst das jährliche GrossmütterForum. www.grossmuetter.ch

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DOSSIE R

DIE ERFINDUNG DER GROSSELTERN Bis zum 18. Jahrhundert spielten Grosseltern in Familie und Gesellschaft keine Rolle. Erst mit dem Aufkommen des Bürgertums wurden sie wichtig. Weshalb, weiss der Erziehungswissenschaftler Hans Studer: Er befasste sich mit der Geschichte der Grosseltern und wurde dabei auch bei Malern und Schriftstellern fündig.

Von PIUS ACHERMANN (Text)

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~ Dossier ~ DIE ERFINDUNG DER GROSSELTERN

«Grossvater erzählt eine Geschichte» von Albert Anker (1831–1910), gemalt 1884 (Kunstmuseum Bern/Burgergemeinde Bern). Von keinem anderen bedeutenden Maler gibt es so viele Bilder, die Grossväter und Enkelkinder zusammen zeigen.

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«Das Stufenalter des Menschen», Nürnberg um 1835, kolorierter Kupferstich. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster. Die Lebenstreppen waren über Jahrhunderte beliebt, zeigen aber selten ältere Menschen in der Funktion von Grosseltern.

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ls Hans Studer vor acht Jahren pensioniert wurde, kam seine erste Enkeltochter zur Welt. Seitdem fährt der ehemalige Dozent für Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Graubünden einen Tag pro Woche nach Zürich; zunächst allein, seit seine Frau ebenfalls pensioniert ist und seit es zwei Enkeltöchter sind, «machen wir das zu zweit». Da sich Studer schon immer für sozialgeschichtliche Themen interessiert hatte, fragte er sich, wie die Grosseltern-EnkelBeziehung im Verlauf der Geschichte entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat. Ausgangspunkt für seine Überlegungen vor vier Jahren waren ein paar kommentierte Bilder, die er für seine Tochter zusammengestellt hatte. Anschliessend begegnete er den Büchern des Wiener Historikers Erhard Chvojka (siehe Interview Seite 54). Diese regten ihn zu weiteren Überlegungen an. Unter dem Titel «Die Erfindung der Grosseltern» hielt Hans Studer nun vor Kurzem eine gut besuchte Vorlesung an der Seniorenuniversität Luzern, die wir nachfolgend in einer gekürzten, eigenen Fassung wiedergeben. Die Bilder, die wir in diesem Dossier abbilden und jeweils Grosseltern und ihre Enkelkinder zeigen, hat ebenfalls Hans Studer zusammengetragen. GROSSELTERN GAB ES NICHT Bis ins frühe 18. Jahrhundert gab es die sogenannte nachelterliche Gefährtenschaft, also das Zusammensein von Grosseltern und Enkelkindern, wie wir es heute kennen, praktisch nicht. Das hat mit der niedrigen Lebenserwartung der früheren Zeiten zu tun. Es war zwar auch in vorindustriellen Epochen möglich, dass Frauen und Männer ein hohes oder sehr hohes Alter erreichten.

Das zeigen zum Beispiel die über Jahrhunderte beliebten sogenannten Lebenstreppen, bei denen in der Regel der Höhepunkt des Lebens mit 50 erreicht wird und der Abstieg bei 100 endet. Kaum je aber tauchen auf diesen Bildern von Lebenstreppen ältere Menschen in der Funktion von Grosseltern auf. Aber nicht allein die niedrigere Lebenserwartung ist für das Fehlen der Grosseltern verantwortlich, auch die lange weibliche Reproduktionsphase spielt dabei eine grosse Rolle. Frauen bekamen in der Regel mehr Kinder als heute, sie bekamen früher ihr erstes Kind, und sie bekamen über einen längeren Zeitraum Kinder, als dies heute der Fall ist. Es kam oft vor, dass das jüngste Kind und das älteste Grosskind einer Frau gleich alt waren. Die Frau hatte dann natürlich keine Zeit, sich neben dem eigenen Kind noch um das Enkelkind zu kümmern. Erst das 18. Jahrhundert brachte allmählich einige demographische Veränderungen. Der Anteil der Über-60-Jährigen pendelte sich in den meisten Gebieten Mitteleuropas bei etwa 7 bis 9 Prozent ein, und die Zahl derjenigen Personen, die ein ausreichend hohes Alter erreichten, um im Laufe ihres Lebens noch die Geburt von Enkelkindern zu erleben, vergrösserte sich während des 18. Jahrhunderts erstmals. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich diese Entwicklung deutlich, sodass die demographische Situation im Jahr 1900 völlig anders war. Der Zürcher Altersforscher François Höpflinger zeigte auf, dass zu dieser Zeit nur noch 4 Prozent der Kinder bei ihrer Geburt keine Grossmutter oder keinen Grossvater hatten und dass über die Hälfte der 15-Jährigen noch immer einen Grosselternteil hatten. Bis zum Jahr 2000 haben sich diese Zahlen noch einmal massiv verändert: Fast

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~ Dossier ~ DIE ERFINDUNG DER GROSSELTERN

«Grossmutters Geburtstag», 1865, von Ferdinand Georg Waldmüller. Während wir aus dem 18. Jahrhundert vor allem Bilder und Erinnerungen an den Geburtstag des Grossvaters kennen, so wird im 19. Jahrhundert zunehmend auch des Geburtstags der Grossmutter gedacht.

alle Kinder hatten im Alter von zehn Jahren noch mindestens einen Grosselternteil. Nebst den demographischen Veränderungen zeichnen sich jeweils auch soziale, kulturelle und damit auch sprachliche Veränderungen ab. Bevor sich im deutschen Sprachraum die Begriffe Grossvater und Grossmutter durchsetzten, die gemäss dem Grimmschen Wörterbuch erstmals Ende des 14. Jahrhunderts

in Frankfurt wohnten. Er kommt aber auch im weiteren Verlauf der Autobiografie gelegentlich auf sie zu sprechen. Gleich am Anfang weist er auf einen auch heute noch gängigen Zug im Grosselternbild hin, darauf, dass die Grosseltern im Vergleich zu den Eltern eher nachsichtig sind. Goethe erzählt im Zusammenhang mit Kinderkrankheiten vom strengen Vater im Gegensatz zu den wohlwollenden Grosseltern; er schreibt: «Jene Krank-

auftauchten, brauchte man die Bezeichnung Ehni/Ahnherr und Ahne/Ahnfrau, Begriffe, die unter anderem im deutschsprachigen Graubünden heute noch üblich sind. Etymologisch gesehen heisst Enkel tatsächlich «kleiner Ahn».

heiten und andere unangenehmen Störungen wurden in ihren Folgen doppelt lästig; denn mein Vater, der sich einen gewissen Erziehungs- und Unterrichtskalender gemacht zu haben schien, wollte jedes Versäumnis unmittelbar wieder einbringen und belegte die Genesenden mit doppelten Lektionen. … Vor diesen didaktischen und pädagogischen Bedrängnissen flüchteten wir gewöhnlich zu den Grosseltern.» Es gibt dann aber im 19. Jahrhundert neben dem Bild des weisen und des gütigen alten Mannes oder Grossvaters auch das Bild des bösen Alten. Interessant ist aber, dass wir aus dem 19. Jahnhundert eine Reihe von Geschichten kennen, in denen sich der böse Alte zum guten Alten wandelt, und zwar gerade unter dem Einfluss seiner Enkel. Das Paradebeispiel dieser Situation ist natürlich Johanna Spyris «Heidi» aus dem Jahr 1880. Heidi verwandelt hier den knorrigen Alpöhi in einen einfühlsamen Grossvater. Das «Heidi» hat sicher wesentlich zu unserem heute dominierenden Bild der Grosseltern beigetragen. Die Erwachsenen der Elterngeneration kommen ja mit Ausnahme von Klaras Vater, dem Herrn Sesemann, und dem Diener Sebastian alle ziemlich schlecht weg; Heidis Verbündete sind Grosseltern: der Alpöhi und Klaras Oma. Eine innige Beziehung hat Heidi vor allem auch zur Grossmutter des Geissenpeters.

DIE ERFINDUNG DES GROSSVATERS Im Zusammenhang mit der Aufwertung der Familie setzt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in bürgerlichen Kreisen auch eine Diskussion über das Bild und die Aufgaben der Grosseltern ein. Die Rolle des Grossvaters wird in der Zeit der Aufklärung, im 18. Jahrhundert, kreiert. Die Diskussion dazu wird etwa ab 1750 unter anderem in den damals vielgelesenen sogenannten «moralischen Zeitschriften» geführt. In diesen Zeitschriften, die wöchentlich erschienen, wird der alte Mann als Autoritätsfigur dargestellt. Eine über Jahre erfolgreiche Zeitschrift hiess «Der Greis». Sie war aber kein Magazin für die ältere Generation; die angepeilte Leserschaft waren vor allem junge Frauen und Mütter, die hier zu vernünftigem Verhalten und vernünftiger Erziehung angeleitet wurden. Die Rahmenhandlung bildeten über Jahre hinweg die Erzählungen und Anleitungen eines weisen, vernünftigen alten Mannes, der zwei Enkelkinder, einen Bub und ein Mädchen, erzog. In fiktiven Leserbriefen wurde er um Rat zu allen möglichen Themen gefragt. Auch in den beliebten Erziehungsratgebern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird das Bild des belehrenden Grossvaters gepflegt. Interessant ist nun, dass parallel zu diesem ersten bewussten Erleben und Gestalten der Grossvaterrolle gleichzeitig auch die ersten Erinnerungen von Enkelkindern an ihre Grossväter entstehen. Prominentes Beispiel ist hier Goethes Autobiographie «Dichtung und Wahrheit». Ausführlich beschreibt Goethe im ersten Band seine Grosseltern mütterlicherseits, die nicht weit entfernt von seinem Elternhaus

DIE GROSSMUTTER IN DER LITERATUR Johanna Spyri hat ja nicht nur den Welterfolg «Heidi» geschrieben; auch in andern der 48 Erzählungen, die sie in den 30 Jahren von 1871 bis zu ihrem Tod geschrieben hat, spielen Grosseltern und vor allem auch die Grossmutter eine wichtige Rolle. Auch die zwei grossen Schweizer Autoren des 19. Jahrhunderts, Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller, haben Idealbilder von Grossmüttern entworfen. So hat Jeremias Gotthelf die über 300 Seiten starke Erzählung «Käthi, die Grossmutter» geschrieben. Wie so ~

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oft sind auch hier seine Protagonisten in Gute und Böse geteilt, die Grossmutter gehört hier zu den Guten. Gottfried Kellers Grossmutterbild ist im Gegensatz zu dem von Jeremias Gotthelf stark autobiografisch geprägt. In der ersten Fassung seines autobiografischen Romans «Der Grüne Heinrich» von 1855 baut Keller die Begegnung mit seiner Grossmutter zu einer kleinen Hommage aus, die er wie folgt abschliesst: «Sie war schlank und fein gewachsen, trotz ihres hohen Alters beweglich und aufmerksam, keine Städterin und keine Bäuerin, sondern eine wohlwollende Frau; jedes Wort, das sie sprach, war voll Güte und Anstand, Duldung und Liebe, von aller Schlacke übler Gewohnheit gereinigt, gleichmässig und tief.» Noch übertroffen in der Grossmutterverehrung wird Gottfried Keller von einem dritten grossen Schweizer Dichter des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts, von Carl Spitteler, dem bis heute einzigen Schweizer Nobelpreisträger für Literatur. Nach dem Tod seiner Mutter im März 1913 schreibt der damals 68-jährige Dichter «Meine frühesten Erlebnisse». Nach zwei einleitenden Abschnitten ist der dritte Abschnitt mit «Die Grossmutter» überschrieben. «Tag und Nacht, immer von neuem Tag und Nacht – wozu? Auf allen Seiten ungeheuerlich viele Dinge, die einen nichts angehen – wofür? Doch aus dem wüsten Wirrsal taucht zu Zeiten ein holdes Gesicht, und so oft das Gesicht nahe kommt, wird einem wohl. Jetzt braucht man nicht mehr zu wissen, warum, fragt überhaupt nicht mehr nach etwas anderm. Dieses Gesicht wurde mir lieb, und mit der Zeit, als ich anfing, Worte zu verstehen und nachzulallen, lehrte man mich seinen Namen: ‹Grossmutter›».

Das wahrscheinlich früheste Bild, das die Beziehung von Grossvater und Enkel zum Thema hat, hängt heute im Louvre. Es ist datiert von 1488 und stammt vom Maler Ghirlandaio aus Florenz. Er zeigt als einer der ersten Maler immer wieder Kinder und Jugendliche ganz realistisch in alltäglicher Umgebung und in ihrem alterstypischen Verhalten. Es könnte jedoch sein, dass es Ghirlandaio hier nicht um ein eigentliches Grossvater-Enkel-Bild ging, sondern um die Darstellung von Vergänglichkeit, indem er den Verfall des Alters der aufblühenden Jugend entgegenstellt.

BÖSE UND UNFÄHIGE GROSSMÜTTER Es gibt aber im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nicht nur dieses sehr positive Grossmutterbild, wie es in der belletristischen Literatur erscheint. Während Keller und Spitteler ihre realen Grossmütter verehrten und ihnen literarisch eigentliche Denkmäler errichteten, gab es im 19. Jahrhundert auch skeptische und abwertende Stimmen gegenüber dem Einfluss der Grossmütter auf ihre Enkel. # 02 ~ 2017


~ Dossier ~ DIE ERFINDUNG DER GROSSELTERN

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Diese negative Beurteilung des grossmütterlichen Erziehungseinflusses kam zuerst aus der Wissenschaft: Erhard Chvojka schreibt dazu: «Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Literatur verschiedener Disziplinen die Vorstellung, Grosseltern wären keine geeigneten Personen für die Übernahme einer vollen Verantwortung im Bereich der Kindererziehung. … Ende

aus Sicht der Enkel gefragt. Klar dominieren die positiven Einschätzungen «grosszügig», «liebevoll», «humorvoll», «tolerant» gegenüber kritischen Wahrnehmungsurteilen wie «ungeduldig», «altmodisch» oder «geizig». Höpflinger hat zudem auch die Grosseltern dieser Enkel befragt und kommt dabei zum Schluss: «Die allgemeine Bedeutung der Enkelkind-Grosseltern-Beziehung wird von beiden Generationen

des 19. Jahrhunderts verurteilten schliesslich Sozialexperten im gesamten mittel- und westeuropäischen Raum auf breiter Front pauschal Grosseltern, insbesondere Grossmütter, unter anderem wegen einer angeblich veralteten Ansicht über Geburt und Kinderpflege. … Grossmütter werden in zunehmendem Masse zu einem Hauptfeindbild moderner medizinisch-naturwissenschaftlicher, aber auch sozialpädagogischer (männlicher) Kinderpflegeexperten.» Die böse Grossmutter bleibt in der Literatur aber auch im 20. Jahrhundert eine Ausnahme. Entstanden sind aber schon auch ausdrücklich alternative Bilder, die sich bewusst vom traditionellen Grossmutter-Bild abgrenzen. Eines der frühen Beispiele ist Bertolt Brechts «Die unwürdige Greisin», geschrieben 1939, erstmals publiziert 1949 im Rahmen der «Kalendergeschichten». Diese Grossmutter nimmt sich nach dem Tod ihres Mannes für ihre letzten Jahre die Freiheit, einfach das Leben zu leben, das ihr gefällt – unbekümmert um die Vorstellungen der andern, wie eine Grossmutter zu leben habe. Was Brecht angestossen habe, setze heute die vom Migros-Kulturprozent lancierte GrossmütterRevolution fort, meinte Studer.

zu mehr als 90 Prozent beidseitig als wichtig eingeschätzt. Die Vermutung, dass Grosseltern die intergenerationelle Beziehung stärker gewichten als heranwachsende Enkelkinder, stimmt nicht.» Mit zwei Zitaten schloss Hans Studer seine Luzerner Vorlesung, allerdings nicht ohne sein eigenes Bekenntnis «Enkel zu haben, ist einfach etwas Wunderbares» abgegeben zu haben. Das erste Zitat stammt aus der – wie Studer sagte – sehr lesenswerten Familienbiografie «Die Benjamins» von Uwe-Karsten Hey. Dabei erinnern sich die heute gut 20-jährigen Enkelkinder Laura und Jakob Benjamin daran, dass ihr Grossvater, der Neffe von Walter Benjamin, an die Tür seines Arbeitszimmers einen Zettel geheftet hatte, auf dem stand: «Hätte ich gewusst, wie viel Spass Enkelkinder machen, hätte ich sie zuerst bekommen.» Das zweite stammt von Kurt Tucholsky: «Das nächste Mal fang ich gleich mit Enkeln an.»

GROSSELTERN HEUTE Im letzten Teil seiner Vorlesung befasste sich Hans Studer mit der Gegenwart und zeigte einige Resultate aus François Höpflingers grosser Studie aus dem Jahre 2006, für welche 650 Enkel aus Zürich, Genf und Wallis im Alter von 12 bis 16 Jahren über ihr Verhältnis zu den Grosseltern befragt wurden. 87 Prozent der Enkel schätzen heute die Beziehung zu ihren Grosseltern als wichtig oder sehr wichtig ein. Eindeutig an erster Stelle steht die Erwartung, dass die Grosseltern einfach da sind, wenn man sie braucht. Grosseltern sind ein bedeutendes familiales Reservepotenzial, auf das sich Enkelkinder verlassen können. Höpflinger hat auch nach den Eigenschaften der Grosseltern # 02 ~ 2017

HANS STUDER geboren 1946, war bis zu seiner Pensionierung Dozent für Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Graubünden. Er lebt in Chur. Im Bild sieht man ihn zusammen mit seiner Enkelin Anna Lea.


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«Die Grosselternrolle beginnt sich zu wandeln» Der Historiker Erhard Chvojka hat als einer der ersten die Geschichte der Grosseltern untersucht – mit überraschenden Erkenntnissen. Von SASCHA GARZETTI (Interview)

Grosseltern: Herr Chvojka, historische Studien zu Eltern und Kindern gibt es viele, zu Grosseltern fast keine. Wieso mussten die Grosseltern so lange auf ihre historische Betrachtung warten? Erhard Chvojka: Das hat einen ganz

In Bezug auf Haushalts- und Familienformen gingen viele Romantiker davon aus, dass die Zwei-Generationen-Kleinfamilie ein Resultat der aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche sei, wohingegen die Menschen früher in einer harmonischen Grossfamilie gelebt hätten. Diese

bestand vor allem darin, dass sich Grosseltern erstmals überhaupt intensiv mit ihren Enkelkindern beschäftigen und eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen sollten. Das war kein Zufall, auch die bürgerlichen Vater- und Mutterrollen wurden damals neu definiert: Ganz im

konkreten Grund: Die mittel- und westeuropäische Sozialgeschichtsforschung hat seit den 1970er Jahren zahlreiche Studien zur historischen Entwicklung von Familienformen durchgeführt. Man untersuchte die allgemein verbreitete Vorstellung, dass früher alle Menschen in einer Mehrgenerationen-Grossfamilie gelebt hätten, und fand heraus, dass sie falsch ist. Wir wissen heute, dass fast alle Menschen in Mittel-, West- und Nordeuropa seit vielen Jahrhunderten in Kleinfamilien lebten. Durch diese Forschungsergebnisse rückten die Beziehungen zwischen Grosseltern und Enkelkindern aus dem Fokus, weil die Grosseltern früher nicht – wie zuvor oft angenommen – im Haushalt ihrer Kinder und Enkelk mitgewohnt hatten.

bereits für den Beginn des 19. Jahrhunderts unzutreffende Vorstellung von historischen Familienformen hält sich übrigens bis heute auffallend hartnäckig – wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie damals wie heute diverse Klischees von der guten, alten Zeit bedient.

Sinn der neuen Pädagogik wurde von den Eltern eine liebevolle Zuwendung zu den eigenen Kindern gefordert. Zusätzlich zur propagierten Hinwendung der Grosseltern zu ihren Enkelkindern wird übrigens auch gleichzeitig von den Kindern verlangt, dass sie sich aktiv für die Beziehung zu den Grosseltern engagieren. Im 18. Jahrhundert entsteht somit nicht nur die moderne Grosselternschaft, sondern auch das neue Leitbild der Enkelkindheit.

Woher rührte die Vorstellung, dass die Menschen früher in Grossfamilien lebten? Es handelt sich um eine Rückprojektion, die im Zeitalter der Romantik im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts entstand. Die Gesellschaft hatte sich ab Ende des 18. Jahrhunderts rasant zu wandeln begonnen, und die Romantiker blickten nostalgisch rückwärts und orteten in der Vergangenheit die ursprünglichen und vor allem besseren Bedingungen.

Wie wichtig waren Grosseltern in der alten Zeit? Bis zum 17. Jahrhundert gibt es diesbezüglich praktisch keine einschlägigen Leitbilder. Ältere Menschen wurden von der Gesellschaft generell nicht als Grosseltern, sondern entweder allgemein als alte Menschen oder im familiären Zusammenhang als (alte) Eltern gesehen. Ältere Menschen waren früher oft noch als Eltern ihrer jüngsten Kinder gefordert und hätten daher für etwaige Beziehungen zu ihren ersten Enkelkindern nicht sehr viel Zeit aufbringen können – abgesehen davon, dass sie vielfach auch nicht am selben Ort lebten. Wann entwickelten sich die modernen Grosselternrollen? Die modernen Grosseltern lassen sich eindeutig auf das neue Bürgertum in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückführen. Das entsprechende Ideal

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Hatte man vor Einführung des Rentenalters überhaupt Zeit, die Grosselternrolle zu leben? Die Frage nach der Rolle der Einführung des Altersruhestandes ist sehr spannend. Einige der ersten aktiven Grosseltern waren tatsächlich Beamte, für die im 18. Jahrhundert als eine der ersten Berufsgruppen ein Altersruhestand eingeführt worden war. Insgesamt beteiligten sich jedoch alle Gruppen des städtischen Bürgertums an der Entwicklung der aktiven Grosselternschaft – auch solche, in denen ältere Menschen noch keinen Altersruhestand antreten konnten. Sie sprechen vom Bürgertum. Wie sahen denn die Enkel-Grosseltern-


~ Dossier ~ DIE ERFINDUNG DER GROSSELTERN Beziehungen in den anderen Schichten aus? Anfänglich bestand der Unterschied zwischen dem Bürgertum und allen anderen Bevölkerungsschichten schlichtweg darin, dass es lediglich im Bürgertum ein durchstrukturiertes Leitbild für die Familie gab. Aber diese meist stark positiv besetzten bürgerlichen Normen für Väterlichkeit, Mütterlichkeit, Kindheit und Grosselternschaft waren im 18. und frühen 19. Jahrhundert allen anderen Teilen der Bevölkerung noch fremd. Was aber auch ausserhalb des Bürgertums durchaus vorkam, war die Kinderbetreuung durch Grosseltern. Speziell in der Fabrikarbeiterschaft der Frühindustrialisierung war es oft nicht anders

«eindeutig überfordert» bei der Beaufsichtigung von Kindern diffamiert. Ein Aufwachsen bei den Grosseltern wurde somit vielfach als pädagogisch unverantwortlich bewertet. Dass die Fabrikarbeiterschaft aber oft gar keine andere Möglichkeit hatte, als ihre Kinder an die Grosseltern weiterzureichen, wurde seitens der bürgerlichen Kritiker freilich nicht berücksichtigt.

möglich, als dass Kinder überwiegend bei den oftmals noch auf dem Land lebenden Grosseltern aufwuchsen, häufig gemeinsam mit ihren jüngsten Onkeln und Tanten, die von ihnen aber eher wie Geschwister empfunden wurden. Auch Kinder, die zu Vollwaisen geworden waren, wurden vielfach von den Grosseltern aufgenommen. Dieses Mitbetreuen der Enkelkinder entsprach jedoch noch keineswegs den liebevoll-emotionalen Leitlinien, die das Bürgertum für diese Beziehung vorsah. Im Gegenteil, derartige Konstellationen wurden vom Bürgertum scharf verurteilt. Grosseltern sollten zwar eine Beziehung zu ihren Enkelkindern haben, die vorrangigen Bezugs- und Autoritätspersonen hatten aber ausnahmslos die Eltern zu sein.

Osteuropa aus. Dort lebte tatsächlich die grosse Mehrheit der Bevölkerung in Drei- oder gar Vier-Generationenhaushalten. Die Familienautorität lag dabei immer bei der ältesten Generation. Insofern unterscheiden sich die historischen Verhältnisse der Familienformen innerhalb Europas signifikant. Die geografische Trennung zwischen den beiden Modellen lief dabei ungefähr entlang einer gedachten Linie von Triest bis St. Petersburg.

Weshalb? Das hat mit den Bildern der Grosselternrolle zu tun. Grossväter wurden manchmal weicher und nachgiebiger als jüngere Männer dargestellt, andererseits aber auch wieder autoritärer und starrsinniger. Grossmütter wurden oft gütiger als jüngere Frauen gezeichnet, ab dem 19. Jahrhundert wurden sie angesichts ihres fortgeschrittenen Alters aber auch sehr häufig pauschal als

55 bis 30 Jahren zudem beobachten, dass sich die klassischen Grosselternrollen, wie sie im 18. Jahrhundert entstanden waren und gut 200 Jahre lang relativ unverändert bestehen blieben, zu wandeln beginnen. Die Gruppe der jüngeren Alten praktiziert heute überwiegend Lebensformen, die mit den traditionellen Grosselternrollen immer weniger vereinbar sind. •

Gibt es geografische Unterschiede in der Entwicklung der Grosselternrollen? Die historischen Verhältnisse in Mittel-, West und Nordeuropa sowie auch für die USA deckten sich weitgehend. Völlig anders sahen die historischen Familienund Wohnformen jedoch in Süd- und

Ihr Buch «Geschichte der Grosselternrollen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert» liefert einen Überblick über die Grosselternrollen bis zum Zweiten Weltkrieg. Lassen sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts neue Entwicklungen ausmachen? Ja, auf jeden Fall. Durch die steigende Lebenserwartung und das sinkende Heiratsalter stieg die gemeinsame Lebenszeit von Grosseltern und Enkelkindern weiter an. Immer häufiger erlebten Kinder nun sogar noch ihre Urgrosseltern. Durch das zuletzt wieder steigende Heiratsalter sowie durch die inzwischen tendenziell wieder spätere Elternschaft wird dieser Trend derzeit jedoch langsam rückgängig gemacht. Insgesamt lässt sich in den letzten 20

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ERHARD CHVOJKA geboren 1964, ist Historiker und und Fachbereichsleiter für Politik und Gesellschaft bei der zentralen Geschäftsführung der Volkshochschule Wien. Er verfasste unter anderem das Buch «Geschichte der Grosselternrollen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert» (Böhlau Verlag, Wien).


~ Beratung ~ AUS DER PRAXIS

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Ein rigoroses Verbot und ein grosser Wunsch Was tun, wenn Eltern den Grosseltern verbieten, die Enkel im Auto mitzunehmen? Und was, wenn man sich Enkel wünscht, aber keine bekommen wird? Psychologin Katharina Ley gibt Rat. EIN GROSSELTERNPAAR, 62 UND 65, ERZÄHLT: Unsere zwei Enkelinnen sind 5 und 8 Jahre alt. Wir hüten sie in regelmässigen Abständen und sind mit ihnen jeweils unterwegs, um die Welt zu entdecken - mit dem ÖV. Ab und zu würden wir gerne unser eigenes Auto benützen. Doch da sind die Eltern rigoros dagegen. Die beiden Enkelinnen dürfen nur im Auto ihrer Eltern mitfahren. Das macht uns grosse Mühe, zumal mein Mann ein routinierter, unfallfreier Autofahrer im Aussendienst ist. Für uns ist das eine schwierige Situation. Die Eltern unserer Enkelinnen kennen Eltern, deren Kinder im Auto der Grosseltern mitfuhren und einen schwerwiegenden Unfall hatten.

D

a schwingen bei den Eltern Ihrer Enkelinnen Widerstände mit, die nicht rational zu verstehen und schon gar nicht mit grossen Diskussionen zu bewältigen sind. «Rigoros dagegen» spricht eine andere, hochemotionale Sprache und enthält viel Angst. Die Angst nämlich, dass bei Ihnen Grosseltern im Auto etwas passieren könnte, und dass die Eltern der Enkelinnen Ihnen das nie verzeihen könnten. Der von Ihnen erwähnte schwerwiegende Unfall muss unauslöschliche, tiefe und traumatische Spuren hinterlassen haben. Das hat seine eigenen Gründe. Sie, Grossvater, sind ein guter Fahrer, ohne Zweifel. Das ist also nicht das Thema. Es muss etwas anderes sein, von dem Sie nichts wissen. Zurzeit kämpfen die Emotionen der Eltern Ihrer Enkelinnen mit dem Verstand von Ihnen. Da muss Vertrauen gebildet werden. Vertrauen kann man nicht einfordern. Vertrauen ist ein Geschenk. An der Vertrauenswürdigkeit zu arbeiten bedeutet, sich für die Sorgen und Ängste der anderen zu interessieren. Möglicherweise heisst das für Sie Grosseltern, dieses Verbot nach acht Jahren zu akzeptieren. Einfach anzunehmen und verstehen zu wollen. «Erzählt doch mal» – wie war das mit diesem Unfall? Also Raum zu geben,

Interesse zu zeigen, die eigenen Bedürfnisse für einmal zur Seite zu stellen. Das ist natürlich hohe Schule. Aber aus der Einsicht, dass die bisherigen Diskussionen nichts gebracht haben, kann ja auch die Neugier entstehen, etwas Neues auszuprobieren. Die Älteren sind die Klügeren – vielleicht bewahrheitet sich das bei Ihnen. Jedenfalls traue ich Ihnen zu, dass Sie den Vertrauensweg für alle drei Seiten eröffnen – und dann gehen.

~ EIN ENKELLOSER MANN, 63, FRAGT: Ich bin leider kein Grossvater, bin kinder- und enkellos und verwitwet und habe einen grossen Wunsch nach Kontakten mit Enkeln und Enkelinnen. Nun frage ich mich, wie ich allenfalls zu Wunsch-Enkeln kommen könnte. Haben Sie mir Anregungen?

E

s wird Möglichkeiten geben für Sie, Grossvater zu werden. Was mich an Ihrer Frage besonders freut, ist Ihr Interesse an sozialer (nicht leiblicher) Grossvaterschaft. Man kann kinder- und enkellos und trotzdem Grossvater respektive Grossmutter sein. Ist das nicht toll? Im vergangenen Juni fand im Berner Generationenhaus beim Bahnhof Bern eine Veranstaltung statt zum Thema «Grossvater sein – mit und ohne Enkel». Veranstalter waren die Pro Senectute und das Schweizerische Institut für Männer- und Geschlechterfragen. Da ging es um das Thema der freiwilligen Grossväter. Es gibt das win3-Modell der Pro Senectute in Schulen. Lehrer und Lehrerinnen melden den Bedarf nach Schulgrosseltern an, die ein bis zwei Halbtage in die Klasse kommen und die Lehrperson unterstützen. Ich kenne ganz berührende Erzählungen

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von Schulgrosseltern, wie sie erwartet, geliebt und hoch geschätzt werden von den Schulkindern – und wie sie es jede Woche kaum erwarten können, ins Schulhaus zu «ihren Schülern» zu gehen. Flüchtlingskinder haben in der Regel keine Grosseltern mehr, die ihnen zur Seite stehen. Aber sie haben den Wunsch, das Bedürfnis nach den grossen, alten, weisen Eltern. Das könnten Sie sein, nicht wahr. Es gibt hierzulande genügend Asylzentren, wo man sich für eine entsprechende Anfrage melden kann. An immer mehr Orten gibt es heute zudem Paten- oder Wahlgrosselternprojekte, zum Beispiel in Bern, Zürich oder Baden. Dort bringen Gemeinschaftszentren, Kirchgemeinden und andere Institutionen Enkelkinder ohne Grosseltern und Grosseltern ohne Enkelkinder zusammen. Ein weiteres Beispiel: Als Senior und Seniorin mit Gelüsten nach der weiten Welt kann man sich aufmachen, um in einem fernen Land Kinder zu hüten. Au pair im Seniorenalter. Dann ist man gleichzeitig Kinderhüter/in und Grossvater/mutter – auf Zeit (www.granny-aupair.com, www.aupair-50plus.de). Und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten! •

~ Avadis-Geldtipp Nr. 1 ~

SPAREN, ANLEGEN, ZUKUNFT AUFBAUEN Goldvreneli, Sparkonto, Fondskonto oder doch lieber Bargeld? Möglichkeiten zu sparen gibt es viele. Insbesondere Grosseltern, die ihrem Enkelkind einen Sparbatzen mit auf den Weg geben wollen, setzen häufig auf das Geschenksparkonto. Gleichzeitig schauen sich viele Sparer nach renditeträchtigeren Alternativen um, wie beispielsweise dem Fondskonto. Dabei hat jede Spar- oder Anlageform ihre Vor- und Nachteile. SPARKONTO – DER KLASSIKER Der Zins auf dem Sparkonto ist garantiert, mehr als 1% Zins gibt es aber auch auf den höher verzinsten Geschenksparkonten für Kinder nicht. Auf den Zinsertrag muss zudem die Verrechnungssteuer von 35% bezahlt werden. Diese kann zwar zurückgefordert werden, Grosseltern müssen jedoch daran denken, sie wieder auf das Konto des Enkelkindes zu überweisen. FONDSKONTO – DIE ALTERNATIVE Anlagefonds investieren in Aktien und Obligationen und können damit Wertschwankungen unterworfen sein. Wer sein Geld jedoch mehrere Jahre anlegen kann, hat mit Fonds langfristig gute Aussichten auf eine höhere Rendite als mit einer Kontolösung. Fonds sind zudem Sondervermögen und fallen nicht in die Konkursmasse der Bank. Kursgewinne sind steuerfrei, auf Erträge wie etwa Dividenden entfällt aber ebenfalls die Verrechnungssteuer.

KATHARINA LEY (69) ist Buchautorin, Soziologin und Psychoanalytikerin mit eigener Praxis in Bern und Grossmutter von zwei Enkelkindern (3 & 1). Schicken Sie Ihre Fragen an: Katharina Ley Sulgenbachstrasse 15, 3007 Bern oder beratung@grosseltern-magazin.ch

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Ein Artikel in Zusammenarbeit mit


~ Service ~ AUS DER PRAXIS

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Meine anderen Kinder Ein Hausarzt kennt viele seiner Patientinnen und Patienten seit dem Säuglingsalter. Wenn sie junge Menschen werden und ihren Platz im Leben suchen, freut er sich und leidet er mit, schreibt Edy Riesen.

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ch habe vier eigene Kinder und bereits zehn Grosskinder, daneben aber noch viele andere Kinder: die Praxiskinder. Das sind die vielen, die man über die Jahre hinweg aufwachsen sieht, an denen man sich freut, die einem Sorge bereiten oder die einen enttäuschen. Soeben habe ich Jenny an der Bushaltestelle gesehen: eines meiner Sorgenkinder. Ein schmales Ding mit einem hellen Köpfchen. Ich weiss noch immer nicht recht, ob sie es schafft, im Leben anzukommen. Zweimal eine Lehre abgebrochen, immer einen kleinen, ebenso schmalen Freund an der Hand und meist eine Zigarette im Mund. Etwas Unstetes ist um sie herum, etwas, das ich nicht genau definieren kann. Gelegentlich kommt sie mit Klagen, für die ich keine organische Erklärung finde, die aber irgendwie zu ihr passen. Sie hat ihre Mutter mit elf Jahren verloren und das hat sie tief verunsichert. Sie hat sich durchgebissen, redet kaum darüber. Um sie herum sind keineswegs schlechte, aber ziemlich hilflose Menschen. Sie merkt, dass ich mich aus der Ferne um sie kümmere. Sie weiss, dass sie immer vorbei kommen kann. Das ist alles. FRISCHER WIND IN DER SPRECHSTUNDE Eine ganz andere Figur ist Johann. Ein junger Mann, der wie ein Segelflieger in der Thermik mühelos emporsteigt. Nach dem Studium bereits mit fester Stelle und schon weitere Angebote in Sicht. Es ist eigentlich idiotisch, aber ich bin stolz auf ihn aus dem einfachen

Grund, weil ich ihn seit dem Kleinkindesalter kenne und ihn und seine Eltern, überhaupt seine Familie, sehr schätze. Ich bin neugierig, wohin er es noch schafft. Ach, diese jungen Söhne, auf die ich alle kein Anrecht habe, bereiten mir Freude. Sie bringen frischen Wind in die Sprechstunde und bilden ein Gegengewicht zu den Katastrophenmeldungen aus der ganze Welt und den mürrischen, depressiven, anspruchsvollen Kranken (die halt auch dazu gehören). Es rührt mich natürlich, dass Johann aus einer andern Stadt zu seinem alten Hausarzt reist, weil er hier nicht viel erklären muss. MEIN «ROLLING STONE» Da ist aber auch der kleine Mick Jagger, den ich insgeheim Rolling Stone nenne. Seit Jahren am Rande der Drogenszene. Jeder Absturz haut ihm und mir wieder eine auf den Deckel – und doch, ich gebe ihn nicht auf. Ich glaube an ihn und sage ihm das auch immer wieder, denn irgendwo hat er einen guten Kern, den man allerdings rausbaggern muss. Jetzt will er endlich in ein längeres Entzugsprogramm einsteigen. Rolling Stone muss einfach aus dem Kaff weg und Distanz gewinnen zu seinen lausigen Kollegen. Man darf mir meinen Kummer nicht übel nehmen. Ich kenne ihn als Teil der dörflichen Sippe seit dem Säuglingsalter. Habe ihn wie andere gemessen, gewogen, geimpft und die Mutter getröstet. Die ganze Hoffnung ruht doch auf den Kindern, und ich kann mich da nicht raushalten. Ich leide immer etwas mit, wenn es in # 02 ~ 2017


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Kinderlieder zum Mitsingen, Beruhigen, Wiederentdecken, Einschlafen ... Rahel Sohn Achermann, Klavier

EDY RIESEN, 67, ist als Hausarzt in Ziefen BL tätig. Er führt seine Praxis mit seinem Schwiegersohn und ist mehrfacher Grossvater.

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Rahel Sohn

1 Gian Andrea 1 Gian Andrea 2 Carla 2 Carla 3 Ich ghöre 12 Schlafe , mein es Glöggli3 4 Schlof, 13 Die Blümel Prinzch 12enSchlafe Chindli, schlof Ich ghöre es Glöggli , mein ein, sie schlafen 4 Schlof, 5 Nie müed 13 Die Blümel Prinzchen Chindli, schlof 14 Bajuschki baju 5 Nie müed 6 Ein Stimm’ 15 Dorma 14 Bajusch ein, sie schlafen bain ki baju beginnt 6am 7 Ade zur 16 Am Himme 15 Dorma Ein Stimm’ sachtbeginnt guten Nacht Abend bain l stoht es16 am 17 Stärnem 7 Ade zur 8 Au clair Sternli Am Himme sacht uet guten Nacht Abend de la lune 8 Au clair 9 Guten Abend, 18 Tutta 17 Stärnem l stoht es Sternli de la lune nanna tgu uet 9 Guten Abend, 10 Guter Mond gut’ Nacht 19 Dormi, 18 Tutta nanna dormi, bel bambin tgu 10 Guter Mond gut’ Nacht 20 Der 11 Weisst 19 Dormi, Mond du, wieviel dormi, bel bambin Sternle 11 Weisst 21 Wiegen ist aufgega 20ngen in stehen Der Mond ist du, wieviel lied aufgegangen Sternle22 21 Wiegen in stehen La Le Lu lied 22 La Le Lu

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dorma bain

Ich weiss, ich habe überhaupt kein Anrecht auf diese andern Kinder. Die Eltern investieren einen guten Teil ihres Lebens, die Lehrer und die Lehrmeister viele hundert Stunden. Daneben engagieren sich Betreuer und Trainerinnen bei Pfadi, Sportvereinen, in den Kirchen, in der Musik. Auch wenn andere viel mehr leisten, bleibst du als Arzt oder Ärztin doch eine Vertrauensperson der speziellen Art, eine Ankerboje, wenn der Sturm draussen los geht, manchmal einfach ein Berater für Dinge, wo andere nicht im Bild sind. Es ist eines der vielen Privilegien des Berufes und des Älterwerdens: die kleineren und grösseren Kapitel aus den Lebensgeschichten erfahren zu dürfen. Man kann dabei Sentimentalität nicht immer vermeiden und man soll sich nicht dafür entschuldigen. Schliesslich kommt mit jedem jungen Menschen ein Teilchen der eigenen Geschichte in der einen oder anderen Form zurück mit all den positiven und negativen Empfindungen. Und nebenbei ist die Gewissheit der Endlichkeit des eigenen Lebens leichter zu ertragen, wenn man immer wieder den jungen Frauen und Männern als Sinnbild für die Zukunft gegenüber sitzen darf. Es wird eines Tages weiter gehen auch jenseits des eigenen Lebenshorizontese. •

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DER HAUSARZT ALS ANKERBOJE

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der Schule schlecht geht oder die Krisen der Pubertät die Adoleszenten durchschütteln.

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Von MAREN TROMM (Text) und MARIE-ANNE SPROSS (Illustration)

BRAUNWALD 2 1

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~ Service ~ UNTERWEGS

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Das autofreie Braunwald im Kanton Glarus bietet Gross und Klein Ruhe, Sonne, Schnee, märchenhafte Erlebnisse, ein besonderes Café und einen frisch renovierten Architekturklassiker der Moderne. WAS WIE WO 1

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WINTERSPORT Das Gebiet ist überschaubar und bietet 32 Pistenkilometer, neun Transportanlagen, ein Kinderland mit gratis Übungslift, einen Snowpark und eine Cross-Piste für Snowboarder und Skifahrer.

SPAZIERGANG INS NUSSBÜEL Wer einen einstündigen märchenhaften Spaziergang machen möchte, läuft am besten vom Dorf ins Nussbüel. Dort kann man in einer heimeligen Gast-

Dazu kommt ein Natureisfeld, 25 Kilometer Winterwanderwege, zum Teil mit lustigen Hydrantenzwergen, sowie die Schneesportschule mit Ski-Kindergarten. Tel. 079 215 21 25

stube mit Terrasse einkehren. Unbedingt ein Stück Gugelhopf kosten. Der Weg kann auch mit der Kutsche zurückgelegt werden.

www.braunwald.ch

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SCHLITTELWEG NACH SCHWETTIBERG-DORF Der gemütliche 3 Kilometer lange Schlittelweg von Grotzenbüel nach Schwettiberg-Dorf ist gerade mit kleineren Kindern empfehlenswert. Einziger Wermutstropfen: Auf dem Weg befinden sich auch Fussgänger sowie lokale Taxis und Pferdekutschen. Wer schneller unterwegs sein möchte, wählt die reine Sportschlittelbahn von Grotzenbüel über Grosssyten nach Hüttenberg zur Mittelstation. Schlittelverleih an der Bergstation Grotzenbüel für 10 Franken pro Tag möglich. www.braunwald.ch

www.braunwald.ch

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HOF HÜTTENBERG Der Hof Hüttenberg bietet Begegnung zwischen Mensch, Tier und der Natur an. Eine eigene Alp gehört ebenfalls dazu. Angebote auf dem Hof: geführtes oder privates Ponyreiten, Ziegenspaziergänge oder Mithilfe bei der morgendlichen oder abendlichen Stallarbeit (Mindestalter der Kinder 3 Jahre, Dauer circa 2 Stunden, Spende). www.hofhuettenberg.ch

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KINDERLAND BÖDELI Auf dem Hüttenberg, beim Hotel Cristal, befindet sich für Kinder, die in der Skischule angemeldet sind, der Skischulplatz Bödeli. Der Zauberteppich sowie diverse Übungselemente

beschäftigen die Kinder. Erwachsene geniessen derweil auf der Terrasse des Hotels Cristal oder des Restaurants Uhu die Sonne. Zu Fuss oder via Gondelbahn Niederschlacht erreichbar.

entspannen oder lassen bei einer Massage die Seele baumeln. Übrigens: Das Märchenhotel bietet Kindern und Erwachsenen auch sonst so einiges. www.maerchenhotel.ch

www.braunwald.ch

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CAFÉ BSINTI Das Bsinti ist ein Lese- und Kulturcafé mit Terrasse mitten im Dorf. Es ist täglich geöffnet, hat eine kleine, feine Bibliothek, eine Buchhandlung, eine ausgewählte Zeitschriften- und Zeitungsauslage sowie eine liebevolle Kinderecke. Spezialitäten: Schokoladenkuchen und Braunwalder Buurähof-Glace. www.bsinti.ch

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ERLEBNISBAD IM MÄRCHENHOTEL Im Erlebnisbad kommen alle auf ihre Kosten: Die Kleinsten planschen im 34 Grad warmen Baby- und Kinderbecken oder staunen über den Zwerg-Bartli-Springbrunnen. Die grösseren Kinder flitzen die 20 Meter lange Wasserrutschbahn hinunter oder wagen den Tarzan-Kletterparcour. Die Erwachsenen können zwischen den Massagedüsen des Aussenpools

# 02 ~ 2017

KUTSCHENFAHRTEN Eine Kutschenfahrt im autofreien Braunwald ist ein Erlebnis. Möglich sind 30-minütige Minifahrten, klassische Dorfrundfahrten, eine Fahrt nach Nussbüel oder individuelle Angebote. Tel. 079 631 40 88 www.schuler-transporte.ch www.schumacher-transporte.ch

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ORTSTOCKHAUS Das 1931 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Ortstockhaus wurde letztes Jahr sanft renoviert. Nun empfängt der halbrunde Bau, der als einer der wichtigsten Zeugen der Moderne im Kanton Glarus gilt, wieder Gäste – zu Kaffee und Kuchen, zum Essen und zum Übernachten. Tolles Ambiente mit HorgenGlarus-Möbeln und rotweiss-karierter Bettwäsche in den Zimmern. www.ortstockhaus.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

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den Wintersport, und natürlich werden wir auch über die verschiedenen Bräuche im Lötschental unterrichtet – so auch spielerisch beim übergrossen Memory. Übrigens: Einer der bekanntesten Bräuche des Lötschentals ist die «Tschäggättä». Während der Fasnachtszeit ziehen die sogenannten Tschäggättä jeden Abend mit Ziegen- und Schaffellen über den Schultern, einer Trichla um den Bauch und einer fratzenhaften Arvenholzmaske durch die Dörfer des Lötschentals und jagen allen einen gehörigen Schrecken ein. Die diesjährige Tschäggättä dauert vom 2. bis 9. Februar.

START/ZIEL Lauchernalp

CHARAKTERISTIK Einfache Winterwanderung auf dem Wintererlebnisweg Lauchernalp.

Winterwandern im Lötschental Der Wintererlebnisweg auf der Lauchernalp bringt wandernden Familien mit zwölf interaktiven Stationen den Winter näher.

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Mit der BLS ab Bern oder Brig nach Goppenstein, weiter mit dem Postauto nach Wiler.

ZEIT Eineinhalb Stunden.

ROUTE Von Wiler (1419 m) mit der Luftseilbahn zur Bergstation Lauchernalp (1968 m). Hier immer den Wegweisern Wintererlebnisweg folgen. Der Weg führt hinüber zur Hockenalp (2048 m) mit Kapelle und hinauf nach Stafel (2100 m). Von hier Abstieg zur Bergstation Lauchernalp. Zwölf Infotafeln erzählen spannende Winterthemen.

EINKEHREN

Von JOCHEN IHLE (Text und Foto) eder kennt wahrscheinlich das Märchen um Frau Holle, welche uns, wenn sie ihr Federkissen schüttelt, Schnee beschert. «Macht Frau Holle nun den Schnee?» Mit solch spielerischen Fragen wartet der Wintererlebnisweg auf der Lauchernalp auf. Zwölf Stationen vermitteln Spannendes zum Thema Winter. So erfahren wir bei der Station «Winterzeit im Lötschental», wie man früher im Winter gelebt hat, dass man sich an langen Winterabenden Sagen, «Zellätä» (Erzählungen) oder «Bozungschichtä» (Geistergeschichten) erzählte. Und bei der Station «Das Wunder Schnee» erklärt die Begleitfigur Goori, warum der Schnee eigentlich weiss ist. Durch ein Kaleidoskop

AN-/RÜCKREISE

an der Erlebnisstation können wir dann selber die unterschiedlichen Formen von Schneekristallen entdecken. Der Wintererlebnisweg ist etwa 5 Kilometer lang und in eineinhalb Stunden auch mit kleineren Kindern gut zu bewältigen. Diese haben an den weiteren Stationen ihre Freude. Wir erfahren, welche Tiere im Lötschental heimisch sind und wo sie überwintern, wir ordnen Tierspuren im Schnee den entsprechenden Tieren auf den Klapptafeln zu, und wir erraten durch das Betasten von unterschiedlichen Fellen in Fühlboxen die gesuchten Tiere. Der Weg führt dann hinauf zur Kapelle (Foto) auf der Hockenalp. Die Themen bleiben spannend: Da geht es ums Klima, um # 02 ~ 2017

Lauchernalp: Alpenhotel zur Wildi, Berghaus Lauchernalp, Panoramarestaurant Zudili, Restaurant Bärgsunna; Hotels und Restaurants in Wiler.

TIPPS Viele weitere Winterwanderwege. Es gibt auch ein Kombiangebot Schlittenmiete und Tageskarte für die Luftseilbahn Wiler- Lauchernalp.

INFOS Lötschental Tourismus, 027 938 88 88, www.loetschental.ch

Weitere Wandertipps finden Sie im Wandermagazin SCHWEIZ. Bestellen Sie ein kostenloses Exemplar mit dem Stichwort «Grosseltern», Tel. 032 626 40 30, E-Mail: wandermagazin@rothus.ch oder www.wandermagazin.ch


~ Service ~ UNTERWEGS

63 ~ Agenda ~

DATEN UND TERMINE ZUM MERKEN 28.1. bis 19.2.17 – Basel

FASNACHTSBÄNDELI 2017 «BUESS BRIEDER»

~ Kinderkonzert ~

«HALLO! SEIT D’CHATZ» Seit 1992 schreibt der ehemalige Kindergärtner und Musiklehrer Christian Schenker Lieder für Kinder, seit 2002 tourt er zusammen mit seiner Band «Grüüveli Tüüfeli» durch die Schweiz. Die neueste CD heisst «Hallo! seit d'Chatz» und vereint traditionelle und moderne Kinderlieder. ~MB Mittwoch, 22. Februar 2017, 15 bis 16.30 Uhr. Eintritt 15 Fr., Kinder bis 16 Jahre 10 Fr. Türöffnung ab 14.30 Uhr. Gemeindesaal Buchs. www.buchsbaum.ch

«Fasnachtsbändeli» ist die Vorfasnachtsveranstaltung des Theater Arlecchino. Eine spannende und lustige Geschichte von Schaggi und Edi Buess. Mit Fasnachtsmusig und Schnitzelbängg. Ab 4 Jahren. (Oobe-Version für Erwachsene.) 20 Fr., Kinder 15 Fr. Freitag, Samstag und Sonntag. Theater Arlecchino.

www.theater-arlecchino.ch 29.1. bis 8.2.17 – Zürich

DER JOSA MIT DER ZAUBERFIEDEL Eine abenteuerliche Reise mit Live-Musik, Schauspiel, Puppen und Objekten nach dem Original von Janosch. Ab 6 Jahren. 60 Minuten, Mundart und Hochdeutsch. 30 Fr., Kinder 10 Fr. Junges Schauspielhaus Zürich. Schiffbau/ Matchbox

www.kleintheater.ch 1.2.17 – Visp

~ Marionettentheater ~

EINE BESONDERE BÜHNE IM BERNER OBERLAND Das höchstgelegene Marionettentheater der Schweiz findet man in Wengen. Seit 2001 führt dort ein innovatives Team die Freie Marionettenbühne und zeigt während der Skisaison jeden Mittwoch um 17 Uhr ein Märchen. Die Stücke sind originell erzählt, und man merkt den Spielerinnen und Spielern die Freude an ihrer Arbeit an – der Funke springt jeweils sofort auf das Publikum über. Dieses Jahr zeigt die Marionettenbühne Wengen «Schneewittchen und die sieben Zwerge». Es lohnt sich, die Tickets bei der Tourist-Info zu reservieren oder dort im Voraus zu kaufen. ~GG «Schneewittchen und die sieben Zwerge», Marionettenbühne Wengen, 1.,8.,15.,22. Februar sowie 1.,8. und 15. März 2017, jeweils um 17 Uhr. Erwachsene 20 Fr., Kinder 15 Fr. Tickets/Reservation: Tourist-Info Wengen, Tel. 033 856 85 85. www.wengen-marionetten.com

DER KLEINE PRINZ – DAS MUSICAL «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry in der Musicalversion von D. Sasson und J. Sautter. Ab 3 Jahren. Preise je nach Kategorie 40-50 Fr. Theater La Poste.

www.lapostevisp.ch 1.2. bis 19.3.17 – Zürich

MARY POPPINS Das preisgekrönte Musical feiert Premiere in der Schweiz. Die englischsprachige Inszenierung verwandelt das Theater 11 Zürich während sieben Wochen in eine zauberhafte Welt. Jeweils Dienstag bis Sonntag, 58 bis 148 Fr.

www.musical.ch/marypoppins 5.2.17 – Uster

LIRUM, LARUM, LÖFFELSTIEL

5.2.17 – Zürich

KLIMA Experten-Führung durch die Ausstellung «Wetter, Sonne, Blitz und Wolkenbruch» mit Stephan Bader, Klimatologe, 14 – 15 Uhr. Aussttellung vom 12.1. - 21.5.17. Landesmuseum Zürich

www.nationalmuseum.ch 5. bis 9.2.17 – Winterthur

MONSTRÖS Das Puppentheater Gustavs Schwestern zeigt sein neues Stück. Es heisst «Der Tag, an dem Louis gefressen wurde. Ein monströses Abenteuer für alle ab 5 Jahren» und ist monstermässig lustig.

www.gustavsschwestern.ch 12.2.17 – Luzern

DICKHÄUTER Das Theater Fallalpha thematisiert in seinem neusten Theaterstreich für Kinder Situationen, in denen man eine dicke Haut haben muss, und fragt: Was brauchen Kinder, um sich selbst zu akzeptieren? Wie können sie eigenwillig aufwachsen, ohne sich dem Diktat der Normen unterwerfen zu müssen? 11 Uhr. Ab 6 Jahren. 20 Fr., Kinder 10 Fr. Kleintheater Luzern.

www.kleintheater.ch 12.2.17 – Weinfelden

DAS HÄSSLICHE ENTLEIN Frei nach Hans Chrisian Andersens Märchen. Keck und komödiantisch spielen, singen und tanzen die Schauspieler mit dem hässlichen Entlein durch die Jahreszeiten. Ab 5 Jahren. Ab 16.15 Uhr Kasse, Bar und spielerisches Einstimmen auf das Stück. Nach der Vorstellung: Hot Dog-Schmauserei im Theaterhaus Thurgau.

www.bilitz.ch

In guten Restaurants ist der Gast König. In dieser Geschichte aber wird der König selbst zum Gast und kehrt im Gasthaus zum Goldenen Besen ein. 11 Uhr. Eintritt: 16 Fr., Kinder 9 Fr. Figurentheater PhiloThea, Turnhalle der Schulanlage Pünt.

12.2.17 – Zürich

www.kufki.ch

www.stall6.ch

# 02 ~ 2017

OHREN AUF! KINDERKONZERTE «Zéphyr Combo»spielt tanzbare Chansons voller Energie, Poesie und Humor. Türöffnung 14 Uhr, Konzertbeginn 15 Uhr. Ab 12 Jahren: 20 Fr., unter 12 Jahren 10 Fr.


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AB IN DEN STALL Spielzeugpferde finden in diesem einfach zu bastelnden Stall aus Karton eine gemütliche Heimat. Von MARIE-ANNE SPROSS (Text & Zeichnungen) und MADELAINE AMMANN (Foto)

# 02 ~ 2017


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Unvergessliche Bastelmomente


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Während der Schwangerschaft ihrer Tochter Sheena häkelte Rosanna Hauri 18 Paar Finken.

MARKENFINKLI Rosanna Hauri hat ihren ersten Enkel mit ganz besonderen Babyfinken willkommen geheissen. Von GEORG GINDELY (Text) und URSULA MARKUS (Fotos)

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ls Rosanna Hauri erfuhr, dass sie Grossmutter werden würde, begann sie, Babyfinken zu häkeln – und zwar nicht einfach irgendwelche. Ihre Finkli sind bekannten Schuhen nachempfunden, zum Beispiel den Converse-Turnschuhen oder den Uggs-Stiefeln. Dabei hielt sich Rosanna nicht an Häkelvorlagen, sondern probierte einfach einmal aus. «Wenn es nicht funktionierte, machte ich die Maschen wieder auf und versuchte es von Neuem.» Um die 18 Paar, darunter auch ganz eigene Kreationen mit Totenkopf, kamen so zusammen, bevor ihr Enkel Lenny auf die Welt kam. Ihre Schwester, die Fotografin Ursula Markus, hat Rosannas Finken im Bild festgehalten. «Es hat mich fasziniert, mit wie viel Freude meine Schwester ihren Enkel erwartete», sagt Ursula Markus.

Rosanna, 57, hatte nie Mühe mit ihrer neuen Rolle als Omi. «Als ich hörte, dass meine Tochter Sheena schwanger war, freute ich mich wahnsinnig», erinnert sie sich. Und als sie ihren Enkel nach der Geburt zum ersten Mal sah, verliebte sie sich sofort in ihn. Sie will auch in Zukunft für ihn häkeln, aber nicht nur. Rosanna ist in vielen Belangen ein kreativer Mensch: Sie bastelt, ist mit Leidenschaft in ihrem Garten tätig und gerne an der frischen Luft. «Ich freue mich schon darauf, mit Lenny draussen etwas zu unternehmen.» Rosanna liebt das Leben und seine Buntheit. Ihre Arme schmücken Tätowierungen. «Ich habe damit begonnen, als es noch gar nicht Mode war», sagt sie. «Und immer, wenn ich finde, dass es ein neues Tattoo braucht, dann lasse ich mir eines # 02 ~ 2017

stechen.» Hat sie nicht Angst, dass ihr die Tätowierungen verleiden oder dass sie mit der Zeit an Wirkung verlieren? «Im Gegenteil», sagt Rosanna: Sie werde im Alter nicht grau, sondern farbig sein – «und das gefällt mir.» Übrigens: Wer ebenfalls Markenschuhe nachhäkeln möchte, findet auf Youtube gute Vorlagen. Am besten gibt man «Babyschuhe häkeln» ein. Ausserdem gibt es neuerdings sogar ein Buch mit Anleitungen für hippe Babyfinken: Es heisst Babyschühchen-Tick (Lucia Förthmann, Edition Michael Fischer, 64 Seiten, 17.90 Franken). Eine Anleitung für einen einfachen gehäkelten Babystiefel finden Sie auf der Seite nebenan. Wir haben sie auf www.crochet.de/schuhe gefunden. Dort finden Sie auch eine Anleitung zum Häkeln von Converse-Finkli. •


~ Service ~ BABY

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BABY-WINTERSTIEFEL MATERIAL, WERKZEUG • Wolle • Häkelnadel 4 mm • Wollnadel • Schere

ARBEITSABLAUF Zuerst 10 Luftmaschen 1. 1 Feste Masche in 2. Luftmasche von der Nadel aus, 7 feste Maschen, 5 feste Maschen in die letzte Masche der Kette, 7 feste Maschen, 2 feste Maschen in die letzte Masche, Kettmasche in die 1. Masche vom Anfang 2. 2 Luftmaschen, 8 halbe Stäbchen, je 2 halbe Stäbchen in die nächsten 5 Maschen, 7 halbe Stäbchen, je 2 halbe Stäbchen in die letzten 2 Maschen, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang 3. 2 Luftmaschen, 13 halbe Stäbchen, je 2 halbe Stäbchen in die nächsten 3 Maschen, 12 halbe Stäbchen, je 2 halbe Stäbchen in die letzten 2 Maschen, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang 4. 1 Luftmasche, je 1 halbes Stäbchen in den hinteren Teil jeder Masche, Kettmasche in die Luftmasche vom Anfang (36 Maschen) 5. 2 Luftmaschen, je 1 halbes Stäbchen in jede Masche,

Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang (36 Maschen) 6. 2 Luftmaschen, 10 halbe Stäbchen, 6x2 Stäbchen miteinander abmaschen, 13 halbe Stäbchen, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang (30 Maschen) 7. 2 Luftmaschen, 9 halbe Stäbchen, 4x2 Stäbchen miteinander abmaschen, 12 halbe Stäbchen, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang (26 Maschen) 8. 1 Luftmasche, 10 feste Maschen, 2x2 feste Maschen miteinander abmaschen, 11 feste Maschen, Kettmasche in die Luftmasche vom Anfang (24 Maschen) 9. 2 Luftmaschen, je 1 halbes Stäbchen in jede Masche, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang 10. 2 Luftmaschen, je 1 halbes Stäbchen in jede Masche, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang 11. 2 Luftmaschen, je 1 halbes Stäbchen in jede Masche, Kettmasche in die 2. Luftmasche vom Anfang 12. 1 Luftmasche, je 1 feste Masche in jede Masche, Kettmasche in die Luftmasche vom Anfang Faden sichern und abschneiden. Von Franzi Büchner/crochet.de

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Sa. 11. März 2017

Fitnesscheck 2017

Zeit

zwischen 9 und 17 Uhr

Ort

Alte Turnhalle der Neuen Kantonsschule Aarau 5000 Aarau

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldeschluss: 20. Februar 2017

Wie fit sind Sie? - Machen Sie mit uns den Test! Anhand verschiedener alltagsnaher Tests zu Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit testen wir Ihren Formstand. Im anschliessenden persönlichen Gespräch erhalten Sie eine Rückmeldung zu Ihren erzielten Ergebnissen sowie allgemeine Tipps, wie Sie Ihre Defizite am besten wettmachen können. # 02 ~ 2017

Anmeldung und Informationen: Pro Senectute Aargau 062 837 50 70 oder info@ag.prosenectute.ch


~ Service ~ REZEPT

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ZUTATEN (FÜR 4 PERSONEN) 8

Chicorée

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Gemüsebouillonwürfel

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CHICORÉE MIT SCHINKEN Von MARKUS FUETER (Text und Foto)

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rüher reisten wir jeweils in den Sportferien mit den Grosseltern mütterlicherseits ins Berner Oberland. Für uns Kinder war dies immer ein grosses Ereignis. Bereits die Reise mit den Grosseltern im Auto genossen wir. Und unsere Eltern hatten für kurze Zeit etwas Ruhe von uns Rabauken. Auf dem Weg ins Oberland haben mein Bruder, Grossmama und ich auf der Autobahn um die Wette geraten, welche Farbe wohl das Auto hat, das uns als nächstes überholt. Grossvater war schon damals der Überzeugung, dass man zum Schutz der Berge nicht schneller als 100 fahren dürfe. Da nahezu alle anderen Autofahrer diese Überzeugung nicht teilten, wurde unser Spiel nie langweilig. Beim Chalet angekommen, mussten wir als Erstes den Eingang vom vielen Schnee

freischaufeln. Danach luden wir die Skier, Schlitten und das Gepäck aus und richteten uns für die Ferien ein. Grossvater kümmerte sich um die Wärme im Haus, und Grossmutter kochte jedes Jahr das gleiche Willkommensgericht, Chicorée mit Schinken an einer weissen Sauce mit Käse überbacken und Salzkartoffeln dazu. Keines von uns Kindern mochte den rohen Brüsseler Salat. Er war bitter und für uns ungeniessbar. Gekocht, mit Schinken umwickelt, an einer feinen Sauce und mit Käse überbacken, sah alles ganz anders aus. Wir liebten Chicorée mit Schinken.

Tranchen Hinterschinken Mehl für die Roux

1 dl Saucenrahm 50 g geriebener Parmesan oder Gruyère 100 g Butter festkochende Kartoffeln als Beilage

ZUBEREITUNG Chicorée im Dampfkochtopf gar kochen, abkühlen lassen, den Strunk kegelförmig herausschneiden. Die Staude der Länge nach halbieren und mit Schinken umwickeln. Das Blanchierwasser (+/- 3 dl) aus dem Dampfkochtopf mit dem Bouillonwürfel aufkochen. 50 Gramm Butter mit dem Mehl zu einer Masse (Roux) kneten, unter die kochende Bouillon rühren und zu einer Sauce eindicken lassen. Wenn nötig die Sauce durch ein Sieb passieren. Mit dem Rahm, Salz, Pfeffer und etwas Muskat die Sauce verfeinern. Chicorée in eine Gratinform legen, Sauce darüber giessen, mit dem Reibkäse bestreuen und die restliche Butter (Butterflocken) darüber träufeln. Im Ofen solange gratinieren, bis die Oberfläche goldbraun erscheint (+/- 20 Minuten). Währenddessen die Kartoffeln im Dampfkochtopf garkochen. • «En Guete»!

Markus Fueter ist gelernter Koch und kocht mit seinen Liebsten für seine Liebsten. Die hier von ihm vorgestellten Rezepte haben seine Grossmutter und seine Mutter an ihn weitergegeben. # 02 ~ 2017


~ Service ~ APPS

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Vorher

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BESTENS ORGANISIERT Die App Wunderlist hilft Millionen von Menschen weltweit, ihre Ideen, Aufgaben und Ziele zu organisieren. Egal, ob man eine Einkaufsliste erstellen, an einem Projekt arbeitet oder einen gemeinsamen Ausflug plant, mit Wunderlist kann man ganz einfach diverse Listen anlegen und diese mit anderen teilen. Zudem gibt es viele nützliche Funktionen wie Favoriten und Sortierfunktionen, Speicherung bereits erfasster Artikel oder Aufgaben für schnelle Wiederholungseingaben, intuitive Bedienbarkeit wie den Fingerwisch, mit dem man innerhalb der Listen sortieren oder abhaken kann. Erledigt ein Nutzer etwas von einer Liste, synchronisiert die App automatisch bei allen Nutzern die Einträge, egal ob auf dem Telefon, Tablet oder Computer. Auf Wunderlist kann man jederzeit und an jedem Ort mit Internet-Zugang zugreifen. ~MT «Wunderlist», für iOS und Android, Nutzung nur mit Registrierung. Gratisversion für Privatnutzung ausreichend.

Nachher

~ Tipps von Swisscom Academy ~

KUNSTVOLLE FOTOBEARBEITUNG MIT PRISMA Die Fotobearbeitung auf dem Smartphone liegt im Trend. Die perfekte App dazu zu finden, ist hingegen kein Kinderspiel: Einfach und schnell soll sie sein und Bilder in regelrechte Kunstwerke verwandeln. Mit dem App-Tipp «Prisma Foto Editor and Art Filter» von Swisscom Academy werden sogar misslungene Schnappschüsse und unscharfe Fotos zu schönen Erinnerungen. Mehr als 30 Filter im Stil von weltberühmten Ornamenten, Mustern und Künstlern wie Picasso, Mondrian und Lichtenstein verwandeln Ihr Foto in weniger als einer Minute in ein einzigartiges Meisterstück. Die Bedienung der App ist intuitiv und funktioniert in wenigen Schritten: 1. Öffnen Sie die App, gehen Sie in Ihre Fotogalerie und nehmen Sie direkt ein Foto auf. Wählen Sie das gewünschte Foto durch Tippen aus.

~ Zoom ~

2. Entscheiden Sie sich für einen Filter. Alle Filter finden Sie durch Wischbewegungen auf Ihrem Display.

FAMILIENTREFFEN ONLINE Zoom eignet sich hervorragend für Online-Familientreffen. Mit der App treffen sich mehrere Personen in einem virtuellen kostenlosen Raum. Sie können sich alle sehen und nach Lust und Laune Bilder oder Unterlagen gemeinsam anschauen. Die Teilnehmer benötigen kein Konto, sondern nehmen über eine Einladung teil. Einzig eine Webcam (Handy, Tablet oder Desktop) brauchen alle Nutzer, und zum Einstieg wären für den Ausrichter der Treffen Englischkenntnisse von Vorteil, da die Bedienung der App englischsprachig ist. Zum Einstieg in die App gibt es ein gutes Benutzer-Tutorial auf Youtube. ~MT «Zoom», für Android und iOS. Gratis, werbefrei. # 02 ~ 2017

3. Speichern Sie das Bild ab oder verschicken Sie es direkt über WhatsApp. Fertig! Wollen Sie noch mehr über Fotobearbeitung auf dem Smartphone erfahren und weitere tolle Foto-Apps entdecken? Besuchen Sie den neuen Kurs von Swisscom Academy. Anmeldung und weitere Infos unter www.swisscom.ch/kursangebot oder 0800 33 55 77.

Ein Artikel in Zusammenarbeit mit


~ Service ~ SPIELEN

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~ Aus alter Zeit ~

Chnöpf schnappe

~ Reaktionsspiel ~

DOMPTEURE VON EKLIGEN TIEREN von PETER GRAF (Text) und PAULA TROXLER (Illustration)

Assel Schlamassel ist ein

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hnöpf schnappe ist ein aus dem Wallis bekanntes Spiel, das viel Kraft und Geschicklichkeit erfordert und ganz nebenbei die Bauchmuskulatur trainiert. Dazu benötigt werden drei Personen, eine Bank ohne Rücklehne und einige Knöpfe. Einer der Mitspieler setzt sich auf das hintere Ende der Bank, damit diese nicht umkippt, die anderen beiden nehmen vorne Platz. Derjenige, der als erster nach

den Knöpfen schnappt, kniet sich auf die Bank, sein Oberkörper ist aufgerichtet. Nun setzt sich sein Mitspieler behutsam auf die Unterschenkel und hält ihn fest. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, beugt sich der Spieler nach vorne und versucht, die Knöpfe, die vor der Bank am Boden liegen, mit dem Mund aufzuschnappen. Gewonnen hat derjenige, dem es am schnellsten gelingt, alle Knöpfe ohne Mithilfe der Arme aufzulesen. •

Aus: «Tumme, Böckli, Stigeligumpe: 50 Schweizer Spiele aus alter Zeit», Applaus Verlag, 144 Seiten, 48 Franken.

# 02 ~ 2017

tolles Reaktionsspiel, das wach macht und Kinder und Erwachsene herausfordert. Je nach Schwierigkeitsgrad legt man bis zu fünf Karten von ekligen Tieren (Asseln, Spinnen, Schnecken, Fliegen und Ratten) in die Tischmitte, links daneben einen Nachziehstapel. Einer der Spieler, der Dompteur, zieht eine Karte, auf der eine bestimmte Anzahl Tiere von einer der fünf Arten zu sehen ist. Nun teilt er seinen Mitspielern mit Klopfen und Klatschen mit, welches Tier er in der Hand hält und wie viele davon. Wer das zuerst richtig erkennt, bekommt die Karte und damit den Punkt. Wer danebenliegt, muss dem Dompteur eine seiner Karten (und somit einen Punkt) geben. ~MT «Assel Schlamassel», Drei Magier Verlag, für 3 bis 6 Spieler ab 4 Jahren, Spieldauer 15 Minuten, 12.90 Franken.


~ Service ~ SPIELEN

Purzelschneemann Der Schneemann muss nicht immer stehen, er kann auch durch den Garten purzeln. Das sieht lustig aus und ist erst noch einfacher zu bauen als ein normaler Schneemann. von MELANIE BORTER (Text und Fotos)

K

aum fa llen die ersten Schneef locken, kommt auch schon das Verlangen auf: Lass uns einen Schneemann bauen! Ist der Schnee richtig feucht, geht das Kugelrollen sehr schnell. Natürlich kann man dann die Kugeln ordenlich aufeinanderstapeln, wie es sich für einen anständigen Schneemann gehört. Dann ist allerdings der Kopf meist so hoch oben, dass die Verzierung des Gesichtes für die Kinder schwierig wird. Viel besser geht das, wenn man einen Purzelschneemann baut: Man legt die Kopf-Kugel

einfach auf den Boden, die Körperkugel gleich daneben, und erst die dritte Kugel – sie darf nicht allzu gross sein – stapelt man darauf. So sieht es aus, als purzle der Schneemann durch den Garten. Jetzt können die Kinder Stöcke für die Arme einstecken, mit ein paar Nüssen oder Steinchen Augen und Mund zeichnen und schliesslich das Rüebli als Nase einstecken. Noch Mütze und Handschuhe aufsetzen, und fertig ist der Purzelschneemann. Jetzt können die Kinder ebenso durch den Garten purzeln, bis sie selbst aussehen wie Schneemänner. •

Haben Sie auch eine originelle Spielidee? Schreiben Sie uns, am liebsten mit Foto, an redaktion@grosseltern-magazin.ch oder Grosseltern-Magazin, Kronengasse 4, 5400 Baden. # 02 ~ 2017

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~ Service ~ BUCHTIPPS

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Geschichte einer Unerschrockenen Fransika Greising erzählt in ihrem Roman «Am Leben» von der Glarnerin Rösli Näf und ihren Schützlingen, 100 jüdischen Kindern in einem Heim in Frankreich. Von HANS ABPLANALP (Text)

I

m Jahr 1940 reisen 100 jüdische Kinder von Belgien in die unbesetzte Zone Südfrankreichs. Ursprünglich aus Deutschland und Österreich stammend, sind sie von ihren jüdischen Eltern in Kinderheime nach Belgien gebracht worden, um sie retten zu können. Nun müssen diese Kinder mit ihren Helferinnen vor der einmarschierenden Wehrmacht fliehen. Sie leben die meiste Zeit im heruntergekommenen Landschloss La Hille, südlich von Toulouse. Ab Mai 1941 leitet die dreissigjährige Glarnerin Rösli Näf dieses Kinderheim, nachdem sie bei Dr. Albert Schweitzer in Lambarene als Krankenschwester gearbeitet hat. Finanziell unterstützt wird das Heim – wie weitere acht in Frankreich – durch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder, bald danach durch die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes. Nachdem die Nazis auch Südfrankreich besetzt haben, verschlimmert sich die Lage in La Hille drastisch. GERECHTE UNTER DEN VÖLKERN Als Rösli Näf, genannt Rose, die Leitung des Kinderheims übernimmt, ist sie nicht unbedingt willkommen, vor allem nicht bei den bisherigen Verantwortlichen. Mit ihrer schweizerischen Gründlich- und

Sachlichkeit kommt sie vorerst auch bei den Kindern und Jugendlichen nicht an. Der Roman zeigt, wie ihr Engagement und ihre zunehmende Zuneigung für diese jungen Menschen sie innerlich reifen lassen, sodass sie sich mit Haut und Haaren für diese einsetzt, sei es bei den lokalen Behörden, bei den Geldgebern in der Schweiz oder bei den Verantwortlichen einer zwiespältigen Flüchtlingspolitik in unserem Land. Am Schluss missachtet sie Vorschriften, um ihren gefährdeten Jugendlichen die Flucht zu ermöglichen. Deshalb muss sie das Heim verlassen, erhält aber später die Auszeichnung «Gerechte unter den Völkern».

diskutieren Lebensfragen oder die via einen verbotenerweise benutzten Transistorradio empfangene aktuelle Politik. Einfach nur eindrücklich, ermutigend. Der Autorin Franziska Greising gelingt es, die Atmosphäre in diesem La Hille einzufangen und die Leserin, den Leser mitzunehmen. Man kann sich diesem Sog nicht entziehen, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Während dem Lesen dieses Romans habe ich ab und zu an unsere sechs Enkelkinder gedacht, die in ihren Familien aufwachsen dürfen, in einem Land mit Wohlstand, angstfrei, mit vielfältigen Perspektiven. Und ich erinnere mich an das vierzehnjährige Mädchen, welches eines Tages in mein Schulleitungsbüro kam und mich fragte: «Herr Abplanalp, wissen Sie wirklich nicht, wer mein Vater ist? Ich suche ihn immer noch.» – Ich wusste es wirklich nicht. •

BEEINDRUCKENDER LEBENSMUT Im Mittelpunkt des fiktiven Romans, der sich auf historische Tatsachen stützt, steht das tägliche Leben dieser 100 Kinder und Jugendlichen, deren Vorgeschichten immer wieder eingeblendet werden: Ihre Eltern sind umgekommen, wurden in Lager verschleppt, sind geflüchtet nach England oder in die USA zum Beispiel. Und trotz alledem beweisen die Kinder Lebensmut, sammeln Holz für den nächsten Winter, arbeiten in Werkstätten, pflanzen Gemüse an, gehen zur Schule oder unterrichten sich selber, spielen, lieben und # 02 ~ 2017

«Am Leben», Franziska Greising, Zytglogge Verlag, 500 Seiten, 38 Franken.


~ Service ~ BUCHTIPPS

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~ Roman ~

RELIGIÖSE REGELN UND STILLE REBELLIONEN Die 19-jährige Chani Kaufman ist orthodoxe Jüdin und wird mit dem um ein Jahr älteren Baruch verheiratet. Beide haben eine Kindheit und Jugend nach den Bräuchen der ultrakonservativen Juden mitten im modernen multikulturellen London verbracht. Die Hochzeit wurde von einer professionellen Vermittlerin arrangiert, und Chani hofft einfach, dass sie Baruch zu lieben lernt während der Ehe. Die junge Braut sucht Rat für Hochzeitsnacht und Eheleben bei der Frau des Rabbi, Rebbetzin Rebecca. Diese allerdings geht insgeheim bereits seit längerem den umgekehrten Weg. Sie ist daran, ihren Mann Chaim zu verlassen. Die beiden haben sich als junge Studierende in Minirock und Jeans im Jerusalem der 80er Jahre kennen und lieben

1957. Eric Devon führt ein scheinbar erfolgreiches Leben in London. Nur seine Frau Nora weiss, dass Eric eigentlich aus Berlin stammt und während des Krieges nach London

gelernt. Die unbeschwerte Beziehung wird durch Chaims Tora-Studien immer mehr von traditionellen Regeln und Ritualen verändert. Rebecca gibt viel auf, schafft es aber nie ganz, dort anzukommen, wo Chaim längst ist. Die Autorin Eve Harris kennt die Welt, die sie in ihrem Romanerstling «Die Hochzeit der Chani Kaufman» beschreibt, aus eigener Erfahrung. Sie erzählt warmherzig und mit feinem Humor von einer abgeschotteten Gesellschaft voller Vorschriften und Traditionen. Während sich die Mädchen mit Schweissbächen und Juckreiz herumschlagen (sie tragen auch im Hochsommer dicke Strümpfe und lange Kleider), sind die Nöte der jüdischen Studenten beim Anblick der nichtjüdischen Kommilitoninnen in sommerlicher Bekleidung ganz anderer Natur. Besonders witzig ist die Begegnung der Bräutigamsmutter mit der Heiratsvermittlerin. Die beiden unterhalten sich nur in zuckersüssen Freundlichkeiten, ihre Gedanken sind aber von rabenschwarzer Boshaftigkeit.

geflohen ist. Dort wurde er britischer Staatsangehöriger und hat seither nie mehr deutsch gesprochen. Doch die angenommene Identität, die verdrängten Erinnerungen belasten Eric immer mehr. Er leidet unter Schlafstörungen und bricht unter dem psychischen Druck zusammen. Nora erkennt, dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss und überredet ihn zu einer Reise nach Berlin. Zusammen mit Nora und einer befreundeten amerikanischen Journalistin – der Ich-Erzählerin – reist Eric in seine Heimatstadt. Er findet sein Elternhaus, wo noch immer eine Tante lebt. Eric glaubte bislang, dass sie Schuld am Tod seines Vaters trägt. Doch nun erzählt sie ihm ihre Geschichte. Eric kann seine Erinnerungen verarbeiten und einen Neuanfang wagen. Erfreulich, dass dieser 1962 erstmals auf Deutsch erschienene beeindruckende Roman nun wieder neu aufgelegt wurde. Im Nachwort der deutschen Autorin Ulrike Draesner erfährt man auch etwas über das spannende Leben der Amerikanerin Verna B. Carleton, die mit Frida Kahlo, Sylvia Beach und Gisèle Freund befreundet war.

«Die Hochzeit der Chani Kaufman», Eve Harris, Diogenes Verlag, 26 Seiten, 23 Franken.

~ Roman ~

AUF SPURENSUCHE IN BERLIN

«Zurück in Berlin», Verna B. Carleton, Aufbau Verlag, 26 Seiten, 23 Franken.

Die Tipps auf dieser Seite sind erlesen und beschrieben von Andrea Kalt und Barbara Maurer von der Buchhandlung Doppelpunkt in Uster. www.doppelpunkt-uster.ch


Wie die Meerkatze an Land kam Von MELANIE BORTER (Text) und MARIE-ANNE SPROSS (Illustration)

E

s war einmal eine kleine Meerkatze. Die lebte im Meer – natürlich, wo sonst. Sie lebte aber nicht irgendwo im Meer, sondern auf dem Meeresgrund. Klar wäre sie auch gerne in den Weiten des Meeres herumgeschwommen, wie all die anderen Fische, Quallen und Delfine. Aber leider konnte die Meerkatze nicht so gut schwimmen. Sind wir ehrlich: Sie konnte überhaupt nicht schwimmen. Bloss zappeln konnte sie mit ihren viel zu dünnen Armen und Beinen und dem langen dünnen Schwanz. Dabei schob sie das

Wasser jeweils hin und her, hinauf und hinunter und wenn sie Glück hatte, trieb es sie in irgendeine Richtung. Das fühlte sich dann an, als schwimme sie. Und sie war glücklich. So war die Meerkatze mit ihren täglichen Schwimm-Zappel-Versuchen und ihrem Leben durchaus zufrieden. Und es wäre vermutlich noch lange so geblieben, wenn da nicht eines Tages ein verwirrt-verirrter Flusskrebs vorbeigekommen wäre. Wie ein Flusskrebs mitten auf den Meeres-

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grund geraten kann? Das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird. Auf jeden Fall stiess der Flusskrebs, als er die Meerkatze erblickte, ein sehr entsetztes «Jesses» aus. Dabei zeigte er mit seinen beiden Scheren und allen vier Fühlern nach oben. «Jesses», sagte er nochmals. Dann schwamm er ganz nah an das rechte Ohr der Meerkatze und flüsterte hinter vorgehaltenen Scheren: «Du gehörst doch auf den Baum hinauf.» Die Meerkatze musste kichern, weil die langen Fühler des Flusskrebses in ihr Ohr


~ Service ~ VORLESEGESCHICHTE

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geraten waren. Das kitzelte fürchterlich. Sie kratze sich am Ohr. Als sie sich wieder umsah, war der Flusskrebs weg. Was hatte der Krebs gesagt? Wie mochte so ein Baum denn bloss aussehen? (Die Meerkatze hatte natürlich noch nie in ihrem Leben einen Baum gesehen, weil Bäume ja nur an Land

Meerkatze entschuldigte sich und ging weiter. Da traf sie auf eine Kammmuschel. «Entschuldigung, kannst du mir sagen, wo ich den Baum finde?», fragte sie freundlich. Die Kammmuschel öffnete sich langsam. Eine ganze Weile stand die Meerkatze da und hoffte auf eine Antwort. Aber irgend-

sanften Landung auf dem Meeresgrund an. Ganz aufgeregt fragte die Meerkatze weiter: «Ja und wo finde ich denn diesen Land?» «Dieses Land», korrigierte die Meeresschildkröte geduldig. «Da musst du ans Ende des Meeres.» «Ans Ende des Meeres? Das Meer hat ein Ende?», fragte

und nicht auf dem Meeresboden wachsen.) Der Flusskrebs hatte gesagt «auf den Baum hinauf». Als musste der Baum ziemlich gross sein, mindestens viel grösser als sie selbst, dachte die Meerkatze. Und weil ihr so etwas grosses wohl aufgefallen wäre, überlegte sie weiter, musste der Baum wohl die Farbe von Meerwasser haben, so dass man ihn fast nicht sah, wenn er vorbeischwamm. Und natürlich konnte so ein Baum sehr gut schwimmen, war sie überzeugt. Und sie stellte sich vor, wie sie auf diesem Baum sitzen konnte und mit ihm durch die Weiten des Meeres gleiten konnte. Und weil der Baum ja im Wasser fast nicht sichtbar war, glaubten alle Fische und alles Meeresgetier diese Meerkatze schwimmt. So stellte sie sich das vor und machte sich kurzentschlossen auf, den Baum zu suchen.

wann gab sie auf, verabschiedete sich höflich und ging weiter. Mit diesen Tieren am Meeresgrund war es aber auch besonders schwer ins Gespräch zu kommen. Sie sollte sich wohl besser an die Schwimmer halten, dachte sie. Und just in diesem Moment kam ein Schwarm Heringe vorbei. «Entschuldigung, könnt ihr mir sagen, wo ich den Baum finde?», fragte sie höflich. Aber die Heringe antworteten nicht. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, innerhalb des Schwarms am richtigen Ort zu schwimmen. Also ging die Meerkatze weiter. Da traf sie auf ein langschnäuziges Seepferdchen. «Entschuldigung, kannst du mir sagen, wo ich den Baum finde?», fragte sie. «Nein, tut mir leid», antwortete das Seepferdchen und war auch schon zwischen dem Seegras verschwunden. Überhaupt hatte es hier plötzlich sehr viel Seegras, bemerkte die Meerkatze und strich sich die langen grünen Fäden aus dem Gesicht. Da wurde es dunkel und ein grosser Schatten schwamm gerade über der Meerkatze vorbei, es war eine Meeresschildkröte. «Kannst du mir sagen, wo ich den Baum finde?», fragte die Meerkatze ohne eine Antwort zu erwarten. «Den findest du bestimmt nicht hier, da musst du schon an Land gehen», sagte die Meeresschildkröte kippte ihren Körper leicht nach links und setzte zur

die Meerkatze erstaunt. «Ja. Da, wo das Meer endet, da beginnt das Land. Zuerst ist das Land noch ziemlich ähnlich, wie der Meeresgrund – einfach ohne Wasser. Aber dann verändert sich das Land schnell. An Land ist alles viel farbiger und heller und es hat Bäume, das sind Pflanzen, die gross und grün sind und gegen den Himmel wachsen. Soll ich dich da hinbringen?», fragte die Meeresschildkröte freundlich. Die Meerkatze konnte ihr Glück nicht fassen. Schnell kletterte Sie auf den Rücken der Schildkröte und geleitete mit ihr dem Ufer entgegen.

Da traf die Meerkatze einen Seestern. «Entschuldigung, kannst du mir sagen, wo ich den Baum finde?», fragte sie freundlich. «Schschschscht! 2745, nein 2743? Nein! Jetzt hast du mich durcheinandergebracht, jetzt muss ich von vorne beginnen», sagte der Seestern gereizt. Er war wieder einmal damit beschäftigt, seine Arme zu zählen. Und weil er nach drei Zacken jeweils vergass, wo er mit zählen begonnen hatte, zählte er einfach weiter und weiter. Die

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Und als die Meerkatze das erste Mal aus dem Wasser trat, fühlte sie sich so leicht, so unbeschwert. Ganz so, als würde sie schwimmen. Sie setzte sich auf einen Felsen, liess ihr Fell von der warmen Sonne trocknen und betrachtete die grossen, grünen Bäume, die so ganz anders aber viel schöner waren, als sie sich das ausgemalt hatte. •


~ 02/2017 ~ WETTBEWERB

Gewinnen Sie ein Schnupperwochenende für zwei Personen im Wert von 990 Franken.

SCHNUPPERTAGE FÜR ZWEI Entdecken Sie unser Resort, die Spa-Welt und die grandiose Landschaft rund um den Thunersee. Egal ob Regen oder Sonnenschein: Im und um den Deltapark wird Ihnen bestimmt nicht langweilig. Das Schnupperweekend-Special enthält: Übernachtung im Doppelzimmer der jeweiligen Zimmerkategorie, feines Frühstücksbuffet und zwei 4-Gang-Abendessen im Restaurant. Freier Eintritt in den Delta-Spa mit Sole-Innenpool, Aussen-Whirlpool, Strandliegewiese, Dachterrasse, Textilsaunabereich mit Salzsauna, Kräutersauna, Dampfbad, Erlebnisdusche, Nacktsaunabereich mit Feuersauna, Biosauna, Dampfbad und diversen Ruhezonen. Freier Eintritt in die Delta-Spa-Fitnesszone mit Fitnessgeräten und Gruppenaktivitäten wie Yoga oder Pilates (je nach Wochenprogramm). Ganzkörpermassage zu zweit à 50 Minuten.

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~ Marktplatz ~ EMPFEHLUNGEN UNSERER KUNDEN & PARTNER

~ Baumeler Reisen ~

MADEIRA, DIE INSEL DES EWIGEN FRÜHLINGS ~ Für die jüngsten Gäste ~

SKISCHULE INKLUSIVE Arosa möchte seine jungen Gäste wieder auf die Piste bringen und so die Freude am Schneesport wecken. Mit den sympathischen Schneesportschulen bietet Arosa beste Voraussetzungen, um den Nachwuchs auszubilden. «Skischule inklusive» ist ein echter Mehrwert für Familien: Kinder und Jugendliche bis und mit Jahrgang 1999 profitieren von kostenlosem Ski- und Snowboard-Gruppenunterricht. Detaillierte Infos zum Angebot finden Sie unter: www.arosa.ch

~ Kontiki Reisen ~

NORDISCHE ABENTEUER Draussen fallen die Temperaturen, drinnen beginnen die Sommerferien: Mit den neuen Katalogen von Kontiki Reisen werden exklusive Reiseträume wahr. Entdecker erleben Pioniergeist im Franz-Josef-Land – ein nicht unbekanntes, aber beinahe unberührtes Naturparadies in

Die portugiesische Insel mit den steil ins Meer abfallenden Küsten lädt zum Wandern und Verweilen ein. Strassen und Wege durchziehen Madeira in unendlichen Windungen. Wie Schlangen schmiegen sich die sprudelnden Levadas, die künstlichen Wasserläufe, auf verschiedenen Höhen dem traumhaft schönen Gelände an. Hier zu Fuss unterwegs zu sein ist ein Genuss. Immer wieder sind die vielfältige Vegetation und die faszinierenden Ausblicke auf das Meer zu bewundern. Madeira gilt als üppige Blumeninsel, als schwimmender Garten im Atlantik. Tatsächlich blühen das ganze Jahr über verschiedene Pflanzen aus aller Herren Länder. Abreisen: 25.02./ 18.03./ 25.03./ 01.04./ 08.04. 15.04./ 06.05./ 20.05./ 23.09./ 07.10.2017 8 Tage ab 1910 Franken, Webcode 238. Weitere Infos finden Sie auf baumeler.ch

der russischen Arktis. Ein Klassiker ist die Reise mit den Hurtigruten entlang der norwegischen Küste. Diese haben sich mit fünf frisch renovierten Schiffen und der neu erschaffenen Erlebniswelt ein neues Kleid verpasst. Drei der Postschiffe haben ausserdem neu ein Kinderprogramm an Bord. Überhaupt baut Kontiki sein Familienangebot aus, weil auch die kleinen Kunden grosse Träume haben. Ob Inselhüpfen in Dänemark oder ein Besuch bei Pippi – kurze Distanzen sind Programm, inklusive Unterhaltung, etwa im Vergnügungspark oder an kilometerlangen Sandstränden. Erholsame Familienzeit erleben Klein und Gross auch in unseren Blockhäusern in Finnisch Karelien, teilweise mit Seeanschluss und immer idyllisch gelegen. Weitere Leckerbissen entdecken Sie in den neuen Sommerkatalogen 2017 zu Skandinavien, Schottland, Island/ Grönland und Russland/Baltikum. www.kontiki.ch

Die auf dieser Seite publizierten Texte stammen von unseren Anzeigenkunden und Partnern.

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~ Service ~ RÄTSEL

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Viel Spass beim Rätseln wünscht Sudoku

Binoxxo

Schwierigkeit: mittel

Schwierigkeit: leicht

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2 9 2 5 3 2 7 5 8 8 4 6 3 4 9 9 4 2 1 6 3 9 Conceptis Puzzles

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Conceptis Puzzles

Füllen Sie das Rätselgitter mit den Zeichen O und X vollständig aus. Es dürfen nicht mehr als zwei aufeinanderfolgende X und O in einer Reihe oder Spalte vorkommen. In jeder Zeile oder Spalte stehen vier X und vier O. Alle Zeilen und Spalten sind einzigartig. www.binoxxo.ch

06010031778

Bimaru

Schwierigkeit: schwer

2

Anleitung Binoxxo:

Schwierigkeit: leicht

3 1

Conceptis Puzzles

08010000623

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So lösen Sie Bimaru:

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• Die Nummer am Ende jeder Zeile oder Spalte sagt Ihnen, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind.

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5 3 6 06010030274

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1

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So lösen Sie Sudoku: Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen.

1 Frachter 3 Kutter

2 Yachten 4 Jollen

Finde die 8 Unterschiede Die Lösungen der Rätsel auf dieser Seite finden Sie auf unserer Webseite www.grosseltern-magazin.ch/raetsel # 02 ~ 2017

Finden Sie die vorgegebene Anzahl Schiffe. Dabei gilt:

• Schiffe dürfen sich nicht berühren, weder horizontal oder vertikal noch diagonal. Das heisst, jedes Schiff ist vollständig von Wasser umgeben, sofern es nicht am Rand liegt. Unsere Tipps zu Bimaru: • 0er Zeilen und 0er Spalten als Wasser markieren • Um Schiffe rundherum das Wasser einzeichnen • Zuerst grosse Schiffe platzieren • Gefundene Schiffe abkreuzen


~ Service ~ RÄTSEL VON CHRISTA CAMPONOVO

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Steht im Dessousladen? -

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Gewinnen Sie einen Gutschein im Wert von 200 Franken von www.fcw.ch

6 Jacky Brown und Baby Miller tanzten ihn. 14 Landjäger einkaufen (ein Wort)? 15 Wieder singend an Rominas Seite. 17 Erhebt sich als Kunst oder Landschaft.19 Länder verbindender Lac. 22 Ankündigungen; mit Pünktchen Aktion mit Fuchsschwanz. 23 EU-Studienprogramm ohne Ende. 24 Kurzer Ort für lange Bücherregale in Bern. 25 Ihm fehlen Kopf, Arme und Beine. 26 Wo Vincents Schlafzimmer und das Café Terrace standen. 29 Entstehen, wenn organische Stoffe vergären. 31 Herbstnachfolger. 34 Schreibstoff von anno dazumal. 35 Hundebegleitung und Knickerbocker zeichnen ihn aus. 36 Verliess das Haus und hält sich oft in Kreuzworträtseln auf. 37 Neudeutscher Trampelpfad. 39 Werden für den Schmarrn benötigt. 40 …schaft, …erheim,…en. 41 Macht Nager zum behelfsmässigen Schlafplatz. 42 Der Beginn des Augenwassers. 43 Macht Charles vor dem Rotlicht.

senkrecht 1 Reden sei so. 2 Steht vor Buin, Nair und Palü. 3 Unsüsses aus den Bergen? 4 Einbeziehung in ein größeres Ganzes. 5 …Giovanni, ...Camillo. 6 Konflikt-Perspektiv-Analyse 7 Was hierzulande der Töff. 8 Steht im Abba-Song neben der Mutter. 9 Neu in alter Sprache. 10 Türkentrank. 11 Bescherte uns Krieg und Frieden. 12 Kontinent auf Italienisch ist auch eine Band. 13 Eine in den Bann Gezogene oder Unfreie. 16 Ein kühles solches kann erfrischen. 18 Essbare Kugel aus zum Beispiel Griess. 20 Von Grönemeyer besungene Gattung. 21 Kurze Seemeile 27 Von Sportlern gerne genannte Grenze. 28 So eine Sprache ist vulgär. 30 Schweizerisches Bein lässt an Alt-Bundesrat denken. 31 Naschmarktstadt. 32 Erster Teil der hebräischen Bibel. 33 Prügelbefehl weiblichen Ursprungs. 38 Ein 2 senkrecht von unten nach oben.

Das Lösungswort ergibt sich aus den eingefärbten Feldern fortlaufend. Schicken Sie uns dieses zusammen mit Ihrer Postadresse per E-Mail an raetsel@grosseltern-magazin.ch oder via Post an 3G Media GmbH, Grosseltern, Kronengasse 4, 5400 Baden. Einsendeschluss ist der 28.2.2017. Die Lösung des Dezember-Rätsels finden Sie auf Seite 81. # 02 ~ 2017


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~ Service ~ CARTOON VON RENATE ALF

Vom Leben als Grossmutter

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~ Service ~ IMPRESSUM / VORSCHAU

Impressum Ausgabe 02/2017 Erscheinungsweise monatlich, 10-mal im Jahr Auflage 17 000 Exemplare Preise EINZELPREIS CHF 9.50 JAHRESABO CHF 85.– (10 Ausgaben) 2-JAHRESABO CHF 160.– (20 Ausgaben) PROBEABO CHF 20.– (3 Ausgaben) JAHRESABO EUROPA CHF 120.– (10 Ausgaben) Copyright Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Für unverlangte Einsendungen wird jegliche Haftung abgelehnt. Herausgeberin 3G MEDIA GMBH Kronengasse 4 CH-5400 Baden +41 56 558 91 77 info@3g-media.ch Druck & Vertrieb AVD GOLDACH AG www.avd.ch

Vorschau #3 / 2017

Verlag 3G MEDIA GMBH www.grosseltern-magazin.ch

Erscheint am 24.2.2017

Verleger DOMINIK ACHERMANN Redaktion GEORG GINDELY –GG Chefredaktor +41 56 558 91 77 georg.gindely@grosseltern-magazin.ch MELANIE BORTER –MB Stv. Chefredaktorin melanie.borter@grosseltern-magazin.ch PIUS ACHERMANN –PA Redaktor pius.achermann@grosseltern-magazin.ch Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe: Hans Abplanalp, Christa Camponovo, Marlis Friedrich Baumgartner, Sabina Bobst, Ruth Fries, Markus Fueter, Sascha Garzetti, Beat Gloor, Hanna Hinnen, Jochen Ihle, Katharina Ley, Edy Riesen, Helmi Sigg, Marie-Anne Spross, Susanne Stöcklin-Meier, Liz Sutter (LS), Maren Tromm (MT), Eli Wilhelm

GROSSELTERNTAG 2017 Am Sonntag, 12. März, findet zum zweiten Mal der Grosselterntag statt. Im Fokus steht das Thema «Was Grosseltern ihren Enkelkindern bedeuten». Zudem bieten dieses Jahr über 30 Museen, Zoos und andere Ausflugsziele besondere Aktionen an. Wir bieten eine Übersicht und lassen Enkel erzählen, weshalb ihnen ihre Grosseltern so wichtig sind.

Layout BÜRO HAEBERLI, ANDREA MENDLER www.buerohaeberli.ch Fotografie Madelaine Ammann, Sabina Bobst, Stephan Bösch, Thomas Burla, Ursula Markus, Tibor Nad, Barbara Sigg, Salvatore Vinci, Marco Zanoni Illustrationen Renate Alf, Andrea Mendler, Marie-Anne Spross, Paula Troxler Korrektorat Martin Hug Verkauf & Vermarktung DOMINIK ACHERMANN +41 76 394 23 26 dominik.achermann@grosseltern-magazin.ch FERNANDO PALENCIAS +41 79 332 82 65 fernando.palencias@grosseltern-magazin.ch

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DOSSIER: DAS ERSTE JAHR Was einen erwartet, wenn das erste Enkelkind auf die Welt kommt, und welches die wichtigsten Entwicklungsschritte im ersten Jahr sind.

SERIE: ERZIEHUNG (2) Eltern und Grosseltern haben beim Thema Erziehung oft andere Meinungen. Margrit Stamm erklärt, warum das so ist und wie sich Konflikte vermeiden lassen.

~ #12/2016 & #01/2017 ~

DES RÄTSELS LÖSUNG

Abonnemente ABODIENST GROSSELTERN-MAGAZIN Industriestrasse 37, CH-3178 Bösingen +41 31 740 97 53 abo@grosseltern-magazin.ch

waagrecht

4 Kerzenhalter 11 Weihnachten 14 April 15 Lepre 17 Agape 19 Nippon 22 Gieng 23 Aale 24 Irrgarten 26 Oulu 27 Axa 28 Inne 29 Trend 30 Sattel 32 To 33 Ideal 35 Iane 35 Lernen 36 Lesson

senkrecht

1 Inning 2 PTT 3 Urne 5 Ewig 6 Rea 7 Zipperlein 8 Ehrenrunde 9 Halifax 10 ACL 12 Hepatitis 13 Ernennen 16 Polenta 18 AI 20 Para 21 Spielen 22 Grotte 24 Iuror 25 Gaden 30 Sal 31 Ale

Lösungswort Krippenspiele

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~ ~ Kolumne Kolumne ~ ~ SCHLUSSWORT SCHLUSSWORT

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NOSTALGIE

Helmut Hubacher von oben auf den Kopf geschaut

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ine Portion Nostalgie von Zeit zu Zeit tut jedem Menschen gut, besonders auch uns Grosseltern. Wir geniessen sie doch, diese manchmal verschämten, manchmal offen in die Vergangenheit gerichteten Blicke. Auch wenn wir geistig, physisch, psychisch, mental, digital und weiss der Kuckuck wie noch fit sind, die Augen und alle übrigen Sinne immer vorwärts in eine (leider) immer kürzer werdende Zukunft gerichtet haben. Wir, die GA-Flyer-Auto-Flug-2.Säuleerprobte Generation im AHV-Alter, wir haben einiges geleistet, selbst- und fremdverschuldet. Zugegeben: Nicht alle erleben diesen dritten Lebensabschnitt so toll wie eben geschildert und sollen selbstverständlich auf Unterstützung jeglicher Art zählen dürfen.

Einer, der 300 Seiten lang auf sein Leben zurückschaut, ist der uns älteren Semestern wohlbekannte Politiker Helmut Hubacher, der ab 1963 während 34 (!) Jahren als Nationalrat für die SP politisierte und diese Partei von 1975 bis 1990 leitete. In seinem Buch «Das habe ich gern gemacht» (Zytglogge Verlag) schreibt der heute 90 Jahre alte Gewerkschafter und Journalist in einer süffigen, verständlichen Sprache über Ereignisse in unserem

Land, über bekannte Personen und Persönlichkeiten aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Vergangenes Jahrhundert, das tönt ja so von früher und lässt mich manchmal geradezu erschauern, bin ich doch noch in dessen erster Hälfte geboren worden. Als Sohn eines Gewerkschafters und als parteiloser Politikfreak, der meist rot-grün-orange wählt und abstimmt, habe ich die Lektüre genossen. Interessierte aller andern politischen Färbungen werden in diesem Buch ebenso manches «Ah-ja-Erlebnis» haben, auch wenn das Selbstbewusstsein des Autors ab und zu ganz leicht überschwappt. Aber bei jahrzehntelang geleisteter Arbeit im politischen Elite-Kuchen darf das sein Plätzchen haben. Ich habe Helmut Hubacher übrigens oftmals auf den Kopf geschaut, von oben herab, von der Zuschauertribüne des Nationalratssaals. Während meiner Gymnasialzeit von 1963 bis 1967 in Bern besuchte ich während der Sessionen immer wieder die Debatten unseres Parlaments, welches damals meist vollzählig anwesend war, nicht in der Wandelhalle, nein, im Saal. Nostalgie lässt grüssen. Die Tribüne konnte man damals jederzeit problemlos betreten! Nostal..., aber lassen wir das. # #02 02 ~~ 2017 2017

Und solange wir nicht in der nostalgischen Verklärung vergangener Zeiten dahinschmelzen wie ein Osterhase an der Frühlingssonne, so lange dürfen, sollen, ja, müssen wir wohl auch schwelgen in all dem, was einmal war und nicht wieder kommt. Und ehrlich: Besser war ja wirklich nicht alles, einiges war schrecklich – eben anders als heute. •

Hans Abplanalp, 68, war Lehrer und Schulleiter und schrieb über 20 Jahre lang satirische Textbeiträge für Radio SRF 1 (Kaktus, Satiramisu). Er ist verheiratet, hat drei Kinder und sechs Enkelkinder und lebt in Münsingen.


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ubs.com/ltt Für Marketing- und Informationszwecke von UBS. UBS Fonds nach luxemburgischem Recht. Prospekt, vereinfachter Prospekt bzw. Wesentliche Informationen für den Anleger, Statuten bzw. Vertragsbedingungen sowie Jahresund Halbjahresberichte der UBS Fonds können kostenlos bei UBS AG, Postfach, CH-4002 Basel bzw. bei UBS Fund Management (Switzerland) AG, Postfach, CH-4002 Basel angefordert werden. Investitionen in ein Produkt sollten nur nach gründlichem Studium des aktuellen Prospekts erfolgen. Die genannten Informationen sind weder als Angebot noch als Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf irgendwelcher Wertpapiere oder verwandter Finanzinstrumente zu verstehen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Quelle für sämtliche Daten und Grafiken (sofern nicht anders vermerkt): UBS Asset Management. Dieses Dokument enthält «zukunftsgerichtete Aussagen», die unter anderem, aber nicht nur, auch Aussagen über unsere künftige Geschäftsentwicklung beinhalten. Während diese zukunftsgerichteten Aussagen unsere Einschätzung und unsere Geschäftserwartungen ausdrücken, können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere wichtige Faktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden. Vertreter in der Schweiz für UBS Fonds ausländischen Rechts: UBS Fund Management (Switzerland) AG, Postfach, CH-4002 Basel. Zahlstelle: UBS Switzerland AG, Bahnhofstrasse 45, CH- 8001 Zürich. Prospekt, vereinfachter Prospekt bzw. Wesentliche Informationen für den Anleger, Statuten bzw. Vertragsbedingungen sowie Jahres- und Halbjahresberichte der UBS Fonds können kostenlos bei UBS AG, Postfach, CH-4002 Basel bzw. bei UBS Fund Management (Switzerland) AG, Postfach, CH-4002 Basel angefordert werden. © UBS 2017. Alle Rechte vorbehalten.


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